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Die Projektwerkstatt als Umwelthaus

Hinweis: Dieser Text erschien erstmals Mitte der 90er Jahre ... kann also nicht mehr auf dem allerneuesten Stand sein. Er und einige der anderen unten anklickbaren wurden für die regionale Politikzeitung "Widerhaken" verfaßt. Einige Aktualisierungen sind eingebaut. Zudem sind weitere Seiten hinzugekommen.
In jedem Fall aber gilt: Der umweltgerechte Ausbau der Projektwerkstatt besteht weiter, wenn auch nicht mehr alle Beschilderungen existieren und manche Raumgestaltungen verändert wurden - dennoch soll alles sogar noch ergänzt werden z.B. um eine Photovoltaik ... und wenn ein paar Menschen Lust haben, lassen sich auch die Aktenordner zu umweltgerechtem Bauen und die Beschilderung aktualisieren.

Sonne, Regen, bunte Farben

"In Saasen steht ein Ökohaus" texteten vor einigen Jahren ein paar Musiker den "Skandal im Sperrbezirk"-Song um. Damals war das Anwesen in der Ludwigstraße 11 aber noch weit davon entfernt. Inzwischen ist viel passiert - und der Song ein gutes Stück der Wirklichkeit nahegekommen: Solarkollektor und Holzgebläsekessel, Solarkocher und Solarstromanlage, Regenwassernutzung, Öko-Farben drinnen und draußen, Weichfaser-Dämmplatten und Altpapierfusseln als Dachdämmung, Recyclingtapeten und Naturlinoleum als Fußboden. Und vieles mehr ...
Für den "Widerhaken" ist all das ein Anlaß, mit einer Serie zum "umweltgerechten Haus" zu beginnen. Jede Ausgabe ein Thema, und jetzt zum Einstieg ein großer Überblick mit den Daten zum Umwelt-Modellhaus. Das steht in Saasen und kann jederzeit von jedermann/frau besucht werden!

Bild der ProjektwerkstattHerzlich willkommen!

Die ersten Informationen gibt es schon draußen im Hof. Einige Rankpflanzen, noch jung und erst vor einigen Monaten gepflanzt, beginnen die Wände emporzuranken: Efeu und verschiedene Weinsorten sowie eine violettblühende Clematis. Ein Hinweisschild erläutert den Sinn von Rankpflanzen. Sie sehen schön aus, sind Bienen, Vögeln und vielen anderen Arten eine Heimat, viele lassen sich nutzen (z.B. Weintrauben, Hopfen, Spalierobst) und alle schützen die Wand vor Regen oder Frost. In jedem Fall wirken sie sich günstig auf den Energiehaushalt aus: Im Sommer kühlen sie durch die Beschattung und das Verdunsten von Wasser, im Winter bremsen sie den kalten Wind an der Wand. Auf einer nur leicht schrägen Dachfläche entwickelt sich ein Trockenrasen. So bietet eine normalerweise für die Natur verlorene Fläche einen neuen Lebensraum.
Die Wandflächen des Haupthauses sind bunt angemalt, der Sockel und kreative Formen um die Fenster blau, die Wandflächen rostrot. Diese Außenfarben sind auf Silikatbasis hergestellt und umweltverträglich. In Arbeit sind zur Zeit die Fenster - auch sie sollen bunt gestrichen werden, mit umweltfreundlichen Decklacken. Drinnen in den Räumen sind weitere "Öko"-Farben zu sehen: weiße Tapetenfarbe, Abtön- und Heizkörperfarbe sowie Harz- und Hartöle für offene Holzflächen. Verschiedene Produkte von verschiedenen Firmen sind im Haus verwendet worden.

Der Weg ins Haus führt zunächst ins Treppenhaus. Dort findet man ein neues Symbol - den roten Daumen nach unten. "Falsch!" bedeutet das und beweist, daß auch im Umwelt-Modellhaus nicht umweltgerechte Materialien zu finden sind. Das kann drei Gründe haben und ist jedesmal erklärt. Entweder sind umweltbelastende Materialien schon vorhanden gewesen. Sie rauszureißen und auf die Müllkippe zu fahren, macht keinen Sinn. Es sieht dann zwar im Haus tadellos aus, aber tatsächlich belasten die Stoffe jetzt die Umwelt anderswo. Der Schein würde trügen. Ein zweiter Grund kann die Verwendung von Altmaterialien aus abgerissenen Häusern oder gar Stoffen, die andernorts im Container gelandet wären, sein (zB alte Fenster, Holz, Möbel - aufgearbeitet, aber öfter noch zB mit Farben, die in der Herstellung wenig umweltfreundlich waren). Und drittens passieren überall Fehler - auch im Umwelthaus. Die wurden nicht teuer verbessert, sondern dienen heute als Anschauung: "Hier hätte es besser laufen können!"
Ein solches Schild findet sich im Flur des Haupthauses. Die Stromkabel dort haben einen PVC-Mantel. Besser wäre PVC-freies Material gewesen, in Aufenthalts- und besonders den Schlafräumen dazu noch abgeschirmt gegen den Elektrosmog. Daran aber hatte niemand gedacht, viele der Elektromaterialien waren eine Spende und so finden sich heute die falschen Kabelsorten im Haus. Im übrigen kann hinzugefügt werden: PVC ist immer falsch - in der Herstellung entstehen viele Schadstoffe - und wenn es mal verbrennt, können Dioxine freiwerden.
Einiges weitere in Sachen Elektrik ist ebenso noch nicht überzeugend, weil noch nicht vollendet. Nur an wenigen Stellen finden sich Energiesparlampen. Gebacken wird noch mit Strom (gekocht immerhin schon mit Gas oder sogar einem Solarkocher) und im Sommerhalbjahr zieht ein Kühlschrank viel Strom (der ins Auge gefaßte Erdkeller bzw. der Verdunstungskühlschrank sind noch nicht verwirklicht).

