Debatte um Attac auf Genua-Mailingliste
Mailwechsel
auf die Aussage, Attac und WEED wollten die Tobin Tax sogar verwenden,
um damit die UNTERNEHMEN REICHER ZU MACHEN!
(Aus
einer WEED-Presseinformation am 4.10.2001)
Für Investoren im Ausland
kann die Gewinnsteuer um die gezahlte Tobin Steuer gesenkt werden.
Wieso
also reicher machen? Das kann ich dem nicht entnehmen. Ich würde nicht
so übertreiben, das bringt nichts.
Mit
solidarischen Grüßen
T.
Das
habe ich zu verkürzt ausgedrückt. Richtig ist, daß es auf
den ersten Blick wie eine Nullsummenrechnung ausgeht. Die Firmen zahlen
bei Investitionen ins Ausland die Tobin Tax für den Währungstransfer.
Und bekommen das über die Gewinnsteuer zurück. Doch Ökonomie
ist nicht so einfach (bei Attac sitzen einfach auch keine Leute, die ökonomisch
was auf der Pfanne haben - die Analysen von WEED, Share usw. aus der Vor-Attac-Zeit
waren immer grottenschlecht). Tatsächlich passiert nämlich doch
einiges mehr:
-
Wenn die
Firmen eine Tobin Tax zahlen, reduziert sich ihr Gewinn, d.h. sie haben
gar nicht soviel zu versteuern. Wenn sie dann die gezahlte Tobin Tax zurückbekommen,
haben sie hinterher (je nach Berechnungsverfahren) mehr.
-
Wichtiger
ist aber noch der dramatische Standortvorteil (hier ist WEED - mal wieder
- standortnationalistisch). Firmen aus dem jeweiligen Land, wo die Investition
erfolgt, müssen in der Regel auch Fremddevisen besorgen (ihre eigene
Währung ist ja nix wert - da hilft weder Tobin noch der Attac-Vorschlag
der Gleichschaltung der wichtigen Leitwährungen ... womit die noch
dominanter werden, quasi als Weltwährung) und unterliegen dabei der
Tobin-Besteuerung. Sie bekommen aber die Gewinnsteuer nicht im Gegenzug
erlassen.
Soweit
zur genaueren Erklärung. Ökonomie ist eine spannende Wissenschaft.
Es lohnt sich, die Haken und Ösen zu verstehen. Wahrscheinlich
gibt es noch mehr Wirkungen, die ich übersehen. Auf jeden Fall macht
der Vorschlag zusätzlich noch Investitionen im Ausland attraktiver
- das finde ich aber gar nicht so toll.
Jörg
hallo
danke
fuer Deine antwort
interessante
ansaetze
warum
findest Du investitionen im ausland nicht so toll?
freundliche
gruesze
G.
Weil
das ...
a.
die Abhängigkeit der anderen Länder von den reichen Industrienationen
vergrößert (das Kapital im Land gehört dann ja anderen,
die Arbeitsplätze, die Abhängigkeitsverhältnisse, das Land,
die Produktionsstätten - alles Eigentum von Firmen ferner reicher
Länder)
b.
zur Zeit ausschließlich unter Profitmaximierung läuft (daran
ändert die Tobin Tax ja nix), will heißen: Die Investition erfolgt,
nicht um die Standortfaktoren eines armen Landes zu verbessern, sondern
eiskalt auszunutzen - billige Rohstoffe, Ausbeutung der Menschen usw.
c.
die Umweltzerstörung steigt.
Die
Alternative ist die Selbstbestimmugn des Südens und die „Abwicklung
des Nordens“, d.h. der konsequente Rückbau all der Strukturen, die
für den Wohlstand und die Herrschaft hier andere ausbeutet (Rohstoffverschwendung,
Abhängigkeiten, Militär usw.).
J.
Herr
hilf ihm!
Kann
einer allein so beschränkt sein?
Soll
das ein „Diskussionsbeitrag“ sein?
J.
sollte sich doch bitte ein anderes Forum suchen in dem er seine Polemik
loswerden kann.
h.
p.
