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Geschichte

BürgerInnenproteste & Feldbesetzungen stoppen alle Versuche in Hessen!!!

BürgerInnenproteste in Niedermöllrich und Rauischholzhausen ++ Feldbesetzung in Gießen ++ Besetzung in Groß Gerau ++ Links

Holt Euch die Bilder des Frühjahrs 2008 nach Hause ... mit dem Fotokalender "Genfelder befreien!" oder einer Veranstaltung: Fragt an und jemand kommt zu Euch mit Berichten und Filmausschnitten - Ihr organisiert Raum und Werbung! Werbeblatt (PDF) ++ CD mit Filmen

BürgerInnenprotest in Niedermöllrich
BürgerInnenprotest in Rauischholzhausen

Im Jahr 2008 wollte die Uni das Maisfeld in Rauischholzhausen anlegen, doch das war ein Fehler. Der Widerstand war schon nach kurzer Zeit beträchtlich: Zum ersten Sonntagsspaziergang erschienen 400 Leute!



Die Besetzung des Gengerstenfeldes vom 30. März - 20. April

Bild rechts: Morgendämmerung - Turm und Betonblock (unter Zeltplane) stehen. Erst um 7 Uhr entdecken Polizei und Uni-MitarbeiterInnen die Besetzung. ++ Bild größer: Anklicken!

Vorab: Flugblätter und mehr

Den Protest gegen Gentechnik nach Gießen tragen!
Aus einem Aktionsaufruf Anfang 2008:
2007 gab es in Gießen drei Äcker, auf denen gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut wurden: Zwei Sortenprüfungen mit MON810-Maissorten westlich von Gießen und in Groß Gerau, dazu ein hochgesichertes Feld mit transgener Gerste im Osten von Gießen. Betreiber war in allen Fällen die Universität Gießen, Genehmigungsbehörde unter anderem das Regierungspräsidium in Gießen. Grund genug also, den Protest gegen die wirtschaftlichen Interessen folgende Manipulation von Organismen in diese Stadt zu tragen. Ausgewählt als Aktionsmonat wurde April 2008 und als Höhepunkt eine bunte Demonstration gegen die Gentechnik am Montag, 7. April, die vorbeiführen soll am beteiligten Regierungspräsidium, zum Uni-Hauptgebäude und zum umstrittenen Gerstenfeld am Alten Steinbacher Weg.
Startpunkt des bunten Aktionsumzugs ist um 17 Uhr das Amtsgericht in Gießen (Ostanlage/Ecke Gutfleischstraße). Dort beginnt am selben Tag, allerdings in der Früh um 9 Uhr, ein Prozess gegen vier FeldbefreierInnen, die Pfingsten 2006 in einer öffentlich angekündigten Aktion den mit Sofortvollzug durchgesetzten Acker betraten und von etlichen transgenen Gerstenpflanzen befreien. Ihr Ziel war von Beginn an, auf diese Weise endlich juristisch zu klären, ob Gentechnik rechtmäßig ist: Können einmal ausgebrachte Gensequenzen unter Kontrolle gehalten werden? Ist die gesetzlich vorgeschriebene Koexistenz zwischen gentechnischer und gentechnikfreier Landwirtschaft gewährleistet? Stellt die Gentechnik einen Verstoß gegen naturschutz- und grundrechtliche Vorgaben dar? Wurde beim konkreten Versuch geschummelt, gelogen und nachlässig gearbeitet? Diese und andere Fragen wollen die Angeklagten vor Gericht vorbringen. Das verspricht Spannung, denn die GentechnikforscherInnen treten als ZeugInnen an und werden sie von den Angeklagten und Anwälten befragt. Das Gesetz schreibt vor, dass sie die Wahrheit sagen müssen und dass alles öffentlich geschehen muss. Der Prozess kann also eine Art Hearing zur Gentechnik werden - mit klarer Entscheidung am Ende.
Demonstration und Prozess sind nur zwei Teile des Aktionsmonats in Gießen und Umgebung. Weitere Veranstaltungen sind geplant, zudem soll es je nach Lage auch spontane Aktionen an den Standorten geben. Im letzten waren beide Gießener Felder zerstört worden. Für 2008 plante die Uni Gießen, ein Feld nach Rauischholzhausen zu verlegen - ein Sturm des Protestes brach los und zeigte, wie stark die Ablehnung der Agro-Gentechnik ist. Es wird Zeit, dass diese Kritik auch in der Hauptstadt hessischer Gentechnik zu spüren ist, in Gießen selbst!

Perfekter Ablauf: Die Besetzungsnacht 30./31.3.

Wochenlang immer wieder geübt verlief die Nacht perfekt. Bäume schleppen, den schweren Betonblock über 50 Meter Strecke mit Hilfskonstruktionen bewegen, Löcher graben, Block verankern, Lock-ons zum Anketten anbringen und den Turm aufstellen. Als es hell wurde, waren sogar schon Spruchbänder angebracht. Die Polizei griff gar nicht erst mehr ein ...


Noch ist es dunkel ... Turmbeine und der Block darunter (im Kreis) und beschrifteter Zeltplane (Bild größer: Anklicken!)


Gegen Mittag des ersten Tages zeigte sich Nervosität bei den Institutsmitarbeitern: Wilder Traktorrodeo um die besetzte Fläche und Motorsägen gegen Holzteile am Rande. Noch nach einiger Zeit war der Spuk vorbei und Ruhe trat ein. (Bild größer: Anklicken!)

