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Kreative Antirepression
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Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stecken, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Selbstmord treiben, einen in den Krieg führen. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten. Bertold Brecht

Antirepression – offensiv und phantasievoll!

Text aus dem DA-Kalender 2007

Widerstand zieht „Folgeerscheinungen“ nach sich, gerade dann, wenn er sich jenseits von vorgezeichneten Bahnen und ausgelatschten Protestpfaden bewegt: Eine davon ist Repression – damit gemeint sind alle Formen strukturell verankerter Unterdrückung, die sich gegen Normabweichungen richten. Zu den Repressionsorganen zählen Polizei, Gerichte, Staatsanwaltschaften, Knäste und Militär; alltäglich ist auch die Repression durch LehrerInnen in Schulen oder Erwachsenen gegenüber Kindern – vom Polizeiknüppel über Strafbefehle bis hin zum Wegsperren gibt es ein breites „Angebot“ repressiver Politik ...
Die Ziele von Repression liegen auf der Hand: Durch massives, gewaltsames und autoritäres Auftreten soll eine Einschüchterung erzielt werden. Angstmechanismen der Menschen werden wach gerufen. Angst vor Schmerzen, Angst vor finanziellen Konsequenzen, Eintragungen im polizeilichen Führungszeugnis oder Druck durch das soziale Umfeld. Bei jedem Menschen existieren verschiedenste - meistens durch die Umwelt und die Gesellschaft erzeugte - Ängste, die durch Einschüchterungsmaßnahmen gezielt geweckt werden sollen. Fehlverhalten wird bestraft, sanktioniert bzw. normgerechtes Verhalten gegebenenfalls gelobt. Dadurch wird via Lernprozess eine Norm gebildet, die weit über formale Regelwerke und deren Wirkung hinausgeht. Vorgesetze Regeln sollen nicht nur einfach eingehalten werden, weil Repressionsorgane existieren - sie sollen auch verinnerlicht werden.
Damit setzt Repression nicht erst dort an, wo Grenzüberschreitungen oder Regelverstöße getätigt wurden, sondern wirkt schon auf die Handlungen und die Ansichten von Menschen ein. Und das ist auch ein Ziel von Repression: Menschen kämpfen nicht mehr gegen Staatsorgane, Institutionen, Regeln und Gesetze, sondern immer stärker mit sich selbst. Der Staat braucht gar nicht mehr großartig aktiv zu werden, denn jede Überlegung wird von Normen sowie möglichen Sanktionen geleitet. Die Repression wirkt schon im Denken und erzielt große Erfolge in der Selbstbeschränkung der Menschen.

Kreative Antirepression als Gegengift

Kreative Antirepression will Menschen zu AkteurInnen machen und die weit verbreitete Ohnmacht durchbrechen. Es geht darum, Repression anzugreifen, zu demaskieren und lächerlich zu machen. Ziel ist es, offensive Strategien gegen Repression aller Art zu entwickeln und Mut zu machen, sich dieser immer wieder subversiv und kreativ entgegen zu stellen und eigene Ideen zu entwickeln. Das kann z.B. bedeuten, Repression bei der Planung von Aktionen mitzudenken und – als wäre sie Teil eines Theaterstücks – vorab einzubauen. Dabei geht es nicht darum, die Gegenseite militärisch zu schlagen, d.h. darauf zu hoffen, durch zahlenmäßige Überlegenheit auch mal eine Polizeikette zu durchbrechen. In dieser Logik kann Staatlichkeit mit ihren fast unendlichen materiellen und personellen Ressourcen nur gewinnen. Spannender ist es, subversiv zu denken: Wie kann Repression gegen sich selbst gewendet, ins Leere laufen gelassen oder für andere Zwecke verwendet werden? Gegenüber hierarchischen (Polizei-)Apparaten sind Frechheit, Überraschung & Wendigkeit das „Gegengift“.

Beispiel: Auf das Verbot sämtlicher politischer Demonstrationen während der NATO-Sicherheitskonferenz in München (2001) reagierte eine Gruppe mit der „Demo der Sprachlosen“ – mit leeren Transparenten, leeren Flugblättern und zugeklebten Mündern wurde das Verbot auf Meinungsäußerung sehr gewitzt angegriffen.

