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Sozialforen

Was sind Sozialforen? ++ Beispielen ++ Sozialforum 2005 (Erfurt) ++ Offener Raum in Erfurt

Sozialforen - eigentlich ein offener Raum ...

6. Absatz der WSF-Grundsätze - von den WSF-tragenden NGOs auch nicht mehr beachtet ...
Die Treffen des Weltsozialforums beraten nicht im Namen der Institution Weltsozialforum. Daher ist niemand berechtigt, im Namen eines der Foren zu sprechen oder eine Position als die aller Teilnehmer wiederzugeben. Die Teilnehmer dürfen nicht aufgefordert werden, als Institution Erklärungen oder Aktionsvorschläge anzunehmen, die jeden oder die Mehrheit binden und den Eindruck erwecken können, mit ihnen würde das Forum als Institution etabliert. Es stellt daher keinen Ort der Macht dar, um den die Teilnehmer in den Treffen ringen. Ebenso wenig hat das Forum den Anspruch, die einzige Form der Zusammenarbeit zwischen den teilnehmenden Organisationen und Gruppen zu sein.

Aus dem Text "Das WeltSozialForum als Offener Raum" von Chico Whitaker

Auf der gegenwärtigen Stufe der Entwicklung des Forums ist die Frage, ob das Forum ein „Raum“ oder eine „Bewegung“ ist, eine grundsätzliche Frage und Wahl geworden. Es wäre der beste Weg, um uns selbst Schwierigkeiten zu bereiten, wenn man der Beantwortung dieser Frage dadurch aus dem Weg gehen wollte, dass man sie nicht deutlich formuliert. Die Charta der Prinzipien des Weltsozialforums definiert das Forum nachdrücklich als einen „Raum“. Jedoch denkt und handelt nicht jeder so, als ob es wirklich ein Raum wäre, oder als ob es immer ein Raum bleiben sollte. ...
Um es gleich vorweg zu sagen, Bewegungen und Räume sind völlig verschiedene Dinge. Ohne die Dinge in „manichäischer“ Weise zu sehr schwarz-weiß zu malen: sie sind entweder das eine oder das andere. ...
Für mich gibt es keinen Zweifel, dass es von fundamentaler Bedeutung ist, die Kontinuität des Forums als eines Raumes um jeden Preis zu gewährleisten - und nicht der Versuchung nachzugeben, es jetzt oder später in eine Bewegung zu transformieren. Wenn wir es als einen Raum aufrecht erhalten, wird es die Bildung und Entwicklung von Bewegungen nicht unterbinden oder verhindern - im Gegenteil, es wird diesen Prozess absichern und ermöglichen. Aber wenn wir uns dafür entscheiden, es in eine Bewegung zu transformieren, dann wird es unausweichlich vor der Aufgabe, einen Raum zu bilden, versagen, und alle solchen Räumen innewohnenden Möglichkeiten werden dann verloren sein. ...
Ein Raum hat keine Führer. Er ist nur ein Ort, im Grunde ein horizontaler Ort, genauso wie die Oberfläche der Erde, selbst wenn sie einige Höhen und Tiefen hat. Er ist wie ein Platz ohne Eigentümer. ...
Die Charta der Prinzipien bezieht deutlich Stellung gegen die Übertragung jedweder Art von Richtungsentscheidung oder Führung des Forums: niemand kann im Namen des Weltsozialforums sprechen – denn es macht keinen Sinn im Namen eines Platzes oder seiner Besucher und Nutzer zu sprechen. Jeder, Individuum und Organisation, behält sein Recht, sich selbst zu äußern und sich vor und nach dem Forum gemäß den eigenen Überzeugungen zu verhalten, egal ob er sich Positionen und Angebote, die von anderen Teilnehmern eingebracht werden, zu eigen macht oder nicht, - jedoch aber niemals im Namen des Forums oder aller seiner Beteiligten. ...
