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Und wenn der MON810 dreimal verboten ist - hier steht er!
Gentechnik-Streichelzoo in Üplingen (Börde)

Der Schaugarten ++ Links

Zensiert! Zwei der wichtigen Personen in der deutschen Gentechnik, die Vielfach-Geschäftsführerin Kerstin Schmidt und der InnoPlanta-Chef und FDP-Landtagsabgeordnete Uwe Schrader, versuchen per gerichtlichen Verfügungen, die Kritik an ihrer "Tätigkeit" verbieten zu lassen. Daher sind ihre Namen geschwärt. Mehr ...

"Wenn es Sie interessiert, wie weit die moderne Pflanzenforschung tatsächlich ist, wenn Sie sich einmal 'echte' Freilandversuche anschauen wollen, wenn Sie wissen wollen, ob gentechnisch veränderte Pflanzen zu einer nachhaltigen Landwirtschaft beitragen können - dann kommen Sie in den Schaugarten Üplingen und machen sich Ihr eigenes Bild."
Das ist kein Fake, sondern Werbung für die zahlenmäßig umfangreichste Ansammlung gentechnischer Felder in Deutschland. Offiziell sie die Parzellen als Versuchsfelder beantragt und genehmigt - und im offiziellen Werbeprospekt steht das auch so: "Auf den landwirtschaftlichen Flächen des Stiftungsgut werden Versuche mit allen gängigen landwirtschaftlichen Kulturarten durchgeführt." Doch mit der Wirklichkeit hat das wenig zu tun. Schaugarten Üplingen - das ist Propaganda pur. Und zwar immer wieder die platteste Art, die vorstellbar ist: Einfach ein paar konventionelle Pflanzen schlecht behandeln und die gentechnisch veränderten daneben sprießen lassen - schon ist ein einfacher Baukasten der Gehirnwäsche fertiggestellt.

Einfügen: Erlebnisbericht

Aus einem Bericht eines Besuchs im Gen-ethischen Informationsdienst GID, Oktober 2008 (S. 24 f.)
Wie die Vertreter von Innoplanta e.V. berichten, gibt es bereits Expansionspläne. Die Bundesministerien für Landwirtschaft, Forschung und Wirtschaft hätten bereits signalisiert, einen solchen Garten in jedem Bundesland einzurichten. Die Debatte um die Chancen und Risiken der Agro-Gentechnik wird weitergehen. Im Streichelzoo für GVO.

Ist der der einseitige Spaziergang beendet, darf - wie großzügig - sogar noch etwas diskutiert werden: "In einer lockeren Runde - gegebenenfalls bei Kaffee und Kuchen - stehen Experten Rede und Antwort zu fachlichen oder gesellschaftlichen Fragen." Aber nur eine halbe Stunde bitte ... Wichtiger ist schließlich das Essen, wo der Tagungsort ein klassisch nachhaltiges Menüangebot offeriert:


Auszüge aus der Speisekarte im Programm- und Tagungsangebot

Im Original: Kaffeefahrten und Schaugärten ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus dem Bericht über die Eröffnung in der Magdeburger Volksstimme, 9.7.2008
Der 'Schaugarten Üplingen' im Landkreis Börde wurde gestern offiziell eröffnet. ... Landwirten, Verbrauchern sowie Schulklassen werden Führungen angeboten. ... Zu sehen sind Bt-Mais MON 810 von Monsanto (mit Hilfe eines Gens des Bacillus thuringiensis gegen den Maiszünsler resistent), ein herbizidtoleranter Mais (Round up ready) und Sticks (gentechnisch veränderte Maissorten, in die beide Eigenschaften eingebaut sind). ... Auf dem Kartoffelfeld steht neben der konventionellen Stärkekartoffel Kuras die Amflora von BASF PlantScience, die aufgrund ihrer gentechnischen Veränderung nur eine Sorte Stärke bildet.


Der Schaugarten im Jahr 2008 (Quelle: www.biosicherheit.de)

Aus dem Programm- und Tagungsangebot "Schaugarten Üplingen"
Auf den landwirtschaftlichen Flächen des Stiftungsgut werden Versuche mit allen gängigen landwirtschaftlichen Kulturarten durchgeführt. Das Angebot umfasst sowohl Groß- als auch Kleinparzellen und die Prüfung oder Demonstration von Sorten, Pflanzenschutz- und Düngemitteln.
Im Schaugarten werden verschiedene gentechnisch veränderte Pflanzen gezeigt, an denen in Europa geforscht
oder die in anderen Teilen der Welt angebaut werden. Die Palette reicht von herbizidresistentem
Mais bis zu nachwachsende Rohstoffe produzierenden Kartoffeln. In sieben Blöcken werden unterschiedliche
Pflanzenarten und -eigenschaften präsentiert und sachkundig erläutert.
Welche gentechnisch veränderten Pflanzen Sie dort sehen können: ... Modellpflanze Mais – von der Inzuchtlinie über Hybridpflanzen bis zum gentechnisch veränderten Mais mit drei neuen Eigenschaften (triple stacks), insektenresistenten Mais, herbizidtoleranten Mais bei unterschiedlichen Unkrautbehandlungsregimes, herbizidtolerante Zuckerrüben bei unterschiedlichen Unkrautbehandlungsregimes, krankheitsresistente Kartoffeln (Kraut- und Knollenfäule) im Vergleich zu konventionellen Sorten, Kartoffeln, die neuartige Inhaltsstoffe produzieren (Bioplastik, Impfstoffe), pilzresistenten Weizen ...
Im Energiegarten können Sie unterschiedliche nachwachsende Rohstoffe besichtigen und mehr über deren
Anbau und Eigenschaften erfahren. ...
In der Ausstellung wird erläutert, wie die grüne Biotechnologie entstanden ist, welche Verfahren sie nutzt und was sie von konventioneller Züchtung unterscheidet, welche Produkte sie bisher hervorgebracht hat und welche Vorteile oder Risiken diese Produkte gegenüber anderen Sorten aufweisen. ...
Nach Besichtigung des Schaugartens und der Ausstellung besteht sicher der Bedarf nach Meinungsaustausch und Nachfragen. In einer lockeren Runde - gegebenenfalls bei Kaffee und Kuchen - stehen Experten Rede und Antwort zu fachlichen oder gesellschaftlichen Fragen.

Ausschnitt aus dem Prospekt (S. 2)


Textauszüge aus der Internetseite "Schaugarten Üplingen"
Die Landwirtschaft der Zukunft soll umweltfreundlich sein und zum Klimaschutz beitragen, weniger Wasser verbrauchen und den Boden schonen. Die Weltbevölkerung wächst und muss ernährt werden. Und auch nachwachsende Rohstoffe konkurrieren um die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen, die kaum noch ausgeweitet werden können.
Deshalb sind Pflanzen mit neuen Eigenschaften nötig: Gesunde und vitale Pflanzen, die gute Erträge liefern, unempfindlich sind gegenüber Schädlingen und Krankheiten – und auch bei widrigen Umweltbedingungen wie Kälte, Hitze oder Trockenheit gedeihen.
Ohne eine moderne Pflanzenforschung wird das nicht zu erreichen sein. Überall auf der Welt arbeiten Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen an der Entwicklung neuer Pflanzensorten. Sie nutzen dabei verschiedene Züchtungsmethoden, darunter auch die Pflanzenbiotechnologie.
Wenn es Sie interessiert, wie weit die moderne Pflanzenforschung tatsächlich ist, wenn Sie sich einmal "echte" Freilandversuche anschauen wollen, wenn Sie wissen wollen, ob gentechnisch veränderte Pflanzen zu einer nachhaltigen Landwirtschaft beitragen können - dann kommen Sie in den Schaugarten Üplingen und machen sich Ihr eigenes Bild.


Aus der Selbstdarstellung des Betreibers BioTechFarm GmbH & Ko KG
Die BioTechFarm GmbH & Co. KG organisiert Feldversuche für Unternehmen, wissenschaftliche Einrichtungen und Institutionen, die neuartige Pflanzen, Pflanzenschutz- und Düngemittel im Feld erproben möchten. Die Gesellschaft stellt hierzu entsprechend geeignete Flächen bereit, bietet Dienstleistungen zur agronomischen Betreuung der Flächen, zum Schutz der Flächen vor Zerstörung und zur PR-mäßigen Begleitung der Feldversuche an. ...
Patentlösungen gibt es nicht. Doch eines ist sicher: Eine moderne Pflanzen- und Agrarforschung ist dabei unverzichtbar. ...
Die wichtigsten Kulturpflanzen, bei denen gentechnisch veränderte Sorten weltweit im Anbau sind, sind Soja, Mais, Raps, Baumwolle und seit 2007 Zuckerrüben. Die mit gentechnischen Verfahren neu eingeführten Merkmale sind Herbizidresistenz und Resistenzen gegen schädliche Insekten. Für die Landwirtschaft eröffnen sich damit Chancen für mehr Nachhaltigkeit.


