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Tun, wofür es Geld gibt:
Forschung am Ag(g)roBioTechnikum

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Das Ende der Gentechnik an den Feldern


22. April 2013 in Teschendorf: Talkrunde zum Rückblick auf die Protestjahre in Mecklenburg-Vorpommern


Film "Aufstieg und Fall einer Patentlösung (Agrogentechnik in Mecklenburg-Vorpommmern)" (102min, Mai 2015, auf Youtube)
Werbeeinblendungen stammen von Youtube bzw. Google (leider nicht abschaltbar) ++ Infos und Links zum Download hier ++ DVD bestellen

2016: Kerstin Schmidts Doktortitel - wenigstens wäscht eine Hand die andere weiter

Die folgende Nachricht kam im Herbst herein. Die "Gutachter" sind überwiegend aus Schmidts Seilschaftenkern. Das klappt also noch.

Mittwoch, 02. November 2016 - ab 13:00 Uhr Promotionsverteidigung
von Frau Dipl.-Math. Kerstin Schmidt
Kategorie: Graduierungen (Promotionen/Habilitationen)
Thema der Arbeit: Statistical aspects and methods of the risk assessment and post-market environmental monitoring of genetically modified plants
Sehr geehrte Damen und Herren,
im Auftrag des Rates der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät lade ich Sie recht herzlich zur öffentlichen Verteidigung im Promotionsverfahren von Frau Dipl.-Math. Kerstin Schmidt zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Agrarwissenschaften ein.
gez. Prof. Dr. Ralf Uptmoor
Vorsitzender der Promotionskommission
Als Gutachter wurden eingesetzt:
*Prof. Dr. Inge Broer *
Universität Rostock, AUF, Agrobiotechnologie
*em. Prof. Dr. Berthold Schneider*
Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Biometrie
*Prof. Dr. Detlef Bartsch *
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Abt. 4 Gentechnik
*Thesen* <http://www.uni-rostock.de/fileadmin/AUF/Veranstaltungen/Thesen/Thesen_Kerstin_Schmidt.pdf>
Ort: Seminarraum JLW6-SR1, Justus-von-Liebig-Weg 6, 18059 Rostock

2014 und 2015: Nichts geht mehr

Kein Eintrag. Keine neuen Anträge auf Anbau oder Freisetzungen. Keine neuen Förderprogramme.

2013: Keine Felder mehr, doch hinter den Kulissen wird weiter an den Strippen gezogen ...

Jammern, jammern, jammern
Mal wieder widmet der Focus der deutschen Gentechnik ein paar Trauergesangsseiten (Nr. 31/2013, S. 92ff, online hier). Vor zwei Jahren durfte schon Kerstin Schmidt dort ihr Herz ausschütten („wir sind auf Null“). Jetzt ist Inge Broer dran. Sie wird als Heldin gefeiert, weil sie immer noch in Deutschland bleibt trotz der widrigen Verhältnisse. Die beschreibt Focus zunächst: „2013 wurde keine einzige gentechnisch veränderte Pflanze auf deutschen Feldern ausgesät. Von den 190 in Deutschland entwickelten transgenen Pflanzen wird nicht eine angebaut.“ Dann geht es ans Jammern: „Die Rostocker Biologieprofessorin Inge Broer ist seit Jahren ein bevorzugtes Hassobjekt der Gentechnikgegner. Sie blockierten Zufahrten zu den Versuchsfeldern, rissen nachts die Pflanzen aus und schrien auf dem Campus Biologiestudenten nieder, die sich mit Pflanzengentechnik befassen wollten.“ Ein interessanter Satz. Bisher liegt nur die Information vor, dass Angehörige des Broer-Instituts mal einen Vortrag „Monsanto auf Deutsch“ niedergeschrien haben, nachdem der Vortrag an der Uni ganz verboten wurde (2x sogar). Außerdem ist es das Broer-Umfeld, welches Bücher verbieten lassen will. ...
Mit GentechnikkritikerInnen hat Focus erkennbar nicht gesprochen – auch gibt es nirgends Hinweise, dass Texte über die Kritik an Broer geprüft wurden. Stattdessen die ideologietriefende Hetze über KritikerInnen: „Transgene Gewächse werden als Frankenstein-Pflanzen verteufelt.“ Dass bedauerlicherweise viele junge Leute heute kaufbar erscheinen und Jobs/Ausbildungen wählen, die Geld versprechen, während sie sich kaum noch Politik interessieren, kommt im Focus als Hoffnungsschimmer rüber: „„Die heutigen Jugendlichen", sagt Inge Broer, „sind viel neugieriger und unideologischer."“ Bleibt als Kommentar: Ziel und Hoffnung des Kapitalismus und anderer Herrschaftsverhältnisse ist immer, dass die Leute weniger (nach)denken und einfach nur mitschwimmen. Ganz abwegig ist Broers Hoffnung da nicht.

Ostsee-Zeitung vom 30.12.2012
Vorerst keine Gentechnik-Pflanzen auf Äckern in MV
In Mecklenburg-Vorpommern wird es auch im Jahr 2013 keine Freisetzungsversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen geben. „Das bisherige Förderprogramm des Bundes zur Biosicherheit, das die meisten Freisetzungen finanziert hatte, ist ausgelaufen. Das neue Programm zur Untersuchung von innovativen Pflanzen in Anbausystemen (IPAS) ist jetzt erst in der Antragsphase“, sagte die Molekularbiologin an der Universität Rostock, Inge Broer.
Freisetzungen im Rahmen dieser Fördermaßnahme könnten damit erst 2014 starten. Broer zeigte sich optimistisch, dass es dann wieder Freisetzungen geben wird. Die Bundesregierung habe klargemacht, dass sie in dem IPAS-Programm auch gentechnische Pflanzen untersuchen lassen möchten.
Die Gentechnikversuche auf Feldern bei Groß Lüsewitz östlich von Rostock waren in der Vergangenheit oft von Protesten von Gegnern dieser Technologie begleitet gewesen. Sogenannte Feldzerstörungen blieben meist ohne strafrechtliche Konsequenzen, was bei - auch bei der Gentechnik neutral gegenüberstehenden - Beobachtern für Verwunderung sorgte.

Am 17. Januar 2013 lud der Agrarausschuss des Landtages zu einer öffentlichen Anhörung. Es ging um die „Eiweißstrategie für nachhaltige Landwirtschaft“. Das Protokoll gibt einen Beitrag von Prof. Inge Broer wieder: „Die züchterische Bearbeitung der Körnerleguminosen sei darauf ausgerichtet, höhere Erträge sowie eine bessere Ertragsstabilität zu erreichen. Das erfordere Veränderungen bei den von ihr aufgeführten Zuchtzielen. Dabei sollten alle verfügbaren genetischen Ressourcen genutzt werden. Eingeschlossen seien dabei intraspezifische Hybride (z. B. Kreuzungen zwischen weißer und blauer Lupine) ebenso wie die Nutzung gentechnischer Methoden. Letztere stelle lediglich ein Verfahren dar, mit dem bestimmte Ergebnisse schneller und einfacher zu erreichen seien als durch konventionelle Züchtung (Hybridisierung, Mutationszüchtung). Alle Verfahren seien dort einzusetzen, wo sie nutzbringend angewandt werden könnten.“

Am 22.5.2013 beschloss der Landtag dann mit den Stimmen fast aller Parteien den Aufruf "Eiweißstrategie für nachhaltige Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern entwickeln" (Drucksache 6/1925 vom 22.05.2013) - Beschlussprotokoll siehe rechts. Die Gentechnik soll dabei draußen bleiben: "Der Landtag bekennt sich zu dem Ziel der Ausweitung des Anbaus von einheimischen Eiweißpflanzen sowohl im konventionellen als auch im ökologischen Landbau und unter Ausschluss der Nutzung von gentechnisch veränderten Organismen."

2016: Uni Rostock forscht weiter, Backhaus überraschtUnd der Ex-Gentechnikfan Till Backhaus hielt weiter durch. Als er Anfang 2016 zufällig mitbekam, dass die Uni Rostock im Gewächshaus weiter an Pflanzengenen rumfummeln, war er nicht amüsiert (rechts: Ostseezeitung, 4.1.2015, S. 6).

Aus "Gentechnik-Forschung im «FischGlasHaus» der Universität Rostock", in: SVZ, 3.1.2015 ++ Weiterer SVZ-Artikel
Im gerade vorgelegten Masterplan der Landesregierung zur Zukunft der Land- und Ernährungswirtschaft kommt Gentechnik weder in Wissenschaft noch Praxis vor. Sie spiele im Land keine Rolle, sagt Agrarminister Till Backhaus (SPD). Dass in einem Gewächshaus der Universität Rostock gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen, hatte ihn bei einem Besuch des neu eröffneten Projekts «FischGlasHaus» überrascht. «Darüber bin ich nicht glücklich», sagt der Minister. Er plädiere nach wie vor für ein deutschlandweites Nein zu grüner Gentechnik.

2012: Keine Felder in Mecklenburg-Vorpommern

Schlagzeilen:
Aus! Schluss! Vorbei! AgroBioTechnikum und Schaugarten Üplingen dicht!
Bericht vom kritischen Spaziergang am 13.5 ++ Focus-Interview mit Kerstin Schmidt

Rechts: Werbeschild am AgroBioTechnikum - Zustand im Januar 2012

Die Grünen stellten Fragen zu den Kosten der Bewachung der Genversuchsanlage. Als die Antwort (Landtagsdrucksache am 21.3.2012) kam, schaffte es die Meldung auf die Titelseite der Ostseezeitung. Die Polizei übte sich in Notlügen für ihre teuren Hilfsmaßnahmen für die Gentechnik-Seilschaften. Sie erfanden sie einen Feldbesetzungsversuch 2010 ... Außerdem verglichen sie die Kosten mit den Schäden durch Feldbefreiungen - die jedoch zusätzlich auftraten und eben nicht verhindert wurden ...

Links: Auszug aus der Ostseezeitung am 28.3.2012 (Titelseite)
Umstrittene Polizeieinsätze zum Schutz von Genkartoffeln bringen Innenminister Lorenz Caffier (CDU) in Erklärungsnot. 2010 und 2011 kreisten Hubschrauber der Landespolizei insgesamt 26 Stunden über den Anbaufeldern des AgroBiotechnikums Groß Lüsewitz (Landkreis Rostock). Hinzu kamen 31 Wacheinsätze und 40 Personenkontrollen mit über 200 Einsatzstunden. Gesamtkosten: mehr als 112 000 Euro. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Ursula Karlowski hervor, die der OZ vorliegt. Damit dürften die Gen-Knollen von Groß Lüsewitz die teuersten Kartoffeln der Welt sein.
Immer wieder hatten Umweltaktivisten Anbaufelder besetzt und verwüstet. Trotz der Sachschäden übte Grünen-Fraktionschef Jürgen Suhr Kritik am Polizeieinsatz. „Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis.“
Das Innenministerium in Schwerin begründete die Polizeieinsätze mit Sachschäden von 385 000 Euro. Caffier sagte, in Groß Lüsewitz sei „Gefahr im Verzug“ gewesen.
(Kommentar)

Am 14.4.2012 erschien dann erneut das AgroBioTechnikum auf der Titelseite der Ostseezeitung. Thema diesmal: "Filz und Mauschelei in der Gentechnik?" (siehe rechts - PDF öffnen durch Anklicken). Meldung dazu auf top agrar am 18.4.2012, Informationsdienst Gentechnik und Genfood - nein Danke!
Der Kommentar der Ostseezeitung (auf S. 2) fiel bissig aus: "Der Mechanismus war stets der gleiche: Märchenerzähler, Hasardeure und Lobbyisten fielen im letzten Jahrzehnt wie Heuschrecken über MV her – und die damals noch rot-rote Landesregierung fiel reihenweise auf sie herein. Sie versprachen Jobs, Technologie und Fortschritt. Sie hinterließen Förderruinen, verbrannte Millionen und Frust. Beschäftigung fanden seither allenfalls Anwälte und Richter. Das Land förderte, was die Kassen hergaben. Ein DVD-Werk? Klar doch, klingt nach Zukunft. Inzwischen ist in Nordwestmecklenburg eine halbe Region arbeitslos. Grüne Gentechnik? Her damit! Leider fragte niemandnach, wie viele Jobs tatsächlich entstanden,wergenmanipulierte Pflanzen mit biologischem Zeitzünder überhaupt will und warum das Land mit Steuergeld ausgerechnet Großkonzerne pampert. So wurde MV zum Fördersumpf der Nation. Höchste Zeit, diesen Morast auszutrocknen. Doch genau damit tut sich die Landesregierung schwer. Welcher Politiker hat schon die Größe, eigene Sünden zuzugeben? Die Zeche zahlen wir alle."
Das Bündnis gentechnikfreier Regionen forderte konsequent den sofortigen Stopp aller Versuchsfelder am AgroBioTechnikum (NDR, 18.4.2012).

Links: Am 25.4.2012 die nächste Veröffentlichung - diesmal im Wirtschaftsteil der Ostseezeitung (S. 5, als pdf).

Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Landtagsanfrage (Drucksache 6/358):

Und weiter: Am 5.5.2012 veröffentlichte die Ostseezeitung den nebenstehenden Text (rechts) wieder auf dem Titel sowie dazu einen Kommentar auf Seite 2 ++ Infodienst

Links: Interview mit Kerstin Schmidt am 14.5.2012 im Fokus (größer: Klick).

Am 14.5.2012 sollte an der Uni Rostock ein Vortrag zu den Gentechnik-Seilschaften stattfinden. Die Uni verbot den Vortrag.

 

 

Foto:
Wieder in der Schnickmannstraße 4: biovativ im Frühjahr 2012.

Presseinfo am 8.6.: MVP gentechnikfrei!

Links: Ostseezeitung am 30. August 2012 ... auch das offizielle Ende des Gentechnikzentrums rückt näher ...

Aus einem Interview mit Landwirtschaftsminister Till Backhaus in der Ostseezeitung, 11.9.2012
OZ: Das Agrobiotechnikum Groß Lüsewitz im Landkreis Rostock befasste sich bis 2011 mit Gentechnik-Versuchen. Sind die Messen endgültig gesungen?
Backhaus: Ja, die grüne Gentechnik hat in Deutschland keine Zukunft. Große Teile der Bevölkerung lehnen sie ab. Für mich war das ein Lernprozess. Wenn ein Konzern wie die BASF bei Versuchen mit genveränderten Kartoffeln im damaligen Müritzkreis so schwerwiegende Fehler macht, dann kann ich das vor den Menschen nicht mehr verteidigen.
OZ: Bisher hieß es, es soll Platz für alle sein – genveränderte und traditionell gezüchtete Pflanzen. Gilt das nicht mehr?
Backhaus: Ich glaube inzwischen nicht mehr, dass diese Koexistenz möglich ist. Praktisch nicht, rechtlich nicht. Bis heute konnte man sich nicht auf Haftungsregelungen einigen, nicht einmal auf verbindliche Abstandsregelungen für den Anbau.
OZ: Was bedeutet das für MV?
Backhaus: Für die Gentechnik gibt es in Mecklenburg-Vorpommern keinen Platz mehr. Das Land setzt auf Tourismus und Gesundheitswirtschaft, auf Natürlichkeit. Dazu kann und muss die Landwirtschaft einen Beitrag leisten. Das bietet übrigens Chancen, die bisher viel zu wenig genutzt werden.

SVZ am 19.12.2012
Möglicher Pfusch am Agrobiotechnikum kostet die Gemeinde 300 000 Euro
Mehr als eine halbe Million Euro hat die Gemeinde Sanitz dafür bezahlt, die beim Starkregen 2011 entstandenen erheblichen Feuchtigkeitsschäden am Groß Lüsewitzer Agrobiotechnikum (ABT) zu beseitigen. Doch während die Fachfirmen in dem Büro- und Laborgebäude beschäftigt waren, wurde sieben Jahre nach Errichtung des Millionen-Objektes der Verdacht auf Pfusch am Bau immer stärker. Bürgermeister Joachim Hünecke (FDP) beauftragte mehrere Rechtsanwälte damit, zu prüfen, ob und wenn ja welche Mängel während der Errichtung des Gebäudes die extremen Schäden mit verursacht haben könnten und ob Klagen auf Schadensersatzansprüche Erfolg haben könnten.
Norbert Wendt verneint das. Der Fachanwalt für Baurecht gab am Dienstag vor der Gemeindevertretung seine Stellungnahme ab und räumte einer möglichen Regressklage der Gemeinde wenig Siegchancen ein. "Hier sind die Messen gesungen, wie man so schön sagt", zerstörte Wendt die Hoffnungen im Saal. Zwar unterstützt das Innenministerium die Sanierung mit Sonderbedarfszuweisungen in Höhe von 250 000 Euro, doch auf den restlichen 300 000 Euro möchte die Gemeinde auch nicht sitzen bleiben.
Denn es gibt Gutachten, die besagen, dass die Schäden ursächlich durch Planungs- und Ausführungsmängel entstanden sind. So sei zum Beispiel das Baugrundgutachten von den Planern, aber auch von den Baufirmen nicht beachtet worden. Ein weiterer Fehler liege bei der Beauftragung der Leistungsphasen nach Vorgaben der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). Im 2002 zwischen Gemeinde und Planungsbüro geschlossenen Vertrag war vorgesehen, dass das Rostocker Büro für alle Phasen, also eins bis neun, zuständig ist. Allerdings - und das sei laut Wendt übliches Vorgehen bei Großprojekten - würden diese nicht auf einmal, sondern etappenweise übertragen. So könnten sich Bauherren die Möglichkeit vorbehalten, sich von den Büros zu trennen, wenn sie unzufrieden sind.
Im Fall des ABT erhielten die Planer zuerst den Auftrag für die Phasen eins bis vier, bis zur Genehmigungsplanung. "Zur Erbringung der anderen Phasen bedurfte es ab Phase fünf der schriftlichen Beauftragung durch den Bauherren", gab Wendt das Verfahren von damals wider. Das sei im April 2003 erfolgt, allerdings ohne die Phase neun. "Der für dieses Vorhaben zuständige leitende Mitarbeiter hat das selbst so erwogen. Hätte ich damals Kenntnis davon gehabt, hätte ich eingreifen können", so Hünecke. In der fehlenden Phase neun geht es nämlich um die Verlängerung bestimmter Gewährleistungsfristen, die der Gemeinde möglicherweise beim aufgetretenen Schaden genutzt hätten.
So aber begann Ende 2004, nach der Schlussrechnung und der Bezahlung, die fünfjährige Gewährleistungsfrist von Planern und Baufirmen. Wäre die Phase neun beauftragt worden, dann hätte der Architekt vor dem Ende der Verjährungsfrist für die bauausführenden Firmen nochmals eine Begehung des Objektes und eine Dokumentation möglicher Mängel machen müssen. Danach hätte sich seine Haftung um fünf Jahre verlängert - also bis 2014 gelten können. "Es gibt von Architekten viele Versuche, die Phase neun auszuklammern", sagt Wendt. "Denn sie haften doppelt. Einmal, wenn sie bei der Planung Fehler machen. Und dann, wenn die Planung richtig ist, aber die Firma es mangelhaft ausführt, weil sie den Bau dann schlecht überwacht haben." Da dies aber im Fall ABT nicht erfolgt sei, würden Anwälte des Planungsbüros im Falle einer Klage sicher auf die Verjährung pochen.
Nachdem weitere Kanzleien auch die Möglichkeiten auf Haftung und Vermögenseigenschadenversicherung geprüft haben und nichts davon Aussicht auf Erfolg versprach, hätten Haupt- und Finanzausschuss laut Hünecke empfohlen, das Verfahren abzuschließen. Doch die Gemeindevertretung stimmte dagegen. Auf Antrag von Holger Lopens (SPD) soll der Bürgermeister jetzt prüfen lassen, ob ein zivilrechtliches Verfahren gegen den Mitarbeiter, der die Phase neun nicht beauftragt hat, Aussicht auf Erfolg hätte.

