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Seilschaften auf grüner Seite
Umwelt-NGOs, grüne Parteien und Biolandbauverbände im Filz mit Gentechnik und in Distanz zum Widerstand

Schwache Kritik ++ Schnittstellen ++ Woher die Nähe? ++ Distanzierungen ++ Kirche ++ Firmen ++ Medien ++ Rechte&Esos ++ Links

Genug Wut gesammelt? Sie möchten deshalb jetzt endlich gentechnikfreie Lebensmittel oder Landwirtschaft? Schon mal gut. Felder zu besetzen und - ob öffentlich oder geheim - Pflanzen herauszureißen ist Ihnen aber zu riskant oder aufwendig? Dann haben sie Glück. Denn in diesem Land haben sie viele andere Handlungsmöglichkeiten. Sie können ...

Ist doch schön, oder? Vieles davon ist so einfach, dass Sie Ihren beruflichen oder sonstigen Alltag gar nicht unterbrechen müssen. Denn für "Menschen, die nicht die Zeit oder die Motivation haben, Politik im realen Raum zu betreiben" (O-Ton Campact) ist unter anderem Campact da. Begeistert berichtet die FR, wie eine Person eine Instantprotestmail in Sachen Gentechnik an den zuständigen Minister ausführt: "Der Vorgang war eine Sache von Minuten. Den Text fand sie vorgefertigt im Internet, sie musste ihn bloß noch unterschreiben und abschicken. Demokratie per Mausklick. 'Campact' macht es möglich." (Aus "Kurz mal eingemischt" in: FR, 1.3.2006, S. 26) So müssen die Gehetzten der heutigen Zeit nicht auf Protest verzichten - das könnte ja auch ein schlechtes Gewissen machen. Nein, es stehen sogar viele Handlungsmöglichkeiten offen, die alle per kleiner Unterschrift, Klick im Internet oder ein bisschen mehr Mühe per Online-Banking bequem vom Sessel aus abzuwickeln sind. Weltverbesserung funktioniert ebenso beim ohnehin im Tagesablauf eingeplanten Einkauf. Einfach nur das Richtige im Regal greifen und schon geht es der Umwelt besser. Niemand muss mehr selbst recherchieren, entscheiden, nachfragen. Denken wird überflüssig - kleine Symbole auf der Verpackung oder der Klick auf den "Absenden!"-Button reicht. Das gibt tiefe Befriedigung in einem Leben, das sich sonst so ohnmächtig anfühlen würde.
Aber wissen Sie, was das Allerbeste ist? Ihre Fast-Aktivität macht nicht nur wenig Mühe, sondern bringt auch wenig bis nichts. Das ist sogar Absicht: Haben Sie sich schon mal gefragt, warum Sie immer Ihre Kontaktdaten angeben müssen?

Schauen wir uns drei Beispiele noch etwas näher an. Im Winter 2009/2010 startete AVAAZ eine große Unterschriftensammlung - angeblich, weil mit einer Millionen Unterschriften eine Eingabe an das Europäische Parlament möglich sei: "Die neu eingerichtete 'Europäische Bürgerinitiative' gibt einer Millionen EU-Bürger die Gelegenheit, politische Vorschläge an die Europäische Kommission zu richten" (AVAAZ-Mail vom 16.3.2010). Mit den Unterschriften könne es gelingen, "die Einführung von genmanipulierten Pflanzen und Produkten auf den Europäischen Markt zu stoppen". Klingt gut. Haben Sie auch unterschrieben? Bitte ärgern Sie sich dann jetzt nicht über den Überbringer schlecher Nachrichten. Denn: Die von AVAAZ behauptete Möglichkeit einer schriftlichen Eingabe gab es gar nicht. Sie war aber ein guter Trick, um an die Adressen der Menschen zu kommen. Denn die sind im Zeitalter der harten Konkurrenz der fast immer hauptamtlich geführten Verbände und Bewegungsagenturen die wichtigste Basis, um Spenden und Mitglieder zu werben. Kurz vor Erreichen der angekündigten Million verschwanden einige 100.000 Adressen. Viele redeten von Schlamperei. Vielleicht war es aber auch nur ein weiterer Trick, um die Million nicht zu erreichen oder zumindest noch einige Zeit weiter sammeln zu können. Denn ab einer Million würden ja alle, die hingucken (wovon es leider nur Wenige gibt), mitbekommen, dass alles nur Propaganda war. So sammelte AVAAZ weiter und ließ die Aktion leise sterben. Die Aktion ging, die Adressen blieben ...

Im Original: AVAAZ ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus "Im Verbund mit den Mächtigen" von Klaus Faißner
Die Mausklick-Organisation AVAAZ übergab gemeinsam mit Greenpeace zum Thema Gentechnik mehr als eine Million Unterschriften an die EU-Kommission. Warum gerade in diesem Fall große Vorsicht angebracht ist.  
Vortäuschung falscher Tatsachen: Gleich zweimal sammelte Avaaz für ein EU-weites „Gentechnik-Moratorium“ Unterschriften: einmal mit dem üblichen Verfahren, beim zweiten Mal verlangte die Organisation noch weit mehr Daten von den Unterstützern. Grund: Eine Million Unterschriften für die „Europäische Bürgerinitiative“ sollten in einem „formellen Verfahren mit strengen Anforderungen“ gesammelt werden. Doch das war von Anfang an eine Augenauswischerei: Spätestens im Mai 2010 war bekannt, dass die Ausführungsbestimmungen für eine solche „EU-Bürgerinitiative“ frühestens Anfang 2011 fertig sind.[1] Erst Ende 2011 kann das erste Begehren eingereicht werden.[2] Trotzdem wurden in einer Riesenkampagne mehr als 1,2 Mio. „Unterschriften“ gesammelt und am 9. Dezember 2010 von Avaaz- und Greenpeace-Mitarbeitern an EU-Kommissar John Dalli übergeben – ohne jegliche Rechtskraft.
Gründer von Avaaz: „MoveOn.org“ und „Res Publica“ – beides Organisationen, die eng mit George Soros in Verbindung stehen bzw. von ihm viel Geld erhalten haben.[3] Soros ist der wohl bekannteste Spekulant und Hedgefondsmanager der Welt, der personifizierte Inbegriff des Heuschrecken-Kapitalismus. Er brachte 1992 das britische Pfund an den Rand des Zusammenbruches, soll gegen den Euro gewettet haben, wurde 2006 in Frankreich wegen Insiderhandels, der ihm 2,2 Mrd. Dollar gebracht hatte, verurteilt und verdiente alleine im Krisenjahr 2009 geschätzte sagenhafte 3,3 Mrd. Dollar.[4]
Spendeneinnahmen: Laut Avaaz wurden seit 2007 „über 10 Millionen Dollar Online gesammelt“.[5]
Weltweiter Leiter: Ricken Patel, arbeitete u.a. schon für die Rockefeller- und die Gates-Stiftung[6], die die Gentechnik überallhin (insbesondere nach Afrika) verbreiten wollen bzw. mit dem Gentechnik-Konzern Monsanto auf Tuchfühlung sind.[7]
Deutschland-Chef: Julius van de Laar, der als einziger Deutscher im Wahlkampfteam von US-Präsident Barack Obama arbeitete.[8] Obama holte derart viele Monsanto-Leute in seine Regierungsmannschaft, dass der britische Anti-Gentechnik-Nachrichtendienst GMWatch schrieb: „Michelle <Obama> mag einen biologischen Garten <vor dem Weißen Haus> haben, aber ihr Ehemann hat den großen Konzernen und Monsanto die Schlüssel für die Tür gegeben.“[9]
Gentechnik-Petition: Avaaz fordert „Fakten“ von EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso, nämlich „ein Moratorium für die Einführung von genmanipulierten Nutzpflanzen in Europa zu erlassen, eine ethisch und wissenschaftlich unabhängige Forschungskommission ins Leben zu rufen, die die Auswirkungen von gentechnisch veränderten Lebensmitteln untersucht, sowie strenge Auflagen zu erlassen.“ Berechtigte Forderungen, möchte der unbedarfte Leser meinen. Das Gegenteil ist der Fall:
„Unabhängige Forschungskommission“: Wieviele Forschungsergebnisse und Erfahrungen über die katastrophalen Auswirkungen der Gentechnik sollen noch vorliegen, bis ein Verbot verhängt wird?[10]
„Moratorium“: Warum nur ein zeitliches und kein fixes Verbot? Vielleicht deshalb, weil nur das verboten werden soll, was die Menschen lieben (z.B. Glühbirnen) und nicht das, was wirklich gefährlich ist?
„Strenge Auflagen“: Die EU rühmt sich ohnehin schon jetzt, bei der Gentechnik strenge Auflagen zu haben, was eine Lüge ist: Die zuständige EU-Lebensmittelbehörde EFSA hat bisher jedes genmanipuliertes Produkt durchgewinkt und steht in engem Kontakt mit der Gentechnik-Lobby.[11]

Werben mit Skandal-Vertrag
Indem Avaaz die EU-Bürgerinitiative so positiv hervorhebt, wirbt sie auch für den EU- Vertrag von Lissabon (= der EU-Verfassung), der von keinem einzigen Volk Europas legitimiert wurde.[12] Die zahnlose EU-Bürgerinitiative soll dem neuen EU-Vertrag, der u.a. eine Verpflichtung zur militärischen Aufrüstung enthält, ein demokratisches Mäntelchen umhängen soll. Doch der deutsche Staatsrechtler Univ. Prof. Karl Albrecht Schachtschneider von der Universität Erlangen-Nürnberg spricht aus, was Sache ist: „Demokratie und Rechtsstaat werden ruiniert. Das ist eine Militär- und Diktaturverfassung.“

Kritisches Denken ist gefragt
Fazit: Die Avaaz-Verantwortlichen sind keine einfachen Bürger, sondern bewegen sich im Dunstkreis der Machteliten – dies wird besonders beim Thema Gentechnik deutlich. Die Gefahr, dass hier der Widerstand nur kanalisiert und nichts getan wird, ist groß. Kritisches Denken, gesunder Hausverstand und eigenverantwortliches Handeln sind mehr gefragt denn je – vielleicht auch mit dem Widerruf der eigenen Unterschrift bei einer fragwürdigen Aktion.

Fußnoten
1] http://derstandard.at/1271377446572/Kommentar-der-anderen-Werner-Faymann-und-die-Stimme-des-Volkes
2] http://www.wienerzeitung.at/default.aspx?tabID=3861&alias=wzo&cob=531299
3] http://www.avaaz.org/de/about.php , inzwischen vom Netz genommen, noch zu finden unter http://www.linguee.de/englisch-deutsch/uebersetzung/civic+group.html , http://de.wikipedia.org/wiki/George_Soros
4] http://www.wiwo.de/finanzen/der-dubiose-super-spekulant-434643 und http://www.tagesschau.de/wirtschaft/meldung112466.html
5] Avaaz-Angabe vom Juni 2010 http://www.avaaz.org/de/about.php (wurde vom Netz genommen)
6] http://therespublica.org/AboutUs.htm
7] http://blogs.taz.de/saveourseeds/2007/01/09/bill-gates-maniok-und-monsanto und http://www.engdahl.oilgeopolitics.net/Auf_Deutsch/Monsanto/monsanto.html
8] http://www.welt.de/politik/bundestagswahl/article4524735/Wer-etwas-veraendern-will-muss-sich-einmischen.html
9] http://www.gmwatch.org/latest-listing/1-news-items/11531-more-monsanto-men-joining-obama-administration Übersetzung im Buch: „Wirbelsturm und Flächenbrand. Das Ende der Gentechnik“, von Klaus Faißner
10] http://umweltinstitut.org/gentechnik/kommerzieller-anbau/wir-mussen-die-wissenschaft-verandern---interview-mit-prof.-arpad-pusztai-186.html und http://blogs.taz.de/saveourseeds/2009/06/03/roundup_daemmerung und pdf zum Herunterladen: http://login.taoweb.at/customer/81/folder/31/Gentechnisch%20modifiziertes%20Saatgut.pdf und
http://www.swr.de/odysso/-/id=1046894/nid=1046894/did=2257684/1prj2ko/index.html
11] Nähere Infos siehe „Wirbelsturm und Flächenbrand. Das Ende der Gentechnik“, von Klaus Faißner
12] Nur die Iren durften abstimmen – und mussten dies so lange tun, bis das Ergebnis passte.
  • Kritische Artikel zu AVAAZ auf Linksnet und Info-Agent
  • Ganz ähnlich: ONE ... Politik per Massenklicks ... im Vorstand Leute aus bürgerlichen Spitzenmedien, der Bush-Regierung, der Gates-Stiftung, der Weltbank, verschiedener Konzerne, der US-Gesundheitsbehörde usw. ... als UnterstützerInnen die ewigen (und inhaltsleeren) Promi-Gutmenschen Bono, Bob Geldof, Campino und andere ... im Beirat VollstreckerInnen und IdeologInnen klassischer Entwicklungspolitik ... und auf einer Seite von ONE Deutschland ziemlich ungeschminkte Werbung für die Agrarkonzerne und deren Profittechniken: "Bill Gates fordert eine „digitale Revolution“ im weltweiten Kampf gegen den Hunger, berichtet der Tagesanzeiger Online. Um die landwirtschaftliche Produktion zu verbessern, schlug er in seiner Rede vor der Sonderorganisation für Armutsbekämpfung in ländlichen Gebieten der Vereinten Nationen (IFAD) in Rom die stärkere Nutzung von modernster Technik vor." (die Gates-Foundation ist auch als Netzwerkpartner genannt - ein möglicher Hintergrund von ONE, denn gerade die Gates-Stiftung ist Finanzier vieler Schein-NGOs, die Protestpotential harmonisieren sowie Konzerninteressen grün-waschen).

Schauen wir auf einen zweiten Akteur: Campact. Haben Sie auch schon mal eine vorgefertigte Protestmail verschickt? Das gibt ein richtig gutes Gefühl mit wenig Aufwand, oder? Sehr verlockend also. Genau mit diesem geringen Aufwand, den Sie haben, wirbt Campact sogar - nicht ohne zu erwähnen, dass es trotzdem richtig viel bringt. Brav geben die NutzerInnen des Instant-Protestmail-Angebots ihre Daten an - und Campact baut damit in Verden einen stetig wachsenden Hauptamtlichenapparat auf. Ob sich Ilse Aigner oder Angela Merkel aus Spaß auch selbst solche Mails schicken, ist unbekannt. Aber dass solche Aktionen, quasi die Modernisierung der ewigen Unterschriftensammlerei, Druck aufbauen können, darf wohl bezweifelt werden. Besser sind da schon, insofern soll diese Kritik nicht ganz einseitig sein, die Aktionen auf der Straße, die Campact auch macht. Instant sind die aber auch, d.h. Fertigprotest, in hauptamtlichen Zirkeln vorproduziert. Immer wieder werden dabei auch unabhängige AktivistInnen 'benutzt', die Campact-Materialien in die Hand gedrückt bekommen, um dann auf Postkarten und im Internet als Werbebild für SpenderInnen zu dienen.
Im ewigen Ringen um Einnahmequellen stecken auch kleine Gruppen, deren Protestwerkzeug Büro, Computer und Telefon sind. Testbiotech ist so ein kleines Unternehmen. Im Kampf um Anteile auf dem Spendenmarkt scheinen sie sich erst zu üben - aber angesichts der immerwährenden finanziellen Notlage im Genre des Protestainments müssen sie anschaffen wie alle anderen auch. Im Juni 2010 startete Biotechtest mit der Unterschriftensammelei. Die Sammelliste hätte gute Chancen, einen Award für die dümmste politische Forderung einzuheimsen - nichtssagender als dieser Appell an die Politik, doch mal nachzudenken, geht es wohl kaum.

Keineswegs soll hier behauptet werden, AVAAZ, Campact und Testbiotech seien die Spitze des Eisberges oder irgendwie etwas besonders Schlimmes. Eher lässt sich z.B. von letzterer Gruppe vieles Interessante berichten - deren Expertisen zu Patenten und anderen Themen sind oft hervorragend (wenn auch mit Blindflecken, den Then und Umfeld verzichten sowohl konsequent auf Kritik an ihren Geldgebern aus grünen Lagern wie auch darauf, unter den Quellen seiner Arbeiten zu den Gentechnikgeflechten diese Internetseiten oder unabhängig verfasste Bücher wie "Monsanto auf Deutsch" zu nennen). Die drei Beispiele stehen für viele und unterschiedliche Gruppen, die hinter dem Schein das eigentliche Ziel verbergen.
Während Campact mit bunten Bildern des Straßenprotests für sich wirbt, gibt Christoph Then von Testbiotech den Experten. Die verschiedenen Aktivitäten dienen vor allem einem. Es sind Wege an Ihr Konto - unterschiedliche zwar, aber dem gleichen Ziel verpflichtet. Überall ist der Kampf um Spenden und Mitglieder das entscheidende Motiv für das, was als politischer Protest inszeniert wird. Es ist wie bei der Produktwerbung von Konzernen. Die wollen uns ihre oft wertlosen und aus Profitinteressen auf den Markt geworfenen Angebote mit schönen Begriffen schmackhaft machen - im Nahrungsmittelsektor ja wortwörtlich. Überall herrscht knallharte Konkurrenz - und so ist es auch auf dem Markt der Spenden und Mitglieder: Der ist ziemlich groß, zudem durch Tricks und schöne Versprechungen ständig vergrößerbar, aber es bleibt eben doch eine Konkurrenz. Die Knappheit wird durch immer größere Hauptamtlichen-Apparate und den Zwang zur Hochglanz-Selbstbewerbung selbst erzeugt, so dass ein ständiger Teufelskreis vergrößerter Mitteleinwerbung und steigender Ausgaben entsteht.

Würde Sie das ärgern, wenn Sie wüssten, dass Sie beim Einkauf nicht nur von den profitgierigen Herstellern abgezockt werden, sondern auch beim Protest gegen die Profitgier von denen, sich hier als Dienstleister oder Stellvertreter anbieten? Wenn Ihnen diese Enthüllungen an dieser Stelle reichen und Sie sich jetzt nicht auch noch beim Protest gegen die ewige Profitschlacht plötzlich als ausgenommeneR, bereitwilligeR SpenderIn enttarnen wollen, dann machen Sie das Buch jetzt zu. Wenn Ihre Wut reicht, um aktiv zu werden gegen die Seilschaften in der Agro-Gentechnik, vor allem gegen Institutionen, Behörden, Firmen und die Felder, dann ist es gut. Viel Erfolg!
Für alle anderen, die jetzt nicht aufhören, sondern noch einige weitere Ecken des Geschehens ausleuchten wollen, kommt es noch dicker. Denn für viele derer, die sich um Ihre Gunst und Ihr Portemonnaie bewerben, gibt es noch weitere Einnahmequellen: Den Staat und, bitte nicht erschrecken, die Konzerne. Wer aber dort Kohle locker machen will, muss sich schon friedlich-freundlich verhalten. Kritik ist erlaubt, aber immer mit dem Tenor, dass es schon die Richtigen sind, die entscheiden. Sie sollen nur etwas anders entscheiden. Gut sichtbar ist das in der Position der scheinbar gentechnikkritischen Umwelt- und Biolandbauverbände zur Sicherheitsforschung. Seit Jahren werden unter diesem Banner die meisten Forschungsfelder deutscher Gentechnik draußen im Lande angelegt werden - zum Teil konzentriert auf Hochsicherheitsflächen mit mehreren Versuchsfeldern. Was dort steht, sind die richtig gefährlichen, mit vielen Genmanipulationen bestückten und in ihrer Wirkung auf die Umwelt weitgehend unbekannten Pflanzen, und zwar gleich viele verschiedene Arten. Der LL601-Reis lässt grüßen, der ebenfalls nur auf Versuchsfeldern stand. Statt nun solche staatlich finanzierte und über den Werbegag der Sicherheitsforschung durchgesetzte Auskreuzung quer durch die Botanik zu bekämpfen, rufen die GentechnikkritikerInnen zu mehr solcher Forschung auf - und finden sich als Belohnung an den Tischen der Mächtigen und in den staatlichen Förderprogrammen wieder.

Das Kapitel zu NGOs im Buch "Monsanto auf Deutsch" als PDF-Download!

Schwächen der Gentechnikkritik von NGOs und Bewegungsagenturen

Schauen wir einmal etwas genauer hin - nach vielen Seiten hinter den Kulissen der Agro-Gentechnik jetzt bei ihren GegnerInnen. Nichts dort ist gleich, alle Kritik ist immer etwas vereinheitlichend. Die folgenden Absätze gelten daher nicht für alle, leider aber meist für viele oder fast alle. Denn die Logiken, die NGOs und Bewegungsagentruen antreiben, sind wiederum weitgehend identisch. Dem soll auch noch ein Abschnitt gewidmet werden. Erst einmal aber geht es um die inhaltlichen Schwächen. Denn was in Broschüren, Presseerklärungen und Statements aller Art von Grünen, Ökos, Lohas oder Kirchen kommt, überzeugt oft nicht oder beinhaltet erhebliche Gefahren, in der Diskussion unterzugehen.

Die riskante Risikodebatte

Stellen Sie sich eine typische Situation des Streits vor: Die verschiedenen Seiten bringen ihre Fans mit, auf dem Podium sitzen Personen mit Titeln und Pöstchen. Die kennen sich meist schon von den intransparenten Runden Tischen und Kungeltreffen der Lobby. Nun müssen sie ihr Klientel befriedigen, damit staatliche Förderungen, Spenden oder mediale Zuneigung weiter erhalten bleiben. Meist geschieht dann etwas Beeindruckendes: Beide Seiten, pro und contra Gentechnik, marschieren zielgerichtet in die Debatte um gesundheitliche und ökologische Risiken. Dann wird scheinbar aufeinander dreingedroschen mit irgendwelchen Studien, die jeweils aus dem eigenen Lager bezahlt worden sind. Die Anzahl von Fremdwörtern und Quellenangaben nimmt zu, bis sich irgendwann aus dem Publikum Menschen melden und ihre Angst vor ungeklärten Effekten auf die Umwelt, auf ihre Kinder oder allergische Wirkungen benennen. Nun zeigen sich die PodiantInnen sogar einig: Das sei alles in der Tat besorgniserregend - und müsse unbedingt genauer erforscht werden. Nach einigem Geplänkel über die Ausrichtung dieser Forschung endet der Abend neben der allgemeinen Verwirrung in einer seltsamen Einigkeit. Es müsse mehr geforscht werden. Pro- und Contra-GentechnikerInnen gehen nach Hause und hoffen, von dem eingeforderten Fördergelderkuchen dann auch ein gutes Stück abzubekommen ...

Die schlaueren GentechniklobbyistInnen konzentrieren sich auf die Risikoforschung und fahren dort regelmäßig Punktsiege ein trotz deutlicher Voreingenommenheit in der Breite der Bevölkerung. Vor allem in vielen Medien und Forschungsjournalen haben die Öko-NGOs schlechte Karten, weil sie mit der Risikodebatte zwecks besserer Spendenwerbung das politisch unpassende Thema wählen. Nehmen wir einmal ein typisches Zitat:

Allerdings – und insbesondere mit Blick auf die grüne Gentechnik – kann niemand mit hundertprozentiger Sicherheit vorhersagen, wie sich in die Natur freigesetzte, genetisch veränderte Organismen verhalten, und welche ökologischen Wirkungen sich einstellen können. Hier können nur über den Versuchsanbau und die intensive Begleitung durch die Forschung Antworten gefunden werden.

Angesichts der ähnlichen Argumentation von Gentechnikkritik und -befürwortung in der Risikodebatte wäre kaum erkennbar, ob es von Umweltverbänden u.ä. oder von der Gentechniklobby stammt. Tatsächlich ist es aus der Broschüre der FNL "Moderne Pflanzenzüchtung und Gentechnik" (S. 26) und geht mit der Hetze weiter: "In dem Moment aber, in dem Feldversuche von „Gentechnikgegnern“ zerstört werden, verlieren wir auch die Erkenntnisse, die mit diesem Anbau hätten gewonnen werden können." Bei Umweltverbänden, Grünen und Umfeld hätte es ungefähr gehießen: "Die Forschung muss aber unabhängiger werden, Umwelt- und Verbraucherverbände sind zu beteiligen." Im gesamten Kapitel zu Risiken und Nachteilen der FNL-Schrift geht es nur um Risiken. Am Ende schlussfolgern sie (S. 29):

Nach allen bislang vorliegenden Erkenntnissen steht fest, dass es in Bezug auf
• Gefahren für den Menschen,
• eine weitere Intensivierung des Pflanzenschutzes,
• die Entwicklung von resistenten Schädlingen
• oder nachteilige Veränderungen in der Umwelt
keine wissenschaftlich gesicherten Nachweise von Gefahren bei der Nutzung der grünen Gentechnik vorhanden sind.

Nochmal der gleiche Argumentationsstrang auf S. 37:
Grüne Gentechnik kann – wenn wir das zulassen – eine sehr wertvolle Innovation sein. Allerdings sollte dies niemand unkritisch und in blindem Fortschrittswahn glauben. Mit entsprechender Begleitforschung muss auch belegt werden, dass die Vorteile die Nachteile bei der Nutzung dieser Innovation überwiegen. Insofern wäre ein wesentlicher erster Schritt, die Notwendigkeit von wissenschaftlich begleiteten Feld- und Freilandversuchen einzusehen und diese Versuche auch zu ermöglichen. Wer diese Versuche dagegen zerstört, handelt nicht nur gesetzwidrig, sondern nimmt dem Rest der Gesellschaft die Möglichkeit, sich anhand fundierter Daten ein eigenes Urteil zu bilden, bzw. den Wissenschaftlern zu vertrauen, die sich intensiv mit den in diesem Zusammenhang bedeutsamen Fragen befasst haben.

Vergessen werden bei diesen Debatten meist die Nebenwirkungen, die die Agro-Gentechnik längst hat. Die liegen weniger in den Risiken als in den - wie heißt es so schön - sozio-ökonomischen Wirkungen. Machtfragen also: Gentechnik zerstört weiter, was noch an selbstbestimmter Landwirtschaft übrig ist. Sie beendet die Wahlfreiheit der VerbraucherInnen. Und sie bringt Saatgut unter Kontrolle der PatentinhaberInnen. Das alles findet auf jeden Fall statt, egal wie toll die Risiken untersucht sind. Es sind unwiderlegbare Argumente - daher ist es bedeutend, dass sie häufig unter den Tisch einer Debatte fallen, in der sich Umwelt- und Biolandbauverbände als ExpertInnen der Biochemie aufspielen, obwohl es darum nicht zentral geht.


Nicht von NGOs, sondern von einer Firma - aber besonders peinlich: "Genfreier" Mais, soso ...

Die Folge: Umwelt- und Biolandbauverbände für Sicherheitsforschung, also mehr Genfelder?!

Am 14. Mai 2013 startete Ruth Tippe (seit vielen Jahren engagierte Gentechnikkritikerin vor allem bei "Kein Patent auf Leben") eine ePetition an den Bundestag, hinter der vor allem der BioTechTest-Macher Christoph Then mit dem eigenen Interesse stand, in die erlauchten Gremien der Gentechnikzulassung berufen zu werden. Hätten 50000 Menschen innerhalb von vier Wochen unterschreiben, müssten sich parlamentarische Gremien mit dem Anliegen befassen. Klar - das wäre sicherlich kein Durchbruch. Aber mensch kann auch auf diese Weise Öffentlichkeit erzeugen. So weit, so gut. Doch der Text der Petition hatte es in sich - umso erstaunlicher daher, dass er von fast allem, was Rang und Namen (und vor allem Posten) hat in der gentechnikkritischen Bewegung, unterstützt wurde.

Im Original: Die ePetition und kritische Debatte ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der ePetition vom 14.5.2013:
Der Bundestag möge das Ministeriums für Verbraucherschutz (BMELV) auffordern, bei drei Bundesforschungsinstituten (JKI, MRI, FLI) und den Behörden BfR und BVL eine Organisationsuntersuchung durchzuführen, um festzustellen, ob die Unabhängigkeit insbesondere gegenüber der Gentechnikindustrie gewahrt ist. Zudem sollen Unternehmen verpflichtet werden, Gelder für unabhängige Risikoforschung bereit zu stellen. Umwelt- und Verbraucherverbände sollen bei Entscheidung über Mittelvergabe einbezogen sein.
Begründung
Von der Agro-Gentechnik über Klonfleisch bis hin zu künstlichen Lebensformen – die moderne Biotechnologie drängt in den Alltag und konfrontiert die Gesellschaft mit ihren Versprechungen, Risiken und Folgen. Manche Anwendungen der Biotechnologie bergen ein hohes Gefährdungspotenzial für Umwelt und Verbraucher, einige sind ethisch und sozial problematisch. Die Grenzen des Wissens werden aus wirtschaftlichen Interessen oft verdrängt. Aus diesem Grund kommt einer unabhängigen und transparenten Risikoforschung eine hohe gesellschaftliche Bedeutung zu. Diese Aufgabe sollen in Deutschland unter anderem verschiedene staatliche Institute und Behörden unparteilich und rational erfüllen. Untersuchungen der letzten Jahre haben aber gezeigt, dass es dort nicht selten erhebliche Interessenkonflikte gibt. Folgende Institute, die dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) zugeordnet sind und sich mit Gen- und Biotechnologien sowie mit Pestiziden und Fragen der Lebensmittelsicherheit befassen, sind hier zu nennen: Das Julius Kühn-Institut (JKI), das Max Rubner-Institut für Ernährung und Lebensmittel (MRI), das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).
Auch dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) wurde in der Vergangenheit immer wieder zu große Nähe zur Industrie vorgeworfen. In diesen Instituten wurden in der Vergangenheit zum Teil eklatante Interessenkonflikte erkennbar: Teilweise arbeiten Mitglieder von Expertenkommissionen gleichzeitig als Berater für entsprechende Unternehmen, sind an deren Patentanträgen beteiligt oder arbeiten in Gremien von industrienahen Organisationen mit. Auch Führungspositionen sind betroffen. Die nötige Unabhängigkeit ist hier nicht gewährleistet. Wir setzen uns deswegen für eine stärkere Unabhängigkeit der Behörden und eine Ausweitung der Risikoforschung ein. Konkret fordern wir den Bundestag auf, eine Organisationsuntersuchung für die genannten Institutionen zu beschließen. Dieses Instrument kann eingesetzt werden, um Schwächen in Institutionen zu identifizieren und zu beheben. Die Organisationsuntersuchung sollte dabei nicht auf die Bereiche der Gen- und Biotechnologie beschränkt sein. Zudem fordern wir mehr finanzielle Mittel für die unabhängige Risikoforschung. Produkte, die mit Risiken für Umwelt und Verbraucher behaftet sind, müssen unabhängig vom Hersteller untersucht werden können. Die Kosten für eine unabhängige Risikoforschung sind von den Unternehmen bzw. Anmeldern zu tragen. Mögliche Wege sind Gebühren für Anmeldung und Prüfung entsprechender Produkte oder eine besondere Steuer für risikobehaftete Produkte. Bei der Vergabe dieser Gelder an unabhängige Forschungseinrichtungen sollten u.a. Nichtregierungsorganisationen aus dem Bereich von Umwelt- und Verbraucherschutz eingebunden werden, um sicher zu stellen, dass der Schutz von Umwelt und Gesundheit ausreichend berücksichtigt wird.


