Monsanto auf bayerisch
Protest im ländlichen Raum, Scheinkritik der Regierenden, Pro-Agrogentechnik unter dem Deckmantel der Forschung

Wer um die Jahrtausendwende prophezeit hätte, dass es einmal ein schwarz-gelb regiertes Land sein würde, welches als erstes Gentechnikfreiheit zur Regierungspolitik machen würde, wäre sicherlich ausgelacht worden. Doch der resolute Widerstand vor allem im ländlichen Raum Bayerns ließ die dortigen Mächtigen ihre Fahne in den Wind hängen. Allerdings freuten sich die GentechnikkritikerInnen zu früh: In den Städten blieb der Protest schwach oder auf klassisches Verbraucherverhalten (wer viel Geld halt, kauft teure Öko-Produkte und sich damit das Gewissen ruhig) beschränkt. So wurden Universitäten, einige Institute und dubiose Teile von in den Seilschaften eingebundenen Teilen der Parteien, Kirchen usw. zu den Knotenpunkten eines weiterhin aktiven Netzes, in dem eine Hand die andere wäscht. Alles zusammen bringt auch in Bayern die Agrogentechnik weiter vorwärts. Je mehr sich offizielle Stelle distanzieren, desto mehr wird hinter den Kulissen geschachert - wenn auch die Felder außerhalb Bayern wachsen. Doch bayrische Hände sind im Spiel ...

FOR PLANTA - das PR- und Finanzprojekt pro Agrogentechnik in Bayern
FOR PLANTA ist der Kern der bayrischen Agrogentechnik-Seilschaften. Hier kommen (fast) alle zusammen, die trotz öffentlicher Nicht-Akzeptanz und - unter dem Druck entstandener - kritischer Haltung der Landesregierung die Sache einfach weiter durchziehen. Es ist ein Konglomerat aus Politikern (z.B. CSU-MdB Max Lehmer), Universitäten (z.B. FAU Erlangen-Nürnberg, Bayreuth, LMU München) und evangelischer Kirche (bzw. deren Ableger TTN). FOR PLANTA über sich selbst: "Durch die Kooperation im Verbund wird eine Bündelung und Vernetzung der bayernweit bestehenden Kompetenzen erreicht."

Die Geschäftsstelle von FOR PLANTA liegt in den LMU Gentechnikzentren (Campus München-Großhadern). Dort sitzt auch der Sprecher Jürgen Soll. Schon zur Gründung wurde deutlich, dass es vor allem um Propaganda geht - Vorurteile pro Gentechnik sollen geschürt werden: "Unter dem Namen "FORPLANTA - Pflanzen fit für die Zukunft" agiert das interdisziplinäre Projekt mit dem Ziel, die Vorurteile und Befürchtungen, wie sie der Gentechnik gegenüber weit verbreitet sind, zu widerlegen und ins Gegenteil umzukehren." (Werbe-Spiegel, 13.4.2011)

Auszüge aus Reden bei der Preisverleihung "Land der Ideen" an FOR PLANTA (16.11.2011 ++ Programmplakat siehe rechts, Flyer)
Max Lehmer, CSU-MdB

Zu Gentechnikkritik: "die gar keine Argumente brauchen"
Zu Versuchen in Grub usw.: "Das ist alles hervorragend ausgegangen im Sinne einer risikolosen Technologie oder risikoschwachen Technologie"
"Mit der Gentechnik erschließt sich nun ein breites Feld von Möglichkeiten, die genetische Vielfalt in der Natur noch gezielter für neue Pflanzeneigenschaften nutzbar zu machen."
"Weil letztlich entscheidet die Bevölkerung drüber, welchen Weg wir gehen, weil ja nur die gewählt werden, die im Sinne der Menschen angeblich das Richtige sagen. Das ist sehr schwierig, das musste ich auch erleben."
Zu Zielen der Politik: "Dazu muss - und das ich wichtig - erstens die Politik die Freiheit der Wissenschaft gewährleisten. Und zwar in der Wahl der Zielsetzung und der Instrumente. Da haben wir schon ein paar kritische Punkte. Wenn ich die Bekämpfung der Freilandversuche anschaue, dann habe ich hier ein Problem. ... Zweitens den Schutz von geistigem Eigentum zu gewährleisten - Stichwort: Patentierbarkeit, Patentschutz"
"Es ist schon sehr kritisch, welche Stimmungslagen hier reinkommen. In unserem Sinne kritisch, weil da kaum Lösungsansätze für die drei Herausforderungen abzuleiten sind."