(Hinweis:
H. P. ist Aktiver bei Attac Köln)
Moin
Moin
danke
fuer den hinweis,
dasz
ich einen vorangegangenen beitrag noch lesen sollte.
ich
moechte jedoch bereits jetzt bemerken,
unabhaengig
davon, was mich dort erwartet,
finde
ich die hier zitierte bemerkung
ziemlich
neben der kappe
und
einer verbesserung der kommunikationsstrukturen nicht dienlich.
freundliche
gruesze
G.
klar,das
war kein toller inhaltlicher Beitrag von mir.
Aber
ich bin seit einigen Monaten in diesen Listen. Es gibt hier zwei Leute,
die m.E. sehr oft durch blinde Polemik auffallen. J.B. ist einer
davon.
(Zitat
J.B.:“Die gnadenlose prowestliche, prostaatliche und prokapitalistische
PR-Arbeit der neuen deutschen Staatslinken (ATTAC & führende Mitgliedsverbände)
geht weiter“).
- Welche/r
nur ansatzweise denkender Mensch kann aus den attac-Veröffentlichungen
herauslesen, wir seien „gnadenlos prowestlich“ oder attac mache eine „prostaatliche
und prokapitalistische PR-Arbeit“?
- Hat J.B.
nicht gelesen, was attac-Leute (und Organisationen) zum Sozialabbau in
Deutschland sagen?
- Hat J.B.
nicht gelesen wie wir zu Privatisierungen in Kommunen, in Land und Bund
stehen?
- J.B. war
offensichtlich in noch keiner attac-Regionalgruppe, die sich mit mehr als
den originären attac-Themen, sondern auch mit konkreten Problemen
vor Ort beschäftigt.
- Kennt
J.B. keine attac-Gruppen die sich in der gegenwärtigen Zeit aktiv
mit Krieg- und Frieden auseinandersetzen und die in vielen Städten
Teil der Friedensbewegung sind.
- Oder was
soll man von einer Person halten, die z.B. monatelang für einen Gratiszug
nach Genua trommelt, dann aber als es ernst wurde plötzlich aus fadenscheinigen
Gründen zur Zugbesetzung nicht da war.
- Was soll
ich von jemandem halten, dem ich (siehe Zitat oben) oft nur Hass auf attac-MitgliederInnen
vorwerfen kann?
Ab
und an überkommt es mich dann (bei ganz dreisten Mails!). Ich
steige dann ganz viele Stufen den Kölner Dom hinunter, hinunter
auf das Diskussionsniveau eines J. B.
Ihm
kann dieses Nieveau im Parkdeck nicht weh tun, denn wer austeilt, der muß
auch einstecken können. Und wer uns bar jeder Ahnung vorwirft, quasi
staatstragend zu sein - oder wie im letzten Abschnitt seiner Mail - uns
(etwas anders ausgedrückt) als Parteisoldaten ettiketiert - sorry,
mit dem kann man/frau nur auf dieser Ebene diskutieren (oder was ich bei
Ihm fast immer mache: garnicht).
Gruß
H.P.,
Köln
Hmmm
... da sind ja viele Fragen gestellt, auf die ich gerne einzeln eingehen
würde. Vieles davon habe ich (und auch andere) schon in vielen Texten
beschrieben und zu belegen versucht.
Aber
bevor ich das tue, irritiert mich etwas anderes. Nämlich dieser Satz:
> Oder
was soll man von einer Person halten, die z.B. monatelang
>
für einen Gratiszug nach Genua trommelt, dann aber als es ernst
>
wurde plötzlich aus fadenscheinigen Gründen zur Zugbesetzung
>
nicht da war.
Was
ist Deine Quelle? Wer hat mich und andere so programmiert, daß wir
eine völlig klare Erinnerung an den Abend in Bonn haben, bei der ich
auch dabei war? Was genau ist das Ziel dieser Formulierung und wo wird
dieses Gerücht verbreitet?
(O.K.
ich bin inhaltsleer, Spitzel, Sexist, Antisemit ... alles serienweise gesammelt.
