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Antisemitismus

Auf dieser Seite: Quellen ++ Geschichte ++ Beispiele ++ Für oder gegen Israel? ++ Vergleiche ++ Links

Quellen des Antisemitismus

Christentum

Aus der Bibel: Titus 1,10-11
[10] Denn es gibt viele Ungehorsame, Schwätzer und Schwindler, besonders unter denen, die aus dem Judentum kommen. [11] Diese Menschen muß man zum Schweigen bringen, denn aus übler Gewinnsucht zerstören sie ganze Familien mit ihren falschen Lehren.

Hinweis: Die folgenden Texte stellen Positionen verschiedener Personen dar. Es ist keinerlei Aussage über eine gemeinsame Position der Menschen, die diese Seite betreuen oder irgendwelcher Zusammenhänge, die hier benannt weden. Jeder Text steht für sich.

Geschichte

Fallbeispiele und Texte

Im Original: Zitate aus politischen Gruppen ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus dem Aufruf "Aufbruch - anders besser leben" (Quelle)
Im Grunde möchten wir gesund an Leib und Seele leben, denn nur das ist zukunftsfähig. ...
Wir möchten im Grunde nachhaltig leben, denn nur das ist zukunftsfähig. ...
Aber wir können uns auf diesem Weg weiterentwickeln, unsere Kreativität entfalten, Spaß haben, neuen Genuss entdecken und verschüttete spirituelle Weisheiten wieder entdecken. ...
Neben sozialen und ökologischen Werten spielen Orientierungen an Spiritualität und innerem Wachstum eine herausragende Rolle. Die meisten dieser Menschen fühlen sich allerdings gelähmt, weil sie meinen, sie seien isoliert, ohnmächtig und viel zu wenige. Dieses frustrierende Gefühl kann durch Kommunikation und Vernetzung überwunden werden.
Es gibt darüber hinaus auch organisierte weltweite Aufbruchs-Bewegungen:
Der "Konziliare Prozess" für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung hat weltweit christliche Kirchen und Gruppierungen erfasst. Die Umsetzung der Agenda-21-Ziele (von der UN-Konferenz 1992 in Rio de Janeiro) reicht bis hinunter auf die kommunale Ebene. Die großen nicht-staatlichen Organisationen (NGOs), die Erd-Charta-Bewegung, das Welt-Ethos-Projekt der Weltreligionen werden von Millionen Menschen unterstützt.
Besonders ermutigend ist der große Zulauf zu dem internationalen Netzwerk Attac.


Aus dem Abschnitt "Handlungsschritte" des Aufrufs (Quelle als PDF)
Von materiellen Werten zu spirituellen Werten - für eine ganzheitliche Geisteshaltung
Wir können ... uns Zeiten und Räume der Stille schaffen und für Abstan von der alltäglichen Reizüberflutung, von Hektik und Stress sorgen. Mit regelmäßigen Übungen z.B. von Meditation, Gebet, Yoga, Qi Gong, Autogenem Training, Eurythmie o.ä. können wir Körper, Geist und Seele Gutes tun. ...
  • den extremen Individualismus der Neuzeit überwinden, indem wir uns dessen bewusst werden, dass wir mit anderen Menschen, mit allen Lebewesen, mit Luft, Wasser, dem Planeten Erde und der Energie der Sonne unauflöslich verbunden sind. Solches Bewusstsein weckt in uns große Dankbarkeit, lässt uns umfassendes Glück erfahren und führt uns in tiefe Liebe zu Menschen, Tieren, Pflanzen und allem, was ist. ...
  • Durch die vielen Möglichkeiten von Mediation, Supervision, Selbsterfahrung und Therapie wollen wir uns unterstützen lassen bei der Heilung und Vertiefung unseres Selbstverständnisses und unserer Beziehungen.
  • unser Verständnis von Glück und Sinn nicht mehr von Einkommen und Besitz bestimmt sein lassen, sondern von nicht-materiellen Werten wie Liebe, Freude, innerer Frieden, Schönheit, Sinnlichkeit. Aber auch Schmerz, Krankheit und Sterblichkeit wollen wir in unser Verständnis von Leben einbeziehen.
  • uns zurückbesinnen auf die wertvollen Elemente der christlichen Religion oder der abendländischen Philosophie; wir können ebenso von nicht-europäischen Geistestraditionen und von allen Religionen lernen, insbesondere von der mystischen Spiritualität, an der fast alle Religionen Anteil haben.
Aus dem "Selbsttest" (Quelle als PDF)
Der nachfolgende Selbsttest - niemand fragt Sie nach Ihrem Ergebnis! - will dazu Anregungen geben. Und vielleicht gibt er Ihnen sogar einen Kick für weitere Veränderungen Ihrer persönlichen Lebensweise? ...Am Ende dieses Selbsttestes können Sie alle Gebiets-Summen in
der Senkrechten addieren, wobei das Maximum von 1000 Punkten sicher niemand erreichen kann (schon weil es manchmal um parallele Alternativen geht). Viel Spaß und Inspiration dabei! ...
7.Geist und Seele: Informationsflut reduzieren bei Zeitungen, Zeitschriften, Radio, Fernsehen, im Internet (10/20); Yoga, Qi Gong o.ä. praktizieren, Meditation oder andere religiöse Praxis (10/20), Naturerfahrung suchen (10/20), Musik, Bildende Kunst, Theater, Literatur selbst ausüben oder genießen (10/20), zum Neuen Bewusstsein Bücher lesen, Seminare besuchen (10/20) ...


Quelle (als PDF)
Stephan Hübner*: Nachhaltige Lebensweise – wie wird sie lebendig?
Aufgabe der Eltern- und Großelterngeneration ist es, den Jugendlichen ein Vorbild bzgl. eines nachhaltigen Lebensstils abgeben und ihnen deutlich zu machen, dass wir sie nicht alleine lassen werden mit den Problemen, die unsere Generationen geschaffen haben. ...
Wir können versuchen, Jugendliche wieder zu verwurzeln, sie Gemeinschaft erleben zu lassen, Verbindung zu schaffen, Naturerfahrung und – abenteuer zu ermöglichen, Heiligkeit und Segen erfahren zu lassen und Dankbarkeit ausdrücken zu können. ...
Wir dürfen Jugendlichen den Ernst der Lage nicht beschönigen, aber sie auch nicht mit einem sorgenvollen „5 vor 12“-Ausdruck lähmen. Wir können ihnen mögliche und in einer Demokratie legale Aktionsformen aufzeigen. ...
Wir sollten Jugendliche fordern ohne sie zu überfordern.

* Der Autor war damals hauptamtlicher Jugendmitarbeiter der BUNDjugend Hessen!

Ausschnitt aus "Stimmen aus der Mitwelt"(Quelle als PDF)
Regenwald: „Ich, der Regenwald, zeige euch, wie man Gleichgewicht und Harmonie aufrecht erhalten kann auch zwischen den unterschiedlichsten Lebensformen. In mir finden alle einen Platz und fördern sich gegenseitig. Übt dies Zusammenleben in gegenseitiger Verbundenheit, und ihr werdet glücklich sein.“

Positiver Bezug und mit Extra-Seite bedacht: Rudolf Steiner und seine soziale Dreigliederung(Quelle als PDF)
Insgesamt gesehen wird in diesem Konzept der soz. Dreigliederung der Staat mehr oder weniger auf seine ureigensten Aufgaben der Gesetzgebung (nicht Rechtsschöpfung), des Schutzes der Bürger und der Urteilsvollstreckung reduziert, der sog. "reine Staat", mit der Tendenz zur Herrschaftslosigkeit.

Alle Banken sind jüdisch?
Merkwürdige Interpretationen in "linken" Gruppen ... aus einem Bericht über die EU-Proteste in Brüssel (von Indymedia)
ca. 13:00 Uhr Ein paar DemonstrantInnen greifen eine Bank an, Glas zersplittert. Dabei auf jeden Fall ein agent provocateur der Polizei, dieser wird sogar später von einigen entlarvt und mit Flaschen beworfen. Die Aktion mag zwar symbolisch gemeint sein, ein antisemitischer Charakter liegt jedoch vor.

Peter Stoll auf seiner Internetseite: http://www.we-take-over.de/israel/isr_pal.htm, Rechtschreibfehler im Original
Gerade Israel und seine Freunde instumentalisieren bei jeder Gelegenheit den Holocoust, um den israelicheschen staatsterror in einem heiligenschein baden zu koennen!!! ...
Nein der Holocoust wird nicht verharmlost, wenn die Verbrechen der Israelis und der Palestinenser mit den Verbrechen der NAZIS verglichen, oder diesen gleichgestellt werden.

Zitate derselben Seite (zusammengestellt von Antideutschen aus NRW, die allerdings selbst mit krassen Texten z.B. der Leugnung, daß der Holocaust auch Sinti/Roma, sog. "Behinderte" usw. vernichten sollte, agieren)
„Vernichtung der Palestinenser“
„Wer sich weigert, den Begriff AntiSemit aufzugeben, und stzattdessen bei entsprechenden AnwendungsFaellen stattdessen von Antimenschen zu sprechen, bekennt sich durch diese Ethnisierung zum Rassismus als Bestandteil seines Gesellschaftsintegralen-Daseins!!!“
„In heutiger BRD ist Jeder Mensch als Antisemit beschimpft, der Israel das Recht abspricht, die Palestinenser zu vernichten!!!!“
„Zionisten verfolgen Semiten: Nicht deutsche Israelkritiker“
„Menschenfeindlichen Nationalisten“ (damit sind hier  Israelis gemeint)
„Der Hass in dieser Region ist nicht neu, und schon bei Gruendung des Staates Israel entfacht.  Nicht etwa, Weil Israelis einen Staat bekommen haben, sonderen weil dieser Staat von Anfang an kriminell agierte, und Mord und Totschlag durch Israels Parlament veruebte, bzw vor Parlamentszeiten von den spaeteren Parlamentariern:
Bombenanschlag und andere Terrortaten mit vielen Toten auf
Einrichtungen des britischen Mandatstraegers, und Dergleichen“
„aus Geldgier
geschuerte Hass, der viele reich und noch mehr ungluecklich gemacht „
„Das wesentlichst Merkmal des Faschismus ist die Erklaerung, dass die Anderen (Hier Palestinenser-aber auch Mosleme ganz allgemein) Lebensunwert sind!!!“
„Der faschistische Status des staates Israel ist insbesondere durch seine ungeheuren Verbrechen gegen die Menschlichkeit (Bombardierung von Fluechtlingslagern - Um einzelne Menschen auszurotten werden viele Kinder, Vaeter, Muetter etc.  gleich mit ausgerottet) wie auch Zerstoerung der Lebensgrundlage, etc.!  Der Staat Israel ist Antisemitisch, und auch das US-Amerikanische Judentum ist Antisemitisch!!!“
„Gerade Israel und seine Freunde instumentalisieren bei jeder Gelegenheit den Holocoust, um den israelicheschen staatsterror in einem heiligenschein baden zu koennen!!!“
[pst.aufschtrei seine Mutter] „wusste, dass spaetestens 1942 fuer alle Deutschen die Beweise vorlagen, was in den Vernichtungslagern vorging!!!“
Draus folgert er:
„Nein der Holocoust wird nicht verharmlost, wenn die Verbrechen der Israelis und der Palestinenser mit den Verbrechen der NAZIS verglichen, oder diesen gleichgestellt werden:
Der Grad der Unmenschlichkeit gegenueber den Verhassten ist das entscheidende Merkmal dieser Verbrechen, und da bleiben Israelis und Palestinenser nicht zurueck hinter den NAZISchlaechtern!!!“
„1. Mir ist kein sogenannter Antisemit bekannt, der etwas gegen Semiten hat!!! Semiten werden wegen Ihrer harten IsraelKritik in erster Linie von Israelis verfolgt!!!“
„Auch Ihr, die Ihr einseitige Solidaritaet mit Israel fordert moegt  keine Palestinenser!!! Warum Verweigert Ihr Euch hier in Deutschland der Aussoehnung   zwischen Israelis, Juden allgemein, und Palestinensern:   Nur Faschisten unterstuetzen Israel!!!
Ihr Schreit AntiZionisten, und sie schrein Judensau!!!“
Der zitierte Autor kritisierte, daß die Zitate aus dem Gesamtzusammenhang gerissen sind. Original hier ...
Aus der Göttinger Drucksache Nr. 381:

