Die den Gentech-Filz organisieren:
Lobbyverbände InnoPlanta, FGV, BDP, WGG und andere
InnoPlanta und Lobbyisten ++ Dachverbände und Bauernverband ++ Zentren ++ PR-Agenturen und Journalisten ++ Links
Wir schreiben den 7. September 2009. InnoPlanta, deutschlands schillerndster Lobbyverband für die Agro-Gentechnik hat zu seinem bundesweiten Treffen eingeladen. Es ist das wichtigste Stell-Dich-ein der Gentechnik-Seilschaften. 160 Personen benennt die TeilnehmerInnenliste - Konzerne, Kleinstfirmen, aber auch die Überwachungsbehörden, PolitikerInnen verschiedener Parteien einschließlich SPD und Grünen sowie die LobbyistInnen selbst. Am Eingang wehen Transparente. Sie sollen den Geist verkünden, der hier weht. "Fakten und Offenheit statt Ideologie" prangt vom Giebel nördlich des Zufahrtsweges. Wie ernst meinen es die Claqueure profitaler Risikospielchen damit?
Offenheit
Die geben sich offen, diskussionsbereit und furchtlos. Doch schon der Blickwinkel des Fotografen geriet ins Absurde: Eines der vielen Schilder mit der klaren Ansage "Betreten verboten!" war genau unter dem Spruchband der vermeintlichen Offenheit angebracht (siehe Foto rechts). So nah lassen sich Gegensätze aneinanderfügen ...
Auch
die Probe aufs Exempel zeigte etwas anderes: Ein Gentechnikkritiker meldete sich zum InnoPlanta-Forum an. Das ging einfach per Internet - und der Computer spuckte brav eine Anmeldebestätigung aus:
Doch das alles sollte nicht lange halten. Am 7. September wäre das Ereignis gewesen - ein Montag. Am Freitag vorher fand der diskussionsbereite Aktivist jedoch ein Schreiben aus der InnoPlanta-Zentrale im Briefkasten, vom Vorsitzenden Schrader höchst persönlich. Es war ... eine Ausladung. Unmissverständlich formuliert - gleich mit Polizeiandrohung!
Ein Jahr beim InnoPlanta-Forum 2010 später wiederholte sich das Ereignis und traf diemal noch weitere angemeldete TeilnehmerInnen.
Mitdenkende Bürger scheinen Uwe Schrader auch andernorts ein Greuel. Zum Parteitag der FDP im Bördekreis am 13.3.2010 brachte er im Zusammenhang mit dem Ausbau der Autobahn A 14 folgenden Antrag ein (Auszug): "In diesem Zusammenhang tritt die FDP des Bördekreises für eine Vereinfachung und Beschleunigung im Planungsrecht ein. Hierbei sind das Raumordnungsverfahren zu vereinfachen, die Bürgerbeteiligungen zu entbürokratisieren und insbesondere das Verbandsklagerecht dahingehend einzugrenzen, dass 'die Naturschutzverbände ihre konkreten Betroffenheiten nachweisen müssen'. "
Fakten statt Ideologie
Nicht weniger erhellend geriet der Blick auf die zweite Behauptung des Spruchbandes. Fakten satt sollte es bei InnoPlanta geben. Doch ein Blick in das Geschehen auf der Tagung zeigte auch hier, wes Geistes Kind die Agro-GentechnikerInnen tatsächlich sind. LobbyistInnen gaben sich am Redepult die Klinke in die Hand, wetterten gegen "bayrische Bauern und Feldbefreier", die sie als einziges Problem in Deutschland ausgemacht hatten. Feierlich wurde ein Vertrag unterzeichnet, dass fortan Versuchsfelder der Gaterslebener DNA-BastlerInnen in Üplingen eine neue und besser geschützte Heimat finden könnten. Die Festrede aber blieb der Prominenz vorbehalten. Bei einer Orientierung auf Fakten statt Ideologie wäre einE WissenschaftlerIn zu erwarten gewesen. Kam aber nicht. Sondern der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement. Seine Handschrift trug das neoliberale Umgestaltungsprogramm der Schröder-SPD-Regierung. Dennoch trat er später wütend aus der SPD aus, weil er die Kritik an der Atomkraft nicht teilte. Auf dem InnoPlanta-Forum warb er für unverhohlen für die Westerwelle-FDP. Und nicht nur das ...
Im Original: InnoPlanta-Festrede ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der Festrede auf dem InnoPlanta-Forum am 7.9.2009:
Deutschland wird sich jedenfalls nur dann als eine der stärksten Volkswirtschaften der Welt behaupten können, wenn wir auf den zukunftsträchtigen Feldern von Wissenschaft und Wirtschaft auch künftig eine international führende Rolle einnehmen. In der Biotechnologie wie auch auf anderen Feldern von Wissenschaft, Forschung und Entwicklung - nehmen Sie nur die Atomenergie, die CO2-freie Kohleverbrennung oder, um eine ganz andere Disziplin anzusprechen, die Stammzellforschung - ist dies zur Zeit nicht gewährleistet. So setzen wir die Zukunftsfähigkeit unseres Landes auf’s Spiel!
Bericht von Wolfgang Clement über seinen Besuch beim InnoPlanta-Forum, in: Die Welt, 16.9.2009
Vor wenigen Tagen hatte ich ein Erlebnis, das mich seither beschäftigt. Ich besuchte das "InnoPlanta Forum 2009" auf dem Stiftungsgut Üplingen, auf beinahe halbem Wege zwischen Braunschweig und Magdeburg gelegen. Den Teilnehmern dort, etwa 150 Wissenschaftler, Unternehmer, Landwirte, engagierte Fachleute, ging und geht es um die Freiheit von Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Pflanzenzucht und speziell der Grünen Gentechnologie.
Es handelt sich um ein wunderbares landwirtschaftliches Anwesen und einen dazugehörigen Schaugarten, in dem genbehandelte und unbehandelte Pflanzenzucht - Mais, Weizen, Kartoffeln - dicht beieinander betrieben und täglich von vielen Interessierten besucht und besichtigt wird. Das Schockierende dort war für mich nur: Das Gut - im ehemaligen DDR-Grenzgebiet nahe Helmstedt liegend - musste am Tag des Forums nicht nur polizeilich geschützt werden. Der Schaugarten war und ist dauerhaft mit einem Zaun gegen Eindringlinge geschützt, auf dem Wachturm (!) sitzt permanent ein Wachmann mit dem Fernglas vor Augen. Denn mit der blindwütigen Zerstörung gentechnischer Anlagen muss jederzeit gerechnet werden.
