Allgemeine Lage
Filz und Anbiederung im Umweltschutz
Rechts: Endlich auch angekommen im Ökobereich ... sexistische Werbung
Während in den meisten Industrieländern die drängendsten Umweltprobleme (Luft, Wasser, Boden) gelöst zu sein scheinen und eine Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Umweltverbrauch erreicht wurde, nehmen die Umweltprobleme in den Entwicklungsländern damatisch zu. Die Bevölkerung wächst, die Verstädterung schreitet fort und die Umweltprobleme steigen ins Unerträgliche.
(aus: Reimund Schwarze, 2000: Internationale Klimapolitik, Metropolis Marburg, S. 104)
Wie geht es dem Naturschutz in Deutschland?
Schlecht und immer schlechter. Das Artensterben schreitet voran, die Liste der vom Aussterben bedrohten Arten wird immer länger. Und - was mindestens genauso bedenklich ist - die Liste der gefährdeten Lebensräume wächst auch energisch an.
(DNR-Geschäftsführer Helmut Röscheisen im Interview, in: punkt.um 10/2001, S. 22)Wenn die Naturschützer einen Truppenübungsplatz aufkaufen, um daraus ein Naturschutzgebiet machen zu wollen, ist das ein tolles Ding. Aber das ist punktuell und ändert nichts an gesellschaftlichen Strukturen, die Truppenübungsplätze hervorbringen.
(Auszug aus einem Interview mit Pfarrer Hans-Peter Gensichen, Umweltforschungsheim Wittenberg, in der taz)
Man braucht nur in einen Buchladen zu gehen: Vor 15 Jahren standen viele Umweltbücher in den Regalen, heute sind es nur wenige. Die öffentliche Meinung bestimmt eine Mischung aus Frustration und Entwarnung.
(Christian Hey, Generalsekretär des Rates von Sachverständigen für Umweltfragen, im Interview in den Umweltkommunalen Briefen 12.12.2001, S. 27)
Auszug aus Bookchin, Murray (1992): "Die Neugestaltung der Gesellschaft", Trotzdem-Verlag in Grafenau (S. 157 f., mehr Auszüge)
Die ökologische Bewegung ist in mehrere fragwürdige Strömungen gespalten, die sich häufig direkt widersprechen. Viele Menschen sind einfach nur ganz pragmatische Umweltschützer. Ihre Bemühungen konzentrieren sich auf punktuelle Reformen wie beispielsweise die Kontrolle von Sondermüll, den Widerstand gegen den Bau von Kernkraftwerken, Beschränkungen des urbanen Wachstums und dergleichen. Zweifellos sind solche Kämpfe notwendig und sollten nicht als beschränkt oder Stückwerk geringgeschätzt werden, bremsen sie doch den atemlosen Wettlauf in Katastrophen wie Tschernobyl oder Love Canal.
Sie können aber nicht die Notwendigkeit ersetzen, zu den Wurzeln der Verwerfungen der Umwelt zu gelangen. Solange sie sich auf bloße Reformen beschränken, tragen sie oft sogar zu der gefährlichen Illusion bei, daß die gegenwärtige gesellschaftliche Ordnung in der Lage ist, ihre eigenen Mißbräuche wiedergutzumachen. Die Denaturisierung der Umwelt muß immer als dem Kapitalismus inhärent gesehen werden, als das Produkt seiner eigenen Gesetzmäßigkeit, als Folge eines Systems unbegrenzter Expansion und Kapitalakkumulation. Den anti-ökologischen Kern der gegenwärtigen gesellschaftlichen Ordnung zu ignorieren - sei es in der westlichen Form der Konzerne oder der bürokratischen Form des (ehemaligen) Ostens - bedeutet, die allgemeine Sorge um die Tiefe der Krise und um wirksame Mittel zu ihrer Bewältigung zu beschwichtigen.
Als Reformbewegung der kleinen Schritte verstanden, erliegt die Umweltbewegung leicht den Verlockungen der Staatskunst, also der Teilnahme an Wahlen, parlamentarischen und parteiorientierten Aktivitäten. Es bedarf keiner großen Bewußtseinsänderung, um eine Lobbygruppe in eine Partei oder einen Petitionsschreiber in einen Parlamentarier zu verwandeln.
