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Zu Jörg
B.s Spitzelvorwurf
Wir wollen hier
Stellung beziehen geben über die Vorfälle auf dem Direct Action
Treffen, das vom 1.-4- Juni im AJZ Bielefeld stattfand. Dort tauchte ein
Papier auf, welches Jörg B. als Spitzel denunzierte. Der Text auf
den sich die „a.u.t.o.n.o.m.e.n. n.e.t.z.s.u.r.f.e.r.i.n.n.e.n“ beziehen
ist unter www.projektwerkstatt.de nachzulesen.
Aus den Texten von
Jörg über seinen Kontakt zum VS geht in keinem Punkt hervor,
daß er eine positive Zusammenarbeit hatte, er spricht von „feindlichem
Kontakt“.
Der Grund, weswegen
er den Kontakt nicht abbrach, war daß der VS- Mann [Herr Gilden]
bei seiner zweiten Kontaktaufnahme einen anderen Menschen bezichtigte sich
als Informant dem VS angeboten zu haben. Uns stellt sich die Frage,
warum ein Mensch, der ernsthaft überlegt mit dem VS zusammenzuarbeiten
seine Kontakte/ Treffen kontinuierlich veröffentlicht und mit Menschen
und Gruppen aus seinem Umfeld darüber diskutiert. Ohne diese Protokolle
wäre Jörg gar nicht in die Situation gekommen, daß Leute
einen Spitzelvorwurf gegen ihn konstruieren.
Generelle Überlegungen
zum Umgang mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz [VS]
Nicht jeder Mensch
mit dem der VS redet ist „böse“ und sozusagen natürlicherweise
mit dem Ausplaudervirus befallen. VSlerInnen sind keine Supermenschen mit
übernatürlichen Fähigkeiten, aber wegen ihrer speziellen
Ausbildung nicht zu unterschätzen.
Wir sehen die Gefahr,
daß der Grundsatz „Keine Zusammenarbeit/Kontakt mit VS „ zu einem
Dogma verkommen ist. Wir halten es für wichtig eigene Standpunkte
und Positionen zu hinterfragen und neu zu begründen, auch um neue
Strategien zu entwickeln.
Zum Text der a.u.t.o.n.o.m.e.n.
n.e.t.s.u.r.f.e.r.i.n.n.e.n.
Die Art und Weise
der Veröffentlichung zielt nicht auf eine Auseinandersetzung ab, sondern
[da dieses Papier auf einmal einfach so im Infoladen rumlag] lässt
Spekulationen und Gerüchten freien Lauf anstatt Fakten zu präsentieren,
die eine ernsthafte Debatte fördern würden. Im Text wird
immer wieder versucht Jörg als eine Art durchgeknallten Einzelkämpfer
darzustellen, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit abdreht. Wir kritisieren
die Art, wie über diesen Menschen geurteilt wird. Eine politische
Kritik sollte sich an politischen Positionen und nicht an persönlichen
Diffamierungen festmachen.
Die Aussage, daß
sich Jörg eine Menge Ärger erspart hätte, wenn er dem VS
die Tür vor der Nase zugeschlagen hätte, suggeriert eine szeneinterne
repressive Struktur, was wir als eine, dem Anspruch nach, herrschaftsfreie
Gruppe ablehnen. Es gibt im ganzen Text keinen Versuch eine Kritik zu formulieren,
die nicht auf polemische Art und Weise versucht Jörg zu diffamieren.
Eine Debatte abzulehnen
[in diesem Fall um den Umgang mit staatlichen Repressionsorganen], da der
VS dann Erkenntnisse über „die“ Szene/Bewegung bekommen würde,
würde heißen, keine Debatten [schon gar keine um Strategie und
Prespektive] mehr zu führen, da jedwede Positionierung dem VS ja helfen
würde.
Der Text weiß
davon zu berichten, Jörg wolle „zum Linksruck- Kongreß fahren,
um über das DA- Treffen zu berichten“. Das ist falsch. Jörg fuhr
dorthin, um eine Podiumsdisskussion, mit einem Linksruck- Funktionär,
über Zentralismus und interne Hierarchie zu führen. Wir
halten die generell geäußerte Kritik an Linksruck für ebenso
verkürzt wie die linksrucksche Kapitalismuskritik. Gegen Jörg
wird der Vorwurf erhoben, Privatadressen via Internet zu veröffentlichen.
Gemeint ist die Kontaktadresse der Direct Action Gruppe Mittelhessen, was
aber nach interner Absprache erfolgte und somit okay geht. Jede Gruppe
entscheidet für sich innerhalb ihrer Projektautonomie, was sie für
gut, richtig und sinnvoll hält.
