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Rechts und Öko

Patriotisch ++ Sog. Überbevölkerung ++ Rassismus bei Ökos ++ Gentechnik ++ Tierliebe ++ 3. Reich ++ Linkspartei ++ Mehr Filz ++ Material


Nazi-Demo. Foto aus Freitag, 13.10.2006 (S. 4)

Naturschutz ist angewandter Patriotismus

Bild rechts: Demnächst nicht mehr unterscheidbar - Nazi oder deutscher Umweltschützer? (siehe folgenden Text ...)
Gemeinsame Presseerklärung: Deutscher Naturschutzring (DNR) und CDU (Dez. 2004)
Umweltverbände und Union für Bundeskompetenz im Naturschutz
Neuregelung der Bundeskompetenz im Umwelt- und Naturschutzrecht muss dies ermöglichen
Berlin - Auf Initiative des Dachverbandes der deutschen Umweltverbände, dem Deutschen Naturschutzring (DNR), trafen heute Vertreter der Umweltverbände mit der CDU-Vorsitzenden Dr. Angela Merkel und dem umweltpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Dr. Peter Paziorek zusammen. In dem fast zweistündigen Gespräch wurden die Erwartungen des DNR an die laufende Legislatur sowie strategische Fragen der Umweltpolitik diskutiert.
Aus aktuellem Anlass haben sich Union und DNR beim Thema Stärkung der Bundesumweltkompetenz in der aktuellen Föderalismusdebatte auf eine gemeinsame Linie verständigt. Die CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel sprach sich dabei für die Einführung eines Umweltgesetzbuches mit einheitlichen Standards sowie eine grundsätzliche Stärkung der Gesetzgebungskompetenz auf dem Gebiet des Umweltrechts und des Naturschutzes aus. "Gerade der aktuelle Waldzustandbericht zeigt, dass ein geschlossenes Handeln auf Bundesebene notwendiger denn je ist", sagte Merkel.
"Naturschutz ist angewandter Patriotismus" sagte DNR-Präsident Hubert Weinzierl vor dem Hintergrund der Auffassung der Verbände, dass in der Union eine stärkere Wertedebatte geführt werden muss. Übereinstimmend forderten beide Seiten, dass der Naturschutz in Deutschland einen größeren Stellenwert erhalten muss. Die Bundesregierung wurde daran erinnert, ihre Versprechen bei der Sicherung des Nationalen Naturerbes einzulösen. Dass von den 100.000 ha BVVG-Flächen, dem sogenannten "Tafelsilber der deutschen Einheit", erst 32.000 ha unentgeltlich übertragen worden sind, bewerteten beide Seiten als ein nicht zufriedenstellendes Ergebnis.
Bei der finanziellen Vorschau für die EU-Agrarpolitik ab 2007 sprachen sich DNR und Union gegen eine Schwächung der zweiten Säule der Agrarpolitik, z.B. der Agrarumweltprogramme, aus.
Strittig blieb die Bewertung der zukünftigen Rolle der Kernenergie. Der DNR übergab Frau Merkel ein Gesamtkonzept für eine neue Energiepolitik.
Übereinstimmung zwischen Union und DNR bestand schließlich in der Frage einer aufkommensneutral gestalteten finanziellen Förderung von Dieselrußfiltern. Nachdem die EU-Kommission jüngst einen Fördergrenzwert in Höhe von 5,0 mg Ruß pro km festgelegt hat, unterstützt die Union die Forderung der Umweltverbände, dass bereits Anfang 2005 der Rußfilter für Diesel-Neufahrzeuge wie Gebraucht-Pkw durch steuerliche Anreize gefördert werden soll."
Unterstützt wird von Union und Verbänden auch die 2005 beginnende UN-Dekade Bildung für Nachhaltige Entwicklung.
Abschließend wurde vereinbart, einen intensiven Dialog in den Themenfeldern nachhaltige Lebensstile, Umweltbildung, Energiepolitik sowie Naturschutz zu führen. Die Union sagte darüber hinaus eine Einbeziehung der Umweltverbände bei der Entwicklung des CDU-Umweltprogrammes für 2006 zu.
Dr. Peter Paziorek, umweltpolitischer Sprecher der CDU/CSU- Bundestagsfraktion Tel: 030 / 227 77088
Leif Miller, DNR-Vizepräsident Tel: 030/ 284984-20

Die Debatte um Demografie und Bevölkerungswachstum

Technik als Retterin
Es ist ausgeschlossen, daß drei oder vier Milliarden zusätzliche Menschen mit der heute verfügbaren Technologie einer nachhaltigen Wirtschaftsweise nachgehen können. Deshalb kommt den Unternehmen der Industriestaaten als Hauptakteure im Kapitalismus große Verantwortung zu.
(Thilo Bode, Geschäftsführer von Greenpeace International in einem Thesenpapier zum 7. Jahreskolloqium der Alfred Herrhausen Gesellschaft am 2./3.7.1999 in Berlin; Quelle: http://www.greenpeace.de/GP_DOK_PT/REDAKTIO/E990702A.HTM)

FR 6.11.2004Die rasche Vermehrung der Weltbevölkerung trägt ihr Scherflein zur Minderung der Biodiversität bei. Daran zweifeln Wissenschaftler heute nicht mehr.
Erste Sätze im Leitartikel "Die Welt wird eng und einfältig" der Umwelt-kommunalen-ökologischen Briefe Nr. 21/01, S. 1)

Rechts: Auszug aus FR, 6.11.2004

Wir wollen darum nicht länger tatenlos zusehen, wie die wachsenden Umweltzerstörungen der Industriestaaten, die Bevölkerungsexplosiion de Entwicklungsländer und Atomwaffen das Leben aller Menschen der Erde bedrohen. ...
Die Kenntnis von diesen Gefahren sollte jedoch bei allen Menschen der Erde ein schlechtes Gewissen erzeugen, ei den Menschen der Industriestaaten wegen ihrer Umweltzerstörungen und bei den Menschen der Entwicklungsländer wegen ihrer Bevölkerungsexplosion. ... Die Weltbevölkerung wächst täglich um eine viertel Million und jährlich um 90 Millionen Menschen. Diese Entwicklung führt um künftigen Milliardensterben de Menschen und zur Ausrottung der meisten Tier- und Pflanzenarten. ...
Das Grundrecht auf Kinder sollte in Staaten mit Bevölkerungswachstum mit humanen Mitteln eingeschränkt werden können, damit die Weltbevölkerung im nächsten Jahrhundert auf die für das Überleben der Menschen notwendige Zahl sinken kann. ...
Die zunehmenden Umweltzerstörungen und die Bevölkerungsexplosion führen in  verheerende Katastrophen.
(aus der Resolution der Weltbürgervereinigung e.V. an die amtierenden Staatsregierungen und Staatsparlamente der Erde, 5.1.1999)

Auszug aus "Eine andere Welt ist möglich!" von Oliver Wendenkampf, BUND-Landesgeschäftsführer Sachsen-Anhalt, in:Elbe-Saale-Zeitung des Elbe-Saale-Forums (Beilage zur Jungen Welt)
Ungebremstes Bevölkerungswachstum,* die zunehmende Automatisierung u.a. zur Verringerung des Kostenfaktor "Mensch" und die zunehmende Praxis der Multinationalen Konzerne (und ihrer Töchter) ArbeitnehmerInnen weltweit gegeneinander auszuspielen, hat endlich auch in Europa zu einer wachsenden Zahl an Arbeitslosen und zu desillusionierten, ja häufig apathischen und mutlosen Menschen auch in Deutschland geführt.

*In der späteren Internetfassung korrigiert auf "Die ansteigende Zahl der Menschen ..."

Auszug aus "Die Zukunftsprobleme der Menschheit", Leitartikel in der tarantel Nr. 31, Nov. 2005 (S. 1), Zeitung der Ökologischen Plattform in der Linkspartei
Welche Entwicklungen sind stategisch ausschlaggeben, die im Strategiezeitraum der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts aktuell bleiben und auch in diesem Zeitraum einer Lösung zugeführt werden müssen? ...
Exponentielles Bevölkerungswachstum
Engels erkannte schon 1881: "Die abstrakte Möglichkeit, dass die Menschenzahl so groß wird, dass ihrer Vermehrungs Schranken gesetzt werden müssen, ist ja da." Dieser Zustand ist heute Realität. "Die biologische, ökonomische und kulturelle optimale Bevölkerungsgröße ... ist sicher längst überschritten (W. Harich 1975). Heute sind insbesondere in vielen Ländern der Dritten Welt Maßnahmen zum Stopp des Bevölkerungswachstums notwendig.


Auszug aus der Internetseite der Zeitschrift "Forum nachhaltig wirtschaften" (siehe Auszug unten)

Vorwort von F. Lietsch und M. Gege in der 2007 neu erschienenen Zeitschrift "Forum nachhaltig wirtschaften"
Wir leben in einer Zeit, in der Klimawandel und Bevölkerungswachstum und die daraus resultierende Ressourcenknappheit ein bestrittenes Faktum darstellen ...
Die Zeitung, in der dieses Vorwort erscheint, ist dann voller Vorstellungen beispielhafter Umweltgruppen und -initiativen zur Nachhaltigkeit. Die Namen dieser Ökos: RWE, Deutsche Bank, Bayer AG usw. Das sind die Guten, die Bevölkerung ist das Problem!

Auszug aus dem Vorwort des Vorsitzenden vom Bund der Energieverbraucher, in: Energiedepesche Sept. 2007 (S. 2)
Was bedeuten die drei aktuellen und globalen Probleme Klimawandel, Ölverknappung und Bevölkerungsexplosion wirklich für uns?
Im gleichen Heft wird ein Kapitel aus dem Buch "The Party's Over" abgedruckt, in dem in dunklen Worten dargestellt wird, dass alles ganz schlimm wird. Und wer ist schuld: Die Menschen. Ausgerechnet auch noch die, wo das Bevölkerungswachstum zur Zeit am stärksten ist - also in Afrika. Da sollen der hohe Energieverbrauch stattfinden ... hä? Auszüge (S. 26 der Energiedepesche, Bild von der Internetseite links):
Wir haben ein äußerst beunruhigendes Bild gezeichnet. Es zeigt das neue Jahrhundert als eine Zeit voller Hunger, Krankheit, wirschaftlichem Zusammenbruch, Despotismus und Krieg um Ressourcen. ... Richard Duncan vom "Institute on Energy and Man" gelangte im Wesentlichen zu den gleichen Schlüssen, als er Wetlenergieverbrauch und Bevölkerungsdaten hinsichtlich Überentwicklung und Kollaps mtieinander in Beziehung setzte.

Bevölkerung wächst, das ist schuld am Hunger; Bevölkerung verbraucht das Öl; Nahrungsüberfluss bringt Kinder usw.
Auszüge aus Heinberg, Richard (2004): "The Party's Over", Riemann Verlag in München

Die Aussichten, die Nahrungsmittelproduktion auf das globale Verbrauchsniveau anheben zu können, sind hauptsächlich wegen des andauernden Bevölkerungswachstums ausgesprochen schlecht. ... (S. 291)
Wenn wir die optimistischen und pessimistischen Argumente gegeneinander aufrechnen, bleibt am Ende die Zahl von ungefähr zwei Milliarden Menschen übrig, von der zu vermuten steht, dass sie der nachhaltigen, Langzeit- und Post-Erdöl-Tragfähigkeit der Erde für menschliche Populationen entspricht. Dadurch entsteht nun ein ernsthaftes Problem, da es ja bekanntlich gegenwärtig über sechs Milliarden Menschen gibt und deren Zahl noch weiter zunimmt. Wenn aber nun unsere Einschätzung der Tragfähigkeit in etwa stimmen sollte, dann wird die Weltbevölkerung irgendwann zwischen heute und der Zeit, wenn Öl und Erdgas endgültig verbraucht sein werden, genau um diese Differenz zwischen der von uns angenommenen Tragfähigkeit und ihrer heutigen Zahl schrumpfen müssen. ... (S. 294)
Die Überbevölkerung ist gegenwärtig eines der größten Probleme der Menschheit, das mit dem allmählichen Verschwinden der fossilen Energievorkommen noch viel größer werden wird. Aber von allen Fragen, die sich unserer Gattung stellen, ist diese auf politischem Wege am schwersten zu beantworten. Weder die politische Rechte noch die Linke beschäftigt sich gern mit dem zunehmenden Bevölkerungswachstum. Russell Hopfenberg und David Pimentel stellen fest: "Einige Menschen sind der Ansicht, es verstoße gegen das Freiheitsrecht zur Fortpflanzung, wenn man die Zahl der Menschen begrenzen wolle. Dies mag wahr sein, aber ein weiterer Anstieg der Weltbevölkerung würde gegen unsere Freiheit von Unterernährung, Hunger, Krankheit, Armut und Umweltvergiftung verstoßen, und gegen unsere Freiheit, die Natur und eine lebenswerte Umwelt zu genießen."
Im Augenblick lässt sich die Bevölkerungsregulierung wahrscheinlich am besten auf nationaler - statt auf individueller, örtlicher oder globaler Ebene anpacken, da allein Nationen diejenigen Anreize bieten und Restriktionen auferlegen können, die nötig sind, um das Bevölkerungswachstum umzukehren. ... (S. 367 f.)
Wenn andere Lebewesen einen Energiegewinn erzielen, reagieren sie ganz instinktiv darauf mit einer gesteigerten Vermehrung: Ihre Population durchläuft die wohlbekannten Stadien des Aufblühens, Überfließens und Absterbens. Wenn wir Menschen mehr als bloße »Lebewesen« wären, sollten wir uns eigentlich anders verhalten. Aber bisher haben wir auf den Energiegewinn durch fossile Brennstoffe genauso reagiert wie Ratten, Fruchtfliegen oder Bakterien auf eine reichlich vorhandene neue Nahrungsquelle. (S. 391)
Kommentar: Aha, in den Ländern mit dem meisten Energie- und Lebensmittelbestand ist das Bevölkerungswachstum also am größten. Soso.

Linkspartei-Ökos ganz rechts

Marko Ferst von der ökologischen Plattform der Linkspartei.PDS
... die Bevölkerungsdichte ist Ursache Nummer eins, dass wir täglich 300-400 Tier- und Pflanzenarten verlieren, besonders im artenreichsten Refugium, den Regenwäldern ...
Auszug aus Ferst, Marko: "Plädoyer für eine ökologische Zeitenwende", in: Grüner Weg 31a, Sommer 2004 (S. 32 f., mehr ...)
In immer kürzeren Abständen verdoppelt sich die Bevölkerungszahl auf der Erde. Vor der 10-Milliarden-Marke wird das Bevölkerungswachstum kaum zum Erliegen kommen. Dies sind nur die dramatischsten Warnzeichen, wie wir die irdischen Belastungsgrenzen überrennen.