Auf diese Weise ist das Weltsozialforum ein Raum, der dafür geschaffen ist, einem gemeinsamen Ziel all jener zu dienen, die zum Forum zusammen kommen. Und dieses Forum funktioniert horizontal wie ein öffentlicher Platz, ohne Führer oder Machtpyramiden. Das Forum arbeitet wie eine „Ideen-Fabrik“ oder wie ein Brutkasten, aus dem neue, auf die Errichtung einer anderen Welt abzielende Initiativen hervorgehen können, die wir als machbar, notwendig und dringend erachten. Wir dürfen die Geburt vieler Bewegungen erwarten, größerer oder kleinerer, mehr oder weniger kämpferischer, jede mit ihren speziellen Zielsetzungen, jede mit einer eigenen Rolle, die sie in dem gleichen Kampf spielen möchte - und der primäre Zweck des Platzes besteht darin, dass sich solche Bewegungen besser entwickeln können. ...
Die Charta der Prinzipien des Forums unterstreicht diese Rolle, indem sie darauf besteht, dass es keine „Abschlusserklärung“ geben soll. Ein Platz verfasst keine „Deklarationen“, aber diejenigen, die sich auf ihm treffen, können dies tun. Die Teilnehmer des Weltsozialforums können wie immer geartete abschließende Erklärungen verfassen, die sie für wünschenswert halten - und diese sind höchst willkommen. Aber sie werden niemals Erklärungen des Forums durch das Forum sein. Als ein Raum, der allen gemeinsam zukommt, „spricht“ es nicht, ...
Doch die Konzeption des Forums als eines Raumes hat noch mehr Vorzüge. Als offener Raum (open space) hat das Forum die Möglichkeit, den Respekt für Vielfalt zu gewährleisten, anders als wenn es eine Bewegung wäre. ...
Ohne „völlig neutral“ zu werden, lässt das Forum jeder TeilnehmerIn die Freiheit, den Bereich und die Ebene zu wählen, in dem sie/er aktiv werden möchte. ... Niemand im Forum hat die Macht oder das Recht, zu sagen, dass eine Aktion oder ein Angebot wichtiger ist als eine andere. Auch sollte niemand die Macht oder das Recht haben, dem eigenen Angebot eine größere Sichtbarkeit zu verschaffen oder diese zu fordern, indem die Betreffenden sich eines Raumes, der allen gehört, für ihre besonderen Ziele „bemächtigen“. ...
Diesen oder jenen Kampf zu privilegieren, in den ersten Reihen der Demonstrationen oder unter den Sprechern der Schlusskundgebung sein zu wollen, widerspricht dem Prinzip der Vielfalt und vermittelt eine Vision eines Forums –als Bewegung anstatt eines Forums –als Raum. Diese Frage muss noch weiter und in größerer Tiefe diskutiert werden. ...
Sie wissen, dass sie weder Anweisungen erhalten noch Befehle zu befolgen haben, und dass sie auch keine Rechenschaft über ihr Tun und Lassen ablegen müssen. Auch müssen sie nicht ihre Loyalität oder Disziplin beweisen, und werden auch nicht ausgeschlossen, wenn sie dies nicht tun, ganz im Gegensatz zu dem, was ihnen widerfahren würde, wenn sie an irgendeinem Treffen einer organisierten Bewegung teilnehmen würden. ...
Auch muss keiner befürchten, dass er sich gegen andere verteidigen muss, die das Forum kontrollieren wollen, oder die dem Forum Richtungen oder Verhaltensregeln darüber auferlegen wollen, wie es sich zusammen zu finden, zu bewerten, zu entscheiden und Aufgaben zu ergreifen hat. Und noch weniger müssen politische Verhaltensauflagen befürchtet werden, wie sie sowohl in Gruppen und „Delegationen“ wie auch in guten und disziplinierten Parteien oder Bewegungen vorkommen. Treffen dieser Art sind möglich, doch niemals für jene, die Aktivisten dieser oder jener Bewegung sind, verpflichtend. ...
