Zusatzbemerkungen am 16.
Mai 2001 und 9. April 2002:
Inzwischen
ist einige Zeit ins Land gegangen. Diese ist gekennzichnet von teils
heftigen Auseinandersetzungen. Der Kontakt zum VS, obwohl er aus der Diskussion
verschiedener und mit Kenntnis aller bekannten linken Gruppen in Mittelhessen
erfolgte, ist gegen eine Einzelperson oder die Projektwerkstatt in Saasen
instrumentalisiert worden - und wird dies immer noch. Dabei wird er ergänzt
um Begriffe, die diffamieren sollen. Personen, die es besser wissen, reden
von "Kooperation", "Kollaboration" oder behaupten, Gespräche mit dem
VS würden als sinnvoll empfunden. Es ist offensichtlich, daß es
gar nicht um Klärung oder Diskussion geht, sondern um Ausgrenzung. Erkennbar
auch daran, daß die Lügen immer wieder von denen ausgehen, die
es ganz genau anders wissen, aber die zu den Eliten gehören und den
VS-Vorwurf nutzen, um Kritik an autoritären Strukturen und Dominanzen
abzuwehren.
Die Positionen derer, die sich inhaltlich auseinandersetzten, waren zudem
sehr unterschiedlich. Die Kritik, die uns erreichte, lautete mal "Kontakte
mit dem Verfassungsschutz sind immer und überall falsch" und mal "wenn Gespräche
aus einer spezifischen Sicht sinnvoll erscheinen, dann sollten sie nur
zu zweit geführt werden.
Auch sonst herrscht Uneinigkeit: Während das Buch "durch die wüste" von VS-Kontakten ganz abrät,
beschreibt Rolf Gössner in "Erste Rechtshilfe", welche Vorsichtsmaßnahmen
zu treffen sind, wenn es doch mal sinnvoll erscheint, einen Kontakt zu
organisieren. Also auch hier keine Klarheit.
Richtig eklig ist aber, daß die, die den VS-Vorgang gegen uns bzw.
mich instrumentalisieren zur Ausgrenzung, selbst gar nicht die großen
GegnerInnen von sogar kooperativen Kontakten zu Repressionsbehörden
sind. Das wird ständig mit Bullen gekungelt (z.B. vor Demos, gegen Nazis
usw.) oder mit Baubehörden, Jugendämtern usw. Hier vertreten viele
Projektwerkstätterlnnen deutlich radikalere Positionen - wie auch insgesamt viele Linke ja eher ein Fanclub von Staat und Demokratie
sind, sich um ASTA-Posten streiten, härtere Strafen für Nazis,
Vergewaltiger usw. fordern.
Schade auch, daß einige verabredete Auseinandersetzungen von denen,
die mich bzw. "uns" oft beschimpfen (meist anonym oder in geschlossenen Zirkeln)
abgesagt bzw. verweigert wurden. Es ist offensichtlich daß die Klärung
gar nicht geschehen soll, weil sich die Gerüchte besser benutzen lassen
zur Herstellung von Dominanz und Ausgrenzung. Dass die für linke Zusammenhänge
in Doitschland (ist ja eher ein schlaff-friedlicher Haufen) eher starke Repression gegen mich und die Projektwerkstatt teilweise noch aus den gleichen Kreisen befürwortete wird, die die Ausgrenzung
per VS-Verdacht betreiben, ist dann nur der Gipfel der Widerlichkeit.
Aus dem ganzen Vorgang ist eine Debatte entstanden mit dem Titel "Kreative
Antirepression". Diese wird auch angegriffen, aber ich möchte sie erwähnen,
weil ich en dort entstandenen Text auch als meine Positio begreife. Daher
bitte diesen Link anklicken, um zu erfahren, wie ich denn nun zum VS und zu feindlichen "Kontakten" stehe.
Noch mehr, auch praktische Ideen, sammeln wir auf den Internetseiten zu kreativer Antirepression.
Spätere zusätzliche Klarstellungen
Zudem
haben im April 2002 einige Menschen Nachfragen gestellt zum Bericht. Ich
meine zwar, daß der Bericht das klärt, aber da es wichtig ist,
daß keine Unklarheiten bleiben, will ich diese Nachfragen hier vorweg
nochmal klarstellen:
-
Der VS-Kontakt
ist ein einmaliger, für den dort beschriebenen Zweck aufrechterhaltener
Vorgang. Nach dem Ende wurde alles komplett abgebrochen!
