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Biotech needs a sense ... Gentechnik braucht die Sense!

Aktionen, Projekte, Kampagnen ++ Texte zu Aktionsideen ++ Material für Aktionen ++ Wo sind die Felder? ++ Rechtliches


Mitschnitt der Ton-Bilder-Schau "Die Mischung macht's!" am 3.4.2014 in Bayreuth ++ auch als DVD!

Seiten mit laufenden Aktionen, Tipps und Ideen

Gentechnikfreie Region Gießen


Der Link zur Info- und Mitmachseite für die gentechnikfreie Region Gießen ++ Selbstverpflichtungserklärung für LandwirtInnen (PDF)
Leider sind wichtige FunktionärInnen dieses Zusammenschlusses stark auf Kontakte zu Parteien, Regierenden usw. fixiert und lehnen daher jede Kooperation mit den ab, die durch Feldbesetzungen genau das erreicht haben, was sie auch wollen. Schade drum - die Idee ist aber trotzdem gut. Wer mitmacht, kann die Staatsnähe und Anbiederung an zweifelhafte PolitikerInnen ja mal ein bisschen hinterfragen ...

Und was auch eine Kritik wert wäre: Auf der bundesweiten Seite wurde nach der skandalösen Verurteilung von Feldbefreiern in Gießen als einziges der Jubelartikel der Gentechnik-Mafia über das Urteil abgedruckt. Sonst zunächst nichts. Nur durch Intervention z.B. von Gendreck-weg-AktivistInnen wurde das wenigstens ergänzt. Paktiert der BUND mit der anderen Seite? Oder sind die so dumm?

Gentechnikfreie Regionen und Aktivitäten gegen Gentechnik in Hessen ...

Hinweis für Pachtverträge
Wer Grundbesitzer_innen (z.B. Kirche, Gemeinde, Land ...) dafür gewinnt, nur noch an Höfe zu verpachten, die gentechnikfrei wirtschaften, sollte die folgende (oder eine ähnliche) Formulierung in die Pachtverträge schreiben: "Der Pächter verpflichtet sich, auf den mit diesem Vertrag verpachteten Flächen, aus allen weiteren von ihm genutzten Flächen und in der Fütterung seiner Tiere keine gentechnisch veränderten Tiere, Pflanzen oder Pflanzenbestandteile einzusetzen." Noch besser ist, auch den Einsatz von Spritzmitteln auszuschließen.