Wenn das Forum eine „Bewegung der Bewegungen“ wird, würde keine dieser Bewegungen einzeln in der Lage sein, einen derartigen Raum zu schaffen und erfolgreich alle anderen Bewegungen dazu bringen, ihre Einladung ohne Bedingungen anzunehmen. Das Treffen würde von der Notwendigkeit überschattet werden, mit einer anderen Strukturbildung zu beginnen, die die Intention der Vereinheitlichung hätte, mit all den Regeln - von allen vereinbart - die erforderlich wären, um sie zu realisieren. Und dann, als Ergebnis des Kampfes um Raum und dessen Kontrolle, aber auch um die Definition der Zielsetzungen der neuen Bewegung, würde die Konkurrenz unter den Abteilungen wieder entbrennen. ...
Zentral geplante versus selbstorganisierte Aktivitäten: ... In dem Forum – als Raum werden die selbstorganisierten Aktivitäten in den Köpfen der Ver-anstaltungsorganisatoren Priorität haben, sobald ihnen klar ist, dass das Weltsozialforum als ein Raum besser funktioniert. Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass die Veranstaltungen, die von den Organisatoren zentral geplant werden, überbewertet werden und auf Kosten der Treffen und Seminare stattfinden, die von den Teilnehmern selbst geplant werden. Diese selbstorganisierten Aktivitäten, die das Herzstück des „Forums als Raum“ bilden, werden fast mit Nachlässigkeit behandelt. Seit der Zeit, als diese Art der Veranstaltungsorganisation beim Weltsozialforum 2001 in Porto Alegre erfunden worden war, wird auf diese Aktivitäten fast als zweitrangig herabgesehen, als auf weniger bedeutende Aktivitäten mit wenig Prestige, als ob sie eine Last wären, die die Organisatoren gezwungen seien, zu tragen. ...
Selbstorganisierte Veranstaltungen stehen im Einklang mit dem Forum als Raum, nicht jedoch mit dem Forum als Bewegung. Es kann keinen Zweifel darüber geben, dass das Setzen der Priorität auf die selbstorganisierten Aktivitäten viel mehr das Erreichen der Ziele des Weltsozialforums fördert, wie sie in der Charta des Weltsozialforums niedergelegt und am Anfang dieses Artikels angedeutet worden sind: es möglichst vielen Individuen, Organisationen und Bewegungen, die sich dem Neoliberalismus entgegen stellen, ermöglichen, in freier Weise zusammen zu kommen, einander zu zuhören, von den Erfahrungen und Kämpfen anderer zu lernen, und Aktionsvorschläge zu diskutieren; um sich in neuen Netzen und Organisationen miteinander zu verbinden, die darauf abzielen, den Prozess der gegenwärtigen Globalisierung zu überwinden, der von großen internationalen Konzernen und ihren finanziellen Interessen dominiert wird. ...
Mehr als alles andere braucht das Forum Menschen und Institutionen, die willens sind, die Aufgabe der Organisation eines Platzes auszuführen ohne in das einzugreifen, was auf ihm diskutiert wird, und noch weniger in die Freiheit, die allen seinen Teilnehmern garantiert werden sollte. ...
Die Eingeladenen sollten nicht vor der Möglichkeit auf der Hut sein müssen, dass sie von denen, die sie eingeladen haben, benutzt werden, um deren eigene tatsächlichen Ziele durchzuführen - was passiert, wenn politische Parteien sich entschließen, den Prozess „großzügig“ zu unterstützen.

