Mythos Attac
Das kritische Buch zum Medienhype

Siehe auch: Zitateseite zu Attac ++ Tobin Tax ++ NGO-Kritik ++ Kontroversen um das Buch
Bestellseite für das Buch "Mythos Attac" und andere Materialien +++ Vorschläge für Attac

uli 2004: Das erste kritische Attac-Buch!

Es war ein kometenhafter Aufstieg. Im Juni 2001 bereits als Zentrum des Widerstandes in den Medien benannt, als der Verein nur wenige Mitglieder hatte. Ein halbes Jahr später vom Stern zur "Organisation des Jahres" ernannt, aufgestiegen zu den Mikrophonen der quotenstärksten Politiksendungen und -blätter. Noch ein Jahr später wird der Attac-Chefideologie Sven Giegold vom Stern-Jugendmagazin "Neon" zum Mann des Jahres gekürt - und lässt alles mit Rang und Namen, von Michael Ballack bis Daniel Küblböck locker hinter sich. Als sich die Friedensbewegung (gegen den Irakkrieg) und der Protest gegen den Sozialabbau formieren, ist Attac von der ersten Minuten an deren Sprachrohr. Durch Kongresse und neue Zeitschriften ist seit 2003 auch die Umweltbewegung auf dem Weg in den Hafen "Attac".
Zweifelsfrei: Der Medien-Hype um Attac hat politischen Protesten mehr öffentliche Wahrnehmung gebracht. Konkrete Forderungen wie die Tobin Tax oder das Ende des Irakkrieges wurden populär. Fraglich aber bleibt, was durch diese Popularität erreicht wurde. Hat Attac den politischen Protest gestärkt? Oder ist der Aufbau einer professionellen Kampagnen-NGO einer der Gründe, warum in Deutschland vielfältige Basisbewegungen wie in Spanien, Italien und anderen Ländern immer noch fehlen? Sind die großen Demonstrationen gegen Kriege oder Sozialabbau ein Erfolg oder mehr ein Grund dafür, dass konkreter, alltäglicher Widerstand kaum stattfindet?
Wer steckt hinter Attac? Wer verfolgte mit der Gründung welche Ziele und wie haben sich diese durch den Erfolg der NGO gewandelt? Das Buch liefert präzise Informationen über die Gründung und Entwicklung von Attac, die Ideologie und die Strukturen, die gegenüber den konventionellen Verbandsformen bisheriger NGOs eine erhebliche Effizienzsteigerung brachten. Hunderte von Quellen wurden ausgewertet, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Der fällt sehr kritisch aus - und dennoch stellt das Buch klar, dass Attac ein vielfältiges Projekt ist. Die ideologische Verengung in den Führungskadern des NGOs verbindet sich mit teilweise kreativ-spritzigen Aktionsmethoden in den Basisgruppen. Die Kritik an Attac ist daher verbunden mit perspektivischen Entwürfen, wie eine Weiterentwicklung gerade der an der Basis und in Arbeitsgruppen teilweise spannenden Organisation hin in eine handlungsfähige, vielfältige und horizontal vernetzte, offenen Basisbewegung möglich ist. Insofern ist das Buch scharfe Kritik und Perspektive in einem.
Mitwirkende am Buch waren AkteurInnen aus den Basisgruppen in Göttingen, Marburg und Giessen, darunter auch Aktive in Attac-Ortsgruppen.

A5, 206 Seiten, 14,90 Euro. Brandes & Apsel Verlag in Frankfurt, ISBN 3-86099-796-3.

Veranstaltungen zum Thema

Weitere Anfragen bitte an die Projektwerkstatt, 06401/903283 oder per Mail ...

Ankündigungsmail zum Buch (Frühjahr 2004)

MYTHOS ATTAC

Seit Herbst 2003 wurde daran gewerkelt - und nach einer längerer Phase, in dem das Projekt nicht bekannt wurde, stehen jetzt der Titel ("Mythos Attac. Hintergründe. Hoffnungen. Handlungsmöglichkeiten"), Erscheinen usw. fest: Zum vierjährigen Jubiläum von Attac erscheint ein kritisches Hintergrundbuch - mit einem Kapitel für Perspektiven, denn ein plattes "Weg mit Attac" ist nicht das Ergebnis. Ganz im Gegenteil, neben vielen, vielen Quellen zu politischen Verkürzungen, Populismus und instrumenteller Herrschaft nach innen werden die positiven Aspekte benannt und ihre Weiterentwicklung vorgeschlagen.

Hinter dem Buch stehen vor allem Menschen aus zwei Basis-Zusammenhängen, die in ähnlichen Themenbereichen wir Attac agieren - allerdings unabhängig und mit dem Bemühen um visionäre und gründliche Kritiken sowie emanzipatorische Positionen: Die AG "Attac-Buch" bei Schöner Leben Göttingen und Aktive aus der Projektwerkstatt in Saasen, darunter 3 Personen mit Erfahrungen der Mitarbeit bei Attac. Einzelbeiträge stammen aus weiteren Städten.
Ab sofort läuft die Werbung für das Buch - und damit auch die Vorbereitung auf eine hoffentlich intensive Diskussion. Mit dieser Mail darf verschiedenes beginnen:

  1. Bestellen (wer hätte es gedacht): Am besten www.projektwerkstatt.de/materialien nutzen. Verkaufspreis: 14,90 Euro, für WiederverkäuferInnen je nach Abnahmemenge nur 12 oder 10 Euro.
  2. Info verbreiten: Unten angehängt ist ein Infotext, der gerne verbreitet werden kann. Sollte Euch was anderes vorschweben, meldet Euch. Materialien wie Texte, Titelbild usw. können angefordert werden.
  3. Diese Mail ist KEINE ausformulierte Presseinformation, die wird noch folgen. Kontakte zu Medien sind aber erwünscht bzw. dürfen auch organisiert werden. Für Medien oder JournalistInnen heißt das, ab sofort recht exclusiv über das Projekt berichten zu können.
  4. Texte, Vorabveröffentlichungen, Interviews oder was auch immer können abgesprochen werden - das muß im Einzelfall abgesprochen werden, Kontakt über die Projektwerkstatt, 06401/903283 oder saasen@projektwerkstatt.de
  5. Veranstaltungen: Für die Zeit nach dem Erscheinen des Buches (also ab August) stehen mehrere der Mitwirkenden für Veranstaltungen zur Kritik an Attac und den benannten Perspektiven bereit. Das kann als Workshops, Abendveranstaltung oder auch als Streitgespräch organisiert werden. Gerne können auch Personen eingeladen werden, die andere Positionen vertreten. Das liegt alles in der Entscheidung der Gruppe, die die Veranstaltung organisiert.
  6. Möglich sind auch Veranstaltungen im Rahmen größerer Kongresse, Akademien u.ä.
  7. Ein kritischer Text zu NGOs sowie etliche kritische thematische Texte (nicht nur zu Attac) sind in der neuen "Zeitung für stürmische Tage" erschienen, die auch in höherer Auflage bestellt werden kann (siehe ebenfalls www.projektwerkstatt.de/materialien). Unter dieser Adresse sind zudem weitere Veröffentlichungen zum Thema zu finden, so u.a. die Bücher "Reich oder rechts?" und "Nachhaltig, modern, staatstreu?" mit umfassenden Quellenanalysen zu Strukturen, Strategien und Positionen politischer Gruppen und NGOs.

Staatsnahe NGOs, neue "Links"parteien ... (aus der "Zeitung für stürmische Tage")
Download ...

Alter Wein in alten Schläuchen

Ihr Aufstieg scheint unaufhaltsam, ist aber vor allem eine Folge der skandalösen Praxis von Regierungspolitik seit den 90er Jahren. Wo allzu offen Profitinteressen über die Bedürfnisse der Menschen sowie der Reichtum weniger über die Grundsicherung vieler gestellt wird, wächst das Unbehagen. Im günstigen Fall wächst daraus Protest der Betroffenen. Wahrscheinlicher ist, dass das Unbehagen eingefangen wird von einer Vielzahl konkurrierender Gruppen mit einfachen Weisheiten, die das Bessere versprechen und einfache Lösungsvorschläge unterbreiten. Was früher Sache der jeweiligen Oppositionspartei war (freilich nur bis zu dem Tag, an dem sie an die Regierung kam), ist heute gelebter Populismus von NGOs, Protestkampagnen und einer Flut neuer Parteigründungen.
"NGO stellen gewissermaßen eine Parallele zur Entwicklung von grünen Parteien dar. Im letzteren Fall professionalisieren sich politische Aktivisten, indem sie zu beruflichen Parteipolitikern und Parlamentariern werden. In einem kleinen Segment der sozialen Bewegungen, vor allem dem Umweltbereich, professionalisieren sich Bewegungsaktivisten, indem sie Nichtregierungsorganisationen gründen. Eine vergleichbare Entwicklung gibt es auch im Bereich der internationalistischen Solidaritätsbewegung. Durch die vor allem von der Sozialdemokratie mit dem Brundtland-Report vorangetriebene Diskussion über nachhaltige Entwicklung und die UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro wurden beide politischen Stränge Ende der achtziger und frühen neunziger Jahre eng miteinander verknüpft. Mehr als in anderen erlangten NGO in diesen beiden Bereichen die Anerkennung durch zwischenstaatliche Organisationen und durch nationale Regierungen. Einzelne Staatsapparate und Stiftungen unterstützen NGO direkt finanziell und indirekt durch Steuererleichterungen sowie durch Kooptation in den politischen Beratungsprozess. ...
... im Zusammenspiel mit den Medien reduzieren einige der von diesen aufgewerteten NGO die Komplexität weltgesellschaftlicher Zusammenhänge auf wenige und scheinbar unmittelbarer politischer Praxis zugängliche Themen, Personen oder Verhandlungsarenen". So formulierte Alex Demirovic in seinem Text "NGO, Staat und Zivilgesellschaft" (Ulrich Brand u.a., 2001, Nichtsregierungsorganisationen in der Transformation des Staates, Westf. Dampfboot in Münster, S. 142 ff).