Medienecho
Berichte


Das Feld bei Nacht - immer angeleuchtet vom Flutlicht der ÜberwacherInnen (oben)

Stellungnahmen


Auch eine Reaktion: Sperre der gentechnikkritischen Seiten an Uni-Rechnern (linkes Bild oben). Bezüglich der Zukunft des Versuches sagten Verantwortliche und andere höchst Widersprüchliches aus. Versuchsleiter Kogel behauptete, den Versuch in den USA fortsetzen zu wollen (oben rechts). Uni-Präsident Hormuth sagte, es solle keine weitere Aussaat erfolgen.
Was die Uni aber hinbekam: Eine Kameraüberwachung der FeldbesetzerInnen (unten).


Gießener Allgemeine am 9. und 10. April 2008

Aktionen: Zwei Demos und viele kleine Aktionen


Demoversuch am 2.4.2008 am Marktplatz Gießen: Polizei beschlagnahmt den Info-Tripod (Bild größer: Anklicken!)


Gegen den (Regen-)Strom: Demo gegen Gentechnik am 5. April ... Auftakt am Brandplatz (oben), Kundgebung am Marktplatz (unten)


Kundgebung am Uni-Hauptgebäude (oben) und Abschluss am besetzten Gengerstenfeld (unten)


Gießener Allgemeine am 7.4.2007 (größer durch Klick!)

Hauptgegner: Das Wetter

Die ersten zwei Tagen waren recht nett ... aber dann zeigte sich der April von unfreundlicher Seite. Viel Regen verwandelte den Acker in eine dann bis zum letzten Tag andauernde Schlammwüste.


Ohne Worte: Entwässerungsgräben am 4. (oben) und Schneefall am 7. April ... (unten)


Die einzige Chance: Wärmen am Lagerfeuer (oben)

Diffuse GegnerInnen im Hintergrund ...


Die absurdeste Diffamierung: Allgemeine-Reporter Sippel, der vorher schon durch brutale Gewalt gegen einen Besetzer (Fußtritt ins Gesicht) auffiel, erfand eine Mordgeschichte gegen Bienenvölker (siehe unten). Doch das Foto zeigt: Die Bienen leben. Tatsächlich hatte eine Person mehrere Sachen beschädigt, darunter auch die Bienenstöcke. Während Wachschutz und Unileitung untätig blieben, organisierten die FeldbesetzerInnen eine Rettungsaktion für die Bienen - mit Erfolg, wie zu sehen ist (oben). Die Polizeimeldung vom 11.4.2008 steht im Verdacht, von der Gießener Allgemeine selbst erfunden worden zu sein, um ihre Lügen zu decken. Sie erschien fünf Tage nach dem Vorkommnis und drei Tage nach dem ersten Text mit Foto (8.4.2008). Auf der Presseseite der Polizei fehlt sie.

LeserInnenbrief an die Gießener Allgemeine
Von Bienen töten, bis zu Uni ruinieren
Einfach nur unglaublich, finde ich die mediale Verbreitung falscher Tatsachen und miese Stimmungsmache gegen die Gen-Feld-BesetzerInnen in Gießen. Egal welches Wetter, sie protestieren friedlich weiter und warten eigentlich nur darauf, dass das Uni-Präsidium endlich offiziell -und zwar auch in Richtung Feldbesetzer- verkündet, dass keine weiteren Versuche dieses Jahr (damit ist gemeint, auch nicht in den USA oder sonst wo) stattfinden werden. Ich persönlich würde meine Forderung dahingehend ausweiten, dass nie wieder von Seiten der Uni Versuche dieser Art stattfinden sollten. Ich lehne die grüne Genforschung nicht kategorisch ab, aber ich möchte diese wahrheitsgemäß, und der Forschung wegen begründet und unter sicheren Bedingungen wissen. Jede/r, die/der sich mit diesem Thema und Aussagen von Fried und Kogel etwas näher auseinander setzt, wird merken, dass das hier nicht der Fall ist. Zu alldem kommen dann noch Geschichten, wie z.B. diese der Giessener Allgemeinen, dass angeblich von Seiten der FeldbesetzerInnen, die sich auf dem Gelände befindenden Bienenstöcke mutwillig zerstört wurden.
Ich war dann mal einen Tag später da, weil ich es nicht glauben konnte, dass gerade die FeldbesetzerInnen solche Maßnahmen ergreifen, zudem mir das Ganze auch ziemlich paradox erschien (aber klar, böse „Genbienen“ oder was?…- So ein Quatsch – da hat wohl jemand nicht kapiert, worum es geht..).
Ich war dann also da, auf dem Feld und habe mit eigenen Augen gesehen, die Bienenvölker sind zum größten Teil unversehrt (ich wurde beim Anschauen der Bienen übrigens auch gleich wild von einem Passanten vor dem Zaun beschimpft: “Lass die Bienen in Ruhe, man sollte Euch alle wegsperren…“). Es handelte sich zwar wirklich bei dem Verursacher um jemanden, der sich unter anderem auf dem besagten Feld aufhält, doch kann man deshalb alle für diese Tat verantwortlich machen? Es wurde von weiteren Anwesenden, als diese seinen „Ausbruch“ bemerkten, direkt versucht, ihn davon abzuhalten (während anscheinend anwesende Polizisten, das Geschehen tatenlos beobachteten). Tatsächlich waren es die FeldbesetzerInnen, die nach dem Vorfall direkt eine Imkerin auf das Feld geholt haben, um den Schaden einzudämmen.
Ich persönlich finde es auch sehr lobenswert, dass man diese Person im Nachhinein nicht ausgrenzte und es vorzog, mit ihm über sein Fehlverhalten zu sprechen, obwohl keine/r der weiteren Anwesenden so eine Tat gut hieß. Es gibt immer zwei Seiten und deshalb finde ich es schade, dass man sich eine Meinung über etwas bildet, bevor man sich beide Parteien angehört hat. Auch frage ich mich, in welchem Theaterstück ich mich wohl gerade befinde, wenn ich Aussagen von Hormuth und Co. höre, die Uni sei in ihrem Ruf und Standort für immer durch die nicht zustande kommenden Versuche geschädigt und das alles wegen den „bösen“ Demonstranten. Ich denke, man hätte an Ihrer Stelle einfach gar nicht erst mit solchen Machenschaften beginnen sollen. Außerdem halte ich die Aussage ohnehin für total übertrieben und eigentlich völligen Unsinn. Alles in Allem wünsche ich mir eine baldige dezidierte Aussage von Herrn Hormuth zu zukünftigen Versuchen der Uni und eine wahrheitsgetreuere Berichterstattung der Zeitung.
Sarah Sanchez Miguel, Vorstandsmitglied der Grünen Jugend Gießen