Leserbrief zum Artikel: Krieg und Frieden in Israel/Palästina
(üny) Schön. dass die erste Stellungnahme in der göDru nicht einfach „Solidarität mit Palästina“ fordert, wie es von Linken noch in den Achtzigern allenthaben gefordert wurde. Schön, dass der oder die VerfasserIn des Artikels vor Denken in den Kategorien „Volk“ und „Nation“ warnen möchte. Das kann nicht oft genug gesagt und vor allem bedacht sein, wie der Artikel auch selber aufs Neue dokumentiert: Von „den PalästinenserInnen“ ist dort mehrfach die Rede. Schade, schade. Schon die gute alte Ingrid Strobl schrieb in den ganz frühen Neunzigerm einen schlauen Artikel, der in der „Radikal“ veröffentlicht wurde, über das Verhältnis der „guten Deutschen“ zu „den Juden“ und weshalb die durchaus lieb gemeinte Solidarisierung mit „den Juden“ diese Kategorie, das Konstrukt, „die Juden“ immer weiter reproduziert, anstatt sie endlich aufzuheben.
Recht hatte Sie: Wenn irgendetwas Gesellschaftspolitisches aus dem vergangenen Jahrhundert zu lernen ist, dann wohl das, wohin die Konstruktion von gesellschaftlichen Kategorien wie „Völker“, „Nationen“, „Rassen“ führen kann: Diese Einteilungen Von Menschen führen zu Hierarchisierungen, Ausbeutung und Unterdrückung und kann in Massenvernichtung enden. Auf rassistische, nationalistische, völkische Unterdrückung mit umgekehrtem Rassismus und „Nationalen Befreiungsbewegungen“ zu antworten, reproduziert dieses Denken letzten Endes nur immer weiter (und ich denke, das Gleiche gilt analog auch für Sexismus).
Dies ist deutlich zu sehen: Was ist an der RealIRA, der UCK, einem eventuellen Staat (nicht nur) unter Führung der PKK oder dem aktuellen Autobombenterror der ETA noch emanzipatorisch? Fiese Folterer der Guardia Civil ist eine Sache, aber bei explodierenden Bomben in belebten Straßen schlägt der angebliche Befreiungskampf in nichts anderes als nationalistischen Terror um. „Ser vasco no es delicto“ (baskisch sein ist kein Verbrechen). So lautet die Parole eines Plakates, das vor einigen Monaten im T-Keller im Rahmen einer Ausstellung von politischen Plakaten aus dem schönen Baskenland zu bewundern war. Wozu immer wieder diese übelflüssige Identitätskonstruktion, um sich gegen eine sehr reale nationalistische Unterdrückung zu wehren? „Patria o muerte!“ (Vaterland oder Tod!) So lautet einer der Propagandaslogans nicht nur von Fidel. Wenn ich wählen dürfte: weder noch, no gracias. „Wir Deutschen“ dürften unsere Erfahrungen mit dem „deutschen Nationalismus“ nicht auf andere Regionen übertragen, höre ich manchmal als Gegenargument zu meiner Position. Das sehe ich genau anders herum: Menschen, die sich der Geschichte der „deutschen“ völkischen Ideologisierung bewusst sind, können Ähnliches in anderen Regionen erkennen. Was hier mörderisch ist, ist es woanders auch - mal in dieser, mal in jener Form..Ich meine, dieser Planet ist zu klein für den ganzen völkischen Schwachsinn: Wir sollten das getrost mit dem letzten Jahrtausend hinter uns lassen.
Der ganze rassistische, nationalistische, völkische und sexistische Mist ist menschenverachtend und das ist Grund genug, damit auch im eigenen Kopf aufzuhören und nicht nur, weil sollst die Gefahr bestünde, Solidaritätsbekundungen Von FaschistInnen zu ernten.

Palästina-Solidarität und Antizionismus

Nach antisemitischen Äußerungen erhielten zwei Redakteure des freien Hamburger Radios FSK Sendeverbot.
von gaston kirscheDichtes Gedränge herrschte am Sonntag vorletzter Woche im großen Saal des Stadtteilzentrums Rote Flora. Dabei war die große Party schon vorbei. Die Volxküche war noch geschlossen, in der Nacht zuvor war sie als Backstagebereich benutzt worden.
Hamburgs unabhängiges Radio, das Freie Sender Kombinat (FSK), hatte zum Feiern geladen. Nach sieben Jahren war endlich die Vollfrequenz genehmigt worden, das FSK sendet ab sofort auch sonntags: live aus der Roten Flora. Die Übertragungstechnik funktionierte tadellos. Knapp 200 Leute wollten aber trotzdem vor Ort dabei sein, als eine Veranstaltung über »Zensur bei FSK? Wieviel Antisemitismus braucht ein freies Radio?« begann. Viele kamen aus kleinen Redaktionsgruppen, die eine Sendung beim FSK machen. Das FSK ist eine Art Netzwerk, in dem 150 Leute nebeneinander unter einem Dach arbeiten und ihre eigenen Sendungen produzieren, 150 Leute, die sich sonst nicht einmal auf linken Bündnistreffen begegnen würden. Warum die Aufregung?
Am 25. Oktober hatten Achim Schuster und Wolfgang Lettow von der Redaktion Knast und Justiz eine zweistündige Sendung zum Israel-Palästina-Konflikt gemacht. Beide sind dem antiimperialistischen Spektrum zuzurechnen. Sie hatten einen Studiogast, den sie als »Achmed, einen palästinensischen Genossen« einführten. Achmed sprach Israel nicht nur das Existenzrecht ab: »Für uns ist Israel nur ein amerikanischer Stützpunkt mit Atomwaffen und ein bisschen Menschen drauf.« Er erklärte die Israelis zu den Nazis von heute: »Die Linken, die die Palästina-Solidarität angreifen, stellen sich auf die Seite der Täter und der Faschisten (...) Für uns aus unserer Palästina-Erfahrung nach 50 Jahren Massaker, Vertreibung: Wir haben alles erlebt, was die Juden damals erlebt haben - KZ, Vertreibung, hundert Millionen von Flüchtlingen, verschiedene Massaker, wir haben alles erlebt, egal in welchen Maßen, aber alles erlebt, was die Juden damals erlebt haben. Und das kam von den Israelis.«
Achmed setzte aber nicht nur Nazis und Israelis gleich, er forderte auch Konsequenzen. Die deutsche Linke solle Deutschland endlich dazu bringen, die so genannte Wiedergutmachung zu stoppen: »Wir fordern nur, dass die Bundesrepublik ihre Unterstützung für Israel einstellt, diese unglaubliche Unterstützung (...) Zehntausend Millionen hat Israel pro Kopf von Deutschland alleine bekommen als Wiedergutmachung.«
Diesen und weiteren antisemitischen Behauptungen Achmeds widersprachen Schuster und Lettow in der Sendung nicht, selbst zu den abstrusen Zahlenangaben schwiegen sie. Deshalb beschloss das für das gesamte Programm verantwortliche Gremium des FSK, die AnbieterInnengemeinschaft, Anfang November mehrheitlich ein Sendeverbot für Schuster und Lettow.  Dagegen gab es innerhalb und außerhalb des FSK massiven Protest. Auf der Homepage des Kombinats heißt es dazu: »In den vergangenen Wochen wurde das Sendeverbot mehrmals übertreten, indem sich Achim und Wolfgang, mit Hilfe diverser UnterstützerInnen, Zugang zu den Studioräumen verschafften.«
Lettow und Schuster sind Mitglieder des Forum-Radios, einer der fünf Radio-Gruppen, die das FSK bilden. Und Forum-Radio startete die Kampagne »Gegen Zensur im freien Radio«, die in der Veranstaltung »Senden mit der Schere im Kopf« gipfelte. Anstatt sich mit der Kritik an den antisemitischen Äußerungen der Sendung auseinanderzusetzen, wurde behauptet, es handele sich bei der Kritik um einen vorgeschobenen »Antisemitismusvorwurf«. Der sei nur ein »Vorwand«, um »antiimperialistische und antikapitalistische Positionen aus dem Sender zu drängen«. Auf mehreren Flugblättern und in einem Interview mit der jungen Welt vom 4. Januar wurde dies wiederholt. Dort erklärte Wolfgang Lettow: »Damals wurde das Totschlagargument ?Antisemitismus? benutzt, um eine ungeliebte Sendung abzusetzen, jetzt wird es genutzt, um unliebsame Redakteure loszuwerden.«
Die Front war also klar, als man sich in der Roten Flora traf. Die einen wollten über den Antisemitismus in der fraglichen Sendung sprechen, das wollten die anderen aber nicht hören, weil sie sich als Opfer von Zensurmaßnahmen sehen. Nun ist das FSK kein Offener Kanal, wo jeder senden kann, was er will, sondern ein Freies Radio mit einem linken Selbstverständnis. Doch auf die inhaltlichen Angebote der ReferentInnen, die versuchten, Grundlagen dieses Selbstverständnisses darzustellen, ging keiner der Kritisierten ein. Weder auf die detaillierte Kritik der Sendung durch Ole Frahm von der Radiogruppe Loretta noch auf präzise Ausführungen von Andrea Woeldike zur besonderen Problematik von Antizionismus vor dem Hintergrund des Antisemitismus in Deutschland. Die Kritik an den antisemitischen Äußerungen wurde ignoriert.
Stattdessen wurde der AnbieterInnengemeinschaft vorgeworfen, man hätte den Mitgliedern des Forum-Radios die Möglichkeit geben müssen, selbst die Sendung zu kritisieren, bevor zwei ihrer Mitglieder von einem übergeordneten Gremium mit einem Sendeverbot belegt wurden. Doch obwohl nicht alle Mitglieder des Forum-Radios den antiisraelischen Antiimperialismus von Schuster und Lettow teilen, gab es dort keine Zurückweisung der antisemitischen Äußerungen. Seit der Sendung sind zweieinhalb Monate vergangen.
Auch als Achim Schuster behauptete, für Antisemitismus in der Sendung gebe es »bis heute keinen Beweis«, um ihn dann prompt selbst anzutreten, regte sich kein Widerspruch aus seinen Reihen: »Es ging bei Israel um einen imperialistischen Vorposten in der arabischen Welt.
Die Wiedergutmachungszahlungen ermöglichten die Besatzung palästinensischer Gebiete und den Aufbau der Institutionen Israels. (...) Die einzigen, die in der Region Probleme machen, sind die Zionisten gewesen.  Die Zionisten machen es den Juden unmöglich, in der Region in Frieden zu leben.«
Nachdem er so Theodor Herzl und der zionistischen Bewegung die Schuld an den Bomben islamistischer Terroristen in Bussen und auf öffentlichen Plätzen in Israel gegeben hatte, fand Schuster sogar noch ein paar
Worte für diejenigen, die in der Linken hierzulande die Probleme machen: »In Duisburg wurde in einer antideutschen Hetzkampagne bis in die bürgerlichen Medien verhindert, dass es eine Demo zur Solidarität
mit Palästina gab.«
Im Grunde hätte die Veranstaltung beendet werden können, als Thomas Ebermann feststellte, dass ja wohl nichts übrig bleibe, als Schuster und Lettow rauszuwerfen, wenn man die Sendung gehört habe.  Allein, man ging darüber hinweg. Oder, wie es Andrea Woeldike später formulierte: »Die Veranstaltung war von grundsätzlicher Ablehnung gegen jegliche Kritik geprägt.«
Mehr zum Thema: http://www.fsk-hh.org
Dokumentations- und Informationszentrum für Rassismusforschung e.V.
Postfach 1221, D-35002 Marburg, Tel. (+49) 6421 37722, Fax. (+49) 6421 37794
Internet:http://www.dir-info.de Email: buero@dir-info.de
Direktzugriff Nachrichtendatenbank: http://www.dir-info.de/nachrichten