Zwischen dem Menschen der demütig von der Macht erbittet, und demjenigen, der sie arrogant ausübt, besteht eine düstere, nichts Gutes verheißende Symbiose. Beiden ist dieselbe Mentalität zu eigen, daß nämlich Veränderungen nur durch die Ausübung von Macht herbeigeführt werden können, und zwar durch die Macht genau jener sich selbst korrumpierenden professionellen Kaste von Gesetzesmachern, Bürokraten und Militärs, die man den Staat nennt. Die Berufung auf diese Macht dient unweigerlich der Bestätigung und Bestärkung des Staates, der am Ende das Volk entmachtet. Die Macht läßt im öffentlichen Leben kein Vakuum zu. Wo immer der Staat Macht erhält, geschieht dies auf Kosten der Volksmacht. Und umgekehrt: Alle Macht, die das Volk gewinnt, entreißt es dem Staat. Wer die Staatsmacht legitimiert, entlegitimiert im Endeffekt die Volksmacht.
Ökologische Bewegungen, die sich in parlamentarische Aktivitäten begeben, legitimieren nicht nur die staatliche Macht auf Kosten der Volksmacht, sondern sie sind auch gezwungen, innerhalb des Staates zu funktionieren und letzten Endes Blut von seinem Blute und Fleisch von seinem Fleische zu werden. Sie müssen sich an die "Spielregeln" halten, was bedeutet, ihre Prioritäten nach vorbestimmten Regeln zu setzen, über die sie keine Kontrolle haben.
Dabei bleibt es aber nicht bei einer bestimmten, Konstellation von Beziehungen, die sich aus der Teilnahme an der Staatsmacht ergeben; - vielmehr setzt ein fortwährender Prozeß der Degenerierung ein, die stetige Rückentwicklung von Idealen, Vorgehens_weisen und Parteistrukturen. Jede Forderung nach "wirksamer" Ausübung parlamentarischer Macht, erzwingt eine weitere Abkehr von den eigentlich unverzichtbaren Glaubens- und Verhaltensstandards.
Wer sind die Umweltbewußten?
Auszug aus Umweltbundesamt, 2002: "Umweltbewusstsein in Deutschland 2002" (Studie, Berlin)
Eine Gruppe von 20% der Bevölkerung ist besonders umweltengagiert und bildet eine Art Pressure Group für den Umweltschutz. Sie sind z.B. Mitglied einer Naturschutzgruppe oder eines Umweltschutzverbandes, spenden Geld für den Umweltschutz, sind generell zahlungsbereiter als der Durchschnitt. Sie fühlen sich selbst stärker durch Umweltprobleme belastet. Ihr soziodemographisches Merkmalsprofil komm einer Beschreibung der Neuen Mitte nahe: Sie verfügen sehr häufig über einen Hochschulabschluss, sind Freiberufler, leitende Angestellte oder im öffentlichen Dienst beschäftigt. Sie wohnen seltener an Hauptstraßen, häufiger in Ein- und Zweifamilienhäusern. Sie gehören nicht den niedrigen Einkommensklassen an, sondern verfügen überdurchschnittlich häufig über ein mittleres bis hohes Einkommen (jedoch nicht über ein sehr hohes). ...