Im Original: Die Kombination: Direkte Aktion und Aneignung ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Alles, was Menschen tun oder von sich geben, ist beeinflusst durch die eigenen Ziele, Erfahrungen, Sichtweisen und Interessen. Das ist bei diesem Newsletter so – und überall. Insofern interpretieren Menschen selbst die Vorgänge unterschiedlich, wenn sie am gleichen Ort in das gleiche Geschehen eingebunden sind. Hinsichtlich der Wirksamkeit von politischem Protest ist daher immer richtig, dass genaue Voraussagen nicht möglich sind. Vieles spricht aber dafür, dass allein Appelle an die Mächtigen nicht reichen – egal ob sie über Demos, Überschriftenlisten oder die in Mode gekommenen Klicks auf vorgefertigte Massenmails abgesandt werden. Im Kampf gegen die Agrogentechnik, der 2012 immerhin dazu führte, dass es in Deutschland keine Felder mehr gibt, spielten direkte Aktionen an den Konfliktorten eine herausragende Rolle. Insofern wirkt zunächst seltsam, dass sie in vielen Rückblicken großer Verbände gar nicht erwähnt werden. Das ist aber erklärbar, weil die PR-Abteilungen der von hauptamtlichen Apparaten geführten Organisationen dafür sorgen, dass Text und Inhalt an das Interesse, Spenden zu akquirieren, angepasst werden. Neuestes Beispiel ist eine Beilage des Gen-ethischen Netzwerks zur "taz" unter dem Titel "25 Jahre Widerstand". Nur wenn es um eines gar nicht geht in dieser Veröffentlichung, dann um Widerstand. Vermeintlich wird die Geschichte des Agrogentechnikwiderstands dargestellt, aber Feldbefreiungen und –besetzungen tauchen in der Schrift schlicht gar nicht auf. Das ist umso überraschender, als das GeN hier seinen Ursprung hat – in der Vernetzung von Basisinitiativen und unter anderem Feldbesetzungen. Doch offenbar ist selbst die eigene Geschichtsschreibung bedarfsgerecht für die Spendenakquise im gut situierten Bildungsbürger_innentum optimiert. Unter dem Stichwort "Widerstand" findet sich nur die Mitgliedschaft des GeN in einem Aktionsbündnis. Mehr nicht. Da braucht es absurderweise die Öffentlichkeitsarbeit der geschlagenen Gentechniklobby, die nicht müde wird, die kreativen und militanten direkten Aktionen als Hauptproblem zu brandmarken.
Allerdings ist das so oder so zu wenig. Aktion, die Konzernen und Regierungen bei ihrem Treiben wehtun, ist gut. Aber sie ist immer das Hinterherlaufen hinter Entwicklungen. Besser ist, gewonnene Kraft auch dafür zu nutzen, sich die Gestaltungsmittel in dieser Welt auf Dauer anzueignen. Beispiele:
• Versorgungsnetze aneignen: Wenn Strom- oder Wassernetze den Menschen gehören, können die selbst entscheiden, wie alles abläuft, welche Umweltgesichtspunkte berücksichtigt werden usw.: Keine ständiges Appellieren mehr an die Mächtigen, kein Zittern vor den Wahlen. Allerdings muss dazu auch wirklich eine Trägerstruktur gebildet werden, die eine Beteiligung der Menschen auf gleicher Augenhöhe garantiert. Kommunale Träger, in denen abgehalfterte oder über Korruptionsskandale gestolperte Politiker_innen untergebracht werden, sind das sicher nicht. Als jahrzehntelang bereits agierendes Vorbild können die Elektrizitätswerke Schönau dienen.
• SoLaWi: Für den landwirtschaftlichen Bereich geht die Idee der solidarischen Landwirtschaften in diese Richtung. Sicherlich ist das nur ein Anfang und noch immer sehr stark an Geldflüssen ausgerichtet – zumindest dann, wenn die Einteilung in Produzent_innen und Konsument_innen noch sehr klar ist. Trotzdem werden hier wichtige Lebensbereich dem Diktat von Markt und Konkurrenzdruck entzogen. Das schafft Freiräume für selbstbestimmte Gestaltung. Deshalb sei hier auch noch einmal eine deutliche Lanze dafür gebrochen, solidarische Landwirtschaften aufzubauen statt weiter in der Marktwirtschaft die bessere Welt zusammenkaufen zu wollen!
... und überall
Feldbefreiungen
Feldbesetzungen
Blockaden und Behinderungen der Institutionen und Konzerne
Strafanzeigen gegen Gentechnik
Klagen und Petitionen gegen die Gentechnik

Kommentar zum Sessel-Aktivismus:
Das mag alles seinen Sinn ergeben als Begleitmusik - aber Mausklicks vom warmen Wohnzimmer aus oder Spenden an RechtsanwältInnen sind keine widerständige Praxis. Da muss mehr kommen. Schade, dass die meisten, die solche Klagen oder Online-Aktionen starten, auf anderen Protestformen gar nicht hinweisen und auch sichtbar keine Lust haben.

Klagen gegen die Freisetzung von Gentech-Pflanzen zu Versuchszwecken
Weitere Projekte
Futtermittel

Aus dem Buch "Critical Art Ensemble - Die molekulare Invasion"

