Auseinandersetzung über Attac-Zitate

Siehe auch: Eingangsseite zu Attac +++ Attac-Inhalte +++ Attac-Struktur +++ Streit bei Attac
Debatte auf der Genua-Mailingliste +++ Zitatesammlung über Attac +++ Flugblatt zu Attac-Kongreß +++
Kritik an Globalisierungskritik +++ Kritik an der Attac-Kritik
Pressestellungnahme von Schöner leben zu Attac

Attac-Debatte auf Hoppetosse

Ursprungstext auf der Mailingliste (mit diesem Text ging die Debatte los):
Diesmal habe ich was oberoffizielles - der Jungen Welt lag eine Attac-Zeitung bei. Herausgegeben von der Attac-zentrale als offizielles Blatt. Die Zitate sind also jenseits jeden Zweifels. Und es sind die besten bisher. Da posiert Attac diesmal selbst (!) anmassend als „Kerngruppe“ der Genua-AktivistInnen - erfolgreich trotz der boesen Militanten, die alles immer kaputtmachen.

Die Zitate:

Die gewalttraechtigen Begleiterscheinungen bei ihren Auftritten in Seattle, Goeteborg und Genua haben davon abgelenkt, dass die schnell wachsende Kerngruppe der Kritiker, in der Organisation Attac vernetzt, sich im allgemeinen Unbehagen ueber eine internationale Unordnung vereint hat, die ...
(Horst-Eberhard Richter in der Werbezeitung von attac, Beilage zur Jungen Welt 5.10.2001)

Unterstuetzt Attac!
Von Oskar Lafontaine
Der 83jaehrige Nobelpreistraeger James Tobin grummelte kuerzlich in einem Spiegelinterview: „ Die missbrauchen meinen Namen ... Ich habe nicht gemein mit diesen Antiglobalisierungsrevoluzzer. Ich bin ein Anhaenger des Freihandels.“
Da hatte der aeltere Herr wohl die Bilder aus Seattle und Genua im Kopf. Er uebersieht dabei, dass die groe Mehrheit der Globalisierungskritiker fuer Gewaltfreiheit eintritt. Zudem kaempft ein Teil von ihnen fuer den Freihandel ...
Joschka Fischer wirft den Globalisierungskritikern "abgestandenen linksradikalen Antikapitalismus" vor. Sie kaempfen aber fuer etwas ganz anderes: die Rettung der Demokratie.
(Oskar Lafontaine in der Werbezeitung von attac, Beilage zur Jungen Welt 5.10.2001)


... hoerte nichts als Schlaege und Schreie. Sie hat zum ersten mal Todesangst erlebt. Am anderen Tag wurde sie ins Gefaengnis gebracht und erst nach vier Tagen entlassen. Fuer meinen Mann und mich war das ein Anlass bei Attac einzutreten.
(Dorothee Soelle in der Werbezeitung von attac, Beilage zur Jungen Welt 5.10.2001)
Herzlichen Glueckwunsch, Attac Deutschland!
Bis vor kurzem fehlte der internationalen Attac-Bewegung ein starker Zweig in der Mitte von Europa. Die Gruendung von Attac Deutschland ist ein wirklich historisches Ereignis ...
(Susan George in der Werbezeitung von attac, Beilage zur Jungen Welt 5.10.2001)
Gruß ... J.

1. Antwort und Entgegnung

Hi!
Ich finde es geil, daß Lafontaine für ATTAC argumentiert und sogar auf dem ATTAC-Kongreß an einer Podiumsdiskussion teilnimmt. Nicht daß ich seine Position teilen würde - aber dort gibt es die Möglichkeit, mit hunderten von Leuten darüber zu streiten, daß die Marktwirtschaft nicht reformierbar ist.  Lafontaine‘s Beitrag und Teilnahme ist ein Ausdruck davon, daß sich auch linke Reformisten und Gewerkschafter mit der Seattle-Bewegung, mit Konzernherrschaft, mit Widerstand dagegen beschäftigen.
Wenn wir uns immer drüber aufregen, daß wir mit Leuten zusammenarbeiten müssen, die zwar auch gegen diese ungerechte Welt sind, aber nicht die bedingungslose Abschaffung der Marktwirtschaft fordern, dann werden wir immer eine Minderheit bleiben. Wir muessen anfangen mit nicht-revolutionaeren Kreisen zu streiten und haben die Chance, mit ihnen gemeinsam aktiv zu sein.
viele Gruesse,
D.

Diese Bewertung finde ich ausgesprochen „unpolitisch“. Sie analysiert gar nicht das Geschehen. Lafontaine ist nicht Attac beigetreten und hat seine Meinungen geändert. Es sit Attac, die Lafontaine auf die erste Seite hieven, obwohl der seine Meinung nicht geändert hat, wie der Artikel ja zeigt. Attac verbreitet in seiner zeitung völlige Scheißpositionen, nur um Richter/Lafontaine und andere Promis zum Mitglieder-Werben dabeizuhaben.
Bei Leuten, die so billig von den Führungskadern zu überzeugen sind, daß alles nur zum Besten läuft, ist es kein Wunder, daß NGOs so dominant sind - obwohl sie überwiegend:

  • beschissene politische Positionen haben
  • mehr den Regierenden und dem mainstream-Promis hinterherhecheln als Basis-AktivistInnen
  • keinerlei Mitbestimmung möglich machen (die ganz modernen wie Attac, Weed usw. ja noch nicht einmal eine repräsentative Demokratie ... und die ist ja schon nur eine Minimal-Mitbestimmung) ständig gegen radikale Gruppen hetzen, was übrigens nie dazu führt, daß sie mal Spalterei oder sinnlose Streiterei vorgeworfen bekommen ... das geht immer nur gegen die, die z.B. an Attac kritisieren, daß die in fast jeder Presseinfos, zeitung, Interview usw. Leute wie mich als Feinde sinnvoller Politik bezeichnen (im Sinne, daß Leute wie ich alles nur immer kaputtmachen durch unsere Radikalität und pure Anwesenheit auf Aktionen).