Rückblick 2011


Juli 2011: Die gv-Felder am AgroBioTechnikum wurden zerstört - das Sicherheitssystem versagte ++ Bericht auf Indymedia, Stimmen dazu:


Der Blick auf die Versuchsanlage in Sagerheide am 30.4.2011: Acht Gewächshäuser (drei schon bespannt), links daneben das Weizenfeld (bis zu den Wasserkanistern, davor ein Wachschützer). Für den Weizenversuch waren sich die sogenannten WissenschaftlerInnen im Prof. Inge Broer von der Uni Rostock nicht zu blöd, in Guttenberg-Manier einen 10 Jahre alten Antrag der Uni Zürich zu kopieren - ein bemerkenswerter Hinweis darauf, was ohnehin schon länger der Verdacht ist: Die Versuche sind Betrug und Fälschung.
Unten: Das Kartoffelfeld im Süden der Anlage mit Gewächshäusern im Hintergrund.


Am AgroBioTechnikum: Werkzeugsammlung hinter dem Haus - und eine seltsame Dachziegelausstellung auf dem Hinterhof.


Die benachbarte Außenstelle vom Julius-Kühn-Institut (mit Kartoffel-Saatgutbank in der Nähe) wird renoviert.


Oben: Protestplakat am Ortseingang von Sagerheide mit der Versuchsanlage im Hintergrund.
Unten: Lage am 4.6.2011 (links Wachhäuschen, Mitte Weizenfeld unter Vogelnetz, vorne Rübenfeld)

Ab Pfingsten 2011 war dann auch das Schild wieder neu bedruckt:

Hintergrundtexte

Das Kapitel zum AgroBioTechnikum im Buch "Monsanto auf Deutsch" als PDF-Download!

Deutschlands größter Gentechnik-Spielplatz in Groß Lüsewitz

Wer von Rostock Richtung Osten fährt, kommt auf der B110 durch den Amtsbezirk Carbäk. Das ist eine Ansammlung kleiner Dörfer, benannt nach einen ebenfalls nicht übermäßig großen Bach. Den relativen Hauptort zerschneidet die Bundesstraße in der Mitte. Danach taucht die Strecke in ein Stück Wald, bis sich links und rechts Ackerflächen öffnen. Je nach Fruchtfolgezyklus können Kartoffeln dominieren, denn der nächste Ort, der nun - leicht südlich der Straße gelegen - folgen wird, ist Groß Lüsewitz. Hier hat seit langem die Kartoffelzucht ihren Schwerpunkt, schon zu DDR-Zeiten. Und jetzt immer noch. Im Ort befindet sich die deutsche Saatgutbank für Kartoffeln, der Saatgutkonzern Norika bepflanzt hier umfangreiche Flächen.

Am 23. April 1999 wurde der Verein FINAB aus der Taufe gehoben.

Zur Geschichte auf www.finab.de (Eingangsseite):
Der gemeinnützige Verein FINAB e.V. wurde 1999 mit dem Ziel der Förderung der Agrobiotechnologie in MV gegründet. Wichtiger Meilenstein hierfür war die Errichtung eines Kompetenz- und Gründerzentrums für Agrobiotechnologie. Das AgroBioTechnikum Groß Lüsewitz konnte im November 2004 eröffnet werden. Zeitnah gründete FINAB Ende 2003 seine 100%ige Tochterfirma biovativ GmbH, die am 01.07.2004 ihre Geschäftstätigkeit aufnahm. FINAB und biovativ nutzen seit Beginn 2005 das AgroBioTechnikum für ihre Forschungs- bzw. Dienstleistungstätigkeiten.

Aus der Ostseezeitung am 6.2.2002
Minister sah man in letzter Zeit durchaus mehrfach in der Gemeinde. Backhaus hatte aber einen vollen Koffer bei sich, als er gestern im Rathaus auftauchte. Zumindest symbolisch, denn der Mann aus Schwerin überbrachte persönlich einen Bewilligungsbescheid zur Förderung des für Groß Lüsewitz geplanten "Kompetenz- und Gründerzentrum für biologische Ressourcen". Dieser Bescheid wird eine wesentliche Teilfinanzierung in Höhe von 3,778 Millionen Euro ermöglichen. ...
Das Kompetenz- und Gründerzentrum wird maßgeblich durch die Gemeinde vorangetrieben, wobei sich Bürgermeister Hünecke inzwischen einer ganzen Reihe von Verbündeten sicher sein kann. Einer der wichtigsten ist der Förderverein FINAB mit seiner Vorsitzenden Dr. Inge Broer. Die Gemeinde wird auch nach Fertigstellung Eigentümer des Zentrums bleiben. Betreiber könnte die Bio Con Valley GmbH werden. Denkbar ist aber auch die Gründung einer eigenen Fördergesellschaft. Für das Lüsewitzer Kompetenzzentrum, so machte es Minister Backhaus deutlich, gebe es inzwischen eine deutschlandweite Lobby. Es gelte "als eines der innovativsten Vorhaben". Das war allerdings nicht von Anfang an so. Backhaus erinnerte daran, dass auch im Landtag anfangs zum Teil absurde Vorstellungen von den fachlichen Aufgaben eines solchen Zentrums herrschten. Und so lobte Hünecke schließlich: "Wer annähernd weiß, wie Meinungsbildung stattfindet, kann sich vorstellen, welch persönlicher Einsatz dahinter steckt."
Das Lüsewitzer Projekt wird in einem Technologiezentrum das Wissen um biologische Entwicklungen und neue landwirtschaftliche Produkte konzentrieren, Unternehmen, die auf diesem Gebiet tätig sind, zusammenführen und die Zusammenarbeit koordinieren. Außerdem wird es jungen Unternehmen Möglichkeiten geben, sich anzusiedeln.

Aus der Ostseezeitung am 18.2.2002
Zuwendungsbescheid über die ersten 5,34 Millionen Euro

biovativ-Gründung
"Dr. Inge Broer vom Verein FINAB, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, das Zentrum künftig mit Leben zu erfüllen, stellte gestern auch den Namen des neuen KGZ vor; "biovativ" soll es heißen. Die Vision der Macher ist es, in Groß Lüsewitz künftig wissenschaftliche Erkenntnisse und auch vorhandene Patente in die Praxis, beispielsweise in die Ernährungs wirtschaft einzuführen." (Ostseezeitung am 18.2.2002)

Rechts: Auszug aus der Gründungs-Mitgliederliste (so auch 2001 noch im Netz)

12. März 2002
Erster Spatenstich für das Kompetenz- und Gründerzentrum für biogene Ressourcen durch Landwirtschaftsminister MV, Dr. Till Backhaus

2004/2005: "Erprobungsanbau" von Genmais unter Federführung von InnoPlanta. Uni Rostock und FINAB koordinierten den Erprobungsanbau mit gv-Mais in Mecklenburg-Vorpommern (5 Felder)

22. November 2004
Eröffnung des Kompetenz- und Gründerzentrum für biogene Ressourcen in Groß Lüsewitz
Umbenennung in AgroBioTechnikum Groß Lüsewitz

Aus dem Artikel "Leere Labore "im Spiegel am 6.10.2008 mit vielen weiteren Hintergrundinformationen
2004 ging es dann auch in Mecklenburg-Vorpommern los - der Lobbyverein "zur Förderung innovativer und nachhaltiger Agrobiotechnologie" (Finab), dem Broer vorsitzt, hatte immer wieder angetrieben. Für zehn Millionen Euro wurde in Groß Lüsewitz östlich von Rostock ein Agrobiotechnikum gebaut - mit einem Schülerlabor für Gentechnik. 260 Hektar Fläche gehören zum Groß Lüsewitzer Anwesen.

29. August 2005
Übergabe des Fördermittelbescheides für den Innovativen Regionalen Wachstumskern "BioOK", durch den parlamentarischen Staatssekretär des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Herrn Ulrich Kasparick im AgroBioTechnikum in Groß Lüsewitz

2006 behauptete FINAB noch, auch zu Öko-Landbau forschen zu wollen ...
Aus "Ex-Kritikerin baut Gen-Kartoffeln an", in: Focus, 2.8 2006
Dem Verein gehe es nicht nur um die Erforschung von gentechnisch veränderten Pflanzen, „wir forschen auch für den biologischen Landbau – aber dafür gibt es leider kein Geld.“

Blöde Sprüche aneinandergereiht: Fachlich qualifiziert?

Die dümmsten Sprüche stammen regelmäßig von Mehrfach-Geschäftsführerin Kerstin Schmidt, der offenbar jegliches Fachwissen fehlt. Aber auch die sogenannten WissenschaftlerInnen der Uni Rostock beeindrucken durch bemerkenswert hohle Phrasen.

Über Dr. Heike Mikschofsky, Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät der Uni Rostock und stellvertretende Vorsitzende im Verein FINAB e.V. (Stand: 26.10.2011)
Aus "Kaum noch wegzudenken", in: Norddeutsche Neueste Nachrichten am 29.6.2009
Der Großteil der Bürger verfüge ganz klar über zu wenig Kenntnisse auf diesem Gebeit. "Viele wissen gar nicht, was Gentechnik ist", sagt Mikschofsky. "Es steckt zum Beispiel ganz viel DNA in einer Banane." ... Die Gentechnik spiele heute eine zentrale Rolle. "Bei unserem Lebensstandard ist die nicht mehr wegzudenken", sagt Mikschofsky. ... "Die Gentechnik ist doch nur ein Verfahren - das allein kann nicht gefährlich sein." Die Produkte, die dadurch entstehen, muss man bewerten. Sie vergleicht es mit dem Buchdruck. "Die Methode selbst ist nicht gefährlich, aber man kann schädliche Bücher machen." ... Durch die Züchtung mittels Gentechnik greife man nicht anders in die Natur ein, als der Mensch es sowieso macht. ... Wer sich generell gegen diese Technologie in der Landwirtschaft entscheide, versperre sich gegen Fortschritt im Allgemeinen."

Steuergelder für sogenannte Forschung: Da ist Geld drin ...

Der Text aus der Broschüre "Organisierte Unverantwortlichkeit" (Infoseite ++ PDF) ... rechts die Klingelschilder am Eingang des AgroBioTechnikums:
Ein zweites High-Tech-Zentrum für die Agro-Gentechnik entstand 2004/2005 rund 20 km östlich von Rostock. Dort liegt das Dorf Groß Lüsewitz. Wie in Gatersleben hat auch hier die Pflanzenzüchtung eine lange Tradition. Vor allem Kartoffeln gelten als Spezialität dieser Region - und so finden sich in Groß Lüsewitz nicht nur kommerzielle Saatgutfirmen für Kartoffeln wie Norika, sondern auch eine Außenstelle des Bundesamtes für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen und Saatgutbanken für Kartoffeln (heute: JKI). Die DDR organisierte hier ihre staatliche Kartoffelzüchtung. Die Aufregung um die schon vor der Fertigstellung des AgroBioTechnikums einsetzenden Genversuche war geringer als in Gatersleben, obwohl es eine auffällige Parallele darstellte, dass wiederum genau dort,
wo eine Saatgutbank bestand, mit gentechnisch veränderten Pflanzen experimentiert wurde - in unmittelbarer Nachbarschaft. Gatersleben, Groß Lüsewitz und zwei weitere Wiederholungen dieser Logik in Malchow (nahe Müritz in Mecklenburg-Vorpommern) und Pillnitz am Ostrand Dresdens55 ließen zusammen den Verdacht aufkommen, dass die Auskreuzung gentechnisch veränderter Pflanzen auf bislang sortenreines Saatgut einkalkuliert oder sogar gewollt war und ist. Über diese Ähnlichkeit hinaus ist aber vieles anders am AgroBioTechnikum, wie das Gründerzentrum für grüne Gentechnik benannt wurde. Das Geschehen in Gewächshäusern und auf Äckern hat weniger mit der behaupteten Forschung zu tun als vielmehr mit anderen Zielen: Propaganda für die Gentechnik und das Ausnutzen umfangreicher Forschungs- und Fördermittel zum Aufbau eines undurchschaubaren Geflechts von Firmen und DienstleisterInnen. Viele gleichen sich an einem Punkt: Die Geschäftsführerin heißt Kerstin Schmidt. Sie amtierte zudem als Schatzmeisterin des im Hintergrund die Fäden ziehenden FINAB e.V. Hilfreich war, dass der bei der Genehmigung der Versuche mitwirkende Joachim Schiemann Gründungsmitglied im Geflecht von Groß Lüsewitz war, dessen JKI seit 2005 selbst an Versuchen mitwirkte56 und Teil des in Lüsewitz wichtigsten Firmenverbundes BioOK wurde, während Schiemann in der EFSA saß.
Dass alles dem Firnenaufbau und der Propaganda diente, räumen die MacherInnen des AgroBioTechnikums sogar freimütig ein. Auf der Internetseite des koordinierenden Vereins FINAB57 (Vorsitz: Prof. Inge Broer; Schatzmeisterin bis 2008: Kerstin Schmidt) heißt es über einen beantragten Rapsversuch in den Anfangsjahren 2004 bis 2006: „Diese Freisetzung dient einerseits der Etablierung von notwendigem Know-how für die Beantragung und Durchführung von Freisetzungen am Standort Groß Lüsewitz, andererseits als politisches Signal und Präsentation des Dienstleistungsangebotes im AgroBioTechnikum. Gemeinsam mit der Universität Rostock wird an der Etablierung von Analyseverfahren zur Identifizierung und Quantifizierung von gentechnisch veränderten Pflanzen gearbeitet. Diese Verfahren sollen als Standarddienstleistungen im Zentrum angeboten werden.“ Im Klartext: Ein wissenschaftliches Ziel besteht gar nicht. Doch trotz der offen eingeräumten Ausrichtung auf reine Werbezwecke erreichte der Versuch eine Förderung durch das Wirtschaftsministerium von Mecklenburg-Vorpommern in Höhe von 80% des Gesamtvolumens von 628.198 €. Die staatlich subventionierte Firmengründung incl. Gehirnwäsche wollte mit hohem Risiko gleich in die Vollen gehen, denn Raps ist die auskreuzungs- und durchwuchsintensivste Art aller bisher verwendeten transgenen Pflanzen.
Lorch/Then vermuten zudem intransparente Geldflüsse:58 „Die Firma biovativ wiederum wurde 2003 als 100%ige Tochter des Vereins FINAB gegründet mit der Aufgabe, das Gewächshaus und die Äcker des von FINAB initiierten AgroBioTechnikum zu betreuen. Wie bereits festgestellt, ist Kerstin Schmidt die Geschäftsführerin von biovativ. Laut Handelsregister hat die biovativ GmbH nur einen Mitarbeiter. Da Schmidt gleichzeitig auch Geschäftsführerin von BioMath und BioOK und im Vorstand von FINAB e.V. ist - und all diese Betriebe und der Verein unter der gleichen Adresse und teilweise unter der gleichen Telefonnummer zu erreichen sind - drängt sich der Verdacht auf, dass es sich hier gar nicht um separate Einheiten handelt, sondern das Konglomerat von Firmen eher dazu dient, die kommerziellen Interessen im Umfeld des Vereins FINAB möglichst undurchsichtig zu gestalten.“
Wenig seriös wirkt die fachliche Qualifikation der Hauptperson: Kerstin Schmidt ist als Mathematikerin Drahtzieherin des Aufbaus von Infrastruktur und der Durchführung der Versuche an den zwei wichtigsten Freisetzungsstandorten deutscher Gentechnik - dem AgroBioTechnikum und der BioTechFarm in Üplingen (siehe S. 15).59 Für letztere buchte sie am 28.3.2007 die Internetadresse und kooperiert seit April 2008 als Geschäftsführerin mit der einflussreichen Sachsen-Anhalt-Gentechlobby um den FDP-Politiker und InnoPlanta-Chef Uwe Schrader.
Nicht wirtschaftlicher Erfolg, sondern Förderungen aus staatlicher Hand ermöglichten den Aufbau des AgroBioTechnikums. Auswahl aus Landes- und Bundesprogrammen (gesamt: 9,1 Mio. Euro60):

Im und um das AgroBioTechnikum entstanden etliche Firmen, viele davon mit gleichem Personal. Biovativ bietet gentechnische Arbeiten als Dienstleistung für andere an, der Verein FINAB diente lange als Antragsteller und politisches Sprachrohr. Der Zusammenschluss der wichtigsten Firmen und Institute heißt BioOK - wieder mit Kerstin Schmidt als Geschäftsführerin. Von 2005 bis 2008 wurde der BioOK-Verbund durch das BMBF mit 4,383 Mio. € gefördert, um „neue, effektivere und kostengünstigere Analyse- und Bewertungsverfahren“ zu entwickeln.

Neben diesen Steuergeldern fließen Mittel der Gentechnikkonzerne nach Groß Lüsewitz. Die BASF engagierte sich auch direkt und schützte 2009 die Versuchsfelder durch eine beauftragte Wachfirma. Deren Bedienstete verwiesen bei Nachfrage auf die Firma BASF als Auftraggeber und verteilten deren Propaganda.


  Abb.: Bundestagsdrucksache 16/6208, S. 3: Gesamtsumme und biovativ als Koordinator!