Zum Thema "Solarenergie" aber gibt es viel zu sehen in und um die Projektwerkstatt. Auf dem Dach liegen knapp 11 Quadratmeter Sonnenkollektoren. Sie erzeugen aus dem Sonnenlicht Wärme. Das heiße Wasser wird in den Keller geleitet und erwärmt dort große, isolierte Speicher. Zum Duschen, Wäschewaschen (Zufluß zur Waschmaschine), Abwaschen, Putzen usw. kann das warme Wasser gezapft werden, an sonnigen Wintertagen unterstützt es auch die Heizung. Am Rand des Grasdaches steht ein Solarkocher. In ihm werden bei direktem Sonneneinfall Temperaturen bis 100 Grad und mehr erreicht. Das reicht zum Kochen. Wer genug Zeit hat, kann den Herd an Sonnentagen ganz ersetzen, sonst wird auf dem Herd das Essen auf die notwendige Temperatur gebracht, dann aber kann der Herd abgeschaltet und der Topf in den Solarkocher gestellt werden - ein einfaches Prinzip. Funktionieren tut der Kocher auch zum Dörren und Trocknen, als Vorwärmer für Teigansatz usw.
Schließlich kann man in der Projektwerkstatt auch noch Anlagen zur Solarstromgewinnung bewundern - neben üblichen Kleingeräten wie Taschenrechnern zB ein Akkuladegerät mit kleiner Solarplatte und ein Solarmodul, die die Elektrik des Umweltaktionsmobils mit Strom versorgen. Sie reichen, um Bühnen-Lautsprecheranlage, Musikinstrumente, Labor oder Computer im Umweltmobil mit Strom zu versorgen. Größer wird es auf dem Südostdach über der Umweltbibliothek, wo 35 Photovoltaikmodule Strom erzeugen (6,3 KW Maximalleistung).

Neben den Solaranlagen ist auch der zweite klassische, umwelttechnische Bereich in der Projektwerkstatt bereits verwirklicht: Das Wasser für Toiletten, Putzen und Garten stammt aus dem Regenwasser. Dieses wird von zur Zeit einem Teil der Dächer (weitere Regenleitungen werden noch gebaut) in eine unterirdische Zisterne geleitet. Von dort führt ein Saugschlauch zum Hauswasserwerk - klein, aber voll spannender Technik. Das Hauswasserwerk besteht aus einer Druckpumpe und einem Druckmesser. Die Pumpe läuft an und pumpt Wasser zu den Toiletten (immerhin drei Toiletten in den Gruppensanitärräumen der Projektwerkstatt und eine im Haupthaus) bzw. per Schlauch in den Garten oder zu einzelnen Zapfstellen. Dabei baut sie einen Druck auf. Ist ein Normwert erreicht, schaltet der Druckmesser die Pumpe ab. Wird dann irgendwo die Spültaste betätigt oder ein Wasserhahn geöffnet, fällt der Druck ab. Das merkt der Druckmesser und wirft die Pumpe an. Sie pumpt, bis der Druck wieder stimmt.
Sinn des Ganzen: Die Regenwasserzapfung ist genauso praktisch wie das Zapfen aus dem Hahn! Alle Teile der Regenwasseranlage sind zu sehen und mit Schildern erklärt. Wie bei den Solaranlagen liegen in der Projektwerkstatt (z.B. in der Bibliothek) umfangreiche Unterlagen vor, knappe Zusammenfassungen können InteressentInnen sogar mitnehmen.

Auf dem Weg durch die verschiedenen Räume der Projektwerkstatt fallen noch ein paar weitere technische Einzelheiten auf, sie sind ebenfalls an jeweils einer Stelle erläutert. Zu nennen sind die Thermostate, die die Temperatur in jedem Raum regeln, sowie die Fußbodenheizung im Vortragsraum. Sie schafft nicht nur Behaglichkeit, sondern soll auch demonstrieren, daß Fußbodenheizungen die Energie besonders gut ausnutzen, weil sie selbst bei niedrigen Temperaturen des Heizwassers noch gute Heizleistungen erbringen. Je niedriger aber die Temperaturen sein können, desto mehr der Energie wird ausgenutzt. Außerdem kann die Solaranlage für eine Fußbodenheizung eher die notwendige Leistung bringen (liefert sie z.B. 50 oder 60 Grad Wärme, so reicht das für Brauchwasser und eine Fußbodenheizung, aber nicht für normale Heizkörper).
Der Kessel zur Wärmeerzeugung steht im Keller und ist verbunden mit der Solaranlage, die ebenfalls Brauch- und Heizwasser erwärmen kann.

