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Geschichte

2006: Gen-Gerstefeld öffentlich "befreit"!

Ank ndigung ++ Aktionstag am 2.6. ++ VS-Bericht ++ Mehr Aktionen ++ Versuchsende ++ Links

Das war die Ankündigung

Etliche Menschen hatten eine Ankündigung zur Feldbefreiung verfasst. Es ging darum, öffentlich deutlich zu machen, dass mensch auch mit eigener Kraft den Versuch beenden will, falls die Uni nicht selber auf die Idee kommt. Zeitpunkt war Pfingsten 2006, wie der Ankündigungsseite zu entnehmen war. Für diesen Zeitraum wollten außerdem andere Gruppen eine Dauer-Demo am Feld anmelden, die auch als Treffpunkt für weitere Aktionen hätte genutzt werden können.

Die Liste der Menschen, die diese Ankündigung trugen, wird auf dieser Seite dokumentiert. Veröffentlicht wurden ausschließlich Vor- und Nachname sowie der Wohnort. Die Liste der UnterstützerInnen ist weiter offen und dient der Ankündigung von Unterstützung z.B. rund um das zu erwartende Gerichtsverfahren gegen die FeldbefreierInnen.

Hinweis:
Wir sammeln weiter Ankündigungen. Pfingsten ist zwar vorbei, das Versuchsfeld wurde stark geschädigt und am 6.7.2006 von Seiten der Uni beendet. Aber die öffentliche Auseinandersetzung ist damit nicht beendet. Vor allem die juristischen Folgen bieten eine Chance, die Gentechnik und die obrigstaatsstaatlichen Durchsetzungsverfahren zu kritisieren. Wer sich weiter eintragen lässt, kündigt den fortgesetzten Protest und Widerstand gegen den Versuch und die Kriminalisierung von "FeldbefreierInnen" an. Dieses war im ersten Ankündigungstext auch schon enthalten, gilt also weiter ...

Die Ankündigung (2006!)

Wir, die UnterzeichnerInnen, kündigen an, Pfingsten 2006 den Genversuch der Uni Gießen am Alten Steinbacher Weg 44 zu beenden. Veränderte Gene sind aus der Natur nicht mehr rückholbar, die Risiken werden bereits geschaffen, während sie untersucht werden. Konkret betroffen sind alle Menschen, besonders aber LandwirtInnen, GartenbesitzerInnen und alle, die selbst mit dem Boden, Pflanzen und Tieren umgehen. Eine solche Technologie dient nicht den Menschen, sondern vor allem Konzernen, die damit Profite machen wollen. Da auch die Gesetze Eigentum und Profit über die Menschen stellen und gleichberechtigte Beteiligungsmöglichkeiten nicht vorgesehen sind, haben wir uns entschlossen, soziale Notwehr zu leisten und mit einem not-wendigen Akt zivilen Ungehorsams das Feld zu besuchen und den Versuch zu beenden. Sollte unser Handeln von denen kriminalisiert werden, die solche Genversuche schützen und durchsetzen, so werden wir das nutzen, um unsere Motive öffentlich zu benennen.

Bisherige UnterzeichnerInnen:

Unterstützung und Solidarität haben angekündigt:

Diese Ankündigung mittragen? (galt für 2006)

Wer UnterzeichnerIn werden will oder Solidarität mit den FeldbefreierInnen erklären will hat mehrere Möglichkeiten ...

