UmweltschützerInnen im Filz mit Gentechnik und in Distanz zum Widerstand
NGO pro Gentechnik ++ Schnittstellen und Seitenwechsel ++ Distanzierungen ++ Links
Umweltverbände für Gentechnik
(Fast) alle Verbände für mehr Freisetzungen zur Sicherheitsforschung
Sie würden gern alle am Tisch der mächtigen sitzen. Daher veröffentlichen die deutschen Umweltverbände ständig Positionen als UnterstützerInnen der Forschung an der Gentechnik. Sie möchten Ernst genommen werden und glauben, dass nur erreichen zu können, wenn sie die Positionen der Gentechnikmafia übernehmen. Rund um den runden Tisch zur Gentechnik hauten Nabu, BUND, Greenpeace, Ökolandbauverbände usw. mehrere Pro-Gentechnik-Papiere raus ...
Selbst dabei sein, wenn Gentechnik erforscht wird ...
Auszüge aus dem 9-Punkte-Papier der Umwelt- und Ökolandbauverbände
Eine unzureichende finanzielle Ausstattung zur Erforschung existierender Risiken, eine fehlende Standardisierung der zentralen Messmethoden sowie ein mangelnder Zugang zu Versuchsmaterial für unabhängige WissenschaftlerInnen kennzeichnen die Sicherheitsforschung in den USA, in Europa und in Deutschland. ...
Die Unterzeichner fordern Frau Bundesministerin Schavan auf, folgende Forschungsfragen zu Nach-haltigkeit und ökologischen Risiken jenseits des etablierten Gentechnik-Netzwerkes zu vergeben. Die Ausschreibung sollte in Absprache mit einem Stakeholder-Kreis erfolgen, der wissenschaftliche Plu-ralität und Kompetenzen in Ökologie und ökologischem Landbau sowie Verbraucherschutz abbildet.
Erfassung gesundheitlicher Effekte von GVO ... Standardisierung und Systematisierung der Testsysteme ... Analyse der Wirkungen von gv-Mais auf Nicht-Zielorganismen ... GVO und Einsatz von Roundup ...
Auch Grüne für Gentechnikforschung
Auszug aus der Broschüre Nr. 16/1 "Gentechnik im Essen? Nein Danke!" (S.5)
Wir brauchen mehr Langzeitstudien, mehr unabhängige Risikoforschung, mehr Transparenz.
- Pro Gentechnikversuche in Interviews mit dem SWR (207.2009): NABU-Gentechnikreferentin Steffi Ober und DNR-Vizepräsident Hartmut Vogtman: "Wir wollen Versuche"
Synodalpräsidentin: Möglichkeiten der "Grünen Gentechnologie" erforschen
München (epd). Einen Nachweis der Unbedenklichkeit hat die bayerische Synodalpräsidentin Dorothea Deneke-Stoll (Ingolstadt) bei gentechnischen Eingriffen in die Natur gefordert. ...
Die Auswirkungen der "Grünen Gentechnologie" müssten intensiver erforscht werden, erklärte die Synodalpräsidentin. Dabei sollte geklärt werden, ob durch eine verantwortlich gebrauchte Gentechnik die Lebensverhältnisse der Menschen verbessert und drohende Ernährungskrisen abgewendet werden könnten.
Deutscher Umweltpreis an Gentechnik-Pionier und Firmenchef
Presseinformation am 3.10.2008 (Quelle)
Umweltfunktionäre fallen Gentechnikgegnern in den Rücken!
Kritik an Umweltpreisverleihung für Gentechniker
Umfragen bestätigen: Drei Viertel oder mehr Menschen in Deutschland lehnen die Gentechnik in Lebensmitteln und in der Landwirtschaft ab. In diesem Frühjahr konnten GentechnikgegnerInnen durch Gegensaaten, Feldbesetzungen und –befreiungen ungewöhnliche Erfolge bei direkten Aktionen gegen die Profitinteressen verfolgenden Konzerne und Forschungsinstitute erzielen. GentechniklobbyistInnen befürchteten schon das Aus der riskanten Technologie in Deutschland. Doch wer kommt ihnen in diesem Moment zu Hilfe? Die Eliten bundesdeutscher Umweltverbände. Was zunächst paradox klingt, hat jedoch System. Denn BUND, Deutscher Bundesstiftung Umwelt und anderen geht es oft mehr um staatliche Förderungen und Akzeptanz bei Regierungen als um die Sache. Seit Jahren schon hetzen sie einerseits gegen radikale Aktionen zur die Gentechnik, während sie gleichzeitig mit PolitikerInnen und Konzernen, die für Gentechnik eintreten, auf Schmusekurs gehen. Die aktuelle Verleihung des Deutschen Umweltpreises an den Chef und Gründer einer Gentechnikfirma, der auch zu den führenden Lobbyisten einiger Gentechnikbranchen gehört, ist nur ein trauriger Höhepunkt einer langen Serie ständigen Doppelspiels zwischen scheinheiliger Werbung und pragmatischer Verbandspolitik.
Deutsche Bundesstiftung Umwelt: Wirtschaftsförderung mit grünem Mantel
Verleiher des diesjährigen Umweltpreises ist die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Diese Stiftung speiste ihr Vermögen aus dem Verkauf von bundeseigenen Firmen. Seitdem pumpt sie Geld in Firmen mit innovativen Technologien. „Eigentlich wäre das ein Fall für die EU: Verbotene Subventionen“, kritisiert Jörg Bergstedt, seit Jahren engagierter Gentechnikgegner und Autor mehrerer kritischer Bücher über Wirtschafts- und Parteinähe von Umweltorganisationen. Gentechnik sei nicht das erste Mal unterstützt worden, doch diese Preisverleihung stelle einen traurigen Höhepunkt dar. An der Spitze der Stiftung stehe mit Hubert Weinzierl in Personalunion der Chef des Dachverbandes der deutschen Umweltverbände, DNR. Weitere Umweltfunktionäre sind dort vertreten.
