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Texte aus und über NGOs

WWF ++ Grüne Liga ++ BUKO ++ JD/JL (JungdemokratInnen) ++ NABU ++ Greenpeace ++ Links

WWF

Aus Murr, Günter (1996): „Entwicklung und Handlungsmöglichkeiten von Umweltverbänden in der internationalen Politik“, Ökom Verlag Schriftenreihe Nr. 1, München
1971 wurden die Finanzen des WWF auf eine neue Grundlage gestellt. Prinz Bernhard gründete den Exclusiv-Club The 1001: A Nature Trust. Er bat 1000 wohlhabende Personen, jeweils 10 000 US-Dollar dem WWF zur Verfügung zu stellen. Mit diesem Kapitalstock sollte die Verwaltung der Organisation finanziert werden, so daß die eingehenden Spenden voll für die Naturschutzarbeit verwendet werden können. Die Idee für The 1001 stammte ursprünglich von dem südafrikanischen Tabak-Industriellen Anton Rupert, Präsident von WWF-Südafrika und später Vizepräsident von WWF-International. Zur Anwerbung der Spenden stellte Rupert dem WWF Charles de Haes, einen Mitarbeiter seines Tabakkonzerns Rothmans, kostenlos zur Verfügung. 1975 wurde de Haes neben Fritz Vollmar Ko-Direktor und 1977 alleiniger Generaldirektor von WWF-International (bis 1993). Im November 1973 hatte de Haes die angestrebte Zahl von 1000 Spendern zusammen (das 1001. Mitglied ist Prinz Bernhard selbst). 60 davon kamen aus Deutschland. Neue Spender können in den Club nur eintreten, wenn ein Mitglied ausscheidet. Mittlerweile wurde die Höhe der Einlage auf 25 000 Dollar aufgestockt, das Gesamtvolumen der Stiftung beträgt somit mehr als 14 Millionen Schweizer Franken. Die Mitgliedslisten des "Clubs der 1001" behandelt der WWF streng vertraulich. Raymond Bonner vermutet, daß die Organisation einige Clubmitglieder von zweifelhafter Reputation verheimlichen möchte. So sollen zum Beispiel Präsident Mobutu von Zaire und ein amerikanischer Industrieller, der Regenwälder abholzen läßt, Mitglieder des Clubs sein. Überproportional vertreten seien weiße Südafrikaner. Laut Bonner war das für viele von ihnen zu Zeiten der Apartheld eine der wenigen Möglichkeiten, Mitglied in einem internationalen Club zu werden und Kontakte zu Industriellen und Adligen zu knüpfen. Der starke Einfluß der Südafrikaner ist für Bonner auch ein Grund dafür, warum der WWF lange Zeit Südafrikas Widerstand gegen ein Verbot des Elfenbeinhandels unterstützt hat. (S. 51)
Strategie des WWF war es immer, prominente Persönlichkeiten wie Unternehmer, Politiker oder Wissenschaftler für Repräsentations-Ämter zu gewinnen. Bekannteste Beispiele sind Prinz Bernhard und Prinz Philip, die jeweils 15 Jahre an der Spitze von WWF-International standen bzw. noch stehen. Prinz Sadruddin Aga Khan, der damals Berater des UN-Generalsekretärs war, wurde 1986 zum Vizepräsidenten des WWF gewählt. Von seiten der Wirtschaft waren unter anderem die Schweizer Industriellen Luc Hoffmann und Rudolf Geigy von Anfang an im Treuhandrat des WWF. Später bemühte sich der WWF, verstärkt Vertreter der Umweltbewegung zu integrieren und berief zum Beispiel Aurelio Peccci, den Gründer des Club of Rome, und Maurice Strong, den Generalsekretär der Umweltkonferenz von Stockholm, in den Treuhandrat. Aus dem Bereich der internationalen Organisationen sind unter anderem der frühere Weltbankpräsident Robert McNamara und der ehemalige UN-Generalsekretär Javier Pérez de Cuéllar zu nennen.
Auch bei den nationalen Organisationen stehen häufig - adlige oder bürgerliche - Staatsoberhäupter an der Spitze. Die ursprünglichen Regeln für die Gründung einer nationalen Organisation sahen vor, daß eine der sechs berühmtesten und bekanntesten Persönlichkeiten Präsident oder Ehrenpräsident werden sollte. So war zum Beispiel in den 60er Jahren der frühere US-Präsident Dwight D. Eisenhower Ehrenpräsident von WWF-US und in den 70er Jahren König Juan Carlos Präsident von WWF-Spanien. WWF-Deutschland wurde in seiner Gründungszeit repräsentiert durch Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier, den Zoologen Bernhard Grzimek und Konsul Walter Gerling. Anfangs der 70er Jahre war der damalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher Vorsitzender des Stiftungsrates von WWF Deutschland. (S. 72 f.)
Der WWF in Malaysia wurde 1971 von britischen Immigranten gegründet. Es begann mit der Aktion einer Einzelperson, die Projekte von Freiwilligen finanzierte. Heute hat die Organisation 60 Angestellte. "Patron" der Organisation ist der Sultan des Staates Perak, Azlan Shah. In den 70er Jahren beschäftigte sich WWF-Malaysia vor allem mit den Erhalt von genetischer Vielfalt, Arten und Ökosystemen. In den 80er Jahren wurde die Arbeit auf die Propagierung der nachhaltigen Nutzung von natürlichen Ressourcen ausgeweitet. Heute beschäftigt sich der WWF in Malaysia auch mit Umwelterziehung und möchte die Regierung dazu bewegen, sich stärker mit lokalen und internationalen Umweltproblemen zu befassen.
WWF-Malaysia gilt als sehr konservativ. Er unterhält enge Beziehungen zur Bundesund zu Landesregierungen, seine Mitarbeiter sind als Berater für staatliche Stellen tätig, was gelegentlich ein gewisses "Wohlverhalten" und Vertraulichkeit bei der Arbeit erfordert. Nach Ansicht von Fred Pearce entfernt sich WWF-Malaysia immer mehr von WWF-International, der über die "Heimlichtuerei" seines malayischen Ablegers verärgert sein soll. 1988 hat der WWF-Malaysia die Hälfte seiner Projektberichte für vertraulich erklärt und nicht veröffentlicht. Andere Umweltgruppen in Malaysia verhalten sich daher dem WWF gegenüber äußerst skeptisch. Reinhard Behrend, Vorsitzender des deutschen Vereins "Rettet den Regenwald", urteilt folgendermaßen über die Tropenwaldpolitik des WWF-Malaysia: "Der WWF ... ist ... von den Regierungen völlig erpressbar.“ (S. 105)

Grüne Liga

Agenda 21/Nachhaltigkeit

Aus Christina Halmi, 2000: Global denken - lokal handeln?, Studienarbeit an der FU Berlin
Meinem Eindruck nach ist die Grüne Liga in Berlin der für die Lokale Agenda 21 am  stärksten engagierte Verband (jedenfalls im Vergleich zu den anderen hier behandelten Organisationen).