Kaum unterscheidbar: Dieselbe Argumentation bei 'richtigen' Rechten ... mit Ableitungen

Auszug aus Ritter, Manfred/Zeitler, Klaus (2000): "Armut durch Globalisierung - Wohlstand durch Regionalisierung", Leopold-Stocker in Graz (S. 7, 101)
Die tiefere Ursache des Asylproblems sieht der Autor in der Bevölkerungsexplosion der Dritten Welt. Sie ist es auch, die global für ein gigantisches Überangebot an Arbeitskräften sorgt und damit jene Niedrigstlöne erzwingt, die den "global players" erst ihre auf Gewinnmaximierung ausgerichtete Politik ermöglichen. ...
Man sollte aber in Europa soviel Selbsterhaltungswillen aufbringen, um den Längern, die mit ihren Problemen (wie etwas der Bevölkerungsexplosion) selbst nicht fertig werden, die Aufnahme in unser System zu verwehren. Andernfalls würde man ihnen gestatten, ihre Probleme auf die anderen Mitgliedstaaten abzuladen und diese schwer zu schädigen, wie es etwas innerhalb der EU wegen der Freizügigkeit möglich wäre. Eine europäische Wirtschaftsregion hätte genügend eigene schwere Probleme zu bewältigen und wäre daher von allen guten Geistern verlassen, würde sie sich ohne Not die Probleme anderer (außereuropäischer) Ländern auch noch auflagen.

Aus der Literatur über Bevölkerungswachstum

Auszüge aus Karl Otto Hondrich (2007): "Weniger sind mehr" (S. 263 ff.)
In der Einwanderung ist im Keim - neben vielem anderen - bereits eine dreifache Arbeitsteilung angelegt: Erstens bringen die Einwanderer Motivation und Fähigkeiten mit, auch schwere, risikoreiche, niedere Arbeiten zu tun, vom Fensterputzen an Hochhäusern bis zum Spargelstechen. Zweitens ist der Lohn, den sie hierzulande für ihre Arbeit erhalten, in ihrer Heimat ein Vielfaches wert, wird deshalb in Form von Kapital und Gütern Zurücküberwiesen und begründet dort eine spezifische, quasieuropäische Konsum- und Produktionskultur. Drittens bedeuten Einwanderung und Familiennachzug, dass kinderreiche Regionen einen Teil dieses reproduktiven Reichtums abgeben. Die Probleme dieses Vorgangs wurden im Kapitel 5 »Der Geburtenrückgang im Kampf der Kulturen« dargestellt. Der hochproduktive Okzident nimmt diesen Reichtum auf und akkulturiert ihn. Für die Frauen und Männer hierzulande bedeutet dies, dass sie von der reproduktiven Funktion entlastet, nun noch mehr Zeit für Bildung, Wissenschaft, Beruf, Weltpolitik und Weltmoral aufbringen können. Darin könnte sich die Aufgabe Europas abzeichnen - in einer Weltarbeitstellung, die weit über die ökonomische Sphäre hinausgeht. In zynischer Zuspitzung: Das Kinderkriegen (und ein Großteil der harten Arbeit) besorgen die anderen. Wir kümmern, uns darum, dass sie im europäischen Geist groß werden. (Dass dies nicht bruchlos gelingt, versteht sich von selbst.)
Der Gedanke, dass fortschreitende Arbeitsteilung sich weltweit nicht nur auf Güter und Dienste, sondern auch auf politische, militärische, moralische Leistungen, ja schließlich sogar auf das Bekommen von Kindern erstrecken könnte, ist mehr als befremdlich.
Zum einen widerstrebt es dem tief verwurzelten Vorrang, den wir eigenen Kindern zuschreiben. Zum anderen verstößt es gegen unsere Gewohnheit, unser soziales Leben im nationalen Rahmen zu begreifen. Insbesondere im Hinblick auf die Reproduktion denken wir uns den eigenen Nationalstaat als autark. Das zeigt sich daran, dass die Fertilitätsraten, die die gegenwärtige Diskussion beflügeln, immer als deutsche, französische, schwedische, japanische angezeigt werden und Unruhe stiften.
Aber so wenig wir in Bezug auf Südfrüchte, Energie oder mi­litärischen Schutz autark sind, so wenig sind wir es in Bezug auf den eigenen Nachwuchs. Längst lassen wir auch die lebendigen Träger westlicher Lebensformen anderswo »herstellen«. Was wir im Gegenzug an Waren, Wissen und Werten liefern, ist schwer auszumachen. Die Aufgabenteliung zwischen den Kulturen ist überaus vielgestaltig, meist unbewusst und - es muss immer wieder betont werden - von niemandem geplant.
Die neue Arbeitsteilung zwischen produktiven und repro­duktiven, kinderarmen und kinderreichen Gesellschaften gilt wo­möglich nur für eine Übergangsphase von weniger als 100 Jahren. So lange wird es dauern, bis alle Gesellschaften nicht nur ähnlich niedrige Geburtenraten erreichen, sondern auch die »Kinder­berge« der vorherigen, umfangreicheren Generationen abgebaut haben. Nach und nach werden alle Kulturen sich umstellen: von einer breiten Reproduktionsbasis mit hoher Sterblichkeit auf eine schmale Basis lange lebender Individuen; von einem risikoreichen auf ein verhältnismäßig sicheres Leben; von einer biologischen Entwicklungsstufe, in der die schiere Zahl der reproduzierten Organismen über den Fortbestand der Spezies entschied, zu einer soziokulturellen Stufe der Evolution, in der die Teilung der sozia­len Aufgaben die Fähigkeit der menschlichen Spezies, Probleme zu lösen, ins Unermessliche steigert.
Dass damit Probleme auch stets neu auftreten, ist die Kehrseite der Medaille. Der Wettlauf von Problemen und Problemlösungen führt nicht ins schöne Land Utopia. Aber er wird auch nicht durch Geburtenzahlen oder, wie die modischen Massenmarathons, durch die große Zahl der Mitläufer entschieden.
In der Weltgesellschaft braucht deren modernster Teil nicht mehr Nachwuchs, als er aus sich selbst und aus dem Rest der Welt ohnehin bekommt. Zumindest braucht er keine Kindersubventionspolitik. Seine unterschiedlichen Lebenssphären - Wirtschaft, soziale Sicherheit, Wissenschaft, Politik, Religion, Familie, Kultur - verfügen über eine erstaunliche Fähigkeit, sich selbst auch mit weniger Menschen zu reproduzieren. Wie von allein wachsen sie dabei über den nationalen Rahmen hinaus, dessen Scheuklap­pen wir nicht ohne weiteres ablegen können. Sich selbst über­lassen, entwickeln soziale Systeme als Problemlöser womöglich einen Erfindungsreichtum und gegenseitige Inspirationen, die der Moderne würdig sind. Dazu kann auch ein Wiederanstieg der Geburtenrate gehören. Sollte es so sein, dann wird er allerdings aus dem unbewussten Zusammenspiel vieler Systeme geboren werden und nicht aus den Berechnungen und Mahnungen demografischer, politischer, kirchlicher oder anderer Autoritäten.
Die Gesellschaft selbst weiß mehr als jede einzelne Autorität. Es wäre vermessen, ihr dieses Wissen abgewinnen und es auf Flaschen ziehen zu wollen, um es dann als Worte großer Bücher oder Gedanken großer Geister herumzureichen. Wir können al­lerdings, in kleinen Schritten, die Mechanismen zu begreifen versuchen, nach denen sich Gesellschaft bildet und entwickelt. Unternehmen wir diesen Versuch, und widerstehen wir dem demografisch-alarmistischen Missbrauch der Empirie. Mit dem Blick auf die Entwicklung der Gesellschaft schützen wir uns vor den normativen Zumutungen der »neuen Familienmodelle«, welche demografisch-journalistische Schaumschläger uns nahebringen möchten. junge Leute werden durch diese nicht weniger, sondern mehr belastet. Ihre erste Befreiungstat ist, dass sie den demografischen und Familienaposteln den Laufpass geben. Denn es zeigt sich in der erweiterten gesellschaftlichen Perspektive, dass kein Grund zur Panik besteht, im Gegenteil: Weniger sind mehr.

Rezension
Karl Otto Hondrich: "Weniger sind mehr"
(2007, Campus in Frankfurt, 280 S.)
In einer Welt, in der (durchaus auch von interessierter Seite) ständig vermittelt wird, dass der Mensch, sein Benehmen im Alltag und vor allem seine wachsende Zahl eine Bedrohung des Planeten Erde darstellt, während andererseits gerade dort, wo z.B. der Lebensstil am stärksten umweltbelastend ist, ein Bevölkerungsrückgang der Niedergang ganzer Nationen sein soll, ist es schon auffällig, wenn ein Buch mit klaren Gegenthesen herauskommt. In der Tat: Autor Hondrich bezieht Stellung, dass der Geburtenrückgang in vielen Ländern durchaus als Glück zu werten ist. Allerdings sind seine Hintergedanken wenig menschlich, sondern funktional und überwiegend wieder ökonomisch ausgerichtet: „Objektiv gesehen ist Kinderlosigkeit eine Entlastung. Entsprechend können andere Sphären, insbesondere der Beruf, Raum gewinnen“ deutet seine ökonomisch orientierte Sichtweise an, noch bizarrer klingt es, wenn Hondrich Menschen mit Südfrüchten vergleicht: „So wenig wir in Bezug auf Südfrüchte, Energie oder militärischen Schutz autark sind, so wenig sind wir es in Bezug auf den eigenen Nachwuchs. Längst lassen wir auch die lebendigen Träger westlicher Lebensformen anderswo ‚herstellen’.“ (S. 264)

Auszüge aus Rainer Münz/Albert F. Reiterer: Wie schnell wächst die Zahl der Menschen?
Die Europäische Union als stärkste Wirtschaftskraft der Welt bringt alle Voraussetzungen mit, in diesem Innovationsprozess die Führungsrolle zu übernehmen. Sie kann einen entscheidenden Beitrag leisten, Entwicklungsspielräume für die Schwellen- und Entwicklungsländer im Sinn der Nachhaltigkeit zu schaffen. Gleichzeitig bieten sich der europäischen Wirtschaft auf Jahrzehnte Felder für qualitatives Wachstum mit zusätzlichen Arbeitsplätzen. Wichtig wäre in diesem Zusammenhang auch die Rückgewinnung von Tausenden von begabten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die Europa nicht nur aus materiellen Gründen, sondern oft auch wegen fehlender Arbeitsmöglichkeiten oder unsicheren -bedingungen verlassen haben. (S. 18)
Wenn es der Menschheit nicht gelingt, die Ressourcen- und Energieeffizienz drastisch zu steigern und die Bevölkerungsentwicklung nachhaltig einzudämmen - man denke nur an die Prognose der UNO, nach der die Bevölkerungsentwicklung erst bei elf bis zwölf Milliarden Menschen am Ende dieses Jahrhunderts zum Stillstand kommt -, dann laufen wir ganz konkret Gefahr, Ökodiktaturen auszubilden. In den Worten von Ernst Ulrich von Weizsäcker: »Die Versuchung für den Staat wird groß sein, die begrenzten Ressourcen zu rationieren, das Wirtschaftsgeschehen im Detail zu lenken und von oben festzulegen, was Bürger um der Umwelt willen tun und lassen müssen. Experten für >Lebensqualität< könnten von oben definieren, was für Bedürfnisse befriedigt werden dürften« (Erdpolitik, 1989). (S. 19)
Und letztendlich müssen wir die Frage stellen, ob wir Menschen das Recht haben, uns so stark zu vermehren, dass wir zum Ende dieses Jahrhunderts womöglich eine Bevölkerung von 11 bis 12 Milliarden Menschen erreichen, jeden Quadratzentimeter unserer Erde in Beschlag nehmen und den Lebensraum und die Lebensmöglichkeiten aller übrigen Arten immer mehr einengen und zerstören. (S. 20)
Vervierfachung der Einwohnerzahl unseres Planeten geben. Schon aus ökologischen Gründen wäre die Fortsetzung des Wachstums in so einem Tempo nicht möglich. Es spricht aber auch aus demographischer Sicht nichts dafür. Mittelfristige Prognosen rechnen bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts mit »nur« 9 Milliarden Erdenbürgern (Kapitel 4). Am Ende des 21. Jahrhunderts ist mit mindestens 9,5 Milliarden zu rechnen. Danach wird die Einwohnerzahl unseres Planeten wahr­scheinlich wieder abnehmen, falls der globale Trend zu weniger Kindern anhält und Frauen zukünftig im Schnitt weniger als zwei Kinder zur Welt bringen. (S. 32)
Die Sorge nicht nur um die Zukunftschancen der Kinder, sondern auch um das eigene Glück führte zu sinkenden Geburtenzahlen. Denn dieses Glück bemisst sich heute nicht an der Zahl eigener Kinder, sondern an Karriere- und Konsumchancen, an einer größeren Wohnfläche, eigenen Autos, Fernreisen, einem Zweitwohnsitz. Damit verbindet sich ein wesentlich höherer Energie- und Ressourcenverbrauch, aber auch eine stärkere Belastung der Umwelt durch C02, andere Abgase, Abwässer und festen Abfall. Die ökologischen Kosten unserer westlichmodernen Lebensform, die nachhaltig und ohne staatliche Eingriffe zur Eingrenzung des Bevölkerungswachstums führte, sind hoch. Am deutlichsten zeigt sich dies bei der globalen Erwärmung, zu der wir durch unsere Emissionen erheblich beitragen. (S. 301)

Rezension
Rainer Münz/Albert F. Reiterer: "Wie schnell wächst die Zahl der Menschen?"
(2007, S. Fischer Verlag in Frankfurt, 345 S., 9,95 Euro)
Wer sich kritisch mit den ganzen Horrornachrichten zur Überbevölkerung auseinandersetzt, kann mit diesem Buch arbeiten. Denn es ist aus dem Blickwinkel derer geschrieben, die „ die Frage stellen, ob wir Menschen das Recht haben, uns so stark zu vermehren, dass wir zum Ende dieses Jahrhunderts womöglich eine Bevölkerung von 11 bis 12 Milliarden Menschen erreichen, jeden Quadratzentimeter unserer Erde in Beschlag nehmen und den Lebensraum und die Lebensmöglichkeiten aller übrigen Arten immer mehr einengen und zerstören.“ Für einen solchen, äußerst zweifelhaften Ansatz ist das Buch dann allerdings angenehm analytisch und versucht, Fakten und Trends zusammenzutragen. Das überraschende Ergebnis: „Mittelfristige Prognosen rechnen bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts mit »nur« 9 Milliarden Erdenbürgern (Kapitel 4). Am Ende des 21. Jahrhunderts ist mit mindestens 9,5 Milliarden zu rechnen. Danach wird die Einwohnerzahl unseres Planeten wahrscheinlich wieder abnehmen, falls der globale Trend zu weni­ger Kindern anhält und Frauen zukünftig im Schnitt weniger als zwei Kinder zur Welt bringen.“ (S. 32)

Gleichzeitig: Zu wenig Menschen im dichtbesiedelten Deutschland

Auszug aus Axel Brüggemann (2009): "Wir holen uns die Politik zurück!" (S. 162)
Die deutsche Bevölkerung verdummt also nicht nur im internationalen Vergleich, sondern sie löst sich auch noch auf.

