auf

Übersichten über diese Seiten: "Alle Themen"-Button links (Seite nach oben scrollen!) ++ Projekte ++ Themen
Antisemitismus Biologismus Öko Querfront Kopfentlastung Eso Gesell Nation
Materialversand

Rechts und Öko

"Überbevölkerung" ++ Linke Ökos ++ Rassismus ++ Positionen ++ Vordenker ++ Geschichte ++ Öko-Faschos ++ Mischungen ++ Links

Wie sie sich gleichen: Rechte und ...


Links: Nazi-Demo, Foto aus Freitag, 13.10.2006 (S. 4) ++ Rechts: NPD-Mann

... und Ökos

Hubert Weinzierl: "Naturschutz ist angewandter Patriotismus"
Gemeinsame Presseerklärung: Deutscher Naturschutzring (DNR) und CDU (Dez. 2004)
Umweltverbände und Union für Bundeskompetenz im Naturschutz
Neuregelung der Bundeskompetenz im Umwelt- und Naturschutzrecht muss dies ermöglichen
Berlin - Auf Initiative des Dachverbandes der deutschen Umweltverbände, dem Deutschen Naturschutzring (DNR), trafen heute Vertreter der Umweltverbände mit der CDU-Vorsitzenden Dr. Angela Merkel und dem umweltpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Dr. Peter Paziorek zusammen. In dem fast zweistündigen Gespräch wurden die Erwartungen des DNR an die laufende Legislatur sowie strategische Fragen der Umweltpolitik diskutiert.
Aus aktuellem Anlass haben sich Union und DNR beim Thema Stärkung der Bundesumweltkompetenz in der aktuellen Föderalismusdebatte auf eine gemeinsame Linie verständigt. Die CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel sprach sich dabei für die Einführung eines Umweltgesetzbuches mit einheitlichen Standards sowie eine grundsätzliche Stärkung der Gesetzgebungskompetenz auf dem Gebiet des Umweltrechts und des Naturschutzes aus. "Gerade der aktuelle Waldzustandbericht zeigt, dass ein geschlossenes Handeln auf Bundesebene notwendiger denn je ist", sagte Merkel.
"Naturschutz ist angewandter Patriotismus" sagte DNR-Präsident Hubert Weinzierl vor dem Hintergrund der Auffassung der Verbände, dass in der Union eine stärkere Wertedebatte geführt werden muss. Übereinstimmend forderten beide Seiten, dass der Naturschutz in Deutschland einen größeren Stellenwert erhalten muss. Die Bundesregierung wurde daran erinnert, ihre Versprechen bei der Sicherung des Nationalen Naturerbes einzulösen. Dass von den 100.000 ha BVVG-Flächen, dem sogenannten "Tafelsilber der deutschen Einheit", erst 32.000 ha unentgeltlich übertragen worden sind, bewerteten beide Seiten als ein nicht zufriedenstellendes Ergebnis.
Bei der finanziellen Vorschau für die EU-Agrarpolitik ab 2007 sprachen sich DNR und Union gegen eine Schwächung der zweiten Säule der Agrarpolitik, z.B. der Agrarumweltprogramme, aus.
Strittig blieb die Bewertung der zukünftigen Rolle der Kernenergie. Der DNR übergab Frau Merkel ein Gesamtkonzept für eine neue Energiepolitik.
Übereinstimmung zwischen Union und DNR bestand schließlich in der Frage einer aufkommensneutral gestalteten finanziellen Förderung von Dieselrußfiltern. Nachdem die EU-Kommission jüngst einen Fördergrenzwert in Höhe von 5,0 mg Ruß pro km festgelegt hat, unterstützt die Union die Forderung der Umweltverbände, dass bereits Anfang 2005 der Rußfilter für Diesel-Neufahrzeuge wie Gebraucht-Pkw durch steuerliche Anreize gefördert werden soll."
Unterstützt wird von Union und Verbänden auch die 2005 beginnende UN-Dekade Bildung für Nachhaltige Entwicklung.
Abschließend wurde vereinbart, einen intensiven Dialog in den Themenfeldern nachhaltige Lebensstile, Umweltbildung, Energiepolitik sowie Naturschutz zu führen. Die Union sagte darüber hinaus eine Einbeziehung der Umweltverbände bei der Entwicklung des CDU-Umweltprogrammes für 2006 zu.
Dr. Peter Paziorek, umweltpolitischer Sprecher der CDU/CSU- Bundestagsfraktion Tel: 030 / 227 77088
Leif Miller, DNR-Vizepräsident Tel: 030/ 284984-20

Umweltverbandsleute aktiv bei rechten Gruppen

Umweltverbandsfunktionär für AfD im Landtag
Aus der taz vom 23.9.2014 über Jörg Urban
Der Dresdner ist Geschäftsführer der Grünen Liga in Sachsen - jetzt nicht für die Grünen, sondern für die Alternative für Deutschland im Parlament. Die Partei sei schließlich auch gegen Gentechnik, erklärt der dreifache Vater und Wasserbau-Ingenieur. Windkraft lehnt er hingegen ab [3] ("zerstört unsere Natur", "getrieben von Gewinninteressen"), die Energiewende sowieso (ist nicht bezahlbar). In Dresden hat er sich als Rebell gegen die Waldschlösschenbrücke einen Namen gemacht: Urban versuchte zum Schutz der Elbwiesen einen Abriss der Brücke einzuklagen - und unterlag.

Demografie und Bevölkerungs"explosion"

Heiteres Zitateraten zu Bevölkerungs"explosion":
1. "Wir wissen heute bereits genug, um Hauptproblemen wie Hunger, Überbevölkerung, Umweltverschmutzung, Plünderung unseres Planeten und Gefahr eines weiteren Atomkrieges zu begegnen."
2a. "Engels erkannte schon 1881: "Die abstrakte Möglichkeit, dass die Menschenzahl so groß wird, dass ihrer Vermehrung Schranken gesetzt werden müssen, ist ja da." Dieser Zustand ist heute Realität. "Die biologische, ökonomische und kulturelle optimale Bevölkerungsgröße ... ist sicher längst überschritten (W. Harich 1975). Heute sind insbesondere in vielen Ländern der Dritten Welt Maßnahmen zum Stopp des Bevölkerungswachstums notwendig."
2b. "In immer kürzeren Abständen verdoppelt sich die Bevölkerungszahl auf der Erde. Vor der 10-Milliarden-Marke wird das Bevölkerungswachstum kaum zum Erliegen kommen."
3. „Es ist ausgeschlossen, daß drei oder vier Milliarden zusätzliche Menschen mit der heute verfügbaren Technologie einer nachhaltigen Wirtschaftsweise nachgehen können. Deshalb kommt den Unternehmen der Industriestaaten als Hauptakteure im Kapitalismus große Verantwortung zu.“
(Lösung unten auf der Seite)

Dass in breiten Teilen der Umweltbewegung der Mensch als Feind der Natur angesehen wird, zeigt am deutlichsten die Debatte über das Bevölkerungswachstum. Vielfach wird von Bevölkerungs"explosion" oder einem "explosionsartigen" Anstieg der Weltbevölkerung geredet. Das meint einen Kurvenverlauf, bei dem die Kurve ansteigt, d.h. das Tempo des Zuwachses nimmt zu. Das ist schon von den Zahlen her falsch. Tatsächlich flacht die Kurve sei längerem ab. Je nach weiteren Entwicklungen gehen alle offiziellen Institutionen z.B. bei der UNO davon aus, dass sie bei neun bis zehn Milliarden zum Stillstand kommt. Fraglos: Das ist viel und bedeutet eine angespannte Lage hinsichtlich der Nutzung von Land und Ressourcen. Doch das Problem liegt nicht in der Zahl ...

Zunächst: Da die Kurve abflacht, gibt es keine "Explosion", sondern ein Bevölkerungswachstum. Horrorbeschreibungen wie z.B. von Linkspartei-Öko Marko Ferst sind folglich schlicht falsch: "In immer kürzeren Abständen verdoppelt sich die Bevölkerungszahl auf der Erde." Seltsamerweise folgt diesem Panikmachesatz selbst dann die Formulierung: "Vor der 10-Milliarden-Marke wird das Bevölkerungswachstum kaum zum Erliegen kommen." Wie das? Wenn sich etwas vom aktuellen Stand (gut 7 Mrd.) immer schneller verdoppelt, wieso endet es dann bei 10 Mrd.? Ferst fällt das nicht auf, sondern er setzt fort: "Dies sind nur die dramatischsten Warnzeichen, wie wir die irdischen Belastungsgrenzen überrennen." Das ließe sich noch als öko-autoritäre Verblendung abtun.
Schwieriger ist der grundsätzliche Fehler. Denn das Problem wird nicht durch die Zahl der Menschen geschaffen, sondern durch die Art wie diese leben, sich organisieren und wirtschaften. Oder genauer: Zu welchen Formen von Zusammenleben und Wirtschaften sie gezwungen werden. Denn nicht weil Menschen atmen, trinken, wohnen, essen, sich bewegen, Spaß haben usw. wird die Erde ruiniert, sondern durch die Art und Weise, wie dieses geschieht.

Betrachten wir das am Beispiel der Lebensmittelgewinnung. Nachwievor werden auf der Welt viel mehr Lebensmittel produziert, wie für alle Menschen reichen würden. Um den Hunger zu besiegen, müssten nur alle Menschen Zugang zu Land und Perspektiven eines selbstbestimmten Lebens haben. Hunger wird gemacht - ist also (Massen-)Mord. Allerdings bräuchte es auch bei Verwirklichung einer regionalen bis lokalen Ernährungssouveränität einiger Anstrengung und intensiven Anbaus. Doch auch das ist kein Naturgesetz, sondern Folge dessen, wie Landwirtschaft betrieben wird. Denn nur das Wenigste landet auf dem Teller. Die Zahlen für Deutschland:

Ein Fünftel des in Deutschland angebauten Getreides diente also dem Verzehr. Die Zahlen dürften sich inzwischen verschlechtern, denn erstens hat der Energiepflanzenanbau stark zugenommen, und zweitens steigt Deutschlands Fleischexport schnell an - immer auf der Basis des Futtermittelanbaus hierzulande, noch mehr aber per Import. Würde auf Tierhaltung verzichtet, ließe sich eine umweltverträgliche Landwirtschaft ohne Probleme verwirklichen - selbst in einem so extrem dicht besiedelten Land wie Deutschland.

Denn auch das ist wichtig: Wenn irgendwo Länder "überbevölkert" sind, dann muss Deutschland mit als erstes genannt werden. Bevölkerungskontrolle oder -minimierung müsste also zuerst Deutsche bzw. MitteleuropäerInnen treffen. Alles andere wäre unlogisch. Deutschland ist siebenfach dichter besiedelt als Afrika. Wenn mensch also zu der Überzeugung kommt, mit weniger Menschen wäre ein Leben auf der Erde entspannter und krisensicherer, dann wäre der bescheidene Bevölkerungsrückgang in Deutschland zu beklatschen. Seltsamerweise tun das diejenigen, die ständig über zu viele Menschen palavern, nicht.
Ganz im Gegenteil: Verwiesen wird immer wieder auf das dünn besiedelte Afrika. Als Gegenmittel werden neben Bevölkerungskontrolle die typischen Waffen des Kapitalismus benannt - auch und gerade von UmweltschützerInnen. So setzte Thilo Bode, damals Geschäftsführer von Greenpeace International, auf imperiale Technik als Retterin: "Es ist ausgeschlossen, daß drei oder vier Milliarden zusätzliche Menschen mit der heute verfügbaren Technologie einer nachhaltigen Wirtschaftsweise nachgehen können. Deshalb kommt den Unternehmen der Industriestaaten als Hauptakteure im Kapitalismus große Verantwortung zu." (Quelle: Thesenpapier zum 7. Jahreskolloqium der Alfred Herrhausen Gesellschaft am 2./3.7.1999 in Berlin)

Im Original: Panikmache Bevölkerungswachstum ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
FR 6.11.2004Erste Sätze im Leitartikel "Die Welt wird eng und einfältig" der Umwelt-kommunalen-ökologischen Briefe Nr. 21/01 (S. 1)
Die rasche Vermehrung der Weltbevölkerung trägt ihr Scherflein zur Minderung der Biodiversität bei. Daran zweifeln Wissenschaftler heute nicht mehr.

Rechts: Aus FR, 6.11.2004

Aus der Resolution der Weltbürgervereinigung e.V. an die amtierenden Staatsregierungen und Staatsparlamente der Erde, 5.1.1999
Wir wollen darum nicht länger tatenlos zusehen, wie die wachsenden Umweltzerstörungen der Industriestaaten, die Bevölkerungsexplosiion de Entwicklungsländer und Atomwaffen das Leben aller Menschen der Erde bedrohen. ...
Die Kenntnis von diesen Gefahren sollte jedoch bei allen Menschen der Erde ein schlechtes Gewissen erzeugen, ei den Menschen der Industriestaaten wegen ihrer Umweltzerstörungen und bei den Menschen der Entwicklungsländer wegen ihrer Bevölkerungsexplosion. ... Die Weltbevölkerung wächst täglich um eine viertel Million und jährlich um 90 Millionen Menschen. Diese Entwicklung führt um künftigen Milliardensterben de Menschen und zur Ausrottung der meisten Tier- und Pflanzenarten. ...
Das Grundrecht auf Kinder sollte in Staaten mit Bevölkerungswachstum mit humanen Mitteln eingeschränkt werden können, damit die Weltbevölkerung im nächsten Jahrhundert auf die für das Überleben der Menschen notwendige Zahl sinken kann. ...
Die zunehmenden Umweltzerstörungen und die Bevölkerungsexplosion führen in  verheerende Katastrophen.

Aus "Eine andere Welt ist möglich!" von Oliver Wendenkampf, BUND-Landesgeschäftsführer Sachsen-Anhalt, in:Elbe-Saale-Zeitung des Elbe-Saale-Forums (Beilage zur Jungen Welt)
Ungebremstes Bevölkerungswachstum,* die zunehmende Automatisierung u.a. zur Verringerung des Kostenfaktor "Mensch" und die zunehmende Praxis der Multinationalen Konzerne (und ihrer Töchter) ArbeitnehmerInnen weltweit gegeneinander auszuspielen, hat endlich auch in Europa zu einer wachsenden Zahl an Arbeitslosen und zu desillusionierten, ja häufig apathischen und mutlosen Menschen auch in Deutschland geführt.
*In der späteren Internetfassung korrigiert auf "Die ansteigende Zahl der Menschen ..."

Aus "Die Zukunftsprobleme der Menschheit", Leitartikel in der tarantel Nr. 31, Nov. 2005 (S. 1), Zeitung der Ökologischen Plattform in der Linkspartei
Welche Entwicklungen sind stategisch ausschlaggeben, die im Strategiezeitraum der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts aktuell bleiben und auch in diesem Zeitraum einer Lösung zugeführt werden müssen? ...
Exponentielles Bevölkerungswachstum
Engels erkannte schon 1881: "Die abstrakte Möglichkeit, dass die Menschenzahl so groß wird, dass ihrer Vermehrung Schranken gesetzt werden müssen, ist ja da." Dieser Zustand ist heute Realität. "Die biologische, ökonomische und kulturelle optimale Bevölkerungsgröße ... ist sicher längst überschritten (W. Harich 1975). Heute sind insbesondere in vielen Ländern der Dritten Welt Maßnahmen zum Stopp des Bevölkerungswachstums notwendig.

Vorwort von F. Lietsch und M. Gege in der 2007 neu erschienenen Zeitschrift "Forum nachhaltig wirtschaften"
Wir leben in einer Zeit, in der Klimawandel und Bevölkerungswachstum und die daraus resultierende Ressourcenknappheit ein bestrittenes Faktum darstellen ...
Die Zeitung, in der dieses Vorwort erscheint, ist dann voller Vorstellungen beispielhafter Umweltgruppen und -initiativen zur Nachhaltigkeit. Die Namen dieser Ökos: RWE, Deutsche Bank, Bayer AG usw. Das sind die Guten, die Bevölkerung ist das Problem!

Aus der Internetseite der Zeitschrift "Forum nachhaltig wirtschaften" (siehe Auszug unten)

Aus dem Vorwort des Vorsitzenden vom Bund der Energieverbraucher, in: Energiedepesche Sept. 2007 (S. 2)
Was bedeuten die drei aktuellen und globalen Probleme Klimawandel, Ölverknappung und Bevölkerungsexplosion wirklich für uns?
Im gleichen Heft wird ein Kapitel aus dem Buch "The Party's Over" abgedruckt, in dem in dunklen Worten dargestellt wird, dass alles ganz schlimm wird. Und wer ist schuld: Die Menschen. Ausgerechnet auch noch die, wo das Bevölkerungswachstum zur Zeit am stärksten ist - also in Afrika. Da sollen der hohe Energieverbrauch stattfinden ... hä? Auszüge (S. 26 der Energiedepesche, Bild von der Internetseite links):
Wir haben ein äußerst beunruhigendes Bild gezeichnet. Es zeigt das neue Jahrhundert als eine Zeit voller Hunger, Krankheit, wirschaftlichem Zusammenbruch, Despotismus und Krieg um Ressourcen. ... Richard Duncan vom "Institute on Energy and Man" gelangte im Wesentlichen zu den gleichen Schlüssen, als er Wetlenergieverbrauch und Bevölkerungsdaten hinsichtlich Überentwicklung und Kollaps mtieinander in Beziehung setzte.

Bevölkerung wächst, das ist schuld am Hunger; Bevölkerung verbraucht das Öl; Nahrungsüberfluss bringt Kinder usw.
Aus Heinberg, Richard (2004): "The Party's Over", Riemann Verlag in München
Die Aussichten, die Nahrungsmittelproduktion auf das globale Verbrauchsniveau anheben zu können, sind hauptsächlich wegen des andauernden Bevölkerungswachstums ausgesprochen schlecht. ... (S. 291)
Wenn wir die optimistischen und pessimistischen Argumente gegeneinander aufrechnen, bleibt am Ende die Zahl von ungefähr zwei Milliarden Menschen übrig, von der zu vermuten steht, dass sie der nachhaltigen, Langzeit- und Post-Erdöl-Tragfähigkeit der Erde für menschliche Populationen entspricht. Dadurch entsteht nun ein ernsthaftes Problem, da es ja bekanntlich gegenwärtig über sechs Milliarden Menschen gibt und deren Zahl noch weiter zunimmt. Wenn aber nun unsere Einschätzung der Tragfähigkeit in etwa stimmen sollte, dann wird die Weltbevölkerung irgendwann zwischen heute und der Zeit, wenn Öl und Erdgas endgültig verbraucht sein werden, genau um diese Differenz zwischen der von uns angenommenen Tragfähigkeit und ihrer heutigen Zahl schrumpfen müssen. ... (S. 294)
Die Überbevölkerung ist gegenwärtig eines der größten Probleme der Menschheit, das mit dem allmählichen Verschwinden der fossilen Energievorkommen noch viel größer werden wird. Aber von allen Fragen, die sich unserer Gattung stellen, ist diese auf politischem Wege am schwersten zu beantworten. Weder die politische Rechte noch die Linke beschäftigt sich gern mit dem zunehmenden Bevölkerungswachstum. Russell Hopfenberg und David Pimentel stellen fest: "Einige Menschen sind der Ansicht, es verstoße gegen das Freiheitsrecht zur Fortpflanzung, wenn man die Zahl der Menschen begrenzen wolle. Dies mag wahr sein, aber ein weiterer Anstieg der Weltbevölkerung würde gegen unsere Freiheit von Unterernährung, Hunger, Krankheit, Armut und Umweltvergiftung verstoßen, und gegen unsere Freiheit, die Natur und eine lebenswerte Umwelt zu genießen."
Im Augenblick lässt sich die Bevölkerungsregulierung wahrscheinlich am besten auf nationaler - statt auf individueller, örtlicher oder globaler Ebene anpacken, da allein Nationen diejenigen Anreize bieten und Restriktionen auferlegen können, die nötig sind, um das Bevölkerungswachstum umzukehren. ... (S. 367 f.)
Wenn andere Lebewesen einen Energiegewinn erzielen, reagieren sie ganz instinktiv darauf mit einer gesteigerten Vermehrung: Ihre Population durchläuft die wohlbekannten Stadien des Aufblühens, Überfließens und Absterbens. Wenn wir Menschen mehr als bloße »Lebewesen« wären, sollten wir uns eigentlich anders verhalten. Aber bisher haben wir auf den Energiegewinn durch fossile Brennstoffe genauso reagiert wie Ratten, Fruchtfliegen oder Bakterien auf eine reichlich vorhandene neue Nahrungsquelle. (S. 391)
Kommentar: Aha, in den Ländern mit dem meisten Energie- und Lebensmittelbestand ist das Bevölkerungswachstum also am größten. Soso.

Linkspartei-Ökos ganz rechts? Positionen zum "Bevölkerungswachstum" aus der Partei Die Linke

Marko Ferst von der ökologischen Plattform der Linkspartei.PDS (mehr dazu unten)
... die Bevölkerungsdichte ist Ursache Nummer eins, dass wir täglich 300-400 Tier- und Pflanzenarten verlieren, besonders im artenreichsten Refugium, den Regenwäldern ...
Aus Ferst, Marko: "Plädoyer für eine ökologische Zeitenwende", in: Grüner Weg 31a, Sommer 2004 (S. 32 f., mehr ...)
In immer kürzeren Abständen verdoppelt sich die Bevölkerungszahl auf der Erde. Vor der 10-Milliarden-Marke wird das Bevölkerungswachstum kaum zum Erliegen kommen. Dies sind nur die dramatischsten Warnzeichen, wie wir die irdischen Belastungsgrenzen überrennen.

Kaum unterscheidbar: Dieselbe Argumentation bei 'richtigen' Rechten ... mit Ableitungen

Aus Ritter, Manfred/Zeitler, Klaus (2000): "Armut durch Globalisierung - Wohlstand durch Regionalisierung", Leopold-Stocker in Graz (S. 7, 101)
Die tiefere Ursache des Asylproblems sieht der Autor in der Bevölkerungsexplosion der Dritten Welt. Sie ist es auch, die global für ein gigantisches Überangebot an Arbeitskräften sorgt und damit jene Niedrigstlöne erzwingt, die den "global players" erst ihre auf Gewinnmaximierung ausgerichtete Politik ermöglichen. ...
Man sollte aber in Europa soviel Selbsterhaltungswillen aufbringen, um den Längern, die mit ihren Problemen (wie etwas der Bevölkerungsexplosion) selbst nicht fertig werden, die Aufnahme in unser System zu verwehren. Andernfalls würde man ihnen gestatten, ihre Probleme auf die anderen Mitgliedstaaten abzuladen und diese schwer zu schädigen, wie es etwas innerhalb der EU wegen der Freizügigkeit möglich wäre. Eine europäische Wirtschaftsregion hätte genügend eigene schwere Probleme zu bewältigen und wäre daher von allen guten Geistern verlassen, würde sie sich ohne Not die Probleme anderer (außereuropäischer) Ländern auch noch auflagen.