Nachspiel für Redakteur Sippel: Beschwerde an den Presserat wegen seiner Lügen (PDF) ... doch der Presserat lehnt am 26.9.2008 ab. Zunächst fassten die Presseratsleute zusammen, was die Gießener Allgemeine zu den Vorwürfen geschrieben habe:

Dann fügt der Presserat an, dass das diese Behauptungen korrekt belegt seien. Also: Wahrheit 2.0 - die Bienen sind tatsächlich tot. Sagt der Presserat. Dass sie munter herumflogen, interessiert niemanden. Medien und Gericht schaffen die Wahrheit - unabhängig davon, wie sie ist.

Und natürlich - das greift gleich der Redaktionsleiter der Stadtredaktion, Guido Tamme, auf (siehe links, Kommentar in Gießener Allgemeine am 4.10.2008) und hetzt gegen alles, was ihm nicht passt. Mit der Wahrheit nimmt er es wieder nicht so genau. War schon der Tod der Bienen erfunden, so wird diesmal noch draufgesetzt, dass selbst Fotos von den fliegenden Bienen "Propaganda-Unfug" seien. Und das die Ex-Grünen-Stadtverordnete nur nachgeplappert hätte, ist auch gelogen. Sie hatte sich die Bienenstöcke nämlich angeguckt und gesehen, dass die Bienen lebten. Redakteur Tamme verweigerte aber das Gespräch mit ihr ...

Gegendarstellung: Zum wiederholten Male veröffentlicht die Gießener Allgemeine ihre Position, dass während der Besetzung des Gengerstenfeldes von Gentechnikgegnern Bienenvölker getötet wurden. Die gegenteilige Meinung wird als Propaganda-Unfug bezeichnet. Richtig ist: Es sind keine Bienenvölker getötet worden. Die GenfeldbesetzerInnen haben sich um die Rettung der zerstörten Bienenstöcke erfolgreich gekümmert. Die Gießener Allgemeine hatte am 8.4.2008 ohne Recherche und fälschlicherweise den Tod aller Bienen verkündet. Die jetzige Entscheidung des Presserates bestätigt nur den Bericht der Zeitung. Der Wahrheitsgehalt wurde vom Presserat ebenfalls nicht überprüft. Die Wahrheit bleibt: Weder wurden Bienenvölker getötet noch waren alle Bienen tot. Jörg Bergstedt, Reiskirchen-Saasen

Das Schönste: Weitere Besetzungen und direkte Aktionen überall im Land!
Der Abschluss: Ein BürgerInnenpark soll entstehen ... aber leider zeigt sich Gießen auch hier eher tot

(Bild größer: Klicken!)