Erschienen im Jahr 2006 im Unrast-Verlag, Münster

Streiche spielen
Wenn unscharfe biologische Sabotage irgendeine Wurzel hat, dann liegt diese im Bereich der Streiche. Die meisten LeserInnen kennen vermutlich die eine oder andere Geschichte über einen Streich, in dem biologische Akteure eine Rolle gespielt haben. Ein Klassiker unter den Streichen ist z.B., tote Mäuse oder Fische (die Stinkbomben der Natur) in den Heizungsrohren der Schule oder anderen reglementierenden Institutionen zu deponieren. Dies ist allerdings nicht die Sorte Streich, die für die unscharfe Sabotage interessant ist. Streiche der unscharfen biologische Sabotage dienen weder der >Unterhaltung<, noch sollten sie peinliche Situationen oder Ärger hervorrufen. Vielmehr sollten sie psychologische Unruhe auslösen - eher ähnlich der Idee, vor einer öffentlichen Rede LSD in Castros Zigarren oder Getränke zu mischen (um ein Beispiel aus dem CIA-Schabernack-Buch zu nennen). Streiche können benutzt werden, um paranoide Gedanken, die häufig in Institutionen anzutreffen sind, zu verstärken oder Aufmerksamkeit auf sinnlose Aktivitäten zu lenken. Streiche können auf ihre eigene Art den Lauf der Dinge verlangsamen.
Das Freilassen mutierter Fliegen in Forschungseinrichtungen und benachbarten Büros kann z.B. möglicherweise einen beunruhigenden Effekt haben. Auf dem Markt sind allerlei Arten mutierter Fliegen frei käuflich. Es gibt sie in verschiedenen Farben, mit jeder wünschbaren Form von Missbildung. Labore benutzen sie für generationsübergreifende Forschung zu Populationen, weil sie einfach zu züchten sind, sich schnell reproduzieren und dabei leicht identifizierbare, ungewöhnliche genetische Codes behalten. Wählt eine Sorte mutierter Fliegen aus und beginnt damit, sie stetig in Biotech-Einrichtungen freizusetzen (das funktioniert auch sehr gut in atomaren Einrichtungen)! Sie können in Eingangshallen, Tiefgaragen, geparkten Autos - fast überall - freigesetzt werden. Es ist dabei überhaupt nicht notwendig, selbst in eine gesicherte Zone einzudringen - es sei denn, ihr wollt ein ganz spezifisches Ziel treffen -, die Fliegen erledigen die Infiltrierung von ganz allein. Ihr müsst lediglich in der Nähe der Einrichtung sein und einige Schwärme von ihnen freisetzen (der Schlüssel hierbei ist Stetigkeit, nicht Menge.).
Sobald die Fliegen regelmäßig von Unbeteiligten gesichtet werden, werden die Leute sich fragen, woher diese seltsamen Kreaturen wohl kommen und was der Grund für ihr Auftauchen ist.. Es ist beinahe überflüssig zu erwähnen, dass die erste Schlussfolgerung nicht sein wird, dass durch einen Akt unscharfer Sabotage wohl ein paar mutierte Fliegen in die Büros gelangt sind. Die Phantasie der Menschen wird vielmehr exotischere Szenarien entwickeln. Wir können davon ausgehen, dass die Gerüchteküche brodeln wird und Angst und Verschwörungstheorien deutlich zunehmen werden. Und eine paranoide Belegschaft ist eine ineffiziente Belegschaft, was wiederum zu einer Verlangsamung des Systems führt. Im besten Fall wird die Einrichtung, eine überflüssige kosten- und arbeitsintensive Untersuchung durch führen, um die Herkunft der Fliegen zu klären. Im schlechtesten Fall wird der Streich lediglich ein Gesprächsthema für die Pause liefern.