Kritik am Diskurs der Bevölkerungswachstum
Bevölkerungsdichten nach Erdteilen (Quelle: Wikipedia)
Erdteil GesamteinwohnerInnen Bevölkerungsdichte
Australien

22,5 Mio. Einwohner 2,9 Einwohner/qkm
Afrika 1000 Mio. Einwohner 30,51 Einwohner/qkm
Europa 740 Mio. Einwohner 75 Einwohner/qkm (EU 116,8)
Bevölkerungsdichten nach Staaten 368 Einwohner/qkm (Quelle: Wikipedia)
Erdteil GesamteinwohnerInnen Bevölkerungsdichte
Bangladesh
153 Mio. Einwohner 1084,2 Einwohner/qkm
Niederlande 16,7 Mio. Einwohner 404 Einwohner/qkm
Indien 1200 Mio. Einwohner 368 Einwohner/qkm
Groß Britannien 63 Mio. Einwohner 255,9 Einwohner/qkm
Deutschland 81 Mio.Einwohner 230 Einwohner/qkm
China 1358 Mio. Einwohner 138,6 Einwohner/qkm

Aus Bookchin, Murray (1981): "Hierarchie und Herrschaft", Karin Kramer Verlag in Berlin (S. 40)
Liegen die Wurzeln der ökologischen Krise im Bevölkerungswachstum? Diese These ist die beunruhigendste und in vieler Hinsicht unheilvollste, die von Umweltschutzgruppen in den Vereinigten Staaten vorgebracht wird. Hier wird eine Folge, „Bevölkerungswachstum" genannt, auf der Grundlage von oberflächlichen Statistiken und Projektionen in eine Ursache umgefälscht. Einem Problem von zweitrangigen Dimensionen zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird Vorrang eingeräumt, und auf diese Weise werden die grundlegenden Ursachen der ökologischen Krise verborgen. Sicher, wenn die gegenwärtigen ökonomischen, politischen und sozialen Bedingungen weiter vorherrschen, wird die Menschheit mit der Zeit den Planeten überbevölkern und sich durch das reine Gewicht der Zahl zu einer Plage in ihrer eigenen globalen Heimat verwandeln. Es liegt jedoch etwas Obszönes darin, daß einer Folge, dem „Bevölkerungswachstum", Vorrang innerhalb der ökologischen Krise eingeräumt wird durch eine Nation, die wenig mehr als sieben Prozent der Weltbevölkerung ausmacht und verschwenderisch mehr als fünfzig Prozent der Weltressourcen verschlingt.
Wir müssen innehalten, um das Bevölkerungsproblem sorgfältiger zu betrachten, das so weitgehend von den weißen Rassen Nordamerikas und Europas vorgebracht wird - Rassen, die die Völker Asiens, Afrikas, Lateinamerikas und des Südpazifiks mutwillig ausgebeutet haben. Die Ausgebeuteten haben ihre Ausbeuter zartfühlend darauf hingewiesen, daß sie nicht empfängnisverhütende Mittel, bewaffnete „Befreier" und Prof. Paul R. Ehrlich brauchen, um ihre Bevölkerungsproblerne zu lösen, sondern eine gerechte Entschädigung für die ungeheuren Ressourcen, die durch Nordamerika und Europa aus ihren Ländern geplündert worden sind. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es von dringenderer Notwendigkeit, diese Rechnungen zu begleichen, als die Geburts- und Todesraten auszugleichen.

Im Original: Kritik aus der "Wissenschaft" am Diskurs ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus Karl Otto Hondrich (2007): "Weniger sind mehr" (S. 263 ff.)
In der Einwanderung ist im Keim - neben vielem anderen - bereits eine dreifache Arbeitsteilung angelegt: Erstens bringen die Einwanderer Motivation und Fähigkeiten mit, auch schwere, risikoreiche, niedere Arbeiten zu tun, vom Fensterputzen an Hochhäusern bis zum Spargelstechen. Zweitens ist der Lohn, den sie hierzulande für ihre Arbeit erhalten, in ihrer Heimat ein Vielfaches wert, wird deshalb in Form von Kapital und Gütern Zurücküberwiesen und begründet dort eine spezifische, quasieuropäische Konsum- und Produktionskultur. Drittens bedeuten Einwanderung und Familiennachzug, dass kinderreiche Regionen einen Teil dieses reproduktiven Reichtums abgeben. Die Probleme dieses Vorgangs wurden im Kapitel 5 »Der Geburtenrückgang im Kampf der Kulturen« dargestellt. Der hochproduktive Okzident nimmt diesen Reichtum auf und akkulturiert ihn. Für die Frauen und Männer hierzulande bedeutet dies, dass sie von der reproduktiven Funktion entlastet, nun noch mehr Zeit für Bildung, Wissenschaft, Beruf, Weltpolitik und Weltmoral aufbringen können. Darin könnte sich die Aufgabe Europas abzeichnen - in einer Weltarbeitstellung, die weit über die ökonomische Sphäre hinausgeht. In zynischer Zuspitzung: Das Kinderkriegen (und ein Großteil der harten Arbeit) besorgen die anderen. Wir kümmern, uns darum, dass sie im europäischen Geist groß werden. (Dass dies nicht bruchlos gelingt, versteht sich von selbst.)
Der Gedanke, dass fortschreitende Arbeitsteilung sich weltweit nicht nur auf Güter und Dienste, sondern auch auf politische, militärische, moralische Leistungen, ja schließlich sogar auf das Bekommen von Kindern erstrecken könnte, ist mehr als befremdlich.
Zum einen widerstrebt es dem tief verwurzelten Vorrang, den wir eigenen Kindern zuschreiben. Zum anderen verstößt es gegen unsere Gewohnheit, unser soziales Leben im nationalen Rahmen zu begreifen. Insbesondere im Hinblick auf die Reproduktion denken wir uns den eigenen Nationalstaat als autark. Das zeigt sich daran, dass die Fertilitätsraten, die die gegenwärtige Diskussion beflügeln, immer als deutsche, französische, schwedische, japanische angezeigt werden und Unruhe stiften.
Aber so wenig wir in Bezug auf Südfrüchte, Energie oder militärischen Schutz autark sind, so wenig sind wir es in Bezug auf den eigenen Nachwuchs. Längst lassen wir auch die lebendigen Träger westlicher Lebensformen anderswo »herstellen«. Was wir im Gegenzug an Waren, Wissen und Werten liefern, ist schwer auszumachen. Die Aufgabenteliung zwischen den Kulturen ist überaus vielgestaltig, meist unbewusst und - es muss immer wieder betont werden - von niemandem geplant.
Die neue Arbeitsteilung zwischen produktiven und reproduktiven, kinderarmen und kinderreichen Gesellschaften gilt womöglich nur für eine Übergangsphase von weniger als 100 Jahren. So lange wird es dauern, bis alle Gesellschaften nicht nur ähnlich niedrige Geburtenraten erreichen, sondern auch die »Kinderberge« der vorherigen, umfangreicheren Generationen abgebaut haben. Nach und nach werden alle Kulturen sich umstellen: von einer breiten Reproduktionsbasis mit hoher Sterblichkeit auf eine schmale Basis lange lebender Individuen; von einem risikoreichen auf ein verhältnismäßig sicheres Leben; von einer biologischen Entwicklungsstufe, in der die schiere Zahl der reproduzierten Organismen über den Fortbestand der Spezies entschied, zu einer soziokulturellen Stufe der Evolution, in der die Teilung der sozialen Aufgaben die Fähigkeit der menschlichen Spezies, Probleme zu lösen, ins Unermessliche steigert.
Dass damit Probleme auch stets neu auftreten, ist die Kehrseite der Medaille. Der Wettlauf von Problemen und Problemlösungen führt nicht ins schöne Land Utopia. Aber er wird auch nicht durch Geburtenzahlen oder, wie die modischen Massenmarathons, durch die große Zahl der Mitläufer entschieden.
In der Weltgesellschaft braucht deren modernster Teil nicht mehr Nachwuchs, als er aus sich selbst und aus dem Rest der Welt ohnehin bekommt. Zumindest braucht er keine Kindersubventionspolitik. Seine unterschiedlichen Lebenssphären - Wirtschaft, soziale Sicherheit, Wissenschaft, Politik, Religion, Familie, Kultur - verfügen über eine erstaunliche Fähigkeit, sich selbst auch mit weniger Menschen zu reproduzieren. Wie von allein wachsen sie dabei über den nationalen Rahmen hinaus, dessen Scheuklappen wir nicht ohne weiteres ablegen können. Sich selbst überlassen, entwickeln soziale Systeme als Problemlöser womöglich einen Erfindungsreichtum und gegenseitige Inspirationen, die der Moderne würdig sind. Dazu kann auch ein Wiederanstieg der Geburtenrate gehören. Sollte es so sein, dann wird er allerdings aus dem unbewussten Zusammenspiel vieler Systeme geboren werden und nicht aus den Berechnungen und Mahnungen demografischer, politischer, kirchlicher oder anderer Autoritäten.
Die Gesellschaft selbst weiß mehr als jede einzelne Autorität. Es wäre vermessen, ihr dieses Wissen abgewinnen und es auf Flaschen ziehen zu wollen, um es dann als Worte großer Bücher oder Gedanken großer Geister herumzureichen. Wir können al­lerdings, in kleinen Schritten, die Mechanismen zu begreifen versuchen, nach denen sich Gesellschaft bildet und entwickelt. Unternehmen wir diesen Versuch, und widerstehen wir dem demografisch-alarmistischen Missbrauch der Empirie. Mit dem Blick auf die Entwicklung der Gesellschaft schützen wir uns vor den normativen Zumutungen der »neuen Familienmodelle«, welche demografisch-journalistische Schaumschläger uns nahebringen möchten. junge Leute werden durch diese nicht weniger, sondern mehr belastet. Ihre erste Befreiungstat ist, dass sie den demografischen und Familienaposteln den Laufpass geben. Denn es zeigt sich in der erweiterten gesellschaftlichen Perspektive, dass kein Grund zur Panik besteht, im Gegenteil: Weniger sind mehr.

Rezension des Buches
Karl Otto Hondrich: "Weniger sind mehr"
(2007, Campus in Frankfurt, 280 S.)
In einer Welt, in der (durchaus auch von interessierter Seite) ständig vermittelt wird, dass der Mensch, sein Benehmen im Alltag und vor allem seine wachsende Zahl eine Bedrohung des Planeten Erde darstellt, während andererseits gerade dort, wo z.B. der Lebensstil am stärksten umweltbelastend ist, ein Bevölkerungsrückgang der Niedergang ganzer Nationen sein soll, ist es schon auffällig, wenn ein Buch mit klaren Gegenthesen herauskommt. In der Tat: Autor Hondrich bezieht Stellung, dass der Geburtenrückgang in vielen Ländern durchaus als Glück zu werten ist. Allerdings sind seine Hintergedanken wenig menschlich, sondern funktional und überwiegend wieder ökonomisch ausgerichtet: „Objektiv gesehen ist Kinderlosigkeit eine Entlastung. Entsprechend können andere Sphären, insbesondere der Beruf, Raum gewinnen“ deutet seine ökonomisch orientierte Sichtweise an, noch bizarrer klingt es, wenn Hondrich Menschen mit Südfrüchten vergleicht: „So wenig wir in Bezug auf Südfrüchte, Energie oder militärischen Schutz autark sind, so wenig sind wir es in Bezug auf den eigenen Nachwuchs. Längst lassen wir auch die lebendigen Träger westlicher Lebensformen anderswo ‚herstellen’.“ (S. 264)

Aus Rainer Münz/Albert F. Reiterer: Wie schnell wächst die Zahl der Menschen?
Die Europäische Union als stärkste Wirtschaftskraft der Welt bringt alle Voraussetzungen mit, in diesem Innovationsprozess die Führungsrolle zu übernehmen. Sie kann einen entscheidenden Beitrag leisten, Entwicklungsspielräume für die Schwellen- und Entwicklungsländer im Sinn der Nachhaltigkeit zu schaffen. Gleichzeitig bieten sich der europäischen Wirtschaft auf Jahrzehnte Felder für qualitatives Wachstum mit zusätzlichen Arbeitsplätzen. Wichtig wäre in diesem Zusammenhang auch die Rückgewinnung von Tausenden von begabten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die Europa nicht nur aus materiellen Gründen, sondern oft auch wegen fehlender Arbeitsmöglichkeiten oder unsicheren -bedingungen verlassen haben. (S. 18)
Wenn es der Menschheit nicht gelingt, die Ressourcen- und Energieeffizienz drastisch zu steigern und die Bevölkerungsentwicklung nachhaltig einzudämmen - man denke nur an die Prognose der UNO, nach der die Bevölkerungsentwicklung erst bei elf bis zwölf Milliarden Menschen am Ende dieses Jahrhunderts zum Stillstand kommt -, dann laufen wir ganz konkret Gefahr, Ökodiktaturen auszubilden. In den Worten von Ernst Ulrich von Weizsäcker: »Die Versuchung für den Staat wird groß sein, die begrenzten Ressourcen zu rationieren, das Wirtschaftsgeschehen im Detail zu lenken und von oben festzulegen, was Bürger um der Umwelt willen tun und lassen müssen. Experten für >Lebensqualität< könnten von oben definieren, was für Bedürfnisse befriedigt werden dürften« (Erdpolitik, 1989). (S. 19)
Und letztendlich müssen wir die Frage stellen, ob wir Menschen das Recht haben, uns so stark zu vermehren, dass wir zum Ende dieses Jahrhunderts womöglich eine Bevölkerung von 11 bis 12 Milliarden Menschen erreichen, jeden Quadratzentimeter unserer Erde in Beschlag nehmen und den Lebensraum und die Lebensmöglichkeiten aller übrigen Arten immer mehr einengen und zerstören. (S. 20)
Vervierfachung der Einwohnerzahl unseres Planeten geben. Schon aus ökologischen Gründen wäre die Fortsetzung des Wachstums in so einem Tempo nicht möglich. Es spricht aber auch aus demographischer Sicht nichts dafür. Mittelfristige Prognosen rechnen bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts mit »nur« 9 Milliarden Erdenbürgern (Kapitel 4). Am Ende des 21. Jahrhunderts ist mit mindestens 9,5 Milliarden zu rechnen. Danach wird die Einwohnerzahl unseres Planeten wahr­scheinlich wieder abnehmen, falls der globale Trend zu weniger Kindern anhält und Frauen zukünftig im Schnitt weniger als zwei Kinder zur Welt bringen. (S. 32)
Die Sorge nicht nur um die Zukunftschancen der Kinder, sondern auch um das eigene Glück führte zu sinkenden Geburtenzahlen. Denn dieses Glück bemisst sich heute nicht an der Zahl eigener Kinder, sondern an Karriere- und Konsumchancen, an einer größeren Wohnfläche, eigenen Autos, Fernreisen, einem Zweitwohnsitz. Damit verbindet sich ein wesentlich höherer Energie- und Ressourcenverbrauch, aber auch eine stärkere Belastung der Umwelt durch C02, andere Abgase, Abwässer und festen Abfall. Die ökologischen Kosten unserer westlichmodernen Lebensform, die nachhaltig und ohne staatliche Eingriffe zur Eingrenzung des Bevölkerungswachstums führte, sind hoch. Am deutlichsten zeigt sich dies bei der globalen Erwärmung, zu der wir durch unsere Emissionen erheblich beitragen. (S. 301)

Rezension des Buches
Rainer Münz/Albert F. Reiterer: "Wie schnell wächst die Zahl der Menschen?"
(2007, S. Fischer Verlag in Frankfurt, 345 S., 9,95 Euro)
Wer sich kritisch mit den ganzen Horrornachrichten zur Überbevölkerung auseinandersetzt, kann mit diesem Buch arbeiten. Denn es ist aus dem Blickwinkel derer geschrieben, die „ die Frage stellen, ob wir Menschen das Recht haben, uns so stark zu vermehren, dass wir zum Ende dieses Jahrhunderts womöglich eine Bevölkerung von 11 bis 12 Milliarden Menschen erreichen, jeden Quadratzentimeter unserer Erde in Beschlag nehmen und den Lebensraum und die Lebensmöglichkeiten aller übrigen Arten immer mehr einengen und zerstören.“ Für einen solchen, äußerst zweifelhaften Ansatz ist das Buch dann allerdings angenehm analytisch und versucht, Fakten und Trends zusammenzutragen. Das überraschende Ergebnis: „Mittelfristige Prognosen rechnen bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts mit »nur« 9 Milliarden Erdenbürgern (Kapitel 4). Am Ende des 21. Jahrhunderts ist mit mindestens 9,5 Milliarden zu rechnen. Danach wird die Einwohnerzahl unseres Planeten wahrscheinlich wieder abnehmen, falls der globale Trend zu weni­ger Kindern anhält und Frauen zukünftig im Schnitt weniger als zwei Kinder zur Welt bringen.“ (S. 32)
Gleichzeitig: Zu wenig Menschen im dichtbesiedelten Deutschland

Aus Axel Brüggemann (2009): "Wir holen uns die Politik zurück!" (S. 162)
Die deutsche Bevölkerung verdummt also nicht nur im internationalen Vergleich, sondern sie löst sich auch noch auf.

Aus "AfD-Spitzenpolitikerin spricht Klartext", auf: Focus Online am 7.9.2014
Die AfD-Vorsitzende im sächsischen Landtag, Frauke Petry, ... verteidigte gleichzeitig die umstrittene Forderung ihrer Partei nach der Drei-Kind-Familie: „Wir brauchen mehr Kinder in Deutschland.“

Links zu Seiten, die behaupten, das Bevölkerungswachstum sei schuld ...
Weitere Informationen

Linke Ökos mit offener, rechter Flanke

Jahrelang bot die Ökologische Plattform, zunächst organisiert in der PDS, später zusammen mit der WASG und schließlich eine Strömung in der Gesamtpartei Die Linke, eine krude Mischung von Ökologie und rechten Bezügen. Sie war ein Sammelbecken sehr unterschiedlicher, dabei auch rechter und esoterischer Ideen. Das änderte sich erst mit Gründung der Gesamtpartei "Die Linke", als mehr parlamentarisch orientierte FunktionärInnen in der Ökologischen Plattform mitmischten und den rechtslastigen Stil durch den üblichen, inhaltsleeren Nachhaltigkeitsstil verdrängten.

Rechts: Literaturtipps auf der Einladung zum Seminar der Ökol. Plattform der PDS (Nov. 2005): Krude Mischung als ÖkologInnen, Parteipolitikern, GlobalisierungsgegnerInnen und rechten Vordenkern wie Gruhl, Bahro und Alt.

Immer wieder wurde Herbert Gruhl genannt - wahrscheinlich als einzige Partei im Bundestag bezogen sich die Ökos der Linkspartei positiv auf den Rechtsaußen. So unter anderem Marko Ferst in einem Leserbrief im Neuen Deutschland am 4.9.2006).

Die Tarantel Nr. 31 der Ökol. Plattform der Linkspartei (Ex-PDS) hat es dann dicke ... es ist ein Heft, in dem die geistigen Grundlagen von Ökologiepolitik vorgestellt werden. Am Beginn werden die Grundprobleme benannt, u.a. das exponentielle Bevölkerungswachstum - während selbst rechtskonservative Institute schon zugeben, dass die Bevölkerungskurve sich abflacht. Die ÖPF plädiert offen für Zwangsmassnahmen (siehe Zitat unten). Im weiteren Verlauf des Heftes findet sie die übliche Mischung aus autoritären Umweltpolitikansätzen und dem Mainstream-Gerade von Nachhaltigkeit, einem eher neoliberalen Ansatz von Umweltschutz. Zwischen den Texten sind Zitate verschiedener Personen zu finden, angefangen vom Ökomonarchie-Fan Ernst-Ulrich von Weizsäcker über den Rechtsextremen Herbert Gruhl, den zumindest fragwürdigen Rudolf Bahro bis zum ZEGG-Mann Achim Ecker. Deutlicher geht es kaum, die ÖPF der Linkspartei ist eines der Querfrontprojekte dieser Republik.

Aus "Die Zukunftsprobleme der Menschheit", Leitartikel in der tarantel Nr. 31, Nov. 2005 (S. 1), Zeitung der Ökologischen Plattform in der Linkspartei
Welche Entwicklungen sind stategisch ausschlaggeben, die im Strategiezeitraum der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts aktuell bleiben und auch in diesem Zeitraum einer Lösung zugeführt werden müssen? ...
Exponentielles Bevölkerungswachstum
Engels erkannte schon 1881: "Die abstrakte Möglichkeit, dass die Menschenzahl so groß wird, dass ihrer Vermehrungs Schranken gesetzt werden müssen, ist ja da." Dieser Zustand ist heute Realität. "Die biologische, ökonomische und kulturelle optimale Bevölkerungsgröße ... ist sicher längst überschritten (W. Harich 1975). Heute sind insbesondere in vielen Ländern der Dritten Welt Maßnahmen zum Stopp des Bevölkerungswachstums notwendig.

Leitfigur 1 von PDS und WASG: Herbert Gruhl
Die nächste Tarantel Nr. 32 wurde noch deutlicher. Marko Ferst feiert den Rechtsextremen Herbert Gruhl ab. Aus dem Text mit Kommentaren (komplette Fassung):

Schon 1981 verlässt er aber die Grünen wieder. Aus den jetzt dokumentierten Texten kann man ersehen, dass ein zentraler Kritikpunkt an der Partei war, dass sie die Konsequenzen einer Gesellschaft ohne Wirtschaftswachstum nicht in ihre Programmatik und in ihr Handeln aufnahm. Er gründet die ÖDP, die er 1989 ebenfalls verlässt. ...
Ferst unterschlägt hier, dass er nun bei den rechtsextremen UÖD mitmischt.
... die Bevölkerungsdichte ist Ursache Nummer eins, dass wir täglich 300-400 Tier- und Pflanzenarten verlieren, besonders im artenreichsten Refugium, den Regenwäldern ...
Ferst geht nicht nur dem Märchen vom Bevölkerungswachstum als Umweltzerstörungsursache auf den Leim, sondern erfreut sich offenbar auch noch völliger Ahnungslosigkeit. Denn die tropischen Regenwälder sind nicht die Zonen besonders starken Bevölkerungswachstums.
Die Botschaft Herbert Gruhls weiterzudenken, das wäre eine spannende, aber unbequeme Aufgabe.
Wovor man sich hüten muss im Ökologiebereich: Man darf nie unbesehen, was irgend jemand über jemanden sagt, vor allen Dingen in kritisierender Absicht, einfach so übernehmen. Das betrifft nicht nur Gruhl. Die Aussage, dass er Kriege in Kauf nehmen würde, wie in tarantel Nr.31 zu lesen, ist sachlich nicht gerechtfertigt. Auch andere Punkte, die ihm rechtes Denken unterschieben, gehen völlig fehl. Man findet solche Stellen im Werk nicht. Da argumentiert jemand sehr nüchtern und vorausschauend. Man kann sich an seinem konservativen Familienbild stören oder auch an anderen Einzelpunkten und wird von ihm keine sozialistische Perspektive erwarten dürfen. Allerdings gibt es wohl auch keinen Politiker, der so vehement auf die Unmöglichkeit eines grenzenlosen Wachstums verwiesen hat und diesbezüglich dürften Linke wie Oskar Lafontaine, Gregor Gysi u. v. a. noch erheblich Lernbedarf haben. Lesenswert sind von ihm auch die Bücher "Himmelfahrt ins Nichts. Der geplünderte Planet vor dem Ende" (1993) und "Das irdische Gleichgewicht. Ökologie unseres Daseins" (1982).

