Vorstellung und Kritik in der Contraste
(Texte in der Contraste Oktober 2003)
Die Bewegungsstiftung - Anstöße für
soziale Bewegungen
Soziale Bewegungen wie die Friedens-, Anti-Atom- und
globalisierungskritische Bewegung haben in den letzten Jahren stark
an Bedeutung und öffentlicher Wahrnehmung gewonnen. Die Kampagnen
und Projekte sozialer Bewegungen bleiben jedoch häufig hinter ihren
Möglichkeiten zurück. Dies liegt einerseits an schwierigen
politischen Rahmenbedingungen und der Macht ihrer Gegenspieler in Wirtschaft
und Politik. Fehlende finanzielle Ressourcen und unzureichend Know-how
etwa in den Bereichen Strategießentwicklung und Evaluation, Öffentlichkeitsarbeit
oder Fundraising verhindern zudem ein effektives und nachhaltiges politisches
Engagement - gerade in der Entstehungsphase. Den Aktiven mangelt es
allzu oft an einem differenzierten Verständnis der Mechanismen
sozialen Wandels. Die Bewegungsstiftung will einen Beitrag zur Überwindung
dieser Probleme leisten.
Ein Artikel von Christoph Bautz
Der 15.2.2003 ist zum Synonym für das Entstehen
einer globalen Friedensbewegung geworden. 500.000 Menschen unterschiedlichster
gesellschaftlicher Herkunft und politischer Weltanschauung gehen in
Berlin auf die Straßen; mindestens 15 Millionen sind es weltweit.
Viele Medienberichte konstatieren, die US-Regierung habe wieder einen
globalen Gegenspieler bekommen - die Weltöffentlichkeit. Gleichzeitig
spricht sich der UN-Sicherheitsrat gegen eine militärische Intervention
im Irak aus. Bush und Blair sind für Tage in die Defensive gedrängt.
Doch nach diesem fulminanten Erfolg kann die Friedensbewegung besonders
in Deutschland nicht mehr richtig nachlegen. Die unzähligen dezentralen
Aktionen, festigen zwar die kriegskritische Stimmung. Sie erreichen
jedoch bei weitem nicht mehr die Durchschlagskraft und öffentliche
Wahrnehmung des 15. Februar.
Sicher hätte es Möglichkeiten gegeben, den
Konflikt mit bedachten und gut koordinierten Schritten öffentlich
weiter zu eskalieren. Als nächstes an vier Orten bundesweit Grossdemonstrationen
zu organisieren und die Millionengrenze zu nehmen. Wenig später
mit 10.000 Menschen die US-Airbase Rhein-Main zu blockieren. Wieso ist
dies der deutschen Friedensbewegung nicht gelungen? Es fehlte eine klare
Strategie und eine effektive Koordination, um die lokalen, bundes- und
weltweiten Aktivitäten aufeinander abzustimmen. Darüber hinaus
sind Großaktionen mit einem erheblichen finanziellen Risiko verbunden,
und es ist gut nachvollziehbar, dass viele davor zurückschrecken
oder nicht in der Lage sind, dieses Risiko zu tragen.
Cash und Köpfchen sind gefragt
Die Friedensbewegung ist mit ihren Schwächen kein Einzelfall. Das
Fehlen einer durchdachten Strategie sowie Geldmangel sind hauptverantwortlich
für das Scheitern vieler sozialer Bewegungen. Genau an dieser Stelle
setzt die im März 2002 gegründete Bewegungsstiftung mit ihrer
Arbeit an. Sie fördert insbesondere Projekte und Kampagnen, die
sich durch neue Methoden oder Inhalte auszeichnen und Lösungsansätze
für bestehende Defizite sozialer Bewegungen aufzeigen. Außerdem
unterstützt die Bewegungsstiftung Kampagnen zumeist in deren Startphase,
denn viele innovative Ansätze scheitern in einer Situation, in
der die öffentliche Wahrnehmung für das Kampagnenthema noch
gering ist. Hat die Kampagne die erste kritische Durststrecke hinter
sich gelassen, so ist es mit Hilfe einer professionellen Spendenwerbung
möglich, für die entsprechende Finanzierung zu sorgen. Mit
der "Movement Action Success Strategy" (MASS) gibt die Bewegungsstiftung
Kampagnen das Know-How an die Hand, die Wirkungsweise sozialer Bewegungen
zu ergründen und erfolgreiche Kampagnenstrategien zu entwickeln.
In MASS sind wichtige Erkenntnisse der Bewegungsforschung der letzten
Jahrzehnte eingeflossen. Als anwendungsorientiertes Konzept stellt es
eine Schnittstelle von Wissenschaft und konkretem politischem Handeln
dar.