Falls es in der Nähe der Forschungseinrichtung noch weitere Unternehmen gibt, dann lasst die Fliegen auch dort frei! Restaurants sind besonders geeignete Einsatzorte, da sich deren KundInnen dort eine Welle aufhalten und Fliegen in Umgebungen, in den Lebensmittel serviert werden, besondere Aufmerksamkeit erregen. Das kann den Effekt haben, dass sich der Argwohn der örtlichen UnternehmerInnen und ArbeiterInnen darauf richtet, was in den nahe gelegenen Laboren geschieht. Es braucht nicht extra erwähnt zu werden, dass sich damit lokale Spannungen leicht intensivieren können und so diejenigen, die sich niemals an einer Widerstandsbewegung beteiligen würden, zu ahnungslosen MitläuferInnen oder bereitwilligen BündnispartnerInnen werden können.
Streiche wie dieser sind einfach und preiswert. Was die Fliegen angeht: denen ist es wirklich egal, wo sie sich befinden, solange es sich um einen Ort handelt, der mit ihrem Anpassungsbereich übereinstimmt. Für die Umwelt ist die Gefahr vernachlässigbar gering. Mutierte Fliegen haben in der Natur keine Anpassungsvorteile, und es ist unwahrscheinlich, dass ihre rezessiven Charakteristika auf evolutionärer Ebene ein positives Auswahlkriterium sind. Sie sind nicht besonders leistungsfähig, wenn es um das Überleben geht. Niemand braucht sich hinsichtlich einer Umweltverschmutzung Sorgen zu machen. Die Verschmutzung findet in der menschlichen Psyche statt. Und ist es nicht besser, wenn sich eine mutierte Fliege für den Widerstand erhebt, als wenn sie ihr Leben in Labor-Knechtschaft fristet?
Leute, die selbst mutierte Fliegen züchten wollen, können damit recht einfach und ohne große Kosten beginnen, und wenn sie die Fliegen gut pflegen, werden sie sich schnell einer stattliche Anzahl erfreuen. Die Fliegen kosten nichts und können über das Internet beim Bloomington Fly Center bestellt werden. Für ihre Pflege sind Fliegenflaschen notwendig (sie fassen etwa 100 Fliegen); bei knappem Geldbeutel können aber auch Milchflaschen benutzt werden. Fliegenfutter wird aus Melasse, Hefe und Apfelsaft hergestellt. Um die richtige Konsistenz zu erreichen, ist ein wenig Arbeit erforderlich. Es gibt dafür jedoch auch Maschinen (die sind allerdings teuer). Zum optimalen Züchten ist eine Umgebung mit relativ stabiler Temperatur erforderlich. Die Fliegen sollten bei einer Temperatur zwischen 18 und 25'C und einer Luftfeuchtigkeit zwischen 40% und 50% gehalten werden. Fliegen sind recht robust, vertragen aber keine extremen Temperaturen (insbesondere keine Hitze). Ihre Lebenszeit beträgt etwa einen Monat, d.h. die Produktion eines Schwarms (10.000 Fliegen) ist eine arbeitsintensive, fließbandartige Tätigkeit, aber es ist kein großer Aufwand, eine kleinere Anzahl über einen längeren Zeitraum zu halten und dann bei Bedarf rrüt der Produktion größerer Mengen zu beginnen.

