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Querfront: Lechts und rinks?
Übergreifende Ideologien

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Rechts = National und sozial? Links = Staat und sozial? Mehr Unterschied nicht?

Das Thema Antikapitalismus durchzieht die Protestbewegungen, unter anderem die sich immer wieder in Parteiform zusammenfindenden staatsnahen bis -fetischistischen Teile von Protestbewegung. Dann dominieren zum einen die Eliten, zum anderen verkürzen sich die thematischen Aussagen - mit Blick auf WählerInnen und kurzfristige Medienpräsenz wird der öffentliche Schlagabtausch zum platten Populismus. In dieser Zuspitzung verengen sich auch die Unterschiede zwischen rechtem und linkem Protest, denn beide zielen mit den vereinfachten Schemata der Kritik darauf ab, Unzufriedenheit in der Bevölkerung aufzugreifen und zu wandeln in ein SympathisantInnentum für die eigenen Organisationen bzw. Parteien. Im gesellschaftlich dominanten Themenbereich Wirtschaft - Standortpolitik - Sozialpolitik - (Anti-)Kapitalismus unterscheiden sich rechte und linke Kritiken nur noch sehr begrenzt. Beide analysieren starke Ungerechtigkeiten und eine Ausbeutung der ArbeiterInnen und Arbeitslosen. Die Schnittmengen der von beiden Seiten georteten VerliererInnen sind hoch.

Bei der Rettung der Welt setzen alle Seiten auf eine Wiedererstarkung zentraler Gesellschaftssteuerung. Autoritäre Politik wird von beiden Seiten (ohnehin von allen politischen Lagern) gewollt - wenn auch eingesetzt gegen jeweils andere Gruppen der Gesellschaft, die diszipliniert werden sollen. Die Organisierungsform ist zwischen linken und rechten Positionen unterschiedlich, allerdings bei beiden verschwommen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in den populistischen oder Querfrontteilen beider Strömungen kaum Unterschiede zu finden sind. Zentraler Unterschied ist insgesamt die Liebe der "Linken" zu internationalen Machtstrukturen. "Ihr" Staat darf gerne auch auf internationaler Ebene mit internationaler Handlungsmacht entstehen. Die dadurch entstehenden Probleme (wohin sollen Menschen vor einem solchen Weltstaat noch fliehen? usw.) werden in den Debatten nicht einmal erwähnt - das zeigt, wie naiv der Glaube an das Gute von oben ist.
Das gilt auch für rechte Programmatiken. Straffe Führung mutiert zu etwas per se Hoffnungsvollem.

Jürgen Elsässer (Ex-Redakteur Jungle World, heute Chefredakteur Compact) in seinem "Offenen Brief an Beate Zschäpe"
Es wird Sie vielleicht wundern, dass ich als alter Linker so um Sie und Ihr Überleben besorgt bin. Abgesehen davon, dass ich die alten Kategorien links und rechts ohnedies für überholt halte, weil keiner heute mehr genau sagen kann, ob sich auf der Achse Brüssel-Berlin ein neuer Faschismus oder eine neue UdSSR herausbildet – abgesehen davon sind Sie mir irgendwie sympathisch.

Zentrale Kategorie und gemeinsamer Bezug ist das Volk - wenn auch in nicht immer deckungsgleicher Interpretation. Identisch ist aber von rechts bis links die Behauptung einer Kollektivität, gemeinsamer Interessen, eines gemeinsamen Willens und der Fähigkeit, mit einer Stimme zu sprechen.

Schlimmer: Querfront - auch linke mit nationalen und sozialen Ideen

Es geht schlimmer. Etliche Linke treten mit der Position auf, dass nicht nur die Wiedererstarkung zentraler Gesellschaftssteuerung (Staat), sondern gerade die Verteidigung der territorialen Zugriffsebene dieser Steuerungsmacht von großer Bedeutung ist. Sie argumentieren dabei meistens über das Schlimmere, was von außen kommt - und geben sich damit explizit anti-international. Die Wiedererstarkung zentraler Gesellschaftssteuerung kann nach ihrer Meinung nur im Rahmen der abgeschotteten Nation gelingen.

Beispiele für rechte Gruppen mit "linken" Bezügen und Linke wie Elsässer, Lafontaine & Co. mit national-sozial(istischen)en Positionen:

Texte zu linken und rechten antikapitalistischen Positionen

Aus Kaindl, Christina, "Völkischer Antikapitalismus", in: Junge Welt, 25.9.2006 (S. 10 f.)
Der aktuelle Rechtsextremismus »beschwindelt« die Menschen nicht einfach, sondern er greift subjektive Erfahrungen mit gesellschaftlichen Umbrüchen auf, bietet ein Modell für ihr Verständnis und ihre Veränderung und muß dabei nicht mit den eigenen Grundlagen – völkischer Nationalismus, Rassismus und Ungleichheitsideologien sowie Ablehnung von Demokratie zugunsten strafferer Führungskonzepte – brechen.
Wenn die Erfahrungen mit den gesellschaftlichen Umbruchprozessen den Problemrohstoff bieten, der von der extremen Rechten bearbeitet wird, dann ist es notwendig, daß die Linke alternative Bearbeitungsformen und Vergesellschaftungsmöglichkeiten dieser Erfahrungen bereitstellt.

Lechts und rinks kann man nicht velwechsern!