Das erfolgreiche Förderprojekt: resist
Ein sehr erfolgreiches Förderprojekt ist die Kampagne "resist",
die Sitzblockaden mit mehreren tausend Menschen gegen den Irak-Krieg
organisierte. Die Realisierung von "Resist" wäre ohne
die Unterstützung durch einige StifterInnen der Bewegungsstiftung
viel schwerer gewesen. Mit einem Darlehen mit Ausfallbürgschaft
in Höhe von 20.000 € griffen die SifterInnen der Kampagne
in ihrer Startphase finanziell unter die Arme. Erklärtes Ziel von
"resist" war es, massenhaften Zivilen Ungehorsam als eine
erfolgreiche Methode wieder in der Friedensbewegung zu etablieren. Diesem
gewaltfreien aber konfrontativen Mittel kommt besonders in einer Phase
große Bedeutung zu, in der es gilt, die Öffentlichkeit für
ein Problem zu sensibilisieren oder den nötigen öffentlichen
Druck zu erzeugen, um ein bestimmtes Politikergebnis zu erzielen. Ziviler
Ungehorsam ist aber nur dann zu legitimieren, wenn er die bestehende
Rechtsordnung akzeptiert und nur eingesetzt wird, wenn massive Verstöße
gegen das Völkerrecht oder die Menschenrechte vorliegen.
Außerdem wollte resist politischen Druck erzeugen,
bevor die politischen Entscheidungen gefallen waren. Damit orientierte
sich die Kampagne an den in "MASS" diagnostizierten Defiziten
der Friedensbewegung und versuchte diese Fehler zu vermeiden - mit Erfolg.
"Resist" demonstrierte die Wirksamkeit und Effektivität
von massenhaften Zivilen Ungehorsams und forcierte dadurch das erfolgreiche
Comeback dieses seit den 80er Jahren in der Friedensbewegung nicht mehr
eingesetzten Protestmittels.
"Resist" war ein Erfolg auf ganzer Linie:
Lange bevor die übrige Friedensbewegung öffentliche Aufmerksamkeit
erlangte, hatte resist schon mehrere tausend Selbstverpflichtungen von
Menschen gesammelt, die sich an Aktionen Zivilen Ungehorsams beteiligen
wollten. Mit diesen Absichtserklärungen trat die Kampagne in Pressekonferenzen
und mit Aktionen an die Öffentlichkeit und unterstützte so
die Mobilisierung der Friedensbewegung. Während der Hauptmobilisierungsphase
der Friedensbewegung wurde aus der Ankündigung Wirklichkeit. Jeweils
mehrere tausend Menschen beteiligten sich an gewaltfreien Sitzblockaden
von resist vor der US-Airbase Rhein/Main und an verschiedenen anderen
Militärstandorten. Die Medienresonanz war überwältigend.
Und auch finanziell ging die Rechnung auf. Das Darlehen der StifterInnen
konnte in vollem Umfang zurückgezahlt werden und steht nun zur
Finanzierung weiterer Aktionen Zivilen Ungehorsams zur Verfügung.
Anstiften - die StifterInnnen
Die Handlungsfähigkeit jeder Stiftung ist stark abhängig vom
Umfang ihres Kapitalstocks. Die Bewegungsstiftung hat sich ein ehrgeiziges
Ziel gesetzt: Nach fünf Jahren soll ihr Kapitalstock stolze fünf
Millionen Euro umfassen. Ein Jahr nach Gründung sind die ersten
Schritte schon getan: Fast 50 StifterInnen haben insgesamt 700.000 €
in das Stiftungskapital eingebracht. StifterInnen werden Menschen verschiedener
Generationen, Lebenssituationen und Weltanschauungen. Junge Erben, von
einem unerwarteten Geldsegen verunsichert, treffen zusammen mit Immobilienmaklern,
die noch der 68er Generation verhaftet sind. Kinderlose Ehepaare auf
der Suche nach der sinnvollen Verwendung ihres Ersparten lernen Erben
kennen, die zu ihrer vermögenden Identität stehen und sie
im Sinne ihrer politischen Ideale einsetzen. Sie alle sind froh, progressiv
denkende Menschen in vermögender Lebenssituation treffen und austauschen
zu können. Viele der StifterInnen gehen gleich noch einen Schritt
weiter und beteiligen sich aktiv am Aufbau der Stiftung.
Geldanlage nicht nur mit grünem Anstrich - ethisches
Investment durch die Stiftung
Viele Stiftung haben in ihrer Konzeption einen blinden Fleck: Sie legen
großen Wert darauf, möglichst hohe Renditen zur Förderung
ihrer jeweiligen Ziele zu erreichen. Doch ihre Kapitalanlage steht diesen
Zielen häufig diametral entgegen. Wenn die Bewegungsstiftung etwa
mit Renditen aus einer Geldanlage bei der Deutschen Bank indigenen Völkern
beim Widerstand gegen ein von dieser Bank finanziertes Staudammprojekt
in Amazonien unterstützen würde, dann bisse sich hier die
Katze in den Schwanz. Stattdessen sieht die Bewegungsstiftung ihr investiertes
Kapital als ein ebenso wichtiges Mittel an, um politischen Wandel zu
erzielen, wie die ausgeschütteten Renditen. Die Kapitalanlage der
Stiftung ist daher an strengen sozialen und ökologischen Kriterien
ausgerichtet. Gleichzeitig hinterfragt die Bewegungsstiftung die jeweiligen
Veränderungspotentiale von ethischem Investment. Offensichtlich
erbringt eine Investition in einen ethischen Sektor, in dem ein Überangebot
anlagesuchenden Kapitals vorhanden ist, wenig politischen Wandel. So
legen in der Regenerative-Energien-Branche mittlerweile konventionelle
Investoren ohne jegliche ethische Motivation ihr Kapital an, da relativ
hohe Renditen locken. Die Bewegungsstiftung will daher besonders alternativen
Projekten Kapital zur Verfügung stellen, die auf niedrig verzinste
Kredite angewiesen sind, beispielsweise das Mietshäusersyndikat
in Freiburg, die Bremer Stadtkommune Alla Hopp und das Hamburger Hotel
Schanzenstern. Trotzdem muss die Bewegungsstiftung auf einigermaßen
hohe Rendite achten, wenn die Stiftung ihre finanzielle Leistungsfähigkeit
bewahren und gleichzeitig noch Fördergelder ausschütten will.
