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Ich bin dort zu einem kleinen Bündnis
eingeladen worden, mitzumischen. Das war alles sehr kurzfristig. Gleichzeitig
wusste ich von „meiner“ lokalen Anti-Atom-Gruppe (wo ich an den letzten
zwei Plena teilnahm), dass sie hinfahren wollte. Auf meine Fragen gab es
aber keine Antworten. So beteiligte ich mich an dieser kleinen Bündnisgeschichte.
Samstag morgen traf ich vor der Messehalle
ein, wo die Grünen waren. Zu meinem Erstaunen standen da andere Anti-Atom-Gruppe,
u.a. ebene die oben genannte aus der Nähe hier. Das hat mich schon
als erstes geaergert, dass hier mindestens Intransparenzen wieder mal Kooperationen
verhinderten, möglicherweise war die Trennung sogar bewusst (weil
mensch mit Projektwerkstatt oder mit Linksruck nicht zusammenarbeiten wollte).
Als wir kamen, führen die anderen deutschen Gruppen ausnahmslos weg!!!
(nur eine Soli-Gruppe, die gegen Rüstungsexporte protestierte blieb,
machte auch bei uns mit, beteiligte sich mit einem Redebeitrag usw.
„Unsere“ Aktion war zunächst eine
angemeldete Demo mit einigen Strassentheaterszenen und viel Parolen (am
griffigsten war wohl „Grüne zurück auf die Strasse! Grüne
zurück auf die Schienen!“). Da wir nur ca. 40 Leute waren und Regen
und an der Messe eigentlich auch kaum Leute sind, machte das wenig Sinn.
Dann aber entwickelte sich eine Dynamik, die mich im Nachhinein doch sehr
freut - und die auch in vielen Punkten sehr gut zeigte, wie Direkte Aktion
laufen und wirken kann. Die Gruppe ging massiv auf das Gebäude zu
und lieferte sich dann schon eine ganz ordentliche „Schlacht“ mit den Securities.
Ca. 15 Leute brauchen auch schliesslich durch (ich gehörte dazu, deshalb
kann ich berichten) und stand im Foyer mit Transpi und Sprechchören.
Daraufhin kam es zu einem massiveren Bulleneinsatz. Einige Basisgruene
gesellten sich zu uns und liessen sich mit raustragen. Draussen gab es
immer wieder Besprechungen und Entscheidungen, die Grünen reagierten
erst recht ablehnend und desinteressiert bis schliesslich Claudia Roth
und Bütikofer selbst rauskamen. Eine Einigung gab es nicht. In den
Debatten, die (nach anfänglichem Üben und auch einigen Diskussionen
darum) excellent transparent und basisdemokratisch ausgetragen wurden,
setzte sich sehr klar eine klare Positionierung gegen eine Akzeptanz der
Spielregeln von Delegationen usw. durch. Wir forderten die Grünen
auf, die Sitzung zu unterbrechen und zu uns rauszukommen - Gruene zurück
auf die Strasse.
Das war natürlich nicht mehrheitsfähig,
aber ca. 50 Gruene verliessen schliesslich den Parteitag und kamen zu einer
längeren Debatte, Ankündigungen von Widerstand usw.
Damit sind die Grünen nicht besser,
das war auch nicht der Punkt. Sondern die Symbolik der Aktion, sich nicht
integrieren zu lassen und auch mit 40 Leuten eine sehr deutliche Entschlossenheit
zu zeigen. Das ganze geschah unter massiver Pressepräsenz. Auch das
1x1 der direkten Aktion:
Aktion(en)-Erregungskorridor-Inhalte war
sehr gut umgesetzt ... es gab immer wieder spontane Redebeiträge und
inhaltliche Inputs. Insgesamt haben wir ca. 4 Stunden Aktion gemacht und
auf der Situation recht viel rausgeholt. Und wir haben sehr deutlich gezeigt
und auch in der internen, offenen Diskussion recht hohe Einigkeit erzielt,
dass wir unsere Spielregeln selbst machen und nicht die vom System oder
Teilen desselben setzen lassen. Das hat z.B. Roth und Bütikofer auch
ziemlich sauer gemacht (was ich gut und ein Zeichen fand, dass es auch
klar wurde).