Links zu Seiten, die behaupten, das Bevölkerungswachstum sei schuld ...

Weitere Informationen

Ökologiebewegung und Rassismus

Nach dem emanzipativen Schub, den die Ökologie gerade mit den 68'ern erleben durfte, sind nunmehr verstärkt Tendenzen zu beobachten, dass konservative und neofaschistische Kreise mit vorgeblich ja in der "linken" Eke stehenden "Ökos" erfolgreich zusammenarbeiten. Hubert Weinzierl sei hier genannt. Der ehemalige BUND-Vorsitzende, der jetzt in der "Nachhaltigkeitskommission" des Bundeskanzlers sitzt, betrachtet die Menschen aus dem Trikont als "Lawine", die alles zerstört.
Mensch und Natur als Einheit - dies ist eins der wichtigsten Dogmen für bestimmte ökologische Kreise. Dies heißt, dass Naturgesetze auch für Menschen zu gelten Haben. ... Bei Haeckel, selbst Schüler von Darwin, hört sich das dann folgendermaßen an: Direkt wohltuend wirkt als künstlicher Selektionsprozess auch die Todesstrafe ... Wie durch sorgfältiges Ausjäten des Unkrauts nur Licht, Luft, und Bodenraum für die edlen Nutzpflanzen gewonnen wird, so würde durch unnachsichtige Ausrottung aller unverbesserlichen Verbrecher nicht allein dem besseren Teil der Menschheit der Kampf ums Überleben erleichtert, sondern auch ein vorteilhafter künstlicher Züchtungsprozess ausgeübt werden."
Neofaschistische Kreise bemerken in diversen Internetforen, dass die Ausrottung der Tasmanischen Menschen natürlich war, da schließlich "stärkere Menschen" kamen. ... Und was sagt denn Konrad Lorenz, ein Verhaltensforscher, der auch in großen Teilen der Umweltbewegung anerkannt ist, zu AIDS? "Gegegen Überbevölkerung hat die Menschheit nichts Vernünftiges unternommen. Man könnte daher eine gewisse Sympathie für AIDS bekommen. Eine Bedrohung, die die immerhin dezimieren, immerhin von anderen bösartigen Unternehmungen abhalten könnte".
(Auszug aus einem Text von Stefan Fulz, jungdemokratInnen-junge linke)

Weitere Links zum Thema

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Gentechnikkritik von rechts

Bericht von einer Veranstaltung (7.2.2008 in Lauterbach)
"Gentechnik - Nein danke!" heißt ein bunter Flyer der NPD Bayern. Auf den sechs Seiten des Faltblattes stehen Forderungen, wie sie auch in gentechnikkritischen Kreisen verbreitet sind: Gesunde Ernähung statt "Gen-Food", Einrichtung gentechnikfreier Zonen und ein staatliches Verbot für genmanipuliertes Saatgut. Mit einem Stapel dieser modischen Propaganda hatte sich eine Runde meist älterer Herren bei einem von der Bürgerinitiative "Zivilcourage" im Vogelsberg veranstalteten Vortrag eingerichtet. Die Gastgeber waren nicht zu bewegen, dass die Flyer ausgelegt werden durften. Parteimaterial sei nicht erwünscht, hieß es schnell. In der Diskussionsrunde dann meldete sich einer der Herren zu Wort und begann eine flammende Rede, die zeigte, in welche Worthülsen hier rechte Ideologie verpackt wird:

Beachtenswert war die Reaktion des Publikums. Klarer Widerspruch unterblieb, einige Reaktionen zeigten aber Unbehagen an. Ungefähr ein Drittel der ca. 100 Anwesenden applaudierte bei der Forderung, "Europa" vor "Amerika" zu retten.
Am Ende der Veranstaltung wurde kurz ein bevorstehender Prozess gegen FeldbefreierInnen in Gießen thematisiert. Danach wiesen in Einzelgespräche einige aus der Altherrenrunde sowie auch weitere Einzelpersonen auf die Möglichkeit hin, vor Gericht als Nationalität "Deutsches Reich" anzugeben und damit den Gerichtsprozess zu torpedieren. Auch per Telefon wurde dieser Vorschlag nochmals wiederholt.

NPD und Gentechnikprotest

Die Koordination der "Initiative für eine gentechnikfreie Region Nebel/Krakow am See" lag mehr als zwei Jahre in den Händen eines NPD-Mitgliedes. Aber nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern versucht die rechtsextreme Partei, sich über die so genannten weichen Bürgeranliegen in etablierte soziale Bewegungen einzuklinken.

Kameraden entdecken ihre Tier- und Naturliebe

Mit dem Ableben mehrerer Vordenker und Protagonisten war es in rechtsökologistischen Gefilden in den letzten Jahren wieder merklich ruhiger geworden (1993: Herbert Gruhl, 1999: Werner G. Haverbeck, 2003: Baldur Springmann). In letzter Zeit sind es vor allem junge Kameradschaftler, die für sich den Tier- und Naturschutz entdecken. Die Ausgaben von immerhin drei jüngeren grün-braunen Magazinen sind dieses und Ende letztes Jahr erschienen.
Im September 2006 erschien die zweite Ausgabe von „fallen rain“ einem A5-Blatt mit 52 Seiten dass laut Eigenangabe in einer Auflage von 250 Stück erschien1. Als Kontaktadresse für „fallen rain“ wird Edemissen2 in Niedersachsen und als Kontaktperson ein Christian angegeben. Ein Christian Recklies aus Edemissen war bis zu einem Hackerangriff Anfang 2005 der Betreiber des rechten Umwelt- und Tierschutzportals „Bound for Nature“3. In unbekannter Stückzahl erschien im November 2006 die dritte Ausgabe des optisch nur wenig ansprechende 22seitigen Magazines „Öko..? Logisch..!4“ aus Arendsee5 (Sachsen-Anhalt). Beide im Fanzine-Outfit erstellte Hefte sind recht eindeutig im Kameradschaftsumfeld zu verorten.

Optisch ansprechender aber inhaltlich kaum weniger eindeutig hingegen ist das 32seitige Magazin „Umwelt und Aktiv“ (Untertitel: „Das Magazin für gesamtheitliches Denken“), dessen zweite Ausgabe Ende Mai herauskam. Eindeutig ist eine neuheidnische Ausrichtung bereits an der „Irminsul“, einem germanischen Heiligtum, im Cover erkennbar. Herausgeber ist ein „Verein Midgard e.V.“ mit Postfach in Traunstein (Oberbayern). Im zugehörigen Onlineshop gibt es auch „T-Hemden“ (Szenejargon für Tshirt) mit der Aufschrift „Umweltschutz ist Heimatschutz“ zu erwerben.

Auch außerhalb des rechten Blätterwaldes entdecken Rechtsextreme plötzlich ihr Herz für Tier und Natur. Seit kurzem besteht eine Gruppe namens „nationalen Sozialisten der AG-Tierrecht6“ Auf deren Homepage gleich am Anfang wurde ein Bild in Stürmer-Manier von schächtenden orthodoxen Juden postiert. Dieses Bild stammt, wie ein Artikel des antifaschistischen Autorenkollektiv redok nachweist7, aus dem NS-„Kinderbuch“ „Der Giftpilz“, dass 1938 vom damaligen „Stürmer“-Hauptschriftleiter Ernst Hiemer herausgegeben und vom NS-Karikaturisten „Fips“ (Philipp Rupprecht) gezeichnet wurde. Wie sich ein rechtsextremer Tierschutz präsentiert, merkt man schnell bei Passagen wie dieser:

„Da es schon immer im Interesse der nationalsozialistischen Bewegung lag, die Natur und auch die Tierwelt zu schützen, wird es nun endlich Zeit, dass auch wir wieder unsere Stimme und Fäuste gegen die grausame Ausbeutung der Tierwelt durch den Menschen und für dessen egoistische Luxusbedürfnisse erheben.“

Auch Rassismus findet sich im braunen Tierschutz versteckt:

„Wir fordern ein Zucht- bzw. Kreuzungsverbot verschiedener Tierarten und –rassen. Dieses soll gewährleisten, dass sich die einzelnen Arten und Rassen „selbstbestimmt“ entwickeln können.“

Mit ihrer Betonung auf einer veganen Ernährung erinnert die Gruppe stark an den völkischen Flügel der Lebensreformbewegung. Kontakte von neuen rechtextremen Tier- und Umweltschutzgruppen zu nichtrechten Organisationen ähnlicher Zielsetzung sind nicht bekannt, aber Formulierungen wie „Holocausts gegen die Tierwelt“ von der AG Tierrecht erinnern stark an ähnliche Holocaustrelativierungen der Tierschutzorganisation PeTA. Besonders betont wird bei braunen Tierschützern immer wieder ihre Ablehnung des Schächtens, was daran liegen dürfte, dass diese Art der Schlachtung von orthodoxen Juden und Muslimen praktiziert wird. Schon die Nationalsozialisten erließen nach ihrem Machtantritt ein antisemitisches Gesetz gegen das Schächten.
Dass die braunen Tierschützer ihren Worten auch Taten folgen lassen, konnte man erst vor kurzem beobachten. In Laupheim (BaWü) hatten mehrere Mitglieder der „Nationalen Sozialisten - AG Tierrecht“ am 18. März diesen Jahres nach dem Verteilen von Flugblättern gegen Zirkustierhaltung („Zirkus - Amüsement auf Kosten der Tiere“) eine Zirkusfamilie attackiert. Unklar ist ob die neu entdeckte Tierliebe wirklich immer ernst gemeint ist oder nur Mittel zum Zweck, um den Holocaust zu relativieren, gegen religiöse Minderheiten zu hetzen, antiziganistische Vorurteile zu schüren (gegen Fahrende und Roma) oder allgemein um Sympathien in der Bevölkerung zu sammeln.

R. Schwarzenberg [Stand: 28.05.2007]

  1. http://fallenrainmag.blogspot.com/, eingesehen am 23.03.2007
  2. http://www.aryan88.com/fanzines/index2.htm
  3. Ökonazis "Bound for Nature" gehackt, 22.03.2005, http://de.indymedia.org/2005/03/110058.shtml
  4. http://www.mf-zine.de/html/umweltprojekt.htm, eingesehen am 23.03.2007; http://www.aryan88.com/fanzines/oekologisch.htm, eingesehen am 25.03.2007
  5. http://fallenrainmag.blogspot.com/, eingesehen am 25.03.2007
  6. http://tierrecht.org/, eingesehen am 23.03.2007
  7. Redok: Tierrechts-Schläger auf den Spuren des "Stürmer", 25.03.2007; http://www.redok.de/index.php?option=com_content&task=view&id=615&Itemid=40
  8. Karen Annemaier: Schlägerei am Zirkus: Männer sind polizeibekannt, 20.03.2007; http://www.szon.de/lokales/laupheim/stadt/200703200786.html

Ein ähnlicher Artikel von Andreas Speit: "Das liebe Vieh" erschien in: Jungle World Nr. 16 vom 18. April 2007.

Tierschutz und Rechte

Naturschutz der Nazis
... und der Übergang in die Bundesrepublik

Naturschutzgesetze gehen auf Nazis zurück

BMU-Pressedienst Nr. 161/02 ( Berlin, 4. Juli 2002)
Bundesumweltminister Juergen Trittin eröffnet Kongress über Naturschutz und Nationalsozialismus
Einen internationalen wissenschaftlichen Kongress zum Thema "Naturschutz und Nationalsozialismus" hat Bundesumweltminister Jürgen Trittin heute in Berlin eröffnet. Vor rund 100 Historikern sowie ehrenamtlichen und beruflichen Naturschuetzern betonte Trittin die Notwendigkeit, die Verstrickung des Naturschutzes und seiner Akteure in das nationalsozialistische System, in seine Ideologie und auch in seine Verbrechen aufzuarbeiten.
Ideengeschichtlich ist der Naturschutz ein Kind der Romantik. Die Forderung nach dem Schutz der Natur war eine Antwort auf die Industrialisierung und auf unwirtliche Städte - und zwar im rechten wie im linken Spektrum: Arbeiter-Wanderbünde und Wandervögel, Naturschwärmer und Heimatbewegte zog es gleichermaßen in die Natur. Erste Naturschutzverbände wurden gegen Ende des 19. Jahrhundert gegründet.
Zwar waren bereits in der Weimarer Verfassung Naturschutz und Landschaftsschutz als Staatsziele enthalten. Das erste landesweite Gesetz zum Schutz der Natur war aber das Reichsnaturschutzgesetz von 1935, aufgrund des Ermächtigungsgesetzes handstreichartig innerhalb von nur zwei Wochen erarbeitet und verabschiedet. Treibende Kraft in der nationalsozialistischen Führungsschicht war seinerzeit Hermann Göring, der sich über die im Reichsnaturschutzgesetz vorgesehene Formel zur entschädigungslosen Enteignung von Flächen für den Naturschutz vor allem wildreiche Jagdgebiete sicherte.
In den meisten seiner Bestimmungen wurde das Reichsnaturschutzgesetz nach dem Ende der Nazi-Herrschaft im Westen Deutschlands als derart unproblematisch angesehen, dass es bis zum ersten bundesdeutschen Naturschutzgesetz im Jahr 1976 Bestand hatte. "Wir müssen heute hinterfragen, worauf sich diese Einschätzung gründete und ob sie je berechtigt war. Wie wir überhaupt sehr viel mehr über das Verhältnis von Naturschutz und Nationalsozialismus erfahren müssen, und zwar im Dialog mit Wissenschaftlern aus anderen Ländern", so Bundesumweltminister Jürgen Trittin.

Zum Übergang Nazi-Deutschland - BRD

Auszüge aus dem Buch "Brüggemeier, Franz-Josef/Engels, Jens Ivo (2005): "Natur- und Umweltschutz nach 1945", Campus Verlag in Frankfurt (S. 23 ff.)