Die Rechtsextremen und die soziale Frage

Am 29. Januar unternimmt ein Bündnis verschiedener rechtsextremer Organisationen einen zweiten Versuch, ihre Propaganda in Göttingen auf die Straße zu tragen. Diesmal thematisiert ihre Demonstration ein Problemfeld, daß die aufrufenden Organisationen immer stärker in den Mittelpunkt ihrer Propaganda rücken und für das bislang eigentlich Linke "zuständig" waren:
die soziale Frage, d.h. die zunehmende Angst vor sozialem Abstieg. Motto des Naziaufmarsches ist die Parole: "Für den deutschen Sozialismus!" Wer beim Wort Sozialismus bislang an die Ideale nahezu der gesamten linken Bewegung denkt und wem nicht bewußt ist, daß der "Deutsche Sozialismus" auch ein Leitbild der NS-Politik war, reibt sich verwundert die Augen. Wie kann es sein, daß "Sozialismus" umstandlos Eingang findet in den Forderungskatalog sowohl der marschierenden Braunen, als auch vieler GegendemonstrantInnen? Was ist gemeint, wenn Rechte oder Linke vom "Sozialismus" reden? Trifft gar die vom RCDS beständig vorgetragenen These zu, daß sich Rechts- und Linksradikale nur in den Farben ihrer Fahnen unterscheiden?
In diesem Artikel soll einerseits Schlaglicht auf die Wirtschafts- und Sozialpolitik der extremen Rechten geworfen werden, andererseits soll damit aber auch der Aufruf verknüpft sein, die Auseinandersetzung mit rechtsextremer Propaganda zukünftig nicht mehr allein auf Nichtbefassungsbeschlüsse zu beschränken. Das bedarf allerdings der Begründung, denn bislang gilt es als demokratischer Konsens, daß eine Auseinandersetzung mit Nazi-Propaganda ihr nur noch mehr Aufmerksamkeit verschafft. Daher zunächst zur Frage:

Muß man die Problemlösungen der Nazis diskutieren?

Es ist richtig, daß es in Bezug auf rechtsextreme Politik keine wirkliche Annäherung oder Auseinandersetzung geben kann. Wer die Verbrechen der NationalsozialistInnen ignoriert und deren Wiederholung toleriert oder herbeiführt steht auf der Seite des politischen Gegners, unabhängig davon, was in den Unterpunkten versprochen wird. Dennoch: Wem nicht mehr einfällt als "Schlagt die Nazis, wo ihr sie trefft!" verkennt die Gründe des Erfolges der Rechtsextremen. Und auch die vermeintlich an die Wurzel des Übels gehende Parole "Kapitalismus abschaffen!" (Autonome Antifa (M)) reicht nicht aus, um den Rechtsextremen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Zwar ist offensichtlich, daß der deutsche Faschismus u.a. durch das Profitstreben der Kapitalfraktionen getragen wurde und kapitalistische Ordnungsprinzipien Grundlage des NS-Terrors waren, aber es ist ebenso offensichtlich, daß die Erfolge der NSdAP auch auf der kapitalkritischen Thematisierung sozialer Probleme beruhte. Heute ist das wenig anders. Die Faschisten präsentieren sich mit wachsendem Erfolg als eine jungendliche und systemkritische Bewegung, die die sozialen Probleme "des Volkes" lösen möchte. Die dabei verwendeten Rezepte enthalten nicht nur das, was der deutsche Stammtisch schon immer in der Schublade hatte ("Juden und Ausländer raus"), sondern auch eine Kapitalismuskritik, die sich scheinbar an den selben Widersprüchen abarbeitet, wie manches von linker Seite. Das damit verbundene Versprechen einer Lösung für die sozialen Nöte und Abstiegsängste macht die rechtsextremen Programmatik für viele attraktiv. Wer also mit Nichtbefassung immer noch den Anfängen wehren möchte, kommt zu spät, denn die Anfänge liegen bereits hinter uns. Jetzt geht es darum, nicht nur die Verbreitung rassistischer Hetze (z.B. am 29. Januar) zu verhindern, sondern auch die linken Konzepte für die Lösung der sozialen Frage stärker in den Vordergrund zu rücken.

Die Probleme "des Volkes" und ihre Lösung

Was sich Rechtsextreme heute auf die Fahnen schreiben, hätte gestern noch als Ausweis linker Kritik gegolten. Mit der Parole "Stopp der Arbeitslosigkeit, Stopp der sozialen Ungerechtigkeit" haben, teilweise auch vom Organisationsnamen nicht mehr als rechtsextreme erkennbare Gruppen (z.B. Unabhängiger Freundeskreis), in den letzten Jahren beispielsweise versucht, den Protesten von Arbeitslosen ("Montagsdemos") für ihre Zwecke zu kanalisieren. Und wer sich die programmatischen Thesenpapiere des derzeitigen rechtsextremen Sammelbeckens Junge Nationaldemokraten (JN) zu Gemüte führt, findet auch bekanntes. Da werden die ökologischen Grenzen des Wachstums benannt, die Kurzlebigkeit von nach profitgesichtspunkten produzierten Gütern und die Herrschaft von Großkonzernen kritisiert. Kurz: Die Rechtsextremen wollen, wie linke Kritiker des Neoliberalismus auch, den Primat der Politik über die Wirtschaft wieder herstellen.
Wie erkennt man also rechtsextreme Wirtschafts- und Sozialpolitik? Bei der Analyse solcher Programmatiken sind immer zwei Ebenen zu beachten. Auf der einen Ebene steht die Befriedigung materieller Interessen, d.h. die Frage, wem die Politik zum materiellen Vorteil gereicht. Auf einer zweiten damit untrennbar verknüpften Ebene finden sich die ideologischen Komponenten, welche Auskunft geben über die Leitbilder der gesellschaftlichen Entwicklung (z.B. Volksgemeinschaft, Frauen an den Herd, etc.). Zunächst zur Frage, ob die Rechtsextremen den Linken den "Sozialismus" geklaut haben?

Ist der "Deutsche Sozialismus" sozialistisch?