Daß ich am 19.7. abends nicht am Bonner Hauptbahnhof war, ist aber
dann doch eine besonders interessante Bemerkung)
Ansonsten
ist es aber natürlich auch schwer, auf Deine Mail zu antworten. Denn
Du bringst wieder keinerlei Argumente. Statt zu sagen, was z.B. an mehr
Investitionen westlicher Firmen im Trikont nicht prowestlich ist, was an
einer Stabilisierung von Yen-Euro-Dollar (scheißegal, was mit den
anderen passiert) nicht prowestlich ist, was an der massiven Forderung
zum Ausbau von nationalen und internationalen Interventions=Herrschaftsstrukturen
(Bankgeheimnis aufheben, forderte Sven Giegold vor drei Tagen;
Offshorezentren
zwangsschließen usw.) nicht prostaatlich ist - das schreibst Du alles
nicht. Sondern stellst einfach nur die Fragen, die aber keine Aussagen
enthalten.
Nachdem
ich SEHR viele Belege, Texte und Analysen (die Du ja gerne falsch finden
kannst) ins Netz gestellt habe, wäre es erstmal an Dir, eine erste
Gegenposition zu vertreten. Statt über Parkdecks u.ä. zu reden
...
|
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(Fortsetzung
obiger Mail, aber neue Zitate)
ABER
... WO WIR GRAD DABEI SIND - INZWISCHEN GIBT ES WAS DEUTLICHERES ZU ATTAC:
Diesmal
habe ich war oberoffizielles - der Jungen Welt lag eine Attac-Zeitung bei.
Herausgegeben von der Attac-zentrale als offizielles Blatt. Die Zitate
sind also jenseits jeden Zweifels. Und es sind die besten bisher.
Da posiert Attac diesmal selbst (!) anmassend als „Kerngruppe“ der Genua-AktivistInnen
- erfolgreich trotz der boesen Militanten, die alles immer kaputtmachen.
Die
Zitate:
Die
gewalttraechtigen Begleiterscheinungen bei ihren Auftritten in Seattle,
Goeteborg und Genua haben davon abgelenkt, dass die schnell wachsende Kerngruppe
der Kritiker, in der Organisation Attac vernetzt, sich im allgemeinen Unbehagen
ueber eine internationale Unordnung vereint hat, die ...
(Horst-Eberhard
Richter in der Werbezeitung von attac, Beilage zur Jungen Welt 5.10.2001)
Unterstuetzt
Attac!
Von
Oskar Lafontaine
Der
83jaehrige Nobelpreistraeger James Tobin grummelte kuerzlich in einem Spiegelinterview: „ Die missbrauchen meinen Namen ... Ich habe nicht gemein mit diesen Antiglobalisierungsrevoluzzer.
Ich bin ein Anhaenger des Freihandels.“ Da hatte der aeltere Herr wohl
die Bilder aus Seattle und Genua im Kopf. Er uebersieht dabei, dass die
groe Mehrheit der Globalisierungskritiker fuer Gewaltfreiheit eintritt.
Zudem kaempft ein Teil von ihnen fuer den Freihandel
...
Joschka
Fischer wirft den Globalisierungskritikern „abgestandenen linksradikalen
Antikapitalismus“ vor. Sie kaempfen aber fuer etwas ganz anderes: die Rettung
der Demokratie.
(Oskar
Lafontaine in der Werbezeitung von attac, Beilage zur Jungen Welt 5.10.2001)
...
hoerte nichts als Schlaege und Schreie. Sie hat zum ersten mal Todesangst
erlebt. Am anderen Tag wurde sie ins Gefaengnis gebracht und erst nach
vier Tagen entlassen. Fuer meinen Mann und mich war das ein Anlass bei
Attac einzutreten.
(Dorothee
Soelle in der Werbezeitung von attac, Beilage zur Jungen Welt 5.10.2001)
Herzlichen
Glueckwunsch, Attac Deutschland! Bis vor kurzem fehlte der internationalen
Attac-Bewegung ein starker Zweig in der Mitte von Europa. Die Gruendung
von Attac Deutschland ist ein wirklich historisches Ereignis ... (Susan George in der Werbezeitung von attac, Beilage zur Jungen Welt 5.10.2001)
J.