Prof. Uwe Sonnewald, Uni Erlangen
"For Planta ein Muss ist, um in diesen Szenarien überleben zu können"
Zu nachwachsenden Rohstoffen: "Wir brauchen immer mehr von unserer Fläche tatsächlich jetzt nicht für die Ernährung, sondern für die Produktion."
"Der Klimawandel macht viele Flächen unnutzbar ... unsere Produktion ist massiv gefährdet ... das Wasser wird knapp ... das führt dazu, dass wir mehr Landfläche brauchen ... wenn wir das tatsächlich machen, was dann passiert ist, wir müssen Waldrodungen machen, um unsere Flächen, die zur Verfügung stehen, zu erweitern. Das führt dazu, dass wir nochmal CO2 produzieren ... wir sind hier tatsächlich in einem Teufelskreis drin, den wir nur durchbrechen können, dass wir Pflanzen züchten, die mit den Gegebenheiten besser umgehen können"
"Darüberhinaus ist die grüne Gentechnik hier ein Problem: Wir betrachten im Wesentlichen die Risiken und wenn man das weltweit anschaut, wird im Wesentlichen der Nutzen gesehen."

Prof. Christian Jung, Uni Kiel
"Allein die Getreideproduktion muss zwischen 2000 und 2020 verdoppelt werden laut FAO ... wir müssen also die Flächenerträge erhöhen"
"Was ist in der Pipeline, was ist marktreif: ... Fischölqualität aus Raps"
"Was können wir erwarten an gentechnisch veränderten Pflanzen? Eine Aufstellung, was zur Zeit vorhanden ist: 37 GVO, die kommerziell angebaut werden - hauptsächlich Insektentoleranz und Herbizidtoleranz. Aber eine Reihe von neuen GVO, die in der Pipeline. D.h. wir können also bis zum Jahr 2015 etwa 152 GVO erwarten. ... ich bin sicher, dass sie in der Landwirtschaft auf großes Interesse stoßen werden."
"7 Millarden Menschen sind ohne moderne Technologien nicht zu ernähren. Es wäre fahrlässig, unverantwortlich, auf ein wesentliches Werkzeug der Pflanzenzüchtung, nämlich die Gentechnologie, zu verzichten."

Prof. Karl-Heinz Kogel, Uni Gießen (Versuchsleiter transgene Gerste, zusammen mit Uwe Sonnewald)
"Alles, das was ich sage, jede einzelne Folie ist zu widerlegen durch irgendwelche Internetpamphlete, das ist klar - wir konzentrieren uns hier auf seriöse Informationen".
"Die Unterernährung schreitet fort ... 200 Millionen Menschen leiden an Vitamin-A-Mangel, weil sie nur Reis zu sich nehmen. Das Problem könnte schnell gelöst werden und wird hoffentlich im nächsten Jahr durch die Freisetzung von Vitamin-A-haltigen Reis gelöst."
"Die Antwort der modernen Biologie ist, dass wir sicherlich Strategien hätten, die Ertragsverluste zu verhindern ohne negative Umweltwirkungen. Und ein Beispiel ist hier die Bekämpfung mit Bacillus-thuringiensis-Pertiden ... Interessanterweise wird diese Strategie seit 60 Jahren im biologischen und im konventionellen Pflanzenschutz genutzt. Also da werden Bakterien gespritzt, die dieses Toxin enthalten, und diese Bakterien werden von Insekten gefressen und die Insekten sterben dabei. Das Toxin ist ... hochspezifisch für Schmetterlingsarten, die gleichzeitig Schädlinge sind. Und schädigt sonst keine Insekten, anders als ein Insektizid."
Über Indien: "Der Pestizideinsatz ist drastisch verringert ... Arbeitslosenzahlen von Landarbeitern sind erheblich reduziert."
Vergleich Ökolandbau - konventioneller Landbau: "dass wir auch hier eine vollkommen Risikowahrnehmung haben"
"Die Frage ist nur, ist der Markt dafür da? Ist eine Verbraucherakzeptanz in den nächsten 10 bis 20 Jahren zu erreichen? In Europa bin ich skeptisch, in anderen Weltregionen mit absoluter Sicherheit: Ja!"
"Auch in der organischen Produktion verwendete Pestizide wie Kupfer sind mit hohem Umweltrisiko behaftet und müssen mittelfristig vom Markt genommen werden. Meine Hypothese, dass der Schlüssel zu einer nachhaltigen, umweltverträglichen, landwirtschaftlichen und gesunden Lebensmittelproduktion nur durch klassische Züchtung und moderne Pflanzenzüchtung möglich ist. Züchtung inklusive ihrer biotechnologischen Potentiale ist meiner Meinung nach die einzige sanfte Technik, die ohne negative Umweltwirkung sichere Lebensmittel gewährleistet ... meiner Meinung ist es eindeutig, dass die geringsten Umwelteffekte durch moderne Pflanzenzüchtung und im Grunde auch durch grüne Gentechnik, und nicht durch Bio-Pestizide und dergleichen."
"Der öffentliche Streit um die Erkenntnisse der modernen Biologie ist ein Nebenkriegsschauplatz, der die tatsächlichen Risiken der Agrarproduktion komplett ignoriert.