J.

Gegenpositionen und Diskussion

attac verbreitet keine völligen Scheißpositionen, bei keinem der attac-Zitate würde ich das so sehen. attac selbst bezeichnet sich nicht als einzige Organisation in der Bewegung, sondern als EINE Position. Das ATTAC wächst hängt bei uns vor Ort und meines Wissens in vielen anderen Städten auch überhaupt nicht mit ATTAC selber zusammen. Bei uns vor Ort sind sie diesbezüglich relativ dilettantisch, etwas mehr Auftreten in der Öffentlichkeit würde da nicht schaden.
Zu Lafontaine: ich kritisiere ihn für falsche Position, genauso wie ich ihn für eine richtige und scharfe Kritik an neoliberalere Politik unterstütze. Nur weil er kein Anarchist oder Sozialist oder Revolutionär ist, ist nicht alles scheiße, was er sagt. Und Lafontaines Solidarität mit den Protesten in Seattle und Genua ist eine Veränderung gegenüber früher. In „Das Herz schlägt links“ hat er richtige Positionen zu Kosovo-Krieg und gegen Neue Mitte/Dritte Weg vertreten - Bewegungen kamen drin nicht vor. Genauso sah es für viele Gewerkschafter aus, die Lafontaine als ihren Vertreter in der Bundesregierung sahen und damit auf die Schnauze fielen. Und damit anfingen, wieder über Druck von unten nachzudenken.

> Bei Leuten, die so billig von den Führungskadern zu überzeugen
> sind, daß alles nur zum Besten läuft, ist es kein Wunder, daß NGOs
> so dominant sind - obwohl sie überwiegend:
>  - beschissene politische Positionen haben
>  - mehr den Regierenden und dem mainstream-Promis hinterherhecheln
> als Basis-AktivistInnen
>  - keinerlei Mitbestimmung möglich machen (die ganz modernen wie
> Attac, Weed usw. ja noch nicht einmal eine repräsentative
> Demokratie ... und die ist ja schon nur eine Minimal-Mitbestimmung)
>  - ständig gegen radikale Gruppen hetzen, was übrigens nie dazu
> führt, daß sie mal Spalterei oder sinnlose Streiterei vorgeworfen
> bekommen ... das geht immer nur gegen die, die z.B. an Attac
> kritisieren, daß die in fast jeder Presseinfos, zeitung, Interview
> usw. Leute wie mich als Feinde sinnvoller Politik bezeichnen (im
> Sinne, daß Leute wie ich alles nur immer kaputtmachen durch unsere
> Radikalität und pure Anwesenheit auf Aktionen).
Ich halte es für eine maßlose Selbstüberschätzung, daß attac sich grade mit Anarchismus, Hoppetosse oder Dir auseinandersetzt und die Beschreibung der Hetze grade für ein Spiegelbild Deiner selbst.  Die Wortwahl gegenüber attac könnte kaum krasser sein als gegenüber CDU oder FDP oder ähnlichem. Felix sprach von „konterrevolutionär“ und Du listest ohne Ende „grausame“ Zitate auf.  Sag mal, gegenwen kämpfen wir denn????
Es ist doch nicht die Linke, die in den Chefetagen der Konzerne Leute rausschmeißt oder in den Medien Sexismus & Rassismus verbreitet????
Als Menschen, die wir gegen das selbe Übel kämpfen, sollten wir versuchen gemeinsam zu handeln und solidarisch zu streiten.  Es passiert halt, daß sich viele Leute attac anschließen und es ist besser, wenn sich Leute, die bisher nix gemacht haben in den attac sammeln und dort politisch diskutieren als wenn sie das gar nicht tun würden. Klar am besten sollten alle Menschen von heute auf morgen das System über Bord werfen. Tun sie aber nicht, viele fangen damit an einzelnen Punkten an und stellen nicht gleich alles in Frage. Aber das ist ein Anfang und eine Chance für uns, darüber zu streiten.
viele Grüße,
Dirk

Antwort 1:
Lieber Dirk,

ZITAT: attac verbreitet keine völligen Scheißpositionen, bei keinem der

Die Tobin Tax ist eine absolute Scheissposition: kapitalismus stabilisierend, prowirtschaftlich, pro freihandel, eigentlich von vorne bis hinten kapitalistisch. Ordentliche Analysen der Tobin  Tax, die es gibt, wuerden Attac und einiten Ruckies offensichtlich mal ganz gut tun. Es ist ja auch kein Wunder, dass LR und SAV, zwei Orgas mit tatalt verkuerzter Kapitalismuskritik und schlechten Analysen sich auf Attac stuerzen, der Analysen noch daemlicher sind. Ich habe keine Lust, das alles nochmal zu erklaeren, ist inzwischen tausendfach geschehen. Ich bin Antikapitalistin, und gerade der LR redet doch immer von der Antikapitalistischen bewegung.  Die Tobin Tax ist nicht, null gar nienicht antikapitalistisch oder regulierend. Insofern ist sie ja nicht mal eine Reform, sie ist ein Witz.  Und das soll eine der Hauptforderungen von Attac sein (schliesslich ist die Forderung im Namen enthalten!)?! Wenn das nicht voellig scheisse ist...