Aus einen Bericht über das InnoPlanta-Forum am 7.9.2009 auf der BioTechFarm, in: mz-web am 8.9.2009
Die BioTech-Farm bietet den ortsansässigen Unternehmen und Forschungseinrichtungen Flächen und weitere Dienstleistungen für wissenschaftliche Feldversuche in Üplingen an. "Unser Unternehmen unterhält in Üplingen mit dem Schaugarten die europaweit erste Freilandausstellung. Mit der Kooperation bieten wir den Mitgliedern der Marketinginitiative an, ihre Produkte der modernen Pflanzenzucht dort der Öffentlichkeit zu präsentieren", ergänzt Kerstin Schmidt, Geschäftsführerin von BioTech-Farm.

Offen zugegeben: Eine "öffentliche Bühne" - kein Nutzen, nur eine Quelle für die Auskreuzung ...
Aus dem Text zur BioTechFarm
auf der Gentechnik-Propagandaseite TransGen
Der insgesamt fünf Hektar große Schaugarten bildet gewissermaßen eine öffentliche Bühne ... Wer sich ein eigenes Bild von Gentechnik und Pflanzenzüchtung machen möchte, wer interessiert und neugierig ist, kann sich zu einem Besuch im Schaugarten anmelden. Schulklassen und Gruppen sind besonders willkommen.

Toll - Risiko zum Anfassen! So wird der Schaugarten erlebt ... (Quelle)
Wozu der Schaugarten dient? Pflanzenzüchter und entsprechende Institute haben hier die Möglichkeit Pflanzenzüchtungen zunächst zu erproben und später zu präsentieren. Dazu bietet der Schaugarten der interessierten Öffentlichkeit, beispielsweise Landwirten, Verbrauchern aber auch Schulklassen Führungen an.
Zu den Pflanzenzüchtungen gehören sowohl konventionelle aber auch gentechnisch veränderte Sorten, die hier in friedlichen Koexistenz wachsen. Damit das Ganze auch so bleibt, ist das Gelände umzäunt und auch bewacht. Wer den Schaugarten besuchen möchte, der muss sich vorher anmelden. Derzeit gedeihen auf der Präsentationsfläche auch konventioneller und gentechnisch veränderter Mais sowie konventionelle und gentechnisch veränderte Kartoffeln. Im nächsten Jahr soll auch Weizen dazu kommen. Wer in diesem Jahr den Schaugarten besucht, der kann neben Kartoffeln und Mais aber auch Energiepflanzen besichtigen. Dazu gehören Sonnenblumen, zwei Hirse-Arten, Öllein, halluzinogenfreier Cannabis und Miscanthus, eine Gräserart.
Der Schaugarten wurde übrigens schon von mehreren Seiten gelobt, mit ihm würde die Gentechnik endlich nicht mehr nur theoretisch diskutiert, sondern viele Menschen können sie in der Praxis erleben und auch ein Stück weit verstehen.
Auch wenn ich denke, dass Gentechnik nicht vorbehaltlos hingenommen werden sollte, ist dies ein guter Weg, um sie eben doch der Allgemeinheit verständlicher zu machen und damit so manches Missverständis zu klären.

Im Original: Fotos und Berichte ... Diese Bilder ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden

Oben: Der Rand des eingezäunten Schaugartens 2009 - mit Gänsen als Wächter. Daneben eine Propagandatafel.
Unten: Flaggen auf dem Gelände des Hofgutes und Wegweiser an der Straße.

Aus "Veit Wolpert als "Messe-Besucher" im Schaugarten unterwegs" in: Volksstimme am 11.8.2010
Schrader erläutert, dass der Schaugarten in Üplingen wie eine Messe zu verstehen sei, auf der sich Besucher darüber informieren, welche Forschungsentwicklungen es gibt.

Aus einem dpa-Text, zu finden auf Proplanta am 16.9.2008
Schrader spricht von «verhärteten Fronten», die es aufzuweichen gilt. Diesem Ziel dient auch die neueste Idee: Schrader führt Besuchergruppen durch den europaweit ersten Schaugarten für gentechnisch veränderte Pflanzen.
Ein brusthoher Maschendrahtzaun soll Eindringlinge abhalten, mehrere Sicherheitsleute patroullieren rund um das Gelände, und es gibt sogar einen Wachturm. Eine dichte Wand aus Mais verwehrt jeden Blick ins Innere. Nachdem der Besucher Zaun und Mauer aus Mais überwunden hat, steht er auf einem Gelände, etwa so groß wie ein Fußballfeld. In der Mitte wachsen verschiedene Kartoffelsorten auf langen, schmalen Parzellen. An den Seiten steht Mais in den verschiedensten Varianten: große und kleine Sorten, konventionell gezüchtet und gentechnisch verändert.
Schrader bückt sich, nimmt einige Blätter einer Kartoffelpflanze in die Hand. In Polo-Hemd und Jeans führt der sportliche Endvierziger die Besucher durch den Garten. Begeistert zeigt der Biologe auf sein Lieblingsbeispiel, das auf dem Feld in der Mitte zu sehen ist.
Schnurgerade zieht sich eine Linie durch die Pflanzen. Links sind die Blätter welk und braun, die Kartoffeln klein und schrumpelig. Hier hat die Phytophtora, die Kraut- und Knollenfäule gewütet - eine der häufigsten Pilzkrankheiten bei Kartoffeln und Tomaten. Rechts dagegen frisches Grün, schöne feste Knollen die Gentechnik lässt grüßen. Der Effekt ist perfekt, der Besucher staunt, und Schrader ist zufrieden.
Während die konventionelle Pflanze der Krankheit nichts entgegenzusetzen hatte, wurden der Kartoffel nebenan zwei Resistenzgene aus einer Wildkartoffel eingesetzt, erklärt er. «Darauf sind die Landwirte ziemlich scharf», sagt Schrader, «normal muss man etwa zehnmal spritzen.»


Weitere Berichte über Besuche im Schaugarten

Woher kommt der Schaugarten? Wem gehören die Flächen und wer steckt hinter dem Ganzen?

Schaugarten in Üplingen (Betreiber: BioTechFarm)

Über den Schaugarten Üplingen findet sich ein
Text ab Seite 15 inder Broschüre "Organisierte
Unverantwortlichkeit" (Infoseite ++ PDF)

Der dritte und neueste BioPark, gemeinsam organisiert aus den Seilschaften der Länder Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, entstand im Westen Sachsen-Anhalts, 30 km östlich von Magdeburg: Eröffnet im Juli 2008, dient die Üplinger BioTechFarm nach eigener Darstellung der Beeinflussung von Meinungen über Gentechnik. Zudem wurde der Ort schnell zum wichtigen Baustein im unübersichtlichen Gewirr von Firmen, das schon an IPK und AgroBioTechnikum bestand. Von Betreibern vieler staatlich hoch geförderten Forschungsfelder wurden Zweitflächen angemeldet - die Hauptflächen liegen am AgroBioTechnikum oder auf Firmengelände. Ständig kommen neue Versuche hinzu. Hier wirkten sich einerseits die guten Kontakte zu Forschungsinstituten und Firmen aus, andererseits drängen diese nach Üplingen, weil ihnen andernorts der Wind des Protestes immer stärker ins Gesicht weht. Am 7.9.2009 schlossen IPK-Gentechnikfirmen und BioTechFarm-MacherInnen einen Vertrag über die Verlagerung der Freisetzungen von Gatersleben nach Üplingen. Damit dürfte sich die BioTechFarm zum wichtigsten Mehrfachversuchsstandort in Deutschland entwickeln. Sollte das AgroBioTechnikum weiter unter Druck geraten, könnte es schnell auch der einzige sein.
2009 wurden im „Schaugarten Üplingen“, wie er auch heißt und von den PR-Strategen von TransGen vermarktet wird, Versuchsflächen von Pioneer (Mais), BASF (Kartoffeln), Monsanto (Mais), der Uni Rostock (Weizen und Kartoffeln) und KWS (Round-up-Ready-Rüben) angemeldet. Die Welt berichtete von einem MON810-Feld - das wäre illegal!72
Die Geschichte der BioTechFarm wirft ein bizarres Licht auf die Kaltblütigkeit der Gentechnik-Seilschaften und auf die Schwäche aktueller Umweltschutzstrategien. Ausgangspunkt der Entwicklung war nämlich eine PR-Kampagne für Nachhaltigkeit. Das Dorf Üplingen wurde zu einem der globalen Projekte für eine nachhaltige Entwicklung der Welt. Der Titel des UN-Dekadeprojektes: „Das Dorf Üplingen als Agenda 21 Siedlung und Motor der nachhaltigen Entwicklung im ländlichen Raum - Üplingen 2049“.72 Als eines der Projekte wurden Renovierung und Ausbau des Stiftsgutes Üplingen vorangetrieben. Das alles sollte ein „Leitprojekt des Bördekreises für die integrierte ländliche Entwicklung“ ergeben (Faltblatt aus 2005).73 Anfangs war sogar das in Nachhaltigkeitsfragen renommierte Wuppertal-Institut als Projektpartner beteiligt. Auf der Internetseite zur UN-Dekade wird das Projekt auch noch ganz harmlos, allerdings von Anfang verschwommen wie bei Nachhaltigkeitsprojekten üblich, beschrieben:


Zwei Jahre später plätscherte das Nachhaltigkeitsprojekt gemächlich, aber noch in der ursprünglichen Form vor sich hin. Im Mittelpunkt stand die Renovierung des Stiftsgutes. Eigentümerin war und ist die Stiftung Braunschweiger Kulturbesitz. Verpachtungen liefen über die niedersächsische Landesverwaltung (GLL).74 Das Geld aber kam vor allem von Karl-Heinz Lichtschläger und dessen Saatgutwirtschaft S.G.L. in Erftstadt (bei Köln). Er pachtete das Stiftsgut, wurde zum reichen Mäzen aus dem Westen und dominierte die Abläufe im 75-EinwohnerInnendorf Üplingen und in der für die Aktivitäten gegründeten ARGE Üplingen.75 Als Vorsitzender des Bundesverbandes der Vermehrungsorganisationen mit Saatgut (BVO) verfügte er über gute Kontakte bundesweit, u.a. zur Gentechnik-Lobbygruppe Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP).
Mitte 2007 wurde ein Papier mit vier Zielen für das Nachhaltigkeits- und UN-Dekaden-Projekt verfasst. Eine geplante Biogasanlage wurde als neues Projekt eingebunden. Ihre Restwärmenutzung sollte zu diesem Zeitpunkt aber noch dem Umweltschutz dienen. Die Titel der vier „Einzelmaßnahmen“ im Papier:

1. Nutzung der Restwärme der Biogasanlage in Üplingen: ...
2. Einrichtung eines Büros für die Forschung, Betreuung und Entwicklung von regenerativen Energiesystemen: ...
3. Tagungs- und Weiterbildungszentrum erneuerbare Energien: ...
4. Transnationale Zusammenarbeit: ...76

Doch im Laufe der Jahre 2007 (zunächst verdeckt77) und 2008 griffen die Gentechnik-Seilschaften zu: Uwe Schrader, Vorsitzender von InnoPlanta, Macher aus dem Filz am Gaterslebener IPK und FDP-Politiker im Land, gründete die BioTechFarm und traf sich schon vorab im typischen Geflecht mit Konzernvertretern und den zuständigen Landesbehörden. Nichts und niemand stellte sich ihm in den Weg.

Zudem organisierte Uwe Schrader Gelder und zog die Fäden über den Mäzen des ehemaligen Nachhaltigkeitsprojektes, Lichtschläger. Die Idee eines Schaugartens und Zentrums für gentechnische Pflanzenzüchtung entstand - mit Uwe Schrader als erstem Geschäftsführer. Im April 2008 gab er diesen Posten an die Überall-Geschäftsführerin Kerstin Schmidt weiter, blieb aber „Beirat“ der Farm. Die sachsen-anhaltinischen und mecklenburgischen Seilschaften brauchten neue Flächen. Das AgroBioTechnikum schwächelte, war wenig ausgelastet und kommunalpolitisch zunehmend umstritten. Im IPK zerstörten AktivistInnen das letzte Genfeld,78 das Projekt in Gatersleben war zudem im Laufe der Jahre mehr in die Kritik geraten. Interner Druck auf die verstrickten Funktionäre der beteiligten Kirche ließen die Gentechniklobbyisten neues Land suchen. Das erhoffte El Dorado für Gentechnik und Geldwäsche fanden sie 2007 in Üplingen. Die im Zuge des Nachhaltigkeitsprojektes entstandene Infrastruktur wurde handstreichartig übernommen. Innerhalb eines Jahres wandelte sich die Zielsetzung - geschickt und kaum merklich. Wendepunkt: Das Symposium 2008 zur Nachhaltigkeit. Dort trat Uwe Schrader erstmals öffentlich auf. Er ist kein Gentechnikexperte, sondern organisiert Infrastruktur und Fördermillionen für ForscherInnen und Firmen. Als ehemaliger Referent im Wirtschaftsministerium verfügt er über ausreichend Kontakte. Sein Auftritt in Üplingen wurde auf der Internetseite zum Symposium dokumentiert.79

Zudem wurde eine Studie vorgestellt, die "WIRTSCHAFTLICHE ZUKUNFTSFELDER IN OSTDEUTSCHLAND" hieß und offensiv für die Gentechnik warb: "Die Biotechnologie hat sich innerhalb weniger Jahre in Deutschland zu einer Boom-Branche entwickelt, was sich an der wachsenden Zahl innovativer Firmengründungen ablesen lässt. In keinem anderen europäischen Land gibt es derzeit vergleichbar viele Standorte, an denen sich Biotechnologie-Unternehmen angesiedelt haben, wie in Deutschland. Die Gründe liegen ähnlich wie in anderen europäischen Regionen u.a. in der staatlichen Förderung, mit der finanzielle Schwierigkeiten in der Anfangsphase der Unternehmen abgefangen werden können. Positiv hat sich ferner ausgewirkt, dass die Lücke zwischen wissenschaftlicher Forschung und wirtschaftlicher Anwendung spürbar verkleinert werden konnte." (S. 124)
Ist es ein Zufall, dass diese Arbeit aus der Universität Rostock stammte, deren führende Gentechnikmacherin Prof. Inge Broer heißt? Ihre Freundin Kerstin Schmidt war da schon Geschäftsführerin der BioTechFarm ...

Der Deal mit den Versuchsfeldern war auch mit - wieder einmal willfährigen - staatlichen Stellen geklärt. Schon am 15.1.2008 trafen sich Uwe Schrader, Monsanto und die Überwachungsbehörden in Üplingen. Das Planungspapier aus dem Jahr 2007 wurde umgeschrieben.


Auszug einer Begehung - aus den Akten bei der Überwachungsbehörde in Sachsen-Anhalt

Das oben zitierte Planungspapier aus 2007 wurde umgeschrieben. Der Punkt vier des Projektplanes wurde ausgetauscht, „Transnationale Zusammenarbeit“ mutierte zum „Zentrum für Pflanzenzüchtung“. Die Biogasanlage erhielt eine neue Bestimmung als Kraftwerk für gentechnisch veränderte Nutzpflanzen. Plötzlich las sich die Liste so:

Aus den Zielen im überarbeiteten Projektpapier vom Mai 2008:
1. Nutzung der Restwärme der Biogasanlage in Üplingen: ...
2. Einrichtung eines Büros für die Forschung, Betreuung und Entwicklung von regenerativen Energiesystemen: ...
3. Tagungs- und Weiterbildungszentrum erneuerbare Energien: ...
4. Zentrum für Pflanzenzüchtung: ...

Ein unscheinbarer, aber weit reichender Austausch. In einem Rundbrief, dem der veränderte Text als Ergebnis einer Besprechung angefügt war, behaupteten die Autoren dreist: „Im Ergebnis wurden die bereits definierten Entwicklungsziele bestätigt ...80 Die Übernahme des Nachhaltigkeitsprojektes durch die wichtigsten Seilschaften deutscher Gentechnik wurde so weitgehend vertuscht. Aus einem - politisch schwächlichen - Nachhaltigkeitsprojekt81 wurde geräusch- und übergangslos das wahrscheinlich demnächst wichtigste, auf jeden Fall aber aggressivste Gentechnikprojekt in Deutschland. Der gesamte Text des neuen, letzten Absatzes:

4. Zentrum für Pflanzenzüchtung
Es soll ein Zentrum für Pflanzenzüchtung nach einem modularen System entstehen. Als erster Schritt soll eine Verbindung von Pflanzenzüchtung und Öffentlichkeitsarbeit realisiert werden. Auf einer Ackerfläche neben dem Gutshof erfolgt im Rahmen eines wissenschaftlichen Züchtungsprojektes der Freilandanbau gentechnisch veränderter Pflanzen, der ein Bestandteil des nach Bundesrecht durchzuführenden Zulassungsverfahren ist.
Auf einer zweiten Fläche entsteht ein Schaugarten, in dem innovative Pflanzen für den Energiebereich präsentiert werden. Dieser kann während der Vegetationsperiode besichtigt werden. Im Schaugarten werden sowohl herkömmlich gezüchtete Pflanzen als auch gentechnisch veränderte angebaut, für die eine entsprechende Genehmigung der zuständigen Bundesbehörde vorliegt.80

BefürworterInnen einer auf Profitmaximierung zielenden Gentechnik, die auf Gemeinderat und NachbarInnen wenig Rücksicht nehmen, bestimmten nun den Ort. Entstanden war ein Wolf im Schafspelz, ein Ort der Gehirnwäsche für Gentechnik unter dem Banner der Nachhaltigkeit. BesucherInnen von Bildungsveranstaltungen zur Nachhaltigkeit im Stiftsgut Üplingen werden durch Gentechnik-Pflanzungen geführt. Das gutgemeinte (aber von Beginn an schlecht gemachte) Engagement für Nachhaltigkeit wird der Gentechnik geopfert. Die absurde Verbindung wird im Prospekt des Gentechnik-Schaugartens82 sogar offen benannt: „Der Ort Üplingen wurde von der UNESCO und dem Deutschen Nationalkomitee 2005 im Rahmen der UN-Dekade ,Bildung für nachhaltige Entwicklung' ausgezeichnet. Damit ergeben sich für die Schaufarm zahlreiche Anknüpfungspunkte zur Fortentwicklung dynamischer Bildungsprojekte.“ Wie das praktisch aussieht, ließ sich im September 2008 bestaunen.