Christian Kummer, Prof. für Naturphilosopie in München und Beisitzer im Vorstand des Kirchenableger TTN (passenderweise auch noch im Ethikrat der Novartis Pharma AG)
"Gentechnik, so könnte man sagen, lässt uns erst die Sprache der Natur verstehen. ... In diesem Sinne verstehe ich Gentechnik als ökologische Forderung. Ökologie, ökologische Ansätze im Denken braucht diese Voraussetzung. Sie muss sie fordern, wenn es sie nicht schon gäbe."
"Wenn ich die Risikolisten der Gentechfrei-Befürworter durchgehe, dann stellt sich bei mir immer die Frage, wieviel von diesen angeführten Risiken ist real und wieviel ist hier nur künstlich ausgedacht anhand rein theoretischer Möglichkeiten. Aber auch: Wieviel wird zum wohlfeilen Zugeständis ohne einen einzigen Grund? Ich kapier immer noch, was genetisch veränderter Pollen im Honig für einen Schaden anrichten soll. Dennoch war vorauszusehen, dass die von einem Einzelnen angestrengte Klage Erfolg haben würde."
"Solange man sich jedoch jedem Freilandversuch von Vornherein widersetzt oder ihn sabotiert, ist das Abschottung der Vernunft vor Aufklärung. Mir ist hierbei der Gewinn für Greenpeace bei solchen Aktionen genauso ein Rätsel wie im Fall ihrer Stammzell-Patentklage ..."
"Über einen Graben kommst Du nur drüber, wenn Du irgendwann mal springst. ... Einen Graben überwindet man nur mit einen Sprung und die Gefahr nasser Füße ist nicht restlos auszuschließen. Das ist schließlich das, was ich das Herausfordernde der Gentechnik der ökologischen Heils- und Unheilspropheten nennen möchte".

Diskussion am Ende der Tagung
Frage von Sonnewald an Züchter, ob er Gentechnik machen wolle. Antwort klar: Nein - wegen hoher Kosten und wegen Konzerndominanz.
Sonnewald: "Die grüne Gentechnik scheint ja so direkt bei der Züchtung nicht angekommen zu sein. Jedenfalls spielte das in Ihrem Vortrag keine Rolle. Vielleicht kann ich dann gleich mal den ersten Starter geben: Sehen Sie denn eigentlich in der Grünen Gentechnik für sich ein Potential?"
Martin Breun, Saatzucht Breun GmbH: "Sie meinen für mich als Unternehmen? Da muss ich sagen: Nein! Das hat zwei Gründe. Zum einen die Kosten. Die Gentechnik, wenn man ein transgenes Produkt auf den Markt bringen will, muss man mit 15 Mio. Euro Kosten rechnen. Das Lizenzvolumen für Winterweizen in Deutschland sind 27. Mio. Euro. Das ist dann eine sehr knappe Rechnung, wenn man da wirklich die Kosten wieder reinholen will. Und das zweite ist der Endverbraucher ist unser Kunde - und der lehnt das Produkt ab am Ende. Die Technik an sich, vor der hab ich keine Angst. Ich hab Angst bei der Gentechnik vor Monsanto und vor den multinationalen Konzernen, weil die werden das Rad am Ende drehen. Und die mittelständische Züchtung, die bisher eigentlich der Landwirtschaft die Erträge hochgehalten hat, die wird aussterben. Und das Züchtersterben in Deutschland findet im Moment statt. Pro Jahr werden im Moment ein bis zwei Züchterhäuser an Konzerne verkauft."
Jung später: "Wenn wir eine offene und freie Debatte hätten und wenn eine wirkliche Wahlfreiheit bestünde - die besteht eben nicht -, dann wäre es so, dann wären solche Sorten auch hier akzeptiert."