Aus der Abschlusserklärung der FeldbesetzerInnen
Heute und mit dieser Erklärung leiten wir nun das Ende unserer Besetzung ein. Doch das ist nicht das Ende unserer Idee. Die Uni hat verkündet, dieses Jahr hier nicht aussäen zu wollen. Das eröffnet die Chance, diese Fläche der Forschung gegen das Leben zu entreißen und einen Ort des bunten Lebens zuschaffen. Dazu laden wir ein: Lasst uns einen Sommer lang diese Fläche erobern und gestalten - ForscherInnen, Studierende, NachbarInnen und alle, die Lust haben zusammen mit ihren Ideen. Und danach seid wachsam, dass die Universität wieder beginnt mit Forschungen, die dem Leben dienen.
Das Vertrauen darin ist gebrochen. Daher wollen wir dieser Universität Gießen noch eine deutliche Ansage auf den Weg geben. Wir tun das, weil aus unserer Sicht der gesamte Versuch eine einzige Lüge ist. Hier wird nicht an Biosicherheit geforscht, sondern hier werden neue Pflanzensorten entwickelt und Methoden der Gentechnik geschaffen. Versuchsleiter Kogel ist ein Global player der Gentechnik - und leider hat er auch die passenden Verhaltensweisen dazu entwickelt: Die Durchsetzung des Versuchs erfolgte per Sofortvollzug. Die Täuschung der Öffentlichkeit wurde schnell zum Normalfall. Propagandashows der Spitzenklasse vernebelten die dahinterliegenden Interessen. ...
Es ist nicht wirklich klar, was tatsächlich geschehen wird. Die Forderung der BesetzerInnen an die Uni, endlich Klarheit zu schaffen, ist mehr als berechtigt. Wie üblich, wird hier mit Informationen gespielt statt aufgeklärt.
Daher haben sich mehrere FeldbesetzerInnen entschlossen, folgende Ankündigung zu machen: Wenn die Universität Gießen wieder einmal nur verschleiert und täuscht, d.h. wenn sie hier wieder gentechnisch veränderte Gerste ausbringen will, so werden wir nicht zögern, den Versuch mit eigener Kraft zu beenden. Wir akzeptieren nicht, dass ausgerechnet die Herren Hormuth und Kogel, die in der Vergangenheit vor allem profit- und karriereorientierte Standortinteressen durchzusetzen versuchten, mit ihrer Art der Macht des Faktischen durchkommen. Wer per Sofortvollzug aussät und dann Gesprächsbereitschaft zeigt, wer einfach rücksichtslos handelt, aber von anderen den Verzicht auf Handeln einfordert, der treibt ein doppeltes Spiel und muss sich gefallen lassen, dass wir eine gleichberechtigte Gesprächsposition zurückerlangen, in dem auch wir sagen: Wir werden handeln! Dann, wenn es nötig ist. Nichts und niemand kann dieses gefährliche Feld bewachen - dass haben mutige Menschen im Jahr 2006 mit einer offenen und 2007 mit einer heimlichen Aktion, deren AkteurInnen bis heute unbekannt blieben, gezeigt.

Repression nach dem Ganzen ...

Am Anfang haben sie sich noch aufgeplustert: Es gab einige Ermittlungsverfahren wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung und einmal sogar den Versuch, einen Gerichtsprozess zu starten (da ging es auch um die merkwürdigen Bienenkästen). Als sie erfuhren, dass das sehr politisch wird, wurde der Termin einen Tag vorher abgesetzt. Dann ein paar Monate Pause - und jetzt: Alle Verfahren sind eingestellt, ohne Auflagen. Alles einfach weg. Kreative Antirepression schützt.
Abreagieren konnte sich die Justiz nur an zwei Angeklagten der Feldbefreiung 2006 - da aber richtig ...


Aus der Einstellung des Verfahrens wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung (Feldbesetzung 2008, Gießen) ++ Rechts: Artikel in der Gießener Allgemeine vom 3.2.2009 (S. 26) voller peinlicher Fehler (z.B.: Es wurden 11 Verfahren eingestellt, die Staatsanwaltschaft hatte Berufung eingelegt und nicht die Angeklagten usw.). Autor zu Gentechnikfragen bleibt Sippel, obwohl dessen Einseitigkeit seit März 2008 bekannt war, als er einem Gentechnikgegner mit dem Fuß ins Gesicht trat.

Gentechnikfrei!!! Auch das letzte Feld in Hessen fällt - Besetzung in Groß Gerau

Der Anfang: Eine nächtliche Besetzung - alles klappt!


Die Nacht der Besetzung. Es ist 4 Uhr, die Polizei rückt aufs Gelände - doch der Betonblock mit Erdanker sitzt mit zwei angeketteten Personen. Er war auf Holzbohlen mit einem Palettenhubwagen über den Acker gefahren worden (unten links). Über dem Ganzen steht der Turm mit KlettererInnen. Die Polizei ist machtlos und zieht wieder ab (größere Foto durch Anklicken!).


Der Mond strahlt auf das entstandene Dorf, geht langsam unter - dann folgt die Dämmerung (oben).
Als die Sonne Licht und Wärme ins Geschehen bringt, werden die AktivistInnen müde ... Rechts: Eingangstor an der Nordostecke.


Dann beginnt das Lagerleben: Material wird vom Depot geholt und das Gelände gestaltet - einschließlich einer Krocketbahn.
Ein Bantammaisfeld wird angelegt (unten links) und am Ende des ersten Tages steht schon viel. Etliche BürgerInnen kommen zu Besuch.


Scharmützel am Montag (28.4.): Ein Traktor bearbeitet die Fläche und wird blockiert. Der Fahrer fährt einen Blockierer an, der leicht verletzt wird.
Leider ist ein weiteres besetztes Feld geräumt worden (Forchheim). Zirkus- und Küchenzelt wandern nun nach Groß Gerau (unten).


Aus einem werden drei Türme. Zunächst werden Stämme geholt und am Boden zusammengeschnürt. Dann werden sie in der Mitte am Kreuzungspunkt hochgehoben und mit einem Seil weiter aufgerichtet. Am Ende (Bild rechts) wird das hintere Turmbein eingelocht.
Ständiger widerständiger Bezugspunkt war die Startbahn West, deren Flugzeuge dicht über das besetzte Feld zogen (unten rechts).

