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Nachhaltigkeit wirtschaften: Profit auf Dauer

Was ist Nachhaltigkeit? ++ Moral verkaufbar machen ++ Kritik ++ Links

Heiteres Zitateraten: Aus welchem Dokument stammen diese Zitate?
Zu Atomkraft: "Die Staaten sollen, ... c) eine sichere Zwischenlagerung, Beförderung und Endlagerung radioaktiver Abfälle ... in allen Ländern, insbesondere aber in den Entwicklungsländern, durch Erleichterung der Transfer einschlägiger Technologien an diese Länder und/oder durch Rückgabe der Strahlungsquellen an den Lieferanten nach beendetem Gebrauch ... fördern"

Zur Gentechnik: "Als innovativer, wissensintensiver Forschungsbereich bietet sie eine Vielzahl nützlicher Verfahrenstechnologien für vom Menschen vorgenommene Veränderungen der DNS (Erbgut), oder des genetischen Materials in Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen, deren Ergebnis überaus nützliche Produkte und Technologien sind".

Zu Welthandel: "2.37 ... wichtigstes Ziel wäre die Vereinfachung oder Beseitigung der Beschränkungen, Vorschriften und Formalitäten, welche in vielen Entwicklungsländern die Gründung und Führung von Unternehmen erschweren, verteuern und verzögern ..."

Zu "indigenen Bevölkerungsgruppen": "Ihre Fähigkeit zur uneingeschränkten Mitwirkung an einem auf eine nachhaltige Entwicklung ausgerichteten Umgang mit ihrem Land hat sich aufgrund wirtschaftlicher, sozialer und historischer Faktoren bisher als begrenzt erwiesen."
(Lösung unten auf der Seite)

Die Idee der Nachhaltigkeit wurde in den 90er Jahren mit erheblichem, propagandistischem Aufwand verbreitet. Ausgangspunkt war nach dem Brundtlandreport, der die globalen Umweltdebatten mit diesem Begriff speiste, die Weltumweltkonferenz in Rio. Obwohl sich deren Abschlusspapier "Agenda 21" als neoliberales Kampfpapier zeigt und viele nach dem Abschluss 1992 von einem Fehlschlag sprachen, setzte sich Mitte der 90er Jahre eine veränderte Betrachtungsweise durch. Zwar blieb es dasselbe Ereignis, aber - gefüttert mit staatlichen Fördergeldern - plötzlich wurde aus dem Fehlschlag ein Hoffnungszeichen. Immer häufiger wurde der "Geist von Rio" beschworen, alle zehn Jahre findet seitdem Nachfolgekonferenzen statt, die in der Tat ihrem Vorbild gleichen: Es kommt nichts Sinnvolles heraus. Die Nachhaltigkeit ist jedoch davon unabhängig zur zentralen Denkfigur der Umweltdebatte geworden.

Was ist Nachhaltigkeit?

Der international gebräuchliche ist englischsprachig und lautet "sustainable development". Die Übersetzung ins Deutsche mit Nachhaltigkeit ist breeig. Wörtlich übersetzt hieße es: Aushaltbare, dauerhafte Entwicklung. Das klingt nach dem, was es auch iste: Ein "Weiter so". Im Unterschied zum Raubbaukapitalismus ist also nur neu, dass die Vernutzung von Mensch und Umwelt so geschehen soll, dass sie auch auf Dauer gute Gewinne abwirft. Herrschaft, Ausbeutung und Unterdrückung sollen also fortan nicht mehr maximal, sondern optimal gestaltet sein. Optimal aber nicht für Mensch und Umwelt, sondern für deren (Aus-)Nutzung.

Aus: Hartwig Berger, "Die Welt ist keine Ware" in Stachelige Argumente, 5/1999 (S. 9)
Die Debatte um Nachhaltigkeit ist aus einer leicht begreiflichen Erkenntnis entstanden, die Bauern, Förster und Fischer im einfachen Satz zusammenfassen würden: Es darf nicht mehr geerntet werden als nachwächst. Etwas anspruchsvoller formuliert, können wir auch sagen: Ökologische Teilsysteme wie Gewässer, Landschaften oder Wälder und Gesamtsysteme wie die Meeresströmungen oder das Weltklima dürfen nicht so belastet werden, dass dadurch ihre Funktionen und ihre Funktionsfähigkeit geschwächt oder nachteilig verändert werden. Nachhaltig ist demnach ein Handeln, welches das Funktionieren der Natur als Ressourcenquelle, als Aufnahmemedium für Emissionen und als Lebensgrundlage für die Menschen nicht einschränkt.