Aus einem Interview mit Chico Whitakter Ferreira in: Global total, Papyrossa Verlag Köln (S: 224f)
Das Erfolgrezept liegt gerade darin, weder Entscheidungen im Namen des Forums noch seiner Unterorganisationen zu treffen, noch in seinem Namen irgendwie Stellung zu nehmen. ...
Ich bleibe dabei, jedes Verfahren, das auf Repräsentanz abzielt, Wahlen, die abgehalten werden, um eine Entscheidung zu treffen und zu legitimieren, wird die Kontinuität des streng horizontalen dialogischen Prozesses gefähren. Wer könnte denn da abstimmen? Viele Teilnehmer des Forums sind ja gar nicht namentlich bekannt. Wahlen sind Bestandteil eines anderen politsichen Mechanismus, wie er die Parteien kennzeichnet, im Forum haben sie keinen Platz.

..., aber eher ein Spielball von NGO-FührerInnen und anderen Vereinnahmungen

Sozialforen sprechen nach außen, haben Zentralen, SprecherInnen usw. ...Fallbeispiele:

Diskussion im Sozialforum Berlin um den offenen Raum

Auszüge aus einem Referat offenen Räumen auf dem Strategiekongress (.rtf)
Von der Idee her ist der Raum horizontal, gleichberechtigt strukturiert. Er ermöglicht das Zusammenkommen, den Austausch und Streit verschiedenster Gruppen und Individuen, ohne das eine die Majorität über die andere in diesem Raum erlangt, da die Idee des Raums nicht einhergeht mit einem notwendigen Konsens über gemeinsam Erklärungen, Aktionen oder Bewegungsbildung. ... Wir brauchen einen offenen Raum, indem debattiert, reflektiert, geträumt wird. Wir wollen einen Raum schaffen für die verschiedensten oppositionellen Menschen (außer den Rechten natürlich), damit die sich mit anderen zusammentun, sich gegenseitig verstärken können, neue Denkansätze entwickeln können und letztlich den Mut gewinnen, politisch zu handeln. Der Raum hat idealtypischerweise eine kooperative Struktur. Jede Hierarchie wird die gleichberechtigte, horizontale Kommunikations- und Handlungsstruktur untergraben - und wir sehen das schon aktuell. Gesellschaftliche Hierarchien, die sich eben auch ins Sozialforum hinein verlängern, verhindern offene Diskussionen um gesellschaftspolitische Analysen, die über die vermeintlich klare Tagespolitik hinausgehen, machtpolitisch geprägtes Verhalten verhindert, dass sich aus dem Sozialforum heraus unterschiedliche Akteure mit verschiedenen Ansatzpunkten entwickeln können und sich ein breiteres - und produktiveres - Bild sozial-politischer Opposition formieren kann. ... Wir müssen den Raum so stark machen, dass er mindestens ein Gegengewicht gegen die formellen und informellen Hierarchien der Bewegung darstellt.

Auszug eines Textes zur Streitfrage ("Produktives Missverständnis", .rtf)
... es notwendig sei, den taktischen Trick des WSF zu übernehmen und bewusst den Charakter als Akteur und politisches Subjekt in Berlin zu verweigern. Nur so, dies der Gedankengang, ließe sich überhaupt der gewollte solidarische Streit zwischen politisch sehr heterogenen Gruppen, Menschen und deren Erfahrungen organisieren; nur so ließe sich die Diskussion einigermaßen frei halten von Streitigkeiten die als pavlowscher Reflex Toleranz und Klugheit der Linken offenbar schlagartig ausschalten, sobald Demo-Aufrufe, Abschluss-erklärungen, Solidaritäts-Adressen und Sprecherposten die Illusion von politischem Einfluss beflügeln und mittels halluzinierter (Definitions-)Macht zeitweilig über den Schmerz eigener Bedeutungslosigkeit hinweg zu trösten versprechen.

Besonders perfides Beispiel: Auf der Rückseite der Einladung zum Sozialforum Elbe-Saale-Region wird der Paragraph 6 der WSF-Charta einfach weggelassen.

Überschrift in der Jungen Welt, 20.1.2007 (S. 3) zu einem Interview, wo die Aussage dann gar nicht mehr vorkommt. Der Redakteur Wolfgang Pomrehn selbst ist also Ursprung der Hoffnung einer handelnden Einheit.
Das Weltsozialforum muss ...

Kommentar "Bewegungssimulation" von Donna San Floriante* in: Junge Welt, 22.10.2007 (S. 8)
Hätten/müßten/sollten/könnten: Auf dem zweiten deutschen Sozialforum kamen von Donnerstag bis Sonntag Liebhaber des deutschen Konjunktivs auf ihre Fahrkosten. Nehmen wir die Podiumsdiskussion am Samstag, über »das Spannungsverhältnis von Parteien und Bewegungen«, in einer zu vier Fünfteln leeren Stadthalle. Krista Sager (Grüne) hatte, dem Herrgott sei’s gedankt, kurzfristig abgesagt. Auch so waren die Parteien mit Ottmar Schreiner (SPD) und Katja Kipping (Linke) gut vertreten. Wo war die Bewegung? Peter Wahl von ATTAC? Ich bitte Sie! Der Mann ist bestenfalls noch ein Bewegungsfunktionär zu nennen. Das Recht, für Aktivisten zu sprechen, hat er seit dem G-8-Gipfel nicht mehr.
Die Abwesenheit derer, die in Heiligendamm nicht nur Interviews gegeben, sondern gekämpft und gewonnen haben, erkannte immerhin Peter Grottian als eklatanten Mangel. Der emeritierte Professor war das Nächste zu einem Aktivisten, was das Podium zu bieten hatte. ...
Ver.di habe viel Mobilisierungsmaterial gedruckt, aber eben wenig verteilt, hörte man. Vor der Stadthalle stand ein riesiger Container mit einer ver.di-Ausstellung. Man hatte die schönsten und größten Räume der Stadt Cottbus angemietet und Referenten aus der ganzen Welt eingeflogen. Alles, was Geld und Hauptamtliche erfordert, hat glänzend funktioniert.