Kontinuität und Wandel im deutschen Naturschutz
1930 bis 1970: Bemerkungen und Thesen

Autor: Willi Oberkrome

Verschiedene Indizien sprechen dafür, die Geschichte des deutschen Naturschutzes zwischen der Weltwirtschafts- und der Ölkrise unter dem Aspekt einer ausgeprägten Kontinuität zu diskutieren.
Seit der Gründung des Bundes Heimatschutz 1904 (DBH; später DHB) und der Institutionalisierung des Naturschutzes 1906 waren diese beiden Zwillingsbewegungen untrennbar verzahnt und stützten sich auf weitgehend identische soziale Trägergruppen aus dem gebildeten Bürgertum insbesondere der Mittel- und Kleinstädte. Die nicht selten dem höheren Beamtentum und freien akademischen Professionen angehörigen Funktionseliten des Naturschutzes sorgten für eine beständige Erneuerung ihrer personellen Potenziale und damit auch für eine relativ homogene Kohortenbildung. Daraus erwuchsen dem Natur- und Heimatschutz weithin gefestigte »Milieugrenzen«.
Auffällig ist die Zählebigkeit der Schriftenreihen und Zeitschriften, die zwar semantisch eigenwillig waren, wohl aber gerade dadurch ein Gefühl von Gruppenzugehörigkeit schufen. Diese Periodika konnten sowohl auf der nationalen als auch auf der regionalen Handlungsebene staatliche Umbrüche und verfassungssystematische Friktionen oftmals mühelos überstehen.
Das wahrscheinlich sinnfälligste Merkmal für eine ungebrochene Persistenz der amtlichen und ehrenamtlichen »Verteidigung« von Natur und Heimat besteht in der Dauerhaftigkeit ihrer strukturellen und organisatorischen Basis. Vom Kaiserreich bis über die Ära Adenauer hinaus fußte der Naturschutz auf den naturkundlichen und naturprotektionistischen Fachgruppen der landschaftlichen Heimatbünde, auf der Tätigkeit der aus ihnen rekrutierten Naturschutzkommissare bzw. -beauftragten sowie auf einer von diesen beratenen Bürokratie. Ihre Arbeit begünstigte die Etablierung der sogenannten Naturdenkmalpflege, das heißt die Sicherstellung »altehrwürdiger« Monumente des territorialen Haushalts - von Solitärbäumen über bedrohte Tierarten bis zu pittoresken Ödländereien.
Das teils vorwärtsweisende, teils kauzige Auftreten heterodoxer »ökologischer« Eiferer und Visionäre tat diesem Gesamtgefüge des frühen deutschen Umweltengagements keinen Abbruch.
Das Bild eines unpolitischen Natur- und Heimatschutzes, der so die politischen Epochengrenzen zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik geradlinig durchlaufen konnte, erscheint vor dem Hintergrund solcher Befunde plausibel. Es entfaltet, dafür sprechen weite Teile der wissenschaftlichen Literatur, enorme Suggestivmacht2. Allerdings hinterlässt diese Darstellung nach eingehenderer Betrachtung ein spürbares Unbehagen. Es bezieht sich weniger auf die historiographisch ausgebreiteten Detailergebnisse als auf den Eindruck, Einheit und Geschlossenheit des Gegenstandes seien zu eilfertig konstruiert. Gegen das Bild eines homogenen, kontinuierlich verlaufenden Naturschutzes lassen sich Argumente anführen, die sowohl seine Intentionen, als auch seine Programmatik und seinen Handlungsspielraum während der Weimarer Republik, der NS-Zeit und der formativen Phase der Bundesrepublik betreffen.
Das soll im Folgenden wenigstens andeutungsweise geschehen. Dazu wird zunächst die Situation des Naturschutzes um das Jahr 1930 beleuchtet (I.). Der darauf folgende Abschnitt fragt nach seinen Parametern im »Dritten Reich« (II.). Abschließend rückt der Naturschutz der fünfziger und sechziger Jahre im westlichen Teilstaat in den Mittelpunkt des Interesses.

I.
Wie der Heimatschutz entwickelte sich von wenigen Ausnahmen abgesehen auch der Naturschutz der Weimarer Epoche im Zeichen völkischer Gesellschafts- bzw. Gerneinschaftsentwürfe. So wie die meisten Fachgruppen der landschaftlichen Heimatbünde setzten die Naturschützer darauf, das von »westlicher Zivilisation« und »sozialistischem Ungeist« affizierte »deutsche Volkstum« »ungeschwächt und unverdorben zu erhalten«. Dazu wollten sie es an eine vorgeblich unverfälschte Stammes- und Raumkultur heranführen, die ihren Ausdruck in Heimatgeschichte, tradiertem Tanz und Spiel, handgefertigtem Hausrat und bodenständiger Architektur, mundartlicher Literatur und überkommener Brauchtumstreue fand4. In diesem Zusammenhang war auch die Naturdenkmalpflege angesiedelt. Gewiss entsprach die Ausweisung von isolierten Naturmonumenten, kleineren Naturschutzdistrikten und etwas größer dimensionierten Gebieten immer auch wissenschaftlichen Zwecken und freizeitlichen Vorlieben ihrer Betreiber, in aller Regel war sie jedoch hochgradig ideologisiert. Sie war »volkstumsbildend« angelegt.
Die Naturdenkmale galten ihren regionalistischen Fürsprechern als Stätten »sistierter Geschichte« (Adorno), als Bindeglieder zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Deshalb machten sich die Naturschützer dafür stark, dass möglichst viele ihrer - wie man meinte - ideell und sittlich entwurzelten Zeitgenossen/innen in unmittelbaren, sinnlichen Kontakt zu den Denkmälern traten. Auf diese Weise sollten die Menschen einen in erster Linie emotionalisierenden Zugang zu den gebietstypischen Naturrelikten erlangen. Sie sollten Zugang zu Refugien der Selbstbesinnung und des meditativen Einhaltens finden. Ihnen sollten Ruheräume eröffnet werden, die eine tiefenscharfe Vorstellung von den »authentischen« Werten und Wahrheiten der Heimat vermittelten. Die Naturdenkmalpfleger erhofften sich von diesen Erfahrungen eine »ethnogenetische«, sozial ausgleichende Wirkung und ließen nichts unversucht, die umsorgten Monumente und die sie umgebende »Szenerie« in »Kapellen« der »Andacht für eine neue weltliche Glaubenslehre« zu verwandeln.
Die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg potenzierte diesen Prozess. Nach 1918 war allen Beteiligten klar geworden, dass es fortan noch weniger als bisher darum gehen könne, »Kuriositätenkabinette im Freien« zu schaffen. Statt dessen sollten rings um die Naturdenkmäler »Weiheräume« entstehen, in denen die Liturgie einer Heilsbotschaft zelebriert werden konnte, die sich zunehmend radikalisierte. Ihre Offenbarungen rankten sich um die Begriffe »Volkstum und Heimat« sowie »Stamm und Landschaft«. Diese Kategorien entwickelten sich zu Leitmotiven einer Volkstumstheorie, die die Bedeutung deutscher Kulturräume und Stämme (Westfalen, Sachsen etc.) betonte und eine regionalistische, landsmannschaftlich differenzierte Kulturpolitik zum Unterpfand des nationalen »Wiederaufstiegs« erklärte. Ihre Verheißungen gossen Wasser auf die Mühlen eines grundsätzlich revanchistisch inspirierten Natur- und Heimatschutzes, von dem manche seiner Anhänger hofften, er würde sogar in - oder vielleicht sogar wegen - der Weltwirtschaftskrise zur allgemein anschlussfähigen»Volkssache« werden.
Diese Hoffnung war indes auf Sand gebaut. Die Bereitschaft, namentlich der »großstädtischen«, von Kneipe, Kommerz und Kino der eigenen kulturräumlichen Wurzeln »beraubten« Arbeiter und Angestellten, im kontemplativen Zugriff auf »Mutter Natur« zu sich selber zu finden, hielt sich in aller engsten Grenzen. Ein von zahlreichen Naturliebhabern mit Bestürzung registriertes Desinteresse gegenüber den landschaftlichen und stammesgemeinschaftlichen Erinnerungsorten eskalierte für die Naturschützer in den frühen dreißiger Jahren, als musizierende, »angeheiterte« Sonntagsausflügler und »undisziplinierte« Wandergruppen diese zu ihrer Rettung erkorenen Orte »entweihten«. Gegen das sinnesfrohe Treiben waren die Behörden und die Naturschutzbeauftragten gleichermaßen machtlos.
Es bleibt bemerkenswert, dass die von prominenten Natur- und Heimatschützern überschwänglich gefeierte »Machtübernahme« der Nationalsozialisten diese Enttäuschung keineswegs beseitigte'. Im Gegenteil, sie steigerte sich nach 1933 noch, denn das »Dritte Reich« setzte auf den Feldern der Kulturpolitik und des öffentlichen Umgangs mit landschaftlichem Interieur unerwartete Prioritäten.

II.
Der wichtigste Grund für die wachsende Desillusionierung der Naturschützer war die kriegsvorbereitende Autarkiewirtschaft. Sie zog einen ungehemmten industrie- und agrarökonomischen Ressourcenverschleiß nach sich. Die »natürliche Landschaft« war davon in mehrfacher Beziehung betroffen. Der rigorose Aufrüstungskurs führte zu erheblichen Bodenversiegelungen, da neue Fabrikationsanlagen, Arbeitersiedlungen, Straßen und Eisenbahntrassen großzügig genehmigt wurden. Auch die dem bäuerlichen »Reichsnährstand« aufgetragenen Erzeugungsschlachten ließen sämtliche Aufforderungen, die Natur zu schützen, außer Acht. Die Flurbereinigungsmaßnahmen der Landeskulturämter erreichten ein bisher unbekanntes Ausmaß, die Landwirtschaft wurde mit den Erfordernissen einer forcierten Mechanisierung und gesteigerten chemischen Düngung konfrontiert. Lanz und Liebig waren ihre Helden.
Ein Desaster sämtlicher naturkonservatorischen Anstrengungen kündigte sich an, als der Reichsarbeitsdienst auf »die Landschaft losgelassen« wurde. Seine Meliorationen, Drainagen, Ödlanderschließungen usw. ließen die »noch verbliebenen Naturreserven« »verschwinden«. Ähnliches zeichnete sich auf dem von »seelenlosen Stangenäckern«, mithin »undeutschen«, dafür aber schnellwüchsigen Nadelbäumen gekennzeichneten Terrain der Forstwirtschaft ab. Als ein notorischer Widersacher »umweltpolitischer« Ambitionen erwies sich zudem die »Kraft-durch-Freude«-Sektion der Deutschen Arbeitsfront. Die als Aushängeschild nationalsozialistischer »Volkswohlfahrt« instrumentalisierte Organisation vermochte nicht nur die volkskulturelle Angebotspalette der Heimatschützer im Handumdrehen an den Rand freizeitlicher »Massenvergnügen« zu drängen, sie brüskierte auch die Naturdenkmalpfleger ohne jeden Anflug von Scham oder Reue. Regelmäßig zeigte sich, dass die DAF-Touristengruppen und »Sonntagswanderer« an die exponierten Orte der »heimatlichen Natur« führte, ohne auch nur die geringsten Anstalten zu machen, den »in der Stadt unsauber und unerzogen gelassenen Mensch« mit der bewusstseinsbildenden Erhabenheit regionaler Naturmemorabilien vertraut zu machen. im Gegenteil lag den NS-Freizeitmanagern daran, auch im »grünen Dorn« des deutschen Waldes und in der - anscheinend stets - glühenden Heide für »hundertprozentige«, alkohol- und gesangbeschwingte »KdF-Stimmung« zu sorgen.
Nach Ansicht der Naturschutzbeauftragten trug nicht allein die DAF, sondern auch der vom Propagandaministerium gelenkte Reichswerberat Schuld an den ausufernden Naturfreveln »entwurzelter Massen«. Seine »bis ins kleinste Dorf« getragene Plakatwerbung, die von konventionellen Naturfreunden als schallende Ohrfeige empfunden werden musste, verhieß den »Volksgenossen« nichts anderes als die vermeintlich seichtesten, wie es hieß, »amerikanischen« Konsumfreuden.
An dieser Entwicklung entzündete sich die Kritik zahlreicher intellektueller, zum Teil einschlägig professionalisierter Nationalsozialisten. Sie erkannten, dass die allseits angestrebte »Regeneration des Volkstums« in einer urbanisierten, seriell produktiven, in Grenzen konsumtiven und ausdrücklich technikaffirmativen »Gemeinschaft« nicht mit den volkspädagogischen Mitteln des Heimatschutzes und der Naturdenkmalpflege wilhelminischer Provenienz zu erreichen war. Deshalb setzten sie auf Alternativen. Diese »Reformer« teilten die Vorstellung, dass naturadäquate Umweltbedingungen eine unverrückbare Prämisse der »rassischen Sanierung« und einer sozialtechnokratisch, bevölkerungsingenieural perfektionierten »Volkwerdung« seien. Hiervon ausgehend kooperierten verschiedene radikalvölkische Planungsinstanzen bei den Bemühungen, einen regimespezifischen Naturschutz herauszubilden. Sein vom »Wissen« über die »Gebundenheit deutscher Menschen an Landschaft, Boden und Heimat« vorgegebenes Ziel bildete die mit allen sachverständigen Mitteln durchzuführende Entwicklung »naturnaher Leistungslandschaften«, distriktiver Einheiten mithin, die sowohl den volkstumspolitischen als auch den autarkiewirtschaftlichen Erfordernissen gerecht werden könnten.
Der Naturschutz erfuhr dadurch eine aktivistische Kurskorrektur, an der sich verschiedene Gruppierungen beteiligten:

  1. Hochrangige Heimatschützer, die vor allem im westlichen Deutschland, zumal in unmittelbarer Nähe des Ruhrreviers, zu der Erkenntnis gelangt waren, dass den »völkischen Entfremdungseffekten« großindustrieller Produktion und anonymisierter Lebensformen durch die »Renaturierung« trister städtischer Wohnviertel und stadtnaher Erholungslandschaften entgegenzusteuern sei. Ihr Bekenntnis zu einer planifizierten und möglichst flächendeckenden Gestaltung der fraglichen Areale hoben der Vorsitzende des Westfälischen Heimatbundes, der Landeshauptmann der Provinz Westfalen Karl Friedrich Kolbow, sein langjähriger sauerländischer Weggefährte Wilhelm Münker und nach einigem Zögern der führende Repräsentant des DBH/DHB, der rheinische Landeshauptmann Heinz Haake, hervor, indem sie den »Deutschen Bund Heimatschutz« unter Verzicht auf den passiv anmutenden »Schutz«-Terminus 1936 in »Deutscher Heimatbund« umtauften.
  2. Die Vertreter der Obersten Naturschutzbehörde im Reichforstamt und die ihnen assoziierten Mitarbeiter der Reichsstelle für Naturschutz, in erster Linie ihr Leiter Hans Klose. Auf ihre Anregungen ging der Erlass des Reichsnaturschutzgesetzes von 1935 zurück, dessen reale Wirkungsmacht zwar äußerst eingeschränkt war, das aber dennoch drei wichtige Akzente setzte. Zum einen vereinheitlichte es das innere Gefüge des administrativen und des nebenamtlichen Naturschutzes erstmals reichsweit. Zum Zweiten trug es dazu bei, den staatlichen deutschen Naturschutz aus dem Verantwortungsbereich der Kulturverwaltung zu lösen und einem »harten« Ressort unter der Ägide des Reichsforstmeisters und Vierjahresplanbeauftragten, Hermann Göring, zuzuschlagen. Zum Dritten erfüllte es eine alte Forderung gestaltungswilliger Naturschützer, indem es den Landschaftsschutz erstmals legislativ implementierte. Faktisch kümmerte das den nationalsozialistischen Behemoth wenig. Gleichwohl blieb der umweltpolitische Trend, wirtschaftlich genutzte Gebiete mit einem ästhetisch ansprechenden Erscheinungsbild oder wichtigen ökologischen Funktionen vor massiven äußeren Eingriffen zu schützen, seither ungebrochen. Er bildete eine wesentliche Voraussetzung für weiterführende Gestaltungsprojekte.
  3. Repräsentanten der Raumforschung und der Raumordnungsbürokratie, die ihr Fach als unverzichtbare Voraussetzung einer zukunftsträchtigen, rassisch »bereinigten« »Volksordnung« begriffen. Um »aus dem deutschen Vaterlande eine nationalsozialistische Landschaft« zu machen, modellierten fachlich ausgewiesene Planer Raumkonzeptionen, die gleichzeitig, wenn auch nicht unbedingt gleichrangig, auf wirtschaftliche, infrastrukturelle und siedlungsbauliche Kapazitätssteigerungen sowie auf eine kenntnisreiche Restitution von »natürlichen Heimatlandschaften« in ihrem Einflussgebiet abstellten. Diese oft übersehene Kombination ökonomischer, »sozialer« und »umweltlicher« Anliegen charakterisierte im Grunde genommen bereits die Anfänge der zeitgenössischen Landschaftsplanung. Ihren Ausgangspunkt und ihre normsetzende Referenzorganisation bildete der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk, der seit den zwanziger Jahren montanbezirkliche Begrünungskampagnen als Mittel einer ideellen »Volkstumspflege« betrieb. Dabei hatte sich eine richtungweisende Zusammenarbeit zwischen Raumordnern und regionalen Heimatschützern angebahnt.
  4. Die Landschaftsanwälte des Reichsautobahnbaus (RAB) um Alwin Seifert. Ihr inzwischen gut erforschtes Beispiel illustriert die Orientierung einzelner nationalsozialistischer Behörden bzw. Sonderbehörden auf einen Ausgleich - in Seiferts Diktion, auf eine »Versöhnung« - zwischen technischer Rationalität und »naturräumlicher« Befindlichkeit in zweierlei Hinsicht. Erstens dienten die in der Streckenführung genau kalkulierten Autobahntrassen dazu, den Automobilisten Erlebnisse der landschaftlich diversifizierten »Heimatwelten« zu ermöglichen. Die völkische Prägekraft dieser Wahrnehmung galt als ausgemacht. Zweitens profilierten sich die Landschaftsanwälte der Schule Seiferts als entschiedene Gegner einer durch die flurbereinigte Intensivlandwirtschaft drohenden »Versteppung Deutschlands«. Von gigantischen Bodenverwehungen in den USA gewarnt, wurden sie zu Advokaten einer breit angelegten Erosionsprophylaxe durch Hecken und Sträucher. Die Landschaftsanwälte der deutschen Länder und preußischen Provinzen schwangen sich zu Widersachern der auf agrarische Ertragsmaximierung festgelegten Landeskulturämter auf"'.
  5. Die akademisch gebildeten Landschaftsexperten im Planungsamt des Stabshauptamtes des Reichskommissars für die Festigung des deutschen Volkstums (RKF), Heinrich Himmler. Die Verfasser der verschiedenen Varianten des »Generalplans Ost« kooperierten in Sachen Landschaftsgestaltung mit der Obersten Naturschutzbehörde Görings. Die beiderseitige Planung stellte einen untrennbaren Zusammenhang zwischen dem vollzogenen Völkermord, der Deportation indigener Bevölkerungen im östlichen Europa, der »Rückführung« sogenannter »Volksdeutscher« in die »neuen Ostgebiete«, den Versklavungs- und Hungertodprojektionen mit 30 Millionen vermuteten Opfern sowie verschiedenen innovativen Naturschutzansätzen her. Der Aussage des RKF-Planungschefs, des Berliner Landwirtschaftswissenschaftlers und Forschungsorganisators Konrad Meyer, der genozidalen »ethnischen Flurbereinigung« im Osten müsse - um der »völkischen« Prosperität des dort anzusiedelnden Deutschtums willen - ein unverzüglicher Ausbau ebenso leistungsfähiger wie naturnah-volkstumsgemäßer Landschaften folgen, stimmten die Gestaltungsspezialisten Heinrich Wiepking-Jürgensmann, Erhard Mäding u. a. unbedingt zu. Sie entwarfen Landschaften, in denen Wallhecken und Baumstreifen für einen naturalen Humusschutz sorgten, naturbelassene Fließgewässer den hydrologischen Zustand des Bodens optimierten und forstwirtschaftliche Zuchtleistungen ein »gesundes« Kleinklima verbürgten. Von der im Auftrag Himmlers erlassenen »Anordnung 20/VI/42« der SS-Territorialplaner, die nach Bekunden ihrer Urheber einen »Markstein der deutschen Landschafts- und Kulturgeschichte« ausmachte, gingen zudem wichtige Impulse auf Landesplanungen im »Altreich« aus.
  6. Natur- und Heimatschützer, die die Initiativen Wiepking-Jürgensmanns und Mädings mit dem Ziel aufgriffen, ihnen im Inneren »Großdeutschlands« Geltung zu verschaffen. Zu diesem Zweck trafen engagierte Gestaltungsbefürworter im Sommer 1941 auf der lippischen Burg Sternberg zusammen. Ihnen lag daran, Möglichkeiten auszuloten, die Landschaftsgestaltung als amtliches Sujet in die Provinzial- und Landesverwaltungen zu integrieren. Dieses Ansinnen des weit über 1945 hinaus rührigen Sternbergkreises fand den Beifall Seiferts, Kloses und Wiepking-Jürgensmanns.
  7. Einzelne, aufs Ganze gesehen allerdings isolierte Landwirtschaftsfunktionäre, die einzusehen begannen, dass die unter Kriegsbedingungen exzessiv gesteigerte Ausbeutung der agrarischen Ressourcen mittelfristig kein gutes Ende nehmen konnte. Sie versuchten, Einfluss auf die Vertreter des Reichsnährstandes und der Flurbereinigungsbehörden zu nehmen, und drängten darauf, Artikel über die Verfahren und Leistungen einer nachhaltigen Landschaftspflege in den landwirtschaftlichen Zeitschriften zu veröffentlichen.

Die »aufklärerischen« Publikationen fruchteten wenig. Entsprechenden Vorstößen war genauso wenig Erfolg beschieden wie den Konzeptionen Wiepking-Jürgensmanns, Kolbows, der Raumplaner usw. Abgesehen von den Planungen der Landschaftsanwälte beim Bau der Autobahnen, waren viele Naturschutz- und Landespflegeentwürfe kaum das Papier wert, auf dem sie niedergelegt worden sind. Nach den Gründen für den fatalen und fast vollständigen Fehlschlag der relevanten Anstrengungen in der NS-Zeit braucht nicht lange gesucht zu werden. Zwei Ursachen hegen auf der Hand; eine weitere ist erst unlängst bekannter ge-
worden. Ein wesentlicher Faktor war das Unvermögen der Gestaltungsbefürworter, sich zu einer geschlossenen, aktionsfähigen Phalanx zu formieren, die ihren Anhegen hätte Nachdruck verleihen können. Aussichtsreiche Ansätze, wie jene des Sternberg-Kreises, wurden wiederholt durch interne Spannungen, Konkurrenzen und Animositäten behindert. Erheblich schwerer wog jedoch die naturschutzpolitische Intransigenz bzw. das offenkundige fachliche Unverständnis einflussreicher Machtinstanzen des »Dritten Reiches«. Die Staats- und Parteiführung, die überwiegende Mehrzahl der Gauleitungen, der »Nährstand«, die Staatsjugend, die Wehrmacht, das Volkskulturwerk, vor allem aber die Vertretungen der Wirtschaft und der DAF waren für die Gestaltungsvorhaben - trotz ihrer völkischen Einfärbung - so gut wie unempfänglich. Industrielle Produktions- und agrarische Erzeugungsschlachten wurden unter den Auspizien des Vierjahresplanes und der Kriegswirtschaft, ohne Rücksicht auf Verluste geschlagen. Mahnungen, den ungehemmten Rohstoff- und Landschaftsverschleiß einzudämmen, gerieten nach 1942 in den Verdacht, die Kriegsanstrengungen zu untergraben. Unter diesen Voraussetzungen blieben die »kreativen« Naturschützer weitgehend chancenlos, wie sie selber oft leidvoll einsehen mussten.
Eine dritte Ursache ihres Scheiterns ist ihnen erst nach und nach bewusst geworden, nämlich die unerwartete und weitreichende Skepsis, die kommunale Naturschutzbeauftragte dem Gestaltungsgedanken entgegenbrachten. Die »vor Ort“ tätige Naturschutzbasis versagte sich den landschaftskonstruktiven Reformvorstellungen der disziplinären Elite. Wie sich mit der Zeit zeigte, stand der Erzregionalismus der lokalen Fachleute quer zu den neuartigen Vorstellungen. Die lokalen Beauftragten hielten an den Intentionen und den konservatorischen Techniken der durch und durch heimatstolzen Naturdenkmalpflege fest. Als Wegbereiter, geschweige denn als Durchführungsorgane der Landschaftsformung standen sie nicht zur Verfügung.
Dieser Zurückhaltung lagen hauptsächlich drei Überzeugungen und Erfahrungen zugrunde. Zum einen erschien die Landschaftsgestaltung nicht als originäres Produkt eines autochthonen heimatlichen Ideenfundus. Eher schon wurde sie mit einer »zentralistischen Anmaßung« gebietsfremder Kräfte identifiziert. Mochten die Vorschläge der Experten auch noch so plausibel erscheinen, über das Aussehen der »eigenen« Nahräume wollten die Heimatfreunde selber bestimmen. Zum zweiten konnte der »demiurgische« Anspruch der Landschaftsgestaltung als Sakrileg empfunden werden. Konventionelle Natur- und Heimatschützer befürchteten, dass die naturmonumentalen, heimatlichen Identifikationsstätten durch die Verwirklichung einer umfassenden Gebietspflege in Mitleidenschaft gezogen und somit »entweiht« werden könnten. Zum dritten waren die Naturschutzbeauftragten der kommunalen Ebene von den Anforderungen der »Gestaltet« schlicht überfordert. Verschiedene Beteiligte haben ihr Unvermögen, komplizierte biozönotische Zusammenhänge und Erfordernisse bei Ufer- und Ackerbepflanzungen zu durchschauen bzw. handwerklich zu bewerkstelligen, auf den deutschen Naturschutztagen dargelegt. Genauso wie die meisten »Kollegen« beschränkten sie ihr semiprofessionelles »Schaffen« daher auf den musealen Naturschutz.