Aus liberaler Perspektive, die jeden staatlichen Eingriffe in den Wirtschaftskreislauf als "sozialistisch" bezeichnet, wird die Frage bejaht. Man verweist dann auf die zentrale Wirtschaftslenkung während des Krieges, die ideologische "Gleichschaltung" der Wirtschaft und die Kartell-, Lohn- und Preispolitik der NSdAP und landet flugs bei der Totalitarismustheorie, nach der sich Faschismus und Kommunismus nicht unterscheiden. Aus Sicht der orthodox-marxistischen Faschismustheorie stellt sich der Faschismus ganz anders dar. Hitler sei demnach Handlanger des Kapitals gewesen und die Kooperation von Wirtschaftskreisen und politischer Führung im NS-Staat der Beleg dafür, daß Faschismus vor allem ungestörter Kapitalismus sei. Welche Interpretation zutrifft hängt also davon ab, von welchem Sozialismus-Begriff man ausgeht. Eine einheitliche Interpretation des Begriffs ist im linken Lager nicht vorhanden. Vielmehr haben die Auseinandersetzungen über die konkrete Ausgestaltung des "Sozialismus" regelmäßig zur Spaltung der Linken geführt. Hier soll Sozialismus durch zwei grundlegende Ziele - die vom weit überwiegenden Teil, der sich als SozialistInnen verstehenden Linken geteilt werden - schematisch vom Kapitalismus abgegrenzt werden.
Sozialismus ist demnach, wenn das Privateigentum an Produktionsmitteln (Fabriken, Maschinen etc.) aufgehoben ist und somit zwei Dinge möglich werden:
1. Alle produzierten Güter fallen den ProduzentInnen, d.h. der Gesamtheit der Arbeitenden und Arbeitsunfähigen zu. Zur Erläuterung: Im Gegensatz dazu wird im Kapitalismus ein Teil der erarbeiteten Produktion (derzeit ca. 30% des jährlichen Bruttosozialproduktes) als Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen (bzw. Gewinn, Profit oder wie bei Marx: Mehrwert) an diejeniegen ausgeschüttet, die soviel Geld haben, daß sie damit via Kredit, Aktien oder auf anderem Wege Produktionsmittel kaufen können. Der andere Teil wird als Lohn, Gehalt oder Entgelt an die Arbeitenden verteilt.
2. Es wird (basis-)demokratisch über die Form, den Zweck und den Umfang der Produktion entschieden. Zur Erläuterung: Im Kapitalismus entscheidet grundsätzlich derjeniege über die Ingangsetzung einer Produktion, der das dafür notwenige Kapital besitzt. Die KapitaleignerInnen werden in eine Produktion investieren, wenn sie davon ausgehen können, daß für die produzierten Güter eine Nachfrage vorhanden ist oder - heute vielfach wichtiger- durch Marketing geschaffen werden kann. D.h. je mehr Geld bzw. Kapital man hat, desto größer ist der Einfluß auf die Produktionsentscheidungen. Auch über die Arbeitsbedingungen wird nicht etwa demokratisch entschieden, sondern es gilt im Kapitalismus im Prinzip ein Weisungsrecht des Arbeitgebers über die von ihm gekaufte Arbeitskraft.
Anhand dieser zwei Bedingungen wird nun schnell deutlich, wo die prinzipiellen Unterschiede zwischen einem linken Sozialismus und dem "Deutschen Sozialismus" liegen. Zunächst ist festzuhalten, daß die Rechtsextremen gar nichts von der unter 2. geforderten demokratischen Bestimmung über die Produktion halten. Der Hinweis auf die autoritäre Struktur des NS-Führerstaates und die bereits 1933 vorgenommene Zerschlagung der Gewerkschaften soll genügen, um zu verdeutlichen, daß im "Deutschen Sozialismus" (ebenso übrigens wie im ehemals Realexistierenden Sozialismus) nicht etwa die gleichgewichteten und basisdemokratisch ermittelten Bedürfnisse aller befriedigt wurden, sondern die von einer herrschenden Führungsgruppe als legitim definierten Bedürfnisse, Richtschnur für den Einsatz ökonomischer Ressourcen waren. Die JN möchte wenig anderes. Die Verwirklichung sozialer Ziele durch eine entsprechend veränderte Produktion (z.B. Bildung statt Rüstung) läge gemäß ihrer Thesen nicht in der Hand aller Arbeitenden, sondern hinge vom Wohlwollen der "Führungselite" (JN) ab, die sich gegen die "krankhaften Auswüchse des Pluralismus" (JN) wendet und autoritär darüber bestimmt, was ein legitimes Bedürfnis der "deutschen Volksgemeinschaft" (JN) ist. Daß dabei die derzeit von den Rechten thematisierten sozialen Ängste der Lohnabhängigen berücksichtigt werden kann sein, ist aber in der Konstruktion des "Deutschen Sozialismus" nicht angelegt.
Auch die materiellen Vorteile bzw. Spielräume für die Lösung der sozialen Probleme sind im "Deutschen Sozialismus" eine bloße Schimäre. Der linke Sozialismus möchte, wie unter 1. aufgezeigt, die Aneignung des Mehrwerts durch die KapitalbesitzerInnen abschaffen, so daß alle produzierten Werte den Arbeitenden und Arbeitsunfähigen zufallen, womit sich eine entsprechende Verbesserung ihrer materiellen Lage ergäbe. Diese zentrale Forderung des linken Sozialismus ist in der Programmatik der JN nirgendwo vorgesehen oder erwähnt und auch das "Dritte Reich" bietet dafür kein Beispiel. Die Wirtschaftspolitik der Nazis war eine Keynesianische Politik mit dem Ziel der Versorgung aus eigenem Raum (Autarkie). Die Ausgaben für die Staatskonjunktur, kamen dem Militär und der Rüstungsindustrie zugute, was auch nötig war, um die Mitte der 30er Jahre offensichtlich werdende finanzielle Krise und die Versorgungsengpässe später durch Raubzüge und Zwangsarbeit zudecken zu können. Kurz: Der "Deutsche Sozialismus" stellt die Eigentumsfrage nicht und beläßt die Gewinne weiterhin bei denen, die sie auch bislang bekommen.