Definition auf www.nachhaltigkeit.info, Auszüge:
Im 18. Jahrhundert wurde der Begriff der Nachhaltigkeit geprägt. Dort, wo es offensichtlich war, nämlich in der Forstwirtschaft. Schlage nur soviel Holz ein, wie der Wald verkraften kann! Soviel Holz, wie nachwachsen kann!
So, wie es vielen Wäldern im Mittelmeerraum ging, so kann es der industrialisierten Welt ergehen. Das jedenfalls war - auf einen kurzen Nenner gebracht - der Inhalt der Studie "Grenzen des Wachstums", die heute als eine der Ur-Studien zur Nachhaltigen Entwicklung gilt. Die Studie wurde von einem Team damals junger Wissenschaftlern im Auftrag der deutschen Volkswagen-Stiftung am MIT (Massachusetts Institute of Technologie in den U.S.A.) geschrieben. Dieser erste Bericht an den Club of Rome sagte einen katastrophalen Niedergang des Lebensstandards und der Weltbevölkerung voraus. Gründe dafür waren der ungebremste Raubbau am Kapital des Planeten und die Steigerung der Weltbevölkerung.
Das war letztlich die „Geburtsstunde“ der nachhaltigen Entwicklung, auch wenn sie diesen Namen erst später mit dem Brundtland-Report erhielt und hier noch als „dauerhafter Gleichgewichtszustand“ bezeichnet wird.

 

Interessant ist, dass die Idee der Nachhaltigkeit schon von der Definition her eher einen Rückschritt beschreibt bzw. selbst einleitet. Denn Soziales, Ökologie und Ökonomie gleichberechtigt zu behandeln, ist weniger als die Position davor. Da war noch klar, dass die Ökologie einen Vorrang gegenüber der Ökonomie haben muss. Die Wirtschaft muss zudem den Menschen dienen (und nicht gleichberechtigt daneben stehen). In der Zeitung "Umwelt" Nr. 7-8/2013 des Bundesumweltministeriums (CDU-geführt!), heißt es auf Seite 94: "Ein ökologisches Wohlfahrtsmodell fordert ein Primat der ökologischen Grenzen gegenüber Wachstumszielen." Das Nachhaltigkeitsgefasel unter anderem der Umweltverbände bleibt dahinter zurück.

An dieser Stelle ist aber wichtiger, dass das Konzept der Nachhaltigkeit mit keiner der genannten Logiken kapitalistischen Wirtschaftens bricht. Das Eigentum bleibt unangetastet, der Staat steht als potente Durchsetzungsstruktur jederzeit bereit - und auch das ewige Streben nach maximalem Profit wird nicht in Frage gestellt. Einzig die zeitliche Spreizung der Profiterzielung wird verändert. Nicht mehr möglichst schnell, sondern möglichst viel auf lange Zeit ist nun das Ziel. Das verändert einige Details der Nutzung von Mensch und Umwelt. Sie darf nicht so erfolgen, dass nach kurzer Maximalprofitzeit kein weiterer Profit zu erzielen ist, weil die Quellen des Profits zerstört wurden. Die grundsätzlichen Faktoren Eigentum, gewaltförmige Durchsetzung der Eigentumsrechte und Reichtumsunterschiede sowie hoher Druck zu ständiger Profitmaximierung bleiben bestehen. Um das an drastischen Beispielen zu verdeutlichen:

Nachhaltigkeit gut für die Wirtschaft

Aus Wolff, Stefan: "Nachhaltigkeit muss nicht öko sein", in: FR, 27.12.2010 (S. 16)
Der weit gefasste Begriff hat den Vorteil, dass Anleger nachhaltige Investments tätigen können, ohne ihre wirtschaftlichen Interessen aus dem Auge zu verlieren.