Die Stiftung verfolgt deshalb eine breit gestreute Anlagepolitik. Das
Portfolio besteht aus niedrig verzinsten Anlagen bei Alternativprojekten
und aus "konventionellem" ethischen Investment in der regenerativen
Energien-Branche und in ethischen Fonds.
Fulltime für politischen Wandel - BewegungsarbeiterInnen
Um einzelne direkt und unbürokratisch in ihrem sozialen, politischen
oder ökologischen Engagement effektiv zu unterstützen, hat
die Bewegungsstiftung ein spezielles Förderinstrument entwickelt
- ein Patenschaftsprojekt für einzelne AktivistInnen. Sogenannte
"BewegungsarbeiterInnen" erhalten finanzielle Mittel von der
Bewegungsstiftung, um sich voll und ganz ihrem Kampf für einen
gesellschaftlichen Wandel widmen zu können. Gleichzeitig soll so
ein zentrales Problem sozialer Bewegungen überwunden werden: die
hohe Fluktuation der Bewegungsaktiven. Für viele Menschen ist Aktivität
in einer sozialen Bewegung lediglich auf einen bestimmten Lebensabschnitt
begrenzt. Familiäre Zwänge, Berufssuche und Auseinanderbrechen
des sozialen Umfeldes lassen langfristiges politisches Engagement als
kostspieligen Luxus erscheinen. Kompetente und erfahrene Personen verlassen
so immer wieder die sozialen Bewegungen, in denen sie jahrelang aktiv
waren. Die BewegungsarbeiterInnen werben mit dem Qualitätssiegel
der Bewegungsstiftung PatInnen, die monatlich mit einem bestimmten Betrag
eine/n BewegungsarbeiterIn unterstützen. Zu den derzeit sieben
BewegungsarbeiterInnen zählen die Anti-Atom-Aktivisten Jochen Stay
und Holger Isabelle Jänicke, die türkische Antimilitaristin
Ferda Ülker, der Attac-Aktivist Sven Giegold und Jürgen Heiser,
der sich für die Abschaffung der Todesstrafe einsetzt (siehe Interview).
Die Struktur der Stiftung
Die Bewegungsstiftung betritt mit ihrer demokratischen Struktur in der
bundesdeutschen Stiftungslandschaft Neuland. Sie bricht mit der in anderen
Stiftungen häufig omnipotenten Stellung der StifterInnen im Stiftungsrat
als dem zentralen Entscheidungsorgan. Zum einen erhalten die geförderten
Projekte im Stiftungsrat eine Stimme. Hierdurch soll den Bedürfnissen
der geförderten Projekte mehr Gehör geschenkt werden. Gegenwärtig
sind diese durch den Anti-Atom-Aktivisten Jochen Stay vertreten. Zum
zweiten hat auch der wissenschaftliche Blickwinkel auf soziale Bewegungen
eine Stimme im Stiftungsrat. Der Bewegungsforscher und Soziologe Prof.
Dieter Rucht ist derzeit für diese Position nominiert. In Zukunft
soll eine Person von einem Fachbeirat delegiert werden. Über den
Rat der StifterInnen können alle StifterInnen auf die Entscheidungen
des Stiftungsrates Einfluss nehmen. Sie haben derzeit Susann Haltermann
in den Stiftungsrat delegiert. Des weiteren sind zwei Personen des öffentlichen
Lebens in den Stiftungsrat berufen - der Journalist Mathias Greffrath
und die Feministin und Soziologin Dr. Gisela Notz.
Es ist das Hauptanliegen der Bewegungsstiftung, häufig
festzustellende Defizite sozialer Bewegungen zu überwinden - einerseits
eine fehlende oder lediglich rudimentär entwickelte Strategie,
andererseits ihr permanenter Geldmangel. Der Weg, der zu einer erfolgreichen
und effizienten Arbeit sozialer Bewegungen führt ist lang. Die
Bewegungsstiftung hat in den letzten Monaten begonnen, erste Schritte
dieses Weges zu gehen.. Die bisherigen Ergebnisse des sozialen Engagements
sind vielversprechend. Kampagnen wie "resist" belohnen Aktive
und Stifter gleichermaßen. Vor allem aber führen sie dazu,
dass schnell und unbürokratisch gehandelt wird, wo Handeln nötig
ist.
