| Gefährliches Gießen: Die (Gefahrenabwehrver-)Ordnung angreifen! | @ |
CDU fordert Beteiligung am Landesprogramm ''Freiwilliger Polizeidienst''
Gießen (-) Der Fraktionsvorsitzende und Landtagskandidat der CDU Klaus Peter Möller erwartet vom Magistrat, dass dieser sich am Programm der Landesregierung ''Freiwilliger Polizeidienst'' beteiligt. Hierzu soll nach dem Willen der CDU ein Kooperationsvertrag angestrebt werden. Gießen und die Landesregierung könnten so künftig gemeinsam für mehr Sicherheit sorgen und damit die Sicherheitslage stärken.
''Die CDU nimmt das Sicherheitsbedürfnis der Bürgerschaft in Gießen ernst und erwartet daher, dass die Stadt alle verfügbaren Mittel einsetzt, um diesem Rechnung zu tragen" so Klaus Peter Möller. Mit einem entsprechenden Antrag in der Stadtverordnetenversammlung wird die Koalition dieses Bestreben entsprechend einleiten. Mit einem solchen Vertrag zwischen Stadt und Land, der vergleichbar mit einer bereits bestehenden Übereinkunft zwischen Bad Hersfeld und dem Innenministerium gestaltet werden könnte, würde eine deutlich erhöhte Präsenz von Sicherheitskräften in der Stadt ermöglicht. Der Einsatz solcher Polizeihelfer erfolgt in Absprache zwischen dem zuständigen Polizeipräsidium als örtliche Polizeidienststelle und der Stadt. Die Auswahl der Polizeihelfer, ihre Ausbildung und Ausstattung obliegen hierbei der Polizei. Die Stadt wiederum erstattet dem Land die Aufwandsentschädigung für die ehrenamtlichen Sicherheitshelfer. ''Das Engagement der Stadt auch in diesem Bereich soll ein weiterer Baustein zur Erhöhung der Sicherheit in Gießen sein'', so Möller, ''mit Wachpolizei, der Videoschutzanlage, einer sukzessiven personellen Aufstockung des Ordnungsamtes und dem freiwilligem Polizeidienst kann Gießen seinen Beitrag zur Verbesserung des Sicherheitssituation im Stadtgebiet beitragen''.
Grundlage für den freiwilligen Polizeidienst ist das im Juni 2000 im Hessischen Landtag von der Koalition beschlossene ''Hessische Freiwilligenpolzeidienstgesetz''. Danach können freiwillige Polizeihelfer zur vorbeugenden Bekämpfung von Straftaten, zur Überwachung des Verkehrs, für den Streifendienst und zur allgemeinen Sicherung von Gebäuden und öffentlichen Anlagen eingesetzt werden, und dadurch die Polizei entscheidend entlasten. Der jeweilige Einsatz erfolgt auf Veranlassung der Polizeibehörde. Zum Selbstschutz sind die Polizeihelfer mit Mitteln der Selbstverteidigung und Handy ausgestattet. ''Nachdem eine erfolgreiche Erprobung des freiwilligen Polizeidienstes in Wiesbaden, Marburg, Fulda und Offenbach durchgeführt wurde, ist nunmehr auch in Gießen die zeit reif für eine Nutzung dieses Instrumentes zur Stärkung der objektiven Sicherheit und des subjektiven Sicherheitsempfindens'', so Klaus Peter Möller abschließend.
(Quelle: www.klauspetermoeller.de)
Keine Möglichkeit auslassen, für Sicherheit zu sorgen
GIESSEN (ae/jl). Erst findet die CDU-Stadtverordnetenfraktion nach
Jahren des Stillschweigens das Sommerlad-Gelände am Flutgraben als Standort
eines Großkinos plötzlich nicht mehr passend, und zwei Tage später
erklärt eine Gruppe heimischer Bauunternehmen, man könnte sich das
Kino und mehr nun doch wieder am Berliner Platz vorstellen. Wir haben Klaus
Peter Möller gebeten, uns diesen ''Deal'' zu erläutern.
Möller: Ja, was ein Zufall. Gell?
Wirklich?