Populismus, Kampagne, Lobby, Geld

Die vier Säulen moderner Protest"arbeit" passen zusammen. Dabei reduziert sich die Funktion der meisten Menschen auf reines MitläuferInnentum bei überregionalen Events und Kampagnen. Mitlatschen auf Demos oder Veranstaltungen organisieren, Infostände durchführen und Unterschriften sammeln vor Ort. Eigene Aktivitäten sind möglich, aber irrelevant, weil ihnen die Einbettung in die mediale Vermittlung der professionellen überregionalen EventmanagerInnen fehlt.

  • Populismus bedeutet die gezielte Reduzierung auf einfache Kritik oder Forderungen. Sie suggerieren die Hoffnung auf Besserung ohne aufwendige Veränderungen in der Gesellschaft. Sie ähneln religiösen Verlockungen, analytische Texte werden kaum mit den populistischen Positionen verbunden. Aktuell sind die Hoffnung auf die EU als Weltakteur, die Tobin Tax als Verbesserungssteuer oder die Verteufelung der als abtrennbar beschriebenen Finanzmärkte bekannte Beispiele von Populismus. Aber auch die von kleineren politischen Zusammenhängen verkündeten Heilsbotschaften, z.B. die platte Solidarisierung mit widerlichen Regimen der Marke Hussein oder Arafat sowie die Glorifizierung der EU bzw. militaristisch-fundamentalistischer Regierungschefs a la Bush und Sharon, stellen krasse Vereinfachungen zum Zwecke propagandistischer Wirkungen dar - purer Populismus.
  • Kampagnenförmige Politik ist mit Populismus gut verknüpfbar. Sie bedeutet, dass in strategischen Zentralen Themen und ihre Vermarktung vorgedacht werden. Ausführende sind neben den Medien die AkteurInnen an der Basis, deren Verhalten aber durch gleichförmige Fahnen, Slogans, Aufkleber usw. praktisch gleichgeschaltet ist.
  • Lobbyarbeit bedeutet die Ausrichtung der Organisationsstrategie auf die Beratungstätigkeit von EntscheidungsträgerInnen, vor allem Behörden und Regierende. Dazu werden immer mehr SpezialistInnen eingestellt, die völlig entkoppelt von politischer Bewegung an irgendwelchen Orten Gespräche führen mit dem Ziel, minimalste Veränderungen in das praktische Regierungshandeln zu bringen.
  • In allen Fällen ist das Sichern eines Einkommens wichtiger Antrieb bei den Handelnden. Moderne Organisationen agieren mit Hauptamtlichen. Solch umfangreiche Finanzmittel sind nur über öffentliche Zuschüsse oder über die Spendenbereitschaft des reichen BildungsbürgerInnentums zu bekommen. Um all diese nicht zu verschrecken, müssen alle politischen Forderungen darauf abgeklopft werden, diesen Gewinnern des Neoliberalismus nicht zuwiderzulaufen.
Internet
  • www.debatten.tk: Zitate und Debatten zu politischer Organisierung, Positionen usw.
  • www.projektwerkstatt.de/oekofilz: Kritische Hintergründe zu Umwelt-NGOs.
Lesestoff
  • Bergstedt, Jörg (2004): Mythos Attac. Hintergründe, Hoffnungen, Handlungsmöglichkeiten. Brandes & Apsel in Frankfurt. 206 S., 14,90 Euro.
  • Bergstedt, Jörg (2003): Nachhaltig, modern, staatstreu? Kritik politischer Ideologien und der Strategien von NGOs und politischen Gruppen. Projektwerkstatt in Saasen. 14 Euro.
  • Bergstedt, Jörg (2002): Reich oder rechts? Filz von NGOs mit Parteien, Regierungen, Wirtschaft, esoterischen und rechten Gruppen. IKO in Frankfurt. 22,80 Euro.

Bestellseite ...