Das 6. Symposium ,Bildung für nachhaltige Entwicklung' am 27.09.2008 im Stiftsgut Üplingen, als Beitrag zum ,Tag der Regionen' und zu den ,Aktionstagen Bildung für nachhaltige Entwicklung' der Deutschen UNESCO-Kommission/Nationalkomitee ... Geplante Programmpunkte sind: ... Darstellung des ,Schaugartens Üplingen' mit den ,Pflanzen der Zukunft'.83

Im Original: Bilder einer Machtübernahme ... Diese Bilder ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden

Aus dem Agenda-21-Dorf wird eine Gentechnik-Hochburg. Oben das Ortsschild und im Hintergrund der Schaugarten.
Unten: Das halbe Dorf ist für die Öffentlichkeit gesperrt. Im Hintergrund eine Schautafeln, die niemand mehr sehen kann ...


Im Konflikt mit BesetzerInnen des Schaugartens im März 2009 beanspruchte Kerstin Schmidt mit der Firma das Hausrecht über das gesamte Gelände des Hofgutes und einigen Teilen des Dorfes. Deutlicher ist die Machtübernahme der Gentechnikseilschaften kaum darzustellen:

Auszug (oben) und Anlage (unten) aus dem Schreiben der BioTechFarm GmbH vom 17.3.2009

Genehmigungsrechtlich ist Üplingen ein Sonderfall: Die Felder sind überwiegend Zweitstandorte – ihre Hauptflächen liegen am AgroBioTechnikum oder, wie bei der KWS, auf Firmenflächen. Die Verbindung ist kein Zufall, sondern Ergebnis der Verbindung zwischen den Seilschaften in der Gentechnik: Kerstin Schmidt ist auch Geschäftsführerin des AgroBiotechnikums, Firmen wie BASF und KWS sind über die Lobbyverbände der Gentechnik ebenfalls überall mit dabei. Die Fahne von biovativ, die als Auftragsfirma für Universitäten und Firmen die Felder anlegte, wehte 2009 auch im Hof des Schaugartens Üplingen.
Ebenfalls einmalig ist noch etwas anderes: In Üplingen stand 2009 und 2010 der Bt-Mais MON810. Der war im übrigen Bundesgebiet verboten - weil gefährlich. Aber hier stand er. Die Welt schrieb in einem Jubelartikel am 22.9.2009 von MON810 auf der Farm. Im Tageblatt stand am 25.8.2009: „Der BT-Mais MON 810 wiegt sich im Wind - genauso wie die Hybridzüchtungen nebenan. Den kleinen Unterschied erkennen Laien nicht. Lediglich die Schilder "Pflanzen sind nicht zum Verzehr bestimmt. Betreten für Unbefugte verboten", Vogelschutznetze und Turm erinnern die Besucher, dass es kein Garten wie jeder andere ist. Eine Mantelsaat soll verhindern, dass Genmais-Pollen zu weit fliegen.“ Auf der Internetseite des Schaugartens hieß es dann 2010 selbst: "Die im Schaugarten gezeigten Bt-Maissorten sind vor allem Sorten des in der EU für den Anbau zugelassenen Bt-Maises MON810." Und in der Tat: Es lag eine Einzelgenehmigung des BVL vor. Was kein Bauer durfte: Für die SeilschafterInnen machten die staatlichen Kontrolleure den Weg frei - für ein reines Werbeprojekt! Damit der verbotene Mais auch überzeugt, gab es gleich den Vergleich daneben: "Zum Vergleich wachsen auf den Nachbarparzellen die jeweiligen konventionellen Vergleichssorten mit gleichen Anbaueigenschaften." Besonders schwer ist es dann ja nicht, dafür zu sorgen, dass sie um einiges jämmerlicher aussehen.
Riskant ist der Standort, denn die Börde gilt, das weiß auch InnoPlanta, als "Wiege und Zentrum der deutschen Saatzucht".

Aus einer Selbstdarstellung von InnoPlanta
Pflanzenbiotechnologie ist eine Zukunftsbranche. In der Region Nordharz/ Börde ist ein großes wissenschaftliches Potenzial dafür vorhanden. Traditionell gilt die Region als Wiege und Zentrum der deutschen Saatzucht. Naturräumliche Besonderheiten förderten die Entwicklung einer leistungsstarken Landwirtschaft und der verarbeitenden Industrie. Im Netzwerk InnoPlanta arbeiten Forscher, Saatzüchter und Landwirte gemeinsam mit Vertretern aus Industrie und Verwaltung daran, die Region zu einem bedeutenden Standort für die Pflanzenbiotechnologie zu entwickeln.

Im Original: Gentech-Felder in Üplingen ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Felder 2009: Versuchsflächen folgender Firmen und Universitäten waren beantragt:
  • Pioneer: Mais
  • BASF: Kartoffeln
  • Monsanto: Mais (2x), darunter der in Deutschland verbotene MON810 (mit BVL-Extragenehmigung)
  • KWS: Zuckerrüben (Roundup-Ready-System von Monsanto) ++ Presseinfo der KWS dazu
  • Uni Rostock (Versuchsleitung: Prof. Broer): Weizen, Kartoffeln
Übersicht neu angemeldeter Versuche laut Mitteilung des Landesverwaltungsamtes vom 14.1.2009 (noch ohne KWS)



Oben: Auszug aus dem Standortregister für 2009
Unten: Eintrag im Freisetzungsregister von MON810


Felder 2010

Oben: Auszug aus dem Standortregister für 2010
Unten: Auszug aus dem Prospekt "Schaugarten Üplingen" mit Beschreibung der einzelnen gv-Pflanzen

Üplingen aber ist mehr als Gentech-Felder. Gebäude und Flächen sind der wichtigste Treffpunkt der Seilschaften. Gut sichtbar wurde das am 7.9.2009, also ber 100 dicke Limousinen auf die von Polizei und Wachschutz abgeschirmten Parkplätze der BioTechFarm fuhren. Eingeladen war zum InnoPlantaForum 2009 des Gentechnik-Lobbyverbandes InnoPlanta mit vielen Personen aus dem Gentechnikfilz. Ganztags vor dem Stiftsgut gab es Proteste und Informationstische gegen die Gentechnik-Geflechte zwischen Behörden, Firmen und "Forschung". Der Tag spaltete in vier Gruppen: Die Seilschaften der Gentechnik drinnen, per Arbeitsauftrag zu ihrer Unterstützung eingesetzte willige VollstreckerInnen in Uniform, die Proteste weniger unabhängiger AktivistInnen und das merkwürdige Fehlen von Umweltgruppen, Öko- und anderen BäuerInnen und der meisten Parteien.

Nicht nur InnoPlanta unterstützt den Schaugarten. Direkt verbandelt sich die Gentechnik-PR-Agenturen aus Aachen rund um den ehemaligen Umweltverbands-Funktionär Spelsberg und GentechnikerInnen der RWTH Aachen, die auch für das Forum Bio- und Gentechnologie die Werbung organisieren. Der Webgestalter im Impressum der Internetseiten von Schaugarten, TransGen und dem Aachener Forum ist immer der gleiche.

Schwacher Widerstand

Am 12. März 2009 wurde der Schaugarten von GentechnikgegnerInnen besetzt. Im Konflikt beanspruchte Kerstin Schmidt mit ihrer Firma das Hausrecht über das gesamte Gelände und das halbe Dorf.84 Deutlicher ist die Machtübernahme der Gentechnikmafia kaum darzustellen. Die Lage kann sich weiter zuspitzen, wenn Konzerne und das nahegelegene JKI in Quedlinburg ebenfalls verstärkt die Üplinger Flächen nutzen wollten. Schon 2009 waren insgesamt neun Freisetzungsversuche angemeldet - Rekord in Deutschland.85 Die Ausdehnung der Versuchsfelder steht unmittelbar bevor. Bei der Tagung des Lobbyverbandes InnoPlanta am 7.9.2009 kamen knapp 160 TeilnehmerInnen aus allen Teil der deutschen Seilschaften einschließlich der Überwachungsbehörden zusammen. Mehrere Institutionen aus der Börder unterzeichneten einen Vertrag zur Verlagerung ihrer Versuchsflächen nach Üplingen.86

Von Umweltverbänden oder einschlägigen Parteien ist hingegen in Üplingen wenig oder nichts sehen - wenn sie nicht sogar, wie die grüne Bundestagsabgeordnete beim InnoPlanta-Forum 2009 auf der anderen Seite mitmischten.