Die Uni Gießen hatte sich nach dem Aus für zwei ihrer drei Felder auf die Versuche in Groß Gerau konzentrieren wollen. Doch auch das wurde nichts. In der Nacht vom 24. auf den 25. April besetzten AktivistInnen das Feld in Groß Gerau. Und diese Besetzung hatte es in sich: Ganz anders als in Gießen kamen schon am ersten Tag viele BürgerInnen auf das Feld, um die Aktion zu unterstützen. Organisationen solidarisierten sich, Linke vor Ort und im Landtag, Grüne und etwas später auch SPD-Funktionäre (bis hin zu Landtags- und Bundestagsabgeordneten) tummelten sich auf der Fläche. Der Umweltausschuss des Landtages beschloss mit Mehrheit ein gentechnikfreies Hessen. Schon das erste Wochenende war bunt und beeindruckend.

Presse zur Besetzung

Nach dem Wochenende: Neue Aktivitäten und das Ende des Versuchs

Am Montag gaben die FeldbesetzerInnen eine weitere Pressemitteilungen und einen neuen Terminflyer heraus. Danach kam schnell das Aus: Am 28.4.2008 um 16 Uhr, also am vierten Tag nach Besetzungsbeginn, hatten BesetzerInnen und UnterstützerInnen bereits gewonnen. Die Uni brach den Versuch ab. Prof. Friedt erscheint in Polizeibegleitung auf dem Feld und verkündet das Aus.

Presse zum Versuchsabbruch

Links: GG-Online

Doch zuende war das Camp damit noch nicht ... das Begonnene sollte zuendegeführt werden. Nicht nur der Campabbau sollte in Ruhe gelingen, sondern Platz geschaffen werden für die Selbstorganisierung der Menschen vor Ort, um den Protest gegen Gentechnik weiterzuführen, wenn die Besetzung endete.


Streßmomente gab es kaum: Eher zurückhalten war die Polizei, während der Stationsleiter (rechts) ständig nervös war.
Die Uni versuchte, die Weiterführung der Besetzung und die Abschlussparty zu verhindern - aber vergebens. Weder ein Verbotsschild am Eingang noch Verfügungserklärungen (schlampig und fehlerhaft gemacht) brachten war - außer zynischen Kommentaren.

Phantastisch: Unterstützung vor Ort, von Gruppen und Parteien

Gruppen und ihre konkreten Unterstützungshandlungen

Eine schlechte Ausnahme bot die Verbraucherinitiative. Auf ihrer miesen Hetzseite (betrieben zusammen mit den Gentechnikkonzernen) konnten die Hasser aller Feldbesetzungen sich austoben ... ++ Kurzbericht zur Besetzung auf dieser Seite

Der Abschluss als Start zu mehr

Die BesetzerInnen aber nutzten die Gunst der Stunde und verließen das Feld nicht sofort. Stattdessen luden sie zu einer Jubelfeier, dem "Tanz in den Mai(s)". Die Feier sollte auch dazu dienen, dass sich viele Menschen aus der Umgebung nochmals treffen konnten, um weitere Aktivitäten zu verabreden, Adressen auszutauschen und so ein Bündnis gegen Gentechnik zu schaffen, dass über die Phase der Besetzung hinaus den Widerstand gegen die Agro-Gentechnik organisierten sollte. Das gelang auch - verzögert durch Sturm und Regen erschienen ca. 50 Menschen zu einer gutgelaunten Party auf dem Feld. Am Folgetag war die Besetzung nochmals Thema bei der Mai-Kundgebung des DGB in Groß Gerau. Auch hier gab es neben einem Redebeitrag und vielen Gesprächen konkrete Verabredungen und deutliche Unterstützung für die BesetzerInnen und die Idee der Feldbesetzung. Die letzte Aktion in Groß Gerau wurde so zu einem Vorzeigestück einer breiten Akzeptanz unterschiedlicher Aktionsformen. Das war und ist leider nicht überall selbstverständlich!

Das Programm des Abschlusses

So geschah es ...


Ein phantastischer Abschluss - trotz Sturm und Regen kurz vor dem Abend ... am 1. Mai dann wurde abgebaut

Als schlechte Verlierer entpuppten sich dagegen die Zuständigen in der Uni Gießen. Während der Stationsleiter vor Ort seine Ämter in der Kirche niederlegte, nachdem diese sich hinter die BesetzerInnen gestellt hatte, machte Versuchsleiter Prof. Friedt mit einer spektakulären Aussage im RTL auf sich aufmerksam. Er wisse von weiteren Genfeldern in Hessen, sagte er: "Hessen ist glaub ich nicht gentechnikfrei", und fügte dann an: "Es gibt einzelne Landwirte meines Wissens, die solchen Mais anbauen, so dass man in keinem Fall sagen kann, das's gentechnikfrei". Doch angemeldet ist nichts - die Felder wären illegal und Friedt ein Mitwissen von Straftaten. Das wird aufzuklären sein, wie es unter anderem die Grüne Landtagsfraktion auch forderte.
Die FAZ dagegen bot dem dubiosen Versuchsleiter Prof. Friedt Platz zum Jammern - und dazu noch zur Verschleierung seiner Aussage im RTL-Interview, dass er von (dann illegalen) Genfeldern in Hessen wisse ...