ZITAT: attac-Zitate würde ich das so sehen. attac selbst bezeichnet sich nicht als einzige Organisation in der Bewegung, sondern als EINE Position.
Da gibt‘s aber gegenbeweis zitate, die Joerg dir sicher gerne zukommen laesst. Ich finde es zum Kotzen, wenn die immer so tun, als seien sie die Dachorga der bewegung. Die haben nicht mal ne ordentliche Kapitalismusanalyse, wie‘s aussieht.
„konterrevolutionär“ und Du listest ohne Ende „grausame“ Zitate auf.
Sag mal, gegenwen kämpfen wir denn????
Es ist doch nicht die Linke, die in den Chefetagen der Konzerne Leute rausschmeißt oder in den Medien Sexismus & Rassismus verbreitet????

Und es ist nicht Attac, die das bekaempfen und abschaffen werden, aber sie ziehen jede Menge Leute, die in Attac dann gar nix bewegen, weil sie nicht mal mitbestimmen duerfen, und dann werden ein paar tausend Attacis als SChafe missbraucht um schwachsinn zu unterstuetzen, ueber den sie nicht mal mitdiskutiert haben. Super.
Als Menschen, die wir gegen das selbe Übel kämpfen, sollten wir versuchen gemeinsam zu handeln und solidarisch zu streiten.
Ich kaempfe NICHT fuer die Tobin Tax. Ich haette nix dagegen, mit Attac irgendwo zusammenzuarbeiten, aber ich sehe nicht, dass wir gleiche Ziele haben: Die wollen nicht den Kapitalismus stuerzen (und wenn es Leute in Attac gibt, die das wollen, sind sie da falsch, weil das, was Attac offiziell verlautbart, das einzige ist, was gehoert wird) und ich will nicht die Tobin Tax. Inzwischen denken die Leute, in Genua seien 300 000 Menschen fuer die Tobin Tax und die Entschuldung des Trikont auf die Strasse gegangen... DAS ist der Erfolg von Attac. Und das ist voelliger Schwachsinn.

ZITAT: fangen damit an einzelnen Punkten an und stellen nicht gleich alles in Frage. Aber das ist ein Anfang und eine Chance für uns, darüber zu streiten.

Das Problem ist: Du wirst nie mit den Ober-Attacis streiten koennen, und die kleinen Attacis werden nicht gefragt. Attac ist keine Basisorga. Die Basis ist nur aus Repraesentationsgruenden vorhanden (Dirk, das wissen wir doch wirklich seit DAVOS!!!) Wenn ich mit also mit Basis-Attacis rede, dann muss es gelten, sie davon zu ueberzeugen, das Reformismus scheisse ist,. und das Attac fuer Revolutionaere kein Ort ist.
Dieser Kniefall vor Attac: zum Kotzen! So eine anti-emanzipatorische Scheisse. Das ist schlimmer als LR: in Attac kannst Du GAR nicht waehlen, wer die „Leitung“ ist.
Reh-zi

Antwort 2:
> attac verbreitet keine voelligen Scheisspositionen,
Was bitte ist denn:

  •  Die Aufhebung des Datenschutzes beim Konto (gefordert von Sven Giegold in der Jungen Welt)
  • Die Rettung der jetzigen Demokratie (gefordert von Lafontaine in der attac-zeitung)
  • Der Freihandel (indirekte gefordert von Lafontaine in selbigem Pamphlet)
  • die Behauptung, Attac sei die Kerngruppe der Leute in Genua (behauptet am gleichen Ort)
  • die Forderung nach mehr internationalem Gewicht von Deutschland (im zusammenhang mit der Schliessung der offshore-zentren)
  • Die Behauptung, Liechtenstein trage eine mitschuld am CDU-Spendenskandal und Luxemburg am Terrorismus.

Wieso bitte findest Du, dass das keine Scheisspositionen sind.

> sondern als EINE Position.
Verdammt, es nuetzt noch nicht einmal das Zitieren: „Kerngruppe“ haben sie sich in ihrer Zeitung genannt. Warum argumentierst Du einfach irgendwie statt ueberhaupt meine Texte wahrzunehmen?

> Das ATTAC waechst haengt bei uns vor Ort und meines
> Wissens in vielen anderen Staedten auch ueberhaupt nicht mit ATTAC
> selber zusammen.
So ist es. Die Chefetage von Attac macht was sie will. Sie vertritt ihre prostaatlichen und prokapitalistischen Positionen kraft ihrer Beziehungen zu den Regierungstragenden Medien - nicht als Bewegungsteil. Sie braeuchen die Basisgruppen gar nicht (wie WEED das seit Jahren widerlich durchzieht). Aber Attac hat mehr Ziele - es soll die Entstehung einer radikal-unabhaengigen Basisbewegung verhindern und die durch Genua & Co aufgebrachten Menschen in einen kontrollierbaren Hafen bringen. Klappt ja auch.

> damit anfingen, wieder ueber Druck von unten nachzudenken.
Sehr richtig. Attac ist aber von oben organisiert. Darauf will ich aufmerksam machen!

> Ich halte es fuer eine masslose Selbstueberschaetzung, dass attac sich
> grade mit Anarchismus, Hoppetosse oder Dir auseinandersetzt und
> die Beschreibung der Hetze grade fuer ein Spiegelbild Deiner selbst.
Kann es sein, dass Du Dich recht mit Attac auseinandersetzt? oder verdraengst Du die ATTACken z.B. nach Goeteborg? Oder jetzt in der attac-Zeitung? Da stand mehrfach, dass Militante alles kaputtmachen, was in Jahren vorher aufgebaut wurde (dabei ist richtiger, dass Attac wegen den Militanten jetzt so powern kann - ein fatales Ergeebnis einer blinden, sich nicht vermittelnden Militanz). Das hat nichts mit mir zu tun, ich war auch nicht gemeint.