III.
An dieser Konstellation hat sich nach 1945 kaum etwas geändert. Die gestaltungsaktive Wende des Naturschutzes erstreckte sich - trotz ihrer generell heimatfreundlichen Implikationen - nur selten auf das genuine Feld des Heimatschutzes, der sich von ihr um so leichter abzukapseln vermochte, als er in den ersten Nachkriegsjahren eine regelrechte Renaissance erlebte. In ihrem Licht blühte die seit den dreißiger Jahren fälschlich als überlebt eingestufte regionalistische Naturdenkmalpflege üppig auf. Sie wurde von einer leidenschaftlichen Opposition der Naturschutzbeauftragten gegen vermeintlich undeutsche Pflanzen in der Landschaft und in den Vorgärten, gegen »Anpreisungsreklame« in der Natur und gegen die gebietsverfremdende »Verpappelung« der Alleen und Landstraßen begleitet. Mit solchen »Verstümmelung[en]« der Landschaft, so lamentierte ein westdeutscher Naturschutzveteran, ginge mehr verloren »als ein idyllischer und romantischer Hintergrund, es geht ein Teil dessen verloren, was den Sirin des Lebens ausmacht«24. Solche von westdeutschen Natur- und Heimatschützern in Allianz mit namhaften Pohtikberatern, Kulturbürokratien und nicht selten auch den Kirchen eingeforderten existenziellen Sinnzuschreibungen verwiesen nach 1945 einmal mehr auf das »zeitlose« Wesen des stammes- und kulturräumlich differenzierten »Volkstums«. Dessen scheinbar überlieferungsechte Kultur sollte als ein geistig und mental Halt gebendes Gegengewicht zur der sich abzeichnenden Westernisierung der Lebensformen in die Waagschale bundesdeutscher Wertpräferenzen gelegt werden. Von diesem volkstumspflegerischen Impetus war die zeitgenössische konservatorisch-museale Naturpflege unübersehbar geprägt.
Die zeitweilige Dominanz dieses traditionellen Natur- und Heimatschutzes änderte nichts daran, dass der ursprünglich radikal ethnogenetisch angelegte Gestaltungsansatz ebenfalls aus der Erbmasse der »braunen Diktatur« hervortrat. Unzählige Krisensymptome schienen in den späten vierziger und frühen fünfziger Jahren eine umgehende, aktive Gegensteuerung zu erfordern. Angesichts von Berichten über verheerende Forstkalamitäten, erhebliche Humusverwehungen und beträchtliche, meist großstädtische »Wassernöte« waren landschaftstherapeutische Expertisen gefragt wie nie zuvor. Demzufolge schlug die Stunde der Gestaltet. Wiepking-Jürgensmanns, Mädings und Seiferts Vorhaben, den ökologischen Haushalt der Agrargebiete zu stabilisieren, ohne ihre Produktivkraft zu schmälern, stieß nun auf eine Resonanz, die ihm in der NS-Zeit vorenthalten worden ist. Gewiss blieben Heckenanpflanzungen und Windschutzstreifen bei jenen Landwirten umstritten, die ihre Hoffung inzwischen auf vollmotorisierte Betriebsabläufe setzten und die ahnen konnten, das ihre Höfe »weichen« würden, wenn sie nicht effizient wuchsen. Aber die Landschaftsgestaltung erfuhr die Förderung von Verwaltungen, die in sämtlichen Bundesländern »Ämter für Landespflege« aus der Taufe hoben. Förderung kam auch von den Länderministerien, denen die »Revolution des Dorfes« (Paul Erker) und des agrarischen Sektors viel zu ungestüm verlief, sowie von einer Anzahl neuer naturschutznaher Vereinigungen und Einrichtungen. So drückte eine Landschaftsgestaltung, die im Kontext von »Volksgesundheit«, gesellschaftlicher Sittlichkeit, ethnischer Dignität und nationaler Substanzsicherung stand, dem Deutschen Naturschutzring, der Naturparkbewegung, der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, dem organisierten Gewässerschutz und dem stellenweise nahtlos auf Wiepking-Jürgensmann rekurrierenden Rat für Landespflege mit seiner Grünen Charta von der Mainau den Stempel auf. Dadurch trat die »Landespflege« als professionalisierter Naturschutzstrang neben die zumeist ehrenamtlich betriebene und heimatbündisch grundierte Naturdenkmalpflege. Beide Naturschutzversionen waren auf landschaftliche Probleme festgelegt. Beide durchzog ein lediglich graduell divergierender volkstumsfixierter Subtext.
Dieser doppelte Primat des Landschaftlichen und sein weltanschaulicher Unterbau erodierten in den sechziger Jahren, als drastische gesellschaftliche Wandlungen und eine beispiellose umwelthistorische Zäsur die bisherigen Plausibilitätskriterien in Frage stellten. Beide Phänomene resultierten aus einer gemeinsamen Bedingungskonstellation, nämlich aus jener »um die Dreiheit von Haushaltstechnik, Suburbarüsierung und Automobil zentrierte[n], energieintensive[n] Lebensweise«, die »den freizeitorientierten Konsum zum sinnstiftenden Zentrum des Lebens«. machte28. Die in allen industrialisierten Ländern stattfindende »Sinnverschiebung« führte beim deutschen Naturschutz einerseits zur beschleunigten Preisgabe seiner »deutschtümelnden« Bezüge. Selbst für die Menschen, die sich in den sechziger Jahren für die Belange der Natur einsetzten, hatte das Gespenst »amerikanisierter« kultureller Praktiken seinen Schrecken eingebüßt. Sie reisten, nutzten allgemein zugängliche Massenmedien, arrangierten sich mit pluralisierten Lebensstilen und befehdeten die fortschreitende Technisierung des Alltags keineswegs mehr grundsätzlich. Parochiale Sichtblenden, die hauptsächlich »Heimat« und »Stammesart« im eigenen Gesichtskreis duldeten, wurden kurzerhand abgestreift. Wer im zweiten Jahrzehnt der Bundesrepublik von Stämmen sprach, dachte für gewöhnlich an Leinwandapatschen und nicht an Widukinds streitbare Sachsenscharen. Andererseits brachte die rasche Gewöhnung an die populären und erstmals erschwinglichen Freuden des Konsums erhebliche ökologische Belastungen und Herausforderungen mit sich. Der Energieverbrauch der technisch-industriellen Gesellschaft wuchs. Ruß-, Staub- und Säureemissionen verwandelten die Luft auch jenseits der Ballungszentren in einen schädlichen Cocktail. Schon vor dem »Smog« und dem »sauren Regen« wurden die schmutzig-braun-grauen »Schaumkronen« fast aller Binnengewässer als Menetekel eines ökologischen Krisenzeitalters gedeutet.
Dagegen regte sich ein öffentlicher Protest, der den personellen Rahmen des aktiven wie des passiven Naturschutzes sprengte. Immer vernehmbarer meldeten sich neuartige Gruppierungen zu Wort und insistierten auf politische Gegenmaßnahmen. Dass sich diese nicht in konservatorischen Anstrengungen oder landespflegerischen Pflanzaktionen erschöpfen konnten, wurde zusehends zu einem Gemeinplatz der Umweltpolitik. Infolgedessen begannen auch die Naturschützer, eine legislative Verankerung des Verursacherprinzips, Emissionslimitierungen und sorgfältige Grenzwertkontrollen einzufordern. Auf diesem Wege veränderte sich der Status der »Landschaft« im Rahmen eines populär werdenden ökologischen Denkens. Ihr hegemonialer Stellenwert reduzierte sich; der »Einsatz« für die »Naturareale« bildete fortan einen Teil des Umweltschutzes unter anderen.
Die »ökologische Wende« der frühen siebziger Jahre besiegelte diese Tendenz. Sie zog eine Globalisierung der zuvor national verengten Naturschutzperspektiven nach sich. Dabei rückten das Schicksal der tropischen Regenwälder, der weltweit bedrohten Tierarten und die weltweite Ozonproblematik in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Insofern wird man den Zäsurcharakter des Jahrzehnts deutlich unterstreichen müssen. Aber nichtsdestoweniger stand der Naturschutz auch im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts partiell auf den Schultern seiner Vorläufer. Indem er die Warnung vor der »Bevölkerungsexplosion« in Asien und Afrika noch in den achtziger Jahren als xenophobes Grollen ertönen ließ, indem er mit apokalyptischen Zukunftsszenarien die Verlockungen des Massenkonsums neuerlich anprangerte und nicht zuletzt dadurch, dass er »die heile Natur« nach wie vor mit Bildern konnotierte, die den Arsenalen der archivierenden und der gestaltenden Naturschützer entnommen waren, stellte er diesen Sachverhalt - oft unreflektiert - unter Beweis. Aus diesem Grund kennt auch die Geschichte des Natur- und Umweltschutzes keine »Stunde Null«, sondern nur das wechselvolle Miteinander von Kontinuität und Wandel.

Ökologische Plattform in der Linkspartei

In PDS & WASG: Krude Mischung von Ökologie und rechten Bezügen

Marko Ferst ... ist Umweltschützer, unterwegs bei vielen Aktionen und in vielen Gruppen, aktiv in der PDS (Ökologische Plattform) und Anhänger vieler rechter Ökologen. Auf seinen Internetseiten finden sich oft Links und Bezüge zu Bahro, Franz Alt (mit beiden hat Ferst ein Buch verfasst) und sogar Herbert Gruhl. Auffällig viele Bezüge sind zum ZEGG zu finden (kritische Seite zum ZEGG hier ...). Ferst ist Macher der www.umweltdebatte.de, einer typischen Internetseite mit einem Gemisch aus ökologischen Themen, biologistischen Ideologien, Bezügen zu Esoterik und ähnliche Perspektiven, Verweise auf rechte Ökologen wie Bahro, Gruhl oder Alt usw.

Später ... Tarantel Nr. 38 im September 2007: Marko Ferst spickt wieder ein Heft mit Zitate. Sein Favorit diesmal: Oskar Lafontaine.

Auszüge aus dem Text "Plädoyer für ein ökologisches Kultursystem" von Marko Ferst (Quelle: Ökologische Plattform der PDS)
Insgesamt scheint unsere Zivilisation an dem Umstand zu kranken, daß ein Übermaß der Kräfte in den materiellen Aufbau gelenkt wird und dabei der innere Mensch, die spirituelle Sphäre auf der Strecke bleibt. ...
Wir haben uns offenkundig in einer Sackgasse verfangen und laufen auf eine menschheitsgeschichtliche Richtstatt zu. ...
Der SPD-Vordenker Hermann Scheer, den alternativen Nobelpreis hat er, wie ich glaube, sehr berechtigt bekommen, jedenfalls Hermann Scheer als Zukunftskanzler, das wäre das Mindeste, was sich die Sozialdemokratie 2002 leisten müßte. ...
Picknick mit Gysi und Bisky auf den Gleisen ergäbe mit Sicherheit eine unmißverständliche fernsehgerechte Botschaft und nebenbei Chancen, im Westen über 1,5 Prozent zu kommen. ...
Der globale Finanzmarkt ist eine Krake, die weltweit ihre Tentakeln an die wirtschaftlichen und sozialen Prozesse hängt.
... insbesondere Robert Havemann und Rudolf Bahro, formulierten die ökovisonäre Perspektive mit besonderer Prägnanz, und wir hätten in der PDS guten Grund, nicht länger hinter ihrem Erkenntnishorizont zurückzubleiben. ...
Wenn Kurt Biedenkopf hinbekommt, das Modellprojekt „Lebensgut Pommritz" als sozialökologisches Experiment massiv zu unterstützen, sollte es doch für die PDS nicht zu kompliziert sein, ähnliches als Möglichkeit zu etablieren, zumal Vorschläge zur Methodik aus der Ökologischen Plattform vorliegen. ...
Hätten die nachfolgenden Generationen die Chance, mit in den Parlamenten zu sitzen und die Geschicke zu lenken, wir würden uns wundern, welche durchgreifende Abspeckkur sie uns binnen kürzester Frist verordnen würden. Ernst Ullrich v. Weizsäcker, Jens Reich und Rudolf Bahro plädieren für einen ökologischen Rat, der politisch versucht, die Interessen aller zukünftigen Generationen zu wahren. Sie trauen dies den jetzigen Parteien nicht mehr zu. Wir müßten uns ein Ethik- und Ökoparlament als oberstes Staatsorgan, als rahmengebende Institution über dem Bundestag, leisten. Bisher lenkt der Verteilungskampf um Besitzstände die gesellschaftliche Perspektive. Die langfristigen Orientierungen gehen im Parteiengerangel unter. Dieses ökologische Oberhaus müßte sich durch eine demokratische Personenwahl konstituieren unter Ausschluß der Parteien und würde für etwa sieben Jahre gewählt. Die Abgeordneten haben mit Hilfe einer umfassenden schriftlichen Arbeit ihre ökologische Kompetenz auszuweisen. ...
Es könnte sein, wir unterschätzen dann die eigene Kraft, die sich entfalten könnte, wenn Ökologen quer über die heutigen gesellschaftlichen Trennlinien hinweg zusammenarbeiten würden.

Reaktion von Marko Ferst im Gästebuch der Projektwerkstatt auf diese Veröffentlichung:
Nur für die uninformierten Projektwerkstättler: Die Umweltpassage haben wir am Wochenende durch den Parteitag durchgeboxt. Das müßt ihr erst mal nachmachen, wenn man bedenkt, daß es doch noch ein paar Strukturkonservative in der Linkspartei gibt. Gegenüber vorher ein echter Fortschritt. Teamarbeit sage ich nur. Oder ist bis 2050 eine vollständige solare Energiewende zu wollen, schon etwa ein rechter Ausrutscher? Ihr seit mir Marken. Wer die Texte dafür geliefert hat, wißt Ihr nicht? In der Linkspartei werde ich dem linken Flügel zugerechtet und ihr verlaßt Euch auf Juttas Denunziationskramladen. Da habt ihr aber den falschen Kompaß erwischt. Da ich weiß, wie die Metaphysik einiger edelbewegter Sektierer funktioniert, Beispiel Kraatz, werde ich ihnen das Fürchten lehren, wenn sie mir in die Quere kommen. Und nur für die, die es nicht wissen Gruhl und Alt sind gewiß keine Sozialisten, aber habe den ein oder anderen klugen Gedanken aufgeschrieben. Ich teile nicht alles, halte ab er gar nichts von Denunziation auf eine Weise die dem \"Schwarzen Kanal\" sehr ähnlich ist. Für die, die das nicht mehr wissen: Das war eine stalinistische Einpeitschersendung im DDR-Fernsehen mit unserem allseits beliebten Karl Eduart v. Schnitzler. Nichts für ungut, macht lieber was Konstruktives, als soviel Zeit für unproduktive Sachen zu vergeuden.

Rechts oben: Literaturtipps auf der Einladung zum Seminar der Ökol. Plattform der PDS (Nov. 2005): Krude Mischung als ÖkologInnen, Parteipolitikern, GlobalisierungsgegnerInnen und rechten Vordenkern wie Gruhl, Bahro und Alt.

Auch sonst ist Herbert Gruhl viel genannt - wahrscheinlich als einzige Partei im Bundestag beziehen sich die Ökos der Linkspartei immer wieder positiv auf den Rechtsaußen. So unter anderem Marko Ferst in einem Leserbrief im Neuen Deutschland am 4.9.2006).

Die Tarantel Nr. 31 der Ökol. Plattform der Linkspartei (Ex-PDS) hat es dann dicke ... es ist ein Heft, in dem die geistigen Grundlagen von Ökologiepolitik vorgestellt werden. Am Beginn werden die Grundprobleme benannt, u.a. das exponentielle Bevölkerungswachstum - während selbst rechtskonservative Institute schon zugeben, dass die Bevölkerungskurve sich abflacht. Die ÖPF plädiert offen für Zwangsmassnahmen (siehe Zitat unten). Im weiteren Verlauf des Heftes findet sie die übliche Mischung aus autoritären Umweltpolitikansätzen und dem Mainstream-Gerade von Nachhaltigkeit, einem eher neoliberalen Ansatz von Umweltschutz. Zwischen den Texten sind Zitate verschiedener Personen zu finden, angefangen vom Ökomonarchie-Fan Ernst-Ulrich von Weizsäcker über den Rechtsextremen Herbert Gruhl, den zumindest fragwürdigen Rudolf Bahro bis zum ZEGG-Mann Achim Ecker. Deutlicher geht es kaum, die ÖPF der Linkspartei ist eines der Querfrontprojekte dieser Republik.
Auszug aus "Die Zukunftsprobleme der Menschheit", Leitartikel in der tarantel Nr. 31, Nov. 2005 (S. 1), Zeitung der Ökologischen Plattform in der Linkspartei
Welche Entwicklungen sind stategisch ausschlaggeben, die im Strategiezeitraum der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts aktuell bleiben und auch in diesem Zeitraum einer Lösung zugeführt werden müssen? ...
Exponentielles Bevölkerungswachstum
Engels erkannte schon 1881: "Die abstrakte Möglichkeit, dass die Menschenzahl so groß wird, dass ihrer Vermehrungs Schranken gesetzt werden müssen, ist ja da." Dieser Zustand ist heute Realität. "Die biologische, ökonomische und kulturelle optimale Bevölkerungsgröße ... ist sicher längst überschritten (W. Harich 1975). Heute sind insbesondere in vielen Ländern der Dritten Welt Maßnahmen zum Stopp des Bevölkerungswachstums notwendig.