Im Original: Interview mit Iri Wolle ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der Grüne-Liga-Zeitung "AlLIGAtor", Nr. 6/05 (S. 6)
"Ich versuche, den `Wächter` zu spielen und mich einzumischen"
Über §29-Arbeit, Sozialpolitik und die GRÜNE LIGA
Alligator: Bist Du fotoscheu?
Iri Wolle: Ja
Alligator: Konntest Du was mit den letzten Alligator-Interviews anfangen?
Iri Wolle: Ja, sie sagen einiges über die jeweiligen Menschen aus.
Alligator: Was ist für Dich die GRÜNE LIGA?
Iri Wolle: Ein in den meisten Bundesländern fast unbekannter Umweltverein, der mit seinen vielen Bundeskontaktstellen und seinen kaum noch vorhandenen Mitgliedern einem riesigen Kopf ohne Körper gleicht.
Alligator: Was waren die Gründe, Dich in der GRÜNEN LIGA zu engagieren?
Iri Wolle: Die Hoffnung, hier auf Gleichgesinnte zu stoßen, mit denen gegenüber der Öffentlichkeit wichtige gemeinnützige Ziele vertreten wer­den können. Denn allein lässt sich so etwas nicht durchsetzen.
Alligator: Nenne bitte fünf Attribute, welche die GRÜNE LIGA nicht besitzt, aber haben sollte!
Iri Wolle: Vorurteilsfrei, offen, kameradschaftlich, uneigennützig, sozial.
Alligator: Nenne bitte fünf Gründe, die die GRÜNE LIGA gegenüber den anderen Verbänden auszeichnet!
Iri Wolle: Die GL hat die wenigsten Mitglieder, ist nur noch in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Sachsen und Thüringen als ordentlicher Landesverband vertreten und finanziert sich hauptsächlich über staatliche Projektmittel, wodurch der Kontakt zu den Vertretern staatlichen Bewilligungsbehörden für Projekte wesentlich enger als zu den einfachen Mitgliedern der GL ist. Zwar könnte die GRÜNE LIGA als sehr kleiner Verein über flachere Hierarchien verfügen und für einfache Mitglieder wesentlich überschaubarer sein, als die großen und bundesweit agierenden Verbände. Doch dazu bedarf es mehr Transparenz über den Inhalt der bei den Bundeskontaktstellen auftaufenden Projekte.
Alligator: Ist die GRÜNE LIGA zu wenig spirituell?
Iri Wolle: Nein, so etwas hat nach meiner Auffassung nichts in einer Umweltbewegung zu suchen.
Alligator: Gibt es außer Umwelt- und Naturschutz Themenbereiche außerhalb der Umweltbewegung, die Dich interessieren bzw. für die Du Dich engagieren würdest?
Iri Wolle: Ja, mich interessieren humanistisch ausgerichtete Kunst und Literatur sowie Geschichte und Denkmalspflege.
Alligator: Du hast auf der Mitgliederversammlung im Bereich Stadtentwicklung in der BKSt. Verkehr Interesse signalisiert, Dich dort einzubringen. Was ist daraus geworden?
Iri Wolle: Nichts, was mich sehr ärgert. Obwohl ich mehrfach gebeten hatte, mir per E-Mail entsprechende Informationen zu übersenden, habe ich bis heute nichts erhalten. Bin ich jetzt etwa wieder schuld, weit ich nicht ständig nachgefragt habe, so wie mir auf der Jahresmitgliederversammlung der GL die Schuld dafür zugesprochen wurde, dass die Konfliktkommission nicht ordentlich ihre Aufträge abgearbeitet hatte?
Alligator: Welche Probleme siehst Du im aktuellen Trend der Städteent­wicklung in Ostdeutschland?
Iri Wolle: Die zumeist erst in den letzten Jahren geförderte Altbausanierung ist noch nicht abgeschlossen, doch die bisherigen Geldmittel werden künftig auch als Folge der EU-Osterweiterung nicht mehr so üppig wie bisher fließen. Außerdem wirken sich inzwischen die anhaltende wirtschaftliche Stagnation und deren soziale Folgen in Form von Arbeitslosigkeit und Abwanderung ebenfalls sehr nachteilig auf die Stadtentwicklung aus.
Alligator: Woran liegt das?
Iri Wolle: Nach der politischen Wende wurde bekanntlich verabsäumt, Fördermittel primär für die Sanierung der Innenstädte bereitzustellen. Statt dessen entstanden Großeinkaufszentren und Wohnparks auf der grünen Wiese, alte diese Maßnahmen waren weniger auf Nachhaltigkeit, sondern vielmehr auf schnellen Konsum ausgerichtet.
Alligator: Wie könnte die GRÜNE LIGA hier tätig werden?
Iri Wolle: Vielleicht - wie die GL Berlin es schon lange praktiziert - über solche Programme wie die Agenda 21 auf die wirtschaftliche und soziale Stadtentwicklung einzuwirken versuchen. Ich mache mir allerdings keine Illusionen darüber, dass dies für einen so kleinen Verein wie die GL nicht einfach sein kann. Aber in Leipzig verfügt die GL über regelrechte Experten für Stadtentwicklung, also Leute, die das auch berufsmäßig machen. Deshalb bin ich traurig, dass die sich bisher noch nicht mir gegenüber geäußert haben.
Alligator: An welchen aktuellen Projekten arbeitest Du?
Iri Wolle: Eigentlich ist es immer dasselbe: Ich erfahre über meine Kontakte zum Landesbüro der anerkannten Naturschutzverbände des Landes Brandenburg und auch über die Mitglieder von Regionalverbänden des Naturschutzes von haarsträubenden Vorhaben, bei denen gewöhnlich so ziemlich gegen alle bestehenden Gesetze und planerischen Grundsätze verstoßen wird. Da versuche ich dann, den "Wächter" zu spielen und mich einzumischen.
Alligator: Du schreibst für die GRÜNE LIGA §29 Stellungnahmen. Bist Du damit erfolgreich?
Iri Wolle: Ja, meine letzte große Stellungnahme zur Ableitung von Abwasser in das FFH-Gebiet Müggelspree wurde sowohl von Mitarbeitern des Landesbüros als auch von einigen Behördenmitarbeitern gelobt. Weniger befriedigend finde ich meine Stellungnahmen für die GL bei der Beteiligung von Gesetzesentwürfen, denn ich bin keine Juristin und habe dann das blöde Gefühl, "wie die Sau in's Uhrwerk" zu schauen.
Alligator: Was ist Dein Rezept?
Iri Wolle: Meine Stellungnahmen für die GL gemäß § 29 sind in der Regel gut vorbereitet, da habe ich im Vorfeld mit verschiedenen lokalen Experten gesprochen und kenne mich auch mit den Gesetzen und Verordnungen relativ gut aus. Um die Ent­würfe zur Umsetzung von EU-Richtlinien entsprechend beurteilen zu können, brauche ich nicht nur Kenntnisse der juristischen Bedeutung von bestimmten Begriffen, sondern auch den Austausch mit Gleichgesinnten. Das funktioniert auf Bundesebene aber leider nicht und wird möglicherweise niemals funktionieren, wegen der hier wesentlich stärker herrschenden Hierarchien.
Alligator: Was könnte von Seiten der GRÜNEN LIGA hier verbessert werden?
Iri Wolle: Ich hatte Helmut Röscheisen vom Naturschutzring deswegen angesprochen und gefragt, ob es kei­ne Weiterbildungsmöglichkeiten für Ehrenamtliche auf diesem Gebiet gibt. Warum soll das, was es schon seit langem im Sozialbereich gibt, nicht auch im Umweltbereich geben? Ich habe aber nicht den Eindruck, dass die derzeitigen Naturschutzfunktionäre eine ehrenamtliche Basisbe­teiligung wirklich wollen...
Alligator: Die GRÜNE LIGA tut sich schwer damit, Konflikte konstruktiv beizulegen. Das hat die Vergangenheit und das mangelnde Interesse am entsprechenden Seminarangebot verdeutlicht. Bist Du nachtragend?
Iri Wolle: Ja, besonders dann, wenn mir Klaus Schlüter über Dritte mitteilen lässt, dass ich nun anstelle einer Antwort auf meinen noch immer geklärten Streit an einem Seminar zum Konfliktmanagement teilnehmen könne. Dieses Seminar kostet 30 EURO, hinzu kommen nicht unerhebliche Fahrtkosten zu einem Ort, der hinter Dresden liegt, alles von mir privat zu tragen, obwohl ich kein Einkommen habe, über so ein Angebot werde ich dann wirklich wütend.
Alligator: Gab es für Dich schon einmal ähnliche Erfahrungen in der Umweltarbeit oder anderen sozialen / politischen Bereichen oder Parteien?
Iri Wolle: Nein.
Alligator: Du engagierst Dich auch für sozialpolitische Themen. Was hältst Du von Münteferings "Kapitalismuskritik"? Ist das strategische Verlogenheit?
Iri Wolle: Ja, ich finde das geteilte Rollenspiel zwischen Schröder und Müntefering schon sehr makaber. Und deshalb stimme ich auch Hans Magnus Enzensberger zu, der in seinem Artikel jer Klassenkampf als Märchenstunde" zu Münteferings Metapher "Heuschreckenschwarm" bemerkt, dass hierzulande kein Börsenliebling befürchten (muss), dass die deutsche Sozialdemokratie ihm mit der chemischen Keule kommt. Schlimmstenfalls kann es ihm passieren, dass er zu einem gemütlichen Abendessen ins Kanzleramt eingeladen wird".
Alligator: Meinst Du, die SPD-Spitze glaubt selbst an soziale Gerechtigkeit?
Iri Wolle: Ja, innerhalb bestimmter Grenzen schon. Wohltätigkeitsbasare und Suppenküchenidyllen gab es aber auch schon früher, das haben wir nur vergessen.
Alligator: . .. und die Grünen / Bündnis 90?
Iri Wolle: Das ist doch die neue Partei der Besserverdienenden, die haben für "Leistungsversager" bestimmt nichts übrig.
Alligator: Wer hätte das Zeug zum Bundeskanzler: Udo Lindenberg, Jürgen Klinsmann, Papst Benedikt alias Ratzinger, Nina Hagen, Hella von Sinnen oder der Sänger von Rammstein? Oder sollte es per Fernsehwettbewerb a la "Deutschland sucht den Super-Kanzler" ermittelt werden?
Iri Wolle: Wozu sollen wir noch einen Bundeskanzler wählen, obwohl wir noch nicht einmal - anders als zum Beispiel die Franzosen - über die EU­Verfassung abstimmen dürfen?
Alligator: Es fehlt hierzulande an moralischen Vorbildern. In Berlin soll das Stadtschloss wieder rekonstruiert werden. Der Trend geht zu einer klaren Auftrennung armer und reicher Bevölkerungsschichten. Sollte Deutschland wieder eine Monarchie werden?
Iri Wolle: So ein neues Stadtschloss mit einem Kaiser würde sicherlich den internationalen Tourismus in Berlin noch mehr beflügeln.
Alligator: Wie geht das alles mit der Umweltbewegung weiter? Was sind Deine Prognosen?
Iri Wolle: Zumindest der "symbolische Umweltschutz" ist aktuell in der Bundesrepublik Deutschland sehr erfolgreich. Repräsentative Meinungsumfragen ergaben bisher regelmäßig den unter Bundesbürgern herrschenden Eindruck, dass die derzeitige Bundesregierung zwar auf dem Gebiet der Wirtschaft, des Gesundheitswesens und der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit versagte, aber im Hinblick auf Natur- und Umweltschutz ihre Pflicht mehr als erfüllte. Das verdanken wir zweifellos unseren Statthaltern in den Bundesverbänden. Denn wie heißt es so schön? Wes Brot ich ess', des Lied ich sing. Wer kritisiert denn heute noch einen Bundesumweltminister bzw. dessen Politik?
Alligator: Wird es uns als GRÜNE LIGA in 15 Jahren noch geben?
Iri Wolle: Ja, als Zusammenschluss von so genannten Bundeskontakt­ und Fördermittelantragsstellen.
Alligator: Wie treibt man Dich zur Verzweiflung?
Iri Wolle: Langweilige Vereinsversammlungen.
Alligator: Wie bringt man Dich zum lachen?
Iri Wolle: Mit ganz gewöhnlich komischen Alltagssituationen, auf die ich mitunter stoße, wenn ich ganz allein durch Berlin schlendere.
Alligator: Wann ist ein Tag für Dich ein schöner Tag gewesen?
Iri Wolle: Wenn ich das Gefühl habe, mein Leben im guten Sinne gestatten zu können, was leider nicht immer der Fall ist.
Alligator: Vielen Dank für das Interview!
Das Interview führte Oliver C. Pfannenstiel