Zerstörung von Versuchsfeldern
In den letzten 40 Jahren haben sich die organisatorischen Grundsätze von Widerstandsgruppen enorm verbessert Viele haben sich leichten Herzens von Zentralkomitees, Gewerkschaften und Parteien verabschiedet und sie durch autonom agierende Kleingruppen und zeitweilige themenbezogene Bündnisse mit ständig wechselnder Führung ersetzt. Der Slogan »The people united will never be defeated« wurde durch die pragmatischere Idee ersetzt, dass taktische Kooperationen politischer Widerstandsgruppierungen zu einem aktuellen und spezifischen Zweck eine systemische Wirkung haben können, trotz der Unterschiede und Widersprüche innerhalb der Bündnisse. Die Bereitschaft, sofort und dezentral zu handeln, hat sich als die beste Verteidigung gegen Infiltration und Zähmung durch Integration erwiesen und außerdem zur Bildung kraftvoller, wenn auch nur zeitweiliger Massenmobilisierungen beigetragen. Bedauerlicherweise haben die Widerstandstaktiken nicht immer das gleiche Level an Raffinesse und Komplexität halten können. Das ist nicht unbedingt der Fehler der AktivistInnen, da die taktischen Möglichkeiten nicht immer offenkundig sind. Hinzu kommt, dass radikale Subjekte häufig zu schnellem Handeln gedrängt sind - insbesondere bei neuen Auseinandersetzungen. Es bleibt wenig Zeit, alles zu bedenken, denn mit jedem Moment, der vergeht, verwurzelt sich der Gegenstand des politischen Anstoßes zunehmend materiell und ideologisch im System. Radikale Forschung und Entwicklung ist ein Luxus und deshalb im Verhältnis zur direkten Aktion unterentwickelt geblieben.
Dies wird deutlich in Bezug auf die GVOs. Es hat eine ganze Menge radikaler direkter Aktionen gegeben, aber die Taktiken waren unglaublich plump. Brandstiftung und Vandalismus sind nur Zeichen der Verzweiflung und eines erheblichen Ungleichgewichts zwischen Denken und Handeln. Wenn wir die Beispiele von Professor Najundaswarny und seinen AnhängerInnen in Indien, José Bové und seinen AnhängerInnen in Frankreich und vor allem der Earth Liberation Front (ELF) in den USA betrachten, dann hatte die Zerstörung solcher Ressourcen nur sehr begrenzte Folgen für das Kapital.
Die Inszenierung eines Gegenspektakels stand offensichtlich im Vordergrund. Damit soll nicht gesagt werden, dass diese Methoden keine Vorteile hätten. Feuer beispielsweise funktioniert bei allen landwirtschaftlichen Nutzpflanzen; es ist billig in der Erzeugung und garantiert eine verheerende Zerstörungsrate. Die Probleme liegen allerdings ebenso auf der Hand. Die Illegalität der direkten Sabotage durch Brandstiftung schafft eine ganze Menge an Problemen für die TäterInnen. Wie schon beschrieben, erlaubt diese Art von Sabotage den Unternehmen »Terrorismus« zu schreien, und sich so als Opfer einer furchtbaren Ungerechtigkeit darzustellen. Die Folge kann ein Erstarken der Sicherheitsapparate von Staat und Unternehmen sein, denn Sabotage kann den Forderungen der Sicherheitskräfte nach mehr Geld und Personal zusätzliches Gewicht verleihen. Außerdem kann das kapitalistische Spektakel allen widerständigen Organisationen eine Kollektivschuld zuweisen. In der Folgezeit geraten dann größere Teile der Bewegung in den Fokus direkter Ermittlungen und in der Öffentlichkeit erscheinen alle UmweltschützerInnen als - zumindest potentielle - Bio-Terroristen. Folglich müssen SaboteurInnen mit einer langen Haft rechnen, wenn sie gefasst werden. Der Verlust enegierter AktivistInnen durch langjährige Gefängnisstrafen ist nicht hilfreich. Kurze Gefängnisaufenthalte im Rahmen des zivilen Ungehorsams sind vertretbar, da die Inhaftierten relativ schnell in die eigenen Reihen zurückkehren. Politische Gefangene haben als lebende MärtyrerInnen jedoch weder einen wünschenswerten noch einen besonders nützlichen Status, solange andere Optionen existieren.
Wenn wir die Geschichte der staatlich-militärischen Sabotage untersuchen, können wir eine hilfreiche Sammlung von Angriffsprinzipien ausmachen. Erstens: Nutze nur das geringste Maß an Gewalt, das notwendig ist, um ein Ziel zu erreichen - Mücken sollten nicht mit dem Gewehr getötet werden l Zweitens: Konzentriere den Angriff auf das schwächste Glied im System! Das klassische Beispiel ist die Strategie der Alliierten im Zweiten Weltkrieg, alle deutschen Kugellagerfabriken zu bombardieren. Diese Metallkugeln wurden für alle Fahrzeuge gebraucht. Ihre konzentrierte Zerstörung brachte die Fahrzeugproduktion und -wartung fast völlig zum Erliegen. Ein anderes Prinzip, das während dieser Bombardierungen zum Einsatz kam, war das akkurate und präzise Zielen mittels avancierter Zielsysteme (ein Bereich militärischer Forschung und Entwicklung, der bis heute an Größe und Differenzierung stetig zugenommen hat). Selbst aus militärischer Perspektive ist das Flächenbombardement einer Stadt zum Zweck der Zerstörung einer Fabrik eine unnütze Verschwendung von Ressourcen. Während AktivistInnen mit dem zweiten Prinzip gut zurechtkommen, beherrschen sie das erste und dritte eher schlecht. Das Inbrandsetzen von Nutzpflanzen und Laboren ist sicherlich zu viel des Guten. Zielgenauigkeit wird hierbei auch nicht angewandt. Eines der Probleme, das UmweltschützerInnen häufig thematisieren, ist der potentielle Tod von Tieren und Pflanzenarten, die nicht zur Zielgruppe des Gentechnikprodukts gehören. Feuer hat denselben nicht-spezifischen Effekt.