Im Original: Protest von NGOs, Grünen und anderen... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Oscherslebener Erklärung (BUND Sachsen-Anhalt, NABU Sachsen-Anhalt, Verbund Ökohöfe Wanzleben,
Bürger der Gemeinde Ausleben und Warsleben und Kreisverband Börde BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Mammendorf)
Die Bürgerinnen und Bürger die Wirtschaftsbeteiligten im Landkreis Börde auf, in den nächsten fünf Jahren im Landkreis Börde keinen Anbau von Genveränderten Organismen (GVO) durchzuführen. Vielmehr erscheint den Bürgerinnen und Bürgern eine Stärkung der konventionellen, umweltschutz-orientierten und ökologischen Produktion für die langfristige Naturstabilität und für die Wirtschaftlichkeit der ansässigen Unternehmen als der richtige Weg. Die Unterzeichner der Erklärung empfehlen allen Landeigentümern, landwirtschaftliche Fläche nur an Landwirte zu verpachten, die im Pachtvertrag zusichern, GVO-frei zu wirtschaften. Die Unterzeichner erachten die möglichen langfristigen ökologischen und gesundheitlichen Folgen eines breiten lang-jährigen GVO-Anbaus als nicht ausreichend geklärt. Der Kreistag wird aufgefordert, die Oscherslebener Erklärung überparteilich per Beschluss-fassung zu unterstützen.
Den Anbau von Gen-Pflanzen halten die Unterzeichner aus folgenden Gründen für problematisch:
  • Die überwiegende Mehrheit der Konsumenten will Lebensmittel, die ohne GVO produziert worden sind. Die überwiegende Mehrheit der Landwirte lehnt den GVO-Anbau ab.
  • Ein möglicher GVO-Anbau gefährdet das entstandene, sehr gute Image der Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft in der Magdeburger Börde.
  • Ökolandwirte und Imker werden bei GVO-Anbau in der Region in ihrer Existenz bedroht.
  • Gentechnik im Freiland kommerziell angebaut führt nach einer bestimmten Zeit zu einer GVO-Grundkontamination ähnlich wie bei Pestiziden – anders als bei Pestiziden ist aber eine Selbstvermehrung bei GVO möglich. Eine Rückholbarkeit ist nicht gegeben.
  • Eine Trennung von GVO-freien und GVO-Produkten in der Landwirtschaft ist nur mit immensem bürokratischen und finanziellen Aufwand möglich. Die Hauptlast tragen nach jetziger Gesetzeslage die GVO-frei wirtschaftenden Landwirte, Verarbeiter und Händler. Dies ist ungerecht, denn derjenige der kontaminiert, müsste auch den Trennungsaufwand tragen.
Kritik von Imkern
Als Sprecher des Landesverbands der Buckfastimker Sachsen- Anhalt, sind wir gegen die Freilandversuche mit genveränderten Weizen im Landkreis Börde. Wir Imker zeigen schon seit Jahrhunderten, wie man Zucht und Forschung betreibt. Um reine Linien zu halten oder um neue Eigenschaften zu züchten, gehen wir auf verschiedene Inseln, wo Einflüsse von Außen ausgeschlossen werden können und um die vorhandene Flora und Fauna nicht zu beeinflussen. Die Forschung an genveränderten Getreide müsste auch in Gebieten stattfinden, wo die vorhandene Pflanzenwelt nicht erheblich angegriffen werden könnte und sich nicht unkontrolliert ausbreiten kann. Als Landesverband der Buckfastimker Sachsen-Anhalt werden wir alles tun um den Anbau von genveränderten Weizen zu unterbinden. Vor rechtlichen Schritten gegen die Anbauer schrecken wir nicht zurück. Wir fordern alle Bewohner des Landkreises Börde dazu auf, sich gegen diese geplanten Anbauversuche mit uns zur Wehr zu setzen. Wir sind für eine gesunde Zukunft für unsere Kinder und nicht für die Zukunft einzelner Unternehmer.
  • Stellungnahme des Sprechers des Landesverbands der Buckfastimker Sachsen- Anhalt, Bodo Baron v. Schilling
Einwendungen gegen die konkreten Versuchsfeldern, z.B. zu einer gv-Kartoffel
Untersuchungszwecke sind die Freisetzungspflanzen in Üplingen offensichtlich nicht gedacht. Denn Angaben zu dem Transport der Pflanzen wurden in dem Antrag nicht gemacht. Es scheint auch unverhältnismäßig Pflanzen über 200 km zu transportieren und damit ein weiteres
Risiko der ungewollten Verbreitung zu eröffnen.
Aus dem Antrag ergibt sich keine Erklärung warum die Freisetzung dieser Pflanzen in Üplingen erfolgen soll.
Zusammenfassung ... Für den Standort Üplingen ist eine Genehmigung unter allen Umständen ausgeschlossen.

Gegen direkte Aktionen hat der Schaugarten ein aufwendiges Sicherheitskonzept entwickelt - und wirbt als Dienstleistungsangebot mit seinen Fähigkeiten, Feldbewachungen zu organisieren. Die Pflanzen sind vor den Menschen also gut geschützt. Umgekehrt gilt das weniger ...


Stellenangebot im Juni 2010

Who is who im Schaugarten?

Das Hofgut Üplingen, die landwirtschaftlichen Anlagen dort und der Schaugarten samt Deutschlandtreff der Agro-GentechnikerInnen werden nicht nur von einer Firma organisiert. Vielmehr sind etliche beteiligt - als Eigentümer, Pächter und Betreiber der verschiedenen Teile.

Eigentümer, Verpächter und landwirtschaftliche Firmen

Das Hofgut und die umgebenden, genutzten Ackerflächen haben zwei Eigentümer. Ein Teil ist von einer Firma aus dem Lichtschläger-Konsortium gekauft. Ein anderer Teil und die meisten Flächen gehören der Stiftung Braunschweiger Kulturbesitz. Die hat diese an die Gentechnikfirmen verpachtet. Jahrelang duckte sie sich einfach weg, antwortete auf kritische Anfragen gar nicht oder erklärte sich in Gesprächen für neutral. Das aber stimmte nicht: Am InnoPlanta-Forum 2009 nahmen mit Tobias Henkel und Renate Ringeln nicht nur zwei VertreterInnen der SBK, sondern zudem zwei Personen der niedersächsischen Landesverwaltung teil, die im Auftrag der Stiftung die Verpachtung der Stiftungsflächen organisiert hatten. Die Behauptung, es sei vielleicht gar nicht richtig klar gewesen, an wen und für welchen Zweck die Ländereien vergeben wurden, war damit widerlegt. Wieder einmal waren staatliche Institutionen und eine Stiftung, bei der die Kirche, der Braunschweiger Oberbürgermeister und andere Koryphäen der Gesellschaftseliten prägend sind, für die Agro-Gentechnikbranche aktiv. Eine Hand wäscht die andere ...

Geldquelle Staat: Regionales Geld, Wirtschaftsförderung und die Gentechnik als Lieblingskind

Papi Staat ist aus vielerlei Sicht ein großer Unterstützer der Gentechnikanlagen in Üplingen. In die Strukturen, die dann die BioTechFarm aufbauten oder jetzt nutzen, flossen Millionen der Landes- und Bundesregierung. Horst Rehberger, als FDP-Wirtschaftsminister nicht nur der Ziehvater des späteren BioTechFarm-Gründers Schrader, sondern auch der große Sponsor der heranwachsenen Gentechnikszene in Sachsen-Anhalt, posierte in seinen Memoiren mit den enormen Zuschusssteigerungen. In seiner Ministerzeit "stiegen diese Mittel aus dem Wirtschaftsministerium über 11 Millionen im Jahre 2002, 23 Millionen im Jahr 2003, 26 Millionen im Jahr 2004 auf nahezu 60 Millionen Euro im Jahr 2005". Weitere Förderquellen ergänzten diese bereits erheblichen Summen.