Geld ist das Hauptmotiv für die Aktivitäten am AgroBioTechnikum: „Im Moment ist es hauptsächlich Forschung in der Gentechnik, weil es dafür Geld gibt“, räumte Inge Broer 2006 freimütig ein. Minister Backhaus nannte weitere Gründe: „Gute Ergebnisse in diesem Bereich sind für die Landesregierung und für mich als Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz die besten Argumente sowohl gegenüber dem Bund als auch innerhalb des Landes, mich für den Erhalt der Agrarwissenschaften in der Universität Rostock aber auch ganz aktuell für den Erhalt zumindest eines Teils der Bundesforschungsanstalt hier in Groß Lüsewitz einzusetzen.“60
Broer, Schmidt und Umfeld, ebenso aber auch Minister Backhaus träumen seit 2007 von einer großen europäischen Agentur für Biotechnologie, die der Region um Rostock den Glanz eines bedeutenden Forschungsstandortes verleihen soll: „Der Wachstumskern ,BioOK' soll sich in der Küstenregion Rostock-Schwerin - insbesondere um das AgroBioTechnikum Groß Lüsewitz - als ein europäisches Kompetenzzentrum für die Analyse, Bewertung und Überwachung von agrobiotechnologischen Produkten und Verfahren etablieren“.68 Das Wohl der Menschen vor Ort spielt in den abenteuerlichen und teuren Phantasien des Standortpokers keine Rolle. 2009 erwärmte sich auch Bundesforschungsministerin Annette Schavan für den Größenwahn an Uni Rostock und AgroBioTechnikum: „In Groß Lüsewitz bei Rostock arbeitet eine Arbeitsgemeinschaft von Wissenschaftlern und regionalen Unternehmen in dem Projektverbund BioOK an der Standardisierung von Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Pflanzen und könnte dabei auf dem Gebiet der Sicherheitsforschung zum Weltmarktführer avancieren. ... Die beiden Alpha-Frauen Schawan und Broer tragen somit entscheidend dazu bei, dem strukturschwachen Agrarland Mecklenburg-Vorpommern eine neue Perspektive als Forschungsstandort zu verschaffen.“69 BioOK wurde in den ersten Jahren vom BMBF zu 75% gefördert, die Folgefinanzierung betrug 50% der Kosten.
Die großen Summen an Fördergeldern für die Firmengeflechte nützten dem AgroBioTechnikum selbst wenig. 2008 geriet es in eine wirtschaftliche Schieflage. Ein Großteil der Labore und Büroflächen stand leer.30 Der Träger BioCon Valley70 zog sich aus Groß Lüsewitz zurück. Daraufhin übernahm die vom Land Mecklenburg-Vorpommern getragene Landgesellschaft M-V die Trägerschaft - erneut sprang der Staat der nach Geldquellen gierenden, aber bei den meisten Menschen unerwünschten grünen Gentechnik zur Seite. Profitiert haben die Gentechnik und das Geflecht der Firmen, während für die Region keinerlei positive Impulse in Form dauerhafter Investitionen oder Arbeitsplätze heraussprangen. Gleichzeitig stieg der Druck von AktivistInnen, Umweltgruppen, AnwohnerInnen und den politischen Gremien aus der Nachbargemeinde Thulendorf, auf deren Gebiet einige der Versuchsfelder liegen. Der dortige Gemeinderat sprach sich schließlich einstimmig gegen die Versuchsfelder und für die Kündigung eines Pachtvertrages aus. AnwohnerInnen beteiligten sich 2009 an Protesten gegen die Freisetzungen, die bis an die Gärten des Ortes Sagerheide heranreichten. Weiterhin setzten sich der mecklenburg-vorpommersche SPD-Landwirtschaftsminister Backhaus und seit 2009 neu auch die Bundesforschungsministerin Annette Schavan dafür ein, die gentechnische Forschung am AgroBioTechnikum weiter auszubauen.71
Die wirtschaftlichen und politischen Probleme der Gentechnik-Seilschaften sind trotz Steuergeldern, 74.144,46 € landwirtschaftlicher Flächenpremie71 und Polizeitruppen groß. Die Gelder versickern in den dubiosen Firmengeflechten, während sich die Standorte kaum lange halten können. Broer und Schmidt baden ihre Hände aber in Unschuld: „Den Vorwurf einer Interessenkollision weisen beide von sich. Bei der EFSA hätten sie nur beratende Funktion. Sicher profitiere sie von Förderung, so Kerstin Schmidt. ,Aber daraus habe ich in den letzten drei Jahren mehr als 20 Arbeitsplätze geschaffen.' Inge Broer sagt, die entstandenen Netzwerke seien notwendig, aber ,kein Filz'. Vom Forschungsministerium gebe es nur Geld, wenn die Industrie beteiligt sei.“30 Auch der Filz im Kleinen hilft: Die Gemeinde Thulendorf wird bei ihren ablehnenden Beschlüssen vom Amt Carbäk ausgebremst. Deren Chef, Dr. Ernst Schmidt, befürwortet als SPD-Fraktionschef im Kreistag die Gentechnik. Nachdem das IPK in Gatersleben als Freisetzungsfläche verlorenging und der politische Druck auch am AgroBioTechnikum zunahm, wurde einerseits der Firmenverbund BioOK zum neuen Stern am Himmel deutscher Gentechnik. Außerdem fanden die Seiltschaften 2008 einen neuen Ort für ihre riskanten Freisetzungen. Das Stiftsgut Üplingen in der Magdeburger Börde beherbergte bereits 2009 mit 9 Versuchen die größte Zahl solcher Freisetzungen ...

Mit Geld umgehen: Kerstin Schmidt

Der Text aus der Broschüre "Organisierte Unverantwortlichkeit" (Infoseite ++ PDF):
Sie ist ausgebildete Mathematikerin und kümmert sich vorrangig um das Geschäftliche - das aber gleich in vielen Firmen gleichzeitig. Kerstin Schmidt ist Geschäftsführerin der Gentechnikfirmen biovativ, BioMath, des Gentechnik-Schaugartens BiotechFarm und des Firmenverbundes BioOK. Durch ihre Hände gehen Hunderttausende an Forschungsgeldern für die Gentechnik, die sie zwischen eigenen Firmen hin und herschieben kann. Dass Gentechnik für sie vor allem eine Geldfrage ist, zeigte auch ihr Posten im Lobbyverein FINAB: Sie war dort Schatzmeisterin.
Die öffentlichen Gelder kassierten ihre Firmen und Vereine für den Aufbau der Infrastruktur in Groß Lüsewitz und Üplingen sowie für die Durchführung gentechnischer Experimente. Gleichzeitig war Schmidt Mitglied in der BBA-Arbeitsgruppe ,Anbaubegleitendes Monitoring' und als Ad-hoc-Expertin für die EFSA in der PMEM-Workinggroup eingeladen, in der an Fragebögen zum Monitoring gearbeitet wurde. 2005 bis 2008 wirkte sie als Projektpartnerin und Kontaktperson für das BMBF-Projekt „Anbaubegleitendes Monitoring“ (Teilprojekt 3).3 Mit anderen Worten: Sie ist bereits in einer Person Gentechnik-Durchführende und Kontrolleurin in einem. Zudem führen ihre Firmen Kontrolltätigkeiten bei Versuchen anderer durch - auch solcher externer Versuche, bei denen die personellen Verquickungen eine unabhängige Prüfung unmöglich machen. Ort all dieser Aktivitäten war bisher das AgroBioTechnikum in Groß Lüsewitz. 2007 streckte sie ihre Fühler auch Sachen-Anhalt aus - zur BioTechFarm in Üplingen, deren Geschäftsführung sie seit April 2008 innehat.
Das Personengeflecht am AgroBioTechnikum wird noch dichter mit Blick auf Schmidts Freundin Inge Broer. Die leitet als Professorin an der Uni Rostock den Lehrbetrieb zur Agrobiotechnologie und ist der inhaltliche und politische Kopf der Gentechnik-Seilschaften in Mecklenburg-Vorpommern, während Kerstin Schmidt das Organisatorische und Finanzielle regelt. Auf Broers Initiative hin entstand der Verein FINAB1, der unter dem Deckmantel innovativer und nachhaltiger Landwirtschaft den Ausbau der Gentechnik vorantreibt. In Groß Lüsewitz entstand das AgroBioTechnikum als Gründerzentrum speziell für Firmen der grünen Gentechnik. Millionen Fördermittel flossen in das Projekt - aber vor allem zu den Firmen der GründerInnen selbst. Dennoch werden die Versuche meist von den Universitäten angemeldet, das spart hohe Gebühren. Als Organisatorin vor Ort aber agiert immer nur Kerstin Schmidt. Kunden waren Monsanto Agrar, Aventis CropScience, Pioneer Hi-Bred, Syngenta Seeds, KWS und die BBA (jetzt JKI).2 FINAB gründete Tochterfirmen, an die viele der Gelder weitergeleitet werden oder die selbst Mittel erhalten. Die Konstellation ist immer die Gleiche: Inge Broer auf dem formalen Führungsposten, Kerstin Schmidt in der Geschäfts- oder Kassenführung. Der Weg zum Geld war und ist kurz: Broer sitzt in vielen der Gremien, die Förderungen vergeben oder die Geldgeber beraten. Ebenso spielt sie in Genehmigungs- und Kontrollbehörden mit, d.h. sie ist Betreiberin, Geldgeberin und Kontrollstelle in einer Person. Und geschäftstüchtig ist auch Inge Broer: Sie wird als (Mit-) Erfinderin von neun Patenten auf Gene angeführt, von denen vier durch Bayer CropScience gehalten werden, drei durch die (Ex-)Hoechst AG, eins durch die Norddeutsche Pflanzenzucht und eins durch die Erfinderin selbst. Die Finanzierung eines Projektes von Joachim Schiemann (damals BBA), bei dem markerfreie gv-Pflanzen entwickelt wurden, stoppte das Landwirtschaftsministerium 2004, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Inge Broer schlug schnell zu und führte das Projekt in ihrer Regie weiter - im Rahmen von FINAB und dem AgroBioTechnikum. Joachim Schiemann war als Gründungsmitglied dabei.3

Nachdem Kerstin Schmidt unternehmerische Versuche, mit Gentechnik Geld zu machen, am Widerstand endgültig scheiterte, wurde sie trotz fehlender Fachahnung mit einem Posten in den Aufsichtsbehörden belohnt. Sie sitzt jetzt seit 2015 im Gentechnikbeirat des BfR und hat natürlich keine Interessenkonflikte. Ihre Freundin Inge Broer ist schon seit einiger Zeit dort tätig - und zwar als Vorsitzende. Eine Hand wäscht die andere ... (Protokoll der 8. Sitzung der BfR-Kommission für genetisch veränderte Lebens- und Futtermittel am 21.1.2015)

Money, Money, Money!

Inge Broer, Uni Rostock/AgroBiotechnikum (2006 in der WDR-Sendung "Immer Ärger mit Linda")
Im Moment ist es hauptsächlich Forschung in der Gentechnik, weil es dafür Geld gibt.

Geld abgreifen ... Staatliche Förderung lässt Firmenneugründungen sprießen
Aus der Studie "Zukunftsfelder in Ostdeutschland" der Uni Rostock im Januar 2008:
Die Biotechnologie hat sich innerhalb weniger Jahre in Deutschland zu einer Boom-Branche entwickelt, was sich an der wachsenden Zahl innovativer Firmengründungen ablesen lässt. In keinem anderen europäischen Land gibt es derzeit vergleichbar viele Standorte, an denen sich Biotechnologie-Unternehmen angesiedelt haben, wie in Deutschland. Die Gründe liegen ähnlich wie in anderen europäischen Regionen u.a. in der staatlichen Förderung, mit der finanzielle Schwierigkeiten in der Anfangsphase der Unternehmen abgefangen werden können. Positiv hat sich ferner ausgewirkt, dass die Lücke zwischen wissenschaftlicher Forschung und wirtschaftlicher Anwendung spürbar verkleinert werden konnte. (vgl. BMWi 2007)

Ziel 1 der Gentechnikversuche am AgroBioTechnikum: Geld!
Inge Broer, Uni Rostock/AgroBiotechnikum (2006 in der WDR-Sendung "Immer Ärger mit Linda")
Im Moment ist es hauptsächlich Forschung in der Gentechnik, weil es dafür Geld gibt.
Aus einem Interview mit Inge Broer, in: Volksstimme am 4.8.2009
Der Verein FINAB will sich mit der Sicherheit aller neuartigen Lösungen in der Landwirtschaft befassen. Bis jetzt erhalten wir aber leider nur Mittel für Versuche an gentechnisch veränderten Pfanzen.

Ziel 2 der Versuche: Selbsterhalt
Aus einem Grußwort des Landes-Landwirtschaftsministers Till Backhaus bei einer Gentechniktagung im Mai 2009:
Gute Ergebnisse in diesem Bereich sind für die Landesregierung und für mich als Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz die besten Argumente sowohl gegenüber dem Bund als auch innerhalb des Landes, mich für den Erhalt der Agrarwissenschaften in der Universität Rostock aber auch ganz aktuell für den Erhalt zumindest eines Teils der Bundesforschungsanstalt hier in Groß Lüsewitz einzusetzen.

Am Anfang war das deutlich erkennbar: Es ging um Firmenaufbau - als Zweck des Ganzen!
Vom Verein FINAB (gemeinnütziger Tarnverein der Gentechnikaktivitäten am AgroBioTechnikum, wo jetzt auch das Gengerstenfeld betreut wird) auf der eigenen Internetseite zu den ersten Freisetzungen selbst formuliertes Ziel eines Firmenaufbaus:
Diese Freisetzung dient einerseits der Etablierung von notwendigem Know-how für die Beantragung und Durchführung von Freisetzungen am Standort Groß Lüsewitz, andererseits als politisches Signal und Präsentation des Dienstleistungsangebotes im AgroBioTechnikum. Gemeinsam mit der Universität Rostock wird an der Etablierung von Analyseverfahren zur Identifizierung und Quantifizierung von gentechnisch veränderten Pflanzen gearbeitet. Diese Verfahren sollen als Standarddienstleistungen im Zentrum angeboten werden.

Und für so etwas gibt es auch noch allgemeine Agrarförderungen ...


Aus dem Register der Agrarsubventionen für 2008

Mit dabei: Gemeinde Sanitz und ihr Bürgermeister

Joachim Hünnecke, Bürgermeister und FDPler, ist ein Mann der ersten Stunde. Die Gemeinde hat Grundstück und Haus zur Verfügung gestellt. Als 2011 das Haus durch einen Wasserschaden beschädigt wurde, kümmerte sich die Gemeinde schnell um ihre Gentechnikfirmen: "Fertig gestellt ist auch, nach den dramatischen Nässeschäden des Vorjahres, die Sanierung des Büro- und Laborgebäudes/ABT in Groß Lüsewitz mit einem Wertumfang von ca. 625.000 EUR." (Sanitzer Mitteilungen, 15.5.2012)

Hilfe und Geld vom Land ...

Das AgroBioTechnikum ist ein Kind der rot-roten Landesregierung!
Mecklenburg-Vorpommern will eigentlich ein Vorzeigeland für ökologischen Landbau sein. Tatsächlich aber existieren gerade hier im Bereich der Agro-Gentechnik enge Verflechtungen zwischen öffentlich finanzierter Forschung, Lobbygruppen und kommerziellen Unternehmen.

Aus "Die Cholera-Kartoffel", in: Focus, 30.3.2009
Mecklenburg-Vorpommern steht der Wissenschaft ohnehin aufgeschlossen gegenüber: Es gibt hier bundesweit die größte Fläche an Freisetzungen. Die öffentliche Hand finanzierte für knapp neun Millionen Euro das Genzentrum Agrobiotechnikum Groß Lüsewitz nahe Rostock und genehmigte weitere neun Millionen Euro Fördergelder. Davon profitierte die agile Wissenschaftlerin irgendwie immer: ob als Uni-Professorin oder über ein verschachteltes Geflecht von Firmen, mit denen die 54-Jährige verbunden ist. Naturschützer sprechen von „Filz“. Inge Broer nennt es „die Rettung der unabhängigen Forschung“.

Seit 2009 ist, um eine Pleite zu verhindern, die Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern Träger des AgroBioTechnikums. Die SteuerzahlerInnen treten also mal wieder als Garant der Arbeitsfähigkeit von Firmeninteressen auf nach dem Motto: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren. Aufsichtsratsvorsitzender der Landgesellschaft ist Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD), der große Unterstützer des AgroBioTechnikums von Beginn an.

Im Original: Aus der Landgesellschafts-Internetseite ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der Unterseite zum AgroBioTechnikum:
Das AgroBio Technikum Groß Lüsewitz wurde mit Unterstützung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, der Europäischen Union und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung errichtet und dient seit dem Jahr 2005 als Kompetenz- und Gründerzentrum der Ansiedlung innovativer Unternehmen mit dem Schwerpunkt im Bereich der Grünen Biotechnologie.
Anschrift:
AgroBio Technikum
Groß Lüsewitz
Thünenplatz 1
D-18190 Groß Lüsewitz


Eigentümer:
Gemeinde Sanitz
Internet: www.sanitz.de


Betreiber: seit dem 01.01.2009
Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern mbH ...

Das AgroBio Technikum umfasst:
ein Büro- und Laborgebäude
ein Technikum
eine Mehrzweckhalle
ein Forschungsgewächshaus
Dem AgroBio Technikum stehen zudem 260 ha Ackerland für Freilandversuche, die in Rotation genutzt werden, zur Verfügung.


Im AgroBio Technikum arbeiten und forschen zur Zeit folgende Unternehmen:
biovativ GmbH (www.biovativ.de)
BioMath GmbH (www.biomath.de)
BTL Bio-Test Labor GmbH (www.biotestlab.de)
Micor GmbH (www.micorgruppe.de)
Forschungsverbund Mecklenburg-Vorpommern e.V. (www.fmvev.net)
Leibniz-Institut für Katalyse e.V. (www.catalysis.de)


Die Betreibung des AgroBio Technikums wird wissenschaftlich vom FINAB e.V. (www.finab.de) begleitet.