Aus der Ö-Punkte 4/2001 ("Winter 2001/02")

Antisemitismus: World Trade Center als Judenturm
Was alle Gruppen, die auf ihre Art Gewalt und Rassismus hegten und pflegten, einte, war die Reduzierung der Anschläge auf das World Trade Center. Daß auch das Pentagon getroffen wurde, ist fast gänzlich aus den Berichten verschwunden. Das hat System und wird benutzt. So konnten die Antideutschen die Anschläge zu einem Angriff auf das Judentum umwerten – und bemerkten nicht ihren eigenen, penetranten Antisemitismus, ständig das Finanzkapital mit dem Judentum gleichzusetzen. Was könnte antisemitischer sein als die Behauptung, daß getroffene Gebäude sei eine jüdische Einrichtung gewesen oder das Judentum stehe für das Finanzkapital. Attac & Co. phantasierten einen Verzweifelungsschlag von unterdrückten Menschen in die Anschläge. Und die NATO sah den Kampf Zivilisation gegen Barbarei. Für alle war wichtig, nur New York zu thematisieren. Die Attacke auf das Pentagon war für die US-Streitkräfte nicht nur äußerst peinlich, sondern weißt auch auf andere oder zumindest weitergehende Ziele der AttentäterInnen hin. Das Pentagon steht definitiv nicht für Kapitalismus oder Judentum, sondern für Militarismus und Herrschaft.

Im Original: Zitate (gesammelt in Contraste Oktober 2001) ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aussagen von Christian Sigrist, Soziologe aus Münster und besonderer Kenner der afghanischen Gesellschaft (Buchveröffentlichung: regulierte Anarchie) in einem Interview, dargestellt ohne weitere Kommentierung als Analyse zu den Anschlägen)
Aber was eben auch gesagt werden muss, warum ist bin Laden nicht einfach wieder ins Geschaeftsleben zurueckgekehrt, er waere ja hoch geehrt gewesen in Saudi-Arabien. Er hat erst versucht seine politische Linie dort durchzusetzen, und das betraf vor allem die Palaestina-Frage. Die Misshandlung der Palaestinenser ist eine Demuetigung fuer die arabische Nation, und diese Freudentaenze oder Freudengesaenge der Palaestinenser, die sollte man nicht so leichtfertig niedermachen, das kann ich nachvollziehen. Denen ist schlimmeres angetan worden in den ganzen Jahren, als an einem einzigen Tag in New York passiert ist.
Was folgt daraus? Weitermachen wie bisher, Terror - Gegenterror? Nein, jetzt endlich verhandeln! Es gibt ja den Osloer Vertrag, das Uebereinkommen, wenn das umgesetzt worden waere, waere es dazu nicht gekommen! Dann waere die Frage der amerikanischen Truppen in Saudi-Arabien ein inner-arabisches Problem, und so ist es eben ein globales Problem. Da hilft es nichts, wenn der Kanzler sagt, nicht alle Muslime sind so, die Bundesregierung hat eine passive Rolle gespielt, sie haetten sich ganz klar distanzieren muessen von der verraeterischen Rolle der USA. Das muss einfach mal klar gesagt werden, und ich kann mir das leisten, es gibt einfach zu viele Juden in der amerikanischen Politik. Ich halte es fuer legitim, wenn sie in der Wissenschaft ueberrepraesentiert sind, das hat eine kulturelle Tradition, aber es ist nicht gut, wenn juedische Politiker die Nahost-Politik bestimmen. Wo soll da Vertrauen erwachsen? Es gibt kaum einen Amerikaner arabischer Herkunft, der eine wichtige Rolle in der amerikanischen Politik spielt, da stimmt doch was nicht. Das heisst hier muss grundlegend etwas geaendert werden.


Die Contraste-Redaktion reagierte auf Kritik zunächst verharmlosend, daß Interview hätte insgesamt einen anderen Tenor. Einige Tage später ließ sich das aber dann klären ... Mail aus der Redaktions"zentrale":
mittlerweile habe ich mir den Text nochmals genauer angeschaut und  bedauere, dass ich diesen Beitrag so durchgelassen habe. Es ist bei der  Menge von Einzeltexten, die in jede Ausgabe von CONTRASTE passen, für mich  nicht ganz einfach, wirklich auch alles zu lesen. Auch wurde das  Radiointerview mit Sigrist von unserer Redaktion Osnabrück  (Herrmann  Cropp) zusammengefasst. Da hatte ich wohl doch ein zu großes Vertrauen in die CONTRASTE-Redaktionen.
Ich werde jetzt Herrmann bitten, für die nächste Ausgabe eine  Stellungnahme zu schreiben.


Weitere Mailwechsel dann später:
Liebe Leute,
ihr habt recht mit Eurer Kritik: Das dieser Beitrag veröffentlicht wurde ist tatsächlich ein ziemlicher Hammer! In der Hektik der Produktion in der Zeit nach dem 11. September ist der ehrenamtlichen End-Redaktion dieser Beitrag in unserer Oktober-Ausgabe durchgerutscht. Wir hatten da doch zuviel Vertrauen in einen unserer langjährigen Redakteure (Herrmann Cropp).
In unsere nächsten Ausgabe (Dezember) wurde der nachfolgende Leserbrief sowie eine Stellungnahme unserseits nebst Distanzierung von einer Stellungnahme Herrmann Cropp abgedruckt. Diese werden wir zusätzlich sofort auf die kritisierte Seite setzen und die Seite mit einem Kommentar versehen.
Nachfolgend der Text vom Dezember:
Aus CONTRASTE Nr. 207 (Dezember 2001)
SIGRIST-INTERVIEW IN CONTRASTE NR. 205
Vielen Dank fuer Eure Antwort in der November-Ausgabe!
Ich hatte mir schon gedacht, dass Sigrist mit seiner Aussage irgendwie die amerikanische Nahostpolitik kritisieren wollte. Trotzdem noch mal danke fuer den Hinweis. Das Problem dabei ist, dass er zu diesem Zweck eine offen antisemitische Aussage macht, in der vom paranoiden Realitaetsverlust („die amerikanische Politik werde wesentlich von Juden gemacht“) ueber die Verschwoerungstheorie bis hin zum eliminatorischen Impuls, die Juden aus den Bereichen, in denen sie einem nicht genehm sind, verdraengen zu wollen, nichts fehlt, was deutsche Antisemiten schon immer beschaeftigt hat. Der Gipfel ist die goennerhafte Benennung von Bereichen, in denen man notfalls bereit ist, Juden zu tolerieren („Ich halte es fuer legitim, dass sie in der Wissenschaft ueberrepraesentiert sind“). Und am Ende kommt dabei heraus, dass am islamistischen Terror die Juden schuld sind, und zwar nur die Juden, denn deren angebliche Vorherrschaft in der amerikanischen Politik haelt Sigrist („Das muss einfach mal klar gesagt werden“) ja offenkundig fuer die Wurzel des Problems, waehrend er fuer die Geisteskranken, die die Anschlaege durchfuehren, ausgesprochen warme Worte findet. Was auch immer man von der amerikanischen Nahostpolitik halten mag: die Kritik in die Formulierung zu kleiden, es gebe irgendwo „zu viele Juden“, ist schlicht indiskutabel, und wenn Ihr an diesem Satz nichts anderes als den Punkt am Ende problematisch findet, dann macht mich das sprachlos. Anstelle Eures seltsamen Versuchs, das Ganze als ein Problem der Zeichensetzung hinzustellen, waere wohl eher eine klare Distanzierung von diesem unsaeglichen Text angebracht.
Mit freundlichen Gruessen
Christian Biermann, Bielefeld

Lieber Christian,
die Heidelberger End-Redaktion ist nicht gerade sorgsam mit dem Text (zusammengestellt von Herrmann Cropp, Osnabrueck) umgegangen. Auch nicht nach Deinem ersten Leserbrief. Mittlerweile haben wir den Text nochmals aufmerksam gelesen und sind zu dem Schluss gekommen, das wir als Endredaktion diesen Text nicht haetten durchgehen lassen duerfen, da die Aussagen Christian Sigrists unserer Ansicht nach offener Antisemitimus sind. Das der Beitrag dennoch abgedruckt wurde ist ein ziemlicher Klops und hat etwas mit der Hektik in einer ehrenamtlichen Redaktion zu tun. Wir haben daraufhin Herrmann Cropp um eine Stellungnahme gebeten, die wir nachfolgend abdrucken. Gleichzeitig weisen wir darauf hin, dass wir nicht hinter Herrmanns Stellungnahme stehen und uns auch ausdruecklich davon distanzieren! Antisemitische Aussagen gehoeren nicht in unsere Zeitung!!!
Auch die Arroganz, mit der Herrmann (Stichwort „Fernsehanalphabetismus“) seine Stellungnahme auf Deinen Leserbrief einleitet, ruft bei uns nur noch ein Kopfschuetteln hervor!
Dieter Poschen


Pseudodebatte
Bevor wir in Contraste eine Pseudodebatte ueber Sprachregelungen oder auf solche Sprachregelungen reduzierte Gesinnungen fuehren, schlage ich vor, sich auf die Sachaussage in Christian Sigrists Interview, dass juedische Politiker die amerikanische Nahost-Politik bestimmten, zu konzentrieren. Zumal die Kritiken sich auf „paranoider Realitaetsverlust“, „eindeutig und krass antisemitisch“ oder schlicht und einfach „Scheiss“ beschraenken. Es ist symptomatisch, dass in dieser Zeit der Bilder und des Fernsehanalphabetismus das Lesen und Schreiben (zum Beispiel solcher Leserbriefe) zur Verschlagwortung verkommt, das heisst, es werden hauptsaechlich Ueberschriften, Kurzsaetze, Signalwoerter und Redensarten wahrgenommen bzw. wie in diesem Fall geaeussert.
Die Sachaussage von Christian Sigrist ist: „aber es ist nicht gut, wenn juedische Politiker die Nahost-Politik bestimmen“, weil sie ueberrepraesentiert („zu viele“) sind, was keine Verschwoerungstheorie, sondern eine Feststellung ist, die er auch belegen kann. Die zweite Frage ist, ob eine Ueberrepraesentanz bestimmter nationaler Lobbys in der amerikanischen Regierung zu einem Missbrauch nationaler Interessen fuehren kann. Um diese Frage naeher zu untersuchen, empfehle ich den von mir uebersetzten Aufsatz von Steven Schalom, eine Chronologie des Hasses zwischen Arabern und USA / Israel, er steht auf meiner Homepage www.packpapier-verlag.de. Im uebrigen klingt Lobby noch immer nach etwas Erlaubtem, vielleicht waere es nicht verkehrt von Seilschaften zu sprechen. Uri Avnery erwartet, dass die Trennung der amerikanischen und israelischen Interessen zu einem politischen Kollisionskurs fuehren werde, den gerade die amerikanischen Juden so nicht akzeptieren koennten.
Man kann sich bessere Freunde wuenschen als jene Philosemiten, die damit noch ein eigenes, z.B. ein linkes Geschaeft machen wollen, oder die sich durch Schaustellung ihrer grossen Gesinnung beliebt machen wollen. Wer sich das mit dem Antisemitismus so schoen vorstellt, dem waere ein Besuch in der oertlichen juedischen Gemeinde zu empfehlen, wo ihm schnell klargemacht wuerde, wie unerwuenscht die politisch motivierte Fuersprache ist. Die Gefahr des falschen Philosemitismus liegt vor allem darin, dass mit dauerndem vordergruendigen Politisieren und vorgeblicher Empfindlichkeit, obwohl vom Antisemitismus gar nicht persoenlich betroffen, die Oeffentlichkeit abgestumpft und die reale Gefahr als Interessenkalkuel missbraucht wird.
Aber bitte, wenn das Publikum es wuenscht, ihr koennt ja die „Bahamas“ lesen, Bahamas heisst abgesehen von der Insel fuer fluechtiges Kapital eine rechts-kommunistische proisraelische Zeitschrift, die den Rassismus umdreht gegen Palaestinenser und Araber.
Herrmann Cropp