Leitfigur 1 von PDS und WASG: Herbert Gruhl
Die nächste Tarantel Nr. 32 wird noch deutlicher. Marko Ferst feiert den Rechtsextremen Herbert Gruhl ab. Auszüge aus dem Text mit Kommentaren (komplette Fassung):

Schon 1981 verlässt er aber die Grünen wieder. Aus den jetzt dokumentierten Texten kann man ersehen, dass ein zentraler Kritikpunkt an der Partei war, dass sie die Konsequenzen einer Gesellschaft ohne Wirtschaftswachstum nicht in ihre Programmatik und in ihr Handeln aufnahm. Er gründet die ÖDP, die er 1989 ebenfalls verlässt. (Ferst unterschlägt hier, dass er nun bei den rechtsextremen UÖD mitmischt) ...
... die Bevölkerungsdichte ist Ursache Nummer eins, dass wir täglich 300-400 Tier- und Pflanzenarten verlieren, besonders im artenreichsten Refugium, den Regenwäldern (nebenbei: Ferst ist auch noch saublöd, denn die tropischen Regenwälder sind nicht die Zonen besonders starken Bevölkerungswachstums - aber es ist ohnehin eine klar rechte Propaganda, zu behaupten, das Bevölkerungswachstum, also die Menschen in ihrem alltäglichen Überlebenskampf, seien Schuld an der Umweltzerstörung) ...
Die Botschaft Herbert Gruhls weiterzudenken, das wäre eine spannende, aber unbequeme Aufgabe.
Wovor man sich hüten muss im Ökologiebereich: Man darf nie unbesehen, was irgend jemand über jemanden sagt, vor allen Dingen in kritisierender Absicht, einfach so übernehmen. Das betrifft nicht nur Gruhl. Die Aussage, dass er Kriege in Kauf nehmen würde, wie in tarantel Nr.31 zu lesen, ist sachlich nicht gerechtfertigt. Auch andere Punkte, die ihm rechtes Denken unterschieben, gehen völlig fehl. Man findet solche Stellen im Werk nicht. Da argumentiert jemand sehr nüchtern und vorausschauend. Man kann sich an seinem konservativen Familienbild stören oder auch an anderen Einzelpunkten und wird von ihm keine sozialistische Perspektive erwarten dürfen. Allerdings gibt es wohl auch keinen Politiker, der so vehement auf die Unmöglichkeit eines grenzenlosen Wachstums verwiesen hat und diesbezüglich dürften Linke wie Oskar Lafontaine, Gregor Gysi u. v. a. noch erheblich Lernbedarf haben. Lesenswert sind von ihm auch die Bücher "Himmelfahrt ins Nichts. Der geplünderte Planet vor dem Ende" (1993) und "Das irdische Gleichgewicht. Ökologie unseres Daseins" (1982).

Leitfigur 2: Rudolf Bahro
Im gleichen Heft ist von Thies Gleiss (Ökologie-Sprecher im Bundesvorstand der WASG und Mitarbeiter bei der SoZ, der Sozialistischen Zeitung) zu lesen (S. 7):

Das Schicksal der in diesem Sinne tatsächlichen "Fundis" innerhalb der "Grünen" beweist dies ebenso wie das von dem so belesenen und brillant argumentierenden Rudolf Bahro. Würde der so vielzitierte Fernsehreporter Morawitz nicht den Skilanglauf, sondern den Theorielanglauf der Umweltbewegung kommentieren, so hieße es nicht "Wo ist Behle?", sondern "Wo ist Bahro?"

Währenddessen gab es im Internet eine Gegenattacke - und die war wieder voller Links zu Gruhl, Bahro & Co. Der Autor obiger Kritik (Jörg Bergstedt) wird einfach als Umfeld von Jutta Ditfurth klassifiert. Für B. und D. sicherlich neu ...
Abbildung: Der Kopf der genannten Internetseite, darunter die Inhaltsübersicht der Eingangsseite zu "Utopie 1" - großes Durcheinander rechter und linker IdeologInnen. Dass der Autor Ditfurth aber nicht mag, hat er deutlich geschrieben. Bleiben also Konz, Gruhl & Co.!

Marko Ferst (Ökologische Plattform in der Linkspartei.PDS)

Jubel für Herbert Gruhl
Punkte, die ihm rechtes Denken unterschieben, gehen völlig fehl. Man findet solche Stellen im Werk nicht

Auszug aus der Tarantel Nr. 32 (März 2006), S. 29 ff.
Die Tarantel ist das Mitteilungsblatt der Ökologischen Plattform der Linkspartei.PDS, seit 2005 auch unter Mitarbeit von WASGlerInnen

Schlüsseltexte wider die Wachstumsideologie
Marko Ferst
Band mit zentralen Aufsätzen des konservativen Umweltvordenkers Herbert Gruhl erschienen: Unter den Karawanen der Blinden. Schlüsseltexte, Interviews und Reden (1976-1993) (siehe Bücherecke)
Hanspeter Padrutt spricht davon, Herbert Gruhl wäre der Vater der Umweltbewegung in Deutschland. Dieser Gedanke ist nicht abwegig, soweit er auf Westdeutschland bezogen wird. Er ist der erste prominente Umweltpolitiker im deutschen Parlament. Sein Bestseller von 1975 "Ein Planet wird geplündert" verkauft sich über 400 000-mal. Er plädiert dort für eine planetare ökologische Wende. Wir müssen von den Grenzen unser Erde ausgehen und von daher unser Handeln bestimmen. Der Schwerpunkt seiner Kritik am bisherigen Wirtschaftssystem liegt auf den begrenzten Ressourcen, die in einer Wachstumsorgie geschichtlich beispiellosen Ausmaßes verschwendet werden. Jetzt gab Volker Kempf gesammelte Schlüsseltexte, Interviews und Reden des Philosophen und Umweltpolitikers heraus, die einen guten Überblick über sein Wirken ermöglichen - ein verdienstvolles Unterfangen. Leider ist der Band nicht ganz preiswert, doch der Weg zur Bibliothek lohnt.
Von 1975 bis 1977 war Herbert Gruhl Vorsitzender des Bundes für Umwelt- und Naturschutz. Bis 1978 für die CDU im Bundestag, gründet er die "Grüne Aktion Zukunft" und bestreitet zwei Jahre später zusammen mit Petra Kelly die Spitzenkandidatur für die junge grüne Partei. Mit 3,2% wird ein erster Achtungserfolg erreicht. Schon 1981 verlässt er aber die Grünen wieder. Aus den jetzt dokumentierten Texten kann man ersehen, dass ein zentraler Kritikpunkt an der Partei war, dass sie die Konsequenzen einer Gesellschaft ohne Wirtschaftswachstum nicht in ihre Programmatik und in ihr Handeln aufnahm. Er gründet die ÖDP, die er 1989 ebenfalls verlässt. Sodann konzentriert er sich auf sein letztes Werk: "Himmelfahrt ins Nichts". Für seine Verdienste im Natur- und Umweltschutz erhielt er 1991 das Bundesverdienstkreuz von Monika Griefahn überreicht. Die CDU hielt er für industriegläubig, den langjährigen Parteichef Kohl für ökologisch ignorant und unsensibel.
Er argumentiert, wenn ein Rohstoff bei gleichbleibendem Verbrauch 1000 Jahre reicht, dann ist er bei 3 % Wachstumsrate nur noch für 171 Jahre verfügbar. Steigt dieser global jährlich um 6%, dann schrumpft die Spanne der Verfügbarkeit auf 71 Jahre - ein Menschleben. Ein Blick darauf, dass in den nächsten Jahren etwa die Nachfrage von Erdöl unter das lieferbare Angebot fallen wird, zeigt wie aktuell seine Argumentation ist. Er spricht sich gegen die Nutzung der unberechenbaren Atomenergie aus und warnt vor den Folgen der Klimakatastrophe.
Schon frühere Kulturen gingen unter oder die Gesellschaften mussten auswandern, weil sie die ökologischen Belastungsgrenzen ihrer Region überschritten hatten. Beim Untergang der Mayakulturen auf der Halbinsel Yucatan spielte neben Klimaveränderungen die zu hohe Bevölkerungsdichte und Reichtumsansammlung bei kleinen Machteliten eine wesentliche Rolle. Wenn jährlich 90 Millionen Menschen auf dem Erdball dazukommen, dann sollte man ernst nehmen, dass sich daraus Konsequenzen ergeben. Darauf wies Gruhl hin. Die landwirtschaftliche Nutzfläche nimmt stetig ab und die Bevölkerungsdichte ist Ursache Nummer eins, dass wir täglich 300-400 Tier- und Pflanzenarten verlieren, besonders im artenreichsten Refugium, den Regenwäldern. Bösartig wird ihm in diesem Kontext auch unfaire Argumentation gegen ausländische Bürger vorgeworfen. Dabei verteidigte er das deutsche Asylrecht noch, als die meisten Parteien darauf hinarbeiteten, es abzuschaffen.
In den letzten Texten von Herbert Gruhl vor seinem Tod 1993 sieht man, dass er die jetzige Zivilisation für unrettbar verloren hielt. Das komplexe Zusammenwirken von Klimaveränderungen und der Erosion von Ökosystemen spricht dafür - er könnte recht behalten. Es zeichnet sich ab, die Gesellschaften unterschätzen die nichtlinearen Wirkungen, viele Zerstörungsaspekte fallen nicht unmittelbar auf. Etwa, die viel zu späte Entdeckung des antarktischen Ozonlochs, die offizielle Wissenschaft erzählte damals noch, die Werte sind alle in Ordnung, könnte ein deutlicher Warnhinweis sein. Der Klimawandel ist bestenfalls abzubremsen, aber nicht mehr aufzuhalten. Der Schock für die Gesellschaften wird kommen, den Gruhl auf uns zukommen sah. Gewiss unterschätzt er die abfedernden Möglichkeiten einer vollständigen solaren Energiewende und ökologischer Effizienzsprünge. Der aktuelle Band zeigt auch bei den späten Texten, etwas im Gegensatz zu seinem letzten Buch, daß er gesellschaftliche Veränderung trotzdem für sinnvoll gehalten hat. Was aber wenn er recht behält und die Zivilisation in einen Zerfallsprozess übergeht? Es stellt sich die Frage, wie kann man die schlimmsten sozialen Verwerfungen mildern und verhindern, daß neuartige totalitäre Gesellschaftsformen entstehen können. Wir würden mit der Frage konfrontiert, wie wir damit umgehen wollen, wenn Stück um Stück die bisherige Lebensordnung wegbricht. 40% der Nahrungsmittel der Menschheit werden in Trockengebieten angebaut. Im Zusammenspiel mit anderen Faktoren, wird das Opferraten geben, die einem das Herz stillstehen lassen. Die Botschaft Herbert Gruhls weiterzudenken, das wäre eine spannende, aber unbequeme Aufgabe.
Wovor man sich hüten muss im Ökologiebereich: Man darf nie unbesehen, was irgend jemand über jemanden sagt, vor allen Dingen in kritisierender Absicht, einfach so übernehmen. Das betrifft nicht nur Gruhl. Die Aussage, dass er Kriege in Kauf nehmen würde, wie in tarantel Nr.31 zu lesen, ist sachlich nicht gerechtfertigt. Auch andere Punkte, die ihm rechtes Denken unterschieben, gehen völlig fehl. Man findet solche Stellen im Werk nicht. Da argumentiert jemand sehr nüchtern und vorausschauend. Man kann sich an seinem konservativen Familienbild stören oder auch an anderen Einzelpunkten und wird von ihm keine sozialistische Perspektive erwarten dürfen. Allerdings gibt es wohl auch keinen Politiker, der so vehement auf die Unmöglichkeit eines grenzenlosen Wachstums verwiesen hat und diesbezüglich dürften Linke wie Oskar Lafontaine, Gregor Gysi u. v. a. noch erheblich Lernbedarf haben. Lesenswert sind von ihm auch die Bücher "Himmelfahrt ins Nichts. Der geplünderte Planet vor dem Ende" (1993) und "Das irdische Gleichgewicht. Ökologie unseres Daseins" (1982).

Eine Seite weiter folgte dann folgende Kurzrezension:

Herbert Gruhl
Unter den Karawanen der Blinden
Schlüsseltexte, Interviews und Reden (1976-1993)
Die gesammelten Schlüsseltexte, Interviews und Reden des Philosophen und Umweltpolitikers Herbert Gruhl (1921-1993) geben Zeugnis von seinem Denken und politischen Wirken in führenden Rollen der sich formierenden Ökologiebewegung und ihrer Parteien. Dabei wird zunächst Gruhls Umweltklassiker 'Ein Planet wird geplündert' 30 Jahre nach seinem Erscheinen in Grundzügen authentisch in Erinnerung gerufen, dann durch weitere Aspekte ergänzt und in zeitgenössischen Interviews hinterfragt.
Peter Lang Wissenschaftsverlag, 275 S., 39,80 €

Auszug aus Ferst, Marko: "Plädoyer für eine ökologische Zeitenwende", in: Grüner Weg 31a, Sommer 2004 (S. 32 f., gesamter Text als .rtf)
In immer kürzeren Abständen verdoppelt sich die Bevölkerungszahl auf der Erde. Vor der 10-Milliarden-Marke wird das Bevölkerungswachstum kaum zum Erliegen kommen. Dies sind nur die dramatischsten Warnzeichen, wie wir die irdischen Belastungsgrenzen überrennen. ...
Der erforderliche ökologisch-soziale Strukturwandel müsste umfassender sein als alle vorhergehenden Umwälzungen und Reformen in der Menschheitsgeschichte. Der Wohlstand von drei, vier Generationen wird immer wahrscheinlicher mit Jahrhunderten Siechtum und Elend bezahlt werden. Am Ende könnten Opferzahlen stehen, die selbst das Quantum des Hitlersystems weit übersteigen, das Grauen der beiden Weltkriege in den Schatten stellen. ...
Eingerichtet werden könnte ein Ökologisches Oberhaus, demokratisch gewählt, das die langfristigen politischen Perspektiven festlegt und dem Bundestag und dem Bundesrat gegenüber weisungsbefugt ist.1 Es soll das Mensch-Natur-Verhältnis überwachen und gegenüber den anarchischen Partialinteressen der Gesellschaft die Maße ökologischer Begrenzung durchsetzen. Es ist der institutionelle Ausdruck, dass die Ökonomie und die soziale Ausstattung ein Untersystem des Naturhaushalts ist und Marktgesetze sich nicht gegen Naturgesetze zum Schaden der zukünftigen Generationen durchsetzen dürfen. Ins Ökologische Oberhaus würden keine Parteien gewählt, sondern es sollte sich über eine Personenwahl konstituierten. Für die Bewerber/innen wird u.a. mit Hilfe einer eigenständigen Arbeit nachzuweisen sein, dass sie für das Amt qualifiziert sind. Eine Kommission entscheidet mit Beteiligung der Öffentlichkeit, ob der Kandidatur im Vorfeld der Wahl stattgegeben wird. Zum Beispiel könnte ein Umweltverband Einspruch erheben, wenn anhand von Fakten nachweisbar wäre, dass ein Industrielobbyist ins Parlament will und die vorgelegte Arbeit nur schöner Schein ist.