Presseinfos von "FeldbefreierInnen" und anderen GenversuchsgegnerInnen im Vorfeld der Aktion
Zum Versuch

Text aus: Gießener Echo, Mai 2006 (S. 2) von Gernot Linhart

Die Gießener Uni baut auf einem Versuchsfeld am Stadtrand genmanipulierte Gerste an. Ins Genom dieser Gerste wurde ein Gen aus einem Bakterium eingeschleust, das die Eigenschaften dieser Pflanze als Futter- und Brau-Getreide verbessern soll.
Wem nutzt so ein Versuch? Futtergetreide gibt es mehr als genug. Der Preis dafür ist so tief gefallen, daß es für die Landwirte lohnender wäre, Getreide als Brennmaterial für Heizungen und Kraftwerke zu vermarkten. Das ist kein Hirngespinst, sondern wurde in den letzten Monaten mehrmals in den Massenmedien berichtet. Als Begründung für Genmanipulationen an Lebensmitteln wird oft der Hunger in der Welt genannt. Grundfürden Hungeristaber nicht ein Mangel an Nahrungsmitteln, sondern die Armut. Weltweit ist die Landwirtschaft in der Lage, jede kaufkräftige Nachfrage mit herkömmlichen Anbaumethoden zu befriedigen.
Als Braugetreide würde die neu angebauteGerste kaumAbnehmerfinden. Eine Brauerei, die in den Ruf käme, so etwas zur Bierherstellung zu verwenden, könnte ihre Plärre gleich indenAusgußschütten und zumachen, dafür gibt es keinen Markt. Angeblich soll der Anbau der genveränderten Gerste Chemie auf dem Acker einsparen,. Daß Landwirtschaft auch ohne Giftspritze funktioniert, beweisen Bio-Bauern schon lange, dazu braucht man keine Genmanipulationen. Die einzigen Nutznießer von Genmanipulationen an Lebensmittel sind die Agrarkonzerne. Das neuartige Saatgut wird nur von ganz wenigen Herstellern produziert. Die Landwirte, die sich auf den Anbau der manipulierten Pflanzensorten einlassen, begeben sich in eine Abhängigkeit, die von diesen Konzernen gnadenlos ausgenutzt wird. Welche Gefahren birgt der Genversuch? Das kann niemand ernsthaft beantworten. Durch die Gentechnik werden Gene von Bakterien, Pflanzen und Tieren beliebig gemischt und neue Lebensformen erzeugt, die die Evolution nie hervorgebracht hätte. Welche Auswirkungen das langfristig auf des Leben auf der Erde hat ist nicht abzusehen - ein Großversuch mit unbekanntem Ausgang.

Abb. rechts: Kommentar von Guide Tamme (Giessener Allgemeine, 29.04.06, S. 26)

Zur Diskussion am 30.5.2006
Vor dem Feldbefreiungsversuch

Links: FR, 25.5.2006


Feldbesichtigung am 30.5.2006


Der Zustand bei Nacht (per Bildbearbeitung stark aufgehellt): Die Umgebung ist sehr dunkel, ein Flutlichtkegel erhellt das Feld (bläuliche Struktur in Bildmitte)


TeilnehmerInnen der Feldbesichtigung - an jeder Kleingruppe klebte ein Polizeiwagen. Insgesamt waren 3 Streifenwagen, 2 zivile Polizeiwagen und 2 Wagen des Sicherheitsdienstes der Uni im Einsatz während der Feldbesichtigung

Polizei sehr relaxt

Aus der FR am 26.5.2006
Das örtliche Polizeipräsidium sieht den Ankündigungen bislang gelassen entgegen, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Aus Sicherheitsgründen werde man über eventuelle Einsatzmaßnahmen selbstverständlich nichts sagen.

Dann der Aktionstag: Attacke auf das Versuchsfeld am 2. Juni 2006

Presseinfos der FeldbefreierInnen nach der Aktion
Berichte über den Feldbefreiungsversuch

 Text in der Anti Atom Aktuell Juli 2006 (S. 58 f., vergrößern durch Klick ++ in Internet)

Text im GID Juni/Juli 2006 (S. 27 f., vergrößern durch Klick)

Gleichzeitig: Die Mahnwache

Die damalige Planung
Mahnwache ab Freitagmittag im Alten Steinbacher Weg am Abzweig zur Rathenaustrasse (Ecke am Genfeld). Wer will noch Infostände aufbauen, Aktivitäten machen ...?
Das folgende ist eine Rundmail der Mahnwachen-Orga-Gruppe, die wir hier dokumentieren:

Jetzt geht's los: Freitagmittag, ca. 12 Uhr, werden einige Leute mit dem Aufbau der Demo am Genfeld beginnen (Ecke Alter Steinbacher Weg/Rathenaustr.). Ab dann können wir dort das gesamte Wochenende einschl. Montag unsere Kritik gegen die Gen-Gerste deutlich machen. Bisher sind folgende Aktionen geplant, weitere sind jederzeit vor Ort planbar (Stoffe, Farbe, Futter etc. sind vorhanden):
Sa 15 Uhr: Feldbesichtigung mit AnwohnerInnen und anderen Interessierten
abends: Nachtwanderung
So 9-11 Uhr: Frühsport am Feld: Skaten, Joggen, Radeln, Fußball spielen...
So 16 Uhr: Lecker Kaffee und Kuchen am Feld
Es werden noch viele helfende Hände und engagierte Leute gebraucht. (z.B. um jeden Abend 22 Uhr, den Kram zusammen zu räumen und morgens 10 Uhr wieder aufzubauen, Auflage vom Ordnungsamt. GRRRR!) Also kommt zuhauf!
An Materialien können wir z.B. noch Kabeltrommeln und Wasserkanister gebrauchen.
Hope to see you! Simone, Kontakthandy: 0162/3068922.

Nach der Feldbefreiungs-Aktion verbot die Polizei die Mahnwache gegen das Genfeld und räumte sie gewaltsam.

Politiker-Reaktionen auf die "Feldbefreiung"

Sowohl SPD wie auch Grüne lehnten vor Pfingsten einen Eilantrag der Linkspartei im Gießener Stadtparlament ab, sich mit dem Genversuch zu befassen. So sieht die Auseinandersetzung also sog. "politisch" aus. Erst nach der Aktion der "FeldbefreierInnen" sehen sie sich gezwungen, endlich auch Aussagen zu machen ...

SPD-Linker Schäfer-Gümbel als Ober-Hetzer gegen "FeldbefreierInnen" (Aus Gießener Allgemeine, Internet 7.6.2006, siehe Bild links, vergrößern durch Anklicken):
Aufklärung verlangt: HR hatte Übergriff auf Gentechnik-Versuchsfeld angekündigt
Die militanten Gentechnik-Gegner haben am Freitag etwa ein Fünftel des Versuchsfeldes mit gentechnisch veränderter Gerste im Alten Steinbacher Weg zerstört. Damit könne das wissenschaftliche Experiment nicht in vollem Umfang zu Ende gebracht werden, sagte Prof. Karl-Heinz Kogel, Direktor des Instituts für Phytopathologie (Pflanzenkrankheiten) der Justus-Liebig-Universität und Leiter des Versuchs, am Dienstag der Allgemeinen Zeitung. Der SPD-Landtagsabgeordnete Thorsten Schäfer-Gümbel hat Aufklärung über die Umstände der militanten Übergriffe gefordert, die der Hessische Rundfunk schon zwei Tage zuvor in einem Programmhinweis angekündigt hatte. Die Frage stelle sich, »wer wen zu welchem Zeitpunkt informiert hat. Wenn die Aktion bekannt war, hätte sie verhindert werden müssen.« Ärgerlich sei zudem, »dass sich ausgerechnet ein Herr Bergstedt im HR als Repräsentant der Gentechnik-Kritiker verbreiten konnte. Entweder wusste der HR nicht, mit wem er es zu tun hat, dann ist das peinlich. Oder er hat es gewusst, dann haben wir ein ernsthaftes Problem.« Obwohl Jörg Bergstedt jenseits jeder ernst zu nehmenden Positionierung stehe, werde ihm auch noch eine Bühne für seine Polit-Spektakel gegeben.