Auch 2003 noch ... Aus Adelheid Biesecker, "Ökologische und fministische Innovationsanforderungen und -impulse" in: Frank Bsirske, "Perspektiven!", VSA-Verlag Hamburg 2004 (S. 123)
Gutes Leben wird über Nachhaltigkeit gestaltet. Es benötigt somit ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit.

Aus Christoph Spehr, 1999: "Die Aliens sind unter uns", Siedler Verlag München (S. 18)
Der Gedanke ist ebenso einfach wie genial: Man gebe das Problem an die Menschen weiter. Die Erde ist gefährdet! Rettet sie! Nach den Spielregeln der Aliens, versteht sich. Mehr Technik und weniger Konsum; mehr Steuerung und weniger Freiräume; mehr Ärmelhochkrempeln und weniger Gemäkel; und alle müssen mittun. Werdet sparsamer, arbeitet mehr, verbraucht weniger - alles zum Wohle des Planeten.

Nachhaltig leben: Moral wird verkauft - für richtig viel Geld

Kritik der Nachhaltigkeitsdebatte

Aus: Hartwig Berger, "Die Welt ist keine Ware" in Stachelige Argumente, 5/1999
Ich fürchte, dass mit dem Leitbild der Nachhaltigkeit ein mächtiger politischer Selbstbetrug kaschiert wird. Die weiterhin umfassenden ökologischen Bedrohungen werden mit der Einleitung nachhaltiger Entwicklungen eben nicht beantwortet, die Radikalität der ökologischen Wirtschafts- und Gesellschaftskritik wird gerade nicht ernst genommen, ihre Ansprüche werden in einer Politik des "Weiter so", einer der unzureichenden Stückwerkreformen, abgewetzt.

Banner fuer BuchAus Christoph Spehr 1996: Die Öko-Falle) Zukunftsfähiges Deutschland versucht sich vor allem am Nachweis, daß eine ökologisch nachhaltige Umorientierung der BRD ohne größere Konflikte und grundsätzliche Einschnitte möglich ist. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie aufgrund einer Reihe methodischer Kniffe, eines sehr reduzierten Nachhaltigkeits-Begriffs und eines eher blauäugigen Vertrauens auf angeblich bereits wirksame Tendenzen in die richtige Richtung. ...
Am Rande wird erwähnt, daß gut zehn Prozent des Primärenergieverbrauchs (also direkte Nutzung für Maschinen, Heizung und Fortbewegung) auf das Konto "Kleinverbraucher und Militär" gehen. (Kleinverbraucher sind nicht die privaten Haushalte, die gehen extra.) Mehr ist nicht zu erfahren. ...
Die Studie ist daher als Beitrag zu einem Kapitalismus zu sehen, der mit einem verbesserten, nachhaltigeren Akkumulationsmodell vor allem sich selbst nachhaltiger macht: seine Herrschaft und seine Privilegien. Sie ist eine Blaupause für einen reformierten Öko-Kapitalismus, der zukunftsfähig ist: fit, schlank udn mit gutem Gewissen. ...
Die herrschende Nachhaltigkeits-Debatte suggeriert, daß die Verhältnisse keiner grundlegenden Veränderung bedürfen, um den Tanker wieder flott zu kriegen. Sie redet zwar von gewaltigen Anstrengungen, die nötig seien, um die ökologische Krise zu überwinden. Aber diese sollen komplett auf der Linie der bisherigen Entwicklungsstränge bleiben: technische Entwicklung; Strukturpolitik; internationale Abkommen; Steuerung des individuellen Verhaltens gemäß objektiven Notwendigkeiten; Formierung der Gesellschaft im Sinne einer nationalen Handlungsfähigkeit. Durch intelligente Technik und intelligente Politik soll dem bestehenden Kapitalismus ein überraschender Ausweg aus der ökologischen KReise gefunden werden. Die Anziehungskraft der Nachhaltigkeitsdebatte besteht in der Vermarktung dieser Idee eines raffinierten Coups: Alles nicht so schlimm gewesen. Donald Duck schafft es wieder einmal in der letzten Minute.