Hallo,
na
ja J., das ist ja mal was fast ohne Polemik, aber was soll die Mail
mit den Texten aus der attac-„Werbezeitung“ aussagen??
Weder
Richter, noch Susan George oder gar Oskar L. sind in irgendeiner Form in
der Bundeskoordination von attac vertreten. Das ist also nichts OFFIZIELLES
wie Du behauptest. Das ist deren Meinung, zwar positiv zu attac - aber
sonst nichts.
Und
Du hast es richtig verstanden, diese Beilage ist eine WERBEBEILAGE (!!).
Wir können hier ja einen Diskurs über die Funktion (politischer)
Werbung anfangen - ich hoffe, das ist nicht nötig.
Natürlich
sind diese drei positiv zu attac eingestellt. In solch einer WERBEBEILAGE
wird keine Merkel und kein Westerwelle schreiben. Das sollte klar sein.
Und was Richter in seinem Artikel schreibt ist seine Sache! Wir lassen
dort vielleicht nicht jeden schreiben der möchte, aber: Bei uns gibt
es keine Zensur!!
Und
nun zu Deiner nächsten Mail zur Tobinsteuer:
Abgesehen
von der Tatsache, das Du den Ökonomen bei uns nicht das Wasser reichen
kannst (das ist mal wieder Dein Niveau), gehst Du hier auch völlig
am Sinn der von uns vertretenen Tobinsteuer konsequent vorbei.
Diejenigen
Firmen, die Kapital in Produktionsstätten (das gilt auch für
den Bereich Dienstleistungen) investieren wollen, sind uns verkürzt
ausgedrückt, herzlich egal.
Diese
Kapitalumsätze machen ungefähr 4-5 Tage Umsatz an den Devisenmärkten
aus. Uns von attac interessieren die restlichen 361 Tage Devisenumsatz.
Die
Händler die für die 361 Tage verantwortlich sind sollen damit
getroffen werden. Und wenn eine Firma, ein Handelshaus, eine Bank, nur
mit Kapitalverschiebungen Gewinn macht, wenn darüber hinaus die Gewinnmarge
(z.B. je Dollar) so klein ist (wie sie ist), kann sich auch ein Laie vorstellen,
das schon ein halbes Prozent Devisenumsatzteuer den Gewinn der meissten
Transaktionen in einen Verlust verwandelt.
Der
Gewinn dieser Handelshäuser resultiert nicht aus der Differenz von
ge- und verkauften Dollar in uns real vorstellbaren Dimensionen.
Natürlich sind die Beträge die Je Transaktion den Besitzer wechseln
nicht so hoch, 50000 $ oder 100000 $ - aber dies 100 Mal am Tag. Das macht
schon 10 Millionen je Tag oder 3 Milliarden im Jahr. Und das nur bei einem
Händler.
Firmen
wie Goldman & Sachs oder auch die Deutsche Bank beschäftigen aber
nicht nur einen Händler sondern Hunderte. Daher kommen die 1.5 Billionen
$ Devisenumsatz je Tag. Da sind die 2% Devisenumsatz die für reale
Investitionen in Produktion oder Dienstleistung genutzt werden vernachlässigbar.
Du
hast recht, das die Devisenumsatzsteuer für eine Firma, die GEWINN
MACHT nicht ins Gewicht fällt, da sie diese Steuer steuermindernd
geltend machen kann.
Die
Handelshäuser aber, die Ihren Gewinn ausschließlich aus Devisengeschäften
beziehen, die können sich ein neues Betätigungsfeld suchen. Mit
Devisengeschäften machen sie dann kein Geld mehr.
Soweit
zur Ökonomie und zu dem ZENTRALEN Ziel einer Devisenumsatzsteuer.
h.
p.
> Weder Richter, noch Susan George oder gar Oskar L. sind in
> irgendeiner Form in der Bundeskoordination von attac vertreten.
Wie
kann mensch sich das „Argumentieren“ nur so einfach machen. Da suchen sich
die Attac-Chefs Promis und lassen die schreiben. Dann entsteht eine Zeitung,
in der Scheiß steht. Und dann behauptest Du, das war gar nciht Attac?