Deutschland im Jahr 2009. Der Rechtsstaat scheint für die Grüne Gentechnologie nicht zuständig zu sein. Einer der angesehensten Repräsentanten der deutschen Wissenschaften, Professor Ernst-Ludwig Winnacker, früherer Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, hat die Lage der Biowissenschaft in einem Vortrag in Straßburg kürzlich so angedeutet: "Viele meiner Kolleginnen und Kollegen haben mir abgeraten, hierherzukommen, weil sie resigniert haben, weil sie sich für Anti-Gentechnik-Kampagnen nicht mehr hergeben wollen, weil sie diese Rituale leid sind und weil sie nun auch noch die Politik als ihren Gegner erkennen müssen ..."
Vor drei Jahrzehnten gab es hierzulande ähnliche Auseinandersetzungen, damals um die Rote Gentechnologie. Die hessischen Grünen hatten dem seinerzeit größten Pharmaunternehmen der Welt, der Hoechst AG, ihre Feindschaft erklärt und tatsächlich über viele Jahre verhindert, dass die großtechnische Produktion von gentechnisch hergestelltem Insulin in Deutschland stattfand. Prompt profitierten von dieser Entwicklung ausländische Hersteller, und die Hoechst AG, inzwischen in die französische Sanofi-Aventis übergegangen, hat die Geschichte nicht überlebt. "Mir selbst", erinnert sich der Wissenschaftler Winnacker, "brachte der Kampf um die Rote Gentechnik immerhin einen Platz auf der Abschussliste der Rote-Armee-Fraktion ein."
So klingen die ideologiefreien Fakten, wie InnoPlanta sie propagiert. Doch das lässt sich noch steigern. Auf der Tagung wurden Preise verliehen. Einen davon, nämlich den "Sonderpreis für jahrelange sachliche Berichterstattung zur grünen Gentechnik", erhielt Thomas Deichmann, Macher des marktradikalen Blattes "NOVO" (Frankfurt) und Kolumnist bei der Tageszeitung "Die Welt". Die Gentechniklobbyisten Klaus-Dieter Jany und Horst Rehberger waren voll des Lobes, denn Deichmann und andere hätten "durch eine objektive, zugleich aber auch allgemeinverständliche Berichterstattung über Fragen der Grünen Gentechnik zu einer weiteren Stärkung der sachlichen Diskussion beigetragen“. Da wollte Deichmann in seiner Dankesrede nicht nachstehen und "beklagte vor allem die häufig pseudowissenschaftliche
Begründung politischer Positionen" (Quelle u.a. der Zitate).
Was aber ist nun der objektivste Journalismus, den dieses Land hat? Thomas Deichmann hat nicht nur in NOVO und Welt publiziert, sondern ist von seinen Ergüssen derart überzeugt, dass er sie alle zu einem dicken, fast quadratischen Buch zusammengefügt hat. Und da lesen wir dann, was InnoPlanta als preiswürdig objektiv begreift - zum Beispiel als Tipp für die Zukunft des Planeten:
"Wir können unseren Kindern gerne Windräder vorenthalten, aber auf keinen Fall Kernkraftwerke." Für GentechnikkritikerInnen hat er nur Verachtung übrig - ihr Treiben nennt er eine "schleichende Verwesung unseres Kulturraumes" (S. 219) und träumt von besseren Zeiten: "Wachstum, Erkenntnisgewinn und Experimentierfreude galten als Motoren für ein besseres Leben. Heute strebt man nach dem Gegenteil - einer Art naturbelassenem Fatalismus. All dies spiegelt den Niedergang jener aufklärerischen Werte, die Europa einst zum Vorbild haben aufsteigen lassen. Der ökologistische Zeitgeist ist im wahrsten Sinne des Wortes reaktionär." (S. 239 ff.) Als Höhepunkt können wir dann ein Interview genießen, in dem Deichmanns Interviewpartner - selbstverständlich ganz ideologiefrei - feststellt: "Die Menschheit hat kein Recht auf einen konstanten Meeresspiegel.“ Auch das findet Deichmann so genial, dass er ihm sogleich im genannten Buch den gebührenden Platz einräumt .
Im Original: Was Thomas Deichmann schreibt oder verbreitet ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus Thomas Deichmann (2009): "Warum Angst vor der Grünen Gentechnik?", Projekte-Verlag Cornelius in Halle; mehr zur Person unten.
"Eine richtige Antwort auf die Klimadebatte wäre ein massiver Ausbau der Kernenergieversorgung." - so stand es in der Novo86 (1-2 2007), S. 11. Und ähnlich: in einer anderen Ausgabe: "Wir können unseren Kindern gerne Windräder vorenthalten, aber auf keinen Fall Kernkraftwerke." (Novo40, 5-6/1999) und "Die Kernenergie ist die sicherste und effektivste Form der Energiegewinnung und vor allem dann empfehlenswert, wenn man natürliche Ressourcen schonen will." (Novo73/74, 11 2004 - 2 2005). Deichmann ruft in seinem Buch zu mehr Energieverbrauch auf: "Wie sonst sollte man es bewerten, dass "Sparen" zum zentralen Dogma der Energiediskussionen geworden ist, obwohl wir längst über das Wissen verfügen, die Energieerzeugung im globalen Maßstab massiv zu steigern?" (S. 168)
"Die Menschheit hat kein Recht auf einen konstanten Meeresspiegel“, im Interview auf Fragen von Thomas Deichmann in: Novo96 (9-10 2008). Außerdem veröffentlicht das von Deichmann verantwortete Magazin im Internet eine Kampagne „Aufbruch nach vorn!“ mit folgenden Äußerungen: „Einen deutlichen Temperaturanstieg als Katastrophe zu betrachten, ist lediglich eine Meinung. ... Die Idee, die Menschheit könne sich an die zurzeit diskutierten Veränderungen nicht anpassen - insbesondere durch technische Innovation -, ist eine Beleidigung für die Menschheit. Die Leute, die archaische Lösungen wie Windmühlen propagieren, sind die gleichen pessimistischen Misanthropen, die auch meinen, Thomas Malthus sei ein großer Prophet gewesen. Sie glauben wirklich, die Menschheit sei eine Pest auf der Erde. Dabei sind wir ihre Krönung.“
Das Alternative Kopenhagen-Manifest ...
1. Der „ökologische Fußabdruck“ der Menschen wächst zu Recht! ...
All unsere Errungenschaften - seien es Industrie, Städte, moderne Landwirtschaft oder Hochhäuser - werden als schädlicher „ökologischer Fußabdruck“ verunglimpft. ... Wir haben die Erde nicht vergiftet, wir haben sie humanisiert. Und unser „Fußabdruck“ ist ein fünftausendjähriges Projekt zur Beherrschung der Naturgewalten und Gestaltung unserer Umwelt, das weiter voranschreiten muss.
