Gefährliches Gießen: Die (Gefahrenabwehrver-)Ordnung angreifen! @

Spinner und ...

Sein persönliches Erlebnis der Woche widerfuhr dem Chronisten am Dienstagabend gegen 21 Uhr. Da erkundigte sich eine Anwohnerin aus der Alicenstraße bei ihm daheim telefonisch, ob er tatsächlich etwas mit der Ausbildung für den Freiwilligen Polizeidienst in Gießen zu tun habe,. Nach der ersten Verblüffung stellte sich rasch heraus, dass die Anruferin nur eine Entscheidungshilfe darüber benötigte, ob ein in ihrer Straße verteiltes Flugblatt einer Agentur "City safety" wirklich reiner Blödsinn ist. Leider musste der Gefragte ihrem davon überzeugten Mann Recht geben. Und herzlich lachen musste er darüber, wie realitätsfern er in dem Schreiben als "Experte für angewandte Gefahrenabwehr" beschrieben wurde: "Dr. Timo Gammel, mehrfach ausgezeichneter Kampfsportler, Typ >Draufgänger<, Ausbilder für dominantes und selbstsicheres Auftreten".
Uberraschen konnte eine solch zielgerichtete Attacke mit der Veröffentlichung seiner privaten Telefonnummer den Chronisten freilich nicht. Schließlich hatte er berufsbedingt wiederholt den Unfug angeprangert, den die fundamentalistische Projektwerkstatt Saasen verzapft. Deshalb hatte die vor einigen Wochen, nachdem ihr geistiges Oberhaupt wieder einmal kurzzeitig inhaftiert worden war, via Internet mittelbar sogar zur Sachbeschädigung aufgerufen: "Die Pressea... haben mal verdient, auf ihrer Fensterscheibe zu erfahren, wie echtes Sprayen aussieht." Dem Treiben zur Verunsicherung leichtgläubiger Bürger muss die Polizei anscheinend machtlos zusehen: Sie weiß ziemlich genau, wer die Urheber jener Flugblätter sind, die in den vergangenen Monaten mit gefälschten oder erfundenen Briefköpfen in Gießen verbreitet wurden - aber sie kann es nicht beweisen.
Zu belegen ist allerdings, dass diese Fälschungen mit viel Phantasie, Energie und Intelligenz geschaffen und verbreitet wurden. Da drängt sich natürlich die Frage auf, warum die Verfasser diese Qualifikationen nicht nutzbringender einsetzen - etwa, um einer geregelten Arbeit nachzugehen. [...]

(Autor: Guido Tamme, Quelle: Giessener Allgemeine, 1.3.2003)


Wieder irreführende Flugblätter in der Stadt

In der vergangenen Woche wurden einzelne Anwohner des Marktplatzes mit angeblichen Flugblätter der Gießener Kriminalpolizei verunsichert, in dieser Woche waren Anwohner der Alicenstraße an der Reihe. Dort wurden am Dienstagabend grüne Handzettel verteilt, mit denen eine angebliche Firma "City Safety" für die Ausbildung von Stadthelfern im Freiwilligen Polizeidienst warb. Die "Agentur für angewandte Gefahrenabwehr" firmiert auf dem Blatt unter der Wiesecker Adresse des ZAUG. Dort soll in Kürze tatsächlich die Ausbildung von Langzeitarbeitslosen zu Stadthelfern anlaufen, die dann als Begleiter in Stadtbussen und zur Überwachung der öffentlichen Ordnung eingesetzt werden sollen. Bei ihrem mittelbaren Protest gegen die städtische Gefahrenabwehrverordnung haben die anonymen Verfasser allerdings ein wenig dick aufgetragen, indem sie beispielsweise die Prüfung für den "Silbernen Schlagstock" oder die "Sonderprüfung Goldene Hundeleine" anbieten.

(Quelle: Giessener Allgemeine, 27.2.2003)


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