Aus der Unterseite zum Aufsichtsrat
Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Till Backhaus
Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern

Gesellschafter Ges. Anteil
Land Mecklenburg-Vorpommern 50,50 %
Deutsche Postbank AG, Bonn 11,00 %
Landwirtschaftliche Rentenbank, Frankfurt /Main 9,75 %
Landkreistag Mecklenburg-Vorpommern e.V. 0,05 %
Bauernverband Mecklenburg Vorpommern e.V. 0,05 %
Eigene Anteile 28,65 %
Trotz Massen an Steuergelder: Der Pleitegeier kreist
Landesregierung muss ständig Geld reinpumpen
Aus dem Artikel "Leere Labore "im Spiegel am 6.10.2008 mit vielen weiteren Hintergrundinformationen
2004 ging es dann auch in Mecklenburg-Vorpommern los - der Lobbyverein "zur Förderung innovativer und nachhaltiger Agrobiotechnologie" (Finab), dem Broer vorsitzt, hatte immer wieder angetrieben. Für zehn Millionen Euro wurde in Groß Lüsewitz östlich von Rostock ein Agrobiotechnikum gebaut - mit einem Schülerlabor für Gentechnik. 260 Hektar Fläche gehören zum Groß Lüsewitzer Anwesen.
Während die Agrokonzerne in Westdeutschland ihre Gen-Freisetzungen vorsichtshalber in kleinen Portionen auf wohlgesinnte Gemeinden verteilen, brauchen sie in Groß Lüsewitz keine Rücksicht zu nehmen: Außer einem benachbarten Biounternehmer mit dem Namen Kampf, der allerdings schon zwei Klagen verlor, regt sich kaum Widerstand. "Theoretisch", so Kerstin Schmidt von der Finab, "kann die gesamte Fläche gentechnisch genutzt werden."
Im Moment ist es allerdings nur ein kleiner Teil: Neben Broers Plastik-Kartoffeln wächst hier der umstrittene genveränderte Mais MON 810 von Monsanto, der das Gift des Bodenbakteriums Bt selbst produziert und damit gegen Schädlinge wie den Maiszünsler wirkt. Der Zünsler war im Norden lange kaum ein Problem. Doch durch die vielen Mais-Monokulturen, verstärkt durch die boomende Biogas-Branche, breitet sich dieser Schädling inzwischen auch dort aus. Hinter einem zwei Meter hohen Bauzaun und einem kleineren mit Elektromaschen reifte auch die neue Super-Kartoffel Amflora von BASF. ...
Das Feld bei Groß Lüsewitz lässt BASF Plant Science von einem externen Dienstleister bestellen, der Firma Biovativ. Die besitzt einige Ackergeräte sowie einen Traktor aus Weißrussland und soll die Freisetzungen wissenschaftlich begleiten. Vor allem aber soll sie helfen, das ganze Zulassungsprozedere schneller und billiger zu machen. Eine Pflanzenzulassung koste im Moment mindestens zehn Millionen Euro, so Broer, was sich fast nur Konzerne leisten könnten. "Wir können hier auf eine Million Euro runterkommen." Chefin von Biovativ ist Broers Bekannte Kerstin Schmidt. Auf ihrer Visitenkarte stehen neben der Finab und Biovativ auch noch ein paar andere Firmen: BioMath etwa, ein kleines Statistikunternehmen, und Bio-OK, eine "One-Stop-Agency" für Pflanzenzüchter. Schmidt bekommt drei Geschäftsführergehälter. Und alle Firmen haben eines gemeinsam: Ohne öffentliche Fördermittel würde es sie so nicht geben.
Andreas Bauer vom Umweltinstitut München hält die Situation in Mecklenburg-Vorpommern für "Vetternwirtschaft": "Forschungsgelder werden innerhalb eines kleinen Zirkels von Eingeweihten untereinander verteilt."
Christoph Then, lange bei Greenpeace für Gentechnik zuständig, hat gerade für die Grünen ein Gutachten zur Rolle der Behörden in der Agro-Gentechnik vorgelegt. Broer und Schmidt wirft er eine "intransparente Verquickung" ihrer öffentlichen und privatwirtschaftlichen Tätigkeiten vor: Broer mischt etwa neben ihrer Uni-Tätigkeit auch bei der Firma Biovativ mit, der kommerziellen Tochter der Finab. Zugleich tritt sie als Gutachterin bei der EFSA auf - wie auch Schmidt. ...
Gründungsmitglied des Lobbyvereins Finab ist der Mikrobiologe Joachim Schiemann, der auch fluoreszierende Gen-Pflanzen entwickelte. Im Hauptberuf ist der Braunschweiger Professor Abteilungsleiter bei der Biologischen Bundesanstalt - und er arbeitet als Sachverständiger für die EFSA. Seine Risiko-Einschätzungen dienen der EU-Kommission und dem EU-Parlament als Grundlage für Entscheidungen zur Gentechnik. Mit seiner Doppelrolle sei Schiemann "zu weit gegangen", sagt Then. Schiemann sieht das anders: Er habe "keine kommerzielle Verbindung zur Gentechnikindustrie". Zudem habe er die Finab verlassen, als der Verein sich "mehr in Richtung Gentechnik" bewegt habe.
Mit der Finab und dem Agrobiotechnikum wollten Schiemann, Broer und die darin versammelten Saatgutfirmen eigentlich für eine "New Economy" in Mecklenburg sorgen und Arbeitsplätze schaffen. Doch die Gänge im Technikum sind verwaist. Durch Sichtfenster in den Türen fällt der Blick auf leere Laborräume. Sie sind möbliert und mit allen Anschlüssen versehen, nur ohne Mieter. Der Betreiber, eine Firma namens BioConValley, spricht von Anlaufproblemen. Im Zentrum arbeiteten derzeit 35 Personen, es sei nur zu 50 Prozent ausgelastet, ein Zuschussbetrieb.

Was wird geforscht? Mais, Kartoffel, Petunie und mehr am AgroBioTechnikum

Soweit Dokumente aus der Vergangenheit (z.B. Pressezitate) aus dokumentarischen Gründen auf dieser Seite enthalten oder verlinkt sind, sei klargestellt, dass die Kritik an Veruntreuung, Betrug oder Geldwäsche im Zusammenhang mit Fördergeldern nicht gegen Uwe Schrader oder Kerstin Schmidt gerichtet ist. Die sind stets nur als DienstleisterInnen, UnterstützerInnen oder BereitstellerInnen von Infrastruktur für die betrügerischen Feldversuche tätig gewesen.


Freisetzungsregister aller 2010 möglichen Felder (durchgestrichen: MON810, da verboten) ++ größer: Anklicken ++ Rechts: Hinweisschild am Feld 2010 - danach sind es deutlich weniger Versuchsfelder. Auch die Gerste steht nicht mehr drauf. Stattdessen: Uni Gießen gibt bekannt, dass Versuch tolle Ergebnisse lieferte: Gentechnik ist super (welch Überraschung ...)!
1.4.2010: Weiterer Versuch mit gv-Kartoffeln genehmigt


Schild 2010 am Feld. Rechts: Karte der Felder ... rot der Ort Sagerheide, gelb die Ackerflächen (schraffiert: Versuchsgelände), grün ist Wald.

VersuchsbetreiberInnen ist immer die Firma biovativ - eine der vielen Unterfirmen im Filz rund um das AgroBiotechnikum. Geschäftsführerin ist - wie bei allen dieser Firmen - Kerstin Schmidt. Die ist Mathematikerin - und einiges spricht dafür, dass es hier auch vor allem um Mathematik geht: Das Umleiten (oder deutlicher: Veruntreuen) von Forschungsförderung aus Steuergeldern über viele Stationen ins Portemonnaie der Beteiligten. Dabei geht es längst um Millionen.

Aus der Landtagsdrucksache 06/1673 vom 11.8.2008 (Hinweis: Anfrage stammt von NPD, die keine emanzipatorische Gentechnikkritik vertritt. Die im folgenden zitierte Antwort stammt von der Regierung)
Eine finanzielle Unterstützung durch die Landesregierung erfolgte im Rahmen der Errichtung des Kompetenz- und Gründerzentrums für biogene Ressourcen Groß Lüsewitz (jetzt AgroBioTechnikum).
Die Errichtung des Teilobjektes Gründerzentrum wurde im Jahr 2002 mit einer Zuweisung an die Gemeinde Sanitz aus Kapitel 1102 Titel 883.08 des Landeshaushaltsplanes 2002/2003 in einer Höhe von 604.568 € unterstützt.
Aus dem Fonds „Zukunft für die Jugend in MV“, Kapitel 0802 Titel 883.07, wurden für das Teilprojekt Kompetenzzentrum (Forschungsgewächshaus und Mehrzweckhalle) in den Jahren 2002 - 2004 insgesamt 2.103.459 € bewilligt und ausgezahlt.
Auf der Grundlage der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ wurden die Vorhaben „Planungsleistungen Gründerzentrum für biogene Ressourcen Groß Lüsewitz“ im Jahr 2001 mit 21.533 € und „Kompetenz- und Gründerzentrum Groß Lüsewitz“ im Jahr 2002 mit 5.189.200 € gefördert.
Der Landesregierung ist darüber hinaus bekannt, dass durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Errichtung des Kompetenz- und Gründerzentrums dem Verein zur Förderung innovativer und nachhaltiger Agrobiotechnologie (FINAB e. V.) im Jahr 2001 983.498,01 € zur Anschaffung von Geräten bewilligt und ausgezahlt wurden, die jetzt im AgroBioTechnikum genutzt werden.

Aus einem Interview mit Inge Broer, in: Volksstimme am 4.8.2009
Volksstimme: Was haben Ihre Kartoffelversuche bisher gekostet und wer bezahlt sie ?
Broer: In die Entwicklung der Biopolymer-Kartoffel zur Biopolymerproduktion sind bisher etwa zwei Millionen Euro geflossen. Für die beiden anderen Linien waren es jeweils geringere Beträge. Die Gelder kamen zum größten Teil vom Bundesforschungsministerium, außerdem vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Mecklenburg-Vorpommern als Gentechnik-Vorzeigeland, weil Bevölkerung hier unkritisch?
Aus: BioRegionen in Deutschland. Bundesministerium für Forschung und Bildung, Berlin 2004
BioCon Valley® ist das fruchtbare Milieu einer innovativen Biotechnologie- und Wissenskultur. Die Bürger Mecklenburg-Vorpommerns stehen den wachsenden Chancen und neuen Entwicklungen äußerst offen gegenüber. Sie begleiten sie kritisch, aber unvoreingenommen. Deshalb sind die Genehmigungsverfahren nach dem Gentechnikgesetz äußerst kurz.

Kritik an Agro-Gentechnik geht am Arsch vorbei: Universität Rostock und Biotechfirmen legen auch 2010 Felder an
Aus "Gen-Pflanzen: Forscher lassen die Proteste kalt", in: Ostseezeitung, 24.4.2010
Die Kritik an Gentechnik auf Äckern in Mecklenburg-Vorpommern wird schärfer – die Universität Rostock will aber trotzdem auch in diesem Jahr wieder Freisetzungs-Versuche starten. Nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurden den Rostocker Genforschern Genehmigungen für den Anbau von genveränderten Kartoffeln, Weizen und Petunien erteilt. ...
Die befürchtete Verbreitung von genveränderten Pflanzen ist längst Alltag, melden der Öko-Bauerverband Bioland und Greenpeace. Die Zukunft des Bio-Anbaus sei dadurch gefährdet. Bei staatlichen Kontrollen von importiertem Saatgut für den Maisanbau dieses Frühjahrs seien in sieben von 13 Bundesländern gentechnisch verunreinigte Proben festgestellt worden. Mecklenburg-Vorpommern gehört mit Niedersachsen und Sachsen-Anhalt zu den einzigen Ländern, die diese Angaben geheim halten, so Bioland-Sprecher Gerald Wehde. Warum das so ist, konnte das Schweriner Landwirtschaftsministerium gestern nicht erklären. Der zuständige Mitarbeiter sei auf Dienstreise.
Bioland wirft Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) Totschweigen vor. 2007 bauten Bauern aus MV auf 800 Hektar gentechnisch verunreinigten Raps an. Ohne es zu wissen, sie hatten das Saatgut in gutem Glauben gekauft. Auch andere Länder waren betroffen. Backhaus weigere sich, mitzuteilen, um welche Flächen es sich handelt, so Bioland. Der Öko-Verband klagte auf Bekanntgabe und gewann. Der Erfolg lässt aber auf sich warten. „Wir warten immer noch auf die Daten“, sagt der Bioland-Sprecher.


Schild 2009 vor der Fläche (links) und kreative Veränderung (rechts).

Rechts: Text in der Ostseezeitung zu Versuchen der kommenden Jahre

Behauptete Sicherheitsforschung - Missbrauch von Steuergeldern

Auf der Internetseite der die Versuche ausführenden Firma biovativ (Geschäftsführung: Kerstin Schmidt) heißt es:
In 2009 sind in Groß Lüsewitz mehrere Freisetzungsversuche geplant. Bei den gentechnisch veränderten Pflanzen handelt es sich um Prototypen, bei denen verschiedene Fragestellungen untersucht werden sollen. In allen Fällen geht es um Sicherheits- und Begleitforschung. Bis auf eine gentechnisch veränderte Kartoffel ist bei keiner dieser Pflanzen daran gedacht, sie in den nächsten Jahren als Produkte auf den Markt zu bringen. Einige dieser Versuche werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms "Biologische Sicherheitsforschung" gefördert.

Das aber ist gar nicht zulässig. Laut Förderrichtlinie des Programms zur biologischen Sicherheitsforschung "sollen die Arbeiten zur Erhöhung der biologischen Sicherheit gentechnisch veränderter Pflanzen (...) an Kulturpflanzen bzw. für die Anwendung vorgesehenen Pflanzen durchgeführt werden und nur in begründeten Ausnahmefällen an Modellpflanzen. Freisetzungsbegleitende Untersuchungen sollen sich ausschließlich auf gentechnisch veränderte Pflanzen beziehen, deren Anwendung in Deutschland erwartet wird bzw. deren Freisetzung bereits erfolgt."
Der Text von Biovativ aber sagt selbst, dass die Pflanzen für keine Markteinführung gedacht sind (bis auf einen Fall). Inge Broer bestätigte das in einem Interview mit dem Laborjournal am 18.10.2011: "Der Weizen, den wir als Modell zur Überprüfung unserer Verfahren an Getreide genutzt haben, ist nicht für den Markt gedacht.". Hier wird also offen eingeräumt, dass Steuergelder missbraucht werden.

Im Original: Tatsächliche Ziele: Produktentwicklung ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Auch in einem Interview sprach Inge Broer (in: Volksstimme am 4.8.2009) gleichzeitig von "Entwicklung der Biopolymer-Kartoffel" und dass das Geld vom Forschungsministerium stamme (BioSicherheitsprogramm) - schlicht Betrug!
Volksstimme: Was haben Ihre Kartoffelversuche bisher gekostet und wer bezahlt sie?
Broer: In die Entwicklung der Biopolymer-Kartoffel zur Biopolymerproduktion sind bisher etwa zwei Millionen Euro geflossen. Für die beiden anderen Linien waren es jeweils geringere Beträge. Die Gelder kamen zum größten Teil vom Bundesforschungsministerium, außerdem vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Aus dem Pachtvertrag zwischen Landgesellschaft und biovativ (Az. 4246-0807-1005)
Das Pachtverhältnis wird mit dem Ziel abgeschlossen, am Standort Groß Lüsewitz Forschung und Anwendung innovativer Methoden der Pflanzenzüchtung und pflanzenbauliche Versuche zu ermöglichen. Insbesondere sollen Flächen für pflanzenzüchterische Versuche durch den Pächter zur Verfügung gestellt werden.

Zielbeschreibung zum AgroBioTechnikum auf der Seite von FINAB e.V.
Im AgroBioTechnikum sollen unter anderem die Produkte und Erkenntnisse aus Forschung und Entwicklung von auszugründenden Firmen weiterentwickelt und kommerziell genutzt werden.

Trotzdem steht in der Satzung von FINAB e.V.
Der Verein dient dem Gemeinwohl und ist selbstlos tätig. Er verfolgt keine eigenwirtschaftlichen Zwecke.

Das Umweltinstitut München spricht in der Schrift "Gentechnik-Verflechtungen in Mecklenburg-Vorpommern" offen von Fördermittelmissbrauch: "Offenbar dienen in Mecklenburg-Vorpommern gentechnische Freisetzungsversuche und öffentliche Forschungsgelder dazu, entweder die eigene Firma mit Aufträgen zu bedienen oder ausgewiesene Gentechnik-Lobbyisten und deren Privatfirmen zu versorgen. ... Hier werden offenbar öffentliche Gelder in Hände geleitet, die nicht öffentlichen Interessen dienen." (mehr Zitate daraus siehe unten)

Viele Quellen, ein Ergebnis: AgroBioTechnikum - eine mafiose Gentechnikstruktur

Versteckt im Hintergrund - die großen Gentechnikkonzerne

Wer an den Versuchsfeldern des AgroBioTechnikums auf den Wachschutz trifft, hört von denen, dass sie zur Sache nichts sagen dürfen. Sie verweisen auf ihren Auftraggeber und drücken SpaziergängerInnen dessen Werbematerial in die Hand. Es ist die BASF, die hier den Wachschutz stellt. Das ist typisch für die deutschen Gentechnik-Seilschaften. Die Firmen treten nicht offen auf. So wie bei der BioTechFarm, wo die gleiche Kerstin Schmidt Geschäftsführerin ist. Am 9.4.2009 beantragte dort ein Rechtsanwalt vor Gericht ein Betretungsverbot der Flächen für GentechnikkritikerInnen. Es war Hartwig Stiebler aus Düsseldorf, Anwalt von Monsanto.

Selbstdarstellungen aus dem Firmengeflecht rund um das AgroBioTechnikum

BioOK: Mission Statement
BioOK offers a complete portfolio of analytical procedures for risk assessment of genetically modified plants. It is a confederation of four companies and a Steinbeis Transfer Center. In some publicly funded research projects BioOK coorporates with the University of Rostock and the Federal Research Centre for Cultivated Plants (JKI).
The network aims to establish itself as leading service provider for analysis and risk assessment of genetically modified plants in Europe, where risk assessment is a prerequisite for market placement. The partners of BioOK hold longstanding experience in essential procedures for the assessment of food, feed, as well as pharmaceutical and pesticide safety. These methods will be adopted in order to analyse environmental and food/feed risks of genetically modified plants and to develop new, simple, standardised, and fast procedures fitting the requirements of the competent authorities (CA).

BioOK is a One-Stop-Agency which

Gegenstand des Unternehmens
ist die Entwicklung von Verfahren und die Begleitforschung an Nutzpflanzen zur Sicherung und Verbesserung der Produkt- und Prozessqualität sowie sämtliche damit im Zusammenhang stehenden Tätigkeiten. ...

Die biovativ GmbH wurde 2004 als Tochterunternehmen des "Vereins zur Förderung Innovativer und Nachhaltiger Agrobiotechnologie in Mecklenburg-Vorpommern - FINAB e.V." gegründet. Sie bietet Dienstleistungen rund um die Entwicklung, Analyse und Bewertung von agrobiotechnologischen Produkten und Methoden an. Das Leistungsspektrum reicht von Anbauversuchen im Feld über Gewächshausversuche aller Art bis zu gentechnischen Analysen im Labor. Die biovativ GmbH verfügt über umfangreiche Kompetenzen in der klassischen und gentechnischen Züchtung, aber auch in der Risiko- und Sicherheitsbewertung. ...

biovativ arbeitet mit Universitäten, Instituten und Firmen zusammen, um:

Aus Thomas Deichmann: "Wer hat Angst vor Grüner Gentechnik?" (S. 78 ff.)
Bundesland Mecklenburg Vorpommern, dessen sozialdemokratischer Landwirtschaftsminister Till Backhaus die Grüne Gentechnik ebenfalls fördert und zumindest in diesem Punkt mehr mit seinen ostdeutschen Landeskollegen der Union gemein hat als mit der grünen Landwirtschaftsministerin des Bundes. Auf einer Tagung des Vereins zur Förderung Innovativer und Nachhaltiger Agrobiotechnologien (FINAB e.V.) im vergangenen Mal bezeichnete er die Verweigerungshaltung Berlins hinsichtlich der Pflanzenbiowissenschaften als "falschen Weg", der sich im globalen Welthandel ohnehin nicht einhalten ließe. Backhaus fungierte als Schirmherr der Tagung, die auf dem Gelände der Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) in Rostock abgehalten wurde. Sein Ministerium misst den Aktivitäten von FINAB e.V. große Bedeutung zu.
Der Verein wurde im April 1999 gegründet mit dem Ziel, die agrarwissenschaftlichen und wirtschaftlichen Kräfte im traditionell landwirtschaftlich orientierten Nordosten Deutschlands zu vernetzen und die Tier und Pflanzenzucht im Sinne einer naturschonenden Landwirtschaft in Mecklenburg Vorpommern zu entwickeln. Dabei werden alle verfügbaren Technologien, von der Grünen Gentechnik bis hin zum ökologischen Landbau, vorurteilsfrei einbezogen und das im Westen der Republik politisch heiß diskutierte Konzept der gleichberechtigten Koexistenz verschiedener Anbausysteme in die Praxis umgesetzt. Augenfällig ist auch in Mecklenburg Vorpommern die fruchtbare und vertrauensvolle Kooperation zwischen unterschiedlichen Ministerien, Forschungseinrichtungen und Agrarbetrieben, was maßgeblich auf das unermüdliche Engagement zweier Frauen zurückgeht: der FINAB Vorsitzenden Inge Broer, Agrarökologin an der Universität Rostock, und einer ihrer Stellvertreterinnen, Kerstin Schmidt von der BioMath GmbH in Rostock.
In Sachen Infrastruktur ist Mecklenburg Vorpommern einen Schritt weiter als Sachsen Anhalt. Bereits im März 2002 erfolgte der erste Spatenstich für ein großzügiges Kompetenzund Gründerzentrum für biogene Ressourcen in Groß Lüsewitz etwa zehn Kilometer vor Rostock. Das Kompetenzzentrum soll 30 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche umfassen, dazu werden Gewächshäuser und im angegliederten Gründerzentrum Büro und Laborgebäude errichtet. Bei der Grundsteinlegung des "Bioaktiv" getauften Projekts im September letzten Jahres überreichte Landwirtschaftsminister Backhaus einen Zuwendungsbescheld der Landesregierung über 5,34 Mio. Euro, die in den Bau des Zentrums fließen sollen.