Im Original: Staatsförderung für Gentechnik und Streichelzoo ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus Horst Rehberger: "Unterwegs" (2009, S. 224 f.)
Trotz ihrer auf Rückführung von Haushaltsansätzen abzielenden Politik hat die CDU/FDP-Koalition von Sachsen-Anhalt deshalb seit 2002 die Mittel für die Förderung der wirtschaftsnahen Forschung und Entwicklung neuer Produkte und Verfahren auf Vorschlag des Wirtschaftsministers drastisch erhöht. ... Hatte die Höppner-Regierung im Jahre 2001 lediglich knapp 7 Millionen Euro für die einzelbetriebliche Förderung von Forschung und Entwicklung ausgegeben, stiegen diese Mittel aus dem Wirtschaftsministerium über 11 Millionen im Jahre 2002, 23 Millionen im Jahr 2003, 26 Millionen im Jahr 2004 auf nahezu 60 Millionen Euro im Jahr 2005. Auch die Innovationsbeteiligungsgesellschaft des Landes erhöhte in diesen Jahren ihre Beteiligungen an innovativen Unternehmen um 48 Millionen auf 115 Millionen Euro. ... Im Sinne einer erfolgreichen Cluster-Bildung setzte das Land deshalb Förderschwerpunkte in den Bereichen Chemie/Neue Werkstoffe, Maschinen- und Anlagenbau einschließlich Automotive sowie Life Science, Biotechnologie, Pharmazeutik und Medizin.

Aus dem Kapitel "Die Biotechnologie-Offensive" (gleiche Quelle, S. 227))
Von der in den nächsten Jahrzehnten weltweit überragenden Bedeutung der grünen Biotechnologie für Ernährung, Gesundheit, Umwelt und Bioenergie überzeugt und ermutigt durch die Erfolge beim InnoRegio-Wettbewerb 2000 hatten Schrader und Rehberger im FDP-Wahlprogramm für die Landtagswahl 2002 und anschließend im Koalitionsvertrag mit der CDU die Forderung nach einer Biotechnologie-Offensive durchsetzen können. Und mit der Übernahme des Wirtschaftsressorts konnte Rehberger diese Idee jetzt in die Tat umsetzen. Was zugleich eine Kampfansage an die rot-grüne Bundesregierung war. Deren Verbraucherschutz- und Landwirtschaftsministerin Renate Künast versuchte nämlich alles, um die Grüne Biotechnologie zu blockieren Als wichtigstes Instrument wurde die BioMitteldeutschland GmbH (BMD) neu aufgestellt. In ihr wirken das Land und die einschlägige Wirtschaft, insbesondere die in Sachsen-Anhalt inzwischen sehr starke pharmazeutische Industrie, bei der weiteren Entwicklung aller Bereiche der Biotechnologie zusammen. Im Bereich der Grünen Biotechnologie wurde ein bundesweiter Erprobungsanbau für gentechnisch verbesserten Mais (Bt-Mais) realisiert. Mit großem Erfolg. Die Federführung dafür lag beim InnoPlanta e.V. Die wissenschaftliche Betreuung bei der Landwirtschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Hoffen auf Wirtschaftswachstum und große Konzerne

Aus "Im Osten geht die Sonne auf", in: NOVO Nr. 67 (Nov. 2003)
Die Vorreiterrolle bei diesem Streben nimmt derzeit Sachsen-Anhalt ein. In einer Kabinettsitzung am 12. August hat die Landesregierung zuletzt eine Biotechnologie-Umsetzungsstrategie zur Nutzung und Entwicklung der Pflanzenbiotechnologien beschlossen. Die Grüne Gentechnik wurde neben der Pharmaproduktion als einer von zwei Förderschwerpunkten festgelegt. In den kommenden fünf Jahren werden insgesamt rund 150 Mio. Euro für die Entwicklung beider Sektoren bereitgestellt. Wirtschaftsminister Horst Rehberger (FDP) kündigte an, Sachsen-Anhalt zu einem "führenden, weltweit anerkannten Biotechnologiestandort auszubauen". In kaum einem anderen Zukunftsbereich verfüge das Land über ein derartiges Potenzial, das Wirtschaftswachstum zu steigern und neue, hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen. ...
Neben der Stärkung bereits bestehender regionaler Netzwerke, dem Ausbau internationaler Partnerschaften wie beispielsweise mit den Biotech-Regionen im niederländischen Wageningen und in Monterrey in den USA und der Verbesserung der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist die derzeit ehrgeizigste Maßnahme des Landes der Bau des Bioparks Gatersleben. Hier sollen sich alsbald Biotech-Firmen aus aller Welt ansiedeln - am liebsten auch die ganz großen im Geschäft wie Monsanto, Syngenta und Bayer Crop Science.

Neue Produkte, u.a. Terminatortechnik - per Steuergeld !

Aus: Landtags-Drucksache 4/2703 (Sachen-Anhalt, 4. Wahlperiode, am 21.03.2006, S. 9)

Ohne die umfangreiche EU-Regionalförderung für den Aufbau der Hofgutsubstanz wäre die gesamte Sache aber kaum denkbar. Die Gelder flossen unter dem Anspekt eines UN-Dekaden-Nachhaltigkeitsprojekts. Sie dienen heute als Basis für den feudalen Treffpunkt deutscher Gentechnikseilschaften. Weitere krude Mittelumleitungen in den Gentechnikknoten finden auch heute noch statt. Juli 2010 gelang den MacherInnen ein neuer Coup. "Die ehemalige Brennerei in Üplingen wird saniert und für 560 000 Euro in ein dörfliches Begegnungszentrum umgebaut. Es soll für Veranstaltungen von Vereinen und Verbänden genauso offen stehen wie für Tagungen oder Konferenzen. Gestern wurden dafür Fördermittel überreicht." So berichtete die Volksstimme am 17.7.2010 etwas naiv - zitierte aber selbst die Inhaber: "Es geht darum, diesen Ort zu einem Treffpunkt weiterzuentwickeln – für Agrarverbände und Züchter, aber auch für Vereine." Klar erkennbar also, wer die Hauptzielgruppe darstellt.

Geldgeber und Organisator: Ein Mäzen aus dem Westen (2009 gestorben)


Aus dem Register der Agrarsubventionen für 2008

Ohne den vorherigen Ausbau des Hofgutes Üplingen unter dem Banner der Nachhaltigkeit hätte die Basis gefehlt, das neue Headquarter der Gentechnik-Seilschaften just in diesem kleinen Ort zu haben. Damit aber bleibt der wichtigste Mann im ganzen Spiel derjenige, der das Hofgut wesentlich saniert und in der für die Kleinheit des Dorfes fast größenwahnsinnigen Form entwickelt hat. Nur, weil die Gentechnik-DrahtzieherInnen dann ihn für das gewannen, was jetzt entstanden ist, ergab sich die Chance, auf Riesenflächen und in großen, phantastisch sanierten Gebäuden den Stützpunkt der Agro-Gentechnik zu schaffen. Insofern war Karlheinz Lichtschläger (am 31.7.2009 verstorben) der Ausgangspunkte - wenn auch zunächst mit anderen Zielen. Er erwarb über eine Firma aus seinem Saatgutimperium das Üplinger Gut. Eigentlich ist er Wessi, ein umtriebiger Unternehmer vom Niederrhein (Erftstadt). Er brachte sich durch Kauf und Pacht in die Verfügungsgewalt sowohl des mittelalterlichen Stiftsguts im Ortskern von Üplingen wie auch von ca. 500ha Ackerfläche im Umland. Auf einem 45 ha großen Teil dieses Gebietes, nämlich dem Flurstück unmittelbar am nördlichen Ortsrand von Üplingen, befindet sich der Schaugarten der BioTechFarm plus weiteren Schauflächen für konventionelles Saatgut vor allem der S.G.L., Lichtschlägers Firma.
Ganz neu ist das Thema Gentechnik auch für Lichtschläger nicht. Die TIBO Landwirtschaftsgesellschaft in Neutrebbin führte 2008 für Lichtschlägers S.G.L. im brandenburgischen Oderbruch Sortenversuche durch. Auf ca. 112 ha wuchs dort der Genmais MON810. Seit Mai 2008 ist Lichtschläger Vorsitzender des Dachverbandes der deutschen Saatgutvermehrer. Dessen Aufgabe ist „die Förderung der allgemeinen, ideellen und wirtschaftlichen Interessen der an der Erzeugung und dem Vertrieb von Saatgut beteiligten Handelsfirmen“. Darunter fallen die Forderung nach schärferen Gesetzen zum Schutz geistigen Eigentums an Saatgut, aber auch die Verwässerung der Trennung zwischen gentechnisch verändertem und konventionellem Saatgut: „Einführung eines praxisgerechten GVO-Kennzeichnungs-Schwellenwertes für Saatgut“ heißt das verschleiernd und meint die verkaufsfördernde Deklaration gentechnisch verunreinigten Saatgutes als gentechnikfrei. Zu den Sponsoren des BVO zählen BASF, Bayer, Syngenta Eurofins GeneScan, auf der Jahrestagung refererierten auffällig viele Bedienstete von Gentechnikfirmen.
Die Geschichte des Üplinger Gutes vom Nachhaltigkeitsprojekt zum Vielfach-Freilandversuch mit Gentechnik ist ein bemerkenswertes Beispiel moderner Kolonialpolitik reicher Wessie-Mäzene im (vermeintlich) armen Osten. Aufgrund seiner Geldinvestitionen und etlicher abhängig Beschäftigter kann sich Lichtschläger in der Region viel leisten. Viele Firmen, Parteileute und gesellschaftliche AkteurInnen fressen ihm aus der Hand. So ließ sich bislang auch die eigentlich unbeliebte Gentechnik im 75-EinwohnerInnen-Dorf Üplingen und in den zuständigen Gremien durchsetzen. Doch gerade die Tatsache, dass hier Akzeptanz mit Geld gekauft wurde, reizt zum Widerspruch. Schließlich kann eine solche Zusammenballung auskreuzungsintensiver gv-Pflanzen schnell die Landwirtschaft der Region ruinieren. Viele Lebensmittelverarbeiter meiden solche Gegenden, weil die Gentechnikfreiheit der eingebrachten Ernte nicht mehr garantiert werden kann.