Kontakt:
Die Bewegungsstiftung
Artilleriestr. 6
27283 Verden
Tel.: 04231 / 957 540, Fax: 957-541
Email: info@bewegungsstiftung.de
http://www.bewegungsstiftung.de
Kritischer Kommentar zur Bewegungsstiftung
Organisierung von unten statt immer neue Eliten
Wer fördert wie wen mit welchen Zielen
und Wirkungen? Diese Frage müssen sich alle Strukturen stellen,
die sich zur Aufgabe setzen, andere zu unterstützen: Verbände,
Stiftungen, autonome Zentren, Netzwerke, Medien usw. In einer emanzipatorischen
politischen Bewegung (das zu sein, behaupten fast alle politischen
Gruppen) müßte als Ziel immer auch gelten, die Möglichkeiten
von Menschen zur freien Entfaltung und zum gleichberechtigten Zugang
zu Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Hier setzt die grundsätzliche Kritik an der Bewegungsstiftung
an. Mit ihren Förderstrategien stärkt sie genau nicht die
"Organisierung von unten", also die Verbesserung von Handlungsmöglichkeiten
und Know-How zur selbstorganisierten Aktion, sondern sie fördert
und schafft gezielt Eliten, verbessert deren Handlungsmöglichkeiten
und schafft einen Rahmen für eine Steigerung der Unterschiedlichkeit
im Zugang zu Ressourcen. Das prägnanteste Beispiel ist die Idee
der "BewegungsarbeiterInnen". Hier werden Menschen zusätzlich
gestärkt, die ohnehin schon deutlich überdurchschnittlich
engagiert sind, die deutlich überdurchschnittliche Handlungsmöglichkeiten,
Zugang zu technischer Infrastruktur, zu Wissen und zu Informationen
haben, die über deutlich überdurchschnittlich entwickelte
Beziehungen zu anderen wichtigen AkteurInnen in politischer Bewegung,
aber auch in staatlichen Stellen (EntscheidungsträgerInnen, Fördertöpfe
usw.), zu Stiftungen und anderen haben.
Auch die sonstige Förderpraxis passt dazu. So werden vor allem
große Kampagnen, die ohnehin z.B. von den großen bürgerlich-liberalen
Zeitungen (von der euro-militaristischen FR über taz, Spiegel
und Zeit bis zur "Saddam Hussein muß bleiben"-Junge
Welt) ständig zu den Führungsprojekten gemacht werden, zusätzlich
noch mit Geld ausgestattet. Was das bewirkt, macht das Beispiel "resist"
sehr deutlich. Es erscheint mir keineswegs positiv, dass hier ein
Label in kürzester Zeit zum Vorzeigeprojekt gehypt wurde - wie
ein "Nike" der Friedensbewegung. Das schmälert nicht
das Engagement vieler Aktiver, aber an wichtigen Schaltstellen von
"resist" ging es um etwas ganz anderes: Binnen kürzester
Zeit sollte ein Label geschaffen werden, das Menschen einbindet, Spenden
einbringt und Publicity schafft. Der Aufbau einer handlungsfähigen
sog. Friedensbewegung war dabei schlicht egal: Es wurde nicht auf
die Unterstützung vieler eigenständig handlungsfähiger
Basisgruppen gesetzt, sondern die Menschen und Gruppen sollten das
Projekt "resist" unterstützen, wie es von den VordenkerInnen
durchgeplant und vorgegeben war. Auch die sog Friedensbewegung ist
alles andere als ein Erfolg, die es ohnehin so nur in den Medien und
bei den Eliten politischer Bewegung gibt, die gern im Namen der von
ihnen herbeigeredeten, einheitlichen Masse sprechen. Dass zu einem
Konsum-Event wie der Demo am 15.2. viele Menschen kommen, ansonsten
aber sehr wenig und nur immer dasselbe läuft, ist eher ein betrübliches
Zeichen denn ein Grund zum Jubeln. Das Problem ist auch nicht, wie
von der Bewegungsstiftung behauptet, dass weitere Massenveranstaltungen
gefehlt haben, sondern das der selbstorganisierte Protest nicht stattfindet.
Hinzu kommt eine beunruhigende inhaltliche Peinlichkeit, die sich
in den Reden und Transparenten vom 15.2. ebenso wie an vielen anderen
Stellen niederschlug. Zitat Schorlemmer: "Wir sollten uns wünschen,
dass Joschka Fischer seine Arbeit im Auftrage dieser Regierung gut
und besonnen macht" (Riesenjubel). Das Gerede von Völkern,
das Lob der deutschen Position zum Irakkrieg und vieles mehr zeigen,
dass politische Analyse ausfällt zugunsten von platten Mobilisierungen,
Massenevents und Einschaltquoten.