2. Kohlenstoff-Rechner gehören abgeschaltet! ...
3. Wirtschaftswachstum ist gut! ...
Wir sollten darauf bestehen, dass Wirtschaftswachstum im Kern gut und überdies unverzichtbar. ...
8. Energie ist die Lösung, nicht das Problem!
Ob man Braunkohle mit dem Schaufelradbagger abbaut oder Uran aus Pechblende extrahiert, immer erntet das heute auch Argwohn. Natürliche Ressourcen werden als endlich wahrgenommen und ihr Verbrauch als unabdingbar mit der Zerstörung das Planeten verbunden. Doch das Schreckgespenst der Ressourcenknappheit basiert nicht auf wissenschaftlichen Fakten. Es entspringt vielmehr der Überzeugung, dass wir natürliche Ressourcen ohnehin am besten gar nicht für menschliche Zwecke nutzen sollten. Selbst der Wasserverbrauch auf unserem blauen Planeten wird heute problematisiert. ... Energieerzeugung, nicht Rationierung ist die Lösung. Billige Energie ist ein großer Fortschrittsmotor. Jede Art der Energiegewinnung kann erforscht werden - auch Wind- und Wellenkraft -, solange wir die Prämisse akzeptieren, dass der Energieverbrauch zunehmen muss, um die Bedürfnisse der Menschheit befriedigen zu können. ...
10. Menschen sind wichtiger als Tiere! ...
Legen wir die Leitbilder der professionellen Miesmacher, die sich hinter Eisbären verstecken, auf Eis!
Thomas Deichmann , in: Junge Welt, 7.9.2006 (S. 15) ++ mit Link auf das neoliberale Blatt NOVO
Da dieser Verzicht für Brasilien zukunftsweisend ist, erscheint zweifelhaft, denn offenbar werden mit den Forderungen nach GVO-Verboten (gentechnisch veränderte Organismen) politische und soziale Probleme auf Technologien projiziert. Der Schutz des Regenwaldes ist ein Ziel, dem sich verstärkt die brasilianische Regierung und neuerdings auch westliche Unternehmen verschrieben haben. Vor allem geht es darum, illegale Brandrodungen, die es in Brasilien schon lange gibt und die mit der Legalisierung des GVO-Anbaus in Brasilien offenbar wieder verstärkt zu beobachten waren, in den Griff zu bekommen. Diese Herausforderung kann man jedoch nicht meistern, wenn moderne Agrartechnologien verboten werden.
Ebensowenig scheint dies der richtige Weg, um den Status von Kleinbauern in Südamerika zu verbessern. Ohne Zweifel gibt es in dieser Hinsicht auch in Brasilien eklatante Defizite, die sich in einer »Landlosenbewegung« manifestieren. Doch dort wie im globalen Maßstab zeigt sich ebenso, daß Kleinbauern in Entwicklungsländern von GV-Kulturen profitieren können. ...
Studien zum Anbau von Soja mit gentechnisch erzeugten Herbizidresistenzen haben zudem ergeben, daß bei ihrer Kultivierung die Biodiversität auf dem Ackerland tendenziell steigt, weil die Ausbringung ökologisch bedenklicher Pflanzenschutzmittel zum Teil erheblich reduziert werden kann. Und ganz generell ist es dem Schutz des Amazonasgebietes zuträglicher, wenn bestehende Ackerflächen effektiver genutzt werden als zuvor. Wer den Rodungsdruck auf den Regenwald senken möchte, sollte deshalb nicht pauschal gegen moderne Biotechnologien Position ergreifen. Es sind eher die konventionellen, ertragsärmeren Agrarsysteme, die einen erhöhten Flächenbedarf haben.
Das also ist Objektivität - die beste in Deutschland. Thomas Deichmann gehört zu den marktradikalsten JournalistInnen, die das Land hat. Wie etliche seiner KollegInnen, die heute gegen jedes ökologische oder linke Gedankengut wettern, war er früher dort selbst unterwegs. Als Marxist ist er dogmatisches Denken offenbar gewöhnt - und frönt dieser Denkvereinfachung nun mit umgekehrten Vorzeichen. 2010 bekam er einen würdigen Nachfolger: Michael Miersch, Ex-Ökojournalist und nun mit Dirk Maxeiner und Henryk M. Broder Macher der primitiv marktgläubigen Achse des Guten. Er wurde auf dem InnoPlanta-Forum am 6.9.2010 als neuer Topjournalist gefeiert - durchaus wenig überraschend, hält doch auch Miersch z.B. Meldungen über illegale Auskreuzungen für "Aufblasen von Nichtigkeiten" ("Die Welt", 9.6.2010). Seine Gentechnikweisheiten kann er dortabwechselnd mit Deichmann zum Besten geben. In der Qualität haben sich die beiden wenig. Miersch schreibt auch für Deichmanns marktradikales Magazin Novo, und zwar so: "Atomtechnologie und Gentechnik könnten wichtige Komponenten einer grünen Zukunft sein." Über solche Einheizer via Medien wird noch zu reden sein ...
- Zum Vorlesen: Zitate von Leuten aus dem InnoPlanta-Umfeld auf zwei A4-Seiten
2011 und Aufmarsch der Ideologen:
AgrogentechnikerInnen stehen mit dem Rücken an der Wand - argumentativ und real
Umfangreiche Feldbefreiungen, auch im gut bewachten Herz der deutschen Gentechnik-Seilschaften, fortwährend schlechte Umfragewerte und immer neue Enthüllungen über Betrügereien, Fälschungen, Schlampereien und Verstöße gegen Sicherheitsauflagen machen der Gentechniklobby offenbar schwer zu schaffen. Laut denken immer mehr Firmen und ProtagonistInnen über den Umzug in gentechnikfreundlichere Staaten (so jedenfalls die Hoffnung) nach - in ständigem Wechsel mit Durchhalteparolen aller Art.
