Naturschutzgesetze gehen
auf Nazis zurück
BMU-Pressedienst Nr. 161/02
Berlin, 4. Juli 2002
Naturschutz/Tagung
Bundesumweltminister Juergen
Trittin eroeffnet
Kongress ueber Naturschutz
und Nationalsozialismus
Einen internationalen wissenschaftlichen
Kongress zum Thema "Naturschutz und Nationalsozialismus" hat Bundesumweltminister
Juergen Trittin heute in Berlin eroeffnet. Vor rund 100 Historikern sowie
ehrenamtlichen und beruflichen Naturschuetzern betonte Trittin die Notwendigkeit,
die Verstrickung des Naturschutzes und seiner Akteure in das nationalsozialistische
System, in seine Ideologie und auch in seine Verbrechen aufzuarbeiten.
Ideengeschichtlich ist der
Naturschutz ein Kind der Romantik. Die Forderung nach dem Schutz der Natur
war eine Antwort auf die Industrialisierung und auf unwirtliche Staedte
- und zwar im rechten wie im linken Spektrum: Arbeiter-Wanderbuende und
Wandervoegel, Naturschwaermer und Heimatbewegte zog es gleichermassen in
die Natur. Erste Naturschutzverbaende wurden gegen Ende des 19. Jahrhundert
gegruendet.
Zwar waren bereits in der
Weimarer Verfassung Naturschutz und Landschaftsschutz als Staatsziele enthalten.
Das erste landesweite Gesetz zum Schutz der Natur war aber das Reichsnaturschutzgesetz
von 1935, aufgrund des Ermaechtigungsgesetzes handstreichartig innerhalb
von nur zwei Wochen erarbeitet und verabschiedet. Treibende Kraft in der
nationalsozialistischen Fuehrungsschicht war seinerzeit Hermann Goering,
der sich ueber die im Reichsnaturschutzgesetz vorgesehene Formel zur entschaedigungslosen
Enteignung von Flaechen fuer den Naturschutz vor allem wildreiche Jagdgebiete
sicherte.
In den meisten seiner Bestimmungen
wurde das Reichsnaturschutzgesetz nach dem Ende der Nazi-Herrschaft im
Westen Deutschlands als derart unproblematisch angesehen, dass es bis zum
ersten bundesdeutschen Naturschutzgesetz im Jahr 1976 Bestand hatte. "Wir
muessen heute hinterfragen, worauf sich diese Einschaetzung gruendete und
ob sie je berechtigt war. Wie wir ueberhaupt sehr viel mehr ueber das Verhaeltnis
von Naturschutz und Nationalsozialismus erfahren muessen, und zwar im Dialog
mit Wissenschaftlern aus anderen Laendern", so Bundesumweltminister Juergen
Trittin. |