Ziel kreativer Antirepression ist es ...

Kreative Antirepression ist auch Kritik am Ist-Zustand politischer Bewegung, in der Repression intern weitergegeben wird. Einige problematische Tendenzen:

Möglichkeiten und Strategien

Kreative Antirepression kann in vielen Formen auftreten – ein paar sollen an dieser Stelle kurz angerissen werden:

Repressionsschutz und Antirepression verbinden

Repressionsschutz umfasst alle Strategien, die zum Ziel haben, Repression zu verhindern bzw. ihre Folgen abzumildern. Dazu gehört beispielsweise, bei nächtlichen Aktionen keine Spuren zu hinterlassen oder sich zu tarnen, um nicht kriminalisiert werden zu können. Oder z.B. vor Gericht PolizeizeugInnen so auszufragen, dass ihre belastenden Aussagen widersprüchlich und unglaubwürdig erscheinen. Repressionsschutz hat also seine Berechtigung, ist aber – wenn er alleine steht – eine rein defensive Strategie. Allerdings ist es möglich, diesen mit Antirepression zu verbinden. Beispiel: Bei Gerichtsverfahren kann eine offensive Nutzung rechtlicher Möglichkeiten eingesetzt werden, um dich formal zu verteidigen, aber auch, um politische Positionen zu beziehen und die Repression selbst anzugreifen. Insbesondere im Zusammenspiel mit einem – hoffentlich – subversiven und widerständigen Publikum können Angeklagte viel Spaß haben, ohne deshalb den Anspruch aufzugeben, entlastende Tatsachen aufzudecken usw.

Wichtige Hinweise und Gefahren

Kreative Antirepression ist ein Modus, eine bestimmte Denkweise, die überraschende Antworten auf Repression sucht. Daher kann es keine konkreten, immer gültigen Formen geben, sondern es bedarf der ständigen Weiterentwicklung bestehender Ansätze – auch, weil die Gegenseite sich mit der Zeit auf offensive Umgangsweisen einzustellen versuchen wird. Wichtig ist auch, immer eine (selbst-)kritische Perspektive zu wahren, um nicht z.B. aus Selbstüberschätzung in Polizei-Verhören doch verwertbare Aussagen zu machen. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass kreative Antirepression selbst wieder ein neues „Mackertum“ hervorbringt – z.B. dadurch, dass offensive Kommunikation als Norm vorausgesetzt wird und es als „uncool“ erscheint, sich ängstlich und unsicher zu fühlen. Deshalb sollte in der Praxis kreativer Antirepression mitbedacht werden, umsichtig zu handeln, aufeinander zu achten – und eine Atmosphäre zu schaffen, in der über Ängste vor Repression geredet werden kann.

Aktionen und Projekte

Projekte zu Antirepression:

Demorecht und -praxis

Weitere Internetseiten zu Antirepression

Aktionstipps (Berichte und Beispiele auf dieser Seite):

Polizei

Gerichte und Prozesse

Empfohlen von deutschen RichterInnen, z.B. Richterin Kopf vom Amtsgericht Schwäbisch Hall:
Richterin und Staatsanwalt hatten verständlicherweise wenig Lust, den Prozess „wie auf der Seite Projektwerkstatt.de“ (Zitat Richterin Kopf), wohl wegen offensiver Prozessführung.

Umgang mit Strafe

Schutz vor Polizei

Sicherheit und Überwachung

Tipps

Anti-Knast

Antipsychiatrie, Vormundschaften

Politische (Gesinnungs-)Justiz

Repressionsschutz

Tipps für Gerichtsverfahren

Innere Sicherheit und neue Überwachungspläne

Themen

Grundlagen

Beispiele

Allgemein zu Aktionen

Sogenannter Terrorismus

Weitere Repressionsfelder

Folter

Kampagnen & Aktionen:

Absurd: Pro Repression!

Terror als Legitimation

Was will kreative Antirepression bewirken?