Die Aktion ist ein weiteres Zeichen, dass
wir für gute Aktionen nicht auf Massenbewegung warten sollten. Jetzt
- das ist der richtige Zeitpunkt. Wichtig ist mir das auch noch aus
einem anderen Grund: Mit bei allem dabei waren viele Linksruckies aus verschiedenen
süddeutschen Basisgruppen. Wieder habe ich nicht mit allem übereingestimmt,
was sie gesagt haben. Und auch bei der Art, wie wir draussen diskutiert
haben, habe ich ein paar Kritiken eingebracht. Aber alle haben dann mitgemacht
bei der Idee solcher Entscheidungsfindungsprozesse.
DAS IST IN DEN STRUKTURLINKEN GRUPPEN
IN DEUTSCHLAND BEDEUTET SCHLIMMER. WENN
ICH DIE 3-4 FÜHRUNGSMACKERiNNEN IN
PHILIPPSBURG IN ERINNERUNG HABE, DANN KANN ICH NUR NOCHMAL SAGEN: LIEBER
MIT LINKSRUCK! Und nebenbei sind die noch druckvoller, kreativer, entschlossener
als die verbalradikalen Strukturlinken. Alles ist noch weit weg von
dem, wovon ich träume. Aber ich möchte mehr machen mit denen,
die wenigstens Lust haben, sich auf den Weg zu machen - und nicht versuchen,
mit Ab- und Ausgrenzungen, Langeweile und Verkrustung irgendwie die schlechte
Gegenwart auch in die Zukunft zu retten.
Die Aktion gegen die Grünen war nicht
so wichtig, von vorneherein nicht. Aber sie hat Lust gemacht auf mehr.
Fragt sich, mit wem alles. Wichtig sind nicht nur kreative und direkte
Aktionen, sondern auch der gemeinsame Prozess der Debatte und der Entwicklung
von Handlungsfähigkeit. Dass schon X-1000mal-Queris nachfragen, ob
es denn auch der Entwicklung von Aktionsfähigkeit was geworden ist
(Aufruf zum zur Direct-Action-Netzwerk), sollte uns zu denken geben, die
wir mit Umweltschutz-von-unten, DAN und Hoppetosse, Neolib und Prag2000
mal gestartet sind, Neues entstehen zu lassen. Von dem Sturm ist nur noch
ein laues Lüftchen.
Ich finde wichtig:
-
Bildung von Basisgruppen die eine theoretische
Debatte zu direkter Aktion, Erregungskorridoren und emanzipatorischen Positionen
und Visionen führen (bzw. mit bestehenden Gruppen darauf einsteigen
oder sich beteiligen)
-
Regionale Vernetzungen, Veranstaltungsreihen
-
Autonome Strukturen aufbauen oder sich daran
beteiligen (Zentren, Medien usw.)
-
Überregionale Aktionsfähigkeit erreichen,
Treffen organisieren usw.
Neben Castor und dem geplanten Direct-Action-Gathering
Pfingsten (was unbedingt mal ein paar mehr Leute braucht, die loslegen)
möchte ich weiteres Ereignis vorschlagen, eine überregionale
Aktionsfähigkeit und emanzipatorische Positionen zu schaffen: Die
UN-Konferenz zum Klima vom 16.-27.7. in Bonn. Dazu
weitere Informationen ...
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Redebeitrag
Hinter dem Castor steht das System!
Der Widerstand gegen den Castor gilt dem System!
Der Castor fährt nicht nur, weil Grüne
so schlapp sind. Weil Trittin und Schröder nur früher gegen die
Atomkraft kämpften, als sie wenig zu sagen hatten. Weil Gutachten
gekauft sind und überall Lügen und Betrug herrschen. Das alles
stimmt auch, aber es ist nicht der Grund.
Sondern: Der Castor kann rollen, weil
wir in einer Welt leben, in der es Herrschaft und Verwertungslogik gibt,
allen voran in der Form von Markt und Kapital.
Markt und Verwertung haben die Gesellschaft
und unser Leben bis in die letzte Ecke erfaßt. Alles wird verwertet,
alles der Logik von Verwertung und Profit unterworfen. Alles, was verwertbar
ist, wird verwertet: Arbeitskraft, Kreativität, Boden, Wasser oder
Luft, neuerdings die Gene, Krankheit und Gesundheit, Gedanken und Ideen.
Und eben auch irgendwelche herumstehenden Atomkraftwerke. Ohne Verwertungs-
und Profitlogik würde kein Castor fahren.