-
Das heißt
im Genaueren: Ich habe keine Berichte und auch keinen Laptop vom VS bekommen,
es gab auch keine Versuche der Übergabe. Und es gab auch keinen Kontakt
mehr mit Ausnahme eines weiteren Anquatschversuches gegen mich im Juli
2001 in Bonn (kurz vor dem Gratiszugversuch Bonn - Genua), den ich aber
aber sofort abgewehrt und veröffentlicht habe (wie übrigens den
anderen auch, nur das der VS dort die Abwehr und Veröffentlichung
ignorierte und dann die beschriebene Verkomplizierung eintrat.
-
Der Bericht
ist vollständig. Was mir etwas irritiert, ist daß aus diesem
Bericht nicht nur eine Kritik an meinem Vorgehen (was akzeptabel ist),
sondern auch ein Spitzelvorwurf und der Verdacht, ich könnte immer
noch Kontakt haben, abgeleitet wird. Mir ist unklar, woraus das abgeleitet
wird.
-
Hinzu
kommt, daß insgesamt und auch im konkreten Fall Menschen taktisch-feindliche
VS-Kontakte haben (so entstand ja z.B. auch viel später das Foto des
Menschen, der auch mich angebaggert hat). Ich finde das richtig, wenn es
klaren Zielen dient, dafür auch passend ist und nicht im intransparenten
Raum stattfindet. Die Attacken auf mich werden möglicherweise Menschen
davon abhalten, auf VS-Kontakte einzugehen. Vielleicht aber auch nur, in
politischen Zusammenhängen noch weniger Transparenz zu schaffen. Das
allerdings wäre sehr schädlich.
Wichtig
bleiben einige Feststellungen aus dem ganzen damaligen Vorgang:
-
Die beteiligten
und einbezogenen Gruppen haben (wie üblich) ihre Unfähigkeit
zur Kooperation gezeigt. Vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen "linken"
Gruppen in Mittelhessen gibt es nicht. Es gab keinerlei aktive Politik
zu den Vorgängen, abgesehen von den beteiligten Gruppen und Personen.
Das schwächt die Handlungsfähigkeit enorm und sollte beim nächsten
Mal besser laufen.
-
Ich
bin darauf hingewiesen worden, daß das folgende Protokoll einen lockeren
Umgang mit dem VS predigt. Das ist nicht das Ziel und soll daher hier nochmal
klargestellt werden: Grundsätzlich gibt es keine Kooperation mit VS und
Polize! (Das gilt auch für alle die, die "Anna und Artur haltens Maul"
sagen und woanders, z.B. bei der Nazibekämpfung, mit den Repressionsorganen
wie selbstverständlich kooperieren!) Mein Kontakt zum VS war ein feindlicher,
das Gespräch eine Taktik (ob eine gute oder schlechte, ist davon unabhängig).
Wer immer es in einer bestimmten Situation für richtig hält, einen
Kontakt zu suchen, sollte sich klar sein: Das ist ein schwieriges und gefährliches
Feld! Alleingänge sind scheiße! Nur in Ausnahmen und mit klaren
Zielen sowie im Kontakt mit anderen Menschen, mit denen das Verhalten reflektiert
werden kann, ist so ein Schritt sinnvoll! Und: Wenn schon, denn schon ...
das Ende kann sinnvoll ein Schlag gegen die VSlerInnen sein: Fotos, Namen
usw. veröffentlichen, angreifen, Adressen streuen usw.
-
Besser
als Gespräche allein sind Gespräche zu zweit!
-
Die schwierigen
Verhältnisse zwischen linken Gruppen, die Graben- und Machtkämpfe,
die mangelnde Transparenz und vieles mehr machen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit
noch wichtiger. Der VS hat zur Zeit leichtes Spiel, mit Informationen Menschen
auseinanderzubringen, hinzu kommen sehr schnell Mißverständnisse,
Mißtrauen und mehr - selbst bei gutem Willen und ohne böse Hintergedanken.
Das muß bedacht werden - wenn ich auch klar bei der Meinung bleibe:
Das ist die Folge einer beschissenen Politik strukturlinker und erstarrter
politischer Gruppen. Wo Konspirativität und Intransparenz, Neid und
Machtkämpfe den Alltag bilden, haben es Spalter und Infosauger sehr,
sehr einfach.