Das ist doch wirklich ein völlig peinlicher Versuch, der Realität
nicht ins Gesicht sehen zu müssen. Es ist völlig frei konstruiert,
die Zeitung und die Inhalte hätten mit der Attac-Spitze nix zu tun.
> Wir
lassen dort vielleicht nicht jeden
>
schreiben der möchte, aber: Bei uns gibt es keine Zensur!!
So
ein totaler Quatsch ... vielleicht geht das in Deinen Zusammenhängen,
die Leute so platt zu belügen. Du tust gerade so, als wäre da
ein offenes Zeitungsprojekt, wo alle möglichen Leute schreiben können.
Und dann haben sich zufällig Sölle, RIchter und Lafontaine gemeldet.
Und die schrieben scheiß, aber mensch zensiert ja nicht.
Nein:
Verarsch Dich selbst. Ich bin nicht so blöd, so einen Unsinn zu glauben.
Und Du weißt auch, daß das nicht stimmt.
Diese
Promis sind gezielt angesprochen worden. Ihre Texte sind vorher im Attac-Büro
bekannt gewesen. Die Attac-Chefetage hat diese Zeitung als Werbebeilage
in Auftrag gegeben - und zwar in genau dieser Form!
> Abgesehen
von der Tatsache, das Du den Ökonomen bei uns nicht
> das Wasser reichen kannst
aaaah,
geiles Argument ...
> Diejenigen
Firmen, die Kapital in Produktionsstätten (das gilt auch
>
für den Bereich Dienstleistungen) investieren wollen, sind uns
>
verkürzt ausgedrückt, herzlich egal.
Den
Eindruck habe ich auch. „Herzlich egal“ ist aber keine besonders intensive
ökonomische Analyse.
> Diese
Kapitalumsätze machen ungefähr 4-5 Tage Umsatz an den
>
Devisenmärkten aus. Uns von attac interessieren die restlichen 361
> Tage Devisenumsatz.
Ach
so, die Investition in Staudämme, Kernkraftwerke, Rüstung, Autobahnen,
Erschließungsmaßnahmen, Sicherheitsdienste, Polizei usw. sind
also in Deinen Augen eher irrelevant. Bedaure - da unterscheiden wir uns.
> Die
Handelshäuser aber, die Ihren Gewinn ausschließlich aus
>
Devisengeschäften beziehen, die können sich ein neues
>
Betätigungsfeld suchen. Mit Devisengeschäften machen sie dann
> kein Geld mehr.
Sehr
richtig. Und was werden sie tun, um Profit zu machen?
a.
Aktienspekulation (die ist von der Tobin Tax nicht erfaßt)
b.
Investion in Atomkraftwerke, Staudämme ... (siehe oben).
Und
jetzt bitte antworte doch mal auf die Frage: Was ist dann Positives erreicht?
J.
Hallo!
> Weder Richter, noch Susan George oder gar Oskar L. sind in
> irgendeiner Form in der Bundeskoordination von attac vertreten.
> Das ist also nichts OFFIZIELLES wie Du behauptest. Das ist deren
> Meinung, zwar positiv zu attac - aber sonst nichts.
Hä?
Wa ist denn das für eine Auffassung, das tut ja so, als hätte
die ATTAC-Führungsgruppe keinen Einfluß auf den Inhalt der Zeitung
(ATTAC-Mitglieder haben den ja tatsächlich nicht) und/oder als seien
die genannten AutorInnen völlig diskussionsunfähig. Da beides
falsch ist, muß man die Zeitung inklusive des Inhalts schon ATTAC
zuschreiben (und kein unbefangeneR LeserIn wird je etwas anderes vermuten).
Eine Distanzierung durch die ATTAC-Führung habe ich zudem auch noch
nicht gelesen.
> Und
Du hast es richtig verstanden, diese Beilage ist eine
>
WERBEBEILAGE (!!). Wir können hier ja einen Diskurs über die
>
Funktion (politischer) Werbung anfangen - ich hoffe, das ist nicht
>
nötig.