Antworten am 22.6.2011 auf eine Anfrage der Grünen im Landtag zu For Planta

Staatliche Stellen

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Pflanzenschutz (IPS 2d), Freising

Beteiligt am Versuchsfeld in Braunschweig (2008 bis 2010, Koordinierung: RTWH Aachen und vTI). Aus der Bundestagsdrucksache 16/10751 (S. 6):


Technologie- und Förderzentrum (TFZ)
Das TFZ ist eine Einrichtung der Bayrischen Landesregierung. Es beschäftigt sich zur Zeit vor allem mit der Entwicklung von Energiepflanzen.

Jakob Opperer, Präsident der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft (Quelle)
„Es macht keinen Sinn, dass Bayern den Kopf in den Sand steckt, wenn es weltweit bereits 400 Millionen Hektar an transgenetischem Getreide gibt.“

Universitäten und Institute

FAU Erlangen-Nürnberg

Das Lehrstuhl für Biochemie ist das hellste Licht bayrischer Gentechnik-PR. Unter der Führung des Ex-IPK-Gentechnikers und jahrelang in der Firma SunGene bestens mit BASF verbandelten Professors Uwe Sonnewald werden hier verschiedene Fäden zusammengeführt, Versuchsfelder angelegt und Pflanzen entwickelt. Er ist fleißiger Werber für die Agrogentechnik: "Die Grüne Gentechnik wird in absehbarer Zeit dazu beitragen, den Ressourcenverbrauch in der Landwirtschaft zu optimieren. Die Verbraucher profitieren, weil Gentechnik die Lebensmittelqualität durch Optimierung der Inhaltsstoffe verbessern hilft, die Eliminierung von Allergenen ermöglicht und die Herstellung hochwertiger Moleküle für pharmazeutische Anwendungen erlaubt. Darüber hinaus ist eine verbesserte Produktion pflanzlicher Rohstoffe zu erwarten. Schließlich werden Pflanzen künftig industrielle Enzyme und Feinchemikalien liefern. Die Landwirte können mit weiteren Ertragssteigerungen rechnen, weil Verbesserungen bei Resistenzen und Stoffwechseloptimierungen möglich werden."
Sonnewald ist vielfach verfilzt. Er sitzt in der Zentralen Kommission für die Biologische Sicherheit (ZKBS), die bei der Genehmigung von Versuchsfeldern eine zentrale Rolle spielt. Sonnewald winkt dort also die Felder seiner KollegInnen durch - und seine eigenen! Sonnewald war Versuchsleiter beim Feldversuch mit transgener Gerste 2006 bis 2009 (zusammen mit Prof. Kogel, Uni Gießen). Er stimmte über sein eigenes Feld ab - und zwar dafür! Außerdem ist Sonnewald beim größten Geldgeber, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in der passenden Senatskommission dabei. Dort war er Mitautor einer als Fachbeitrag getarnten Werbebroschüre zur Gentechnik, die von anderen Wissenschaftlern heftig kritisiert wurde. In einer Replik darauf schrieben die AutorInnen Broer, Qaim, Sonnewald u.a. unter