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___Berufungsverhandlung__zweiter Anlauf_mit_viel__Zeit_für___Unfug 2. Fair..handlungstag: Mo., 21.03.05 9 Uhr, Landgericht Gießen (Ostanlage), Raum E 15 (EG) AblaufEigentlich sollte es heute um Wahlplakate gehen - nach dem turbulenten 1. Verhandlungstag wurde daraus aber nichts. Am Anfang standen wieder – vom Gericht abgelehnte – Unterbrechungsanträge und einige Pausen. Danach folgten politische Erklärungen der beiden Angeklagten, die sich gegen Justiz als solche richteten, aber auch detailliert die konkreten Gründe benannten, warum kein faires Verfahren zu erwarten ist. Und noch mehr Anträge. Nach der Mittagspause äußerten sich die Aktivisten zum Vorwurf der Sachbeschädigung an Wahlplakaten. Hintergrund WahlplakateAm Vormittag soll es also um Wahlplakateveränderungen gehen. In Reiskirchen wurden die Angeklagten in einer Nacht bei der Jagd auf Autoknacker durch Zufall kontrolliert. Veränderungen von Wahlplakaten bemerkten sie erst später. Der Zusammenhang wurde auch später abenteuerlich konstruiert. Sogar der völlig parteiische Richter Wendel aus der ersten Instanz musste zugeben im Urteil, dass ein Tatnachweis nicht zu erbringen sei. Verurteilt hat er die Angeklagten trotzdem, weil sie am Küchentisch der Projektwerkstatt mit den TäterInnen zusammengesessen hätten (worüber im Prozess nie geredet wurde ...). Mit dem Bundestagswahlkampf 2002 begannen die sehr umfangreichen und kreativen Veränderungen von Wahlplakaten in und um Gießen sowie in anderen Städten. Dabei wurden oft die Botschaften der Parteien geschickt verändert, um einen neuen Inhalt zu vermitteln. Die Verwandlung von "Ein moderner Kanzler für ein modernes Land" in "... für ein mordendes Land" war angesichts der kurz zuvor gelaufenen Kriege passgenau und unauffällig (siehe Foto). Insgesamt werden es Tausende Plakate gewesen sein, die im Bundes-, Landtags-, Bürgermeister- und EU-Wahlkampf verändert wurden. Erwischt worden sind nie irgendwelche Personen, bis heute ist unbekannt, wer genau wann und wo agiert hat. Vieles wirkte spontan, andere Sprüche gab es im Internet zu sehen und für weitere Verwendungen zum Herunterladen. Eine "Best-of"-Serie wurde auf dem Anti-Wahl?Mobil nach Art eines Karnevals-Umzugswagen nachgebaut. Dieser aber wurde beim ersten Einsatz von der Polizei "verhaftet" und in einem Wutanfall auf dem Polizeigelände zertrümmert. Die Kunstwerke sind bis heute verschwunden. Rückblicke, Fotos von vielen Plakaten, Hintergrundtexte und die Downloaddateien für Überkleber befinden sich auf Wahlquark - die Antiwahlseite. Berichte
Von Totenköpfen und riesigen Gebissen Zweiter Prozesstag im Verfahren gegen PolitaktivistenGIESSEN (hh). Das Dröhnen der Alarmanlage eines Autos hatte die Streife nach Reiskirchen geführt. Und dort trafen die Beamten auch zwei Personen an: den bekennenden "Berufsrevolutionär" Jörg Bergstedt und einen Bekannten. Doch offenkundig merkten sie sogleich, dass die beiden keinerlei Interesse an Autos hatten. "Die Situation war relativ entspannt", schilderte Bergstedts Begleiter. Wenngleich ihm die Beamten zunächst Handschellen angelegt hatten. "Aber die hatten keinen Schlüssel dabei." Deshalb habe er zunächst auch nicht befreit werden können. Das "Gewitzel" aber endete dann doch mit einer Strafanzeige. Wegen Sachbeschädigung von Wahlplakaten. Und unter anderem deshalb müssen sich die beiden seit vergangener Woche vor dem Landgericht verantworten. Dabei werden Bergstedt insgesamt acht Fälle von Sachbeschädigung vorgeworfen. Hinzu kommt Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in zwei Fällen, vorsätzliche und gefährliche Körperverletzung sowie Hausfriedensbruch und Beleidigung. Dafür war er vom Amtsgericht bereits im Dezember 2003 zu einer Haftstrafe von neun Monaten verurteilt worden. Gegen diese Entscheidung hatte er ebenso Berufung eingelegt wie sein 23-jähriger Mitangeklagter, gegen den wegen Sachbeschädigung in insgesamt neun Fällen und Hausfriedensbruch eine Geldstrafe von 1000 Euro (100 Tagessätze zu 10 Euro) verhängt worden war. (Quelle: Giessener Anzeiger, 22.03.05) ++ Abbildung rechts: Gießener Allgemeine, 22.03.50, S. 26)
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