Beteiligt am Aufbau des neuesten Gentechnik-Zentrum in Üplingen

Dass Gen-Experimente und öffentliche Forschungsgelder auch dazu dienen, befreundete Lobbyisten zu versorgen, zeigt aktuell ein von Broer beantragter Freisetzungsversuch mit genmanipuliertem Weizen. Der Versuchsstandort ist zweigeteilt. Das Hauptfeld soll nahe am Agrobiotechnikum liegen. Eine Kopie entsteht auf dem Gut der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz in Üplingen (Sachsen-Anhalt) und soll in einen dubiosen „Gentechnik-Schaugarten“ eingegliedert werden. Dieser Schaugarten soll die Akzeptanz für genmanipulierte Pflanzen in der Bevölkerung verbessern. Den Versuch will das Unternehmen Biotechfarm durchführen. Doch Geschäftsführerin der BioTechFarm ist wieder Kerstin Schmidt, bis vor kurzem Schatzmeisterin von FINAB und immer noch Geschäftsführerin von biovativ. Der Verdacht: Hier werden Fördermittel zwischen seltsamen Firmen hin- und hergeschoben, bis sich ihre Spur verliert.

Klar gegen die Anlage: Gemeinde Thulendorf

Die Versuchsfelder gehören zu Sagerheide - und das gehört zu Thulendorf. Dort ist die Sache klar: Einstimmig hat der Gemeinderat schon 2009 beschlossen, dass sie die Genversuchsfelder nicht wollen. Nur: Die Gentechnikseilschaften kümmert das nicht ...

Was andere zu den Seilschaften um Rostock und AgroBioTechnikum schreiben:

Aus einer Presseinfo des Umweltinstituts München
In Mecklenburg-Vorpommern existieren im Bereich der Agro-Gentechnik enge Verflechtungen zwischen öffentlich finanzierter Forschung, Lobbygruppen und kommerziellen Unternehmen. Das ist das Ergebnis einer Analyse, die das Umweltinstitut München veröffentlicht hat. Das Institut untersucht darin unter anderem die Rolle von Prof. Inge Broer von der Universität Rostock. ...
Dass Gen-Experimente und öffentliche Forschungsgelder auch dazu dienen, befreundete Lobbyisten zu versorgen, zeigt aktuell ein von Broer beantragter Freisetzungsversuch mit genmanipuliertem Weizen. Der Versuchsstandort auf dem Gut der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz in Üplingen (Sachsen-Anhalt) soll in einen „Gentechnik-Schaugarten“ eingegliedert werden. Dieser Schaugarten soll die Akzeptanz für genmanipulierte Pflanzen in der Bevölkerung verbessern. Den Versuch will das Unternehmen Biotech Farm durchführen. Geschäftsführerin von Biotech Farm ist Kerstin Schmidt, die Schatzmeisterin von FINAB und Geschäftsführerin von biovativ.

Aus "Leere Labore", in: Spiegel 41/2008 (S. 93 f.)
Das Feld bei Groß Lüsewitz lässt BASF Plant Science von einem externen Dienstleister bestellen, der Firma Biovativ. Die besitzt einige Ackergeräte sowie einen Traktor aus Weißrussland und soll die Freisetzungen wissenschaftlich begleiten. Vor allem aber soll sie helfen, das ganze Zulassungsprozedere schneller und billiger zu machen. Eine Pflanzenzulassung koste im Moment mindestens zehn Millionen Euro, so Broer, was sich fast nur Konzerne leisten könnten. „Wir können hier auf eine Million Euro runterkommen.“ Chefin von Biovativ ist Broers Bekannte Kerstin Schmidt. Auf ihrer Visitenkarte stehen neben der Finab und Biovativ auch noch ein paar andere Firmen: BioMath etwa, ein kleines Statistikunternehmen, und Bio-OK, eine „One-Stop-Agency“ für Pflanzenzüchter. Schmidt bekommt drei Geschäftsführergehälter. Und alle Firmen haben eines gumeinsam: Ohne öffentliche Fördermittel würde es sie so nicht geben.
Andreas Bauer vom Umweltinstitut München hält die Situation in Mecklenburg- Vorpommern für „Vetternwirtschaft“: „Forschungsgelder werden innerhalb eines kleinen Zirkels von Eingeweihten untereinander verteilt.“
Christoph Then, lange bei Greenpeace für Gentechnik zuständig, hat gerade für die Grünen ein Gutachten zur Rolle der Behörden in der Agro-Gentechnik vorgelegt. Broer und Schmidt wirft er eine „intransparente Verquickung“ ihrer öffentlichen und privatwirtschaftlichen Tätigkeiten vor: Broer mischt etwa neben ihrer Uni-Tätigkeit auch bei der Firma Biovativ mit, der kommerziellen Tochter der Finab. Zugleich tritt sie als Gutachterin bei der EFSA auf – wie auch Schmidt.
Den Vorwurf einer Interessenkollision weisen beide von sich. Bei der EFSA hätten sie nur beratende Funktion. Sicher profitiere sie von Förderung, so Kerstin Schmidt. „Aber daraus habe ich in den letzten drei Jahren mehr als 20 Arbeitsplätze geschaffen.“ Inge Broer sagt, die entstandenen Netzwerke seien notwendig, aber „kein Filz“. Vom Forschungsministerium gebe es nur Geld, wenn die Industrie beteiligt sei. Dafür die nötige Infrastruktur zu schaffen blieb an Broer und Schmidt hängen: Inge Broer berappte sogar einen Teil des Startkapitals für die „One-Stop- Agency“ Bio-OK.

Im Original: Aus der Studie "Kontrolle oder Kollaboration?" ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus Antje Lorch und Christoph Then (2008): "Kontrolle oder Kollaboration? Agro-Gentechnik und die Rolle der Behörden"
Ingesamt scheint in Groß Lüsewitz/Sanitz ein günstiges Klima für die Freisetzung von gv-Pflanzen zu herschen: Seit 2003 fanden hier auch Freisetzungen von gv-Raps durch die Bundesforschungsanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen Quedlingburg (jetzt Teil des JKI), von gv-Kartoffeln durch BASF und von herbizid-tolerantem Mais durch Monsanto statt.
Die Firma biovativ wiederum wurde 2003 als 100%ige Tochter des Vereins FINAB gegründet, mit der Aufgabe das Gewächshaus und die Äcker des von FINAB initiierten AgroBioTechnikum zu betreuen.
Wie bereits festgestellt, ist Kerstin Schmidt die Geschäftsführerin von biovativ. Laut Handelsregister hat die biovativ GmbH nur einen Mitarbeiter. Da Schmidt gleichzeitig auch Geschäftsführerin von BioMath und BioOK und im Vorstand von FINAB e.V. ist - und all diese Betriebe und der Verein unter der gleichen Adresse und teilweise unter der gleichen Telefonnummer zu erreichen sind - drängt sich der Verdacht auf, dass es sich hier gar nicht um separate Einheiten handelt, sondern das Konglomerat von Firmen eher dazu dient, die kommerziellen Interessen im Umfeld des Vereins FINAB möglichst undurchsichtig zu gestalten. ...
BioOK GmbH, bei der Kerstin Schmidt ebenfalls Geschäftsführerin ist, soll zukünftig als allgemeine Dachmarke des Konglomerats, bzw. des „Wachstumskern BioOK“ aufgebaut werden: “Der Wachstumskern 'BioOK' etabliert die Ostseeküstenregion Rostock-Schwerin - insbesondere um das AgroBioTechnikum Groß Lüsewitz - als europäisches Kompetenzzentrum für die Analyse, Bewertung und Überwachung von agrobiotechnologischen Produkten und Verfahren. Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft wirken zusammen, um aus Kompetenzen und Erfahrungen in der biologischen Sicherheitsforschung neue, effektivere und kostengünstigere Analyse- und Bewertungsverfahren zu entwickeln und über die BioOK GmbH in einer One-Stop-Agency zu vermarkten.“ (Quelle)
„One-Stop-Agency“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Zulassung und das Monitoring gentechnisch veränderter Pflanzen für die Industrie vereinfacht und verbilligt werden soll. Gefördert wird dies von 2005 bis 2008 mit 4 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). FINAB ist dabei untrennbar mit einem Dienstleister verflochten, der daran interessiert sein muss, dass im Sinne seiner Auftraggeber möglichst wenig umfangreiche und daher kostengünstigeÜberwachungspläne für den Anbau von gv-Saaten entwickelt werden.
Mit Kenntnis dieses – zugegebenermaßen komplizierten - Netzwerkes um die Firmen BioOK, biovativ und Biomath, um den Verein FINAB und der Tatsache, dass ausgerechnet Joachim Schiemann (Leiter der BBA-Abteilung Gentechnik und Biologische Sicherheit und EFSA-Mitglied) 1999 zu den Gründungsmitgliedern von FINAB gehört – erscheint die Art und Weise, wie der Fragebogen für die Firma Monsanto entwickelt wurde, etwas nachvollziehbarer. ...
(S. 27 f.)
So wird die Politik zum Opfer ihrer eigenen Fehler: Sie ist umschlungen von einem fast undurchdringbaren Geflecht von Experten, Consulting-Firmen, Spezialagenturen, Arbeitsgruppen, Initiativen und den vielfältigen Aktivitäten ihrer Beamten, die gemeinsam mit der Industrie sowohl die Risikobewertung als auch die Risikokommunikation organisieren und dabei Politik und Öffentlichkeit zu ihrem Spielball machen.
Im Zentrum des Geflechts findet man dabei selten die großen Firmen selbst, sondern eher „Spezialagenturen“ mit exzellenten Kontakten zu Behörden, Politik, Medien und Konzernen. Sie arbeiten als Tarnkappenstrategen der Industrie, finanziert sowohl durch die öffentliche Hand als auch durch die Wirtschaft, sie haben Netzwerke, Seilschaften und Klüngelrunden auf allen relevanten Ebenen organisiert, die Institutionen der EUMitgliedsstaaten infiltriert und eine weitgehende Definitionsmacht errungen. ... (S. 37)

Inge Broer ...
Uni Rostock: 2005-08 erhälten Broer, bzw. die Uni Rostock 1.876.490 Euro (Projekt-) Finanzierung durch das BMBF als Partner des BioOK Verbund. Neben Broer sind auch weitere Professoren der Uni Rostock als Gesellschafter der Firmen BioMath und BioOK, sowie Durchführung von verschiedenen Projekten mit GVOs beteiligt. Mit Heike Mikschofsky entwickelt eine Mitarbeiterin von Broer gv-Erbsen. ...
Patente: Broer wird als (Mit-)Erfinderin von neun Patenten auf Gene angeführt, von denen vier durch Bayer CropScience gehalten werden, drei durch die Hoechst AG, eins durch die Norddeutsche Pflanzenzucht, und eins durch die Erfinderin selbst. ... (S. 42)

Kerstin Schmidt ...
Schmidt ist gleichzeitig Geschäftsführerin von drei Firmen (BioMath, biovativ, BioOK), die unter derselben Adresse Servicedienstleistungen für Universitäten und Gentechnikfirmen rund um die Entwicklung, Freisetzung und Zulassung von GVOs anbieten, und mit Zulassungsbehörden zusammenarbeiten. ...
2007 arbeitet sie für BioMath an der Erweiterung des Monitoringplans für MON810 für Monsanto durch Einbeziehungen einiger, durch das BVL vorgeschlagener, Umweltbeobachungssysteme.
wissenschaftliche Publikationen (Auswahl): Schmidt (BioMath) mit Schiemann verschieden Artikeln zu Fragebögen als Grundlage des anbaubegleitenden Monitorings
publiziert, u.a.: Schiemann et al. (2006): Data acquisition by farm questionnaires and linkage to other sources of data. Journal für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit 1(1): 26-29.
Mitglied in Kommissionen & Arbeitsgruppen: Schmidt ist Mitglied in BBAArbeitsgruppe
Anbaubegleitendes Monitoring und war als ad hoc-Expertin für die EFSA PMEMWorkinggroup, in der ebenfalls an Fragebögen zum Monitoring gearbeitet wurden eingeladen.
Mitglied in Forschungsprojekten: 2002: Projektpartner im Impfmöhre-Projekt. 2005-08: Projektpartner und Kontaktperson für BMBF-Projekt Anbaubegleitendes Monitoring
Teilprojekt 3. 2007/08: Entwicklung von gv-Kartoffeln (biovativ).
Mitglied in / Teilnahme an Lobbyorganisationen: Schatzmeisterin von FINAB e.V. ... (S. 46 f.)

EFSA – European Food Safety Authority
EFSA-GMO Panel 2006-09: Mitglieder: HA. Kuiper (Vorsizender), J. Sweet und S. Kärenlampi (Vice-Vorsitzende), HC. Andersson, S. Arpaia, D. Bartsch, NB. Hendriksen, J. Casacuberta,H. Davies,M. De Loose,L. Herman, J.I. Kryspin-Sørensen, I. Nes, N. Panopoulos, J. Perry, A. Pöting, J. Schiemann, W.Seinen, JM. Wal
Vormalige Mitglieder: Buhk: GMO-Panel 2003-06, Arbeitsgruppe Post-market Environmental Monitoring (2004-06): Leiter: Bartsch; Mitglieder u.a. Schiemann; AdHoc-Experten u.a. Schmidt, Gathmann. ... (S. 49)

AgroBioTechnikum
Geschichte: Bau 2003-05. Nutzung seit 2005. Initiiert durch FINAB e.V.
Wissenschaftliche Betreuung durch biovativ GmbH. Besitzerin: Gemeinde Sanitz.
Betreiberin: BioConValley (aktuelle Korrektur: Inzwischen anderer Träger, direkter beim Land Mecklenburg-Vorpommern). Beirat: Landwirtschafts- und Wirtschaftsministerien Meck.-Vorpommern, Gemeinde Sanitz, BioConValley und FINAB.
Aktivitäten/Teilnahme an Forschungsprojekten: 260 ha landwirtschaftliche Nutzfläche für Freilandversuche, 1000m2 Gewächshausfläche und Lagerhalle für Saat- und Erntegut; 14 Mitarbeiter. Betreuung von Freilandversuchen mit zusätzlichen Serviceleistungen.
Sitz von verschiedenen Laboren und Betrieben. u.a. Labore von biovativ und FINAB, Firmensitz von BioConValley. 2006: Freisetzung zum Studium von Auskreuzungsraten von gv-Raps.
Teilnahme an Lobbyorganisationen: Initierung durch FINAB. Firmensitz von BioConValley.
Finanzierung: durch das Land Meck.-Vorpommern (Landwirtschafts- und Wirtschaftsministerien: 5,43 Mio. Euro), EU und BMBF. Gesamtkosten vermutlich 10 Mio. Euro.

BioMath
Geschichte: Gründung 1990. 2005: Mitbegründer der BioOK GmbH. Geschäftsführerin seit 1993: Schmidt. Mitarbeiter: 6, Jahresumsatz: 200.000 Euro. Gleiche Büroadresse in Rostock wie biovativ, BioOK und FINAB. ...
Teilnahme an Lobbyorganisationen: Personelle und geteilte Büroadresse mit FINAB.
Finanzierung/Kunden (Auswahl): Monsanto Agrar, Aventis CropScience, Pioneer Hi-Bred, Syngenta Seeds, KWS; BBA (jetzt JKI); Bundesanstalt für Züchtungsforschung Quedlinburg (seit 2008 zusammen mit der BBA Teil des JKI). Uni Oldenburg, Uni Rostock.
2005-08: Finanzierung durch das BMBF als einer der Partner des BioOK Verbund: 308.856 Euro.

biovativ GmbH
Geschichte: Gründung 2003 als 100%ige Tochter von FINAB e.V. Geschäftsführerin: Kerstin Schmidt. Gleiche Büroadresse Rostock wie BioMath, BioOK und FINAB. Labor im AgroBioTechnikum wie auch FINAB. Umsatz 250.000 Euro. Seit 2005: Nutzung des AgroBioTechnikum Gross Lüsewitz. März 2005: Mitbegründung der BioOK GmbH.
Mitarbeiterzahl (Stand 2007): 1.
Aktivitäten/Teilnahme an Forschungsprojekten: seit 11/2003: Betreuung des Gewächshaus und des Freilands in dem von FINAB initiierten AgroBioTechnikum. 2004-06: Projektpartner Auskreuzungsraten von gv-Mais. 2005/06: Durchführung von drei verschiedenen Freisetzungsversuchen mit gv-Kartoffeln für Uni Rostock. Cholera-Kartoffeln.
2006: Freisetzung von gv- Raps in Gross Lüsewitz. 2007/08: Entwicklung von gv-Kartoffeln.
Teilnahme an Lobbyorganisationen: 100%ige Tochter von FINAB.
Finanzierung/Kunden (Auswahl): 2005-08: Finanzierung durch das BMBF als einer der Partner des BioOK Verbund: 337.356 Euro

BioOK GmbH
Geschichte: Gründung der BioOK GmbH März 2005 durch BioMath, biovativ, Broer und sechs weitere Gesellschafter, z.T. ebenfalls von der Uni Rostock. Geschäftsführerin: Kerstin Schmidt.
Finanzierung/Kunden (Auswahl): 2005-08: Finanzierung durch das BMBF als einer der Partner des BioOK Verbund.

BioOK Verbund
Geschichte: Seit 2005 Zusammenschluss von BioOK, BioMath, biovativ, BTL Bio-Test Labor GmbH Sagerheide, BIOSERV Analytik und Medizinprodukte GmbH, Primacyt Cell Culture Technology, dem Steinbeis-Transferzentrum Soil Biotechnology, der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAZ, jetzt Teil des JKI), und dem Institut für Chemie und der Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät der Uni Rostock.
Finanzierung: August 2005-2008: Förderung als BioOK Forschungsverbund durch das BMBF mit 4,39 Mio Euro um „neue, effektivere und kostengünstigere Analyse- und Bewertungsverfahren zu entwicklen und über die BioOK GmBH in einer One-Stop-Agency zu vermarkten: „Entwicklung von Zulassung- und Überwachungsverfahren für gv-Nutzpflanzen“ ... (S. 49)
Recherchen des Umweltinstituts München

Aus Umweltinstitut München, "Gentechnik-Verflechtungen in Mecklenburg-Vorpommern"
Prof. Inge Broer (Universität Rostock) ...
Prof. Broer ist zudem z.B. als Expertin bei der europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) tätig, die die Unbedenklichkeit gentechnisch veränderter Pflanzen prüfen soll. ...