Möller: Nein, wir haben auf der ersten CDU-Fraktionssitzung nach den
Herbstferien allgemein über Städteplanung gesprochen und die Situation
am Flutgraben vor dem Hintergrund der bekannten Probleme mit der Bavaria in
Berlin diskutiert. Traditionell nutzen wir die ersten Fraktionssitzungen nach
längerer Pause für die Erörterung prinzipieller Fragen. Und da
kam relativ schnell das alte Argument, dass dies eine verkehrlich schwer zu
erschließende Ecke ist. Die verkehrliche Situation im Zusammenhang mit
einem Großkino dort wurde auch als kritisch gesehen, weil wir jetzt die
Frankfurter Straße für deren Sanierung auf zwei Jahre sperren müssen.
Die Bahnhofstraße wird eine der Umleitungsstraßen. Sie wird zwangsläufig
Stau haben. Da mag man sich zusätzlichen Lastwagenverkehr wegen Abriss
oder Neubau gar nicht vorstellen.
Was kommt dann nun nach jüngsten Vorstellungen der CDU an den
Flutgraben, wenn nicht das Kino?
Möller: Wir müssen erst einmal sehen, ob der Investor dort bereit
ist, zu bauen. Es ist zu klären, ob dort angefangen werden soll. Inwieweit
noch Optionsverträge bestehen, entzieht sich meiner Kenntnis. Das wird
man beobachten müssen.
Und wieweit sind sie mit der Gruppe von Unternehmen am Berliner
Platz was die inhaltlichen Vorstellungen betrifft?
Möller: Die heimischen Bauträger haben offensichtlich auch darauf
gewartet, dass hier nachgedacht wird und sich eine gewisse Tendenz herausstellt.
Inhaltlich ergibt sich folgendes Problem. Der Platz muss ja vermarktet werden.
Für den, der dort baut, muss es ja eine Dividende geben. Es ist nicht damit
getan, dass wir einen zeitgemäßen Verwaltungssitz bekommen. Der Rest
der Fläche muss etwas bringen. Und da wir uns schon im Zusammenhang mit
den Plänen zu einer ''Mall'' dezidiert dagegen ausgesprochen haben, Einzelhandel
am Berliner Platz zuzulassen, bleibt nicht mehr viel übrig: Die Gedanken
auch der Investorengruppe führen zum Großkino. Marburg hat so etwas.
Warum hat es Gießen eigentlich nicht? Und es gibt auch Betreiber, die
Interesse haben, so ein Kino in Gießen zu bauen. Eines wohlgemerkt! Und
dann wird man mit dem Betreiber entscheiden, wo man hin geht: Berliner Platz
oder Flutgraben. Nichts anderes ist jetzt in der Schwebe.
Sie gehen dieses Woche mit ihrer Fraktion in Klausur, um über
den Haushaltsentwurf 2003 von Kämmerer Dr. Kölb zu reden. Wie zufrieden
sind sie damit?
Möller: Man kann mit einem Haushalt, der ein solches Defizit ausweist,
nie zufrieden sein.
Wo ist denn darin aus ihrer Sicht Geld noch umzuschichten, oder
wird es keine CDU-Haushaltsanträge geben?
Möller: Viele Weichenstellungen der Koalition stecken ja bereits im
Haushalt drin. Nichtsdestoweniger bin ich mir sicher, dass ein paar Korrekturen
mit Sicherheit erfolgen werden. Darüber werden wir beraten und auch nachdenken
müssen, wo man eventuell noch einsparen kann. Wir haben rückläufige
Steuereinnahmen auf allen Ebenen. Die werden von oben nach unten durchgereicht.
Wir sehen gerade beim Heuchelheimer Hallenbad, wohin das führt. Das ist
ja nicht alles nur hausgemacht.
Man findet im Haushaltsentwurf wenig zur angekündigten Umschichtung
von Mitteln in Richtung Sicherheit und Ordnung...
Möller: Das stimmt nicht. Erstmal wird der Personalstand beim Ordnungsamt
ausgebaut....
Ja, um bisher eine Stelle.
Möller: Wir dürfen Stellen auf der Basis des Stellenplans von 1999
besetzen.Das ist Maßgabe des Regierungspräsidiums. Wenn keine frei
ist, können wir keine besetzen. Alle Meldungen, wir würden etwas aufblähen,
sind absurd.
Wenn Sie zum Beispiel gegen öffentliches Trinken vorgehen wollen,
ist ja nicht nur ordnungsrechtlich zu denken, sondern zum Beispiel auch an die
aufsuchende Sozialarbeit. Im Haushalt sind zusätzliche Anstrengungen dort
aber auch nicht nachzulesen.