Im Original: Lichtschläger-Firmen und Gentechnik ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Auch auf der Seite der Firma S.G.L. GmbH des Mäzens Lichtschläger findet sich ein entsprechender Passus zum Schaugarten:
Im Jahr 2008 wurde in der Magdeburger Börde ein neuer Versuchsstandort errichtet. Auf dem 500 ha großen Stiftungsgut Üplingen werden umfangreiche Anbauversuche durchgeführt, die wertvolle Informationen zu den einzelnen Sortenleistungen und pflanzenbaulichen Maßnahmen liefern. Neben dem Anbau konventioneller Sorten werden an diesem Standort durch die BioTech Farm GmbH & Co. KG (www.biotechfarm.de) gv-Pflanzen in einem Schaugarten präsentiert. Gemeinsam mit Politik, Industrie, Forschung und Wissenschaft, wird dieser Standort in naher Zukunft zu einem internationalem Zentrum moderner Pflanzenzüchtung ausgebaut.

Lichtschläger, seine S.G.L. und der Bundesverband der Saatgutvermehrer (BVO) sind nicht unbeleckt in Sachen Gentechnik: In einem Forderungskatolog der Saatgutvermehrer (BVO) findet sich die Forderung nach Erlaubnis für Gentechnikbeimengungen:
  • Einführung eines Toleranzwertes in Höhe von 0,5 Prozent („Schweizer Modell“) für diejenigen GVO in Lebens- und Futtermitteln, die in Drittländern bereits kommerziell genutzt werden und damit auch eine behördliche Sicherheitsprüfung mit positivem Urteil durchlaufen haben.
  • Einführung eines praxisgerechten GVO-Kennzeichnungs-Schwellenwertes für Saatgut (ganzer Text)

Lichtschläger verstarb am 31.7.2009. Seine Stellung im Dorf war die eines König: Er wurde gehuldigt, geachtet, aber nicht geliebt. Als am Rande einer Protestaktion am 19.4.2009 Lichtschläger zu einem Gespräch von GentechnikkritikerInnen mit AnwohnerInnen dazu stieß, wurde er überschwenglich und unterwürfig begrüßt, nach seinem und dem Wohlergehen seiner Frau befragt. Als er wieder ging, warteten die AnwohnerInnen, bis er außer Hörweite kam und sagten dann in einer überraschenden Klarheit: "Arschloch!". Doch solange er da war, fraßen sie ihm aus der Hand ...


Noch im Tod huldigt das Dorf seinen König ... Anzeige einer "Dorfgemeinschaft"

Die MacherInnen der Agro-Gentechnik: Schrader, Schmidt, ihre Clubs und Firmen

Für Schaugarten, Werbefahrten, Propagandatagungen und mehr aber sind weder Lichtschläger noch seine Firmen oder NachfolgerInnen verantwortlich. Betreiber des Schaugartens ist die Biotech Farm GmbH & Co KG mit Sitz in Üplingen (vormals: Gatersleben77), Geschäftsführerin die schon benannte Kerstin Schmidt aus den Seilschaften um das AgroBioTechnikum. Ehrenamtlicher Beirat und mit Schmidt zusammen die dominierende Figur ist Uwe Schrader, der in Wulferstedt wohnt - nicht weit von Üplingen entfernt. Die Firmenkonstruktion ist nicht gerade ein Hinweis, dass die AkteurInnen ihrem eigenen Tun vertrauen. Denn hier ist vor allem jede Haftung ausgeschlossen. Die Beteiligten sacken über ihre undurchsichtiges Geflecht an Firmen wie biovativ und BioOK, Vereinen und universitären Instituten umfangreiche Firmen- und Steuergelder ein. Wenn es aber zu Problemen käme, wäre da eine Firma, die für wenig bis nichts haftet. Und die MacherInnen wären fein raus. Gentechnik mutiert so noch stärker zum großem Lottospiel auf Kosten der Menschen und der Umwelt.

Erster Geschäftsführer der BioTechFarm und damit Vorgänger von Kerstin Schmidt war U. Schrader. Im Biopark am IPK Gatersleben hing auch ein Briefkasten mit seinem Namen und der Aufschrift der BioTechFarm - gleich neben dem Gebäude, in dem InnoPlanta sitzt, dessen Vorsitzender Schrader ist. Schrader hat auch den Vertrag zur Pacht der Ländereien für den Schaugarten unterzeichnet. Im Konflikt mit BesetzerInnen des Schaugarten im März 2009 beanspruchte Kerstin Schmidt dann mit der Firma das Hausrecht über das gesamte Gelände des Hofgutes und einigen Teilen des Dorfes. Deutlicher ist die Machtübernahme der Gentechnikmafia kaum darzustellen:


Links: Für das blau umrandete Feld sprach BioTechFarm-Geschäftsführerin Kerstin Schmidt den BesetzerInnen ein Betretungsverbot aus - hier also beansprucht sie Hausrecht und damit die Gestaltungsmacht (Schreiben vom 17.3.2009). Nach Protest reduzierte Schmidt die Fläche.
Rechts: Auskunft zu den Domaindaten von www.biotechfarm.de. Schon im März 2007 sicherte sich Kerstin Schmidt die Domain - ob damals auch schon für Üplingen, ist nicht ersichtlich. Denkbar wäre auch, dass der Schaugarten zunächst für Groß Lüsewitz vorgesehen war.

Die Firma BioTechFarm hat ihre Postanschrift im Stiftsgut, das sie auch für Vortrags- und Seminarveranstaltungen sowie für Bewirtung von Gästen nutzt. Wie an anderen Standorten auch, werden bei genauerem Hinsehen hinter den Kleinfirmen auch die großen Konzerne sichtbar. So am 9.4.2009, als ein Rechtsanwalt im Auftrag der Biotech Farm GmbH & Co. KG an das Amtsgericht Oschersleben schrieb, um dafür zu sorgen, dass die unerwünschten GentechnikkritikerInnen nicht mehr in die Nähe des Versuchsfeldes gelangen und den Schaugarten bedrohen konnten. Wie andernorts auch waren die willigen VollstreckerInnen in Roben genauso gefügig wie die vor Ort den Schaugarten immer wieder schützenden StaatsdienerInnen in Uniform. Sie verhängten entsprechende Verfügungen (z.B. Beschluss vom 15.4.2009 mit Az. 3 C 181/09). Mit solchen Drohungen vom 'großen Bruder' Staatsmacht wird Gentechnik auch gegen die Menschen durchsetzbar.
Der Rechtsanwalt, der hier handelte, war ein alter Bekannter: Hartwig Stiebler mit Büro in der Goltsteinstr. 31 in 40211 Düsseldorf. Das ist die Stadt der deutschen Filiale von Monsanto - und Stiebler agiert auch seit Jahren als Monsanto-Anwalt. So ist der lange Arm des Konzerns mit von der Partie. Die Firmen zeigen sich nicht offen, aber sie sind erkennbar! In Üplingen zeigen KWS und BASF ihre gv-Pflanzen im Schaugarten. Der Flyer der BioTechFarm lag lange auf der BASF-Webseite! Zusammen mit Bayer, Pioneer und Monsanto nahm der Konzern regelmäßig an den zentralen Tagungen auf dem Hofgut teil.

InnoPlanta mit seinem Chef Schrader unterstützt den Schaugarten propagandistisch. Höhepunkt waren im April 2009 zwei Demonstrationen auf einem Niveau, dass kaum zu kellern war: "Keine Anarchie!" und "Feldzerstörer raus!" war auf den Plakaten der teilweise für ihr Mitmachen bezahlten 'DemonstrantInnen' zu lesen. Inhalt: Fehlanzeige. Argumente: Keine. Motto der Demo am 17.4.2009 war die Forschungsfreiheit in Üplingen. Das auf den Versuchsflächen gar nicht geforscht werden kann, weil Versuchslabore fehlten, verschwiegen sie lieber. Die Tageszeitung der Region der Region (Volksstimme) kündigte die Demo groß an und berichtete aber am Folgetag mit einem großen Text. So bekamen die BefürworterInnen der Gentechnik breiten Raum ohne kritisches Hinterfragen. Eine Hand wäscht die andere auch hier ...