Auch der BUND selbst, dem Weinzierl als Ehrenvorsitzender angehört, trat mehrfach gegen GentechnikkritikerInnen auf. So haben sich BUND-Funktionäre immer wieder von sogenannten „Feldbefreiungen“ distanziert, berichtet Bergstedt. Bei einer überregionalen Demonstration gegen die Gentechnik am 5. April dieses Jahres in Gießen sorgte der Verband dafür, dass Bauern der gentechnikfreien Region nicht über den dazugehörigen Emailverteiler mobilisiert werden konnten. Nach der harten Verurteilung von Feldbefreiern am 4. September in Gießen veröffentlichte der BUND-Bundesverband auf der von ihm betriebenen Seite zu gentechnikfreien Regionen ausgerechnet die Jubelmeldung des Gentechniklobbyisten „Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter“. Dort wurde die halbjährige Haftstrafe (ohne Bewährung) als „gerecht“ bezeichnet und bejubelt.
Mehr Eigeninitiative – weniger Verbandsmeierei!
Bergstedt sieht den Versuch der Verbände, allein durch gutes Zureden die Regierungen von der Gentechnik abzubringen, als gescheitert an. Schließlich würden PolitikerInnen wissen, dass sie seit Jahren einseitig Profitinteressen fördern gegen den Willen der überwältigenden Mehrheit. „Was wir brauchen, ist mehr direkte Aktion und widerständige Alltagspraxis“, fordert der Aktivist deshalb zum Handeln auf. „Die 80 Prozent Mehrheit gegen Gentechnik muss sichtbar werden – in den Supermärkten, auf den Feldern, in der Öffentlichkeit.“ Mitglied werden oder Spenden an Parteien oder Verbände, die ihre Propaganda mit Gentechnikkritik schmücken, sei zu wenig. Wenn FunktionärInnen dann noch die angreifen, die aus Eigeninitiative aktiv sind, sei die Eigeninitiative dem Hoffen auf Umweltverbände und Parteien spätestens vorzuziehen. „2008 soll das letzte Jahr für die Agro-Gentechnik gewesen sein – dafür brauchen wir widerspenstige und aktive Menschen nicht in Parteien und Verbänden, sondern dort, wo der Protest auch Wirkung zeigt!“
Mehr Informationen:
- Überregionale Sammlung direkter Aktionen gegen Gentechnik: www.gentech-weg.de.vu
- Unabhängige Gentechnikaktionen und –kritik in Hessen: www.gendreck-giessen.de.vu
- Kritische Seiten zum Umweltverbänden: www.projektwerkstatt.de/aes
- Buch „Reich oder rechts“ (IKO-Verlag Frankfurt, verfügbar über www.aktionsversand.de.vu)
- Deutsche Bundesstiftung Umwelt (mit Umweltpreisverleihung): www.dbu.de
Informationen zur Preisverleihung an Dr. Holger Zinke (Brain AG):
- Auszug aus der Internetseite des Preisverleihers DBU
„Dr. Holger Zinke als Unternehmensgründer und Vorstandsvorsitzender der BRAIN AG ist einer der zentralen Pioniere der deutschen Biotech-Branche. Als einer der ersten erkannte er die zunehmende Bedeutung, den Werkzeugkasten der Natur für industrielle Zwecke nutzbar zu machen. Zinkes Engagement ist es zu verdanken, dass ein deutsches mittelständisches Unternehmen als Schrittmacher für die nachhaltige Entwicklung einer gesamten Industriebranche fungiert.“ – Mit diesen Worten würdigte heute Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die Verleihung des Deutschen Umweltpreises 2008 der DBU an den 45-jährigen hessischen Unternehmer Dr. Holger Zinke. ...
„Denn die industrielle oder ‚weisse’ Biotechnologie, hilft Energie und Materialien einzusparen, schont endliche Ressourcen, entlastet damit die Umwelt und erhöht die wirtschaftliche Wertschöpfung. Dieses Potenzial hat Zinke erkannt und genutzt“, erläutert Brickwedde. ...
Seit in den 90er Jahren Holger Zinke sein Unternehmen gründete, habe sich einiges geändert: Mit gentechnischen Methoden und viel Entwicklungsarbeit sei es nun möglich geworden, die Erbinformationen von nicht kultivierbaren Mikroorganismen und damit den Bauplan für natürliche Stoffe zu „entschlüsseln“. So konnten ehemals unzugängliche Mikroorganismen und deren Syntheseleistung erstmals für die Produktion nutzbar gemacht werden. „Der Ansatz, den Zinke und sein Team verfolgen, ist innovativ, weil nunmehr erstmals der vollständige Werkzeugkasten der Natur für industrielle Zwecke zur Verfügung steht“, so Brickwedde. ...
Zinke und seinem Unternehmen sei es zu verdanken, dass die Biotech-Branche aus dem Schattendasein habe heraustreten können. Er habe sein Unternehmen 1993 auf der Basis eines traditionellen, mittelständischen Geschäftsmodells gegründet. Zu dieser Zeit sei die industrielle Biotechnologie in Deutschland noch ein Fremdwort und an Millionenbeträge für Biotech-Firmen nicht zu denken gewesen. Seither habe er das Unternehmen mit Augenmaß entwickelt und mehr als 50 zum Teil internationale Kooperationen erfolgreich abgeschlossen. Unter den industriellen Kooperationspartnern finden sich Spezialchemieunternehmen wie Evonik-Degussa, BASF, Celanese, Ciba, Clariant, aber auch Konsumgüterunternehmen wie Henkel und Südzucker oder der Riechstoff- und Aromenhersteller Symrise. „Die vielfältigen Anwendungsgebiete und das Methodenspektrum dieser Technologie machen sie zu einer branchenübergreifenden Schlüsseltechnologie, die zur Verwirklichung nachhaltiger Entwicklung beiträgt“, so Brickwedde.