Politische
Werbung? Also es geht darum, irgendwelchen Zielobjekten irgendwelche Botschaften
nahezulagen, nach denen sie nicht verlangt haben und die sie eigentlich
auch nicht brauchen, sondern die geboren wurden, um dem Werbesender mehr
Einnahmen, Stimmen, Mitglieder, Spenden o.ä. zu bringen? Das hätte
ich ja bereits befürchtet, daß es bei ATTAC nicht um basisorientierte
Diskussion und gemeinsames Entwickeln geht, aber vor so einer klaren Aussage
war ich bislang zurückgeschreckt.
> Natürlich
sind diese drei positiv zu attac eingestellt. In solch einer
>
WERBEBEILAGE wird keine Merkel und kein Westerwelle
>
schreiben. Das sollte klar sein. Und was Richter in seinem Artikel
>
schreibt ist seine Sache! Wir lassen dort vielleicht nicht jeden
>
schreiben der möchte, aber: Bei uns gibt es keine Zensur!!
Also,
Du scheinst es formal, anstatt politisch zu mögen. Der Vorwurf lautet
daher in der neuen, formal korrekten Formulierung: attac gibt Geld, Namen
und infrastrukturelle Unterstützung dafür, daß Artikel
erscheinen, in der sie als „Kerngruppe“ der Globalen Bewegung verkauft
(Werbung!) wird, die Bewegung gespalten wird und unredlich Mobilisierungen
und Bewegungen mit anderen, z.T. weitergehenden herrschafts- und verwertungskritischen
Inhalten für die Ziele von ATTAC in Anspruch genommen werden. Es mag
Zufälle geben, aber es gibt für die Veröffentlichung eben
auch eine politische Verantwortung und die liegt 100%-ig bei der bzw. einer
Führungsgruppe von ATTAC.
Mit
solidarischen Grüßen
T.
Hallo
T.,
offensichtlich
bist Du ein entschiedener Gegner (?) von ATTAC. Was ATTAC an Werbung
für die eigene Organisation macht - und damit NATÜRLICH AUCH
FÜR DIE INHAHLTE VON ATTAC, wird natürlich von der ATTAC-Bundeskoordination
bestimmt (von wem sonst? von drei Leuten der Regionalgruppe Passau??).
Autoren für eine ATTAC-Zeitung werden allerdings genausowenig zensiert
wie es bei einem üblichen Interview der Fall seion sollte oder wie
bei einem Artikel von XY in der Zeitung ABC. Allerdibngs: Sowohl
die Zeitung ABC sucht sich ihre Autoren und die ATTAC-Bundeskoordination
auch. Wir wären doch wohl schön blööd, wenn wir Leute
vom BDI schreiben lassen würden.
Und
zur Politischen Werbung:
Ist
das nicht legitim?? Jedes Flugblatt das (evt. sogar von Dir) geschrieben
oder verteilt wird, IST POLITISCHE WERBUNG! WIe anders können
wir Linke unsere Politik an die Bevölkerung bringen? Selten über
die üblichen Zeitungen mit hohen Auflagen, selten über Radio
und noch seltener im TV. Wann hast Du schon mal einen Globalisierungsgegner
im TV gesehen? Mir fällt keiner ein.
Und
natürlich werden wir eine ATTAC-Beilage nicht der FAZ oder der WELT
beilegen. Natürlich arbeitet ATTAC auch zielgurppenorientiert. Auch
hier: Wir wären schön dumm, würden wir das nicht machen.
Und
noch etwas:
> Politische
Werbung? Also es geht darum, irgendwelchen
>
Zielobjekten irgendwelche Botschaften nahezulagen, nach denen
>
sie nicht verlangt haben
Ich
weiss nicht ob du in einer - und wenn ja welcher -Organisation bist? Ich
weiss nicht ob du Infomaterial (was auch immer) verteilst - aber Du gibst
Deine Flugblätter auch jedem,ob er verlangt oder nicht. Un wenn Du
es schon malmitgemacht hast, Flugblätter in die Haushalte zu verteilen,
aber da bekommt auch jeder ein Flugblatt - ob er will oder nicht.