> Es ist doch nicht die Linke, die in den Chefetagen der Konzerne
> Leute rausschmeisst oder in den Medien Sexismus & Rassismus
> verbreitet????
1. Attac ist nicht links.
2. Du scheinst ein paar Jahrzehnte verpasst zu haben. natuerlich sitzen inzwicshen die (ex-)linken da oben. Und machen als „neue Mitte“ (manche gar als rechte) genau das!

Attac ist jetzt was neues: Institutionalisierung im Vorfeld der Parlamente. Da kann mensch jetzt durch die Institutionen hecheln ohne den parlamentarierInnen Plaetze streitig zu machen.

> Als Menschen, die wir gegen das selbe Uebel kaempfen,
Ich kaempfe nicht fuer die Aufhebung des Bankgeheimnisses, nicht fuer mehr Deutschland in der Welt, nicht gegen Luxemburg und lichtenstein, nicht fuer eine kapitalismusabsichernde Steuer, neue Gesetze und INstitutionen usw.
Attac kaempft nicht gegen Verwertungslogik, Herrschaft usw.
Ich bin fuer eine breite Bewegung aller emanzipatorischen Menschen, projekte und Gruppen.
Und eine klare Trennungslinie (argumentativer Art - taktische Buendnisse sind deswegen nicht ausgeschlossen) gegenueber allen, die z.B. Markt und/oder Staat gut finden, foerdern usw. ... denn das ist antiemanzipatorisch.
Der gemeinsame Nenner „alle, die irgendwas Gutes wollen“, ist mir zu bloed - das denken Nazi und Schroeder auch von sich.

> besser, wenn sich Leute, die bisher nix gemacht haben in den attac
> sammeln
Bisher sehe ich vor allem Leute, die schon aktiv waren ...

> tun wuerden. Klar am besten sollten alle Menschen von heute auf
> morgen das System ueber Bord werfen. Tun sie aber nicht, viele
> fangen damit an einzelnen Punkten an
Wenn es ein einzelner Punkt waere, der ein Stueck des Systems abschafft, waere ich zufrieden. Ist aber bei Attac nicht der Fall.
Das sichert nur das System ab, verschiebt ein paar
Handlungsvollmachten vom Markt zum Staat - also innerhalb der Logik des herrschenden Systems. Denn ob ein Gefaengnis privat oder staatlich gefuehrt wird, ist wurscht. Es bleibt ein gefaengnis!

> Aber das ist ein Anfang
Das ist eine These. Begruendet hast Du sie ausschliesslich mit Deinem Eindruck, dass alle irgendwie das Gleiche wollen - aber nicht einmal, was dieses Gleiche ist, hast Du benennen koennen.

> und eine Chance fuer uns, darueber zu streiten.
Das wage ich zu bezweifeln. Attac-ChefInnen agieren ueber die Regierungsmedien, nicht mit uns. Ihr Kontakt zu uns muessen sie als Hoeflichkeit machen, selbst innerverbandliche Demokratie (aus vielen Verbaenden bekannt als Scheinmitbestimmung) scheinen sie zu fuerchten.
Joerg

Einzelausschnitte von Mail:

Attac hat KEINE andere Meinung zur Tobin Tax wie „wir“. Sie wissen ganz genau, daß die Steuer Blödsinn ist. In ihren Schriften steht immer wieder deutlich drin, daß sie den „Wohlstand in den Industrienationen sichern wollen“ (Faltblatt zur Tobin Steuer) oder die „Demokratie retten“ wollen.
Attac irrt nicht, die wissen, was sie tun. Attac ist nicht unser gegner in ökonomischer Analyse (die widersprechen Dir einfach nicht, daher geht die Kritik von links, wo sich irgendwelche Linken von BUKO bis felS als bessere ÖkonomiekennerInnen produzieren, an der eigentlichen Frage vorbei. Attac ist eine Strategie. Die der totalen NGOisierung politischer Opposition. Und der Vorbereitung des Konzepts „global governance“, der Beteiligung von sog. „Zivilgesellschaft“ zur Akzeptanzbeschaffung einer Pseudodemokratie. Es ist völlig wurscht, ob die die Tobin Tax, Rot-Weiß Essen soll in die Champions League oder mehr Petersilie in die Bockwurst fordern. Entscheidend ist, daß damit ein Super-NGO geschaffen wird, der legitimiert SCHEINT (!!!!), die Zivilgesellschaft (also auch UNS in der vermittelten Bedeutung dieses Wortes) zu vertreten - zum Konzept der Zivilgesellschaft gehört aber dazu, daß es ein völlig undemokratischer abgehobener politische anbiedernder Funktionärshaufen ist.  Solange die Debatten aber um Reform und Revolution oder sowas geht, trifft sie diesen Punkt nicht. Es geht mal wieder um Herrschaft!

Mail aus Spanien:
hier hat attac keine große bedeutung eher ältere sesselpuper die globalisierungsgegner ham eigen platform in ganz spanien
Movimiento Resistencia Global MRG
die ham  sich gewundert das es sowas nich in deutschland geht

Mail aus Leipzig:
Noch was "nettes" von attac?:
Auf besagter StuRa-Vorstellungsstr. sagte mir ein Vertreter von ihnen, dass wenn ich gegen die Tobinsteuer wäre, ich für die Beibehaltung des Analphabetismus in der so genannten "dritten Welt" sei. Noch Fragen?

