Das Urteil des "Mega"-Prozess: 9 Monate ... ohne Bewährung
...
Nach einem 11-stündigen Prozess sind die beiden angeklagten Projektwerkstättler
gegen 19 Uhr von Richter Wendel mit unglaublichen Begründungen
zu 9 Monaten Haft ohne Bewährung bzw. zu 100 Tagessätzen a
10 Euro verurteilt worden. Die Angeklagten werden in Revision/Berufung
gehen. Die Stadt Gießen steht voller Polizei aus Angst vor Anschlägen.
Die Gerichtsgebäude waren während des ganzen Tages geschlossen
bis auf den stark gesicherten Haupteingang. Im Gebäude sicherte
die Licher Bereitschaftspolizei. Der
erste kurze Bericht zum Prozess ...
Längerer
Bericht mit Fotos
Ab hier die Vorankündigungstexte - also ein Rückblick:
15. Dez. 2003, 8.30 Uhr: Hauptverhandlung
Der Mega-Prozess hat endlich einen Termin: Montag, 15. Dez. 03, 8:30
h im Raum 100 A des Amtsgerichts Gießen, Gutfleischstr. 1 - nach
langer Wartezeit gibt es wieder viel Raum zur kreativen Auseinandersetzung
mit Justiz und Repression ... Ideen finden sich auf den Antirepressionsseiten!
- Aktuell: Noch eine Anklage hinzugekommen - der Faustschlag der Grünen
OB-Kandidatin Gülle soll Konsequenzen haben ... für den
Geschlagenen. Der wird jetzt wegen Beleidigung, Sachbeschädigung
und Misshandlung (!) angeklagt - wahrscheinlich als zusätzlicher
Anklagepunkt in demselben Prozeß. Gülle sowie die Polizeiobermacker
Weber und Schmitt (Staatsschutz) sind als Zeugen geladen. Mehr
unten ...
- Noch aktueller: Weitere Anklage von der Staatsanwaltschaft eingebracht,
aber vom Gericht bisher nicht übernommen ... plus ein Urteil
aus Frankfurt. Siehe unten und Indymedia-Bericht
...
- Aktion: Das Amtsgericht und die Staatsanwaltschaft Gießen
werden in der Nacht auf den 3.12.2003 angegriffen. Tags drauf und
auch noch Tage später sind viele Parolen und rote Farbe zu sehen.
Bericht ...
- Die Polizei fackelt nicht lange. Einen Tag später stehen Polizeihorden
und der Staatsschutz unter Leitung seines Chefs, Gerhard Puff, in
der Projektwerkstatt und durchwühlen die. Genauer
... (auch Infos zu weiteren Einschüchterungsversuchen seitens
Polizei und Justiz)
- Durchgedreht: Am 9.12.2003 findet abends eine Gedichtelesung auf
dem Amtsgerichtsgelände statt, welches öffentlich zugänglich
ist, verschiedene offene Spazierwege führen über das Gelände
der Justizbehörden. Die Polizei macht einen Kessel, kontrolliert
und verhaftet dann alle. Ihr Plan: Wegsperren für mehrere Tage,
um Ruhe in die Stadt zu bringen. Die Haftrichter machen aber nicht
mit. Bericht von Haft, Spontandemo dagegen usw. ...
- Irgendwann am Wochenende vor dem Prozeß (am Sonntag entdeckt):
Sprühereien an der Bullenstation in Grünberg und der Gallushalle
(wegen Anklagepunkt 12?). Fotos
und Bericht ...
Infotermine im Vorfeld
- Infoabend mit Gratisessen, Diskussionen, Planung von Aktionen und
passenden Filmen zu Gerichten, Knast, Strafe usw. am Freitag, den
12. Dezember ab 18 Uhr (ab 16 Uhr gemeinsam kochen) in der Projektwerkstatt
in Saasen
- Seminar "Kreative Antirepression" mit Übungen zu
Aktionen, Kommunikationsguerilla usw. bei Festnahmen, Personalienkontrolle
und natürlich vor Gericht am 12.-14.12.2003 in der Projektwerkstatt.
Freitag: "Offener Abend" in der Projektwerkstatt
Saasen
Offener Abend zum Thema "Kreative Antirepression" mit Informationen
über den bevorstehenden Prozeß gegen zwei Projektwerkstättler
am 15.12. in Gießen. Der Abend beginnt um 16 Uhr mit gemeinsamen
Kochen und den Austausch über laufende Aktionen, Informationen
und neue Ideen. Um 18 Uhr soll das Essen dann fertig sein. Zum Schmaus
gibt es die aktuellsten Informationen über den Prozeß am
Montag, 15.12., 8.30 Uhr im Amtsgericht Gießen (Raum 100a), siehe
dazu auch www.projektwerkstatt.de/antirepression/prozesse/anklage1.html.