Engagiert sei Zinke an zahlreichen Gründungen von Biotechnologiegesellschaften und Interessensvertretungen der Branche beteiligt gewesen. Er sei 1997 Mitgründer der Vereinigung deutscher Biotechnologie-Unternehmen. Maßgeblich sei er 2003 an der Gründung der Interessenvertretung der deutschen Biotech-Unternehmen BioDeutschland e.V. und 2006 dem Industrieverbund mikrobielle Genomforschung beteiligt gewesen. - Auszug aus der Bio-Pro-Werbeseite der Landesregierung Baden-Württemberg
Auch die chemische Industrie hat großes Interesse an Enzymen aus der Hohenheimer Biotech-Forschung. So wurden im Rahmen eines BMBF-Projekts - und wiederum in Zusammenarbeit mit der Brain AG - Nitrilhydratasen aus der Natur isoliert und gentechnisch optimiert. - Aus dem Bericht eines Journalisten-Workshops am 10. Mai 2006 in Hamburg zum Thema" Bereich der Biotechnologie – Perspektiven für den Forschungsstandort Deutschland"
Zur Grünen Biotechnologie: Die Referenten stellten übereinstimmend fest, dass die Rahmenbedingungen in Deutschland kein international wettbewerbsfähiges Potenzial für diesen Bereich der Biotechnologie mehr ermöglichen, das Chancen-Zeitfenster schließt sich. ... Damals habe es großen Widerstand in Deutschland gegeben. Aufgrund dessen sei es für Wissenschaft und Industrie fast unmöglich gewesen, weitere gentechnisch veränderte Produkte zu entwickeln. Die USA seien damals schon Vorreiter in der Entwicklung wichtiger gentechnisch veränderter Produkte gewesen. Deutschland habe mittlerweile den Anschluss verloren und spiele im „Konzert der Länder“ in diesem Bereich praktisch keine Rolle mehr.
Vor diesem Hintergrund wunderte sich Dr. Zinke über einen kürzlich vom Büro für Technikfolgenabschätzung erstellten Report, der erneut auf die Auswirkungen des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen eingeht. - Das jubeln die Richtigen: CDU-Umweltminister Dietzel begrüßt Preisverleihung an Gentechnik-Boss, in: Pressemitteilung des HMULV am 30.09.2008
- Die Ex-Ökos, jetzigen Öko-Hasser und Neoliberalen Miersch und Maxeiner forderten Umweltpreise für Gentechniker schon seit Jahren, z.B. auf ihrer eigenen Seite und in der Zeitschrift Focus 6/2002:
"Noch sind die Fortschritte der Gentechnik im Agrarbereich nicht besonders spektakulär. Aber manche Projekte, an denen Wissenschaftler zurzeit arbeiten, könnten drängende Umwelt- und Menschheitsprobleme lösen. Dürretolerantes oder salztolerantes Getreide wäre für trockene Regionen ein wahrer Segen. Eine wiederkehrende Reissorte, die wie ein Beerenstrauch jede Saison neue Früchte trägt, könnte die jährliche Bodenbearbeitung überflüssig machen und damit Erosionsprobleme eindämmen. Ertragreichere Sorten retten Regenwälder und Savannen, denn ohne höhere Ernten auf gleich bleibender Fläche gerät die Natur immer stärker unter Druck. Führende Köpfe des internationalen Naturschutzes begrüßen deshalb die grüne Gentechnik. Nicht Greenpeace und Vandana Shiva, sondern Wissenschaftler wie Beyer und Potrykus haben die Moral auf ihrer Seite. Den Deutschen Umweltpreis verdienen sie für ihre Leistung allemal." - Selbst die gentechnikkritische FR bietet dem Preisträger ein unkritisches Interview - er kommt aus Hessen (FR. 4.11.2008, D4)
Absurd: Kurze Zeit später profiliert sich derselbe BUND mit der Kritik am Nachhaltigkeitspreis für BASF und VW
WWF Niederlande will nachhaltige Gentechnik
- WWF-Seite pro Gentechnik, aber nachhaltig bitte ...
WWF Deutschland behauptet, sich (erstmal) dagegen auszusprechen mit folgender Formulierung (Mail vom 15.12.2008)
Der WWF hat global seine Meinung zum Thema gentechnisch veränderte Organismen (GVOs) formuliert und verlangt ein strenges Vorsorgeprinzip im Einsatz und in der Anwendung sowie ein transparentes Monitoringsystem. Demnach sollen keine gentechnisch veränderten Organismen verwendet werden, solange die ökologischen Auswirkungen nicht vollständig untersucht und evaluiert sind. Überall dort wo GVOs dennoch in der Umwelt eingesetzt werden, fordert der WWF ein rigoroses und fallspezifisches Genehmigungsverfahren durch Regierungen und designierte Regierungsstellen bevor GVOs in einem Land genehmigt werden.
Dann gab es Proteste ... und in einem Rundbrief war wenig später zu lesen:
Ein großes Dankeschön an alle, die der Umweltorganisation WWF Briefe geschickt haben, um deren Teilnahme an der Debatte um Nachhaltigkeitskriterien für Gentech-Soja, zu kritisieren. Euer Protest war SEHR erfolgreich. Die Umweltorganisation hat sich in einer Stellungnahme dafür entschuldigt, dass es den Anschein erweckt hat, sie billige Gentech-Soja.
Gut gemacht! ABER die Antwort auf ihrer Webseite ist immer noch sehr dürftig. Die Stellungnahme ist voll von Rechtfertigungen für den "Runden Tisch Verantwortungsvolle Soja" (RTRS), der das Thema Gentechnik vollkommen von der Tagesordnung gestrichen hat. Der WWF argumentiert damit, dass es dem Runden Tisch darum ginge, eine nachhaltige Produktion von Soja zu sichern - unabhängig davon, ob sie gentechnisch verändert ist oder nicht. Das sind Spitzfindigkeiten. Gentech-Soja ist mit Abstand die Pflanze, die am häufigsten in jenen Ländern Südamerikas angebaut wird, wo Soja erwiesenermaßen die Umwelt und die sozialen Strukturen zerstört. Gentech-SOJA ist grundsätzlich NICHT nachhaltig.