Gestern ... Junge Welt ... Beilage „global unions“ - nicht genau erkennbar, von wem die kommt, offenbar aus dem junge-Welt-Klüngel selbst. Titelseite, Zitat: „Zum WICHTIGSTEN Sammelbecken der Globalisierungkritiker und -gegner hat sich in den vergangenen Monaten ATTAC entwickelt“.
Also, wieder schwarz auf weiß. All die Beteuerungen und die auch bei kritischen Gruppen vorhandene Gutgläubigkeit nützen nichts. Es IST eine Hegemonialpolitik.  Es geht genau darum, die gesamte Bewegung zu instrumentalisieren, zu bevormunden und zu benutzen. Außer die Militanten, die werden dann als Restgruppe ausgegrenzt und als zu entsorgender Abfall behandelt. Das IST ein Herrschaftsprojekt - auch wenn die Kritik als „Nörgelei“ abgetan wird und radikale Gruppen wie ein Kaninchen vor der Schlange erstarren.
Die ganze Junge-Welt-Beilage ist voll von politischer „Gemeinsamer-Nenner-Null“-Logik. Gewerkschaften und Attac sind die Stars, ihre Internetseiten (DGB und ATTAC) werden für die WTO-Aktionen angegeben. Beim Interview mit Horst Schmitthenner das immerwährende Spiel (auch in FR, Spiegel usw. schon zigmal gesehen): Allgemeines Gelaber, aber der Interviewte kommt nicht von selbst auf die Tobin Tax (was zeigt, daß selbst die Spitzenfunktionäre die nicht wichtig nehmen - die ist ja auch hohl). Also muß der Interviewer (hier natürlich mal wieder der unsägliche NGO-Fan Pomrehn) nachfragen, drückt den Interviewten die Tobin Tax als Thema auf.
Das alles zeigt immer wieder, welches Spiel hier eigentlich gespielt wird. Die Reaktion darauf bleibt aus. Notwendig wäre eine Befreiung aus der Instrumentalisierung - dazu gehört zuerst ein Begreifen der eingetretenen Situation und dann konsequent der Aufbau eigener Positionen, Vermittlungsfähigkeit usw.
Wie wird es bei WTO und Castor jetzt sein? Wer wird deutlich rüberbringen, um was es geht? Noch habe ich KEINEN Text gesehen (ich lese aber auch nicht alles), der nach außen geht und die Kritik am System analytisch benennt bzw.  Alternativen nennt. Der Doppel-Erregungskorridor WTO und Castor - wird er am Ende mit den Inhalten „Trittin muß mehr Mut haben“, „AKWs müssen flugzeugsicher werden“ und „wir brauchen die Tobin Tax“ gefüllt? Dann (aber nur dann) lohnt es der Aktionen NICHT.
Attac ist clever geworden. In einer Anzeige in der Jungen Welt (halbe Seite) steht als Überschrift „Bewegung im Aufbruch“ beschreibt sich Attac als „Hoffnungsträger“, „Gegenmacht zu den entfesselten Kräften der Märkte“ und als „breites gesellschaftliches Bündnis“ von ver.di über Pax Christi bis zu „kapitalismuskritischen Gruppen“. Genau - das haben Linksruck, SAV, BUKO, Kommune Niederkaufungen usw. verbockt!
Für eine Selbstorganisierung von unten! Für emanzipatorische Politik, Positionen und Visionen! Für direkte Aktion und kreativen Widerstand!
Das werden wir selbst tun müssen. Die Kritik an der Instrumentalisierung ist keine Herumhackerei (ich fand den Text der GAM ziemlich präzise in der Analyse, welche Rolle Attac in der Absicherung von Herrschaft spielt!), sondern notwendig. Ebenso notwendig ist die Analyse der totalen handlungs- und Vermittlungsunfähigkeit selbst- bzw. mehr unorganisierter Gruppen. Wo geht emanzipatorische Politik heute noch über den Rahmen einer Kleingruppe hinaus?  Hier bei uns nicht, und woanders sehe ich auch nix. Das zu ändern, ist dann der wichtigere Schritt, der der kritischen Analyse folgt - ohne warten zu müssen, bis die Analyse beendet ist, denn das ist sie nie und das ist gut so.
Gruß ... Jörg

Was ich problematisch finde:
Die mediale Konstruktion von Attac als die Anti-Golablisierungs-Bewegung in folge von Göteborg u. Genua hat, zumindestens in D-Land, dazu geführt, dass viele Menschen direkt re-integriert wurden und eine breite Basisbewegung von unten hier gar nicht erst entstanden ist. Attac funktiniert als Neutralisator für radikalen Protest...und zwar bestens...ätz. Was auch schon Jens erwähnte - die Organisationsstruktur: Nach aussen hin verkauft die Führungsriege Attac als offenes, dezentrales, nicht-hierarchisches Netzwerk, jeder kann mitmachen...hört sich also attraktiv an. Tatsächlich ist Attac zentralistisch organisiert, d.h. es gibt ne Zentrale in Verden, wo sämtliche Kampagnen, Pressemitteilungen, Zeitungen & so her kommen. Der Koordinationskreis von Attac ist selbst ernannt, kann von der Basis nicht (ab-)gewählt werden...es gibt also nicht einmal demokratische Prozesse.
Die Führung von Attac hat ein krass instrumentelles Verhältnis zur Basis:
die können machen was sie wollen. Mit dem Verweis auf Autonomie u. Offenheit wird bloss darüber hinweggetäuscht, dass sie benutzt werden, d.h. der Presse wird immer die Attac-Führung erklären, für was ihre Basishoppel gerade eintreten. Die Inhalte werden definitiv nicht an der Basis gesetzt. So wie Attac bei EU-Gipfeln u.Ä. alle anderen DemonstranTinnen für sich vereinnahmt („Tausende demonstrieren für die Tobin-Tax...“)
Viele, auch radikale, Gruppen und Leute...über Linksruck, Alt-MarxistInnen, Grünen und Co. sind voll drauf reingefallen: sind in Attac gegangen, um Inhalte zu setzen, ohne sich die Struktur klar zu machen, die das verunmöglicht.
Der Erfolg von Attac ist schlecht, weil damit Protest entschärft, Menschen zentralisiert u. instrumentalisiert werden und das System stabilisiert wird.
So einfach ist das... Fragezeichen

Attac: Erobern, Unterwandern, Assimilieren (Text von Indymedia)

Welche Ziele treiben die ChefInnen von Attac an? Diskussionen darüber entfachen immer wieder aufs Neue. Viele lehnen die Debatte auch ab, weil damit Attac noch wichtiger würde. Das ist verständlich, übersieht aber, daß Attac, gefüttert von Millionen aus Staats- und Elitenmitteln, in der Hauptsache damit beschäftigt ist, andere politische Zusammenhänge „einzusammeln“, hegemoniale Öffentlichkeit zu betreiben und sich selbst von Null auf Hundert als Sprachrohr in der Debatte um Politik sowie als institutionalisierte Zivilgesellschaft zu konstruieren.