Zwischenfazit: Es zeigt sich, daß der "Deutsche Sozialismus" von seinen Konstruktionsprinzipien nichts mit dem zu tun hat, was Linke unter Sozialismus verstehen. Der "Deutsche Sozialismus" ist weder gegen die Herrschaft weniger ausgerichtet, noch vergrößert er die finanziellen Spielräume für soziale Maßnahmen gegenüber der bisherigen Situation.

Was will der "Deutsche Sozialismus" dann?

Der entscheidende Unterschied zwischen dem linken Sozialismus und dem "Deutschen Sozialismus" zeigt sich, wenn man betrachtet, wer in den Programmen der Rechtsextremen Nutznießer der "sozialen Gerechtigkeit" (JN) sein soll. In linken Sozialismuskonzeptionen wird als Ziel immer die Befriedigung individueller Bedürfnisse benannt: Die Produktionsmittel sollen vergesellschaftet werden, damit der Einzelne materiell mehr hat und über Form und Inhalt der Produktion entscheiden kann. Im Mittelpunkt der JN-Programmatik steht dagegen nicht das individuelle Wohlergehen, sondern das durch die "Führungselite" (JN) definierte Wohlergehen der "Volksgemeinschaft" (JN). Daher verweigern sich Rechtsextreme der Frage, ob ihre Ordnung denn dem Einzelnen nützt. Stattdessen tragen sie nach Kapitalismuskritik riechende Parole wie "Gemeinnutz vor Eigennutz" vor sich her und behaupten, der Materialismus sei mit dem Ziel der Volksspaltung erfunden worden (JN). Die durchgängige Bevorzugung der Gemeinschaft vor dem Individuum ist ein zuverlässiger Indikator für rechtes Gedankengut, insbesondere dann, wenn man nach den Ein- und Ausschlußkriterien für diese Gemeinschaft fragt.
Nun könnte man entgegnen, daß der marxistische linke Sozialismus ja auch für die "Gemeinschaft der Lohnabhängigen" eintritt. Dabei handelt es sich jedoch um eine nach objektiven Kriterien definierte Klasse, in die prinzipiell jedes Individuum fallen kann. Ein- und Ausschlußkriterium ist die objektive Stellung zu den Produktionsmitteln, d.h. die Arbeiterklasse zeichnet sich dadurch aus, daß ihre Angehörigen dauerhaft auf Einkünfte aus abhängiger Arbeit angewiesen sind, während die Klasse der KapitalistInnen die bei dieser Arbeit eingesetzten Produktionsmittel besitzt und einzig von den Gewinnen aus der Anwendung der gekauften Arbeitskraft leben könnte. Irgendwelche ethnischen, nationalen oder völkischen Unterschiede ergeben sich dabei nicht, weshalb eine linke sozialistische Bewegung immer alle Angehörigen der Arbeiterklasse mit einschließt und internationalistische (vulgo: weltrevolutionäre) Züge trägt und weshalb im Prinzip auch nicht die Person des Kapitalisten angegriffen wird, sondern dessen systembedingte Aneignung des Mehrwerts. Die Rechten vertreten hingegen das genaue Gegenteil. Sie konstruieren ein "wir", dessen Ein- und Ausschlußkriterien ebenso variabel sind, wie es die Bedürfnisse der herrschenden Elite erfordern. Von der sozialen Gerechtigkeit der "Volksgemeinschaft" (JN) bleiben "die anderen" ausgeschlossen. Wer darunter fällt, entscheiden die Führer der "Volksgemeinschaft", konkret sind das heute AusländerInnen, Linke, Schwule und Lesben, Jüdinnen und Juden, Arbeitsunfähige oder -unwillige ("Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen" (JN)) etc., d.h. im Prinzip alle, die entweder politisch gefährlich sind oder sich durch ihren Minderheitenstatus als Sündenböcke eignen. Die politische Mobilisierung rassistischer Ressentiments wird deutlich, wenn man die rassistische Hetze der "Arbeit zuerst für Deutsche"-Sprüche betrachtet. Es wird einfach ignoriert, daß bereits jetzt eine Blümsche Verordnung die bevorzugte Vergabe von Arbeitsplätzen an Menschen mit deutschem Paß vorschreibt, selbst dann wenn der Arbeitsplatz dafür mehrere Wochen freigehalten werden muß. Es wird ignoriert, daß AusländerInnen bereits jetzt genau die Verhältnisse vorfinden, welche sich die Rechtsextremen für sie wünschen:
miese Jobs, heruntergekommene Wohngebiete, juristische Sonderbehandlung (insb. Abschiebedrohung) und stellenweise physischer und psychischer Terror. Zudem ist es generell absurd zu behaupten, eine Volkswirtschaft hätte eine von der Bevölkerungszahl und dem Produktionsmodell unabhängige Menge an Arbeitsplätzen. Weil es den Rechtsextremen um die Durchsetzung des Prinzips "Volksgemeinschaft" geht, ist es ihnen egal, wie die reale Lage ist.
Der Wahnsinn der "raumorientierten Volkswirtschaft"
Ein weiterer Punkt, der sich im Programm der JN findet, suggeriert ebenfalls eine gewisse Nähe zu linker Programmatik. Die JN "bekämpft die multinationalen Konzerne, die die Völker ausbeuten, unterdrücken und entmündigen" und außerdem hält sie die EU für nichts weiter, als einen Zusammenschluß von Großkonzernen. Diesen Entwicklungen setzt sie aber wiederum nicht individuelle Selbstbestimmung und die Vergesellschaftung der Produktionsmittel entgegen, sondern das Konzept von der "raumorientierten Volkswirtschaft" (JN). Dahinter verbirgt sich nichts anderes als eine Autarkiepolitik, die schon im "Dritten Reich" verfolgt wurde. Bereits damals mußten zur Importsubstitution kostspielige und unrentable Produktionsverfahren angewandt werden, entstanden darob Versorgungslücken und wurde dieses vorhersehbare Versagen propagandistisch für den Ruf nach einer gewaltsamen "Lösung der Raumfrage" genutzt. Die Vorstellung heute "wirtschaftliche Unabhängigkeit" (JN) in "national gegliederten Wirtschaftsräumen" (JN) zu verwirklichen ist aberwitzig. Zumal wenn für den Verzicht auf Rohstoffe, Bananen (!), Billigprodukte etc. kein Vorteil versprochen wird, außer dem, daß "deutsche Arbeiter" dann auch von "deutschen Konzernen" ausgebeutet und entmündigt werden. Nimmt man die Forderung ernst, kann sich dahinter nur Neuauflage des Liedes vom "Volk ohne Raum" (NSdAP) verbergen.