Kurzprofil: Iri Wolle
Alter:
61 Jahre
Kinder: keine
Beruf: keinen
Hobbies: Lesen, Wandern, Radfahren
Lieblings-Reiseziel: Mitteleuropa
Lieblings-Pflanze: Klatschmohn
Lieblings-Tier: früher Pferd, heute Sumpfschildkröte
Lieblings-Essen: frische Salate mit Himbeerkompott als Nachspeise
Lieblings-Getränk: Tonicwasser
Lieblings-Musik: Jonny Cash
Lieblings-Film: weiß ich nicht mehr
Lieblings-Buch: Pan (Knut Hamsun)
Was magst Du nicht: bestimmte Arten von Versammlungen
Mitglied der GRÜNEN LIGA (GL) seit: etwa 10 Jahren
Bisherige Posten bei der GL: keine
Schönstes Erlebnis bei der GL: kann mich nicht erinnern
Fragwürdigstes Erlebnis bei der GL: Die offen zur Schau getragenen Gleichgültigkeit von vielen Mitgliedern der GL, wenn einzelne Mitglieder der GL sic brüskiert oder verletzt fühlen. Woraus ich schlussfolgere, dass die Mitgliedschaft in der GL nicht zugleich die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe bzw. zu einem "Netzwerk" beinhalten muss...
Kurzes Statement zur momentanen Situation des Umwelt- und Naturschutzes in der BRD: Die zunehmende Ökonomisierung der Umweltbewegung, die unter anderem auch durch die fast ausschließliche Fixierung auf bezahlte Projektarbeit zum Ausdruck kommt: Während eine institutionelle Förderung den Umwettverbänden nach wie vor autarkes Handeln ermöglicht, bedeutet die inzwischen weit verbreitete Projektförderung bekanntlich, dass staatliche und kommunale Aufgaben zunehmend an so genannte gemeinnützige Trägervereine delegiert werden. Auf diese Art und Weise entsteht eine immer stärker werdende Abhängigkeit von der öffentlichen Verwaltung. Sehr fragwürdig finde ich auch die ziemlich ungeniert betriebene Lobbyarbeit des NABU, die vor allem durch den so genannten "NABU-Salon" unter der Leitung von Leif Miller forciert wurde. Und nun lese ich in der Zeitung, dass sich der Bundesverband des NABU sogar für einen längeren Zeitraum von einer Mobilfunkfirma sponsern lässt...
Grüne Liga und Konzerne


Der Umwelttag 2005 in Berlin ... von Grüne Liga mit Telekom, Energiekonzernen bis hin zum Atomkonzern EnBW (Yello strom), Foto aus "AlLIGAtor", Zeitung der Grünen Liga

BUKO ... Attac für Linke?