Liste gelaufener und z.T. Berichte von Veranstaltungen

  • Fish-Bowl zum "Mythos Attac" auf der Attac-Sommerakademie in Dresden
  • Diskussion am 9.8. in Berlin, Cafe Morgenrot (ca. 50 BesucherInnen) ... Ankündigung in der taz und Bericht in Neues Deutschland
  • Vortrag und Diskussion am 12.8. in Leipzig, Libelle (ca. 30 BesucherInnen)
  • Berichte zu all diesen Veranstaltungen auf Indymedia
  • Mittwoch, 6.10., ab 12 Uhr: AutorInnen des Buches "Mythos Attac" am Stand des Verlages brandes & apsel auf der Frankfurter Buchmesse
  • 7.10., in Magdeburg, 20.00 Uhr im blaue welt archiv, Thiemstr. 13: Diskussionsveranstaltung "Mythos Attac", Eingangsreferent u.a. Jörg Bergstedt, Autor von "Mythos Attac" ... Bericht: ca. 10 Personen anwesend, wenig konstruktive Debatte
  • 8.+9.10. in Berlin: Diskussionsveranstaltung und Tagesseminar zu Macht und Instrumentalisierung in politischer Bewegung sowie den Gegenstrategien einer Organisierung von unten (Rechts: Ankündigung in der taz vom 8.10.2004)
    • Freitag, 8.10.2004, 19.00 Uhr, Café Größenwahn, Kinzigstr. 9, Friedrichshain, Diskussionsveranstaltung "Macht, Partiziation und Instumentalisierung in politischen Massenbewegungen"
      Thema des Abends soll zum einen die Frage der Organisierung von Bewegungen sein, zum anderen eine kritische Reflexion der inhaltlichen Fokussierungen auf Kampagnen, populistische Verkürzungen und der Erfahrungen aus der Bündnispolitik mit etablierten Organisationen. Offene Diskussion mit einigen "geladenen Gästen", u.a. Autor des Buches "Mythos Attac", AktivistInnen aus Attac, Sozialforum und Berliner Basisgruppen
      Bericht: Ca. 60 Personen, sehr spannende und engagierte Diskussion ohne Ausgrenzungen und kollektive Identitätskisten.
    • Samstag 9.10.2004, 10-18 Uhr, Café Größenwahn, Kinzigstr. 9, Friedrichshain, Tagesseminar "Mythos Attac - Organisierung und Strategien für eine Bewegung von unten"
      Tagesseminar mit Aufarbeitung der zentralen Thesen zu Attac und anderer AkteurInnen sozialer Bewegungen. Ziel dieser zunächst kritisch-reflektierenden Betrachtung des Ist-Zustandes von Attac ist es in einem zweiten Teil visionär über Perspektiven der Entwicklung des globalisierungskritischen Netzwerkes nachzudenken und konkrete Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln ... Bericht: Ca. 15 Personen, etwas zähe Diskussion, phasenweise aber auch perspektivisch.
    • Informationen zur Vorbereitung:
      Attac-kritische Internetseiten hier ++ Attac selbst: www.attac.de
      Materialien, u.a. das Buch "Mythos Attac": www.aktionsversand.tk
      Organisierung von unten: www.projektwerkstatt.de/hoppetosse
  • 9.+10.10. in Berlin, Zielona Gora, Grünberger Str. 73, Friedrichshain: Anschließend an das Seminar am 9.10. beginnt eine Diskussion zur Idee von Sozialforen: Wie kann ein "offener Raum" konkret aussehen? Welche Möglichkeiten gibt es, die Idee offener Räume zur Grundlage von Sozialforumsprozessen zu machen? Welche Rolle kann dabei die Charta des Weltsozialforums bieten, in der solche Strukturen eingefordert werden ? was in der Praxis aber ständig mißach tet wird?
    Diese Diskussionsrunde hat nichts direkt mit dem Abend- und Tagesseminar zu tun. Sie beginnt am Samstag abend und endet ca. Sonntag nachmittag. Sie wurde initiiert von Beteiligten an der Initiative für ein Sozialforum in Deutschland. Dort kam es zu Auseinandersetzungen, ob das Sozialforum ein offener Raum ohne SprecherInnen, Außenvertretung, Label und inhaltlichen Vorgaben sein soll (wie in der Charta von Porto Alegre festgeschrieben) oder ob es wie ein Verband nach außen vertreten werden kann, Beschlüsse und Erklärungen verfaßt usw. Die Idee des "offenen Raumes" soll in der Diskussion konkretisiert werden - spannend nicht nur für alle, die auf überregionaler Ebene an der Organisierung von Sozialforen mitwirken, sondern auch für Menschen aus regionalen Sozialforen sowie alle sonstigen Interessierten. Kontaktaufnahme während der Tage: ... Einladungstext als .rtf ...
  • Mo 15.11.04; 20.00 Uhr: Gießen, Alte Uni-Bibliothek, Bismarckstr. 37 (Bitte Hintereingang Keplerstr. benutzen !): Immer mehr Menschen sind enttäuscht von den politischen Parteien. Organisationen wie z.B. attac, versuchen das für sich zu nutzen, aber bieten sie wirkliche Alternativen zu dem bestehenden Herrschaftssystem? Oder zeigen sich hier nur des Königs neue Kleider? Eine Diskussionsveranstaltung mit Jörg Bergstedt von der Projektwerkstatt Saasen (Autor des Buches „Mythos attac“), Mitgliedern von attac-Gießen und Dir? Die Veranstaltung soll allen eine gleichberechtigte Beteiligung ermöglichen, daher ist nach einem kurzen Info-Input die Diskussion für jede(n) offen!
    VeranstalterInn: FAU/IAA-Lahn - Auf Wunsch Infos zum Einlesen: Kritisch. Das Original – www.attac.de.
    Bericht einer Teilnehmerin:
    Bei der gestrigen Veranstaltung "Mythos attac" (organisiert vom Bildungssyndikat der FAU/IAA Lahn und Aktiven aus der Projektwerkstatt) sollte es eigentlich um strukturelle und inhaltliche Kritik an der NGO gehen. Damit die Diskussion so dynamisch und gleichberechtigt wie möglich ablaufen konnte, wurde sie als Fishbowl gestaltet, d.h. die jeweils bis zu 5 aktuell Diskutierenden sitzen sich in einem inneren "Rede-Kreis" direkt gegenüber. Sie können aber jederzeit diesen Kreis auch wieder verlassen oder durch andere TeilnehmerInnen ausgetauscht werden. Auf diese Weise bestimmen alle Anwesenden das Diskussionsthema selbst, und so kam es, dass "attac" bald abgehakt war.
    Schon während des Intros von Jörg Bergstedt war die Beteiligung der Umsitzenden sehr rege, aber als die Diskussion begann, wechselte das Thema bald von fehlenden Utopien bei attac zu Utopien im Allgemeinen. Wahrscheinlich weil nur ein attaci überhaupt anwesend war (von attac Gießen wollte niemand eine "offzielle-Vertreter"-Zusage machen, aber mind. 2-3 hatten angekündigt, sich an der Runde beteiligen zu wollen - Termin verschusselt, taktische Abwesenheit? Vielleicht kann noch mal jemand was dazu sagen...) wurde attac während drei Std. (!) intensiver Diskussion auch kaum mehr angesprochen.
    Spannend war, dass von ca. 30 Anwesenden etwa die Hälfte keiner der üblicherweise bei solchen Veranstaltungen auftretenden politischen Gruppierungen zugeordnet werden konnten (sie wurden aber auch nicht aufgefordert, sich "auszuweisen"). Viele sprachen von "neuen Gesichtern", und diesem Umstand und der Fishbowl-Taktik ist es sicherlich zu verdanken, dass die verschiedenen Vorstellungen und Ansichten sehr offen und vorbehaltlos diskutiert wurden. Von konservativen Stellvertreter-Modellen über syndikalistische Ansätze bis hin zu Herrschaftsfreiheit war alles vertreten.
    Verbessert werden hätte diese Debatte höchstens noch durch zeitgleiche Auslagerung einiger Detaildiskussionen, die über zeitweilige Längen hätte hinweg helfen können. Aber die kontinuierliche intensive Runde zeugt vom hohen Interesse und dem Gefesselt-Sein der Anwesenden. Solche Runden machen mir (und einigen anderen, mit denen ich darüber gesprochen habe) Lust auf Ähnliches zu anderen Themen. Also haltet die Augen offen für Fishbowl Teil 2, 3, 4... oder noch besser initiiert selbst euer Lieblingsthema!
  • Samstag, 20.11. in Stuttgart, 14 Uhr: Workshop mit Malte Kreutzfeldt (Pressesprecher Attac) und Jörg Bergstedt über Attac als Medienphänomen (im Rahmen der Alternativen Medienkonferenz). Internetseite der Konferenz ...
  • 13.12., 19 Uhr in Osnabrück, Alte Müntze: Veranstaltung zu "Mythos Attac".
    Bericht des Referenten (aus einer Mail): Aus meiner Sicht die netteste der drei Veranstaltungen und ein bisschen Balsam auf die angekratzte Osna-"Seele" nach dem doch eher laschen Antirepressions-Trainingswochenende. Recht viele und unterschiedliche Leute da und in der zweiten Phase recht konzentrierte Debatte um Organisierungsansätze für offene Räume usw. allgemein und in Osnabrück.
    Diskussionsforum von Attac Osnabrück u.a. zur Veranstaltung (das Forum ist von Attac eingerichtet und betrieben, aber offen zugänglich)
  • 14.12., 19 Uhr in Hamburg, Libertäres Zentrum (Fettstr. 23, nächste Haltestelle: "Christuskirche"): Veranstaltung zu "Mythos Attac" (Ref. Jörg Bergstedt)
    Bericht des Referenten (aus einer Mail): Einigermaßen voll das Libertäre Zentrum. Die Debatte verlief auch recht anregt, aber die Beiträge bezogen sich weniger aufeinander und es hatte auch weniger mit organisatorischen Gegenansätzen von unten zu tun. Entsprechend löste sich das Ganze am Ende auch auf ohne Kneipenrunde & Co.
  • 15.12. in Lüneburg, 18 Uhr im Wohnzimmer in Gebäude 9, Uni Lüneburg, Scharnhorststr. 1: Veranstaltung zu "Mythos Attac" (Ref. Jörg Bergstedt)
    Bericht des Referenten (aus einer Mail): Das Katastrophenszenario gabs zum Glück gar nicht (irgendwelche Sprengversuche der Veranstaltung). Vom Rahmen her war was Nettes überlegt: Netter Raum, Fish Bowl & Co. Aber es gab einen ungewöhnlichen Verlauf, wobei ich wegen Unkenntnis der handelnden Personen das Ganze nach wie vor nicht richtig durchschaue. Jedenfalls setzten sich direkt nach dem Intro ein paar wortgewaltige Männer in die Fish-Bowl-Mitte und gaben diese Posten weitgehend auch nicht mehr ab. Sie hatten alle klar, was sie so einbringen wollten - es paßte nur nicht so recht zusammen, auch wenn wohl alle oder die meisten die ehemalige, inzwischen aufgelöste Attac-Gruppe Lüneburg bildeten. Der eine wollte aber gleich über Zinsen reden, der andere wollte Gewalttätige rausschmeißen, jemand anders fand Sven Giegold jetzt toll, der ja nun nach Frankreich gegangen ist (Karrierewechsel), was die Ex-Attacies so auslegten, dass die Attac-Führer also richtig tolle Führer sind, weil sie sich selbst auch wieder von der Bühne nehmen können. Ausser zwei Personen (ich war aus der Runde ausgestiegen und hatte nur noch zugeguckt, weil ich keinen Bock auf den Stil der Debatte hatte) gab es niemanden, der etwas entgegengehalten hatte. Mein Eindruck war, dass sich dadurch die Männerrunde etwas hochschaukelte, alles geil zu finden. Die Äußerungen gingen bis zu "Ich will mal eine Lanze brechen für Populismus" (ich hatte den bei Attac im Intro kritisiert) oder "Repräsentativität ist
    wichtig und gut". Immer wieder gab es absurde Reaktionen auf die Kritik, z.B. Militanz ist, wenn Leute mit Gewehren auf die Straße gehen. Und wenn formale Hierarchien abgeschafft werden, entstehen erst die informellen und das sei dann wie bei der Mafia ... naja, ich war jedenfalls ziemlich geplättet und hatte auf die Art der Debatte keine Lust mehr. Nach dem Ende der Diskussion zerfiel der Kreis auch sofort - nur ganz am Rande fragte mich einer der Attac-Gründer noch, warum ich Hartmut Heller doof fände. Ich hab ihm dann einige Zitate genannt. Er hat darauf nicht weiter reagiert, sondern nur gesagt, dass Heller inzwischen gestorben sei und er Vorsitzender der dazugehörigen Gruppe, der Freunde der Naturvölker sei. Für die Veranstaltung ist das vielleicht nicht wichtig, aber allgemein finde ich es interessant, dass jemand Attac-Gruppen-Gründer ist, Freiwirtschafts-/Zinstheorieanhänger und Sympathisant der FdN, wo Hellers Positionen viel vorkamen ... daher hier Zitate von Hartmut Heller ... Interessant war noch, dass ein Ex-Attacies in seiner Rede pro Populismus nicht nur die Vodafone-Kampagne richtig gut fand, sondern als noch tollere Aktion selbst ein Beispiel schilderte: Auf einem See (u.ä.) schwammen Flosse mit als Kapitalisten symbolisierten Menschen (Zigarre, dicker Bauch ...). Drum herum im Wasser vom Untergehen gefährdete Menschen. Die Flosse trugen die Aufschriften der Steueroasen, die Menschen Badekappen mit Nationalflaggen. Das arme Deutschland geht unter wegen den Cayman-Inseln. Mir kommen die Tränen ... da hat aber niemand mehr eingegriffen - die Pro-Attac-Seite fand die Aktion wohl wirklich geil und hoffentlich haben sich andere wenigstens ihren Teil gedacht.
    "George W. Bergstedt", "One-Man-Masturbationsveranstaltung" ... Krasse Reaktionen von Ex-Attacies auf die Veranstaltung ...