*Ex-Chef von Linksruck und auch jetzt weit entfernt von herrschaftskritischen Positionen - so lobte er im weiteren Text die Turbo-Demokratin Daniela Dahn: "Gerne hätte die junge Welt übrigens die exzellente Eröffnungsrede von Daniela Dahn abgedruckt. Sie hat die Dramatik der gesellschaftlichen Situation mit eindringlichen Worten herausgearbeitet – leider aber auch die Rechte für ihre Rede an den Rowohlt-Verlag verkauft."

Der oben benannte Prof. Grottian zog folgende Bilanz (Aus: Junge Welt, 22.10.2007, S. 1)
Eine durchwachsene Bilanz zog im Gespräch mit junge Welt der Berliner Politologie-Professor Peter Grottian: »Es ist nicht gelungen, in irgendeiner Weise die G-8-Proteste in Rostock und Heiligendamm in Beziehung zum Sozialforum zu setzen. Man steht daneben und bekommt kein Spannungsverhältnis zur Bewegung hin.« ...
Das Welttreffen von Porto Alegre, wo die Bewegung der Sozialforen entstand, sei von der Idee geprägt gewesen, derartige Foren auf verschiedenen Ebenen als Raum der Beratung sozialer Bewegungen zu etablieren. Die Europäischen Sozialforen seien dagegen von der Funktionärsebene geprägt. In Deutschland habe diese Bewegung keinen Unterbau. Ihm selbst sei kein einziges lokales Sozialforum in Deutschland bekannt, das wirklich entlang der Prinzipien von Porto Allegre funktioniere, stellte Grottian fest.

Beispiele für offene bzw. vielfältige Strukturen in politischer Bewegung

Aus einem Papier von Angelo Lucifero in der LAG Antifa in Thüringen (Quelle ...)
2. Bündnisarbeit schließt Unterschiedlichkeit und Widersprüchlichkeit ein.

3. Bündnisarbeit setzt die Bereitschaft voraus, unterschiedliche politische Kulturen zu respektieren und trotzdem um den richtigeren Weg zu „streiten“.

Die realen Strukturen ...

Protokoll des deutschen Vorbereitungstreffen zum ESF vom 3.8.2002
Alle TeilnehmerInnen und Organisationen, die Stimmrecht haben wollen, müssen die "Prinzipien von Porto Alegre" akzeptieren.

Protokoll des deutschen Vorbereitungstreffen zum ESF vom 14.9.2003
Es zeichnet sich ab, dass die Soziale Bewegung in Deutschland den Anschluss an internationale Diskussionen verliert - ein Deutsches Sozialforum könnte hier die Rolle einnehmen, diese Beteiligung an diesen Diskussionen kontinuierlich zu gewährleisten. ... Die Vernetzung von "Oben" kann die Organisation "Unten" (Regionen) unterstützen.

Machtkämpfe und Vereinnahmungen

Streit zwischen verschiedenen Gruppen, die dominieren und vereinnahmen wollen
Aus "Weitergehende Perspektiven" in Junge Welt am 28.8.2004 (S. 7)
Sowohl im Sozialforum als auch in der "Wahlalternative" haben sich rivalisierende Fraktionen gebildet, die sich gegenseitig die Legitimation absprechen.

BUKO- und medico-international-Funktionär Thomas Seibert auf dem Vorbereitungstreffen zum Sozialforum in Deutschland am 17.7.2004 in Frankfurt
Der BUKO ist der Dachverband aller undogmatischen linksradikalen Gruppen in Deutschland.