Leitfigur 2: Rudolf Bahro
Im gleichen Heft ist von Thies Gleiss (Ökologie-Sprecher im Bundesvorstand der WASG und Mitarbeiter bei der SoZ, der Sozialistischen Zeitung) zu lesen (S. 7):
Das Schicksal der in diesem Sinne tatsächlichen "Fundis" innerhalb der "Grünen" beweist dies ebenso wie das von dem so belesenen und brillant argumentierenden Rudolf Bahro. Würde der so vielzitierte Fernsehreporter Morawitz nicht den Skilanglauf, sondern den Theorielanglauf der Umweltbewegung kommentieren, so hieße es nicht "Wo ist Behle?", sondern "Wo ist Bahro?"

Prägend war jahrelang Marko Ferst. Der ist Umweltschützer, unterwegs bei vielen Aktionen und in vielen Gruppen, aktiv in der PDS (Ökologische Plattform) und Anhänger vieler rechter Ökologen. Auf seinen Internetseiten finden sich oft Links und Bezüge zu Bahro, Franz Alt (mit beiden hat Ferst ein Buch verfasst) und sogar Herbert Gruhl. Auffällig viele Bezüge sind zum ZEGG zu finden (kritische Seite zum ZEGG hier ...). Ferst ist Macher der www.umweltdebatte.de, einer typischen Internetseite mit einem Gemisch aus ökologischen Themen, biologistischen Ideologien, Bezügen zu Esoterik und ähnliche Perspektiven, Verweise auf rechte Ökologen wie Bahro, Gruhl oder Alt usw.

Im Original: Marko Ferst im O-Ton ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Rechts: Ausschnitt aus einem Flyer zu einer Veranstaltung, wo sich Marko Ferst selbst in einen Kontext mit den konservativen bis rechtsoffenen Franz Alt und Rudolf Bahro setzt (ganzer Flyer).

Jubel für Herbert Gruhl
Punkte, die ihm rechtes Denken unterschieben, gehen völlig fehl. Man findet solche Stellen im Werk nicht.

"Plädoyer für ein ökologisches Kultursystem" von Marko Ferst (Quelle: Ökologische Plattform der PDS)
Insgesamt scheint unsere Zivilisation an dem Umstand zu kranken, daß ein Übermaß der Kräfte in den materiellen Aufbau gelenkt wird und dabei der innere Mensch, die spirituelle Sphäre auf der Strecke bleibt. ...
Wir haben uns offenkundig in einer Sackgasse verfangen und laufen auf eine menschheitsgeschichtliche Richtstatt zu. ...
Der SPD-Vordenker Hermann Scheer, den alternativen Nobelpreis hat er, wie ich glaube, sehr berechtigt bekommen, jedenfalls Hermann Scheer als Zukunftskanzler, das wäre das Mindeste, was sich die Sozialdemokratie 2002 leisten müßte. ...
Picknick mit Gysi und Bisky auf den Gleisen ergäbe mit Sicherheit eine unmißverständliche fernsehgerechte Botschaft und nebenbei Chancen, im Westen über 1,5 Prozent zu kommen. ...
Der globale Finanzmarkt ist eine Krake, die weltweit ihre Tentakeln an die wirtschaftlichen und sozialen Prozesse hängt.
... insbesondere Robert Havemann und Rudolf Bahro, formulierten die ökovisonäre Perspektive mit besonderer Prägnanz, und wir hätten in der PDS guten Grund, nicht länger hinter ihrem Erkenntnishorizont zurückzubleiben. ...
Wenn Kurt Biedenkopf hinbekommt, das Modellprojekt „Lebensgut Pommritz" als sozialökologisches Experiment massiv zu unterstützen, sollte es doch für die PDS nicht zu kompliziert sein, ähnliches als Möglichkeit zu etablieren, zumal Vorschläge zur Methodik aus der Ökologischen Plattform vorliegen. ...
Hätten die nachfolgenden Generationen die Chance, mit in den Parlamenten zu sitzen und die Geschicke zu lenken, wir würden uns wundern, welche durchgreifende Abspeckkur sie uns binnen kürzester Frist verordnen würden. Ernst Ullrich v. Weizsäcker, Jens Reich und Rudolf Bahro plädieren für einen ökologischen Rat, der politisch versucht, die Interessen aller zukünftigen Generationen zu wahren. Sie trauen dies den jetzigen Parteien nicht mehr zu. Wir müßten uns ein Ethik- und Ökoparlament als oberstes Staatsorgan, als rahmengebende Institution über dem Bundestag, leisten. Bisher lenkt der Verteilungskampf um Besitzstände die gesellschaftliche Perspektive. Die langfristigen Orientierungen gehen im Parteiengerangel unter. Dieses ökologische Oberhaus müßte sich durch eine demokratische Personenwahl konstituieren unter Ausschluß der Parteien und würde für etwa sieben Jahre gewählt. Die Abgeordneten haben mit Hilfe einer umfassenden schriftlichen Arbeit ihre ökologische Kompetenz auszuweisen. ...
Es könnte sein, wir unterschätzen dann die eigene Kraft, die sich entfalten könnte, wenn Ökologen quer über die heutigen gesellschaftlichen Trennlinien hinweg zusammenarbeiten würden.


Reaktion von Marko Ferst im Gästebuch der Projektwerkstatt auf das Zitieren obigen Textes auf dieser Seite:
Nur für die uninformierten Projektwerkstättler: Die Umweltpassage haben wir am Wochenende durch den Parteitag durchgeboxt. Das müßt ihr erst mal nachmachen, wenn man bedenkt, daß es doch noch ein paar Strukturkonservative in der Linkspartei gibt. Gegenüber vorher ein echter Fortschritt. Teamarbeit sage ich nur. Oder ist bis 2050 eine vollständige solare Energiewende zu wollen, schon etwa ein rechter Ausrutscher? Ihr seit mir Marken. Wer die Texte dafür geliefert hat, wißt Ihr nicht? In der Linkspartei werde ich dem linken Flügel zugerechtet und ihr verlaßt Euch auf Juttas Denunziationskramladen. Da habt ihr aber den falschen Kompaß erwischt. Da ich weiß, wie die Metaphysik einiger edelbewegter Sektierer funktioniert, Beispiel Kraatz, werde ich ihnen das Fürchten lehren, wenn sie mir in die Quere kommen. Und nur für die, die es nicht wissen Gruhl und Alt sind gewiß keine Sozialisten, aber habe den ein oder anderen klugen Gedanken aufgeschrieben. Ich teile nicht alles, halte ab er gar nichts von Denunziation auf eine Weise die dem \"Schwarzen Kanal\" sehr ähnlich ist. Für die, die das nicht mehr wissen: Das war eine stalinistische Einpeitschersendung im DDR-Fernsehen mit unserem allseits beliebten Karl Eduart v. Schnitzler. Nichts für ungut, macht lieber was Konstruktives, als soviel Zeit für unproduktive Sachen zu vergeuden.

Schlüsseltexte wider die Wachstumsideologie
Marko Ferst
Band mit zentralen Aufsätzen des konservativen Umweltvordenkers Herbert Gruhl erschienen: Unter den Karawanen der Blinden. Schlüsseltexte, Interviews und Reden (1976-1993) (siehe Bücherecke)
Hanspeter Padrutt spricht davon, Herbert Gruhl wäre der Vater der Umweltbewegung in Deutschland. Dieser Gedanke ist nicht abwegig, soweit er auf Westdeutschland bezogen wird. Er ist der erste prominente Umweltpolitiker im deutschen Parlament. Sein Bestseller von 1975 "Ein Planet wird geplündert" verkauft sich über 400 000-mal. Er plädiert dort für eine planetare ökologische Wende. Wir müssen von den Grenzen unser Erde ausgehen und von daher unser Handeln bestimmen. Der Schwerpunkt seiner Kritik am bisherigen Wirtschaftssystem liegt auf den begrenzten Ressourcen, die in einer Wachstumsorgie geschichtlich beispiellosen Ausmaßes verschwendet werden. Jetzt gab Volker Kempf gesammelte Schlüsseltexte, Interviews und Reden des Philosophen und Umweltpolitikers heraus, die einen guten Überblick über sein Wirken ermöglichen - ein verdienstvolles Unterfangen. Leider ist der Band nicht ganz preiswert, doch der Weg zur Bibliothek lohnt.
Von 1975 bis 1977 war Herbert Gruhl Vorsitzender des Bundes für Umwelt- und Naturschutz. Bis 1978 für die CDU im Bundestag, gründet er die "Grüne Aktion Zukunft" und bestreitet zwei Jahre später zusammen mit Petra Kelly die Spitzenkandidatur für die junge grüne Partei. Mit 3,2% wird ein erster Achtungserfolg erreicht. Schon 1981 verlässt er aber die Grünen wieder. Aus den jetzt dokumentierten Texten kann man ersehen, dass ein zentraler Kritikpunkt an der Partei war, dass sie die Konsequenzen einer Gesellschaft ohne Wirtschaftswachstum nicht in ihre Programmatik und in ihr Handeln aufnahm. Er gründet die ÖDP, die er 1989 ebenfalls verlässt. Sodann konzentriert er sich auf sein letztes Werk: "Himmelfahrt ins Nichts". Für seine Verdienste im Natur- und Umweltschutz erhielt er 1991 das Bundesverdienstkreuz von Monika Griefahn überreicht. Die CDU hielt er für industriegläubig, den langjährigen Parteichef Kohl für ökologisch ignorant und unsensibel.
Er argumentiert, wenn ein Rohstoff bei gleichbleibendem Verbrauch 1000 Jahre reicht, dann ist er bei 3 % Wachstumsrate nur noch für 171 Jahre verfügbar. Steigt dieser global jährlich um 6%, dann schrumpft die Spanne der Verfügbarkeit auf 71 Jahre - ein Menschleben. Ein Blick darauf, dass in den nächsten Jahren etwa die Nachfrage von Erdöl unter das lieferbare Angebot fallen wird, zeigt wie aktuell seine Argumentation ist. Er spricht sich gegen die Nutzung der unberechenbaren Atomenergie aus und warnt vor den Folgen der Klimakatastrophe.
Schon frühere Kulturen gingen unter oder die Gesellschaften mussten auswandern, weil sie die ökologischen Belastungsgrenzen ihrer Region überschritten hatten. Beim Untergang der Mayakulturen auf der Halbinsel Yucatan spielte neben Klimaveränderungen die zu hohe Bevölkerungsdichte und Reichtumsansammlung bei kleinen Machteliten eine wesentliche Rolle. Wenn jährlich 90 Millionen Menschen auf dem Erdball dazukommen, dann sollte man ernst nehmen, dass sich daraus Konsequenzen ergeben. Darauf wies Gruhl hin. Die landwirtschaftliche Nutzfläche nimmt stetig ab und die Bevölkerungsdichte ist Ursache Nummer eins, dass wir täglich 300-400 Tier- und Pflanzenarten verlieren, besonders im artenreichsten Refugium, den Regenwäldern. Bösartig wird ihm in diesem Kontext auch unfaire Argumentation gegen ausländische Bürger vorgeworfen. Dabei verteidigte er das deutsche Asylrecht noch, als die meisten Parteien darauf hinarbeiteten, es abzuschaffen.
In den letzten Texten von Herbert Gruhl vor seinem Tod 1993 sieht man, dass er die jetzige Zivilisation für unrettbar verloren hielt. Das komplexe Zusammenwirken von Klimaveränderungen und der Erosion von Ökosystemen spricht dafür - er könnte recht behalten. Es zeichnet sich ab, die Gesellschaften unterschätzen die nichtlinearen Wirkungen, viele Zerstörungsaspekte fallen nicht unmittelbar auf. Etwa, die viel zu späte Entdeckung des antarktischen Ozonlochs, die offizielle Wissenschaft erzählte damals noch, die Werte sind alle in Ordnung, könnte ein deutlicher Warnhinweis sein. Der Klimawandel ist bestenfalls abzubremsen, aber nicht mehr aufzuhalten. Der Schock für die Gesellschaften wird kommen, den Gruhl auf uns zukommen sah. Gewiss unterschätzt er die abfedernden Möglichkeiten einer vollständigen solaren Energiewende und ökologischer Effizienzsprünge. Der aktuelle Band zeigt auch bei den späten Texten, etwas im Gegensatz zu seinem letzten Buch, daß er gesellschaftliche Veränderung trotzdem für sinnvoll gehalten hat. Was aber wenn er recht behält und die Zivilisation in einen Zerfallsprozess übergeht? Es stellt sich die Frage, wie kann man die schlimmsten sozialen Verwerfungen mildern und verhindern, daß neuartige totalitäre Gesellschaftsformen entstehen können. Wir würden mit der Frage konfrontiert, wie wir damit umgehen wollen, wenn Stück um Stück die bisherige Lebensordnung wegbricht. 40% der Nahrungsmittel der Menschheit werden in Trockengebieten angebaut. Im Zusammenspiel mit anderen Faktoren, wird das Opferraten geben, die einem das Herz stillstehen lassen. Die Botschaft Herbert Gruhls weiterzudenken, das wäre eine spannende, aber unbequeme Aufgabe.
Wovor man sich hüten muss im Ökologiebereich: Man darf nie unbesehen, was irgend jemand über jemanden sagt, vor allen Dingen in kritisierender Absicht, einfach so übernehmen. Das betrifft nicht nur Gruhl. Die Aussage, dass er Kriege in Kauf nehmen würde, wie in tarantel Nr.31 zu lesen, ist sachlich nicht gerechtfertigt. Auch andere Punkte, die ihm rechtes Denken unterschieben, gehen völlig fehl. Man findet solche Stellen im Werk nicht. Da argumentiert jemand sehr nüchtern und vorausschauend. Man kann sich an seinem konservativen Familienbild stören oder auch an anderen Einzelpunkten und wird von ihm keine sozialistische Perspektive erwarten dürfen. Allerdings gibt es wohl auch keinen Politiker, der so vehement auf die Unmöglichkeit eines grenzenlosen Wachstums verwiesen hat und diesbezüglich dürften Linke wie Oskar Lafontaine, Gregor Gysi u. v. a. noch erheblich Lernbedarf haben. Lesenswert sind von ihm auch die Bücher "Himmelfahrt ins Nichts. Der geplünderte Planet vor dem Ende" (1993) und "Das irdische Gleichgewicht. Ökologie unseres Daseins" (1982).


Eine Seite weiter folgte dann folgende Kurzrezension:
Herbert Gruhl
Unter den Karawanen der Blinden
Schlüsseltexte, Interviews und Reden (1976-1993)
Die gesammelten Schlüsseltexte, Interviews und Reden des Philosophen und Umweltpolitikers Herbert Gruhl (1921-1993) geben Zeugnis von seinem Denken und politischen Wirken in führenden Rollen der sich formierenden Ökologiebewegung und ihrer Parteien. Dabei wird zunächst Gruhls Umweltklassiker 'Ein Planet wird geplündert' 30 Jahre nach seinem Erscheinen in Grundzügen authentisch in Erinnerung gerufen, dann durch weitere Aspekte ergänzt und in zeitgenössischen Interviews hinterfragt.


Aus Ferst, Marko: "Plädoyer für eine ökologische Zeitenwende", in: Grüner Weg 31a, Sommer 2004 (S. 32 f., gesamter Text als .rtf)
In immer kürzeren Abständen verdoppelt sich die Bevölkerungszahl auf der Erde. Vor der 10-Milliarden-Marke wird das Bevölkerungswachstum kaum zum Erliegen kommen. Dies sind nur die dramatischsten Warnzeichen, wie wir die irdischen Belastungsgrenzen überrennen. ...
Der erforderliche ökologisch-soziale Strukturwandel müsste umfassender sein als alle vorhergehenden Umwälzungen und Reformen in der Menschheitsgeschichte. Der Wohlstand von drei, vier Generationen wird immer wahrscheinlicher mit Jahrhunderten Siechtum und Elend bezahlt werden. Am Ende könnten Opferzahlen stehen, die selbst das Quantum des Hitlersystems weit übersteigen, das Grauen der beiden Weltkriege in den Schatten stellen. ...
Eingerichtet werden könnte ein Ökologisches Oberhaus, demokratisch gewählt, das die langfristigen politischen Perspektiven festlegt und dem Bundestag und dem Bundesrat gegenüber weisungsbefugt ist.1 Es soll das Mensch-Natur-Verhältnis überwachen und gegenüber den anarchischen Partialinteressen der Gesellschaft die Maße ökologischer Begrenzung durchsetzen. Es ist der institutionelle Ausdruck, dass die Ökonomie und die soziale Ausstattung ein Untersystem des Naturhaushalts ist und Marktgesetze sich nicht gegen Naturgesetze zum Schaden der zukünftigen Generationen durchsetzen dürfen. Ins Ökologische Oberhaus würden keine Parteien gewählt, sondern es sollte sich über eine Personenwahl konstituierten. Für die Bewerber/innen wird u.a. mit Hilfe einer eigenständigen Arbeit nachzuweisen sein, dass sie für das Amt qualifiziert sind. Eine Kommission entscheidet mit Beteiligung der Öffentlichkeit, ob der Kandidatur im Vorfeld der Wahl stattgegeben wird. Zum Beispiel könnte ein Umweltverband Einspruch erheben, wenn anhand von Fakten nachweisbar wäre, dass ein Industrielobbyist ins Parlament will und die vorgelegte Arbeit nur schöner Schein ist.
1 Die ursprüngliche Idee stammt von Rudolf Bahro, der sie in "Logik der Rettung" erstmals vorstellte.

Ökologie-/Alternativbewegung und Rassismus

Aus einem Text von Stefan Fulz, jungdemokratInnen-junge linke
Nach dem emanzipativen Schub, den die Ökologie gerade mit den 68'ern erleben durfte, sind nunmehr verstärkt Tendenzen zu beobachten, dass konservative und neofaschistische Kreise mit vorgeblich ja in der "linken" Eke stehenden "Ökos" erfolgreich zusammenarbeiten. Hubert Weinzierl sei hier genannt. Der ehemalige BUND-Vorsitzende, der jetzt in der "Nachhaltigkeitskommission" des Bundeskanzlers sitzt, betrachtet die Menschen aus dem Trikont als "Lawine", die alles zerstört.
Mensch und Natur als Einheit - dies ist eins der wichtigsten Dogmen für bestimmte ökologische Kreise. Dies heißt, dass Naturgesetze auch für Menschen zu gelten Haben. ... Bei Haeckel, selbst Schüler von Darwin, hört sich das dann folgendermaßen an: Direkt wohltuend wirkt als künstlicher Selektionsprozess auch die Todesstrafe ... Wie durch sorgfältiges Ausjäten des Unkrauts nur Licht, Luft, und Bodenraum für die edlen Nutzpflanzen gewonnen wird, so würde durch unnachsichtige Ausrottung aller unverbesserlichen Verbrecher nicht allein dem besseren Teil der Menschheit der Kampf ums Überleben erleichtert, sondern auch ein vorteilhafter künstlicher Züchtungsprozess ausgeübt werden."
Neofaschistische Kreise bemerken in diversen Internetforen, dass die Ausrottung der Tasmanischen Menschen natürlich war, da schließlich "stärkere Menschen" kamen. ... Und was sagt denn Konrad Lorenz, ein Verhaltensforscher, der auch in großen Teilen der Umweltbewegung anerkannt ist, zu AIDS? "Gegegen Überbevölkerung hat die Menschheit nichts Vernünftiges unternommen. Man könnte daher eine gewisse Sympathie für AIDS bekommen. Eine Bedrohung, die die immerhin dezimieren, immerhin von anderen bösartigen Unternehmungen abhalten könnte".

Beispiele

Genau hingucken lohnt, um die Feinheiten zu entdecken. Der Verein NeuDeutschland, der ein eigenes Geld ("Engel") herausgibt und einen Staat im Staate bilden will, hat eine Verfassung für sein neues Deutschland geschrieben. Die ist im Wesentlichen vom Grundgesetz abgeschrieben (wie langweilig). In vielen Absätzen sind die staatlichen Repressionsmittel leicht eingeschränkt. Das zieht sich durch. Nur bei einem Paragraphen ist es genau umgekehrt - im Artikel 16a. Dort steht bisher: "(1) Politisch Verfolgte genießen Asylrecht." Das soll ergänzt werden: "Sie haben sich an die Verfassung von Neudeutschland und an die in Neudeutschland geltenden Gesetze zu halten. Bei erwiesenen strafrechtlichen Verstößen können sie jederzeit und mit sofortiger Wirkung wieder ausgewiesen werden." Überall anders soll NeuDeutschland liberaler werden - nur gegenüber AusländerInnen nicht. Zufall?

Weitere Links zum Thema
Download

Rechte Gruppen und ihre Ökopositionen

Tierschutz: Klischees und Naturromantik

Mit dem Ableben mehrerer Vordenker und Protagonisten war es in rechtsökologistischen Gefilden in den letzten Jahren wieder merklich ruhiger geworden (1993: Herbert Gruhl, 1999: Werner G. Haverbeck, 2003: Baldur Springmann). In letzter Zeit sind es vor allem junge Kameradschaftler, die für sich den Tier- und Naturschutz entdecken. Die Ausgaben von immerhin drei jüngeren grün-braunen Magazinen sind dieses und Ende letztes Jahr erschienen.
Im September 2006 erschien die zweite Ausgabe von „fallen rain“ einem A5-Blatt mit 52 Seiten dass laut Eigenangabe in einer Auflage von 250 Stück erschien1. Als Kontaktadresse für „fallen rain“ wird Edemissen2 in Niedersachsen und als Kontaktperson ein Christian angegeben. Ein Christian Recklies aus Edemissen war bis zu einem Hackerangriff Anfang 2005 der Betreiber des rechten Umwelt- und Tierschutzportals „Bound for Nature“3. In unbekannter Stückzahl erschien im November 2006 die dritte Ausgabe des optisch nur wenig ansprechende 22seitigen Magazines „Öko..? Logisch..!4“ aus Arendsee5 (Sachsen-Anhalt). Beide im Fanzine-Outfit erstellte Hefte sind recht eindeutig im Kameradschaftsumfeld zu verorten.