Rezensionen des Buches

  • Viele weitere gesammelte Rezensionen hier ...Rezension in UNZ
  • socialnet. (so auch in der Berliner Umweltzeitung "Rabe Ralf")
  • ND-Online (Neues Deutschland)
  • UNZ Thüringen, November 2004 (siehe rechts)
  • Eine vernichtende Kritik an Autor und Buch erschien in der sozialistischen Zeitung "Vorwärts" vom 5.11.2004 (Schweiz) ... hier der Text mit Gegendarstellung
  • Deutliche Kritik übt die Zeitung "iz3w" in der Ausgabe Okt. 2004. Die "iz3w" agiert im BUKO-Spektrum (beide sind im Buch "Mythos Attac" erwähnt, überwiegend kritisch).
  • Rezension in der taz am 26./27.2.2005
    Plebiszite der Mediendemokratie
    Attac ist gar nicht basisdemokratisch, kritisieren Jörg Bergstedt und seine Co-Autoren. Trotzdem erklären sie überzeugend, warum die Manager dieser Bewegung so erfolgreich sind
    "Attac im Spannungsfeld zwischen ideologisierten Führungskadern und phantasievoller Basis" - so einfach, wie im Klappentext suggeriert, machen es sich Jörg Bergstedt und seine Mitautoren zum Glück nicht bei der Analyse der jüngsten sozialen Bewegung in Deutschland.
    Im Gegenteil, das Buch "Mythos Attac" liefert eine sehr präzise Beschreibung professionellen außerparlamentarischen Kampagnenmanagements, wie es nicht nur vom Koordinierungskreis von Attac, sondern in teils vergleichbarer Form auch von Greenpeace praktiziert wird. Ein selbst ernannter Kreis von Personen setzt auf die richtigen Themen, hat Zugang zu den Medien und damit zu Spenden und schafft es, mit "instrumenteller Herrschaft" in der Öffentlichkeit den Anschein einer breit angelegten basisdemokratischen und bunten Bewegung zu erwecken. Dabei werden alle entscheidenden Fäden von wenigen, de facto nicht abwählbaren Führungspersönlichkeiten gezogen.
    Nun kann man das kritisch sehen, so wie die libertär-autonom argumentierenden Autoren der Hintergrundanalyse. Man kann aber auch die Meinung vertreten: Bewegungsmanager setzen Themen und Aktionsformen, um sich über das Medienecho quasi plebiszitär Zustimmung zu organisieren und dann in der modernen pluralistischen Demokratie höchst effizient politisch zu intervenieren. Dennoch werden sie in gewisser Weise demokratisch kontrolliert: Sie können nur so lange politischen Einfluss ausüben, wie es ihnen gelingt, eine große Zahl von Menschen zu mobilisieren.
    Die Analyse des Buches, wie etwa das viel gelobte und bei Attac praktizierte Konsensprinzip wirkt, ist sehr aufschlussreich. Es ist offensichtlich ein recht gut funktionierendes Instrument, um die Basis daran zu hindern, die vom Koordinierungskreis gesetzten Themen in Frage zu stellen oder zu kippen. Die Lektüre des Büchleins kann so vielleicht - wenn auch von den Autoren nicht beabsichtigt - helfen, basisdemokratischen Hochmut gegenüber der traditionellen Parteiendemokratie etwas zu dämpfen.
    Die innerparteiliche Meinungsbildung in den etablierten Parteien erfolgt eben in der Regel nicht plebiszitär, sondern in einem komplexen Wechselspiel zwischen unten und oben. Diese Form der repräsentativen Demokratie hat ihren eigenständigen Wert und sollte nicht unreflektiert gegen die Funktionsweisen sozialer Bewegungen ausgespielt werden.
    Den Recherchen von Jörg Bergstedt und seinen Mitautoren zufolge besteht der Koordinierungskreis und damit das Machtzentrum von Attac aus einigen jüngeren politischen Aktivisten um Sven Giegold aus dem niedersächsischen Verden. Früh haben sie sich zum Ziel gesetzt, soziale Bewegungen professionell zu führen. Dazugestoßen ist Peter Wahl, ein lang gedienter Aktivist vieler sozialer Bewegungen. Er hatte schon 1990 die Nichtregierungsorganisation (NRO) "Weed" gegründet, die in den letzten Jahren dabei war, in den Lobbyismus abzugleiten. Für ihn kam die Mobilisierungskraft von Attac gerade recht. So konnte er mit neuem Elan an alte Zeiten anknüpfen.
    Die Autoren von "Mythos Attac" versuchen diesen Zusammenschluss aus ambitionierten jungen Bewegungsmanagern und älteren Routiniers ausführlich als Filz und verwerfliches Streben nach hauptamtlichen Jobs zu geißeln. Man könnte den Koordinierungskreis von Attac aber auch als eine Erfolgsgeschichte politischen Unternehmertums begreifen.
    Sehr treffend ist allerdings der Verriss einiger politischer Gewichtungen von Attac. So diskutierens- und fordernswert die Tobinsteuer ist, als Allheilmittel zur Stabilisierung der internationalen Finanzmärkte und zur Schaffung von stabilen Wachstumsbedingungen eignet sie sich nicht. Auch die Hoffnung, dass große Milliardenbeträge an zusätzlicher Entwicklungshilfe die Armut schnell beseitigen könnten, ist ebenso konventionell sozialdemokratisch wie die bei Attac verbreitete Unterscheidung zwischen "raffendem" spekulativem Finanzkapital und gutem "schaffendem" produktivem Kapital.
    Nur: Finanz- und Handelskapital hat in der ursprünglichen Akkumulation die Schaffung von produktivem Kapital erst ermöglicht. Und heute sind Finanz- und so genanntes produktives Kapital symbiotisch miteinander verflochten. Ohne die Möglichkeit der Absicherung gegen Währungsschwankungen wäre vermutlich die Hälfte der deutschen Exportindustrie in ihrer Existenz gefährdet.
    Aus den Reihen von Attac kommen auch - was in dem Buch nicht erwähnt wird - kluge und differenzierte Analysen, so etwa zur Behandlung des öffentlichen Gutes Wasser. Gerade im Bereich der Nord-Süd-Politik jedoch verharrt Attac bei dem, was viele deutsche NROs seit Jahr und Tag sagen. Die neuen Debatten über "Ownership", Dialog auf gleicher Augenhöhe, Förderung der Interaktion von Diasporagemeinschaften und Heimatländern oder die Formulierung einer Politik, die gezielt mit Reformpolitikern im Süden interagiert (Bsp. Nepad), gehen an Attac weitgehend vorbei.
    In ihrem Bemühen, Attac präzise nachzuweisen, dass die Organisation gegen alle möglichen Regeln der korrekt praktizierten Basisdemokratie verstößt, zeigen die Autoren um Jörg Bergstedt leider nicht auf, wie Attac den politischen Diskurs in der Bundesrepublik beeinflusst hat. Immerhin kann Attac für sich zumindest teilweise in Anspruch nehmen, dass eine keynesianisch inspirierte Wirtschaftspolitik langsam eine Renaissance erlebt.
    Zudem hat die Auseinandersetzung um Hartz IV bis kurzem noch verdeckt, dass Rot-Grün dabei ist, mit einem gemeinsamen Modell der Bürgerversicherung wieder offensiv für mehr Sozialstaat gegen die neoliberalen Konzepte von CDU und FDP anzutreten. Die sich daraus vermutlich ergebende Polarisierung der politischen Diskussion in Deutschland wird Attac einen erheblichen Teil des Resonanzbodens entziehen, auf den die Organisation bisher zählen konnte.
    Insofern könnte Attac in Deutschland das Opfer des eigenen Erfolgs werden, und dann müssten sich die Bewegungs-Profis aus Verden nach einem neuen Betätigungsfeld umsehen. Ob dann allerdings die große Stunde der Basisdemokratie gekommen ist, wie sie die Autoren des Buches "Mythos Attac" propagieren, wäre noch zu beweisen.
    ROGER PELTZER
    Jörg Bergstedt: "Mythos Attac. Hintergründe, Hoffnungen, Handlungsmöglichkeiten", Brandes & Apsel, Frankfurt a. M. 2004. 206 Seiten, 14,90 Euro
    taz Magazin Nr. 7601 vom 26.2.2005, Seite VII, 183 Zeilen (Kommentar), ROGER PELTZER
  • Rezension in der Frankfurter Rundschau, 7.3.2005
    Eine andere Organisation ist möglich
    VON PETER NOWAK