Die autonome Berliner Zeitung "Interim" zensierte den Aufruf zu einem offenen Raum auf dem Sozialforum 2005 in Erfurt einfach weg ... so stützen sich die Eliten linksradikaler und angepaßter Teile von Bewegung gegenseitig ... Auszug unten aus der Interim vom 9.12.04 im Vorwort (S. 2)

Auch die meisten anderen sog. linken Medien wie Graswurzelrevolution, a&k, Freitag, Junge Welt usw. zensierten die Aufrufe zu einem "Sozialforum von unten" bzw. "Offenen Raum" auf dem Sozialforum und machten ausnahmslos für das offizielle Forum Propaganda.

Statt einen offenen Raum für die Menschen zu schaffen: NGOs wollen Sozialforum für ihre Zwecke nutzen ...
Aus "Soziale Verteidigung", Rundbrief des Bund für Soziale Verteidigung Nr. 4/04 (S. 2, Autor: BSV-Vorsitzender Bernhard Nolz)
Der BSV hat sich entschieden, sich am Sozialforum in Erfurt zu beteiligen und es mit zu gestalten. Unter dem Motto "BSV für Gewaltfreiheit" wollen wir unsere Projekte vorstellen. Dafür suchen wir BSV-Mitglieder oder uns wohl Gesonnene, die Zeit und Lust haben, an einer Art BSV-Show für Gewaltfreiheit teil zu nehmen. ... klar ist uns geworden, dass der BSV seinen Einfluss im Deutschen Sozialforum geltend machen sollte. ... Ich fände es spannend, mit euch zusammen einen Vorschlag zu erarbeiten, wie sich der BSV auf dem 1. Deutschen Sozialforum in Erfurt präsentieren kann.

Das Sozialforum 2005 (Erfurt)

Beschreibung des Projektes in einer Sonderbeilage bei taz, ND und Junge Welt am 9.7.2005

Editorial: Sozialforum Erfurt: Vor neuen Gemeinsamkeiten
Drei linke Tageszeitungen gestalten gemeinsam ein journalistisches Schwerpunktthema zum Sozialforum 2005 in Erfurt. So wie diese ganze Bewegung einzigartig ist, erscheint auch dieses Projekt von jW, ND und taz als Ausdruck einer neuen Gemeinsamkeit. Ähnliches hat es in Deutschland noch nicht gegeben. Im Gegenteil. Zumindest im vergangenen Jahrhundert zeichnete sich die deutsche Linke eher durch unversöhnlichen Streit als durch gemeinsames Handeln aus. In unserer neuen Zeitrechnung seit Seattle und Genua hat sich da etwas verändert. In Porto Alegre und Mumbai, in Florenz, Paris und London trafen sich Menschen und Gruppen zum Gespräch, die bis dahin kaum voneinander wussten, geschweige denn miteinander geredet hatten. So wird es auch in Erfurt sein. Die Überzeugung, dass eine andere Welt möglich ist, führt bei einigem Nachdenken zu der Erkenntnis, dass sie nur durch gemeinsames Handeln zu schaffen ist. Der gemeinsame Auftritt dieser drei Zeitungen zur Förderung eines ersten Sozialforums in Deutschland macht sie von journalistischen Beobachtern zu einem Teil der Bewegung. Das ist neu und ein gutes Beispiel für andere.
HUGO BRAUN, Mitglied im Koordinierungskreis von Attac

INHALT DER BEILAGE 1. KOMMENTARE

Bewegung und Politik: An einem Wendepunkt
Kommentar von Arnold Schölzel, jW
jW-Chefredakteur winkt mit seinem typischen Zaunpfahl, nämlich Sozialforum pro Linkspartei - Auszug:
Die sozialen Bewegungender lezten Jahre, die 100 000 Protestierenden am 1. November 2003 in Berlin, die Motnagsdemonstraitonen, die Aktionen gegen "Hartz IV" und die Kundgebungen in Berlin am 2. und 3. Oktober 2004 haben die Welle der Zustimmung für die neue Partei vorbereitet ...