Optisch ansprechender aber inhaltlich kaum weniger eindeutig hingegen ist das 32seitige Magazin „Umwelt und Aktiv“ (Untertitel: „Das Magazin für gesamtheitliches Denken“), dessen zweite Ausgabe Ende Mai herauskam. Eindeutig ist eine neuheidnische Ausrichtung bereits an der „Irminsul“, einem germanischen Heiligtum, im Cover erkennbar. Herausgeber ist ein „Verein Midgard e.V.“ mit Postfach in Traunstein (Oberbayern). Im zugehörigen Onlineshop gibt es auch „T-Hemden“ (Szenejargon für Tshirt) mit der Aufschrift „Umweltschutz ist Heimatschutz“ zu erwerben.

Auch außerhalb des rechten Blätterwaldes entdecken Rechtsextreme plötzlich ihr Herz für Tier und Natur. Seit kurzem besteht eine Gruppe namens „nationalen Sozialisten der AG-Tierrecht6“ Auf deren Homepage gleich am Anfang wurde ein Bild in Stürmer-Manier von schächtenden orthodoxen Juden postiert. Dieses Bild stammt, wie ein Artikel des antifaschistischen Autorenkollektiv redok nachweist7, aus dem NS-„Kinderbuch“ „Der Giftpilz“, dass 1938 vom damaligen „Stürmer“-Hauptschriftleiter Ernst Hiemer herausgegeben und vom NS-Karikaturisten „Fips“ (Philipp Rupprecht) gezeichnet wurde. Wie sich ein rechtsextremer Tierschutz präsentiert, merkt man schnell bei Passagen wie dieser:

„Da es schon immer im Interesse der nationalsozialistischen Bewegung lag, die Natur und auch die Tierwelt zu schützen, wird es nun endlich Zeit, dass auch wir wieder unsere Stimme und Fäuste gegen die grausame Ausbeutung der Tierwelt durch den Menschen und für dessen egoistische Luxusbedürfnisse erheben.“

Auch Rassismus findet sich im braunen Tierschutz versteckt:

„Wir fordern ein Zucht- bzw. Kreuzungsverbot verschiedener Tierarten und –rassen. Dieses soll gewährleisten, dass sich die einzelnen Arten und Rassen „selbstbestimmt“ entwickeln können.“

Mit ihrer Betonung auf einer veganen Ernährung erinnert die Gruppe stark an den völkischen Flügel der Lebensreformbewegung. Kontakte von neuen rechtextremen Tier- und Umweltschutzgruppen zu nichtrechten Organisationen ähnlicher Zielsetzung sind nicht bekannt, aber Formulierungen wie „Holocausts gegen die Tierwelt“ von der AG Tierrecht erinnern stark an ähnliche Holocaustrelativierungen der Tierschutzorganisation PeTA. Besonders betont wird bei braunen Tierschützern immer wieder ihre Ablehnung des Schächtens, was daran liegen dürfte, dass diese Art der Schlachtung von orthodoxen Juden und Muslimen praktiziert wird. Schon die Nationalsozialisten erließen nach ihrem Machtantritt ein antisemitisches Gesetz gegen das Schächten.
Dass die braunen Tierschützer ihren Worten auch Taten folgen lassen, konnte man erst vor kurzem beobachten. In Laupheim (BaWü) hatten mehrere Mitglieder der „Nationalen Sozialisten - AG Tierrecht“ am 18. März diesen Jahres nach dem Verteilen von Flugblättern gegen Zirkustierhaltung („Zirkus - Amüsement auf Kosten der Tiere“) eine Zirkusfamilie attackiert. Unklar ist ob die neu entdeckte Tierliebe wirklich immer ernst gemeint ist oder nur Mittel zum Zweck, um den Holocaust zu relativieren, gegen religiöse Minderheiten zu hetzen, antiziganistische Vorurteile zu schüren (gegen Fahrende und Roma) oder allgemein um Sympathien in der Bevölkerung zu sammeln.

R. Schwarzenberg [Stand: 28.05.2007]

  1. http://fallenrainmag.blogspot.com/, eingesehen am 23.03.2007
  2. http://www.aryan88.com/fanzines/index2.htm
  3. Ökonazis "Bound for Nature" gehackt, 22.03.2005, http://de.indymedia.org/2005/03/110058.shtml
  4. http://www.mf-zine.de/html/umweltprojekt.htm, eingesehen am 23.03.2007; http://www.aryan88.com/fanzines/oekologisch.htm, eingesehen am 25.03.2007
  5. http://fallenrainmag.blogspot.com/, eingesehen am 25.03.2007
  6. http://tierrecht.org/, eingesehen am 23.03.2007
  7. Redok: Tierrechts-Schläger auf den Spuren des "Stürmer", 25.03.2007; http://www.redok.de/index.php?option=com_content&task=view&id=615&Itemid=40
  8. Karen Annemaier: Schlägerei am Zirkus: Männer sind polizeibekannt, 20.03.2007; http://www.szon.de/lokales/laupheim/stadt/200703200786.html

Ein ähnlicher Artikel von Andreas Speit: "Das liebe Vieh" erschien in: Jungle World Nr. 16 vom 18. April 2007.

Gentechnikkritik von rechts

Auf einer einer Veranstaltung am 7.2.2008 in Lauterbach ...
"Gentechnik - Nein danke!" heißt ein bunter Flyer der NPD Bayern. Auf den sechs Seiten des Faltblattes stehen Forderungen, wie sie auch in gentechnikkritischen Kreisen verbreitet sind: Gesunde Ernähung statt "Gen-Food", Einrichtung gentechnikfreier Zonen und ein staatliches Verbot für genmanipuliertes Saatgut. Mit einem Stapel dieser modischen Propaganda hatte sich eine Runde meist älterer Herren bei einem von der Bürgerinitiative "Zivilcourage" im Vogelsberg veranstalteten Vortrag eingerichtet. Die Gastgeber waren nicht zu bewegen, dass die Flyer ausgelegt werden durften. Parteimaterial sei nicht erwünscht, hieß es schnell. In der Diskussionsrunde dann meldete sich einer der Herren zu Wort und begann eine flammende Rede, die zeigte, in welche Worthülsen hier rechte Ideologie verpackt wird:

Beachtenswert war die Reaktion des Publikums. Klarer Widerspruch unterblieb, einige Reaktionen zeigten aber Unbehagen an. Ungefähr ein Drittel der ca. 100 Anwesenden applaudierte bei der Forderung, "Europa" vor "Amerika" zu retten.
Am Ende der Veranstaltung wurde kurz ein bevorstehender Prozess gegen FeldbefreierInnen in Gießen thematisiert. Danach wiesen in Einzelgespräche einige aus der Altherrenrunde sowie auch weitere Einzelpersonen auf die Möglichkeit hin, vor Gericht als Nationalität "Deutsches Reich" anzugeben und damit den Gerichtsprozess zu torpedieren. Auch per Telefon wurde dieser Vorschlag nochmals wiederholt.

NPD und Gentechnikprotest
Die Koordination der "Initiative für eine gentechnikfreie Region Nebel/Krakow am See" lag mehr als zwei Jahre in den Händen eines NPD-Mitgliedes. Aber nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern versucht die rechtsextreme Partei, sich über die so genannten weichen Bürgeranliegen in etablierte soziale Bewegungen einzuklinken.

Rechte Vordenker in der Ökologiebewegung

Viele der von Umweltschutzgruppen oder -parteien hochgehaltenen Persönlichkeiten stammen aus konservativen bis rechten Ecken. Meist wird das verschwiegen, wenn Verdienste aufgezählt oder Texte zitiert werden. Aber es gehört zum autoritären Erbe der Umweltbewegung, dass auch ihre führenden Köpfe autoritäres Denken einbrachten.

Konrad Lorenz

Aus dem Spiegel 37/2003 (S. 164)
"Wir jubeln alle wie kleine Kinder", schrieb Lorenz in einem Briefwechsel mit dem Biologen Oskar Heinroth, als Hitlers Soldaten durch Wiens Straßen marschierten. Am 28. Juni 1938 stellte der Zoologe, was er bis zu seinem Tode abstritt, sein Ansuchen auf Mitgliedschaft in der NSDAP. "Ich war als Deutschdenkender und Naturwissenschaftler selbstverständlich immer Nationalsozialist" ...

Herbert Gruhl

Lobeshymnen in der rechtsextremen Zeitung "Junge Freiheit" vom 4.1.2008
Die liebende Verwurzelung in der Natur als Motivator und Träger politischen Engagements kam bei Gruhl in den 1970er Jahren zum Zuge. Diesen Antrieb teilte auch der langjährige Stellvertreter des Südtiroler Landeshauptmanns Silvio Magnano: der über fünf Jahrzehnte wirkende Landtagsabgeordnete Alfons Benedikter. Dessen Biographie beginnt in politischer Hinsicht mit einer Unterschriftensammlung des Jahres 1946, die die Ausübung des Südtiroler Selbstbestimmungsrechts zum Ziel hatte. Sie führt weiter über das Amt des Landesrates für Landschaftsschutz und das im Juli 1957 erlassene erste Landschaftsschutzgesetz Italiens. Auch der Bruch mit seiner politischen Heimat, der Südtiroler Volkspartei, wird aufgezeigt, um die Spuren zur Gründung der Union für Südtirol weiterzuverfolgen.
Die mit letzterem Ereignis einsetzende mediale Ausgrenzung ließ die junge Bewegung und ihre Leitfigur jedoch nicht davon abhalten, ihrem Programm den idealistischen Dreiklang von Ökologie, Regionalismus und sozialer Verantwortung voranzustellen. Die Wahl 1996 bescherte der jungen Partei mit 11,4 Prozent mehr als einen Achtungserfolg. Der Kampf gegen die Brenner-Autobahn, gegen Atomstrom-Zukäufe und die "grüne" Gentechnik blieben Benedikters vorrangige Umweltanliegen, ehe er sich 1998 mit 80 Jahren in den parlamentarischen Ruhestand begab.

Die ÖDP-Stiftung für Ökologie und Demokratie beruft (nach eigener Formulierung) jährlich "eine attraktive und in ökologischen Fragen kompetente Frau zur Botschafterin der Ökologie". Im Jahr 2006 ist das Angelika Zahrnt, BUND-Bundesvorsitzende.

Gruhlisten, UÖD-Leute und Ex-Gründungs-Grüne auf einem Event einer Burschenschaft, der Bielefelder Ideenwerkstatt 2008:


Oben: Impressum der Internetseite zur Ideenwerkstatt. Unten: Referenten und ihre Vita.



Ernst Haeckel: Rechter Begründer der Ökologie

Ernst Haeckel, zitiert in Altner, Günter (2009): "Charles Darwin und die Instabilität der Natur",VAS in Bad Homburg (S. 72)
Ein einziger fein gebildeter deutscher Krieger, wie sie leider jetzt massenweise fallen, hat einen höheren intellektuellen und moralischen Lebenswert als hundert von den rohen Naturmenschen, welche England und Frankreich, Russland und Italien ihnen gegenüber stellen.

Holger Strohm

Strohm ist alter Anti-Atom-Kämpfer, Autor eines der ersten Grundlagenwerke zu den Gefahren der Atomkraft mit dem Titel "Friedlich in die Katastrophe". Etliche weitere Veröffentlichungen im Anti-Atom-Widerstand und zu anderen Themen stammen von ihm (eigene Seite). Lange Zeit war es eher ruhig um ihn, doch jetzt wird diskutiert. Den Holger Strohm hat einen Film gemacht - und der hat es in sich. Zudem tritt Strohm seit dessen Erscheinen auffallend häufig bei Rechten oder Propheten vereinfachter Welterklärungen auf - und verteidigt diese Strategie gegenüber Kritik.

Wobei ein Rückblick zeigt, dass es Strohm mit seinen Kooperationspartnern nie so genau genommen hat. Im Juni 1977 erschien das Buch "Atomares Dilemma" im Fischer Taschenbuchverlag. Strohm schrieb dort mit. Neben ihm waren zwei Präsidenten des faschistischen WSL und ein weiterer Mitgründer dieser Organisation sowie der rechtsökologische Herbert Gruhl als Autoren tätig - weitere nicht.

Eine Analyse des Films "Friedlich in die Katastrophe" mit Abschriften und ausgewählten Filmsequenzen wurde auf beide deutschen Indymedia-Plattformen gestellt. Auf de.indymedia.org wurde sie sofort, auf linksunten.indymedia.org nach einigen Stunden zensiert (darüber: Beleg, dass unter dem Link mal ein Artikel zu finden war).

Im Original: Der zensierte Text (wie auf linksunten) ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Rechte Ökologie: Holger Strohms Film inside
Strohm ist alter Anti-Atom-Kämpfer, Autor eines der ersten Grundlagenwerke zu den Gefahren der Atomkraft mit dem Titel "Friedlich in die Katastrophe". Etliche weitere Veröffentlichungen im Anti-Atom-Widerstand und zu anderen Themen stammen von ihm (eigene Seite). Lange Zeit war es eher ruhig um ihn, doch jetzt wird diskutiert. Den Holger Strohm hat einen Film gemacht - und der hat es in sich. Zudem tritt Strohm seit dessen Erscheinen auffallend häufig bei Rechten oder Propheten vereinfachter Welterklärungen auf - und verteidigt diese Strategie gegenüber Kritik.
An verschiedenen Stellen ist inzwischen Kritik an den rechten Kontakten vermeldet worden. Strohm hat Kontakt zu Rechten - bäh! Die Kritik ist berechtigt, aber auch einfach. Fast überall fehlt eine inhaltliche Auseinandersetzung. Dabei hat es die in sich. Denn wer sich den Film anschaut, wird im Film genügend Hinweise auf eine anti-emanzipatorische Grundhaltung finden. Reich an Fakten und beeindruckenden Bildern ist der Film - von daher auch nicht durchgehend "schlecht". Aber überall mischen sich in die Sprache der Interviewten und noch mehr der HauptsprecherInnen im Film Sehnsüchte nach mehr Ordnung, Bilder von Gut und Böse, Verniedlichungen der Verbrechen des Nationalsozialismus usw. hinein.

Die anti-emanzipatorischen Passagen
Eine Auswertung einer Aufzeichnung des Kinofilmes führte zu folgender Abschrift von Passagen im Film. Die ungefähren Minutenzeiten sind angegeben. Die Sequenzen sind herausgeschnitten und hochgeladen. Die Abschriften passen zu diesen Sequenzen und sind - hoffentlich - ohne Lücken und fehlerfrei.
Zitate aus dem Film „Friedlich in die Katastrophe“ (von Marcin El und Holger Strohm):
  • Kinderstimmen (ab ca. 0:00:32): „Großer Geist, dessen Stimme ich den Winden vernehme und dessen Atem der ganzen Welt Leben spendet: Erhöre mich. Ich trete vor Dein Angesicht als eines Deiner vielen Kinder. Siehe, ich bin klein und schwach. Ich brauche Deine Kraft und Weisheit. Lass mich in Schönheit wandeln und meine Augen immer den purpurroten Sonnenuntergang schauen. Mögen meine Hände die Dinge achten, die Du geschaffen hast, und meine Ohren Deine Stimme hören. Mache mich weise, damit ich die Dinge erkennen kann, die Du mein Volk gelehrt hast. Die Lehre, die Du in jedem Blatt und jeden Felsen verborgen hast. Mache mich stets bereit, mit reinen Händen und aufrichtigen Augen zu Dir zu kommen, damit mein Geist in das Leben wie die untergehende Leben entschwindet, zu Dir gelangen kann, ohne sich schämen zu müssen.“
  • Sprecherin (ab ca. 0:02:30): „Es heißt, die Atomenergie sei eine Brückentechnologie. Eine Brücke lässt sich jedoch nur bauen, wenn man weiß, welches Ufer man erreichen will. Doch der wahnsinnig gewordene, nackte Affe, der sich Mensch nennt, hat das Ufer längst nicht mehr im Blickfeld. Wie ein amoklaufender, wild gewordener Schädling, reißt er alle Lebewesen mit ins Verderben.“
  • Sprecherin (ab ca. 0:03:02): „Die entfesselte Gier, der Egoismus und die Dummheit des Menschen machen es möglich.“
  • Robert Jungk (ca. 0:11:00): „Ich habe ja noch ganz bewusst die 20er Jahre erlebt, bin damals in die Schule gegangen, habe `32 mein Abitur gemacht. Und ich habe damals miterlebt, wie man Hitler nicht ernst genommen hat. Und dieses Wegschieben einer Gefahr, das erlebe ich jetzt mit Schrecken wieder. Mal will auch diese Möglichkeit zu sagen, des Super-Hitler in Form einer deutschen atomaren Beteiligung, nicht wahrhaben. Und dieser Super-Hitler ist mindestens so gefährlich, wenn nicht noch gefährlicher, wie der andere Hitler, weil der einen Holocaust von ganz anderen Ausmaßen anrichten kann.“
  • Sprecher (ab ca. 0:50:00): „Besonders tragisch ist, dass die notwendige Tatsache der Endlagerung als ein rein technisches Problem gesehen wird. Das rührt hauptsächlich daher, dass die formal verantwortlichen Politiker und Industriellen keine Moral besitzen, denn die Konsequenzen müssen nicht sie, sondern die Ungeborenen tragen, die weder Stimmrecht noch Akten besitzen. Nur die Nuklearindustrie hat nichts zu befürchten, denn in maßloser Dummheit hat der Bund ihnen die Verpflichtung für die Sicherstellung und Endlagerung radioaktiver Abfälle sogar noch abgenommen.“
  • Sprecherin (ab ca. 1:03:40): „Diese gigantischen Unternehmungen können Regierungen kaufen und verkaufen. So ist die Politik zum käuflichsten Glied der Gesellschaft geworden, fest in der Hand der Wirtschaftsherren.“
  • Günter Zint, Fotograf (ab ca. 1:09:00): „Und solange wir diese Unterhaltungsmedien in der Form haben, wie wird sie heute haben – das Sixpack von Aldi, Füße hoch vor die Glotze, Denken abschalten . Und solange die Leute ruhig gehalten werden, man hat eine Mindestversorgung in Deutschland zumindest – man kriegt HartzIV - , und solange, glaube ich, wird es hier auch keine Revolution geben. Leider.“
  • Sprecher (ab ca. 1:14:00): „Ständig ist Atommaterial unterwegs. Auch hier ist sträflicher Leichtsinn an der Tagesordnung. So ist die Transportindustrie von der Mafia unterwandert, die eine Sicherheit wohl am allerwenigsten gewährleisten kann.“
  • Sprecher (ab ca. 1:19:50): „Am 26.4.1986 zerstörten schließlich zwei Explosionen das Atomkraftwerk Tschernobyl. Über mögliche Ursachen wird viel spekuliert. Offiziell heißt es „menschliches Versagen“. Es gibt Hinweise darauf, dass seismische Aktivitäten vorhanden waren. Aber auch, dass sich in der unmittelbaren Nähe eine HAARP-Anlage befand, mit der Erdbeben ausgelöst werden können, und die deshalb von den USA prophylaktisch zerstört wurde. Als Folge kam es zu einer Entladung, die zum Beben führte und den Unglücksreaktor atomar explodieren ließ.“
  • Sprecher (ab ca. 1:32:00): „Japan hat sofort nach dem Unfall eine Nachrichtensperre verhängt. Kritische Medien haben berichtet, dass auch hierbei möglicherweise HAARP-Anlagen der Auslöser gewesen sind. 2010 hatte Benjamin F… den ehemalen japanischen Finanzminister H… T... befragt, warum dieser die Kontrolle über das Finanzsystem amerikanischen und europäischen Oligarchen überließ. Dieser antwortete, dass sie mit einer neuartigen Erdbebenwaffe bedroht worden waren.“
  • Demonstrant (ab ca. 1:41:15): „Das ist die Mafia hier von der Demokratie. Das kannste annehmen. Ich sag ja, wenn Adolf Hitler aufwachen würde, der würde von denen noch was lernen.“
  • Sprecherin (ab ca. 1:47:00): „Wir wissen heute bereits genug, um Hauptproblemen wie Hunger, Überbevölkerung, Umweltverschmutzung, Plünderung unseres Planeten und Gefahr eines weiteren Atomkrieges zu begegnen. Tatsächlich könnte man die Weltbevölkerung von heute ernähren, man investiert aber lieber in Rüstungsgüter. Und so beruht die heutige Krise neben mangelhaften Informationen auf schlechter Politik. Um diese Fehlentwicklungen noch abwenden zu können, müsste sich die Politik zunächst einmal den verloren gegangenen Einfluss von der Wirtschaft zurückholen und auch Begriff wie Ethik und Verantwortung wieder ernst nehmen. Wir sind verpflichtet, für das Überleben zu kämpfen. Die Angst der Mächtigen ist unsere Hoffnung. Und wenn sie uns alle mit in den Strudel reißen? Dann wollen wir zugrunde gehen im Bewusstsein: Ich habe mein Leben gelebt. Ich habe es nicht den Idioten und Kriminellen überlassen. Ich habe mich gewehrt bis zuletzt. Und in der Tat: Wir werden vom Bösen beherrscht. Das Gute ist so selten, dass unsere Zeitrechnung darauf basiert, während das Böse alltäglich ist.“
  • Sprecherin (ab ca. 1:49:40): „Die Verantwortlichen machen das Geschäft ihres Lebens und sind nicht bereit einzusehen, dass sie alles, auch sich selbst, zum Schluss vernichten werden. Dieser Irrsinn muss überwunden werden. Denn Regierungen kommen und gehen. Die radioaktive Strahlung aber wird bleiben. Das ist das größte Verbrechen aller Zeiten.“
  • Danach Pastor Friedrich Bode (Brokdorf): „Das was ich von der Geschichte weiß und des Dritten Reiches des 20. Jahrhunderts, dass gegen dieses Verbrechen die Verbrechen der faschistischen Diktatur verblassen. Verblassen. Das sind alles Sachen, die mit der Zeit vernarben – und daraus kann man was Neues machen, was Neues gestalten, nämlich Demokratie, Kulturverfeinerung. Man hat die Erfahrung gemacht, was es heißt, wenn man politisch sich verführen lässt und wozu das führt, letztendlich. Bei der Atomenergie ist das nicht möglich.“
  • Sprecherin (ab ca. 1:54:47): „Die Hoffnung liegt in der Erziehung der Jugend zu einer gesünderen Lebensanschauung. Kein Nachdenken ist so wichtig wie das über die Erblichkeit der Eigenschaften. Wir sollten unseren Kindern wahre Werte, Glück, Tugenden und Umweltschutz vermitteln, statt sie mit Angst an das kaputte System anzupassen.“
  • Sprecherin (ab ca. 1:50:50): „Der Mensch hat die ökologischen Gesetzmäßigkeiten völlig missachtet. Es gilt zu retten, was zu retten ist. Und der einzige Ausweg besteht in einer übergeordneten ökologischen Bewertung aller Lebensprobleme. Dabei ist eine Ökologie ohne Ethik und Moral, ohne Emotionen und ohne eine Verantwortung dem Gesamtleben und der Zukunft gegenüber, gar nicht denkbar.“
So etwas also fällt der Zensur zum Opfer - auf linken Medien ...