Dann folgten mehrere Kritiken an der Petition, u.a.:
1. Von Josef Feilmeier (per Mail)
Wir brauchen weder eine Forschung in der Gentechnik, noch eine Risikoforschung. Diese Technologie ist das Risiko selbst. Warum muss man eigentlich alles ändern, wo doch die Schöpfung und Natur so wunderbar aufeinander abgestimmt ist. Die Regierung soll die Genforschung einstellen, weil ich aus zuverlässiger Quelle weiß (ich bin an der Front), dass die Ergebnisse niemand mehr interessieren wird. Die Sache ist hinter den Kulissen vorbei, auch wenn manche meinen, sie müssen immer noch daran herumeiern. Die Natur hat für alle Faktoren geeignete Lösungen.

2. Von Jörg Bergstedt auf der ePetitionsseite
Ich möchte mich gegen die Petition aussprechen.
Begründung: Wer Risikoforschung fordert, wird Felder ernten
Ich würde dringend davon abraten, die Petition zu unterzeichnen. Sie macht gleich mehrere Fehler - und verfolgt ein fragwürdiges Interesse. Die Fehler sind: Das Problem der Agrogentechnik sind nicht die Risiken. Sie hat keinenNutzen (außer für die Kassen der Konzerne), verschärft aber Abhängigkeitsbedingungen und Machtpotentiale. Mit viel Mühe sind die Versuchsfelder gerade aus Deutschland vertrieben worden - und jetzt kommt die Hilfeleistung ausgerechnet von Seiten der Umweltverbände, die eine Forderung stellen, die zu neuen Feldern führen würde.
Hinzu kommt, dass das Label Risikoforschung schon seit Jahren der Deckmantel für Felder aller Art waren. An den Genehmigungsanträgen ist aber gar nicht zu erkennen, was draußen wirklich gemacht wird. Ob Umweltverbände, BioTechTest oder wer auch immer - für die konkreten Felder haben die sich nie interessiert. Vom Schreibtisch aus sind Auseinandersetzungen aber nicht zu gewinnen - und erst recht nicht an den Tischen der Mächtigen.
Fragwürdig ist aber das Ganze ohnehin. Denn schon dem Text ist zu entnehmen, dass die Verbände an den Privilegien beteiligt werden wollen. Nicht die Öffentlichkeit, nein - nur sie selbst. Und das bei der Geldvergabe - noch dazu als Petition initiiert von der Person, die selbst auf Vorschlag der Verbände in das wichtigste Kontrollgremium aufgenommen werden soll. Wenn das Monsanto & Co. machen würde, wäre es einen Aufschrei wert.
Summa summarum: Nicht unterzeichnen. Widerstand von unten organisieren! Für eine Welt ohne Kontrollgremien und profitorientierte Konzerne/Techniken!


Auf die Kritik antwortete Ruth Tippe von "Kein Patent auf Leben" wie folgt:
Liebe UnterstützerInnen dieser Petition, ich bin begeistert, dass diese Petition von so vielen Organisationen unterstützt wird: Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), der Stiftung GEKKO, dem Gen-ethischen Netzwerk (GeN), der Gen-ethischen Stiftung (GeS), der Gesellschaft für ökologische Forschung, Lobby Control, der Manfred Hermsen Stiftung, Mellifera, dem Naturschutzbund (NABU), Sambucus, Save our Seeds (SOS) und Testbiotech. Ich bekomme auch immer mehr mails, von Menschen die unterschreiben wollen und Unterschriftenlisten verteilen wollen. Das freut mich sehr. Es gibt ein paar Fragen, die mehrfach gestellt werden: Wird mit dieser Petition mehr Forschung mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefordert? Die Antwort: Das ist nicht der Fall. Es wird gefordert, dass die unabhängige Risikoforschung gefördert werden soll. Damit ist aber nicht gemeint, dass es mehr Freisetzungen geben soll, sondern dass gezielt kritische und unabhängige WissenschaftlerInnen unterstützt werden. Also gerade auch WissenschaftlerInnen, die aus Vorsorgegründen nicht ins Freiland gehen wollen. Und um sicher zu stellen, dass in der Forschung die Sicherheit von Mensch und Umwelt stärker berücksichtigt wird als bisher, sollen an der Entscheidung über Forschungsprojekte auch Umwelt- und Verbraucherverbände beteiligt werden. Bisher werden die Gelder zu oft für Projekte vergeben, die vor allem der Industrie nutzen oder von Wissenschaftlern durchgeführt werden, die der Industrie sehr nahe stehen. Das soll sich ändern! Und natürlich dürfen Behörden, die mit der Bewertung der Risiken von gentechnisch veränderten Pflanzen und mit der Zulassung von Pestiziden befasst sind, in Zukunft nicht mehr wie bisher von den Interessen der Industrie beeinflusst werden. Also bitte kräftig weiter Unterschriften sammeln, wir wollen mit dieser Petition ein starkes Signal geben!

Dazu eine Stellungnahme von Karin Riedel (per Mail)
Ich habe die Sache nun so erlebt:
1. Aufruf ‚gegen die BRD‘ für mehr wirklich unabhängige Forschung – sehr gut, gute Sache, muß man unterstützen und weiterleiten…
2. Kritik aus eigenen Reihen, weil wir keine Forschung brauchen über etwas, von dem wir wissen, daß es Mist ist – klar, wieso hab ich das nicht gleich erkannt, Mist…
3. Überlegung: Ganz sicher beabsichtigt Ruth Tippe mit ihrem Antrag nicht, mehr Forschung auf den Weg zu bringen und schon gar nicht zur Gentechnik, sondern die 95 % abhängige Forschung mit öffentlichen Geldern in die wirkliche Unabhängigkeit zu führen und der BRD zur schnelleren Bewegung in den Hintern zu treten…
Ich verstehe das für mich so, hab nun aber im Hinterkopf das Achtung-Vorsicht!, um auch solchen Aufrufen nicht blind zu folgen. Sollte in dem Antrag ein kleiner Fehler in Bezug auf die befürchtete Forschung sein, so haben die Antragsteller nun die Möglichkeit, den Wortlaut zu überdenken und die Meinung entsprechend zu korrigieren. So ist das wieder eine gute Chance mit Hilfe von Mitkämpfern einen guten Etappensieg zu erzielen. Vielleicht stimmen meine Überlegungen, vielleicht nicht… Darum habe ich ja auch die Kommentare vom Jörg an ausgesuchte Leute weitergeleitet, damit wir uns austauschen können. Ich hoffe, daß ich nicht allzu sehr daneben liege. Sicher machen wir uns aber nicht gegenseitig verdächtig, wenn wir aufeinander aufpassen um der guten Sache willen. Wir müssen das aushalten und ggf. unser Navi korrigieren…
Die Vielseitigkeit der Kämpfer gegen den Wahnsinn war in der Vergangenheit unsere Stärke. Christiane Lüst z. B. macht die ganze Gentechnik an den Menschenrechten fest, hab ich am Montag in ihrem Vortrag gehört… In dem Vortrag wurde der Josef als einer der wichtigsten Aufklärer und Auf-den-Weg-Bringer der Bauern über den Grünen Klee gelobt, zu Recht!, und ohne die Feldbefreiungen von Jörg wären wir sicher nicht so locker unterwegs und hätten durch die Hintertür heute ganz andere Probleme…

Zusammenstellung der Kritik an der Petition Nr. 41657:

Das Ganze passierte nicht zum ersten Mal. Mit ihrem ständigen Wir-sind-auch-tolle-ExpertInnen-Gehabe stehen Umweltverbände und -agenturen immer mit einem Bein im Lager derer, die Forschungsaktivitäten forcieren wollen und damit der Entwicklung von gv-Pflanzen Tor und Tür öffnen (was sie nicht wollen, aber tun!). Weitere Beispiele:

Aus der "Berliner Erklärung" des von AgrarBündnis e.V. und Zukunftsstiftung Landwirtschaft, zitiert nach "Kritischer Agrarbericht 2005"
Bei der Umsetzung des deutschen Gentechnik- und Naturschutzgesetzes und dem Erlass weiterer Vorschriften auf nationaler und europäischer Ebene fordern wir von der Politik: ...
14. die Sicherheitsforschung zu den ökologischen Auswirkungen des Einsatzes der Agro-Gentechnik zu verstärken und insbesondere auf langfristige Folgen auszuweiten; ...

Am 21. Juli 2009 erschien eine seltsame Pressemitteilung. Sie stammte aus den Bundeszentralen mehrerer Umwelt- und Landbauverbände. Neben zutreffender Kritik an der Ausrichtung von Forschung in der Agro-Gentechnik beklagten sie "eine unzureichende finanzielle Ausstattung zur Erforschung existierender Risiken" und dass "eine systematische Risikoanalyse zu Freisetzungen und Monitoring der Folgen für Mensch, Natur und Umwelt völlig untergewichtet" sei (S. 1 f.). Diese Formulierungen riefen selbst GentechnikprotagonistInnen wie Inge Broer (Uni Rostock) auf den Plan. Sie freute sich über das Papier und sah darin nicht nur eine Aufforderung zu noch mehr Forschungsmitteln für die Agro- Gentechnik, sondern völlig zur Recht auch ein politisches Statement zugunsten der Versuchsäcker in Deutschland.
Die Formulierungen, aus denen Broer die Unterstützung für ihre Gentechnikanwendungen ableitete, waren kein Ausrutscher. Der gesamte Text stand unter diesem Tenor. Als "folgerichtig" wurde die Forderung des Sachverständigenrates für Umweltfragen benannt, die "Risikoforschung ... zu stärken" (S. 2). Ebenso unterstützten die Verbände die Forderung nach Einbeziehung "unabhängiger Institute" im Zulassungsverfahren. Was Unabhängigkeit bedeuten soll, erklärten sie jedoch nirgends. Der Geruch von Klientelbegünstigung zog in die Forderungsliste ein: "Dafür müssen diese eine Mittelausstattung erhalten, die die Durchführung entsprechender Studien ermöglicht" (S. 2). War es wichtiger geworden, den eigenen Kreisen Anteile am großen Förderkuchen der Agro-Gentechnik zuzuschanzen und dafür auf die grundlegende Kritik der Agro-Gentechnik zu verzichten? Wes Brot ich ess, des Lied ich sing - jetzt auch bei den Umwelt-NGOs?
Das Unfassbare stand im beigefügten 9-Punkte-Forderungskatalog noch deutlicher. Schon der Einleitungssatz stellte Forschung nicht in Frage, sondern forderte deren Ausbau - nur sollten nun andere das Geld bekommen: "Die Unterzeichner fordern Frau Bundesministerin Schavan auf, folgende Forschungsfragen zu Nachhaltigkeit und ökologischen Risiken jenseits des etablierten Gentechnik-Netzwerkes zu vergeben". Dann folgten etliche Punkte, wie die konkrete Forschung verändert, z.B. standardisiert werden sollte. Eine Kritik oder auch nur ein Hinweis darauf, dass Sicherheitsforschung in Deutschland nichts als ein Deckmantel für andere Ziele ist und auch eine antragsgemäß durchgeführte Sicherheitsforschung immer der Untersuchung von Anwendungen dienen und Auskreuzungsquellen schaffen würde, fehlte gänzlich. Dem Verbänden ging es es nur um eine verbesserte Agro-Gentechnikforschung - und Geld für ihnen nahestehende WissenschaftlerInnen.
Über den Text verteilt fanden sich noch mehr Hinweise, dass Umwelt- und Biolandbauverbände die Agro-Gentechnik gar nicht ablehnten. Das Papier diente vielmehr dazu, als Partner an den Tischen und Fleischtöpfen der Begünstigten teilnehmen zu können. Selbst die heikelsten Agro-Gentechnikanwendungen stellte niemand in Frage: "Zum Einsatz von Roundup (Glyphosat), dem bedeutendsten der Komplementärherbizide, wird zurzeit in Deutschland nicht geforscht", steht in Punkt 4 des Forderungspapiers. Wollen BUND, Nabu, Bioland & Co. die Chemikalie weiter in der Umwelt, aber besser erforscht haben? Die deutschen Versuchsfeldbetreiber dürften es gerne gehört haben. Sorgen machten sich die Verbände um die "Schwankungen von Toxingehalten in Bt-Pflanzen" (Punkt 5) - auch hier zeigte sich eine grundsätzliche Akzeptanz der Agro-Gentechnik - verbunden nur mit der Forderung nach mehr Forschungsgeldern und -feldern. Das Desaster darf geschehen, soll aber besser beobachtet werden: "Es müssen Monitoringpläne entwickelt werden, die auch Langzeiteffekte von GVO verlässlich erfassen".
Da wird zum Nebenkritikpunkt, dass wieder mal das gesamte Papier stark auf den bösen US-Mais MON810 ausgerichtet war. Zu den deutschen Genversuchsfeldern, die angeblich der Forschung dienen, fand sich kein einziges Wort. Monsanto musste als Prügelknabe herhalten, Bayer, BASF und KWS wurden geschont. Brav dienten deutsche UmweltschützerInnen einmal mehr den nationalen Weltmarktinteressen.
Den AutorInnen des 9-Punkte-Planes wurde die Kritik an dem Papier vor allem von BasisaktivistInnen aus gentechnikfreien Regionen, Aktionsgruppen und auch Gliederungen der Umweltverbände mehrfach deutlich vermittelt. Doch im Januar 2010 veröffentlichten sie das Papier als zentrales Dokument im kritischen Agrarbericht 2010. Auch hier geht es fast nur um US-Gentechprodukte. Die Amflora wird nur am Rande erwähnt, die KWS hat es nicht einmal ins Stichwortverzeichnis geschafft. Deutsche Genfelder, die Debatte um die Cholera-Kartoffel, Aktivitäten gegen deutsche Genfelder und Seilschaften - kein Wort davon. Die Gentechnik-Redakteurin des Agrarbericht, Heike Moldenhauer (Leiterin Gentechnikreferat beim BUND) setzte mit ihrem umrahmenden Artikel gleich noch einen drauf. Sie kritisierte die "einseitige" Ausrichtung des Kampfes gegen Hunger und Klimawandel auf Gentechnik (S. 247). Also: Die Agro-Gentechnik ist schon okay, nur bitte auch was anderes. Dass die Apparate der Umwelt- und Landbauverbände trotz Kritik aus eigenen Reihe in dieser Frage mit dem Agrarbericht noch einen draufsetzten, zeigte sie als beratungs- und kritikresistent. Das ähnelte schon denen, die für die Agro-Gentechnik streiten.
Ohnehin ist die Position pro Sicherheitsforschungen in Umweltverbänden und anderen NGOs weit verbreitet. In Broschüren, Statements und Presseinformationen ist die Forderung nach mehr Untersuchungen immer wieder zu finden.

Im Original: Umwelt- und Landbauverbände pro Freisetzungen ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus dem 9-Punkte-Papier u.a. von BÖLW, Greenpeace, DNR, Nabu und BUND (veröffentlicht als Presseinfo am 21.7.2009 und im Text von Heike Moldenhauer: "Rückblick 2009: Ein Schritt vor - zwei zurück?" im Kritischen Agrarbericht 2010 ++ Vollständige Fassung
Eine unzureichende finanzielle Ausstattung zur Erforschung existierender Risiken, eine fehlende Standardisierung der zentralen Messmethoden sowie ein mangelnder Zugang zu Versuchsmaterial für unabhängige WissenschaftlerInnen kennzeichnen die Sicherheitsforschung in den USA, in Europa und in Deutschland. ...
Die Unterzeichner fordern Frau Bundesministerin Schavan auf, folgende Forschungsfragen zu Nachhaltigkeit und ökologischen Risiken jenseits des etablierten Gentechnik-Netzwerkes zu vergeben. Die Ausschreibung sollte in Absprache mit einem Stakeholder-Kreis erfolgen, der wissenschaftliche Pluralität und Kompetenzen in Ökologie und ökologischem Landbau sowie Verbraucherschutz abbildet.
Erfassung gesundheitlicher Effekte von GVO ... Standardisierung und Systematisierung der Testsysteme ... Analyse der Wirkungen von gv-Mais auf Nicht-Zielorganismen ... GVO und Einsatz von Roundup ...

Pro Gentechnikversuche in Interviews mit dem SWR (20.7.2009)
NABU-Gentechnikreferentin Steffi Ober und DNR-Vizepräsident Hartmut Vogtmann: "Wir wollen Versuche"

Aus einer Presseinformation von BÖLW, DNR und VENRO am 8.6.2010
Prof. Hardy Vogtmann, Vizepräsident des Deutschen Naturschutzringes (DNR), weißt darauf hin: „Die bisherige Forschung war vor allem auf das gegenwärtige nicht nachhaltige Agrarsystem ausgerichtet, wozu die Agro-Gentechnik gehört. Wir fordern einen multisystemaren Forschungsansatz, der die lokalen ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Rahmenbedingungen berücksichtigt. Die neuen Forschungsprogramme des BMBF müssen sich an der Zusicherung von Frau Schavan messen lassen die Agrar-Forschung künftig transdiziplinärer und systemischer auszurichten.“

Aus einem Papier mehrerer Umweltverbände zur Sicherheitsforschung (8.6.2010)
Insbesondere gilt es, unabhängige Biosicherheitsforschung früh zu fördern, um asymmetrische Technologieentwicklungen wie anhin gängig in Zukunft zu verhindern. Es führt zwangsläufig zu Konflikten, wenn Biosicherheitsforschung erst anläuft, wenn Entwickler in die Anwendung gehen wollen. Zudem erhält die Biosicherheitsforschung nur ein Bruchteil der finanziellen Mittel die in die Technologieentwicklung geflossen sind.

Wieder nur Forderung nach noch mehr Sicherheitsforschung!
Bericht von Runden Tisch der Bundesregierung am 7.7.2010:
Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandvorsitzender des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) brachte die Kritiken der Umweltverbände vor. Dabei forderte er, unabhängige Wissenschaftler müssten für ihre Tests erleichterten Zugang zu den Daten und Saatgut-Material haben. Außerdem sei die Auswirkung von gv-Pflanzen-Pollen etwa auf Bienen nur unzureichend untersucht. Auch die sozioökonomischen Auswirkungen des Anbaus von gv-Pflanzen sei mangelhaft untersucht.

Aus "Giftpilz im Gentech-Getreide", in SZ vom 28.7.2010 (Seite 16)
Christoph Then, Geschäftsführer des Gentechnik-kritischen Verbandes Testbiotech widerspricht: „Solche Feldversuche sind verfrüht.“ Zuvor müssten mit Gentech-Pflanzen mehr Stress-Tests in Labors und Gewächshäusern stattfinden, in denen Pflanzen verschiedenen Umweltbedingungen ausgesetzt werden. „Nicht einmal für längst zugelassene gentechnisch veränderte Maissorten ist bisher systematisch überprüft worden, wie diese etwa auf extreme Klimabedingungen reagieren“, kritisiert Then, „und das in Zeiten des Klimawandels.“ Für die Zulassung von Gentech-Sorten durch die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA werden solche Studien nicht verlangt. „Erst nach solchen Crashtests wären Freilandversuche sinnvoll, wenn man solche Pflanzen anbauen will“, sagt Then. Alles, so räumt er ein, lässt sich eben doch nicht im Gewächshaus herausfinden.

Aus dem Aufruf von Testbiotech, GeN, Nabu und anderen zu künstlichen Organismen (2010):
Forderungen des Aufrufs: 1. Eine umfassende Untersuchung der Risiken synthetischer Organismen für Mensch und Umwelt und eine ausführliche Diskussion ethischer Fragen ...

WWF Deutschland in einer Mail vom 15.12.2008
Der WWF hat global seine Meinung zum Thema gentechnisch veränderte Organismen (GVOs) formuliert und verlangt ein strenges Vorsorgeprinzip im Einsatz und in der Anwendung sowie ein transparentes Monitoringsystem. Demnach sollen keine gentechnisch veränderten Organismen verwendet werden, solange die ökologischen Auswirkungen nicht vollständig untersucht und evaluiert sind. Überall dort wo GVOs dennoch in der Umwelt eingesetzt werden, fordert der WWF ein rigoroses und fallspezifisches Genehmigungsverfahren durch Regierungen und designierte Regierungsstellen bevor GVOs in einem Land genehmigt werden.

Ein Jahr später, im Kritischen Agrarbericht 2011, wiederholte sich die Forderung nach Sicherheitsforschung zwar nicht direkt, aber wieder dominierten MON810 und nun auch die Amflora die Texte, während die deutschen Forschungsfelder mit keinem Wort erwähnt wurden.

Beim NABU hat das ganze noch ein anderes Geschmäckle. Deren Gentechnik-ReferentIn hat die Kritik an der Biosicherheitsforschung zu einem ihrer Hauptthemen gemacht. Völlig zu recht kritisiert sie die riesigen Mittelflüsse, die dort Entwicklung und Anwendung der Agro-Gentechnik erst richtig beschleunigen. Doch ihre Forderung ist eher gemeinnützig: Auch gentechnikkritische Gruppen sollen in Zukunft Geld für eigene Studien bekommen. Ein Schelm, wer Eigennütziges dabei denkt ...
Die Pro-Freisetzungsposition ist beim NABU ohnehin besonders deutlich. In einer Pressemitteilung von NABU und SlowFood am 19.5.2009 forderte der Verband "eine ökologische Sicherheitsforschung, welche die Auswirkungen der Gentechnik auf Natur- und Umwelt untersucht sowie ein Forschungskonzept zur Agro-Gentechnik, das sich mit Fragen aus der Anbaupraxis beschäftigt." Zitiert wurde NABU-Präsident Olaf Tschimpke: "Wir wünschen uns ein Forschungsprogramm, das die ökologischen Fragen beim Thema Gentechnik wirklich angeht. Dazu brauchen wir jedoch ein Programm, das mit Natur- und Verbraucherschützern gemeinsam aufgestellt und diskutiert wird, damit es dann am Ende auch von allen akzeptiert werden kann."
Am 25.5.2010 hielt die Gentechnikreferentin des NABU Deutschland in Gießen einen Vortrag. Auf Nachfrage wiederholte sie die Forderungen der Umwelt- und Bioanbauverbände vom 21.7.2009: Forschung und Forschungsfelder ja - aber mit veränderten Aufgaben. Der NABU würde sogar gern selbst mitforschen (und dafür natürlich auch Geld haben wollen) - vom BfN gäbe es schon Geld für einen Auskreuzungsversuch des NABU. Die Sache fängt aber gleich schlecht an, denn hinsichtlich Transparenz war beim NABU die Lage schlimmer als an Genversuchsfeldern. Es waren nur mühselig Informationen zu finden.
In dem Vortrag sollte es um "Finanzierung und Bestimmung von Forschungsinhalten" gehen. Steffi Ober reihte lange Zahlenkolonnen aneinander, die insgesamt eindrucksvoll bewiesen, wo das Geld herkommt und wo es hingeht. Eine politische Analyse fehlte. Böse war Schavan, während Ministerkollegin Aigner von Steffi Ober nicht erwähnt und auf Nachfrage aus dem Publikum in Schutz genommen wurde: "Frau Aigner wird nicht erwähnt, weil Frau Aigner nicht relevant ist" und "Das Landwirtschaftsministerium wird ausgebootet ... das BMELV ist politisch nicht am Drücker". Der BioÖkonomierat und der Runde Tisch vom Frühjahr 2009 seien "von Bundesministerin Schavan persönlich" berufen worden. Dass Aigner an beidem ebenso beteiligt war, verschwieg Ober. Ebenso wenig war auch nur ein Wort davon zu hören, dass das BVL die Forschungsfelder genehmigt, die ZKBS alle Felder für unproblematisch erklärt und JKI bzw. vTI eigene Versuche durchführen. Die gehören alle zum Aigner-Ministerium! Warum schützt eine NABU-Funktionärin die Gentechnikministerin und ihre Behörden?

Die auf die Agrogentechnikkritik spezialisierte Stiftung GEKKO fördert dieses seltsame Einfordern von Risikoforschung als besonderen Schwerpunkt: "Neben der Förderung von Projekten in den Bereichen Bildung und Vernetzung sowie Politische Kampagnen fördert die Stiftung GEKKO Projekte, die der unabhängigen Risikoforschung im Bereich Agro-Gentechnik dienen."

Nicht besser sieht es bei Bündnis 90/Grünen aus. Deren Werbung pro Versuchsfeldern ist allerdings auch konsequent, hatte doch Spitzenfrau Renate Künast in ihrer Ministeriumszeit durch eigene Behörde solche Felder genehmigen und sogar selbst anlegen lassen. Auch die die finanzielle Förderung von Freisetzungen lag ihr am Herzen.

Im Original: ... Grüne für Gentechnikforschung ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der Broschüre Nr. 16/1 "Gentechnik im Essen? Nein Danke!" (S.5)
Wir brauchen mehr Langzeitstudien, mehr unabhängige Risikoforschung, mehr Transparenz.

Aus einer Presseinformation der Grünen am 8.6.2010
Ulrike Höfken, Sprecherin für Agro-Gentechnik, erklärt: "... Wir brauchen eine integrierte Folgenabschätzung für Biomasse und Biotechnologie und eine ernsthafte Bio-Sicherheitsforschung."

Doch keine falsche Schelte: Das ist immer noch besser als in anderen Parteiapparten. Und wenn alle von der Sicherheitsforschung schwärmen, konnten auch KirchenfunktionärInnen nicht schweigen und forderten, "die Auswirkungen der 'Grünen Gentechnologie' müssten intensiver erforscht werden". Aber ... ja, die Kirche. Da kommt noch eigener Absatz. Leider nötig.

Seltsame Kampagne am 'end-of-the-pipe': Die Illusion gentechnikfreier Inseln

Die Mehrzahl der GentechnikgegnerInnen, darunter fast alle aus den bundeszentralen Apparaten, fröhnen einer seltsamen Schwerpunktsetzung. Während draußen Jahr für Jahr die gentechnisch veränderte Saat in die Erde und damit die Auskreuzung ingang gebracht wird, laufen in Berliner, Hamburger oder andernorts angesiedelten Büros von Umweltverbänden oder Grünen höchstens Drucker, Telefon- und Emailleitungen heiß. Die immer neuen Schriften, Internetkampagnen, Unterschriftensammlungen oder Anträge in Parlamenten drehten und drehen sich um die Gestaltung eines Etiketts, das auf Lebensmittelverpackungen die scheinbare Gentechnikfreiheit garantieren solle, oder um bessere Erforschungsmethoden der Risiken. Mit den Verhältnissen draußen an den Versuchsäckern, der Lage der von Verunreinigung bedrohten LandwirtInnen, ImkerInnen oder der AnwohnerInnen von Versuchsanlagen haben solche Politiken wenig zu tun. GV-Spuren in Lebensmitteln lassen sich weder über Etiketten noch über irgendwie unabhängigere Forschung verhindern. Sie lassen sich zur Zeit noch nicht einmal nachweisen. Denn für die meisten veränderten Genkonstrukte, die über die Freisetzungen in die Umwelt gelangen, gibt es noch nicht einmal eine handhabbare Methode, sie überhaupt zu entdecken. Ob also beispielsweise Teile der gv-Gerste, die 2006 bis 2009 in Gießen und Sagerheide ausgebracht wurde, schon in irgendeinem Bier angekommen sind, werden wir voraussichtlich nie erfahren. Absurderweise ist das Etikett "Ohne Gentechnik" gerade deshalb möglich - es sagt nämlich genau nicht aus, dass keine Gentechnik im Lebensmittel enthalten ist, sondern nur, dass davon nichts bekannt ist. Diese merkwürdige Fokussierung auf das Ende der Produktionskette könnte eine verheerende Illusion geschürt haben: 80 % der Bevölkerung sind gegen Gentechnik auf dem Acker oder auf dem Teller. Doch nur ca. 0,0000007 Prozent (geschätzte 50 von 64.000.000) beteiligten sich 2009 an direkten Aktionen dort, wo die Verseuchung der Lebensmittel in Deutschland herkommen würde. Ursache könnte die Strategie von Umweltverbänden, Bewegungsagenturen, gentechnikkritischen Parteien und den - dabei nicht selbstlos handelnden - Biolebensmittelfirmen sein, vor allem das Kaufverhalten beeinflussen zu wollen. Nun ist bewusstes Einkaufen durchaus eine der möglichen politischen Handlungsoptionen im Alltag und hätte auch den Biohandel positiv beeinflussen können, wenn die EinkäuferInnen dort mehr auf Transportwege, Arbeitsbedingungen bei Anbau oder auch im Bioladen selbst sowie auf umweltgerechte Verpackung geachtet hätten. Aber im Fall der Agro-Gentechnik entsteht aus der Schwerpunktbildung eine gefährliche Illusion. Die Ausbreitung der gentechnisch veränderten Konstrukte ist nämlich ein selbständig ablaufenden, dynamischer, d.h. sich selbst beschleunigender Prozess. Das ist spätestens sei dem Fall des LL601-Reis der Firma Bayer bekannt. Wenige Jahre brauchte damals der gentechnisch veränderte Reis, um von kleinen Versuchsflächen weltweit in alle Ladenregale zu kommen. Wie das genau geschah, ist bis heute ungeklärt. Aber Reis ist ein selbstbestäubendes Getreide, gehört also zu den am wenigsten selbstausbreitenden Pflanzen. Wenn es Reis schafft, schaffen es alle - und zwar auch von kleinen Versuchsfeldern. Doch deren Existenz stellen die CampaignerInnen, die zum gentechnikfreien Einkauf animinieren wollen, nicht in Frage. Im Gegenteil würden ihre Forderungen nach besserer Forschung sogar zu noch mehr solcher Versuchsfelder führen können.

Ablenkender Monsanto-Hass ... oder: Das Märchen von guter und böser Gentechnik

Was eigentlich die Agro-Gentechnik an den Pranger stellen soll, verkommt ständig zu einem Kreuzzug gegen eine Firma. Monsanto - quasi der Inbegriff all des Bösen in dieser Sache. Das weckt stumpfe Gefühle gegen Industrielle, bedient den pro-europäischen Antiamerikanismus und verharmlost mit dem Blick auf die fraglos düstere Geschichte des US-amerikanischen Konzerns das Nachdenken über IG Farben und Zyklon B. Der Hass auf Monsanto verursacht billigen Applaus und füllt die Spendenkonten. Für diese Ziele manipulieren Umweltverbände, schein-kritische Institute nutzen den Monsantohass als Blickfänger - so wie die Kampagne "Gegen die Monsantoisierung der Lebensmittel". Gemeint war eigentlich, dass Leben nicht patentiert werden sollte, aber sogar die Webseite trägt im Dateinamen die US-Firma: "monsantosizing.htm". In Übersichten, welche Gentechnik wo angebaut wird und wer wie den Markt beherrscht, werden deutsche oder europäische Gentechnikkonzerne und -felder oft verschwiegen oder in den Hintergrund gedrängt.

Im Original: Fixierung auf Monsanto ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden

Unter dieser Überschrift kündigt das Umweltinstitut eine Übersicht an, dann aber kommt nur noch der Mais. Andere Felder gibt es nicht ...


Das geht seit Jahren so: Gentechnik = Genmais auf der Übersichtsseite zu 2008.
Im weiteren Text wird dann darauf hingewiesen, dass weitere Pflanzen als Versuchsfelder existieren. 2009 findet sich der Hinweis nicht mehr.