Und weil ja der kaputte Genversuch zu Tränen rührt, trifft sich die ganze SPD-Regionalelite gleich mit dem Versuchsleiter, um dessen Image zu retten. Dabei machen die SPDlerInnen zum Teil richtig peinliche Bemerkungen, z.B. dass die Uni " keinerlei kommerzielle Interessen verfolgten" (selten so gelacht) und das Bio-Sicherheitsprogramm nur aus öffentlichen Geldern finanziert würde (was Versuchsleiter Kogel auch schon mal besser wußte). Naja - die Sozialdemokraten halt im Krisenfall immer als Rettungsring staatlicher und wirtschaftlicher Interessen ... Bericht zu dem Werbeauftritt der SPD-Größen am Genversuchsfeld im Gießener Anzeiger (19.5.2006).

Landtags-Grüne wettern gegen Genversuch und gegen "FeldbefreierInnen" (Aus Gießener Allgemeine, 16.6.2006, siehe Bild links, vergrößern durch Anklicken), Auszug:
Die Feldbefreiung am Freitag vor Pfingsten, als das Versuchsfeld teilweise zerstört wurde, lehnt der Gentechnikgegner Häusling strikt ab. Der Landtagsabgeordnete: "Das sind Aktionen von Fundamentalisten, die alle ernsthaften Kritiker der Gentechnik diskreditieren. Wir führen diese Auseinandersetzung politisch."

Zum gleichen Thema im Gießener Anzeiger, 16.6.2006 hier ..., Auszug:
Grünen-Politiker Häusling distanzierte sich ausdrücklich von der Aktion der "Feldbefreier" am Pfingstwochenende. "Das ist nicht die Form des Dialogs, die wir für akzeptabel halten", so der Landtagsabgeordnete. Vielmehr schadeten derartige Aktionen der Sache, weil damit die Gentechnik-Gegner in die Chaoten-Ecke gestellt würden.

Die Ex-SPD- und jetzige DuMont-Zeitung "Frankfurter Rundschau" zeigte recht deutlich, wieweit sie Widerständigkeit jenseits der großen und zentralen Aktionen gänzlich negiert. Die Zeitung, die auch Attac groß machte gegenüber den Basisinitiativen des Protestes und die Linkspartei-/WASG-Kader gegenüber den Straßenprotesten gegen Hartz IV schrieb am 29.7.2006 (S. 29):
Zum zweiten Mal kündigen Gentechnikgegner eine Straftat im Vorfeld an.
Die Aktionen in Gießen und Oberboihingen fanden in der zentralen FR-Redaktion und beim rechtsstaatsfetischistischen Gentechnikkritiker Stephan Boernecke gar nicht statt. Auch rund um Pfingsten, als es zu den beiden genannten angekündigten Feldbefreiungen kam, schrieb Boernecke zwar viel über Genfelder, aber nur über den kleinen Genmais-Acker in der Wetterau - Gießen und Oberboihingen erwähnte er mit keiner Silbe. Ob da eine Rolle spielte, dass der Versuchsleiter des Gießener Feldes auch ein SPD-Mann ist???

Kogel zur Feldbefreiung

Aus einem Interview mit Prof. Kogel (Quelle: Biosicherheitsforschung)
Als dann radikale Gentechnik-Gegner die Zerstörung unseres Versuchs ankündigten, führte das zu einem starken Solidarisierungseffekt, insbesondere an der Universität. Es gab aber auch eine deutliche Unterstützung aus den Wissenschaftsorganisationen, etwa der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft), und auch von vielen Wissenschaftlern aus dem Ausland. Trotzdem sind Teile des Versuchs zerstört worden – und zwar durch eine kleine Gruppe von "Feldbefreiern", die vor laufender Kamera die Pflanzen zertrampelt haben. Sie haben das richtig zelebriert, um damit ihre Ablehnung des politischen Systems zu demonstrieren. Das ist schon eine interessante Erfahrung: Je radikaler der Widerstand, um so weniger hat das wohl mit biologischen Fragen oder Risikoaspekten der Gentechnik zu tun. 