In der Antwort auf Eure Briefe zur Gentech-Soja-Debatte spricht der WWF vom "erfolgreichen Abschluss der Gespräche am Runden Tisch". Fakt ist, wenn es nicht gelingt, verstärkt 1. Gentech-Soja komplett abzulehnen und 2. Zähne im Kampf für den Schutz des Regenwaldes zu zeigen, wird es Erfolg nur für die Ausbeuter der Bauern, nämlich die großen Sojaproduzenten - und natürlich für Monsanto!
Bitte schreiben Sie dem WWF und erklären Sie den Verantwortlichen, dass sie sich durch ihre Teilnahme am Runden Tisch der "Grünwäscherei" mitschuldig machen. Falls der WWF noch nicht geantwortet hat, können Sie ihm unter folgendem Link Ihre Sorge darüber mitteilen, dass er der Gentechnik zu einem "grünen" umweltfreundlichen Image verhilft. Weitere Informationen ...
Auszug aus "Tanzt der Panda für Monsanto?", in: taz-Blog am 28.5.2009
Der Panda, soviel steht fest, versucht sich mit Monsanto, Syngenta, Cargill, ADM, Shell und so ziemlich allem was im internationalen Soja-Business Rang und Namen hat, auf Kriterien samt Label für nachhaltige Soja-Produktion zu einigen - mit Gentechnik, versteht sich. ... Der WWF International hat dagegen letzte Woche mit einem offiziellen Statement sein Engagement verteidigt: Die Soja-Expansion, auch die gentechnische, sei eine Realität, deren Folgen besser durch einen offenen Dialog mit der Industrie zu mildern seien als durch Verweigerung. ... Dass zu den Kriterien der Nachhaltigkeit a la RTRS der Verzicht auf Gentechnik nicht gehört, war wohl von Anfang an klar: “Jede Anbauform, ob gentechnisch, konventionell oder biologisch, ist verbesserungsfähig” heißt es auf der Webseite. Auch die Expansion der Soja in den Regenwald wird nicht gestoppt, sondern soll in geordnetere Bahnen gelenkt werden.
Die Genlobby kann lachen:
Der WWF braucht Moos!
Wir schlafen - die solln' machen (?!?!):
Die machen krumme Sachen
und quatschen Gensoja groß!!
und quatschen Gensoja groß!!
Und Soja wird jetzt teuer:
Das soll jetzt in den Tank!
Denn Agrosprit kriegt Steuer,
und Gift- und Genungeheuer -
die machen kein Auto krank!!
die machen kein Auto krank!!
Sind Mindeststandards versprochen,
für Arbeit und Natur,
werden selbst _die_ gebrochen,
wer will auf Recht hier pochen?!?!
Die Säge freut sich nur!
Die Säge freut sich nur!
'3 Euro stoppen die Säge' -
so steht es hier und dort...
Die Euros, die gehn Wege,
Monsanto gibt sein' Sege',
Campina bleibt auch nicht fort!
Campina bleibt auch nicht fort!
Denn Gummiparagraphen
bringt diese Runde hervor,
und wer soll hier dann strafen?
Versprechen machen schlafen -
wer's weiß, bleibt außen vor!
wer's weiß, bleibt außen vor!
Wer Hab und Gut verloren
hat durch den Agrosprit-Wahn
bleibt vor verschlossnen Toren:
Wer leiht dem Elend Ohren?
Die 'Heuschrecken' brechen sich Bahn!!
Die 'Heuschrecken' brechen sich Bahn!!
NABU fordert mehr Gentechnikforschung
Auszug aus einer Pressemitteilung von NABU und SlowFood am 19.5.2009
Der NABU fordert seit Jahren eine ökologische Sicherheitsforschung, welche die Auswirkungen der Gentechnik auf Natur- und Umwelt untersucht sowie ein Forschungskonzept zur Agrogentechnik, das sich mit Fragen aus der Anbaupraxis beschäftigt. NABU-Präsident Olaf Tschimpke: "Wir wünschen uns ein Forschungsprogramm, das die ökologischen Fragen beim Thema Gentechnik wirklich angeht. Dazu brauchen wir jedoch ein Programm, das mit Natur- und Verbraucherschützern gemeinsam aufgestellt und diskutiert wird, damit es dann am Ende auch von allen akzeptiert werden kann."
Greenpeace bewirbt dubiose Gentechnik-Firmenzusammenschlüsse
Werbung für BioOK, den Firmenverbund um die AgroBioTechnikum-Seilschaften
Auszug aus einem dpa-Text vom 13.5.2009, verbreitet von Greenpeace
Das Verbundprojekt BioOK aus Groß Lüsewitz bei Rostock vereint mehrere Biotechnologie-Firmen mit der Universität Rostock und der Bundesanstalt für Züchtungsforschung in Quedlinburg (Sachsen- Anhalt). Ziel des Netzwerks, das seit 2005 vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, ist die Entwicklung standardisierter und nachvollziehbarer Schwellenwerte - etwa dazu, wie groß die Menge «schädlicher Stoffe» sein darf, die eine genveränderte Sorte auf dem Acker ausscheidet.
«Bei den bestehenden Verfahren werden viele Daten geliefert, die gar nicht nötig sind», erklärte Broer. Das neue «Indikatoren-Modell» verspreche dagegen als bisher einziges Projekt seiner Art in Europa passgenauere Angaben zu den Folgen menschlicher Eingriffe in das Erbgut bestimmter Nutzpflanzen. Dabei sollen Stoffwechsel-Werte von «Gen-Gewächsen» mit denjenigen herkömmlicher Pflanzen abgeglichen werden. «Man misst zum Beispiel den Stärkegehalt einer transgenen Kartoffel und setzt das dann zu sechs normalen Sorten in Bezug.»