-
Der Vorwurf
der Zusammenarbeit mit dem VS bis hin zu Spitzelvorwürfen sind meines
Erachtens aus dem Vorgang nicht herauszulesen. Ganz im Gegenteil plädiere
ich dafür, Strategien für Antirepression und einen intelligenten
feindlichen Kontakt zu entwickeln. Was ich im folgenden beschreibe, war
nicht gut. Es sind zu viele Fehler aufgetreten, von denen ich nur meine
beschreiben kann - der Rest der beteiligten Menschen schweigt, z.T. aus
Angst vor der Inquisition linker Gruppen. Widersprüchlich halte ich
aber die Scheinheiligkeit von Gruppen, die sich über feindliche VS-Kontakte
aufregen, aber selbst kooperative Kontakte zur Polizei pflegen. So ließen
z.B. Menschen aus dem Infoladen Bielefeld, der mir sogar Spitzeltätigkeit
vorwirft, nichtzahlende Gäste aus einem Konzert von der Polizei rauswerfen.
Das ekelt mich an!
|
Das Protokoll ...
(Seit
neuestem mit Foto ... denn der gute Mann - nun unter anderem Namen - wurde
andersorts fotografiert. Gute Aktion!)
Unverhofft
kommt oft ... so wurde aus dem szenetypischen Lästern und Gerede
über Konspirativität oder Frechheit, VS-Lumpen und Bullenspitzel
Ernst - oder auch: Realsatire als Kombination von Spaßfaktor
und Bedenken. Der folgende Bericht soll möglichst genau wiedergeben,
wie und warum ich mich für eine Zeitlang auf ein Techtelmechtel mit
einem filmreifen Vertreter des Bundesamtes für Verfassungsschutz
(mit Akzent: "man nennt mich Toni ... weil: Ich rieche jedes Tonbandgerät"
oder "hier ist der Bundesadler") eingelassen habe.
Die Debatte über Sinn und Unsinn solchen Einlassens kann der Text wahrscheinlich
leider nur wenig voranbringen. Dennoch war von Beginn an auch ein Faktor,
sich nicht schon wieder nur an Regeln zu halten, sondern kreativ bis frech
reagieren zu wollen. Ob es irgendwas gebracht hat, steht in den Sternen
oder irgendwo. Ob ein Schaden entstand, ist ungewiß. Wichtig erscheint
mir, daß solch ein Versuch nur in Diskussion und Reflexion mit anderen
möglich ist - und auch nur dann sinnvoll, wenn dadurch ein
klares Ziel verfolgt wird, welches auch immer (Informationsbeschaffung,
antistaatliche Aktion, parallele Aktivitäten im Schutz des Kontaktes).
Wer sich unsicher ist oder keine Menschen hat, mit denen das eigene Verhalten
zu reflektieren ist, sollte es lieber lassen. Selbst wenn keine Infos
weitergegeben werden, der VS auch nichts interpretieren konnte (was schwer
kalkulierbar ist) - es besteht die Gefahr, selbst Schaden zu nehmen, wenn
FreundInnen irritiert oder verärgert reagieren oder der VS nach mißlungener
Anwerbung eine Diffamierung organisiert.
Alle
konkreten Orts-, Projekt- und Namensbezeichnungen (mit Ausnahme der
VS-Leute selbst) sind im folgenden verändert.
1.
Nun denn:
Der Beginn des ganzen ist gut dokumentiert - direkt nach dem ersten
Akt habe ich den Kontakt breit bekanntgemacht. Hier die entsprechende
Mail.
Hallo,
die
... ist jetzt amtlich als "geldbeduerftig" eingestuft ...
und der folgende Bericht duerfte ein bisschen unterhaltenden Charakter
haben. Morgens um kurz nach 10 Uhr (ich war schon wach, jaja)
fuhr ein metallic-grauer Benz 230E mit dem Kennzeichnen K-AE 223 auf
das Grundstueck. Da ich gerade am geoeffneten Fenster im Erdgeschoss
stand, sahen mit die zwei dem Wagen entsteigenden Maenner sofort. "Sie
sind Herr ...?", was ich bejahte. "Wir wuerden gern mit
ihnen reden". Dann liessen sie sich laenger darueber aus, dass
das Haus hier ja wohl Geld gebrauchen koenne und machten mir dann ein
Angebot fuer einen lukrativen Job. Geredet hat nur der aeltere der Herren,
der als Namen Gilden und als Telefonnummer 0172/2430341 angab. Er stellte
den anderen als seinen Beschuetzer vor - "koennen Sie sicher verstehen
bei unserem Job". Er wuerde mich gerne einstellen, weil ich ja
Schriftsteller sei und er jemanden brauche, der seine Texte redigieren
(sprich: durchsehen und korrigieren) wuerde. Und ueber das noetige Wissen
zu seinen Themen wuerde ich ja wohl auch verfuegen. Naja ... usw.