Patente von Prof. Inge Broer (Quelle: wie oben)

Genehmigungsverfahren für den Anbau von transgenem Weizen in Thulendorf und auf einem der Güter der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, dem Stiftsgut in Üplingen (Sachsen-Anhalt). Anmelder ist Frau Prof. Broer bzw. die Universität Rostock. ...
Der Verein FINAB ist ein wichtiges Element des Gentechnik-Netzwerks in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Blick in die Mitgliederliste des Vereins zeigt deutlich die Verquickung zwischen Wissenschaft, staatlichen Einrichtungen und Industrie. ...
Ziel des Bündnisses BioOK ist es, führender Dienstleister für die Prüfung und Zulassung von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen in Europa zu werden.9 Gefördert wird das Projekt BioOK vom Bundesforschungsministerium mit über vier Millionen Euro. Frau Prof. Broer ist sowohl Gesellschafterin von BioOK als auch Gesellschaftervorsitzende der biovativ GmbH, dem kommerziellen Arm des Vereins FINAB, dessen Vorsitzende wiederum Prof. Broer ist. ...
Länderübergreifend, aber ebenfalls an die selben Personen gebunden ist auch ein für 2008 bis 2010 geplanter Freisetzungsversuch mit genmanipuliertem Weizen (siehe dazu www.umweltinstitut.org/genweizen2008) Als Projektleiterin wird im Antrag der Universität Rostock Frau Prof. Broer genannt. An der Freisetzung ist offenbar wiederum die FINAB-Tochter biovativ GmbH beteiligt. Rätselhaft ist dies insbesondere, als biovativ im Antrag der Universität überhaupt nicht genannt wird. Die biovativ GmbH ist das kommerzielle Tochterunternehmen des Gentechnik-Lobbyvereins FINAB. Vorsitzende des Vereins: Frau Prof. Broer, die auch als Gesellschafterin von biovativ fungiert. Allem Anschein dienen auch hier Projektgelder dafür, die eigene Firma mit Aufträgen zu bedienen. ...

Stiftsgut in Üplingen (Sachsen-Anhalt) ... „Gentechnik-Schaugarten“ ... Dieser soll von einer Firma betreut werden, deren Geschäftsführerin Kerstin Schmidt ist. Kerstin Schmidt füllt dieselbe Tätigkeit bei der biovativ GmbH aus – dem Tochterunternehmen des FINAB. ... Laut Antrag
handelt es sich dabei um ein Teilvorhaben eines größeren EU-Projekts mit dem Titel „Akzeptanzverbesserung und Nutzungsmöglichkeiten von gentechnisch verbesserten Pflanzen in Europa“ (Interreg IVC). Ziel ist es laut Antrag, „durch geeignete Maßnahmen der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit in und zwischen den am Projekt beteiligten Regionen, die Akzeptanz gegenüber gentechnisch verbesserten Pflanzen in Europa zu verbessern“. ... 2,5 Mio. Euro. ... Vor Ort durchgeführt wird das Projekt wiederum nicht von InnoPlanta und seinem Vorsitzenden Uwe Schrader, sondern vom neugegründeten Unternehmen von Herrn Uwe Schrader, der Firma BioTechFarm mit Sitz in Gatersleben, dem sachsen-anhaltinischen Zentrum der Agro-Gentechnik. Herr Uwe Schrader ist in diesem Unternehmen Geschäftsführer an der Seite von Kerstin Schmidt, die wiederum eng mit der Projektleiterin Frau Prof. Broer verbunden ist. Kerstin Schmidt ist, wie Prof. Broer, in vielen Funktionen aktiv. Neben ihrer neuen Tätigkeit als Geschäftsführerin der Firma BioTechFarm fungiert Kerstin Schmidt unter anderem als:

Zusammenfassung ...
Offenbar dienen in Mecklenburg-Vorpommern gentechnische Freisetzungsversuche und öffentliche Forschungsgelder dazu, entweder die eigene Firma mit Aufträgen zu bedienen oder ausgewiesene Gentechnik-Lobbyisten und deren Privatfirmen zu versorgen: Deutlich wird dies insbesondere an dem laufenden Freisetzungsversuch mit Pharma-Kartoffeln sowie dem geplanten Freisetzungsversuch mit genmanipuliertem Weizen in Mecklenburg-Vorpommern. Führende Wissenschaftler haben Einfluss auf alle Ebenen der Forschungsförderung, Forschung, Entwicklung bis hin zur Genehmigung von genmanipulierten Pflanzen. Dies wird insbesondere an der Person von Prof. Broer deutlich, die auf jeder denkbaren Ebene der Markteinführung von genmanipulierten Pflanzen anzutreffen ist, unter anderem:

Eine unabhängige Forschung im Bereich der Agro-Gentechnik, deren Ergebnissen eineüberwiegend kritische Öffentlichkeit vertrauen kann, ist in der beschriebenen Forschungslandschaft in Mecklenburg-Vorpommern schwer vorstellbar. Hier werden offenbar öffentliche Gelder in Hände geleitet, die nicht öffentlichen Interessen dienen.


Schaubild mit Verflechtungen der Institutionen im deutschen Gentechnikfilz (Studie von Then/Lorch, S. 32)

Kerstin Schmidt und die Rettung des Monsanto-Mais MON810

Kerstin Schmidt und das AgroBiotechnikum als klassisches Beispiel deutscher Gentechnik-Mafia.


Schaubild mit sechs zentralen Personen im deutschen Gentechnikfilz (Studie von Then/Lorch, S. 36)

Weitere Beschreibungen der Seilschaften in Mecklenburg-Vorpommern

Aus der Schrift "Wirtschaftliche Zukunftsfelder in Ostdeutschland" (2008, erstellt an den Universitäten Rostock und Jena im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums, S. 131)
BioConValley vernetzt die biotechnologischen Kompetenzen innerhalb Meck-lenburg-Vorpommerns, und zwar von Unternehmen und Hochschulen in den Segmenten Medizin, Pharmazie, Agrotechnologie und marine Biotechnologie. Z.Z. weist das Land 85 biotechnologisch orientierte Unternehmen aus. Die „Spezialisierung“ ist jedoch mit drei Forschungsfeldern – rote, graue und blaue Biotechnologie – für einen newcomer sehr weit gefächert. Das mindert nicht nur die Chancen für den Ausbau zwischenbetrieblicher Fühlungsvorteile von KMUs, sondern stellt auch ein Problem für die Bereitstellung exzellenter öf-fentlicher Forschungskompetenzen dar. Weitere Probleme ergeben sich durch die räumliche Distanz zu global players in der Branche, die in einem For-schungsfeld mit langen Entwicklungszeiten nicht nur stützender Partner, son-dern auch Vermittler im Internationalisierungsprozess sein können. BioCon-Valley ist jedoch über das Scan-Balt Netzwerk überregional in die dynamische und wettbewerbsfähige Öresund-Region eingebunden.

Kurze Dienstwege von Synapse zu Synapse:
Versuchsleitung und Konzerninteressen, Forschung und Lehre, Geldgeber und Überwachung in einer Person

Prof. Inge Broer: Lehre an der Uni Rostock, Mitwirkung bei Firmen BioOK, Biovativ und KWS sowie bei Behörden BBA und EFSA
Aus einem Lebenslauf von Prof. Inge Broer (Quelle: Uni Rostock); Schaubild rechts ist ein Ausschnitt aus einen Poster des Bund Naturschutz:

Broers Aussagen in: Norddeutsche Neueste Nachrichten am 19.5.2009
Bei der umstrittenen Zulassung genveränderter Pflanzen für die Landwirtschaft sollte die Politik nach Ansicht der Biologin Inge Broer häufiger dem Urteil von Experten vertrauen. "Der politische Wille muss noch kommen, in der Risikobewertung mehr auf Wissenschaft statt auf politische Meinungen zu setzen", sagte die Professorin für Agrobiotechnologie der Uni Rostock.

Und auch SPD-Landwirtschaftsminister Till Backhaus findet die Gentechnik plötzlich gut, wenn sie aus seinem Heimatland Mecklenburg-Vorpommern kommt ... in den Wochen davor schimpfte er noch gegen Monsanto und BASF. Jetzt lobt er "sein" AgroBioTechnikum (obwohl dort vor allem mit BASF-Pflanzen gefummelt wird). Aus der gleichen dpa-Meldung:
Rückenwind für ihr Verfahren bekommen die Wissenschaftler von der Schweriner Landespolitik. Agrarminister Till Backhaus (SPD), der von Aigner mehrfach die Festlegung bundesweiter Prüfsteine gefordert hatte, zeigte sich am Dienstag zufrieden mit den Zwischenergebnissen aus Groß Lüsewitz: «Bei diesem emotionalen Thema darf es keinen Anlass zu Misstrauen geben. Darum brauchen wir mehr Aufklärung - Sie haben da einen klaren Auftrag», sagte er an die Adresse von BioOK- Geschäftsführerin Kerstin Schmidt. Trotz des ökonomischen Potenzials ihres Vorhabens versicherte auch Broer, dass es ihr um mehr Offenheit in alle Richtungen gehe. «Das ist wie bei Medikamenten, wo man ja auch über die Nebenwirkungen Bescheid wissen will.»

Aus Silvia Liebrich: "Wie eine Lobby die Kontrollbehörden unterwandert", in: SZ am 25.5.2012
Inge Broer, seit 2011 Vorsitzende der Kommission für gentechnisch veränderte Lebensmittel- und Futtermittel und Professorin für Agrobiotechnologie in Rostock, hat unter anderem an der Anmeldung von Patenten der Firma Bayer auf herbizidtolerante gentechnisch veränderte Pflanzen mitgewirkt. Außerdem fungiert sie als Gesellschafterin der Firmen Biovativ und BioOK, die ihre Dienstleistungen für Konzerne wie Monsanto anbieten. Für Then ergeben sich daraus gleich mehrere Interessenkonflikte. Keinen einzigen davon hat Broer in ihrer Selbsterklärung für das BfR, die im Internet einsehbar ist, angegeben.

Mehr Infos ...
Mehr Infoseiten zum Ag(g)roBioTechnikum

Uncool bis zum Abwinken: Gentechnikfans gegen KritikerInnen


Krass: In Rostock versuchen Gentech-Fans (Studierende und Hauptamtliche der Uni!), den Vortrag durch ständiges Nachfragen und Pöbeln zu stören. Foto: Kurz vor dem Beginn - es kamen noch etliche mehr ++ Bericht auf Indymedia ++ NNN-Bericht am Vortag ++ Peinliche Hofberichterstattung in der Ostseezeitung am 25.5.2010 (Gegendarstellung des Referenten)

Zwei Jahre später (14.5.2012) der nächste Versuch - wieder verboten ++ Bericht im Warnow-Kurier am 18.5.2012
Protest mehrerer Hochschulgruppen ++ Offener Brief ++ Zusammenfassende Kritik an Zensur, Überwachung usw.

Ohnehin der Background zum AgroBioTechnikum: Uni Rostock

DozentInnen der Uni Rostock initiierten den Verein FINAB, stellten Geld- und Genehmigungsanträge für die meisten der Felder am AgroBioTechnikum, sind GesellschafterInnen der BioOK GmbH und fungieren als VersuchsleiterInnen der meisten GVO-Ausbringungen.

Selbst in der Studierendenschaft lebt sich die blanke Angst aus. Das studentische (!) Magazin "Heuler" zensierte einen kritischen Text zur Gentechnik an der Uni Rostock. Und beim Verbot einer Veranstaltung 2010 war der studentische Vertreter in der Uni-Führung maßgeblich verantwortlich für genau diese Untersagung. Anschließend machte er wilde Versprechungen, dass er die Vorwürfe überprüfen werde - passiert ist nichts, und auf Anfragen reagierte er nicht mehr ...

Lustige Posse: Uni will Ehrendoktorwürde für Whistleblower ... aber setzt selbst auf Zensur und Bespitzelung

"Monsanto auf mecklenburgisch" - die Seilschaften des Landes


Abstimmungsverhalten von Bundestagsabgeordneten aus dem Raum Rostock, laut: Nordkurier am 7.2.2014

CDU und FDP

Eindeutig pro Agrogentechnik agieren CDU und FDP. Das entspricht weitgehend der Lage bei den entsprechenden Bundesparteien.

Aus der Antwort der CDU auf die Wahlprüfsteine des BUND 2011:
Die Potenziale der Nutzung erneuerbarer Energien sind längst noch nicht ausgeschöpft. Die potenzialbestimmenden Faktoren bei der Biogasnutzung sind die vorhandenen nutzbaren Biomassen. Als Inputstoffe für die Biogasnutzung werden Rindergülle, Schweinegülle, Silomais, Energiegras, Grünlandschnitt sowie Roggen-Ganzpflanzensilage betrachtet. Derzeit gibt es in Mecklenburg-Vorpommern 325 Biogasanlagen mit einer Einspeisung von 221.070,9 kW. Das technische Potenzial liegt weitaus höher. Im Vergleich zu anderen Bundesländern befindet sich die Biogasnutzung in Mecklenburg-Vorpommern noch auf niedrigem Niveau. Vor diesem Hintergrund haben wir nicht die Absicht die Errichtung von Biogasanlagen in Mecklenburg-Vorpommern zu steuern.
Aufgrund der Tatsache, dass sowohl Windkraftanlagen, Fotovoltaikanlagen als auch Biogasanlagen einen Eingriff in den Naturhaushalt darstellen, sehen wir eine ökologische Bewertung bei der Vergabe von Fördermitteln im Bioenergiesektor als nicht notwendig an. ...
Die CDU Mecklenburg-Vorpommern begreift die grüne Gentechnik als Chance für die Sicherung der globalen Lebensmittelnachfrage sowie für die Herstellung erneuerbarer Energien. Der Forschungsstandort Deutschland muss ausgebaut werden und der Anbau von gentechnisch zugelassenen Sorten unter geschützten Bedingungen möglich sein. Die Anwendung der grünen Gentechnik bereitet derzeit jedoch erhebliche Akzeptanzprobleme. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass die Kommunikation in der Gesellschaft verbessert wird. Wir wollen eine generelle Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Produkte durchsetzen. Aufgrund der rechtlichen Vorgaben seitens der Europäischen Union ist ein generelles Verbot der Freisetzung von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen nicht möglich. In einer gentechnikfreien Region Mecklenburg-Vorpommern sehen wir keinen Wettbewerbs- bzw. Standortvorteil. Gerade vor dem Hintergrund der europäischen Rechtsetzung (Freisetzungsrichtlinie, Richtlinie über das in Verkehrbringen von gentechnisch veränderten Organismen) ist die Gestaltung einer gentechnikfreien Region Mecklenburg-Vorpommern fraglich und kann nur auf Freiwilligkeit basieren.

CDU-Landtagsabgeordneter Peter Stein bejubelt das AgroBioTechnikum (MVticker am 18.6.2009)
Wir leben alle auf unserer Erde und nicht auf einer kleinen Insel. Gentechnische Methoden sind bereits tausendfach am Markt. Wir müssen wissen, was auf uns zukommen kann. Deshalb ist die Risikoforschung wichtig. Wir sollten unsere Forschungskapazitäten stärken. Mit dem traditionellen Standort der Pflanzenforschung in Groß Lüsewitz und dem dortigen, modernen Agrobiotechnikum gibt es in Mecklenburg-Vorpommern einen hervorragenden Ansatzpunkt der Leuchtturmforschung. ...
Die Grüne Gentechnik kann der Schlüssel sein, um zukünftige Ernährungsengpässe der Welt zu vermeiden ... Wir haben auch in Deutschland eine Verantwortung für in Zukunft weltweit 9 bis 10 Milliarden Menschen.

Aus der Antwort der FDP auf die Wahlprüfsteine des BUND 2011:
Es ist gesellschaftlicher und politischer Konsens, dass die Erzeugung regenerativer Energien vorangetrieben werden soll. Die Nutzung von Bioenergie nimmt dabei einen beachtlichen Stellenwert ein. Hierzu herrschte Einigkeit über alle Parteigrenzen hinweg. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern ist Mecklenburg-Vorpommern weit von einem Monokulturanbau von Mais entfernt, auch wenn die Anbaukonzentration in diesem Jahr bedingt durch die hohen Frostschäden bei anderen Getreidearten zugenommen hat. Lediglich in der Region Ludwigslust sind erhöhte Maisanbaukonzentrationen festzustellen, die aber größtenteils durch den höheren Anteil an Viehhaltung begründet ist. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern liegt die Konzentration von Biogasanlagen in Mecklenburg-Vorpommern erheblich unter der in anderen Ländern. Dennoch ist festzustellen, dass mit der letzten Novelle des EEG alte Fehlentwicklungen nicht umfänglich beseitigt wurden. Hier sehen wir in Zukunft noch Änderungsbedarf. Das vielschichtige System der Gesamtzahl an gewährten Boni ist auf den Prüfstand zu stellen, auf Angemessenheit in der gewünschten Wirkungsweise zu bewerten und zu vereinfachen. Wesentlicher Punkt bei der Erzeugung von Energie aus Biomasse ist für die Liberalen deren nachhaltige Erzeugung. Um einer Verstärkung von Monokulturen entgegen zu wirken, befürwortet die FDP den Einsatz von Pflanzenmischungen zur Energiegewinnung. Diese erreichen bereits heute fast die Ertragszahlen von Mais. Des Weiteren unterstützt die FDP den Einsatz nicht weiter verwertbarer, geeigneter organischer Reststoffe. Die Erzeugung von Biogas ist keine reine Maisangelegenheit. Die FDP setzt sich für einen verstärkten Einsatz von Gülle zur Erzeugung von Bio-Energie ein. Dies verringert Geruchsimissionen. Das Gärsubstrat kann dann wieder als Stickstoffdünger auf den Flächen ausgebracht werden. In der Förderung von Bio-Gasanlagen befürwortet die FDP die Förderung standortangepasster Anlagen, die wo möglich an ein Nahwärmenetz für die Wärmeversorgung des eigenen Betriebes und der anliegenden Wohnhäuser bzw. Gemeinde Wärmenetz gekoppelt sind. Eine erhöhte Förderung von Biogasanlagen über das übliche Maß und die Einspeisevergütung hinaus, wird von der FDP abgelehnt. ...
Die Grüne Gentechnik ist eine besondere Art der Züchtung, um Pflanzen speziell weiter zu entwickeln. Die FDP steht der Forschung und der Anwendung der grünen Gentechnik aufgeschlossen gegenüber – auch in globaler Verantwortung für Umwelt und Welternährung. Die Liberalen sind der Auffassung, dass es eine Koexistenz aller drei landwirtschaftlichen Produktionsformen geben kann. Trotz deutscher und europäischer Restriktionen steigt weltweit der Anbau gentechnisch veränderter Organismen stetig. Bisher werden auf einer Fläche von ca. 140 Mio. ha GVO-Pflanzen angebaut. Dies entspricht ca. einem 140-fachen der landwirtschaftlichen Nutzfläche Mecklenburg-Vorpommerns. Durch den globalen Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen sind gentechnisch veränderte Organismen in nahezu allen Bereichen des täglichen Bedarfs, auch in Mecklenburg-Vorpommern, anzutreffen. Die grüne Gentechnik ist im Kern eine beschleunigte Züchtung und ein wichtiges Instrument, um Hunger und Mangelernährung zu bekämpfen. Klimatische Veränderungen erfordern einen schnellen und angepassten Einsatz von Pflanzen für die Nahrungs- und Futtermittelproduktion. Die Besorgnisse der Bevölkerung nimmt die FDP sehr ernst. Wir setzen uns für mehr Transparenz ein, wobei die sachliche Aufklärung für uns klar im Vordergrund steht. In der Anwendung der vielfachen Möglichkeiten der Grünen Gentechnik sehen wir Chancen für eine Verminderung von Umweltbelastungen durch den verringerten Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln, die Verbesserung von Nahrungsmitteln und die Optimierung nachwachsender Rohstoffe. Sicherheitsaspekte und die Unbedenklichkeit von gentechnisch veränderten Nahrungs- und Futtermitteln werden in Rahmen des umfassenden Zulassungsverfahrens, das keine konventionell gezüchtete Sorte durchlaufen muss, umfangreich geprüft.
Die von einigen Parteien, Vereinen, Verbänden und Organisationen begrüßten und unterstützten Zerstörungen von Feldern und Versuchsflächen im Rahmen von Feldbefreiungen lehnt die FDP ab. Friedliche Proteste sind legitim. Tätlichkeiten, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung erfüllen eindeutig strafrechtsrelevante Aspekte, die seitens der Liberalen scharf verurteilt werden. Gerade in Bezug auf die immer wieder vorgetragenen Sicherheitsbedenken gegenüber den Pflanzen, die mit Hilfe der Grünen Gentechnik gezüchtet wurden, ist eine sachliche Auseinandersetzung und eine neutrale Sicherheitsforschung unerlässlich. Trotz des derzeitigen kommerziellen Anbauverbotes gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland, ist durch den weltweiten Handel mit gentechnisch veränderten Produkten und Rohstoffen eine weitere unabhängige Sicherheitsforschung unabdingbar. Nur durch eine eigene, unabhängige Sicherheitsforschung lassen sich objektive Erkenntnisse zum Einsatz und zur Wirkung gentechnisch veränderter Organismen gewinnen. So ist man dabei nicht auf die Auskünfte Dritter angewiesen. Das Agrobiotechnikum in Groß Lüsewitz hat in Mecklenburg-Vorpommern dabei bisher eine herausragenden Beitrag geleistet. Diese gute Forschungsarbeit wird die FDP auch zukünftig unterstützen und sich für den Erhalt des Agrobiotechnikum einsetzen. Die FDP spricht sich gegen ein Verbot der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen nach einem durchlaufenen Zulassungsverfahren mit umfangreicher Sicherheitsbewertung aus. Wie bereits zu Frage 5 geschildert, legt die FDP keinen finanziellen Rahmen für die Förderung der Forschung bei der Grünen Gentechnik fest.
Wenn sich Landwirte in einer bestimmten Region zu einer Gentechnik freien Region zusammenschließen, ist das ihre freie unternehmerische Entscheidung. Ein ganzes Bundesland zu einer gentechnikfreien Region zu erklären hält die FDP nicht für zielführend. Nach den Kriterien des Bundesamtes für Naturschutz gilt eine Region als gentechnikfreie Region, wenn sich Eigentümer, Nutzer und Bewirtschafter mit einem Anteil von 2/3 der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche des Landes über den gesamten Pflanzenanbau zur Verhinderung gentechnisch veränderter Verunreinigungen zusammengeschlossen haben. Auf 1/3 der Fläche ist damit immer noch ein Anbau gentechnisch veränderter Organismen möglich, ohne diesen Titel zu verlieren. Die Verwendung gentechnisch veränderter Futtermittel aus Importen wird in der Betrachtung vollkommen vernachlässigt. Diesen Aspekt sieht die FDP als bewusste Verbrauchertäuschung und Vorspiegelung falscher Tatsachen. Eine Erklärung Mecklenburg-Vorpommerns als gentechnikfreie Region schließt auch ein Verbot der Forschung mit ein. Dies steht unter anderem im Gegensatz zum Recht auf Forschungsfreiheit und wird von der FDP abgelehnt. Inwieweit trotz der aufgezeigten Mängel die Erklärung Mecklenburg-Vorpommerns zur gentechnikfreien Region in der jetzigen Situation einen möglichen weiteren Standortvorteil aufweisen soll, ist für die FDP nicht ersichtlich und quantifizierbar.

