Vorschläge für konkrete Maßnahmen
Feuchtbiotope ++ Trocken-magere Lebensräume ++ Gehölze ++ Landwirtschaftliche Flächen ++ Dorf und Stadt ++ Küsten
Die folgenden Abschnitte enthalten einen kurzen Überblick über Einzelmaßnahmen in bestehenden Lebensräumen. Die Liste kann auch als Maßstab bei Neuanlagen genutzt werden, um festzustellen, auf welche Aspekte einzugehen ist.
Biotopschutz darf aber weder mit Hilfe dieser Liste noch durch die vielen Bücher und bunten Broschüren, die einfache Rezepte zur Lebensraumgestaltung nennen, zu einem "Basteln" werden. Das Herumarbeiten auf Restflächen, Anlegen von Lebensräumen ohne Vernetzung mit der Umgebung bzw das Umwandeln von einem Lebensraum in den anderen (Brache in Gehölz, Rain in Hecke, Feuchtwiese in Teich usw) hat nicht selten schon mehr Schaden gebracht als neue Lebensnischen geschaffen. Fast immer dient ein solcher Naturschutz mehr dem Vortäuschen von Aktivität und dem Beruhigen des Gewissens als einer tatsächlichen Verbesserung der Lebensbedingungen heimischer Arten. Der Blick auf den einzelnen Lebensraum und die dort notwendigen Maßnahmen darf erst am Schluß einer umfassenden Naturschutzplanung erfolgen. Dann aber ist es wichtig, auch die Details zu untersuchen und Verbesserungen anzustreben, wo immer das möglich ist. Dafür bietet die folgende Liste eine Hilfe - ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Einschlägige Fachbücher zum Biotopschutz sind so nicht ersetzt.
Maßnahmen in Feuchtbereichen
Bäche
- Breite Uferstreifen beidseitig
- Uferstreifen auch innerorts
- Keine künstlichen Befestigungen
- Ufer mit Gehölz oder Röhricht
- Pflege vorhandener Kopfbäume
- Entfernen aller Rohre im Verlauf
- Stoppen aller Verunreinigungen
- Renaturierung begradigter Bäche
- Zulassen von Uferabbrüchen und Dynamik
- Rückbau von Wehren, Stauen, Schwellenrenaturierung des gesamten Talraumes
Flüsse
- Breite Uferstreifen beidseitig
- Feuchtwiesen oder Auwald angrenzend
- Stoppen aller Verunreinigungen
- Schaffung von Überflutungsraum
- Renaturierung der Altarme
- Renaturierung des gesamten Talraumes
Ried und Röhricht
- Schutz vor Viehverbiß und Zertritt
- Stopp von Entwässerungen
- Saumstreifen zu gedüngten Flächen
- Schutz vor Störungen
- Verhinderung des Zuwachsens
- Eventuell extensive Pflege/Nutzung
- Zusatzstrukturen am Rande (Teiche, Gebüsch)
Feucht-Grünland
- Extensive Nutzung per Vertrag
- Stopp aller Entwässerungen
- Saumstreifen zu Feuchtbiotopen
- Zusatzstrukturen (Teiche, Gebüsch, Röhricht)
Hochmoore
- Stopp weiteren Abbaus
- Entfernen befestigter Wege
- Wiedervernässung und Schutzausweisung
- Feuchtwiesen und -gehölze rundherum
Bruch- und Auenwald
- Stopp aller Entwässerungen
- Breite Randstreifen zu genutzten Flächen
- Pflege vorhandener Kopfbäume
- Entfernen von Nadelbäumen und Hybridpappeln
- Schutz vor Störungen
- Überlassung als Naturwald
- Neuanpflanzung an geeigneten Orten
Tümpel, Teich und Weiher
- Schaffung breiter Randstreifen
- Pflege vorhandener Kopfbäume
- Entfernen von Nadelbäumen und Hybridpappeln
- Stopp von Verunreinigungen
- Vernetzung über Bäche, Raine, Hecken
- Entfernen von Müll und Schutt
- Schutz vor Viehverbiß und Zertritt
- Neuanlage in Niederungen
- Zum Weiterlesen: Janisch, Jörg: "Biotopanlagen nach artspezifischen Gesichtspunkten am Beispiel der Amphibien"
Seen
- Gesamter Schutz kleinerer Seen
- Sonst: Abschirmung genutzter Bereiche
- Schutz des Ufers vor Wassersport