Wir können
den Nutzen für den VS nicht einschätzen, aber ausgehend davon,
daß wir Jörg unterstellen, daß er nichts verraten wollte
und auf Basis der ausführlichen Protokolle, halten wir die Gefährdung
für gering. Die Forderung „Spitzel aufs Maul“ der a.u.t.o.n.o.m.e.n.
n.e.t.z.s.u.r.f.e.r.i.n.n.e.n. suggeriert der Leserin, daß Jörg
ein Spitzel sei. Dieser Vorwurf wird nicht explizit geäußert,
schwingt aber indirekt mit und birgt die Drohung der physischen Gewalt
gegen Jörg.
Verhalten des
Direct Action Treffens bzw. die Geschehnisse im AJZ Bielefeld...
Auf dem Plenum Samstag
abends wird der Text der a.u.t.o.n.o.m.e.n. n.e.t.s.u.r.f.e.r.i.n.n.e.n.
das erstemal thematisiert, von einer Person die ihn durch Zufall auf dem
Klo fand. Das Plenum kommt zu dem Entschluß nicht entscheidungsfähig
zu sein, da nicht alle den Text gelesen haben. Auf dem Plenum am Sonntag
morgen wurde eine AG zu dem Thema die ein Papier mit folgenden, zusammengefaßten
Punkten als Ergebnis ihrer Diskussion veröffentlichte:
A-
Keine Gespräche mit dem VS, diesen Grundsatz hinterfragen und diskutieren.
B-
Jörgs Kontakt mit dem VS war ein Alleingang, was typisch für
ihn ist.
C-
Er drängt sich durch dieses Verhalten zum wiederholten Male in den
Mittelpunkt.
Auch in diesem Text
besteht die Tendenz, Jörgs Verhalten, auf das Stereotyp des durchgeknallten
Einzelkämpfers zu reduzieren. Dagegen denken wir, daß Jörg
seinen VS-Kontakt mit seinem Umfeld größtmöglichst abgesprochen
und diskutiert hat und im Nachhinein auch eingehend reflektiert hat. In
der „Zusatzbemerkung vom 16.Mai 2001“ schreibt er selber, daß „Kontakte
mit dem Verfassungsschtz immer und überall falsch sind“.
Was ist in Bielefeld
sonst noch passiert?
Samstag nacht bekommt
Jörg im Infoladen durch mindestens einen Menschen „mit Hausrecht“
im Infoladen Schläge angedroht, wenn er nicht verschwinden würde.
Sonntag ist Jörg auf der Podiumsdiskussion bei besagtem Linksruck-
Kongreß.
Am Montag werfen
Leute aus dem Infoladen dem Plenum Nichtverhalten vor. Irgendwann
bei diesem Plenum [es war das Abschlußplenum] kommt Jörg dazu
und es fängt eine Diskussion um Jörgs Verhalten und das Verhalten
des Plenums an, erstmal mit Jörg selbst, als die Tür auffliegt
und ein Typ reinstürzt,der sofort anfängt aggressiv und aufgeregt
den sofortigen Rausschmiß von Jörg zu fordern, nicht ohne deutlich
zu machen, dieser Forderung notfalls auch mit Gewalt Nachdruck zu verleihen.
Daraufhin beschließt das Plenum mit Jörgs Einverständnis,
daß es zur Entspannung der Situation besser sei, wenn Jörg geht.
Wir denken, daß das Verhalten des Typen jeder Grundlage des zwischenmenschlichen
Umgangs entbehrt und finden es nicht gerechtfertigt, wie leichtfertig [szeneintern]
auf das Mittel der [körperlichen] Gewalt zurückgegriffen wird.
Wir finden es schwierig
einen Menschen in diesem Fall auf diese Art und Weise zu diskreditieren
und auszugrenzen. Wir finden es wichtig, daß Menschen Fehler machen
dürfen und diese analysieren. Es würde kein Lernprozess
zu einer persönlichen Emanzipation beitragen, sondern Angst vor Strafe
korrektes Verhalten bedingen [und nicht Überzeugung].
Wir finden es für
szeneinterne Verhältnisse erschreckend, einen Menschen in einer Diskussion
so zu verdinglichen und wie ein abstraktes Theorem zu behandeln.
Unserer Meinung
nach entstand das „Spitzel aufs Maul“-Papier von Menschen, die ziemliche
persönliche Probleme mit Jörg haben, diese nicht thematisieren
können/wollen und Möglichkeiten suchen ihn zu diskreditieren
und auszuschliessen.
Wir fordern:
-
eine entpersonalisierte
Debatte um den Umgang mit VS + Co
-
ein Ende von internen
Machtkämpfen und den Beginn konstruktieverAuseinandersetzungen
-
Vorwürfe sollten
inhaltlich haltbar formuliert werden
BfmR, Juli/August
2001
Kontakt: Büro
für mentale Randale | AZ Mülheim | Auerstr 51 | 45658 Mülheim
[leider etwas spät,
aber aufgrund der anhaltenden Gerüchteküche nicht ohne Aktualität] |