Linksruck über Attac und umgekehrt

Siehe auch: Download LR-Strukturdebatte und gesammelte Texte aus November 2001 (jeweils .rtf)

Linksruck ist viel zu klein, um ATTAC unterwandern zu können. Diese Organisation ist nur in wenigen Städten, in denen wir Gruppen haben, selbst präsent. Wir begrüßen die Mitarbeit von Linksruck bei ATTAC.
(Aus einem Interview der Jungen Welt vom 12.2.2002, S. 2, mit Sven Giegold, attac-Koordinierungskreis)

Es gab da mal eine LR-Delegiertenkonferenz in Frankfurt, die so unsaeglich war, dass einige, darunter ich, dann austraten. Das war anfang Juni. Da gab es eine Diskussion zur Arbeit in und mit Attac. Da mich das Thema nervte, habe ich nicht daran teilgenommen, ich wuensche jetzt, ich haette es, DENN:
Der Referent sagte etwa folgendes, wie mir neulich erzaehlt wurde:
„...und Attac! [erhebt die Stimme und reckt die Faust in die Luft], das klingt ja schon so kaempferisch und ansprechend, dagegen Hoppetosse [senkt die Stimme zu einem leierenden Ton und macht eine abschaetzige Handbewegung], das interessiert doch keinen. [dann gleich noch mal mit den selben Gestik und Intonationselementen:] Attac! - Hoppetosse.“
(Quelle: Mail auf der Hoppetosse-Mailingliste. Hinweis: Hoppetosse ist ein Name, der von niemand benutzt werden kann, für den niemand spricht, sondern ausschließlich ein kreativer Titel für ein Diskussionsforum zu politischen Zielen und Aktionsstrategien ist - die meisten dort streiten für politische Ziele und heben die Faust nicht für Verbände ...)

Wie ATTAC aufbauen?
Christine Buchholz (Plattform für Arbeiterpolitik)
... Der Spiegel beschreibt passend:
"Im Willy-Brandt-Haus macht sich die Sorge breit, dass sich heute wieder viele Wähler und Mitglieder durch den Krieg polarisiert an ihr linkes Herz erinnern und die Neue Mitte verlassen. Egal ob die sich dann PDS nennen oder ‚Attac’, oder unter der Führung Lafontaines den innerparteilichen Putsch versuchen: Auf die SPD kommen turbulente Zeiten zu, ausgerechnet in einer Phase in der sich ihr Vorsitzender immer weiter von der Basis entfernt."...
Nach dem thesenartigen Selbstverständnispapier von attac ist attac irgendwo in der Mitte zu verorten. Den Streit über den Charakter von attac können wir nicht von aussen führen, sondern aus der Position von aktiven AufbauerInnen von attac. ...
Anfang Juli haben wir beschlossen, auf den Aufbau von attac zu orientieren als den Ort, an dem sich AntikapitalistInnen und von Rot-Grün Enttäuschte treffen. Seitdem sind wir in fast allen Städten, wo Linksruck präsent ist, Teil von attac. Wir haben bei attac den Impuls zur Gründung von Unigruppen gegeben, mit Riesenerfolg: Attac wird zum Attraktionspol an den Unis, Gründungsveranstaltungen mit 40-70 Leuten waren keine Seltenheit.
Nach dem 11. September haben wir darauf orientiert attac-Ags gegen den Krieg zu gründen. Viele der Gruppen und Unigruppen, die sich seitdem gegründet haben, sehen die Antikriegsbewegung als ihr vordringlichstes Handlungsfeld an.
Problematisch an unserer Arbeit bei attac ist, das wir keinen politischen Plan davon haben, wohin wir mit attac wollen. Wir arbeiten vielerorts sehr sprunghaft – ziehen Leute aus anderen AGen ab um alles in die Antikriegs-AG zu stecken, verhindern es so, dass wir ein kontinuierliches Umfeld aufbauen und machen uns natürlich auch leicht angreifbar für die These, wir hätten ein rein instrumentelles Verhältnis zu attac.
So bleiben wir außerdem schnell dabei stehen, nur die besten Aktivisten zu sein und nicht in der Aktivität durch politische Analysen und Vorstöße zu punkten.
Wir haben es noch nicht geschafft, einen substantiellen Teil der Mitgliedschaft für eine Mitgliedschaft bei attac zu gewinnen und auch noch nicht viele Menschen von ausserhalb für attac gewonnen. ...
Attac aufzubauen heißt:
1) Mitglieder für attac zu gewinnen und ein kontinuierliches Verhältnis zu den attacies in der eigenen Regionalgruppe aufzubauen.
2) Attac-Themen, die die zentralen Themen der antikapitalistischen Bewegung sind (Finanzmärkte, Privatisierungen, WTO, Krieg) abdecken und dafür auch in der Ortsgruppe Kapazitäten zur Verfügung stellen. ...

Das Verhältnis attac-Linksruck
Linksruck ist die Organisation, die das Potential hat, die Linke in attac aufzubauen und stark zu machen.
Wir stellen keine Vorbedingungen an die anderen attacies, sondern konzentrieren uns auf die Frage, wie wir den Kampf um Reformen am effektivsten gestalten können. Über diese Auseinandersetzungen sammeln wir mittel- und langfristig Menschen, die wir in Debatten und Praxis von der Richtigkeit revolutionärer Politik überzeugen können.
Linksruck ist wichtig, weil wir diesen linken Pol organisiert aufbauen können und Zeitungen und Broschüren die Auseinandersetzung schärfen können. Ein konstantes und politisches Verhältnis ist entscheidend, wir veranstalten keinen "Beutefeldzug", sondern gewinnen Leute für die Organisation, um die Linke in attac zu stärken. ...

Weiterer Text aus Linkruck Stuttgart
Wachstum für Stuttgart
... Ein starkes ATTAC bedeutet eine starke Bewegung. Es ist wichtig, daß ATTAC so stark und so aktiv, wie möglich ist. ...
Wir erreichen keine Debatte über die Richtung von ATTAC, wenn wir nicht dabei sein. In Stuttgart hören die Leute uns zu, weil wir in der Praxis gezeigt haben, daß wir ehrlich sind. Linksruck’ler haben am 13.10 viel mehr ATTAC - Zeitungen verteilt als andere ATTAC’ler. ...

Weiterer Text der Fraktion Seattle Bolschewik
ATTAC als Heimat der Antikriegsbewegung
Wir wollen nicht in ATTAC, um irgendwelche LinksreformistInnen für abstrakte revolutionären Marxismus zu gewinnen. Wir wollen in ATTAC, weil wir die Antikriegsbewegung aufbauen wollen. Die meisten wichtigen Leute, mit denen wir die Antikriegsbewegung aufbauen wollen, orientieren sich von sich aus auf ATTAC. ...
Wir müssen die radikalen Ideen fördern, die ‚radikalen Kids’ in ATTAC holen, um mehr Aktivismus in ATTAC gegen Krieg auf der Straße zu forcieren, entgegen der Lahmen-Experten-Lobyyings. Wir müssen aber gegen sektiererische Positionen kämpfen, und die ‚radikalen Kids’ davon überzeugen, das wir die ArbeiterInnenklasse brauchen und uns intensiv und permanent mit ihre Ideen, den Reformismus und seine Parteien beschäftigen müssen. Dieses Come-Together von Radikalen AktivistInnen und LinksreformistInnen entwickelt den Sprengkraft, die die Bewegung braucht. Wir müssen es praktisch im ATTAC organisieren.

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