Fazit

Was schließen wir nun aus dieser verhältnismäßig abstrakten und detailfreien Analyse des "Deutschen Sozialismus"? Er bringt weder Mitbestimmungsrechte, noch verbessert er die soziale Lage der Lohnabhängigen, ist demnach auch nicht sozialistisch im Sinne linker Emanzipationsbestrebungen. Die Thematisierung der sozialen Frage dient den Rechten lediglich dazu, diejeniegen, vor allem Jugendliche in Ostdeutschland, zu mobilisieren, die in der permanenten und berechtigten Angst vor sozialem Abstieg, d.h. Arbeitslosigkeit, leben. Daß diese Jugendlichen keine alternativen Lebensentwürfen entwickeln, liegt vor allem an dem, trotz fortgesetzter Erfolgslosigkeit, beständig ventiliertem kapitalistischen Glücksversprechen Vollbeschäftigung und Wohlstand für alle. In dieser Situation braucht es, gegen die mit der Verfestigung der sozialen Krise in allen gesellschaftlichen Schichten fortschreitende Akzeptanz der Vernichtungs- und Raubzugslogik faschistischer Konzepte, neben Geschichtsuntericht und Gegenwehr auch alternative Angebote. Die materiellen Bedürfnisse abstiegsbedrohter Schichten und der Wunsch nach sozialer Sicherheit, stehen dem nicht im Wege, sondern findet in den grundlegenden Zielen des Sozialismus ihren Ausdruck. Das ist ein Anfang. Die rechten Gruppen von ADF bis RCDS haben gegenüber dem aufkeimenden Rechtsextremismus leider nur eine Mischung aus Wegsehen, Polizeistaat und Mittun zu bieten. Das ist auch ein Anfang, allerdings der vom Ende.

Anarchokapitalismus

Zukunftsforscher Matthias Horx, zitiert nach Maxeiner/Miersch (S. 15f.)
Der weitgehend noch unkartographierte politische Megatrend ist der Zerfall der Lager. ... Ich (Horx), zum Beispiel: Ich bin für eine klassische Low-and-Order-Politik im Inneren (rechts). Ich bin, im Namen von Menschenrechten und der Befreiung der Armen, für weltweite Militäreinsätze gegen Diktatoren und Schlächter (rechts? links?). Ich glaube in der Tat, dass im Islam ein totalitärer Keim liegt (Pim Fortuyn), dass Menschen aus fremden Kulturen nicht nur unsere Rechts-, sondern auch das Gros unserer Kulturordnungen akzeptieren müssen (neoliberales Schwein). Gleichzeitig bin ich für mehr Ausländer im Inland (links) - ich will aber klügere, ausgewähltere, Englisch sprechende (neoliberal). Dann bin ich gegen Atomkraft (grün) - nicht, weil ich jeden Alarmismus der Grünen glaube, sondern weil diese Technologie nicht "smart" genug ist, weil sie nicht in eine globalisierte Gefahrenwelt fasst. Ich lege sehr viel Wert auf Werte ud Wertevermittlung (rechts). Aber meine Primärwerte lauten weder Fleiß, Disziplin, Ehre noch Treue, sondern Toleranz (liberal), Gerechtigkeit (links?), Ehrlichkeit (grün?). Ich bin für eine massive Reduzierung des Kündigungsschutzes (ultraliberal) ..."

Rechte und Rechtsextreme auf Tuchfühlung zu linken Positionen

Interview mit dem CSU-Rechtsaußen Peter Gauweiler, plötzlich publizistisch akzeptiert u.a. in der Jungen Welt, 12.11.2005 (Beilage)
F: Bei solchen Äußerungen hat man bisweilen den Eindruck, daß Peter Gauweiler Oskar Lafontaine näher steht als Angela Merkel.
Die Gedanken sind frei bei uns in Deutschland! Es gibt Positionen, wo ich Lafontaine näher bin. Und in manchem wird er mir näher stehen als dem einen oder anderen aus dem linken Lager. ...
F: Aber zu diesen demokratischen Einheiten müssen auch die Immigranten gehören, oder? Sie dagegen sticheln immer wieder gegen Multikulti.
Weil die originäre kulturelle Prägung vor lauter Multikulti nicht verlorengehen darf. Wenn Sie sich über die Einwanderungsproblematik weitergehend informieren wollen, fragen Sie Oskar Lafontaine oder Ihre französischen Genossen.