Ein zweiter Versuch klappte besser: Die zitierten Szenen wurden als Film zusammengeschnitten und auf Youtube veröffentlicht. Holger Strohm und Marcin El wehrten sich, doch Youtube entschied, dass der Film eingestellt werden durfte. Daraufhin beauftragte Holger Strohm Anwälte, um den kritischen Film über seinen Film verbieten zu lassen ... siehe Indymediabericht! Doch am 25.2.2016 wurde die Klage abgewiesen.

Aus "Holger Strohm – Angekommen im rechten Sumpf und Klage verloren"
Holger Strohm – Autor des Buches (1973) und Films (2012) "Friedlich in die Katastrophe" – hat die vom ihm angestrengte Urheberrechts-Klage vor dem Landgericht Hamburg verloren. Jörg Bergstedt hatte Strohm in einem Video Verschwörungstheorien vorgeworfen und das anhand ausführlicher Filmsequenzen belegt. Strohm sah darin einen Urheberrechtsverstoß. Dass Holger Strohm inzwischen im Sumpf rechter Verschwörungsfantasien absäuft, zeigt dieses Video-Interview auf Bewusst.TV (hier bei Youtube). Anlass ist demnach eine Broschüre von Strohm zum Thema "Asyl". Was er dort an wirren Dingen von sich gibt, ist nicht nur ekelhaft.
Im Original: Holger Strohm ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Holger Strohm in „Wie uns die Mafia regiert“ (S. 105)*
Die deutschen Medien werden weitestgehend von der Mafia, den USA und Israel dominiert. Israelische Medien machen hierüber sogar Witze. ... Weltweit kontrollieren jüdische Investmentbanken und Medien das Geschehen und sie verwalten die Gelder der Mafia und arbeiten eng mit ihnen zusammen.

Aus einem taz-Artikel über Strohms rechte Kontakte (1.12.2012)
Herbert Gruhl hat sicherlich seine Verdienste. Er ist ganz früh als echter Umweltschützer aufgetreten. Er ist dabei gleich von seiner Partei gestoppt worden und im Grunde aus der Partei herausgeekelt worden. Ich fühle mich allen Uweltschützern verbunden, auch wenn ich vielleicht eine andere politische Meinung habe. Ich habe ja viel mit den Anfängen der „Bunten Liste“ in Hamburg zu tun. Dort haben viele Kommunisten mitgemacht. Denen ging es aber nicht um Umweltschutz, sondern nur um die politische Karriere. Die also das Thema als Vehikel benutzt haben. ...
Ich selber bin ein linker Anarchist. ... Aber ich habe mich immer dagegen gewehrt, daß man sagt: „Mit den Schmuddelkindern, mit den Kommunisten, den Nazis oder den den, darfst Du nicht spielen!“ Ich habe vor Maoisten, vor Stalinisten Vorträge gehalten, aber auch vorm Kreis für Konservative Politik oder an der Marine Unteroffiziersschule und das werde ich auch weitermachen. Ich grenze nicht aus und ich will auch nicht ausgegrenzt werden. Jeder Mensch hat ein Recht auf einer Meinung und wenn er dazulernen will, bin ich gerne bereit, ihm dabei zu helfen. Ich sehe es so: Es gibt selbst unter Nazis gute gute Menschen und es gibt selbst unter Linken sehr böse Menschen. In jeder Gruppierung gibt es gute und böse Menschen. Für mich ist die politische Überzeugung kein Maßstab. Aber für mich es ein Maßstab, ob man gegen Atomenergie ist, ob man für die Menschheit ist, ob man ein guter Mensch ist. Das Tun ist wichtig und nicht, was man sagt.

Aus Holger Strohms Stellungnahme in der rechten Zeitung "umwelt&aktiv" am 22.12.2012 (spätestens jetzt kann er nicht mehr sagen, dass er nicht wusste, dass die aus dem rechten Lager stammt):
Ob Eva Herrmann oder Günter Grass – ob links oder rechts – eine eigene Meinung wird von der „freien Presse“ sofort eliminiert, sowie sie von der erlaubten, vorgegebenen abweicht. ...
Ich lese regelmäßig „europäische ideen“, eine sehr kritische Zeitschrift aus London mit jüdischem Hintergrund, die übrigens in Heft 149 feststellte, dass „Holger Strohm in Deutschland so behandelt wird, wie die Nazis die Juden behandelt haben“. Vielleicht bekomme ich daher so viel Zuspruch von jüdischen Freunden. In „europäische ideen“ kann man aus den Memoiren jüdischer Intellektueller aus den Anfängen der Hitlerzeit eine bedrückende Parallele erkennen: Gleichschaltung der Presse, Verleumdungen, Rufmord, Hetze und Pogromstimmung. Genau das, was jetzt ein Teil der dogmatischen Linken mit mir betreibt. Dabei geht es mir um das „Menschsein“. Auch Rechte sind Menschen und haben ein verfassungsmäßiges Recht auf Menschenwürde und freie Meinungsäußerung. Und wenn Andersdenkende bei uns entmenschlicht werden, so befinden wir uns wieder einmal im Faschismus. Diesmal einem linken Faschismus! ...
Jedem Menschen mit gesundem Menschenverstand sollte klar sein, dass alle relevanten Gruppierungen in Deutschland vom Verfassungsschutz unterwandert sind!“ und von ihm gesteuert werden.

Holger Strohm über Deutschland (im Interview mit Michael Vogt, Dezember 2014)
Die Amerikaner dürfen laut Besatzungsrecht alles bestimmen. Sie bestimmen sowieso alles - von den Lehrplänen bis ... alles muss genehmigt werden. Und auch die Presse hat das zu schreiben, was die Amerikaner befehlen. Die Order kommt direkt aus dem Pentagon. Wir sind versklavt worden und wir das zu machen, was die Amerikaner wollen. So einfach ist das.

Holger Strohm über die Grünen (im Interview mit Michael Vogt, Dezember 2014)
Sie sind vielleicht eine Partei der sexuellen Minderheiten oder der Asylanten.

Holger Strohm auf der AZK 2013
Von mir stammt das Konzepte für die grüne Partei. ... Und dann sehen wir, dass Menschen, z.B. - man muss ja heute Roma sagen - aus Bulgarien kommen, eine 21jährige. Die hat auf dem Papier, dass sie 20 Kinder hat. Das kriegt sie amtlich bestätigt. Wie das biologisch möglich ist, ist mir schleierhaft. Diese Menschen kommen über die EU alle zu uns wegen Wirtschaftsflüchtlingen. ... Ich habe schon 1996 sechs Bücher gegen die EU geschrieben. ... Die EU ist die Mafia (fetter Applaus). ...

Weitere Zeitungstexte über Strohms rechte Anbiederung: Junge Welt am 8.5.2013 (S. 15)

*Hinweis: Um den - von Holger Strohm selbst benannten - Buchtitel gibt es Irritationen. Auf Strohms eigener Internetseite steht unter Bücher bei Titel 40 Sokrates Verlag München 2011 "Wie uns die Mafia regiert" und Strohm erwähnt das Buch auch in http://www.youtube.com/watch?v=IyOKq7KjrY8 bei Minute 11 unter diesem Titel (darin sagt er auch "ein deutscher darf keine meinung haben" ungefähr minute 13). Auf der Seite des Sokrates Verlag taucht der Titel allerdings nicht auf. Es ist bislang ungeklärt, ob es das Buch unter diesem Titel tatsächlich gibt. Wer es hat, darf sich melden.

Film "Empörung und Verschwörung - Porträt einer Person auf dem Weg in rechte Ideologien"
Holger Strohm war einer der ersten bekannten Autoren der Anti-Atom-Bewegung. Sein Buch "Friedlich in die Katastrophe" bildete einen Meilenstein und zeigte Gefahren, Hintergründe und politische Seilschaften auf. Danach verfasste er etliche Umweltbücher, aber auch zu kinderfreundlichen Schulsystemen oder gegen die Gentechnik. Seine Hoffnungen auf eine Wende erfüllten sich nicht. Mehr und mehr sah er die Welt am Abgrund. Aus Verzweiflung wuchs Empörung - und die ebnete den Weg in rechtes Gedankengut und absurdeste Verschwörungstheorien. Als 2012 der Anti-Atom-Klassiker verfilmt wurde, streute Filmemacher Marcin El dort solche Gedanken ein. Es war der Anfang einer geistigen Entwicklung, die aus Holger Strohm und seinen Unterstützern vielgefragte, rechtsextreme Redner und Interviewpartner gemacht haben - voller Hass gegen Flüchtlinge, Juden, die USA und Israel, Linksfaschisten und zensierte Medien. Der Film "Empörung und Verschwörung" zeichnet das alles nach - ist aber mehr: Eine grundlegende Kritik an vereinfachten Welterklärungen, an Gut-Böse-Stigmatisierungen und dem Glauben an eine Machtpyramide mit nur wenigen Strippenziehern an der Spitze. Strohm ist ein Beispiel für viele - aber er zeigt, dass auch ein "linker Anarchist" (Selbstbezeichnung Holger Strohm) zum Verkünder wirrer und rechter Welterklärungen werden kann. ++ 71min ++ Creative Commons (NC-SA) ++ Weitere Quellenangaben am Filmende und auf Youtube

Aktuell: Holger Strohm klagt gegen einen kritischen Film über ihn aus der Projektwerkstatt (siehe Terminliste: Landgericht Hamburg)

Die Neigung zu rechten und verschwörungsgläubigen Überzeugungen wurde erst mit dem Film "Friedlich in die Katastrophe" richtig deutlich. Zuvor gab es nur die apocalyptischen Äußerungen, so z.B. im Interview mit der ebenfalls für vereinfachte Welterklärungen offenen Zeitschrift raum&zeit (Heft-Nr. 142/2006) über Atommanager: "Für mich sind diese Menschen eine Verschwörung des Bösen, die nicht davor zurückschrecken, ihre eigene Bevölkerung und alles Leben auf der Erde zu vernichten". Seltsam im gleichen Interview auch die Antwort auf die Frage, welche Energiequellen mit dem Ende der Atomkraft noch bleiben: "Deutschland verfügt immer noch über große Kohlevorkommen, die mit neuen Technologien verflüssig und umweltfreundlich genutzt werden können. Doch man hat die Kohleflöze absaufen lassen, um uns zur Atomenergie zu zwingen."

Konservative Grüne

Reinhard Loske (2006): Einen Kulturgraben gibt es nicht. In: Frankfurter Rundschau: 29. März 2006, S. 7
Die Behauptung von Strauß, das Ökologische sei eher von wertkonservativer Seite in die Grünen eingebracht worden als von links, ist sicher zutreffend, auch wenn die Motive von Menschen wie Herbert Gruhl, Petra Kelly, Carl Amery oder Rudolf Bahro höchst unterschiedlicher Natur gewesen sein dürften. Eines freilich einte sie. Sie waren davon überzeugt, dass die damals vorherrschende Form von Wissenschaft und Technik die Naturzerstörung beschleunige, zu menschlicher Entfremdung führe und einseitig im Dienst blinden Wirtschaftswachstums stehe.

Aus Geschichte der Ökologiebewegung und -politik

Naturschutz der Nazis: Auch BRD-Gesetze gehen auf Nazis zurück

BMU-Pressedienst Nr. 161/02 ( Berlin, 4. Juli 2002)
Bundesumweltminister Juergen Trittin eröffnet Kongress über Naturschutz und Nationalsozialismus
Einen internationalen wissenschaftlichen Kongress zum Thema "Naturschutz und Nationalsozialismus" hat Bundesumweltminister Jürgen Trittin heute in Berlin eröffnet. Vor rund 100 Historikern sowie ehrenamtlichen und beruflichen Naturschuetzern betonte Trittin die Notwendigkeit, die Verstrickung des Naturschutzes und seiner Akteure in das nationalsozialistische System, in seine Ideologie und auch in seine Verbrechen aufzuarbeiten.
Ideengeschichtlich ist der Naturschutz ein Kind der Romantik. Die Forderung nach dem Schutz der Natur war eine Antwort auf die Industrialisierung und auf unwirtliche Städte - und zwar im rechten wie im linken Spektrum: Arbeiter-Wanderbünde und Wandervögel, Naturschwärmer und Heimatbewegte zog es gleichermaßen in die Natur. Erste Naturschutzverbände wurden gegen Ende des 19. Jahrhundert gegründet.
Zwar waren bereits in der Weimarer Verfassung Naturschutz und Landschaftsschutz als Staatsziele enthalten. Das erste landesweite Gesetz zum Schutz der Natur war aber das Reichsnaturschutzgesetz von 1935, aufgrund des Ermächtigungsgesetzes handstreichartig innerhalb von nur zwei Wochen erarbeitet und verabschiedet. Treibende Kraft in der nationalsozialistischen Führungsschicht war seinerzeit Hermann Göring, der sich über die im Reichsnaturschutzgesetz vorgesehene Formel zur entschädigungslosen Enteignung von Flächen für den Naturschutz vor allem wildreiche Jagdgebiete sicherte.
In den meisten seiner Bestimmungen wurde das Reichsnaturschutzgesetz nach dem Ende der Nazi-Herrschaft im Westen Deutschlands als derart unproblematisch angesehen, dass es bis zum ersten bundesdeutschen Naturschutzgesetz im Jahr 1976 Bestand hatte. "Wir müssen heute hinterfragen, worauf sich diese Einschätzung gründete und ob sie je berechtigt war. Wie wir überhaupt sehr viel mehr über das Verhältnis von Naturschutz und Nationalsozialismus erfahren müssen, und zwar im Dialog mit Wissenschaftlern aus anderen Ländern", so Bundesumweltminister Jürgen Trittin.

Im Original: Übergang Nazi-Deutschland - BRD ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Der folgende Text stammt von Willi Oberkrome aus dem Buch "Brüggemeier, Franz-Josef/Engels, Jens Ivo (2005): "Natur- und Umweltschutz nach 1945", Campus Verlag in Frankfurt (S. 23 ff.)

Kontinuität und Wandel im deutschen Naturschutz. 1930 bis 1970: Bemerkungen und Thesen
Verschiedene Indizien sprechen dafür, die Geschichte des deutschen Naturschutzes zwischen der Weltwirtschafts- und der Ölkrise unter dem Aspekt einer ausgeprägten Kontinuität zu diskutieren.
Seit der Gründung des Bundes Heimatschutz 1904 (DBH; später DHB) und der Institutionalisierung des Naturschutzes 1906 waren diese beiden Zwillingsbewegungen untrennbar verzahnt und stützten sich auf weitgehend identische soziale Trägergruppen aus dem gebildeten Bürgertum insbesondere der Mittel- und Kleinstädte. Die nicht selten dem höheren Beamtentum und freien akademischen Professionen angehörigen Funktionseliten des Naturschutzes sorgten für eine beständige Erneuerung ihrer personellen Potenziale und damit auch für eine relativ homogene Kohortenbildung. Daraus erwuchsen dem Natur- und Heimatschutz weithin gefestigte »Milieugrenzen«.
Auffällig ist die Zählebigkeit der Schriftenreihen und Zeitschriften, die zwar semantisch eigenwillig waren, wohl aber gerade dadurch ein Gefühl von Gruppenzugehörigkeit schufen. Diese Periodika konnten sowohl auf der nationalen als auch auf der regionalen Handlungsebene staatliche Umbrüche und verfassungssystematische Friktionen oftmals mühelos überstehen.
Das wahrscheinlich sinnfälligste Merkmal für eine ungebrochene Persistenz der amtlichen und ehrenamtlichen »Verteidigung« von Natur und Heimat besteht in der Dauerhaftigkeit ihrer strukturellen und organisatorischen Basis. Vom Kaiserreich bis über die Ära Adenauer hinaus fußte der Naturschutz auf den naturkundlichen und naturprotektionistischen Fachgruppen der landschaftlichen Heimatbünde, auf der Tätigkeit der aus ihnen rekrutierten Naturschutzkommissare bzw. -beauftragten sowie auf einer von diesen beratenen Bürokratie. Ihre Arbeit begünstigte die Etablierung der sogenannten Naturdenkmalpflege, das heißt die Sicherstellung »altehrwürdiger« Monumente des territorialen Haushalts - von Solitärbäumen über bedrohte Tierarten bis zu pittoresken Ödländereien.
Das teils vorwärtsweisende, teils kauzige Auftreten heterodoxer »ökologischer« Eiferer und Visionäre tat diesem Gesamtgefüge des frühen deutschen Umweltengagements keinen Abbruch.
Das Bild eines unpolitischen Natur- und Heimatschutzes, der so die politischen Epochengrenzen zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik geradlinig durchlaufen konnte, erscheint vor dem Hintergrund solcher Befunde plausibel. Es entfaltet, dafür sprechen weite Teile der wissenschaftlichen Literatur, enorme Suggestivmacht2. Allerdings hinterlässt diese Darstellung nach eingehenderer Betrachtung ein spürbares Unbehagen. Es bezieht sich weniger auf die historiographisch ausgebreiteten Detailergebnisse als auf den Eindruck, Einheit und Geschlossenheit des Gegenstandes seien zu eilfertig konstruiert. Gegen das Bild eines homogenen, kontinuierlich verlaufenden Naturschutzes lassen sich Argumente anführen, die sowohl seine Intentionen, als auch seine Programmatik und seinen Handlungsspielraum während der Weimarer Republik, der NS-Zeit und der formativen Phase der Bundesrepublik betreffen.
Das soll im Folgenden wenigstens andeutungsweise geschehen. Dazu wird zunächst die Situation des Naturschutzes um das Jahr 1930 beleuchtet (I.). Der darauf folgende Abschnitt fragt nach seinen Parametern im »Dritten Reich« (II.). Abschließend rückt der Naturschutz der fünfziger und sechziger Jahre im westlichen Teilstaat in den Mittelpunkt des Interesses.

I.
Wie der Heimatschutz entwickelte sich von wenigen Ausnahmen abgesehen auch der Naturschutz der Weimarer Epoche im Zeichen völkischer Gesellschafts- bzw. Gerneinschaftsentwürfe. So wie die meisten Fachgruppen der landschaftlichen Heimatbünde setzten die Naturschützer darauf, das von »westlicher Zivilisation« und »sozialistischem Ungeist« affizierte »deutsche Volkstum« »ungeschwächt und unverdorben zu erhalten«. Dazu wollten sie es an eine vorgeblich unverfälschte Stammes- und Raumkultur heranführen, die ihren Ausdruck in Heimatgeschichte, tradiertem Tanz und Spiel, handgefertigtem Hausrat und bodenständiger Architektur, mundartlicher Literatur und überkommener Brauchtumstreue fand4. In diesem Zusammenhang war auch die Naturdenkmalpflege angesiedelt. Gewiss entsprach die Ausweisung von isolierten Naturmonumenten, kleineren Naturschutzdistrikten und etwas größer dimensionierten Gebieten immer auch wissenschaftlichen Zwecken und freizeitlichen Vorlieben ihrer Betreiber, in aller Regel war sie jedoch hochgradig ideologisiert. Sie war »volkstumsbildend« angelegt.
Die Naturdenkmale galten ihren regionalistischen Fürsprechern als Stätten »sistierter Geschichte« (Adorno), als Bindeglieder zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Deshalb machten sich die Naturschützer dafür stark, dass möglichst viele ihrer - wie man meinte - ideell und sittlich entwurzelten Zeitgenossen/innen in unmittelbaren, sinnlichen Kontakt zu den Denkmälern traten. Auf diese Weise sollten die Menschen einen in erster Linie emotionalisierenden Zugang zu den gebietstypischen Naturrelikten erlangen. Sie sollten Zugang zu Refugien der Selbstbesinnung und des meditativen Einhaltens finden. Ihnen sollten Ruheräume eröffnet werden, die eine tiefenscharfe Vorstellung von den »authentischen« Werten und Wahrheiten der Heimat vermittelten. Die Naturdenkmalpfleger erhofften sich von diesen Erfahrungen eine »ethnogenetische«, sozial ausgleichende Wirkung und ließen nichts unversucht, die umsorgten Monumente und die sie umgebende »Szenerie« in »Kapellen« der »Andacht für eine neue weltliche Glaubenslehre« zu verwandeln.
Die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg potenzierte diesen Prozess. Nach 1918 war allen Beteiligten klar geworden, dass es fortan noch weniger als bisher darum gehen könne, »Kuriositätenkabinette im Freien« zu schaffen. Statt dessen sollten rings um die Naturdenkmäler »Weiheräume« entstehen, in denen die Liturgie einer Heilsbotschaft zelebriert werden konnte, die sich zunehmend radikalisierte. Ihre Offenbarungen rankten sich um die Begriffe »Volkstum und Heimat« sowie »Stamm und Landschaft«. Diese Kategorien entwickelten sich zu Leitmotiven einer Volkstumstheorie, die die Bedeutung deutscher Kulturräume und Stämme (Westfalen, Sachsen etc.) betonte und eine regionalistische, landsmannschaftlich differenzierte Kulturpolitik zum Unterpfand des nationalen »Wiederaufstiegs« erklärte. Ihre Verheißungen gossen Wasser auf die Mühlen eines grundsätzlich revanchistisch inspirierten Natur- und Heimatschutzes, von dem manche seiner Anhänger hofften, er würde sogar in - oder vielleicht sogar wegen - der Weltwirtschaftskrise zur allgemein anschlussfähigen»Volkssache« werden.
Diese Hoffnung war indes auf Sand gebaut. Die Bereitschaft, namentlich der »großstädtischen«, von Kneipe, Kommerz und Kino der eigenen kulturräumlichen Wurzeln »beraubten« Arbeiter und Angestellten, im kontemplativen Zugriff auf »Mutter Natur« zu sich selber zu finden, hielt sich in aller engsten Grenzen. Ein von zahlreichen Naturliebhabern mit Bestürzung registriertes Desinteresse gegenüber den landschaftlichen und stammesgemeinschaftlichen Erinnerungsorten eskalierte für die Naturschützer in den frühen dreißiger Jahren, als musizierende, »angeheiterte« Sonntagsausflügler und »undisziplinierte« Wandergruppen diese zu ihrer Rettung erkorenen Orte »entweihten«. Gegen das sinnesfrohe Treiben waren die Behörden und die Naturschutzbeauftragten gleichermaßen machtlos.
Es bleibt bemerkenswert, dass die von prominenten Natur- und Heimatschützern überschwänglich gefeierte »Machtübernahme« der Nationalsozialisten diese Enttäuschung keineswegs beseitigte'. Im Gegenteil, sie steigerte sich nach 1933 noch, denn das »Dritte Reich« setzte auf den Feldern der Kulturpolitik und des öffentlichen Umgangs mit landschaftlichem Interieur unerwartete Prioritäten.