anderem: "In Deutschland und weiten Teilen der EU hat sich in den vergangenen Jahren ein gesellschaftliches Umfeld entwickelt, in welchem die für zukünftige Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft zweifellos bedeutende Grüne Gentechnik (GG) durch eine weitgehend unsachlich geführte Diskussion in Misskredit gebracht worden ist. Die Kritik kommt vor allem aus Kreisen außerhalb der Wissenschaft und hat nicht nur einen weitgehenden Nutzungsstop dieser Technologie in der europäischen Landwirtschaft verursacht, sondern wirkt sich inzwischen auch auf die Ausrichtung und Möglichkeiten der Forschung aus. Dagegen beziehen die der wissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung verpflichteten Forschenden und die sie vertretende DFG entschieden Stellung." Sonnewald ist Projektleiter bei FOR PLANTA.
Auszug aus einem Streitgespräch zwischen Sonnewald und dem Chef der Lammsbräu-Brauerei (Quelle: IHK Regensburg)
Frage: Stehen wir uns wieder einmal selbst im Weg, wenn es um wirtschaftliche und wissenschaftliche Innovationen geht?
Prof. Dr.Sonnewald: Dies könnte man in der Tat so sehen. Es ist schon überraschend, dass Deutschland bei der Entwicklung von Transformationstechniken zur Erzeugung gentechnisch veränderter Pflanzen neben den USA ein führender Forschungsstandort war, dass aber die wirtschaftliche Umsetzung bis heute weitestgehend ausgeblieben ist. Gentechnisch veränderte Pflanzen werden vornehmlich außerhalb Europas eingesetzt und weisen derzeit im Wesentlichen verbesserte agronomische Eigenschaften, wie z.B. Insekten- oder Herbizidresistenzen auf. In Anbetracht der globalen Entwicklungen wäre es sicherlich an der Zeit, die Frage zu stellen, welche Risiken die Gesellschaft eingeht, wenn sie nicht die Möglichkeiten der Gentechnik für die Entwicklung leistungsstarker und den neuen Gegebenheiten angepassten Nutzpflanzen einsetzt. ...
Frage: Gegner befürchten, dass die evolutionäre Entwicklung der Gen-Pflanzen außer Kontrolle geraten könne. Befürworter dagegen verweisen auf die Möglichkeiten, die die Gentechnik bei Pflanzen biete. Wer hat die besseren Argumente?
Prof. Dr.Sonnewald: Es ist nicht zu erwarten, dass gentechnisch veränderte Pflanzen, die in der Regel nur ein oder wenige zusätzliche Gene tragen, außer Kontrolle geraten. ...
Frage: Wer profitiert am meisten von der Revolution der Evolution?
Prof. Dr.Sonnewald: Wir alle. (vollständige Antwort!)
Mehr: Absatz zu Sonnewald ++ Gatersleben ++ Biografische Daten zu Sonnewald auf einer Seite der Uni Erlangen ++ Weiterer Lebenslauf ++ Film über gv-Tomatenprojekt mit Uwe Sonnewald ++ aus der Bundestagsdrucksache 16/10751 (S. 4):