Möller: Wir haben folgendes Problem: Verschiedene Fragen, die wir in
Gießen angehen wollen, hängen zusammen mit einer rechtlichen Lücke.
Eine Allgemeine Gefahrenabwehrverordnung ist erst in Arbeit. Solange wir kein
Instrument haben, können wir nicht eingreifen. Diese Satzung muss erst
einmal festlegen, in welchem Rahmen man seine Freiheit ausleben kann, ohne dass
es die Mehrheiten stört. Das Ordnungsamt kann jetzt noch nicht gegen etwas
vorgehen, was definitiv nicht untersagt ist. Wir müssen erst einmal klar
machen, was in Gießen untersagt ist und was wir einschränken wollen.
Stadtrat Rausch sagt, mit der Verordnung wird gewartet, bis das
Personal da ist, um sie durchzusetzen. Andernfalls sei sie ein Papiertiger.
Also ist man wieder beim Personal.
Möller: Das trifft natürlich schon zu. Wenn man nicht kontrollieren
kann, ist es sinnlos. Kontrolle geht aber nicht mit nur einer Stelle. Die Herrschaften,
die eingestellt werden, gehen jedoch zuerst durch eine Ausbildung. Es geht ja
um mehr, als nur zu sagen: Das darfst Du nicht in Gießen. Wenn zum Beispiel
einer seinen Müll auf die Straße schmeißt. Da muss man dann
auch mal Personalien feststellen. Mindestens das. Wo keine Konsequenz erfolgt,
ist auch kein Erziehungseffekt. Die jetzigen Hilfspolizisten beim Ordnungsamt
sind dafür überhaupt nicht ausgebildet. Wir werden gezielt Kräfte
für die Gefahrenabwehr ausbilden.
Aber irgendwann braucht man Stellen...
Möller: Wir haben ja auch andere Instrumente. Zum Beispiel die Wachpolizei.
Man sieht sie im Seltersweg patrouillieren. Ich habe mit denen gesprochen. Es
macht ihnen sogar Spaß. Zudem werden wir - das habe ich angekündigt
- im Haushalt Mittel vorsehen für den freiwilligen Polizeidienst. Wir wollen
und in Gießen am Landesprogramm des freiwilligen Polizeidienstes beteiligen.
Der Magistrat soll dazu einen Vertrag mit dem Land abschließen. Wir wollen
zeitnah Kräfte nach Gießen bekommen. Das kann dann eine Personalstärke
von 20 Mann erreichen. Wenn wir in Gießen eine Gefahrenabwehrverordnung
haben, kann man diese Kräfte auf deren Grundlage einsetzen. Das geht. Es
gibt also eine Parallelmöglichkeit, um den Stellenplan herum für mehr
Sicherheit in Gießen zu sorgen. Eine Stadt darf keine Möglichkeit
auslassen, für Sicherheit zu sorgen. Und wir lassen keine Möglichkeit
aus. Die Sozialarbeit bleibt dabei uneingeschränkt. Prävention, aufsuchende
Sozialarbeit und Konsequenzen bei Fehlverhalten werden eine Einheit bilden.
Den Konsequenzen ist früher zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet worden. Man
hat nur in Gremien im Kreise diskutiert.
Wann kommt nun die Allgemeine Gefahrenabwehrverordnung?
Möller: Noch in diesem Jahr.
Wie wird sie aussehen?
Möller: Nicht anders als in anderen hessischen Städten auch. An
denen orientieren wir uns. Wir übernehmen, was uns zusagt. Und wir lassen
anderes weg. Selbstverständlich wird auch alles darin zusammengefasst,
was es derzeit in Gießen von Regeln über das Plakatieren bis zur
Straßenmusik schon gibt. Und selbstverständlich wird wie in Frankfurt
auch gleich geregelt, wieviel welches Fehlverhalten kostet.
Und der freiwillige Polizeidienst?
Möller: Auch das soll schnell gehen. Dies ist einer der Punkte für
die Haushaltsklausur. Sicherheit kostet Geld. Man wird etwas Geld in die Hand
nehmen müssen, wenn man die freiwillige Polizei in Gießen einführen
will.