    Die globalisierungskritische Organisation Attac wurde noch vor wenigen Jahren als Hoffnungsträger am Horizont politischer Bewegungen gefeiert. Doch mehr als vier Jahre nach ihrer Gründung hat sie viel von ihrem jugendlichen Schwung verloren. Mitglieder der ersten Stunde befinden sich bereits auf dem Rückzug. Attac-Sprecher Peter Wahl sprach gar auf einer Veranstaltung von der Neugründung der Organisation.
    Für den Forscher Jörg Bergstedt sind die Stagnationstendenzen bei Attac im Wesentlichen hausgemacht. Er hat kürzlich mit Mythos Attac ein Buch vorgelegt, dass die Gründung und noch recht kurze Geschichte der Organisation detailliert schildert. Der Autor greift dabei auf bisher unausgewertetes Quellenmaterial zurück. Schließlich kann Bergstedt als Mitbegründer der Jugendumweltbewegung in den frühen 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts als Insider gelten. Viele seiner einstigen Mitstreiter gehören zu den Attac-Mitbegründern. Doch so viel biographische Nähe hat auch ihre Tücken. So hat man stellenweise beim Lesen den Eindruck, dass Bergstedt auch manchen persönlichen Streit mit seinen einstigen Freunden und Mitstreitern, die er wahlweise als „JungmanagerInnen“, „FunktionärInnen“, „Clique“ oder „Bewegungseliten“ tituliert, in dem Buch austrägt.
    Vor allem im Kapitel „Der Filz um den Verdener Attac-Kern“ hätte man sich vom Autor etwas mehr persönliche Distanz und Sachlichkeit gewünscht.
    Im Kapitel über die Rolle der Medien in der Gründungsphase von Attac schreibt Bergstedt: „Für die Medien war Attac die Chance, Politik zu machen. Sie ließen Attac die Regierungspolitik kommentieren.“ Es wird jedoch nicht so recht klar, was Bergstedt daran auszusetzen hat, wenn neue politische Akteure in den Medien die Möglichkeit bekommen, ihre Positionen zur Diskussion zu stellen.
    Das Buch gewinnt dort an Überzeugungskraft, wo Bergstedt von der Kritik an einzelnen Akteuren zur Strukturanalyse kommt. Soziologisch ordnet er Attac auf der Führungsebene als Nichtregierungsorganisation ein, die sich vor allem als Lobbyistin für die Anliegen der Globalisierungskritiker begreift. An der Basis hingegen dominiert noch der Typus des Politaktivisten, der lieber ein Gipfeltreffen blockiert als kritisch begleitet. Mit jugendlich-spritzigen Aktionen sei es vielen Attac-Lokalgruppen in den vergangenen Jahren gelungen, vor allem junge Leute für ihre Ziele zu begeistern. Hier sieht Bergstedt einen Hoffnungsschimmer über Attac hinaus. „Am wichtigsten und in politischer Bewegung selten sind die Vielfalt, der konkrete Projektbezug und das hohe Engagement vieler Attac-Basisgruppen“. Sie müssten nur Abschied von zentralistischen Organisationsmodellen, Labelpolitik, Bewegungspopulismus und verkürzten Wirtschaftsanalysen nehmen, die Bergstedt im Buch sehr ausführlich kritisiert hat.
    Allerdings muss man sich fragen, ob die Lesart von den „bösen“, weil machtversessenen Funktionären und der „guten“, weil engagierten Basis nicht selber Teil eines Mythos ist. Hier überträgt Bergstedt das Muster von linken Kritikern der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften auf Attac. Er fragt sich aber nicht, ob die von ihm aufzeigte Mixtur aus Lobbyarbeit und spritzigen Aktionen zum Erfolgsgeheimnis nicht nur von Attac sondern der globalisierungskritischen Bewegung insgesamt seit den Protesten von Seattle 1999 zählt. Damals haben gestandene Vertreter von Nichtregierungsorganisationen (NGO) betont, wie wichtig die Blockadeaktionen des breiten Protestbündnisses für ihr Anliegen waren. Eine solche Arbeitsteilung konnte auch später während vieler großer Gipfeltreffen in aller Welt beobachtet werden.
    Mit dem etwas verfremdeten Attac-Motto „Eine andere Organisation ist möglich“, schließt Bergstedt bei seiner vorherigen Fundamentalkritik mit einem erstaunlich optimistischen Resümee. Damit hat er vielleicht eine gute Basis für eine rege Diskussion seiner Thesen auch bei Attac selber geschaffen.
  • Rezension in "Rote Fahne" der MLPD
  • Rezension Attac-Buch bei Perlentaucher

Worum geht es im Buch?

Stichwortliste des Buches ... einfach mal hier abgedruckt

11.9.2001 19,106,111f,119,152
14.9.2002 20,54,64,99,124f,130,148

Abhängigkeit 85,150,166
Afghanistan 19,20,70,95,111,153
Agenda 2010 29,79,80
Agenda 21 43,105,130,198
Aktionismus 79
aktiv.um 52,53,60,61,140,151
AllerWohnen 148
Aneignung 54,174,192,195
Angeln 107
Anti-Atom-Bewegung 33,51,54,64,148
Antiglobalisierung 94
Antisemitismus 76,98,118,124
Arbeitsamt 79,177
Arbeitsplätze 117
ASK 68
Atomkraft 151
Attac-Rat 23ff,55,96,132
Aufbruch 21 104
Ausgrenzung 17,21,45,54,68,73,79,80,96,146,152
Autonomie 166,188,196

B.A.U.M.92
Bertelsmann 115,155
Bewegung 2.Juni 78
Bewegungsakademie 69,74,146,150,200
Bewegungsstiftung 25,34,38,64,69,74,146ff,171,200
BI Lüchow-Dannenberg 33,34,51
BLUE 21 74
Börse 133
Brasilien 106
Brot und Spiele 50
BuKo 25,69,132ff
BUND 49ff,64,67,73,90,92,112,121,140,151,162
Bundestagswahl 20,54,64
Bündnis 90 105,112
Bündnisse 51,56f,63,140,170,173,187
Bürgergesellschaft 102
Bürokratie 95,189

Castor 33
CDU 92
CGW 126
Chiapas 134
Club of Rome 103
Coca-Cola 63
Contraste 90,154
Controlling 52
Copyleft 168

Dachverband 21,29,34,51,110,132,144
Davos 41,42,71
DBU 92
Delegation 88
Delegiertentreffen 151,169
Demonstrationsrecht 177
Deutsches Sozialforum 48,49
DGB 34,35,40,54,57,93,103,106,116,138
Diktatur 89,96
Direct Action 41,167,172,192
Diskurs 101,119,123,162
DNR 51
Dresdner Bank 60
DUT 67

Eigentum 86,168,176
Eine andere Welt ist möglich 60,62,68,74,102,114,148,166,199
Eine-Welt-Gruppen 129
Eliten 32,41,43
Empire 44
Entradikalisierung 21,143
Entrismus 36,129,142
Entscheidungsfindung 38,168,188,189,200
ESF 45,46,47,48,49
ETA 44
Events 23,54,62
Expo 66,90,134,149,198

FARC 44
FAZ 107
FDP 137
feministATTAC 63,112
Filz 129ff,145,151,155,160
Finanzkapital 84,93,106,116,118,165
Finanzmärkte 15,63,84ff,90,92,94,98ff,116,117,118,121,122,137,147
Food not Bombs 168
Forum der sozialen Bewegungen 47
Freiräume 102,144,176,180,196f
Freiwirtschaft 126
Friedensbewegung 31,90,92,103,107,137,149,153f,165,177,200
Friedenskooperative 153
Friedrich-Ebert-Stiftung 47
FSU 126
Fundraising 26,33,52,60,146
Funktionäre 142,143