- Stopp von Verunreinigungen
- Breite Ufersäume (Wald, Röhricht, Grünland)
Maßnahmen in trocken-mageren Bereichen
Trocken-, Halbtrocken und Magerrasen
- Extensive Nutzung per Vertrag
- Zonen für Gehölz-Selbstentwicklung
- Randstreifen zu genutzten Flächen
- Entfernen aller Ablagerungen
- Schutz vor Störung, Befahren, Zertritt
- Pflege vorhandener Obstbäume
- Auf passenden Flächen Obstbaumpflanzungen
Weinberge
- Naturnahe Bewirtschaftung
- Krautunterwuchs durchgehend
- Trockenmauern, Natursteinwege und -treppen
- Naturnahe Strukturen in der Fläche
Trockenwälder und -gebüsche
- Krautstreifen, Gebüschsaum um Wald
- Schutz vor Störung und Viehverbiß
- Entfernen von standortfremden Bäumen
- Selbstentwicklung am Rand von Magerwiesen uä
- Sporadischer Gehölzrückschnitt auf Teilflächen
Kies- und Sandgruben, Steinbrüche
- Belassen/Herstellen vielfältiger Kanten
- Schutz/Schaffung von Steilwänden
- Schutz vor Störung und Befahren
- Entfernen von Ablagerungen aller Art
- Randstreifen an Hangoberkanten
Maßnahmen in Wäldern und Gebüschen
Wald
- Naturnahe Waldwirtschaft
- Verzicht auf Dünger, Gift, Pflügen
- Kernzellen als Naturwald
- Rückbau befestigter Wege
- Entfernen standortfremder Arten
- Selbstentwicklung auf Kahlschlägen
- Alt- und Totholz
Waldsaum
- Breite Kraut- und Gebüschzone
- Extensive Mahd und Gehölzpflege
- Verbindung zu Hecken
- Wege am Wald als Graswege
Hecken
- Neuanlage, wo immer möglich
- Breiter Gehölzbereich (mehrreihig)
- Breite Krautstreifen beidseitig
- Schutz vor Viehverbiß, Befahren, Zertritt
- Entfernen standortfremder Arten
- Einzelstamm- oder Abschnittspflege
- Zusatzstrukturen entlang der Hecke
- Überhälter, d.h. große Bäume in der Hecke
Download der Veröffentlichung "An jede Ecke eine Hecke" mit Tipps zur Anlage und Pflege von Feldhecken
Feldgehölze
- Neuanlage auf Restflächen
- Gestufter Aufbau mit Buschsaum
- Breiter Krautsaum rundherum
- Entfernen standortfremder Arten
- Erhalt von Alt- und Totholz
Einzelbäume und -büsche
- Krautfläche um Stamm wie Kronendurchmesser
- Schutz vor Anpflügen und Beschädigung
- Vernetzung über Hecken, Raine
Maßnahmen auf Acker- und Grünland
Acker
- Naturnahe Bewirtschaftung
- Schutzstreifen zu umgebenden Lebensräumen
- Blütenreiche Ackersäume ohne Spritzen/Düngen
- Hangparalleles Pflügen
- Erhalt von Kleinstrukturen
- Mehrjährige Ackerbrachen
Grünland
- Naturnahe Bewirtschaftung
- Schutzstreifen zu umgebenden Lebensräumen
- Erhalt von Kleinstrukturen
- Bäume und Biotope in der Fläche
- Aussparen wertvoller Bereiche
Gras- und Krautstreifen, Raine
- Anlage entlang aller Wege und Grenzen
- Schutz vor Befahren, Zertritt, Pflügen
- Extensive Pflege/Mahd
Download einer Veröffentlichung mit Tipps zur Anlage und Pflege von Feld- und Wegrainen
Wege
- Wenig genutzt: Gras- und Erdwege
- Mehr genutzt: Spurbahnwege
- Krautstreifen oder Hecken beidseitig
- Brücken statt Verrohrung über Bäche
Kooperation von Naturschutz und Landwirtschaft
- Projekt "Faire Milch" mit integriertem Umweltprojekt
- Blühstreifen
- Naturschutzberatung für den ökologischen Landbau
Maßnahmen in Dorf und Stadt
Gärten und Grünanlagen
- Selten oder nie betretene Flächen in Blumenwiesen, Wildwuchszonen, Brach- und Gebüschflächen wandeln
- Standortheimische Gräser-, Blumen- und Gehölzarten pflanzen, möglichst aus Samen der Region
- Natürliche Landschaftsprägung erhalten oder, wenn möglich, neu herstellen (Feuchtigkeit, trocken-magere Prägung usw.)