Wenn eine antragstellende Biotech-Firma über solche Daten vor der Entscheidung der Zulassungsbehörden verfüge, gewinne das Unternehmen Klarheit über die Erfolgsaussichten und könne das eigene Budget schonen, argumentierte Broer. In Einzelfällen dürfte dies die Kosten von 20 bis 50 Millionen Euro auf 1 bis 5 Millionen Euro je Analyse drücken. Vor allem kleinere Züchter hätten neue Wettbewerbschancen, weil sich nicht länger nur Multis wie BASF oder Monsanto die nötige Begleitforschung leisten könnten.
Kirche pro Gentechnik
Auszug aus "Runder Tisch: Gentechnik bleibt weiter Gesprächsstoff", auf: www.biotechnologie.de am 21.5.2009
Weihbischof Bernd Uhl von der Erzdiözese Freiburg indes betonte, dass er nun deutlich nachdenklicher sei, was das Thema Welternährung betrifft. Man könne hier nicht allein von einem Verteilungsproblem sprechen, so Uhl.
Auszug aus "Leere Labore", in: Spiegel 41/2008 (S. 93 f.)
Im hinteren Teil des Gaterslebener Biotech-Zentrums ist vor gut einem Jahr ein neues Gelände eingeweiht worden. Doch in diesem „Biopark“ herrscht Leere. Erst zwei Firmennamen stehen auf dem großen Schild. „Wir hatten uns da mehr erhofft“, gibt Katzek zu. Offenbar hat hier nicht mal der Beistand von oben geholfen. An der 35-Millionen-Förderung des Bioparks hatte sich neben dem Land auch das Bistum Magdeburg über die kircheneigene Gero AG mit 3 Millionen Euro beteiligt. Die Gentechnik-Begeisterung ihres zuständigen Seelsorgers stieß vielen Gläubigern damals bitter auf. Doch der ließ sich nicht beirren und besprenkelte das Gebäude bei der Einweihung sogar mit Weihwasser.
- Segen für Gentechnik: Katholischer Weihbischof besuchte Saatzüchter (Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 19.6.2007)
- IPK: Kirche investiert 35 Mio. Euro in Gentechniklabore und segnet die riskanten Experimente ... mehr zum IPK
Schnittstellen und Seitenwechsel
Die Durchlässigkeit der Grenze zwischen NGOs und Gentech-Konzernen
Der BUND musste den "Verlust" eines Experten beklagen: Jens Katzek wechselte vom BUND zur "KWS Kleinwanzlebener Saatzucht AG". Beim BUND Bundesverband hatte sich der studierte Biochemiker Katzek als Kritiker der Gentechnologie einen Namen gemacht. Bei KWS, einem der größten deutschen Saatguthersteller, ist er für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Das Unternehmen will gentechnisch veränderte Nutzpflanzen vermarkten. Danach war Katzek Geschäftsführer der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) in Frankfurt/Main - eine berufliche Veränderung aus Überzeugung? So hätte es die Gen-Lobby gerne und so stellte die Industrie den Seitenwechsel gerne dar. War Katzek bereits gezielt beim BUND eingesetzt und sein späterer Wechsel zur Industrie lange geplant? Ging es bei seinem Seitenwechsel gar nur ums Geld? Fragen, die nur Herr Katzek beantworten kann. Interview mit Greenpeacemagazin 3/1998 ...
Weitere Beispiele vom freundlichen Wechselspiel:
- Inge Broers, Vorsitzende des Gentec-Lobby- und Verschleierungsvereins FINAB und Hauptmacherin des AgroBiotechnikums in Groß Lüsewitz, behauptet, vorher selbst aktive Gentechnikgegnerin gewesen zu sein. Allerdings lässt sich davon nirgends etwas nachweisen. Die Tatsache, dass mit der ex-kritischen Position Politik zu machen ist, spricht aber für sich. Die modernen Eliten der Gesellschaft stammen zu großen Teilen aus den gesellschaftskritischen Kreisen ...
Seitenwechsler
Ex-Öko feiert Gentechnikunternehmen - Ablenkung durch Monsanto hilft deutschen Unternehmen
Michael Miersch (Ex-Umweltredakteur beim HR) in Welt-Online, 18.8.2008
Der größte Erfolg, den die Gentechnik-Labors der KWS bisher verzeichnen konnten, war - gemäß der Firmentradition - eine Rübe: die Roundup-Ready-Zuckerrübe. Obwohl sie erst 2007 in den Vereinigten Staaten auf dem Markt kam, wird sie dort bereits auf 250 000 Hektar angebaut. Ein stolzer Erfolg. Sie ist resistent gegen ein spezielles Unkrautvernichtungsmittel. So kann der Bauer alle konkurrierenden Wildpflanzen auf einmal abtöten, und nur die Rübe bleibt am Leben. ...
Über Monsanto hat inzwischen jeder schon mal etwas gehört, meistens nichts Gutes. Aber wer kennt die KWS? Vorstandssprecher Philip von dem Bussche ist diese Windschattenposition sehr recht. "Die Menschen sollen nicht das Gefühl kriegen, überrollt zu werden", sagt der gelernte Landwirt, dessen Familie heute noch mehrere Agrarbetriebe bewirtschaftet. "Wir führen den Dialog, aber wir werden uns unsere Forschung nicht kaputt machen lassen."
Transgen
Irgendwann kam die Verbraucherinitiative auf die Idee, zusammen mit Gentechnikkonzernen eine Internetplattform zu gründen. Neutral sollte sie sein. Eine Propagandaplattform verschleierter Form ist sie geworden. Beispiel: Links unter einem Text zur Feldbesetzung in Groß Gerau - ausschließlich die Links der Gentechnikseite.