Wie tief die Verunsicherung in der nach Profiten gierenden Branche ist, zeigt der aktuelle Rückgriff in triefenden Fundamentalismus: Das, was GentechnikbefürworterInnen ihren GegnerInnen immer vorwerfen, ist bei Lobbyverbänden, Firmen und fördermittelabhängigen ForscherInnen inzwischen selbst zum Alltag geworden. Offenbar fehlen Argumente - und nun kommt auch noch eine Bedrängnis der eigenen Existenz hinzu, denn angesichts ausbleibender Erfolge, ständiger Fehlversuche und den öffentlichen Vorwürfen über Betrug, Fälschungen und Verstößen gegen Auflagen steht das Aus einer Technologie vor der Tür. Die Betroffenen reagieren, wie es einst die Atomlobby tat. Die damaligen Horrorgeschichten von ausgehenden Lichtern sind durch verhungernde Massen ausgetauscht, doch das Prinzip frei erfundener Angstmacherei bleibt gleich. Gleiches gilt für die Diffamierung des Gegners: Diese seien unsachlich, emotional und ideologisch. Doch wer genau hinschaut, erkennt hinter der Fassade dieser Angriffe den eigenen Fundamentalismus der GentechnikbefürworterInnen. Nun, mit dem Rücken an der Wand, legen sie noch eine Schippe drauf - und bestiegen entschlossen den Höhepunkt rhetorischer Entgleisungen: Die Vergleiche mit dem Nationalssozialismus und die Phrasenmaschine des Terrorismus.
Den Anfang machte der Schweizer Professor Klaus Ammann. Er ist keineswegs der unabhängige "Ökologieprofessor", als der er von den GentechniklobbyistInnen oft beschrieben und, z.B. beim Thesenanschlag vor der Greenpeacezentrale in Hamburg oder als scheinbar neutraler Referent bei einer Gentechnik-Werbeveranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung, vorgeschickt wird. Vielmehr arbeitete er im Dienst von Monsanto und ist zentrale Figur in mehreren internationalen Lobbyverbänden, so bei der European Federation of Biotechnology (EFB) und bei der Public Research & Regulation Initiative (PRRI), und beim deutschen Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik (WGG), der ebenfalls einseitige Lobbyarbeit betreibt.
Auf einem Pressegespräch "Nutzung der Grünen Gentechnik ist ethisch geboten!“" des Forum Grüne Vernunft behauptete Ammann, mit GentechnikkritikerInnen wäre Reden nicht möglich. Er könne das nur eine „ökofaschistische Grundhaltung“ nennen und fühle sich, da häufig attackiert und denunziert, als „Genjude“. Dass fehlende öffentliche Anerkennung, aber trotzdem gut bezahltem Job und vielen, meist ergaunerten Fördermitteln so etwas wie der Holocaust sein soll, belegt nun nicht gerade, dass ausgerechnet die anderen "generell kein Fachwissen" hätten und nur "ideologische Positionen" verträten (Quelle: Gen-ethischer Informationsdienst Juni 2011, S. 40f.).
Im Original: Über Klaus Ammann ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus Wikipedia zu Klaus Ammann
„Ich bin weder Befürworter der Gentechnologie noch ein Gegner der Bioproduktion. Ich fordere aber ein Zusammengehen von Biotechnologie und Biobauern. Der Grabenkrieg fruchtet nichts.“ Klaus Ammann am 29. Juni 2006 auf einer Podiumsdiskussion der ETH Zürich im Rahmen der Ringvorlesung „Armut“ ...
Im Jahre 2003 prognostizierte er allerdings eine Auflösung der Fronten innerhalb von zehn Jahren. Um seine Positionen zu vertreten, trat Ammann im Jahre 2006 auch in einem Werbevideo des Herbizide und gentechnisch verändertes Saatgut vertreibenden Konzerns Monsanto auf. Zudem wurde er als Redner zu zahlreichen entsprechenden internationalen Konferenzen eingeladen.
Ammann sieht in der Gentechnik und vor allem der Biotechnologie eine grosse Chance für eine ökologischere Landwirtschaft
Klaus Ammann wird von seinen Kritikern vielfach dafür gerügt, eng mit gentechnisch arbeitenden Unternehmen zusammenzuarbeiten und sich teilweise seine Forschungsarbeit durch diese finanzieren zu lassen. Auch seine Tätigkeiten in diversen als Lobbyorganisationen angesehenen Instituten ist Teil der Kritik. So gründete er bereits 1992 die International Society Biotechnology Research (ISBR) und 1998 folgte der Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik. Er ist ausserdem Vorstandsmitglied im Public Research Regulation Initiative (PRRI) und in deren Arbeitsgruppen „Public Sector Research“ und „Future Issues“ aktiv. Von 2002 bis 2005 war er in der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung Mitarbeiter sowohl in der „Global Initiative on Education in biotechnology“ als auch im „Compendium on Risk Assessment Research“. Er ist Vorsitzender der Sektion für Biodiversität der European Federation of Biotechnology (EFB), war Mitglied der Kommission Grüne Gentechnik der Akademien der Wissenschaften war von 1999 bis 2004 in der Gruppe „Risk assessment on transgenic crops“ des Projektes Assessment of the Impacts of Genetically Modified Plants (AIGM) tätig, wo er auch Vorstandsmitglied war. Darüber hinaus arbeitete er zwischen 2004 und 2006 als Vorstandsmitglied bei Africa Hervest, einer Organisation, die die Einführung von Gentechnisch veränderten Organismen in Afrika beschleunigen will.
Aus "Proteste beschränken sich auf Kundgebung" in: Neues Deutschland am 5.9.2011
Auf der Gegenseite ist der Unmut jedoch mittlerweile eskaliert. Zum Teil geschah das als Reaktion auf zwei Feldzerstörungen bei Rostock und in Üplingen Anfang Juli, als erstmals auch Sicherheitsleute mit Pfefferspray bedroht wurden. Andreas Sentker, Ressortchef Wissen bei der Wochenzeitung »Die Zeit«, betitelte daraufhin seinen völlig einseitigen Artikel zu den Überfällen mit »Ökoterrorismus« (was in der Onlineversion über 300, zumeist kritische Kommentare nach sich zog). Der bekennende Gentechnikfan bekommt nun in Üplingen den Innoplanta-Journalismuspreis verliehen.
Ebenfalls einen Preis bekommt Reinhard Szibor von der Universität Magdeburg. Er sprach damals von »Terrorismus fördernden Hasskampagnen in unserem Lande«, und zwar in einem (neuerlichen) umstrittenen Leserbrief an die Regionalzeitung »Volksstimme«, der mehr Platz erhielt, als der Artikel, den Sie gerade lesen. Darin zitierte Szibor auch den Schweizer Botaniker und Lobbyisten Klaus Amman, dass es »dann auch gut ins Bild passen würde, die einschlägigen wissenschaftlichen Bücher zu verbrennen«.