Strategien der BUKO-Eliten

Aus Junge Welt, 17.5.2002 (S. 5), zitiert wird Thomas Seibert*
Das stellt sich manchem Beobachter die Frage: Was unterscheidet das BUKO- vom ATTAC-Netzwerk? Wollen beide nicht das gleiche? Schließlich gibt es sowohl hinsichtlich der Terminologie als auch der Organisationsstrutur - also der Betonung darauf, Teil einer außerparlamentarischen Bewegung zu sein - auf den ersten Blick viele Überraschungen.
Thomas Seibert, der der die Hilfsorganisation medico international in der BUKO vertritt, ist unterdessen nicht glücklich über die nun in der Presse zu findende Aufteilung in ein eher reformistisches Netzwerk aTTAC und die sozusagen linksradikale Variante BUKO. Es gehe nicht um Konkurrenz ... neben dem gemeinsamen Bemühen, rechte und nationalistische Tendenzen hier nicht partizipieren zu lassen, gebe es gegenwärtig zwei zentrale Linien. Dafür ständen ATTAC und BUKO. ... Außerdem sei auch bei ATTAC eine Tendenz zur Radikalisierung erkennbar. Ablesbar an der Bereitschaft, grundsätzliche Fragen zu stellen und nicht bloß zum Ratgeber auf dem Weg eines "Modernisierungprozesses" zu werden. ...
"Es gibt mit ATTAC die Übereinstimmung bei der organisatorischen Form - sprich der Netzwerkstruktur. Die ist BUKO und ATTAC gemeinsam."

*Seibert ist Funktionär bei medico, BUKO und ATTAC (gleiches gilt für die neue BUKO-Sprecherin Jutta Sundermann) - auch hier zeigt sich deutlich die Nähe.

Aus dem "Kurzprotokoll des BUKO-Ratschlages vom 1.-3.11.2002 in Verden*
ABP und EED** haben sich Bewilligung des diesjährigen Jahresantrages der BUKO mit scharfer Kritik an den SprecherInnenrat und schriftlich an den Ratschlag gewandt. Stein des Anstosses sind die Anzeige mit Aufruf zum Rio-Boykott sowie das Lobbyismus-Positionspapier. ... Der Ratschlag bezieht folgendermaßen Stellung: ... Andreas und Jutta nehmen sich des Lobbyismus-Testes an: offenere Formulierungen, kürzen.
*Verden ist wesentlicher Dreh- und Angelpunkt moderner NGOs (Attac, X-tausendmalquer und die PR-Arbeit der Friedensbewegung hatten oder haben hier ihren Mittelpunkt ... gemacht von Profis der Medienarbeit, die die Basiszusammenhänge benutzen, um eigene Image- und Pressearbeit zu betreiben. Mit ihren Inhalten, im Namen aller).
** Finanzierungseinrichtungen der evangelischen Kirche, von denen der BUKO schon lange abhängig ist.

BUKO- und medico-international-Funktionär Thomas Seibert auf dem Vorbereitungstreffen zum Sozialforum in Deutschland am 17.7.2004 in Frankfurt
Der BUKO ist der Dachverband aller undogmatischen linksradikalen Gruppen in Deutschland.

BUKO distanziert sich von direkter Aktion

Während des BUKO 2004 in Kassel wurde als Aktion für Umsonstökonomie ein H&M-Geschäft geplündert und die Kleidung in der FußgängerInnenzone verteilt. Die Aktion fand erhebliche Beachtung. Auch BUKO-Eliten warben zunächst damit - immer mit feiner Nase für Verbandsvorteile. Etwas später gab es wohl Ärger ... ob sie GeldgeberInnen (der BUKO ist finanziell vollständig von der Evangelischen Kirche abhängig) oder andere nicht verprellen wollten oder das Denken der Eliten doch Attac-näher ist als sie immer zugeben wollten, jedenfalls erschien schließlich das folgende:

Erklärung des SprecherInnenrats der BUKO zu den Vorkommnissen in der H&M-Filiale während des BUKO 27
Die BUKO zum BUKO 27 Kaufhausplünderung während des BUKO 27: Keine adäquate Solidaritätsbekundung mit den Kämpfen der Menschen und Gesellschaften im Süden.
Im Rahmen des diesjährigen BUKO Kongress in Kassel kam es am Aktionsnachmittag zu einem spontanen und ungeplanten Vorkommnis, bei dem in einem Kaufhaus der Kasseler Innenstadt Kleidungsstücke entwendet und an unbeteiligte Passant/innen verteilt wurden. Der Sprecher/innenrat der BUKO bedauert diesen Vorfall und hält diese Aktion sowohl in Form wie auch im Inhalt für falsch und nicht tragbar.
Angeregt durch Diskussionen mit verschiedenen Gruppen und Personen, darunter auch öffentlichen Geldgebern des BUKO 27, sehen wir uns veranlasst, offensiver als bisher unsere Ablehnung einer Aktion in der Kasseler Innenstadt am 22.5.04 zum Ausdruck zu bringen. Nicht zuletzt deswegen, weil die Aktion in der öffentlichen Wahrnehmung stark mit dem BUKO 27 und der Bundeskoordination Internationalismus (BUKO) als dessen Hauptveranstalterin identifiziert wurde.
In Zeiten, in denen Verteilungsspielräume verknappt werden, Armut steigt und individuelle Existenzsicherung bedroht ist, werden soziale Kämpfe zunehmend härter geführt. Dies ist ein globales Phänomen. Die Wahl der Mittel in sozialen Auseinandersetzungen hängt immer vom jeweiligen Kontext vor Ort ab. Eine Kaufhausplünderung heute in Argentinien ist etwas gänzlich anderes als eine in Kassel. Auch wenn man in mancher Hinsicht von einer "Drittweltisierung der Ersten Welt" sprechen kann, bleibt die Angemessenheit der Mittel in sozialen Protesten abhängig vom Akteur und dessen gesellschaftlicher Positionierung. Verteilungskämpfe sind eine Form der Kämpfe um Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum, eine andere Form ist die, die beim diesjährigen Kongress der Bundeskoordination Internationalismus (BUKO) in Kassel unter dem Begriff "Aneignung" diskutiert wurde.
Aneignung im hier diskutierten Sinn beschreibt nicht einfach ein "Nehmen-und-zwar-umsonst", vielmehr ist der Begriff "Aneignung" ein Vorschlag, wie man die gegenwärtige Situation und das Potential des Widerstandes in den Metropolen und der Peripherie aus einer bestimmten Perspektive heraus betrachten und beschreiben kann.
Aneignung wird gemeinhin diskutiert als Inwertsetzung immer weiterer gesellschaftlicher Bereiche - die Aneignung der Natur, genetischer Ressourcen, des Körpers, Beispiele, in denen bisher unerschlossene Bereiche dem Diktat des Profits unterworfen und kapitalisiert werden. Dagegen versuchten wir mit dem BUKO 27 einen Begriff der "Aneignung von unten" zu entwickeln. Eine "Aneignung von unten", die über eine rein defensive Verteidigung des Sozialstaates hinausreicht, die als offensiv gewendetes Projekt - auf die eigene Stärke bauend - Alternativen einer sozialen Aneignung der Welt diskutieren und ausprobieren will. Die schlichte Not der Einen vereint sich mit dem Anliegen Anderer, transparent zu machen, dass die Zumutungen der neoliberalen Politiken kein Sachzwang und nicht alternativlos sind.
Die Diskussionen um Alternativen zwischen Nord und Süd sowie innerhalb der hiesigen Linken voranzutreiben ist hier ein wichtiges Anliegen. Dabei gibt es verschiedene Ansätze und auch Trennlinien. Widerstand gegen die Inwertsetzung genetischer Ressourcen beispielsweise verlangt andere und neue Formen des Protests. "Aneignung" ist ein Arbeitstitel, der unterschiedlichste Menschen mit entsprechenden Formen des Widerstandes zusammen in die Diskussion und so in einen Suchprozess nach gesellschaftlichen Alternativen bringen soll.
Beim Kongress BUKO 27 im Mai diesen Jahres sollte im Rahmen eines Aktionstages versucht werden, das Kongressthema "Aneignung" vor Ort zu kommunizieren und der Bevölkerung näher zu bringen. Eine Aussaat-Aktion der BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie oder das Straßentheater der BUKO Pharmakampagne sind Beispiele gelungener Vermittlung durch öffentliche Aktion. Der Aktionsnachmittag war ein Experiment, das von den Teilnehmer/innen positiv aufgenommen und von verschiedenen Gruppen genutzt wurde.
Gleichwohl stieß das Konzept an seine Grenzen. Spontan hatte sich eine Gruppe zusammengefunden und in einem Kaufhaus der Kasseler Innenstadt Kleidungsstücke entwendet und an Passant/innen verteilt. Im Gegensatz zu den anderen Aktionen war diese nicht mit der BUKO abgesprochen. Die Aktion wurde dann während des Kongresses unterschiedlich bewertet und kontrovers diskutiert. Während sich in Publikationen und Artikeln vielfach positiv auf die Aktion bezogen wurde, gab es viele kritische Stimmen: Plünderungsaktionen seien in diesem Kontext nicht hinnehmbar, so die Einen; Andere betonten, dass das Thema Aneignung auf eine solche Weise nicht vermittelbar sei und der Aktion ein vereinfachter Begriff von Aneignung zu Grunde läge; wieder Andere kritisierten die Gefährdung von Flüchtlingen, die am Kongress teilnahmen, oder die Gefährdung der BUKO als Veranstalterin, die in der Öffentlichkeit mit dieser Aktion identifiziert werden würde.
Auch innerhalb der BUKO-Strukturen kam es zu unterschiedlichen Bewertungen. Die BUKO versäumte es in dieser Situation, mit einer eindeutigen Stellungnahme in die Öffentlichkeit zu gehen. Der Sprecher/innenrat hält die Aktion sowohl in Form als auch im Inhalt für falsch und nicht tragbar.
Dabei beziehen wir uns auf die schon oben erwähnte Kritik. Wir hätten uns gewünscht, durch symbolische Aktionen eine Brücke zu schlagen zu der Frage nach sozialen Rechten und Ausschluss von der Teilhabe an gesellschaftlichem Reichtum. Die genannte Aktion sprengte diesen symbolischen Rahmen. Darüber hinaus betonen wir, dass sich Debatten und Aktionen innerhalb der BUKO und auf ihren Kongressen daran zu messen haben, ob sie einen Bezug zu den Lebensbedingungen und Kämpfen der Menschen und Gesellschaften im Süden herstellen. Linker Aktivismus, der den Ausschluss von gesellschaftlichem Reichtum kommunizieren möchte, kann sich zudem nicht auf einen Robin Hood-Gestus berufen, wenn er nicht an eine soziale Bewegung anknüpft, mit der er gemeinsam auch die Mittel seines Protestes reflektiert.
Der Sprecher/innenrat will mit dieser Positionierung nicht die Kongressteilnehmer/innen in Befürworter/innen und Kritiker/innen der Aktion sortieren, sondern dazu beitragen, dass Aktionsformen als Teil des politischen Inhaltes, den sie transportieren, reflektiert werden, um solcherlei Kurzschlüsse zukünftig zu vermeiden.
Der SprecherInnenrat der BUKO, Hamburg, 27.10.04