Seltsame Begegnungen

Die religionskritische Giordano-Bruni-Stiftung vergab 2011 ihren Ethikpreis an den selbst in Tierrechtskreisen als Rechtsaußen kritisierten Peter Singer. Der hatte vor vielen Jahren eine Debatte um lebensunwertes Leben aufgemacht und "behinderte" Menschen mit Tieren verglichen.

Ex-"Linke" bei den Rechten: Nationale Linke, Eso-Linke und Eso-Alternative ...

Baldur Springmann, Mitbegründer der "Grünen", in Bye-Bye ´86 ... (S., 198f., siehe unten)
Wenn diese selbsternannten Kommandeure der politischen Korrektheit aber immer dreister mein Volk verteufeln oder mich mit meiner Mutterlandsliebe lächerlich machen wollen oder mir gar das Maul verbieten wollen, dann ist es mit aller Reserviertheit vorbei, dann s telle ich mich - nun erst recht! - mitten auf den Markt und verkünde lauthals, daß es genau dieses deutsche Volk ist, so wie es nun mal ist, mit allen seinen Licht- und Schattenseiten, welches ich heute genso lieb habe wie eh und je!

Günter Bartsch, Ex-KPDler und APO-Aktivist in den 68ern, in Bye-Bye ´86 ... (S., 158f., siehe unten)
Einige sprachen auch von einer "ökosophischen Bewegung", die es noch nirgends gab. In dieser Atmosphäre der Verzauberung und Wortschöpfungskraft, als wir in eine Art von Zungenreden gerieten und von vorher nie Geschautem überflossen, vollzog sich die Gründung der "Öko-Sophia-Gemeinschaft". Sie konnte nicht in einem Haus stattfinden. Ich spürte, daß meine Stunde gekommen war, und ergriff die Initiative. Wir gingen in den Wald und setzten eine kurze Erklärung auf. Doch die Menschen waren nur federführend, beteiligt auch andere Wesen: die Erde, die Natur als ihre Königstochter, Gnomen und Elfen - ich sah sie umherhuschen, alle inspiriert von Sophia, die sich einen Wirkungskreis wünschte. Ich glaube an Sophia. Sie ist ide Regentin des neuen Zeitalters und die göttliche Weisheit in unserer Mitte. ... Inzwischen sind ökosophische Gemeinschaften auch in den USA, in Schweden, Norwegen, Finnlang und Rußland entstanden, unabhängig von uns und von mir. In den USA ist sie als Tiefenökologie bekannter und dort eine eigene Mutterbewegung mit mehreren Töchtern.

Buchtipp: Ansichten von der "anderen Seite":
Claus-M. Wolfschlag
Bye-Bye ´68 ...
(1998, L. Stocker in Graz, 304 S., 21,80 Euro)
Dass viele ehemals staatskritische oder "linksradikale" AktivistInnen irgendwann zu AnhängerInnen von Bürgerlichkeit und starkem Rechtsstaat werden, ist bekannt. Dass aber auch etliche vom "Linken" ins rechte Lager wanderten, weniger. Dieses Buch im rechts-konservativen Stockerverlag gibt denen Platz, die einen solchen Weg genommen haben oder die mit rechten Positionen bei der Gründung von Organisationen dabei waren, die historisch verklärt als "links" gelten. Viele von ihnen sind heute Querfrontler, d.h. sie versuchen, linke Strömungen für rechte Positionen, vor allem nationale Gesinnung zu gewinnen.

