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Jusos: "Polizei in Giessen schüchtert Kritiker systematisch
ein"
Christoph Weinrich, Sprecher der Jusos Giessen hat in einer Presseerklärung
einen offensichtlichen Einschüchterungsversuch der Giessener Polizei gegenüber
dem Bürgerrechtler und HU-Aktivisten Dragan Pavlovic scharf verurteilt
und eine umgehende Stellungnahme der verantwortlichen Beamten zum Fall eingefordert.
Nach einer Veranstaltung zum Thema "staatlicher Machtmissbrauch",
den die Humanistische Union gemeinsam mit anderen politischen Gruppen unter
anderem dem Juso-Unterbezirk Giessen am vergangenen Montag durchgeführt
habe, sei es zu dem Vorfall gekommen. Auf dem Rückweg von der Veranstaltung
sei der Wagen von Pavlovic unter dem fadenscheinigen Vorwand einer allgemeinen
Verkehrskontrolle von drei zivilen Polizeistreifen mit Blaulicht an der Ortsausfahrt
Giessen gestoppt worden und der Bürgerrechtler einer intensiven Leibesvisitation
unterzogen worden. Dabei wurde nun nicht mehr eine allgemeine Verkehrskontrolle
durchgeführt, sondern der Aktivist auf Waffen und Drogen durchsucht unter
ständig wechselnden Angaben der Gründe für die Kontrollen, die
jedoch allesamt erfunden worden seien. Das pikante an der Geschichte sei, dass
von weiteren Insassen des Fahrzeuges zumindest zwei der anwesenden Polizisten
erkannt wurden, die zuvor die Veranstaltung observiert hatten.
"Dieses
Vorgehen der Polizei kann nur als ein massiver Versuch eingestuft werden, hier
einen Bürgerrechtler einzuschüchtern." Auch könne es nicht
hingenommen werden, dass auf einer Veranstaltung von Bürgerrechtlern der
Staatsschutz zum spitzeln anwesend sei. Schon im Vorfeld der Veranstaltung sei
es auch nach der Aussage des anwesenden Bundesvorsitzenden der Humanistischen
Union auf der Veranstaltung zu Einschüchterungsversuchen seitens der Polizei
gekommen, die ihm geraten habe, nicht auf der Veranstaltung zu referieren. Dieses
Verhalten sei umso merkwürdiger, als es bei der Veranstaltung ohnehin unter
anderem um Repressionsversuche gegen Aktivisten aus dem Umfeld der Projektwerkstatt
in Saasen gegangen sei, so Weinrich weiter. Auch wenn der Juso-Unterbezirk Giessen
die Positionen aus dem Umfeld der Projektwerkstatt in Saasen nicht teile, seien
auch hier einige Fälle mit deutlichen Merkwürdigkeiten zu erkennen.
"Aufgabe der Polizei ist es aber gerade nicht, missliebige Meinungen zu
unterdrücken, sondern vielmehr Straftaten aufzuklären", "die
Polizei ist in Deutschland nicht zuletzt aus den Erfahrungen mit dem dritten
Reich kein Geheimdienst und geheimdienstliche Tätigkeit ist ihr deswegen
gesetzlich untersagt," so der Juso-Unterbezirksvorsitzende. Sollte die
Aufklärung der Umstände ergeben, dass die Polizei hier erneut in Giessen
ihre Kompetenzen überschritten habe, seien auch persönliche Konsequenzen
im Dezernat Staatsschutz zu fordern. Dabei werde sich der Juso-Unterbezirk auch
vor dem Hintergrund der Berichte anderer politischer Gruppen wie etwa der demokratischen
Linken an der Uni-Giessen nicht damit zufrieden geben, dass von der Polizei
die Aussage komme, es sei doch nichts passiert. Die Häufung der Vorfälle
in Giessen ließen prinzipiell den Schluss zu, dass das Derzernat Staatsschutz
im unklaren über seine eigentlichen Aufgaben sei. Sollten die Antworten
auf die aufgeworfenen Fragen nicht zufriedenstellend sein, kündigte Weinrich
an, gemeinsam mit der Humanistischen Union weitere Schritte zu prüfen.
Im übrigen behielt sich Weinrich vor, den Landtagsabgeordneten der SPD
im Unterbezirk Giessen in den Vorgang einzuschalten. "Was wir erwarten
ist ein klares Signal der Polizei, dass Einschüchterungsversuche in Zukunft
unterbleiben," wenn die Polizei sich hier nicht bewege, müsste sie
mit entschiedenem Widerstand rechnen, schloss Weinrich die Pressemitteilung.
(Quelle: Pressemitteilung der Jusos Unterbezirk
Giessen, 16.03.04 - Bericht des Überfalls)
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