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Wir dokumentieren den folgenden Beitrag von jüngeren
Frauen aus Antifa-Zusammenhängen außerhalb der AIB-Redaktion
in der Hoffnung, damit eine - immer wieder - notwendige Diskussion über
Sexismus und patriarchale Strukturen innerhalb der Antifa-Szene in Gang
zu setzen. Reaktionen, weitere Diskussionsbeiträge etc. sind ausdrücklich
erwünscht und werden mit Spannung erwartet.
Vom Aussterben des »Homo Gockels« kann
noch lange nicht die Rede sein.
Schon gar nicht in der Antifa.
Mini & Daisy über Micky & Donald
- Macker in der Antifa
Wir versuchen jetzt mal, unsere Gedanken aufzuschreiben,
zu dein, was uns so zu Antifa-Mackers und szenetypischem Männerverhalten
einfällt. Gleich vorab: Wir schreiben so, wie es uns in den Kopf kommt.
Das Ganze ist mehr oder weniger ein Produkt unserer Erlebnisse und Erfahrungen,
und das, was uns im Alltag so auffällt. Kann sein, daß sich
mancher darin wiederfindet,- darin wohl nicht ohne Grund?
Der ideale Antifamacker ist mindestens 1,85m
groß, männlich, breites Kreuz und kampfsporterfahren. Klischee?
Nicht unbedingt. Bei Aktionen wird meistens nach dein Äußeren
und dem Auftreten gegangen. Wer nicht so schnell rennen kann, fällt
genauso raus wie Leute, die kleiner/schwächer sind, oder sich nicht
so viel zutrauen. Bei Aktionen werden Frauen oft ausgeschlossen, weil sie
bestimmte Kriterien nicht erfüllen, die aber von Typen aufgestellt
werden. Oder ihnen wird nicht Bescheid gesagt, da sie nicht unbedingt zu
den größten Draufgängern gehören oder »nur mitlaufen«.
Frauen wird oft nicht zugetraut, daß sie sich wehren können.
Das dazu passende Vorurteil: Deshalb müssen sie beschützt werden.
Frauen werden nur akzeptiert, wenn sie ebenso
cool sind wie die Typen, genauso draufgängerisch, prollig oder poserig.
Das heißt, wenn sie sich unter den Typen behaupten, indem sie selbst
das Verhalten der Typen annehmen und sich nach den von ihnen aufgestellten
Kriterien benehmen. Es geht nicht um Quoten bei Aktionen, sondern darum,
daß auch Frauen zum Kämpfen Lust und vor allem die Wut dazu
haben. Aber wenn frau die Vorgehensweisen der Typen kritisiert, wird sie
ausgeschlossen. Die Problematik wird auf sie abgewälzt, weil sie ja
ein Problern damit hat, wie es läuft, und nicht er. Stattdessen könnte
Kritik ja auch mal ernst genommen und reflektiert werden. Oft wird frau
dann mit anderen Frauen verglichen. Die kritisieren nicht und sind auch
emanzipiert. Es muß also an einer selbst liegen. Und falls sich darin
doch mal mit Kritik auseinandergesetzt wird, darin zu dein Zeitpunkt, den
die Typen bestimmen.
Wenn Frauen au Aktionen teilnehmen, haben sie
oft das Gefühl, als Aushängeschild zu dienen. Was dann zeigen
soll, wie korrekt sich die Typen verhalten. Oft werden Frauen dabei in
die hinteren Reihen abgeschoben, zum Telefondienst, als Sanis oder zum
Fahrräder aufpassen. Wir sagen jetzt nicht, daß das eine unwichtiger
ist als das andere. Aber für Typen scheint es das oft zu sein. Bewußt
oder unbewußt? Es wird versucht, Frauen von körperlichen Auseinandersetzungen
fernzuhalten. Auch bei der Planung von Aktionen haben Frauen kaum ein Wörtchen
mitzureden, werden nicht miteinbezogen bzw. haben sich unterzuordnen und
anzupassen, wenn sie mitgenommen werden wollen.
Allgemein gilt, wenn frau einen Fehler macht,
dann wiegt das schwerer als bei Typen. Frauen müssen sich immer wieder
behaupten und mehr schaffen, immer selbstbestimmt und sicher auftreten,
um die gleiche Anerkennung zu bekommen wie Typen. Tun sie das nicht, werden
sie fallengelassen.
In der Linken gibt es Leistungsdruck genauso
wie im Rest der Gesellschaft. Auch innerhalb der Linken wird nur danach
bewertet, wie schnell renne ich, wie groß bin ich, wie furchtlos,
wieviel Wissen habe ich, und wie verwertbar bin ich. Leistung, Leistung,
Leistung. Wenn ich nix zu bieten habe, bin ich unten durch.