Beispiele für Querfront-Argumentationen und Projekte

Gruppen, die linke, bürgerlich-konservative und/oder rechte Positionen zusammenbringen
Im Original: Nazis und "Linke" zusammen aktiv ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
"Pogo fürs Volk", in: Jungle World, 25.9.02 
Selbst Punks und Anarchisten scheinen keine Probleme mehr mit einer rot-braunen Zusammenarbeit zu haben. von fabian lembke Eigentlich sollte zwischen links und rechts klar zu unterscheiden sein.  Eigentlich. Denn dass es manchmal zu Bündnissen zwischen Sozialisten und Faschisten kommen kann, ist nicht erst seit dem von der KPD und der NSDAP gemeinsam organisierten Streik der Berliner Verkehrsbetriebe im Jahr 1932 bekannt.  Anknüpfungspunkte sind dabei in der Regel die soziale und die nationale Frage.  Für die Annäherung der beiden Seiten steht beispielhaft das Treffen der PDS-Politikerin Christine Ostrowski mit militanten Neonazis, anlässlich dessen sie 1992 zufrieden feststellte, dass die sozialen Forderungen »bis hin zum Wortlaut« übereinstimmten.
Und als es um den Fall Gollwitz ging, nahm die Tageszeitung junge Welt die rassistische und antisemitische Dorfbevölkerung als »ostdeutsche Opfer der sozialen Krise« in Schutz.
Auch die nationale Frage wird in der PDS immer wieder diskutiert, und bekanntlich ist der Wunsch, endlich wieder »Ja« zu Deutschland sagen zu dürfen, dort ziemlich groß. Wohl auch deshalb gab es in der Vergangenheit immer wieder Versuche der rechtsextremen Jungen Freiheit und der NPD, sich der PDS anzunähern.
Inhaltliche Überschneidungen werden auch beim Protest gegen die Globalisierung deutlich, an dem sich immer wieder Neonazis, vor allem aus den Reihen der NPD, zu beteiligen versuchen. Die NPD betreibt auch selbst eine Antiglobalisierungswebsite.
Da ist es kaum noch verwunderlich, dass es auch zwischen autoritären Staatskommunisten und Faschisten Gemeinsamkeiten gibt. Einer der Wortführer der rot-braunen Querfront ist der ehemalige KPD-Funktionär und Nordkorea-Fan Michael Koth vom Kampfbund deutscher Sozialisten (KDS). Jeden Monat beschreibt er auf seiner Website in der Rubrik »Rot-brauner Kanal«, wie er sich die Vereinigung von Links und Rechts vorstellt. (Jungle World, 41/00) Auf Seiten der Linken haben aber nicht nur Teile der PDS einen nationalbolschewistischen Kurs eingeschlagen. Auch die Zeitung Kalaschnikow scheint das Crossover zu betreiben. Das Blatt hofiert Rechtsextremisten wie den ehemaligen 68er Bernd Rabehl und findet nichts dabei, Anzeigen der nationalrevolutionären Zeitung wir selbst abzudrucken.  Doch nicht nur im autoritären Flügel der Bewegungen gibt es Überschneidungen, die sich für eine Querfront eignen. Auch der anarchistische Teil ist mehr und mehr einer rot-braunen Querfrontkampagne ausgesetzt, die derzeit von beiden Seiten vorangetrieben wird.
Besonders aktiv ist hier der frühere Herausgeber der Zeitschrift Sleipnir, Peter Töpfer. Er betreibt nicht nur die Homepage der Nationalen Anarchie, sondern ist neuerdings auch Mitorganisator eines so genannten Freundeskreises Querfront und Mentor der Internetseite www.querfront.de.  Hier wird bedenkenlos für eine Querfront geworben. Die Nationalanarchisten beziehen sich zum Beispiel auf die Verlautbarungen der Antiimperialistischen Koordination aus Österreich, deren Internetseiten eifrig verlinkt werden. Und man setzt sich selbstverständlich für Norman Finkelstein oder Jamal Karsli ein und wirbt für wir selbst.
Ebenso werben die Nationalanarchisten aber auch für die Punker-Spaß-Partei APPD (Anarchistische Pogopartei Deutschlands). Und dort scheint man immer weniger Probleme mit einer rot-braunen Zusammenarbeit zu haben. Einer der fleißigsten Autoren bei querfront.de ist neben Töpfer der ehemalige Naziskin E... V... aus H..., der zugleich Aktivist der APPD ist und als »Internetredakteur« firmiert.
Auch im linken Internetforum Indymedia veröffentlicht E... V... inzwischen eifrig seine Artikel, ohne dass sich jemand daran stört. Ob er dabei jedes Mal seinen Namen benutzt oder auch unter Pseudonymen auftritt, kann nicht entschieden werden, es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass Querfrontaktivisten unbemerkt in linken Strukturen ihr Unwesen treiben. Anonyme Internetforen sind dafür natürlich besonders geeignet.
Während bei autoritären Kommunisten und Faschisten die rot-braune Schnittmenge aus einem verkürzten Antikapitalismus und einem antiimperialistisch artikulierten Nationalismus besteht, sind sich rechte und linke Verfechter der Querfront, die sich Anarchisten nennen, einig in der Ablehnung zentralistischer Macht und dem positiven Bezug auf die Gemeinschaft, also der völkischen Version der »Selbstbestimmung«. Auch die »Zinsknechtschaft«, die Kirche und die Umweltzerstörung lehnen beide Seiten gleichermaßen ab.  Noch etwas haben sie alle gemeinsam, egal ob sie sich anarchistisch oder autoritär geben: den Antisemitismus, der meist als Antizionismus daherkommt. So existiert kaum eine Nazi-Website, die nicht zur Solidarität mit Palästina und dem Irak aufruft. Und es gibt kaum noch eine Nazidemonstration, auf der keine Palästinafahnen gezeigt werden.
Im April des letzten Jahres marschierten Anhänger der NPD und nationale Anarchisten in Jena gemeinsam auf einer Demonstration unter dem Motto:
»Solidarität mit Irak und Palästina - für eine Welt freier Bürger«. In einem Flugblatt, für das Peter Töpfer verantwortlich zeichnete, hieß es: »Uns eint mit den palästinensischen Befreiungskämpfern, dass auch wir von jüdischen Bonzen und ihren philosemitischen Arschkriechern unterdrückt werden.« Die Einigkeit reicht aber noch weiter. So wurde Jamal Karsli nicht nur bei querfront.de und in der Jungen Freiheit, sondern auch in der Roten Fahne, der Zeitung der MLPD, und anfangs auch in der jungen Welt zum Sympathieträger aufgebaut.
Dass sich auch die nationalbolschewistische Kalaschnikow in die antiisraelische Front einreiht, kann nicht verwundern. Am Samstag, dem 28.  September, veranstaltet die Redaktion der Zeitschrift in Berlin eine so genannte »Nahost-Konferenz«, auf der der Politologe Said Dudin über die »Apartheid des Zionismus« berichten soll. Voraussichtlich wird auch einer der bekanntesten antisemitischen Antiimperialisten auftreten: Karam Khella.  Das wäre eigentlich ein Fall für die Antifa. Doch sie sitzt in Gestalt des Altstalinisten, ehemaligen Spanienkämpfers und NS-Verfolgten Fritz Teppich auf dem Podium.

Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo)

Die Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo) beruft sich auf den amerikanischer Führer und Präsidentschaftskandidat LaRouche. Die zentrale Rolle dieser Person wird deutlich in dem Namen der Jugendbewegung, die "LaRouche Youth Movement" heißt - historische Parallelen zu solchen Namensgebungen sollten aufhorchen lassen ... In Russland sieht die BüSo die ultraliberale Partei Rodina mit dem Führer Sergej Glasjew als Partnerorganisation.