LMU München
Die LMU koordiniert im Biosicherheits-Programm der Bundesregierung die Entwicklung der Terminatortechnologie, heute verschleiernd "Confinement" genannt. Es geht darum, die Ausbreitung von Saatgut in der Umwelt zu verringern - die Technik ist aber auch nützlich, um den Nachbau durch LandwirtInnen zu kontrollieren. Das ist ein alter Traum der Konzerne.
An der LMU ist auch das TTN angesiedelt (siehe unten).
Prof. Jürgen Soll vom Biozentrum der LMU München ist Sprecher von FOR PLANTA. Auch die Geschäftsführung ist an der LMU angesiedelt. Aus der Bundestagsdrucksache 16/10751 (S. 4):


TU München/Weihenstephan

Beteiligt an der Confinementforschung (Biosicherheitsprogramm 2008 bis 2011, Koordinierung: LMU München). Zudem bekannt durch den Fütterungsversuch mit Kühen (zusammen mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Grub). Der Versuch liefert kaum auswertbare Ergebnisse, weil in Test- und Vergleichsgruppe jeweils die Hälfte der Tiere ausgetauscht werden mussten.
Dekan des Wissenschaftszentrums Weihenstephan der TU München war lange Jahre Prof. Gerhard Wenzel. Er beteiligte sich an Propagandaschriften der Agrogentechnik und war 2008 bis 2009 Vizepräsident des Lobbyverbandes GPZ. Außerdem saß er in der ZKBS, die an Genehmigungsverfahren beteiligt ist und bisher alle Versuchsfelder befürwortete.
Aus Christoph Then/Andreas Bauer-Panskus (2012): "Schlecht beraten: Gentechnik-Lobbyisten dominieren Expertengremium") über ein Kommissionsmitglied beim BfR: "Wilfried Schwab ist Leiter des Fachgebiets Biotechnologie der Naturstoffe der Technischen Universität München am Wissenschaftszentrum in Freising/Weihenstephan. Schwab war nach eigenen Angaben Leiter des Pflanzenmetabolismus-Labors der Hoechst AG, später AgrEvo GmbH, und unter anderem an Untersuchungen zur Umweltverträglichkeit von BASTA beteiligt, einem Herbizid, das zusammen mit gentechnisch veränderten Pflanzen eingesetzt wird. Auch an seiner derzeitigen Wirkstätte, die auf eine ursprünglich von der Firma Degussa eingerichtete Stiftungsprofessur zurückgeht, hat er den Kontakt zur Industrie nicht verloren. So ist Schwab auf einer Patentanmeldung des US-Konzerns Cargill, in der es um die Herstellung von Aromastoffen geht, als Erfinder genannt (EP1778852). Cargill, ein internationaler Konzern, der auch Patente auf gentechnisch veränderte Pflanzen anmeldet, hatte 2005 die Lebensmittelsparte von Degussa aufgekauft. Im derzeitigen Forschungsgebiet von Wilfried Schwab geht es unter anderem um eine gentechnische Veränderung bei Erdbeeren; in diesem Zusammenhang wurde ein Patent auf gentechnisch veränderte
Pflanzen anmeldet (WO2003/046163). Trotz seiner aktuellen Forschungsarbeiten an gentechnisch veränderten Pflanzen und seinen Kontakten zur Industrie hat Schwab gegenüber dem BfR keine Angaben bezüglich möglicher Interessenkonflikte gemacht."


Uni Würzburg
Im Sommer 2011 wurde ein illegales Genversuchsfeld (Confinement-Forschung) im botanischen Garten von Graz entdeckt. Die dahinterstehenden Seilschaften führen auch an die Uni Würzburg.
Beteiligt am Versuchsfeld in Braunschweig (2008 bis 2010, Koordinierung: RTWH Aachen und vTI).

Uni Bayreuth
Aus der Bundestagsdrucksache 16/10751 (S. 6):


Uni Regensburg
Beteiligt am Versuchsfeld in Braunschweig (2008 bis 2010, Koordinierung: RTWH Aachen und vTI).
Prof. Widmar Tanner war verantwortliche Kontaktperson für das triefend ideologische Papier der deutschen Wissenschaftsakadamien pro Gentechnik im Oktober 2009. Er ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe Grüne Gentechnik der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften. Aus der Bundestagsdrucksache 16/10751 (S. 5):


Laut Bundestagsdrucksache 16/10751 sind folgende bayrische Universitäten am Confinement-Programm beteiligt: TU München, LMU München und Erlangen. Zudem ist die Uni Würzburg beteiligt.

Antwort der Landesregierung am 27.10.2011 auf eine Anfrage der Grünen im Landtag zu Fördermitteln für die Landwirtschaft.

Max-Planck-Gesellschaft (Standort München)
Aus der Bundestagsdrucksache 16/10751 (S. 3):

Lobbyverbände in Bayern

AGIL: InnoPlanta-Bayern im Raum Kitzingen

Seit mehreren Jahren forcieren Landwirte rund um Kitzingen (Franken) den Anbau von gentechnisch verändertem Mais. Seit dem Verbot von MON810 dürfen sie zwar nicht mehr zur Tat schreiten, doch Jahr für Jahr melden sie trotzdem Felder an. In der Öffentlichkeit tritt vor allem der Gentechnikbauer Dennerlein auf. Er ist, wie andere auch, in der Arbeitsgemeinschaft innovative Landwirte (AGIL) des Lobbyvereins InnoPlanta aktiv.

Evangelische Kirche und Uni München (LMU): TTN

Das Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München verbindet sakülare (Universität) und kirchliche Arbeit. Die evangelische Kirche wird auf der Internetseite als "Impulsgeber" bezeichnet. Angesiedelt ist das Institut bei der LMU. Unter den Partnern sind u.a. etliche bayrische Universitäten, Akadamien und andere Akteure der Evang. Kirche, BMW und der Agroindustrie-Lobbyverband und Gentechnikwerber FNL (Chef: Gerd Sonnleitner).