Im Original: Debatte darum ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Mailing und Antworten auf der Liste "Hoppetosse - Netzwerk für kreativen Widerstand"
diese aussage und die "struktur" (ich halte mich hier im sprachgebrauch zur ück!) der buko führten bei mir dazu >>> löschung aller links zur buko und ablehnung derselbigen als gesellschafts kritische gruppe!!!
Die buko ist ......... (ich halte mich hier im sprachgebrauch zurück!!!) ......... und zum schluss sprechen diese aussagen der buko-funktionäre ( kotz) für sich.

ürde empfehlen: mal locker bleiben. welcheR einerseits kohle für
politische aktionen haben will muss sich andererseits - gerade um dieses zu erhalten - unter den herrschenden bedingungen verbal eben manchmal etwas verwinden. und da finde ich die erklärung des sprecherInnenkreises durchaus gelungen.

ich finde diese Position (also ich meine Deine), naja, ich will mich mal vorsichtig ausdrücken, "unpolitisch". Sie geht davon aus, dass so ein Papier einfach nur der Absicherung nach außen dient und sonst keinen Effekt hat. Das erwarte ich aber nicht. Es gibt ständig solcherlei Erklärungen, z.B. gegen Illegales, gegen Militantes - und immer geht es denen, die sowas machen, um Geld, Renomee, Zugang zu Elitenkreisen usw. Meist meinen sie es nicht so. Aber: Sie prägen erstens den Diskurs der Ausgrenzung des "Bösen" und zweitens liefern sie denen die Munition, die solche Positionen ernst meinen. Das einzuberechnen und zu reflektieren, würde ich von TurbostrategInnen vom Schlage des Buko schon erwarten. Ihre Aussagen werden bei passender Gelegenheit benutzt werden - und daher sind sie mehr als Taktik. Und daher finde ich persönlich es auch wichtig, den BUKisten deutlich zu machen, dass es eine Widerlichkeit ist, dass da immer irgendwelche Eliten irgendwelche Aktionen kommentieren müssen. "Wir haben mit der Aktion nichts zu tun" wäre taktisch sinnvoller gewesen, weil den Arschlöchern dieser Nation damit keine Steilvorlage gegeben wird. Es ist eine lange Serie solcher Vorgänge, die ich kenne. ständig müssen Greenpeace, Attac & Co. zu irgendwas schnattern, wo sie einfach sagen können, dass es mit ihnen nichts zu tun hat.
Hinzukommt noch, dass BUKO-Leute auch schon mit der Aktion für ihren Verband geworben haben. Das ist natürlich doppelt infam - immer das Beste für sich rausholen. Wenn etwas gut wirkt, für sich den Ruhm zocken und es instrumentalisieren. Wenns es schlecht kommt, sich distanzieren und die AkteurInnen in den Dreck treten. Modernes Verbandsmanagement halt.
Abschrift Meckerecke BUKO25

Wird die Bundeskoordination Internationalismus zum Attac für Linke? Impressionen vom 25. BUKO in Frankfurt ...

Aus einem Auswertungstext
Wir sollten die Gefahr von Macht, Hierarchie und Konsum zwar wohl im Auge haben, aber nicht zu hoch hängen.