Erwähnung in Gentechnik-Texten der Folgezeit

Aus Spiegel-Online, 22.6.2006
Gengegner zerstörten wiederholt die Pflanzen auf Forschungsäckern: An Pfingsten hatten selbsternannte FeldbefreierInnen ein Fünftel eines Versuchsfelds bei Gießen zerstört. Dort war genetisch veränderte Gerste angebaut worden. Einige der Aktivisten verbrachten die Feiertage in polizeilichem Gewahrsam.

Aus der taz, 12.6.2006 (S. 7)
Der österreichische Landwirtschaftsminister und EU-Ratspräsident Josef Pröll glaubt hingegen nicht, dass die angewandte Gentechnik in Europa eine "Erfolgsstory wie in Übersee" werden könne. Er stellte am Wochenende fest: "Es gibt zu viele in der Gesellschaft, bei den Konsumenten und im bäuerlichen Bereich, die Gentechnik nicht wollen."
Das zeigt sich auch in der Nähe des hessischen Gießen; dort sorgt gentechnisch veränderte Gerste für Furore: Vor zehn Tagen waren sechs Gentechnikgegner beim Versuch festgenommen worden, das Feld zu zerstören. Seitdem wird das Versuchsfeld rund um die Uhr polizeilich bewacht.
Die Gerste hatten Forscher des Instituts für Phytopathologie der Gießener Universität gepflanzt - 9,6 Quadratmeter mit 5.000 gentechnisch veränderten Pflanzen. Es ist in Deutschland das erste Mal, dass so genannte transgene Gerste im Freiland wächst. Institutsleiter Karl-Heinz Kogel erklärt: "Der Versuchsanbau ist Teil der Biosicherheitsforschung". Mitte August sollen die Pflanzen ausgegraben und ihre Wurzeln untersucht werden. Falls sie so lange stehen: Die Proteste reißen nicht ab.

"I did it" am 30.6.2006 beim Prozess in Tübingen

Ein Feldbefreier der Gießener Aktion besuchte den Prozess gegen FeldbefreierInnen in Tübingen ... mit seinem "I did it"-T-Shirt, das aus der Gießen-Aktion heraus entstand (zum Prozess in Tübingen mehr unter www.gendreck-weg.de).

Hessischer Verfassungsschutzbericht 2006

Nicht die mafiosen Strukturen der Gentechnik-Konzerne und LobbyistInnen, die ständigen Rechtsbrüche bei den Versuchen und beim Anbau oder das hohe Risiko bedroht das Land, sondern Menschen, die Genversuche kritisieren und angreifen. So jedenfalls bewertet es das Land Hessen. Dessen Verfassungsschutz widmete der Feldbefreiung an Pfingsten 2006 einen längeren Absatz. Das liest sich so (S. 135 des Hessischen Verfassungsschutzberichts 2006):

Ein Hauptaugenmerk der dieser Bewegung zuzurechnenden Anarchisten der Projektwerkstatt Reiskirchen-Saasen (Landkreis Gießen) richtete sich gegen die Anwendung der Gentechnologie. So wurden am 10. Mai anlässlich einer Demonstration von Studenten der Universität Gießen Flugblätter verteilt, in denen für Pfingsten Aktionstage rund um ein Genversuchsfeld und eine „Feldbefreiung“ in Gießen angekündigt wurden. Als Kontakt für Rückfragen wurde u.a. die Projektwerkstatt Reiskirchen-Saasen aufgeführt. Der Genversuch wurde insbesondere im Internet durch Gegner der Gentechnologie, unter ihnen auch der Anarchist und Leiter der Projektwerkstatt, thematisiert. Durch die Projektwerkstatt wurde zu unterschiedlichen Aktionsformen, insbesondere den so genannten „Feldbefreiungen“, die eindeutig auf eine Zerstörung des Versuchsfeldes abzielen, aufgerufen. Als weitere Aktionsform wurden Dauer-Mahnwachen angekündigt. Am 22. Mai wurde dann von einer Aktivistin der Projektwerkstatt Reiskirchen-Saasen für die Zeit vom 2. bis 5. Juni eine Mahnwache gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel in unmittelbarer Nähe des Versuchsfeldes angezeigt. Am 2. Juni kam es zu der zu diesem Zeitpunkt überraschenden „Feldbefreiung“ indem Personen die Absperrungen überwanden und einen Teil der Pflanzen herausrissen. Die Polizei nahm insgesamt sechs Personen fest.