Linke

Krude und sehr uneinheitliche Positionen bezog und bezieht fortlaufend die Linke - in Mecklenburg-Vorpommern wie auch auf Bundesebene. Fehlende Fachleute mit ökologischem Background und eine aus der dogmatisch-marxistischen Vergangenheit stammende Faszination für Großtechnologie und technokratische Gesellschaftsmodelle sind etlichen PolitikerInnen immer noch anzumerken. Dazu gehört der führende Agrarpolitiker der Linken im Bundesland, Fritz Tack. Dessen Vergangenheit macht ihn zum Teil der Seilschaften. Von 1996 bis 2000 war er Dekan der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock, von wo aus die Gentechnikkampagne, der Verein FINAB, das AgroBioTechnikum und die Firmen biovativ und BioOK initiiert und vorangetrieben wurden. Auch Inge Broer ist dort Professorin. Außerdem wird Tack als Mitglied von FINAB e.V. geführt. In dessen Satzung heißt es: "Mitglied des Vereins kann jede natürliche oder juristische Person oder Personenvereinigung sowie Körperschaft öffentlichen Rechts, Forschungsanstalt oder Stiftung des In- oder Auslandes sein, die den Vereinszweck unterstützt und aktiv für den Vereinszweck tätig ist."

Linke(n)-Logik: Koexistenz funktioniert nicht, darum mehr Genversuchsfelder!?
Aus Aussagen von Fritz Tack, Landwirtschaftlichssprecher der Linken in Mecklenburg Vorpommern in MVregio, 15.9.2010
Mit ihrem Antrag "Risikoreiche Grüne Gentechnik verhindern - Landwirte und Verbraucher schützen" will die Linksfraktion heute im Landtag einen Kurswechsel des Landes weg von der Anwendung der Grünen Gentechnologie einleiten.
"Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass es eine wirkliche Koexistenz und Wahlfreiheit zwischen gentechnisch veränderten Pflanzen und herkömmlichen Sorten nicht geben kann", erklärte der agrarpolitische Sprecher der Fraktion, Prof. Dr. Fritz Tack.
Eine unzureichende konzernunabhängige Forschung, die sichere Langzeitergebnisse über die möglichen Risiken für Gesundheit und Natur bieten könnte, sei ein weiteres schwerwiegendes Manko bei der Anwendung der grünen Gentechnik. "Es ist dringend erforderlich, die unabhängigen Sicherheitsforschungen weiter auszubauen", betonte Tack. Darüber hinaus fehlten die Nachweise über den Nutzen der gentechnisch veränderten Pflanzen. "Meine Fraktion teilt die Auffassung des Umweltministers Backhaus, dass für das Gesundheitsland Mecklenburg-Vorpommern, für diesen wichtigen Agrarstandort diese Gentechnik nicht gebraucht wird", betonte Tack. Deshalb fordert seine Fraktion die Landesregierung auf, alle Möglichkeiten in der Europäischen Union, in Deutschland und in Mecklenburg-Vorpommern zu nutzen, um die Grüne Gentechnik zurückzudrängen und erteilte Zulassungen rückgängig zu machen.

Aus der Antwort der Linken auf die Wahlprüfsteine des BUND 2011:
Biogasanlagen zu fördern, zusätzlich zur Zahlung der Einspeisevergütung über das EEG halten wir für kontraproduktiv. Es schafft falsche Anreize und führt dann zur Situation, die mit Nachhaltigkeit nichts mehr zu tun hat. Deshalb fordern wir seit Langem Nachhaltigkeitskriterien für die Genehmigung von Bioenergieanlagen. Dazu sollten u.a. gehören:
• Möglichst Bindung an den landwirtschaftlichen Betrieb zur Wärmegewinnung aus und Verstromung von Gülle und landwirtschaftlichen Reststoffen,
• Nutzung für den eigenen Betrieb bzw. für ein Nahwärmenetz, (siehe z.B. Ivenack)
• keine Monokulturen von Mais, Vermeidung der Konkurrenz von Teller und Tank
• Größenbegrenzung im EEG präzisieren und diesbezügliche Schlupflöcher schließen (siehe Güstrow)
• Räumliche Begrenzung für Beschaffungsradius von Beschickungsgut für Biogasanlagen - Vermeidung von Transporten und Flächenverbrauch für Maisfelder u.a.
• Frühzeitige Einbeziehung der regionalen Bevölkerung
Die Probleme sind nicht allein im Land zu lösen, dazu bedarf es bundesweiter Regelungen. Initiativen dafür sind im Bundesrat und über andere Kontakte der Landesvertreter notwendig. ...
Für DIE LINKE ist die Grüne Gentechnik keine Zukunftsoption, da weder der Nutzen noch die Sicherheitsfragen bei genveränderten Pflanzen geklärt sind. Deshalb lehnen wir, ebenso wie die Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher, diese risikoreiche Technologie ab. Außerdem sehen wir große Gefahren in der Abhängigkeit in die die großen GVO Saatgut
Konzerne die Bauern bringen würden.
Wir begrüßen und unterstützen die Schaffung von gentechnikfreien Regionen und sehen in ihnen ein Potenzial für die Vermarktung von regionalen Produkten und für den Tourismus.
Wir verschließen allerdings nicht die Augen davor, dass inzwischen weltweit ca. 148 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche für Produkte der Grünen Gentechnologie genutzt werden, die uns auch in Form von Verarbeitungsprodukten, Eiweißfutter und Lebensmittelbestandteilen erreichen. Deshalb wollen wir eine unabhängige Sicherheitsforschung, um evtl. Gefahren in der Nahrungskette zu erkennen und abzuwehren.
Freisetzungsversuche gentechnisch veränderten Nutzpflanzen zur kommerziellen Nutzung lehnen wir ab.

Die SPD und das Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern ...

Aus der Antwort der SPD auf die Wahlprüfsteine des BUND 2011:
In der Produktion von Bioenergie sowie in der energetischen Verwertung von organischen Abfällen besteht noch großes Wachstumspotenzial. Durch die Schaffung regionaler Wertschöpfungsketten wollen wir den Ausbau der Bioenergie unter Beachtung strenger Nachhaltigkeitskriterien unterstützen. Dabei kommt der Nutzung organischer Rest- und Abfallstoffe besondere Bedeutung zu. Sie hat Vorrang vor dem Anbau von Biomasse.
Das Biodiversitätskonzept, die Weiterentwicklung von Nachhaltigkeitsanforderungen an Energiebiomasse, die es bei den Biokraftstoffen schon gibt, Genehmigungsanforderungen an die Errichtung und Betreibung von Biogasanlagen, sowie die Integration der energetischen Nutzung von Biomasse in die Raumplanung oder die Diskussion um die Fruchtfolgegestaltung in der Landwirtschaft sind Instrumente um den Anforderungen der Ökologie an die Biomasseerzeugung gerecht zu werden.
Der Umbruch von Grünland und die anschließende Nutzung als Ackerland sind in MV seit 2009 grundsätzlich verboten. Damit verursachen neue Biogasanlagen keinen weiteren Grünlandverlust. Brachflächen sind in der Regel landwirtschaftliche Produktionsflächen, die nur zeitweise aus der Produktion genommen werden. ...
Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen passt nicht zum Gesundheitsland Mecklenburg- Vorpommern – wir lehnen ihn ab. Die Nutzung der Gentechnik können wir für unser Bundesland allein nicht verbieten, denn es ist eine betriebswirtschaftliche Entscheidung, zugelassene Sorten anzubauen. Jedoch werden wir darauf drängen, dass diejenigen Landwirte, die darauf verzichten wollen, respektiert und vor wirtschaftlichen Schäden durch Anbau genveränderter Sorten in Nachbarbetrieben geschützt werden. Auch müssen wirksame Maßnahmen ergriffen werden, damit die Verbraucherinnen und Verbraucher frei wählen können, ob sie entsprechende Produkte kaufen wollen oder nicht.
Wir setzen uns dafür ein, dass Bund und Länder in Deutschland künftig gemeinsam über Anbauverbote von GVO-Sorten entscheiden und unterstützen in Mecklenburg-Vorpommern gentechnikfreie Regionen, indem wir die land- und forstwirtschaftlichen Landesflächen dort einbringen.
Wir setzen uns für klare Kennzeichnungsregelungen und Schwellenwerte auf nationaler und europäischer Ebene ein.

Mit Till Backhaus hat die SPD auch den großen Förderer der Agrogentechnikforschung in Mecklenburg-Vorpommern im Boot. Damit prägt die Partei die Realpolitik im Land - und die ist sehr eindeutig auf die Unterstützung gerade sehr dubioser Firmengeflechte und Seilschaften ausgelegt. Ohne die Förderung durch das Land Mecklenburg-Vorpommern gäbe es die Agrogentechnikpraxis so in Deutschland nicht. Denn ab 2005 wurde vieles über die Rostocker Netzwerke abgewickelt - und auch die Betreiberfirmen am zweiten Großstandort Üplingen (Börde) werden aus den Rostocker Seilschaften betrieben.

Im Original: Aus Vortragsfolien von Backhaus am 2.6.2006 ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Die Eingangsfolie des Vortrags und Passagen aus den weiteren Folien:





Aus der Ostseezeitung am 7.4.2010
Der bundesweit einzige Anbau der umstrittenen gentechnisch veränderten Kartoffel Amflora in Mecklenburg-Vorpommern ist nach Einschätzung des Schweriner Agrarministeriums 2010 nicht zu verhindern. Das sagte der Leiter des Referates Verbraucherschutz und Gentechnik im Ministerium, Bernd Broschewitz, am Mittwochabend auf einem Forum in Waren. Man zweifle nicht an der Zuverlässigkeit des Zulassungsverfahrens der EU.

Der Protest zeigte aber Wirkung: 2010 verabschiedete ein Parteitag der SPD in Mecklenburg-Vorpommern erstmals eine klare Position gegen die Agro-Gentechnik - und zwar gegen alle Felder. Landwirtschaftsminister Backhaus ist SPDler ... doch der und seine parteiinternen Seilschaften sorgten dafür, dass die Formulierung nicht dem Beschluss entsprach, sondern dem Ziel, die Versuchsanlagen am AgroBioTechnikum zu schonen.

Aus der Ostseezeitung vom 26.4.2010
In der anschließenden Diskussion wurden einige Änderungen an dem vom Parteivorstand eingebrachten Leitantrag vorgenommen. ... Auch die Ablehnung des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen wurde eingefügt.

Links: Backhaussche Gedankenpirouetten ... keine Genfelder ist gleich selbst betriebene Felder!???

Till Backhaus im Interview des Nordkurier am 24.7.2010
Für das Gesundheitsland MV, für diesen wichtigen Agrarstandort, brauchen wir die Gentechnik eigentlich nicht. ...
Doch dann wieder da gleiche Spiel: Obwohl niemand sie braucht, sollen ihre Wirkungen erforscht werden ...
Wir haben es mit Ideologie zu tun. Die einen sagen, Gentechnik ist das heilsbringende, die anderen sagen, das ist Teufelszeug. Ich komme immer mehr zu der Erkenntnis, dass bei einem großflächigen Anbau die Frage der Koexistenz nicht zu lösen ist. Die Wahlfreiheit für Erzeuger wie Konsumenten, gentechnikfreie Produkte zu erzeugen bzw. zu konsumieren, kann somit kaum durchgesetzt werden. Aber wir müssen forschen dürfen. Denn, wie sich die Gentechnik langfristig auswirkt, da gibt es viele offene Fragen.

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) pro AgroBioTechnikum (MVticker am 18.6.2009)
Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus plädierte in der Landtagsdebatte zum Antrag der Regierungskoalition "Wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen im Bereich der Anwendung des Gentechnikrechts für die Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern" für einen sachgerechten Umgang mit der Gentechnik. "Das Beispiel der Gentechnik zeigt immer wieder, dass neue Technologien zu Beginn des 21. Jahrhunderts keine Selbstläufer mehr sind. Je weiter sie in ungewisses Neuland vorstoßen, desto kritischer wird in naturwissenschaftlichen Kreisen, aber auch seitens der Verbraucherinnen und Verbraucher nach Art, Ausmaß und Verantwortbarkeit der Risiken für den Menschen und die Umwelt gefragt. Diese Fragen gilt es zu beantworten und dazu bedarf es zunächst einmal intensiver Grundlagenforschung im breiten Spektrum der Biotechnologie", so der Minister. Deshalb befürwortet er auch unabhängige und strengen wissenschaftlichen Kriterien genügende Untersuchungen, wie sie beispielsweise im AgroBio Technikum Groß Lüsewitz durchgeführt werden.
"Eigene Forschung in Mecklenburg-Vorpommern und damit ein eigener Beurteilungsspielraum ist ein Faustpfand beim Thema gentechnisch veränderte Organismen. Das AgroBioTechnikum soll sich wirtschaftlich selbst tragen und muss dazu breit aufgestellt sein. Dazu gehört Grundlagenforschung zur Gentechnik genauso wie eine Grundlagenforschung zum Ökolandbau", betonte der Minister.

Pro AgroBioTechnikum auch in einem gemeinsamen Antrag von CDU und SPD im Landtag (3.6.2009)
Der Landtag ist der Auffassung, dass Grundlagenforschung zu Biotechnologien durch das Agrobiotechnikum in Groß Lüsewitz unter besonderer Beachtung von Fragen des ökologischen Landbaus verstärkt werden muss.
Auf der Internetseite der SPD-Landtagsfraktion zu der Sitzung, in dem der Antrag verabschiedet wurde, heißt es zudem:
Kaum eine Technologie wird so kontrovers und emotional diskutiert, wie die Grüne Gentechnik. Während radikale Gegner zuletzt mehrere Versuchs- und Forschungsfelder in Deutschland zerstörten, versuchten Politiker aller Fraktionen das Thema heute aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Fazit: Chancen und Risiken der Gentechnik sind noch zu wenig erforscht, um eine endgültige Bewertung abgeben zu können. ...
Der Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, Dr. Till Backhaus, forderte in seinem Beitrag, sowohl über die Risiken, als auch über die Chancen der Gentechnik umfangreich aufzuklären. Die medizinische Nutzung gentechnischer Forschung nannte er einen Segen für die Menschheit, was auch allgemein anerkannt sei. Bei der Nutzung in anderen Bereichen sehe es mit der Akzeptanz dagegen anders aus. Die eigene Forschung in Groß Lüsewitz sei die Voraussetzung, bei der Bewertung der Folgen grüner Gentechnik nicht auf Monsanto und Co. angewiesen zu sein. Deshalb sei das dortige Wirken im öffentlichen Interesse. ...
CDU-Koalitionär Matthias Lietz sprach gar von einem Glaubensstreit um die Grüne Gentechnik und verurteilte zugleich die zuletzt bekannt gewordenen Anschläge auf Versuchsfelder in Sachsen. Damit hätten die Gegner viele Jahre Forschung vernichtet, die sowohl die eine als auch die andere Auffassung zu Gefährdungspotenzialen hätten belegen können. Auch die Politik könne nur dann im Sinne der Verbraucher handeln, wenn es gesicherte Forschungsergebnisse gebe.
Auch DIE LINKE distanzierte sich von Vandalismus und so genannten Feldbefreiungsaktionen.