Und nochmal aus dem Leitartikel "Kämpferische Frühlings- und Sommergefühle", in: Graswurzelrevolution, Juni 2008 (S. 1)
Als Verantwortlicher war der Versuchsleiter der Gießener Uni auch in Groß-Gerau gefragt, wo er wegen einer Feldbesetzung die dortigen Maisversuche absagen musste. Die Aktiven erlebten großen Zuspruch aus der Bevölkerung und wurden kurzerhand gebeten, bei der Demo zum ersten Mai in der Stadt zu sprechen. Sie feierten ihren Sieg mit einer Party auf dem Acker und der Verkündung: "Hessen ist gentechnikfrei!"

Nachtreten - Strafprozesse gegen FeldbesetzerInnen in Hessen

Hessen ist gentechnikfrei!

Michael Grolm: „Die Feldbesetzungen im April haben Hessen gentechnikfrei gemacht. Warum sollten Feldbefreiungen nicht den Landkreis Kitzingen gentechnikfrei machen?“
(Quelle: Kraut&Rüben, 20.6.2008)

Aus einem ddp-Artikel zum gentechnikfreien Hessen (6.5.2008)
Die Zukunft der Agrar-Gentechnik in Hessen sieht trübe aus: Der Landtag mit seiner Mehrheit von SPD, Grüne und Linke will keinen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen mehr. Die geschäftsführende CDU-Landesregierung bietet als Kompromiss ein fünfjähriges Moratorium für Gensaaten «auf landeseigenen Flächen» an. Nach Protesten verzichtet die Universität Gießen von sich aus auf die Aussaat von Gen-Mais auf ihren Versuchsfeldern. Wie es mit der Gensaat-Forschung weitergehen soll, ist unklar.
Der Gießener Uni-Präsident Stefan Hormuth, sonst eher als ruhiger und diplomatischer Mann bekannt, ist hörbar erregt: «Ich bin an einem Punkt, an dem ich mich Feldbesetzern beugen musste.» Zuletzt hatten sich Protestler auf einem Versuchsacker für Gen-Mais in Groß-Gerau niedergelassen. Davor hatten die Aktivisten drei Wochen lang ein Feld für Gen-Gerste direkt auf dem Gelände der Uni Gießen besetzt, das allerdings dieses Jahr schon nicht mehr bestellt werden sollte. Zurückgelassen hatten die Besetzer einen beschädigten Zaun und weitgehend ratlose Wissenschaftler. ...
«Ein Verbot würde ein Risiko implizieren, das wissenschaftlich nicht nachweisbar ist», sagt der Gießener Uni-Vizepräsident Karl-Heinz Kogel. Die Arbeit des promovierten Pflanzenphysiologen ist von dem Streit unmittelbar berührt, denn das nach den Protestaktionen in Gießen stockende Gersten-Experiment hat er selbst geleitet. Die Finanzierung weiterer Forschungsprojekte sei bereits vom Bund bewilligt. Sollte in den nächsten Jahren die Gensaat-Forschung aus Hessen verbannt werden, «wären wir davon sehr betroffen», sagt Kogel.

Jammern auf der anderen Seite

Die FAZ als eines der Frontblätter für die Gentechnik bot Versuchsleiter Friedt breiten Raum, sich auszubreiten. Im Wochenabstand gab es Texte und Interviews - die GentechnikgegnerInnen kamen nie zu Wort.

Aus „Genmais ist unbedenklich für die Umwelt“, in: FAZ, 9.5.2008
Seit Jahren kämpft Wolfgang Friedt bei Versuchen mit gentechnisch verändertem Mais mit dem Widerstand von Gentechnik-Gegnern. So hat der Forscher zuletzt Feldversuche in Gießen und Groß-Gerau abgesagt. Nun fordert die linke Mehrheit im hessische Landtag eine gentechnikfreie Landwirtschaft. Dabei bringt Genmais für Bauern und Verbraucher Vorteile mit sich, wie er im folgenden Interview der Rhein-Main-Zeitung sagt. ...
Könnte die grüne Gentechnik helfen, indem Ernteerträge in Schwellenländern gesteigert werden?
Davon bin ich hundertprozentig überzeugt. Es scheint so, dass wir beim Flächenertrag herkömmlicher Sorten heute an einem gewissen Limit angelangt sind. Dagegen könnte das Ertragspotential etwa bei Weizen mit Hilfe der Gentechnik möglicherweise noch gesteigert werden. Ich gehöre bestimmt nicht zu denen, die das Potenzial der Pflanzenzüchtung allein in der Gentechnik sehen. Ich sage nur, dass sie in manchen Punkten wirklich weiterhelfen kann. Mit Blick auf die großen Herausforderungen durch Krankheiten und Wasserknappheit etwa.
Haben Sie schon mal Produkte aus gentechnisch verändertem Mais gegessen?
Indirekt auf jeden Fall. Ich esse recht gerne Fleisch, wenn auch nicht in großen Mengen. Ich glaube, da verzehre ich jedes Mal Fleisch, das mit gentechnisch verändertem Soja erzeugt worden ist.
Wieso das?
Weil etwa 80 Prozent der Sojasaat, die weltweit produziert und auch in Europa zu Öl und Schrot verarbeitet wird, vermutlich aus gentechnisch veränderten Pflanzen stammt. Zudem hat die Europäische Union erst im Frühjahr wegen allgemeiner Futtermittelknappheit gentechnisch veränderten Mais als Futtermittel eingeführt, und der ist auch ja sicherlich verfüttert worden.