Konkrete Aktionen können geplant werden, der Ablauf eines Prozesses
wird dargestellt. Wer Infos zum Prozeß sucht, sollte also spätestens
um 18 Uhr kommen. Anschließend ab ca. 20 Uhr geht es in den offenen
Teil: Je nach Lust und Laune kann weiter diskutiert oder geplant werden,
Filme zu Knast und Strafe sind vorhanden (u.a. "Das Experiment"
und "Hinter Gittern"). Wer über die Utopie einer repressions-
und strafefreien Gesellschaft diskutieren möchte, ist ebenfalls
richtig. Die umfangreichen Bibliotheken und Archive laden zum Stöbern
ein. Übernachtung und Rückfahrt nach Gießen per Bus
kurz vor Mitternacht sind möglich!
Hinweis: Am Samstag, 13., und Sonntag, 14.12. folgt am gleichen Ort
ein Seminar zu "Kreativer Antirepression" mit Infos zu Handlungsmöglichkeiten
bei Festnahmen, Personalienfeststellung, Behördenärger, Disziplinierung
in Schule, Uni oder am Arbeitsplatz, Überwachung usw. sowie konkreten
Planungen für kreative Gerichtsprozesse, denn am folgenden 15.12.
beginnt um 8.30 Uhr der Prozeß gegen zwei Projektwerkstättler
im Amtsgericht Gießen.
Infos und Anmeldung: 06401/903283, www.projektwerkstatt.de/saasen.
Aktionen im Vorfeld
- Gerichte und Amtsgericht attackiert ... Bericht auf Indymedia
- Polizei schlägt zurück: Hausdurchsuchung
und Beschlagnahmen in der Projektwerkstatt am 4.12.2003
- Lichterkette "Rettet den Rechtsstaat!" der Initiative
Sicheres Gießen am 4.12.2003 am Amtsgericht (Fotos)
- Lesungen auf dem Amtsgerichtsgelände am Dienstag, 9.12.2003
um 22 Uhr
Achtung: Seit der Attacke auf das Amtsgericht werden die Gerichtsgebäude
der Ostanlage/Kennedyplatz und die Behördenkomplexe am Berliner
Platz ständig von Polizeieinheiten beschützt. Das kann mensch
in Aktionen einbauen - und sollte es auch. Viel Spaß!
1. Presseerklärung direkt nach Bekanntwerden der Anklage
Angeklagte Projektwerkstättler: „Wir werden formal präzise
und politisch bissig sein!
Ca. 40 Ermittlungsverfahren, der Versuch einer U-Haft, mehrere Male
Polizeigewahrsam, mehrere kleine Hausdurchsuchung, Beschlagnahmen und
eine richtig fette Aktion gegen die Projektwerkstatt und ihre Einrichtung,
Observationen und mehr prägten die Monate von Sommer 2002 bis Frühjahr
2003. Aus allem ist nun ein umfassendes Gerichtsverfahren entstanden.
Die Anklageschrift wurde zwei Projektwerkstättlern
am 6. Juni 2003 zugestellt.
Die Anklagepunkt umfassen fünf verschiedene Vorwürfe. Unter
den Punkten 1-8 sind acht veränderte Wahlplakate auf dem Gemeindegebiet
Reiskirchen benannt. Eine zufällige Personenkontrolle in einer
Nacht im gleichen Ort soll als Beweis für die Sachbeschädigung
reichen. Als weitere Punkte sind das Aufhängen eines Transparentes
in der Giessener Stadtverordnetenversammlung, das Besprühen der
Grünberger Gallushalle vor einer Veranstaltung mit Ministerpräsident
Koch und zwei Verletzungen von Polizeibeamten in der Anklageschrift
zu finden. Besonders bei letzteren sind die Tatvorwürfe weitgehend
formuliert: Gefährliche Körperverletzung und Misshandlung
von Polizeibeamten. Die Projektwerkstättler halten dem klar entgegen:
„In beiden Fällen haben die Beamten geprügelt. Wenn
der als jähzorniger Schläger bekannte Staatsschutzchef uns
ins Gesicht schlägt und blöd genug ist, sich dabei zu verletzten,
können wir nur lachen!“ Auch im zweiten Fall wurde vor allem
der festgenommene Projektwerkstättler von der Polizei traktiert:
„Der Rest dient wohl zur Verschleierung“, mußmaßt
er daher.
Bei allem fällt sofort auf, daß die Polizei nicht viel ermitteln
konnte. So stehen die Anklagepunkte im Mittelpunkt, bei denen die Anklagebehörde
nicht auf Beweise, sondern auf ZeugInnenaussagen setzt. Hoffnung bei
sowas ist immer: Wenn mehrere PolizeibeamtInnen etwas sagen, stimmt
das auch. Egal wie widersprüchlich ...
Die vorgeworfenen Punkte können zu längeren Haftstrafen führen.