II.
Der wichtigste Grund für die wachsende Desillusionierung der Naturschützer war die kriegsvorbereitende Autarkiewirtschaft. Sie zog einen ungehemmten industrie- und agrarökonomischen Ressourcenverschleiß nach sich. Die »natürliche Landschaft« war davon in mehrfacher Beziehung betroffen. Der rigorose Aufrüstungskurs führte zu erheblichen Bodenversiegelungen, da neue Fabrikationsanlagen, Arbeitersiedlungen, Straßen und Eisenbahntrassen großzügig genehmigt wurden. Auch die dem bäuerlichen »Reichsnährstand« aufgetragenen Erzeugungsschlachten ließen sämtliche Aufforderungen, die Natur zu schützen, außer Acht. Die Flurbereinigungsmaßnahmen der Landeskulturämter erreichten ein bisher unbekanntes Ausmaß, die Landwirtschaft wurde mit den Erfordernissen einer forcierten Mechanisierung und gesteigerten chemischen Düngung konfrontiert. Lanz und Liebig waren ihre Helden.
Ein Desaster sämtlicher naturkonservatorischen Anstrengungen kündigte sich an, als der Reichsarbeitsdienst auf »die Landschaft losgelassen« wurde. Seine Meliorationen, Drainagen, Ödlanderschließungen usw. ließen die »noch verbliebenen Naturreserven« »verschwinden«. Ähnliches zeichnete sich auf dem von »seelenlosen Stangenäckern«, mithin »undeutschen«, dafür aber schnellwüchsigen Nadelbäumen gekennzeichneten Terrain der Forstwirtschaft ab. Als ein notorischer Widersacher »umweltpolitischer« Ambitionen erwies sich zudem die »Kraft-durch-Freude«-Sektion der Deutschen Arbeitsfront. Die als Aushängeschild nationalsozialistischer »Volkswohlfahrt« instrumentalisierte Organisation vermochte nicht nur die volkskulturelle Angebotspalette der Heimatschützer im Handumdrehen an den Rand freizeitlicher »Massenvergnügen« zu drängen, sie brüskierte auch die Naturdenkmalpfleger ohne jeden Anflug von Scham oder Reue. Regelmäßig zeigte sich, dass die DAF-Touristengruppen und »Sonntagswanderer« an die exponierten Orte der »heimatlichen Natur« führte, ohne auch nur die geringsten Anstalten zu machen, den »in der Stadt unsauber und unerzogen gelassenen Mensch« mit der bewusstseinsbildenden Erhabenheit regionaler Naturmemorabilien vertraut zu machen. im Gegenteil lag den NS-Freizeitmanagern daran, auch im »grünen Dorn« des deutschen Waldes und in der - anscheinend stets - glühenden Heide für »hundertprozentige«, alkohol- und gesangbeschwingte »KdF-Stimmung« zu sorgen.
Nach Ansicht der Naturschutzbeauftragten trug nicht allein die DAF, sondern auch der vom Propagandaministerium gelenkte Reichswerberat Schuld an den ausufernden Naturfreveln »entwurzelter Massen«. Seine »bis ins kleinste Dorf« getragene Plakatwerbung, die von konventionellen Naturfreunden als schallende Ohrfeige empfunden werden musste, verhieß den »Volksgenossen« nichts anderes als die vermeintlich seichtesten, wie es hieß, »amerikanischen« Konsumfreuden.
An dieser Entwicklung entzündete sich die Kritik zahlreicher intellektueller, zum Teil einschlägig professionalisierter Nationalsozialisten. Sie erkannten, dass die allseits angestrebte »Regeneration des Volkstums« in einer urbanisierten, seriell produktiven, in Grenzen konsumtiven und ausdrücklich technikaffirmativen »Gemeinschaft« nicht mit den volkspädagogischen Mitteln des Heimatschutzes und der Naturdenkmalpflege wilhelminischer Provenienz zu erreichen war. Deshalb setzten sie auf Alternativen. Diese »Reformer« teilten die Vorstellung, dass naturadäquate Umweltbedingungen eine unverrückbare Prämisse der »rassischen Sanierung« und einer sozialtechnokratisch, bevölkerungsingenieural perfektionierten »Volkwerdung« seien. Hiervon ausgehend kooperierten verschiedene radikalvölkische Planungsinstanzen bei den Bemühungen, einen regimespezifischen Naturschutz herauszubilden. Sein vom »Wissen« über die »Gebundenheit deutscher Menschen an Landschaft, Boden und Heimat« vorgegebenes Ziel bildete die mit allen sachverständigen Mitteln durchzuführende Entwicklung »naturnaher Leistungslandschaften«, distriktiver Einheiten mithin, die sowohl den volkstumspolitischen als auch den autarkiewirtschaftlichen Erfordernissen gerecht werden könnten.
Der Naturschutz erfuhr dadurch eine aktivistische Kurskorrektur, an der sich verschiedene Gruppierungen beteiligten:
  1. Hochrangige Heimatschützer, die vor allem im westlichen Deutschland, zumal in unmittelbarer Nähe des Ruhrreviers, zu der Erkenntnis gelangt waren, dass den »völkischen Entfremdungseffekten« großindustrieller Produktion und anonymisierter Lebensformen durch die »Renaturierung« trister städtischer Wohnviertel und stadtnaher Erholungslandschaften entgegenzusteuern sei. Ihr Bekenntnis zu einer planifizierten und möglichst flächendeckenden Gestaltung der fraglichen Areale hoben der Vorsitzende des Westfälischen Heimatbundes, der Landeshauptmann der Provinz Westfalen Karl Friedrich Kolbow, sein langjähriger sauerländischer Weggefährte Wilhelm Münker und nach einigem Zögern der führende Repräsentant des DBH/DHB, der rheinische Landeshauptmann Heinz Haake, hervor, indem sie den »Deutschen Bund Heimatschutz« unter Verzicht auf den passiv anmutenden »Schutz«-Terminus 1936 in »Deutscher Heimatbund« umtauften.
  2. Die Vertreter der Obersten Naturschutzbehörde im Reichforstamt und die ihnen assoziierten Mitarbeiter der Reichsstelle für Naturschutz, in erster Linie ihr Leiter Hans Klose. Auf ihre Anregungen ging der Erlass des Reichsnaturschutzgesetzes von 1935 zurück, dessen reale Wirkungsmacht zwar äußerst eingeschränkt war, das aber dennoch drei wichtige Akzente setzte. Zum einen vereinheitlichte es das innere Gefüge des administrativen und des nebenamtlichen Naturschutzes erstmals reichsweit. Zum Zweiten trug es dazu bei, den staatlichen deutschen Naturschutz aus dem Verantwortungsbereich der Kulturverwaltung zu lösen und einem »harten« Ressort unter der Ägide des Reichsforstmeisters und Vierjahresplanbeauftragten, Hermann Göring, zuzuschlagen. Zum Dritten erfüllte es eine alte Forderung gestaltungswilliger Naturschützer, indem es den Landschaftsschutz erstmals legislativ implementierte. Faktisch kümmerte das den nationalsozialistischen Behemoth wenig. Gleichwohl blieb der umweltpolitische Trend, wirtschaftlich genutzte Gebiete mit einem ästhetisch ansprechenden Erscheinungsbild oder wichtigen ökologischen Funktionen vor massiven äußeren Eingriffen zu schützen, seither ungebrochen. Er bildete eine wesentliche Voraussetzung für weiterführende Gestaltungsprojekte.
  3. Repräsentanten der Raumforschung und der Raumordnungsbürokratie, die ihr Fach als unverzichtbare Voraussetzung einer zukunftsträchtigen, rassisch »bereinigten« »Volksordnung« begriffen. Um »aus dem deutschen Vaterlande eine nationalsozialistische Landschaft« zu machen, modellierten fachlich ausgewiesene Planer Raumkonzeptionen, die gleichzeitig, wenn auch nicht unbedingt gleichrangig, auf wirtschaftliche, infrastrukturelle und siedlungsbauliche Kapazitätssteigerungen sowie auf eine kenntnisreiche Restitution von »natürlichen Heimatlandschaften« in ihrem Einflussgebiet abstellten. Diese oft übersehene Kombination ökonomischer, »sozialer« und »umweltlicher« Anliegen charakterisierte im Grunde genommen bereits die Anfänge der zeitgenössischen Landschaftsplanung. Ihren Ausgangspunkt und ihre normsetzende Referenzorganisation bildete der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk, der seit den zwanziger Jahren montanbezirkliche Begrünungskampagnen als Mittel einer ideellen »Volkstumspflege« betrieb. Dabei hatte sich eine richtungweisende Zusammenarbeit zwischen Raumordnern und regionalen Heimatschützern angebahnt.
  4. Die Landschaftsanwälte des Reichsautobahnbaus (RAB) um Alwin Seifert. Ihr inzwischen gut erforschtes Beispiel illustriert die Orientierung einzelner nationalsozialistischer Behörden bzw. Sonderbehörden auf einen Ausgleich - in Seiferts Diktion, auf eine »Versöhnung« - zwischen technischer Rationalität und »naturräumlicher« Befindlichkeit in zweierlei Hinsicht. Erstens dienten die in der Streckenführung genau kalkulierten Autobahntrassen dazu, den Automobilisten Erlebnisse der landschaftlich diversifizierten »Heimatwelten« zu ermöglichen. Die völkische Prägekraft dieser Wahrnehmung galt als ausgemacht. Zweitens profilierten sich die Landschaftsanwälte der Schule Seiferts als entschiedene Gegner einer durch die flurbereinigte Intensivlandwirtschaft drohenden »Versteppung Deutschlands«. Von gigantischen Bodenverwehungen in den USA gewarnt, wurden sie zu Advokaten einer breit angelegten Erosionsprophylaxe durch Hecken und Sträucher. Die Landschaftsanwälte der deutschen Länder und preußischen Provinzen schwangen sich zu Widersachern der auf agrarische Ertragsmaximierung festgelegten Landeskulturämter auf"'.
  5. Die akademisch gebildeten Landschaftsexperten im Planungsamt des Stabshauptamtes des Reichskommissars für die Festigung des deutschen Volkstums (RKF), Heinrich Himmler. Die Verfasser der verschiedenen Varianten des »Generalplans Ost« kooperierten in Sachen Landschaftsgestaltung mit der Obersten Naturschutzbehörde Görings. Die beiderseitige Planung stellte einen untrennbaren Zusammenhang zwischen dem vollzogenen Völkermord, der Deportation indigener Bevölkerungen im östlichen Europa, der »Rückführung« sogenannter »Volksdeutscher« in die »neuen Ostgebiete«, den Versklavungs- und Hungertodprojektionen mit 30 Millionen vermuteten Opfern sowie verschiedenen innovativen Naturschutzansätzen her. Der Aussage des RKF-Planungschefs, des Berliner Landwirtschaftswissenschaftlers und Forschungsorganisators Konrad Meyer, der genozidalen »ethnischen Flurbereinigung« im Osten müsse - um der »völkischen« Prosperität des dort anzusiedelnden Deutschtums willen - ein unverzüglicher Ausbau ebenso leistungsfähiger wie naturnah-volkstumsgemäßer Landschaften folgen, stimmten die Gestaltungsspezialisten Heinrich Wiepking-Jürgensmann, Erhard Mäding u. a. unbedingt zu. Sie entwarfen Landschaften, in denen Wallhecken und Baumstreifen für einen naturalen Humusschutz sorgten, naturbelassene Fließgewässer den hydrologischen Zustand des Bodens optimierten und forstwirtschaftliche Zuchtleistungen ein »gesundes« Kleinklima verbürgten. Von der im Auftrag Himmlers erlassenen »Anordnung 20/VI/42« der SS-Territorialplaner, die nach Bekunden ihrer Urheber einen »Markstein der deutschen Landschafts- und Kulturgeschichte« ausmachte, gingen zudem wichtige Impulse auf Landesplanungen im »Altreich« aus.
  6. Natur- und Heimatschützer, die die Initiativen Wiepking-Jürgensmanns und Mädings mit dem Ziel aufgriffen, ihnen im Inneren »Großdeutschlands« Geltung zu verschaffen. Zu diesem Zweck trafen engagierte Gestaltungsbefürworter im Sommer 1941 auf der lippischen Burg Sternberg zusammen. Ihnen lag daran, Möglichkeiten auszuloten, die Landschaftsgestaltung als amtliches Sujet in die Provinzial- und Landesverwaltungen zu integrieren. Dieses Ansinnen des weit über 1945 hinaus rührigen Sternbergkreises fand den Beifall Seiferts, Kloses und Wiepking-Jürgensmanns.
  7. Einzelne, aufs Ganze gesehen allerdings isolierte Landwirtschaftsfunktionäre, die einzusehen begannen, dass die unter Kriegsbedingungen exzessiv gesteigerte Ausbeutung der agrarischen Ressourcen mittelfristig kein gutes Ende nehmen konnte. Sie versuchten, Einfluss auf die Vertreter des Reichsnährstandes und der Flurbereinigungsbehörden zu nehmen, und drängten darauf, Artikel über die Verfahren und Leistungen einer nachhaltigen Landschaftspflege in den landwirtschaftlichen Zeitschriften zu veröffentlichen.
Die »aufklärerischen« Publikationen fruchteten wenig. Entsprechenden Vorstößen war genauso wenig Erfolg beschieden wie den Konzeptionen Wiepking-Jürgensmanns, Kolbows, der Raumplaner usw. Abgesehen von den Planungen der Landschaftsanwälte beim Bau der Autobahnen, waren viele Naturschutz- und Landespflegeentwürfe kaum das Papier wert, auf dem sie niedergelegt worden sind. Nach den Gründen für den fatalen und fast vollständigen Fehlschlag der relevanten Anstrengungen in der NS-Zeit braucht nicht lange gesucht zu werden. Zwei Ursachen hegen auf der Hand; eine weitere ist erst unlängst bekannter ge-
worden. Ein wesentlicher Faktor war das Unvermögen der Gestaltungsbefürworter, sich zu einer geschlossenen, aktionsfähigen Phalanx zu formieren, die ihren Anhegen hätte Nachdruck verleihen können. Aussichtsreiche Ansätze, wie jene des Sternberg-Kreises, wurden wiederholt durch interne Spannungen, Konkurrenzen und Animositäten behindert. Erheblich schwerer wog jedoch die naturschutzpolitische Intransigenz bzw. das offenkundige fachliche Unverständnis einflussreicher Machtinstanzen des »Dritten Reiches«. Die Staats- und Parteiführung, die überwiegende Mehrzahl der Gauleitungen, der »Nährstand«, die Staatsjugend, die Wehrmacht, das Volkskulturwerk, vor allem aber die Vertretungen der Wirtschaft und der DAF waren für die Gestaltungsvorhaben - trotz ihrer völkischen Einfärbung - so gut wie unempfänglich. Industrielle Produktions- und agrarische Erzeugungsschlachten wurden unter den Auspizien des Vierjahresplanes und der Kriegswirtschaft, ohne Rücksicht auf Verluste geschlagen. Mahnungen, den ungehemmten Rohstoff- und Landschaftsverschleiß einzudämmen, gerieten nach 1942 in den Verdacht, die Kriegsanstrengungen zu untergraben. Unter diesen Voraussetzungen blieben die »kreativen« Naturschützer weitgehend chancenlos, wie sie selber oft leidvoll einsehen mussten.
Eine dritte Ursache ihres Scheiterns ist ihnen erst nach und nach bewusst geworden, nämlich die unerwartete und weitreichende Skepsis, die kommunale Naturschutzbeauftragte dem Gestaltungsgedanken entgegenbrachten. Die »vor Ort“ tätige Naturschutzbasis versagte sich den landschaftskonstruktiven Reformvorstellungen der disziplinären Elite. Wie sich mit der Zeit zeigte, stand der Erzregionalismus der lokalen Fachleute quer zu den neuartigen Vorstellungen. Die lokalen Beauftragten hielten an den Intentionen und den konservatorischen Techniken der durch und durch heimatstolzen Naturdenkmalpflege fest. Als Wegbereiter, geschweige denn als Durchführungsorgane der Landschaftsformung standen sie nicht zur Verfügung.
Dieser Zurückhaltung lagen hauptsächlich drei Überzeugungen und Erfahrungen zugrunde. Zum einen erschien die Landschaftsgestaltung nicht als originäres Produkt eines autochthonen heimatlichen Ideenfundus. Eher schon wurde sie mit einer »zentralistischen Anmaßung« gebietsfremder Kräfte identifiziert. Mochten die Vorschläge der Experten auch noch so plausibel erscheinen, über das Aussehen der »eigenen« Nahräume wollten die Heimatfreunde selber bestimmen. Zum zweiten konnte der »demiurgische« Anspruch der Landschaftsgestaltung als Sakrileg empfunden werden. Konventionelle Natur- und Heimatschützer befürchteten, dass die naturmonumentalen, heimatlichen Identifikationsstätten durch die Verwirklichung einer umfassenden Gebietspflege in Mitleidenschaft gezogen und somit »entweiht« werden könnten. Zum dritten waren die Naturschutzbeauftragten der kommunalen Ebene von den Anforderungen der »Gestaltet« schlicht überfordert. Verschiedene Beteiligte haben ihr Unvermögen, komplizierte biozönotische Zusammenhänge und Erfordernisse bei Ufer- und Ackerbepflanzungen zu durchschauen bzw. handwerklich zu bewerkstelligen, auf den deutschen Naturschutztagen dargelegt. Genauso wie die meisten »Kollegen« beschränkten sie ihr semiprofessionelles »Schaffen« daher auf den musealen Naturschutz.

III.
An dieser Konstellation hat sich nach 1945 kaum etwas geändert. Die gestaltungsaktive Wende des Naturschutzes erstreckte sich - trotz ihrer generell heimatfreundlichen Implikationen - nur selten auf das genuine Feld des Heimatschutzes, der sich von ihr um so leichter abzukapseln vermochte, als er in den ersten Nachkriegsjahren eine regelrechte Renaissance erlebte. In ihrem Licht blühte die seit den dreißiger Jahren fälschlich als überlebt eingestufte regionalistische Naturdenkmalpflege üppig auf. Sie wurde von einer leidenschaftlichen Opposition der Naturschutzbeauftragten gegen vermeintlich undeutsche Pflanzen in der Landschaft und in den Vorgärten, gegen »Anpreisungsreklame« in der Natur und gegen die gebietsverfremdende »Verpappelung« der Alleen und Landstraßen begleitet. Mit solchen »Verstümmelung[en]« der Landschaft, so lamentierte ein westdeutscher Naturschutzveteran, ginge mehr verloren »als ein idyllischer und romantischer Hintergrund, es geht ein Teil dessen verloren, was den Sirin des Lebens ausmacht«24. Solche von westdeutschen Natur- und Heimatschützern in Allianz mit namhaften Pohtikberatern, Kulturbürokratien und nicht selten auch den Kirchen eingeforderten existenziellen Sinnzuschreibungen verwiesen nach 1945 einmal mehr auf das »zeitlose« Wesen des stammes- und kulturräumlich differenzierten »Volkstums«. Dessen scheinbar überlieferungsechte Kultur sollte als ein geistig und mental Halt gebendes Gegengewicht zur der sich abzeichnenden Westernisierung der Lebensformen in die Waagschale bundesdeutscher Wertpräferenzen gelegt werden. Von diesem volkstumspflegerischen Impetus war die zeitgenössische konservatorisch-museale Naturpflege unübersehbar geprägt.
Die zeitweilige Dominanz dieses traditionellen Natur- und Heimatschutzes änderte nichts daran, dass der ursprünglich radikal ethnogenetisch angelegte Gestaltungsansatz ebenfalls aus der Erbmasse der »braunen Diktatur« hervortrat. Unzählige Krisensymptome schienen in den späten vierziger und frühen fünfziger Jahren eine umgehende, aktive Gegensteuerung zu erfordern. Angesichts von Berichten über verheerende Forstkalamitäten, erhebliche Humusverwehungen und beträchtliche, meist großstädtische »Wassernöte« waren landschaftstherapeutische Expertisen gefragt wie nie zuvor. Demzufolge schlug die Stunde der Gestaltet. Wiepking-Jürgensmanns, Mädings und Seiferts Vorhaben, den ökologischen Haushalt der Agrargebiete zu stabilisieren, ohne ihre Produktivkraft zu schmälern, stieß nun auf eine Resonanz, die ihm in der NS-Zeit vorenthalten worden ist. Gewiss blieben Heckenanpflanzungen und Windschutzstreifen bei jenen Landwirten umstritten, die ihre Hoffung inzwischen auf vollmotorisierte Betriebsabläufe setzten und die ahnen konnten, das ihre Höfe »weichen« würden, wenn sie nicht effizient wuchsen. Aber die Landschaftsgestaltung erfuhr die Förderung von Verwaltungen, die in sämtlichen Bundesländern »Ämter für Landespflege« aus der Taufe hoben. Förderung kam auch von den Länderministerien, denen die »Revolution des Dorfes« (Paul Erker) und des agrarischen Sektors viel zu ungestüm verlief, sowie von einer Anzahl neuer naturschutznaher Vereinigungen und Einrichtungen. So drückte eine Landschaftsgestaltung, die im Kontext von »Volksgesundheit«, gesellschaftlicher Sittlichkeit, ethnischer Dignität und nationaler Substanzsicherung stand, dem Deutschen Naturschutzring, der Naturparkbewegung, der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, dem organisierten Gewässerschutz und dem stellenweise nahtlos auf Wiepking-Jürgensmann rekurrierenden Rat für Landespflege mit seiner Grünen Charta von der Mainau den Stempel auf. Dadurch trat die »Landespflege« als professionalisierter Naturschutzstrang neben die zumeist ehrenamtlich betriebene und heimatbündisch grundierte Naturdenkmalpflege. Beide Naturschutzversionen waren auf landschaftliche Probleme festgelegt. Beide durchzog ein lediglich graduell divergierender volkstumsfixierter Subtext.
Dieser doppelte Primat des Landschaftlichen und sein weltanschaulicher Unterbau erodierten in den sechziger Jahren, als drastische gesellschaftliche Wandlungen und eine beispiellose umwelthistorische Zäsur die bisherigen Plausibilitätskriterien in Frage stellten. Beide Phänomene resultierten aus einer gemeinsamen Bedingungskonstellation, nämlich aus jener »um die Dreiheit von Haushaltstechnik, Suburbarüsierung und Automobil zentrierte[n], energieintensive[n] Lebensweise«, die »den freizeitorientierten Konsum zum sinnstiftenden Zentrum des Lebens«. machte28. Die in allen industrialisierten Ländern stattfindende »Sinnverschiebung« führte beim deutschen Naturschutz einerseits zur beschleunigten Preisgabe seiner »deutschtümelnden« Bezüge. Selbst für die Menschen, die sich in den sechziger Jahren für die Belange der Natur einsetzten, hatte das Gespenst »amerikanisierter« kultureller Praktiken seinen Schrecken eingebüßt. Sie reisten, nutzten allgemein zugängliche Massenmedien, arrangierten sich mit pluralisierten Lebensstilen und befehdeten die fortschreitende Technisierung des Alltags keineswegs mehr grundsätzlich. Parochiale Sichtblenden, die hauptsächlich »Heimat« und »Stammesart« im eigenen Gesichtskreis duldeten, wurden kurzerhand abgestreift. Wer im zweiten Jahrzehnt der Bundesrepublik von Stämmen sprach, dachte für gewöhnlich an Leinwandapatschen und nicht an Widukinds streitbare Sachsenscharen. Andererseits brachte die rasche Gewöhnung an die populären und erstmals erschwinglichen Freuden des Konsums erhebliche ökologische Belastungen und Herausforderungen mit sich. Der Energieverbrauch der technisch-industriellen Gesellschaft wuchs. Ruß-, Staub- und Säureemissionen verwandelten die Luft auch jenseits der Ballungszentren in einen schädlichen Cocktail. Schon vor dem »Smog« und dem »sauren Regen« wurden die schmutzig-braun-grauen »Schaumkronen« fast aller Binnengewässer als Menetekel eines ökologischen Krisenzeitalters gedeutet.
Dagegen regte sich ein öffentlicher Protest, der den personellen Rahmen des aktiven wie des passiven Naturschutzes sprengte. Immer vernehmbarer meldeten sich neuartige Gruppierungen zu Wort und insistierten auf politische Gegenmaßnahmen. Dass sich diese nicht in konservatorischen Anstrengungen oder landespflegerischen Pflanzaktionen erschöpfen konnten, wurde zusehends zu einem Gemeinplatz der Umweltpolitik. Infolgedessen begannen auch die Naturschützer, eine legislative Verankerung des Verursacherprinzips, Emissionslimitierungen und sorgfältige Grenzwertkontrollen einzufordern. Auf diesem Wege veränderte sich der Status der »Landschaft« im Rahmen eines populär werdenden ökologischen Denkens. Ihr hegemonialer Stellenwert reduzierte sich; der »Einsatz« für die »Naturareale« bildete fortan einen Teil des Umweltschutzes unter anderen.
Die »ökologische Wende« der frühen siebziger Jahre besiegelte diese Tendenz. Sie zog eine Globalisierung der zuvor national verengten Naturschutzperspektiven nach sich. Dabei rückten das Schicksal der tropischen Regenwälder, der weltweit bedrohten Tierarten und die weltweite Ozonproblematik in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Insofern wird man den Zäsurcharakter des Jahrzehnts deutlich unterstreichen müssen. Aber nichtsdestoweniger stand der Naturschutz auch im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts partiell auf den Schultern seiner Vorläufer. Indem er die Warnung vor der »Bevölkerungsexplosion« in Asien und Afrika noch in den achtziger Jahren als xenophobes Grollen ertönen ließ, indem er mit apokalyptischen Zukunftsszenarien die Verlockungen des Massenkonsums neuerlich anprangerte und nicht zuletzt dadurch, dass er »die heile Natur« nach wie vor mit Bildern konnotierte, die den Arsenalen der archivierenden und der gestaltenden Naturschützer entnommen waren, stellte er diesen Sachverhalt - oft unreflektiert - unter Beweis. Aus diesem Grund kennt auch die Geschichte des Natur- und Umweltschutzes keine »Stunde Null«, sondern nur das wechselvolle Miteinander von Kontinuität und Wandel.