- Obst- und sonstige Baumarten bevorzugt mit Ansatz zu Höhlenbildung
- Alt- und Totholz, Laub und Reisig an geeigneten Stellen belassen
- Renaturierung aller natürlich vorkommenen Biotope (Bäche, Tümpel, Abbruchkanten, trockene oder Felsbereiche usw.)
- Verzicht auf künstliche Stoffe wie Pestizide, Kunstdünger usw.
- Abbau von Barrieren zur Umgebung (keine oder durchlässige Zäune, Mauern überwindbar machen und/oder beranken usw.)
- Naturnahe, möglichst aus der Region stammende Blumenwiesenmischungen (selbst an Wiesen sammeln oder über Firmen wie diese oder diese - dies ist keine Empfehlung aus eigener Anschauung)
Mauern und Dächer
- Begrünung mit (möglichst standortheimischen) Rankpflanzen, Grasdächern usw.
- Nistmöglichkeiten für Schwalben und andere Vögel, Fledermäuse, Insekten usw. an Wänden, unter Dachüberständen und in ungenutzten Dachböden
- Kleinhalten der überbauten Fläche, Entsiegelung oder offene Pflasterung sonstiger Flächen
- Regenwassernujtzung oder -versickerung
Gesamter Ort
- Großräumige Verbundsysteme erhalten, z.B. Bäche und Flüsse durchgehend offen, naturnah und mit breiten Überstreifen, ebenso trockene Hänge,Wälder usw. miteinander in Verbindung lassen/bringen, wo dies der natürlichen Situation entspricht
- Verringerung des Energie- und Materialinputs sowie des Müll- und Abfallstoffeoutputs
- Reduzierung der Flächenversiegelung, versiegelungsarme Verkehrskonzepte, Verringerung der Entfernungen zwischen Wohnungen, Arbeitsstätten, Einkaufs- und Freizeitbereichen
- Rückbau von Barrieren in der Biotopvernetzung
Maßnahmen an Küsten
Watt und Salzwiesen
- Schutz vor Störungen
- Unterbinden von Schadstoffeinleitungen
- Ausweisung großer Schutzgebiete
- Abgeschirmte Lehrpfade und Aussichtsflächen
- Verhindern neuer Eindeichungen
Sandstrand und Dünen
- Ausweisung ruhestörungsfreier Strandbereiche
- Schutz aller Dünen, nur wenige Durchquerungswege
- Wiederbepflanzung zerstörter Dünenbereiche
- Verlegen von Freizeiteinrichtungen in das Binnenland
Brackwasser
- Vollständige Ausweisung als Schutzgebiet
- Schutz auch breiter Uferstreifen
- Entfernen von Verfüllungen und Müll
- Unterbinden von Schadstoffeinleitungen
- Wo nötig: Wiederzulassen des Wasseraustausches mit dem Meer