Dieser Prozeß ist auch personell nachweisbar. Attac Deutschland ist nach dem selben Muster aufgebaut worden wie z.B. der führende Attacverband in Frankreich. Die neokeynesianistische Presse sowie Lobbyorganisationen aus diesem Bereich haben die Organisation in den Mittelpunkt geschoben. Attac wurde als das bezeichnet, was es dann auch wurde – öffentliche Führungsorganisation. Das wurde Attac nicht durch den massenhaften Zulauf, sondern den gab es, weil Attac als Führungsverband hochgelobt wurde.
Personell begann Attac vor allem mit Personen, die 1999 beim Weltwirtschaftsgipfel in Köln mit skandalösen Strategien der Entpolitisierung sowie der geschickten Verbindung von Integration und Ausgrenzung eine klare Dominanz aufbauten – z.B. Peter Wahl von WEED und Jutta Sundermann von Share (Verden). Hinzu kamen die Manager aus dem ökokapitalistischen Verdener Ökozentrum, ehemalige Anarchisten, die zu marktwirtschaftlich orientierten Projektberatern mutiert waren.
Als die damals an Antiglobalisierungsbewegung bezeichneten Proteste auch in Deutschland starkes Interesse weckten und die Möglichkeit einer Entstehung von Widerständigkeit offensichtlich wurde, förderten von taz bis Gerhard Schröder große Teile gesellschaftlicher „Mitte“ den Aufbau von Attac – ein Haufen von nur sehr wenigen Mitgliedern wurde zum Zentrum. Schon kurz danach war Attac der Meinungsführer. Wer nicht dazugehörte, wurde an den Rand gedrängt oder (auch das ist passiert) einfach gegen den eigenen Willen als Attac-Gruppe dargestellt.
Diese Vereinnahmung wurde im Laufe des Jahres 2001 zur Strategie. Etliche Organisationen traten selbst bei – von Trotzkisten, die plötzlich für Tobin Tax Schilder trugen, bis zu Gewerkschaften und Parteien (u.a. der Parteiverband Hessen-Süd der SPD-Entwicklungshilfeministerin). Gut sichtbar wurde die Politik an der Eingemeindung von medico international und der BUKO. In diesen beiden Organisationen agierten wichtige Führungspersonen aus dem Spektrum der Soli-Gruppen, die den Internationalismus stark besetzten. Sie waren wichtig für eine Kanalisierung von Protest. Von Beginn an war schon der Ila-Funktionär Werner Rätz in der Attac-Führungsetage. Sein Kurs wies die Züge moderner Integrationslogik auf: Sich selbst ständig von Attac distanzieren, sich mit den Kollegen aus der Führung streiten, um Pluralität vorzutäuschen und dann andere aufsaugen zu können. Das trieb ab 2001 die ehemals wichtigste Attac-Aufbauerin Jutta Sundermann zur Perfektion. Sie stieg scheinbar aus dem Attac-Führungszirkel aus und zunächst bei medico ein. Als Folge gründete medico mit Attac zusammen Kampagnen. Inzwischen sitzt medico-Altvorderer Thomas Seibert im Attac-Rat. Perfekt, gelungener Entrismus. Also weiter ... im Vorfeld des letzten BUKO agierte Jutta Sundermann intensiv im BUKO – nur einige Monate, aber das reichte, um ein neues SprecherInnenteam zusammenzubauen, das dann auf dem BUKO gewählt wurde. Also Station Nummer drei nach Attac und Medico. Der Rest ging dann schnell – inzwischen ist selbst BUKO-Mann Uli Brand, der gleichzeitig noch Bücher mit Kritik an NGOs und Lobbyarbeit veröffentlicht, im Wissenschaftlichen Beirat von Attac. Neben ihm finden sich noch die gewendeten Marxisten wie Huffschmid usw., die schon seit einem Jahr Modernisierungspolitik betreiben, sowie den Überall-dabei-und-jede-Meinung-ist-gut-wenn-ich-dadurch-ins-Gespräch-komme-Leuten wie Elmar Altvater. Damit schreitet die Assimilierung weiter fort. Uli Brand ist definitiv jemand, der einen Ruf als Attac-Kritiker hat - und damit auch klarere Attac-KritikerInnen rausdrängt aus den Debatten, weil er ja schon da sitzt. Die wichtigsten Attac-Kritiker sind selbst Attacis – wie sagt Attac so schön: „Organisation neues Typ“. Sehr wahr – Herrschaft der modernsten Sorte. Welch Zufall, daß Jutta Sundermann vor kurzem mit Uli Brand im BUKO zusammen eine Kampagne aufgebaut hat ... der BUKO ist assimiert, die formale Mitgliedschaft ist da gar nicht mehr nötig – es wirkt viel besser, wenn eine gewisse Spannung bleibt, damit die Kanalisierung nicht auffällt. Wer darf als nächstes mit dem Andockversuch der IntegrationskünstlerInnen rechnen???
Die einzige Angst, die den FunktionärInnen noch bleibt, findet sich in einem Text des Attac-Spitzenmannes Felix Kolb im neuesten Massen-Rundbrief (S.4): „Der Erfolg von Attac basiert ganz stark auf der Konzentration auf konkrete, pragmatische und einleuchtende Forderungen, die von Menschen mit verschiedenen weltanschaulichen und politischen Überzeugungen geteilt werden können. Deshalb würde die Radikalisierung der politischen Rhetorik mittelfristig mit einem massiven Verlust von öffentlicher Unterstützung und Bündnispartnern einhergehen.“
Aktionen sind bei Attac aber auch gar nicht mehr vorgesehen. Die kommenden EU- oder WTO-Gipfel stehen nicht einmal mehr im Haushalt. Dafür aber ein fetter Pro-Demokratie-Aktionstag vor der Bundestagswahl – am 14.9. in Köln. Zusammen mit den Gewerkschaftsjugendverbänden (die Gewerkschaften haben sich ja schon für Rotgrün geäußert ...). Für dieses Demokratie-„Volks“fest bekommt Attac dann auch Zuschüsse von deutlich über 100.000 Euro – fast alles aus staatlichen Quellen. Auch das ist an Deutlichkeit kaum zu übertreffen.