Greenpeacekarte 2010: Der Button zur Karte suggeriert, dass es um alle Genpflanzen geht (links). Die Karte enthält aber gar keine Versuchsfelder. Die Riesenanlage in Groß Lüsewitz gibt es bei Greenpeace gar nicht. Üplingen nur als ein Feld, Braunschweig und Limburgerhof auch gar nicht. Dafür sind etliche MON810-Felder eingetragen, die nie ausgesät würden - also eine Karte voller böser Monsantofelder, die es nicht gibt ... und ohne die deutschen Felder, die es aber gibt (Download: 17.7.2010)

Die BUND-Gentechnikreferentin (immer auf der Jagd nach einfachen Slogans zur Spendenwerbung) forderte laut taz am 2.5.2012 sogar eine Monsanto-Kennzeichnung, weil mensch sonst nicht sofort erkennen könne, wo Monsanto hintersteht. Denn der Konzern hat viele Firmen aufgekauft, die aber formal und mit ihrem Label weiterexistieren. Das aber ist keine Spezialität von Monsanto, so agieren alle Großkonzerne. Doch offenbar geht es dem BUND da nicht (mehr) um Gentechnik, sondern um Hetze gegen den US-Konzern, der so schön weit weg ist und dessen Kritik so einmütigen Applaus verspricht.

Ein deutliches Beispiel für eine solche Fixierung war der sogenannte "Rückblick 2008" auf Gentechnikpolitik und -widerstand im Kritischen Agrarbericht 2009. Autorin war Heike Moldenhauer vom BUND, die - wie ihre KollegInnen von NABU, Greenpeace usw. - seit Jahren die deutsche Forschung schonen, die deutschen Konzerne nur am Rande behandeln und den unabhängigen Widerstand totschweigen. Obwohl 2008 das erfolgreichste Jahr von Feldbesetzungen und -befreiungen war, kommen diese im Bericht gar nicht vor. Der erwähnt trotz des Titels "Der Widerstand gedeiht" nur über laue Lobbyaktionen u.ä. der Verbände.

Irrweg Nachhaltigkeit: Von nachhaltiger Gentechnik (WWF) bis zu gentechnischer Nachhaltigkeit (BASF & Co.)

Noch ein Themenkomplex zum Stirnrunzeln: Die Agenda 21 und nachfolgend der Begriff von Nachhaltigkeit belegen seit Jahren Spitzenplätze im Vokabular der meisten Umweltgruppen. Das dahinterstehende Gedankengut begleitete den Wandel vom BürgerInnenprotest zur grünen ModernisierInnen. Nachhaltigkeit und Agenda 21 bildeten eine neoliberale Assimilierungsstrategie, einen "Alleskleber" für die Integration von Umweltschutz und Umweltbewegung in das große kapitalistische Projekt. Geschmiert mit Zuschüssen gelang das auch: UmweltschützerInnen setzen heute auf "Green New Deal" und ähnliche Varianten marktwirtschaftlicher Problemlösung, bei denen Wachstum, Erstarkung der Wirtschaftsleistung und vermeintliche Schonung von Naturressourcen Hand in Hand gehen. Die Begeisterung für die Agenda 21 und der ideologische Schwenk vom Umweltschutz zur Nachhaltigkeit waren wesentlichen Etappen des Wegs. Für das Thema Gentechnik hieß das von Anfang an, zu keiner klaren Opposition mehr fähig zu sein. Denn die Agenda 21 war im Kapitel 16 reine Propaganda für die neue Technik - abgestimmt 1992 von den KanzlerInnen, PräsidentInnen und KönigInnen dieser Welt.

Im Original: Aus der Agenda 21, Kapitel 16 ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Kapitel 16 "Umweltverträgliche Nutzung der Biotechnologie"
Überaus nützliche Technologie
16.1 Die Biotechnologie umfaßt sowohl die im Rahmen der modernen Biotechnologie entwickelten neuen Techniken als auch die bewährten Ansätze der traditionellen Biotechnologie. Als innovativer, wissensintensiver Forschungsbereich bietet sie eine Vielzahl nützlicher Verfahrenstechniken für vom Menschen vorgenommene Veränderungen der Desoxiribonukleinsäure (DNS), oder des genetischen Materials in Pflanzen, Tieren und Mikroorganismengruppen, deren Ergebnis überaus nützliche Produkte und Technologien sind. ...

Retter gegen Hunger, Umweltzerstörung und mehr ...
... verspricht die Biotechnologie, einen bedeutenden Beitrag zur Erzielung von Fortschritten beispielsweise in der Gesundheitsversorgung, in der Ernährungssicherung in Form von nachhaltigen Anbaupraktiken, einer verbesserten Versorgung mit Trinkwasser, leistungsfähigeren industriellen Erschließungsprozessen für die Umwandlung von Rohstoffen, der Förderung nachhaltiger Aufforstungs- und Wiederaufforstungsverfahren und der Entgiftung von Sonderabfällen zu leisten. ...
16.4 Die Regierungen sollen auf der entsprechenden Ebene mit Hilfe internationaler und regionaler Organisationen und mit Unterstützung nichtstaatlicher Organisationen, des privaten Sektors und akademischer und wissenschaftlicher Einrichtungen Verbesserungen in der Pflanzen- und Tierzucht wie auch bei Mikroorganismen durch Anwendung der traditionellen und der modernen Biotechnologie erzielen, um durch eine nachhaltige Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge die Ernährungssicherung insbesondere in den Entwicklungsländern zu gewährleisten; ...

Biotechnologie soll ausgerechnet in den "Entwicklungsländern" vorangetrieben werden!
Außerdem bietet die Biotechnologie neue Möglichkeiten für weltweite Partnerschaften, insbesondere zwischen den Ländern, die reich an biologischen Ressourcen (einschließlich genetischer Ressourcen) sind, denen aber das erforderliche Fachwissen und die erforderlichen Investitionsmittel zur Nutzung dieser Ressourcen mit Hilfe der Biotechnologie fehlen, und den Ländern, die das technische Fachwissen für die Umwandlung biologischer Ressourcen herangebildet haben, damit diese für die Zwecke einer nachhaltigen Entwicklung genutzt werden können. ...
16.2 ... Es bedarf erheblicher Neuinvestitionen und der Entwicklung der menschlichen Ressourcen im Bereich der Biotechnologie, insbesondere in den Entwicklungsländern. ...
16.39 Die Ziele lauten wie folgt: ... Förderung der Entwicklung und Anwendung biotechnologischer Verfahren unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklungsländer; ... Mithilfe bei der Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für Investitionen, beim Aufbau industrieller Kapazitäten und beim Vertrieb/bei der Vermarktung; ...


Das Ziel der Agenda 21: Köpfe und Rahmenbedingungen verändern
16.1 ... In den nachstehend beschriebenen Programmbereichen wird versucht, die Anwendung international vereinbarter Grundsätze zu fördern, mit denen die umweltverträgliche Nutzung der Biotechnologie gewährleistet, eine öffentliche Vertrauensbasis geschaffen, die Entwicklung nachhaltiger biotechnologischer Anwendungen gefördert und geeignete Rahmenbedingungen - insbesondere in den Entwicklungsländern - geschaffen werden können ...

Biotechnologie als praktizierter Umweltschutz
16.21 ... Die Biotechnologie ist eines der vielen Instrumente, die eine wichtige Rolle bei der Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme und Landschaften spielen kann. Dies könnte durch Entwicklung neuer Aufforstungs- und Wiederaufforstungsverfahren, durch Konservierung von Keimplasma und durch Züchtung neuer Pflanzensorten geschehen. Außerdem kann die Biotechnologie einen Beitrag zur Untersuchung der Auswirkungen von Organismen, die in Ökosysteme eingebracht werden, auf die verbleibenden und auf andere Organismen leisten.

Verstecktes Ziel: Patentschutz weltweit gewährleisten
16.37 Die beschleunigte Entwicklung und Anwendung der Biotechnologie, insbesondere in den Entwicklungsländern, setzt intensive Bemühungen um den Aufbau institutioneller Kapazitäten auf nationaler und regionaler Ebene voraus. In den Entwicklungsländern sind entwicklungsförderliche Rahmenbedingungen wie ... Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen und -mittel, Aufbau industrieller Kapazitäten, Kapital (darunter auch Risikokapital) , das Recht auf Schutz geistigen Eigentums und ... häufig unzureichend.

Wie konnte es passieren, dass ein solches Papier, welches zu globaler Machtverteilung, Atomenergie oder interkontinentalen Verkehrsprojekten sehr ähnliche Stoßrichtungen vorgibt, eine solche Bedeutung für viele Strömungen der Umweltbewegung erlangte. Die Antwort hierauf ist mehr als eine einfache Begründung, aber zwei Aspekte eines tiefgreifenden Wandels von den BürgerInnenbewegungen der 70er und 80er Jahre zu den Hauptamtlichenapparaten der Neuzeit sind ausschlaggebend. Da war zum einen der Paradigmenwechsel von der Protestkultur zum organisatorischen Ausdruck einer wichtig gewordenen Gruppe des BildungsbürgerInnentum. Der Duktus von Protest wich einem modernisierten Dabeisein, Widerstand den Prämissen von Lifestyle und Gesundheit. "Lohas", wie sich sich nennen, sind der in diese Richtung weitgehendste Entwurf widerstandsfreier Lebenskultur, die längst ein Teil des mainstreams ist und das auch sein will. Unter anderem durch deutliche Distanzierung von denen, die der Protestidee weiter oder neu verschrieben sind. Der zweite Grund ist der schnöde Mammon. Wer in Fördertöpfen bleiben oder die Spenden der zu Wohlstand kommenden Ex-Protestbewegung abgreifen wollte, musste den Themenumschwung mitgehen. Die Agenda 21 als eine der ersten Entpolitisierungsstrategien hat schlicht deshalb Erfolg gehabt, weil fast alle staatlichen Stellen ihre Zuschüsse an Umweltgruppen daran koppelten, dass diese integraler Bestandteil der Agenda-21-Arbeit wurden. Das zieht - jedenfalls in einer zu diesem Zeitpunkt kaufbaren und heute längst gekauften Umweltbewegung.

Im Original: Die Argumentationsschleife der Grünen Gentechnik ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
1. Umwelt und Ressourcen müssen geschützt werden
Im ökologischen Sinne bedeutet Nachhaltigkeit «einen Umgang mit natürlich gegebenen Ressourcen, bei dem die Trag- und Regenerationsfähigkeit des betreffenden Ökosystems nicht gefährdet werden». (Corinne Maeschli, "Das Leitbild Nachhaltigkeit – Eine Einführung", S. 5)

2.a Wir brauchen mehr zu essen
Eine nachhaltige Landwirtschaft muss in der Lage sein, die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln langfristig zu sichern [1, 45]. Da jedoch die Erdbevölkerung pro Jahr um rund 1.5 Prozent zunimmt [46], bedeutet diese Forderung, dass auch das Angebot an Nahrungsmitteln im selben Masse wachsen muss. Allerdings werden die besten Ackerbaugebiete der Welt bereits genutzt, so dass eine weitere Ausdehnung der Ackerbaufläche, soll eine weitere Intensivierungen von begrenzt kultivierbaren Landstrichen verhindert werden, nicht möglich ist [1]. Folglich muss, um die Nahrungsmittelversorgung aufrecht zu erhalten, die Produktivität der derzeitigen Ackerbaugebiete erhöht werden. (Maeschli, S. 13)

Aber die Produktivität der Landwirtschaft muss bis zum Jahr 2025 weltweit nahezu verdoppelt werden, um die dann schätzungsweise 8,5 Milliarden Menschen auf der Erde ernähren zu können. (Sinemus/Minol in mensch+umwelt spezial 2004, S. 46)

2.b Außerdem soll die Qualität des Essens steigen
Aus Klaus-Dieter Jany, "Gentechnik im Agrar- und Lebensmittelbereich. Stand und Perspektiven – Ein Beitrag zur nachhaltigen Produktion von Lebensmittel"
Lebensmittel sollen immer schöner, wertvoller, besser ... kurz genussvoller und gesünder werden. Dabei sollen sie aber immer naturbelassener, frischer, sicherer, haltbarer und noch billiger werden. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, müssen neue Techniken angewandt werden. Eine Technik ist die sog. Grüne Gentechnologie.

2.c Umweltschutz bedeutet, wenn weniger Fläche weniger intensiv genutzt werden muss
Eine fortschreitende Umwandlung der noch verbliebenen Naturräume in monotone landwirtschaftliche Nutzfläche würde sich eindeutig negativ auf das Ökosystem ‹Erde› auswirken! (Maeschli, S. 11)

2.d Es ist schon schlimm: Die Suche nach Essen bedroht die Umwelt - es muss schnell gehandelt werden!

Nicht Industrie und Kapitalismus, sondern die EinwohnerInnen auf der Suche nach Essen zerstören die Umwelt

In Schwellenländern wird schon jetzt durch Brandrodung von Wäldern die landwirtschaftliche Nutzfläche vergrößert, um den Mehrbedarf an Nahrung zu decken. Auch Grasland wird überweidet. Das zerstört unwiederbringlich Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Die Stabilität des Klimas wird gefährdet und die genetische Vielfalt beeinträchtigt. ...
Brandrodung im tropischen Regenwald: Zur Deckung des Nahrungsbedarfs wird in vielen Schwellenländern die landwirtschaftliche Nutzfläche auf Kosten des Waldes vergrößert. ...
90 Prozent der Waldvernichtung in den immerfeuchten Tropen ist auf Ausdehnung der Landwirtschaft zurückzuführen (Weidewirtschaft und Wanderfeldbau).
(Sinemus/Minol in mensch+umwelt spezial 2004, S. 46)

3. Die konventionellen Züchtungspotentiale reichen nicht mehr
In den letzten 50 Jahren sind landwirtschaftliche Produktionsverfahren entwickelt worden, mit deren Hilfe die heutige Landwirtschaft allmählich zu Ertragspotentialen nahe den pflanzenphysiologischen Grenzen vorgestossen ist. Um die Erträge weiterhin und im Sinne der Nachhaltigkeit zu erhöhen, müssen die Verluste (durch Schädlingsbefall, Witterung etc.) eingeschränkt werden. Dabei sollte jedoch auf den Einsatz von umwelt- und gesundheitsschädigenden chemischen Mitteln weitgehend verzichtet werden. (Maeschli, S. 13 f.)

4. Die Rettung: Gentechnik!
Bei einer dem Standort und der Bewirtschaftungsweise angepassten Anwendung könnte der Einsatz der Gentechnologie die Erträge steigern, ohne die Umwelt weiter zu belasten. Womit die Bedingungen der ökologischen und der ökonomischen Aspekte der Nachhaltigkeit erfüllt wären. ...
Ohne den Einsatz von neuen Technologien ist jedoch die Vorstellung, die Welternährung durch einen flächendeckenden ökologischen Landbau sicher zu stellen, für die Zukunft wohl eher utopisch.
(Maeschli, S. 14)

Beim konsequenten Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen mit effektiven Resistenzen gegen die wichtigsten Erreger und Schädlinge sind natürliche Lebensräume – und damit auch die Artenvielfalt und das Klima – deutlich einfacher zu schützen. Entsprechende Pflanzen werden zur Zeit weltweit für alle Klimazonen entwickelt. ... (S. 46)
Bei Betrachtung der vorliegenden Anbauerfahrungen und dem Wissen um die Möglichkeiten der neuen Technologie ist aber absehbar, dass bestimmte transgene Pflanzen einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige und ressourcenschonende Landwirtschaft leisten können. (Sinemus/Minol in mensch+umwelt spezial 2004, S. 50)

Gentechnisch verbesserte Sorten werden seit ihrer Einführung in immer mehr Ländern auf immer größerer Fläche angebaut: Allein 2004 wurden in 18 Ländern auf über 81 Mio. Hektar gentechnisch verbesserte Pflanzen bestellt; seit 1996 kumuliert sind das bereits 384,6 Mio. Hektar. In der Praxis zeigt sich, dass diese Pflanzen die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen; die immer wieder beschworenen Risiken sind nicht aufgetreten. Im Gegenteil, die Vorteile dieser Sorten zeigen sich immer deutlicher, je mehr Erfahrungen gesammelt werden: Einsparung an Pflanzenschutzmitteln, gesündere Nahrungsmittel und schonendere Bodenbearbeitung sind einige der Vorteile, die schon die erste Generation dieser speziellen Sorten vorweisen kann. (Anja Matzk, KWS)

Über diese Stimmungen und Werbestrategien sind Umweltverbände auch für die Agro-Gentechnik einfangbar. Da ist noch harmlos, wenn sich die NGOs für Versuchsfelder zur Sicherheitsforschung aussprechen, um an den Töpfen teilzuhaben. Schlimmer ist, wenn die Agro-Gentechnik zum gemeinsamen Projekt wird. Immer wieder wird sie ja von den BefürworterInnen als Beitrag zur Nachhaltigkeit gefeiert - also genau mit der Argumentation, auf die seit Jahren auch Umweltverbände stehen. Wuchs da zusammen, was zusammen gehörte, als der WWF plötzlich mit Gentechnikkonzernen über nachhaltige gv-Sojaproduktion diskutierte?

Kritik am WWF wurde in einer Sendung des WDR am 8. Juni 2011 mit dem Titel "Der Pakt mit dem Panda" formuliert. Medien und UmweltschützerInnen reagierten entsetzt - und zeigten damit nur, dass sie von Tuten und Blasen keine Ahnung haben oder eben an die Märchenstunden glauben, die gesellschaftliche Eliten, organisieren in den Umwelt-NGOs, den Massen zwecks Spendengewinnung so erzählen. Aber immerhin: Besser ein später und auf Einzelthemen beschränkter Film als keiner ...

Im Original: WWF und Agro-Gentechnik ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
WWF Deutschland behauptet, sich (erstmal) dagegen auszusprechen mit folgender Formulierung (Mail vom 15.12.2008)
Der WWF hat global seine Meinung zum Thema gentechnisch veränderte Organismen (GVOs) formuliert und verlangt ein strenges Vorsorgeprinzip im Einsatz und in der Anwendung sowie ein transparentes Monitoringsystem. Demnach sollen keine gentechnisch veränderten Organismen verwendet werden, solange die ökologischen Auswirkungen nicht vollständig untersucht und evaluiert sind. Überall dort wo GVOs dennoch in der Umwelt eingesetzt werden, fordert der WWF ein rigoroses und fallspezifisches Genehmigungsverfahren durch Regierungen und designierte Regierungsstellen bevor GVOs in einem Land genehmigt werden.

Dann gab es Proteste ... und in einem Rundbrief war wenig später zu lesen:
Ein großes Dankeschön an alle, die der Umweltorganisation WWF Briefe geschickt haben, um deren Teilnahme an der Debatte um Nachhaltigkeitskriterien für Gentech-Soja, zu kritisieren. Euer Protest war SEHR erfolgreich. Die Umweltorganisation hat sich in einer Stellungnahme dafür entschuldigt, dass es den Anschein erweckt hat, sie billige Gentech-Soja.
Gut gemacht! ABER die Antwort auf ihrer Webseite ist immer noch sehr dürftig. Die Stellungnahme ist voll von Rechtfertigungen für den "Runden Tisch Verantwortungsvolle Soja" (RTRS), der das Thema Gentechnik vollkommen von der Tagesordnung gestrichen hat. Der WWF argumentiert damit, dass es dem Runden Tisch darum ginge, eine nachhaltige Produktion von Soja zu sichern - unabhängig davon, ob sie gentechnisch verändert ist oder nicht. Das sind Spitzfindigkeiten. Gentech-Soja ist mit Abstand die Pflanze, die am häufigsten in jenen Ländern Südamerikas angebaut wird, wo Soja erwiesenermaßen die Umwelt und die sozialen Strukturen zerstört. Gentech-SOJA ist grundsätzlich NICHT nachhaltig.
In der Antwort auf Eure Briefe zur Gentech-Soja-Debatte spricht der WWF vom "erfolgreichen Abschluss der Gespräche am Runden Tisch". Fakt ist, wenn es nicht gelingt, verstärkt 1. Gentech-Soja komplett abzulehnen und 2. Zähne im Kampf für den Schutz des Regenwaldes zu zeigen, wird es Erfolg nur für die Ausbeuter der Bauern, nämlich die großen Sojaproduzenten - und natürlich für Monsanto!
Bitte schreiben Sie dem WWF und erklären Sie den Verantwortlichen, dass sie sich durch ihre Teilnahme am Runden Tisch der "Grünwäscherei" mitschuldig machen. Falls der WWF noch nicht geantwortet hat, können Sie ihm unter folgendem Link Ihre Sorge darüber mitteilen, dass er der Gentechnik zu einem "grünen" umweltfreundlichen Image verhilft. Weitere Informationen ...

Aus "Tanzt der Panda für Monsanto?", in: taz-Blog am 28.5.2009
Der Panda, soviel steht fest, versucht sich mit Monsanto, Syngenta, Cargill, ADM, Shell und so ziemlich allem was im internationalen Soja-Business Rang und Namen hat, auf Kriterien samt Label für nachhaltige Soja-Produktion zu einigen - mit Gentechnik, versteht sich. ... Der WWF International hat dagegen letzte Woche mit einem offiziellen Statement sein Engagement verteidigt: Die Soja-Expansion, auch die gentechnische, sei eine Realität, deren Folgen besser durch einen offenen Dialog mit der Industrie zu mildern seien als durch Verweigerung. ... Dass zu den Kriterien der Nachhaltigkeit a la RTRS der Verzicht auf Gentechnik nicht gehört, war wohl von Anfang an klar: “Jede Anbauform, ob gentechnisch, konventionell oder biologisch, ist verbesserungsfähig” heißt es auf der Webseite. Auch die Expansion der Soja in den Regenwald wird nicht gestoppt, sondern soll in geordnetere Bahnen gelenkt werden.

Aus einem Interview mit Jason Clay, Senior Vizepräsident des WWF
Wir können heute viel darüber diskutieren, was nachhaltig ist und was nicht. Aber bis 2050, mit 9 Milliarden Menschen auf dem Planeten, fast 3 Milliarden mehr als heute, die doppelt so viel konsumieren wie wir jetzt: was auch immer heute nachhaltig ist, im Jahr 2050 wird es das nicht sein. Also müssen wir besser werden. Wir müssen herausfinden, wie wir mit weniger mehr erreichen können. Ich denke, was Zuchtvieh betrifft, müssen wir herausfinden, wo wir stehen und wo die Grenzen sind. Dann können wir uns anschauen, was Rollenmanagement und Genetik und andere Dinge mit der Verbesserung der Produktion zu tun haben.

Das motivierte einen Lyriker zu folgenden Versen:
Die Genlobby kann lachen:
Der WWF braucht Moos!
Wir schlafen - die solln' machen (?!?!):
Die machen krumme Sachen
und quatschen Gensoja groß!!
und quatschen Gensoja groß!!

Und Soja wird jetzt teuer:
Das soll jetzt in den Tank!
Denn Agrosprit kriegt Steuer,
und Gift- und Genungeheuer -
die machen kein Auto krank!!
die machen kein Auto krank!!

Sind Mindeststandards versprochen,
für Arbeit und Natur,
werden selbst _die_ gebrochen,
wer will auf Recht hier pochen?!?!
Die Säge freut sich nur!
Die Säge freut sich nur!

'3 Euro stoppen die Säge' -
so steht es hier und dort...
Die Euros, die gehn Wege,
Monsanto gibt sein' Sege',
Campina bleibt auch nicht fort!
Campina bleibt auch nicht fort!

Denn Gummiparagraphen
bringt diese Runde hervor,
und wer soll hier dann strafen?
Versprechen machen schlafen -
wer's weiß, bleibt außen vor!
wer's weiß, bleibt außen vor!

Wer Hab und Gut verloren
hat durch den Agrosprit-Wahn
bleibt vor verschlossnen Toren:
Wer leiht dem Elend Ohren?
Die 'Heuschrecken' brechen sich Bahn!!
Die 'Heuschrecken' brechen sich Bahn!!
Herrschaftsfragen ausblenden

Wer Risiken in den Vordergrund stellt (bzw.: Gefahren), behauptet selbst, dass die Gentechnik unproblematisch sein kann - nämlich dann, wenn die Risiken einschätzbar und zu bewältigen wären. Das sei zwar, sagen die meisten Umwelt- und Biolandverbänden, zur Zeit nicht der Fall, aber dennoch stärkt die Forderung nach mehr Forschung genau die, die weitere Erforschung der Gentechnik einfordern und unter dem Deckmantel der Forschung alle möglichen Versuchsaktivitäten verdecken. Außerdem öffnet es der Gentechniklobby Tor und Tür, für länger untersuchte Einzelfälle die Behauptung aufzustellen, hier seien die Risiken bereits gut erforscht und deshalb handhabbar. Im Ergebnis schlagen sich dann ExpertInnen und ScheinexpertInnen Fachausdrücke, Untersuchungen und mehr um die Ohren - eine Debatte, bei der viele BeobachterInnen schnell aussteigen und dazu neigen, der Personen mit dem höheren wissenschaftlichen Grad (z.B. Prof., Fachbehördenleiter ...) mehr Glauben zu schenken. Zudem verharrt, wer nur die Frage der ausreichenden Erforschung der Risiken thematisiert, auf einer sehr schwachen Argumentationsbasis. Denn eine grundlegende Kritik der Gentechnik ist daraus nicht ableitbar. Diese fehlt vielen Umwelt- und Landbauverbänden denn auch. Sie wäre nur aus einem emanzipatorischer Betrachtungswinkel möglich, die Abhängigkeiten, den Verlust der Wahlfreiheit, Patente auf Leben und Kontrolle von Produktion und Konsum thematisiert. Doch solche Verknüpfungen von Herrschaftsanalyse und emanzipatorischer Technikkritik ist bei den gegenüber staatlicher Macht und Profitdenken ja ganz offen eingestellten NGOs absolute Mangelware.

Am Beispiel der politischen Kultur von Grünen
Aus Helmut Höge: "Moderne vs. Ökologie", in: Junge Welt am 26.3.2013 (S. 12)
Warum führen die Grünen in Europa nicht viel mehr als ein NIschendasein, obwohl es überall auf dem Kontinent von Bürgerinitiativen wimmelt, ob gegen Bahnhofsneubauten, Staudämme, Gastrassen, Autobahnen oder Großschlachthöfe. All diese Projekte sollen von korrupten Politikern, technoiden Machern und BVL-verblödeten Managern geplant und durchgezogen werden. Die Grünen haben keinen Zulauf, der dieser Entwicklung entspricht, weil sie in der "Moderne" dieser "Planer" stehen, d.h. sie greifen Bürgerprotest zwar auf (mit denen gegen Atomkraft sind sie großgeworden), bringen sie dann jedoch auf die handelsüblichen Lösungswege. Die da wären: Einzäunen und Nutzung reduzieren (Nationalparks und Schutzzonen); besser, wenn auch teurer, produzieren und verkaufen (Biosupermäkrte); industrielle Verfahren optimieren (entgiften, recyceln, den CO2-Ausstoß reduzieren); wissenschaftlich erforschen; anerkannte Experten (zahlenverliebte Darwinisten) heranziehen, selbst zu werden - und ganz allgemein die "Performance" verbessern, "optimieren". All diese Wegen enden früher oder später im Etikettenschwindel.

Gentechnikkritiker fordert: Lebensmittelexporte steigern!
Unter der Überschrift „Anti-Gentechnik vom Feinsten!“ wies ein Text am 30.12.2013 auf eine „Hochkarätige Veranstaltung“ hin. Darin ging es um die „großen Gefahren des Freihandelsabkommen“. Ein Absatz zeigte, wie wenig Herrschaftskritik in der Gentechnik mitunter drin ist. Ein bekannter österreichischer Gentechnikkritiker benannte ausgerechnet die größere Chance für LebensmittelEXPORTE (!) als Argument gegen die Gentechnik. Offenbar widersprach niemand. Hier der Originaltext:
Grundsätzlich betonte HELLDORFF, dass die Agro-Gentechnik weltweit versagt : der Hunger in der Welt wurde verstärkt, da mit Gentechnik weniger geerntet wird und die Ernte außerdem vom Nährwert meist wenig bekömmlich ist. Er erinnerte auch an die bedrohlichen gesundheitlichen Auswirkungen sowohl des Star Link Genmais als auch des genveränderten Tryptophan, deren Opferzahl in den USA in die zehntausende gehen. ...
Folgerichtig vertritt HELLDORFF die Ansicht, dass ein gentechfreies Europa - und natürlich Österreich - einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil bezüglich Lebensmittelexporten aber auch Fremdenverkehr für sich verbuchen. Diesen Vorteil dem Druck skrupelloser Geschäftemacherei zu opfern wäre ebenso dumm wie unverantwortlich.

In einem Boot? Die überraschende Nähe zwischen Ökos und Gentechnikfirmen

Der Einsatz des WWF Niederlande für gentechnisch veränderte Soja unter dem Banner der Nachhaltigkeit war kein Einzelfall, wenn auch in dieser weitgehenden Form zunächst noch einmalig. Schnittpunkte aber ergaben sich bereits an allen wirtschaftsnahen Rändern von Umweltorganisationen. So überreichte die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, in deren Kuratorium mehrere VerbandsfunktionärInnen mitwirken, seinen Umweltpreis 2008 an den Chef und Gründer der Gentechnikfirma Brain AG, Dr. Holger Zinke, der auch zu den führenden Lobbyisten einiger Gentechnikbranchen gehört - ein trauriger Höhepunkt in der langen Serie ständigen Doppelspiels zwischen scheinheiliger Werbung und pragmatischer Verbandspolitik.

Im Original: Umweltpreis an Gentechnik-Pionier ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der Internetseite des Preisverleihers DBU
„Dr. Holger Zinke als Unternehmensgründer und Vorstandsvorsitzender der BRAIN AG ist einer der zentralen Pioniere der deutschen Biotech-Branche. Als einer der ersten erkannte er die zunehmende Bedeutung, den Werkzeugkasten der Natur für industrielle Zwecke nutzbar zu machen. Zinkes Engagement ist es zu verdanken, dass ein deutsches mittelständisches Unternehmen als Schrittmacher für die nachhaltige Entwicklung einer gesamten Industriebranche fungiert.“ – Mit diesen Worten würdigte heute Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die Verleihung des Deutschen Umweltpreises 2008 der DBU an den 45-jährigen hessischen Unternehmer Dr. Holger Zinke. ...
„Denn die industrielle oder ‚weisse’ Biotechnologie, hilft Energie und Materialien einzusparen, schont endliche Ressourcen, entlastet damit die Umwelt und erhöht die wirtschaftliche Wertschöpfung. Dieses Potenzial hat Zinke erkannt und genutzt“, erläutert Brickwedde. ...
Seit in den 90er Jahren Holger Zinke sein Unternehmen gründete, habe sich einiges geändert: Mit gentechnischen Methoden und viel Entwicklungsarbeit sei es nun möglich geworden, die Erbinformationen von nicht kultivierbaren Mikroorganismen und damit den Bauplan für natürliche Stoffe zu „entschlüsseln“. So konnten ehemals unzugängliche Mikroorganismen und deren Syntheseleistung erstmals für die Produktion nutzbar gemacht werden. „Der Ansatz, den Zinke und sein Team verfolgen, ist innovativ, weil nunmehr erstmals der vollständige Werkzeugkasten der Natur für industrielle Zwecke zur Verfügung steht“, so Brickwedde. ...
Zinke und seinem Unternehmen sei es zu verdanken, dass die Biotech-Branche aus dem Schattendasein habe heraustreten können. Er habe sein Unternehmen 1993 auf der Basis eines traditionellen, mittelständischen Geschäftsmodells gegründet. Zu dieser Zeit sei die industrielle Biotechnologie in Deutschland noch ein Fremdwort und an Millionenbeträge für Biotech-Firmen nicht zu denken gewesen. Seither habe er das Unternehmen mit Augenmaß entwickelt und mehr als 50 zum Teil internationale Kooperationen erfolgreich abgeschlossen. Unter den industriellen Kooperationspartnern finden sich Spezialchemieunternehmen wie Evonik-Degussa, BASF, Celanese, Ciba, Clariant, aber auch Konsumgüterunternehmen wie Henkel und Südzucker oder der Riechstoff- und Aromenhersteller Symrise. „Die vielfältigen Anwendungsgebiete und das Methodenspektrum dieser Technologie machen sie zu einer branchenübergreifenden Schlüsseltechnologie, die zur Verwirklichung nachhaltiger Entwicklung beiträgt“, so Brickwedde.
Engagiert sei Zinke an zahlreichen Gründungen von Biotechnologiegesellschaften und Interessensvertretungen der Branche beteiligt gewesen. Er sei 1997 Mitgründer der Vereinigung deutscher Biotechnologie-Unternehmen. Maßgeblich sei er 2003 an der Gründung der Interessenvertretung der deutschen Biotech-Unternehmen BioDeutschland e.V. und 2006 dem Industrieverbund mikrobielle Genomforschung beteiligt gewesen.