"Resist" ist dabei nur ein Beispiel. Die Bewegungsstiftung
ist Teil einer durchdachten Strategie, politische Bewegung einheitlicher
zu formen - als Kanalisierung zugunsten bestimmter, politisch sehr
zurückhaltender Ziele, und aus Eigennutz. Es ist wichtig für
das Verständnis der Bewegungsstiftung, zu bemerken, dass hier
ein sehr kleiner Kreis von Menschen unter verschiedenen Gruppennamen
versucht, politisches Engagement für bestimmte Ziele und für
sich selbst zu benutzen. Resist, die Pressesprecher bei Castorprotesten,
Attac, die Bewegungsstiftung, die Bewegungsakademie und einige mehr
bestehen im Kern aus den gleichen Personen. Ihre Methodik ist immer
gleich: War nicht Attac das gelungene Projekt, einen bunten, breiten,
widerständigen, aber (noch) orientierungslosen Haufen von protestierenden
Menschen und Gruppen in eine einheitliche Form zu gießen, die
plötzlich nicht mehr gegen den Kapitalismus, sondern für
die Tobin Tax eintrat? Wo auf Massenevents den Eliten dieser kanalisierten
Bewegung zugejubelt wird und nicht einmal mehr auffällt, wenn
Superstars wie Sven Giegold in Interviews sich mit Peinlichkeiten
ständig selbst übertreffen (z.B. seinen Aussagen, dass er
den amerikanischen Kapitalismus schlecht findet und mehr auf den dänischen
steht, oder dass er es eine andere Welt findet, wenn ein paar Länder
die Schulden gestrichen bekommen und die Tobin Tax eingeführt
wird; umfangreiche Zitatesammlungen unter http://go.to/tobin-tax).
Die Eliten, die hinter den verschiedenen Gruppen stehen, fördern
sich über dieses Geflecht gegenseitig. Die BewegungsarbeiterInnen
der Bewegungsstiftung sind oft FunktionärInnen der anderen Gruppen
und Kampagnen. In den Beiräten sitzen mit Leuten wie Rucht, Richter,
Altvater und anderen immer wieder dieselben, inzwischen penetrant
langweilenden Redenhalter, deren frühere Verdienste ich nicht
schmälern, deren langweilige Stereotypen ich aber als Top-Redebeiträge
auf Kongressen und Demos nicht mehr ausstehen kann. Da ist dann nur
noch das I-Tüpfelchen auf dem Filz, dass kaum bekannt ist, dass
fast überall als formale Struktur ein ganz kleiner Verein aus
der Verdener Hochburg dieser modernen Bewegungskanalisierung steht
namens Share e.V.
Ich meine, wir brauchen nicht die strategische Steigerung von Elitenstrukturen,
sondern die Entwicklung einer breiten, unabhängigen und handlungsfähigen
Bewegung. Eine, die gar keine VorturnerInnen mehr braucht, die ihre
Themen und Kampagnen als Kooperation zwischen handlungsfähigen
und gleichberechtigten Gruppen und Projekten entwickelt. Die Bewegungsstiftung
steht für die strategische Modernisierung des Typus "Greenpeace":
Die Massen haben als willfährige Schafe darauf zu warten, was
ihre Eliten an Ideen und Aktionsformen vorgeben - ob nun mit einer
formalen Hierarchie (wie in den alten NGOs) oder mit den modernen
Mitteln der Kommunikations- und der Finanzsteuerung. Die Massen werden
zu Events und zu örtlichen Unterstützungsaktionen aufgerufen.
Sie dürfen Fahnen und Wimpel schwingen, spenden und Unterschriften
sammeln - aber es ist nicht ihr Ziel, selbstorganisiert aktiv zu sein.
Warum eigentlich wundert das niemand, dass dem ewigen Gerede von den
erfolgreichen Organisierungen wie Attac, Resist usw. überhaupt
keine spürbare Entwicklung von örtlichen Protesten entgegensteht?
Wo ist die Bewegung eigentlich - außer auf den platten Massenevents
wie der 14.9.2002 in Köln oder der 15.2. in Berlin?
Darum halte ich die Bewegungsstiftung nicht für einen Fortschritt.
Ich werde sie akzeptieren als einen Ansatz, der der Überzeugung
einiger Menschen entspricht. Die bürgerlichen NGOs oder die meisten
linksradikalen Zusammenhänge sind kein Stück besser. Überall
sichern Eliten ihren Abstand zu den anderen - durch Geld, Passwörter,
Schlüssel, Hausrecht, Informationsmonopolisierung, intransparente
Planungen und Treffen. Ich will etwas anderes und werde an etwas anderes
mitwirken: Der "Organisierung von unten", wo das Ziel ist,
dass viele (am besten alle) einen guten und gleichberechtigten Zugang
zu Handlungsmöglichkeiten, Infrastruktur und Ressourcen haben.
Ich bin auch nicht durch den Satz "Wir wollen doch alle dasselbe"
von dieser Kritik abzubringen. Dieser Satz gehört zu dem modernen
Kommunikationsmitteln der Eliten. Sie leben davon, dass Kritik an
ihnen nicht aufkommt.
Jörg Bergstedt, Red. Umweltschutz von unten
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Gekauft ...
