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Regenwasser

Auf dieser Seite: Nutzen ++ Technische Details ++ Kosten

Nutzen, nicht weglaufen lassen!

Wassernotstand, Trockenheitsschäden rund um den Vogelsberg, Überschwemmungen flußabwärts ... das jährliche Krisenmanagement frißt Millionen von Mark und zeigt, daß die Wasserkreisläufe gehörig durcheinandergeraten sind. Woran liegt's? Durch die versiegelten Flächen (12 Prozent unseres Landes sind bebaut mit Straßen, Häusern und Industrie - Tendenz steigend!) fließt das Schmelz- und Regenwasser schneller als von Natur aus in die Fließgewässer. Die sind zudem begradigt und so kommt das Wasser aus großen Landesteilen als Hochwasserspitze zusammen. Eine Gegenmaßnahme heißt: Das Regenwasser auffangen, nutzen und so langsam wieder an die Kanalisation abzugeben. Das schont auch die Grundwasserreserven - und den Geldbeutel des Regenwassernutzers allemal.

Der folgen de Text zeigt, wie es geht. Das Regenwasser kommt von selbst, zwar nicht jeden Tag, aber doch so über das Jahr verteilt, wie es auch gebraucht wird. Im Sommer, wenn z.B. im Garten Wasser benötigt wird, regnet es auch am meisten. Zu lösen sind eigentlich nur zwei Probleme: Das Wasser muß gesammelt und zu den Verbrauchsstellen geschafft werden. Und es muß gespeichert werden können. Denn gerade im Sommer bringen Gewitter und Platzregen große Wassermengen, die so schnell gar nicht genutzt werden können. Auf der anderen Seite bleibt es oft wochenlang trocken.

Das Wasser sammeln

Interessant sind vor allem die Dachflächen. Mit Ausnahme von Grasdächern fließt das Wasser in der Regel schnell ab. Dort, wo die Fallrohre zur Erde gehen, können dieselben angezapft und das Wasser umgelenkt werden. Durch geschickte Planung können lange Rohrstrecken vermieden werden, wenn zB der Regenwasserspeicher in die Nähe eines der Fallrohre kommt oder die Dachrinnen am Dach im Gefälle geändert und das Fallrohr an die andere Seite gelötet bzw. gesteckt wird.

Hier ist am günstigsten, einen Plan zu zeichnen und diesen dann umzusetzen. Dann kann auch gut berechnet werden, wieviel Meter welchen Fallrohres benötigt wird. Der Abzweig von den Fallrohren sollte an möglichst wenigen Stellen erfolgen, da hier jeweils ein Filter einzubauen ist - und der kostet Geld (200 bis 800,- DM je nach Wassermenge und Filterqualität). Wenn alle Fallrohre an einer Stelle zusammengeführt werden können (an der Wand, im Keller oder unterirdisch), ist das gut. Die Rohre führen dann in den Filter und aus diesem zwei Rohre hinaus - das eine zum Speicher, das andere, das auch die Schmutzfracht (Sand, Blätter usw.) mittransportiert, wieder in die Kanalisation oder auch in einen Gartenteich, Sumpfbeet u.ä.

Der Speicher

Grundsätzlich sind drei Varianten möglich. Die erste bedeutet, einen vorhandenen Speicher zu nutzen. Viele Grundstücke verfügen noch über alte Zisternen, Klärgruben, Sickergruben u.ä. Diese können ausgepumpt, ausgeräumt und gesäubert sowie dann gedichtet werden. Der Zulauf vom Filter führt in diese Grube. Zudem muß ein Überlauf geschaffen werden, der bei Überfüllung das Wasser ab einem bestimmten Wasserstand wieder in den Kanal laufen läßt (einfaches Rohr auf Höhe des maximalen Wasserstandes). Die Nutzung einer Zisterne ist besonders dann praktisch, wenn diese leicht zu reinigen ist und in der Nähe der Fallrohre bzw. des Hauses liegt, in dem die späteren Wasserverbraucher (Toiletten usw.) stehen. Als zweite Möglichkeit kann ein Erdtank vergraben werden. Die Vorgehensweise ist ansonsten die gleiche. Der Platz sollte gleich sinnvoll ausgewählt werden. Als dritte Variante kommen Tanks im Keller in Frage. Standort wäre in unmittelbarer Nähe vom Fallrohr (bzw. dem Punkt, wo die Fallrohre zusammengeführt wurden), damit das Wasser in den Speicher und das Rest- bzw. Überlaufwasser wieder aus diesem herauskann. Denn auch ein solcher Speicher braucht einen Überlauf. Lassen die bestehenden Türen keine großen Speicher durch, so können mehrere kleine miteinander verbunden werden. Denken Sie daran: Der Speicher sollte ausreichend groß sein, damit das wertvolle Wasser auch aufgefangen werden kann. Für Einfamilienhäuser sind Größen zwischen 1000 und 2000 Liter sinnvoll.