Nadir Projekt schrieb:
> Hallo contraste,
> hier ein Zitat aus der contraste 10/2001:
>„Das muss einfach mal klar gesagt werden, und ich kann mir das leisten,
> es gibt einfach zu viele Juden in der amerikanischen Politik. Ich halte
> es für legitim, wenn sie in der Wissenschaft überrepräsentiert sind,
> das hat eine kulturelle Tradition, aber es ist nicht gut, wenn jüdische
> Politiker die Nahost-Politik bestimmen. Wo soll da Vertrauen erwachsen?
> Es gibt kaum einen Amerikaner arabischer Herkunft, der eine wichtige
> Rolle in der amerikanischen Politik spielt, da stimmt doch was nicht.
> Das heißt hier muss grundlegend etwas geändert werden.“
>
> Das ist schon ein ziemlicher Hammer !
>
> Das ist offener Antisemitismus seitens Christian Sigrists. Wir stellen uns die
> Frage, warum ihr das so einfach abdruckt und - warum seitens der Interviewers
> an
> dieser Stelle keine Nachfrage kommt.
>
> Dass Ihr offenen Antisemitismus unkommentiert auf Euren Seiten veröffentlicht,
> ist mit nadir politisch nicht machbar. Zitate dieser Art finden sich auch auf
> einschlägigen germanophilen Sites. Dort werden sie allerdings von uns ebenso
> politisch bekämpft. Was unterscheidet Euch?
>
> Wir fordern Euch auf, auf nadir-l eine Stellungnahme abzugeben!
>
>
> - - nadir
> - ---
> (o)
>
? Nadir, Brigittenstrasse 5, D-20359 Hamburg
? nadir@mail.nadir.org
? http://www.nadir.org/

damit Hermann Kritik an seiner oder Christian Sigrists Position nicht wieder mit:
>Zumal die Kritiken sich auf „paranoider
>Realitaetsverlust“, „eindeutig und krass antisemitisch“ >oder schlicht und einfach „Scheiss“ beschraenken.
abwiegelt. und mir eine Kopfschütteln bei dem Schreiben von Herrmann nicht genügt, führe ich die „Pseudebatte“ weiter.
>Die Sachaussage von Christian Sigrist ist: „aber es ist >nicht gut, wenn juedische Politiker die Nahost-Politik >bestimmen“, weil sie ueberrepraesentiert („zu viele“) sind, >was keine Verschwoerungstheorie, sondern eine Feststellung >ist, die er auch belegen kann.
Wer legt dabei fest, was zu viele sind. In allen demokratischen Staaten lässt sich zeigen, dass das politische Engagement bei integrierten Minderheiten grösser ist als beim geschaftlichen Mainstream. Vor allem wenn diese Minderheiten auch stark im oberen Mittelstand vertreten sind, was bei den Mitgliedern der jüdischen Gemeinden aus historischen Gründen (sprich dem jahrhundertelangen Berufsverbot) der Fall ist. so läst sich in der amerikanischen Politik auch zeigen, das die Mitglieder einiger christlicher Sekten stärker in der politik vertreten sind als ihr Bevölkerungsanteil.  Dadurch icst vor allem die amerikanische Innenpolitik stark von christlich religiösen Regeln geprägt.
Von einer
>Ueberrepraesentanz bestimmter nationaler Lobbys in
>der amerikanischen Regierung
kann keine Rede sein, denn bei den Mitgliedern der jüdischen Gemeinden in den USA handelt es sich um Amerikaner. Das Israel der Repräsentant US-amerikanischer Interessen in Nahost ist lässt sich besser aus der Geschichte der letzte 55 Jahre erklären, als aus irgendwelchen aufgesezten Einteilungen in Rassen, Nationen, Religionen usw.. Kurz formuliert: Israel entstand aus dem Zionismus und dem britischen Antisemitismus. Beides suchte eine Region in der Menschen jüdischen Glaubens konzentriert werden konnten. (Übrigens wurde das auch bei Nazis eine Zeit lang überlegt)Da dies keine Leerraum war, war die wirtschaftliche und militärische Unterstützung der westlichen Mächte zur Durchsetzung dieser Idee spätestens seit der Staatsgründung notwendig. Im kalten Krieg stellte sich gesetzmässig die UDSSR auf die andere Seite. Das Ergebnis waren die wichtigsten interstaatlichen Kriege nach dem 2.Weltkrieg. Wichtig als Testgebiet für neue Waffenentwicklungen.  Der Wegfall der Welt des real existierenden Sozialismus als Welt des Bösen stellte die amerikanische Politik vor ein Problem. Der Christ G.W.Bush sen. fand eine neue Welt des Bösen in den islamischen Staaten, und wieder stellt das nicht islamische Israel gern den Vorposten der westlichen Welt.
Gruss Erich


Beitrag von der Contraste-Mailingliste (17.7.2002)
Fakt ist auch, dass ich deutlich in der Liste geschrieben habe
1)  dass ich Attentate auf die Zivilbevölkerung in Israel nicht für legitim halte.
2)  dass ich Attentate auf die Zivilbevölkerung in den Siedlungen der besetzten Gebiete für legitim halte, da sie sich wissentlich in Kriegsgebiet begeben haben und strukturelle Gewalt ausüben. Das heißt nicht, das diese Attentate das Non-Plus-Ultra einer Gegenwehr sind.  Das heißt auch nicht, daß ich zu Attentaten aufrufe.
3)  dass ich gegen Antisemitismus bin.
Text aus aus „junge Welt“, 8.12.01 und Kritik daran

(zweiter Absatz als Antwort, zitiert aus der Hoppetosse-Mailingliste)

„Wir kämpfen wieder“
Verzweiflung führt zu Verzweiflungstaten.
Über den palästinensischen Widerstand
von Peter Schäfer, Ramallah
Ein bedrohliches Brummen nähert sich. Die Quelle des Geräusches ist aber noch nicht auszumachen. Da senken sich zwei israelische Kampfhubschrauber durch die geschlossene Wolkendecke, richten sich aus und schießen nacheinander drei Raketen auf das palästinensische Hauptquartier in Ramallah. Spielende Kinder, die den Angriff ebenfalls beobachten, rennen schreiend ins Haus. eine Frau, die nebenan Wäsche vor ihrem Haus aufhängt, starrt nur gebannt zum Himmel. Die Helikopter bleiben noch eine Weile in der Luft stehen, wie um zu sehen, ob noch nachgelegt werden muß. Dann drehen sie ab, fliegen durchs Tal zurück zu ihrer Basis. ...

Das ist viel zu einfach! Die Reduzierung der Begründungsebene auf Verzweifelung ist so verkürzt analysiert wie schon nach dem 11.9.  so allerhand verschiedene verkürzte Analysen umherwaberten. Aus palästinensischen Kreisen, vor allem der widerlich nationalistischen und rassistisch-antisemitischen Autonomiebehörde bzw. PLO, Hamas, Fatah usw., wird sehr gezielt ein genereller Haß gegen Juden geschürt und mit religiös-fanatischen Versprechungen vom Seelenheil für Märtyrer die Basis für viele Attentate gelegt.  Das zusammen mit dem militaristischen Getue des durchgeknallten Regimes in Israel schafft die Mischung für die Gewalt.
Die Junge Welt ist gefährlich nahe dran an einem latenten Antisemitismus mit ihrer völlig einseitigen Berichterstattung, die immer wieder übersieht bzw. verniedlicht, was für ein Regime eigentlich die Autonomiebehörde und der Arafat-Clan ist ... und auch viele damit verbundene Kreise in der arabischen Welt.
Jörg

Antisemitische Texte aus den Marxistischen Blättern

Aus dem Spezial "Israel, die Palästinenser und wir"

... "Bevor die Juden
die Wüste bezwingen können
müssen sie hier die Wüste
erst selber machen"

(Aus Erich-Fried-Gedicht auf der Rückseite)

... ist es unter Bürgerlichen kaum strittig, dass die expansionistische israelische Politik ohne US-amerikanische Rückendeckung nicht denkbar wäre. Hier finden US-amerikanische "Globalinteressen" (Öl, Verkehrswege) in regionalen Dominanzbestrebungen eine vorteilhafte Ergänzung. ... Der strategische Brückenkopf der USA im Nahen Osten ...

Für oder gegen die Existenz Israels?

Beiträge zur Debatte in der Linken und der Friedensbewegung am Beispiel der Auseinandersetzung mit dem Palästina-Komitee Stuttgart

Warum ein Nein zum Antisemitismus keines ist, solange es kein Ja zu Israel ist und warum ein Ja zu Israel noch lange kein Ja zur israelischen Politik sein muss

Anhang:




Im Original: Doku aus Stuttgart, November 2002 ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
die Dokumentation ist chronologisch von unten nach oben zu lesen
Gedanken zur Antwort des Palästina-Komitees an uns („Gegen Rassismus überall!“, 25.10.02)

Für oder gegen die Existenz Israels?
Warum ein Nein zum Antisemitismus keines ist,
solange es kein Ja zu Israel ist
und warum ein Ja zu Israel
noch lange kein Ja zur israelischen Politik sein muss.

Man kann bewusster Nationalist sein. Man kann aber auch nationalistische Raster und Stereotype draufhaben und trotzdem glauben, man sei absolut frei davon. Man kann bewusster Rassist sein. Man kann aber auch rassistische Raster und Stereotype draufhaben und trotzdem glauben, man habe nichts damit am Hut. Man(n) kann bewusster Sexist sein. Man kann aber auch sexistische Raster und Stereotype draufhaben und gleichzeitig zutiefst davon überzeugt sein, das sei alles nur ein Problem von irgendwelchen anderen. Warum sollte es sich mit dem Antisemitismus anders verhalten?
Dass die Leute vom Palästina-Komitee zur Beseitigung Israels aufrufen, den Selbstmordterror der Hamas, Al-Aksa-Brigaden u.a. verteidigen und dabei allen Ernstes behaupten, auf ihrer Kundgebung sei „kein einziges antisemitisches Wort“ gefallen, ist eine beachtliche Verdrängungsleistung.  Es bestätigt erneut die Notwendigkeit einer Debatte in der Linken und Friedensbewegung über den Charakter des Antisemitismus, darüber, wie er sich heute, nach der Shoah, äußert, sowie über die Konsequenzen, die daraus zu ziehen sind, insbesondere im Hinblick auf Israel.
Im Folgenden unser Standpunkt in Stichpunkten, notwendigerweise in Teilen verkürzt.
 