Sollte es noch Menschen geben, die das alles gerade nicht kapieren,
noch den Eintrag auf seinem Dienstausweis, denn er in sicherer Entfernung
vor mir hinhielt: Bundesamt fuer Verfassungsschutz. Leider hat er nicht
besonders viel erzaehlt, warum sie jetzt zu mir/uns kamen oder was speziell
ein Auftrag sein wuerde, meist versuchte er vergeblich, mir klar zu
machen, dass Geld uns weiterbringen wuerde und (als er sah, dass irgendwie
Geld wohl nicht so der Hit war), dass auch ich sicher mal aelter werden
wuerde, darueber dann anders daechte und Geld dann doch nuetzlich sei.
Ach ja, und: "Sie koennten ihre Arbeitszeit selbst gestalten ...
ueber das Geld, da brauchen wir wohl nicht zu reden, da werden wir uns
schon einig". Schliesslich gab er mir seine Telefonnummer und
die beiden verschwanden wieder (ob noch andere im Auto sassen, weiss
ich nicht ... waere ja sonst auch gefaehrlich gewesen - so ein
Reifenwechsel auf unserem Hof von einem Verfassungsschutz-Benz waere
sicher auch keine schlechte Unterhaltung gewesen ...).
Also
- lieber an Besuch von Schlapphueten als ueberhaupt keinen Spass ;-)
(Falls
noch nicht bekannt: Das Landeskriminalamt ist zur Zeit etwas aehnlich
mit einer weiteren Person hier aus der ... "beschaeftigt")
Wir
sehen uns auf Ibiza ... Gruss ...
Auch
alle weiteren Schritte habe ich immer etlichen Menschen direkt erzählt,
vor allem in den betroffenen Städten ... und ... - wobei
allerdings leider nicht alle zu erreichen waren, weil in einigen Zusammenhängen
Aversionen gegen die ... und/oder mich bestehen. So erreichte diese
die Information möglicherweise nicht. Die Spaltungen in der Linken
haben auch hier ihre Wirkung ...
2.
Einen
Tag nach dem Versand der Mail riefen zwei Menschen an: Einmal VS-Mann
Gilden selbst und eine weitere Person, die von Gilden in einer anderen
Stadt angeworben werden sollte - allerdings sah Gilden dort anders
aus und fuhr ein anderes Auto. Offenbar ist der Name und die Telefonnummer
von mehreren Personen benutzt.
VS-Mann
Gilden rief offenbar an, weil er meine Veröffentlichung mitbekommen
hatte. Allerdings sprach er mich nicht direkt darauf an. Stattdessen
erwähnte er den Namen einer Person aus dem Umfeld der ..., die
ihn kontaktet und sich ihm als Informant angeboten haben soll. Er bat
mich, dieser Person zu sagen, daß er kein Interesse hätte.
Ich sagte ihm, er solle das selbst machen, ich würde die nicht
kennen. So blieb es.
Schnitt:
Ca. zwei
Wochen vergingen und ich habe zum einen mit sehr vielen Leuten über
den Anwerbeversuch geredet, zum anderen entstand das Problem, mit der
Namensnennung der Person aus unseren Zusammenhängen umzugehen.
Machte der VS einen Spaltungsversuch oder ist die Person doch mit dem
VS in Verbindung? So entwickelte ich Überlegungen, wie mit beiden
Fällen umzugehen ist. Gegenüber dem VS wollte ich mich zunächst
zeitschindend verhalten, auch um die andere Sache klären zu können.
In der Sache des Spitzelverdachtes informierten wir (Leute aus der ...)
verschiedene linke Gruppen in der Umgebung (jeweils uns bekannte Einzelpersonen
aus ihnen), weil die unter Spitzelverdacht stehende Person gleichzeitig
in verschiedene Gruppen hineingegangen war. Außerdem suchten wir
Kontakt zu Antirepressionszusammenhängen in den Städten ...
und ... Diese Kontaktaufnahme erwies sich als unbefriedigend: Kooperationen
wurden abgelehnt ("wer angequatscht wird, ist meist persönlich
labil" und ähnlicher Schrott war zu hören) bis hin zu
der Denunzierung, daß die ganze Geschichte ausgedacht sein soll
(Hintergrund sind Spaltungen und Streitereien um politische Strategien).
So war auch von dort keiner Hilfe zu erwarten. Daher organisierten wir
selbst eine "Überprüfung" der von Gilden erwähnten
Person: Wir organisierten selbst einen Anquatschversuch, um die Person
für den VS zu werben.