Bio-Pro-Werbeseite der Landesregierung Baden-Württemberg
Auch die chemische Industrie hat großes Interesse an Enzymen aus der Hohenheimer Biotech-Forschung. So wurden im Rahmen eines BMBF-Projekts - und wiederum in Zusammenarbeit mit der Brain AG - Nitrilhydratasen aus der Natur isoliert und gentechnisch optimiert.

Aus dem Bericht eines Journalisten-Workshops am 10. Mai 2006 in Hamburg zum Thema "Bereiche der Biotechnologie – Perspektiven für den Forschungsstandort Deutschland"
Zur Grünen Biotechnologie: Die Referenten stellten übereinstimmend fest, dass die Rahmenbedingungen in Deutschland kein international wettbewerbsfähiges Potenzial für diesen Bereich der Biotechnologie mehr ermöglichen, das Chancen-Zeitfenster schließt sich. ... Damals habe es großen Widerstand in Deutschland gegeben. Aufgrund dessen sei es für Wissenschaft und Industrie fast unmöglich gewesen, weitere gentechnisch veränderte Produkte zu entwickeln. Die USA seien damals schon Vorreiter in der Entwicklung wichtiger gentechnisch veränderter Produkte gewesen. Deutschland habe mittlerweile den Anschluss verloren und spiele im „Konzert der Länder“ in diesem Bereich praktisch keine Rolle mehr.
Vor diesem Hintergrund wunderte sich Dr. Zinke über einen kürzlich vom Büro für Technikfolgenabschätzung erstellten Report, der erneut auf die Auswirkungen des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen eingeht.

Da jubeln die Richtigen. CDU-Umweltminister Dietzel begrüßt Preisverleihung an Gentechnik-Boss, in: Pressemitteilung des HMULV am 30.09.2008. Auch die sonst eher gentechnikkritische FR bot dem Preisträger ein unkritisches Interview - er kommt aus Hessen (FR. 4.11.2008, D4).

Die Ex-Ökos, jetzigen Öko-Hasser und Neoliberalen Miersch und Maxeiner forderten Umweltpreise für Gentechniker schon seit Jahren, z.B. auf ihrer eigenen Seite und in der Zeitschrift Focus 6/2002:
"Noch sind die Fortschritte der Gentechnik im Agrarbereich nicht besonders spektakulär. Aber manche Projekte, an denen Wissenschaftler zurzeit arbeiten, könnten drängende Umwelt- und Menschheitsprobleme lösen. Dürretolerantes oder salztolerantes Getreide wäre für trockene Regionen ein wahrer Segen. Eine wiederkehrende Reissorte, die wie ein Beerenstrauch jede Saison neue Früchte trägt, könnte die jährliche Bodenbearbeitung überflüssig machen und damit Erosionsprobleme eindämmen. Ertragreichere Sorten retten Regenwälder und Savannen, denn ohne höhere Ernten auf gleich bleibender Fläche gerät die Natur immer stärker unter Druck. Führende Köpfe des internationalen Naturschutzes begrüßen deshalb die grüne Gentechnik. Nicht Greenpeace und Vandana Shiva, sondern Wissenschaftler wie Beyer und Potrykus haben die Moral auf ihrer Seite. Den Deutschen Umweltpreis verdienen sie für ihre Leistung allemal."

Aus einem Interview mit der IUCN-Vorsitzenden Maritta von Bieberstein Koch-Weser im Aventis-Magazin "future" 3/2000 (S. 16)
Wenn man etwas nicht genau wissen kann, sollte man vorsichtig sein, das ist meine persölnliche Einstellung. Aber es gibt auch eine andere ethische Verantwortung. Man denke nur einmal an den Weizen oder andere Getreidesorten, die zum Beispiel besonders widerstandsfähig gegen die Trockenheit sind. Arme Bevölkerungen in bestimmten Teilen der Welt könnten sie anpflanzen - und es würden weniger Kinder sterben. Das ist ein gewichtiges Argument. Wir müssen eine differenzierte, wissenschaftlich fundierte und ethisch abgestützte Debatte führen. Es gibt ein Misstrauen gegenüber der Industrie, das strukturell bedingt ist. Auf die Bürgerinnen und Bürger wirkt sie wie Goliath auf David.

Presseinformation von GentechnikkritikerInnen zu der Preisverleihung (3.10.2008)
Umweltfunktionäre fallen Gentechnikgegnern in den Rücken!
Kritik an Umweltpreisverleihung für Gentechniker

Umfragen bestätigen: Drei Viertel oder mehr Menschen in Deutschland lehnen die Gentechnik in Lebensmitteln und in der Landwirtschaft ab. In diesem Frühjahr konnten GentechnikgegnerInnen durch Gegensaaten, Feldbesetzungen und –befreiungen ungewöhnliche Erfolge bei direkten Aktionen gegen die Profitinteressen verfolgenden Konzerne und Forschungsinstitute erzielen. GentechniklobbyistInnen befürchteten schon das Aus der riskanten Technologie in Deutschland. Doch wer kommt ihnen in diesem Moment zu Hilfe? Die Eliten bundesdeutscher Umweltverbände. Was zunächst paradox klingt, hat jedoch System. Denn BUND, Deutscher Bundesstiftung Umwelt und anderen geht es oft mehr um staatliche Förderungen und Akzeptanz bei Regierungen als um die Sache. Seit Jahren schon hetzen sie einerseits gegen radikale Aktionen zur Gentechnik, während sie gleichzeitig mit PolitikerInnen und Konzernen, die für Gentechnik eintreten, auf Schmusekurs gehen. Die aktuelle Verleihung des Deutschen Umweltpreises an den Chef und Gründer einer Gentechnikfirma, der auch zu den führenden Lobbyisten einiger Gentechnikbranchen gehört, ist nur ein trauriger Höhepunkt einer langen Serie ständigen Doppelspiels zwischen scheinheiliger Werbung und pragmatischer Verbandspolitik.
Deutsche Bundesstiftung Umwelt: Wirtschaftsförderung mit grünem Mantel
Verleiher des diesjährigen Umweltpreises ist die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Diese Stiftung speiste ihr Vermögen aus dem Verkauf von bundeseigenen Firmen. Seitdem pumpt sie Geld in Firmen mit innovativen Technologien. „Eigentlich wäre das ein Fall für die EU: Verbotene Subventionen“, kritisiert Jörg Bergstedt, seit Jahren engagierter Gentechnikgegner und Autor mehrerer kritischer Bücher über Wirtschafts- und Parteinähe von Umweltorganisationen. Gentechnik sei nicht das erste Mal unterstützt worden, doch diese Preisverleihung stelle einen traurigen Höhepunkt dar. An der Spitze der Stiftung stehe mit Hubert Weinzierl in Personalunion der Chef des Dachverbandes der deutschen Umweltverbände, DNR. Weitere Umweltfunktionäre sind dort vertreten.
Auch der BUND selbst, dem Weinzierl als Ehrenvorsitzender angehört, trat mehrfach gegen GentechnikkritikerInnen auf. So haben sich BUND-Funktionäre immer wieder von sogenannten „Feldbefreiungen“ distanziert, berichtet Bergstedt. Bei einer überregionalen Demonstration gegen die Gentechnik am 5. April dieses Jahres in Gießen sorgte der Verband dafür, dass Bauern der gentechnikfreien Region nicht über den dazugehörigen Emailverteiler mobilisiert werden konnten. Nach der harten Verurteilung von Feldbefreiern am 4. September in Gießen veröffentlichte der BUND-Bundesverband auf der von ihm betriebenen Seite zu gentechnikfreien Regionen ausgerechnet die Jubelmeldung des Gentechniklobbyisten „Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter“. Dort wurde die halbjährige Haftstrafe (ohne Bewährung) als „gerecht“ bezeichnet und bejubelt.
Mehr Eigeninitiative – weniger Verbandsmeierei!
Bergstedt sieht den Versuch der Verbände, allein durch gutes Zureden die Regierungen von der Gentechnik abzubringen, als gescheitert an. Schließlich würden PolitikerInnen wissen, dass sie seit Jahren einseitig Profitinteressen fördern gegen den Willen der überwältigenden Mehrheit. „Was wir brauchen, ist mehr direkte Aktion und widerständige Alltagspraxis“, fordert der Aktivist deshalb zum Handeln auf. „Die 80 Prozent Mehrheit gegen Gentechnik muss sichtbar werden – in den Supermärkten, auf den Feldern, in der Öffentlichkeit.“ Mitglied werden oder Spenden an Parteien oder Verbände, die ihre Propaganda mit Gentechnikkritik schmücken, sei zu wenig. Wenn FunktionärInnen dann noch die angreifen, die aus Eigeninitiative aktiv sind, sei die Eigeninitiative dem Hoffen auf Umweltverbände und Parteien spätestens vorzuziehen. „2008 soll das letzte Jahr für die Agro-Gentechnik gewesen sein – dafür brauchen wir widerspenstige und aktive Menschen nicht in Parteien und Verbänden, sondern dort, wo der Protest auch Wirkung zeigt!“
Mehr Informationen:
- Überregionale Sammlung direkter Aktionen gegen Gentechnik
- Unabhängige Gentechnikaktionen und -kritik
- Kritische Seiten zum Umweltverbänden: www.projektwerkstatt.de/aes
- Buch „Reich oder rechts“ (IKO-Verlag Frankfurt, verfügbar über www.aktionsversand.tk)
- Deutsche Bundesstiftung Umwelt (mit Umweltpreisverleihung): www.dbu.de

Die Nähe von Umweltverbänden zur Industrie ist historisch gewachsen und keine neue Erscheinung in der Agro-Gentechnik. Wer will von einem Verband ein distanziertes Verhältnis zu BASF und Bayer erwarten, der - wie beim NABU am 15.9.2010 geschehen - zusammen mit VW den Konzernen Vodafone und Schlecker einen Umweltpreis für eine umweltverträgliche Fahrzeugflotte überreicht? Geldbedarf und darauf folgende Käuflichkeit von gesellschaftlichen Organisationen scheinen unendlich steigerbar ...
Die Grenzen werden dabei zunehmend fließend. Greenpeace verbreitete am 13.5.2009 über eigene Kanäle Werbung für die dubiose Gentechnik-Firma BioOK. Und immer wieder wirken die Grenzen zwischen Konzernen und ihren KritikerInnen recht durchlässig. Der BUND musste schon vor vielen Jahren den Verlust ihres wichtigsten Experten zum Thema beklagen: Jens Katzek wechselte vom BUND zur "KWS Kleinwanzlebener Saatzucht AG". Beim BUND Bundesverband hatte sich der studierte Biochemiker Katzek als Kritiker der Gentechnologie einen Namen gemacht. Bei KWS, einem der größten deutschen Saatguthersteller, ist er für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Das Unternehmen will gentechnisch veränderte Nutzpflanzen vermarkten. Danach war Katzek Geschäftsführer der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) in Frankfurt/Main - eine berufliche Veränderung aus Überzeugung? So hätte es die Gen-Lobby gerne und so stellte die Industrie den Seitenwechsel gerne dar. War Katzek bereits gezielt beim BUND eingesetzt und sein späterer Wechsel zur Industrie lange geplant? Ging es bei seinem Seitenwechsel gar nur um das, warum es offenbar fast immer geht in der Branche und bei deren KritikerInnen - dem Geld? Jens Katzek hat solche Fragen nie beantwortet.
Inge Broer, Vorsitzende des Gentec-Lobby- und Verschleierungsvereins FINAB und Hauptmacherin des AgroBioTechnikums in Groß Lüsewitz, behauptet, vorher selbst aktive Gentechnikgegnerin gewesen zu sein. Zwar lässt sich davon nirgends etwas nachweisen. Aber allein die Tatsache, mit einer ex-kritischen Position Politik zu machen, spricht für sich. Denn es ist hier wie inzwischen in vielen Teilen der Gesellschaft: Die modernen Eliten der Gesellschaft stammen zu großen Teilen aus den gesellschaftskritischen Kreisen. Oder salopper: Die größten Kritiker der Elche ...
Stefan Rauschen, Christoph Tebbe, Karl-Heinz Kogel - sie alle hatten mal den Schwerpunkt Ökologie im Auge. Ob sie die Freundschaft aufgekündigt hätten, wenn ihnen jemand vor 20 oder 30 Jahren gesagt hätte, sie würden eines Tages - nur des Geldes wegen - gentechnisch veränderte Pflanzen züchten oder aussäen?
Seitenwechsler sind auch einige prominente Publizisten, die mit Ökothemen stareteten und heute platte Propaganda für die Gentechnik machen - mitunter auch für Atomkraft und andere umweltgefährdende Großprojekte. Einer von ihnen ist Michael Miersch, Ex-Umweltredakteur beim HR. Über Round-up-Rüben der Firma KWS sagte er 2008 in Welt-Online: "Ein stolzer Erfolg. Sie ist resistent gegen ein spezielles Unkrautvernichtungsmittel. So kann der Bauer alle konkurrierenden Wildpflanzen auf einmal abtöten, und nur die Rübe bleibt am Leben." Weitere SeitenwechselerInnen von Ökogruppen zur Gentechnikindustrie:

Nicht nur Personen verändern ihre Meinung, wenn die Scheinchen oder Überweisungen die Seite wechseln. Auch ganze Organisationen finden sich plötzlich dort wieder, wogegen sie eigentlich angetreten waren - wenn von dort das Geld kommt. Bekanntes Beispiel: TransGen, die Internetplattform zur Agro-Gentechnik. Irgendwann kam die Verbraucherinitiative auf die Idee, zusammen mit Gentechnikkonzernen eine Internetplattform zu gründen. Neutral sollte sie sein. Eine Propagandaplattform verschleierter Form ist sie geworden. Sie wird näher vorgestellt im Kapitel zu Lobbyverbänden.

Warum passiert das? Von kulturellen Hintergründen verbandlicher Arbeit

Die Schwäche sozialer Bewegung ist überall zu spüren, wird aber bei der Agro-Gentechnik besonders auffällig. Denn trotz überwältigender Mehrheiten in der Bevölkerung spielen die Umweltverbände und Initiativen bei der Verhinderung der Ausbreitung eine untergeordnete und relativ wirkungslose Rolle. Jedenfalls was das Geschehen draußen an den Feldern und Institutionen der Agro-Gentechnik angeht. Auf den Spendenkonten und bei den Mitgliederstatistiken sieht es für die Verbände schon besser aus. Es wäre nicht falsch, schlicht die Feststellung zu treffen, dass grüne Parteien und Umweltverbände Nutznießer der wachsenden Verbreitung gentechnisch veränderter Organismen sind. Aufhalten können sie mit ihren Unterschriftensammlungen, Petitionen und bunten Faltblättern die Agro-Gentechnik nicht - aber die Spendenbereitschaft derer, die ebenfalls längst nicht mehr als KämpferInnen für die Sache in Frage kommen, ist immens. Für die aufgeblähten hauptamtlichen Apparate der Verbände bei gleichzeitig nachlassender Aktivität in unabhängigeren Teilen der Organisationen ist dieser Geldfluss aber schon seit langem nicht mehr Mittel zum Zweck, sondern Selbstzweck geworden. Das ist kein Zufall, sondern Folge der Strategien und der Einbindung in gesellschaftliche Eliten.

Apparate von Parteien und NGOs als Teil sozialer Eliten

Soziale Bewegungen, d.h. auch Umweltgruppen und -verbände, Institute und Unternehmen, sind Teil derer, die an den Steuerknüppeln der Gesellschaft sitzen und parlamentarisch, ökonomisch oder medial per Macht des Faktischen oder Diskurssteuerung agieren. Es gibt keine messbare soziale Bewegung in Mitteleuropa, deren Kraft sich aus dem Widerstand der Menschen speist.
Schon die Organisierungsform von Verbänden und Zusammenschlüssen deutet das an: Hauptamtlichkeit und Apparate, wohin das Auge blickt. Das allein hat Konsequenzen, denn Apparate ticken anders. Sie sind stets um das Wohl ihrer Organisation bemüht, denn davon hängen ihre Posten, ihr gesellschaftlicher Einfluss und oft schlicht ihr Job ab. Daher: Lieber auf Nummer sicher, lieber an der Seite der Mächtigen und Reichen, lieber rücksichtsvoll in Hinblick auf die Schicht der Wohlhabenden, die als willenlose SpenderInnen neben staatlichen Förderprogrammen die eigentliche Basis der Organisationen darstellen. Zwischen Menschen, die aus eigenem Antrieb, auf "eigene Rechnung" (im wörtlichen und im übertragenen Sinn) und mit eigenen Ideen handeln, und den Apparaten, die an das Wohl des Kollektivnamens (Verbandsimage, Mitgliederwerbeeffekte usw.) und dessen Kontostand denken, klaffen grundsätzliche Gräben. Kooperation wird kaum möglich sein, ohne sich zu verbiegen. Die FunktionärInnen werden Risiken scheuen, die anderen an der Langeweile der Apparate verzweifeln. Praktisch spielt das aber sei vielen Jahren nur noch eine geringe Rolle: Die zentralen Apparate prägen fast alle Organisierungsvorgänge sozialer Bewegung. Aus ihrem Blickwinkel sind selbstorganisierte, unabhängige Gruppen und Aktionen immer eine Bedrohung, weil sie unberechenbar sind und die Pfründe gefährden. Den Apparaten von Kollektividentitäten, d.h. die an den guten Namen ihrer Organisation, an Einflussmöglichkeiten und Kontostände denken, wird deshalb daran gelegen sein, alle Nicht-Apparate zu verdrängen und am besten unschädlich zu machen. Ihre Abwehr gegenüber selbstorganisierten Initiativen hat gute Gründe: Angst um die eigenen Vorteile. Um die Sache geht es dabei nie, auch wenn inhaltliche Differenzen ab und zu vorgeschoben werden. Wer nicht um das Überleben seines Kollektivs und damit ja auch um die eigene Stellung fürchten muss, könnte ganz relaxt in eine inhaltliche Kontroverse gehen. Die Apparate aber haben Angst. Sie sind die Hüter des Normalen und sie haben die gleiche Organisationskultur. Apparate in sozialer Bewegung und die Apparate von Behörden, Firmen und Parteien passen einfach besser zusammen. Sie sind berechenbar, verbandsegoistisch, ängstlich und risikoscheu, schwerfällig, langweilig - einfach "norm"al.
Praktisch sieht das so aus: Die FührungsfunktionärInnen der NGOs fühlen sich aus verhaltenskulturellen Gründen, die wichtiger geworden sind als Inhalte, an den Tischen der Reichen und Mächtigen wohler als bei den verbliebenen AktivistInnen vor Ort oder in konkreten Projekten - seien sie nun Teil eines Verbandes oder selbstorganisiert. Dort, in diesen Eliten, erfüllen sie eine wichtige Funktion, in dem sie diesen Sphären informeller Machtorganisierung den Hauch der Offenheit und politischen Breite geben. Sichtbar ist das bei öffentlichen Veranstaltungen, wenn Grüne oder Umweltverbandsleute als QuotenkritikerInnen an den Werbestunden für die Agro-Gentechnik teilnehmen. Das fällt sogar auf, z.B. fand bei den DLG-Feldtagen 2010 eine Diskussion über die Agro-Gentechnik statt. Der Informationsdienst Gentechnik kritisierte: "Am 16. Juni findet zusätzlich eine Forumsveranstaltung mit dem Titel: "Grüne Gentechnik – was Landwirte und Verbraucher erwarten können!" statt. Mit Fachleuten wie Dr. Elke Duwenig von der BASF Plant Science, Prof. Dr. Karl-Heinz Kogel von der Universität Gießen und Prof. Dr. Andreas Schier von der Fachhochschule Nürtingen, beides Befürworter der Agro-Gentechnik und Leiter bzw. ehemaliger Leiter von Forschungsprojekten mit Gentechnik-Pflanzen, ist mit Thomas Dosch, Präsident von Bioland, die kritische Betrachtung der Agro-Gentechnik stark unterrepräsentiert." Tatsächlich war alles noch schlimmer. Denn Bioland spricht sich nicht gegen Versuchsfelder aus. Also saß gar kein klarer Gegner der deutschen Gentechnik auf dem Podium. Aber gut ausgesehen hat das sicher, einen Biolandfunktionär aufbieten zu können. Solche Fälle der Akzeptanzbeschaffung ohne tatsächliche Einflussnahme gab es bereits viele.
Gleichzeitig entwickeln Verbände und ihre FunktionärInnen eine Distanz zu allen, die Aktionen durchführen. Das hat nicht nur politische Gründe wie die Rücksicht auf GeldgeberInnen, die Angst vor Imageschäden und den inneren Zwang zur Jagd nach Seriösität, ohne jemals genau analysiert zu haben, wodurch diese eigentlich entsteht. Sondern es ist auch eine kulturelle Frage. Die Apparate der großen Verbände (mindestens auf Bundes-, oft aber schon auf Landesebene) gehören zu den Funktionseliten der Republik. Das zieht eine bestimmte Sozialisation nach sich oder setzt diese oft auch schon voraus. Aktion kommt dabei nicht vor. Das Leben läuft in bestimmten, elitenspezifischen Bahnen. Es sind andere Zeitungen, die gelesen werden; andere Cafes, die besucht werden; andere Gepflogenheiten des Alltags, die Funktionseliten immer wieder verbinden, aber deutlich unterscheiden von solchen Menschen, die Felder besetzen. Beides zusammen - die politisch gewollte Distanz zu AktivistInnen und die kulturelle Ferne - führen dazu, dass NGO-FunktionärInnen regelmäßig nicht einmal Emails oder Anrufe von denen beantworten, die nicht zu ihrer politischen und sozialen Klasse gehören. Oder anders ausgedrückt: Der notwendige Wandel innerhalb von Bewegung, das Aufbegehren von AktivistInnen gegenüber den Apparaten, ist Klassenkampf!

Kleines Gedankenspiel: Wie man die deutschen Umwelt-NGOs gefügig macht!

Methode 1: Die Kultur der Eliten
Sei wichtig und halte Dich an die ungeschriebenen Regeln - und Du bist dabei. So oder ähnlich lassen sich die kulturellen Gepflogenheiten in den Funktionseliten dieser Gesellschaft beschreiben. Das ist wichtig, zu begreifen, sonst werden viele Phänomene des Verhaltens nicht erklärbar.

Methode 2: Spalten und assimilieren!
Die beste Strategie, die wirklich nervenden Teile kritischer Bewegungen zu neutralisieren, ist die Idee, die anderen zu Distanzierungen zu bringen. Ist doch viel besser, wenn Umweltverbände sich von Feldbefreiungen distanzieren, die Broschüre "Organisierte Unverantwortlichkeit" boykottieren helfen, kritische Veranstaltungen kippen, radikale GentechnikgegnerInnen von Demonstrationen ausschließen usw. Dann brauchen das BASF & Co. gar nicht mehr selbst zu machen. Als billige Belohnung gibt es dafür Sitze an den endlosen Debattierrunden der Eliten.

Methode 3: Was Schlimmeres wollen!
Mensch nehme: Ein Gentechnikgesetz, dass zwar von Koexistenz redet, aber im § 16 selbst ausführt, dass sich Freisetzer von Gentechnik nicht dran halten müssen. Außerdem "vergisst" es die Bienen, weil sich mit dieser Sparte der Landwirtschaft nicht einmal schlechte Koexistenzregelungen finden lassen. Schließlich werden Grenzwerte festgelegt, die es möglich machen, gentechnisch verseuchte Lebensmittel als gentechnikfrei zu kennzeichnen. Dann erhebe mensch Klage gegen dieses Gesetz - und schwupps, werden die ehemaligen KritikerInnen zu den VerfechterInnen. So ist dann wenigstens der schlechte Stand vorher nun allgemein akzeptiert. Ein beliebtes Spiel, mensch vergleiche den Streit um die Ausstieg aus dem Ausstieg, wo ehemalige KritikerInnen heute auch Menschenketten zur Rettung des früher als Atomnonsens bezeichneten Vertrags bilden. Oder das Klimaprotokoll von Kyoto, das nichts war als der Mechanismus zum Kaufen und Verkaufen von Luftverschmutzungsrechten. 2001 bauten BUND & Co. ein symbolisches Rettungsboot für den Vertrag.

Ein schönes Beispiel für "Methode 3" war der Wandel von Forderungen im Zusammenhang mit der Verfassungsklage des Landes Sachsen-Anhalt gegen das geltende Gentechnikgesetz. Der Versuch, dieses Gesetz auszuhebeln, um es noch weiter entschärfen zu können, machte aus GentechnikkritikerInnen plötzlich VerteidigerInnen des geltenden Rechts - innerhalb weniger Tage.

Im Original: Chronologie der Forderungen am BVerfG ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Am 16.6.2010 waren sich die gentechnikkritischen Verbände noch über die fehlende Qualität des Gentechnikgesetzes im Klaren: "Bereits das geltende Recht weist elementare Lücken auf. So wurden Interessen der Imker im Gentechnikgesetz nicht berücksichtigt." Das Gentechnikgesetz führte "nicht zu einer unverhältnismäßigen Belastung der Gentechnik-Verwender. Im Gegenteil: Einseitig belastet werden gentechnikfrei wirtschaftende Bauern, Gärtner, Saatguterzeuger und Imker. Ihnen allein wird der übergroße Teil der Folgekosten und Risiken der Agro-Gentechnik aufgebürdet. Diese Umkehr des Verursacherprinzips muss vom Gesetzgeber endlich beendet werden." Das also wäre ein Plädoyer gewesen, sowohl die Klage der seit Jahren als Erfüllungsgehilfen für die Gentechnikanwendung auftretenden Landesregierung von Sachsen-Anhalt anzugreifen wie auch eine Verschärfung des Gesetzes zu fordern. Doch eine solche Linie ist mit der Protestkultur in Deutschland nicht vereinbar. Abgesprungen als Tiger landeten die Protestgruppen schon zwei Tage später als Schoßhund der MacherInnen aktueller Politik und Gesetze. Die Klage und die Androhung einer weiteren Verschlechterung zeigte nämlich eine deutliche Wirkung. In einer Presseinformation vom 18.6.2010 sprachen nun studentische Gruppen und Umwelt-NGOs von "strengen Regelungen des Agro-Gentechnik-Gesetzes", die die Konzerne stören würden. Erst "die Klage des Landes Sachsen Anhalt gefährdet die gentechnikfreie Landwirtschaft gravierend". Die "ökologisch bewegten Aktivisten", die vor dem Bundesverfassungsgericht protestierten, "sehen sich durch die angestrebte Klage Sachsen-Anhalts in ihrer Existenz bedroht, sollte es tatsächlich gelingen, das aktuelle Gentechnikgesetz zu kippen." (Presseinfo am 23.6.2010). In einer weiteren Information vom 24.6.2010 kündigten sie "eine Katastrophe für unsere gentechnikfreie Landwirtschaft" - aber erst "wenn der Klage recht gegeben wird". Da wollten andere Beteiligte nicht nachstehen: "Würde der Klage stattgegeben, hätte die gentechnikfreie Landwirtschaft keine wirksame Handhabe mehr, sich gegen gentechnische Verunreinigungen zu wehren", äußert sich auch der BUND am 22. Juni 2010 und behauptet damit, dass bislang rechtlich gute Möglichkeiten bestanden - so wird durch einen Angriff auf ein Gesetz aus der Kritik eine Befürwortung. Heike Moldenhauer, BUND-Gentechnikexpertin, jammerte: "Die sachsen-anhaltinische Landesregierung will mit ihrer Klage den Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion komplett aushebeln." Mutig vermutet sie dann, was eigentlich jedem klar ist: "Der Verdacht liegt nahe, dass sich die Landesregierung in Magdeburg vor den Karren der Gentechnik-Konzerne spannen lässt." Und auch Bioland, die am 16.6.2010 noch das bestehende Gesetz geißelten, passte sich am 23.6.2010 der defensiven Linie an: "Das Gentechnikgesetz muss weiterhin die Wahlfreiheit von Landwirten und Verbrauchern sicherstellen“. Als wenn es das augenblicklich tut ...
Money, money, money ... NGOs auf der Hatz nach immer neuen Einnahmequellen

"Den Einstieg in die Produktion genmanipulierter Lebensmittel auf Europas Feldern verhindern". So rief das Umweltinstitut München zu einer Kampagne für 2010 auf. Doch von Aktionen an Feldern oder irgendwo anders war danach nicht mehr viel zu lesen. GentechnikgegnerInnen haben vielmehr nur "drei Möglichkeiten, diese Aktion zu unterstützen": Flyer und Broschüren (natürlich nur des Umweltinstituts) verteilen, den Druck all diesen Papiers zu finanzieren oder, drittens, dem Umweltinstitut allgemein Geld zukommen zu lassen. Das ist Widerstand moderner Art - es geht nur noch darum, die einmal erschaffenen Apparate am Leben zu erhalten.

Im Original: Kampagne des Umweltinstituts ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden

Einleitungstext (oben) und die drei Mitmachbuttons der Kampagnenseite des Umweltinstituts München


Vieles, was von NGOs und Bewegungsagenturen angezettelt wird, dient vor allem der Jagd nach Spenden und Mitgliedern. Beispiele sind im Intro dieses Kapitels bereits genannt, weitere - auch zu anderen Themen - finden sich im weiteren Text. Widerstand verkommt zum schnellen Ausführen von Instantaktionen und zu finanzieller Unterstützung anderer, die dann bezahlterweise handeln - ein Spiegelbild der Verhältnisse auf der anderen Seite. Widerständiges Handeln aus eigener Überzeugung wird zur Mangelware.


So sieht das praktisch aus: Auswahlmenü an Aktionsmöglichkeiten auf der Campact-Eingangsseite im Internet. Dort wird die Logik erklärt: "Sie unterzeichnen Appelle und Petitionen, informieren Freunde und unterstützen die Campact-Kampagnen durch Spenden und Förderbeiträge. ... Schon mit ein paar Minuten Zeit in der Woche können Sie Ihren politischen Vorstellungen wirksam Ausdruck verleihen."

Strategische Defizite

Zu wenig direkte Aktion
Die großen, schwerfälligen und spendenorientierten Verbände schauen direkte Aktionen. Offenbar fürchten sie um ihr Image bei staatlichen Institutionen, Konzernen und Einzelspender_innen. Ob diese Angst überhaupt berechtigt ist, erscheint zweifelhaft. Aber die Eliten politischen Bewegung bewegen sich nicht unter den Menschen auf der Straße, sondern in den Sphären der Privilegierten. Dort wird ihnen diese Angst als Warnung vermittelt. Das wirkt.