Stellungnahme von FeldbefreierInnen am 26.5.2007 zum VS-Bericht:

Gentechnik-Widerstand im Verfassungsschutzbericht Hessen:
Land Hessen betreibt Kriminalisierung unerwünschter Meinungen statt Aufklärung
Sind Gentechnikgegner Terroristen? Ist der Staat in Gefahr, wenn Monsanto & Co. ihren Geschäften nicht mehr problemlos nachgehen können? Muss daher eine Mahnwache gegen ein Gentechnikfeld schon den Verfassungsschutz auf den Plan rufen?
Ein solcher Eindruck entsteht beim Blick in den neuen hessischen Verfassungsschutzbericht. Dort wird dem Protest gegen den hochriskanten Gengerste-Freisetzungsversuch in Gießen am Alten Steinbacher Weg ein längerer Absatz gewidmet. Auf Seite 135 ist zu lesen, dass Flugblätter verteilt wurden, „in denen für Pfingsten Aktionstage rund um ein Genversuchsfeld und eine ‚Feldbefreiung’ in Gießen angekündigt wurden“. Ebenso furchterregend schienen Internetseiten zu sein: „Der Genversuch wurde insbesondere im Internet durch Gegner der Gentechnologie, unter ihnen auch der Anarchist und Leiter der Projektwerkstatt, thematisiert.“ Schlimm war eine ordnungsgemäß als Demonstration angemeldete „Mahnwache gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel in unmittelbarer Nähe des Versuchsfeldes“. Und schließlich: „Am 2. Juni kam es zu der zu diesem Zeitpunkt überraschenden „Feldbefreiung“ indem Personen die Absperrungen überwanden und einen Teil der Pflanzen herausrissen. Die Polizei nahm insgesamt sechs Personen fest.“
Aus der Gruppe der „FeldbefreierInnen“ werden die Passagen kritisiert: „Der hessische Verfassungsschutz zeigt sich als das, was er ist: Billiger Handlanger politischer Interessen. So wie durch die Bericht auch andere Aktivitäten z.B. gegen die neoliberale Globalisierung oder gegen die Studiengebühren kriminalisiert werden, ist auch hier diese überflüssige Behörde aktiv für das, was gerade politisch für die Regierenden nützlich ist. Wenn etwas gesellschaftliche Gefahren bewirkt, dann ist es der unfassbare Filz zwischen Konzernen, Regierungen und Ämtern!“ Allerdings wollen die AktivistInnen nicht gegen die Veröffentlichung vorgehen, auch wenn z.B. eine ganz ordnungsgemäße Demonstration hier plötzlich im Verfassungsschutzbericht erscheint. „Mit solchen Passagen zeigt diese Schnüfflertruppe nur, welche Ziele sie verfolgt. Der Absatz gegen Genfeld-Befreiungen ist skandalöser als der ganze Bericht. Das Meinungen, die von 80 Prozent der Bevölkerung unterstützt werden, im Verfassungsschutzbericht auftauchen, sagt mehr über die Macher des Berichts und den Innenminister als Auftraggeber aus als über unsere Aktionen.“
Ihre Aktionen sehen die „FeldbefreierInnen“ auch in einer geschichtlichen Folgen. Die erste öffentliche Feldbefreiung fand am 2.6.2006 statt. Inzwischen ist ein weiteres Feld mit MON810-Mais in Gießen zerstört worden (21.5.2007). Mitte der 90er Jahre wurden in der Wetterau mehrfach Genversuchsfelder zerstört, einige Jahre später Versuche der Universität Gießen mit Raps auf der Versuchsstation Rauischholzhausen. Die Feldbesetzungen und –zerstörungen haben wesentlich zur öffentlichen Debatte um die Gentechnik beigetragen. „Das wollen wir weitermachen“, sagen die „FeldbefreierInnen“.