> attac
gibt Geld, Namen und infrastrukturelle Unterstützung dafür,
>
daß Artikel erscheinen, in der sie als „Kerngruppe“ der Globalen
>
Bewegung verkauft (Werbung!) wird, die Bewegung gespalten
>
wird und unredlich Mobilisierungen und Bewegungen mit
>
anderen, z.T. weitergehenden herrschafts- und
>
verwertungskritischen Inhalten für die Ziele von ATTAC in
>
Anspruch genommen werden.
>
Es mag Zufälle geben, aber es gibt für die Veröffentlichung
eben
>
auch eine politische Verantwortung und die liegt 100%-ig bei der
>
bzw. einer Führungsgruppe von ATTAC.
Dazu
folgendes:
Natürlich
liegt die politische Verantwortung bei ATTAC. Keine Frage!
Aber
nun mal inhaltlich: Warum meinst Du, das ATTAC müsste „weitergehende
herrschafts- und verwertungskritische Inhalte“ vertreten?? DAS WIEDERSPRICHT
DEM OFFENEN BÜNDNISCHARAKTER VON ATTAC!
Ich
selber komme aus Köln. Bei uns in der ATTAC-Gruppe arbeiten zur Zeit,
neben vielen unorganisierten, auch Leute aus mind. 4 Organisationen mit,
Jusos, PDS, SAV und Linksruck. Jede dieser Organisationen hat ihre eigene
Analyse der Realität in der wir leben, national wie International.
Wir können hier keine Übereinstimmung finden. Wir können
keine ATTAC-Köln-Meinung z.B. zur Frage „Reformen, ja oder nein oder
wie weit oder überhaupt“ finden, ohne Attac-Köln zu sprengen.
Wir können z.B. in der Frage „Kapitalismus“ und was folgt für
uns daraus, lehnen wir ihn komplett ab, oder nur einige Auswüchse
bzw. welche, auch keine Einigung finden.
Hier
soll die PDS als PDS Positionen beziehen. Linksruck als Kinksruck und die
SAV als SAV. Das ist nicht das Problem von ATTAC.
ABER:
Wir
alle können in ATTAC mitarbeiten, weil die Schnittmenge der Gemeinsamkeiten
groß genug ist. Und das ist wichtig. ATTAC ist ein Bündnis,
ist keine Partei mit Parteiprogramm. ATTAC ist eine Art Sammlungsbewegung.
Wir grenzen niemanden aus.
Neben
ATTAC kann jede Gruppe, jede Partei, jeder Verein den Kapitalismus auf
ihre eigene Art abschaffen. Aber das muß sie selbst machen, dafür
selber Mehrheiten suchen. Dafür lassen wir uns von ATTAC nicht instrumentalisieren.
Und
zum Schluß:
Ich
mag diesen bundesrepublikanischen Kapitalismus auch nicht. Ich kann
mir besseres vorstellen. Ich weiss z.B. auch, dass die Tobinsteuer
den Kapitalismus und das herrschende System nicht sonderlich ankratzt oder
gar abschafft. Aber wenn wir es nicht schaffen, so etwas wie eine Tobinsteuer
zu erreichen, mit welchen Kräften wollen wir denn den Kapitalismus
abschaffen?
Also
ein großes PRO für ein Bündniss wie ATTAC.
Viele
grüße aus Köln
h.
p.
Hallo,
der Text zeigt recht deutlich die leider sehr verbreitete krude Vorstellung
von gemeinsamer Schnittmenge ... zunächst einige Zitate zusammengefügt:
Warum
meinst Du, das ATTAC müsste „weitergehende herrschafts-und verwertungskritische
Inhalte“ vertreten?? DAS WIEDERSPRICHT DEM OFFENEN BÜNDNISCHARAKTER
VON ATTAC!
...
Wir
können hier keine Übereinstimmung finden. Wir können keine
ATTAC-Köln-Meinung z.B. zur Frage „Reformen, ja oder nein oder wie
weit oder überhaupt“ finden, ohne Attac-Köln zu sprengen. Wir
können z.B. in der Frage „Kapitalismus“ und was folgt für
uns daraus, lehnen wir ihn komplett ab, oder nur einige Auswüchse
bzw. welche, auch keine Einigung finden.
