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Tach.
Erstmal vorweg will
ich schreiben, das ich in dieser Mail nicht alles schreiben werde, was
ich zu der VS-Geschichte denke oder sagen könnte. Da mein Zeitrahmen
begrenzt ist, werde ich lediglich einige Punkte rausgreifen, und dazu Position
beziehen. Wenn ich Punkte unkommentiert stehen lasse, heißt das nicht,
das ich sie für richtig halte
Hallo,
> hier folgt ein moeglichst praezises Protokoll einer Beziehung zum
> Verfassungsschutz. Dieser Text wird auch auf der Internetseite unter
> www.projektwerkstatt.de/debatte zu finden sein - was schon dazu auffordert,
zu
> debattieren. Ich klemme auch den vor wenigen Wochen verbreiteten Text daneben,
>
weil er eine abweichende Meinung (Immer sofort "Nein" sagen) vertritt.
>
> Ich bin nicht der Meinung, dass schematische Reaktionen sinnvoll sind.
Sie
> machen uns berechenbar
Wenn das so wäre:
was wäre an dieser Berechenbarkeit schlimm. Das in der szene vorgeschlagene
Schema ist eine klare Absage. Dies würde eine Berechenbarkeit mitbringen,
richtig. Aber was wäre der NAchteil, wenn für sie berechenbar
ist, das sie kein Gespräch kriegen.
> (der VS muss einfach nur immer anquatschen - entweder
> gleich ein Nein oder Erfolg, das macht es ihm sehr einfach) und schneiden
> Debatten ab.
Die andere Seite
(kein klares nein, sondern ein klares ja), fordert ja niemand. DAher
gibt es dort die Berechenbarkeit sowieso nicht. Und wird der VS zumindest
so auch nicht erleben. Du wirst ja wohl nicht der erste MEnsch sein, der
dem VS keine klare Ablehnung entgegengebradcht hawt und dann zurückziehen
mußte.
Und noch was zu
den klaren Schemen. Mir hat die klare Forderung (Keine Aussagen bei Polizei
und Justiz) gerade in der ich angefangen hab, Politik zu machen, sehr geholfen.
Ich habe wenn ich festgenommen wurde, immer klar gemacht, das es von mir
keine Aussagen gegen wird und wurde längst nicht so genervt wie die
Leute, die meinten, irgendwas sagen zu müssen „mit dem die eh nix
anfangen können“.
Daraus leite ich
ab, das es, selbst wenn es so wäre, daß es theoretisch individuell
andere Möglichkeiten (als Aussageverweigerung) gäbe, es für
falsch halten würde, diese Möglichkeiten zu propagieren. Denn
wer kann schon für sich einschätzen, stark genug zu sein in einer
Situation, von der er/sie noch gar nicht weiß, wie sie sich entwickeln
wird.
> Ich habe mich sehr unsicher gefuehlt in der ganzen Phase, habe mit vielen
> Menschen darueber gesprochen, aber (natuerlich) kaum klare Aussagen bekommen.
Die
>
"Linke" ist formalisiert und/oder marginalisiert. Zu meiner Vision einer
> interventionsfaehigen Bewegung von unten gehoert Kreativitaet und
> Unberechenbarkeit. Das ist mit Regeln nicht zu erreichen.
Das klingt ein
wenig so, als würdest Du u.a. ein wenig auch deshalb mit dem VS zusammengemacht
haben, um dem Formalismus der bösen dogmatischen Linken mittels einer
Direkten Aktion etwas entgegenzusetzen - was ich auf diese Weise
ziemlich grausam finden würde
> . Ob es irgendwas gebracht hat, steht in den
> Sternen oder irgendwo. Ob ein Schaden entstand, ist ungewiss.
Diese Auswertung
klingt nicht sehr überzeugend.
> Wichtig erscheint
> mir, dass solch ein Versuch nur in Diskussion und Reflexion mit anderen
moeglich
> ist - und auch nur dann sinnvoll, wenn dadurch ein klares Ziel verfolgt
wird,
> welches auch immer (Informationsbeschaffung, antistaatliche Aktion, parallele
> Aktivitaeten im Schutz des Kontaktes).
Hattest Du ein
klares Ziel, als Du diese LEute in dein Haus gelassen hast, oder war es
nicht so, das Du vielleicht erstmal reden wolltest und dann während
des Gesprächs ein mögliches Ziel fandest - die Enttarnung einer
anderen Person. Wenn letzteres, empfinde ich das Verhalten des VS (eine
Person als Spitzel zu denunzieren, die keiner ist), deutlich frecher und
kreativer als deine Aktion, das zu glauben und prüfen zu wollen (ohne
aussagen zu wolen, das ich letzteres für sinnlos halte), was ich als
dein gewesenes klares Ziel interpretiere, ohne das alles nicht sinnvoll
wäre.
> Wer sich unsicher ist oder keine Menschen
> hat, mit denen das eigene Verhalten zu reflektieren ist, sollte es lieber
> lassen.
Und ich glaube
nicht wirklich an Helden in unseren Zusammenhängen, die schon vorher
wissen, das sie sich immer sicher fühlen werden
> Selbst wenn keine Infos weitergegeben werden, der VS auch nichts
> interpretieren konnte (was schwer kalkulierbar ist) - es besteht die Gefahr,
> selbst Schaden zu nehmen, wenn FreundInnen irritiert oder veraergert reagieren
> oder der VS nach misslungener Anwerbung eine Diffamierung organisiert.
Was ich aus deinem
Text nicht so richtig herauslesen kann, ist, wie du dein Verhalten denn
in Hinblick auf das geschehene Bewertest. Also, glaubst Du, unterm Strich
steht eine Zahl, die größer als Null ist. Waren die Handynummer
und das Autokennzeichen das Wert? Oder glaubst Du, das es irgendwann in
der Zukunft einen Punkt gegeben hätte, an dem Du der Gewinner (nicht
nur eines Laptops) gewesen wärst? Kann man so etwas überhaupt
vorhersehen oder ist nicht letztlich, wie ich behaupten würde, das
Risiko sehr klar, die Chance sehr unklar? |