Besagter Amman tritt ebenfalls auf der Konferenz auf, mit einem Vortrag. Ihn zitierte die Zeitschrift »Gen-ethischer Informationsdienst« im Juni mit der Aussage, die Gentechnikkritiker seien so dialogunfähig, dass er eine »ökofaschistische Grundhaltung« erkenne. Sich selbst nannte er, da er häufig attackiert und denunziert würde, einen »Genjuden«.
Gegenüber ND bekräftigt Amman diese Aussagen. Er bezieht sich dabei auf Wilhelm Reichs zuerst 1933 erschienenes Buch »Die Massenpsychologie des Faschismus«. Die dort beschriebenen Phänomene seien auch heute noch virulent. »Die Nichtarier aus jener Zeit sind heute Wissenschaftler, die Geld von der Industrie nehmen«, so der Emeritus. Anti-Gentech-Gruppen seien »faschistoid«. Der Einwand, bei Reich gehe es um das Verschwinden von Individualität in einer fanatisierten Masse, wovon bei Ökogruppen nicht die Rede sein könne, ficht ihn nicht an: »Ich meine das nicht naiv. Ich habe mich differenziert ausgedrückt.«
- Ammann auf einer Gentechnik-Werbeveranstaltung bei der SPD Mecklenburg-Vorpommern
- Weitere Infos zu Klaus Ammann
- Klaus Ammann im Lexikon der Gentechnik-Seilschaften
- EFB Ask-Force: Klaus Ammann's regular column where he provides his comments into the controversial issues of today's biotechnology.
Dann folgte Andreas Sentker. Er ist Ressortleiter Wissen bei der ZEIT. Viele seiner Texte strotzen vor Ideologie, mitunter konnten ihm kapitale Fehler nachgewiesen werden. Passgenau zur Preisverleihung servierte er den LeserInnen seine eigene Art von Fundamentalismus: Feldbefreiung sei Terror! Da musste der Preis einfach an ihn gehen ... Neu sind Plattitüden und ideologische Positionen bei Sentker allerdings nicht.
Schließlich schlug der Medizinwissenschaftler Reinhard Szibor von der Uni Magdeburg in die gleiche Kerbe und verband die wirren Vergleiche mit dem Nationalsozialismus und das Gestammel von Terrorismus und brutaler Gewalt zu einem einem bemerkenswerten Beleg eines ideologischen Fundamentalismus besonderer Art. Mit "massiver Gewalt gegen Personen" (obwohl nirgends von irgendwelchen Auseinandersetzungen oder Verletzungen berichtet wurde) hätte der "Ökoterrorismus" (offenbar stellten auch frühere Aktionen schon so etwas dar) "eine neue Dimension angenommen", schrieb Szibor in einem Leserbrief, der in der stets der Agrogentechnik wohlgesonnenen Tageszeitung "Volksstimme" einen guten Platz erhielt. Szibor wittert den "Rechtsstaat in Gefahr" - meint damit aber nicht die Betrügereien und Fälschungen bei Genehmigungen und Förderanträgen für Genversuchsfelder, auch nicht die ständigen Abweichungen von Sicherheitsauflagen, sondern den Protest. Wer das Ende von Genfeldern fordere, handele im Sinne von "Terroristen". Dann hagelt es die üblichen NS-Vergleiche. Ob es "dann auch gut ins Bild passen würde, die einschlägigen wissenschaftlichen Bücher zu verbrennen", zitiert Szibor den sich als "Genjude" verfolgt sehenden Ammann. Seltsam: Waren es nicht die Gentechnik-LobbyistInnen, die die kritische Veröffentlichung "Organisierte Unverantwortlichkeit" verbieten wollten und regelmäßig kritische Veranstaltungen aus Universitäten werfen? Szibor packt noch einen Vergleich obendrauf und verweist auf die Nobelpreisträgerin Nüsslein-Volkhard, die auch seit Jahren - obwohl ebenfalls nicht vom Fach - mit fundamentalistisch-ideologischen Beiträgen für die Agrogentechnik streitet. Sie würde beklagen, "dass aus Deutschland schon wieder Wissenschaftler in die USA emigrieren, weil hier die Forschungsfreiheit eingeschränkt wird". Bei näherer Betrachtung sind Wechsel zwischen nordamerikanischen und europäischen Hochschulen heute Alltag. Sie finden in beide Richtungen statt und haben meist Karriereziele und höheres Einkommen zum Anlass. Doch offenbar wollen sich die tatsächlich eher geldgeilen WissenschaftlerInnen gerne in der Tradition von Einstein oder Oppenheimer suhlen und behaupten als Gründe "politische Überregulierungen und die terrorismusfördernden Hasskampagnen in unserem Lande". Terrorismusfördernde Hasskampagnen? Wer solche Worte spricht, ist einfach qualifiziert. Szibor und Nüsslein-Volhard erhalten die InnoPlanta-Preise zwei und drei im Jahr 2011 - das Triumvirat von Hetze und Fundamentalismus ist komplett!
Im Original: Ergüsse der InnoPlanta-Preisträger von 2011 ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Journalismus-Preisträger: Andreas Sentker, ZEIT
Aus einer Rede von Andreas Sentker zur Verleihung des Gregor-Mendel-Innovationspreises am 4. April 2011 in Berlin
Unter uns Wissenschaftsjournalisten gibt es einige, die über Jahre hinweg für die weitere Erforschung der Kernenergie plädiert haben. Ich gehöre dazu. ...
Wissenschaft will der Wahrheit möglichst nahe kommen, im Bewusstsein, sie nie zweifelsfrei erlangen zu dürfen. Politik hingegen will der Wählbarkeit möglichst nahe kommen, ihr Zweifel an der Wahrheit von gestern ist daher manchmal nur taktisches Kalkül. ...
Um das Leben der Vielen in Zukunft zu sichern, brauchen wir gerade in so komplexen und in ihrer Dynamik schwer voraussagbaren Bereichen wie Ernährung und Energie vor dem Hintergrund von Bevölkerungswachstum und Klimawandel möglichst viele verschiedene Optionen für die Zukunft – darin besteht die große Herausforderung für die Forschung.
Wissenschaftspreisträger Reinhard Szibor, Universität Magdeburg
Aus einem Leserbrief (im Netz und als Scan) in der Volksstimme
Mehr auf die Forscher von heute hören
Mit den Überfällen auf die Gentechnik-Versuchsfelder in Üplingen und Groß Lüsewitz, in deren Verlauf es zu massiver Gewalt gegen Personen kam, hat der Ökoterrorismus eine neue Dimension angenommen. Gegen Kriminalität gibt es eigentlich polizeiliche und juristische Mittel, und wenn unsere Gesellschaft es wollte, könnte man dem Spuk ein baldiges Ende bereiten.