Insgesamt ist die BüSo eine krude Mischung aus technikfetischistischen Positionen, der Glorifizierung der Massenarbeit und des Ingenieurswesens bei gleichzeitiger Ablehnung spekulativer Geschäftstätigkeit, einem überall gewünschten Größenwahn und dem Glauben, in großen Einheiten und einheitlichen Menschengruppen zu agieren. Das wirtschaftsliberale, autoritäre China dient dann ebenso als Vorbild wie Großtechniken abgefeiert werden (Atomkraft usw.).

Im Original: Zitate aus BüSo-Veröffentlichungen ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus "Neue Solidarität", 17.12.2003 (S. 2+7)
Muß ein Kanzler, der gerade aus China zurückkommt, nicht die Frage stellen, wie Deutschland zu Wachstumsraten von acht oder mehr Prozent kommt, wie sie China schon seit Jahren aufweist? Dahin kommt die deutsche Wirtschaft nicht ohne große Entwicklungsprojekte für die heimische Produktionsbasis, die Infrastruktur, nicht ohne Offensive zum breiten Ausbau des Ingenieurswegens in den klassen technischen Bereichen und in Pionierbereichen die Kernenergie, Raumfahrt, Magnetbahntechnik. Was die Kernkraft betrifft, so verfügt Deutschland trotz langer rot-grüner Sabotage immer noch über Spitzenpositionen in den drei Zukunftsbereichen Hochtemperaturreaktor, Schneller Brüter und Fusionsenergie.

Am 17. September 2002 wurde die unilaterale Präemptivkriegsstrategie zur offiziellen Sicherheitsdoktrin der USA erklärt und sechs Monate später mit dem Irakkrieg in die Praxis umgesetzt. Nun erkannten die Europäer, daß sie nur eine Wahl hatten: Vassallenartige Anhängsel der imperialen Politik der Präemptivkrieges zu sein oder ernsthaft eine sicherheitspolitische Eigenständigkeit - keinesfalls aber einen Bruch - von Washington anzustreben.

Aus dem Flugblatt "Warum Deutschland von Deng Xiaoping lernen muß" (Autorin: Helga Zepp-LaRouche, Bundesvorsitzende der BüSo)
Jeder, der nach China reist, kommt völlig beeindruckt von der ungeheuer rasanten Wirtschaftsentwicklung und dem Optimismus der Bevölkerung zurück. So erging es auch Lothar Späth, wie er im Handelsblatt in einem Kommentar mit der Überschrift "Können wir von China lernen?" zum Ausdruck brachte. Ja, wir können und wir müssen, wenn wir aus der Katastrophe der Wirtschaftsentwicklung in Deutschland herauskommen wollen. ...
Wenn man die katastrophale Wirkung des Paradigmenwandels in Deutschland betrachtet, der mit dem langen Marsch der 68er Generation durch die Institutionen begann, dann kann man nur feststellen, daß wir unsere selbstgemachte Kulturrevolution noch weiter ausleben, während China sie erfolgreich beendet hat. Was Chinas Linksradikale mit ihrem pathologischen Haß auf den wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt waren, daß sind bei uns die Grünen. China hat seinen Paradigmenwandel nach rund zwanzig Jahren korrigiert, während wir seit nunmehr 35 Jahren die Zerstörung unserer wirtschaftlichen Grundlagen fortsetzen. Wir haben uns seit Mitte der sechsziger Jahre abgewandt von einer an wissenschaftlichen Fortschritt und Wachstum orientierten Leistungsgesellschaft, und sind eine Gesellschaft von Konsumenten, eine Spaßgesellschaft geworden. Nicht ehrliche Arbeit, Innovationsfreude und produktive Unternehmertätigkeit zählen mehr, Gewinn bringen angeblich nur Spekulation und Börsengänge.
Die Kombination aus völlig falsch verstandener Ökologie, neoliberalen Wirtschaftsreformen, Brandtscher Bildungsreform und Gegenkultur hat in unserer Gesellschaft einen Effekt erzielt, der in seinen Auswirkungen nicht weniger katastrophal ist, als es die Viererbande in China war. ...
Wir müssen zweitens die in usnerem Land inzwischen bei allen im Bundestag vertretenen Parteien stark verbreitete irrationale Feindschaft gegen den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt aufgeben, und diesen Fortschritt als Motor des wirtschaftlichen Wachstums bejahen. Es ist den meisten Bundesbürgern, aber vor allem Jugendlichen und Vertretern der 68er Generation offensichtlich gar nicht bewußt, aber beim Thema "wissenschaftlicher und technischer Fortschritt" reagieren sie exakt ebenso gehirngewaschen wie die Viererbande und die Roten Garden während der Kulturrevolution in China. Waren für diese die Wissenschaftler und Intellektuellen "reaktionäre Volksfeinde", so sind für jene z.B. die Befürworter des inhärent sicheren Hochtemperaturreaktors automatisch "Faschisten". ...
Wenn wir Deutschland aus der Krise herausbekommen wollen, brauchen wir entweder eine Nationalbank im Sinne der von ersten Finanzminister der USA, Alexander Hamilton geschaffenen Nationalbank, oder eine massive Ausweitung der Befugnisse der KfW. ...
Was wir auf jeden Fall tun können: Wir können das chinesische Raumfahrtprogramm und die Arbiet der chinesischen Raumfahrtbehörde bewundern, bei der 270000 Mitarbeiter und Top-Fachkräfte den wissenschaftlichen Fortschritt in China vorantreiben. ... Erinnern wir uns daran, daß wir das Volk der Dichter und Denker sind!

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