Es gibt eine ganze Menge Typen in der Szene,
die sagen: »Ich bin Antifa. Was geht mich Sexismus an? Das ist überhaupt
nicht mein Bereich. Darum sollen sich die Frauen kümmern. Ich habe
damit nix zu tun. «
Andere Typen setzen sich in Diskussionen zwar
mit Patriarchat und Sexismus auseinander, aber meistens bleibt es verbalradikal
und wird nicht umgesetzt. Manche Verhaltensweisen sind zwar als zu ändern
im Kopf, aber wenn es dann konkreter wird, fallen sie wieder hinten runter.
Wenn zum Beispiel irgendwo ,Streß angesagt ist und da wollen Leute
hinfahren, dann ist klar, daß zuerst die Typen ihren Sitzplatz im
Auto haben. 0b dann vielleicht noch Frauen mitfahren wollen, ist eher Nebensache
bzw. für die ist dann halt einfach kein Platz nicht. Die sind sowieso
nicht groß und stark genug für sowas. Da fahren darin schon
lieber eingespielte Männercombos hin, als daß auch mal Frauen
mitgenommen werden, die ebenso ein Interesse und eine Entschlossenheit
für die Aktion haben. Die Typen müssen sich immer als Helden
behaupten und vorpreschen, um zu beweisen, daß sie keine Ängste
haben. Sie rutschen dann immer in ihre Männerrolle zurück, vor
allem, wenn sie unter sich sind. Bei Demos müssen sie Chef spielen.
Daß sie manchmal bestimmte Aufgaben übernommen haben, ist nicht
mehr so wichtig; Riot wird zum Profilieren genutzt. Nur auf sich selbst
wird Rücksicht genommen und dabei werden oft die einfachsten Grundsätze
vergessen: Es darf einfach nicht passieren, daß Verletzte zurückbleiben
oder daß Leute zurückgelassen werden, die dann in die Hände
der Bullen fallen.
Das Auftreten der Typen wirkt meist martialisch
- Schultern hoch (um möglichst breit und gefährlich zu wirken)
und breitbeinig - vor Kraft strotzend. Frauen sollen zwar militant sein
- im gleichen Maß wie die Typen -, aber in einer persönlichen
Beziehung sind sie dafür da, den Mann wieder aufzubauen.
Emotionen werden den Kumpels vor der Gruppe nicht
gezeigt, denn daß können sie ja in ihren Hetero-Zweier-Beziehungen.
Von den Frauen wird immer erwartet, daß sie Verständnis für
die Typen aufbringen und sie trösten. Der Typ geht auf Aktion, läßt
sich hinterher von der Freundin die Wunden lecken, nutzt sie zum Ausbeulen
und Erzählen von tollen Heldenstories. Mit den gemachten Aktionen
spielen sie oft auf und versuchen, sich zu profilieren - vor sich, der
Gruppe, den Frauen, den Anderen. So toll, so mutig sind unsere Antifamacker.
Dabei labern sie oft zu viele Namen aus, wer dabei war usw.
Junge Frau, süße 18 Jahre alt, lange
gekämmte Haare, geschminkt, feminin angezogen, Hackenschuhe. Was ist
das bloß für eine? So eine kann ja gar nichtpolitisch sein.
Die ist vielleicht die Freundin von... Aber nicht mehr als das! Oft werden
Frauen danach bewertet, wie sie aussehen. Bei einem bestimmten Erscheinungsbild
wird automatisch das Politisch-Sein abgesprochen. Wer hat eigentlich zu
entscheiden, wie engagierte, emanzipierte Frauen auszusehen haben‘?
Wenn eine Frau über einen Typen neu in die
Szene reinkommt, ist sie automatisch die Freundin von... Als diese wird
sie auch immer behandelt - nicht als eigenständige Person, die selber
einen Kopf Lind eine eigene politische Meinung hat. Ist frau einmal in
das Klischee reingerutscht, ein Anhängsel zu sein, fällt es schwer,
da wieder rauszukommen bzw. überhaupt ernstgenommen zu wurden. Als
Frau in die Szene aufgenommeu zu werden, dauert oft länger als bei
Typen, die nach zwei Monaten dazugehören, schneller integriert/akzeptiert
werden. Wenn dann solche Anhängsel eine Frauengruppe bilden, wird
sie als Kaffeekränzchen abgetan.