GATS 124
Gegenöffentlichkeit 162,176,183ff,192,197
General Public Licence 168
Genf 42
Genossenschaft 148
Gentechnik 122
Genua 7,15ff,40ff,62,69,73ff,94f,99,123,141,152
Germanwatch 145
Geschäftsführung 15,25,33,145,146
Gesundheit 19,20
Gewalt 16f,48,72ff,80,119,141,194ff
Gewaltfrei 77,151
Gewaltmonopol 77,108
GLAD 46
Golfkrieg 106
Göteborg 7,16f,73ff,95
Governance 100ff
Graswurzelrevolution 94,152
Greenpeace 50,67,109,162
Großraumkommune 67
Grünen,Die 30,32,40,69,71,103ff,136ff,149
Gruppenstruktur 172
Gut und böse 88,109,111,116ff,124

Harmonie 191
Heinrich-Böll-Stiftung 50,68,138f
Hierarchie 26,38,52,167,191
HierarchNIE 38,170
Hoechst 123
Hoppetosse 80,152
Horten 117
Humanwirtschaft 126

IG Metall 121
Indien 106
Indymedia 43,78,135
INKaK 13,18
Internationalismus 25,132,133,142
Investition 93,114,117
INWO 126
Irak 95,110
Islam 112
Israel 89,105,125
IWF 15,17,86,88,93,99,104,169
iz3w 41,74,75,133

JD/JL 96
Johannesburg 103,105
Juden 118,125
Jugendumweltbewegung 14,66,67,145,182,198
Jugoslawien 76,95,107,111,153
Jusos 15,20,59

Kairos,Europa 14,117,122
Kampagnen 60,148
Kapital 75,93,116ff,122
Kapitalismus 18,63,67f,78,86f,90,93f,98,104,109,114ff,120f,126,134,152,176
Karriere 9,161
Karstadt 160
Kasinokapitalismus 87,116,121
Keynesianismus 83
Kirche 69,143
kollektive Identität 10,60,85,189
Kommunikation 85,95,101,172ff,180,183,192ff
Konsens 23,26,35,37,88,96,159,166,170,172
Kooperation 10,22,38,61,79,108,162ff,171ff,181ff
Kreativität 53,159,169,170,178,185,189f,193,200
Krieg 19f,24,29,43,49,58f,76f,96,107ff,153

Label 9f,19,22,55,63,65f,144,151,159ff,167,187ff,197
Le monde diplomatique 39,75
Liechtenstein 90,94
Linksruck 15,18,19,36,54,63,123,131,155
Linux 168

Management 35,61,140
Marktwirtschaft 34,67,83,89ff,111,144
Marshallplan 70,90,91,92
McPlanet 49,71,75,86,138,140
Medico International 143
Mehr Demokratie 95,96
Menschenrechte 113,165
Mexiko 134
Microsoft 53
Militanz 7,72ff,194
Militär 89,110
Mobilität 157,180
Moderation 61,172
Mumbay 42
Mythos 8,43,45,62ff,69,148

Nachhaltigkeit 98,101ff,109,113,122
Nation 32,88,125,127,172
NATO 63,111
Natürliche Wirtschaftsordnung 126
Neon 68
Netzwerk 102,133,146ff,183,186ff
Netzwerk zur demokratischen Kontrolle
der Finanzmärkte 14,146
Neue Mitte 137
New Economy 116
NGO 25,32,33,41,49,102,134,136,141
No Logo 64,114,115,155
Normalität 163,175ff,186,197
Notwehr 196
NPD 127

Offene Plattform 181,182
Öffentlichkeitsarbeit 18,25,120,173ff,183f
Ökologischer Marshallplan 90
Ökoneoliberalismus 91
Organisierung von unten 10,155,162ff,190
OSZE 108

Palästina 89,125
Parlament 88
Partei 79,132,137
PDS 30,32,40,55,75,105,113,136,137,138,141
Politische Ökologie 52,83,86,104
Polizei 65,73ff,108,177,194
Populismus 54,71,88,119
Porto Alegre 39ff,54,71,76
Pragmatismus 35
Produktivkraft 8
Projekt A 159f
Projektwerkstätten 182
PT 44

RAF 78
Rassismus 98,124
Ratschlag 14f,23f,35,55,117,133,136f,143
Rechte Ökologie 127
Rechtsform 37,147,170
Rechtsstaat 108ff,154ff,165,170f,195
Red Community 65
Reform 41,48,93,100,123,133,137,140,160,164ff
Repression 101,166,177,193,195
Reregulierung 51,72
Resist 20,25,29f,49,65,153f
Revolution 41,76,104,121
Robin Wood 64,152
Rotation 30

Sabotage 192
SAV 19,29,36,44,131
Schule 66,177
Schwarzbuch Markenfirmen 115
Seattle 15,41f,62,75ff,94,99,106,116,123,134,141
Selbstbestimmung 38,85,89,96,113,118,124,158,161,165,188,193f
Selbstentfaltung 102,164,195f
Selbstorganisierung 37,91,130,135,176,179ff,197
Sexismus 98
Share 14f,36,50,94,127,145ff,
Sozialdemokratie 114,137
SPD 16,30,32,40,51,75,92f,103,132,137,141
Spekulation 15,114,117,121,148
Sponsoring 66,90,198
Staatsgerichtshof 108,110
Staatsnähe 54,147
Stellvertretung 169f
Steuerung 34,52,102,120,193
Steyerberg 92
Stiftungen 138
Straßentheater 184
Streik 54,56,192
Systemkritik 67

Taliban 70,76,89,95
Tauschring 179
Terror 80,89,106,109,119
Tobin Tax 13,41,63,69,83,114,119ff,137,141,164,198
Transparenz 26,32,35,119,170
Trotzkismus 15

UCK 89
Umweltbewegung 29,49ff,67,75,86,104,198
Umweltschutz von unten 52
Unabhängigkeit 135
UNO 91,110ff,113
USA 103f,107ff

Vaterland 127
Venezuela 89
VENRO 34f,40,93,106,116,138
Ver.di 64
Verein 14,136,145ff,171
Verfassungsschutz 141
Verfilzung 162
Verwertungslogik 86,121
Vision 86,133,149,167,188,193
Völker 85,89,113,125,165,172
Volksabstimmung 149

Wahlkampf 20,71,104,186
Wahlrecht 96
War Resisters 94
WEED 14,38,41,68,73,78,87,117,121f,145
WEF 42
Weltbank 15,44,86ff,92f,96,99,104,120,169
Weltbürgervereinigung 112
Weltführung 109
Weltinnenpolitik 91,112
Weltordnung 99,106,110,119
Weltpolizei 106,108,112
Weltregierung 5,98,100,113
Weltsozialforum 42,44,46,71,76
Weltstaat 85
Weltwirtschaft 9,13f,87,93,100,103f,119ff
Wendland 33,54,74,80
Widerstand 7,33,56,63,64,65,73,96,134,135,136,149,152,158,182
Wissenschaftlicher Beirat 25
WSF 42ff,71
WSL 126
WTO 15,24,41,86ff,97ff
Wuppertal-Institut 50,138

X-tausendmal quer 33,64

ZEGG 50
Zins 126
Ziviler Ungehorsam 154
Zivilgesellschaft 40,49,58,100ff
Zurichtung 158,163,176
Zuschüsse 51,64,146,167,174,183

Und die Personenliste gleich hinterher ...

Achenbach,Marina 39
Alt,Franz 90,92
Altvater,Elmar 69,113

Bautz,Christoph 87,146,154
Beck,Ulrich 115
Bello,Walden 86,88,198
Bergstedt,Jörg 50,87,90,91,127,198
Blüm,Norbert 56
Borchert,Jürgen 75
Brand,Ulrich 25,32,42,102,142,144,99
Brandt,Willy 104f
Braun,Hugo 49
Brickwedde,Fritz 92
Brundtland,Gro Harlem 104f
Brunnengräber,Achim 123
Burchardt,Ulla 104
Bush,George 106
Bush,George,W.70

Cassen,Bernard 30,44,124,199
Castro,Fidel 44
Chavéz,Hugo 44
Chevenement,Jean Pierre 44
Chirac,Jacques 43
Clement,Wolfgang 64,137
Cohn-Bendit,Daniel 19f,90

Demirovic,Alex 102

Ehmcke,Wolfgang 34,51
Engelhard,Marc 53

Falk,Rainer 78
Fischer,Josef 90,
Fritz,Thomas 74
Fücks,Ralf 68,138

Gege,Maximilian 92
George,Susan 17,19,30,73,84,86,90,24,199
Giegold,Sven 30,32,38,49,51,66ff,88,90,94,98f,109f,117ff,127,136,40,146ff,163
Gramsci,Antonio 78
Grass,Günter 113
Grefe,Christiane 21,69,76,102,109,36,199
Greffrath,Mathias 21,88,99,199
Grobe,Rasmus 34,52,60,152
Grottian,Peter 57

Hardt,Michael 44
Heins,Volker 122
Huffschmid,Jörg 46,69,84,92,121f
Hussein,Saddam 76,89,107