3.
VS-Mann
Gilden rief ich nach ca. zwei Wochen an (auf Handy-AB gesprochen, der
sich mit "Hallo, hier ist Lothar") meldete. Sein Rückruf
begann mit "Na, haben sie Sehnsucht nach mir" (das alles
mit filmreifer Betonung) und er wollte ein Gespräch vereinbaren.
Ich vertröstete ihn wegen einer Veranstaltungsreihe meinerseits
um zwei Wochen. Danach wolle er dann gerne ein Treffen mit mir. Filmreifer
Satz auch da: "Man nennt mich auch Toni ... weil, ich jedes Tonband
genau rieche".
Gilden
bekommt aber noch einen weiteren Auftrag von mir. Ich erwähne meinen
Laptop (geklaut auf der Anti-Atom-Konferenz in ...) und mein Reisegepäck
(geklaut in ... im Zeitraum der Expo-Vorbereitungen), die sich im Besitzstand
des VS befinden. Gilden wehrt ab, das könne nicht sein. So endet
das Gespräch.
4.
Am 7.2.
ruft mich Gilden wieder an. Das Gespräch ist kurz: Er hätte
diese Woche keine Zeit für ein Treffen, die Sache mit dem Laptop
"sieht nicht schlecht aus" und er meldet sich nächste
Woche wieder.
Zeitlich
parallel verfolgen wir die Prüfung des Spitzelverdachts in ...
Leider vergeht mehr Zeit als erwünscht, weil es technische Probleme
gibt. Die müssen wir schließlich selbst beheben, damit es
dann endlich klappt (siehe unten).
5.
Am Beginn
der folgenden Woche kommt dann der erwartete Anruf und eine Verabredung
auf Dienstag zum Treffen. Am Dienstagmorgen meldet sich Gilden verabredungsgemäß.
Jemand anders nimmt das Telefonat entgegen, das war verabredet, um klarzustellen,
daß der Kontakt stattfindet (und weder erfunden noch verheimlicht
ist). Etwas später ruft Gilden nochmal an, meldet sich als "Regierungsbeamter
XY" (Name nicht in Erinnerung) und behauptet, im Auto in Köln
zu sitzen, jetzt loszufahren, in ... "noch was zu erledigen"
und dann zu kommen.
Um 13.15.
Uhr klingelt das Telefon. Gilden schlägt als Treffpunkt den Bahnhof
in ... vor. Da ist grad zu tun habe, vertröste ich ihn um eine
halbe Stunde und mache mich dann auf zum Bahnhof. Auf dem Weg dahin
und am Bahnhof erkenne ich nix weiter Verdächtiges. Der mir bekannte
Mercedes (siehe oben) mit gleichem Kennzeichen und gleichem Fahrer (Gilden
sitzt auf der Rückbank, der Beifahrersitz ist frei - warum
auch immer in diesem Moment, beim letzten Mal kamen sie zu dritt) fährt
vor. Gilden steigt aus und auf den Beifahrersitz wieder ein. Ich sitze
hinten. "Nun, wo waren denn die zersägten Schienen genau?"
fragt er. Meine Antwort: "Wie Sie in der Zeitung lesen konnten,
zwischen Lüneburg und Dannenberg." Seine zweite Bemerkung:
"Das waren aber Profis". Meine Antwort: "Wie sie in
der Zeitung lesen konnten, haben die nicht Sägen, sondern Spezialwerkzeuge
benutzt". "OK, war ein Scherz", meinte Gilden. Der
Weg führte in die Pizzeria am Ortsausgang von ... Daneben ist eine
Autobahnabfahrt. Entsprechend das Publikum: Lauter Einzelgäste
mit Wichtig-Utensilien (Handy, Laptop usw.). Schwer zu erkennen, ob
noch mehr VSler da waren. Auch der Fahrer taucht kurz nach uns dort
auf, hat offenbar den Wagen abgestellt (unbewacht?). Er sitzt aber an
einem anderen Tisch. Gilden führt ein völlig belangloses Gespräch.