Die gleiche Widersprüchlichkeit – Gentechnik: Nein! Gentechnik-Versuchsfelder zum Entwickeln der nicht gewollten Technik: Ja! – findet sich auch im Koalitionsvertrag von SPD und CDU. Gültig von 2011 bis 2016 steht dort:
„Die Koalitionspartner lehnen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ab. Bei der Forschung in Mecklenburg-Vorpommern soll gezielt Risikofolgenabschätzung betrieben werden.“

Auch 2012 macht der Landwirtschaft in einer Antwort auf eine Grünen-Anfrage (Landtags-Drucksache 6/600 vom 29.5.2012) deutlich, dass alles bleiben soll wie bisher: "Sowohl hinsichtlich der Verstärkung der Grundlagenforschung als auch in Bezug auf die Vermeidung negativer Auswirkungen durch die Anwendung gentechnisch veränderter Organismen hat der Landtagsbeschluss nach Auffassung der Landesregierung an Aktualität nichts verloren."


Typische Formulierung im SPD-CDU-Koalitionsvertrag 2011-2016: Scheinbar dagegen, doch tatsächlich für alles, was überhaupt zur Zeit gemacht wird (Risikofolgenabschätzung = BioSicherheit = Tarnbegriff für alle aktuelle Forschung)

Gegen Agrogentechnik - endlich auch gegen die als Sicherheitsforschung verschleierte: Grüne

Es hat einige Zeit gedauert, bis die Grünen klar hatten, was da unter dem Deckmantel der Forschung gerade in Mecklenburg-Vorpommern geschah. 2011 im Wahlprogramm dann formulierten sie eine klare Ablehnung. Ihre Bundespartei hat das noch nicht kapiert.

Aus der Antwort der Grünen auf die Wahlprüfsteine des BUND 2011:
Die Förderung der Erneuerbaren Energien ist ein Grundanliegen grüner Politik. Allerdings – und das ist unser Fazit aus der bisherigen Entwicklung der Erzeugung von Bioenergie – bedarf es zahlreicher Steuerinstrumente, die die derzeitige einseitige Entwicklung der Landnutzung in andere Richtungen lenkt. Derzeit erkaufen wir uns den Gewinn von Bioenergie oft durch die Belastung des Grundwassers über zunehmenden Pflanzenschutzmitteleinsatz und größere Mengen an Stickstoffdünger. Damit setzen wir sehr energieintensive Zuschlagsstoffe ein und senken die Effizienz der Bioenergieerzeugung. Wir können nicht weiterhin intensive Landnutzung durch den einseitigen Anbau von Mais
und durch die Verwendung von Gülle aus industriellen Tierhaltungsanlagen legitimieren.
Umweltfreundlich lässt sich Biomasse vor allem im Ökolandbau erzeugen. Um diesen Weg der landwirtschaftlichen Produktion zu stärken, sind Umverteilungen der Agrarsubventionen zugunsten einer regional und dezentral produzierenden Landwirtschaft notwendig. Unsere zentrale Forderung ist, dass über die Gesetzgebung klare Regeln z.B. für die gute fachliche Praxis für den Anbau nachwachsender Rohstoffe formuliert werden. Insgesamt müssen wir bislang eher ungenutzte Reststoffe, beispielsweise aus der Waldwirtschaft, Bioabfall jeglicher Art, Zwischenfruchtanbau oder auch Gülle aus mittelständischen Betrieben verstärkt nutzen. Entsprechende Anreize für die Verwendung solcher Materialien, z.B. auch aus der Landschaftspflege, müssen als Boni im Erneuerbare-Energien-Gesetz verankert werden. Gleichzeitig muss die Verwendung gentechnisch veränderter Pflanzen ausgeschlossen werden. ...
Wir fordern ein konsequentes Verbot der Agrogentechnik und wollen unser Land als gentechnikfreie Region etablieren.
Mecklenburg-Vorpommern kann als Urlaubs- und Agrarland von dem positiven Image einer gentechnikfreien Region nur profitieren. Die Forschung der Universität Rostock in diesem Bereich u.a. in Groß Lüsewitz dürfen in keiner Weise mehr gefördert werden.

Lobbyverbände & Co.

Der wichtigste Lobbyverband in Mecklenburg-Vorpommern ist der oben beschriebene Verein FINAB e.V., der über seine Tochterfirma biovativ auch die meisten Versuche im Land durchführt. Darüber hinaus gibt es nur wenige Lobbyverbände im Land, die sich äußern.

Bauernverband-Funktionäre stellen sich mal wieder hinter die GentechnikerInnen, aus: Ostseezeitung am 15.4.2009
Trotz des Verbots hofft der Bauernverband auf weitere Forschung zur Gentechnik am Standort Groß Lüsewitz: „Wir müssen wissen, was positiv oder negativ ist - auch bei Genmais.

Da braucht es offenbar immer mal wieder bundesweite Unterstützung aus Parteien wie z.B. Christel Happach-Kasan, größte Gentechnik-Marktschreierin im Bundestag (gehört zur FDP) auf Bustour im Wahlkampf (22.8.2009), und den Lobbyverbänden, die im Zentrum der Seilschaften stehen. Ebenso - und von den der Gentechnik zugewandten JournalistInnen, z.B. InnoPlanta-Preisträger Thomas Deichmann:

Aus Thomas Deichmann, "Gentechnikgegner verunglimpfen deutsche Forscher", auf: www.gruene-biotechnologie.de*
Dr. Schiemann wurde vorgeworfen, sich einem "Verein zur Förderung der AgroBiotechnologie" angeschlossen zu haben. In Wirklichkeit wurde dieser, der ED-Redaktion bekannte "Verein zur Förderung Innovativer und Nachhaltiger Agrobiotechnologie in Mecklenburg-Vorpommern" (FINAB e.V.) 1999 mit der Idee der "Vernetzung der agrarwissenschaftlichen und wirtschaftlichen Kräfte im traditionell landwirtschaftlich orientierten Nordosten Deutschlands gegründet". Der Verein erhält Unterstützung der SPD-geführten Landesregierung und genießt hohes Ansehen. Er widmet sich, eigenen Angaben zufolge, klassischen, ökologischen wie modernen biotechnologischen Verfahren in der Landwirtschaft.
*Träger: Hessen-Media, eine Einrichtung der CDU-Landesregierung von Hessen. Seit 2007 eingestellt.

Mehr Landeseinrichtungen auf Gentechnik-Kurs

Foto rechts: Das Landesregierungs-Fahrzeug bei der Einfahrt zum InnoPlanta-Forum in Üplingen

Der Leiter der Überwachungsbehörde, die eigentlich die Gentechnikanwender kontrollieren soll, beteiligte sich an einer Patenschaftsaktion des Lobbyverbandes InnoPlanta für gentechnisch veränderten Mais (InnoPlanta-Newsletter Nr. 3, Sept. 2006, S. 4). Außerdem sitzt er im Vorstand des Lobbyverbandes Deutsches Maiskomitee e.V., der intensiv für die Agro-Gentechnik eintritt. Im Hauptberuf ist Prof. Dr. Christian Gienapp, Direktor der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei des Landes Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Güstrow.
Nicht besser der Sachbearbeiter im Umweltministerium, Broschewitz, Er nahm am InnoPlanta-Forum 2009 und 2010 teil - dem Kungeltreffen der deutschen Gentechnikseilschaften. Als in seinem Zuständigkeitsgebiet (AgroBioTechnikum-Felder in Sagerheide) ein illegales zweites Gengerstenfeld angelegt wurde, wimmelte er einen Anrufer ab mit den Worten "Lassen Sie die Leute doch in Ruhe arbeiten!" Die illegale Feldanlage fand er in Ordnung - auch gegenüber der Presse.


Aus der Bundestagsdrucksache 16/10751 (S. 6): Forschungsinstitut an Versuchsfeld beteiligt

Rechtschutz für mafiöse Strukturen: Polizei und Justiz

Wenn Staatsanwaltschaften zum AgroBioTechnikum ermitteln, dann immer in die gleiche Richtung: Gegen GentechnikkritikerInnen, pro dubiosen Firmengeflechten. Das machen sie unabhängig davon, in welche Richtung die Sache läuft:

Beeindruckend waren die Bemühungen der Polizei, die SubventionsbetrügerInnen, "faulen Tricks", "Filz und Mauschelei" (Ostseezeitung) zu schützen. Die Grünen stellten Fragen zu den Kosten der Bewachung der Genversuchsanlage. Als die Antwort (Landtagsdrucksache 6/358 am 21.3.2012) kam, rieben sich viele die Augen: Allein die Hubschraubereinsätze kosteten über 100.000 Euro.

In den Gremien von AgroBioTechnikum, BioOK und FINAB e.V.

Wer die FunktionsträgerInnen der beteiligten Akteur in und um das AgroBioTechnikum zusammen auflistet, hat ein vollständiges Netz der Seilschaften.

Im Vorstand von FINAB saßen neben Uni-Rostock-Leuten und Kerstin Schmidt auch

Mitglieder sind oder waren darüber hinaus

Firmen

Eine seltsame Rolle spielt der große Kartoffelzuchtkonzern Norika. Dessen Flächen liegen ziemlich dicht neben den Versuchsfelder des AgroBioTechnikums. Norika stellt Schilder auf, dass die eigenen Pflanzen nicht gentechnisch verändert seien. Tatsächlich aber ist der Forschungsleiter der Firma, Holger Junghans, Vorstandsmitglied bei FINAB. Ebenso wirkt er in der Gentechnikkommission des BDP mit. Wie passt das zusammen?

Kritische Stimmen zur Agrogentechnik

Aktionsberichte

Texte und Berichte aus 2011

Abb.: SagerheiderInnen bei der UNO (Ostseezeitung, 16.5.2011, S. 12)
Mit Erfolg: UN-Ausschuss fordert Bundesregierung zum Nachbessern auf ... NDR-Bericht am 23.5.2011 ++ Ostseeblick am 24.5.2011

UN-Menschenrechtsausschuss (Unterausschuss zum Sozialpakt) kritisiert deutsche Gentechnikpolitik
Das war ein netter Erfolg, den GEN-Klage-Aktivistin Christiane Lüst und die Sagerheider AnwohnerInnen am Genversuchsgarten des AgroBioTechnikums im Mai 2011 erreicht haben. Durch einen kritischen, anklagenden Text an das UN-Gremien (sogenannter Parallelbericht) motivierten sie den Ausschuss, von der Bundesregierung einzufordern, genaue Informationen zu liefern, wie diese die Bevölkerung vor der Gentechnik zu schützen gedenke. Damit ist anerkannt, dass Menschen ein Anrecht auf diesen Schutz haben und die Agrogentechnik diesen auch erfordere. Die beiden Mitschreiberlinge des Parallelberichts, die seit vier Jahren an zwei Seiten ihres Grundstücks vom Doppelzaun der Anlage mit mehreren Versuchsfelder voller nicht oder kaum untersuchter Genkonstrukte wohnen, sind gespannt auf die Antworten – schließlich gibt es keinen Schutz vor Auskreuzung, weder durch Zäune noch durch Polizeibeamte. Zudem sind die realen Versuchsfelder alle Jahre äußerst schlampig und entgegen vielen Sicherheitsauflagen betrieben worden.

2010
September 2009: Aktionstage(Flyer)

Keine Gentechnik-Zentrale in Rostock und Groß Lüsewitz!
Das Land gehört denen, die davon leben und davon essen!

Das AgroBioTechnikum in Groß Lüsewitz mit seinen Versuchsflächen dort in der Umgebung und in Thulendorf sowie die Universität Rostock mit dem Institut für Agrarbiotechnologie sollen zu Weltmarktführern in Sachen Genversuche in der freien Landschaft ausgebaut werden. Dafür wird ein undurchsichtiges Firmengeflecht unter der Bezeichnung BioOK mit Steuergeldern vollgestopft. Grundstücke und universitäre Kapazitäten stehen zur Verfügung, damit sich Einzelpersonen bereichern und große Konzerne über Patente und neue Pflanzenproduktion Profite sichern können. Betroffene LandwirtInnen und AnwohnerInnen werden nicht gefragt - die Gönner und UnterstützerInnen der Seilschaften um das AgroBioTechnikum sitzen in den Genehmigungsbehörden und bei Geldgebern in Berlin, bei BASF, Monsanto, Bayer & Co. Das bei den Genehmigungsbehörden mitwirkende Julius-Kühn-Institut, immerhin eine Bundesbehörde, ist sogar Teil es BioOK-Verbundes. Zusammen führen diese Seilschaften jährlich mehrere Versuche durch - allesamt mit völlig neuen Pflanzen, die von Groß Lüsewitz und Thulendorf aus nun in die Landschaft gelangen und sich dort unkontrolliert weiter ausbreiten werden. Gerste der Universität Gießen, Weizen und Kartoffeln der Universität Rostock, Felder der BASF und weitere stehen hier 2009. In den Folgejahren soll der Betrieb weiter ausgebaut werden.
Es gibt keine Hoffnung, dass Behörden oder Parlamente diesen Wahnsinn stoppen werden. Gentechnik scheitert dort, wo viele Menschen mit vielen kleinen Aktionen ihren Protest zum Ausdruck bringen: Mit Schildern am Gartenzaun, mit Leserbriefen oder Anrufen bei den Versuchsbetreibern, mit der Unterstützung und direktem Einkauf bei LandwirtInnen, ImkerInnen oder in Läden und Marktständen, wo Gentechnikfreiheit garantiert wird. Aber auch mit politischer Einmischung. Die Gemeinde Sanitz ist immer noch direkt am AgroBioTechnikum beteiligt. Der Bürgermeister sitzt dort im Vorstand. Warum werden solche geldgierigen und rücksichtslosen Firmen auch noch unterstützt???

Hinweise auf weitere Aktionen


Veranstaltungen in Rostock und Sanitz - und Bericht in Ostseezeitung dazu am 21.2.2009 (S. 16): Größer ++ PDF

Eher langweilig: Die immer selben Gegenargumente und Pöbeleien
Kritischer Leserbrief nach der Veranstaltung in der Ostseezeitung von 24.2.2009
Auch Mutter Natur ist Gentechnikerin
Zu: Gießener ruft zu Protest gegen Genfeld auf, OZ vom 21. Februar
Es ist wie immer in dieser Republik, wenn es um Versuchsfelder mit genveränderten Organismen geht. Zuerst wird versucht, im Umfeld eine feindselige Stimmung anzufachen. Wenn es dann nicht reicht, vor den Gefahren zu warnen, werden organisierte Kriminelle der Öffentlichkeit als mutige Helden des Widerstandes verkauft. Hat sich jemals einer gefragt, wie viele Verbraucher in all den Jahren am Genuss von Lebensmitteln mit Bestandteilen aus transgenen Pflanzen erkrankt sind? In den USA konsumiert dieser Verbraucher seit 1996 genau diese Pflanzen. Nach dreizehn Jahren kommerziellem Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen gibt es keinen nachgewiesenen Schadensfall. Ein erstaunlicher Sicherheitsrekord. Diese Option von vornherein auszuschließen, ist fahrlässig. Mutter Natur ist Gentechnikerin. Sie hat nur Jahrtausende und länger gebraucht, um die Kreuzungen durchzuführen. Christian Nitschke, Kröpeliner-Tor-Vorstadt

3.4.2009: Feldbesetzung ... und viele Aktionen an den Tagen danach


Der Gerstengarten wenige Meter neben den Versuchsfeldern. Sollte der Gerstenversuch genehmigt werden, wird gegen diesen geklagt, da dieser Garten in Gefahr wäre durch Auskreuzung. Außerdem wollen ein Landwirt und ein Umweltverband klagen!
Achtung: Gerstenversuch am 4.5. genehmigt und eingetragen, d.h. ab 7.5. jederzeit Aussaat möglich!!! Kartoffelversuch genehmigt!
Illegales zweites Gengerstefeld angelegt!!! Strafanzeige gegen Kogel, Langen, Broer und Schmidt!

Preis zurückgegeben! Protest der Stralsunder Brauerei gegen Gengerste: OZ ++ ddp ++ taz
2012 nach dem Ende des AgroBioTechnikums: Die Brauerei nimmt den nächsten Preis dann an!

Mehr Aktivitäten

Links

Materialien

"Organisierte Unverantwortlichkeit": Broschüre zum Filz in der Gentechnik

Angucken (PDF), ausdrucken, verteilen ++ oder für 2 Euro bestellen!

Behandelt werden u.a.: Behörden und Kommissionen (BVL, EFSA, BeraterInnen/GutachterInnen), die Leuchttürme des Filz wie das IPK in Gatersleben, das AgroBiotechnikum in Groß Lüsewitz, die Biotechfarm in Üplingen und das JKI in Braunschweig. Weitere Kapitel über Lobbygruppen und informelle Netze (InnoPlanta, WGG, GGG, PRRI, Transgen ...) und die zweifelhafte Forschung zu Kontrolle und Sicherheit (Auskreuzungsforschung, Biosicherheitsprogramm, Monitoring). In der Mitte des Heftes: Die große Übersichtstabelle.
Kerstin Schmidt, Geschäftsführerin der wichtigen dubiosen Firmen im AgroBiotechnikum, ist seit April 2008 auch Geschäftsführerin im weit entfernten Schaugarten, der BioTechFarm in Üplingen. Hier wachsen zwei Seilschaften zusammen ...

Direct-Action CDUpps - ein Genfeld! Was jetzt?

Ihr wollt ein Genfeld verhindern? Dann ist diese Broschüre die Basislektüre: Wie kommt mensch an die nötigen Informationen? Wer kann wofür angesprochen werden? Welche Aktionsideen von Feldbesetzungen und -befreiungen über Straßentheater und Blockaden vor Firmen gibt es? Das ganze schnörkellos ohne Verbands- und Parteiwerbung - dafür umso besser für eine widerständige Praxis verwertbar. A5, 20 S., Download als PDF ... (3,4 MB, auch zum Kopieren und Verteilen!!!).

CD "Gentechnik"

Zeitungen, Positionspapiere, Broschüren, Tipps und Filme zur Gentechnikkritik und zu Aktionen. Bestellen!

"Es reicht" - Zeitung gegen Agrogentechnik 2012

Texte über Aktionen, Hintergründe und die vier Hauptstandorte der Versuchsanlagen in Deutschland.

"Die Sense", die Zeitung gegen Gentechnik 2009

Vierseitige Zeitung (Berliner Format, d.h. wie eine Tageszeitung) mit Texten und Aktionsideen für 2009. Leider vergriffen! ... noch möglich: Download als PDF

"Monsanto auf Deutsch" ... Richtwert 18 €

Seilschaften der Agro-Gentechnik zwischen Firmen, Behörden, Lobbyverbänden und Forschung - von Aachen bis Rostock! Das Buch zum brisanten Thema mit 2000 Quellenangaben und Hunderten von Personen- und Organisationsdaten. Ein präzises Stichwortverzeichnis erleichtert die Arbeit mit dieser Enzyklopädie der Seilschaften in der Agro-Gentechnik.
Vom gleichen Autor wie die Broschüre "Organisierte Unverantwortlichkeit". Die wurde vor Gericht angegriffen - der Autor gewann! Vorwürfe wie "Gentechnikmafia" und "Fördermitelveruntreuung" durch die AntragstellerInnen von Genversuchsfeldern sind seitdem zugelassen. Die präzisen Recherchen machten es möglich!

Ab 3 St. je 12 €, ab 10 St. je 10 €, ab 50 St. je 7 €. Bestellen ++ BioTechFarm-Kapitel als PDF
Großes Format 22,5 x 24 cm, 240 Seiten, 18 €. ISBN 978-3-86747-043-8

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