(von Ruhrpott-Initiativen)
Auf jeden Fall die Guten. Für uns legen sie den Zeigefinger auf die
Wunden, für uns bestimmen sie, gegen was wir - als Teil „ihrer“ Bewegung - vorzugehen haben: den Ausverkauf des Bildungssystems, die Gesundheitsreform,
die drohende Durchsetzung des Programms der Hartzkomission...
Für uns haben sie auch gleich das passende Feindbild parat: „neoliberale
Globalisierung“, „entfesselte Märkte“ - und hinter
all dem droht das Finanzkapital. Doch Staat sei Dank, für uns gibt
es noch Rettung: Mit der Spekulationssteuer auf alle Devisengeschäfte
zieht Captain Tobin ins Gefecht, kämpft für die Unterdrückten,
erlöst uns von allen Übeln dieser Welt. Der „Raubtierkapitalismus“
wird zum Schoßhund gezähmt, komplett mit rosa Schleife
... Für wen? Für uns.
Klar - wir träumen jede Nacht von einer gerechteren Welt, in der
es endlich die Tobinsteuer gibt.
Attac-Gewerkschaften-Politiker- sie alle wollen den Kapitalismus nur besser
verwalten - „das schöne Leben“, was dabei rauskommt,
kennen wir schon zur Genüge:
- Weckerklingeln und ihn gegen die Wand schmeissen
wollen
- Mit verquollenen Augen in Strassenbahnen, Bussen
oder Autos zur Maloche gurken
- Schon selber am Malochen sein und andere mit Bussen
und Bahnen zur Maloche schaffen
- Arschkriechen in der glitzernden Welt der Medien-
oder IT-Branche, 14 Stunden ganz „kreativ“ am Screen ausbrennen
- 8 Stunden rotieren in Supermärkten, Kantinen,
Fast-Foodketten oder Frittenklitschen, damit mensch auch was zu fressen
kriegt+ Malochen in Krankenhäusern, Altersheimen, diejenigen
versorgen, die (grade) nicht mehr in den 8-Stundentakt passen
- Anöden in Schulen und Unis, nicht für die
Schule lernen wir, sondern für das Leben, heissa, was für
ein Leben!
- Durchknallen und plötzlich in der Klapse oder
im Bau aufwachen
- Stressen mit Arbeits- und Sozialämtern, wenn
deine Arbeitskraft gerade mal nicht gebraucht wird, oder du keine
Lust hast, sie zu verkaufen + Und Freizeit ist der Stress, sich von
der Arbeit zu erholen: am Wochenende ne Packung Kultur, Club-Life,
oder Relax-Workshop reinfahren... und weiter geht s
Sinnsuche, wo steckt der Sinn des Arbeitslebens? Täglich Arbeit für
wen, für was? Mein Chef investiert demnächst in Produktion von
beheizten Mouse-Pads, das scheint ihm nicht sinnvoll, aber profitabel.
Wir, die wir den Schrott dann produzieren dürfen, bestimmen nicht
über das Wie, Was und Warum. Für uns verliert sich der Sinn
unserer Arbeit zwischen Lohnabrechnungen, Mietmahnungen und anderen Rechnungen
des täglichen Überlebens.
Was ein Wahnsinn:
- ein System, das Milliarden Menschen täglich
dazu zwingen muss, ihre Energie und Zeit für die Produktion von
etwas zu opfern, was ihnen am Arsch vorbei geht; denn die Produktion
bestimmt über die ProduzentInnen und das eigene Produkt richtet
sich gegen sie (als neue Maschine, als zu bezahlende Ware, als Berufsverkehr,
als Cruise Missile)
- ein System, das in der Produktion weltweit immer
mehr Menschen in Abhängigkeit voneinander bringt („Globalisierung“)
und gleichzeitig dafür sorgen muss, dass diese in Abteilungen,
Betrieben, Nationen getrennt voneinander bleiben, um sie weiter dem
Profitinteresse unterwerfen zu können - ein System, das Krisen
am laufenden Band produziert, die immer mehr Menschen ins Elend schickt,
nicht weil zu wenig, sondern zu viel produziert wurde; ein System,
dem nur der Krieg bleibt, um das weltweite Ausbeutungsregime aufrechtzuerhalten.