Doch davor haben die Angeklagten wenig Angst. Denn die Gerichtsverfahren
sehen sie als politische Aktion. Die Zahl der ZeugInnen dürfte
sich deutlich erhöhen, weil allein die Zahl der beteiligten PolizeibeamtInnen
deutlich größer ist. Zudem waren Polizeipräsident Meise,
Innenminister Bouffier sowie viele CDU-Führer anwesend und beteiligt.
Die Projektwerkstattler: "Auf die ZeugInnen dürfen wir uns
schon freuen. Wir führen einen formal präzisen und politisch
bissigen Prozeß. Das ganze ist eine gute Chance, den Polizeiapparat,
den Filz zwischen den drei Gewalten dieses Staates und die regierungsfreundlichen
Darstellungen in der Öffentlichkeit Stück für Stück
auseinanderzunehmen." Um ihre politische Absicht noch deutlicher
zu machen, fügen sie den Aufruf hinzu: "Laßt Euch nicht
einschüchtern und uns den Prozeß zu einer riesigen Aktion
machen. Aber dabei nicht vergessen, was sonst noch läuft - von
Aktionen, Demonstrationen in nächster Zeit in und um Gießen
bis zur Utopien-Zeltstadt Ende August, wo wir zeigen wollen, in welche
Richtung sich Gesellschaft entwickeln kann, wenn Herrschaft und Kontrolle
verschwinden!"
2. Presseerklärung am 28. November 2003
Faustschlag der Grünen OB-Kandidatin Gülle kommt vor
Gericht
Anklage wegen Misshandlung gegen den Geschlagenen!!!
Mit einem juristischen Paukenschlag wird das am 15.12.2003 vor dem
Giessener Amtsgericht (Beginn: 8.30 Uhr) beginnende Strafverfahren gegen
zwei Aktivisten aus dem Umfeld der Saasener Projektwerkstatt zusätzlich
politisch aufgeladen. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen einen
der Aktivisten. Dieser war am 23. August dieses Jahres in der Giessener
Fußgängerzone von der damaligen Oberbürgermeisterkandidatin
der Grünen, Angela Gülle, ins Gesicht geschlagen worden. Die
Brille des Geschlagenen ging damals zu Bruch, die vor Ort mit einem
massiven Aufgebot anwesende Polizei nahm daraufhin den Geschlagenen
sowie alle weiteren in der Nähe anwesenden Personen aus dem Umfeld
der Projektwerkstatt fest. "Das war eine klare Sache: Die hatten
den Befehl, in jedem Fall immer ProjektwerkstättlerInnen festzunehmen,
egal was passiert", erinnert sich einer der Festgenommenen an die
Vorgänge, die deutlich machten, wie stark in Gießen der Filz
zwischen Regierung, Polizei und den Medien ist. Der Giessener CDU-Bürgermeister
Haumann, der in Presseinfos mit "Law and Order statt Lust und Laune"
seine Politik anpries, umarmte nach dem Vorgang die Schlägerin
Gülle. Der populistische Stadtredaktionleiter der Giessener Allgemeinen,
Guido Tamme, goß weiter Öl ins lodernde Law-and-Order-Feuer,
als den Schlag von Angela Gülle für "moralisch und rechtlich
einwandfrei" bezeichnete.
Nun klagt die Staatsanwaltschaft das Opfer des Faustschlags an - er
hätte die Grüne Gülle "misshandelt". Was genau
damit gemeint ist, ist aus der Anklage gar nicht zu sehen. Klar wird
damit aber zweierlei: Die Staatsanwaltschaft stellt sich auf die Seite
der Giessener Politeliten und deckt deren Umgang mit öffentlicher
Kritik. Zudem wird aber der bevorstehende Protest weiter politisch aufgeladen
- denn ohnehin stehen dort ausschließlich politische Aktionen
vor dem Richter, in denen die Giessener oder hessischen Law-and-Order-Politiker
auf kreativen Protest stießen und mit oft gewalttätigen Polizeieinsätzen
beantworteten. Die Durchsuchung
und technische Zerschlagung der Projektwerkstatt am 10. Januar ist
bereits juristisch bewertet - sie war rechtswidrig. Ob das Verfahren
gegen die Aktivisten aus dem Umfeld der Projektwerkstatt jetzt mehr
Erfolg für die Giessener Regierenden bringt, ist offen. "Wir
klagen an - und zwar diese Politik des Law and Order, der sozialen Ausgrenzung
und der immer stärkeren Ausrichtung des Lebens aller Menschen auf
den Wahn von Sicherheit, Maloche und stromlinienförmigen Verhalten",
heißt es selbstbewusst von den Angeklagten. Direkt vor dem Prozeß
laden sie zu einem Infoabend (Freitag, 12.12., ab 18 Uhr) in die Projektwerkstatt
ein. Anschließend gibt es ein passendes Seminar zu kreativer Antirepression
im Tagungshaus der Projektwerkstatt.
Infoseiten im Internet: www.projektwerkstatt.de/antirepression/prozesse/anklage1.html
Kontakt für Rückfragen, Interviews ...: Projektwerkstatt,
06401/903283
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