Die Bewegungsstiftung nimmt Eliten aus verschiedenen Bewegungsteilen
als "BewegungsarbeiterInnen" in ein Lohnverhältnis. Dabei
werden solche Personen bevorzugt, die in den Bewegungen die politischen
und strukturellen Ziele der Verdener JungmanagerInnen-Clique und ihrem
Umfeld absichern. Besonders auffälliges Beispiel ist Jochen Stay, der gern als gewaltfreier Anarchist auftritt, aber seit Jahren für Attac und NGOs die Werbetrommel rührt. Er sitzt im Stiftungsrat der Bewegungsstiftung und wird von dieser seit Jahren als Bewegungsarbeiter finanziert. Hier folgen Jubeltexte ders"Eingekauften":
Die Renaissance der Protestbewegungen von Jochen
Stay
2003 war ein Jahr der Massenproteste und des neuen Selbstbewusstseins
politischer Basis-AktivistInnen
Galten Straßenproteste und Bürgerinitiativen lange als
Relikt der 60er bis 80er Jahre, so hat sich inzwischen eine muntere
und mutige neue Protestgeneration auf den Weg gemacht, die etablierte
Politik aufzumischen.
Zwei Wochen im November 2003: Großdemonstration gegen den Sozialabbau
in Berlin, anhaltende Proteste gegen Castor-Transporte nach Gorleben
und die globalisierungskritische Bewegung trifft sich zum Europäischen
Sozialforum in Paris. So geht ein Jahr zu Ende, das bereits mit einer
Massenbewegung begonnen hatte: Von Januar bis März waren bundesweit
Hunderttausende fast jedes Wochenende mit bunten PACE-Fahnen gegen
den Irak-Krieg unterwegs, mit dem Höhepunkt der größten
Demonstration in der Geschichte der Bundesrepublik - am 15. Februar
waren in Berlin 500.000 Menschen auf der Straße.
Was da in den letzten Jahren entstanden ist, lässt sich mit "Generation
Attac" umschreiben, ohne diese Generation damit auf die Organisation
Attac zu beschränken. Diese Protestgeneration besteht einerseits
aus vielen jungen Menschen, aber auch aus erstaunlich vielen, die
nach Jahren der Resignation neu aktiv geworden sind - im Osten wie
im Westen der Republik. Diese Generation ist über die Grenzen
von Staaten und auch über die Grenzen unterschiedlicher politischer
Milieus und Kulturen hinweg kooperativer als alles, was es in den
Jahrzehnten davor gegeben hat.
Und diese "Generation Attac" überwindet auch mühelos
die thematischen Grenzen traditioneller Protestbewegungen. Sie wendet
sich gegen Krieg, Umweltzerstörung, globale Ungerechtigkeit und
Sozialabbau, ist immer dort aktiv, wo es gerade am Nötigsten
ist. Die Zeit der Ein-Punkt-Bewegungen ist vorbei - zumindest was
die aktive Basis angeht.
Noch nie war die Teilnahme an einer Protestveranstaltung so normal
wie heute. War das Demonstrieren in der "alten" Bundesrepublik
noch ein Ausdruck von Gegenkultur zum herrschenden Mainstream und
führte vielerorts zu heftigen Familienkonflikten, so werden heute
viele Jugendliche von ihren Eltern geradezu ermuntert, auf die Straße
zu gehen. Das verbessert einerseits die Situation von Protestbewegungen,
nimmt ihnen aber auch einen Teil ihrer Wirkung. Wer nicht mehr provoziert,
wird auch in der Öffentlichkeit weniger wahrgenommen.
Fünf Jahre nach dem Regierungseintritt der einstigen "Bewegungspartei"
Bündnis 90/Die Grünen haben sich die sozialen Bewegungen
davon erholt, dass ihnen vormals wichtige MitstreiterInnen abhanden
gekommen sind. Längst wurde aus dem Jammern über grünes
Umfallen in der Militär-, Atom- oder Sozialpolitik ein neues
Selbstbewusstsein. In vielen Politikfeldern sind die Aktionsgruppen,
Initiativen und NGOs wieder zu einer Art außerparlamentarischer
Opposition geworden. Das muss kein Nachteil sein und so wird diese
Rolle von vielen AktivistInnen offensiv angenommen. Sie sind dabei
zu lernen, wie sich trotzdem politische Erfolge erzielen lassen, spielen
immer öfter professionell auf der Klaviatur zwischen Lobbying,
Massenprotest und Zivilem Ungehorsam.
Die erstaunlichste Entwicklung der letzten Jahre ist, dass sich die
Protestbewegungen wieder zutrauen, dicke Bretter zu bohren. Zwar existiert
bei vielen Aktiven von heute im Gegensatz zur früheren westdeutschen
Bewegungs-Linken kein anderer Gesellschaftsentwurf mehr im Hintergrund.
Aber wenn beispielsweise Attac heute mit dem einerseits diffusen aber
andererseits ehrgeizigen Slogan "Eine andere Welt ist möglich"
agiert, dann zeigt dies schon, das man bereit ist, sich mit den Mächtigen
in Wirtschaft und Regierungen anzulegen, auch wenn ein kurzfristiger
Erfolg nicht in Reichweite ist.