1 Die ursprüngliche Idee stammt von Rudolf Bahro, der sie in "Logik der Rettung" erstmals vorstellte.

Weitere Verflechtungen

Rechte Ökologen und Internetseiten von ihnen oder über sie

Konservative Grüne

Reinhard Loske (2006): Einen Kulturgraben gibt es nicht. In: Frankfurter Rundschau: 29. März 2006, S. 7
Die Behauptung von Strauß, das Ökologische sei eher von wertkonservativer Seite in die Grünen eingebracht worden als von links, ist sicher zutreffend, auch wenn die Motive von Menschen wie Herbert Gruhl, Petra Kelly, Carl Amery oder Rudolf Bahro höchst unterschiedlicher Natur gewesen sein dürften. Eines freilich einte sie. Sie waren davon überzeugt, dass die damals vorherrschende Form von Wissenschaft und Technik die Naturzerstörung beschleunige, zu menschlicher Entfremdung führe und einseitig im Dienst blinden Wirtschaftswachstums stehe.

Konrad Lorenz

Auszug aus dem Spiegel 37/2003 (S. 164)
"Wir jubeln alle wie kleine Kinder", schrieb Lorenz in einem Briefwechsel mit dem Biologen Oskar Heinroth, als Hitlers Soldaten durch Wiens Straßen marschierten. Am 28. Juni 1938 stellte der Zoologe, was er bis zu seinem Tode abstritt, sein Ansuchen auf Mitgliedschaft in der NSDAP. "Ich war als Deutschdenkender und Naturwissenschaftler selbstverständlich immer Nationalsozialist" ...

Herbert Gruhl

Lobeshymnen in der rechtsextremen Zeitung "Junge Freiheit" vom 4.1.2008
Die liebende Verwurzelung in der Natur als Motivator und Träger politischen Engagements kam bei Gruhl in den 1970er Jahren zum Zuge. Diesen Antrieb teilte auch der langjährige Stellvertreter des Südtiroler Landeshauptmanns Silvio Magnano: der über fünf Jahrzehnte wirkende Landtagsabgeordnete Alfons Benedikter. Dessen Biographie beginnt in politischer Hinsicht mit einer Unterschriftensammlung des Jahres 1946, die die Ausübung des Südtiroler Selbstbestimmungsrechts zum Ziel hatte. Sie führt weiter über das Amt des Landesrates für Landschaftsschutz und das im Juli 1957 erlassene erste Landschaftsschutzgesetz Italiens. Auch der Bruch mit seiner politischen Heimat, der Südtiroler Volkspartei, wird aufgezeigt, um die Spuren zur Gründung der Union für Südtirol weiterzuverfolgen.
Die mit letzterem Ereignis einsetzende mediale Ausgrenzung ließ die junge Bewegung und ihre Leitfigur jedoch nicht davon abhalten, ihrem Programm den idealistischen Dreiklang von Ökologie, Regionalismus und sozialer Verantwortung voranzustellen. Die Wahl 1996 bescherte der jungen Partei mit 11,4 Prozent mehr als einen Achtungserfolg. Der Kampf gegen die Brenner-Autobahn, gegen Atomstrom-Zukäufe und die "grüne" Gentechnik blieben Benedikters vorrangige Umweltanliegen, ehe er sich 1998 mit 80 Jahren in den parlamentarischen Ruhestand begab.

Info zu NGOs und mehr

Gruhl-Anhänger, UÖD usw.

Gruhlisten, UÖD-Leute und Ex-Gründungs-Grüne auf einem Event einer Burschenschaft, der Bielefelder Ideenwerkstatt 2008:


Oben: Impressum der Internetseite zur Ideenwerkstatt. Unten: Referenten und ihre Vita.



Rechte Gruppen in ökologischen Bewegungen

AGFG - unterwegs unter anderem in Anti-Gentec-Zusammenhängen

Magazin "Umwelt & Aktiv"

Auszug aus Andreas Speit, "Brauner Ansturm ins Grüne", in: taz, 18.7.2008
"Gen-Kartoffeln auf dem Acker" und "Die Ergebnisse der Bali-Klimakonferenz": Die Umwelt & Aktiv schreibt über aktuelle Ökothemen zwischen gesunder Ernährung und artgerechter Tierhaltung. "Wir leben auch sehr umweltbewusst", sagt Claudia Laimer, Autorin der Zeitschrift, und versichert: "parteipolitische Interessen gibt es nicht". Sie betont das nicht ohne Grund. Denn die Umwelt & Aktiv steht der rechtsextremen Szene nahe. Und die Blut-und-Boden-Ökos wollen gerne unerkannt Einfluss auf die Umweltbewegung nehmen.
Deswegen wird Laimer auch recht still, wenn sie zum Trägerverein der Publikation gefragt wird, dem "Midgard e. V." Der Vereinsvorsitzende und Herausgeber, Christoph Hofer ist niederbayrischer NPD-Bezirksvorsitzender und -Kreisvorsitzender in Rottal-Inn. Robert Andreasch, Journalist und Rechtsextremismusexperte für Bayern, kennt ihn. Vor Jahren sei Hofer Mitbegründer des neonazistischen "Freizeitvereins Südbayern e. V.", der Rechtsrockkonzerte ausrichtete, erzählt Andreasch. Dem Vereinsregister ist zu entnehmen, dass Laimers Ehemann, Hans-Günter, Schatzmeister bei "Midgard" ist. 2003 kandidierte der für die NPD bei der Bezirkswahl in Passau-Land. ...
Deutlich rechtsextrem werden die Neonazi-Umweltfreaks nur selten. Im Editorial der allerersten Ausgabe Umwelt & Aktiv im Jahr 2007 schrieb Herausgeber Hofer einmal, für welchen Geist seine Zeitschrift tatsächlich steht: "Wir werden nicht länger jenen Menschen das Thema Umwelt- und Naturschutz überlassen, denen gar nichts an der Heimat liegt." Denn: "Umweltschutz ist nicht grün".

Ökologie, Esoterik und antiemanzipatorische Orientierungen in linken Gruppen

Offen nach überall ... Seilschaften über Grenzen hinweg

Beispiel Richard Schmid, neuland und Contraste
Monatlich liegt die "neuland" ausgerechnet dem sonst eher technokratisch-sozialistischem Blatt "Neues Deutschland" bei. Ist die Tageszeitung stark auf Parteilinie und marxistische Dogmatik ausgerichtet, stellt ihre Beilage eine interessante Mischung darf. Im Vordergrund steht die Werbung für Attac - auch da ist Chefbeilagen-Redakteur Schmid aktiv. Die Terminseite aber zeigt, was sonst noch zusammenkommt: ZEGG, Ökodorf Sieben Linden, gepaart mit marxistischen und Attac-Terminen.
Richard Schmid sitzt auch in der Redaktion der linken "Contraste". Als dort von anderer Seite vorgeschlagen wurde, dem zu Lebenszeiten ständig zu rechten und esoterischen Seiten offenen Erhard O. Müller einen Nachruf zu schreiben, gab es Kritik des damals auch in der Redaktion aktiven Jörg Bergstedt:

Ohne jetzt Leichen fleddern zu wollen - ich möchte aber doch darauf hinweisen, dass ich E.O. Müller aus verschiedensten Gründen für eine politisch äußerst fragwürdige Figur halte. Er hat unermüdlich für die Akzeptanz esoterisch und ökorechter Bezüge gekämpft - an den verschiedenen Orten, an denen er agierte.
Es sterben ständig Menschen und es betrifft immer die, die jemanden kennen, entsprechend. Aber eine emanzipatorische Politik hat EO Müller meines Erachtens nie vertreten. Daher wäre ich dagegen, ohne dass dies ein Veto darstellen soll. Wenn ich aber gefragt werde, würde ich sagen, dass ich dagegen war und ihn anders bewerte.

Das schuf Aufregung. Die sonst so lethargische Redaktion füllte die sonst so leere Mailingsliste. Wo die politische Debatte meist gänglich fehlt, ist Platz für die Verteidigung persönlicher Seilschaften. Harmlos waren noch einfache Beschimpfungen

Die Mail von Jörg finde ich unmöglich. Und ebenso unmöglich, dass niemand darauf reagiert! ...Jörg hat gefleddert!

Und Solidarität ohne weitere Gründe.

Einen Nachruf auf E.O. Müller fände ich sehr gut, gerade auch wenn er eine "politisch äußerst fragwürdige Figur" gewesen sein sollte.

Den Vogel schoss Richard Schmid ab. Der schrieb:

E.O.s Arbeit kann ich kaum beurteilen, habe ihn nur im GRÜNE LIGA-Zusammenhang und auch da nur indirekt kennengelernt, finde es aber aber absolut nicht ehrenrührig sich um die Akzeptanz esoterisch und ökorechter Bezüge zu bemühen. Wir Linke sind hier in aller Regel unterbelichtet und überängstlich und mehr Licht und weniger Angst ...

Niemand in der Reaktion griff diesen Satz an. Redaktionsmitglied informiert die Diskussions-Mailingliste über Vermischungen von rechten und linken Zusammenhängen (Querfront) über den Vorgang. Dort las wiederum Elisabeth Voss mit, die den Nachruf auf Erhard O. Müller vorgeschlagen hatte. Sie fand nicht den Satz von Richard Schmid kritisch, sondern die Tatsache, dass er außerhalb der Contraste-Familie diskutiert wurde. Rechtes Gedankengut ist akzeptabel - Hauptsache es bleibte unter uns.
Voss & Co. bliesen zu Sturm. Jörg Bergstedt wurde aus der Redaktion ausgeschlossen. Erhard O. Müller bekam seinen Nachruf. Und Richard Schmid darf sich weiter um "Akzeptanz esoterisch und ökorechter Bezüge" bemühen - in der Contraste, im Neuen Deutschland und bei Attac.

Rudolf Bahro Nachfolger

Rezension
Maik Hosang u.a.: Die emotionale Matrix
(2005, Ökom in München, 148 S., 19,80 Euro)
Ein verwirrendes Buch: Emotionen, im besonderen noch in ihren tiefen, intensiven Formen (nach Lesart des Buches) steuern wesentlich das Verhalten von Menschen. Daher müsse gesellschaftliche Veränderung dort ansetzen. Das würde dann irgendwie zur Bildung eines großen Ganzen (der rote Faden des Buches – es gibt irgendwas Höheres, dass durch die Einheit von Geist und Gefühl entsteht) führen, wodurch die Welt sich zur Nachhaltigkeit (ein Begriff aus der kalten Ökonomie) und zur „machtfrei-demokratischen Selbstorganisierung“ (Demokratie ist eine Herrschaftsform, wie kann die machtfrei sein? – Zitat auf S. 88) wandele: „Die Assoziation universeller Sinnbezüge wie Tao, Gott, Buddha, Allah etc mit intensiven Qualitäten von Mitgefühl bzw. Liebe befähigte die ‚Gläubigen’ oder ‚Wissenden’ dazu, sich sowohl von egozentrischen Impulsen als auch von geltenden, doch lieblosen sozialen Normen und Erwartungen zu befreien“. In zusammenhangloser Form sind einzelne Erkenntnisse der Wissenschaft z.B. zur Hirnforschung mit dubios esoterischen Verklärungen und dem ohnehin inhaltlich beliebigen Nachhaltigkeitsdiskurs gefüllt. Als Quellen dieser Gedanken werden vermeintliche Vorreiter der sozialen Ökologie benannt: der schwer esoterische Johannes Heinrichs oder der zumindest umstrittene Rudolf Bahro, während der international bekannteste Theoretiker einer Verbindung von sozialer und ökologischer Umgestaltung, Murray Bookchin, den Autoren offenbar unbekannt ist. Das mag daran liegen, dass Bookchin eine emanzipatorische Sicht auf die Dinge versucht – wofür Bahro-Schüler und Biedenkopf-Freund Hosang und seine Mitstreiter sicher nicht im Verdacht stehen.

Faschisten mit grünen Gewand

Weltbund zum Schutze des Lebens und Collegium Humanum

In der Gründungsphase der Umwelt- und Anti-Atom-Bewegung spielte der WSL eine große Rolle. Seine faschistische Gesinnung wurde offenbar übersehen. Zwischen Umweltverbänden und WSL gab es personelle Verflechtungen, z.B. zwischen dem BUND in seiner Gründungsphase als Bundesverband, die ohnehin von rechten Persönlichkeiten geprägt war (u.a. Herbert Gruhl). Der Rundbrief "Lebensschutz-Informationen" (LSI) kommt auch heute noch heraus - allerdings existiert der WSL nicht mehr. Träger des Rundbriefes ist nun das rechtsextreme Collegium Humanum in Vlotho - Bildungszentrum von Faschisten.

Auszüge aus der "Stimme des Wissens" 1/2008 (S. 12)
In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern meiner Berichte, sei das nun auf Deutsch, Englisch oder Französisch - vielleicht auch Spanisch? - ein gutes, vor allem gesundes neues Jahr, das uns weiterhin das Stehvermögen bescheren möge, das wir als Nationalisten, als Vaterlandsliebende in unseren jeweiligen Heimatländern benötigen, um den Kampf für Heimat, Volk und Vaterland fortführen zu können ... Günter Deckert

Auszüge aus "Zu den Landtagswahlen 2008" von Ursula Haverbeck (S. 16)
"... die NPD gehört nicht verboten, sondern widerlegt." Das klingt recht vernünftig, aber man kann nciht alles widerlegen, schon gar nicht, daß der völkischen Führerstaat, den wir nicht kennen, besser ist als die freiheitliche Demokratie, die wir nur zu gut kennen.
Demgegenüber lesen wir im Spiegel Nr. 10/2005 über den völkischen Führerstaat: "Zu den Begünstigten zählten 95% der Deutschen. Sie empfanden den Nationalsozialismus nicht als System der Unfreiheit und des Terrors, sondern als Regime der sozialen Wärme, als eine Art Wohlfühl-Diktatur." ... Weil es offenbar so schwer ist, das Wohlfühlen im völkischen Führerstaat zu widerlegen, deswegen wird immer wieder nach einem Verbot der NPD gerufen

Aus Nr. 2/2008 (S. 1)
Das jüdische Jahrhundert (Yuri Slezkine) und das Jahrhundert der Lüge (Hugo Wellems) fallen in eins zusammen, in doppelter Hinsicht: sie sind eine Einheit und zerbrechen gemeinsam.

Über das Collegium Humanum (S. 3)
Sie setzen sich seit vierzig Jahren für Umwelt- und Lebensschutz insgesamt ein, also nicht nur für Ameisenvölker, sondern auf für gefährdete Menschenvölker und dazu gehört das deutsche Volk. Es steht schon auf der Roten Liste.

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Etliche Texte und Zitate sind mit, andere ohne Namen - das liegt zum einen daran, wie wir die Texte bekommen haben, zum anderen können die, deren Texte hier abgedruckt sind, auch selbst bestimmen ... Mail genügt und der Name wird gestrichen bzw. hinzugefügt.

Buchtipps

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