Weitere Aktivitäten

Die Lage nach der Feldbefreiung

Am Freitag, 15.30 Uhr, attackierten vier Menschen das Genversuchsfeld in Gießen am Alten Steinbacher Weg. Das Ziel war nicht in erster Linie die vollständige Zerstörung, sondern vielmehr eine symbolische Handlung, ein Ausdruck des Widerstandes gegen die auf Macht- und Profitinteressen ausgerichtete Technologie. Weitere Menschen beteiligten sich mit anderen Aktionen. Sechs Menschen wurden festgenommen, vier dem Richter vorgeführt, zwei von diesem trotz fehlender Begründung und offenbar auf Anweisung aus der Polizeiführung für mehrere Tage in das zentrale Polizeigewahrsam nach Frankfurt verbracht.
Wenige Stunden später verbot die Stadt Gießen mit windigen Gründen die in der Nähe des beschädigten Genversuchsfeldes stehende mehrtägige Mahnwache. Die Polizei, die offenbar genau darauf wartete und hoffte, räumte die für den ersten Tag schon im Abbau befindliche Mahnwache mit erheblicher Mannschaftsstärke rabiat ab.
Vier FeldbefreierInnen erhielten am Folgetag mehrmonatige Aufenthaltsverbote für den gesamten Südosten der Stadt Gießen.
In den Medien begann die typische Hetze der getroffenen Eliten. Den AktivistInnen wurde eine sachliche Begründung abgesprochen, sie wurden als ChaotInnen diffamiert. Mehrere Journalisten und Parteivertreter griffen zudem den Hessischen Rundfunk an, dass dieser sich erdreistet hätte, einen Filmmitschnitt der Aktion ausgestrahlt zu haben. Der regionale SPD-Chef Schäfer-Gümbel verstieg sich sogar zu der Forderung, dass bestimmte Personen überhaupt nicht mehr von den Medien beachtet werden sollten. Seine Stellungnahme ist ein offensives Einfordern von Zensur gegenüber Andersdenkenden.
Eine Woche nach der teilweise geglückten Feldbefreiung ist die Lage damit offen. Die von den Polizeimaßnahmen und dem Verbot der Mahnwache Betroffenen haben unabhängig voneinander Beschwerden eingereicht. Die Diskussion um das Genversuchsfeld hat an Schärfe gewonnen. Die Universität Gießen hat inzwischen Strafantrag eingereicht und damit nach der Aussaat der Gengerste per Sofortvollzug und der intensiven Bewachung mit Polizei und Sicherheitsdiensten zum dritten Mal gezeigt, dass sie von Dialog redet, aber anders handelt.
Überregional soll die Idee der Feldbefreiungen verbreitet werden. Gleichzeitig mit der Feldzerstörung in Gießen handelten Menschen in Oberboihingen (Baden-Württemberg) ähnlich. Für das letzte Juliwochenende dieses Sommers ist eine weitere Feldbefreiung der Initiative „Gendreck-weg“ angekündigt. AktivistInnen aus Gießen haben ihre Mitwirkung angekündigt. Solche Aktionen sind in Deutschland noch ganz am Anfang. In anderen Ländern wie Frankreich oder noch stärker Indien beteiligten sich Tausende Menschen an Feldbefreiungen.