In vielen Räumen ist Holz zu sehen: Trägerbalken, Fachwerk innen, Regale, Profilbretter im Dach, Trennwände. Dabei fällt sofort auf, daß hier offenbar auch solches Holz verbaut wurde, was andernorts weggeschmissen wird - so zum Beispiel die Trennwände im Gruppenbad, die aus ehemaligen Paletten für Papierlieferungen gebaut und dann ganz bunt bemalt sind. Die meisten Holzflächen aber sind naturbelassen - gestrichen nur mit farblosen bzw. leicht farbpigmentierten Harz- und Leinölen. Diese Farben sind reine Naturprodukte und machen das Holz zum einen wasserabweisend, zum anderen verhindern sie das Grauwerden bei Lichteinfall. Geöltes Holz wird gelblich, ein angenehmer Farbton.
Umweltfreundliche Farben sind ohnehin konsequent zu sehen im Innenbereich. Die Wände sind mit verschiedenen Weißtönen gestrichen, teilweise haben Gruppen darauf Gemälde angebracht. Verwendet wurden Dispersionsfarben verschiedener Naturfarbenfirmen sowie deren Abtönfarbe. Heizkörper, Rohre und Fensterrahmen sind mit Naturharz-Decklacken in vielen Farbtönen gestaltet.
Unter der Farbe befinden sich Tapeten aus Altpapier bzw. Ungebleichte, andernorts als Restrollen angefallene Tapeten. Wo die Tapete fehlt, ist mit Gips oder mit einem Sand-Kalkhydrat-Gemisch die Oberfläche gestaltet und dann bemalt worden. Gerade das letztere ist ein guter Abschluß für Lehmwände und -gefache. Dieser Putz verhindert Staub und Auswaschen des Lehmes, andererseits ist er dampfdiffusionsoffen, d.h. der Lehm und das Fachwerk können immer wieder austrocken. Für die Haltbarkeit von Fachwerkhäusern ist das von großer Bedeutung. Zementputze würden genau den benannten Dampfdurchgang verhindern und führen so zur langsamen Zerstörung des Holzes.

Während die Grundmauern des gesamten Umwelthauses aus Natursteinen gemauert sind, findet sich im Erdgeschoß des Haupthauses ein Vollziegelmauerwerk mit Lehmmörtel. Überall anders herrscht Fachwerk - abgesehen von einigen Zwischengebäuden, die erst nach dem 2. Weltkrieg entstanden und zum Teil mit Blähbetonsteinen errichtet wurden, die schnell zerfallen und kaum Wärme speichern (kein baubiologisches Material). Teile der Gefache sind in früherer Zeit zerstört worden und mit Steinen ausgemauert. Sie sind in dieser Form belassen worden. Im Innenbereich der ehemaligen Scheune wurden neue Mauern aus Voll- und Lehmziegeln errichtet. Alle Ziegel stammten aus ehemaligen Mauern, die andernorts abgerissen wurden. So konnten einige Kubikmeter Bauschutt wiederverwertet werden. Wo neuer Putz aufgetragen wurde, wurde immer das Sand-Kalkhydrat-Gemisch bevorzugt.
Im großen Seminarraum mußte eine Brandschutzdecke angebracht werden. Dazu sind Gipsfaserplatten verwendet worden. Naturgips gehört zu den Materialien, die durch ihre Dampfoffenheit und geringen Ausdünstungen ein gesundes Raumklima schaffen.

Das Umwelt-Haus ist mit verschiedenen Materialien isoliert worden. Im Dach des Haupthauses und der Nebengebäude finden sich verschiedene Schichten:

Der letzte Blick ist zum Fußboden gerichtet. Dort sollen verschiedene Stoffe gezeigt werden, verwirklicht ist aber bisher nur in zwei Räumen der Naturlinoleumeinsatz. Dieses Material hat gleiche Funktionen wie das in vielen Häusern gebräuchliche PVC, das Chlor enthält, folglich in Herstellung und Entsorgung erhebliche Umweltprobleme aufwirft. Umweltgerecht sind noch Holzfußböden, die mit umweltfreundlichen Farben bzw. Wachsen behandelt werden, sowie Teppiche aus Naturfasern.

Die Projektwerkstatt ist ein offenes Haus, in dem Treffen, Besuche, Seminare (mit Tagungshaus!) und die Arbeit an Projekten möglich ist. Durch die Räume der Projektwerkstatt führt ein Lehrpfad. Er beschreibt gute und schlechte Beispiele in Sachen "Umweltschutz am Haus".

Die weiteren Texte (allgemeine Informationen und Hinweise zur Ausstattung des Umwelthauses):

Fotos der Projektwerkstatt