...
Wir
alle können in ATTAC mitarbeiten, weil die Schnittmenge der Gemeinsamkeiten
groß genug ist. Und das ist wichtig.
Diese
Auffassung von „gemeinsamer Schnittmenge“ ist zwar weitverbreitet, aber
weder sinnnvoll noch logisch. TAtsächlich bedeutet nämlich diese
Auffassung, daß nur wenig weitgehende Forderungen die gemeinsame
Schnittmenge sind, daß sich eine EXTREMMEINUNG innerhalb eines Bündnisses
durchsetzt.
Tatsächlich
ist nämlich folgende Betrachtung sinnvoller: Ein Bündnis besteht
aus verschiedenen Gruppen. Die einen vollen dies, die anderen das. Unter
einem bestimmten Blickwinkel gibt es bei der Frage, wie radikal Forderungen
sein sollen, eine breite Spanne - angefangen von denen, die möglichst
viel oder alles ändern wollen, bis zu denen, die nur wenig ändern
wollen (und möglicherweise mit dem Rest zufrieden sind). Bei einer
solchen Spanne läge der Kompromiß in der Mitte (schlauer als
Kompromisse wäre meines Erachtens die Vielfalt der unterschiedlichen
Forderungen - aber das lasse ich jetzt mal weg).
Aktuell
aber sind die, die nur wenig verändern wollen, so schlau, daß
sie ihre Miniforderungen als „Konsens“ oder „Schnittmenge“ definieren,
was gar nicht stimmt. Und die radikalen Gruppen (zur Zeit ja vor allem
solche wie Linksruck, SAV und andere, die ihr Profil gerade wegwerfen)
sind blöd genug, das Ganze nicht zu checken. Dabei ist es eigentlich
völlig einfach, aber niemand kommt drauf, weil dieses „Schnittmengen“-Argument
von den MinimalreformistInnen seit Jahren klug und falsch eingesetzt wird.
Wieso sollte die Tobin Tax die „Schnittmenge“ bzw. der „Kompromiß“ zwischen Tobin Tax und Anti-Kapitalismus sein?
Aber
wenn wir es nicht schaffen, so etwas wie eine Tobinsteuer zu erreichen,
mit welchen Kräften wollen wir denn den Kapitalismus abschaffen?
Auch
dazu eine Bemerkung: Forderungen, Positionen und Visionen sind nicht deshalb
attraktiv, weil sie nichts verändern oder kaum etwas, sondern dann,
wenn sie etwas „Geiles“ vermitteln, daß etwas besser wird. Menschen
sind durchaus gewillt, viel zu verändern, wenn es sich denn lohnt.
Daher sind fehlende Visionen und Hoffnungen der Grund, warum nur noch die
Tobin Tax übrig bleibt. Die ist nämlich nicht beliebt, sondern
durchsetzbar, weil sie eh nichts verändert, da kann mensch es auch
machen, wenn denn einige ruhiggestellt sind. In der Bevölkerung
weiß kaum jemand, was das ist (wissen ja die meisten Attacis nicht
einmal, selbst wenn sie sie fordern).
Also
ein großes PRO für ein Bündniss wie ATTAC.
Attac
ist mit seinem Anspruch, seine EXTREMMEINUNG durchzusetzen (so etwas Mickriges
zu wollen wie die Tobin Tax ist eine Extremmeinung in einem Bündnis
- siehe oben!), gar kein Bündnis. Daß Attac sich Bündnis
nennt (oder gar Netzwerk), ist einer der ziemlich miesen Tricks, mit denen
eine von Regierungsmedien gehypte JungmanagerInnentruppe sich zur Zeit
selbst zum Sprachrohr aller anderen inszeniert. Netzwerke haben keine Zentralen.
Attac aber sehr wohl. Unter den deutschen NGOs eine der krassesten, undemokratischsten.
Eine glatte Oligarchie.
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