Verschiedene politische Kreise krakeelten dagegen rum. Unterstützung bekam das Lager der VersuchsbefürworterInnen von gentechnikkritischen Strömungen, die die Spielregeln der Mächtigen unbedingt anerkennen und jede Form von Illegalität richtig schlimm finden ... u.a. griffen SPD und Grüne die "FeldbefreierInnen" scharf an. Sichtbar wurde dabei aber vor allem, dass sie genervt waren, dass unabhängige KritikerInnen agierten (siehe Presseseite).
Presseinfo von "FeldbefreierInnen" zu den politischen Nachbeben und mit Kritik an Angriffen von SPD und Grünen vom 18.6.06.

Diskussion am 8.6.2006 im Kino Traumstern

Nach dem Film "We feed the world" gab es im Kino Traumstern ein sog. Publikumsgespräch. Links der Ausschnitt aus einem Bericht der Gießener Allgemeinen, 10.6.2006 (S. 37).

8. Juni (19 Uhr): Filmstart "We feed the world" im Kino Traumstern mit anschließender Diskussion. Text von der Kino-Homepage:
Am Do. 8. Juni zum Start von WE FEED THE WORLD sind Gäste bei uns, die für Podiumsgespräche wie für viele weiterreichende Informationen zur Verfügung stehen, u.a. voraussichtlich von Klatschmohn Naturkost, dem Weltladen Gießen, einem Bio-Saatgutbetrieb und Demeter. Der Film läuft bei uns bis 13. Juni.


Rechtliche Auseinandersetzungen

Die Folgen und das Ende des Versuchs

Schäden durch die Feldbefreiung 2006

Handschriftlicher Vermerk Dr. Kammer (RP) vom 10.5.2006: "Freisetzung transgener Gerste am Standort Gießen. Vorhaben der Universität Gießen. Hr. Prof. Kogel teilte mit, daß der Versuch bisher wie erwartet verlaufe. Allerdings habe er bei 2 Internetadressen ... Aufrufe gefunden, die ihn beunruhigen. Es wird befürchtet, daß es bis Pfingsten zu größeren Aktionen gegen die Freisetzung kommen kann. Er wollte die Überwachungsbehörde darüber informieren."


Aus der Akte beim RP: Brief Prof. Kogel an Dr. Lohs, Rechtsabteilung beim Uni-Präsidium (9.6.2006)


Aus der Akte beim RP: Protokoll der Ortsbesichtigung am 9.6.2006 zum Schaden und zu zukünftiger Sicherung

Aus der FAZ, 7.7.2006
Die genmanipulierte Gerste ist auf einem Versuchsfeld der Universität Gießen in dieser Woche vorzeitig geerntet worden. Ursprünglich hatten die Forscher um den Leiter des Instituts für Phytopathologie (Pflanzenkrankheiten), Professor Karl-Heinz Kogel, das Feld erst im August abräumen wollen. Nun haben sie aber entgegen ihrer Absicht nicht bis zur Reife der Ähren gewartet. Denn ein Fünftel der Ende April gesetzten 5000 Pflanzen war von Gentechnikgegnern am Pfingstwochenende zerstört worden. ...
Derweil wertet die Gießener Polizei, die am Pfingstwochenende noch größere Schäden an dem Versuchsfeld verhindert hatte, nach wie vor weiter die gesicherten Spuren aus. Gegen die militanten Gentechnik-Gegner wird wegen des Verdachts der der Sachbeschädigung und des Hausfriedensbruchs ermittelt, wie die Staatsanwaltschaft Gießen weiter mitteilte. Sie hatten den Übergriff zuvor im Internet angekündigt. Der mutmaßliche Rädelsführer ist polizeibekannt, da er in der Vergangenheit schon mit ähnlichen Aktionen aufgefallen war.

Links

Presse zu weiteren Genfelder in der Region

Links: Text zum Genversuch in Hammersbach, FR 4.5.2006 (Vergrößern durch Draufklicken)