Eine Linke, die sich nicht auf die realen Erfahrungen und Kämpfe
der Ausgebeuteten bezieht, wird zum willkommenen Krisen-Manager dieser
Gesellschaft. Da die Attac-Linke bei der Krisenlösung mitmischen
will, muss sie uns den Staat als Wohlfahrtspapa verkaufen, braucht sie
uns als blosses Fußvolk, als Opfer der Globalisierung, die sie vor
dem Staat vertreten können.
Die Suche nach dem wirklich schönen Leben beginnt woanders, in den
wirklichen Kämpfen:
- Wer kennt schon die Streikerfahrungen der Busfahrer-Innen
aus Düsseldorf oder dem Rhein-Main Gebiet, die sich über
Wochen dem Nahverkehr enthielten?
- Wer weiß was vom Streik der niederrheinischen
Fliesenleger, die ihren 10 wöchigen Streik zur Zeit nur ausgesetzt
haben?
- Was ist wenn Mc Donald s ArbeiterInnen monatenlang
in Paris streiken und Filialen dichtmachen und die Möglichkeit
zu kämpfen - Symbolunternehmen der „Globalisierung“
hin, prekäre Arbeitsbedingungen her - auch nach hier schwappt?
- Was bedeutet es, wenn ArbeiterInnen bei Moulinex
in Frankreich nicht vor Arbeitsgerichten jammern, keine Latsch-Protest-Demos
oder Vier-Tage-Todesfasten machen, sondern nach der Verkündigung
der Werkschliessung kurzer Hand das Verwaltungsgebäude in Brand
stecken?
- Was ist, wenn wie zB. in Argentinien eine ganze Wirtschaft
in die Krise abstürzt, wenn sich die Leute massenhaft gegen die
Zumutungen wehren, die Politiker zum Teufel jagen und anfangen, ihre
Geschichte selbst in die Hand zu nehmen?
Que se vayan todos! Sollen Sie alle abhauen!
Lassen wir uns nicht von dem angstbesetzten Gelaber über
Krisen und Kriege anstecken, das uns nur dazu bringen soll, unsere Schnauze
zu halten und fleißig zur Wahlurne zu laufen. Dabei sind es die
VertreterInnen dieses Systems, denen der Arsch auf Grundeis geht, weil
sie selber nicht wissen, wie sie ihr Arbeitshaus wieder flott machen sollen.
All die schillernden Träume vom ewigen Börsenwunder und der
heiligen New Economy sind längst geplatzt
Und nu?
Wir wollen eine Bewegung, die die Wut gegen die alltägliche
Drangsalierung in Schulen, Fabriken, Ämtern, Knästen als Ausgangspunkt
nimmt. Eine Bewegung, in der wir uns selbst verändern, weil wir den
Kampf nicht anderen überlassen. Eine Bewegung, die nicht auf Polit-Treffen
oder an Verhandlungstischen (ver-)endet, sondern die Ausbeutung hier und
jetzt angreift.
Von unseren Kämpfen hängt es ab, ob wir weiterhin die uns zugedachte
Rolle der Opfer dieser Krisen spielen. Oder ob wir unser weltweites Produzentenwissen
aus der Isolation der Betriebe, Universitäten, Berufsgruppen und
Volkswirtschaften befreien und uns zusammen Reichtum und Mittel der Automation
aneignen. Für eine Gesellschaft, in der nicht das Hamsterrad des
Profits bestimmt, sondern die gemeinsame Kreativität und Lust freier
Individuen.
Nicht nur die Elbe läuft über,
auch wir haben die Schnauze voll!
Kapitalismus hat Hilfe bitter nötig - verweigern wir sie!
Who the fuck needs attac? We need a fucking revolution.
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