DER ELIMINATORISCHE CHARAKTER DES ANTISEMITISMUS
Antisemitismus ist ein kollektives Wahnsystem, eine Projektion. Die Juden gelten ihm als das personifizierte Böse dieser Welt; er will sie deswegen beseitigen. Während „normaler“ Rassismus i.d.R. „nur“ unterdrücken, beherrschen, ausbeuten, erniedrigen, entrechten will, ist Antisemitismus  in letzter Konsequenz auf Vernichtung aus.  Antisemitismus gab es bereits in vorkapitalistischer Zeit, aber im Kapitalismus erhielt er qualitativ neue Entfaltungsmöglichkeiten. Die abstrakte Anonymität der warenproduzierenden Gesellschaft ist dem Alltagsbewusstsein unheimlich. Zins, Kredit, Finanzkapital, „das große Geld“, die Börsenspekulation - all das „regiert“ die Menschen und scheint  doch undurchschaubarer als jedes andere Herrschaftssystem. Da das Alltagsbewusstsein aber gleichzeitig nicht in der Lage ist, den Horizont der von ihm als „naturgegeben“ geglaubten Warenproduktion zu überschreiten, gebiert es spontan eine oberflächliche „Kapitalismuskritik“. Diese glaubt,  zwischen (vermeintlich) „positiver“ Produktionssphäre und (vermeintlich) „negativer“ Zirkulationssphäre trennen zu können. „Schuld“ sind dann „die Spekulanten, die Bankiers, das Finanzkapital“ usw., die „uns“ um die Früchte „unserer ehrlichen Arbeit“ prellen. Der Antisemitismus, der die Juden aus historischen Gründen  schon immer mit der Zirkulationssphäre identifiziert hat, ist wie geschaffen dafür, um sich mit dieser Art „Antikapitalismus“ zu verbandeln. Aus dieser Kombination entsteht immer wieder  ein mörderisches Gebräu. Unter den Deutschen, wo sich historisch u.a. ein besonders ausgeprägter Arbeits-Wahn entwickelt hatte, wuchs sich das zum antisemitischen Vernichtungswahn der Shoah aus, dem bis heute fürchterlichsten Menschheitsverbrechen. Nicht umsonst steht über dem Eingangstor des KZ Auschwitz der Satz „Arbeit macht frei“. Der deutsche Massenmord an den Juden entzieht sich traditionellen linken „zweckrationalen“ Erklärungsversuchen. Weder unter dem Gesichtspunkt der Profitmacherei noch unter dem der imperialistischen Expansion macht es Sinn, dass in den Jahren größter deutscher Kriegsanstrengung sechs Millionen dringend benötigter potentieller Arbeitssklaven vernichtet werden, dass erhebliche Kapazitäten der Reichsbahn der Kriegsmaschinerie entzogen und für die Organisation des Holocaust eingesetzt werden. Antisemitismus tendiert zum kollektiven VernichtungsWAHN.

ISRAEL - EINE KONSEQUENZ AUS ANTISEMITISMUS UND SHOAH
Antisemitismus ist alles andere als ein „Thema von gestern“, auch wenn das einige Linke selbst nach der „Möllemann-Debatte“ immer noch glauben. Solange es Antisemitismus und Kapitalismus gibt, kann sich Auschwitz wiederholen.  Wenn Juden tendenziell von Vernichtung bedroht sind, eben weil sie Juden sind, so braucht es zunächst einmal folgendes: weltweite Solidarität mit den Juden, weltweiten Kampf gegen Antisemitismus. Da ist gerade die Linke gefordert - und sie versagt leider auffällig. Nicht alle Juden, aber ein beachtlicher Teil von ihnen hat sich schon lange nicht mehr auf  eine zweifelhafte Solidarität oder „Toleranz“ verlassen und deshalb die Konsequenz gezogen, dass es  einen Ort geben muss, wo Juden sicher vor antisemitischer Verfolgung leben können. Nach der Erfahrung der Shoah  ist der Anteil der Juden, der diese Konsequenz gezogen hat, noch einmal sehr stark gestiegen. Israel ist  nicht gleich „die Juden“, aber seine Existenzberechtigung ergibt sich zwangsläufig aus dem Antisemitismus, besonders aus der Shoah.  „Dort darf man Jude sein, ohne sich zu verstecken.  Es ist das einzige Land der Welt, wo es so ist. Es ist eben das Land der Juden. Gegründet von Juden. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Das ist etwas, was für mich sehr beruhigend ist.“ (zit. n. V.v. Wroblewsky, Berlin 2001) Wer wollte einem jüdischen Menschen diese Sätze absprechen?  Viele Linke bekennen sich (anders als das Palästina-Komitee) zum Existenzrecht Israels. Wir selbst gehören zu denen, die das schon immer vertreten haben. Allerdings mussten wir einsehen, dass wir nicht genügend bedacht hatten, welche Konsequenz sich daraus ergibt: Israel macht nur Sinn als jüdischer Staat, jedenfalls als Staat, der in der Mehrheit von Menschen getragen wird, die sich als Juden verstehen. Solange sich die Shoah wiederholen kann, solange es Antisemitismus und Kapitalismus, folglich auch Staaten gibt, haben Juden ein Recht auf einen Staat, in dem sie sicher leben können. Was wir an jedem anderen Staat als nationalistisch und unerträglich verurteilen, nämlich, dass er sich als „französisch“, „türkisch“, „russisch“ oder gar „deutsch“ definiert, müssen wir im Falle des Selbstverständnisses Israels als „jüdisch“ akzeptieren. Dieser, zugegebenermaßen, andere Maßstab, den wir an Israel anlegen, folgt zwingend aus der real existierenden besonderen Lage der Juden aufgrund des antisemitischen Vernichtungswahns.  Aus dieser Sonderbehandlung folgt  jedoch keineswegs, dass Israel, wie oft - und gerade von antisemitischer Seite - unterstellt, nun etwa eine Art „Freibrief“ erhielte, „zu machen, was es will“. Aber aus der Existenzberechtigung eines jüdischen Staates folgt  selbstredend eine Fülle von Widersprüchen. Schlimmerweise betraf und betrifft das konkret in erster Linie nicht diejenigen, die den Holocaust zu verantworten haben, sondern die Menschen in Palästina.

DAS LEID DER PALÄSTINENSERINNEN - UND DIE DEUTSCHEN SIND FEIN RAUS?
Die Frage der PalästinenserInnen: „Was haben wir denn getan, dass ausgerechnet wir unter der Bildung des jüdischen Staates leiden mussten und müssen?“ halten wir für berechtigt und nachvollziehbar. Dass die Menschen in Palästina auch über ein halbes Jahrhundert nach der israelischen Staatsgründung heute noch so viel leiden, ist u.E. jedoch nicht allein auf die Politik Israels zurückzuführen, sondern auch auf die ihrer eigenen Führung, ihrer arabischen angeblichen „Freunde“ und verschiedener Großmächte sowie insbesondere auch auf die fatale Entwicklungstendenz der kapitalistischen Weltwirtschaft, die immer mehr „abgehängte Gebiete“ produziert. Wir kritisieren Israels Besatzungs- und Siedlungspolitik und seinen Militärterror gegen die palästinensische Zivilbevölkerung, wir treten für den Rückzug auf die Grenzen von 1967 und für die Gründung eines souveränen palästinensischen Staates ein.  Uns interessiert in diesem Zusammenhang aber in erster Linie etwas ganz anderes, über das leider kaum gesprochen wird, auch nicht in der Friedensbewegung:
Die Deutschen hatten sich während des Holocaust bis auf ganz wenige Ausnahmen als willige Vollstrecker oder Wegseher geoutet. Wäre es wenigstens nach 1945 mit rechten Dingen zugegangen, so wären sie in die Antarktis ausgesiedelt und den Juden das nunmehr unbesiedelte Land in Mitteleuropa angeboten worden. (Ob die das Angebot angenommen hätten, ist mehr als fraglich, aber es hätte sich gehört.) Es ist unerträglich, dass die Menschen in Palästina nun schon ein halbes Jahrhundert lang ausbaden müssen, dass das nicht geschehen ist.
Es gibt Konflikte, wo man sich auf eine Seite stellen muss und Konflikte, wo man sich auf keine Seite stellen kann. Der israelisch-palästinensische Konflikt ist einer, wo man sich auf beide Seiten stellen muss.  Für den sicheren jüdischen Staat und dafür, dass die Menschen in Palästina endlich in Frieden und unter menschenwürdigen Bedingungen leben können. Noch komplizierter und herausfordernder wird die Sache jedoch durch den in unseren Augen besonders unerträglichen Umstand, dass ausgerechnet die Deutschen bei der ganzen Sache bis heute fein raus sind. Auch wenn die Tätergenerationen im wesentlichen abgetreten sind, so haben doch auch und gerade die Nachgeborenen davon profitiert, dass Deutschland nur scheinbar und nur vorübergehend den Krieg verloren hat und keine wirklichen Konsequenzen aus dem Holocaust zu tragen hatte. Was folgt aus alledem  für die Deutschen? Für die Linke? Für die Friedensbewegung? Wir vermissen darüber Diskussionen.
Hier ein Diskussionsangebot: Alle Deutschen liefern ein Jahr lang alles von ihrem Einkommen ab, was das durchschnittliche Jahreseinkommen einer Palästinenserin übersteigt. Das Geld wird für Aufbauarbeit in Palästina und Israel verwandt. Damit Deutschland nicht auch noch politisches Kapital aus der Aktion schlagen kann, haben die Deutschen lediglich zu zahlen, verwaltet und organisiert wird die ganze Aktion von den vier Hauptmächten der ehemaligen Antihitlerkoalition Russland, USA, Großbritannien und Frankreich.
 
„DIE DEUTSCHEN WERDEN DEN JUDEN AUSCHWITZ NIE VERZEIHEN“
Der Antisemitismus existiert auch nach der Shoah weiter. Sein mainstream hat jedoch, zumindest in Deutschland, schon sehr früh auf das geachtet, was man heute political correctness nennt. Was niemals irgendwer verlangt hat, phantasieren sich die Deutschen zusammen: Man dürfe ja nichts gegen die Juden sagen. Die wenigsten trauten sich deswegen bisher, öffentlich „schlecht über die Juden zu reden“, auch wenn viele in antisemitischen Stereotypen denken: „Die Juden sind raffgierig, hauen einem übers Ohr, haben zuviel Macht über die Medien und die öffentliche Meinung, haben eine viel zu starke Lobby in den USA, nutzen den Holocaust aus, um ihre Ziele durchzusetzen, sind selber dran schuld, wenn man was gegen sie hat“ usw.  usf.
Zwei Besonderheiten prägen den Antisemitismus nach der Shoah:
 er versteckt sich heute mit Vorliebe hinter der Kritik an Israel und
 er bringt die Juden und Israel immer wieder in die Nähe der deutschen Verbrechen, unterstellt ihnen, offen oder versteckt, „das Gleiche zu machen wie die Nazis“.
Die Ziele der Übung sind klar: die Relativierung der deutschen Verbrechen und, „es den Juden heimzuzahlen“, dass sie einem allein durch ihre Existenz permanent an „die deutsche Vergangenheit“ erinnern, die man doch so gerne wegwischen will. Der israelische Psychoanalytiker Zvi Rex hat dafür den Satz geprägt: „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen.“ Wir haben diesen Verdrängungs- und Abwehrmechanismus anhand des unsäglichen Plakates auf der Kundgebung („Ist es das, was Juden aus dem 2.Weltkrieg lernten?“) dargestellt. Dass die Leute vom Palästinakomitee darauf mit keinem Wort eingehen, zeigt, dass sie noch nicht verstanden haben. Sie glauben immer noch, wo niemand „schlecht über die Juden redet“, sei auch kein Antisemitismus. Nur so können wir uns erklären, dass sie sagen:
„Antisemitisch wäre es z.B. gewesen, Sharon nicht als ‚Mörder‘, sondern als ‚jüdischen Mörder‘ zu bezeichnen.“ Sie verstehen offensichtlich nicht, dass es antisemitisch ist, wenn sie sagen, Sharon sei ein Faschist. Antisemitisch ist es auch, wenn sie vom israelischen „Völkermord“ an den PalästinenserInnen reden und Israel auch damit in die Nähe der deutschen Verbrechen bringen. Die uns bekannten Zahlenangaben über die Opfer seit Beginn der Zweiten Intifada schwanken zwischen 568 und 1500 Palästinensern sowie 452 und 900 Israelis. Auch wenn nur die geringsten Zahlen zuträfen, so ist doch jedes einzelne Opfer eines zuviel. Und auch wenn die höchsten Zahlen zuträfen: Völkermord ist etwas anderes. Die Zahlenangaben über die Opfer des Massakers von Sabra und Schatila, das 1982 unter den Augen der israelischen Armee geschah, schwanken zwischen 800 und 3000. Im Jahr 1970 fand das bisher größte Massaker an PalästinenserInnen mit  25 000 Toten statt, organisiert von ihren jordanischen „Freunden“. Ist es dem Palästina-Komitee jemals eingefallen, in diesem Zusammenhang von „Völkermord“ zu sprechen? Warum fällt es ihm bei Israel ein?