Offenbar will er noch nichts Konkretes, sondern mich abchecken. Er spricht
das Verhältnis zu den Nachbarn und die Sexismusdebatte an. Ich
bemühe mich, aussagelos zu antworten (verweise ihn auf Internetseiten
u.ä.). Beim Stichwort Sexismusdebatte denke ich mir, daß
ihnen die sicher in den Kram paßt ... vielleicht hoffen sie darauf,
daß ich aus Wut über linke Zusammenhänge mit dem VS
kooperiere. Vielleicht mischen sie ja sogar irgendwo mit. Naja. Eine
politische Debatte über den Sinn und Unsinn des VS schließt
sich an. Ich bin da redseliger, indem ich selbst Fragen stelle. Gildens
Antworten (Wahrheitsgehalt könnte knapp unter Null liegen): VS
hat 1500 Leute in Köln, dann gibt es noch die ganzen Landesämter
für VS, das Bundes- und das Landeskriminalamt. Es ist normal, daß
da die Daten abgefragt und hin- und hergereicht werden. IdealistInnen
gibt es wohl nicht beim VS. Die Leute agieren mit ihren richtigen Namen
(jaja, ist schon gut ...), ich könne auch gerne seinen Personalausweis
sehen (was ich ablehne und ihn frage, ob er wirklich meine, die Glaubwürdigkeit
würde dadurch steigern). Und immer zwischendurch kommen noch ein
paar Einschleimer der Marke "Sie sind ein interessanter Mensch" & Co. Weitere Themen bzw. Ankontakt-Themen: Die 68er und Joschka
Fischer, die Frage nach der Legalität des VS (Gilden behauptete,
der VS würde nur legale Dinge machen) und die Frage nach Observierungen
und deren Umfang (Gilden behauptete, die "Linken" würden
mit ihrer Angst vor Observierung übertreiben, soviele Leute hätte
der VS gar nicht, um alle zu überprüfen).
Das wichtigste
Gesprächsthema aber ist der Laptop. Gilden behauptet, Landes-VS,
BKA und LKA durchgefragt zu haben. Niemand wüßte etwas, also
sei es wohl ein normaler Diebstahl gewesen. Als er merkt, daß
mich das nicht überzeugt, sagt er irgendwann: "Ist es Ihnen
eigentlich wichtig, Ihren Laptop oder überhaupt einen zu bekommen?"
Auf all das bekommt er keine besonderen Antworten. Schön noch der
Satz "3000 DM sind für den Bundeshaushalt sicher nicht sonderlich
viel". Etwas überraschend ist für mich (ich mache das
ja nicht täglich ...), daß das Gespräch danach zuende
ist. "Jetzt ist erstmal Fasching, ich melde mich danach wieder",
sagt Gilden und kündigt dann an: "Das mit dem Laptop bringen
wird erstmal über die Bühne, ich will nicht, daß es
so aussieht, als wäre daran irgendeine Bedingung geknüpft".
Als wir
aus der Pizzeria kommen, rollt der metallicgraue Benz schon wieder vor.
Ausstieg wieder am Bahnhof in ...
6.
Was nervt
ist, daß die Prüfung des Spitzelverdachts in ... nicht vorwärtskommt.
Schließlich ist das der Grund, die andere Sache mit Gilden überhaupt
so hinzuzögern. Ich erfahre, daß es technische Probleme gegeben
hat. Die lösen wir am 21./22.2. Absprachestand ist nun, daß
bis zum nächsten Gilden-Kontakt alles geklärt sein soll.
Es geht
nun auch alles sehr schnell. Die verdächtigte Person A erhält
einen Anruf mit Bezug auf das Gespräch mit Gilden (der folgende
Verlauf stammt aus den Schilderungen beider Gesprächspartner - die Berichte waren deckungsgleich, zudem machte A einen Telefonmitschnitt).
Doch die Reaktion ist eindeutig - Gilden sei A unbekannt. Während
des Gesprächs kommt das Gespräch auf mich. Erst jetzt begriff
A, was es mit dem Anruf auf sich hatte und begann einen Tonbandmitschnitt,
was dem Anrufer auch auffiel. A lehnte sofort jegliche Zusammenarbeit
ab. Das Gespräch kam dadurch auch zum Ende, wobei am Ende A wiederum
am Schwanken war, ob es schlau war, einfach abzubrechen. Aber der Anrufer
zeigte kein Interesse mehr.
Kurz nach
dem Telefonat bekam ich von beiden Seiten die Information über
den Verlauf. A berichtete sehr ausführlich. Damit war der Verdacht,
soweit das beurteilbar war, ausgeräumt.
7.
Am gleichen
Tag (Donnerstag nach den Faschingsgelagen), aber noch vor der endgültigen
Klärung der Spitzelverdachts-"Prüfung" meldete
sich Gilden wieder. "Jaaa, hier ist der Bundesrechnungshof - sie haben da eine Pizza gegessen, noch dazu eine nicht billige"
begann er in typischer Manier das Gespräch. Er wollte einen neuen
Termin haben und wir einigten uns auf den Dienstag drauf, 14 Uhr. Er
würde sich kurz vorher nochmal melden und einen Treffpunkt durchgeben.