Eigene Studien statt Recherche auf der anderen Seite
Eigene Studien sind teuer und selbstreferentiell, das heißt sie beziehen sich auf eigene Quellen. Zudem stellen sie die Risikodebatte in den Vordergrund. Das ist gefährlich bis kontraproduktiv - und überflüssen. Denn ein Blick auf Zitate der gentechnikbefürwortenden Seite würde reichen, um bereits alle Gefahrenpunkte, Machtinteressen usw. zu belegen. Ein Beispiel sei das folgende Zitate: „Die Möglichkeiten, eine Pflanze durch gentechnische Veränderungen zu verbessern, sind gering. Dies ist einer Reihe von Ursachen geschuldet. So lassen sich die Effekte eines spezifischen Gens auf das Wachstum der Pflanze, deren Entwicklung und Reaktionen auf die Umwelt nicht genau vorhersagen. Dazu kommen die geringe Erfolgsrate bei der gentechnischen Manipulation, der Mangel an präziser Kontrolle über das Gen, sobald es in das Genom eingebaut worden ist, und andere ungewollte Effekte, die mit dem Geschehen bei der Gentransformation und dem Verfahren der Zellkultur zusammenhängen.“ Es stammt von Monsanto. Wozu braucht es da noch eigener Studien? Viele solcher Zitate sind zugänglich, z.B. zur Koexistenzfrage, zur Verwendung von Forschungsgeldern oder auch allgemein. Dass Verbände und Parteien trotzdem auf eigene Studien setzen, hat einen ganz anderen Grund: Das beeindruckt die Spender_innen und Wähler_innen. Darum geht es. Umweltverbände und -parteien funktionieren wie Konzerne. Sie agieren und konkurrieren auf dem Markt der Spenden und Wählerstimmen.

Spalten, abgrenzen, distanzieren: Umwelt-NGOs und direkte Aktionen

Schlimmer geht immer: Umweltverbände und Parteien suchen nicht nur die Nähe der Mächtigen und MacherInnen in der Gesellschaft und damit auch der Agro-Gentechnik, sondern aus ihren zentralen Apparaten stammen Distanzierungen und Diffamierungen von widerständigen Aktionen - immer wieder sogar Arm in Arm mit denen, die Gentechnik betreiben, d.h. als politischer Gleichklang mit Politik, Konzernen und Lobbyverbänden. Deren ideologische Positionen werden dadurch von grüner Seite aus geadelt, und zwar schon seit vielen Jahren, als es mit direkten Aktionen gegen Genversuchsfelder losging. Anfang Mai 2000 wurde das Science-Live-Mobil in Gießen durch einen Anschlag zerstört. Es war ein Labor, in dem SchülerInnen ihre ersten gentechnisch hergestellten Tomaten ziehen konnten. Kritische Informationen gab es nicht, am Vorabend fand eine Podiumsdiskussion statt, wo nur BefürworterInnen auf dem Podium saßen, KritikerInnen nichts sagen durften und kritische ausgelegte Materialien entfernt wurden. Dafür war u.a. die Leiterin der Liebigschule in Gießen (wo das ganze stattfand) verantwortlich. Greenpeace, die selbst keine Aktivitäten gegen die Werbeschau entwickelten, distanzierten sich von dem Anschlag, bei dem das Gefährt völlig zerstört wurde (1,5 Mio. DM Sachschaden).
Der Reigen von Distanzierungen und Veschweigen ist lang: Die meisten Umwelt- und Umweltverbandszeitungen haben selbst über die Feldbefreiungen und Feldbesetzungen des Frühjahrs 2008 nie berichtet. Mehrfach distanzierten sich Umweltverbände und andere Gruppen von solchen Aktionen. Oder sie torpedierten die Vorbereitungsprozesse, z.B. wenn Nachrichten über Aktionen auf Mailverteilern, die von Umweltverbänden oder -institutionen kontrolliert werden, nicht durchgelassen wurden.

Die Kombination der gefühlten, kulturellen Nähe von Verbandseliten zu den gesellschaftlichen Führungsschichten bei gleichzeitiger Distanz zu unabhängigen AktivistInnen bildet seltsame Blüten. Als der bekannte kanadische Landwirt, Gentechnikgegner und alternative Nobelpreisträger Percy Schmeißer im Raum Gießen weilte, luden BUND, Bauernverbände und andere Gruppen zu einer öffentlichen Veranstaltung. Maßgeblich beteiligt war die Grüne Bürgermeisterin von Gießen, Gerda Weigel-Greilich, die 2008 - in einer grün-gelb-schwarzen Koalition - ihr Wissen um geplante Genfelder lange verschwiegen hatte und das Gießener Gengerstefeld sogar unterstütze. Daneben lächelten ein SPD-Landrat und ein der gleichen Partei angehörender Bürgermeister in die Kameras, die aber mit dem Thema bislang gar nichts zu tun hatten. Explizit ausgeladen waren AktivistInnen, die mit Feldbefreiungen und Feldbesetzungen Hessen gentechnikfrei gekämpft hatten, während ihnen Grüne und Umweltverbände zumindest in und um Gießen Knüppel zwischen die Beine warfen. Welch Ironie des Schicksals, dass das merkwürdige Presseschauspiel just auf dem Biohof stattfand, auf dem sie noch kurz vorher für ihre Feldbesetzung trainiert hatten ...

Rechts: Auszug aus einem Infoflyer einer gentechnikfreien Region. Er lag bei der Ton-Bilder-Schau "Monsanto auf Deutsch" aus, d.h. die Veranstalter hatten keine grundsätzliche Distanz zum Referenten, zu FeldbefreierInnen usw. - dennoch ist keines der Bücher und kein Links aus dieser Richtung mit auf dem Flyer. Die Schere sitzt im Kopf, tief und gar nicht bewusst ...

Im Original: Distanziert sich von Anti-Gentec-Aktion ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
BUND
Aus einer Rundmail über die Gen-Info-Mailingliste, 9.7.2006
Anti-GMO-Aktion in Ladenburg
In der Nacht von 2. auf 3. Juli wurde - wie von der Polizei bestätigt - eine erfolgreiche Anti-GMO-Aktion durchgeführt. Genmanipulierter Mais, der mit dem Bakteriengift Bt ausgestattet wurde, konnte auf der ganzen Fläche unschädlich gemacht werden. Laut Polizei gibt es „keinerlei Hinweise“ auf die AktivistInnen. Sie kannten sich offenbar genau aus: Der Teil des Gewanns ‚Alter Hof’, der mit konventionellem Mais bepflanzt war, blieb unberührt, während bei den genmanipulierten Organismen (GMO) „Totalschaden“ entstand. Die GMO waren im Rahmen eines angeblichen Forschungsprojekts angepflanzt worden und der materielle Schaden sei - laut Polizeiangaben - von eher geringem Wert. Dr. Josef Steinberger vom Bundessortenamt, das für die Aussaat der GMO verantwortlich ist, sprach dagegen von einem „Millionenschaden“.
Einen kleinen Skandal stellt die Äußerung eines örtlichen BUND-Mitglieds, Alexander Spangenberg, dar. Dieser meinte, im Namen des Verbandes sprechen zu müssen: „Wir vom BUND lehnen solche Aktionen strikt ab.“ Es dürfte sich noch als spannend erweisen, in welche Richtung sich die Diskussion über das im Grundgesetz verbriefte Notwehrrecht innerhalb der Umwelt-Organisation BUND bewegen wird.

Das ist steigerbar - noch um einige Stufen. Die nächste . Werfen wir einen Blick zurück in den Juli 2010. Ein Hektar (von insgesamt 15) des hochumstrittenen Amflorafeldes in Zepkow wurde von Unbekannten zerstört - die erste Feldbefreiung eines ansonsten ziemlich aktionsarmen Jahres! Doch was machten die Grünen der Region: Sie ließen Distanzierungssprüche raus, die das bisher gewohnte solcher Spaltungsrituale nochmal übertrafen: "Die Grünen distanzierten sich von der Feldzerstörung. Das Landesvorstandsmitglied Christian Prasser erkärte: 'Das ist nicht das geeignete Mittel. Wir brauchen politische Lösungen.' Zerstörungen würden nur Skepsis bei den Bürgern bringen", meldete der NDR und fügte noch einen Spruch des Grünenfunktionärs hinzu, der besser auch in den PR-Abteilungen von BASF nicht hätte formuliert werden können: "Auch könnten die Genveränderungen durch die einzelne Pflanzenteile noch eher in die Umwelt getragen werden." FeldbefreierInnen als neue Auslöser der Auskreuzung - darauf muss mensch erstmal kommen. Wenige Tage später stellten diese Grünen vier von sieben RednerInnen bei der bürgerlichen Latschdemo am Feld - Christian Prasser war die Kontaktadresse unter dem Aufruf. Unabhängige AktivistInnen waren gar nicht erst vorgesehen. Angesichts der Distanzierungen absurdes Motto der Demo (siehe Ausschnitt aus Flugblatt): "Wehren wir uns!" Gegen die BASF oder gegen AktivistInnen?
Grünen-Funktionär Presse legte auf Nachfrage (Mail vom 12.7.2010) noch eine Schippe drauf. Ungefragt redete er dabei im Namen aller: "Wir wollen in M/V ein breites Bündnis an Gentechgegnern formieren und dass werden wir nur schaffen wenn wir uns von solchen Maßnahmen distanzieren." Also merke: Ein breites Bündnis entsteht durch Rauswürfe! Dann griff Prasser noch in die Trickkiste der Geschichtsfälschung: "Viele Beispiele haben gerade hier in MV gezeigt, dass der politische Widerstand Bäume ausreißen kann. In den letzten Jahren haben wir einige Projekte von internationaler Bedeutung erfolgreich politisch bekämpfen bzw. stoppen können. Beispiele sind das Bombodrom oder auch das Steinkohlekraftwerk in Lubmin." Falsch. Zu diesen in der Tat erfolgreichen Kämpfen gehörte immer die Vielfalt der Mitwirkenden und ihrer Aktionsformen. Militante Aktion und Sabotage waren beim Castorprotest genauso präsent wie am und auf dem Bombodrom, sei es das Anmalen der Panzerhalle, eine Aktionsserie mit Fakes und Kleinstsabotage an Schildern und Zäunen oder größeren Zerstörungen z.B. des Kontrollwagens am Abwurfspunkt.

Nächste Variante: Verschweigen - am Beispiel des bisher erfolgreichsten Widerstandsfrühjahrs auf Gentechfeldern in Deutschland. Das war 2008 und erstmals auch überregional so prägend, dass in anderen Ländern AktivistInnen sich verwundert die Augen rieben, was denn mit den sonst so tranigen politischen Gruppen in Deutschland plötzlich los sei. Sieben Felder wurden besetzt, vier dadurch direkt verhindert und richtig viele im Laufe des Jahres umgemäht, ausgerissen oder umgetrampelt. Das fand den Weg in die bürgerliche Presse - aber nicht überall, sondern absurderweise vor allem in die neoliberale und konservative Presse. Dort wähnten Schreiberlinge im Dienste des Profits den Standort Deutschland in Gefahr - was leider übertrieben war. Anders reagierten die meisten der Blätter, die eher Positionen aus SPD- oder Grünenkreisen, neokeynesianische Weltbilder oder nachhaltiges Wirtschaften propagieren. Sie verschwiegen die vielen Aktionen genauso wie die meisten explizit linken und Umweltzeitungen oder deren Internetseiten. Wer z.B. in Hessen mitbekommen wollte, dass es durch das Engagement zweier BIs und zwei Feldbesetzungen plötzlich keine Versuchs- oder andere Gentechnikfelder mehr gab, wurde außer auf den Seiten der FeldbesetzerInnen nirgends fündig werden. Grüne, Linke, Umweltverbände - ein Kartell des Schweigens, obwohl alle ständig eingeladen und informiert wurden.

Im Original: Totgeschwiegen: Streit um Gießener Gerstenfeld ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Umschreibung in einer BUND-Studie einer Besetzung des KWS-Rübenfeldes in Northeim 2008 (S. 79)
So erklärte der KWS-Vorstand im Frühjahr 2008, als Kritiker zur Aussaat der in Kooperation mit Monsanto entwickelten transgenen Roundup Ready-Zuckerrübe (H7-1)am Rande des KWS-Geländes im niedersächsischen Northeim auftauchten ...

Nabu-Seite mit Links ausschließlich zu den selbstformulierten Einwendungen, obwohl es noch weitere Einwendungsmöglichkeiten gab, aber da unabhängige AktivistInnen federführend aktiv war. Lieber den Widerstand schwächen als andere verlinken ...

Irritierend an den Einwendungen ist auch, das der NABU in den konkreten Einzelfällen immer selbst feststellt, wie unsinnig und gefährlich die Freisetzungen sind - aber im Allgemeinen für solche Versuche plädiert.

Noch deutlicher wird das in einer Presseinformation des Nabu zum Gengersteversuch der Universität Gießen. Darunter findet sich ein Link zur Einwendung gegen Kartoffeln. Die Einwendung gegen die Gerste und die Informationsseiten derer, die gegen die Gengerste aktiv sind, werden verschwiegen:

Ein prägnantes Beispiel war der Start der Seilschaften-Kampagne "Monsanto auf Deutsch" ab Frühsommer 2009. Zunächst entstand die Broschüre "Organisierte Unverantwortlichkeit". Die sollte, hoffentlich im Nachhinein aus Spenden re-finanziert, möglichst schnell an viele verteilt werden. Bundesweite Verbände und Verteiler wurden um Unterstützung befragt. Das Ergebnis:

Ab Spätsommer lief dann als zweites Element der Kampagne die Ton-Bilder-Schau "Monsanto auf Deutsch". Eine der ersten Aufführungen fand im Landgericht Gießen statt - vorgetragen vom Angeklagten als seine Einlassung, zwei Stunden mit Laptop, Beamer und Lautsprechern. Andere waren nicht so kulant wie die RichterInnen (die später ein hartes Urteil fällten. Aus den Bundes- und Landesgeschäftsstellen einiger Umweltverbände wurde die Ortsgruppen aufgefordert, die Veranstaltung nicht zu organisieren oder auch wieder abzusagen. Allerdings setzte sie sich gegen das Votum der staatsnahen Hauptamtlichenapparate an der Basis durch und lief über hundert Mal vor meist über 50 ZuschauerInnen.

Aktionsbündnis gentechnikfreies Hessen: Peinliche BUND-Grüne Wahlkämpferei

Kurz nach dem Beschluss zu Neuwahlen in Hessen wurden plötzlich die in Jahresschlaf gefallenen BUND- und Grünen-Landesapparate aktiv und luden zu einem Treffen des vor allem in Person der als Sprecher auftretenden Apparate existierenden Bündnisses ein. Das fand am 2.12.2008 in Marburg statt. Sorgsam wurde darauf geachtet, Anti-Gentech-Gruppen aus dem Umfeld der Gießener AktivistInnen nicht einzuladen. Dann wurde weitgehend belangloses Zeug geredet, sich auf einige Monate später vertagt - aber einen Beschluss bekamen die Apparate dann doch noch hin: Nicht gegen Gentechnik, sondern gegen Aktionen gegen die Gentechnik ...


Aus dem Protokoll

Verbal trug der hessische Bündnis Drahtzieher Martin Häusling (Grüne) hingegen dick auf. So lobte er - ganz revolutionsromantisch - französische BäuerInnen für brennende Barrikaden (Vortrag am 3.3.2013 in Alsfeld). Im eigenen Land würde er die wohl eher rausschmeißen, aber weit weg war Radikalität immer schon schöner ...

Das war nicht das einzige Drama ...

Aber seien wir nicht unfair. Ganz so einheitlich sind die Verbände nicht. Ein Glück. Ausnahmen bestätigen die Regel. Es gab immer wieder BasisaktivistInnen auf den besetzten Feldern - und mitunter bejubeln sogar SPDler und BUNDjugend eine Feldbefreiung! Oder unterstützen zivilen Ungehorsam wie die breit getragene Aktion "Castor schottern" im Herbst 2010. Zumindest soweit sollte es beim Widerstand gegen die Agro-Gentechnik auch gehen!

Im Original: NGOs für direkte Aktion ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus einer Presseerklärung am 24.07.2004
Etwa 30 Personen beteiligten sich am 24. Juli an einer Aktion gegen das Bayer Versuchsfeld in Berge (Prignitz). Aufgerufen hatte das Barnimer Aktionsbündnis gegen Gentechnik und die BUNDjugend Brandenburg. Zielsetzung der Aktion war, auf das Versuchsfeld in Berge hinzuweisen. Nachdem in Lentzke der Genversuch eingestellt wurde, befindet sich in Berge das letzte Versuchsfeld von Bayer in Brandenburg.
Nach einem gentechnikfreien, biologisch angebauten Picknik zogen die Teilnehmer in Schutzanzügen zu dem Versuchsfeld. Es stiegen gelbe Luftballons mit dem Zeichen für biologische Gefahren in die Luft. Stellen Sie sich vor, die Luftballons wären Pollen. Hiermit spielen wir auf die absurde Diskussion um Koexistenz an. Wir wollen zeigen, dass Lebendiges sich nicht an Grenzen der Flurstücke hält, so Thomas Janoschka vom Barnimer Bündnis gegen Gentechnik.
Einigen Demonstranten gelang es trotz Polizeischutz und Absperrungen direkt an das Feld zu gelangen und dort einige Pflanzen abzuernten. Unter dem Applaus der anderen Demonstrationsteilnehmer hielten diese die Kartoffelpflanzen in die Luft. Strafanzeigen wegen Sachbeschädigung wurden angekündigt. ...
Die Gruppen kündigten weitere Aktionen gegen das Versuchsfeld an.
Gewerkschaften

Iris Wolf ist seit 2003 Ressortleiterin für den Bereich Innovation/Technologie im Vorstandsbereich 1 Gesamtleitung/Globalisierung/Industrie der IG BCE in Hannover, zudem SPD-Mitglied. Gleichzeitig ist sie Mitglied des Gentechniklobbyverbandes FGV.

Iris Wolf, IG BCE auf einer Tagung der Landesregierung Rheinland-Pfalz am 7.4.2005 (Dokumentation, S. 27)
Abschließend sei zusammengefasst, aus Sicht der IG BCE sichert und fördert die Bio- und Gentechnologie Arbeitsplätze in Deutschland. Es wäre und ist fatal diese Chancen zu vergeben. Unsere momentane Arbeitsmarktlage spricht dabei für sich selbst.

Sonderfall Kirche: Für und gegen Gentechnik

Kennen Sie die schönen Worte von der göttlichen Schöpfung, in der die unendliche Weisheit des Schöpfers zum Ausdruck kommt? Wer nicht an den großen Gestalter im Off glaubt, wird mit solchen Bildern wenig anfangen können und sich einen eigenen Reim auf die Abläufe in der Natur machen. Aber AnhängerInnen der Schöpfungsreligionen - würde es die nicht doch überraschen, wenn ausgerechnet die Verkünder der Göttlichkeit von Schöpfung praktisch diese Schöpfung ein bisschen nachbessern wollen? Doch es gibt keine Zweifel: Die Kirche ist an vielen Orte und vor allem in ihren überregionalen Apparaten vielfach an gentechnischen Experimenten beteiligt. Sie ist das gar nicht nur als Mitläuferin, sondern auch in gestaltender Rolle. An zwei der Hauptstandorte der Agro-Gentechnik spielte die Kirche eine der ersten Geigen: Im Biopark von Gatersleben und beim neuesten Projekt, der BioTechFarm in Üplingen. Das passt zu einer Reihe weiterer Verquickungen - vom Vatikan, der sich gern mit den Konzernchefs auch der Gentechnikkonzerne trifft bis zum Kirchenmann, der als vermeintlicher Ethiksachverständiger an den Propagandaveranstaltungen deutscher Universitäten und Lobbyverbände für die profitable Technik teilnimmt. Warum? Der schnöde Mammon dürfte der Hauptgrund sein. Die Kirche ist vielfach verquickt mit Finanzinstitutionen und Investmentfirmen. Sie betreibt zudem viele eigene - und die sollen Geld machen. Mit allen Mitteln. Wie im übrigen Kapitalismus auch.

Bislang auffälligstes Beispiel in Deutschland war das Engagement der Kirche für den ersten Biopark, errichtet auf dem Gelände des IPK Gatersleben und direkt neben der dortigen Saatgutbank - durch die religiöse Brille betrachtet eigentlich ein Hort der Bewahrung göttlicher Intuition. Der Immobilienspekulant der katholischen Kirche investierte, einschließlich Förderungen aus Steuergeldern, 35 Mio. Euro in Gentechniklabore und segnete diese riskanten Experimente auch noch (siehe Foto). Doch Gott hatte ein Einsehen. Die Kirchenfirma ging Pleite durch das Finanzengagement in der Gentechnik und Fehlinvestitionen andernorts. Beendet war das kirchliche Engagement für die Agro-Gentechnik in Gatersleben damit aber nicht. Bei den "3. Gaterslebener Gesprächen" am 16. und 17.9.2010 waren Kirchenleute prägend und gaben der Werbeveranstaltung einen Flair von Ausgewogenheit. Bei den völllig einseitig besetzten Podien und Vortragsreihen traten, wie üblich, BefürworterInnen aus Forschung und Behörden Schulter an Schulter auf - ergänzt oder moderiert von den SprecherInnen der höheren Weihen, z.B. Thorsten Moos, stellvertretender Direktor der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt in Lutherstadt Wittenberg. Wichtiger war der Auftritt von Stephan Schleissing. Dessen Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München verbindet sakülare (Universität) und kirchliche Arbeit. Schleissing ist nämlich gleichzeitig Kirchenrat und Beauftragter für Naturwissenschaft und Technik der Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Bayern. Ausgerechnet im Stammland der Gentechnikkritik zeigt sich die Kirche mit wackeligen Positionen. Ganz allein war die Kirche als Akzeptanzbeschafferin in Gatersleben nicht dabei. Auch KünstlerInnen und Kulturvereine ließen sich für die peinliche Werbeschau einspannen. Wieder mal eine Geldfrage?

Im Original: Optimierung der Schöpfung I... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Kirchenengagement in Gatersleben
Aus "Leere Labore", in: Spiegel 41/2008 (S. 93 f.)
Im hinteren Teil des Gaterslebener Biotech-Zentrums ist vor gut einem Jahr ein neues Gelände eingeweiht worden. Doch in diesem „Biopark“ herrscht Leere. Erst zwei Firmennamen stehen auf dem großen Schild. „Wir hatten uns da mehr erhofft“, gibt Katzek zu. Offenbar hat hier nicht mal der Beistand von oben geholfen. An der 35-Millionen-Förderung des Bioparks hatte sich neben dem Land auch das Bistum Magdeburg über die kircheneigene Gero AG mit 3 Millionen Euro beteiligt. Die Gentechnik-Begeisterung ihres zuständigen Seelsorgers stieß vielen Gläubigern damals bitter auf. Doch der ließ sich nicht beirren und besprenkelte das Gebäude bei der Einweihung sogar mit Weihwasser.

Aus transkript Nr. 4 /2007 vom 29.03.2007
Katholische Kirche investiert in Grüne Gentechnik: Eine kircheneigene Firma investiert in die umstrittene Grüne Gentechnik. 35 Mio. Euro steckt die GERO AG gemeinsam mit dem Land Sachsen-Anhalt in den Aufbau des Bioparks Gatersleben. Mehr ...
Ganze Tagung vereinnahmt - ohne Teilnehmende zu fragen*
Aus einem Bericht der Veranstalter (Kirche) einer Tagung in Tutzing am 12.11.2009
Am Ende der Vorträge und Diskussionen standen vier Ergebnisse fest: ... Vertrauen in wissenschaftliche Forschung im Bereich der Grünen Gentechnik wird nur dann aufgebaut werden können, wenn empirische und im Besonderen auch sozial- und geisteswissenschaftliche Forschung öffentlich finanziert, ergebnisoffen betrieben und im Bereich der Risikoforschung intensiviert wird.
*Eine Nachfrage bei Teilnehmenden ergab, dass die Behauptung, diese Ergebnisse seien Konsens gewesen, falsch ist.

Aus einer Tagungseinladung der Evangelischen Akadamie Sachsen-Anhalt (11.-13.11.2005)
Modellfall Grüne Gentechnik
Was tun bei festgefahrenen politisch-moralischen Konflikten? Kernenergie, Stammzellforschung, Grüne Gentechnik: Die naturwissenschaftlichtechnische Entwicklung wird begleitet von heftigen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Nicht selten werden moralische Grundüberzeugungen und religiöse Gewissheiten geltend gemacht (etwa „Bewahrung der Schöpfung“), die eine Kompromissfindung unmöglich erscheinen lassen. Am Beispiel des Streits um die Grüne Gentechnik in Sachsen-Anhalt werden Instrumente und Verfahren dargestellt und diskutiert, mit denen solche Konflikte erfolgreich bearbeitet werden können.
TTN - Propagandaabteilung der Evangelischen Kirche pro Agrogentechnik

Die Evangelische Kirche ist mindestens zweimal in überregional wichtige Strukturen der Agrogentechnik verwickelt. Zum einen ist sie Mitgestalterin der Stiftung Braunschweiger Kulturbesitz, die Flächen für das Propagandaprojekt "Schaugarten Üplingen" bereitstellte und sich an dortigen PR-Veranstaltungen pro Gentechnik beteiligt. Zum anderen betreibt sie zusammen mit der Uni München (LMU) das Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften. Dort wird schon seit etlichen Jahren und intensiv für die Agrogentechnik geworben - überwiegend mit sehr platten Inhalten.

In einem Interview auf www.biosicherheit.de (Propagandaplattform zum BioSicherheits-Programm) sagt Schleissing: "Ich kann nicht erkennen, dass die Biosicherheitsforschung es sich hier leicht macht. Vielleicht würde die Wissenschaft mehr davon profitieren, wenn man sie z.B. von Seiten der Politik nicht für die Voraussicht aller auch nur möglichen Folgen verantwortlich machen würde. Wie gesagt: Wissenschaftliches Wissen ist immer ein begrenztes Wissen. Das gilt für beide Seiten, Befürworter wie Kritiker. Aber irgendwann muss die Politik auch trotz der Zumutungen eines bloß begrenzten Wissens entscheiden. Für den Bürger kommt dabei alles darauf an zu wissen: Hier wird verantwortungsvoll gehandelt."

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Aus einer Einladung der Uni Rostock
Im hinteren Teil des Gaterslebener Biotech-Zentrums ist vor gut einem Jahr ein neues Gelände eingeweiht worden. Doch in diesem Veranstaltung mit Herrn Dr. Roger J. Busch zur Debatte um die Grüne Gentechnik: „Komplexe Technologien und verunsicherte Gesellschaften: Analyse relevanter Ablehnungs-Muster und Ansätze für ihre Überwindung“ informieren.
Die Veranstaltung findet am 21. Oktober 2013 von 09.00 bis 17.00 Uhr im SR 204 im Institut für Biowissenschaften, A.-Einstein-Str. 3, statt. Sie wird von der Graduiertenakademie in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Agrobiotechnologie und Begleitforschung zur Bio- und Gentechnologie an der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock organisiert und ist kostenfrei. Es können interessierte Promovierende und Wissenschaftler/innen aus allen Fachrichtungen daran teilnehmen. ...
Es scheint, bundesdeutsche Diskussionen über neue Technologien werden grundsätzlich als Risiko-Debatten geführt. Teilnehmende an diesen Diskussionen sind zum einen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich der Entwicklung widmen, zum anderen aber (selbsternannte) Sachwalter der öffentlichen Moral bzw. des Wohlbefindens unterbestimmter Öffentlichkeiten. Die zurückliegenden Auseinandersetzungen um die Grüne Gentechnik haben deutlich gemacht, dass auch
wissenschaftlich nicht substantiierbare Befürchtungen zu einer kompletten Blockade einer Technologie führen können. Technologie-Entwickler/innen standen und stehen hier nicht selten sprachlos vor einer ungewohnten und vielleicht sogar unerwarteten Situation. Die Veranstaltung wird sich mit unterschiedlichen Ablehnungs-Mustern befassen und sich dazu auf das „Lehrstück“ der Grünen Biotechnologie beziehen. Möglichkeiten, auf Öffentlichkeiten moderierend einzuwirken, sollen
vorgestellt und diskutiert werden. Die Veranstaltung beginnt mit einem einführenden Referat, dem im weiteren Verlauf kürzere Impulse folgen. Der Schwerpunkt soll jedoch auf der Diskussion der Teilnehmenden liegen.
Dr. Roger J. Busch war u. a. seit 1997 Direktor des Institutes für Technik-Theologie-Naturwissenschaften an der Ludwig-Maximilian-Universität in München mit den Schwerpunkten Konfliktkommunikation, Biotechnologie, ethische Aspekte in den Informations- und Kommunikations-Technologien, der Entwicklung der Landwirtschaft und Wirtschaftsethik.

Aus einer Predigt des Pro-Gentechnik-Kirchenrates Stephan Schleissing (TTN) am Reformationstag 2009
Anders als die konventionelle Pflanzenzüchtung hat der Einsatz gentechnischer Verfahren den großen Vorteil, genetisches Material gezielter in eine Pflanzensorte einzubringen. Dies führt nicht nur zu einer entscheidenden Zeitersparnis, sondern ermöglicht auch ein breiteres Anwendungsspektrum. In der Landwirtschaft verspricht dies z.B. eine bessere Widerstandsfähigkeit gegen widrige Umweltverhältnisse wie z.B. Trockenheit oder auch gegen Schädlinge von Nutzpflanzen. Aber auch die Veränderung von pflanzlichen Inhaltsstoffen kann dazu verhelfen, z.B. den Gehalt von Nährstoffen zu erhöhen oder möglicherweise auch den Gewinn von Energie aus Biomasse effizienter zu gestalten. ...
Und angesichts der überaus bedrängenden Fragen der Welternährung – wir sprechen nach OECD-Zahlen von über 800 Millionen hungernder Menschen! – können wir es uns einfach nicht leisten, in Wissenschaft und Forschung auf die Entwicklung potenzieller neuer Saaten und Pflanzen auch mit Hilfe der Gentechnik zu verzichten, ...

Christian Kummer, Prof. für Naturphilosopie in München und Vorstand bei TTN (Ableger der Evang. Kirche in Bayern), auf der Preisverleihung "Land der Ideen" für FOR PLANTA (16.11.2011 in Erlangen)
"Gentechnik, so könnte man sagen, lässt uns erst die Sprache der Natur verstehen. ... In diesem Sinne verstehe ich Gentechnik als ökologische Forderung. Ökologie, ökologische Ansätze im Denken braucht diese Voraussetzung. Sie muss sie fordern, wenn es sie nicht schon gäbe."
"Wenn ich die Risikolisten der Gentechfrei-Befürworter durchgehe, dann stellt sich bei mir immer die Frage, wieviel von diesen angeführten Risiken ist real und wieviel ist hier nur künstlich ausgedacht anhand rein theoretischer Möglichkeiten. Aber auch: Wieviel wird zum wohlfeilen Zugeständis ohne einen einzigen Grund? Ich kapier immer noch, was genetisch veränderter Pollen im Honig für einen Schaden anrichten soll. Dennoch war vorauszusehen, dass die von einem Einzelnen angestrengte Klage Erfolg haben würde."
"Solange man sich jedoch jedem Freilandversuch von Vornherein widersetzt oder ihn sabotiert, ist das Abschottung der Vernunft vor Aufklärung. Mir ist hierbei der Gewinn für Greenpeace bei solchen Aktionen genauso ein Rätsel wie im Fall ihrer Stammzell-Patentklage ..."
"Über einen Graben kommst Du nur drüber, wenn Du irgendwann mal springst. ... Einen Graben überwindet man nur mit einen Sprung und die Gefahr nasser Füße ist nicht restlos auszuschließen. Das ist schließlich das, was ich das Herausfordernde der Gentechnik der ökologischen Heils- und Unheilspropheten nennen möchte".