Im Original: Bericht auf der Hoppetosse-Mailingliste ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Unglaublich, ich faß es nicht ... (oder doch, war ja eigentlich klar ...)
Da habe ich mit meinen teilweise die übliche Verwunderung („ach der Bergstedt ...“) hervorrufenden Kritiken am BUKO wohl sehr genau ins Schwarze getroffen.  Am 17. Mai nämlich erscheint ein Text in der Jungen Welt, in der mit Zitaten von Thomas Seibert geschildert wird, was der Unterschied zwischen BUKO und attac ist.
Ich hatte ja schon während der Vorbereitung des BUKO den Eindruck gehabt, hier wird ganz klar attac kopiert - und zwar für den Bereich der Gruppen, die attac wegen der peinlichen inhaltlichen Positionen nicht erreicht. Auf dem Kongreß wurde das offensichtlich:
  • überall das neue BUKO-Logo
  • ständiges Gerede vom neuen Organisationsansatz, der Offenheit usw.
  • Top-ReferentInnen statt Organisierungsdebatte
  • und in den neuen Vorstand für diesen Neustart dann die Frau gewählt, die auch in den ersten Monaten von Attac die Macherin und Harmonisiererin war. Und schon auf den Podien des BUKO war Attac am besten vertreten.
Der Junge Welt-Text beseitigt die letzten Zweifel an der neuen Strategie.  Hatten wir uns bislang aufgeregt, daß Attac sich selbst als Mittelpunkt der Bewegung bezeichnet, so ist die Lesart nun neu: „Insgesamt sei die globalisierungskritische Bewegung im Augenblick ein extrem diffuses Bündnis.  Und neben dem gemeinsamen Bemühen, rechte Tendenzen rauszuhalten und nationalistische Gruppen hier nicht partizipieren zu lassen, gebe es gegenwärtig zwei zentrale Linien. Dafür ständen ATTAC und BUKO.“
Noch Fragen? Auf dem Kongreß wurde auch sichtbar, daß ATTAC- und BUKO-Leute sich glänzend verstehen trotz aller Kritik aneinander, die zur Show immer vorgetragen wird, damit sich die Menschen leichter einfangen lassen für eines von beidem. Doch Seiberts Position wird in der Jungen Welt sehr attac-freundlich: „... sei auch bei ATTAC eine Tendenz zur Radikalisierung erkennbar. Ablesbar an der Bereitschaft, grundsätzliche Frage zu stellen nd nicht zum Ratgeber auf dem Weg eines „Modernisierungsprozesses“ zu werden.“ Und dann wörtlich: „Es gibt mit ATTAC die Übereinstimmung bei der organisatorischen Form - sprich der Netzwerkstruktur.“ Auf dem Kongreß der BUKO wurde auch ein Motto kreiert für den Abschluß: „Eine andere Globalisierung ist möglich!“ Der Unterschied zu ATTAC ist überdeutlich ...
Warum ich das schreibe: Weil ich das für wichtig halte. Die Politik der BUKO wird erneut ziemlich gefährlich sein. Die positive Einstellung, sich organisierung zu lassen, bei vielen Menschen, die ich noch vor wenigen Monaten als VerfechterInnen von Selbstorganisierung kannte, hat bei mir alle Alarmglocken gesetzt. Wie damit umzugehen ist, ist unklar. Die BUKO wird versuchen, massiv Gruppen aufzusaugen, die uns inhaltlich deutlich näher stehen. Herrschaftskritik? Ja super, das haben wir auch, macht doch bei uns mit ... blabla. Kaum jemandem wird auffallen, daß die Spannung zwischen BUKO und Attac viel Schau ist und viele DoppelfunktionärInnen sind. Die Idee von „Organisierung von unten“ ist schon das Gegenstück zu beidem - was auch immer ich mit dieser Überzeugung anfangen. Denn 1000-Leute-Prozesse, mehr Geld und Hauptamtliche bieten eine bequemere Politnische als die Selbstorganisierung ...  und nicht jedeR/S kann soviel Freude selbst dann aus der Aktion ziehen wie einE Felidäe, die einsam den PinkSilver-Block in Stuttgart darstellt ... ;-)
Pressestimmen zum BUKO

Aus Junge Welt, 13.5.2002 (S. 4)
In der Abschlußerklärung "Eine andere Globalisierung ist möglich" wurde zur Internationalisierung des antikapitalistschen Widerstands aufgerufen. Nicht nur durch diese vermeintlich kreative Parole sahen sich einige Kongreßteilnehmer bestätigt, die im BUKO zunehmend die Tendenz eines ATTAC-Plagiats sehen.

Thomas Seibert

Der ist nicht nur beim BUKO, sondern tritt als medico, Interventionistische Linke oder Fantomas auf - vor allem aber immer mal wieder als selbstinszenierter Vordenker radikaler Linker. Für die definiert er dann, was sie denkt.

Eine ständig wiederkehrende Leier ist Seiberts Behauptung, "die Linke" (von ihm immer als Einheit mit seiner Definitionsgewalt über Geschichte und Orientierung) hätte Anfang der 90er Jahre eine Schwächephase gehabt. Als Beispiel sei ein Aus seinem Text "Organisation und soziale Bewegung" im Buch von Engelke/Klein/Wilk, "Soziale Bewegungen im globalisierten Kapitalismus" (Trotzdem-Verlag) zitiert:
Für die Neoliberalen Ideologen markierte der Zusammenbruch des staatsso­zialistischen Blocks im globalen Triumph der westlichen Demokratie und der Freiheit des Welthandels das "Ende der Geschichte". Für eine gewisse Zeit schien einiges für diese Annahme zu sprechen. In atemberaubender Geschwindigkeit zersetzten sich sämtliche politischen Formationen, die für sich in Anspruch ge­nommen hatten, das Prozessieren des Kapitals regulieren oder gar brechen zu wollen. Dies gilt nicht allein für die realen "Sozialismen", sondern auch für die Parteien und Gewerkschaften der europäischen Sozialdemokratie, für die aus den antikolonialen Kämpfen hervorgegangenen Entwicklungsstaaten, zuletzt auch für die "neuen sozialen Bewegungen" der Metropolen und die ihnen ver­bundene "neue Linke". Sie alle werden mit dem Anbruch der neunziger Jahre entweder für die neoliberale Transformation des kapitalistischen Weltsystems funktionalisiert oder bis zur vollständigen politischen Bedeutungslosigkeit marginalisiert. Dass dabei auch Machtapparate beseitigt wurden, die jahrzehn­telang soziale Revolten rekuperiert oder kanalisiert hatten, ging im Lärm ei­nes "antimarxistischen Konzerts" (Derrida) unter, das die Wahrnehmung der "Restlinken" ähnlich paralysierte wie das weiße Rauschen eines leerlaufenden TV die eines trunkenen Schläfers im Fernsehsessel.
Da mögen sich viele wundern, denn soziale Bewegung ist keine Einheit (auch wenn selbige durch Typen wie Seibert immer wieder inszeniert wird - sie entsteht aber wie Volk und Nation nur durch das Reden über sie und in ihrem Namen). So gibt es breite Kreise sozialer Bewegung, für die die 90er Jahre eher eine Hochphase waren. Genannt sei die Jugendumweltbewegung als letzte große politische Jugendbewegung der Republik. Aber was interessierts die Großkopferten, die ohnehin gewöhnt sind, die Realität durch ihre Reden und Texte zu erschaffen ...

Blicke in die Praxis der sog. RadikaldemokratInnen ... zentralistisch und hierarchisch!