MÖLLEMAÄNNER UND -FRAUEN WOHIN MAN BLICKT
Das Interessanteste - und Erschreckendste - an der „Möllemann/Karsli-Affäre“ waren die Leserbriefseiten. Sie offenbarten nicht nur, dass massenhaft Antisemitisches in den Köpfen ist, sondern auch, dass sich zunehmend getraut wird, das nicht mehr anonym, sondern mit Namen und Adresse zu sagen. Nach einer Umfrage der Uni Leipzig vom Juni 2002 können es 36% der Deutschen „gut verstehen, dass manchen Leuten Juden unangenehm sind“. Der Aussage „auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß“ stimmen 31% der Westdeutschen zu (vor vier Jahren waren es noch 17%). Bei den meisten Wahlauswertungen ging leider unter, dass Möllemanns Strategie durchaus nicht erfolglos war.  Das beste Ergebnis erzielte die FDP in NRW mit 9,3 % oder absolut 200.000 Stimmen mehr. Das Kalkül, mit Antisemitismus Wählerstimmen zu gewinnen, geht also durchaus auf. Und wie sich der Antisemitismus hinter der Kritik an der israelischen Politik verschanzt, haben Karsli/Möllemann anschaulich vorgeführt, ihr Publikum in den Leserbriefspalten hat den Ball johlend aufgenommen. Das alles ist keine Randerscheinung, es läuft im Zentrum der Gesellschaft ab. Walsers üble Paulskirchenrede mit der „Auschwitzkeule“ war ein „Tabubruch“, der dem Möllemann‘schen vorausging. Da hat die feine Mitte der Gesellschaft mit stehenden Ovationen ihren Nationaldichter gefeiert. In wie vielen Köpfen ist das: „Wir dürfen nichts sagen gegen die Juden, denn sie kontrollieren die Medien und die öffentliche Meinung, aber  die gehässigen Juden sind selbst schuld am Antisemitismus, sie ziehen ihre unsichtbaren Fäden in der ganzen Welt, wir sind eine ganz normale Nation, lasst uns in Ruhe, die Juden sind ja auch nicht besser, schaut doch nur nach Israel, die machen‘s doch auch wie die Nazis, der Selbstmordterror ist doch gerechtfertigt“ usw. Möllemann hat zwar ein paar taktische Fehler gemacht, aber er hat all das transportiert und wird deswegen von der deutschen Volksseele als „mutiger Tabubrecher“ gefeiert.
Leider gibt es immer noch Linke, die glauben, Antisemitismus sei kein aktuelles Problem. Mehr noch - der Satz „Möllemann hat ja schließlich auch viel Richtiges gesagt“ ist sogar von Linken zu hören. Solange das der Fall ist, ist die Diskussion in der Linken nicht beendet.

DIE EXISTENZ ISRAELS IST NICHT GESICHERT
„Alle Imperialisten unterstützen Israel“ - wie das Palästina-Komitee meint - ist eine viel zu vereinfachende Sicht. Auch die in der Linken verbreitete Ansicht, die Existenz Israels sei „ja sowieso“ sicher, lässt sich u.E.  schwer mit einigen Tatsachen vereinbaren. Zur Begründung dieser These werden i.d.R. die militärische Überlegenheit Israels und seine Unterstützung durch die USA angeführt. Aber alle militärische Überlegenheit nutzt letztendlich wenig, wenn sich - so wie derzeit - die politischen Koordinaten verschieben.  Zu Zeiten des Kalten Krieges war klar, dass die USA kaum eine andere Wahl hatten, als  auf Israel zu setzen. Aber heute? Angenommen, es geht den USA wirklich ums Öl (und dafür spricht einiges, wenn dies auch nicht der alleinige Grund für ihre Politik in Nahost sein dürfte), dann liegt die Frage auf der Hand: Wie viele neue Freunde, die - anders als Israel -  über jede Menge Öl verfügen, würden den USA  zuwachsen, wenn sie Israel fallen ließen? Wir halten solche Befürchtungen in der israelischen Politik und Öffentlichkeit für durchaus nachvollziehbar. Auf jeden Fall gibt es nicht nur diejenige Tendenz in der US-Außenpolitik, die auf Israel als „Ordnungsmacht“ im eigenen Interesse setzt. Es gibt auch eine andere, nämlich die, Israel „als Klotz am Bein“ zu betrachten und diese Tendenz wird stärker. Umso  mehr übrigens, als Deutschland/Europa  genau das als offene Flanke der US-Außenpolitik erkennt und in diese Kerbe haut, um Einfluss gegenüber dem Konkurrenten zu gewinnen.
So gibt es gerade in der deutschen/europäischen Außenpolitik eben nicht nur Militärhilfe (wenn auch bereits faktisch ausgesetzt) und viele gute Worte für Israel, sondern auch die Finanzierung der Arafat-Behörde durch die EU.  Und es wird nicht verhindert, dass diese mit dem Geld Schulbücher antisemitischen Inhalts drucken lässt. Dass sie damit Fernsehsendungen ausstrahlt, in denen offen zum Mord an den Juden aufgerufen wird. Dass sie möglicherweise sogar  Gelder für die Finanzierung des Selbstmordterrors davon abzweigt (dazu läuft eine Untersuchung des Europaparlaments).  Deutsche/europäische Außenpolitik pflegt gute Beziehungen zum Irak und zum Iran, die beide die Beseitigung Israels zum Staatsziel haben. Irakische Geheimdienstler wurden in Deutschland ausgebildet. Und vor allem: immer deutlicher wird der Versuch Deutschlands, sich (neben einigen anderen Gebieten, wie „Klimaschutz“ und „Strafgerichtshof“) auch auf dem Feld „Nahost“ mit den USA anzulegen. Was selbstredend nur geht, wenn man eine distanziertere Haltung zu Israel als die USA anzubieten hat.  Will man die Sicherheit der Existenz Israels beurteilen, so verdient auch die gezielte Terrorstrategie gegenüber Israel besonderes Augenmerk. Denn sie ist durchaus nicht ohne Erfolg. Angst und Unsicherheit machen sich in Israel breit. Wenn der Plan aufgehen sollte, dass die jüdische Gesellschaft dem jüdischen Staat nicht mehr die Schutzfunktion gegenüber antisemitischer Verfolgung zutraut, dann ist Israel am Ende.
Das Palästina-Komitee macht sich zum Verbündeten dieser Strategie, wenn es für das „Verschwinden des reaktionären und undemokratischen Staates Israel“ eintritt. Warum fällt ihm das eigentlich nicht zu Staaten wie Irak, Iran und Saudiarabien ein, von denen jeder einzelne wesentlich mehr Menschenleben auf dem Gewissen hat als Israel? Die nachgeschobene Rede von einem „sozialistischen Staat, in dem alle friedlich zusammenleben“ bleibt wenig überzeugend, solange sie auffälligerweise nur auf Israel bezogen wird. Sie ist unrealistisch, nicht nur weil auch in Nahost die Zeichen der Zeit auf alles andere als auf Sozialismus stehen, sondern auch, weil allein schon der über Jahrzehnte angestaute gegenseitige Hass auf absehbare Zeit ein Zusammenleben in einem gemeinsamen Staat unmöglich machen würde. Direkt heuchlerisch wird diese Rede jedoch, wenn sie mit der Unterstützung des antisemitischen Selbstmordterrors einhergeht.

DAS AMMENMÄRCHEN VOM SELBSTMORDTERROR „AUS VERZWEIFLUNG“
Spätestens hier ist eine Auseinandersetzung mit der  - von rechts bis links -verbreiteten Meinung angesagt, der Selbstmordterror geschehe „aus Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit“. Selbstredend operiert  auch das Palästina-Komitee mit dieser Schablone. Mehr noch, es rechtfertigt den Selbstmordterror ausdrücklich. Wie sonst sollte man die Worte verstehen:
„Wenn es bessere Mittel und Perspektiven gäbe, würde kein Mensch mehr sich und andere in die Luft sprengen.“ Woraus ja wohl folgt, dass es, zumindest derzeit, das beste Mittel ist...
Hier zunächst einmal einige Zitate, die Verbreitung verdienen:
  • „Da wir Israel nicht im Krieg besiegen können, tun wir es in Phasen. Wir nehmen so viel Territorium von Palästina wie möglich und errichten unsere Souveränität dort. Dann benutzen wir es als Sprungbrett, um mehr zu nehmen. Wenn die Zeit gekommen ist, können wir die arabischen Nationen auffordern, sich uns beim Endschlag gegen Israel anzuschließen.“ (Yassir Arafat am 13. 9. 1993, dem Tag der Unterzeichnung des ersten Osloer Vertrages, im jordanischen Fernsehen.)
  • „Bei einem Symposium in Gaza bestätigte der palästinensische Informationsminister Imad Al-Falouji, dass die palästinensische Autonomiebehörde mit den Vorbereitungen für den Ausbruch der derzeitigen Intifada in dem Moment begonnen hatte, in dem die Gespräche von Camp David zu Ende gingen, und zwar nach Anweisungen, die vom Vorsitzenden Arafat persönlich erteilt wurden.“ (Al-Ayyam, halbamtliche palästinensische Tageszeitung, 6.12.2000)
  • „Kein Jude schreckt vor irgendeinem vorstellbaren Bösen zurück...Sie sind alle Lügner...Sie sind die Terroristen. Sie sind diejenigen, die geschlachtet und getötet werden müssen...Habt kein Mitleid mit den Juden, egal, wo ihr seid, in welchem Land auch immer. Bekämpft sie, wo immer ihr seid. Wo immer ihr sie trefft, tötet sie.“ (Prediger Dr. Ahmed Abu Halabiya, Mitglied des von Arafats Autonomiebehörde ernannten Fatwa-Rates, Freitagsgebet 13.10. 2000, ausgestrahlt im offiziellen palästinensischen Fernsehen.)
  • „Allah möge es geschehen lassen, dass die Moslems über die Juden regieren. Wir werden sie in die Luft sprengen in Hadera, in Tel-Aviv, in Netaniya im Sinn der Gerechtigkeit Allahs...Wir preisen die, die ihre Kinder zum Djihad und zum Märtyrertum erziehen. Gepriesen sei der, der eine Kugel in den Kopf eines Juden schießt.“ (Freitagsgebet, 4.8. 2001, ausgestrahlt im offiziellen palästinensischen Fernsehen.)
Saddam Hussein zahlt jeder „Märtyrerfamilie“ pro Selbstmordattentäter 25 000 US-$, was in Palästina einem Lottogewinn gleichkommt. In den palästinensischen Schulen und im Kinderprogramm des Fernsehens wird vermittelt, wie glorreich ein Tod als „Märtyrer“ ist. Wegen Anschlägen verurteilte Hamas- und Djihad-Aktivisten werden von der Autonomiebehörde aus palästinensischen Gefängnissen freigelassen und damit grünes Licht für neue Anschläge gegeben. Hamas, Djihad und die Al-Aksa-Brigaden kündigen abwechselnd „Aktionen“ oder auch mal deren Aussetzung an.  Aus all dem folgt: Die Selbstmordattentate sind kein „spontaner Aufschrei der verzweifelten Massen“, sondern eine langfristig und generalstabsmäßig geplante Strategie, die sich des Judenhasses bedient und die ihn fördert.  Warum sollte das israelische Besatzungsregime zur zwangsläufigen Folge haben, dass ein als ferngesteuerte Lenkwaffe schrecklich missbrauchter 17-Jähriger in einen Bus steigt oder in eine Disko geht und sich selbst und jede Menge Gleichaltrige  in den Tod schickt? Welchen Sinn sollten solche Aktionen haben, wenn nicht den,  möglichst viele Juden zu töten und Israel langfristig zu zerstören?
Hier eine gewiss unverdächtige Stimme: In einem gemeinsamen linksradikalen Projekt jüdischer und arabischer Israelis, das sich „für das palästinensische Volk, sein Recht auf Unabhängigkeit und auf ein erfülltes Leben in seinem eigenen Land“ einsetzt, wird die zweite Intifada wie folgt eingeschätzt: „Es war ein Aufstand gegen die Juden, nicht gegen die Besatzung. Das Ziel war, Angst und Schrecken unter den Juden zu verbreiten, bis diese irgendwie verschwinden würden. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden alle Mittel als legitim angesehen.“ (Magazin Challenge, No.72, August 2002, www.hanitzotz.com/challenge/ <http://www.hanitzotz.com/challenge/>. ) Einen Einblick in die Gedankenwelt islamistischer Selbstmordattentäter gewährt übrigens der derzeitige Al-Qaida-Prozess in Hamburg. Ein Zeuge stellte den Angeklagten „als radikalen Antisemiten und politischen Extremisten dar. In der Hamburger Gruppe mehrerer mutmaßlicher Al-Qaida-Terroristen sei es eine ‚einheitliche Anschauung‘ gewesen, dass ‚die Juden‘ Medien und Wirtschaft beherrschten sowie die US-Regierung kontrollierten...“ (Stuttgarter Zeitung, 13.11.02)
„Für uns ist ein Verbrechen ein Verbrechen“ sagt das Palästina-Komitee. Warum verurteilt es dann nicht die Selbstmordattentate?