Rechte Gruppen in ökologischen Bewegungen

AGFG - unterwegs unter anderem in Anti-Gentec-Zusammenhängen
Mehr Beispiele

Scan einer Auslage (Vorder- und Rückseite des Faltblattes) auf dem Deutschen Berufsimkertag 2012 in Donaueschingen. Der Präsident war laut Auskunft an der Infotheke informiert. Die Republikanerwerbung blieb liegen (was hier nicht als Aufruf zur Zensur verstanden werden soll - die Auslage befand sich aber unkommentiert zwischen DBIB-Infos und wirkte so offiziell).

Ökologie, Esoterik und antiemanzipatorische Orientierungen in linken/Ökogruppen

Offen nach überall ... Seilschaften über Grenzen hinweg

Beispiel Richard Schmid, neuland und Contraste
Monatlich liegt die "neuland" ausgerechnet dem sonst eher technokratisch-sozialistischem Blatt "Neues Deutschland" bei. Ist die Tageszeitung stark auf Parteilinie und marxistische Dogmatik ausgerichtet, stellt ihre Beilage eine interessante Mischung darf. Im Vordergrund steht die Werbung für Attac - auch da ist Chefbeilagen-Redakteur Schmid aktiv. Die Terminseite aber zeigt, was sonst noch zusammenkommt: ZEGG, Ökodorf Sieben Linden, gepaart mit marxistischen und Attac-Terminen.
Richard Schmid sitzt auch in der Redaktion der linken "Contraste". Als dort von anderer Seite vorgeschlagen wurde, dem zu Lebenszeiten ständig zu rechten und esoterischen Seiten offenen Erhard O. Müller einen Nachruf zu schreiben, gab es Kritik des damals auch in der Redaktion aktiven Jörg Bergstedt:

Ohne jetzt Leichen fleddern zu wollen - ich möchte aber doch darauf hinweisen, dass ich E.O. Müller aus verschiedensten Gründen für eine politisch äußerst fragwürdige Figur halte. Er hat unermüdlich für die Akzeptanz esoterisch und ökorechter Bezüge gekämpft - an den verschiedenen Orten, an denen er agierte.
Es sterben ständig Menschen und es betrifft immer die, die jemanden kennen, entsprechend. Aber eine emanzipatorische Politik hat EO Müller meines Erachtens nie vertreten. Daher wäre ich dagegen, ohne dass dies ein Veto darstellen soll. Wenn ich aber gefragt werde, würde ich sagen, dass ich dagegen war und ihn anders bewerte.

Das schuf Aufregung. Die sonst so lethargische Redaktion füllte die sonst so leere Mailingsliste. Wo die politische Debatte meist gänglich fehlt, ist Platz für die Verteidigung persönlicher Seilschaften. Offenbar war Kritik nicht erwünscht. Harmlos waren noch einfache Beschimpfungen wie diese:

Die Mail von Jörg finde ich unmöglich. Und ebenso unmöglich, dass niemand darauf reagiert! ...Jörg hat gefleddert!

Solidarität sollte es auch ohne Gründe geben:

Einen Nachruf auf E.O. Müller fände ich sehr gut, gerade auch wenn er eine "politisch äußerst fragwürdige Figur" gewesen sein sollte.

Den Vogel schoss Richard Schmid ab. Der Contraste-Redakteur und Attac-Funktionär schrieb:

E.O.s Arbeit kann ich kaum beurteilen, habe ihn nur im GRÜNE LIGA-Zusammenhang und auch da nur indirekt kennengelernt, finde es aber aber absolut nicht ehrenrührig sich um die Akzeptanz esoterisch und ökorechter Bezüge zu bemühen. Wir Linke sind hier in aller Regel unterbelichtet und überängstlich ...

Niemand in der Reaktion griff diesen Satz an. "Unmöglich" war nur die persönliche Distanzierung der Verehrung esoterischer und ökorechter Postionen. Redaktionsmitglied Jörg Bergstedt berichtete auf der passenden Diskussions-Mailingliste über Vermischungen von rechten und linken Zusammenhängen (Querfront) über den Vorgang (ohne Namen zu nennen). Dort las wiederum Elisabeth Voss mit, die den Nachruf auf Erhard O. Müller vorgeschlagen hatte. Sie fand nicht den Satz von Richard Schmid kritisch, sondern die Tatsache, dass er außerhalb der Contraste-Familie diskutiert wurde. Rechtes Gedankengut ist akzeptabel - Hauptsache es bleibt unter uns?
Voss & Co. bliesen zu Sturm. Jörg Bergstedt wurde aus der Redaktion ausgeschlossen. Erhard O. Müller bekam seinen Nachruf. Und Richard Schmid darf sich weiter um "Akzeptanz esoterisch und ökorechter Bezüge" bemühen - in der Contraste, im Neuen Deutschland und bei Attac.

Rudolf Bahro Nachfolger

Rezension
Maik Hosang u.a.: Die emotionale Matrix
(2005, Ökom in München, 148 S., 19,80 Euro)
Ein verwirrendes Buch: Emotionen, im besonderen noch in ihren tiefen, intensiven Formen (nach Lesart des Buches) steuern wesentlich das Verhalten von Menschen. Daher müsse gesellschaftliche Veränderung dort ansetzen. Das würde dann irgendwie zur Bildung eines großen Ganzen (der rote Faden des Buches – es gibt irgendwas Höheres, dass durch die Einheit von Geist und Gefühl entsteht) führen, wodurch die Welt sich zur Nachhaltigkeit (ein Begriff aus der kalten Ökonomie) und zur „machtfrei-demokratischen Selbstorganisierung“ (Demokratie ist eine Herrschaftsform, wie kann die machtfrei sein? – Zitat auf S. 88) wandele: „Die Assoziation universeller Sinnbezüge wie Tao, Gott, Buddha, Allah etc mit intensiven Qualitäten von Mitgefühl bzw. Liebe befähigte die ‚Gläubigen’ oder ‚Wissenden’ dazu, sich sowohl von egozentrischen Impulsen als auch von geltenden, doch lieblosen sozialen Normen und Erwartungen zu befreien“. In zusammenhangloser Form sind einzelne Erkenntnisse der Wissenschaft z.B. zur Hirnforschung mit dubios esoterischen Verklärungen und dem ohnehin inhaltlich beliebigen Nachhaltigkeitsdiskurs gefüllt. Als Quellen dieser Gedanken werden vermeintliche Vorreiter der sozialen Ökologie benannt: der schwer esoterische Johannes Heinrichs oder der zumindest umstrittene Rudolf Bahro, während der international bekannteste Theoretiker einer Verbindung von sozialer und ökologischer Umgestaltung, Murray Bookchin, den Autoren offenbar unbekannt ist. Das mag daran liegen, dass Bookchin eine emanzipatorische Sicht auf die Dinge versucht – wofür Bahro-Schüler und Biedenkopf-Freund Hosang und seine Mitstreiter sicher nicht im Verdacht stehen.

Im Original: BUND und rechte Gesinnungen ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus Jörg Bergstedt (2001), "Reich oder Rechts"
BUND, esoterische bzw. rechte Ideologie und Gruppen
Häufiger kritisiert als die SPD-Lastigkeit bzw. aktuelle Orientierung an den Modernisierungskonzepten der „Mitte“ wird die Rechtslastigkeit einiger FunktionsträgerInnen. Dahinter steckt eine stark verharmlosende Sichtweise der „Neuen Mitte“ in vielen politischen Diskussionen - viele aktuelle politische Prozesse wie innere Sicherheit, starker Staat, Weltpolizeiauftritte in neuen Kriegen oder sozialrassistisches Aussieben mit Nützlichkeitsstigmatisierung von Menschen sind Projekte der politischen Mitte, sie stammen nicht aus rechten Kreisen! Dennoch lohnt ein Blick darauf, daß im BUND auch rechte Positionen und die sie tragenden Personen Einfluß haben und hatten. Die meisten von ihnen stammen aus den südlichen Bundesländern (Bayern und, deutlich weniger, Baden-Württemberg) sowie aus Niedersachsen, was wohl vor allem daran liegt, daß hier der bekannteste deutsche rechte Ökostreiter, Herbert Gruhl, beheimatet war. Herbert Gruhl war Bundesvorsitzender des BUND kurz nach dessen Gründung als Bundesverband. Er unterhielt zudem einen guten Kontakt zum langjährigen (1983-91) BUND-Landesvorsitzenden von Niedersachsen, Prof. Konrad Buchwald. Der bekannte Nordseeexperte war Spitzenkandidat der Weißen, einer niedersächsischen ÖDP-Vertretung, bei der Landtagswahl, sowie Bundesvorstandsmitglied und zeitweise stellvertretender Vorsitzender in der ÖDP (und zwar zur Anfangszeit der ÖDP, als diese deutlich rechte Positionen vertrat!). Zusammen mit Gruhl tat sich Buchwald in der ÖDP mit rechtem Gedankengut z.B. in der Ausländerpolitik hervor. Beide traten nach einigen, rechtsextremen Positionen entgegenstehenden Beschlüssen der ÖDP-Hauptversammlung aus der Partei aus. Im BUND ist mittlerweile weitgehend unumstritten, daß Konrad Buchwald als Rechter anzusehen ist, zumal er über die benannten und im BUND bekannten Tätigkeiten hinaus auch noch im VDA (Verein für Deutschtum im Ausland) aktiv ist und in verschiedenen Veröffentlichungen offen rechte Ansichten vertritt. Selbst in seiner bedeutendsten Veröffentlichung, dem mit Wolfgang Engelhardt (DNR-Präsident und CSU-Mitglied) herausgegebenen „Handbuch für Planung, Gestaltung und Schutz der Umwelt“, bringt er es fertig, eine Tabelle der Bevölkerungsentwicklung Deutschlands auf der Basis der Grenzen von 1937 zu veröffentlichen. Dem BUND aber scheint all das gleichgültig zu sein. Statt aus der offensichtlichen Rechtslastigkeit Buchwalds die Konsequenzen zu ziehen, ist er immer noch Ehrenvorsitzender in Niedersachsen, zudem wurde eine Auszeichnung nach ihm benannt, die nun regelmäßig verliehen wird.

Im Original: Konrad Buchwald in „Neue Zeit“ 1/82 (S. 20-22) und 2/82 (S. 12-13) unter der Überschrift „Auslandsdeutschtum - Teil der Nation“
Was ist das für ein Staat, der für Wirtschaftsasylanten das Vielfache dessen ausgeben (sic!), das er für die ethnische Erhaltung und kulturelle Förderung der im Ausland beheimateten deutschen Volksgruppen bereitstellt.
Konrad Buchwald in seinem Text „Ökosystemlehre“ (in Callies u.a., 1989, „Mensch und Umwelt in der Geschichte“, Pfaffenweiler, S. 9-34)
Krisen und Notzeiten verlangen Einschränkungen der Freiheit. ... Wenn Ökologie die Lehre von den Bindungen in einer Lebensgemeinschaft und von deren Abhängigkeit von ihrer Umwelt ist, so muß Freiheit in einer ökologisch orientierten Gesellschaft etwas konträr anderes sein als in der liberalen Phase.

Umstritten sind auch weitere Bundesvorsitzende, unter anderem der erste BUND-Bundesvorsitzende Bodo Manstein, der zusammen mit Werner Georg Haverbeck vom rechtsextremen Weltbund zum Schutze des Lebens und Herbert Gruhl ein Buch schrieb. Vor der Gründung des Bundesverbandes gab es im Bund Naturschutz in Bayern von 1958 bis 1963 einen bemerkenswerten Vorsitzenden: Alwin Seifert, unter den Nazis Reichslandschaftsanwalt. Später gab es viele Diskussionen um das Ehepaar Weinzierl. Während Beate Saitz-Weinzierl den AK Umweltethik und Frieden des BUND-Bundesverbandes leitet und von hier immer wieder Positionen aus dem New-Age-Gedankengut vertritt, war Hubert Weinzierl seit 1983 Bundesvorsitzender des BUND, deutlich länger schon war er Vorsitzender in Bayern und ist es bis heute. Sein bekanntester Fehltritt war sein in der Zeitschrift „natur“ aufgezeichnetes Gespräch mit Bernd Lötsch und Konrad Lorenz, bei dem weder Lötsch noch Weinzierl Anstoß nahmen an den Lorenz'schen Behauptungen, daß angesichts der Bevölkerungsexplosion der Krankheit AIDS eine positive Wirkung zukomme und daß es bedrückend sei, daß sich die Menschen in den edleren Kulturen z.B. Europas weniger vermehrten als die Gangster in der Dritten Welt. Bei genauerem Hinsehen aber paßt dieser Fehltritt zu einer Reihe weiterer Aussagen von Weinzierl selbst sowie zu etlichen Kontakten zu rechten Organisationen, u.a. den Deutschen Unitariern. Auf der am 6.12.1997 stattgefundenen Mitgliederversammlung des Deutschen Naturschutzrings, in dessen Präsidium Weinzierl schon viele Jahre saß und dessen Präsident er heute ist, forderte er einen „spirituellen Neuaufbruch“. Auch andere BUND-FunktionärInnen und -Untergliederungen haben Kontakte zu rechten Kreisen. Beate Saitz-Weinzierl schrieb das Vorwort in einem Buch der Unitarier, in dem dann auch Werner Georg Haverbeck, Ex-Präsident des faschistischen Weltbund zum Schutze des Lebens, Rechtsextremist und Leugner der Naziverbrechen, ein Kapitel schreibt.

Im Original: Hubert Weinzierl in „Das grüne Gewissen“ (1993, Stuttgart, S. 159)
Wir stehen angesichts des dramatischen Bevölkerungszuwachses vor dem Dilemma, daß jeder Naturschutz zwangsläufig dort enden muß, wo die Menschenlawine alles überrollt.

Die rechten Kontakte haben im BUND Tradition - immerhin ein Verband, in dem Personen wie Herbert Gruhl Bundesvorsitzender und Konrad Buchwald Landesvorsitzender werden konnten. Als Herbert Gruhl gestürzt wurde, war Hubert Weinzierl einer seiner verbliebenen Unterstützer. Später wurde letztere Bundesvorsitzender (bis 1998).

Im Original: Reiner Bischoff, bis 1995 im BUND-Landesvorstand Baden-Württemberg und Leiter des AK Wirtschaft und Finanzen, in seinem Beitrag „Geld und Asyl“ (Remscheid, 1994)
Somit gilt heute: Eine nationale Denkweise zu haben, z.B. über Volk und Vaterland tiefere Betrachtungen anzustellen, über Gebietsabtretungen im völkerrechtlichen Sinne nachzudenken, eine kritische Haltung gegenüber der Zeitgeschichtsforschung einzunehmen, auf die Einseitigkeit der „Vergangenheitsbewältigung“ hinzuweisen, sich gegen die multikulturelle Vermischung auszusprechen, die marxistisch-kapitalistische Gleichheitsideologie abzulehnen usw. - dies alles ist hierzulande ... das politisch Böse an sich. ...
Naturschutz müßte ... logischerweise den Völkerschutz mit einschließen. Und nicht nur den Schutz bedrohter Naturvölker, sondern auch den des eigenen, z.B. des deutschen Volkes. ...
Das Volk als biologisch-gesellschaftliches System hat sich meist im Laufe von Jahrtausenden entwickelt und ist hochempfindlich. Wenn an in dasselbe einfach fremde Volksteile hineinverpflanzt, löst man tiefgreifende Störungen aus.

Braune Gesinnungen haben auch manche Provinzfunktionäre des BUND. So schrieb der BUND Naturschutz Starnberg einen Brief an den Stadtrat, wo er zu einer geplanten Säuberungsaktion (genannt „rama dama“) Stellung nimmt: „Nach unserer Meinung ist der Bevölkerung schwer zu vermitteln, daß arbeitende Bürger dieser Stadt als Freiwillige am Ramadama teilnehmen, während von Sozialhilfe bzw. Arbeitslosenhilfe lebende Asylbewerber spazierengehend zuschauen, wie andere ohne Honorar den 'Wohlstandsmüll' wegräumen“. Zwei immer wieder als BUNDler auftretende Personen sind zudem schon seit längerem (also auch schon zu Zeiten, wo die rechte politische Gesinnung dieser Partei noch deutlich war) im Kuratorium der ÖDP-Stiftung: Horst Haitzinger und Hermann Benjes. Letzterer gehört zu den wichtigsten FreiwirtschaftlerInnen in Deutschland, u.a. als Vorsitzender der Partei FSU, in deren Reihen ständig rechte Gedanken und Personen zu finden sind (s. Kap. 3.7). Einige von ihnen wurden auch als ReferentInnen geladen, so unter anderem der Cheftheoretiker der FreiwirtschaftlerInnen, Helmut Creutz zu einem Seminar der BUNDjugend im Jahr 1993 in Braunschweig. Creutz war auch in der rechtsextremen Kaderschmiede „Collegium humanum“ aktiv. Noch drastischer gebärdete sich die BUNDjugend 1992, als sie den rechtsradikalen Ex-Präsidenten des Weltbund zum Schutze des Lebens, Max-Otto Bruker, einlud. Allerdings sind auch andere Umweltorganisationen auf FreiwirtschaftlerInnen gut zu sprechen. 1997 lud das Unabhängige Institut für Umweltfragen Helmut Creutz als Referent ein.
Eine bemerkenswerte Tatsache war die Vorliebe vieler deutscher Umweltzeitungen für die gleiche Druckerei, nämlich Brühl in Gießen. Dort werden gedruckt: Öko-Test, World-Watch-Magazin, die VCD-Zeitschrift fairkehr, das BUND-Blatt Natur&Umwelt und das NABU-Organ Naturschutz heute. Ob Zufall oder nicht: Mitte der 90er Jahre kam Brühl in Verruf, weil es rechte Zeitschriften druckte, u.a. die Junge Freiheit, wie dort noch im Impressum von 1994 angegeben. Selbst wenn es keine bewußte Verbindung geben sollte, fehlt den UmweltschützerInnen auch hier wieder die notwendige Distanz zum braunen Rand der Republik.

Über: Bodo Manstein, erster Bundesvorsitzender des BUND (aus Wikipedia)
1930 trat Bodo Manstein in die NSDAP ein. Während seiner Tätigkeit als Assistenzarzt der Luftwaffe von 1935 bis 1937 promovierte er 1936 an der Universität München zum Doktor der Medizin. Im Jahr 1938 wurde er Mitglied im Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebund und begann die Facharztausbildung in der Universitäts-Frauenklinik der Charité in Berlin. ...
Manstein war Mitbegründer des Weltbund zum Schutz des Lebens[6] Hinsichtlich einer von ihm als Gefahr gesehenen Überbevölkerung der Erde vertrat er die Ansicht, angesichts einer „entfesselten Technik“ seien die Maßstäbe verloren gegangen, worauf die verschiedenen „Menschenrassen“ unterschiedlich reagierten. Im Jahr 2000 würden in Europa einschließlich der Sowjetunion laut seiner Prognose nur noch 15 Prozent der Weltbevölkerung leben, wohingegen Moslems in Indien und Jugoslawien nach seinen Worten „bewusst“ ihre Vermehrung betrieben. ...
Er beteiligte sich deshalb 1975 an der Gründung des BUND und wurde dessen erster Vorsitzender.


BUND bezog sich noch lange ehrenhaft auf Bodo Manstein (aus Wikipedia)
Von 1980 bis 1991 verlieh der BUND die nach dem ersten Vorsitzenden benannte Bodo-Manstein-Medaille für besondere Verdienste im Natur- und Umweltschutz. Auf der Medaille war zu seinem Gedenken das Porträt Bodo Mansteins abgebildet; der Mediziner und Umweltschützer der ersten Stunde war zum Zeitpunkt der ersten Verleihung bereits verstorben.