Überregionale Zusammenfassungen und Stellungnahmen zu den Feldbesetzungen

Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) veröffentlicht Liste verhinderter Felder (PDF) und jammert in seinen Rundbriefen
Feldzerstörer immer dreister
Mit bereits 21 Feldzerstörungen in diesem Jahr steuern die Gentechnikgegner in 2008 auf ein trauriges Rekordniveau zu. Letztes Jahr hatten die Aktivisten im gesamten Jahr „lediglich“ 20 Felder niedergetrampelt. Auffällig ist das systematische Vorgehen: Binnen 7 Tagen wurden allein in Bayern auf 5 Feldern Pflanzen herausgerissen. Geschädigt sind vor allem Landwirte, die Bt-Mais als Schutz gegen den Maiszünsler
anbauen. Besonders bedauerlich: Diverse Hochschulen haben sich dem Druck der Aktivisten bereits im Vorfeld gebeugt und Versuche abgesagt. Die Behinderung von Forschungsfreiheit treffen Wissenschafter hart und gefährden den Forschungsstandort Deutschland. Das öffentlich zugängliche Standortregister macht es den Gentechnikgegnern leicht: neben den genauen Flächendaten bietet das BVL nun auch eine digitale Karte an, mit denen die gv-Felder spielend lokalisiert werden können. Eine detaillierte Übersicht über die Zerstörungen sind im Internet abrufbar unter ... (Link funktioniert nicht mehr, aber hier abrufbar)
(Quelle: BDP-Nachrichten 3/2008, S. 7)

Aus "Saures für die Zuckerrübe", in: Jungle World, 30.4.2008
Die neunziger Jahre kehren wieder: Wie damals besetzen in diesem Frühling Gegner der Gentechnik an etlichen Orten Felder oder zerstören Versuchspflanzungen.

Rechts: Aus Umwelt aktuell 6/2008 (S. 18 ++ größer durch Klick!)

Kommentar von Christof Potthof im GID, 2/2008 (S. 18)
Versuchsfreisetzungen in der Kritik
Eine Reihe Freisetzungsversuche ist in den vergangenen Wochen von Seiten der Anmelder und Betreiber zurückgezogen beziehungsweise abgesagt worden: Neben den Freisetzungen der Firma Monsanto in Niedermöllrich (Hessen), werden die Sortenversuche mit gentechnisch verändertem (gv) Mais in Oberboihingen (Hochschule Nürtingen, Baden-Würtemberg) und Ebsdorfergrund-Rauischholzhausen (Uni Gießen, Hessen), der gv-Weizen-Versuch in Rostock und Üplingen (Uni Rostock, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt), der Standort Müncheberg (Brandenburg) eines Freisetzungsversuches der BASF mit gv-Kartoffeln und eventuell auch der Freisetzungsversuch mit gv-Gerste in Gießen (Uni Gießen, Hessen) mindestens in diesem Jahr nicht stattfinden.
Als offizielle Beweggründe werden genannt: zu später Zeitpunkt der Entscheidung, Rückzug der Fläche durch den Eigentümer, Feldbesetzungen und regionaler Widerstand und anderes.
Da an allen Orten - zum Teil seit ein paar Wochen, zum Teil seit Jahren - Widerstand geleistet wird, zeigt sich, dass dieser seine Wirkung nicht verfehlt - auch wenn es oft nicht eindeutig zu belegen ist, ob die Aktionen unmittelbar zur Rückzugs-Entscheidung geführt haben. Bemerkenswert ist die Bandbreite, mit der gegen die Freisetzungsversuche vorgegangen wird: In Gießen und Oberboihingen wurden die Felder besetzt, in Müncheberg, Ebsdorfergrund-Rauischholzhausen und Niedermöllrich gibt es regionale Initiativen und gegen den Freisetzungsversuch mit gv-Weizen hat es eine große Zahl an überregional gesammelten Einwendungen gegeben, die auch von einem breiten Bündnis von insgesamt mindestens 130 Verbänden und Gruppen aus der Zivilgesellschaft aber auch aus der Wirtschaft unterstützt worden war.

Bericht von Christof Potthof im GID Juni 2008 (S. 36-37)
Direkte Aktionen erfreuen sich wachsender Beliebtheit
Freisetzungsversuche mit gentechnisch veränderten Organismen waren in den vergangenen Wochen ein bevorzugtes Ziel der Aktivistinnen und Aktivisten. Die Vorzüge liegen auf der Hand: Die Felder sind überschaubar groß und der mögliche Erfolg, die Verhinderung der Durchführung, ist unmittelbar messbar.
In der Regel scheuten die AktivistInnen nicht die Konfrontation mit den VersuchsleiterInnen und/oder der Polizei. Ganz im Gegenteil: Nach dem Vorbild der Aktionen der Initiative Gendreck weg und anderer wurde die Feststellung der Personalien und die zu erwartende Strafanzeige einkalkuliert. Das führt mitunter zu erstaunlichen Positionen, die allein durch ihre Offenheit bestechen und verstören können. ...
Speziell ist der Gießener Aktivist, der sagt, die ganze Debatte um Auskreuzung, konventionelle Pflanzen hier, gentechnisch veränderte Pflanzen dort, das interessiere ihn weniger. Das sei eine „ExpertInnendebatte”, die ablenkt. Bei der Kritik an der Gentechnologie ginge es vielmehr um „grundsätzliche Positionen zu Macht und Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen - allen voran den genetischen Ressourcen für die Landwirtschaft”. Diese sei bedroht von einer zunehmenden Marktkonzentration beim Saatgut, aber auch durch stärkere Kontrollmechanismen und die Patentierungspraxis, die gerade bei gentechnisch veränderten Pflanzen mittlerweile gang und gäbe sei.
Er ist damit auch beispielhaft für die verschiedenartige Argumentation, mit der das eigene Vorgehen begründet wird und die sich eben nicht immer mit dem Für und Wider von technischen Details zufrieden gibt. ...
Für den Rest der Bewegung ist der Umgang mit den AktivistInnen nicht immer ganz leicht (was vermutlich auf Gegenseitigkeit beruht ...). Versuchen diese ein Auskommen in der einen oder anderen Art und Weise mit den verschiedenen Spielarten der Agro-Gentechnik zu finden - dies kann verschiedene Triebfedern haben, so zum Beispiel die, zu verhindern, dass die Auseinandersetzung zur Aggro-Gentechnik wird - nehmen jene für die eigene Strategie in Anspruch, dass die Macht der Konzerne und deren Auftreten den Aggressionen längst freien Lauf gelassen habe. Damit sei die direkte Aktion gegen Sachen, das heißt die Feldbefreiung, Zerstörung, manche nennen es die vorzeitige Ernte der transgenen Pflanzen, auf den Feldern ausreichend legitimiert. ...