WAS FÜR EIN ANTI-IMPERIALISMUS?
Hinter den Positionen des Palästina-Komitees scheint uns ein sehr oberflächliches Verständnis von Antiimperialismus zu stehen. Die Welt wird aufgeteilt in die Imperialisten - allen voran die USA und ihren Helfershelfer Israel - und in den Rest der Welt, der von den Imperialisten ausgebeutet und unterdrückt wird. Zum Beispiel Irak. Dazu weiß man nur zu sagen, dass „dort auch Menschen ausgebeutet und unterdrückt“ werden. Dass das Saddam-Hussein-Regime derzeit eines der übelsten Regimes überhaupt ist, das nur wenig seinesgleichen hat, geht in einer solchen „Analyse“ selbstredend unter. Zur Erinnerung eine unvollständige Liste: Angriffskrieg gegen den Iran, ca. 1 Million Tote - ca. 180 000 Kurden ermordet oder zum Verdursten in die Wüste verschleppt - 5000 Tote bei Giftgas-Angriff auf Halabja - Einmarsch in Kuwait - 150 000 Tote bei Niederschlagung des Volksaufstands 1991 - Zwangsumsiedlungen von über 600 000 Menschen - allein seit 1997 Hinrichtung von 4000 Menschen, Enthauptung von ca. 1000 Frauen aus oppositionellen Familien unter dem Deckmantel des Kampfes gegen die Prostitution - Herausschneiden der Zunge wegen Verleumdung des Präsidenten... Das alles ist doch wohl ein bisschen mehr als „auch Menschen ausbeuten und unterdrücken.“ Dass es auch wesentlich mehr ist als all das, was Israel jemals - unabhängig vom Wahrheitsgehalt - vorgeworfen wurde, sei hier nur am Rande vermerkt. Die Frage, wie interessant für die Leute vom Palästina-Komitee der Kampf gegen diese Regime ist - wo doch für sie „ein Verbrechen ein Verbrechen ist“ - halten wir unsererseits allerdings für interessant. Saddam Hussein hat schon einmal Raketen auf Israel abgefeuert und das auch für die Zukunft angedroht, er gehört zu den Finanziers des antisemitischen Selbstmordterrors. Warum die auffällige Zurückhaltung ihm gegenüber?
Wir sind gegen den drohenden Krieg, den die USA und ihre Verbündeten im Irak führen wollen, denn er würde hunderttausenden Menschen Tod, Leid und Elend bringen. Aber aus genau den gleichen Gründen sind wir auch für den Sturz des Saddam-Regimes und für die Unterstützung der irakischen Opposition. Wir glauben, dass diejenigen, die den USA praktisch das Monopol auf die Kritik an dem verbrecherischen Regime in Bagdad überlassen, sich nicht nur taktisch unklug verhalten, sondern auch unglaubwürdig machen.  Die Aussage auf der Kundgebung, wonach hinter Sharon  die Banken und Konzerne stünden, die mit Israels Hilfe „die Region unter ihre Herrschaft bekommen wollen“ bedient nicht nur das typisch antisemitische Denkmuster, wonach „das Finanzkapital“ hinter den Juden steht. Sie suggeriert auch, dass die Nahost-Region derzeit so etwas wie eine „kapitalismusfreie Zone“ sei, die sich der Imperialismus erst unterwerfen müsse. Hier ist nicht der Raum, um auf eine derartige „Kapitalismusanalyse“ näher einzugehen. Wir möchten jedoch anhand des Beispiels erneut auf die gute Verträglichkeit von Pseudo-Kapitalismuskritik und Antisemitismus verweisen.  Positiv aufgefallen an der Stellungnahme des Palästina-Komitees ist uns, dass in ihr nicht von „Völkern“ die Rede ist. Ganz im Gegensatz zur Kundgebung übrigens, wo es davon nur so gewimmelt hat, sei es das palästinensische, das afghanische, das irakische oder seien es gleich gar „die Völker der Welt“, die beschworen wurden. Wir halten es für eigenartig, wenn zwar jedeR deutsche Linke kapiert hat, dass vom „deutschen Volk“ zu reden irgendwie nicht geht, aber für so manche Linke und Friedensbewegte bereits ein paar hundert Kilometer weiter weg das große Reich der „Völker“ beginnt, der unterdrückten, der ausgebeuteten, der wissenden, der leidenden, der spürenden, der kämpfenden usw. usf.
Uns geht es um Menschen, wo es um Völker geht, wird uns schlecht. „Völker“ sind alles andere als Subjekte von Emanzipation, sie sind reaktionäre Zwangsgemeinschaften, die ihrer „Führer“ ebenso bedürfen, wie derer, die „nicht dazugehören“, um sich zu konstituieren. Oft genug gründen sie sich auf Blut und Boden, besonders ekelhaft im Falle Deutschlands.
Soll es zu menschlicher Emanzipation kommen, so müssen die „Völker“ aus dem Leben und in die Geschichtsbücher verbannt werden. Wie sich das konkret abspielen könnte, darüber lässt sich heute nur spekulieren. Aber nach Auschwitz steht eine gewisse Reihenfolge fest: das erste „Volk“, das von der Bühne abzutreten hat, ist das deutsche, das letzte das jüdische.
Stuttgart, November 2002
Lothar Galow-Bergemann       <mailto:utalothar@z.zgs.de>, 0711/560294
Bärbel Illi                  <mailto:baerbel.illi@t-online.de>, 0711/4411138

Gegen Rassismus überall!
Es gibt Leute die machen Politik nach dem Gefühl, anderen machen Analysen.  Manche stellen einfach Glaubensätze auf, an denen alles gemessen wird. Zu diesen Dogmatikern gehören Illi und Galow.
Ihr Credo lautet: Wer von Israel redet, darf von Antisemitismus und Deutschland nicht schweigen.
Dogma1: Die Juden = Israel. Die Gründung des Staates Israel rechtfertigt sich aus dem Holocaust.
Dogma2: Wer Israel angreift, ist Antisemit.
Dogma3: Alles, was für die Existenz Israels nötig ist, ist gerechtfertigt; zB die Vertreibung und Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung.
Mit diesen Dogmen als Raster scannen Illi/Galow alle Aussagen, filtern verdächtige Sätze oder Halbsätze und suggerieren ihre Assoziationen dazu.
Argumentationen interessieren sie nicht. Ihr Schreiben belegt aber eines:
Auf der Kundgebung des Palestina-Komitees am 28.9. fiel kein einziges antisemitisches Wort.
Das ist kein Wunder, denn wohl alle RednerInnen sind überzeugte und aktive AntirassistInnen und InternationalistInnen, selbstredend auch AntifaschistInnen. Die demokratischen und Menschenrechte müssen überall verteidigt werden. Jede Diskriminierung und Vertreibung muß bekämpft werden.  In diesem Kampf spielt Palästina eine zentrale Rolle.
Antisemitisch wäre es z.B. gewesen, Sharon nicht als „Mörder“, sondern als „jüdischen Mörder“ zu bezeichnen. Rassisten teilen die Menschen in „Rassen“ auf, ordnen ihnen „rassische“ Eigenschaften zu und versuchen eine Verbindung zwischen ihrem Handeln und ihrer „Rasse“ zu ziehen. Für uns ist ein Verbrechen ein Verbrechen, egal im Namen welcher „Rasse“, Religion oder Nationalität dies geschieht. Wichtig ist für uns, welche Interessen dahinter stehen.
Für uns ist klar, dass es Großmächte auf dieser Welt gibt, die anderen Mächten ihren Willen aufzwingen wollen. Deswegen sind diese anderen Mächte, zB der Irak, noch lange nicht „gut“. Dort werden auch Menschen ausgebeutet und unterdrückt. Aber es geht den Großmächten mitnichten darum, diesen zu helfen. Im Gegenteil. Sie wollen möglichst viele Menschen und möglichst viele Rohstoffquellen ausbeuten. Wir nennen das Imperialismus.
Der amerikanische Imperialismus hat gerade ganz konkrete Pläne, den Nahen und Mittleren Osten zu seinen Gunsten umzugestalten. Das wird Millionen Menschen das Leben kosten. Dazu gehört ein Krieg gegen Irak. Da sind der deutsche und der französische Imperialismus nicht ganz mit einverstanden.  Alle Imperialisten aber unterstützen Israel. Als teure, aber notwendige Bastion zur Kontrolle der Region. Sie unterstützen Israel aus den gleichen Motiven, mit denen sie Krieg gegen Irak oder Afghanistan geführt haben und führen werden.
Auch israelische Soldaten sind dabei nur Kanonenfutter. Kanonenfutter bleibt nur Kanonenfutter, solange es den Glauben nicht verliert. Den Glauben an die gerechte Sache der eigenen Nation oder „Rasse“ oder Volk. Aber so wie Zionisten den Holocaust zur Rechtfertigung des Völkermordes an den Palästinensern benutzen, haben groß-serbische Nationalisten aus der Unterdrückung im osmanischen Reich das Recht zur Diskriminierung der Kosovaren abgeleitet. Albanische Nationalisten haben aus der Unterdrückung durch die serbische Regierung das Recht zur Vertreibung der Serben aus dem Kosovo abgeleitet. In solcher nationalistischer Ideologie sind auch Illi/Galow gefangen.
Für uns ist die Intifada der berechtigte Aufstand gegen Unterdrückung und Vertreibung, hinter denen der Imperialismus steht - und mitnichten irgend ein „Weltjudentum“. Diese Assoziation entspringen Illi/Galows Hirnen.  Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Wer die Intifada bekämpft, wird gegen den neuen Golfkrieg nicht kämpfen können!
Die Intifada hat wenig Mittel, Demonstrationen und Steine gegen die viertgrößte Armee der Welt. Galow/Illi unterschlagen, was unter anderem auf der Kundgebung gefordert wurde: Die Intifada durch internationale Solidarität stärker zu unterstützen, die Antikriegsbewegung in Israel zu stärken und manche setzen auch auf die UNO. Wenn es bessere Mittel und Perspektiven gäbe, würde kein Mensch mehr sich und andere in die Luft sprengen!
Selbstmord geschieht aus Verzweiflung. Diese Attentate sind letztlich Ausdruck der Hoffnungslosigkeit und treffen meistens die Falschen. Sie sind grausam, aber auch in ihrer Grausamkeit sind sie der Grausamkeit eines Sharon weit unterlegen. Wir erinnern, der Anlass der Kundgebung war der Jahrestag des Massakers von Sabra und Schatila.
Welche Zukunft? Alle Redner haben sich für ein friedliches Zusammenleben ausgesprochen. (Im Gegensatz zur Unterstellung, „die Tötung möglichst vieler Juden“ sei verherrlicht worden) Das geht nur in einem Staat, in dem niemand wegen seiner religiösen oder nationalen Herkunft unterdrückt wird, also einem laizistischen und demokratischen Staat. Manche der Redner wiesen darauf hin, dass dies letztlich ein sozialistischer Staat sein müsse, denn nur ohne Ausbeutung gebe es auch wirkliche Gleichberechtigung. So ein Staat steht in direktem Gegensatz zum rassistischen und undemokratischen Staat Israel. Deshalb muss dieser mit samt seiner Armee verschwinden. Wir glauben, dass das für alle Menschen die bessere Zukunft ist. Ein Staat, der seine Existenz auf den permanenten Terror gegen die Mehrheit der ansässigen Bevölkerung aufbaut, wird seinen Bewohner nie Frieden sichern können.
Wenn es für Illi/Galow peinlich ist, auf  einer Kundgebung gegen die Unterdrückung der Palästinenser und gegen den Krieg im Irak zu sein, ist das ihr Problem. Wir jedenfalls waren am Mahnmal für die Opfer des Faschismus völlig richtig.
Palästina-Komitee Stuttgart     
25.10.2002