Aber er würde auch nicht fahren ohne
die Herrschaft, hier den Staat, der Verwertung und Profit sichert, aber
zudem eigene Logiken aufweist. Diese Facetten sind untrennbar mit der Herrschaft
und damit auch immer mit Regierungen und Institutionen verbunden. Es gibt
keinen guten Markt und keinen guten Staat. Eine dieser Logiken will ich
nennen: Herrschaft bedeutet die Möglichkeit, die Folgen eigener Entscheidungen
auf andere abzuwälzen. Und darum fährt der Castor. Müßten
Konzerne und Regierungen die Brennstäbe im eigenen Garten lagern –
es gäbe keine Atomkraft. Urangewinnung, Transporte, Uranverarbeitung
und Wiederaufarbeitung – nix gäbe es ohne die Existenz von Herrschaft.
Verwertung und Herrschaft, Markt und Staat
sind zwei Seiten derselben Medaille. Wer behauptet, sie stünden einander
gegenüber, hat eine falsche Analyse. Ohne die Büttel und ExekutorInnen
der Enteignung, der öffentlichen Meinungsmache, inneren Sicherheit
und sogenannten Rechtssprechung, ohne all diese Institutionen mit ihren
Paragraphen oder Knüppeln in der Hand wäre auch Profit nicht
möglich. Und der Castor würde nicht rollen.
Herrschaft und Verwertung, Staat und Markt
sind überall, sie sind die durchgreifenden Wirkungsmechanismen überhaupt.
In ihnen und mit ihnen gibt es nichts Richtiges im Falschen.
Und darum möchte ich aufrufen ...
-
zu einem Widerstand, der die Symbole angreift,
aber die dahinterstehenden Mechanismen von Herrschaft und Verwertung benennt.
-
zu einem Leben und einer Politik, die sich
lossagt von Staat und Markt. Sie sind keine Partner, sondern Gegner!
-
für einen politischen Stil, der in den
Menschen die Verbündeten sucht und findet, nicht in FunktionärInnen,
Parteien oder Institutionen.
Wir stehen hier vor dem Parteitag der
Grünen. Viele trauern den Grünen hinterher, erinnern an ihre
Wurzel und beweinen den Verlust der Glaubwürdigkeit. Diese Analyse
ist falsch. Es gibt keine Herrschaft ohne Kontrolleure und das Abschieben
der Folgen. Es gibt keine Marktwirtschaft ohne Verwertung und Profit.
Darum konnten die Grünen gar nicht
anders. Sie sind ein Teil der Herrschaftssysteme und daher sind sie nicht
nur den Machtmechanismen unterworfen – nein, sie reproduzieren sie selbst.
Sie sind nicht Opfer, sondern Täter. Allen, die Teil von Herrschaft
und Verwertung werden, würde das passieren. Und es passiert – überall.
Wo immer sich Firmen, die mit Idealen starten, auf den Markt einlassen,
werden sie selbst zu denen, die die Marktmechanismen durchsetzen. Wo immer
sich Gruppen oder Institutionen der Herrschaft bedienen, mit dem Staat
paktieren, reproduzieren sie deren Logiken selbst.
Nein, die Grünen haben keine Fehler.
Sie und alle anderen Teile der Herrschaft sind der Fehler. Und zwar von
Anfang an.
Es geht nicht darum, die Grünen aus
der Anti-Atom-Bewegung zu verabschieden, sondern sich von der Idee zu verabschieden,
daß emanzipatorische Politik mit Markt und Staat möglich sind!
Aus dem Widerstand verabschiedet sich
nicht erst, wer die letzten Ideale über Bord wirft, sondern wer selbst
zum aktiven Teil von Markt oder Herrschaft wird – oder zu deren Bütteln
und HelfershelferInnen.
Aber ich möchte noch etwas schlußfolgern:
Wenn Staat und Markt der Grund und der
Rahmen für Unterdrückung, Ausbeutung und Zerstörung sind,
dann können die von ihnen und zu ihrem Schutz gemachten Gesetze nicht
die unsrigen sein. Der Rahmen für unseren Widerstand kann nicht aus
den Spielregeln derer bestehen, gegen die sich unser Widerstand richtet.
Daher rufe ich auf zu allen kreativen,
direkten, inhalts- und einfallsreichen und für das Leben, vor allem
ein besseres und selbstbestimmtes Leben eintretenden Aktionen. Wählen
wir unsere Formen selbst. Zeigen wir die Direktheit und Vielfalt, die in
den Menschen auch tatsächlich schlummert, wenn sie nicht den Zwängen
von Verwertung und Herrschaft unterworfen sind.
Machen wir den Castor zu einer wirkungsvollen
Aktion gegen die Atomkraft, gegen die dahinterstehenden Logiken und für
eine Welt von unten. Stoppt Castor! Stoppt Herrschaft und Verwertung!
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