Die Pumpe

Pumpe und Regelung ergeben zusammen ein Hauswasserwerk, daß ein kleines Wunder darstellt. Obwohl recht klein und auch nur zwischen 600 und 1500,- DM teuer schafft es wartungsfrei den gleichen Komfort wie ein Trinkwasseranschluß. Die Pumpe saugt das Wasser aus dem Speicher an und pumpt es zu den Verbrauchern. Ein Druckmesser mißt den Wasserdruck in der Leitung. Dieser ist in der Regel zwischen 2 und 3 bar, so daß das Wasser ähnlich dem Leitungswasserdruck aus Hähnen bzw. in die Toilettenspülkästen läuft. Wir d nun irgendwo ein Hahn geöffnet oder eine Toilette gespült, sinkt der Druck. Das registriert der Druckmesser und die Pumpe schaltet automatisch an. Nach Schließen des Hahnes baut sich der Druck neu auf und die Pumpe stoppt.

Zum Hauswasserwerk gehört noch ein Trockenlaufschutz, d.h. ein Schwimmer, der die Pumpe abschaltet, wenn Wasser fehlt. In gleichen Moment sollte dann der Tank mit Trinkwasser nachgefüllt werden, damit Toiletten usw. auch bei ausbleibendem Regenwasser funktionieren. Hier ist zu beachten, daß keine direkte Verbindung von Regenwasser und Trinkwasserleitung entstehen darf, um eine Verschmutzung des Trinkwassers auszuschließen. In der Regel wird daher eine Trinkwasserleitung mit Magnetventil oben an den Speicher geführt. Meldet der Schwimmer Wasserknappheit, so geht das Magnetventil auf und das Wasser fließt im freien Fall in den Speicher - bis eben der Schwimmer wieder reagiert und das Magnetventil schließt bzw. die Pumpe anschaltet.

Die Verteilung

Für die Regenwasserversorgung müssen die Verbraucher (Hahn für Garten und zum Putzen, Toiletten und eventuell Waschmaschine) eine gesonderte Zuleitung bekommen. Diese kann mit allen Stoffen erfolgen, die in der Sanitärtechnik bekannt sind. Schnell und einfach geht es mit PE-Rohren. Abzweigstücke, Anschlüsse und alles weitere sind im Baustoffhandel leicht zu bekommen. Um den Materialeinsatz (Kostensparen!) und die notwendigen Löcher und Schlitze in den Wänden zu minimieren, ist auch hier eine gute Planung notwen dig. Häufig liegen Toiletten und Naßzellen in Häusern neben oder übereinander. Dann kann die Leitung genau dort geführt werden.

Quanta kosta?

Im Selbstbau kann eine Regenwasseranlage sehr billig sein. Von Bedeutung ist die Frage, ob Speicher beschafft werden müssen. Das schlägt mit 1000 bis 4000,- DM zu Buche (je nach Größe). Insgesamt kostet eine Anlage im Selbstbau für ein Einfamilienhaus zwischen 5000 und 8000,- DM. Hierfür gibt es Zuschüsse - in der Regel über die Gemeinde. Diese liegen bei 50 Prozent und aufwärts. Hintergrund ist die Grundwasserabgabe, die inzwischen gezahlt wird, wenn Boden versiegelt wird. Hier sollte rechtzeitig nachgefragt werden, denn: Bezuschußt wird nur, was noch nicht begonnen wurde. Leider führt das häufig zu einer Verzögerung, die auch eine unnötige Grundwasserentnahme bedeutet, weil ja die Zeit der Trinkwasserentnahme verlängert wird.

Und sonst ...

Zuschüsse gibt es auch für alle, die auf andere Art das Grundwasser schonen wollen, z.B. durch Entsiegelung bisher versiegelter Hofflächen oder Parkplätze, durch Schaffung von Versickerungsmulden für bisher dem Kanal zugeführtes Regenwasser usw. Das kann vor allem für Landwirte und Gewerbetreibende interessant sein. Wichtig ist, sich bei der Gemeinde zu erkundigen. Eine informative Broschüre gibt es auch vom Hessischen Umweltministerium. Im Umwelthaus in Saasen (darin eingerichtet: die Projektwerkstatt) ist eine Regenwasseranlage zu besichtigen. Dort wird eine Zisterne genutzt und das Wasser von dort vom Hauswasserwerk angesaugt. Pumpen, die über dem Niveau des Wasserspeichers liegen, müssen selbstansaugend sein.

Die Anlage in Reiskirchen-Saasen, Ludwigstr. 11, kann besichtigt werden. Terminabsprache ist sinnvoll.