Emanzipatorische Antirepressionsarbeit hat die Stärkung des/der Agierenden und die öffentliche Sichtbarmachung von Herrschaft und ihren Mitteln samt Visionen jenseits von Herrschaft zum Ziel. Aktionen in Repressionssituation, der Umgang auf Repression und Kontrolle oder auch die aktive Handlung an Orten der Repression soll die Kritik an Strafe, Autorität und Kontrolle vermitteln sowie für eine Welt ohne solche Unterdrückungs- und Normierungsformen werben. Daher ist die Vermittlung immer entscheidender Bestandteil von kreativer Antirepression. Nicht die Repressionsorgane selbst, sondern die BeobachterInnen bis Beteiligten an den Abläufen sind wichtig.
Für die Menschen, die kreative Antirepression nutzen, geht es zudem um die Stärkung ihrer Handlungsmöglichkeiten und ihres Rückgrats, das Abbauen von Angst und Unsicherheit. Um eigenständig zu handeln, braucht ein Mensch vor allem Wissen und Erfahrung. Die Aneignung kreativer Methoden im Umgang mit dem autoritären Staat durch Trainings und Seminare ist deshalb Grundvoraussetzung. Egal welches Gesicht uns der Staat gerade zeigt, wir üben unser Verhalten gegenüber Prügelbullen und Verhörbullen, Verfassungsschutz und Staatsanwaltschaft, Gericht und Knast.
Leider gibt es nicht nur sehr wenige Menschen und Gruppen, der sich mit kreativer Antirepression auseinandersetzen - auch etliche einflußreiche Personen aus den Eliten politischer Gruppen greifen die Idee bislang eher an. Mit ihrer Zurichtung des Verhaltens auf bestimmte Standards stützen sie eher die Normierung der Gesellschaft, gleichzeitig gehen viele Chancen verloren für öffentliche Aktionen. Denn Repression ist nicht nur eine Gefahr, sondern auch eine Chance. Wo sich Autorität und Gewalt von oben zeigt, kann sie thematisiert werden ... seien es kommunikativ, sichtbar, subversiv oder militant. Doch ob verstecktes Theater, Rollenspiel bei Festnahmen oder Aktionen gegen Überwachung - wichtig ist die inhaltliche Vermittlung von Kritik und Vision.

Grundlegende Probleme bei Strafverfahren

Denn der Wille, dagegen zu sein, bedarf in Wahrheit eines Körpers, der vollkommen unfähig ist, sich einer Befehlsgewalt zu unterwerfen; eines Körpers, der unfähig ist, sich an familiäres Leben anzupassen, an Fabrikdisziplin, an die Regulierungen des traditionellen Sexuallebens usw. (Sollten Sie bemerken, dass ihr Körper sich diesen >normalen< Lebensweisen verweigert, so verzweifeln Sie nicht - verwirklichen Sie Ihre Gaben!). Doch der neue Körper muss nicht nur radikal ungeeignet für die Normalisierung sein, sondern auch in der Lage, neues Leben zu schaffen. Aus: Hardt/Negri (2000), "Empire",  Kap. "Intermezzo: Gegen-Empire" (S. 227)

Unterstützung gegen Repression

Ihr braucht Tipps gegen Polizei, Staatsanwaltschaft, Justiz oder anderen Repressionsbehörden? Ihr sucht ReferentInnen oder Leute für Trainings/Workshops zum Thema? Dann könnt Ihr auch an die Antirepressions-Kontaktstelle K.O.B.R.A. wenden - oder auch dort mitmachen, wenn Ihr die Unverschämtheiten der Repressionsbehörden genauso satt habt wie die Langeweile vieler Gruppen, die dagegen arbeiten, aber doch meist nur den Betroffenen sagen, sie sollen nichts tun und das Maul halten. Nix da - frech sein, offensiv Repression attackieren, thematisieren, demaskieren ... und das möglichst ohne Fehler zu machen, die den Ordnungs-Wahnsinnigen in Robe oder Uniform helfen.

Direct-Action-Hefte

Kreative Antirepression

 - A5, 16 Seiten, 1 Euro (plus Porto)
 - Download als .pdf (auch zum Kopieren und Weiterverteilen!!)

Weitere Direct-Action-Hefte

Tipps zu Gerichtsverfahren, subversiver Kommunikation, Blockaden, Demorecht- und organisierung usw. sind weitere Themen von Heften.

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