Janssen,Soeren 34,140,146,152

Kennedy,Margrit 92
Keynes,John Meynard 83,93
Klein,Naomi 114f
Koch,Peter 108
Kolb,Felix 38,52,83,86f,114f,146f
Kraus,Astrid 56
Kreutzfeldt,Malte 47,53,56
Kunstreich,Tjark 89,112

Lafontaine,Oskar 19,69,95,132
Leidig,Sabine 75,90,92
Leinen,Jo 92
Lula,Luiz Inacio 70,71

Martens,Jens 87
Moldenhauer,Oliver 90,94,146,147
Möllemann,Jürgen 67
Moorer,Mike 103
Müller,Michael 93,103ff,116

Negri,Antonio 44

Ohnesorg,Benno 78

Palme,Olof 104
Pankow,Horst 112
Pinaud,Bernard 48
Pomrehn,Wolfgang 140
Popp,Wolfgang 126
Prütz,Michael 79

Ramonet,Ignacio 13,30,39,41,44f,75,85
Rätz,Werner 55,142,143
Richter,Horst-Eberhard 19,69,77,103,50,199
Roth,Rainer 57
Roth,Roland 25,32
Rucht,Dieter 69,76,78,150

Sachs,Wolfgang 198
Schaeffert,Astrid 60,146
Schäfer,Bodo 109,118
Scheer,Hermann 92
Schily,Otto 119
Schindler,Jörg 96
Schmid,Bernhard 14
Schmidt,Volker 16
Scholz,Birger 79,132
Schröder,Gerhard 105,121,137
Schröder,Ilka 105,145
Schumann,Harald 21,90,94,199
Seibert,Thomas,133,142,144
Shiva,Vandana 198
Spehr,Christoph 138
Stanicic,Sascha 44
Stay,Jochen 34,51,54,64,148,152f
Steigenberger,Markus 52,75
Ströbele,Christian 71
Sundermann,Jutta 34,134,143ff,152

Tobin,James 120
Töpfer,Klaus 67

Unmüßig,Barbara 68,73,138

Wahl,Peter 14f,20,30,34f,38ff,55f,68ff,88,93,105f,112,115f,119f,138f
Waldow,Peter 117
Weiger,Hubert 90
Weinzierl,Hubert 90,92
Weiss,Hans 115
Weizsäcker,Ernst-Ulrich von 92,103,22
Werner,Klaus 115
Wertmüller,Justus 112
Wicke,Lutz 90,92
Winkler,Heinrich August 110
Winter,Georg 92

Zahrnt,Angelika 51,112
Ziegler,Jean 199

Reaktionen bei Attac

  • Aus einem Antrag zum Attac-Ratschlag Ende Oktober 2004 in Hamburg
    Nicht erst seit Veröffentlichung des Buches „Mythos Attac“ gibt es ein Unbehagen an der intransparenten Darstellung und Entscheidungsfindung von Attac. Nicht umsonst wurde das Selbstverständnispapier von Attac erarbeitet, mit dem sich ja auch viele Mitglieder identifizieren. Es müssen alle Anstrengungen unternommen werden, damit Attac auch weiterhin als eine große soziale Bewegung ernst genommen wird.
    Wir haben durch unsere Arbeit und Erfahrung in und mit Attac die begründete Befürchtung, dass sich die Leitungsstrukturen von attac-D allen Bekenntnissen zum Trotz von der Basis verselbständigen. Ein Ausdruck dieser Verselbständigung ist die Verschleierung des rechtlichen und politischen Status Quo im Hinblick auf die Rechtskonstruktion, die Entscheidungsprozesse und Zuständigkeiten sowie der Finanzierung.
  • Auszüge zum Buch aus Reaktionen auf diesen Antrag
    Von Harald Klimenta:
    "schon im ersten satz wird auf ein buch bezug genommen, das von einem menschen geschrieben wird, der attac ans bein pinkeln will und nichts anderes."
    Entgegnung darauf im Diskussionsforum bei Attac: "Es ist offensichtlich, dass wir einen internen Klärungsbedarf haben, der auf diesem Ratschlag nicht befriedigt werden kann. Unabhängig davon, welche Motive der Autor des Buches „Mythos Attac“ gehabt haben mag, so wirft er Fragen auf, die sich in manchen Anträgen wieder finden und die einer durchdachten Antwort bedürfen."

Januar 2011: Noch ein kritisches Buch zu Attac

Willi Baer/Karl-Heinz Dellwo: ATTAC Gipfelstürmer und Straßenkämpfer. Laika Verlag, Hamburg 2010, 128 Seiten, 24,90 €

Rezension in Junge Welt, 8.2.2011 (beim LAIKA-Verlag)
Fortschritt als Schnecke
Wie straßenkämpferisch ist ATTAC? Der Band 10 der »Bibliothek des Widerstands« verhandelt die berühmte Sammlungsbewegung
Von Markus Mohr
Im März 2004 trat der berühmte Politikwissenschaftler John Holloway im Berliner Hebbeltheater in Berlin auf. Im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung, die unter anderem von der Gruppe ATTAC-Campus organisiert wurde, erweckten seine vom Aufstand der Zapatisten in Mexiko abgeleiteten Thesen im Publikum große Sympathie. Er sprach davon, daß Resistenz, Rebellion und Widerstand und eine neue Form von revolutionärer Organisierung im globalen Kampf gegen den Kapitalismus nötig seien. Als an ihn höflich die Frage gerichtet wurde, ob das unter anderem von Oskar Lafontaine im Oktober 2001 mitgegründete ATTAC Deutschland eine Organisation der Rebellion sei, reagierte er unwirsch: Das solle sich der Fragesteller, bitte schön, selber beantworten.
Nun ist in der »Bibliothek des Widerstands« ein Band unter dem Titel »ATTAC – Gipfelstürmer und Straßenkämpfer« erschienen. Im Vorwort bescheinigt der verdiente Internationalist Josef Moe Hierlmeier ATTAC, sowohl eine der »wichtigsten und produktivsten Organisationen im Kontext der No-Globals« als auch eine aus »dem Scheitern der historischen Linken« hervorgegangene »Organisation sui generis« zu sein. Hierlmeier betrachtet ATTAC in der Bundesrepublik im Grunde als »eine Sammlungsbewegung einer außerparlamentarischen Sozialdemokratie«. Verglichen mit den Forderungen der französischen oder der russischen Revolution oder denen der 68er-Revolte, sei ATTACs zentraler Slogan »Eine andere Welt ist möglich« nur »ein matter Abglanz«.
Werner Rätz, einer der Initiatoren von ATTAC Deutschland, zitiert in seinem Text aus dem Leitartikel von Ignacio Ramonet dem »Direktor« der französischen Monatszeitung Le Monde Diplomatique vom Dezember 1997, gewissermaßen die Gründungsurkunde von ATTAC International. Ramonet forderte damals »eine gigantische staatsbürgerliche ›pressure group‹, mit dem Ziel, endlich wirksam eine weltweite Solidaritätssteuer durchzusetzen«, die berühmte TOBIN-Steuer, die auf Finanz- und Devisengeschäfte erhoben werden sollte. Ramonets Leitartikel habe Menschen »in vielen Ländern« beflügelt, »sich kritisch mit den Erscheinungen der Weltwirtschaft« auseinanderzusetzen. Das ist auch das Ziel von Rätz, was man an seinen poetisch gewählten Zwischenüberschriften wie »Der Fortschritt ist eine Schnecke« oder »Das Soziale, was dem Leser das Gefühl vermittelt, das in dem Gravitationszentrum von ATTAC alles Mögliche eine Rolle spielen mag, nur eben nicht die Theorie und Praxis von Widerstand. In der Organisation sieht Rätz ein »Arsenal von Möglichkeiten (...) konkret zu sagen, wohin wir wollen (...) ohne das wir ideologische Auseinandersetzungen austragen oder alle Antikapitalisten werden müßten«, was ihm als »Vorteil« gilt.
Auch damit ist der immer mal wieder wegen Protestaktionen inhaftierte Aktivist und Autor Jörg Bergstedt nicht einverstanden. Im Unterschied zu Rätz hebt er die »Nachteile« der Organisation hervor. In seinem Beitrag beschreibt er einen Teil der Gründergeneration als »marktwirtschaftlich orientierte Projektberater, die neue (...) Arbeitsfelder in der Kampagnen- und Lobbyarbeit« gesucht und deshalb »ihre Kontakte zu Parteien, Ministerien und Euromtern« in die Organisation eingebracht hätten. Sie seien es gewesen, die nach den militanten Auseinandersetzungen von Göteborg und Genua im Jahr 2001 den »ausufernden Protest« kanalisiert und die »Medienhoheit über die Globalisierungskritik an sich« gerissen hätten. Interessant ist dabei die Beobachtung von Bergstedt, daß der von Hierlmeier innerorganisatorisch als »produktiv« gepriesene »bewußte, offene Umgang mit Differenzen« in der Praxis so aussehen würde, daß beim Auftauchen von Widersprüchen zur Politik der ATTAC-Führungsgruppe die Basis in den Debatten stets den Konsens mit dieser zu suchen habe – was umgekehrt nie der Fall sei.
Zwei Filme gibt es in zu dem Buch auch noch. Wer mag, kann sie sich als bunte Collagen zum Thema anschauen. Bei dem zum Teil etwas langatmig geratenen Film von Verena Vargas handelt es sich um eine sympathisierende teilnehmende Beobachtung einer Reise von Protestaktivisten zum G-8-Gipfel nach Evian im Juni 2003. Der andere stammt vom Südwestrundfunk und ist sehr bemüht journalistisch-distanziert. Im Ernst: Die herrschenden Verhältnisse sind derzeit nicht so, daß sich von einer Institution des öffentlich-rechtlichen Fernsehens eine politisch wie ästhetisch engagierte Hommage an einem antikapitalistischen Protest erwarten ließe. Wie man den Band auch dreht und wendet, ob man es vor oder auch zurückliest: Die Organisation ATTAC steht weder für Gipfelsturm noch für Straßenkämpferei, wie der Titel verspricht. Das wird aber auch von keinem der hier versammelten Autoren behauptet.
Nach der Lektüre versteht man die unwirsche Reaktion von Holloway auf die Frage nach den rebellischen Qualitäten von ATTAC besser. Er wußte wahrscheinlich damals schon mehr, als er bereit war öffentlich zu sagen.