- Mehr Infos zu TransGen auf der Seite zu Lobbyverbänden in den Gentechnik-Seilschaften
- Neue Broschüre zum Gentechnik-Filz: "Organisierte Unverantwortlichkeit"
Umwelt- und soziale Bewegungen im Schwitzkasten eigener und fremder Macht
Ein notwendiges Kapitel bei jedem Thema: Die Schwäche sozialer Bewegung. Bei der Gentechnik ist es besonders auffällig, denn trotz überwältigender Mehrheiten in der Bevölkerung spielen die Umweltverbände und Initiativen bei der Verhinderung der Ausbreitung eine untergeordnete Rolle. Das ist kein Zufall, sondern Folge der Strategien und der Einbindung in gesellschaftliche Eliten. Soziale Bewegungen, d.h. auch Umweltgruppen und -verbände, Institute und Unternehmen, sind Teil derer, die an den Steuerknüppeln der Gesellschaft sitzen und parlamentarisch, ökonomisch oder medial per Macht des Faktischen oder Diskurssteuerung agieren. Es gibt keine messbare soziale Bewegung in Mitteleuropa, deren Kraft sich aus dem Widerstand der Menschen speist.
Schon die Organisierungsform von Verbänden und Zusammenschlüssen deutet das an: Hauptamtlichkeit und Apparate, wohin das Auge blickt. Das allein hat Konsequenzen, denn Apparate ticken anders. Sie sind stets um das Wohl ihrer Organisation bemüht, denn davon hängen ihre Posten, ihr gesellschaftlicher Einfluss und oft schlicht ihr Job ab. Daher: Lieber auf Nummer sicher, lieber an der Seite der Mächtigen und Reichen, lieber rücksichtsvoll in Hinblick auf die Schicht der Wohlhabenden, die als willenlose SpenderInnen neben staatlichen Förderprogrammen die eigentliche Basis der Organisationen darstellen. Zwischen Menschen, die aus eigenem Antrieb, auf "eigene Rechnung" (im wörtlichen und im übertragenen Sinn) und mit eigenen Ideen handeln, und den Apparaten, die an das Wohl des Kollektivnamens (Verbandsimage, Mitgliederwerbeeffekte usw.) und dessen Kontostand denken, klaffen grundsätzliche Gräben. Kooperation wird kaum möglich sein, ohne sich zu verbiegen. Die FunktionärInnen werden Risiken scheuen, die anderen an der Langeweile der Apparate verzweifeln. Praktisch spielt das aber sei vielen Jahren keine Rolle mehr: Es gibt nur noch die Apparate in den prägenden Organisierungsvorgängen sozialer Bewegung. Aus ihrem Blickwinkel sind selbstorganisierte, unabhängige Gruppen und Aktionen immer eine Bedrohung, weil sie unberechenbar sind und die Pfründe gefährden. Den Apparaten von Kollektividentitäten, d.h. die an den guten Namen ihrer Organisation, an Einflussmöglichkeiten und Kontostände denken, wird deshalb daran gelegen sein, alle Nicht-Apparate zu verdrängen und am besten unschädlich zu machen. Ihre Abwehr gegenüber selbstorganisierten Initiativen hat gute Gründe: Angst um die eigenen Vorteile. Um die Sache geht es dabei nie, auch wenn inhaltliche Differenzen ab und zu vorgeschoben werden. Wer nicht um das Überleben seines Kollektiv und damit ja auch um die eigene Stellung fürchten muss, könnte ganz relaxt in eine inhaltliche Kontroverse gehen. Die Apparate aber haben Angst. Sie sind die Hüter des Normalen und sie haben die gleiche Organisationskultur. Apparate in sozialer Bewegung und die Apparate von Behörden, Firmen und Parteien passen einfach besser zusammen. Sie sind berechenbar, verbandsegoistisch, ängstlich und risikoscheu, schwerfällig, langweilig - einfach "norm"al.
Umweltverbände und Parteien gegen Gentech-Widerstand
BUND distanziert sich von Anti-Gentec-Aktion
Aus einer Rundmail über die Gen-Info-Mailingliste, 9.7.2006
Anti-GMO-Aktion in Ladenburg
In der Nacht von 2. auf 3. Juli wurde - wie von der Polizei bestätigt - eine erfolgreiche Anti-GMO-Aktion durchgeführt. Genmanipulierter Mais, der mit dem Bakteriengift Bt ausgestattet wurde, konnte auf der ganzen Fläche unschädlich gemacht werden. Laut Polizei gibt es „keinerlei Hinweise“ auf die AktivistInnen. Sie kannten sich offenbar genau aus: Der Teil des Gewanns ‚Alter Hof’, der mit konventionellem Mais bepflanzt war, blieb unberührt, während bei den genmanipulierten Organismen (GMO) „Totalschaden“ entstand. Die GMO waren im Rahmen eines angeblichen Forschungsprojekts angepflanzt worden und der materielle Schaden sei - laut Polizeiangaben - von eher geringem Wert. Dr. Josef Steinberger vom Bundessortenamt, das für die Aussaat der GMO verantwortlich ist, sprach dagegen von einem „Millionenschaden“.
Einen kleinen Skandal stellt die Äußerung eines örtlichen BUND-Mitglieds, Alexander Spangenberg, dar. Dieser meinte, im Namen des Verbandes sprechen zu müssen: „Wir vom BUND lehnen solche Aktionen strikt ab.“ Es dürfte sich noch als spannend erweisen, in welche Richtung sich die Diskussion über das im Grundgesetz verbriefte Notwehrrecht innerhalb der Umwelt-Organisation BUND bewegen wird.
Anfang Mai 2000 wurde das Science-Live-Mobil in Gießen durch einen Anschlag zerstört. Es war ein Labor, in dem SchülerInnen ihre ersten gentechnisch hergestellten Tomaten ziehen konnten. Kritische Informationen gab es nicht, am Vorabend fand eine Podiumsdiskussion statt, wo nur BefürworterInnen auf dem Podium saßen, KritikerInnen nichts sagen durften und kritische ausgelegte Materialien entfernt wurden. Dafür war u.a. die Leiterin der Liebigschule in Gießen (wo das ganze stattfand) verantwortlich. Greenpeace, die an keiner Stelle aktiv wurden, distanzierten sich von dem Anschlag, bei dem das Gefährt völlig zerstört wurde (1,5 Mio. DM Sachschaden).