Wenn allerdings dieser Ungeist in der Mitte der Gesellschaft toleriert wird, gerät der Rechtsstaat in Gefahr. Neben glaubwürdigen Verurteilungen der Straftaten aus gentechnikkritischen Parteien liest man auch Erschreckendes. Wenn Mecklenburgs Sprecherin der Grünen-Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft, Claudia Schulz, äußerte, sie könne die Motivation der Feldzerstörer verstehen, kann man ihre anschließende Distanzierung von den Angriffen wohl nur noch als pures Lippenbekenntnis zum Rechtsstaat ansehen. Der dortige Landesvorsitzende der Grünen, Jürgen Suhr, forderte gar in diesem Zusammenhang, ganz im Sinne der Terroristen, die schnellstmögliche Beendigung der Tentechnik-Forschungen. Das wäre dann nicht weniger als die Abschaffung der verfassungsgemäß verbrieften Forschungsfreiheit.
Der Schweizer Ökologieprofessor Klaus Ammann meint dazu mit bitteren Sarkasmus, dass es dann auch gut ins Bild passen würde, die einschlägigen wissenschaftlichen Bücher zu verbrennen. Überzogen? Mag sein, aber keine Geringere als die deutsche Nobelpreisträgerin Prof. Nüsslein-Volhard beklagt, dass aus Deutschland schon wieder Wissenschaftler in die USA emigrieren, weil hier die Forschungsfreiheit eingeschränkt wird, und dies geschieht durch politische Überregulierungen und die terrorismusfördernden Hasskampagnen in unserem Lande.
Vielleicht sollten wird als Deutsche unseren stolz, eine Wissenschaftsnation zu sein, nicht immer nur mit Forschungsleistungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts begründen, sondern auch einmal die gegenwärtigen Wissenschaftler hören. Alle deutschen Wissenschaftsgesellschaften weisen darauf hin, dass die wachsende Weltbevölkerung ohne Anwendung der Biotechnologien nicht ernährt werden kann. Die Europäische Kommission hat unter dem Titel "A decade of EU-funded GMO research" zusammengefasst, dass alle zugelassenen gentechnisch veränderter Pflanzen sicher sind. Das haben etwa 500 unabhängige Forscherteams in ca. 130 Forschungsprojekten mit einem Aufwand von 30 Millionen Euro erforscht. Damit entfällt dann auch das Argument vom angeblich "rechtfertigenden Notstand", das nicht nur Ökoterroristen immer wieder gern bemühen.
Aus dem Beitrag "Gentechnik und Kirchen", im gemeinsamen Teil mitteldeutscher Kirchenzeitung (nur diese einseitige Sicht wurde veröffentlicht!) und aus Ergänzungen von Reinhard Szibor im Internet
Bei der gentechnischen Veränderung einer Pflanze gibt es einen gezielten Eingriff an nur einer Stelle und dort wird eine gut analysierte Gensequenz eingebaut. ...
Ich bin kein Verfechter der Kernenergie. Aber: Wenn Sie mal die Toten und gesundheitlich Geschädigten durch Unfälle und Katastrophen in Atomanlagen zusammenzählen, dann sind das wenige Prozent von der Anzahl der Opfer, die früher im gleichen Zeitraum durch die Nutzung der Kohle zu beklagen waren. So schlimm Tschernobyl und Fukushima auch sind, man muss die Realitäten und die Relationen sehen. Um die enormen Probleme unserer Welt zu lösen, brauchen wir auch neue Technologien! ...
Weil alle sechs Sekunden auf der Welt ein Mensch an Hunger stirbt. Und weil die konventionelle Züchtung ausgereizt ist und kaum noch einen Zuwachs an Erträgen und an Ertragssicherheit bringt. Wir brauchen jetzt im Blick auf den Klimawandel dringend Pflanzen, die gegen Trockenheit resistent sind. Frau Käßmann hat es auf dem Dresdener Kirchentag auf den Punkt gebracht. Sie fragte, was wohl wäre, wenn jährlich 2,2 Millionen Kinder in Westeuropa an Mangel- und Unterernährung stürben? Dann wären wir alle sehr aufgeregt und würden nichts unversucht lassen, die Situation zu ändern. ...
Das Auskreuzungsproblem ist ein reales, aber es wird total überzogen dargestellt, zumal es bisher kein belegtes Beispiel dafür gibt. ...
Der Leiter des Biotech-Institutes von der Universität Nairobi/Kenia James Ochanda bringt es auf den Punkt: “Die Anti-Gentechnik-Kampagne sagt weiterhin zu uns Afrikanern: „Esst diese Gen-Früchte nicht – und sterbt jetzt.“ Im Übrigen habe ich den ganzen Schwachsinn, den sie laufend zitieren, gelesen und habe deshalb das Memorandum geschrieben.
Was das „push and pull system“ betriff, wird es jeder vernünftige Mensch prima finden, wenn es funktioniert. Niemand behauptet, dass für die Lösung der Probleme nur die Gentechnik in Frage kommt. Ob es ich durchsetzt und ob es auf andere Kulturen und Landstriche übertragbar ist, wird sich zeigen. Mich würde es freuen. Übrigens erinnern Sie mich sehr an die DDR Zeiten. Karl Eduard v. Schnitzler hat uns auch immer gesagt, wir bräuchten keine anderen Botschaften zu sehen bzw. zu lesen als die seinen und wenn wir die reinen Lehren von Marx, Engels und Lenin verinnerlichen, reicht das. Die Schriften (bzw. Sendungen) des Klassenfeindes brächten uns nur den rechten Weg ab. Nun, da ich für Sie der Klassenfeind bin, sollten Sie auch mein Memorandum und an der Schriften die ich zu Aufklärung empfehle auch nicht lesen. Behalten sie nur Ihre Scheuklappen auf, da können Sie wenigstens ruhig schlafen während in Afrika gestorben wird. Mit Christentum hat das aber nichts zu tun.