Vorwort und Andreas Missbach, Nachhaltige Entwicklung und Nord-Süd-Konflikt, in: Elmar Altvater u.a., 1997, Vernetzt und verstrickt, Westf. Dampfboot in Münster
"Charme eines Posie-Albums" - und folglich auch nur dessen politische Verbindlichkeit. (S. 22)
Der Brundtland-Bericht selbst enthält kein überzeugende Analyse und kein widerspruchsfreies Programm, sondern ist ein wissenschaftliches und politisches Konsensdokument. Gerade dessen Unschärfe und Widersprüchlichkeit waren entscheidend für seinen Erfolg. Der Bericht besitzt den Charme eines Posie-Albums: es finden sich unzählige gute Ratschläge jedwelcher Provinienz. ... Jenseits von Worthülsen aber hören die Gemeinsamkeiten auf: nämlich dann, wenn es um die Entwicklungsstrategien gegen die Armut und die nötigen Veränderungen zum Schutz der lebenserhaltenden Ökosysteme geht. (S. 86)
Entscheidend für die allgemeine Akzeptanz des Brundtland-Berichtes war das Bekenntnis zu realem weltwirtschaftlichem Wachstum. Die Autoren des Berichts sprachen sich für ein fünf- bis zehnfaches Wachstum der Produktion bis zum nächsten Jahrhundert aus ... (S. 87)
Nachhaltige Entwicklung ist für diese Kritiker lediglich eine Ausdehnung de Entwicklungsideologie, ein Versuch des Nordens, die Kontrolle zu behalten, nichts Geringeres als "eine neue Welle der Kolonialisierung" ... (S. 89)

„Wahrheit oder Mehrheit?“ in: Politische Ökologie Mai/Juni 2002 (S. 22)
Widersprüchlich ist das Nachhaltigkeitsprinzip. Seine erstaunlich weitgehende Akzeptanz hat eine politische Voraussetzung, die ausgerechnet die Erhaltung der Natur hinter alle anderen Ziele zurückstellt. Die Rede ist vom Dreisäulentheorem der Berücksichtigung ökologischer, sozialer und ökonomischer Ziele. Tatsächlich aber kann der nachhaltigen Bewirtschaftung der Natur unter dem Druck wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und sozialer Verantwortung nur die Luft ausgehen, da die Wirtschaft ein Teil der Gesellschaft und diese ein Teil der Natur ist. Angenommen wird somit die Gleichrangigkeit des Ganzen mit dem Teil und diejenige beider mit dem Teil des Teils. Wo aber das Ganze keinen Vorrang mehr vor dem Teil und dem Unterteil hat, liegt der Vorrang in Wahrheit bei dem Teil des Teils, das heißt in der Kapitalverwertung. Wie diese sich bereits gegenüber der sozialen Verantwortung durchsetzt, zeigen etwa Massenentlassungen. Ebenso ergeht es der Natur gegenüber den sozialen Zielen – entsprechende Massenentlassungen um ihretwillen sind undenkbar – und erst recht gegenüber denen der Wirtschaft. Wer diese offensichtliche Nachordnung als eine Gleichrangigkeit ausgibt, macht sich etwas vor. Diese Illusion, unwahrhaftig und nicht akzeptabel, dient aber dem gesellschaftlichen Konsens, vermeintlich gemeinsam das Gute zu wollen und somit wiederum nur Akzeptanz.

Angela Oels/Tobias Döppe, 2003: Zwei Bewegungen, ein Anliegen, in: Politische Ökologie Nr. 85 (S. 43)
Nachhaltig zahm?
Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung hat den Umweltdiskurs entscheidend umstrukturiert, von jeglicher Kultur- und Kapitalismuskritik entleert und ihn somit salonfähig für den gesellschaftlichen Mainstream gemacht.
Zentral war dabei das Postulat der nachhaltigen Entwicklung, dass Umweltschutz und Wirtschaftswachstum keinen Gegensatz darstellen. Nachhaltige Entwicklung basiert auf einem Politikverständnis, das den herrschaftsfreien Diskurs zwischen "Partnern" idealisiert. Das Ergebnis sind wohlklingende Absichtserklärungen, die den Status Quo größenteils unangetastet lassen. Schlimmer noch, die Gesprächsrunden berauben die Umweltbwegung eines ihrer wichtigsten Machtmittel, die Mobilisierung von öffentlichem Protest. Protest kann von "Partnern" schnell als Vertrauensbruch und mangelnde Fähigkeit zur Kooperation angeprangert werden. Schließlich bleibt zu fragen, inwiefern die fortschreitende Professionalisierung und Institutionalisierung in Verbänden und Parteien den Verlust der Gesellschaftskritik mitverursacht hat. Aus kurzfristiger Perspektive und durch vermeintliche Sachzwänge gebotene Kompromisse haben dazu geführt, dass die Substanz in Mitleidenschaft gezogen ist. Parallel dazu ist der Umweltbewegung die Massenbasis weggebrochen. Diese beiden Prozesse haben sich gegenseitig bedingt und verstärkt.