Oft werden Grenzen überschritten, und ein
Nein ist für Typen schwer zu akzeptieren - vor allem, wenn sie es
nicht nachvollziehen können. Manche Typen wünschen sich deshalb
einen »Regelkatalog«, damit sie wissen, wie sie sich zu verhalten
haben, um korrekt Lind nicht kritisierbar zu sein. Auf Druck von Frauen
- damit sich die Typen auch mal mit sich selbst auseinandersetzen - werden
darin von Zeit zu Zeit Männergruppen gebildet. Doch am Verhalten der
Typen ändert sich nichts. Zum Teil scheinen solche Gruppen zu Witzerzählrunden
zu verkommen. Die meisten Männergruppen gehen dann irgendwann ein
oder zerstreiten sich. Männergruppen gehören wahrscheinlich auch
Zu dem Bild eines vorbildlichen Antifatypen, so daß auch einige nur
des Anstands wegen hingehen und eigentlich selber gar nicht wissen, was
sie dort wollen. Manchmal laufen solche Gruppen parallel zu Frauengruppen,
doch scheint kein gutes Verhältnis vorhanden zu sein. Die Typen haben
Schiß, von den Frauen an den Pranger gestellt zu werden Lind geben
sich also ganz große Mühe, nicht aufzufallen. Als wenn Frauengruppen
nix Besseres zu tun hätten, als sich die ganze Zeit mit den Typen
zu beschäftigten.
In Diskussionen kommen Frauen oft nicht zu Wort.
Sie kommen nicht dazu, ihre Standpunkte zu erklären bzw. zu vertreten.
Gesagtes wird oft ignoriert, übergangen oder abgestritten. Welche
Aspekte wichtig sind Lind welche nicht, entscheiden Typen (»Das gehört
jetzt nicht zum Thema!“). Um überhaupt
wahrgenommen zu werden, muß frau oft schreiben/lauter
sein als die anderen (Ellenbogentaktik). Es bestehen ziemlich feste Männerklüngel,
die auch die »Rangordnung« festsetzen. Einer weiter oben scheint
wichtiger und glaubwürdiger zu sein - dessen Meinung wird dann schon
fast unantastbar - als jemand weiter unten in dieser Hierarchie. Das hat
natürlich auch wieder was mit Leistung zu tun. Wenn frau in Diskussionen
etwas verlauten läßt, was der »Typenriege« noch
nicht bekannt war, muß sie das wieder Lind wieder nachweisen und
mit Fakten belegen. So wird es ihr auch schwieriger gemacht, sich zu äußern,
denn wenn sie beim folgenden »Kreuzverhör« nicht alle
Fragen zur Zufriedenheit der Typen beantworten kann, gilt gleich das ganze
Gesagte als unglaubwürdig. Wenn frau sich mal aufregt, wird sie als
hysterische Zicke abgetan und überlegen belächelt. Typen scheinen
keinen blassen Schimmer vom normalen Alltag einer Frau zu haben. Wenn frau
schon den ganzen Tag von irgendwelchen doofenTypen auf der Straße
etc. angewichst wurde und dann hinterher noch von den eigenen Leuten angemacht
wird, kann es schon leicht passieren, daß frau mal explodiert und
die Gefühle überkochen. Weinen ist darin der Beweis dafür,
daß Frauen eben doch nicht so stark sind und beschützt werden
müssen. Typen sind ja die coolen Checker, die dürfen ihre Gefühle
nicht zeigen. Außerdem ist es sowieso nicht angesagt bei Typen, Emotionen
zu zeigen, Ängste zuzugeben. Viele sind verklemmt und unfähig
über Gefühle zu reden oder diese zu zeigen.
Für Typen ist es sehr schwierig, sich mit
dem eigenen Sexismus auseinanderzusetzen und auch mal Selbstkritik zu üben.
Es fällt wesentlich leichter, das Verhalten anderer Typen abzuurteilen/zu
kritisieren, als sich selbst zu hinterfragen. Es ist relativ leicht, zu
sagen: Der hat das und das gemacht, der ist Scheiße, der kriegt auf‘s
Maul.
Wenn zum Beispiel auf Parties sich irgendwelche
Machos daneben benehmen, das heißt Frauen angrabschen/anbaggern etc.
und die Typen sie dann rausschmeißen, ist das für sie oft eine
Bestätigung, wie pc/korrekt sie selber doch sind. Dann fühlen
sie sich als die großen, gerechten Aritisexisten und haben ihre »Beschützerrolle«
mal wieder prima erfüllt. Dabei ist es doch psychologisch wirksamer,
wenn frau dem Typ zeigt, wo der Ausgang ist und daß sie sich sowas
nicht bieten läßt. Außerdem - wenn sowieso schon genügend
Frauen da sind, um das Arschloch rauszuschmeißen, können sich
die Typen ruhig mal zurückhalten und müssen sich nicht unbedingt
noch in die erste Reihe drängeln.
Zum Schluß: Wenn wir in dem Artikel von
»Typen« und »Frauen« reden, ist das natürlich
nicht allgemeingültig für alle, sondern für Teile der Szene.
Wir haben auch sicher nicht alles angesprochen, was es zu kritisieren gibt.
Das Ganze soll ja auch eher eine Anregung dazu sein, sich selbst mal an
die eigene Nase zu fassen.
PS: An die Frauen, die den Artikel lesen! Macht
ruhig öfter mal das Maul auf, wenn Fluch was nicht paßt! Und
laßt Euch von den Typen nicht verarschen!
Mini und Daisy
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