Unglaublich platt: Null Argumente, aber viel Parolen - LobbyistInnen, gekaufte Bauern und ein paar mehr bei der Demo am 17.4.2009 in Üplingen. Das Foto erschien neben dem einseitigen Artikel in der Volksstimme am Tag darauf.

Kritische Veranstaltungen sind in und um Üplingen sehr schwer möglich. Für einen Vortrag am 26. März 2009 verweigerte die Gemeinde Ausleben alle Räume. Untergebracht wurde sie schließlich in der Kirche von Warsleben - doch am Abend vorher versuchten Polizeipräsident und der FDP-Landtagsabgeordnete und BioTechFarm-Chef Uwe Schrader, den Pastor zum Verbot der Veranstaltung zu bewegen. Zum Glück ohne Erfolg. Statt sachlicher Argumente streuten sie Angst vor Chaoten und Krawall. Auch das ist typisch deutsche Gentechnik: Kritik und Diskussion darf nicht sein. Wenn die Akzeptanz der Menschen fehlt, nutzen die LobbyistInnen schmutzige Tricks und die Mittel der Macht.

Biogasfirma BKN mischt beim Gentechnik-Schaugarten in Üplingen mit

Hinter dem Hofgut wird eine Biogasanlage gebaut. Die ist Teil des Nachhaltigkeitskonzepts für Üplingen, weil hier aus Biomasse Energie gewonnen werden soll. Schon da wären Bedenken angebracht, denn spätestens wenn nicht nur Biomassereste vergoren oder verbrannt, sondern Getreide oder Mais vom Acker dorthin geliefert werden, gerät die Anlage unter dem schönen Etikett der regenerativen Energie zum einen zu einer Konkurrenz zur Nahrungsmittelversorgung, zudem hinkt die Energiebilanz bei der intensiven Landwirtschaft. Schließlich werden dort Dünger, Pestizide und viele Traktorstunden investiert - alles mit hohem Verbrauch fossiler Energien.
Doch überstrahlt wird diese Debatte durch die Entscheidung des Anlagenbetreibers, den Schwenk vom Projekt mit Öko-Touch zum Vorzeige-Gentechnikprojekt mitzumachen. Die BKN biostrom AG unterstützt das als "Kompetenzzentrum für nachhaltige Entwicklung (Center for Sustainable Development - CSD)" Hofgut mit seinen Einrichtungen - die passende Ergänzung dürfte dann die Vergärung von gv-Mais direkt am Gelände sein.

Im Original: Biogasanlage am Gentechnikzentrum ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
"Gebündelte Kompetenz im Bereich der nachhaltigen Landwirtschaft"
Aus einer Pressemitteilung vom 30.9.2009
Die BKN biostrom AG hat auf dem Gelände des Stiftungsguts Üplingen unweit der Sachsen-Anhaltinischen Hauptstadt Magdeburg ein neues Schulungs- und Technologiezentrum eröffnet. Das Schulungszentrum wird Lehrgänge für Betreiber von Biogasanlagen anbieten und anderen Interessierten die Gelegenheit geben sich über das Thema Biogas zu informieren. In einem Demonstrationslabor können Lehrgangsteilnehmer Einblicke in die Durchführung von Substrat- und Gärrestanalysen erhalten.
Darüber hinaus sollen überregionale Veranstaltungen mit Referenten aus der Landwirtschaft, der Pflanzenzüchtung und natürlich dem Bereich der Erneuerbaren Energien, die Themen zukunftsorientierte Landwirtschaft und Energieerzeugung interessierten Kreisen näher bringen. ...
Im Stiftsgut Üplingen entsteht Schritt für Schritt ein Kompetenzzentrum für nachhaltige Entwicklung (Center for Sustainable Development - CSD). Dort werden die regionalen und überregionalen Kompetenzen gebündelt, in den unterschiedlichen Teilprojekten zur Entwicklung des ländlichen Raums angewendet und damit die Erschließung innovativer Handlungsfelder ermöglicht. So befindet sich z.B. unmittelbar angrenzend der Schaugarten Üplingen der Biotechfarm GmbH&Co. KG, in dem Feldversuche mit neuartigen Pflanzenzüchtungen anschaulich demonstriert werden. Bedeutende Unternehmen der Saatguterstellung wie KWS Saat AG oder Monsanto führen hier ihre Feldversuche in Zusammenarbeit mit Biotechfarm durch. Der Standort Üplingen ist so mit gebündelter Kompetenz im Bereich der nachhaltigen Landwirtschaft ausgestattet.

Mehr Filz rundherum: Die Börde als Hauptregion deutscher Agro-Gentechnik

Nicht weit entfernt von der der BioTechFarm liegen die Bioparks am und Versuchslabore im IPK in Gatersleben. Rundherum hat sich ein guter Filz entwickelt - auch hier geht es um viel staatliche Förderung, die über riskante Experimente ausgeschüttet wird und über viele Wege Privatkonten füllt. Dazu gehören die GentechnikpropagandistInnen unter dem Deckmantel staatlicher Wissenschaft in der Bundesfachanstalt Julius-Kühn-Institut in Quedlinburg und der Konzerne KWS mit seinen Betriebsgebäuden und Versuchsfeldern in Dreileben. Staatliche und halbstaaltliche Einrichtungen wie BIO Mitteldeutschland und die regionale Wirtschaftsförderung sind wichtige Förderquellen für die Gentechnik.


Aus einer Folie in einem Vortrag von Prof. Graner, Direkter des IPK


Aktionen

Rückblicke

Welch ein dramtischer Tag: Der Gentechnik-Schaugarten der BioTech Farm GmbH in Üplingen bei Magdeburg wurde am 13.3.2009 früh morgens von Anti-Gentechnik-Aktivistinnen besetzt. Zwei Betonfässer wurden auf dem Feld installiert an die sich die Aktivistinnen anketten werden, sobald die BioTechFarm das BesetzerInnencamp räumen lässt. Auf Gendreck-Weg: Zwei Presseinfos und Internetseite der BesetzerInnen ++ Film auf MDR (13.3.2009, 19 Uhr) ++ Mehr Links und Berichte zu der Aktion ++ Neue Besetzung geplant (Pressemeldung) ++ Indymedia 15.3.2009 (Fotos!)

Flyer (links) und Plakat (rechts) der Aktion: Öffnen durch Klick (PDF)

Infoveranstaltung 26.3.2009 in der Kirche Warsleben zum Filz rund um die BioTechFarm mit dem Autor der Schrift "Organisierte Unverantwortlichkeit": Das war Einladung, Plakat und Rückseite

17.-19.4. öffentliche Feldbesetzung und Aktionswochenende gegen die BioTechFarm ++ Flyer

Links

Materialien

"Organisierte Unverantwortlichkeit": Broschüre zum Filz in der Gentechnik

Behandelt werden u.a.: Behörden und Kommissionen (BVL, EFSA, BeraterInnen/GutachterInnen), die Leuchttürme des Filz wie das IPK in Gatersleben, das AgroBiotechnikum in Groß Lüsewitz, die BioTechFarm in Üplingen und das JKI in Braunschweig. Weitere Kapitel über Lobbygruppen und informelle Netze (InnoPlanta, WGG, GGG, PRRI, Transgen ...) und die zweifelhafte Forschung zu Kontrolle und Sicherheit (Auskreuzungsforschung, Biosicherheitsprogramm, Monitoring). In der Mitte des Heftes: Die große Übersichtstabelle.

Upps - ein Genfeld! Was jetzt?

Direct-Action CDIhr wollt ein Genfeld verhindern? Dann ist diese Broschüre die Basislektüre: Wie kommt mensch an die nötigen Informationen? Wer kann wofür angesprochen werden? Welche Aktionsideen von Feldbesetzungen und -befreiungen über Straßentheater und Blockaden vor Firmen gibt es? Das ganze schnörkellos ohne Verbands- und Parteiwerbung - dafür umso besser für eine widerständige Praxis verwertbar. A5, 20 S., Download als PDF ... (3,4 MB, auch zum Kopieren und Verteilen!!!).

CD "Gentechnik"

Mit Zeitungen, Positionspapieren, Broschüren, Tipps und Filmen zur Gentechnikkritik. Dazu viele Aktionsmaterialien und Ausstellungen. Bestellen!

 

"Die Sense", die Zeitung gegen Gentechnik 2009

Vierseitige Zeitung (Berliner Format, d.h. wie eine Tageszeitung) mit Texten und Aktionsideen für 2009. Download als PDF

www.aktionsversand.de.vu