Aus dem Resümee der langjährigen Arbeit in: Freitag, Teil 1 am 6.8.2004
Wenn in Deutschland die Sozialhilfe verschlankt oder der Wirtschaftsstandort ausgestattet wird, verlangt niemand, dass ein ökologischer Bereich integriert sein soll. Aber wenn es um diesen geht, soll er als Gesamtkunstwerk auftreten und die Ökonomie mitrepräsentieren.

Aus dem Text "Nachhaltigkeit ist nicht in der Gesellschaft verankert" von Tomas Brückmann, einer der wichtigsten Befürworter Ausrichtung auf nachhaltige Anpassungspolitik in der Grünen Liga. Veröffentlicht in Alligator 10/2004 (S. 16)
In der politischen Kultur Deutschlands ist im Moment ein Ausblenden der Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit zu beobachten. ...
In der Wirtschaft wird mit beachtlichen Initiativen zur Nachhaltigkeit, zu Nachhaltigkeitsberichten und integrierter Produktentwicklung das Geschäftsfeld Nachhaltigkeit aufgebaut. Dies macht die Wirtschaft zu einem unübersehbaren Faktor in der Gesellschaftsbilanz der Nachhaltigkeit. In der Breite der Wirtschaft wird Nachhaltigkeit jedoch oft als Luxus aufgefasst und kaum aktiv aufgegriffen.

Müller, Christa, 1997: Von der lokalen Ökonomie zum globalen Dorf, Frankfurt/Main (S. 209)
Das Instrumentarium der Ökonomie soll durch die Einführung des „Ökosozialprodukts“, das Naturverbrauch als Kapitalverbrauch verbucht, sogar noch optimiert werden. Die Monetarisierung der Natur reproduziert jedoch die Reduktion von Natur auf ihren Tauschwert innerhalb der einseitigen Wertzuweisung einer Ökonomie, die nur auf quantitative Tauschwerte bzw. Preise reagieren kann. ... Von dieser Warte aus betrachtet schreibt eine Monetarisierung der Natur lediglich ihren zweifelhaften Aufstieg zur gesellschaftlich anerkannten Ware fest und bedeutet nicht mehr als die künstliche Verknappung der Natur. Über die Konstruktion des Ökosozialprodukts erscheint Natur nur noch mit ihrem Kapitalwert in den Produktionsfunktionen.

Aus einer kritischen satire über Nachhaltigkeit: "Das elende N-Wort", in: taz, 26.7.2013 (S. 20)
Der Durchbruch gelang der unverwüstlichen Nachhaltigkeit im sogenannten Brundtland-Bericht der UNO im Jahr 1987. Die Norwegerin Gro Harlem Brundtland verbreitete den Begriff von der „nachhaltigen Entwicklung“ zunächst in ganz Brundtland, und von dort wurde er rasch von orientierungslosen Ökologen übernommen. Die Ära der Nachhaltigkeit nahm ihren verhängnisvollen Verlauf: Es gab fortan nachhaltige Rückhaltebecken und nachhaltige Neubauvorhaben. Und als nachhaltiger Höhepunkt wurde eine „Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis“ geschaffen, der jährlich den Nachhaltigkeitspreis im Rahmen einer großen Gala verleiht!

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Etliche Texte und Zitate sind mit, andere ohne Namen - das liegt zum einen daran, wie wir die Texte bekommen haben, zum anderen können die, deren Texte hier abgedruckt sind, auch selbst bestimmen ... Mail genügt und der Name wird gestrichen bzw. hinzugefügt.

Lösung des Zitateratens:
Die Zitate stammen aus der Agenda 21, Abschlussdokument der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992