Im Vorstand sitzen Kirchenleute und Geisteswissenschaftler - und zwar die Gentechniklobby unter diesen. Ehrenvorsitzender ist ausgerechnet der flammende Gentechnikbefürworter, Ex-DFG-Präsident und Bayer-Aufsichtsrat Ernst-Ludwig Winnacker.
Geschäftsführer und Vorstandsmitglied ist Stephan Schleissing, der gleichzeitig als Kirchenrat und Beauftragter für Naturwissenschaft und Technik der Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Bayern amtiert. In einem Interview auf www.biosicherheit.de (Propagandaplattform zum BioSicherheits-Programm) sagt Schleissing: "Ich kann nicht erkennen, dass die Biosicherheitsforschung es sich hier leicht macht. Vielleicht würde die Wissenschaft mehr davon profitieren, wenn man sie z.B. von Seiten der Politik nicht für die Voraussicht aller auch nur möglichen Folgen verantwortlich machen würde. Wie gesagt: Wissenschaftliches Wissen ist immer ein begrenztes Wissen. Das gilt für beide Seiten, Befürworter wie Kritiker. Aber irgendwann muss die Politik auch trotz der Zumutungen eines bloß begrenzten Wissens entscheiden. Für den Bürger kommt dabei alles darauf an zu wissen: Hier wird verantwortungsvoll gehandelt." In einer Predigt am Reformationstag 2009 wurde Schleissing ebenfalls deutlich: "Anders als die konventionelle Pflanzenzüchtung hat der Einsatz gentechnischer Verfahren den großen Vorteil, genetisches Material gezielter in eine Pflanzensorte einzubringen. Dies führt nicht nur zu einer entscheidenden Zeitersparnis, sondern ermöglicht auch ein breiteres Anwendungsspektrum. In der Landwirtschaft verspricht dies z.B. eine bessere Widerstandsfähigkeit gegen widrige Umweltverhältnisse wie z.B. Trockenheit oder auch gegen Schädlinge von Nutzpflanzen. Aber auch die Veränderung von pflanzlichen Inhaltsstoffen kann dazu verhelfen, z.B. den Gehalt von Nährstoffen zu erhöhen oder möglicherweise auch den Gewinn von Energie aus Biomasse effizienter zu gestalten. ... Und angesichts der überaus bedrängenden Fragen der Welternährung – wir sprechen nach OECD-Zahlen von über 800 Millionen hungernder Menschen! – können wir es uns einfach nicht leisten, in Wissenschaft und Forschung auf die Entwicklung potenzieller neuer Saaten und Pflanzen auch mit Hilfe der Gentechnik zu verzichten, ..."
Vorgänger als Geschäftsführer war Roger J. Busch. Er sagte zur Agrogentechnik: "Besondere Anforderungen an die Entwicklung bzw. den Anbau gentechnisch veränderter Kulturpflanzen müssen deshalb nicht formuliert werden. Das Erfordernis, vor dem Einbringen einer technischen Neuheit in ein geprägtes Umfeld die zu erwartenden Wirkungen gründlich abgeschätzt zu haben, dürfte die Messlatte schon hoch genug setzen."

Auszug aus dem "TTN-Info" im September 2011 ("Extra Grüne Biotechnologie"): "Die Hochschätzung und Förderung von Wissenschaft gerade im Bereich der biologischen Sicherheitsforschung ist insofern Voraussetzung jeder demokratischen Politik."

Das TTN lud am 10.5.2011 zu einem Workshop zur Wissenschaftskommunikation am Beispiel "Grüne Gentechnik" - Public Relation oder Aufklärung? Als ReferentInnen wurden ausgewiesene und platte Lobbyisten der Agrogentechnik geladen. Das Programm:

Ähnlich bei BMBF-TTN-Klausurwoche "Grüne Gentechnik - Zwischen Forschungsfreiheit und Anwendungsrisiko". Als "WissenschaftlerInnen" durften Ingo Broer (die nach eigenen Aussage Gentechnik betreibt, "weil es dafür Geld gibt") und Stefan Rauschen auftreten.

Links
Aufruf zu Recherchen und Aktivitäten auf Landesebene!

Die Gentechnik-KritikerInnen

Zivilcourage - das Aktionsbündnis für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Bayern (Infos zu Bayern ++ Kontakt)

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