Faschisten mit grünen Gewand

Weltbund zum Schutze des Lebens und Collegium Humanum

In der Gründungsphase der Umwelt- und Anti-Atom-Bewegung spielte der WSL eine große Rolle. Seine faschistische Gesinnung wurde offenbar übersehen. Zwischen Umweltverbänden und dem WSL gab es personelle Verflechtungen, z.B. war der Gründungsvorsitzende des BUND, Bodo Manstein, Mitbegründer des WSL. In der gleichen Phase, als der BUND bundesweit entstand (Mitte 70er Jahre) veröffentlichte Manstein mit zwei WSL-Präsidenten, dem rechtslastigen Herbert Gruhl und dem zumindest in der heutigen Zeit mit rechten Positionen auftretenden Holger Strohm das Buch "Atomares Dilemma". Der BUND war in seiner Gründungsphase als Bundesverband insgesamt von rechten Persönlichkeiten geprägt war. Der Rundbrief "Lebensschutz-Informationen" (LSI) kommt auch heute noch heraus - allerdings existiert der WSL nicht mehr und der Rundbrief trägt einen neuen, ehrlicheren Namen: "Stimme des Reiches". Träger des Rundbriefes wurde nach Ende des WSL das rechtsextreme Collegium Humanum in Vlotho - Bildungszentrum von Faschisten. Bis auch das verschwand, weil es als rechtsextreme Organisation verboten wurde.

Im Original: Texte über den WSL ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus Jörg Bergstedt (2001), "Reich oder Rechts"
Der am 4.9.1958 in Österreich und dann am 26. Juni 1960 in Deutschland gegründete WSL hatte seinen Höhepunkt in den Anfängen und ersten Jahren der Anti-Atom-Bewegung. Mit seiner Infrastruktur trug er wesentlich zum Wachsen der Bewegung bei. Kontakte gab es ebenso zur Friedensbewegung der 70er Jahre (Ostermärsche). Der Stand von ca. 3.000 Mitgliedern in den Siebziger Jahren markierte den Höhepunkt des WSL. Erster Präsident wurde der ehemalige Hausarzt der NS-Euthanasie-Anstalt Grafeneck, Dr. Walter Gmelin. Die Initiative zur Gründung ging in beiden Fällen von Prof. Günther Schwab (Salzburg) aus. Von Beginn an gab es enge Kontakte zur NPD, so erarbeiteten diese ihr „Ökologisches Manifest“ zusammen mit dem WSL. In der WSL-Zeitung „Lebensschutz“ wurde für rechtsextreme Verlage (z.B. Arndt-Verlag, MUT usw.) geworben, zudem druckte sie Aufrufe aus der NPD-nahen Zeitschrift „Tendenz“ nach. In Schleswig-Holstein war Baldur Springmann, später zusammen mit Herbert Gruhl Rechtsaußen bei Grünen, dann ÖDP und Unabhängige Ökologen, Landesvorsitzender. Eine der wichtigsten Personen für den Weltbund war Dr. Max O. Bruker, dessen Kontakte zu anderen Gruppen und Bewegungen (Gesundheitsorganisationen, TierrechtlerInnen usw.) eine der bestbelegtesten Vermischungen von Ökologie und Rechtsextremismus sind. Bruker, auch Aktivist in rechtsextremen Zirkeln und Parteien (siehe unten) war 1967 bis 1971 Vizepräsident und von 1971 bis 1974 Präsident des WSL. Daß er danach seine Kontakte nicht abbrach, zeigt seine erneute Wahl zum Präsidenten 1982, wenn er auch das Amt am Ende des Jahres nach Streitigkeiten niederlegte, sich aber weiter in der internationalen Sektion des WSL engagierte. Unter Brukers Führung gab es im WSL den „Arbeitskreis Humangenetik“, der gleichbedeutend mit der „Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung“ des bekannten Neo-Nazis Jürgen Rieger war. ...
Nach eigenen Aussagen strebte der Weltbund zum Schutze des Lebens eine Koordinierungsfunktion der Umweltbewegung an. Wo die Verbindungen bestanden, ist in der WSL-Bücherliste zu erkennen. In einem Buch treten neben WSL-Präsident Werner Georg Haverbeck Herbert Gruhl und Bodo Manstein als Mitautoren auf, also zwei ehemalige BUND-Bundesvorsitzende. Zu den WSL-Ideologien gehören offene Positionen für die Politik der Nazis, Leugnung des Judenmordes und Zweifel an der Kriegsschuld des Deutschen Reiches.
Als Kaderschmiede und rechte Bildungseinrichtung wurde das „Collegium humanum“ geschaffen. In der als Heimvolkshochschule bezeichneten Bildungseinrichtung treffen sich regelmäßig rechte Kreise. Direkter Einfluß wird auf alternative Lebensprojekte genommen, unter anderem hatte hier das Märchenzentrum Troubadour seinen Sitz, bei dem Karl-Heinz Meyer mitwirkte, der mit seinem Ökodorf-Institut einen wichtigen Einfluß auf alternative Lebensgemeinschaften hatte und auch heute noch Projekte berät.
In den 90er Jahren betrieb der Weltbund kaum noch eigene Verbandsprofilierung. Er verstand sich als Netz, als geistige Schule neurechten Gedankengutes. Verbindungen bestanden zu anthroposophischen Zirkeln, denen sich der heutige Präsident des Weltbundes, Ernst-Otto Cohrs zugehörig fühlt. Personelle Überschneidungen fanden sich zur NPD, zu den Republikanern und anderen rechten Gruppen. Ältere Führungspersonen waren NSDAP-Mitglieder oder -Funktionäre. Extreme faschistische Positionen führten im WSL zu Richtungskämpfen zwischen denen, die für die reine Lehre, d.h. für rechte Positionen eintraten, und denen, die die Einflußnahme auf die Umweltbewegung als Ziel betrachteten. Spaltungen und Austritte verringerten immer wieder die Bedeutung des WSL.


Aus dem Eintrag bei Wikipedia
Den Anstoß zur Gründung der Organisation gab der Roman „Der Tanz mit dem Teufel“ des Schriftstellers, Ex-NSDAP-Mitglieds und Ex-SA-Offiziers Günther Schwab. In dem Roman legte Schwab seine „völkisch-biologistischen Ansichten“ nieder, prangerte die drohende Natur- und Umweltzerstörung an und mahnte frühzeitig vor der Nutzung der Atomenergie. ...
Von 1970 bis 1972 war der Naturwissenschaftler Hanno Beck Präsident.[5] Je nach Zahl der Mitglieder bildeten sich Orts- und Kreisvereine. Aufgrund der schnell wachsenden Mitgliederzahl konnten keine Vollversammlungen mehr stattfinden, so dass Delegierte gewählt wurden. Zu den bekanntesten Mitgliedern gehörten der Physiker Karl Bechert (1901–1981), der Spiekerooger Arzt Klaus Klasing (1910–1975), der Sachbuchautor und Arzt Max Otto Bruker (1909–2001) und der Autor Ewald Gaul (1919–2004). ...
Kritik richtete sich insbesondere gegen den rechtsextremen Präsidenten Werner Georg Haverbeck (WSL-Präsident von 1974–1982) und seinen Vizepräsidenten Ernst Otto Cohrs (Vizepräsident von 1974–1982). Als im Mai 1981 auf einer Bundesvorstandssitzung Haverbeck und Cohrs ihre Ämter dem Präsidium zur Verfügung stellten, falls sie sich vom NS-System oder Hitler distanzieren müssten, wurde ein entsprechender Antrag fallengelassen. 1982 ersetzte Max Otto Bruker Haverbeck als 1. Präsident. Ernst Otto Cohrs durfte Vizepräsident bleiben. Erst nach öffentlichen Protesten und zahlreichen Kündigungen von Mitgliedern wandte sich Bruker in einem Rundschreiben an alle Mitglieder, wo er die öffentliche Aussprache rechtsradikalen Gedankenguts ausdrücklich verbot, jedoch nicht die Mitgliedschaft von Rechtsradikalen im WSL. Aufgrund des Briefes kam es zum Machtkampf innerhalb des WSL in dessen Zug Bruker im Dezember 1982 von seinem Amt als Präsident zurücktrat. ...
Im Jahre 1985 wurde die Sektion Deutschland (WSL-D) wegen rechtsradikaler Aktivitäten aus dem internationalen Verband ausgeschlossen.

Aus einem Artikel (Stand des Artikels: 1996) bei APABIZ
Funktionäre: Ernst Otto Cohrs (Präsident); Vorgänger waren Werner Georg Haverbeck, Hanno Beck, Walter Gmelin, Helmut Mommsen, Max Otto Bruker und Ursula Haverbeck-Wetzel. ...
In den 70er Jahren steht der WSL-D im Zentrum der entstehenden Ökologiebewegung. Im (ideologischen) Umfeld des WSL-D und räumlich im Collegium Humanum (CH) finden die Vorfeldgespräche zur Gründung sowohl der Grünen als auch der Unabhängigen Ökologen Deutschlands statt. 1980 veröffentlicht der WSL-D in seiner Publikation Lebensschutzinformationen das Memorandum Gastarbeiter als Ökologisches Problem, welches später auch in Nation und Europa abgedruckt wird. Die Unterschrift des WSL-D findet sich auch unter dem Krefelder Appell. 1981-1982 kommt es durch die offen antisemitischen und rechtsextremistischen Aktivitäten des damaligen Präsidenten Cohrs zu einer innerverbandlichen Krise, infolge derer viele Personen und ganze Landesverbände austreten. Dadurch kommt es zu einer Stärkung der rechtsextremen Gesamttendenz. ...
Der WSL-D ist mit dem Collegium Humanum verflochten: Das CH stellt seine Räumlichkeiten für Seminare und Treffen zur Verfügung, die neben dem WSL-D auch von anderen Gruppen genutzt werden. Zu nennen sind der Bund Heimattreuer Jugend, der Bund der Goden, das Komitee zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers, der Witikobund und der Verein Gedächtnisstätte. Enge Verbindungen bestanden zur Freisozialen Union.

Im Original: WSL im O-Ton ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der "Stimme des Wissens" 1/2008 (S. 12)
In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern meiner Berichte, sei das nun auf Deutsch, Englisch oder Französisch - vielleicht auch Spanisch? - ein gutes, vor allem gesundes neues Jahr, das uns weiterhin das Stehvermögen bescheren möge, das wir als Nationalisten, als Vaterlandsliebende in unseren jeweiligen Heimatländern benötigen, um den Kampf für Heimat, Volk und Vaterland fortführen zu können ... Günter Deckert

Aus "Zu den Landtagswahlen 2008" von Ursula Haverbeck (S. 16)
"... die NPD gehört nicht verboten, sondern widerlegt." Das klingt recht vernünftig, aber man kann nciht alles widerlegen, schon gar nicht, daß der völkischen Führerstaat, den wir nicht kennen, besser ist als die freiheitliche Demokratie, die wir nur zu gut kennen.
Demgegenüber lesen wir im Spiegel Nr. 10/2005 über den völkischen Führerstaat: "Zu den Begünstigten zählten 95% der Deutschen. Sie empfanden den Nationalsozialismus nicht als System der Unfreiheit und des Terrors, sondern als Regime der sozialen Wärme, als eine Art Wohlfühl-Diktatur." ... Weil es offenbar so schwer ist, das Wohlfühlen im völkischen Führerstaat zu widerlegen, deswegen wird immer wieder nach einem Verbot der NPD gerufen
.

Aus Nr. 2/2008 (S. 1)
Das jüdische Jahrhundert (Yuri Slezkine) und das Jahrhundert der Lüge (Hugo Wellems) fallen in eins zusammen, in doppelter Hinsicht: sie sind eine Einheit und zerbrechen gemeinsam.

Aus dem Grundsatzprogramm des Weltbundes zum Schutze des Lebens
Der Verein wirkt für Erneuerung und Vertiefung des Lebens im Sinne der ewigen sittlichen Werte und der natürlichen Lebensordnung, gegen Überheblichkeit, Profitgier, Machtwahn, gegen die Mächte der Unordnung, Entartung, Ausbeutung und des Untergangs.

Aus den Lebensschutz-Informationen Sept./Oktober 1993
Die Nationalität kann nicht wie ein Hemd gewechselt werden. Sie ist ererbtes Gut, das Rechte und Pflichten einschließt. ... Wer gegen eine solche ökologisch begründete Ablehnung der Asylantenflut vorbringt, dann dürfe es keine kinderreichen deutschen Familien mehr geben, bekundet damit verdeckten Völkermord. ...
Was heißt Ökologie? ... Im altgriechischen Verständnis des Wortes „oikos“ ist dieser Lebensraum erweitert zum „Vaterland“. ... Die Unterarten des Menschen sind ebenso wie die von Pflanze und Tier einem jeweiligen Ökosystem eingeordnet. ... Diese Prägung wird sogar erbfest. ... Wenn z.B. ein VW-Arbeiter drei Scheinasylanten mit auf der Steuerkarte hat und der Renaultarbeiter nur einen Asylanten zu versorgen hat, so ist es leicht zu verstehen, daß der VW-Arbeiter seinen VW nicht so günstig herstellen kann wie der Renaultarbeiter. Der Japaner hat gar keinen Asylanten auf der Steuerkarte und kann seine Mazda noch billiger herstellen. ... Schlußendlich haben zusätzliche Esser am Tisch unserer Wirtschaft ihren Preis.


Auszüge aus dem WSL-Info X
Das Chaos ist nicht nur über die Völker hereingebrochen, sondern auch über die Seelen. Herausführen aber kann nur, wer von sich selbst das Äußerste fordert. An der Hingabebereitschaft, am Einsatzwillen, an der Leistung wird eine neue Elite erkannt, und an der „Fairness“, mit der man einander - auch als Gegner - begegnet. Früher wurde diese Haltung „Ritterlichkeit“ genannt. Doch wer weiß heute noch was davon. ...
Wir sind in einem „Krieg“, in dem es um Sein oder Nichtsein geht. Auch dabei gibt es wie immer Drückeberger und solche, die nur nach Sold und Beute fragen. In unserer Kampagne ist kein Platz für Müde, Faule und Feige.


Über das Collegium Humanum (S. 3)
Sie setzen sich seit vierzig Jahren für Umwelt- und Lebensschutz insgesamt ein, also nicht nur für Ameisenvölker, sondern auf für gefährdete Menschenvölker und dazu gehört das deutsche Volk. Es steht schon auf der Roten Liste.

Gründungsdokument
Feierliche Erklärung
Anläßlich der Gründung des Weltbundes zur Rettung des Lebens in Österreich am 25. September 1960 geben die in der Stadt Salzburg versammelten Gründungsmitglieder folgende feierliche Erklärung ab:
Im Vertrauen auf Gott sammelt der Weltbund zur Rettung des Lebens in Österreich entschlossene Menschen, ohne Unterschied des Standes, der Religion, der Rasse, der Partei und des Alters, um in den schicksalsentscheidenden Tagen der Menschheitsgeschichte die Gesinnung der Ehrfurcht vor dem Leben zur Macht zu bringen. Wir bitten Gott um die Gnade und um das Glück, segensreich für die Gemeinschaft der Völker wirken zu dürfen. Die Stadt Salzburg verkörpert durch Wolfgang Amadeus Mozart ein mächtiges Symbol der Hoffnung, denn die Sprache der Musik verstehen alle Völker.
Die erste und wesentliche Tat des Weltbundes zur Rettung des Lebens besteht darin, der müden und ziellos gewordenen Menschheit den Glauben an ihre Wiedergeburt, an ihre Zukunft, an ihre Aufgabe im Schöpfungsplane Gottes und an einen ewigen Sinn des Lebens zu geben. Der geistige Urheber des Weltbundes zur Rettung des Lebens, der Dichter Günther Schwab, gibt uns eine Losung, zu der wir uns freudig bekennen: Dem ist nichts unmöglich, der für das Leben kämpft.
Im Ringen um die höchsten Werte finden wir uns zusammen und versprechen voll heiligen Ernstes, alle unsere Kräfte für die Rettung des Lebens einzusetzen. Wer das Leben retten will, muß zuerst den Frieden retten.
Aus starkem Gottvertrauen glauben wir an die Macht des Geistes. Nur das Denken, das die Gesinnung der Ehrfurcht vor dem Leben zur Macht bringt, ist fähig, den ewigen Frieden heraufzuführen.
Weltbund zur Rettung des Lebens
Die Gründungsmitglieder
Salzburg am 25. September 1960
Magazin "Umwelt & Aktiv"

Aus Andreas Speit, "Brauner Ansturm ins Grüne", in: taz, 18.7.2008
"Gen-Kartoffeln auf dem Acker" und "Die Ergebnisse der Bali-Klimakonferenz": Die Umwelt & Aktiv schreibt über aktuelle Ökothemen zwischen gesunder Ernährung und artgerechter Tierhaltung. "Wir leben auch sehr umweltbewusst", sagt Claudia Laimer, Autorin der Zeitschrift, und versichert: "parteipolitische Interessen gibt es nicht". Sie betont das nicht ohne Grund. Denn die Umwelt & Aktiv steht der rechtsextremen Szene nahe. Und die Blut-und-Boden-Ökos wollen gerne unerkannt Einfluss auf die Umweltbewegung nehmen.
Deswegen wird Laimer auch recht still, wenn sie zum Trägerverein der Publikation gefragt wird, dem "Midgard e. V." Der Vereinsvorsitzende und Herausgeber, Christoph Hofer ist niederbayrischer NPD-Bezirksvorsitzender und -Kreisvorsitzender in Rottal-Inn. Robert Andreasch, Journalist und Rechtsextremismusexperte für Bayern, kennt ihn. Vor Jahren sei Hofer Mitbegründer des neonazistischen "Freizeitvereins Südbayern e. V.", der Rechtsrockkonzerte ausrichtete, erzählt Andreasch. Dem Vereinsregister ist zu entnehmen, dass Laimers Ehemann, Hans-Günter, Schatzmeister bei "Midgard" ist. 2003 kandidierte der für die NPD bei der Bezirkswahl in Passau-Land. ...
Deutlich rechtsextrem werden die Neonazi-Umweltfreaks nur selten. Im Editorial der allerersten Ausgabe Umwelt & Aktiv im Jahr 2007 schrieb Herausgeber Hofer einmal, für welchen Geist seine Zeitschrift tatsächlich steht: "Wir werden nicht länger jenen Menschen das Thema Umwelt- und Naturschutz überlassen, denen gar nichts an der Heimat liegt." Denn: "Umweltschutz ist nicht grün".

Downloads und Links

Verschwörungstheorien

Etliche Texte und Zitate sind mit, andere ohne Namen - das liegt zum einen daran, wie wir die Texte bekommen haben, zum anderen können die, deren Texte hier abgedruckt sind, auch selbst bestimmen ... Mail genügt und der Name wird gestrichen bzw. hinzugefügt.

Buchtipps

Leseempfehlung 1: Nachhaltig, modern, staatstreu?
Staats- und Marktorientierung aktueller Konzepte von Agenda 21 bis Tobin Tax
Aktuelle Vorschläge aus politischen Gruppen werden auf ihre Wirksamkeit untersucht. Die Herrschaftsfrage wird gestellt: Steigern die Vorschläge Macht- und Ausbeutungsverhältnisse? A5, 220 Seiten. Mehr auf der Versandseite zum Buch ...

Leseempfehlung 2: Reich oder rechts?
Die Debatte über Umweltschutz von unten und die Kritik an autoritären Ökostrategien ist schon alt. Um 2000 herum (unter anderem als Teil der Kritik an der Expo 2000) entwickelte sie sich zu einer Theorie mit Beiträgen in Zeitschriften, Büchern, Vorträgen, Workshops auf Kongressen und Seminare zum Thema. Für den ersten Überblick entstand ein Infopaket zu Umweltschutz von unten (bestellbar für 1 Euro bei www.aktionsversand.de.vu) und ein Buch zu „Perspektiven radikaler, emanzipatorischer Umweltschutzarbeit" dazu (20 Euro ++ Bestellseite). Im Juni 2002 erschien das Buch "Reich oder Rechts" - eine systematische Übersicht politischer Positionen und Verfilzungen mit Staat und Industrie der Umweltverbände und -gruppen. 300 S., 22,80 Euro mit Quellen-CD. Bestellseite und Infoseite zu Buch. Später kamen ein Beitrag im Buch "Autonomie und Kooperation" sowie im Grundlagenwerk zur Theorie der Herrschaftsfreiheit "Freie Menschen in freien Vereinbarungen" hinzu (Kapitel zum Mensch-Natur-Verhältnis und zum Umweltschutz ++ Bestellseite der beiden Bücher).

Leseempfehlung 3: Macht und Umwelt
Das kleine Theoriebuch über den Zusammenhang von Herrschaft und Umweltzerstörung
Texte und Thesen zur Verknüpfung von Herrschaft und Umweltzerstörung. Es zeigt sich, dass machtförmige Verhältnisse gleichzeitig die Voraussetzung wie auch das Mittel der rücksichtslosen Aneignung von Rohstoffen, Land und allen anderen Lebensgrundlagen ist. Natur und Mensch sind die Faktoren, die zum Zwecke von Herrschaftsausbau und -sicherung sowie ständigem Profit ausgebeutet werden. ... Info- und Bestellseite

Leseempfehlung 4: Gentechnik und Macht
Ein kleines Büchlein mit Texten und Zitaten zum Zusammenhang von Herrschaft und gentechnischer Manipulation an Nutztieren und -pflanzen. Im Mittelpunkt steht die Kritik an Saatgutkontrolle, Patenten und Ingenieursmethoden im Sozialen. Ebenso beleuchtet werden die spendenorientierten Strategien von Umweltverbänden, Grünen und anderen, die auf Herrschaftsanalyse und deshalb in gefährliche Argumentationen abrutschen. 64 S., quadratisch, 3 Euro, ISBN 978-3-86747-065-0 ++ bestellen!

Weitere Buchprojekte u.a. zu NGO-Kritik:

Lösung des Zitateratens:
Zu 1.) Kommentar im Film „Friedlich in die Katastrophe" von Holger Strohm
Zu 2.) Aus der Ökologischen Plattform der Partei Die Linke; a) "Die Zukunftsprobleme der Menschheit", Leitartikel in der tarantel Nr. 31, Nov. 2005 (S. 1), Zeitung der Ökologischen Plattform in der Linkspartei; b) Marko Ferst, "Plädoyer für eine ökologische Zeitenwende", in: Grüner Weg 31a, Sommer 2004 (S. 32 f.)
Zu 3.) Thilo Bode, Geschäftsführer von Greenpeace International in einem Thesenpapier zum 7. Jahreskolloqium der Alfred Herrhausen Gesellschaft am 2./3.7.1999 in Berlin