Auszug aus dem "TTN-Info" im September 2011 ("Extra Grüne Biotechnologie"): "Die Hochschätzung und Förderung von Wissenschaft gerade im Bereich der biologischen Sicherheitsforschung ist insofern Voraussetzung jeder demokratischen Politik."

Das TTN lud am 10.5.2011 zu einem Workshop zur Wissenschaftskommunikation am Beispiel "Grüne Gentechnik" - Public Relation oder Aufklärung? Als ReferentInnen wurden ausgewiesene und platte Lobbyisten der Agrogentechnik geladen. Das Programm:

Ähnlich bei BMBF-TTN-Klausurwoche "Grüne Gentechnik - Zwischen Forschungsfreiheit und Anwendungsrisiko". Als "WissenschaftlerInnen" durften Ingo Broer (die nach eigenen Aussage Gentechnik betreibt, "weil es dafür Geld gibt") und Stefan Rauschen auftreten.

Im Beitrag "Grüne Gentechnik - ein verantwortbarer Beitrag zur Bekämpfung des weltweiten Hungers?" des TTN-Mitarbeiters Christian Dürnberger (im ganzen Text gibt es kein Wort, dass genug zu essen da ist ...)
Wir haben von den Potentialen dieses technologischen Arsenals der Pflanzenzüchtung gehört, die sie zweifelsohne zu einer potentiellen Schlüsseltechnologie angesichts zentraler Herausforderungen unseres Jahrhunderts macht.

Aus dem Vorwort "Auf der Suche nach einer neuen Kultur der Debatte" von Christian Dürnberger (TTN) in der BMBF-Broschüre "25 Jahre BMBF-Forschungsprogramme zur biologischen Sicherheitsforschung" (4.9.2014)
Biologische Sicherheitsforschung findet sich in einer paradoxen Grundsituation wieder. Zum einen erfüllt sie ein gesellschaftliches Bedürfnis: Sie prüft an konkreten Szenarien viel diskutierte Risiken einer Technologie und stellt ihre Resultate – beispielsweise auf der Website bioSicherheit.de – transparent und in einer für den interessierten Bürger verständlichen Art und Weise dar. Zum anderen finden die Erkenntnisse
der Sicherheitsforschung gentechnisch veränderter Pflanzen jedoch nur bedingt Niederschlag in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung wie auch in den politischen Entscheidungsprozessen. Im Besonderen nimmt die Öffentlichkeit die Risiken der Grünen Gentechnik als bedrohlicher wahr als es die Ergebnisse der biologischen Sicherheitsforschung tatsächlich nahelegen würden. ...
In der Diskussion sind verschiedenste sozioökonomische Kriterien, wenngleich dies ein heikles Unterfangen ist. Im Kontext der gesetzlich regulierten Zulassungsentscheidung von gentechnisch
veränderten Pflanzen können sie keinen Platz haben, da eine Zulassungsentscheidung nicht an unbestimmte
Kriterien geknüpft werden darf.

Im Februar 2011 lud die von Ludwig-Maximilian-Universität und evangelischer Kirche in München getragene Lobbyinstitution TTN zu einer sechstägigen Klausur ein. Die Ergebnisse wurden in einem Buch veröffentlicht und zeigen deutlich, wie sich hier Theologie und Wissenschaft verbinden, um ethischer Einmischung in die von ihnen zur neuen Religion erhobene Wissenschaftsfreiheit eine Absage zu erteilen. Gleichzeitig blenden sie alle Zweifel an Unabhängigkeit von Wissenschaft im Zeitalter des Profitzwangs und der Selbstverstärkung von Herrschaft einfach aus.

Im Original: Optimierung der Schöpfung II ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Geschickte Propaganda: Pseudowissenschaftliches Pro-Gentechnik-Buch aus Uni- und Kirchenkreisen
Zum Buch "Grüne Gentechnik: Zwischen Forschungsfreiheit und Anwendungsrisiko" von Herwig Grimm/Stephan Schleissing (Hrsg.)
(2012, Nomos in Baden-Baden, 444 S., 49 €)
Sechs Tage lang begaben sich ExpertInnen in eine intensive Klausur, um über das gesellschaftspolitisch heiß umkämpftes Thema „Gentechnik“ zu diskutieren, in Gruppen Positionen zu erarbeiten und schließlich die „Ergebnisse“ in diesem dicken Buch zu veröffentlichen. Initiatoren und nun Buchherausgeber waren zwei zentrale Figuren einer Münchener Einrichtung, in der seit Jahren die dortige Uni (LMU) und die evangelische Kirche für die grüne Gentechnik werben. Die bisherigen Methoden reichten von Pressetexten über Faltblätter und Veranstaltungen bis zu Predigten. Nun also folgte die Klausur und das Buch. Es ist eine „Gruppenbild mit Dame“, nicht in erster Linie wegen der geringen Anzahl von Frauen in dem Treffen (das ist in politischen Debatten nach einer leichten Besserung vor ca. 20 Jahren wieder zum Normalfall geworden), sondern wegen der fatalen Rolle der Gentechnikreferentin des Naturschutzbundes Deutschland. Sie ist die Quotenkritikerin, aber lässt sich nicht nur vorführen als exotische Beigabe in einer völlig einseitigen Veranstaltung, sondern leistet zudem noch einen gleich doppelt verheerenden Beitrag. Zum einen ist er inhaltlich schwach und hangelt sich überwiegend an Fällen aus alten Zeiten (MON810) entlang, ohne aktuelle Entwicklungen überhaupt zu erwähnen. Zum anderen befürwortet er offensiv verstärkte Forschung, bettelt aber darum, auch etwas von dem Forschungsförderungskuchen abzubekommen. Naturschutzverbände sollen in Gremien besser vertreten sein und auch Geld für wissenschaftliche Arbeiten bekommen – eine Position, die leider nicht nur hier die Umweltverbände zu harmlosen, käuflichen Mitläufern macht.
Im Rest des Buches haben die BefürworterInnen der grünen Gentechnik freie Bahn. Sie verpacken das mehr oder weniger gut, phantasieren von unabhängiger Forschung und fordern unverblümt mehr Geld und Freiheit für ihre Tätigkeit. Niemand dort zählt auf, wie viele Patente er bzw. sie schon gesammelt hat – auf staatlichen Stellen oder mit staatlichen Geldern. Alle präsentieren sich als nachdenklich, unabhängig und neutral, selbst die Patentesammlerin, Leiterin offensichtlich betrügerischer Versuche und vielfach in den Seilschaften verstrickte Rostocker Professorin Inge Broer. Ein sogenannt theologischer Beitrag widmet sich dem Schöpfungsglauben. Mensch muss den kruden Erfindungen der Bibel nicht folgen, aber was in diesem Buch steht, verbindet klerikales Denken mit geldgeilem Machbarkeitswahn. „Wenn die Forschung an GVPs die Möglichkeit eröffnet, Leiden zu verringern und das Wohl von Menschen zu fördern, sollte gerade die Theologie eine solche unterstützen“ schreibt Moritz Menacher vom Lehrstuhl für Theologie und Ethik der Uni Heidelberg, und dass „Freilandversuche … dezidiert unterstützt werden“ sollten. Sein Text gipfelt in einer theologischen Begründung für ein Herumwerkeln in der „Schöpfung“: „Dem Menschen ist in der Schöpfung eine besondere Rolle zuteilgeworden, und sein Verhältnis zu den anderen Lebewesen ist nicht das einer Partnerschaft, da der Mensch von Gott ermächtigt worden ist, Eingriffe in fremdes Leben vorzunehmen. Ihm ist im Umgang mit der natürlichen Welt alles eröffnet, solange er die Folgen nach menschlicher Einsicht prüft …“ – ein Blick auf die Formbarkeit „menschlicher Einsicht“ durch Macht und Geld folgt nicht. Stattdessen wird an die „Verantwortung“ derer appelliert, die im täglichen Kampf in Instituten und Firmen um die nötigen Geldflüsse zum Überleben ringen. „Schöpfung ist mehr als die Natur, denn selbst wenn der Mensch die Natur zerstört, kann er doch nicht die Schöpfung zerstören.“ Forschungsfreiheit sei durch ethische Kritik in Gefahr, argumentieren andere wie Thorsten Moos, Leiter des Arbeitsbereichs „Religion, Recht und Kultur“ an der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (ebenfalls in Heidelberg). Dass Wissenschaft – und das ja sogar mit deren eigenen Worten belegbar – nicht anderes (mehr) ist als die Jagd nach Fördergeldern, wird dabei ausgeblendet. Übrig bleibt scheinbar nur der Kampf zwischen Glaube und Vernunft – und hier müsse klar die Vernunft siegen, deren Verwicklungen in Fortschrittsglaube, politische Machtansprüche und Zwang zum wirtschaftlichen Profit schlicht unter den Tisch fallen. Die Religion (und somit auch die Kirchen) wären mit ihren ewiggestrigen Welterklärungen und ihren eigenen Machtansprüchen in der Tat ein untaugliches Gegengewicht. Doch eine entfesselte Forschung im Dienst von Macht und Profit braucht Gegenwind. Den erhalten sie im Buch aber nicht – außer einem lauen Lüftchen einer immer zahmen und politisch wie fachlich einfach auch dummen Nabu-Vertreterin. Selbst der Beitrag zu Lobbying fällt entsprechend seltsam aus. Nach einem kritischen Blick auf den Wirtschaftsverband EuropaBio wird Greenpeace als Beispiel für Machtpolitik per Lobbying vorgestellt. Die Quellenangaben zeigen dann auch: Mit den Veröffentlichungen der letzten Jahre zu Gentechnik-Seilschaften hat sich die Autorin gar nicht beschäftigt. Nur Stefan Rauschen, Chef eines internationalen Lobbyverbandes, darf in seinem Beitrag kurz über die GentechnikkritikerInnen hetzten. Zitat: „Die Aktivitäten der Kritiker richten sich aber auch direkt und persönlich gegen die forschenden WissenschaftlerInnen und Wissenschaftler und nehmen dabei teilweise verleumderische Züge an.“ (Fußnote dazu: www.gentechnik-seilschaften.tk).

Nicht viel später wieder eine ähnliche Nummer: Das Center for Advanced Studies (CAS) der LMU München und das Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften (TTN) veranstalteten am 9. Mai 2012 eine Podiumsdiskussion "Grüne Gentechnik bewerten und regulieren". Auf dem Podium die Professoren Hans-Georg Dederer (Universität Passau), Bernhard Gill (LMU), Christof Mauch (LMU), Jürgen Soll (LMU) und Gerhard Wenzel (TUM) - siehe Videomitschnitt. Der Moderator war Joachim Müller-Jung, im Hauptberuf Wissensredaktionschef der FAZ. Der schreibt zum Thema Gentechnik einseitige Artikel und zeigt dabei auch bemerkenswerte Wissenslücken. Die werden mit Parolen, froher Hoffnung und Glaubenssätzensolche Sätze gefüllt - so wie im Leitartikel "Das Gespenst Gentechnik geht" am 29.5.2012:

Auf dem Acker fahren wir im Rückwärtsgang. ... Es fehlt nicht mehr viel, und Europa erlebt einen neuen Bankrott ... Dass Erzeugnisse aus gentechnisch veränderten Lebensmitteln, allen voran Sojaprodukte, in die Gemeinschaft gelangen, ist längst unvermeidlich. ... Man schiebt, nachträglich, umstrittene Sicherheitsbedenken vor, um politisch gewollte Verbote durchzusetzen und damit das Zulassungsverfahren ad absurdum zu führen. ... Dass im heterogenen Europa jemals ein amerikanisches Naturbild allgemein anerkannt wird, das die Erzeugnisse der Gentechnik als natürliche Bestandteile der Lebensmittel einstuft, ist heute undenkbar. Die Wissenschaft als Impulsgeber des Fortschritts hat das längst hingenommen. Selbstverständlich bleibt es für sie irrational, die pflanzenzüchterischen Vorteile sicherer Sorten nicht nutzen zu wollen. Aber die Einwände, seien sie grundsätzlicher moralischer Art wie die Nichtrückholbarkeit neuer Genkonstrukte, sind auch für sie nicht mehr fadenscheinig. Sie steht im Wettbewerb und geht dahin, wo sie Chancen für die Grüne Gentechnik sieht. Europa kann hier keine erste Adresse mehr sein.

Finanziert wird das Treiben des TTN zu guten Teilen aus dem Bayrischen Staatsförderprogramm für die grüne Gentechnik.

Aus einer Mitteilung des evangelischen Pressedienstes selbst:
Eine ethische Onlineberatung zu den Themen Pflanzenforschung und Gentechnik hat das Institut Theologie-Technik-Naturwissenschaft [1] (TTN) entwickelt. Das neue Webportal www.pflanzen-forschung-ethik.de [2] erlaube den Nutzern, sich "selbstständig ein ethisch fundiertes Urteil über Anwendungen der Grünen Gentechnik zu bilden", erklärte das Institut am in München. Die Grüne Gentechnik werde in Deutschland seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert, erklärte Projektleiter und TTN-Geschäftsführer Stephan Schleissing. Den interessierten Beobachtern falle es zunehmend schwer, die "ausufernden Konflikte" nachzuvollziehen. Das Webportal informiere über das Themenfeld der modernen Pflanzenforschung und enthalte Meinungen von Akteuren in Bayern. Zudem könnten sich die Nutzer anhand eines interaktiven Fallbeispiels selbst ein Urteil bilden. "Damit wird ethisches Argumentieren erfahrbar", so Schleissing.

Doch mit dem Selbst-denken wird das schwierig. MacherInnen der Internetseite sind nämlich geschulte Seilschaften, die auch andere Internetplattformen betreiben (z.B. TransGen), die pseusoneutral das Denken manipulieren sollen. Laut Impressum stehen die Aachener Coonnection „i-bio“ hinter dem Projekt, technisch wird es von Pigurdesign umgesetzt. Die arbeiten regelmäßig für die Gentechnikseilschaften, so auch schon für WGG, Max-Planck und IPK.
Glück haben die evangelische Kirche und andere seit Jahren, weil der Gentechnikprotest auch in Bayern nicht in der Lage ist, die verantwortlichen Institutionen (Unis, Landesregierung mit dem Förderprogramm For Planta, Kirche usw.) mal ins Zentrum des Protestes zu rücken (ist in anderen Bundesländern nicht anders außer in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, aber auch da sind es unabhängige AktivistInnen meist von außerhalb).

Gehen wir noch näher ran und schauen direkt in ein Gotteshaus, genauer in die St. Johannis Kirche. Die liegt in Göttingen, es war der 24. Juni 2010. Gebete und Verkündungen erfüllen den sakralen Raum. Unter dem harmlos scheinenden Titel "Säen und Ernten in Zeiten von Hunger und Überfluss" traten Funktionäre von Gentechnikkonzernen auf. "Zum Schluß forderte Herr von der Ohe die zahlreichen Zuhörer auf mit ihm zu beten, auf dass die Politiker Rahmenbedingungen schaffen, die der Gentechnik die Pforten öffnen. Wir alle sollten jetzt den Samen legen, damit niemand mehr hungern müsse", berichtete ein Besucher. Die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt (Sitz: Wittenberg) organisierte zusammen mit dem IPK in Gatersleben die 3. Gaterslebener Gespräche unter dem Motto "Globale Aspekte der Grünen Gentechnik", zu dem vor allem Gentechnikbefürworter wie Matin Qaim (Uni Göttingen) und Joachim Schiemann (JKI) als Referenten geladen wurden. Beliebter Begleiter von Propagandaveranstaltungen der Gentechnik war Kirchenrat Dr. Roger J. Busch, Ex-Geschäftsführer am Institut für Technik, Theologie, Naturwissenschaften (TTN) in München. Seine Anwesenheit als Diskussionspartner gibt einseitig besetzten Podien einen pluralen Flair. Doch Kritik kommt von ihm nicht, nur seichte Ermahnung zu Nachdenklichkeit. Dem gemeinsamen Abschlussergebnis pro Gentechnik stand er nie im Wege - wie am 11.9.2003 in Geisenheim: "Einig waren sich die Experten in der von Prof. Dr. Max-Bernhard Schröder (Forschungsanstalt Geisenheim) moderierten Runde darüber, dass auf das enorme Innovationspotenzial der Biotechnologie nicht leichtfertig verzichtet werden dürfe." Sein Nachfolger ist Stephan Schleissing, der ähnlich agiert und sich noch deutlicher pro Gentechnik ausspricht.
Dagegen ist kirchlicher Segen der Marke Gatersleben doch eher harmlos, aber kein Einzelfall. Ein katholischen Weihbischofs segnete auch Anlagen eines Saatzüchters (Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 19.6.2007).

Im Original: Religöser Beistand zur Manipulation ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Akzeptanzbeschaffung durch klerikalen Beistand
Aus "Runder Tisch: Gentechnik bleibt weiter Gesprächsstoff", auf: www.biotechnologie.de am 21.5.2009
Weihbischof Bernd Uhl von der Erzdiözese Freiburg indes betonte, dass er nun deutlich nachdenklicher sei, was das Thema Welternährung betrifft. Man könne hier nicht allein von einem Verteilungsproblem sprechen, so Uhl.

24.6.2010: Gottesdienst für die Agro-Gentechnik ... mit KWS-Pressesprecher als biblischem Verkünder
Unglaublich aber wahr: Es war eine reine Werbeveranstaltung der KWS in der St. Johannis Kirche in Göttingen am 24.06.2010: Der Titel lautete „Säen und Ernten in Zeiten von Hunger und Überfluss“. Henning von der Ohe, Sprecher der KWS Saat AG, hielt im Rahmen eines Gottesdienstes einen Lobes-Vortrag auf die Gentechnik. Seiner Ansicht nach könne man quasi mit Gentechnik alle Hungernden satt machen. Das die Gentechnik - Dank der Patente - vor allem den Konzernen viel bringt, hat er natürlich nicht gesagt. Auch interessiert die KWS anscheinend sich nicht für die hunderten Wissenschaftler des Weltagrarberichts, welche deutlich gemacht haben, dass die Gentechnik den Hungernden nichts bringt. Zum Glück wurden bei der Veranstaltung auch Gegenstimmen laut.
++ Quelle: Bericht auf www.kws-gentechnikfrei.de
Ein Besucher der Veranstaltung schrieb: "Herr von der Ohe sah weiterführend die Finanzkrise als eine Krise der Werte und betonte diesbezüglich, dass bei der KWS hingegen Werte und Moral eine große Rolle spielten. ... Zum Schluß forderte Herr von der Ohe die zahlreichen Zuhörer auf mit ihm zu beten, auf dass die Politiker Rahmenbedingungen schaffen, die der Gentechnik die Pforten öffnen. Wir alle sollten jetzt den Samen legen, damit niemand mehr hungern müsse." ++ Weiterer Bericht im Göttinger Tageblatt vom 25.6.2010

Synodalpräsidentin: Möglichkeiten der "Grünen Gentechnologie" erforschen
München (epd). Einen Nachweis der Unbedenklichkeit hat die bayerische Synodalpräsidentin Dorothea Deneke-Stoll (Ingolstadt) bei gentechnischen Eingriffen in die Natur gefordert. ... Die Auswirkungen der "Grünen Gentechnologie" müssten intensiver erforscht werden, erklärte die Synodalpräsidentin. Dabei sollte geklärt werden, ob durch eine verantwortlich gebrauchte Gentechnik die Lebensverhältnisse der Menschen verbessert und drohende Ernährungskrisen abgewendet werden könnten.

Am 23.9.2010 fand in Ludwigshafen eine Podiumsdiskussion zur Agro-Gentechnik statt. In der Höhle des BASF-Löwen sollten ein BASF-Wissenschaftler, eine VertreterIn des BUND und der Autor von "Organisierte Unverantwortlichkeit" streiten. Geladen war auch Maren Heincke, Agrarreferentin der Evangelischen Kirche in Hessen-Nassau. Die sagte aber ab, weil sie sich nicht zusammen auf ein Podium setzen würde mit ... nein, nicht mit BASF. Das hätte sie gerne gemacht. Sondern mit dem Autor von "Organsierte Unverantwortlichkeit" wollte sie nicht. Überraschend kam das nicht: Heincke ist seit Jahren im Aktionsbündnis gentechnikfreies Hessen aktiv und dort mitverantwortlich für die Ausgrenzungen (siehe oben). Nach eigenen Aussagen würde die Kirche mit "den Gießener Gentechnikgegnern" nicht kooperieren, weil die "immer Genfelder kaputt machen" (geäußert am 13. Februar 2009 in Romrod). In ihren eigenen Schriften empfiehlt sie die Propagandaplattform TransGen als Informationsquelle.

Absurd ist - wieder einmal - die Rolle und Position des Vatikan. Dort, wo der selbst- und fremdernannte Sprecher Gottes mit Kondomverzicht gegen AIDS kämpft und mit der Geißelung kultureller Errungenschaften ständig in der Tradition von Hexenhammer und Galilei-Bann steht, wird für die Gentechnik getrommelt. Maßgeblich prägt die Päpstliche Akademie das Geschehen. Dort wirken etliche Agro-Gentechnikfans, darunter der "Erfinder" des Golden Rice, Prof. Potrykus. Er organisierte eine Tagung vom 15. bis 19. Mai 2009 mit dem Titel: "Transgene Pflanzen für die Lebensmittelsicherheit im Entwicklungszusammenhang". Programmtext und Referentenauswahl ließen darauf schließen, dass es sich bei der Studienwoche nicht um eine breite und unvoreingenommene Diskussion potentieller Einsatzgebiete transgener Pflanzen und der damit verbundenen gesundheitlichen, ökologischen und sozioökonomischen Risiken geht. Die katholische Landvolkbewegung forderte daraufhin "die Päpstliche Akademie der Wissenschaften auf, diese einseitige Tagung abzusetzen und eine neue Tagung vorzubereiten, die weitere Positionen und Untersuchungsergebnisse berücksichtigt und damit eine ausgewogenere Betrachtung sicherstellt." Doch auch in der Kirche haben Apparate mit den basisnäheren Teilen wenig zu tun und kamen der Aufforderung nicht nach.

Im Original: Tagung der Päpstlichen Akademie ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus dem Einladungstext (Übersetzung: BN)
Wir müssen Argumente finden
  • warum Nahrungssicherheit für die Armen des effizienten Zugangs zur Agrogentechnik bedarf
  • warum "extreme Vorsorgeprinzip-Regelungen" ungerechtfertigt sind
  • um die sozialen und ökonomischen Konsequenzen der Überregulierung aufzuzeigen
  • wie gesetzliche Regelungen, die auf Ideologie basieren, hin zu solchen auf wissenschaftlicher Basis zu verändern sind
Wir müssen auch Ideen entwickeln, was eine "auf Wissenschaft gründende Regulierung" bedeuten würde, wir müssen Strategien entwickeln, wie Medien, Öffentlichkeit, Behörden und Regierungen zu informieren sind, dass es nicht gerechtfertigt, ja unmoralisch ist, mit den derzeitigen Einschätzungen und Verfahren fortzufahren.

Zu den TeilnehmerInnen der Tagung auf dem Save-our-Seeds-Blog
Die Mehrheit des “humanitären Vorstands” des Golden Rice Project wird sich nun in der päpstlichen Akademie ein Stelldichein geben: Adrian Dubock vom Saatgut- und Chemiemulti Syngenta etwa, der das Projekt finanziell zusammen mit der Rockefeller Stiftung betreibt, und Robert Zeigler, der Chef des Internationalen Reisforschungsinstituts IRRI, das in den Philippinen dem Gentechnik-Reis zum Durchbruch verhelfen will und natürlich Prof. Martin Quaim von der Uni Göttingen, einer der vehementesten Gentechnik-Streiter in Deutschland.
Insgesamt liest sich die Teilnehmerliste wie der Who-is-Who des globalen Netzwerks der aggressivsten Gentechnikfreunde aus aller Welt (Nur Klaus Amman fehlt aus unerfindlichen Gründen). Ihr Flaggschiff ist Herny I. Miller, vom neo-konservativen think-tank “Hoover Institution”, der in den 80iger Jahren mit Monsantos Hilfe die Gentechnik-Politik der US-Gesundheitsbehörde FDA prägte und heute publizistisch Gentechnik-Kritiker am Rande des Terrorismus verortet. ...
Prominentester Gast der Runde und ständiges Mitglied der Akademie ist Werner Arber, der 1978 den Nobelpreis für die Entdeckung der Restriktions-Enzyme bekam, die die Grundlage gentechnischer Veränderungen ist. Er hatte sich in der päpstlichen Akademie stets stark dafür gemacht, dem natürlichen Hang der Kirche zum Kreationismus zu entsagen und auf dem Boden der evolutionären Tatsachen zu bleiben. Wo die ironischen Berührungspunkte zwischen dem kreationistischen  “intelligent design” Konzept, an das immerhin eine Mehrheit der Amerikaner im Darwin-Jahr 2009 wieder glaubt, und den Heilsversprechen der Gentechnik liegen wollen wir einem anderen Artikel vorbehalten.
Die einzige Frau in der Runde ist Nina Fedoroff, ihres Zeichens die von der Bush-Administration übernommene Technologie-Beraterin von Hillary Clinton, die kürzlich dem Spiegel anvertraute, dass die Hysterie europäischer Gentechnikgegner grossen Schaden anrichte. KritikerInnen sind zu dem Symposium nicht gebeten.
Ziel der Veranstaltung ist es, die bisher eher zögerliche Haltung des Heiligen Stuhls zur Frage der Gentechnik auf Vordermann zu bringen: Dass Gottes Schöpfung der Nachhilfe durch Monsanto (daher der Name? Nein, kein heiliger Berg, sondern die Frau des Firmengründers war die Namenspatin) bedarf mochte man bei allem Gallilei-Trauma im Vatikan bisher noch nicht recht glauben. “Vatikan bejubelt die Gentechnik” titelt nun schon mal in wohl berechtigter Vorfreude das Wissenschaftsblatt “Nature Biotechnology”.

Prof. Dr. Ingo Potrykus im Interview mit Xectuives.net
Im Gegensatz zur „klassischen“ Züchtung wissen wir jedoch sehr genau, was wir verändern; wir können die Eingriffe genau beschreiben und wissen, was passiert. Hat man während Jahrtausenden Pflanzenzüchtung nach Intuition und nach Zufall betrieben, kann diese heute viel präziser und kontrolliert durchgeführt werden. ...
Frage: Im Frühling dieses Jahres haben Sie für die Päpstliche Akademie der Wissenschaften eine Studienwoche zur Pflanzentechnologie organisiert, an der Schwergewichte aus der Forschung aus der ganzen Welt dabei waren, unter anderem auch der Schweizer Nobelpreisträger Prof. Dr. Werner Arber, um nur eine bekannte Persönlichkeit zu nennen. Diese Studienwoche fand im Vatikan statt. Hat die Kirche heute weniger Probleme mit der Gentechnologie als die Gesellschaft als Ganzes? Immerhin meint der Papst einleitend zu einem mir von Ihnen vorgelegten Text, dass der Mensch technische Entwicklungen machen solle, die zum Wohle der Menschheit beitragen.
Nein, ganz so ist das leider nicht. Die evangelische Kirche ist, meiner Erfahrung nach, eine der intensivsten Gegnerinnen der Pflanzengentechnologie. Auch aus der katholischen Kirche gibt es Widerstand. Der Papst hat, wie Sie sagen, eine sehr offene Haltung gegenüber den Technologien eingenommen. Er sagt, dass Gott den Menschen die Fähigkeit gegeben habe, technische Entwicklungen voranzutreiben, und dass er diese Fähigkeit deshalb auch nutzen solle. Er meint aber nicht nur zum Nutzen der Reichen, sondern vor allem zum Nutzen der Armen und Minderprivilegierten auf der Welt. Seine Forderung ist es, dass die Vorteile von Technologie und Forschung sozial gerecht verteilt werden müssen.

Aus dem Beschluss der KLB, gefasst auf der Bundesversammlung der Katholischen Landvolkbewegung Deutschland vom 24.−26.4.2009 in St. Ulrich:

Bio-Firmen als Nutznießer

Einen großen Anteil an der Öffentlichkeitsarbeit haben Firmen, die ihre Produkte gentechnikfrei zu halten versuchen. Es sind die Anbauverbände im Ökolandbau, deren WeiterverarbeiterInnen, die Bioläden und Bio-Marken. Doch auch außerhalb der Biobranche gibt es etliche Firmen, die auf "gentechnikfrei" stehen und damit werben. Daran gäbe es nichts auszusetzen, wenn nicht die Art und Inhalte der Werbung den Verdacht aufkommen ließen, dass hier vor allem die Nutznießer der Gentechnikfrei-Kampagnen am Drücker sind. Denn gerade die Firmen prägen die Ausrichtung auf das Verbraucherverhalten als politische Einflussnahme. Klar: Das erhöht den Umsatz. An den Feldern ist von den Firmen aber ebenso wenig zu sehen wie von den NGOs und Parteien. Gut möglich, dass das sogar zusammenhängt, denn die Biobranche gehört zu den Sponsoren der einschlägigen Verbände und Parteien.
Auffällige Beispiele waren Topmarken wie Biere und Bionade. Alle wollten mit den Aktionen gegen das Gengerstefeld in Gießen nichts zu tun haben. Bionade bügelte die AktivistInnen arrogant ab, um sich gleichzeitig an großen Events zu beteiligen, die ans Verbraucherverhalten appellierten. Erst nach Verlegung des Feldes in die Nähe Rostocks beteiligte sich die Stralsunder Brauerei am Protest. Sie blieben die Ausnahme.

Die Biobranche ist inzwischen ein riesiger Wirtschaftszweig geworden. Kooperative Idee oder Direktvermarktung, wie sie in den ersten Jahren noch im Mittelpunkt standen, sind vollständig verflogen. So herrschen der Zwang zum Profit und zum Ausbau der eigenen Marktstellung. Politische Positionen müssen daran ausgerichtet werden. Zielgruppe ist das mittelreiche BildungsbürgerInnentum. Das lebt gern in der Illusion, mit dem eigenen Kaufverhalten die Welt zu retten, während sie tatsächlich aufgrund ihrer hohen materiellen Bedürfnisse zu den Bevölkerungsgruppen mit der schlechtesten Ökobilanz gehören. Die Biomarken umnebeln sie gerne, weil es ihnen nützt. Als der Freiburger Sojaverarbeiter Taifun das Etikett "Keine Gentechnik" von seinen Produkten nahm und per Presseinformation bekannt gab, dass eine Garantie für Gentechnikfreiheit eine Lüge sei und stattdessen lieber der Protest gestärkt werden müsse, fiel das auf gar keine Resonanz - weder in den Umweltverbänden noch bei anderen Biofirmen. Das war zu erwarten, denn wer sich über die Logik der Auskreuzung Gedanken macht, wird erkennen, dass das bewusste Kaufverhalten nicht schützt. Sondern nur der Widerstand an den Quellen, also den Feldern. Die aber sind weit weg von den Metropolen der Ökobewussten - sowohl geografisch wie kulturell.

Eine Besonderheit stellt noch die Nähe des Gentechnikkonzerns KWS dar. Der hat Teile seiner Produktionsstätten bei Naturland untergebracht und vertreibt so zertifiziertes Bio-Saatgut. In der Augustausgabe 2012 von "Bionachrichten" (Zeitschrift des Biokreis e.V.) war KWS mit Saatgut.