Die Basis, auch die, die (noch) nicht eingemeindet/assimiliert ist, wird dabei immer härter instrumentalisiert. Zu den Aktionen am 14.9. in Köln (zur Wahl) mobilisiert Attac „gemeinsam mit den fünf Jugendorganisationen von Ver.Di ... sowie der Anti-Atom-, Friedens- und Erwerbslosenbewegung“. Also die ganze Anti-Atom-Bewegung ist dabei. Definiert Attac. Die Basis hat im Dasein schon ihre Schuldigkeit getan, wozu sie da ist, definierten zwei Handvoll Wichtig-Leute bei Attac. Sieht so in einem Jahr die ganze politische Bewegung in Deutschland aus?

Diskussion zum Text

ich denke, wir sind in der attac-frage unterschiedlicher meinung. ich denke, attac hat deutliche maengel. und ich (!) denke, diese maengel sind nicht so stark wie die pluspunkte. es gibt zum glueck „die“ attacis nicht. attac ist eben ein feld der auseinandersetzung und keine kuschelgruppe, so wichtig ich kuschelgruppen auch finde.
ansonsten emfinde ich - als direkte intervention - dreierlei.  erstens totalen aerger.  ich wuerde mich freuen, wenn du fuer mich mehr wahrnehmbar darauf achten wuerdest, welches menschenbild hinter deiner schreibe manchmal so hervorschaut. 
konkret meine ich damit, deine art, menschen als objekte zu beschreiben und zu bewerten. deswegen nervt mich auch dieser „xy ist assimiliert“-stil. das es keine wahrheit gibt, gilt auch für dich, die hoppetosse, alle dir hier schreiben oder lesen. wenn du weiter dieses „ich (wir?) und die anderen“ konstruierst, dann, finde ich, schadet es mehr als es nuetzt.
es kommt nicht nur darauf an zu denken, mensch weiss es (ich würde lieber sagen ‚etwas‘). es kommt auch darauf an, eine direkte kommunikation zu den menschen herzustellen. und wenn mensch diese erreichen will, dann muss mensch darauf achten, sich auf gleicher augenhöhe zu bewegen; kritisch in der sache sein und solidarisch mit dem menschen. es kommt eben auf  die haltung an, die ich einnehme, wenn ich anderen menschen begegne. dir würde ich raten wollen, es doch mal mit einer haltung der freundschaft zu versuchen. wenn ich jedenfalls huffschmied oder brand hieße oder bei attac organisiert, dann wuerde ich mich persoenlich getroffen fuehlen. 
damit wuerde sich aber auch mein blick auf die sache trueben und ich haette wohl schwierigkeiten, dein kritikgeschenk anzunehmen und zu bedenken.
zweitens emfinde ich latente frustration, dass die buendnisfrage hier so negativ diskutiert wird. ich bin für selbstorganisation. dafür arbeite ich schon geraume zeit. aber ich finde auch, dass die vielfaeltigen selbstorgansiationen der basis in abstimmungsprozesse mit anderen selbstorgansierten einheiten treten muess(t)en. ich meine, wenn du buendnisse generell diskreditiert (und nicht die konkrete ausgestaltung eines solchen (z.b. eine, in der keine haltung der freundschaft die geschaeftsgrundlage bildet), dann hast du ein wichtiges zeichen der zeit uebersehen.
drittens wecken deine mails, so wie auch diese beantwortete, mein interesse. ich finde die sachinformationen deiner mails meist spannend und anregend.

>es gibt zum glueck „die“ attacis
>nicht. attac ist eben ein feld der auseinandersetzung und
Diese Formulierung ist weit verbreitet und ich moechte ihr widersprechen. Sie ist in einer Hinsicht richtig: Intern ist Attac vielfaeltig - gerade auch weil die assimilieren, was geht. Nach aussen ist Attac aber eine der einheitlichsten Organisationen, die es ueberhaupt gibt. Die Basis-Attacis sind in der Regel nicht mal in ihren Staedten relevant gegenueber der Zentrale. Wenn ich von Attac rede, dann meine ich das Konstrukt, also das Bild, das Attac erzeugt und abgibt. Das ist kein ungewoehnlicher Sprachgebrauch, sondern der gewoehnliche. Genauso reden wir ueber die SPD, die CDU, Kaufhof, McDoof, Microsoft usw. Ich finde das auch legitim, weil niemals Voraussetzung fuer eine Kritik sein kann, auch das Innere zu kennen, wenn das Kennenlernen ja gerade sehr erschwert wird durch die zentralistische Aussenkommunikation.

