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Aufgrund der Veröffentlichung eines VS-Kontaktes sowie der Ideen zu
kreativer Antirepression hat es etliche intensive Debatte, aber auch Ausgrenzungen
gegeben. Das Thema spaltet. Zwar besteht der Verdacht, daß die Kritik
an "kreativ-feindilchen Kontakten" zumindest bei einigen nur vorgeschoben
ist, um Machtansprüche innerhalb linker Zusammenhänge durchzusetzen
oder eigene Einflußmöglichkeiten zu verteidigen - dennoch erscheint
es wichtig, zusätzliche Klarheiten zu schaffen. Dieses soll hier zusammenfassend
erfolgen. Die Alternative dazu wäre, sämtliche Texte der Vergangenheit
so zu überarbeiten, daß mißverständliche Begriffe verändert
werden usw. Zweifelsfrei würden das einige derer, die die Attacken auf
Personen oder Projekte aus ganz anderen Gründen betreiben, dazu veranlassen,
von Verschleierung oder Täuschung zu reden. Darum unterbleibt es und
dieser zusätzliche Text entsteht. Diesen Text werden wir auch immer
verändern, wenn wieder (was völlig o.k. ist) ein Hinweis erfolgt,
daß etwas nicht verständlich oder leicht mißverständlich
wäre. Kein Mensch kann alle Blickwinkel bedenken, aus denen heraus solche
Mißverständnisse erfolgen können. Daher wären Rückmeldungen
durchaus nett ...
jb, 19.10.2002
Am Anfang soll aber ein neuerer Text stehen, in dem vieles klargestellt
wird - nämlich die Passage zu kreativer Antirepression aus der Debatte
um "Organisierung von unten". Weitere lohnenswerte Texte gibt es auf den
Infoseiten zu kreativer Antirepression.
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Zusammenfassend stelle ich als meine Überzeugung folgendes klar:
- Es gibt keinerlei Grund, sich mit VertreterInnen von Repressionsorganen
auf einen Austausch an Informationen einzulassen – also weder Gespräche
noch Diskussionen oder Briefwechsel! Bezogen auf Aussagen zu Personen, Strategien
und Zusammenhängen ist „Anna und Arthur haltens Maul“ genau richtig!
- In diesem Sinne war der Kontakt zum VS, der hier veröffentlicht
wurde, falsch. Die zwei Gespräche hätten nicht stattfinden dürfen.
Die Gefahr, über Mimik oder Wortbetonungen letztlich doch verwertbare
Informationen preiszugeben, ist zu groß – selbst wenn etwas anderes
erreicht werden kann (z.B. Fotos zu machen).
- Aus dem gleichen Grund halte ich aber auch die ständige
Kontakte bis hin zu Kooperationen politischer Gruppen z.B. mit Bullen oder
Justiz für falsch. Bereits die Anmeldung einer Demo bedingt die Gefahr
der Kooperation, der Beeinflussung usw. Gespräche über Demorouten,
Rahmenbedingungen und mehr sind dann direkte Kooperation. Bullen und Behörden
können dann nicht nur das Verhalten politischer AkteurInnen beeinflussen,
sondern erfahren in solchen Gesprächen sehr viel über interne Strukturen,
Dominanzverhältnisse, Strategien usw.
- Aus dieser Überlegung heraus habe ich für eine offensiv-widerständige
Strategie gegenüber Repressionsorganen plädiert. Das tue ich weiter.
Damit gemeint erstens ist, Repression nicht defensiv zu begegnen in Hoffnung
auf Schadensbegrenzung, sondern offensiv zu nutzen, um Herrschaft offensichtlich
werden zu lassen bzw. visionäre Debatten über eine Gesellschaft
ohne Repression und Herrschaft zu provozieren. Zweitens ist damit gemeint,
Angriffe auf Bullen, VS, Knäste, Gerichte und Gerichtsverfahren, AusländerInnen-,
Bau-, Finanz-, Ordnungsbehörden usw. zum Teil unserer politischen Arbeit
zu machen, um selbiges auch in einer Form zu erreichen, wo wir selbst Zeitpunkt,
Ort und Ablauf bestimmen.
- Ein weiterer Aspekt ist noch das persönliche Wohlbefinden
der von Repression oder Überwachung betroffenen Person. Mit der Anweisung
„Anna und Arthur halten das Maul“ und den oft dahinter stehenden Repressionsbedrohungen
innerhalb der politischen Zusammenhänge wird Verhalten normiert. Dabei
wird nicht berücksichtigt, wer sich wann am wohlsten, sichersten und
souveränsten fühlt. Das aber ist wichtig, um eben gerade nicht
durch Gestik, Angstsymptome usw. Rückschlüsse der Bullen, Richtis
usw. zu ermöglichen. Daher ist ein Training in offensivem Verhalten
und rückschlußfreier Gestik sinnvoller als Verregelungen. Es wird
Menschen geben, die weniger von sich preis geben und sich zudem wohler fühlen,
wenn sie Lieder singen, Gedichte aufsagen, über ihren Hund reden (wenn
sie keinen haben) oder selbst den Bullen Fragen stellen (nach ihren Gehältern,
was sie außerhalb des Dienstes so machen, ob sie lieber in der Sonne
liegen würden ...).
- Der Begriff „kreativ-feindlicher Kontakt“ meinte genau das. Kontakt
war hier rein als Begriff für eine Begegnung verstanden, keinesfalls
sollte damit Gespräch oder ähnliches gemeint sein. Denkbar ist,
daß es dafür präzisere Begriffe gibt, dann kann gerne ein
anderer genutzt werden, um Klarheit darüber zu schaffen und zu verhindern,
daß Dritte daraus schlußfolgern, hier würde zu Gesprächen
mit VS oder Bullen aufgefordert bzw. die damit verbundenen Gefahren verharmlost.
- Daher nochmal: Egal ob bei einer geplanten Demo, einem bevorstehenden
Prozeß oder einer Anquatsche durch den VS ... Gespräche oder andere
Formen des Informationsaustausches sind immer falsch!
Was ist offensiver Widerstand gegen Repression, der sog. „kreativ-feindliche“ Kontakt? Beispiele ...
- Mit Demorecht taktisch umgehen, z.B. Demoorte, Infostände
u.ä. als Rückzugszonen anmelden, wenn tatsächlich kreative
Aktion, Aneignung von Flächen und Häusern usw. laufen soll (Vorbild
„Reclaim-the-streets“).
- Subversion: Bullen in die Irre schicken, Kreuzungsblockaden durch
Bullenaufmärsche erzeugen statt selbst zu machen. Eingreifen, wo Bullen
oder BGS Menschen kontrolliert, schickaniert oder diskriminiert.
- Militanz: Repressionsorgane sabotieren. Knäste, Gerichtsgebäude, Bullenautos direkt attackieren.
- Kreative Störung: Zum Beispiel von Gerichtsverhandlungen
(Beispiel: Marburg), Vermittlung bei Festnahmen (nach außen, für
die Menschen drumherum).
- VS-Beamtis treffen, aber nur fotografieren bzw. noch Wagen attackieren
(andere Leute), öffentlich bloßstellen u.ä. Oder weitergehend:
VS-Beamtis treffen, aber sofort wieder wegschicken. Andere verfolgen sie
u.ä., um örtliches VS-Büro rauszufinden. Dann alle Leute,
die rein- und rausgehen, fotografieren. Kennzeichnen und Plakat veröffentlichen
und/oder Büro attackieren/sichtbarmachen.
- Bei allem: Vermittlung über Kritik an Repression, die damit
abgesicherte Herrschaft und die Vision herrschaftsfreier Gesellschaft.
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