Die Rolle der Medien

Kommen wir zum letzten Abschnitt dieses Kapitels und damit zu einer weiteren Akteursgruppe in der Auseinandersetzung, den Medien. Bei 80 Prozent Ablehnung in der Bevölkerung mag mensch davon ausgehen, dass die größte Zahl der Medien kritisch berichtet. Das ist aber nicht der Fall, auch wenn es einen bedeutenden Anteil gibt, der Kritik übt. Aber Medien und vor allem deren führende Kreise haben das gleiche Problem wie die Eliten der Umweltverbände: Sie gehören zu den Funktionseliten dieser Gesellschaft. Dort leben sie im kulturellen Code dieser Führungsschicht. Was bedeutet: Unabhängige AktivistInnen ausblenden. TitelträgerInnen Platz geben. Seriös und normal rüberkommen. GentechniklandwirtInnen kritisieren und die ForscherInnen in den Himmel loben. Denn Letztere gehören der eigenen kulturellen Gruppe an. Diese Identität ist wichtiger als der Inhalt.

Medien als Propagandisten der Agro-Gentechnik

Top-Journalistin der Seilschaften ist die FAZ-Wissenschaftsredakteurin Caroline Möhring. Sie hat ihre Finger, ganz Seilschafterin, in mehreren Kreisen - darunter einen Sitz im Beirat des staatlichen Julius-Kühn-Instituts. Zudem redigierte sie die DFG-Broschüre zur grünen Gentechnik und die Selbstdarstellungsbroschüre des PTJ Jülich, der die staatlichen Fördergelder zur Gentechnik verteilt.

Im Original: Medienleute in Lobbyverbänden ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden

Oben: Ex-ZDF-Intendant und Ex-Saarbrücker-Zeitungschef in einem InnoPlanta-Gremium
Unten: Auch der MDR steht parteiisch für Dienste auf dem Lobbyistentreffen zur Verfügung - ein Redakteur moderiert eine völlig einseitige Veranstaltung. Wenig überraschend war da die nachträgliche, einseitige Berichterstattung auf den MDR-Sendern, in der ausgerechnet die völlig einseitige Propagandaschau als "differenziert" tituliert wurde.
Wieso kommt es zu solch einseitigen Verflechtungen?

Wie bei den NGOs steuert die eigene Einbindung gerade leitender RedakteurInnen oder VerlagsleiterInnen in die Geflechte herrschender Eliten deren Wahrnehmung von Interessen. Das komplizierteste, in seiner Tragweite aber deutlichste Fallbeispiel ist "Wikipedia". Dieses zunächst als offene Enzyklopädie gestartete Internetlexikon bekam in etlichen Untersuchungen bescheinigt, hinsichtlich Fehlern sogar traditionellen Anbietern in Buchform wie dem altehrwürdigen Brockhaus oder weiter verbreiteten Volkslexika überlegen zu sein. Dennoch wurde auf die MacherInnen eingeprügelt und jeder Einzelfall gerade von etablierten Medien genutzt, um mehr Kontrolle einzufordern. Das ist inzwischen geschehen - und mit der Kontrolle nehmen auch die Fehler zu. Denn die KontrolleurInnen sind nicht irgendwelche Personen, sondern welche mit mehr Handlungsmacht. Zumindest steigen sie kraft dieser Macht in den Kreis der diskurssteuernden Eliten einer Gesellschaft auf - und übernehmen die Codes. Der Drang zur Normalität steigt und macht aus einem pluralen Projekt eine Kampfplattform des Normalen. Doch normal ist nicht einmal im Sinne von durchschnittlich zu verstehen - was bereits wenig Qualität andeuten würde. Es ist das, was 'mainstream', also das diskursiv Prägende ausmacht. Praktisch zeigt sich diese Einseitigkeit auf der Seite über Grüne Gentechnik: "Derzeit sind insbesondere Pflanzen auf dem Markt, die beim Anbau weniger Pflanzenschutzmittel benötigen." Als Quelle dient ohne weitere Erklärung die ISAAA, eine internationale Lobbyorganisationen pro Gentechnik. Bei den Erträgen wird "eine Mehrproduktion von 6,7% bis 13,4% gegenüber herkömmlichen Maissorten" angegeben. Quelle ist Monsanto. Für Umweltschäden gäbe es "keine wissenschaftlichen Beweise". GentechnikgegnerInnen seien vor allem die dummen Bevölkerungsteile: "Die Zustimmung für gentechnisch veränderte Lebensmittel ist am höchsten bei Menschen mit postgradualen Abschlüssen. " Zu der bedrohlichsten Anwendung der grünen Gentechnik, der Terminatortechnologie, ist lapidar zu lesen, diese Methoden "sind ein biologischer Mechanismus zum Schutz von geistigen Eigentumsrechten und bieten damit einen Anreiz für private Forschung und Entwicklung, was die Wohlfahrt steigert."
Wie schnell und einseitig bei Wikipedia manipuliert wird, lässt sich beliebig ausprobieren. Besuchen Sie einen solchen Artikel, bei dem politische Interessenslagen bestehen. Korrigieren Sie irgendeine der hanebüchenen Behauptungen und vergessen nicht, einen Screenshot von Ihrer Arbeit zu machen. Warten Sie eine Weile und schauen dann nochmals nach: Ihre Korrektur ist zensiert. Die Falschbehauptung steht wieder da.

Im Original: Zensur auf Wikipedia - nachgestellt ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Wikipedia zu "Feldbefreiung" Anfang August: Das Schauermärchen vom zusammengeschlagenen Wachmann auf dem Versuchsfeld in Sagerheide hat Eingang in die Enzyklopädie gefunden (Bericht hier, siehe unter 2009)


Dieser Unsinn wird korrigiert - durchaus vorsichtig. Es wird nicht das Gegenteil behauptet, sondern nur darauf hingewiesen, dass es abweichende Meinungen gibt. Am 8. August 2010 ab 23.11. Uhr sieht die Seite so aus:


Der neue Inhalt schafft es aber nur bis kurz nach Sonnenaufgang. Kaum sind die Zensoren erwacht, ist es Schluss mit dem Hinweis. Ab 9. August 2010, 9.51 Uhr steht da wieder:


Ein Blick auf die Versionsgeschichte zeigt den Grund: Die angegebene Quelle sympathisiere mit den Gewalttätern. Dabei wird auf der Seite ja gerade die Frage aufgeworfen, ob es die sog. Gewalttat überhaupt gab. Aber Wikipedia interessiert sich nicht für den Inhalt. Wegzensiert wird, was von der falschen Seite kommt. Richtig ist, was den Herrschenden dient.

Als Zensor trat im benannten Fallbeispiel ein "Fafner" auf. Er zensierte und manipulierte auch kräftig auf anderen Seiten zur Grünen Gentechnik mit. Ein Klick auf seine Personenseite zeigte wenig - nur ein Zitat von Hans von Storch. Aber das hatte es in sich: "Es gibt Wissenschafter, die sagen, wenn die Temperaturerhöhung 2 Grad überschreitet, passieren furchtbare Dinge. Ich halte das für Gerede. Um politischen Druck auszuüben, ist eine ganze Menge Spekulation zu endgültiger Wahrheit aufgemotzt worden." Solche Leute bestimmen, was "Grüne Gentechnik" ist. Die Zeit, wo Wikipedia die - oft uneinheitliche - Fülle der unterschiedlichen InternetnutzerInnen, ihres Wissens und ihrer Meinungen widerspiegelte, sind unwiderbringlich vorbei ... ++ Extra-Seite zu Wikipedia ++ Text "Umkämpfes Wikipedia" im GID Februar 2012 (S. 13-14)

Im Original: Wikipedia und seine Quellen ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Wikipedia zu Grüne Gentechnik - der Text enthält neben Ideologie auch etliche sachliche Fehler:
Derzeit sind insbesondere Pflanzen auf dem Markt, die beim Anbau weniger Pflanzenschutzmittel benötigen. ...
Die Ziele der Grünen Gentechnik unterscheiden sich prinzipiell nicht von denjenigen Jahrtausende alter traditioneller Pflanzenzucht. Es geht um eine Verbesserung der Eigenschaften von Pflanzen ...
Die konventionelle Züchtung beruht dabei auf dem Prinzip von Kreuzung und anschließender Selektion. Bei Kreuzungen wird jeweils das gesamte Erbgut der Elternorganismen gemischt. Das Erbgut in den Tochterorganismen lässt sich dabei nicht exakt vorhersagen. Deshalb müssen in den weiteren Generationen die Organismen mit den gewünschten Eigenschaften selektiert werden. Im Gegensatz dazu werden mit der Grünen Gentechnik gezielt aus anderen Arten oder Organismen Gene hinzugefügt, die für eine bestimmte Eigenschaft verantwortlich sind. Es wird darauf hingewiesen, dass diese Methode gezielter sei und sich Eigenschaften züchten lassen, die sich auf konventionellem Weg nicht erreichen lassen ...
Die bisherigen Feldversuche zur Trockenresistenz lieferten bei der Firma Monsanto für Mais eine Mehrproduktion von 6,7% bis 13,4% gegenüber herkömmlichen Maissorten. ...
Um einen bewussten Einsatz der Gentechnik von einer zufälligen, technisch nicht mehr beeinflussbaren Beimischung rechtlich abzugrenzen, werden Schwellenwerte eingeführt. In der EU beträgt dieser Wert für Futter- und Lebensmittel 0,9 %, auch für Bio-Lebensmittel. ...
Dass Schadinsekten bzw. Unkräuter auch bei Einsatz der grünen Gentechnik Resistenzen gegen Bt-Toxine bzw. Glyphosat entwickeln können, ist wissenschaftlich unbestritten, bisher aber in geringerem Ausmaß aufgetreten als beim konventionellen Pflanzenschutz. ...
Transgene Pflanzen können den Umweltschutz verbessern, was bereits in Anbauländern nachgewiesen wurde. ... Ein 2007 veröffentlichtes Review von wissenschaftlicher Literatur und Studien internationaler Organisationen aus 10 Jahren kam zu dem Schluss, dass keine wissenschaftlichen Beweise für Umweltschäden durch die bisher kommerzialisierten transgenen Pflanzen existierten. Vor der Zulassung einer neuen transgenen Sorte zum Anbau sind umfangreiche Sicherheitsstudien erforderlich, die in der Regel mehrere Jahre dauern. Eine neue Sorte darf nur dann zugelassen werden, wenn eine Unbedenklichkeit für die Umwelt bestätigt wurde.
Die Zustimmung für gentechnisch veränderte Lebensmittel ist am höchsten bei Menschen mit postgradualen Abschlüssen. ... Die Ablehnung der Grünen Gentechnik in reicheren Ländern sei deswegen stärker, weil sich aus der ersten Generation gentechnisch veränderter Pflanzen hauptsächlich Nutzen für Landwirte in Entwicklungsländern, aber kaum Vorteile für reiche Konsumenten ergeben würden. ... Seitens der Wissenschaft wird die Vorgehensweise der Kritiker selbst kritisiert. So kommt die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften zu dem Schluss, Kampagnen gegen die Grüne Gentechnik mangele es an wissenschaftlicher Grundlage. 2009 gab es eine «Gemeinsame Erklärung der Wissenschaftsorganisationen zur Grünen Gentechnik» und eine «Stellungnahme der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina», in denen von der Politik gefordert wurde, für eine Versachlichung der Diskussion einzutreten und verlässliche Rahmenbedingungen für die Forschung zu schaffen.


Wikipedia zur Terminatortechnologie
Nachdem das USDA und der Saatguthersteller Delta and Pine Land (heute Monsanto) im März 1998 in den USA ein Patent auf eine gemeinsam entwickelte V-GURT zur Saatgutsterilität mit dem Namen Technology Protection System erhielten, wurde diese von der kanadischen NGO Rural Advancement Foundation International (RAFI, heute ETC Group) als "Terminator-Technologie" bezeichnet. Unter diesem Namen wurde die Technologie zur Saatgutsterilität in der Öffentlichkeit bekannt. NGOs äußerten seither verstärkt Bedenken gegen die mögliche Verwendung von V-GURTs, da diese ihrer Meinung nach Ernährungssicherheit, Biodiversität und Technologiezugang gefährden würden. ...
GURTs sind ein biologischer Mechanismus zum Schutz von geistigen Eigentumsrechten und bieten damit einen Anreiz für private Forschung und Entwicklung, was die Wohlfahrt steigert. ... Unter der Annahme, dass der Schutz durch GURTs (im Gegensatz zu Patenten) zeitlich unbegrenzt ist, liegt das Ausmaß des Schutzes von GURTs für das simulierte Szenario des flächendeckenden Einsatzes im US-amerikanischen Maissektor über dem sozialen Optimum.


Umweltinstitut München zur ISAAA (Kritiklos übernommene Quelle auf Wikipedia):
Die Organisation wurde von den größten Gentechnik-Konzernen der Welt gegründet und wird bis zum heutigen Tag von diesen finanziert. Unter den Geldgebern finden sich neben Lobbyverbänden auch alle prominenten Firmen aus diesem Sektor, unter anderem Bayer Crop Science, Monsanto, Syngenta, Pioneer und Dupont. Zahlreiche ehemalige Führungskräfte dieser Konzerne sind in den Führungsetagen von ISAAA tätig, deren Direktor Clive James eine der zentralen Figuren des internationalen Gentechnik-Lobbyismus ist. Als Reisender in Sachen Gentechnik propagiert er auch die Zulassung der international geächteten „Terminator-Pflanzen“, deren Erntegut durch ein „Selbstmord-Gen“ nicht mehr keimfähig ist und deshalb von Landwirten nicht nachgebaut werden kann.
Das alleinige Anliegen von ISAAA ist laut Selbstauskunft im Internet die globale Verbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen, vor allem in den so genannten Entwicklungsländern. Die Zentrale der Organisation befindet sich in den USA an der Cornell Universität, New York. ISAAA unterhält Dependancen in Kenia, Großbritannien, Japan und auf den Philippinen. ... Dass etliche der Angaben der Lobbyorganisation über den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen einer Überprüfung nicht standhalten, zeigen alternative Quellen, die für einige Länder zur Verfügung stehen.

Zudem spielen für Medien in der Debatte um Umweltschutz und Gesundheitsfragen direkt (als AbonnentInnen), vor allem aber indirekt (als BetrachterInnen von Anzeigen und daher als Motiv für die Schaltung von Anzeigen) die zum reichen BürgerInnentum aufgestiegen Ex-Ökos eine herausragende Rolle. Diese, in ihrer weitesten Entwicklung heute als 'Lohas' eingruppierten Personenkreise, zeichnen sich durch eine weitgehende Entpolitisierung aus bei starkem Interesse an Gesundheits- und Wellnessthemen, oft auch mit spirituellen Praxen verbunden. Ein Infragestellen von Herrschaft findet nicht mehr statt. Dass Markt und Staat den Umbau von Energiewirtschaft oder anderen ehemals umkämpften Themen organisieren, trifft auf Akzeptanz - Ansätze einer Politik von unten, wie sie im Netzkauf von Schönau oder der Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte wenigstens durchschienen, sind in einem hochmobilen und überdurchschnittlich reichen BürgerInnentum Schnee von gestern.
In solchen Milieus stoßen direkte Aktionen, noch dazu mit der Attitüde der Kritik am Machtgehalt bestimmter Techniken auf wenig Gegenliebe. Angesagt sind vielmehr Symbole - als Handlung und Suggestion gesunder Lebensweise allein aus dem Konsumverhalten. Produkte sollen weiter einem schnelllebigen Alltag gemäß aufbereitet, verpackt und angeboten werden. Doch der freundliche Hinweis auf die ökologisch korrekte Herstellung und die Gentechnikfreiheit sollen hinzukommen. Dem folgen die Medien, die solche Bevölkerungsteile als Zielgruppe haben - von Ökotest über die derart ausgerichteten Tageszeitungen FR, SZ oder taz bis zu Verbandsorganen von Umwelt- und Verbraucherverbänden bzw. Grünen. Niels Spielker hat in einer Studie den Wandel des BUND-Verbandsmagazins über die Jahre nachgewiesen: Weg von grundlegenden Artikeln und Kommentaren hin zu kurzen Verbrauchertipps und einem hohen Anteil von Werbung, die das zahlungskräftig gewordene Publikum für gehobene bis Luxusprodukte begeistern soll.

Aus Niels Spilker (2010): "Von der konservativen Utopie zum neoliberalen Mainstream" (S. 27 f.)
Die Zeitschrift hat sich im untersuchten Zeitraum in ihrem Erscheinungsbild stark verändert, zum einen was das Layout und die abgedruckten Bilder betrifft - eine vergleichende Bildanalyse zum Beispiel der Titelseiten über einen größeren Zeitraum wäre sicher aufschlussreich und interessant - , zum anderen, was den Umfang der Zeitschrift betrifft. Dieser hat sich von 1976 bis 1997 fast verdoppelt. Die Jahrgänge bis 1987 beinhalteten in erster Linie Kommentare, Berichte und Stellungnahmen. In den Jahrgängen 1996 und 1997 finden sich daneben auf der einen Seite Service-Teile mit Verbraucher-Tipps, die sich über mehrere Seiten erstrecken, auf der anderen ein mehrseitiges Magazin mit sehr kurzen Artikeln oder Ankündigungen für Ausstellungen und Veranstaltungen; außerdem eine Reihe ganzseitiger Werbeanzeigen (in den Jahrgängen bis 1987 gab es keine Werbung, abgesehen von der Werbung für den "BUND-Versand"). Dieser größere Umfang der Zeitschrift spiegelt sich zum Teil auch in der Anzahl der im jeweiligen Zeitraum untersuchten Artikel wieder. Letztlich hat die Zahl der untersuchten Artikel aber nur eine sehr eingeschränkte Aussagekraft, da die Artikellänge zum Teil stark abgenommen hat.

Angst

Schließlich hält noch ein weiterer Grund manche Medien von kritischer Berichterstattung ab: Die Angst vor den Konsequenzen. Anfang Dezember 2009 wollte die Junge Welt, immerhin ein eher marxistischen Kreisen zuzurechnendes Blatt, eine Themenseite zu den Gentechnikseilschaften in den neuen Bundesländern veröffentlichen. Anlass war der Beginn des Maulkorbverfahrens in Saarbrücken. Der Text war schon fertig, alles geklärt - da hagelte es eine Absage aus der Redaktion. Die Zeitung hatte Angst vor Klagen durch die GentechniklobbyistInnen. Andersherum scheinen sie weniger Probleme: Am 7.9.2006 ließen sie ausgerechnet den Marktradikalen Thomas Deichmann, später InnoPlanta-Preisträger, schreiben. Am 13.1.2011 durfte dann die Gentechnik-Seilschafterin Marianna Schauzu vom BfR in der Jungen Welt behaupten, Firmen wie Monsanto seien gute Entwicklungshelfer. Ähnliches geschah im zweiten Quasi-Linken-Parteiblatt ,Neues Deutschland' mit einem Text, der die GentechnikkritikerInnen niedermachte. Er war verfasst von Johannes Bergler, der am gentechnikbetreibenden Bio-Fachberecht der Uni Erlangen tätig ist.

Fraglos ist die Angst der Medien auch wieder eine Folge der ökonomischen Zwänge. Denn hinter allem steht ja nicht die Furcht davor, sein Rückgrat gebrochen zu bekommen, sondern seinen Arbeitsplatz oder gleich den ganzen Betrieb zu verlieren. Medien sind damit auch nicht allein. Dass sich WissenschaftlerInnen wie Christoph Then, Antje Lorch oder Andreas Bauer, die sich frei finanzieren müssen, im Maulkorbverfahren von Saarbrücken ängstlich wegduckten, ist ebenfalls ihrer Angst vor Image- und Auftragsverlusten zuzuschreiben. Wer innerhalb des Systems zu agieren versucht, spürt seine Grenzen ziemlich schnell. Das macht stromlinienförmig.

Strategische Einflussnahme auf Protestkonzepte

Auch bei Themen und dargestellten Aktionen prägen solche Medien die öffentliche Wahrnehmung. Dazu gehört die Fokussierung der Agro-Gentechnikkritik auf die Firma Monsanto und deren Produkt MON810. Viele der gentechnikkritischen Redaktionen haben über die (gute?) deutsche, überwiegend universitäre Forschung kaum berichtet. So fanden sich in der Frankfurter Rundschau kaum Berichte über den Versuch mit transgener Gerste in Gießen, obwohl dieses Feld zeitweise der einzige Acker mit gv-Pflanzen im Erscheinungsgebiet der Zeitung war. Ausnahmen bilden nur Lokalredaktionen, deren Wahrnehmungsschwelle auch bei kommunalpolitischen Auseinandersetzungen über Versuchsfelder etliche Male übersprungen wurde.
Die gezielte Wahrnehmung bestimmter Protestformen war ebenso Sache vieler überregionaler Aktionen. Die spektakulären Feldbesetzungen und -befreiungen der vergangenen Jahre haben bislang fast nie den Weg in Umwelt- oder VerbraucherInnenzeitungen gefunden. Dort dominieren, wie in den den schon benannten Tageszeitungen und Magazinen auch, Darstellungen solcher Aktionen, die zwar die Gentechnik ablehnten, aber die dahinterstehenden Machtinteressen verschwiegen, auf VerbraucherInnenverhalten setzten und die deutschen Forschungsfelder unangetastet ließen. Lieblingskind wurde schnell die Kampagnenagentur Campact mit Sitz in Verden. Geradezu euphorisch wurden deren Mitmachangebote für das vielbeschäftigte BildungsbürgerInnentum begrüsst. taz und FR räumen der fast komplett professionell geführten Protestfirma immer wieder herausragende Platzierungen für Artikel, Werbeanzeigen oder -banner ein. Dass solche Entscheidungen nicht nur aus der kulturellen Nähe zueinander rühren, sondern durchaus aus politische Strategie sind, zeigte sich in Strategiedebatten. Nicht nur einmal haben FR & Co. in Kommentaren und Artikeln den Führungspersonen moderner Bewegungsapparate geraten, mehr Ordnung und Kontrolle in soziale Proteste zu bringen und sich von radikalen Elementen deutlicher abzugrenzen.

Geldgeile Blödheit: JournalistInnen als oberflächliche Fülltexter zwischen Anzeigen

Journalismus wird immer oberflächlicher. Magazine leben von Anzeigeneinnahmen, LeserInnen wollen einfache Kost. Das verändert die Art, Reportagen und Texte zu schreiben. Inzwischen sind viele RedakteurInnen einfach nur noch strohdumm, d.h. sie kennen sich in ihren Themen überhaupt nicht aus und schreiben irgendwas. Wer das mal besichtigen will, kann sich den ARD-Presseclub im Januar 2013 angucken, wo ein FAZ- und ein Spiegelfachredakteur einen Unsinn zusammenstammeln, dass einem die Worte fehlen. So meinte der FAZler: "Wir wollen die Landwirtschaft in Südamerika stärken" - und meinte damit Importe, also das gv-Soja, welches kontinentweit BäuerInnen und Regenwald verdrängt. Der Spiegelredakteur bezeichnete Biolandbau pauschal als "Esoterik" und lobte chemische Lebensmittelzusätze als Fortschritt.

 

Gentechnikkritik von rechts oder aus dem Off

7.2.2008 in einem kleinen Ortsteil von Lauterbach: GentechnikgegnerInnen haben zu einer Veranstaltung geladen. Auf den Tischen liegen Informationsmaterialien herum. "Gentechnik - Nein danke!" heißt einer der bunten Flyer. Er stammt von der NPD Bayern. Auf den sechs Seiten des Faltblattes stehen Forderungen, wie sie auch in gentechnikkritischen Kreisen verbreitet sind: Gesunde Ernähung statt "Gen-Food", Einrichtung gentechnikfreier Zonen und ein staatliches Verbot für genmanipuliertes Saatgut. Mit einem Stapel dieser modischen Propaganda hatte sich eine Runde meist älterer Herren bei einem von der Bürgerinitiative "Zivilcourage" im Vogelsberg veranstalteten Vortrag eingerichtet. Die Gastgeber waren - immerhin - nicht zu bewegen, dass die Flyer auf ihrem Infotisch ausgelegt werden durften. Parteimaterial sei nicht erwünscht. In der Diskussionsrunde dann meldete sich einer der Herren zu Wort und begann eine flammende Rede, die exemplarisch zeigte, in welche Worthülsen der Gentechnikkritik rechte Ideologie verpackt wird. Er sprach von den bösen Konzerne aus "Amerika". Die unzulässige Vereinnahmung eines ganzen Kontinents war noch das geringere Problem. Auffälliger war, dass kein Wort fiel über Bayer, BASF und KWS, obwohl doch viele deutsche Konzerne in der Gentechnikentwicklung sowie mit Nestlé, Syngenta und anderen weitere europäische Unternehmen in Entwicklung und Handel eine prägende Rolle spielen. Es gelte, so fuhr er dann fort, Europa zu retten vor den Amerikanern - ganz so, als wäre "Amerika" - was auch immer das ist - einheitlich für Gentechnik und "Europa" (was ist das?) - einheitlich dagegen. Klarer Widerspruch unterblieb, einige Wenige zeigten aber Unbehagen an. Ungefähr ein Drittel der ca. 100 Anwesenden applaudierte bei der Forderung, "Europa" vor "Amerika" zu retten. Am Ende der Veranstaltung wurde kurz ein bevorstehender Prozess gegen FeldbefreierInnen in Gießen thematisiert. Den rechten Herren fiel auch dazu nicht mehr ein als auf die Möglichkeit hinzuweisen, vor Gericht als Nationalität "Deutsches Reich" anzugeben und damit den Gerichtsprozess zu torpedieren. Als Literatur empfahl der Redner mit NPD-Flyer ein Buch, das immer wieder von rechten GentechnikkritikerInnen stark gemacht wird. Es heißt "Saat der Zerstörung", ist verfasst von F.W. Engdahl und wird in fast allen gentechnikkritischen Kreisen gestreut.
Das Buch strotzt vor Anti-Amerikanismus. Bereits die Werbung für das Buch spricht für sich. Dort werden von vornherein nur die US-amerikanischen Konzerne überhaupt einbezogen: "Drei der vier privaten Unternehmen, die heute gentechnisch verändertes Saatgut anbieten, weisen eine unheilvolle jahrzehntelange Verbindung zur US-Kriegsmaschinerie des Pentagon auf." Kein Wort von BASF, Bayer und ihrer dunklen Vergangenheit. Das Buch sei eine "Geschichte über die dunkle Seite der Macht" und "dokumentiert, dass die amerikanische Rockefeller-Stiftung der treibende Motor hinter dieser Entwicklung ist" - selbstverständlich "zusammen mit privaten Forschungsinstituten und in Mittäterschaft der US-Regierung". Engdahl sieht "eine kleine mächtige Elite" und deren "gigantische Verschwörung". Alle anderen sind Opfer. Darunter ganz Europa. "Zur Zeit üben diese Firmen in Zusammenarbeit mit der US-Regierung einen enormen Druck auf Europa aus, damit auch hier alle Schranken gegen genmanipuliertes Saatgut fallen."
Engdahls Buch ist in einem Verlag herausgekommen, der rechte und Verschwörungstheorien verbreitet. Er heißt der Kopp-Verlag. Doch auch das war vielen keine Warnung, das Gedankengut selbst weiterzuverbreiten. Es ist auch nicht soweit entfernt von Aussprüchen aus der gesellschaftlichen Mitte. Oder hätte Gerhard Schröders Spruch nicht auch ins Engdahlbuch gepasst: "Mit mir ist eine Amerikanisierung der deutschen Gesellschaft nicht zu machen ... Nur Europa steht für den wirtschaftlichen, den sozialen, den kulturellen und den ökologischen Ausgleich." In der GLS-Zeitung bankspiegel darf Klaus Hänsch unwidersprochen behaupten, "Die Amerikaner sind ein Volk. Die Europäer sind verschiedene Völker." Und so ist der Reigen im Konkurrenzkampf des guten Europa gegen das böse Amerika breit und eine tragende Säule skurriler bis rechter Gentechnikkritik. Monsanto wird als Inbegriff für das Böse schlechthin stilisiert und hinter fast jeder Agro-Gentechnik Monsanto vermutet. Ulrike Höfken, MdB B'90/Grüne, befand: "Die Strategie von Großkonzernen, allen voran Monsanto, ist absolut aggressiv." Große deutsche Konzerne sind deshalb problematisch, weil sie von Monsanto gesteuert würden (was nebenbei völliger Quatsch ist - BASF und Bayer sind gegenüber Monsanto die wesentlich größeren Konzerne): "Leider befindet sich bereits BASF im Schlepptau einer Kooperation mit dem amerikanischen Konzern Monsanto". Genfelder deutscher Firmen wurden lange Jahre von Umweltverbänden und NGOs weniger bekämpft, einige NGOs veröffentlichen sogar reine Monsanto-Genfeldverzeichnisse (z.B. Gen-Mais-Karte von Greenpeace). Erst als nur deutsche Felder übrig blieben, geriet die BASF-Kartoffel Amflora ins Visier. Da war sie schon über zehn Jahre alt ...
Das alles ist nicht nur anti-amerikanisch orientiert, sondern ein optimaler Anknüpfungspunkt für Rechte und deren Gedankengeber. Das Problem mit rechten und esoterischen Gedanken in der Gentechnikkritik ist hausgemacht.

Im Original: Schützt das gute Europa ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der Buchwerbung des Kopp-Verlages
Damit soll sichergestellt werden, dass Saatgut jedes Jahr neu erworben werden muss – ein Geschäft, das der Teufel nicht hätte besser erfinden können. Wird diese Entwicklung nicht aufgehalten, entsteht eine neue, bislang nicht für möglich gehaltene Form der Leibeigenschaft. Drei der vier privaten Unternehmen, die heute gentechnisch verändertes Saatgut anbieten, weisen eine unheilvolle jahrzehntelange Verbindung zur US-Kriegsmaschinerie des Pentagon auf. Einst produzierten sie 'Agent Orange', das Zehntausende in Vietnam tötete und selbst heute noch Folgeschäden verursacht. Zur Zeit üben diese Firmen in Zusammenarbeit mit der US-Regierung einen enormen Druck auf Europa aus, damit auch hier alle Schranken gegen genmanipuliertes Saatgut fallen. Dies ist keine Geschichte über Profitgier. Es ist vielmehr eine Geschichte über die dunkle Seite der Macht. In den 1970er Jahren erklärte Henry Kissinger: 'Wer das Öl kontrolliert, ist in der Lage, ganze Nationen zu kontrollieren; wer die Nahrung kontrolliert, kontrolliert die Menschen.' Das Buch dokumentiert, dass die amerikanische Rockefeller-Stiftung der treibende Motor hinter dieser Entwicklung ist. Zusammen mit privaten Forschungsinstituten und in Mittäterschaft der US-Regierung versucht eine kleine mächtige Elite 'Gott zu spielen' – mit erschreckenden Folgen für die Völker der Welt. Die vorliegende Arbeit dokumentiert eine gigantische Verschwörung. Diese ist aber leider keine Theorie oder Spekulation, sondern vielmehr rasant voranschreitende Realität.

Aus Bernd Hamm, „Hausaufgaben gemacht?“ in: Politische Ökologie Mai/Juni 2002 (S. 39)
Wenn es gelänge, im IWF eine eigenständige europäische Position, eine an nachhaltiger Entwicklung orientierte, durchzusetzen, dann wäre wahrscheinlich mehr für diesen geplagten Planeten zu erreichen.