Israel - noch mal nachdenken ... Antisemitisches von links
Beobachtet auf der Kundgebung des Palästinakomitees Stuttgart am 28.9.02
Vorbemerkung: Obwohl es praktisch niemanden gibt, der behauptet, man dürfe Israel nicht kritisieren, ist dieser Reflex erstaunlicherweise weit verbreitet. Sobald mensch gängige Angriffe gegen Israel hinterfragt, wird einem mit Sicherheit ebendies unterstellt. Warum ist das eigentlich so?  Diese Beobachtungen wurden von Leuten aufgezeichnet, die durchaus der Meinung sind, dass man Israel kritisieren darf. Sie erheben auch nicht den Anspruch, die Kundgebung vollständig wiederzugeben. Das Interesse war vielmehr darauf gerichtet, antisemitischen Wertungen und Aussagen sowie deren müheloser Vereinbarkeit mit so manchem linkem Weltbild nachzugehen.
 (Es folgt die Fotografie eines Plakates, das auf der Kundgebung gezeigt wurde. Daruf sind israelische Soldaten mit Verwundeten, vermutlich Gefangenen, zu sehen. Darüber steht: „Ist es das, was Juden vom 2. Weltkrieg lernten?“)

Was sagt dieses Bild einem guten Deutschen?
  1. Es gab einen 2. Weltkrieg, aus dem die Juden gefälligst etwas zu lernen haben.
  2. Wohlbemerkt: einen 2.Weltkrieg. Keinen Holocaust, keine planmäßige, industriell organisierte Vernichtung der „jüdischen Rasse“ durch das „deutsche Herrenvolk“.
  3. Die Juden sollen gefälligst mal bei den Deutschen nachfragen, was sie daraus hätten lernen können.
  4. Aber man sieht ja: Die Juden sind auch nicht besser. Machen doch genau das Gleiche.
  5. Was sollen also die ewigen Vorwürfe gegen die Deutschen? Sollen wir ewig büßen? Lasst uns damit in Ruhe.
  6. Endlich dürfen wir wieder die Juden kritisieren. Wenigstens einige haben den Mut dazu.
Was nicht gesagt wurde:
Auf der Veranstaltung wurden erschütternde Bilder gezeigt und Berichte vorgetragen, die das Leid der Menschen in Palästina dokumentieren. Kein Redner sprach über das Leid der Menschen in Israel. Niemand distanzierte sich von den grausamen Selbstmordattentaten gegen die Zivilbevölkerung und von den Organisationen, die dahinterstehen, wie Hamas oder die Al-Aksa-Brigaden Arafats. Keiner sprach davon, dass es das erklärte Ziel des Selbstmordterrors ist, möglichst viele Juden zu töten. Im Gegenteil, die Al Aksa Intifada, zu deren Markenzeichen dieser Terror geworden ist, wurde gefeiert und als „gerechter Krieg“ verherrlicht.
Was u.a. gesagt wurde: „Seit zwei Jahren haben Millionen von Palästinensern zurückgeschlagen. Sie zeigen: Wir sind nicht nur Opfer, sondern Teil des weltweiten antiimperialistischen Kampfes. Wir müssen froh sein, dass die Palästinenser zurückschlagen und uns mit ihnen solidarisieren. Wir brauchen ein, zwei, viele Intifadas... Ja zur Intifada überall.“
„Es ist was ganz besonderes, dass das palästinensische Volk diesen Widerstand leistet. Das müssen wir alle lernen, weil es nötig sein wird, diesen Widerstand auch anderswo zu leisten.“
„Die Intifada ist ein gerechter Krieg als Teil des weltweiten antiimperialistischen Kampfes.“
„Wir müssen bedingungslos die Palästinenser unterstützen.“ Kommentar: Bedingungslos unterstützen heißt alles unterstützen. Solidarität mit den Selbstmordattentätern.
„Arafats Kompromissbereitschaft, seine Zustimmung zur Zwei-Staaten-Lösung in Oslo, hat zum Vorrücken des Zionismus geführt... Die Zwei-Staaten-Lösung ist keine Lösung für Palästina. Letztendlich müssen Sharon und dieser reaktionäre Staat Israel gestürzt werden.“ (kein Hörfehler!) Kommentar: Israel muss beseitigt werden.  (siehe dazu Anmerkung unten)
„In Deutschland lassen sich sogar Teile der Friedensbewegung ihre Politik von den Zionisten vorschreiben.“
Kommentar: Natürlich machen die sich keinen eigenen Kopf, sondern die Juden ziehen ihre unsichtbaren Fäden.
„Die westlichen Politiker sind die Marionetten der Banken und Konzerne. Sie brauchen das reaktionäre und aggressive Regime in Israel, um die Region unter ihre Herrschaft zu bekommen. Sharon braucht keine Angst zu haben, denn hinter ihm stehen die Banken und Konzerne.“
Kommentar: Gibt es irgendeine Region der Welt, die noch nicht unter der Herrschaft des globalisierten Kapitalismus steht? Oder haben wir etwa übersehen, dass es in Nahost jede Menge fortschrittliche Gesellschaften gibt, die sich von der Herrschaft der Mullahs und des Kapitals befreit haben? Im übrigen: Hinter den Juden steht das Finanzkapital, das „raffende“ Kapital.
„Israel baut Stacheldraht um die Palästinensergebiete. Damit werden die Palästinensergebiete zum größten Internierungslager und zum größten Ghetto der Welt.“
Kommentar: Natürlich hat der Zaun nichts mit dem Versuch zu tun, Terroranschläge zu verhindern. Übrigens: Ghetto, Internierungslager - das kennen wir doch. Die Juden machen dasselbe wie die Nazis.
„Sharon ist ein Mörder und Faschist.“  Publikum skandiert mit. „Bush ist ein Nazi und Faschist.“ Publikum applaudiert. Kein Kommentar.
Nachbemerkung: Die RednerInnen sprachen u.a. für Palästina-Komitee, Linksruck, MLPD, Solidarität International, Föderation ArbeitsmigrantInnen in Deutschland, Gruppe Arbeitermacht und attac. Diese Kundgebung, deren Veranstalter meinten, über Israel sprechen zu können ohne über das monströseste Verbrechen der Menschheitsgeschichte zu reden - über den von der deutschen „Volks“gemeinschaft an den Juden begangenen Holocaust - und auf der „natürlich“ auch kein Redner darüber sprach, warum es einen Staat geben muss, in dem Juden frei von antisemitischer Verfolgung leben können, diese Kundgebung fand ausgerechnet am Mahnmal für die Opfer des Faschismus statt. Peinlich ist noch das wenigste, was uns dazu einfällt.
Stuttgart, Oktober 2002
Lothar Galow-Bergemann, utalothar@z.zgs.de             
Bärbel Illi, baerbel.illi@t-online.de

Anmerkung zum Kommentar: „Israel muss beseitigt werden!“:
Es wurde uns  vorgeworfen, wir hätten falsch zitiert, weil wir den nachfolgenden Satz, wonach „Palästinenser und Juden in einem Staat friedlich zusammenleben“ sollten, weggelassen hätten.
Aber dieser Satz ist zu vernachlässigen, weil er  nicht das Geringste an der Aussage ändert, daß Israel beseitigt werden müsse. Der Antisemitismus, der letztendlich (im Unterschied zum „normalen“ Rassismus) auf den Vernichtungswillen gegen die Juden hinausläuft, eben weil sie Juden sind - dieser Antisemitismus macht einen jüdischen Staat erforderlich, einen Staat, in dem Juden frei von antisemitischer Verfolgung leben können.  Wie das Zusammenleben der Juden in einem Staat mit einer arabischen Gesellschaft aussehen soll, die zu nicht geringen Teilen von Judenhaß beseelt ist, blieb denn auch das Geheimnis des Redners. Geradezu heuchlerisch wird so ein Satz , wenn er  gar im Zusammenhang mit dem Abfeiern des Selbstmordterrors gegen die israelische Zivilbevölkerung als „antiimperialistischer Befreiungskampf“ fällt, der bedingungslos zu unterstützen sei.

14.9.2002 in Köln: Anti-Israel-TranspiVergleiche

Frank Bsirske, Vorsitzender von ver.di, zitiert in "Reden auf der Antkriegsdemo in Berlin", Junge Welt, 17.2.03 (S. 2-3)
Ist doch die militärische Überlegenheit der USA so überwältigend und wird aufgrund ihrer scheinbaren Allmacht in einer Weise benutzt, dass auf der anderen Seite nicht nur der Haß, sondern auch das Gefühl der Ohnmacht den Terrorismus zu einer bevorzugten Form der Auseinandersetzung machen dürfte. Die in diesem Muster gewachsene Eskalation des israelisch-palästinensischen Konflikts sollte allen eine Warnung sein.

Israel = Hitlerdeutschland?

Zum Bild rechts: Transparent am Rande der ATTAC-/Gewerkschafts-Demo am 14.9.2002 in Köln, downloadbar unkommentiert als Foto von der Attac-Internetseite.

Aus Elsässer, Jürgen, "Alte Feinde, neue Feinde", in: Junge Welt, 2.8.2006 (S. 10)
Im Libanon kämpfen Islamisten, Nationalisten und Linke Schulter an Schulter gegen die Aggressoren. Natürlich ist das zunächst nur ein Zweckbündnis zwischen Gruppierungen, die sich bis dato oft spinnefeind waren. Ähnlich wie im Zweiten Weltkrieg, als die Antipoden Stalin und Churchill samt ihrer Anhängerschaft auch gemeinsame Sache machen mußten, obwohl sie das ursprünglich gar nicht wollten. Sie waren dazu gezwungen, wenn sie überleben wollten. So ist das nun mal in einer Weltkriegssituation.

Etliche Texte und Zitate sind mit, andere ohne Namen - das liegt zum einen daran, wie wir die Texte bekommen haben, zum anderen können die, deren Texte hier abgedruckt sind, auch selbst bestimmen ... Mail mit Begründung genügt und der Name wird, wenn das Argument überzeugt, gestrichen bzw. hinzugefügt.

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