Zudem erwähnte er den Laptop - offenbar ist jetzt geplant,
mir einen neuen zu vermachen. Gilden wollte das als großzügige
Tat gesehen haben und verglich alles mit einem Auto, wo nur der Zeitwert
gelten würde. Ich habe gekäme den Neuwert. Und schließlich
begann er von Don Camillo und Peppone zu erzählen, um mich zu überzeugen,
daß auch er und ich zwar unterschiedliche Ziele hätten, aber
doch auch an Punkten einander bräuchten (ich kannte die Geschichte
nicht so gut und mußte sie mir hinterher erst von anderen erzählen
lassen, um zu begreifen, was Gilden eigentlich genau wollte).
Nach diesem
Telefonat gab es verschiedene Gespräche, wie die ganze Sache nun
zu beenden sei und dabei auch noch verschiedene Dokumentationen (Fotos
der VSler usw.) möglich wären. Entsprechendes wurde angeleiert,
bis dahin würde ich Hinhaltetaktik fahren (und wenn es zwischendurch
einen Laptop als Geschenk gäbe, würde ich es annehmen. In
allen Gesprächen mit politischen FreundInnen war jetzt ein Aspekt,
ob ich mich durch das alles selbst gefährden würde - alles aber lag im Reich der Spekulationen. Wenn der VS Rachefeldzüge
starten würde, hätte er sicher viele Mittel, gleichzeitig
würde er aber auch Leute von sich in Gefahr bringen, ohne daß
das was mit seinem eigentlichen Auftrag zu tun hätte.
8.
Dienstag,
13 Uhr, klingelt das Telefon. Jemand anders geht ran: "Jaaaaa,
ich möchte den Herrn ...". Ich bekomme das Telefon und melde
mich mit "Parlamentarische Kontrollkommission". Nach einigen
Sekunden Verwirrung fragt Herr Gilden, ob wir uns gleich am Bahnhof
treffen wollen. Ich lehne ab und schlage 14.15 Uhr vor - ich hätte
noch etwas zu tun (tatsächlich war ich beim Zahnarzt und darf noch
eine Stunde nichts essen ... und wenn ich mir das schon gebe, dann soll
es wenigstens ein anständiges Mahl sein). 14.15 Uhr am Bahnhof
fährt der bekannte Mercedes mit bekanntem Fahrer vor. Gilden sitzt
diesmal schon vorne und bedeutet mit durchs Fenster, mich hinten hinzusetzen.
Das tue ich. Begrüßung und gleich der Hinweis "Parlamentarische
Kontrollkommission" heißt das aber gar nicht mehr".
"Weiß ich, entgegne ich". Wenige Sekunden später:
"Na, haben sie letzte Woche wieder ordentlich gesägt?"
(Anspielung auf Castor-Widerstand). Undsoweiter. Unterwegs entscheiden
sich die beiden Herren, zu einer anderen Gaststätte zu fahren (Autobahnraststätte
... - superteuer). Im Auto redet Gilden munter vor sich hin, vor
allem über den Laptop und den geklauten Büchertisch (es sei
jetzt ganz sicher, daß der Laptop nicht von Sicherheitsbehörden
geklaut worden sei usw.). Und er macht eine kurze Bemerkung: Sie seien
in ... gewesen. Da gäbe es ja auch eine Szene, sagt er. "So?"
frage ich. Gilden: Naja, bei den Schwierigkeiten, die ihnen die Szene
dort macht, gibt es sie ja wohl. Dabei bleibt es, aber es scheint ihm
wichtig (Spaltung hilft dem VS ...).
In der
Raste beginnt das übliche Gespräch: Viele Wort, wenig Aussagen.
Gilden beginnt gleich mit der Bemerkung, daß er sich alles nochmal
überlegt hätte und doch keine enge Zusammenarbeit will. Aber
er würde mir gerne helfen (meint damit finanziell, Laptop usw.)
und fragt mich, ob ich mir einen kleinen gemeinsamen Nenner vorstellen
könnte. Ich stelle eine Gegenfrage: Es sei ja klar, warum ich machen
würde, was ich tue. Aber warum tue er das? Die Antwort ist lang
und besteht aus vielen Abschnitten. Zunächst berichtet Gilden von
seiner konservativen Erziehung. Er sei Politologe und da gäbe es
nicht viele Berufschancen (immer mit Fragen wie "Was hätten
Sie gemacht, wenn ...?" gespickt). Dann versucht er lang, seine
linke Gesinnung darzustellen, redet vom korrupten Staat, von Abzockern,
krimineller Energie bei Politikern usw.