Auf Kritik dort reagierte er wie folgt:
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Auszüge aus dem "Memorandum zur Verantwortung der Kirchen hinsichtlicher des Themenkreises Grüne Gentechnik"
Wenn die Fragen entsprechend formuliert werden, so wie bei einer Studie des Bundesamts für Naturschutz (Oktober 2010), können es sogar 87 Prozent der Deutschen sein, die sich gegen die Agro-Gentechnik aussprechen. Aber es sind auch 92 Prozent der Deutschen, die laut einer Forsa-Umfrage glauben, dass der Mond Einfluss auf ihr Leben oder ihre Gesundheit ausübe und auch wetterbestimmend sei, was nach allen seriösen wissenschaftlichen Untersuchungen grober Unsinn ist. ... (S. 2)
Das Forum Grüne Vernunft, dessen Mitglied ich bin, hat sich die Aufgabe gestellt, über die GG aufzuklären und die Diskussion auf der Basis von Fakten und nicht von Vermutungen und Mutmaßungen zu führen. Es ist uns bewusst, dass wir eine Minderheitenmeinung vertreten. Das entmutigt uns aber nicht. Schließlich waren es zu allen Zeiten Minderheiten, die gegen Mehrheitsmeinungen angekämpft und Fortschritte erreicht haben. Wären Mehrheitsmeinungen nicht durch Minderheiten gekippt worden, dürften beispielsweise Frauen nicht einmal Auto fahren, sie würden sich in unserer Gesellschaft nicht in gewichtigen Positionen befinden, sondern müssten hauptsächlich für ihre Ehemänner kochen, Hemden bügeln etc. Homosexuelle könnten nicht Bürgermeister von Großstädten sein oder Fernsehsendungen moderieren, sondern müssten ihre Neigung verheimlichen und Strafverfolgung befürchten ... (S. 3)
Die heutige Not in den Entwicklungsländern hat viele Ursachen:
1. Ungünstige politische Ordnung und Missstände (ungerechte Besitzverhältnisse, Ausbeutung und Korruption, Desorganisation wirtschaftlicher Prozesse)
2. Mangelnde Bildung der Bevölkerung
3. Ungenügende landwirtschaftliche Erträge, begründet durch eine Kombination von rückständiger Landwirtschaft, ungünstigen Klimabedingungen und dem Anbau ertragsschwacher Sorten
Die unter Punkt 1 genannten Missstände können von außen nicht oder nur begrenzt beeinflusst werden und die Änderungsprozesse, soweit sie überhaupt stattfinden, sind langwierig. Hinsichtlich Punkt 2 können staatliche Entwicklungshilfe und Programme von internationalen Hilfsorganisationen helfen. Zu Punkt 3 gibt es zahlreiche Bemühungen, wobei im Kontext dieses Papiers der Fokus auf Programme und Studien gelegt werden soll, die die GG berücksichtigen. ... (S. 4)
Aber Aussagen, wie „es ist genug für alle da“ und „die derzeitige Produktion an Nahrungsmitteln könnte fast doppelt so viel Menschen ernähren, als derzeit auf der Welt leben und der Überfluss müsste nur richtig verteilt werden“ 21, gehen in die falsche Richtung. Damit wird einem kostenlosen oder zumindest subventionierten Nahrungsmitteltransfer das Wort geredet. ... (S. 4f.)
Während alle Welt die Konstruktion von Flugzeugen, Hochgeschwindigkeitszügen, Brücken und Tunneln, die Entwicklung von Medikamenten usw., wo es ja überall um das Leben und die Sicherheit von Millionen Menschen geht, dem Sachverstand der Fachleute anvertraut, wird die Diskussion um die GG weitgehend von Laien dominiert. ... (S. 5)
Grundsätzlich ist es aber so, dass Firmen oder wissenschaftlichen Instituten für Lebewesen (Tiere, Pflanzen und Mikroben), die durch gentechnische Veränderungen entstanden sind und das Kriterium einer erfinderischen Neuheit erfüllen, ein Patentanspruch zusteht. Es wurden hier ja nicht einfach nur Gene von einem Lebewesen auf ein anderes übertragen, sondern völlig neue Funktionseinheiten mit Regelmechanismen konstruiert, eingebaut, und die neu entstanden Pflanzen in einem aufwändigen Prozess auf Sicherheit geprüft. Der Patentschutz ergänzt den Sortenschutz, der sich in der Landwirtschaft bereits bewährt hat. Nur wer wirklich erfinderisch neue Genkonstruktionen kreiert, kann die neue Sorte patentieren lassen. Schließlich kosten die Forschungen und Zulassungsverfahren Millionen. Da unterscheidet sich das Patentrecht nicht von anderen Technikbereichen, wo ebenfalls berechtigterweise Erfindungen, die entwickelt worden sind, geschützt werden. Auch Filme, CDs, Bücher und Noten darf man nicht einfach kostenfrei kopieren, das leuchtet doch jedem ein. Mit der Patentierung einer gv-Pflanze darf der Nachbau nicht ohne Zustimmung des Patentinhabers erfolgen. ...(S. 15f.)
Auswilderungen von Kulturpflanzen kommen vor. Allerdings Kulturpflanzen, ganz gleich, ob genverändert oder nicht, sind ohne menschliche Pflegemaßnahmen nicht dauerhaft überlebensfähig. Sie besiedeln für eine begrenzte Zeit Ruderalflächen und verschwinden wieder. ... (S. 22)
Um Verbraucher, die keine GVOs in Nahrungsmitteln wollen, vor solchen Produkten zu schützen, hat der Gesetzgeber bestimmt, dass konventionell produzierte Lebensmittel von GVO-Einträgen freizuhalten sind und dass Lebensmittel, die mehr als 0,9% „zufällige, technisch unvermeidbare" gv Produkte enthalten, entsprechend gekennzeichnet werden müssen. Das bedeutet, dass z. B. in einer Stichprobe von 1000 Maiskörnern bis zu 9 Körner gv-Mais enthalten sein dürfen, ohne dass die Kennzeichnungspflicht greift. Solche Vorgaben sind ohne Weiteres einzuhalten, wenn auf den Feldern die vorgegeben Abstände der gv-Sorten zu konventionellen Sorten beachtet werden bzw. wenn weitere Vorkehrungen, wie z.B. die Reinigung von Erntemaschinen nach jeder Mahd, getroffen werden. ... (S: 23)
Wenn NOGs reklamieren, man müsse eben die GG ganz verbieten, damit solche Probleme nicht erst aufkommen, sollte man die Realtäten zur Kenntnis nehmen: Wir leben in einer globalisierten Welt in der aus gutem Grund der Anbau von GVOs jährlich um 6-8% steigt. Deutschland und Europa können der Welt nicht diktieren, was zu tun ist. Es kann nicht genug betont werden, dass die so geringen Beimengungen von Genprodukten ja alle als harmlos für den Menschen erkannt wurden. ... (S. 24)