>wuerdest, welches menschenbild hinter deiner schreibe manchmal so
>hervorschaut.
Gar keines. Ich kritisiere Menschen in ihren Rollen. Ob Jutta S., Uli B., Thomas S. oder wer auch immer nette Menschen sind, kann ich gar nicht oder fuer die aktuelle Zeit nicht beurteilen. Wie sollte ich. Ich erlebe sie als FunktionaerInnen. Dort zeigen sie das beschriebene Verhalten (aus meiner Sicht, aber was anderes kann ich wohl auch nicht schreiben).

>menschen als objekte
Das finde ich nicht. Ich beschreibe sie in Rollen. Schliesslich beschreibe ich gerade ihre Handlungen. Wer Buecher gegen attac schreibt und dann bei Attac mitmacht, handelt ebensowenig als Objekt wie eine Person, die nacheinander attac, medico und den buko durchlaeuft und die assimiliert.

>„xy ist assimiliert“-stil. das es keine wahrheit gibt,
Das ist grundsaetzlich richtig. Alles ist meine Wahrnehmung.  Assilimierung als Begriff des Aufsaugens kommt mir aber angesichts des Geschehens schon als praeziseste Beschreibung vor.

>es kommt auch darauf an, eine direkte
>kommunikation zu den menschen herzustellen.
Das ist richtig, hat aber nichts mit meinem Geschriebenen zu tun.  Ich beschreibe die Menschen in ihren Rollen. Sie begegnen wir auch nicht anders oder eben gar nicht. Dein Satz uebersieht, dass etliche der Personen sich von Beginn an weigern, ueberhaupt mit mir zu reden, auch vereinbarte Diskussionen (siehe Seminar in Verden zu Globalisierung und Herrschaftskritik) einfach wieder streichen oder staendig in FR, Spiegel oder anderen Wahlzeitungen sowie im attac-Buch von Rotgruen darueber phantasieren, wie mensch Leute wie mich aus Demo oder gar der politischen Bewegung entfernen kann. Um das zu machen, bekommen sie Millionen aus den Eliten der Republik und den Regierungen selbst. Diesen Kontext ausser Acht zu lassen und einfach zu sagen, mensch sollte miteinander reden, finde ich eher unpolitisch.
Mit anderen Menschen reden - das kann mensch mir wohl weniger als Versaeumnis vorwerfen. Vielleicht das Wie, aber nicht das Ob.

>und wenn mensch diese
>erreichen will, dann muss mensch darauf achten, sich auf gleicher
>augenhoehe zu bewegen;
Genau ... und deshalb will ich die dominante Stellung der Attac-Kader weghaben.

>dir wuerde ich raten wollen, es doch mal mit
>einer haltung der freundschaft zu versuchen.
Nein - wirklich nicht. Das versuche ich immer wieder (siehe das Seminar in Verden). Die Reaktion der Attac-Kader ist eindeutig. Die sehen Menschen wie mich nicht nur als Dreck, die bezeichnen mich auch oeffentlich so („political pollution“, Susan George zu radikalen Leuten auf dem Attac-Kongress). Und immer wieder in deren Schriften oeffentlich: WIr werden erst erfolgreich sein, wenn wir die weggeraeumt haben.
Wer eine solche Rolle einnimmt, ist nicht meinE FreundIn.

>wenn ich jedenfalls
>huffschmied oder brand hiesse oder bei attac organisiert, dann
>wuerde ich mich persoenlich getroffen fuehlen.
Was sagt das aus?

>damit wuerde sich aber auch mein blick auf die sache trueben und
>ich haette wohl schwierigkeiten, dein kritikgeschenk anzunehmen und
>zu bedenken.
Hier interpretierst Du (was leider viele staendig machen) in die Menschen hinein, dass sie nicht wissen, was sie tun. Das wuerde ich fuer eine Niedermache der Menschen halten. Ich glaube, sie wissen genau, was sie tun. Dazu wird gehoeren, dass sie in der Tat sich ueber den Stil entruesten werden. Das haben sie vielleicht schon  vorher durchgesprochen, aber mindestens ist ihnen das individuell klar.  Das ist auch clever, weil dann die politische Debatte immer gleich tot ist.

>zweitens emfinde ich latente frustration, dass die buendnisfrage hier so
>negativ diskutiert wird. ich bin fuer selbstorganisation. dafuer arbeite
>ich schon geraume zeit. aber ich finde auch, dass die vielfaeltigen
>selbstorgansiationen der basis in abstimmungsprozesse mit anderen
>selbstorgansierten einheiten treten muess(t)en. ich meine, wenn du
>buendnisse generell diskreditiert (und nicht die konkrete ausgestaltung
>eines solchen (z.b. eine, in der keine haltung der freundschaft die
>geschaeftsgrundlage bildet), dann hast du ein wichtiges zeichen der
>zeit uebersehen.
Nein, ich kritisiere Buendnisse, weil sie eben keine selbstorganisierten Prozesse sind. Mag sein, dass wir eine andere Definition haben - dann muessen wir das klaeren, sonst mailen wir aneinander vorbei. Buendnisse sind fuer mich, wenn VertreterInnen von Gruppen zusammensitzen und was machen wollen. Das ist strukturell nicht mehr „von unten“, weil die Leute als Rollen und nicht als Menschen dasitzen. Die Sache mit der Freundschaft hat sich dann erledigt, weil Freundschaft etwas zwischen Menschen ist.  Die Eliten kommen gerade auf Buendnissen immer recht gut miteinander klar, weil sie die gleichen Herrschaftsmuster zeigen. Ist das positiv?

Zu Hoppetosse +++ projektwerkstatt.de +++ Direct Action. Zum Anfang.