Im politischen Kampf gegen die Gentechnik:
- Die meisten Umwelt- und Umweltverbandszeitungen haben über die Feldbefreiungen und Feldbesetzungen des Frühjahrs 2008 nicht berichtet.
- Mehrfach haben sich Umweltverbände und andere Gruppen von den Aktionen öffentlich distanziert.
- Mehrfach haben diese Aktionen aktiv torpediert, z.B. in dem der BUND Gießen als technischer Verwalter eines Mailverteiler von gentechnikkritischen LandwirtInnen seine Zensurmöglichkeiten auf diesem Verteiler missbraucht hat.
- Rundmails über die Aktionen sind auf den meisten bestehenden Mailverteilern, die von Umweltverbänden oder -institutionen kontrolliert werden, nicht durchgelassen worden.
- Selbst ursprünglich selbstorganisierte Initiativen haben nach sehr kurzer Zeit eine Eigendynamik zum Apparatedasein gezeigt, die zu Angstreaktionen führte gegenüber selbstorganisierten Aktionen.
- Apparate von Verbänden ab Landesebene aufwärts waren durchgängig und vollständig abweisend jeder Form der Kooperation, Informationsweitergabe oder Unterstützung.
Gleichzeitig zeigen die Apparate eine große Nähe zu denen, deren Organisationskultur zu ihnen passt: PolitikerInnen, Behörden, Parteien, Firmen. Auch gegenüber rechten und esoterischen Gruppen besteht eine bemerkenswerte Offenheit. Ablehnungsgrund scheint ausschließlich die Angst vor dem Unberechenbaren zu sein. Die Apparate können zusammen, sie teilen die gleiche Organisationskultur. Die Inhalte sind zweitrangig.
- BUND, Bauernverbände und andere Gruppen im Raum Gießen zeigen sich ständig mit PolitikerInnen in der Öffentlichkeit, selbst wenn diese in ihrer praktischen Politik die Gentechnik eher fördern, z.B. die Grüne Bürgermeisterin von Gießen, Gerda Weigel-Greilich, die in einer grün-gelb-schwarzen Koalition sitzt und ihr Wissen um geplante Genfelder lange verschwiegen hat, um eine politische Auseinandersetzung durch Vertuschung zu vermeiden.
- Extra-Seite zum Filz von Umweltverbänden mit Konzernen, u.a. der Gentechnik
- Stadtpolitik und Parteien zur Gentechnik in Gießen
Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen ... Feldbesetzungen und -befreiungen totgeschwiegen!
Das Widerstandsfrühjahr 2008 war erstmals auch überregional so prägend, dass es deutschlandweit, z.T. international den Weg in die bürgerliche Presse fand. Nein - vor allem den Weg in die neoliberale und konservative Presse. Dort nämlich wurde der Standort Deutschland in Gefahr gewähnt. Anders reagierten die meisten der Blätter, die eher Positionen aus SPD- oder Grünenkreise, neokeynesianische Weltbilder oder nachhaltiges Wirtschaften propagieren. Sie verschwiegen fast alles - genauso wie die meisten explizit linken und Umweltzeitungen, deren Internetseiten usw. Wer z.B. in Hessen mitbekommen will, dass es keine Genfelder mehr gibt, wird außer auf den Seiten der FeldbesetzerInnen selbst nicht fündig werden. Grüne, Linke, Umweltverbände und mehr verschwiegen alles. Ihr Grund ist einfach: Das Ziel verfolgten sie zwar auch, aber es waren die Falschen, die es erreichten. Noch schlimmer als Regierungen wie die von CDU-Mann Koch sind ihnen diejenigen, die mit direkter Aktion und Widerständigkeit aktiv sind. Schließlich wollen die FunktionärInnen von Verbänden und Parteien an den Tischen der Mächtigen und Reichen sitzen. In Lobbyrunden, Fördertöpfen und Wohltätigkeitsshows sind die NGOs längst drin, während Grüne & Co. in vielen Städten das Regieren mit den Gentechnikfans von CDU und FDP üben.
Und nur, damit es keine Missverständnisse gibt: Versucht wurde alles: Die Verbände sind ständig eingeladen und informiert worden. Über Presseverteiler sind alle Ankündigungen, Berichte und Erklärungen überall hingegangen. Kein Wort zu Feldbesetzungen und Feldbefreiungen waren zu finden ...
- Internetseiten von gentechnikfreien Regionen in Gießen (BUND-dominiert) und Vogelsberg
- Verbandszeitschriften und Mitgliederrundschreiben aller Umweltverbände mit Ausnahme von Robin Wood
- Alle linken Zeitschriften, Blätter usw. mit Ausnahme von GWR und Contraste (soweit bekannt)
- Alle Ökozeitschriften einschließlich Lifestyle- und Naturkostszene (Ausnahme: GID; in Form von Kurzmeldung: punkt.um)
Besonders intensiv angesprochen - ohne Erfolg - wurden:
- Brauereien im Raum Gießen und der Bundesverband deutscher Privatbrauereien
- BUND, Nabu, Agenda-21-Runde, Imkervereine, Grüne im Raum Gießen
- Bioläden in der Stadt Gießen, Bio-ErzeugerInnenverbände
Es wäre einfacher, umgekehrt aufzuzählen, wo sich Infos fanden - im Internet waren neben den Seiten von FeldbesetzerInnen (www.gentech-weg.de.vu und www.gendreck-giessen.de.vu) auch www.gendreck-weg.de und www.keine-gentechnik.de informativ. Damit hatte es sich aber auch. Das zeigt: Umweltverbände, NGOs, Institute, Möchte-gern-Öko/Linke-Parteien und Magazine sind nichts als Vermarkter ihrer selbst. Die Sache interessiert dort wenig oder gar nicht. AktivistInnen werden totgeschwiegen oder sogar bekämpft, um Merkel, Koch & Co. weiter zu gefallen.