Irgendwann
stelle ich eine weitere Frage: Ich hätte viel zu verlieren, mein
gesamtes Umfeld, wenn klar würde, daß ich mit dem VS zusammenarbeite.
Gilden wehrt ab mit dem Hinweis, daß VS-Leute nie auffliegen.
Ich widerspreche, Gilden fordert Beispiele. Wir reden über Schlickenrieder
und Steinmetz. Schlickenrieder sei kein Spitzel gewesen. Mit Steinmetz
sei vereinbart gewesen, daß er auffliegt. Und auch all die ganzen
Anquatschversuche seien immer nur Stories von Leuten, die sich wichtig
nehmen würden. Die gäbe es nicht.
Zwischendurch
kommt nochmal das Thema Laptop und Büchertisch auf. Gilden rechnet
sich einen Wert von 5000 DM aus und meint, die würde er schon so
bekommen und es würde auch niemand fragen, für wen und für
was, aber es müßte schon in einem Zusammenhang stehen mit
etwas, was zur Sache gehört. Daher schlägt er zum Ende konkreter
einen kleinsten gemeinsamen Nenner vor ("er wolle mir ja helfen"
sagt er immer wieder und "da können sie dann sogar was Gutes
tun" usw.): Ich sollte die Jahresberichte und die nichtveröffentlichten
(behördeninternen) Monatsberichte begutachten. Einmal monatlich
würde Gilden sich mit mir treffen und die Texte durchgehen. Ich
sollte diesen Vorschlag mal durchdenken, er würde mich dann wieder
anrufen. Ich frage ein bißchen über die Berichte nach, wer
die so bekommt usw. und bitte dann, mit mal einen der letzten zur Ansicht
zu schicken, damit ich weiß worüber ich nachdenken soll.
Gilden sagt das zu.
Wir verlassen
die Raste und fahren zurück. Gilden hat noch zwei Themen. Zum einen
will er sich nicht mehr mit mir in der Region treffen. Zuviele würden
mich da kennen und so ein Mercedes mit Kölner Nummernschild sei
sehr auffällig (hat er recht, warum die den wohl immer benutzen?).
Wir müßten also etwas Neues finden (Gilden macht Probleme,
daß ich nicht Auto fahre ...). Zum anderen fragt er mich, ob ich
Lust hätte, mit ihm Ende April ein paar Tage nach Spanien zu fliegen.
"Kennen sie Barcelona? Wunderbar dort, ein bißchen die Beine
hochlegen ...". Das wars, an einer Straßenecke in ... steige
ich aus.
9.
Wenige
Tage nach diesem Treffen und der Klärung der Spitzelwürfe
in ..., die ja der Hauptgrund waren, die Kontakte weiter zu halten,
aber konkrete Vorgänge zu verzögern, kommt es zu Rückäußerungen
mit sehr starker Kritik an meinem Verhalten. Mein Verhalten könnte
Gräben aufreißen, die nur dem VS und anderen Herrschaftsstrukturen
nützen, wenn es dazu führt, daß sich politische Gruppen
entsolidarisieren oder ausgrenzen. Das war und ist nicht mein Ziel - ganz im Gegenteil. Deshalb habe ich die eigenen Zusammenhänge auch
ständig sehr genau informiert. Jetzt scheint aber Schaden zu entstehen - ich hoffe das nicht, will aber keinen Schritt weiter machen,
der diese Gefahr vergrößert. Und die Argumente, daß
es nicht sinnvoll ist, sich überhaupt mit dem VS einzulassen, teile
ich zwar nicht, halte sie aber für gewichtig. Ich möchte mich
mit denen, die diese Positionen haben, nicht wegen VS-Gesprächen
auseinanderbewegen. Der VS ist nichts wert, die Bewegung schon!
Darum
ist hier Ende. Sollte ich die Monatsberichte noch bekommen, werde ich
sie annehmen. Ansonsten gibt es keinen weiteren Kontakt. An einer Debatte über Sinn und Unsinn kreativ-frecher Auseinandersetzung auch mit
dem "System" bin ich aber interessiert.
Zusatz
am 9. April 2002:
An dieser Stelle endete das Protokoll. Und damit auch
jeglicher Kontakt zum VS (genauer siehe in der Einleitung). Ich dachte,
das wäre klar, aber offenbar hat es Zweifel gegeben, die ich meinerseits
ausräumen möchte. |