(Quelle: Gießener Anzeiger vom 31.10.02)
Nachricht von www.safercity.de (2001)
Freizeitsheriffs sind billige Lückenbüsser
Der hessische Innenminister Bouffier hat im Rahmen seiner "Sicherheitsoffensive"
angekündigt bis Ende 2001 die Helfer des freiwilligen Polizeidienstes zunächst
in Fulda, Marburg, Offenbach und Wiesbaden einzusetzen. Dieses Vorhaben hat
der SPD-Politiker Dieter Franz als einen "weiteren Beitrag zur Entproffesionalisierung
der Polizei" bezeichnet. Der Bündnisgrüne Tarek Al-Wazir warnte:
"Sicherheit gehöre nicht in die Hände von Amateuren". "Im
Endeffekt wird wieder der einfache Dienst eingeführt", meint Al-Wazir.
"Eine solche Entwicklung ist nur Augenwischerei und eher gefährlich
als beruhigend", kommentierte die Fuldaer SPD-Landtagsabgeordnete, Silvia
Hillenbrand, die "neue innenpolitische Spielwiese" des Innenministers.
Sie fordert die Landesregierung auf, das Feigenblatt "freiwilliger Polizeidienst"
aufzugeben, weil es keine echte Sicherheit gewährleiste.
Für die Polizeidirektion Fulda sei anerkennend festzustellen, dass Polizeioberrat
Günther Voß die Sicherheitspolitische Täuschung erkannt habe.
"In der Sicherheit gibt es zu unserer gut ausgebildeten Polizei keine Alternative.
50 Stunden Einweisung und Pfefferspray erhöhen keine Bürgersicherheit",
schreibt Hillenbrand. Die freiwillige Polizei ist nicht die einzigste Idee die
Bouffier Kritik einbringt. Mit zunächst 110 Wachpolizisten, die beim Objektschutz
eingesetzt werden, will der Minister in Frankfurt, Giessen und Kassel Erfahrungen
sammeln. Die Wachpolizei soll Gebäude und Festgenommene bewachen, eine
zwei - dreimonatige Ausbildung erhalten und Schusswaffen tragen.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte moniert, dass mit der ürsprünglich
geplanten Bezahlung keine tauglichen Leute zu bekommen seien.
(Frankfurter Neue Presse, Stuttgarter-Zeitung, Kölner Stadt -Anzeiger,
18.11.99, Fuldaer Zeitung, 19.11.99)
Auszug aus der Begleitstudie zum zweijährigen Testlauf des freiwilligen Polizeidienstes (2002)
Die Untersuchung kann keine grundsätzlichen Empfehlungen über Fortführung oder Einstellung des Modellprojekts geben; dies ist vorrangig eine politische Entscheidung. Die Untersuchung hat ergeben, dass es keine grundsätzlichen Einwände gibt, die einer Fortführung strikt entgegenstehen würden. Aufgrund der Untersuchungsergebnisse scheint es im Falle einer Fortführung allerdings empfehlenswert zu sein, Sicherheitsgefühl und Kommunikation mit dem Bürger in den Vordergrund zu stellen, denn hier liegen offensichtlich die Stärken und innovativen Potenziale des Modells. Dies setzt voraus, zumindest einige Zielvorgaben in den Hintergrund treten zu lassen: aktive Ermittlungen im Bereich der Strafsachen- und Ordnungswidrigkeiten und Sanktionierung.
Seit Sommer 2005 gibt es in Gießen eine Innenstadt-Polizeitruppe - und die agiert vom Feinsten ... weitgehend ungestört vom in Gießen auf Normalniveau (Presseinfos, Wahlkämpfe in Stadt, Land, Uni & Co. sowie identitäre Kleingruppen) zurückgefallenen Politszene. Ergebnisse aus den Polizeipressemitteilungen zeigen, welche Gewalt da auf unerwünschte Menschen in der FussgängerInnenzone trifft:
Pressetext der JungdemokratInnen/JL dazu:
*Aus den Augen aus dem Sinn - "Sozialpolitik" und Repressionen in Gießen!*
Seit einigen Wochen finden am Kirchplatz regelmäßig Polizeikontrollen
statt. Diese Kontrollen richten sich gezielt gegen einen bestimmten
Personenkreis, der durch Personalienfeststellung, Durchsuchungen und der
Erteilung von Platzverweisen schikaniert wird, mit dem offensichtlichen
Ziel, sie aus der Innenstadt zu vertreiben. Die Personalienfeststellung,
Durchsuchungen und Platzverweise werden von der Polizei mit der
Gefahrenabwehrverordnung begründet, ihr Vorgehen ist jedoch
offensichtlich selektiv und allein gegen die Anwesenden als solche
gerichtet", führt Nathalie Meyer Sozialsprecherin der Demokratischen
Linken aus.