Welche Methode ist nun die beste, um die GVO-Forschung zu stören, wenn wir die oben genannten Prinzipien anwenden und mit unscharfer Sabotage verbinden wollen?
Forschungseinrichtungen als Widerstandsorte sind eine ausgezeichnete Wahl. Trotz der Tatsache, dass Unternehmen in der Regel von EPA und USA einen Persilschein zur Verrnarktung ihrer Produkte bekommen, solange sie einen minimalen Forschungsaufwand nachweisen können, der demonstriert, dass ein Produkt >sicher< ist, müssen sie doch immerhin irgendwelche Forschung betreiben. Wenn ihnen das nicht gelingt, ist die Produktlinie blockiert. Da diese Art Forschung sehr rigiden Protokollen folgt, um den gültigen Standards wissenschaftlicher Strenge zu entsprechen, ist die Störung, von Versuchen sehr einfach. Zwei besonders anfällige Bereiche sind die Probenentnahme und die Versuchswiederholungen. Im Falle einer Vermischung muss die Studie von vom beginnen, weil der Versuch nicht die notwendige statistische Aussagekraft besitzt. Wenn beispielsweise anhand der Größe von Würmern die Bodentoxizität in der Umgebung von Bt-Produkten untersucht wird, reicht es bereits, mehrere Würmer mit unterschiedlichem Gewicht der Probe beizufügen. Den ForscherInnen wird vermutl ich auffallen, dass ihre Probe verändert wurde, aber es wird ihnen nicht möglich sein, die Probe zu säubern. Die Studie müsste von vom beginnen. Die Einrichtun- muss nicht bis auf die Grundmauem abgebrannt werden, um die erwünschte Verzögerung im System zu erreichen. Es ist weder notwendig, Organismen außerhalb der Zielgruppe zu töten noch andere Forschungsinitiativen, die keinerlei Schaden verursachen, aber möglicherweise die gleiche Einrichtung nutzen, zu behindern oder zu zerstören. Die oben skizzierte Aktion hingegen ist billig, erfordert nur minimale menschliche Ressourcen und ist spezifisch zielorientiert.
Das Fehlen organischer Grenzen zwischen ökologischen Systemen ermöglicht radikalen Leuten die Mittel der Unternehmen gegen die Unternehmen selbst einzusetzen. Die Felder und Saatgutvorräte des kanadischen Farmers Percy Schmeiser wurden durch benachbarte Monsanto-»Roundup Ready«Felder verunreinigt. In Kanada sind Biotech-Unternehmen berechtigt, sämtliche Ackerpflanzen zu untersuchen. Nachdem sie Mr. Schmeisers Rapsfelder untersucht hatten, entdeckten sie die Hybridpflanzen und verklagten ihn wegen Patentverletzung. Dass Mr. Schmeiser seit 53 Jahren Raps auf >traditionelle< Weise anbaute und gar keine Gentech-Pflanzen wollte, spielte keine Rolle. Stattdessen wurde an ihm ein Exempel statuiert, um alle Gegner des gentechnisch veränderten Saatguts abzuschrecken. Du wirst also so oder so angegriffen. Wie dieser Fall gezeigt hat, ist die Möglichkeit einer Gegenklage zwar vorhanden, aber Privatklagen gegen kapitalgesättigte Unternehmen haben keine große Aussicht auf Erfolg.
Der für Akteur/Innen der unscharfen biologischen Sabotage interessante Teil dieser traurigen Geschichte ist, dass private Grenzen nicht als souveräne anerkannt werden, wenn sie von nicht-menschlichen organischen AkteurInnen übertreten werden. Du hast ein Problem mit einer Versuchspflanze? Dann versuch es doch mal mit der Zucht frei laufender Ratten (ziemlich billig) und lass so viele wie möglich in der Nähe des problematischen Geländes frei. Maulwürfe, Erdhörnchen, Murmeltiere, Kaninchen, Mäuse oder jedes Lebewesen, das nicht für die vorhandenen Toxine anfällig ist, könnten ebenfalls in der Nähe des Versuchsgeländes massenhaft freigelassen werden. Schließlich sind die Gesetze zum Schutz des Privateigentums bzw. die Paragraphen über Hausfriedensbruch oder Sachbeschädigung auf sie nicht anwendbar. Noch einmal: Es muss nicht die gesamte Ernte zerstört werden, sondern nur so viel, dass keine Proben mehr genommen werden können, die repräsentativ für die Gesamtfläche sind.