Artikel in der taz, 29. September 2008
Erfolgreiche Gentech-Proteste ++ Gentechniker geben Feldbefreiern nach
Sieg für die Gegner gentechnisch veränderter Pflanzen: Mit ihren Protestbriefen und Feldbesetzungen bringen sie Wissenschaftler dazu, auf Freilandversuche zu verzichten. VON SVENJA BERGT
BERLIN taz Wer in Deutschland Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen durchführen will, hat es zunehmend schwerer. Alleine im vergangenen halben Jahr haben vier Institute und Hochschulen ihre Versuche eingestellt, zurückgezogen oder nicht verlängert. Auch die Zahl der neuen Freilandexperimente ist mit sechs genehmigten Versuchen auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Forschungen in den 90er-Jahren.
Eine der Hochschulen, die ihre Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen eingestellt hat, ist die Fachhochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. „Wir hatten extremste Proteste und zwar schon über Jahre“, begründet der Rektor Werner Ziegler die Empfehlung der Hochschulleitung. Die Debatte angestoßen hätten vor allem die Bedenken der Anwohner. „Teilweise gab es 20 E-Mails in zwei Tagen.“ Eine Feldbesetzung von Gentechnik-Gegnern im April habe dann das Fass zum Überlaufen gebracht. Ziegler berichtet auch von persönlichen Anfeindungen, vor allem gegen den durchführenden Wissenschaftler Andreas Schier. Daher habe man ihm letzten Endes die Einstellung der Freilandforschung nahegelegt. „Wir wollten Schaden von der Hochschule abwenden“, sagt Ziegler.
Schier selbst gibt an, von der Entscheidung der Hochschule überrascht worden zu sein. Die Bedenken der Anwohner und auch der Biobauern, die sich gegen den Anbau wehren, sieht er nicht, schließlich sei das Miteinander verschiedener Anbauformen „prinzipiell möglich und gesetzlich zugesichert“. Die Hochschule hat die Forschung zunächst für fünf Jahre ausgesetzt.
Anders als Schier erhielt Winfriede Weschke, Wissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturforschung (IPK) in Gatersleben, keine Briefe von besorgten Bürgern. Das Institut baute in einem mehrere Jahre umfassenden Versuch Winterweizen an. Das Ziel: bestätigen, dass sich mittels Gentechnik der Eiweißgehalt von Weizen ohne Ernteverluste erhöhen lässt. Am 30. Juni kommenden Jahres sollte der Versuch abgeschlossen sein. Doch dazu wird es nicht kommen: Im April zerstörten Gentechnik-Gegner das Feld. Proteste aus der Bevölkerung gab es auch hier. Denn in Gatersleben befindet sich eine Genbank mit Samen von knapp 150.000 Nutzpflanzensorten aus aller Welt.
Weschke sieht neben ihrem wissenschaftlichen Verlust auch noch eine andere Folge der Feldzerstörung: die Förderung, die immer problematischer wird. „Ich weiß nicht, wie sich ein Geldgeber zu der Möglichkeit stellt, dass er sein Geld wieder in den Sand setzt“, sagt Weschke. Das Land Sachsen-Anhalt hatte den Versuch finanziell unterstützt - „und nun seine Mittel in den Sand gesetzt“. Sie glaubt nicht daran, bei einem Folgeantrag hohe Erfolgschancen für eine Förderung zu haben.
Schier weist darauf hin, dass gerade junge und spezialisierte Wissenschaftler ins Ausland gehen würden. Weschke erwägt das derzeit nicht. Doch Roland Schnee, Pressesprecher des IPK, bestätigt, dass es grundsätzlich die Überlegung gebe, Versuche im Ausland durchzuführen. Vor allem Südamerika komme für entsprechende Kooperationen in Frage.
Das gentechnikkritische Umweltinstitut München begrüßte die Entwicklung. Jetzt zeige der Widerstand aus weiten Teilen der Bevölkerung seine Wirkung. Vorstand Harald Nestler forderte auch eine gentechnikfreie Region in und um Gatersleben - dafür einsetzen solle sich das IPK.

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