Kritik an Dominanzpolitik der JungdemokratInnen/Junge Linke (JD/JL) und eine Mail dazu aus der Hoppetosse-Mailingliste:
Bestätigen kann ich die Vorgänge von Giessen (wobei es da noch vielmehr gibt ... die JD/JLerInnen im ASTA sind durchaus seit Jahren (und immer wieder zusammen mit ihren Partnerorganisationen Jusos und Junge Grüne - die sind recht ähnlich drauf) eine Gruppe, die Selbstorganisation nicht mögen und externe Gruppen deshalb stark rausblocken, Autonomie abschaffen usw.
Ebenfalls bestätigen kann ich, dass seit Jahren die zentralistischen Organisationen, die so ASTA-Strukturen organisiert für sich erobern, gegen die von bunten Gruppen getragenen ASTAs (vor allem kleinerer Unis) anstinken. Dabei paktieren die zentralistischen Organisationen (halt vor allem immer JD/JL, Jusos, Junge Gruene) auch mit externe einflussreichen Strukturen, z.B. GEW. Die zentralistische Linke ist hier immer wieder der Hauptfeind selbstorganisierter Strömungen. Der Kampf tobte jahrelang um den fzs, den Dachverband der ASTAs.  Als die zentralistischen Verbände dort jetzt das Ruder übernahmen, haben sie nicht nur das sehr stark in den Globalisierungskämpfen engagierte Internationale Referat (war leider immer recht kungelig mit ausgewählten autonomen Zusammenhängen, aber immerhin) gefeuert, sondern auch z.B. die Ö-Punkte aus ihren Verteilern rausgeworfen ... die wuerden jetzt, wenn es sie noch gäbe, nicht mehr an die ASTAs verteilt. Eine durchaus uebliche Politik der zentralistischen Organisationen, nur noch ihren Kram zuzulassen. Ist ja alles demokratisch entschieden ... ;-)
Insgesamt also quasi die selbsternannt-radikaldemokratische Variante des Linksruck-Zentralismus-Modells (DemRadZent?) ... will heissen: Viel von Demokratie reden und viel Zentralismus machen.
Spannend finde ich die Debatte auch angesichts den Diskussionen um Freie Menschen in Freien Vereinbarungen hier, da ja doch hier recht deutlich ist, was radikaldemokratisch bedeutet, wenn Herrschaft bestehen bleibt - die Liquidierung autonomer Strukturen.

Weitere Infos:

Text in der Gießener AStA-Zeitung SoSo 2002 zur Arbeit des Hochschulreferates, der Autor und HoPo-Referent stammt von den JungdemokratInnen/Junge Linke (S. 3)
Bündnisarbeit
... Der AStA wird insbesondere die bestehende Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften ausbauen ... Der AStA wird darüber hinaus auch mit Gruppen aus dem globalisierungskritischen Spektrum zusammenarbeiten. Hier wird die Zusammenarbeit mit attac (deutsche Übersetzung:: Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen im Interesse der Menschen) im Mittelpunkt stehen. Attac ist ein weltweites Netzwerk, in dem ein breites gesellschaftliches Bündnis die komplexen Zusammenhänge der Globalisierungsthematik einer breiten Öffentlichkeit vermittelt, Probleme aufzeigt und Alternativen zu den „entfesselten Kräften der neoliberalen Globalisierung“ entwickelt werden. ...
Innerhalb der Attac-Regionalgruppe Gießen wurde der Arbeitskreis-Bildung ... gegründet ...

Radikaldemokratie: Herrschaftsfrei ja, aber bitte mit Herrschaft!

Kommentiere Passagen aus der Selbstdarstellung der JungdemokratInnen/Junge Linke
Zwar wird die Herrschaftsfreiheit gewollt ...
JungdemokratInnen/Junge Linke streben eine Gesellschaft ohne Herrschaft des Menschen über den Menschen, eine Assoziation von frei Assoziierten, an. Herrschafts- und Machtverhältnisse hindern einzelne und Gruppen an der Verwirklichung ihrer Freiheit. Es geht nicht nur um die Beseitigung offen zu tage tretender Herrschaftsverhältnisse, sondern auch von struktureller Gewalt.
... aber bitte nicht so schnell:
Solange Herrschaft in einer Gesellschaft notwendig erscheint, muß sie zumindest radikaldemokratisch legitimiert und kontrolliert sein.
Und eigentlich soll es sogar besser mehr Demokratie als weniger Herrschaft geben:
In der BRD sind entscheidende gesellschaftliche Bereiche demokratischer Kontrolle und der Mitbestimmung der Betroffenen entzogen (z.B. die Wirtschaft, die Medien) oder autoritär organisiert (z.B. Schule, Familie, Armee, Polizei). JungdemokratInnen/Junge Linke treten füre eine radikale Demokratisierung aller Lebensbereiche ein. Institutionen, die nicht demokratisierbar sind (z.B. die Armee und die Familie), gehören abgeschafft. Voraussetzung für die radikale Demokratisierung der Gesellschaft ist die Ermöglichung einer demokratischen Meinungsbildung durch demokratisierte Medien.

Dafür sind die "Instrumente" auch schon vorgedacht:
Formale Instrumente für eine radikaldemokratische Organisierung sind für uns: Endscheidungskompetenzen von oben nach unten verlagern, in erster Linie sollen die direkt Betroffenen entscheiden, niedrige Entscheidungshirarchie, Strukturierung von unten nach oben, Verhältniswahlrecht, Minderheitenschutz, Räteprinzip, Pflichtrotation, Imperatives Mandat und jederzeit mögliche Abwahl/Mißtrauensvotum der Delegierten durch das sie wählende Gremium, Rechenschaftspflicht und Volksabstimmung über alle wesentlichen Entscheidungen.
Und nochmal derselbe Widerspruch (gegen Herrschaft, aber für Kontrolle und kollektive Entscheidungsfindung) in Fragen der Produktion:
Die Produktion ist eine gesellschaftliche Angelegenheit und gehört in den Bereich öffentlicher Regelung. Dies ist mit privatem Eigentum an Produktionsmitteln unvereinbar. Die Vergesellschaftung der Produktionsmittel bedeutet deren Überführung in Gemeineigentum, um Diskussion und Entscheidungsfindung über Produktionsziele auf demokratischem Weg zu ermöglichen. Die Bedürfnisse der Bevölkerung, nicht das Profitstreben, müssen zum Maßstab der Ökonomie werden.
Da die Bedürfnisse der Bevölkerung nicht administrativ feststellbar sind (z.B. durch eine Elite aus WissenschaftlerInnen und Kadern), müssen sie Gegenstand ständiger öffentlicher Diskussion und Entscheidungsfindung sein. ...

Zum Parlamentarismus ebenso zweideutig:
JungdemokratInnen/Junge Linke haben ein kritisches Verhältnis zum Parlamentarismus. Wir halten den Parlamentarismus für eine wichtige demokratische Errungenschaft. Allerdings sehen wir - im Gegensatz zur Ideologie der Herrschenden - keine Möglichkeit für tiefgreifende politische Veränderungen allein über Parlamente.
Nochmal: Eigentlich sind die Parteien ja doof, aber wir machen da trotzdem mit:
Bündnis 90/Die Grünen haben ihren Abschied von ihrem Verständnis als verlängerter Arm außerparlamentarischer Bewegung mit ihrem Eintritt in die Bundesregierung 1998 endgültig aufgegeben. Als Regierungspartei haben sie eine Politik mitzuverantworten, die den Zielen der JungdemokratInnen/Jungen Linken diametral entgegenstehen, wie sich an allen Politikfeldern herunterdeklinieren ließe. Die Grünen sind geradezu zum Sinnbild für die ungeheuerliche Integrationsfähigkeit dieses Systems geworden. Eine solidarische Zusammenarbeit erscheint nur noch mit einzelnen Abgeordneten sinnvoll.
Auch in der PDS scheinen jene Kräfte stärker zu werden, die an einer Überwindung des Kapitalismus kein ernsthaftes Interesse haben.
Die JungdemokratInnen/Jungen Linke NRW betrachten die Grünen im Landtag NRW als ihren parlamentarischen Ansprechpartner, wie dies die Landesdelegiertenkonferenz 1988 beschlossen hat.
Im Dezember 1993 hat der Bundeshauptausschuß der Jungdemokraten/Junge Linke nach Bündnis 90/Die Grünen auch die PDS als gleichberechtigte parlamentarische Ansprechpartnerin im Bundestag anerkannt.