Material für Aktionen

Zeitungen
Texte
Lieder
Plakate & Co.
T-Shirt Vorlagen

Selber machen per Schablone oder per Druck im Copyshop ... (siehe: Bild rechts!)

Öffentlichkeitsarbeit
Vortrag und DVD "Die Mischung macht's!" ... Richtwert 7 Euro

Professioneller Mitschnitt der Veranstaltung "Die Mischung macht's - erfolgreiche Strategien des Widerstandes am Beispiel der Agrogentechnik" (3.4.2014 in Bayreuth, Referent: Jörg Bergstedt ). Er enthält gut 1,5 Stunden spannende Rückblicke auf den Aufstieg und Fall der Agrogentechnik Deutschland. Seit 2013 gibt es kein Feld mit GVO mehr: Was macht solche Widerstandsstrategien aus? Und was lässt sich daraus für andere Kampagnen und Aktionen lernen - z.B. für den Widerstand gegen Atom oder Kohle, Tierfabriken oder Schlachthöfe, Nazis oder Sozialabbau, Militär oder Repression. Fotos, kurze Filme und ausgewählte Anekdoten machen die Ton-Bilder-Schau zu einer rasanten Erinnerung an vergangene Protestjahre. Am Ende folgen Thesen für eine entschlossenere Protestkultur auch zu anderen Themen.
Die DVD kann auch öffentlich vorgeführt werden. Der Kauf beinhaltet die Aufführrechte für alle nicht-kommerziellen Veranstaltungen.
ISBN im SeitenHieb-Verlag 978-3-86747-068-1 ++ 108min ++ Vortragsangebote

Film "Aufstieg und Fall einer Patentlösung" (Agro-Gentechnik in Mecklenburg-Vorpommern)


Film "Aufstieg und Fall einer Patentlösung (Agrogentechnik in Mecklenburg-Vorpommmern)" (102min, Mai 2015)
Werbeeinblendungen stammen von Youtube bzw. Google (leider nicht abschaltbar) ++ Infos und Links zum Download hier ++ DVD bestellen

Wo sind die Felder?