Bewegung und Strategie: Spannende Frage des Partners
Kommentar von Jürgen Reents, ND
Bringt ebenfalls die Linkspartei ins Spiel ... Auszug:
Die spannende, wenn auch alte Frage ist, ob die Sozialforumsbewegung einen politischen Partner finden kann, der ihr gegenüber unter Zurückstellung organisatorischer Egoismen zu glaubwürdigerem Respekt fähig ist. Schaut man auf die Sozialforumsthemen, wird sich eine solche Debatte vorrangig mit der Linkspartei auseinanderzusetzen haben. Am Sozialforum läge es, sich nicht selbst Fesseln aufzuerlegen und aus falsch verstandener Prinzipientreue eine Kooperation zu verweigern.

2. BERICHTE UND DOKUMENTATIONEN

3. ORGANISATORISCHES

Gegenüber der vorliegenen Beilage gibt es Abweichungen, die zunächst unklar sind. So gibt es in der Jungen Welt ein Interview mit Ulrich Franz vom Sozialforum in Wuppertal, in dem dieser deutliche Kritik äußert (S. 7)
In Erfurt werden die großen Organisationen dominieren, ist im Augenblick mein Eindruck.

Links

Machtkämpfe und Vereinnahmungen
Instrumentalisierung in politischer Bewegung
Organisierung von unten

Idee „Offener Raum“ auf dem Sozialforum 2005

Der offene Raum soll ein bunter Ort von Räumen und Drumherum mit vielfältigen Aktivitäten und Handlungsmöglichkeiten sein. Grundidee ist, dass hier nicht etwas Fertiges und Vorgeplantes den BesucherInnen des Sozialforums und Interessierten aus der Stadt und Umgebung vorgesetzt wird, sondern Möglichkeiten zum eigenen Aktivwerden gegeben werden. Die Aktivitäten, Workshops, Kulturereignisse und schlicht das ganze „Programm“ dieses Ortes entsteht aus den vorher angemeldeten oder vor Ort spontan organisierten Beiträgen der Menschen auf dem Sozialforum und in der Stadt selbst. Dafür soll der „Offene Raum“ selbstorganisiert und selbstverwaltet ohne zentrale Struktur sein, d.h. alle Teile und Beteiligten stehen „auf gleicher Ebene“ (Horizontalität des Raumes). Gemeinsame Strukturen wie Informationswände, Treffpunkte oder die offenen Plattformen dienen der Vorbereitung von Kooperation, der Organisierung von Transparenz, sind aber niemals selbst Subjekt des Handelns, d.h. sie fällen keine Entscheidungen über andere, handeln nicht als Kollektiv im Namen aller oder andere und agieren nicht durch VertreterInnen, sondern immer die Menschen selbst. Zudem: Der horizontal-herrschaftsfreie Raum ist offen und kontrollfrei. Auseinandersetzungen und Streit sollen offensiv gefördert, allerdings niemals durch eine zentrale Entscheidung von oben „gelöst“ werden. Direkte Intervention, also das Einmischen der Menschen ins Geschehen, als Alternative zu Regeln und Sanktionen sollen beworben und trainiert werden - auch als Utopie für einen Alltag danach!

Was kann im „Offenen Raum zu Widerstand und Utopien“ alles entstehen?
Die folgende Übersicht ist nicht Endgültiges, aber ein allgemeiner Überblick, aus welchen Teilen ein „Offener Raum“ auf dem Sozialforum bestehen kann:

Offene Plattformen aller Art
Das sind Räume, in denen Menschen eine Einrichtung finden, mit der sie selbst nach eigenen Ideen aktiv werden können. Beispiele sind:

Open-Space-Zonen und Lernort von unten
Freie Räume mit passender Ausstattung für Treffen, Workshops, Seminare, Vorträge, Streitgespräche, Diskussionen usw. Das ganze ist als Open-Space eingerichtet mit Wandzeitungen zum Geschehen, Gruppenräumen und einem zentralen Infopunkt. Wer etwas machen will, belegt für einen konkreten Zeitraum einen Raum. Alle Veranstaltungen sind offen und offen anzukündigen. Auf den Wandzeitungen können Ideen für Aktivitäten, angekündigte und laufende Aktivitäten (mit Kontakt, Ort und Zeit) und gelaufene Aktivitäten (möglichst mit Kurzprotokoll und Kontakt) angekündigt werden.
Besondere Ideen sind bisher:

Alternativen probieren
Teil des „offenen Raumes“ soll das Ausprobieren von Alternativen sein für eine andere Welt und einen anderen Alltag. Bislang in der Diskussion sind:

Projekte
Einige konkrete Projekte können im und um den offenen Raum agieren. Es gibt schon einige Rückmeldungen mit konkreten Ideen, z.B.