Die Umweltengagierten sind keineswegs mit den Anhängern der Grünen gleichzusetzen, denn nur etwas jede fünfte Person dieser Gruppe würde Bündnis 90/Die Grünen wählen, wenn nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre. Damit ist der Stimmenanteil der Grünen in dieser Gruppe zwar überproportional hoch, doch erreichen CDU (25,5%) und SPD (23,8%) höhere Anteile. Die FDP würde nur von 2,6% der Umweltengagierten gewählt. Im Osten sieht es anders aus, dort würden 27,3% der Umweltengagierten PDS wählen, 20% CDU, 12,7% SPD, 10,9% Bündnis 90/Die Grünen und 1,8% FDP. (S. 12)
Die Umweltengagierten sind alles andere als eine Gruppe von Benachteiligten: Sie verfügen sehr häufig über einen Hochschulabschluss, sind Freiberufler, leitende Angestellte oder im öffentlichen Dienst beschäftigt. Sie wohnen seltener an Hauptstraßen, häufiger in Ein- und Zweifamilienhäusern. Sie gehören nicht den niedrigen Einkommensklassen an, sondern verfügen überdurchschnittlich häufig über ein mittleres bis hohes Einkommen (jedoch nicht über ein sehr hohes). Man könnte fast vermuten, hier werde eine Beschreibung der so genannten Neuen Mitte vorgenommen. (S. 94)
Autofreiheit 2005: Einladung zum autorfreien Sonntag besteht nur aus Anfahrtstipps fürs Auto
Auszug aus dem Sonntagmorgenmagazin Gießen, 28.8.2005, S. 26)
Öko-normal
Strukturen heutiger Umweltzentren: Frauen als Putzkräfte, eingeteilt von Bereichsleitung Verwaltung
Mail aus dem Umweltzentrum Hannover vom 4.2.2006
Liebe KollegInnen,
Anna ist letzte Woche für längere Zeit erkrankt. Wir erfuhren dies erst am Freitag-Nachmittag. Aufgrund eines glücklichen Zufalles konnte uns Monique (via bcs) am Freitag gleich aushelfen und das Nötigste putzen.
Wir bemühen uns um Krankheitsvertretung, allerdings werden wir uns wohl einige Tge selbst behelfen müssen.
MfG ... Bereichsleitung Verwaltung
Umweltzentrum Hannover e.V.
Hausmannstraße 9-10, 30159 Hannover
Telefon 0511-16403-29, Fax 0511-16403-91
www.umweltzentrum-hannover.de
verwaltung@umweltzentrum-hannover.de
Zwei Tage später (die Funktionäre können offenbar den Besen nicht halten ...):
Liebe KollegInnen, wir brauchen nun dringend eine Vertretung für Anna. Bitte macht uns doch Vorschläge, wer hier aushelfen könnte. Es handelt sich um 9 Wochenstunden, die als Minijob vergütet werden. Vertretungsdauer bis mind. Ende Februar, evtl. noch länger.
MfG ... Bereichsleitung Verwaltung
Umweltzentrum Hannover e.V.
Hausmannstraße 9-10, 30159 Hannover
Telefon 0511-16403-29, Fax 0511-16403-91
www.umweltzentrum-hannover.de
verwaltung@umweltzentrum-hannover.de
Alle unter einem Hut
Der Kongress "Solidarische Ökonomie" vom 24.-26.11.2006 in Berlin zeigte, welche Bündnisse in einer inhaltsleeren sozialen Bewegung möglich sind. Mit dabei waren neben den bekannten NGOs von Attac über BUKO bis zum DGB sowie etlichen sich linksradikal oder gar anarchistisch gebenden Gruppen wie Cafe Libertad, Contraste oder die Graswurzelrevolution auch:
- Esoterische und sexistische Gruppen wie das Global Ecovillage Network, dass vom sexistischen ZEGG, dem ZEGG-Ableger Tamera und vielen esoterischen Projekten dominiert wird.
- Parteiorganisationen wie die Rosa-Luxemburg-Stiftung.
- Die Freiwirtschaftsgruppe "Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung"
- Rechts: Auszug aus dem Einladungs-Flugblatt
Weltuntergang
Auszüge aus Heinberg, Richard (2004): "The Party's Over", Riemann Verlag in München (S. 338)
Wenn man den Zusammenbruch nicht völlig vermeiden kann, ist die beste Alternative ganz klar ein geregelter Zusammenbruch, bei dem die Gesellschaft auf bewusste, systematische Weise ihre Strukturen vereinfachen und ihre Abhängigkeit von nicht erneuerbaren Energiequellen reduzieren würde.
Links zu Fallbeispielen
- Öko-Institut fällt Anti-AKW-Initiative in den Rücken
- Texte zu Öko-Filz insgesamt