Ortsangabe der Felder muss präzise sein (AFP, 17.2.2009)
Experimente mit genetisch veränderten Pflanzen dürfen nicht abseits der Öffentlichkeit geschehen. Die Bürger haben Anspruch auf umfassende Informationen, urteilte am Dienstag der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg. Danach müssen die Behörden insbesondere auch die genaue Lage des betroffenen Ackers angeben. Auch der Schutz der öffentlichen Ordnung rechtfertige davon keine Ausnahme.
Aus der Presseinformationen des EuGH vom 17.2.2009:
Deshalb müssen Personen, die GVO in die Umwelt freisetzen möchten, dies gemäß der Richtlinie bei den zuständigen nationalen Behörden anmelden und mit dieser Anmeldung eine technische Akte einreichen, die die erforderlichen Informationen enthält, nämlich, erstens, die Lage und Größe des Freisetzungsgeländes, eine Beschreibung des Ökosystems am Ort der Freisetzung, einschließlich Klima, Flora und Fauna, sowie die Nähe zu offiziell anerkannten geschützten Biotopen oder Schutzgebieten, die betroffen werden könnten, bei genetisch veränderten höheren Pflanzen und, zweitens, die geografische Lage des Ortes der Freisetzung und genaue Standortangaben sowie die Beschreibung der Ziel- und Nichtziel-Ökosysteme, die wahrscheinlich von der Freisetzung betroffen werden, bei den anderen GVO.
Die Angaben zur geografischen Lage einer absichtlichen Freisetzung von GVO, die in der betreffenden Anmeldung enthalten sein müssen, entsprechen daher den Anforderungen im Hinblick auf die Ermittlung der konkreten Auswirkungen einer solchen Freisetzung auf die Umwelt. Die Angaben über den Standort einer solchen Freisetzung sind somit nach den Merkmalen der jeweiligen Freisetzung und ihrer etwaigen Auswirkungen auf die Umwelt zu bestimmen.

Aus dem EuGH-Urteil, Az: C-552/07 vom 17.2.2009:
Zu den Daten, die nach den Vorgaben des Anhangs III B Abschnitt E in den mit den Anmeldungen einzureichenden technischen Akten aufgeführt werden müssen, zählt die Lage und Größe des Freisetzungsgeländes, die Beschreibung des Ökosystems am Ort der Freisetzung, einschließlich Klima, Flora und Fauna, und die Nähe zu offiziell anerkannten geschützten Biotopen oder Schutzgebieten, die betroffen werden könnten. ...
Zur Information über den Ort der Freisetzung ist festzustellen, dass sie nach Art. 25 Abs. 4 erster Gedankenstrich der Richtlinie keinesfalls vertraulich behandelt werden darf.
Unter diesen Umständen können Erwägungen des Schutzes der öffentlichen Ordnung oder anderer gesetzlich geschützter Geheimnisse, wie sie das vorlegende Gericht in seiner zweiten Frage angeführt hat, keine Gründe darstellen, die den Zugang zu den in Art. 25 Abs. 4 der Richtlinie 2001/18 aufgeführten Daten, zu denen insbesondere diejenigen über den Ort der Freisetzung gehören, beschränken können. ...
Diese Auslegung der Richtlinie 2001/18 wird dadurch gestützt, dass die die Umweltverträglichkeitsprüfung betreffenden Daten nach Art. 25 Abs. 4 dritter Gedankenstrich der Richtlinie nicht vertraulich behandelt werden dürfen. Eine solche Prüfung kann nämlich nur bei umfassender Kenntnis von der beabsichtigten Freisetzung durchgeführt werden, da andernfalls die möglichen Auswirkungen einer absichtlichen Freisetzung von GVO auf die menschlichen Gesundheit und die Umwelt nicht gebührend beurteilt werden können (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 9. Dezember 2008, Kommission/Frankreich, Randnrn. 75 und 77).

Schwärzungen nur in Ausnahmefällen (Art. 25. der EU-Richtlinie2001/18):
(2) Der Anmelder kann in den nach dieser Richtlinie eingereichten Anmeldungen die Informationen angeben, deren Verbreitung seiner Wettbewerbsstellung schaden könnte und die somit vertraulich behandelt werden sollten. In solchen Fällen ist eine nachprüfbare Begründung anzugeben.
(3) Die zuständige Behörde entscheidet nach vorheriger Anhörung des Anmelders darüber, welche Informationen vertraulich zu behandeln sind, und unterrichtet den Anmelder über ihre Entscheidung.

Rechtliches

Einwendungen gegen Genfelder

Bei noch nicht zugelassenen Pflanzen muss es für jedes neue Feld und die beantragte Periode (meist 1, 2 oder 3 Jahre) ein Antragsverfahren geben. Die Anträge der VersuchsbetreiberInnen liegen dann aus und mensch kann Einwendungen schreiben. Wer betroffen ist, kann danach sogar auch klagen - das ist also immer gut, Betroffene für Einwendungen zu bekommen.