Dass gerade auch junge AktivistInnen bereit sind, sich trotz revolutionärer
Ungeduld auf den langwierigen Weg des Ringens um wirkliche Veränderungen
zu machen, ist eine der ermutigenden Eigenschaften aktueller Bewegungen.
Noch vor Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass in unzähligen
deutschen Städten bunte Aktionen gegen einen Vertrag der Welthandelsorganisation
(WTO) zur Liberalisierung von Dienstleistungen (GATS) stattfinden.
Neben der Mehrheitsmeinung in der Gesellschaft "Wir kleinen Leute
können ja doch nichts ändern" gibt es immer mehr Menschen,
die bereit sind, für Veränderungen einzutreten, nach dem
Motto: Besser ich mache den Versuch, etwas zu bewegen, als einen schlechten
Zustand unwidersprochen hinzunehmen. Sprengkraft könnte diese
Tendenz dann entwickeln, wenn ein relevanter Teil der Betroffenen
des aktuellen Sozialabbaus sich dieser Haltung anschließt.
Jochen Stay, ist Anti-Atom- und Friedensaktivist, Bewegungsarbeiter
und im Stiftungsrat der Bewegungsstiftung. Der Beitrag erscheint am
kommenden Freitag, den 14.11. in einer Beilage zur taz, die die Bewegungsstiftung
herausgibt.
(Quelle: www.bewegungssstiftung.de)
Aus dem Text "Generation attac" aus (ganzer Text hier ..., Quelle: Blätter für deutsche und internationale Politik, 4/2005, S. 455 ff.))
Vor fünf Jahren wurde Attac Deutschland gegründet. Gleichzeitig erleben wir in den letzten Jahren so etwas wie die Renaissance der Protestbewegungen ... Die "Generation attac" ist eigentlich eine Mischung unterschiedlicher Protestgenerationen. Sie besteht einerseits aus vielen jungen Menschen, aber auch aus erstaunlich vielen Älteren, die nach Jahren der Resignation neu aktiv geworden sind - übrigens im Osten wie im Westen der Republik. Dadurch entsteht ein brisanter Mix aus jugendlichem Elan und vielfältiger Protest-Erfahrung. ... Die Zeit der Ein-Punkt-Bewegungen ist vorbei ... Ideologisches Klein-Klein und Abgrenzungsrituale gehören vorerst der Vergangenheit an. War es bisher eine treffende Karikatur linken Sektierertums, wie im Kinofilm "Das Leben des Brian" die "Judäische Volksfront“ und die "Volksfront von Judäa" gegeneinander arbeiten, so haben diese nun zueinander gefunden und arbeiten mit vielen anderen Organisationen und aktiven Menschen in einem lockeren Netzwerk gemeinsam für eine gerechtere und friedlichere Welt. ... War früher die Gruppe für viele die Keimzelle oder die Verheißung einer neuen Gesellschaft, oder doch zumindest eine effektive Arbeitsform, so bestimmen heute vor allem emotionale Werte den Zusammenhalt auch einer politischen Gruppe. Da geht es um den Erlebniswert, manchmal auch den Kuschelfaktor - also die Frage, wie nahe mir die anderen Gruppenmitglieder emotional stehen. Macht es Spaß, mit denen zusammenzuarbeiten? Manchmal geht es auch ganz direkt um die Möglichkeit der Partnerwahl. ... Den Rekordteilnehmerzahlen bei Demos und Aktionen stehen teilweise schwache organisatorische Kerne vor Ort gegenüber. Zwei Jahre nach der größten Demo in der Geschichte der Bundesrepublik - gegen den Irakkrieg im Februar 2003 - gibt es erschreckend wenig aktive lokale Friedensinitiativen. Und auch die Zahl der halbwegs vorbereiteten Bezugsgruppen, die sich an den Blockaden der Castor-Transporte beteiligen, nimmt stetig ab, obwohl sich gleichzeitig seit einem Tiefpunkt im Herbst 2001 jedes Jahr mehr Menschen auf die Straße vor Gorleben setzen.
Im Text erwähnt er zwei Beispiele zum Mitmachen: www.campact.de und www.bewegungsstiftung.de. Beides Projekte aus der Gruppe von JungmanagerInnen, die auch den medialen Hype von Attac organisiert haben und Politik als Marketingprojekt sehen.
Alle Zitate aus Broschüren und Faltblättern der Bewegungsstiftung, u.a. erster Rundbrief Dez. 2001 und "Das Konzept" (Jan. 2002).
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Campact
Neu entstanden ist die Protestmanagement-Agentur Campact. Jetzt können politische Proteste per Mausklick abgewickelt werden. Hinter der Initiative stehen wiederum die JungmanagerInnen aus Verden, im Kern Christoph Bautz (auch Attac- und Bewegungsstiftung-Funktionär) und Günter Metzges (früher ähnlich wie Sven Giegold als Anarchist unterwegs ...). Der BeraterInnenkreis hat hohe Personalüberschneidungen mit dem Attac-Beirat und dem Beraterkreis der Bewegungsstiftung.