2005 im Höhenflug der sog. Linkspartei unter dem Populisten Lafontaine versuchten JD/JL dann den Aufbau eines Einheits-Linkspartei-Jugendverbandes (deren Seite: www.eskommtdiezeit.de, Kritik auf der Kritikseite zur Linkspartei, besonders zu Stellvertretung).

JD/JL pro Attac, NGOs, Lobbypolitik - gegen Radikalität

Aus Knud Vöcking, "Über die Arbeit der NGOs" in "Schlagloch" (Zeitung der JD/JL in NRW, S. 7)
A33 ... Wendland ... Der Widerstand läßt sich dort trotz massiven Drecks der Staatsgewalt nicht auseinander dividieren.
Ex-Grüne und linke Sozialdemokratien ... attac im Schnellschuss Themen besetzt, und so die Seriosität der Arbeit gefährdet. ...
Mal abgesehen davon, dass es den Betroffenen z.B. in Indien herzlich wenig Unterstützung gibt, wenn hier radikal kritische Grundsatztexte verfasst werden, ist die Funktion der NGOs eher die des Sandes im Getriebe des Kapitalismus. Wenn der Motor der Ausbeutung stottert, weil kleine Organisationen durch vielfältige Aktionen die ganzen Schweinereien an die Öffentlichkeit bringen, dann ist das genau so wichtig, wie jede Großdemo in Genua, Prag oder sonstwo.

Ex-JD/JL-Kader und die Linkspartei

Wo immer sich etwas Neues mit gesellschaftlichem Einfluß tut - JD/JL ist dabei und ringt um Pöstchen und Pründe. In der neuen Linkspartei.PDS haben sie einige Posten inne. Eine Teilgruppe mit reichlich bekannten "ExpertInnen" auf dem Gebiet von Unterwanderung und Steuerung von oben mischen auch auf Jugendebene mit - aus JD/JL, Solid und anderen soll ein Einheits-linker-Jugendverband entstehen. Mit Katja Kipping hat die Truppe schon eine stellvertretende Bundesvorsitzende der Linkspartei am Start. Und auch die Eröffnungsrednerin, getarnt als "neue Mitglied", die symbolisch ausgewählt wurde, des PDS-Umbenennungsparteitages im Juli 2005 kam "zufällig" aus dieser Runde. Herzliches Beileid den AktionistInnen, die für diese Einheits- und Filzpolitik benutzt werden (wobei: mensch kann sich wehren und auch überhaupt selbst zentralistische Strukturen abbauen, das macht es auch für UnterwandererInnen unattraktiv ...).

Politische Äußerungen der JungdemokratInnen/Junge Linke

Zur Tobin Tax (Seiten zur Tobin Tax)
Aus Felix Stumpf, "Wunderwaffe Tobin-Steuer?" in: tendenz, Frühjahr 2002 (S. 6)
Die Tobin-Steuer allein ist sicherlich noch kein Grund zur Schwärmerei und es bedarf eines ganzen Netzes von Regularien, um die internationalen Märkte in den Griff zu bekommen ... Aber die Tobin-Steuer ist mehr als nur ein symbolischer Punkt, um den Anspruch zu erheben, Wirtschaft international zu regulieren.

Zum Internationalen Staatsgerichtshof (Seiten zum Staatsgerichtshof usw.)
Aus Florian Rödl&Jörg Schindler, "Von Nürnberg nach Den Haag?" in: tendenz, Frühjahr 2002 (S. 6)
... bietet allein die Institutionalisierung einer formell autonomen Gerichtsbarkeit überhaupt erst das Potential, das internationale Recht von den sozio-ökonomischen Machtverhältnissen zu emanzipieren. Eine radikaldemokratische Position muss generell für Formen und Verfahren  eintreten, die die internationalen Rechtsinstitutionen wie den Gerichtshof nicht unmittelbar diesen Verhältnissen unterwerfen. Diese Ambivalenz - die Verteidigung internationalen Rechts gegen den Naturzustand bei radikaler Kritik seiner herrschaftlichen Anwendung bis hin zu seiner direkten Instrumentalisierung durch die militärisch und ökonomisch Mächtigen - muss in dieser Frage deutlich werden.

Zur Schule
Überschrift bei Kolja Möller, "Die radikaldemokratische Schule braucht die Schulpflicht" (mit Gegenposition im gleichen Heft) in: radZ - Beilage zur tendenz, Frühjahr 2002 (S. 2)
Die radikaldemokratische Schule braucht die Schulpflicht. Bloße Zwanglosigkeit ist noch lange keine linke Forderung

Eliten in Studierenden und SchülerInnenvertretungen

Viele Jahre in den 90ern kämpften die großen politischen Jugendverbände wie Jusos, JD/JL usw. für die Abschaffung paritätischer Stimmrechte im bundesweiten Dachverband der ASTen und Studierendenvertretungen. Die großen West-ASTA-Strukturen sollten das Sagen haben. In ihnen dominieren JD/JL (z.B. unter dem Namen DL), Jusos, Junge Grüne & Co. Schließlich kam es auch so und seitdem ist der fzs das, was von JD/JL, Jusos usw. dominierte Vertretungen immer sind: Anbiederungs- und Karriereschulen.
Beispiele:

Nabu (Naturschutzbund)

Drückerkolonnen unterwegs
Aus der Gießener Allgemeine am 24.9.2007 (Internet)
NABU: Innerhalb acht Wochen insgesamt 1000 Neumitglieder
Gießen/Fernwald – Im Vereinsheim des Naturschutzbundes an der »Busecker Lück« bei Steinbach nahm der NABU-Kreisverband am Samstag das 1000. Neumitglied auf; ein Resultat der zurzeit laufenden Werbeaktion. Eine für den Kreisverband und dessen Ortsvereine sehr erfreuliche Tatsache sei dies, so Karl Herrmann, der stellvertretende Kreisvorsitzende sowie Koordinator und Betreuer der Werbekolonne der Firma Wesser. Das »runde« Neumitglied ist Andreas Habermehl aus Steinbach, der mit Ehefrau Beate sowie den Kindern Hannah und Felix die Glückwünsche entgegennahm von Herrmann und der örtlichen Vorsitzenden Luise Klee. Seit acht Wochen sind Studenten – beauftragt vom Naturschutzbund Hessen, erkennbar gekleidet und mit Ausweisen versehen – in Stadt und Kreis Gießen unterwegs. »Da sind keine Drücker-Kolonnen unterwegs, sondern junge Leute, die von ihrer Aufgabe überzeugt sind und sich freuen, neue Mitglieder für den Naturschutzbund zu gewinnen, der in Deutschland zurzeit 400 000 Mitglieder zählt«, hieß es. Ein starker Verband könne gute Arbeit leisten und Interessen glaubhaft und nachdrücklich vertreten. Noch bis Ende dieser Woche sind die Werber unterwegs.

Greenpeace


Taten statt Worte ... der alte Greenpeace-Spruch im Update: Überweisungsscheine ausfüllen!


Angeben mit der eigenen Hierarchie: Werbung mit einen "Hauptquartier"  (Quelle: Greenpeace-Werbebrief Dez. 2007)

Etliche Texte und Zitate sind mit, andere ohne Namen - das liegt zum einen daran, wie wir die Texte bekommen haben, zum anderen können die, deren Texte hier abgedruckt sind, auch selbst bestimmen ... Mail mit Begründung genügt und der Name wird, wenn das Argument überzeugt, gestrichen bzw. hinzugefügt.

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