Kultur
Neben offenen Plattformen auch für Kunst (Musik, Malen ...) gibt es die Idee einer offenen Kleinkunstbühne, z.B. in einer Aula oder (dort wollen Menschen anfragen) in anderen Räumen, wo (so die Idee) rund um die Uhr ähnlich des 72h-Lernorts immer ein Programm läuft, nur hier mit Musik, Theater, Jonglage und mehr. Das soll aus dem Engagement der BesucherInnen des Sozialforums entstehen, wobei Voranmeldungen von Bands, Theatergruppen, KinomacherInnen usw. möglich sind.

Drumherum
Ausstellungen und mehr drumherum sind wünschenswert. Angekündigt sind u.a.: Direct-Action-Parcour, Gender-Ausstellung, Ausstellung zu Knast und Strafe.

Wikis für Infos und zum Ideen-Sammeln

Wikis sind Internetseiten, auf denen mensch nicht nur lesen, sondern sie selbst auch verändern, z.B. ergänzen kann. Auf den Wikis zum Sozialforum von unten können sich also alle Menschen nicht nur informieren, sondern selbst auch Ideen hinzutragen - das ist ein Teil des Versuch, auch die Vorbereitungsarbeit horizontal zu organisieren! Die Wikis wurden in den letzten Wochen der Vorbereitungsphase von der Vorbereitungsgruppe nicht mehr genutzt, sondern eine eigene, nicht einmal allen in der Vorbereitungsgruppe zugängliche Internetseite eingerichtet. Entsprechend sind die Wikis inaktuell oder gar leer.
Die vorhandenen Wikis (Internetseite, die von jedermensch ergänzt werden können):

Allgemeines, Idee des offenen Raumes usw.:

Konkrete Projekte und Aktivitäten

Weitere Internetseiten zum Sozialforum von unten und offenen Räumen

Rückblicke auf das Sozialforum in Erfurt

Auf einer Extra-Seite wird gesammelt, was an Reflexionen und Hintergrundinformationen zum Verlauf des Sozialforums 2005 zu finden ist - auch mit klaren kritischen Positionen zum sog. "Offenen Raum" und eventuellen hierarchischen, intransparenten Strukturen oder unpolitischen Orientierungen. Eine Sammlung von Auswertungstexten der am sog. "Offenen Raum" beteiligten Menschen hier ... , die ehemalige Internetseite zum offenen Raumgibts nicht mehr. Auswertungsbericht des Offenen Raumes (Berichte, Fotos ...) hier als PDF.

Weiter so ... neue Konferenz

Auf der Versammlung sozialer Bewegungen, dem Trick, dass das Sozialforum doch Beschlüsse fassen kann, wurde für November 2005 eine Aktions- und Strategiekonferenz beschlossen. Informationen dazu:

Aus Angela Kleins Kommentar zur Bundestagswahl in der SoZ Nov. 2005 (S. 3)
Was heute zudem fehlt, ist ein strategisches Zentrum für außerparlamentarische Opposition, eine Struktur, die zugleicht Kontinuität in der Arbeit soziale Verankerung, Offenheit und Bündnisfähigkeit aufweist. ... Auf der Aktionskonferenz in Frankfurt wird es darauf ankommen, in dieser Richtung weiter zu gehen.

Immer wieder dieselbe Leier: Alle sitzen an einem Tisch ... doch wer ist "alle"?
Aus Wolfgang Pomrehn, "Ende der Resignation" in: Junge Welt, 1.11.2005 (S. 3)
Am Ende, so die Planung, soll man sich auf ein paar wenige zentrale Protestveranstaltungen einigen. ... In der Mainmetropole werden endlich alle Akteure an einem Tisch sitzen.

Etliche Texte und Zitate sind mit, andere ohne Namen - das liegt zum einen daran, wie wir die Texte bekommen haben, zum anderen können die, deren Texte hier abgedruckt sind, auch selbst bestimmen ... Mail genügt und der Name wird gestrichen bzw. hinzugefügt.