Die Organisierungs- und Politikphilosophie von Campact zeigt sich in eigenen Zitaten:
Hierarchisch, modern als "schlanke" Struktur bezeichnet, wie Vorbild Greenpeace ... Scheinbeteiligung durch Internetforen ersetzen Mitbestimmung (Quelle)
Fördermitglieder erhalten Informationsrechte und werden regelmäßig nach Einschätzungen zu politischen Entwicklungen befragt. Sie sind aber, wie beispielsweise auch bei Greenpeace, nicht durch Stimmrechte an taktischen und strategischen Entscheidungen der Organisation beteiligt. Diese Einschränkung der Mitentscheidungsrechte ist aus unserer Sicht notwendig, um schnell auf politische veränderungen reagieren zu können. Eine schlanke Entscheidungsstruktur machte aber eine hohe Offenheit der Organisation gegenüber den Vorschlägen und Wünschen der Fördermitglieder und Online-Aktivisten notwendig. Hierfür werden wir in den nächsten Wochen Diskussionsforen einrichten. ...
Dabei orientieren wir uns am Satzungsmodell von Greenpeace, das uns für diesen Zweck sehr geeignet erscheint.
Politik light ... nicht mal mehr Mitlatschen ohne sonstige Eigeninitiative ist gefragt - Protest per Zappen durchs Internet oder Small-Talk mit BundestagshinterbänklerInnen (Quelle)
... per Mausklick, Fax oder dem Griff zum Telefonhörer. Campact macht ihnen politische Mitwirkung neben Beruf, Familie oder Ausbildung möglich. ... Campact unterstützt den konstruktiven Dialog zwischen Bürger/innen und den von ihnen gewählten Abgeordneten. Virtuell in Online-Chats oder ganz real im Wahlkreis organisiert Campact Begegnungen, in denen Bürger/innen bei aktuellen Entscheidungen mitreden können.
Der Protest ist schon da, Campact muss ihn nur noch kanalisieren
Aus "Kurz mal eingemischt" in: Fr., 1.3.2006 (S. 26)
Ihr Herz schlägt für die Grünen, doch selber in der Politik mitzumischen, dazu, versichert die 29-jährige Zahnärztin, habe sie weder Lust noch Zeit. Dabei gibt es schon Themen, die ihr am Herzen liegen. Zum Beispiel das Gentechnikgesetz. Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) will es novellieren und, wie man hört, den Anbau von Gentechnik-Pflanzen erleichtern. Fache erfüllt das mit Sorge. Und sie ist nicht alleine. Als eine von 4435 Verbrauchern hat sie Seehofer jetzt per E-Mail aufgefordert, konsequente Haftungsregeln für von Gentechnik-Produzenten verursachte Schäden aufzustellen. Der Vorgang war eine Sache von Minuten. Den Text fand sie vorgefertigt im Internet, sie musste ihn bloß noch unterschreiben und abschicken. Demokratie per Mausklick. "Campact" macht es möglich. ... Campact reagiert auf aktuelle Ereignisse in der Politik. Ihr Medium ist das Internet, es garantiert eine hohe Reichweite und einen minimalen Arbeitsaufwand für Leute, die zwar über ein hohes Problembewusstsein, aber über wenig Sitzfleisch verfügen. Politik to go? ... Bautz weiß, wie man Kampagnen organisiert. Der Biologe hat in Darmstadt ein Streuobstwiesenzentrum aufgebaut, bevor er im niedersächsischen Verden, unter dem Dach des Ökologischen Zentrums, erst Attac und dann die Bewegungsstiftung mitbegründete. Aus dem Kreis ihrer Stifter ist auch Campact hervorgegangen. ... Im November 2004 ins Netz gegangen, hat die gemeinnützige Organisation inzwischen 6500 Sympathisanten um sich geschart. ... Wenn es den Campact-Anhänger gibt, dann ist er jung, gebildet, mit beiden Beinen im Beruf stehend ...
Der Protest ist schon da, Campact muss ihn nur noch kanalisieren. ... Das nennt man lebendige Demokratie ... Bei der Vorbereitung neuer Kampagnen zapfen Bautz & Co. den Sachverstand befreundeter Organisationen wie Transparency International und Attac an. Daneben ziehen sie auch die Mitglieder ihres illustren Beirats zu Rate. Ihm gehört neben dem Politikwissenschafter Claus Leggewie und der Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Edda Müller, unter anderem der Wissenschaftler Wolfgang Sachs vom Wupptertaler Institut für Klima, Umwelt, Energie an.
Luftballon-Repräsentation
Campact setzt Maßstäbe - bei neuen Technologien der Stellvertretung. Im Herbst startete eine Luftballonaktion. Die Menschen mussten nicht mal mehr selbst aktiv werden, sondern vom Wohnzimmer aus Postkarte als Luftballonanhänger (früher hat mensch die selbst daran befestigt) plus Spende an die virtuelle soziale Bewegung Campact schicken und die setzt die dann stellvertretend für alle EinsenderInnen ein ... die im günstigsten Fall ihre eigene Aktion zeitgleich in den Medien beobachten kann ...
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