Aus: ila Bonn am 7.6.2011
Einen kleinen, wenn auch eindeutig nach links hin kalibrierten Ausschnitt dieser Bandbreite findet sich in dem schon optisch sehr ansprechenden Buch (schwarz-rotes Hardcover!) „Attac – Gipfelstürmer und Straßenkämpfer“ aus der Reihe „Bibliothek des Widerstands“ des LAIKA-VErlags. Eingeleitet von Josef Moe Hierlmeier, bekannt über die „Bundeskoordination Internationalismus“ (BUKO), schreibt mit Werner Rätz zwar kein Repräsentant der hier skizzierten ersten Position, aber immerhin jemand, der als Mitglied des Attac Rats eine von dem Netzwerk überzeugte Binnenperspektive einnimmt – wenn auch aus einer durchaus linken, antikapitalistischen Perspektive. Einen zweiten Beitrag steuert schließlich der Hierarchiegegner Jörg Bergstedt bei, der eine erfrischend herrschaftskritische Auseinandersetzung mit Attac liefert. ...
Der Beitrag Jörg Bergstedts nähert sich dem Gegenstand Attac aus einer völlig anderen, interessanten Außenperspektive. Der Entstehungshintergrund des „Netzwerks“ in Deutschland stellt sich so etwas anders als üblich dar: Im Jahr 2001 war nach Göteborg und Genua ein „unglaublicher Hype um den breiten Protest und die Militanz im Speziellen“ entbrannt. Attacs „Apparate“ vermochten es, „geschickt dem unkoordinierten Protest eine politische Einheitlichkeit“ zu verpassen (S. 90). Die von „ehemalige[n] AktivistInnen zu marktwirtschaftlich orientierten Projektberatern“ mutierte Elite nutze die radikal-militant erkämpfte Aufmerksamkeit der Gipfelproteste, um „die Medienhoheit über die Globalisierungskritik an sich zu reißen“: „Vom Gipfelsturm zum Attac-Lüftchen“ (S. 91f). Zu Recht findet hier auch eine Kritik der äußerst funktionalen Allianz von „Attac-Führung und Attac-fördernde[n] JournalistInnen“ ihren Platz. Beide trieben die äußerst kurzsichtige mediale Spaltung der Bewegung „in einen guten reformistisch-braven und einen bösen gewalttätigen Teil“ voran (S. 92). Sie bedienten sich somit jenes heuchlerischen Diskurses, der die gebotene Aufmerksamkeit für handfeste, alltägliche globale Gewalt des bestehenden Systems – protegiert oder gar vorangetrieben von „unseren“ politischen und wirtschaftlichen Eliten – auf wenige brennende Autos verlagert. Der Ausschluss „militanter und staatskritscher Proteste“, die „Attac-typischen seichten Formulierungen“ und der kaschierte hierarchische Aufbau von Attac stehen also im Zentrum von Bergstedts Kritik: „Die Handlungsmacht dazu hatten die Medienstars wie Sven Giegold oder Peter Wahl – international vor allem Susan George, Bernhard Cassen und Ignacio Ramonet. Keine Basis hätte sie kontrollieren oder gar auf eine Verbandslinie einschwören können, denn ihre Deutungsmacht erwuchs aus der Dominanz in den Medien, die ihrerseits gezielt die Personen förderten, die mit zurückhaltenden Forderungen eine Art sanfter Politikberatung statt aufständischer Bewegungskultur förderten.“ (S. 96). Dass derartige Formulierungen nicht aus der Luft gegriffen sind, weiß, wer in den Anfangsjahren aktives Mitglied von Attac Deutschland war: Das Ende 2002 von der Attac-Führung ohne Konsultation der Basis gemeinsam mit dem DGB und VENRO unterzeichnete Positionspapier „Globalisierung gerecht gestalten“ dürfte noch in guter Erinnerung sein und findet zu Recht auch bei Bergstedt Erwähnung (S. 96f). Im weiteren Verlauf seines Beitrags zeigt der Aktivist auf, wie das Beispiel Attac in den letzten zehn Jahren Schule gemacht hat und sich in vielen Teilen der Protestlandschaft in Richtung „Bewegungsagenturen“ und „Retortenkampagnen“ bewegt (S. 99). Neben der Anti-Castor Kampagne „ausgestrahlt“ erfährt hier auch die im Umfeld von Attac enstandene Agentur „Campact“ Aufmerksamkeit. Hier kritisiert Bergstedt weniger die „mediale Inszenierungskunst“ als vielmehr die politischen Implikationen einer professionalisierten Protest-Stellverteter-Agentur: „Zweifellos leben wir in einer Zeit, in der viele Menschen, häufig gerade aufgrund des herrschenden Systems, kaum Möglichkeiten haben, sich zu engagieren. Dies gilt es aber zu thematisieren und zu ändern. Stattdessen nimmt Campact diesen Zustand als gegeben an und bietet den Menschen eine Art Instantprotest an – McResistance in Gründung? Suggerierter Widerstand aber stabilisiert ein Herrschaftssystem, weil er als kanalisiertes Ventil wirkt... Ein lebendiges demokratisches Herrschaftssystem braucht nützliche IdiotInnen, die Protest kanalisieren.“ (S. 100). Die Lektüre bleibt ähnlich amüsant, wenn es von der Organisationsstruktur zur inhaltlichen Debatte übergeht und Bergstedt das politische Programm von Attac als aufgewärmten „Neo-Keynesianismus“ entlarvt: „ Neo- Keynesianismus wäre die Wiederherstellung der staatlichen Kontrolle und Regulierung. Übersehen wird, dass der Staat den Markt nicht nur kontrolliert, sondern absichert und überhaupt erst schafft. Und er ist selbst Akteur im Markt.“ Bergstedts Kritik richtet sich weiterhin gegen die vermeintlich auf Emanzipation zielende unverhohlene Reaktivierung höchst herrschaftsförmiger Konstrukte durch die genannten Attac-Funktionäre: „Bei den formulierten Positionen von Attac tauchen aber immer Staat oder Volk, also durch Zwang geschaffene oder vereinnahmend ausgerufene, soziale Einheiten als Ziel von Wünschen und Forderungen auf.“ Solche Konstrukte könnten aber „niemals Moment der Befreiung sein“, zudem mutiere in einer solchen Staatseuphorie „der Verursacher zum Retter“ (S. 107f). Die letzte Kritiklinie verläuft schließlich über die verkürzte oder gar nicht vorhandene Kapitalismuskritik der „medial erschaffenen Wortführerschicht“, die sich allein gegen „das ungezügelte, raffende Kapital, das als von Staat und Gesetz getrennt beschrieben wurde“ richtet. (S. 111f) In diesem Zusammenhang gerät zu Recht auch der „letzte Promifang von Attac“ Heiner Geißler in die Kritik, der sein hoffnungslos euphemistisches Geschwafel (tatsächlich als „Utopie“ bezeichnet) von der „guten alten“ Bundesrepublik und der Sozialen Marktwirtschaft über die Kanäle von Attac zum Besten gibt (S. 113). Auch wenn Bergstedt nur die reformistischen und staatsidealistischen Stimmen Attacs zu Wort kommen und somit vernünftigere Positionen wie die von Werner Rätz unbeachtet links liegen lässt – seine Kritik der medial dominierenden Stimmen bleibt lesens- und beachtenswert.

Die wichtigsten Zitate zu Attac

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