Aus einem Interview mit Ex-Europaparlamentspräsident Klaus Hänsch im bankspiegel 2/02 der GLS-Bank (S. 9), Widerspruch der InterviewerInnen erfolgte nicht.
Die Amerikaner sind ein Volk. Die Europäer sind verschiedene Völker. ...
Die Europäische Union ist keine Weltmacht. Aber sie hat die Verantwortung einer Weltmacht, weil sie mit ihrem enormen ökonomischen und technologischen Potenzial überall in der Entwicklungsströme und Transfers beeinflusst. Wenn sie ökonomisch ein Riese ist und politisch ein Zwerg, dann handelt sie nicht bescheiden, sondern verantwortungslos. ... Es gibt einen europäischen Wertekanon, den wir anderen nicht aufdrücken dürfen, der aber als Beispiel dienen kann.


Aus Ludwig Stiegler/Michael Müller*: "Frieden mit der Natur machen", FR vom 12.9.2002 (S. 14) (*SPD-Bundestagsfraktionschef und sein Stellvertreter 1998-2002)
Die Europäische Union hat die geistigen wie die materiellen Mittel, um zu einer nachhaltigen Entwicklung zu kommen. Gestützt auf einen Markt mit rund 400 Millionen Verbrauchern, hat sie nicht weniger Möglichkeiten als die USA, die globale Epoche zu gestalten. ...
Von daher ist Nachhaltigkeit ein Konzept, das der Globalisierung eine europäische Perspektive gibt.


"Berliner Rede" von Bundespräsident Johannes Rau am 19.5.2003, Auszug:
Überall da, wo die Europäer sich darauf verständig haben, gemeinschaftlich zu handeln - in Wettbewerbsfragen, bei der gemeinsamen Währung, im Handel - sind wir ein starker Faktor und eine Macht, mit der jeder auf der Welt gerne und gut zusammenarbeiten möchte.

Ulrike Höfken, MdB B'90/Grüne im Interview der Thüringer Allgemeinen, 23.6.2008
Die Strategie von Großkonzernen, allen voran Monsanto, ist absolut aggressiv. Leider befindet sich bereits BASF im Schlepptau einer Kooperation mit dem amerikanischen Konzern Monsanto, dessen Versuche, Patente auf die verschiedensten Nutztiere und Nutzpflanzen zu legen, es leider schon zahlreich gibt. Diese Patente sind aus meiner Sicht absolut unsittlich. Die Kooperation mit einem deutschen Konzern finde ich sehr peinlich.

Rechte Parteien und Gruppen nehmen das Geschenk des offenen Einfallstores gern an. Die Koordination der "Initiative für eine gentechnikfreie Region Nebel/Krakow am See" lag mehr als zwei Jahre in den Händen eines NPD-Mitgliedes. Auch andersorts mischen Personen aus solchen Spektren mit. Auf Versammlungen werden ständig anti-amerikanische Stimmungen aufgebaut oder krude Verschwörungstheorien als Hintergrund der Durchsetzung der Agro-Gentechnik formuliert.


Oben: Nazi-Demo. Foto aus Freitag, 13.10.2006 (S. 4). Unten: NPD macht auf öko.
Verschwörungstheorie: Welterklärung mit Kopfschoner!

Als Verschwörungstheorie bezeichnet man im weitesten Sinne jeden Versuch, ein Ereignis, einen Zustand oder eine Entwicklung durch eine Verschwörung, also als zielgerichtetes, konspiratives Wirken von Personen zu einem illegalen oder illegitimen Zweck, zu erklären. Bieten sie doch einfache Erklärungsmodelle für die unbefriedigende Lage. Wer immer die Entwicklung der Welt nicht mag, wer Ungerechtigkeiten spürt oder selbst in einer bedrückenden Lage ist, kann mit Verschwörungstheorien zwar keine Verbesserung erreichen, aber wenigstens die Schuldfrage klären, ohne allzuviel Denkkraft zu investieren. Denn Herrschaft ist meist komplex, es ist anstrengend, die verschiedenen Mechanismen, Konkurrenzen und Elitestrukturen auch nur annähernd zu erfassen, um zu begreifen, warum was geschieht. Zwar haben Menschen unterschiedliche Gestaltungsmacht in dieser Gesellschaft, aber nirgendwo ist ein Zentrum der Macht. Es gibt sie nicht, die StrippenzieherInnen von allem. Das ist doof für alle, die schnell und einfach die Welt erklären wollen. Darum haben Verschwörungstheorien Hochkonjunktur: Wie schön entlastet es doch den Kopf, wenn mensch sich einreden kann, irgendwo sitzen die Bösen, die alles lenken - oder es existiere ein diffuser großer Keilriemen, der die Welt antreibt. Doch solche Sparsamkeit im Denken ist nicht nur gefährlich, weil auf diesen Bildern auch die Vernichtungsphantasien (historisch vor allem gegen „die Juden“, heute oft gegen „den Islam“ oder „die USA“) basieren. Sie sind zudem eher für die nützlich, denen sie eigentlich entgegentreten sollen: Den Funktionseliten moderner Herrschaftssysteme, die ungestört in den intransparenten und zentrumslosen Sphären gesellschaftlicher Gestaltungsmacht agieren, während viele unzufriedene Menschen sich mit Chemtrails, Zinseszins- und Finanzkapitalhetze oder an ausgewählten Bankiersfamilien dieser Welt abarbeiten ...

Im Original: Definitionen Verschwörungstheorie ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus Wikipedia zu "Verschwörungstheorie"
Der Begriff Verschwörungstheorie wird oft kritisch oder abwertend verwendet. In der Rhetorik ist die mediale Diskreditierung des Gegners vermittels eines solchen Vorwurfs ein erprobtes Instrument. Die Charakterisierung als Verschwörungstheoretiker ist Gegenstand von Diskussionen.
Grundlage vieler Verschwörungstheorien ist ein dezidiertes und vereinfachendes Welt- und Geschichtsbild, das auf der Grundannahme basiert, dass Strukturen der sozialen Wirklichkeit durch Handlungen von Personen direkt steuernd beeinflusst werden können. Vor dem Hintergrund der gegenseitigen strukturellen Abhängigkeiten und hochgradigen Vernetzungen komplexer sozialer Systeme gilt diese Voraussetzung heute jedoch allgemein als unplausibel. Sozialwissenschaftliche Modelle zeigen, dass sich weitreichende Ereignisse in Gesellschaft, Wirtschaft oder Staat nicht allein durch das zielgerichtete Handeln von Personen oder Personengruppen verursachen lassen. Man geht hier vielmehr vom Zusammenwirken vieler verschiedener subjektiver Gründe und objektiver Bedingungen aus, die aus Strukturen, Konjunkturen, Absichten, Gegenabsichten, Irrtümern und schlichten Zufällen bestehen und sich zudem gegenseitig beeinflussen. Die Auffassung, eine relativ kleine Personengruppe könne wichtige gesellschaftliche Ereignisse zentral steuern, gilt daher als unterkomplex. ...
Eine Zentralsteuerungshypothese sieht hinter bestimmten Ereignissen oder Entwicklungen das gezielte, verborgene Wirken von Personen oder Personengruppen, etwa von Geheimbünden oder Geheimdiensten. Dafür kann es gute Gründe geben, da solche Verschwörungen in vielen Bereichen der Wirklichkeit tatsächlich vorkommen. Als Beispiele können mafiose Strukturen, verschiedene Formen der Wirtschaftskriminalität und Lobbyismus angeführt werden. Auch wenn sie das Geschehen in der Regel nur als ein Faktor von vielen beeinflussen, können verborgene Steuerungszusammenhänge für manche Ereignisse von ausschlaggebender Bedeutung sein.

Definition auf der Seite der Skeptiker (GWUP), die aber auch wiederum selbst oft vereinfacht argumentieren
Eine Verschwörungstheorie ist die sachlich unbegründete Annahme, ein bestimmtes, meist negatives Geschehen sei das Ergebnis einer Verschwörung. Durch ihre Argumentation widersetzen sich Verschwörungstheorien jeglicher logischen Widerlegung, deshalb sind sie wissenschaftlich wertlos. Viele Vertreter von parawissenschaftlichen Behauptungen versuchen, ihre Thesen durch Verschwörungstheorien zu stützen (Beispiele s.u.).
Grundlage einer  Verschwörungstheorie ist nach dem Modell von Thomas Grüter der Verschwörungsglaube, d. h. der Verdacht, dass eine Personengruppe heimlich Böses plant. Stärker ausgearbeitet als der Verschwörungsglaube ist die Verschwörungslegende, die bestimmte Ereignisse als Ergebnis eines Komplotts erklärt, ohne dies jedoch schlüssig zu beweisen. Die Verschwörungstheorie schließlich bündelt Verdacht und Legenden zu einem fest gefügten System.
Verschwörungstheorien enthalten teils reale Elemente, verquicken diese jedoch mit Erfundenem und bloßen Mutmaßungen zu einer „Parallelwirklichkeit“. Im Gegensatz zur rationalen Ursachenforschung zeichnen sich Verschwörungstheorien durch ihre Immunisierung aus. Äußert eine Person Zweifel oder führt sie Gegenargumente an, wird sie mit dem Vorwurf konfrontiert, selbst zu den Verschwörern zu gehören. Damit wird die Verschwörungstheorie der wissenschaftlichen Überprüfung entzogen. Die vorgebrachten Argumente für die Verschwörung halten jedoch keiner kritischen Untersuchung stand.
  • Dieser Text zu Verschwörungstheorien basiert auf einem Artikel von Jörg Bergstedt in grünes blatt 2/2010
Weitere Infos zu Verschwörungstheorien:
  • Eine leider etwas simpel gestrickte Sammlung war www.esowatch.org, inzwischen zwangsabgeschaltet
  • Daniel Kullas Buch „Entschwörungstheorien“ mit vielen Beispielen (leider ohne Belege und Quellen)
  • Buch von Colin Goldner: "Die Psycho-Szene. Das Buch über den Psychomarkt" und eines von Claudia Barth: "Über alles in der Welt - Esoterik und Leitkultur: Eine Einführung in die Kritik irrationaler Welterklärungen"
  • Sammlungen zu Verschwörungstheorien von Tobias Jaecker
  • taz-Sammlung "Die 21 besten Verschwörungstheorien"
  • Wer die andere Seite mal angucken will, kann das Verlagsverzeichnis des Kopp-Verlags durchblättern. Da ist alles drin, was den Kopf entlastet ...

Im Zusammenhang mit Umweltzerstörung, Globalisierung und Konzernmacht werden verschiedene Verschwörungstheorien besonders häufig benannt. Einige seien hier beispielhaft genannt - und zerpflückt. Da sind zunächst Rockefeller und Rothschild. Die zwei Familiendynastien, sicherlich keine Wohltätigkeitsunternehmen, sollen die Welt steuern, überall ihre Finger drin haben und sich auf geheimen Treffen (z.B. im Bilderberger-Hotel) die Welt aufteilen. Eine absurde Annahme schon aus der Unmöglichkeit heraus, 7 Milliarden Menschen von einer Stelle steuern zu wollen. Das geht schon logistisch nicht. Außerdem sind die Sphären der Macht sichtbar von Konkurrenzen durchzogen, z.B. USA gegen Europa oder wahlweise gegen China, BASF gegen Monsanto, EADS gegen Boing, Microsoft gegen Google, Papst gegen Ajatollahs usw.
Die zweite beliebte Verschwörungstheorie ist die Herrschaft des Finanzkapitals oder die brutale Zinsknechtschaft. Das klingt erstmal ganz schlüssig: Das Finanzkapital regiert die Welt oder der Zwang zur Begleichung des Zinseszinses prägt alles ökonomische Geschehen. In der Folge bremst die allgegenwärtige Spekulation das produktive Wirtschaften. Doch auch das ist absurd, denn in diesem Wirtschaftsgeschehen besteht überall ein permanenter Druck zur erneuten Verwertung aller Werte, zur Steigerung von Profit und zur Akkumulation wirtschaftlicher Machtmittel (Kapital, Boden, Patente ...). Konzerne, Banken und Regierungen können das verstärken, aber sie sind nicht die Ursache. Spekulative Finanzaktionen unterscheiden sich in der zentralen Logik auch gar nicht von anderen Wirtschaftszweigen. Überhaupt: Was ist die Investition in Immobilien - Spekulation oder Produktion? Außerdem wäre der Welt wohl wenig geholfen, wenn weniger in Devisen und mehr in Rüstung, Atomkraftwerke, Flughäfen und Palmölplantagen investiert wird.
Dann wird es skurril: Nicht nur mit der Gentechnik wollen böse Mächte die Welt steuern, sondern in die Abgase der Flugzeuge werden absichtlich Stoffe gemischt (sog. Chemtrails), damit ... ja, da sind sich die Verschwörungsfans gar nicht einig, wofür das Ganze eigentlich dient. Aber es ist da, sogar Fotos beweisen das. Ein Vorschlag für den Grund des Ganzen ist, dass Gifte beigemischt werden, um die Weltbevölkerung zu reduzieren. Kann das sein? Die meisten Flugzeuge fliegen über Europa und Nordamerika. Also sollen wohl vor allem NordamerikanerInnen und EuropäerInnen ausgelöscht werden. Sind die - in der Tat ja kritikwürdigen - Bevölkerungskontrollprogramme für Asien und Afrika dann nur eine Ablenkung vom wirklichen Ziel, die Menschen in den EU und USA zu liquidieren? Einschließlich derer, die das Ganze anzetteln und ja dieselbe Luft atmen? Dass in Flugzeugabgasen viel Gift enthalten ist und Fliegen deshalb auch ein Problem darstellt, bleibt trotzdem klar. Das Problem sind aber nicht die Beimischungen, sondern das Kerosin und die Flughäfen selbst.
Wer auf gentechnikkritischen Veranstaltungen - und auch anderswo - zugegen ist, begegnet einer weiteren bemerkenswerten Sparte verschwörungstheoretischer Argumentationskunst: Den Reichsdeutschen. Sie behaupten, die BRD würde nicht existieren, weil die Verfassung nie vom Volk angenommen wurde. Stimmt leider nicht - auch wenn es schade ist, denn wenn Staaten nicht existieren würden, deren Verfassung nie vom „Volk“ (was ist das?) angenommen wurde, dann würden ganz schön viele vom Globus verschwinden. Deutschland im übrigen komplett, denn was die Reichsdeutschen da brabbeln, gilt ja für 3. Reich und alle Vorphasen genauso. Tipp: Den Reichsdeutschen zustimmen und das Argument erweitern: Es gibt nicht nur die BRD, sondern ganz Deutschland gar nicht, denn nie hat ein "Volk" der Gründung dieser Nation zugestimmt. Meistens finden die Reichdeutschen diese Interpretation aber gar nicht mehr so toll.

Beispiele für Gentechnikkritiker_innen, die öffentlich auch rechte und Verschwörungstheorien verbreiten

Das Gegenprogramm: Skeptisch denken, kritisch analysieren

Alles, was mit einfach scheinenden Erklärungen herüberkommt, sollte kritisch beäugt werden. Oder überhaupt alles. Denn dazu ist der Kopf da - und das beste Gegengift zu Verschwörungstheorien und Regierungspropaganda heißt schlicht, immer skeptisch zu sein, zu hinterfragen und viele Quellen zu nutzen. Beginnen Sie gleich mit diesem Text und diesem Buch insgesamt: Nichts ist eine Bibel - schon gar nicht die Bücher, die sich dreist auch noch so nennen, um besonders wichtig genommen zu werden. Ihr Kopf ist der Partner, auf den Sie sich am meisten verlassen können. Und schon der macht viele Fehler!
Das kann dann auch das Eindringen rechten und anti-emanzipatorischen Gedankenguts abwehren. Die Ausweitung der Gentechnikkritik durch die Herrschaftsbrille und das offensive Formulieren einer Zukunft, in der nicht die Zunahme von Kontrolle, Macht und Reglementierung, sondern deren Verschwinden die menschliche Produktivkraft für ein besseres Leben nutzbar macht, bietet die notwendige und deutliche Abgrenzung gegenüber antiemanzipatorischen Blickwinkeln. Solange nämlich nur Gesundheit und Umweltschutz die Kritik ausmachen, können sich Rechtsextreme, AnbeterInnen fremder Mächte (von kosmischer Energie bis zu irgendwelchen Göttern, deren Willen zu befolgen sei oder deren Werke mit der Gentechnik besudelt würden) oder FreundInnen entfesselter Regulierungswut durch immer neue Gesetze und Ordnungstruppen (Kameras an allen Feldern?) problemlos einreihen. Die Unterschiede würden nicht auffallen. Sie wären im Kern ja auch gar nicht vorhanden. Wo aber eine emanzipatorische Orientierung sichtbar wird, entspannt sich die Lage. Wer sich um die Machtfülle von Staaten oder Göttern, die Reinheit von Völkern oder die Unversehrtheit von Heimat sorgt, steht dann im Widerspruch dazu. Ausgrenzungen sind gar nicht mehr nötig, weil der Unterschied sichtbar ist.

Im Original: Gentechnik und Herrschaftskritik ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Emanzipatorische Gentechnikkritik
Aus Jörg Bergstedt:"Gentechnik und Herrschaft: Eine Kritik aus emanzipatorischer Perspektive"
Durch die „Herrschaftsbrille“, d.h. mit herrschaftsdemaskierendem Blick, hat die aktuell entwickelte Gentechnik bereits deutlich erkennbare Nachteile. Diese lassen sich auch nicht durch weitere „Sicherheitsforschung“ abschaffen – daher kippt auch das Argument der heute propagandistisch fast immer als Sicherheitsforschung deklarierten Gentec-Versuche. Im Folgenden sollen Kritikpunkte gegen Gentechnik benannt werden, die im System dieser Technik verankert sind und innerhalb der herrschenden Verhältnisse antiemanzipatorische Tendenzen stärken:
Verschärfung von Abhängigkeiten: Bereits häufiger in die Diskussion eingebracht wurde der Hinweis auf steigende Abhängigkeiten der VerbraucherInnen und der LandwirtInnen. Die Entwicklung der Gentechnik bei Profit- und Machtorientierung soll die KundInnen an die Produkte der Firma ketten durch Knebelverträge, Kombinationen von Saatgut und Spritzmittel sowie Patentierungen. Hier gibt es bereits eine Vielzahl von Entwicklungen, d.h. die Probleme bestehen bereits - weitere können hinzukommen (und werden, wenn Verwertungslogik weiterhin die Ökonomie dieser Welt bestimmt). ...
Ausdehnung von Profit und Macht in neue Lebensbereiche: Neue Profit- und Machtsphären entstehen durch die Ausdehnung der Verwertungslogik auf bisher nicht erfasste Lebensbereiche, z.B. die Patentierung von Tieren und Pflanzen, Gensequenzen usw. Hierdurch werden die Spielräume für eine selbstbestimmte Entwicklung eingeschränkt, da die patentierten Organismen und Sequenzen für selbstorganisierte Ökonomien verloren gehen. Wissen und Möglichkeiten der Nahrungsmittelversorgung, der Bekämpfung von Krankheiten und Verletzungen oder anderer lebenswichtiger Technologien sind nicht für alle Menschen gleich verfügbar, sondern werden von profitorientierten Unternehmen gehortet. Da Konzerne aufgrund der Regel der ständigen Verwertung und des Marktes immer alle Möglichkeiten ausnutzen, sich Profit, Monopol und Macht zu sichern, ist das Patent auf Leben keine Spitze des Eisberges, sondern ein Grundmuster, dass unter Herrschaftsverhältnissen zur Gentechnik dazugehören wird. ...
Gentechnik im Kapitalismus wird Hunger und Armut verstärken ...
Weitere Verschärfung von Hunger und Elend durch künstliche Verknappung: Selbst dort, wo die Ausdehnung von Elend, Ausbeutung, Armut und Hunger sehr offensichtlich dem Zweck der Profitmaximierung dient, ist die Forschung und Entwicklung sofort dabei. Dass Firmen und EntwicklerInnen dann bewusst den Weg über Leichen wählen, ist wieder kein Zufall oder eine Entartung kapitalistischer Wirtschaft, sondern folgt schlicht deren Grundlogiken. ...
Die Macht des Faktischen: Wer in der Lage ist, zu handeln und damit die Ausgangsposition der Debatte zu definieren, gewinnt (oft bedeutsam) an Macht. In der Debatte um Gentechnik stützt vor allem der Staat die gentechnikbefürwortende Seite durch die Genehmigung von Anwendungen der Gentechnik. Diese führt nämlich dazu, dass die Gentechnik vorhanden ist - und die Debatte darum geht, ob sie wieder wegkommt. Das ist eine entscheidende Veränderung. Würde nämlich erst diskutiert und dann gehandelt, wären die BefürworterInnen der Gentechnik in einer deutlich schlechteren Lage. Hinzu kommt, dass der Staat die formalisierte Macht des Faktischen mit seinen Durchsetzungsarmeen (Behörden, Polizei, Gerichte) absichert. ...
Ingenieursdenken statt Sozialpolitik oder soziale Prozesse: Gentechnik ist vom Ansatz her ein Reparieren an Natur und Mensch – zumal mit technischen Mitteln, d.h. es lenkt den Blick vom Sozialen auf das Technische. Die Ziele der Gentechnik aber sind fast ausnahmslos soziale: Gesundheit, Lebensmittelverteilung (nicht deren vermehrte Erzeugung, denn die Menge ist nicht das Problem!), Überwachung, Eugenik bis Euthanasie. Somit fördert die Gentechnik prinzipiell die Ausdehnung des Ingenieursdenkens auf soziale Fragen. Die Gesellschaft und die in ihr lebenden Menschen werden immer stärker zu einem Gegenstand des Sezierens in Laboren und Fabriken. Die gesellschaftliche Debatte verlagert sich immer weiter auf das ohnehin in Sozialpolitik, Bildung und Erziehung, Strafwesen und Medienpolitik bereits prägende Optimieren von Menschen für bestimmte Interessen und definierte Anforderungen statt einer Veränderung der Lebensbedingungen nach den Bedürfnissen der Menschen. ...
Forschung für Profit und Macht (Monopole, Kontrolle usw.): Aus Profit- und Machtinteressen kombinieren die Konzerne und Institutionen der Gentechnik ihre gentechnischen Veränderungen mit Kontroll- und Steuerungsmechanismen. Damit verfolgen sie nicht Ziele des Umweltschutzes, der sicheren Nahrungsmittelversorgung oder der Hilfe für LandwirtInnen, wie sie in ihrer Werbung stets als Grund für Gentechnik angeben. Sondern sie wollen die Weiterverwendung des Saatgutes, ja selbst die Verbesserung des Saatgutes durch Weiterzüchtung unterbinden, wenn sie ihnen keinen Profit bringt, und vereinfachte Nachweismöglichkeiten für (z.B. aus der puren Not heraus entstandene) Weiterverwendungen haben. Zudem wollen sie den Einsatz und die Wirkungen besser steuern können. So entwickeln Konzerne zur Zeit gentechnische Schaltersequenzen, die bestimmte Wirkungen der Pflanze bei Kontakt mit bestimmten chemischen Substanzen auslösen. Dadurch ist nicht nur der Kombinationsverkauf z.B. mit Pestiziden garantiert, sondern es lassen sich auch ganz andere Anwendungsfälle vorstellen, deren von Machtinteressen angetriebene Erforschung längst läuft: Beispielsweise die Möglichkeit, in Konfliktfällen durch das Besprühen ganzer Landschaften gezielt Hungersnöte auszulösen. ...
Überlegene Diskurssteuerung: Die überlegene Macht zur Steuerung von Diskursen verschärft das vorhandene materielle Gefälle, d.h. die unterschiedlichen Handlungspotentiale. So können die Ziele wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Aktivitäten verfälscht und z.B. Änste geschürt werden, um damit dann scheinbare Lösungen für erfundene Probleme zu verkaufen. Ein prägnantes Beispiel ist der behauptete Hunger durch das Bevölkerungswachstum. Hier ist nicht nur erfunden, dass Agro-Gentechnik überhaupt hilfreich wäre, sondern auch das Problem selbst ist frei erfunden. Denn nicht die Menge der Menschen, sondern die Art von Wirtschaft und Regierung sind die Ursache des Hungers. Dadurch, dass es gelingt, die Diskurse zu steuern, lassen sich auch Lösungsmöglichkeiten bewerben. ...
Zusammenfassend lässt sich sagen: Unter den bestehenden gesellschaftlichen Bedingungen dienen Forschung und Anwendung der Gentechnik prinzipiell Profit- und Machtinteressen. Das gilt auch für andere Forschungs- und Technikbereiche. Daher ist mit der Kritik an der Gentechnik auch die Kritik an den Herrschaftsstrukturen in der Gesellschaft zu benennen. Die anderen, zur Zeit im Vordergrund stehenden, gesundheitlichen und ökologischen Argumente gegen die Agro-Gentechnik bestehen darüber hinaus weiter.


Der Gegenentwurf: Was ist emanzipatorischer Umweltschutz?
Aus der Internetseite www.umwelt-und-macht.tk
Es gibt viele Gründe, warum Umweltschutz "out" ist, z.B. Vereinsmeierei, Konkurrenzdenken, kommerzielle Ziele, Bürokratie und Hierarchie. Filz mit Politik und Konzernen steht einer druckvollen Arbeit ebenfalls im Wege. Der wichtigste Punkt aber war und ist: Umweltschutz organisiert sich bislang immer von oben, d.h. die Menschen werden zur Zielgruppe von Strafandrohung, Bildungsarbeit, Appellen und finanziellen Steuerungen. Niemals sind sie AkteurInnen. Bei der Frage, wie Innenhöfe, Straßen, Stadtteile oder Landschaften gestaltet werden sollen, wenden sich UmweltschützerInnen an den Staat, neuerdings auch immer öfter an die Firmen als zunehmender Machtfaktor. Die Konzepte aus der Öko-Ecke stützen die Machtsysteme, zur Zeit begleiten sie die neoliberale Weltordnung. Das ökonomisches Diktat wird nicht in Frage gestellt, sondern begrünt: Ökosteuer, Ökoaudit oder Selbstverpflichtung. Oder schlimmer: Sogar selbst eingefordert oder umgesetzt   "Ökos" sind heute die GegnerInnen von mehr BürgerInnenbeteiligung, und verwertungsfeindlichen Lösungen. Sie sind Öl im Getriebe von Markt und Staat.
Die Folgen: Umweltschutz verliert an Akzeptanz in der Bevölkerung, weil die bevormundet wird. Und er ist nicht mehr bündnisfähig mit sozialen Bewegungen, die Selbst- und Mitbestimmung zum Ziel haben.
Emanzipatorischer Umweltschutz will etwas ganz anderes: Die Menschen werden zu AkteurInnen. Die Straßen, Häuserblöcke und Landschaften müssen den Menschen gehören, die in ihnen leben. Niemand kann über Flächen und Orte bestimmen, ohne selbst betroffen zu sein. "Demokratisierung von Flächen- und Rohstoffverbrauch" heißt das Gegenkonzept zu Ordnungsrecht oder dem kapitalistischen Instrument Ökosteuer. Vision ist eine Welt von unten. Die kleinen Schritte dahin bestehen aus konkreten Projekte, die die Menschen zu den EntscheiderInnen machen: Windanlagen, die den Menschen drumherum gehören (statt teurer Großanlagen ohne örtliche Akzeptanz), Stromnetze im Besitz der BürgerInnen, ökologische Bauernhöfe im Gemeinschaftsbesitz, lokale Ökonomien ohne Apparate und vieles mehr.
Dazu gehört aber auch, die Visionen einer Welt von unten laut zu benennen, denn Visionen können motivieren. Zudem bleibt die Chance, für dieses Ziel wieder Bündnisse zu schaffen mit anderen sozialen Bewegungen, die gemeinsam an einer Welt von unten arbeiten. Konkrete Kristallisationspunkte wie konkrete Modelle oder der Widerstand gegen neoliberalen Wahn können der Anfang sein. Abschied zu nehmen ist von der vor allem in NGO Kreisen gern verbreiteten Mär vom guten Staat, von der "good governance", die die Auswüchse des Neoliberalismus eindämmen soll. Der Staat organisiert die Ausbeutung. Er ist Gegner, nicht Partner. Hoffnung für die Umwelt und die Menschen gibt es erst dann, wenn die Menschen den Zugriff auf ihre Lebensressourcen erhalten. Und Umweltminister, Daimler Manager usw. von den Podien der sog. Umweltbewegung verschwinden!

Kritische Analyse statt Dogmatismus- eine herrschaftskritische Warnung
Aus Jörg Bergstedt:"Gentechnik und Herrschaft: Eine Kritik aus emanzipatorischer Perspektive"
Aus der Idee von Unbestimmtheit der Zukunft folgt aus herrschaftskritischer Sicht eine Position, die manch radikalem/r GentechnikgegnerIn vielleicht zunächst aufstößt: Es ist nie emanzipatorisch, die Zukunft festschreiben zu wollen. Über das Geschehen in einigen Jahren, Jahrzehnten oder Jahrhunderten entscheiden nicht die Menschen jetzt, sondern dann. Deshalb ist es problematisch, nicht rückholbare Veränderungen vorzunehmen. Zwar ist Wandel auch immer ein Teil von Natur und Kultur (die ohnehin nicht trennbar sind), aber dennoch müssen grundlegende Eingriffe besonders gut überlegt und begründet werden. Das ist ein wichtiges Argument gegen Gentechnik. Allerdings folgt daraus nicht, dass auch unter gewandelten, z.B. herrschaftsfreien Verhältnissen jede Gentechnik abzulehnen ist. Denn diese Situation ist aus der heutigen heraus nicht wirklich plan- und vorstellbar. Daher wäre eine Festlegung ein anti-emanzipatorischer Akt, weil es Menschen der Zukunft Handlungsschranken auferlegen will. Daher sollte eine emanzipatorische Kritik der Gentechnik immer die konkreten Formen dieser Technik benennen und die Rahmenbedingungen, unter denen sie steht. Daraus kann eine grundlegende Ablehnung der Gentechnik folgen, denn alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens unterliegen aktuell sowohl der Profit- wie auch der Machtmaximierung, z.B. auch die Medizin. Es ist sogar sehr naheliegend, die Gentechnik unter aktuellen Bedingungen ganz abzulehnen. Aber eben nicht für immer, weil es grundsätzlich nicht sinnvoll ist, für Situationen etwas festlegen zu wollen, die mensch nicht kennt. Jedenfalls aus herrschaftskritischem Blick wäre das fatal. Denn die radikal herrschaftskritische Perspektive ist dort aufgehoben, wo aus politischen Positionen, die aus aktuellen emanzipatorischen Überlegungen resultieren, feststehende, nicht mehr hinterfragbare Dogmen werden. Herrschaftsfreiheit kennt keine Klarheiten außer der, das immer die Menschen selbst der Ausgangspunkt sind. Nicht steht höher als sie - keine Religion, Moral, kein Gesetz und keine Ideologie, auch wenn alle die das immer von sich so behaupten und mit Macht durchsetzen.

Links und Materialien

Zu Umwelt-NGOs und ihren Verflechtungen

Gentechnik und Macht
Ein kleines Büchlein mit Texten und Zitaten zum Zusammenhang von Herrschaft und gentechnischer Manipulation an Nutztieren und -pflanzen. Im Mittelpunkt steht die Kritik an Saatgutkontrolle, Patenten und Ingenieursmethoden im Sozialen. Ebenso beleuchtet werden die spendenorientierten Strategien von Umweltverbänden, Grünen und anderen, die auf Herrschaftsanalyse und deshalb in gefährliche Argumentationen abrutschen. 64 S., quadratisch, 3 Euro, ISBN 978-3-86747-065-0 ++ bestellen!

Allgemeiner Hinweis: Die kursiv gestellten Texte sind Zitate, drumherum stehen auch Quellenangaben und zusätzliche Erläuterungen.
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