Einzig die Linken bekamen 2008 die Kurve und solidarisierten sich in Gießen mit den FeldbesetzerInnen. Besser lief es in Groß Gerau, wohin der lange Arm der FunktionärInnen aus hessischen Führungsstrukturen offenbar nicht hinreichte. Dort gab es viel Unterstützung in der Phase der Feldbesetzung. Sympathiebekundungen von Landesebene (z.B. Grüne, Linke) waren dann aber auch schnell wieder vorüber.
Sie glauben das nicht? Dann suchen Sie mal im Internet nach dem Gengerstenfeld in Gießen. Es ist einer der wichtigsten und riskantesten Versuche in Europa. Doch auf den Internetseiten der Umweltverbände oder der BUND-zensierten gentechnikfreien Region Gießen, in der sonst immer so gentechnikkritischen FR oder taz - überall nichts oder fast nichts. Zufall? Sicher nicht. Hier hält zusammen, was zusammen gehört: Als Funktionselite dieser Gesellschaft. Und gegen die, die dort nicht mitmachen wollen, sondern ihren Widerstand unabhängig von Fördertöpfen, Spendenmassen und Regierungskontakten organisieren.
Beispiel für Totschweigen
Umschreibung in einer BUND-Studie zur Besetzung des KWS-Rübenfeldes in Northeim 2008 (S. 79)
So erklärte der KWS-Vorstand im Frühjahr 2008, als Kritiker zur Aussaat der in Kooperation mit Monsanto entwickelten transgenen Roundup Ready-Zuckerrübe (H7-1)am Rande des KWS-Geländes im niedersächsischen Northeim auftauchten: ...

Verpasste Chancen: Nabu-Seite mit Links ausschließlich zu den selbstformulierten Einwendungen. Noch deutlicher wird das in einer Presseinformation des Nabu zum Gengersteversuch der Universität Gießen. Darunter findet sich ein Link zur Einwendung gegen Kartoffeln. Die Einwendung gegen die Gerste und die Informationsseiten derer, die gegen die Gengerste aktiv sind, werden verschwiegen.
Aktionsbündnis gentechnikfreies Hessen: Peinliche BUND-Grüne Wahlkämpferei
Kurz nach dem Beschluss zu Neuwahlen in Hessen wurden plötzlich die in Jahresschlaf gefallenen BUND- und Grünen-Landesapparate aktiv und luden zu einem Treffen des vor allem in Person der als Sprecher auftretenden Apparate existierenden Bündnisses ein. Das fand am 2.12.2008 in Marburg statt. Sorgsam wurde darauf geachtet, Anti-Gentech-Gruppen aus dem Umfeld der Gießener AktivistInnen nicht einzuladen. Dann wurde weitgehend belangloses Zeug geredet, sich auf einige Monate später vertagt - aber einen Beschluss bekamen die Apparate dann doch noch hin: Nicht gegen Gentechnik, sondern gegen Aktionen gegen die Gentechnik ...
- SPD, Grüne & Co. distanzieren sich von Feldbefreiung in Gießen (Pfingsten 2006)
Wenns Mitglieder und Spenden bringt, auch andersherum: Umweltverbände vereinnahmen Protest
Es klingt absurd, aber es ist so: Bei den meisten direkten Aktionen gegen Genfelder (Besetzungen, Befreiungen, Gegensaaten) distanzieren sich die NGOs oder schweigen, manchmal arbeiten sie sogar aktiv gegen solche Aktionen. Während draußen die Gentechnik verhindert wird, kungeln Umweltverbands-Bosse mit Parteien und LobbyistInnen. Gleichzeitig aber müssen sie Spenden und Fördermitglieder einwerben. Das wäre mit einer ehrlichen Informationsarbeit über die seltsamen Machtspiele an den Tischen der Eliten kaum möglich. Daher werden ständig Aktionen anderer als Aktionen der Umweltverbände oder sonstigen etablierten Organisationen ausgegeben.
Richtig dreist wird das aber dann, wenn Aktionen, von denen sich der BUND gegenüber Medien und ihren Politikkumpels distanziert, in der Werbung gegenüber SpenderInnen und Mitgliedern als BUND-Aktionen ausgegeben werden. Genau das ist mit den Feldbesetzungen und -befreiungen geschehen. In Werbevorlagen werden die Aktionen des Frühjahrs 2008 als BUND-Aktionen ausgegeben. Sie sind in einer Tabelle (voller Fehler) aufgelistet mit dem Vortext:
„Die Aktivitäten des BUND auf Bundesebene zeigen erste Erfolge!“
Die Aktivitäten des BUND auf Bundes- und Landesebene, die Vielzahl von Aktionen der Orts-, Kreisgruppen und Regionalverbände
in Zusammenarbeit mit vielen Kooperationspartnern zeigen erste Früchte.
Eine Reihe geplanter und begonnener Versuche zur Ausbringung gentechnisch veränderten Saatgutes bzw. zum Anbau
gentechnisch veränderter Pflanzen wurden mittlerweile aufgegeben oder abgebrochen.
Auf den folgenden Seiten sind unserer bisherigen Erfolge dargestellt.
Und als "unsere Erfolge" folgen dann u.a. die Feldbesetzungen in Gießen (wo der BUND aktiv gegenarbeitete) und anderen Orten.
- Download der Erfolgsübersicht als PDF
Links
Zu Seilschaften und Filz in der Gentechnik
- Behörden, Projekte, Seilschaften ++ Broschüre "Organisierte Unverantwortlichkeit" (als PDF)
- Konzerne
- Forschung
Etliche Texte und Zitate sind mit, andere ohne Namen - das liegt zum einen daran, wie wir die Texte bekommen haben, zum anderen können die, deren Texte hier abgedruckt sind, auch selbst bestimmen ... Mail genügt und der Name wird gestrichen bzw. hinzugefügt.
