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früher noch de Staat eine soziale Fürsorgepflicht und konnte
staatliche Unterstützung wenigstens im Prinzip rechtlich eingeklagt
werden, haben die Opfer der neoliberalen Globalisierung heute meist nur
noch die Möglichkeit, an private ausländische Hilfswerke zu
appellieren. Die Unterstützung, die sie von diesen bekommen können,
trägt bereits wieder Züge feudaler Gönnerhaftigkeit.
(Thomas
Gebauer, "...von niemandem gewählt!" in: Ulrich Brand u.a., 2001,
Nichtregierungsorganisationen in der Transformation des Staates, Westf.
Dampfboot in Münster, Seite 100)
Insgesamt
besteht auch innerhalb des NGO-Systems eine Machthierarchie, die potenten,
meist metropolenbasierten "NGO-Transnationals" im Vergleich zu kleineren
und schwächeren Orgnaisationen auf lokaler und regionaler Ebene
erhebliche Vorteile schafft (...). In gewisser Weise bildet also das
NGO-System selbst noch einmal die zwischen den Nationalstaaten existierende
ungleiche Machtverteilung ab. ...
Schließlich
misst sich die demokratische Qualität von NGO sehr wesentlich an
der Art ihres Bezugs zu denen, deren Interessen sie zu repräsentieren
und wahrzunehmen beanspruchen. Interessen können in der Weise stellvertretend
formuliert und praktische Hilfe kann durchaus so geleistet werden, dass
die Abhängigkeit der Adressaten verstärkt und deren Möglichkeiten
zu gesellschaftlich-politischer Selbstorganisation geradezu zerstört
werden, wie es sich bei vielen Entwicklungs- und Nothilfeprojekten nachweisen
läßt. ...
Geht
es um die Aufhebung weltweit dominierender Herrschafts-, Ausbeutngs-
und Abhängigkeitsbeziehungen, so wird es keinen Ersatz für
radikale, d.h. unmittelbare und außerinstitutionelle, di herrschenden
politischen Agenden und Konsense sprengende und gegen den verzweigten
Komplex von Herrschaftsapparaten auf nationaler wie internationaler
Ebene gerichtete Aktion geben können, schon gar nicht in Form von
Verhandlungen auf diplomatischem Parkett oder an grünen Tisch.
Zu einem solchen Verhalten sind indessen NGO aufgrund ihrer Struktur-
und Funktionsbedingungen nur sehr bedingt in der Lage.
(Joachim
Hirsch, Des Staates neues Kleider, in: Ulrich Brand u.a., 2001, Nichtregierungsorganisationen
in der Transformation des Staates, Westf. Dampfboot in Münster,
Seite 39ff)
Nur
ein winziger Teil de weltweit existierenden NGO kann internationale
Konfrenzen besuchen und den Entscheidungsprozeß zu beeinflussen
versuchen. Sie repräsentieen bestimmte Interessen und Bevölkerungsgruppen,
ohne von diesen Bevölkerungsgruppen delegiert und gewählt
zu werden; vielmehr entscheidet häufig die Nähe zu Regierungen,
einzelnen Staatsapparaten ode Politikern, also persönliche
Bekanntschaft oder Zugehörigkeit zu einem Netzwerk, über
die Teilnahme. Die Bevölkerung, der "Volkssouverän", weiß
häufig nicht einmal, dass sie vertreten wird.
(Alex
Demirovic, NGO, Staat und Zivilgesellschaft, in: Ulrich Brand u.a.,
2001, Nichtsregierungsorganisationen in der Transformation des Staates,
Westf. Dampfboot in Münster, Seite 144)
Auszug
aus der Hausarbeit Der Einfluss vom Bund für Umwelt
und Naturschutz Deutschland (BUND) und Friends Of The Earth International
(FOEI)
auf die Klimaverhandlungen in Bonn im Juli 2001" von Robert
Kneschke (Download als .rtf)
Friends
of the Earth International (FoEI) ist das "größte
dezentral organisierte Netzwerk von Umweltorganisationen und besteht
aus 66 Gruppen in 65 Ländern" (Mittler 2002:57). Über
die Hälfte der Gruppen befinden sich in Ländern des Südens
und in Osteuropa (Mittler 2002b:189). Der BUND ist der größte
Umweltverband in Deutschland und "mit weit über 300.000
Mitgliedern und Förderern einer der größten Friends
of the Earth Gruppen" (ebd.) weltweit.
Zwar hat jede FoEI-Gruppe - unabhängig von der Mitgliedsstärke
- die gleichen Entscheidungsrechte, in der Praxis allerdings brauchen
"erfolgreiche Aktionen von FoEI [...] aus Kapazitätsgründen
im Regelfall die Unterstützung von mindestens einer der drei
großen europäischen Gruppen aus den Niederlanden, Deutschland
oder Großbritannien" (Mittler 2002:58).
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