Dach- und Wandbegrünung
Pflanzen können auf fast jedem Dach wachsen. Mit spezieller Technik hält das Substrat, in dem die Pflanzen wurzeln, auch dort, wo es sehr steil ist. Hier wird dann die Erde durch Einbau von Stufen oder Hakenreihen gehalten, die Pflanzen mit ihren Wurzeln tun ein übriges. Bei der Entscheidung für ein Grasdach muß allerdings zunächst geprüft werden, ob nicht das anfallende Regenwasser besser gespeichert und für Toiletten und Garten genutzt wird. Diese Maßnahme ist die wichtigere und sollte daher zuerst durchgeführt werden. Berechnungen ergeben schnell einen Überblick, welche Dachflächen an die Regenwassernutzung angeschlossen und welche begrünt werden. Grundsätzlich ist es günstig, vor allem flache und schwach geneigte für die Begrünung vorzusehen.

Eine Kombination von Grasdach und Solarkollektor ist ohne weiteres möglich, der Kollektor muß dann über der Dachebene liegen, also auf einer Trägerkonstruktion, die leicht zu bauen ist und von verschiedenen Kollektorherstellern auch angeboten wird.
Die Anlage eines Grasdaches
Die Fotos zeigen den Bauverlauf: 1. (rechts oben) Unterlagen aus Folien und alten Teppichen , 2. (links) fertiggestellt mit Wurzelschutzfolie, Pflanzsubstrat und aufgebrachten Sedum-Sprossen, aus denen das Grasdach heranwächst, 3. (rechts hochkant) kleines Grasdach in gleicher Bauart vor Auflegen der Trittgitter. 4. (links) das Grasdach ein Jahr später (August 2005).
Der Bau eines Grasdaches ist immer dann einfach, wenn die Statik des Gebäudes ausreicht, die Last zu tragen. Berechnet wird dabei eine Belastung mit dem Substrat, Wasser plus eventueller Schneeauflage. Extensive Dächer mit trockenheitsliebenden Pflanzenarten (Fetthenne, Mauerpfeffer, Thymian usw.) sind wesentlich leichter als solche Dächer, deren Vegetation auch begehbar sein soll (z.B. Rasendach). Die extensive, leichtere Form ist auf den meisten Unterkonstruktionen möglich. Wichtigstes Element ist die Wurzelschutz- und wasserabweisende Folie, die von beiden Seiten geschützt wird (Stoffvlies u.ä.). Auf ihr wird das Substrat eingebracht, zB ein Gemisch aus Lavaerde, Kompost und Kalk. Die Pflanzen werden beim extensiven Dach gesät und/oder gepflanzt, beim begehbaren Dach wird der Rasen ausgerollt bzw. auch einzelne Stauden oder Büsche gepflanzt. Zu einer Seite wird ein Überlauf eingebaut, entweder punktförmig oder in eine Regenrinne.
Aus ökologischer Sicht ist vor allem das extensive Dach sinnvoll, da es ohne Zufuhr zusätzlicher Stoffe und ohne Beregnung auskommt. Begehbare Teile müssen dort allerdings unbewachsen bleiben bzw. mit Holzlattenwegen oder anderen Konstruktionen gesichert w erden. Die empfindlichen Trockenpflanzen überleben einen intensiven Betritt nämlich nicht.
Grüne Wände
Gegen die Berankung von Wänden und Mauern spricht gar nichts, da hier die eventuelle Regenwassernutzung nicht konkurriert. Wichtig ist, daß die Wand vor einer Berankung überprüft und eventuell saniert wird. Risse sollten verputzt werden. Ist dann eine intakte Wand berankt, treten Risse kaum noch auf. Folgende Möglichkeiten sind denkbar:
- Spalierobst
Obstbäume werden direkt an die Hauswand gepflanzt und deren Äste an ein Rankgerüst angebunden. So wachsen diese nur direkt an der Wand. Die Äste können waagrecht geführt oder auch zu künstlerischen Formen gebracht werden. - Rankgerüst
Die meisten Rankpflanzen benötigen ein Gerüst, vor allem die nutzbaren Weinsorten. Das Rankgerüst muß fest in der Wand verschraubt sein und kann aus festem Draht oder Holzleisten bestehen. Neben den Weinsorten sind verschiedene Blütenarten bekannt: Clematis- und Knöterich-Sorten usw. Zudem wächst der Hopfen, der auch schattenverträglich ist. Selbstrankende Arten Einige Ranker benötigen keine Hilfe, sondern saugen sich mit ihren Füßen an der Wand fest. Bekannteste Arten: Wilder Wein (Sonnenseite) sowie Efeu (auch schattenertragend). Aus ökologischer Sicht sollte vor allem den heimischen Arten der Vorrang gegeben werden, da sich auf ihnen mehr Insektenarten ansiedeln können. Heimische Pflanzen dienen als Grundlage für die Nahrungskette, während fremde oder gez üchtete Arten oftmals von heimischen Tieren verschmäht werden. Besonders günstig ist, wenn die berankten Wände mindestens stellenweise Anschluß an Wildwuchsbereiche oder Gebüsche haben.
Kosten und Zuschüsse
Während Wandberankungen kaum Geld kosten (Pflanzmaterial kann gekauft oder auch selbst gezogen werden), ist bei einer Dachbegrünung mit einem Kostenaufwand von DM pro Quadratmeter zu rechnen. In einigen Gemeinden gibt es Zuschüsse. In der Stadt Gießen sind dabei sogar "himmlische Zeiten" angebrochen. Aufgrund der geringen Nachfrage werden Dachbegrünungen ab sofort mit 100 Prozent bezuschußt, wenn die Arbeit in Eigenleistung vollbracht wird. Wird eine Firma beauftragt, werden 50 Prozent der Kosten übernommen. In anderen Gemeinden sollte beim Umweltbeauftragten oder im Bauamt nachgefragt werden.