Im Rahmen des sozialpolitisch völlig verfehlten Sicherheitskonzepts der
CDU "Sicherheit - Ordnung - Sauberkeit" wurde trotz massiver Proteste
der gießener Einwohner die Gefahrenabwehrverordnung am 12.12.02 im
Stadtparlament beschlossen.
Die damit eingeleitete Politik der sozialen Ausgrenzung der
CDU-geführten Stadtregierung setzt sich mit der Einrichtung einer
Wachpolizei, sowie der Einführung des freiwilligen Polizeidienstes als
auch der sogenannten "Videoschutzanlage" am Marktplatz fort.
Unbeachtet der andauernden Kritik an der Überwachung von öffentlichem
Raum, wird nun über eine zweite "Videoschutzanlage" am Kirchplatz
nachgedacht.
Die derzeitigen Vorgänge am Kirchplatz reihen sich in die repressive "Sicherheitspolitik" der Stadt Gießen ein, die ein "subjektives
Sicherheitsgefühl" durch die konsequente Vertreibung bestimmter Menschen
aus dem Innenstadtbereich gewährleisten soll.
Die gemeinsame Pressekonferenz von Polizei und Stadt vom 16.09.05 macht
deutlich, wie gering das Interesse ist die real existierenden sozialen
Probleme anzugehen. Nicht die Ursachen, sondern allein die öffentlich
wahrnehmbaren Folgen wie Schmierereien, Vandalismus und "Trinkgelage"
sollen behoben werden. Dazu werden drei Säulen der Bekämpfung des
sozialen Missstandes erläutert, wobei eine klare Gewichtung der ersten
zwei Säulen "Präsenz" und "Repression" vorgenommen wird. Deutlich wird
dies in der konkreten Umsetzung des Konzepts. So rühmt sich die
Giessener Polizei schon 55 Platzverweise erteilt und 33 Anzeigen wegen
Missachtung der Gefahrenabwehrverordnung erstattet zu haben.
Erst an dritter Stelle steht die Säule der "sozialen Hilfe", deren
Vertreter und Vertreterinnen u.a. von der Arbeiterwohlfahrt, des
Suchthilfezentrums und des diakonischen Werkes gleich auf die schlechte
personelle wie finanzielle Situation verweisen mussten.
"Das Konzept zur Eindämmung von Straftaten und Belästigungen ist in
einer erschreckenden Weise unverhältnismäßig und zielt einzig darauf ab,
mit der Fertigstellung der Großbaustelle Marktplatz/ Oswaldsgarten eine
klinisch-saubere Einkaufsstadt präsentieren zu können" fasst Bastian
Lübow der Demokratischen Linken zusammen.
Die Vertreibungen sozialer Randgruppen aus dem Innenstadtbereich geht
einher mit der Verknappung öffentlichen Raums, wie es im Fall der
privatisierten Einkaufspassage Neustädter Tor umgesetzt wird. Dieses
Entziehen öffentlichen Raums, entweder durch Privatisierung oder
polizeilicher Ordnungsmacht ist auch gleichzeitig die
Entdemokratisierung der Stadt als alltäglicher Ort des Sozialen.
Mit dem Vorgehen von Ordnungsamt und Polizei werden die soziale
Randgruppen und die Schwierigkeiten ihrer Lebenslagen lediglich aus dem
Stadtbild verdrängt. Keinesfalls werden die Probleme gelöst, sondern nur
verlagert. "Das ist eine Politik nach dem Motto aus dem Auge aus dem
Sinn" beklagt Bastian Lübow der Demokratischen Linken. "Viel mehr müsse
in soziale Einrichtungen, Beratungsstellen und Rehabilitationsmaßnahmen
investiert werden". Stattdessen werden sozialen Einrichtungen jedes Jahr
die Mittel gekürzt, zuletzt durch das hessische Zukunftssicherungsgesetz
der CDU, das im Winter 2003 massiven öffentlichen Protest provozierte. "Wenn man sozialen Einrichtungen weniger Geld zur Verfügung stellt, hat
das an anderen Stellen eindeutige Auswirkungen. Nicht die Menschen sind
die Störfaktoren, sondern die Politik" so Nathalie Meyer
Sozialsprecherin der Demokratischen Linken abschließend.
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