GG ist in der Lage, Pflanzen in einer Weise zu verändern, wie dies mit anderen Methoden nicht möglich wäre. Züchtungsziele, die auch ohne GG erreichbar sind, würden mit konventionellen Verfahren und auch mit dem molekulargenetisch gestützten „Smart Breeding“ viel länger dauern. Die dramatische Welternährungslage lässt uns aber nur wenig Zeit. ... (S. 25)
Anstatt die Beratung durch kompetente Spitzenwissenschaftler in Anspruch zu nehmen, lassen sich Verantwortliche in den Kirchen und auch ihre Umweltbeauftragten und in der Folge auch die Gemeinden von wissenschaftlich nicht ausgewiesenen Weltverbesseren auf fatale Irrwege führen. Wie wäre es sonst zu verstehen, dass nahezu alle Synoden ohne jedes wissenschaftliche Fundament und nur aus diffusen Ängsten heraus den Anbau von GVOs auf kirchlichen Äckern verbieten? ... Nur selten gibt es erfreuliche Ausnahmen, die die Regel bestätigen. So veranstaltet z. B. die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt oder das TTN-Institut München Seminare, zu denen auch Wissenschaftler von Rang eingeladen werden. Das katholische Bistum Magdeburg engagierte sich unter dem damaligen Bischof Leo Nowak sogar für den Aufbau eines Biotechnologieparks in Gatersleben. ... (S. 26)
Lassen sie uns auf die von Gott gegebene menschliche Kreativität und Innovationskraft vertrauen, mit der wir es geschafft haben, (bisher leider nur in den entwickelten Ländern) die Kinder-und Säuglingssterblichkeit in den Promillebereich zu drücken und für die große Mehrheit der Bevölkerung die Lebenserwartung bei gleichzeitig hoher Lebensqualität bis ins Alter in einem früher nicht vorstellbarem Ausmaß zu erhöhen. ... Für den deutschsprachigen Raum sei die Predigt des evangelischen Kirchenrats Dr. Stephan Schleissing über Matthäus 12 zur Lektüre empfohlen. (S. 27)
Aus einem Offenen Brief an die Direktorin von "Brot für die Welt", am 11.12.2009
Es darf nicht passieren, dass eine angesehene Organisation wie "Brot für die Welt" die wichtigste Ressource zur Bekämpfung des Hungers, nämlich die Wissenschaft, schlecht redet. Das würde dazu führen, dass letzt ein Aktienkauf bei BASF oder Bayer mehr zur nachhaltigen Hungerbekämpfung beiträgt, als eine Spende für "Brot für die Welt". Soweit darf es einfach nicht kommen.
Die zitierte Nüsslein-Volhard erhielt den InnoPlanta-Sonderpreis.
Nach der Veranstaltung begründete InnoPlanta seine Preisvergabe:
„Erstmals wird mit Prof. Szibor ein Wissenschaftler ausgezeichnet, der nicht direkt aus dem Bereich der Grünen Gentechnik kommt, sondern ein Analytiker und Forscher ist, der Methoden der Molekularbiologie zur Überführung von Straftätern nutzt. Ungewöhnlich ist auch, dass nicht ein Beitrag zur Grünen Gentechnik sondern vor allem Leserbriefe herangezogen wurden“, sagte Laudator Prof. Dr. Klaus-Dieter Jany. Prof. Dr. Szibor leitete bis 2010 das Institut für Rechtsmedizin in Magdeburg. „Ursprünglich war ich der Meinung, meine Leserbriefe würden nicht für einen derartigen Preis ausreichen, umso mehr freue ich mich über die Ehrung“, sagte Szibor. „In den Beiträgen von Herrn Sentker wird deutlich, dass er sich als Wissenschaftsjournalist als Vermittler und Erklärer zwischen den Fronten oder wie er es ausdrückt, zwischen den Kulturen versteht. Er be- oder unterrichtet umfassend und ausgewogen und zeigt wirtschaftliche, soziale und politische Folgen neuer wissenschaftlicher Entwicklungen auf“, so Jany in seiner Laudation. Sentker ist heute Leiter der Redaktion Wissen des Wochenmagazins Die Zeit. „Wir müssen irrationalen Ängsten mit rationalen Fakten begegnen. Wir brauchen in der Diskussion über die Grüne Gentechnik mehr Differenzierung statt mehr Zuspitzungen, wollen wir diese vereinfachen“, sagte Sentker in seinem Beitrag.
Einstimmig beschloss der InnoPlanta-Vorstand die diesjährige Vergabe des Sonderpreises. „Es gibt keinen, der sich häufiger, nachhaltiger und wirkungsvoller für einen vernünftigen Umgang mit der Grünen Gentechnik eingesetzt hätte als Frau Prof. Nüsslein-Volhard“, sagte Dr. Horst Rehberger, Wirtschaftsminister a.D., in seiner Laudatio. Die Nobelpreisträgerin freute sich, neben der Preisverleihung endlich einmal den Schaugarten der BioTechFarm in Üplingen besuchen zu dürfen. „Dem Einsatz von gentechnischen Methoden wird bei der Lösung von drei Problemen künftig eine besondere Bedeutung zukommen: 1. Die Ernährung der Weltbevölkerung 2. Die Qualität unserer Nahrungsmittel und 3. Der Naturschutz“, sagte Nüsslein-Volhard. Sie betonte zudem, dass Forschungsfreiheit bedeute, Ziele aber auch Instrumente der Forschung frei wählen zu können. Eine weitere Einschränkung der Forschung in Deutschland sei deshalb nicht hinnehmbar.Am 5. und 6. September 2011 fand das InnoPlantaForum dann statt.
- Presseinformation am 6.8.2011 zum Thema Nazivergleiche und Terrorismusangst ++ auf NGO-Online
- Vorher: Aufruf und Faktenpapier ++ ND am 5.9.2011
- Textbericht im MDR am 6.9.2011 (ohne Erwähnung der Proteste!) ++ Audiobeitrag im MDR und MDR-Info
- dpa auf D-News am 6.9.2011 ++ Volksstimme am 7.9.2011 ++ TransGen am 7.9.2011 ++ InnoPlanta-Text und Film
- Verbändeerklärung zum Forum am 5.9.2011 ++ Fotos der Aktionen ++ Indymedia-Bericht
Blockade des Forums: Tripod im Eingang ++ Stau vor Sitzblockade (größer durch Anklicken)
In der Folge gab es versammlungsrechtliche Auseinandersetzungen. Denn die Demo der GentechnikbefürworterInnen bestand über große Phasen aus einer oder keiner Person. Das aber ist als Versammlung gar nicht zulässig. Offenbar diente das Ganze nur dazu, die GegnerInnen auf Distanz zu halten. Als ein Kritiker die leere Pro-Demo-Fläche für eine weitere Versammlung nutzen wollte, wurde er von der Versammlungsbehörde weggeschicht und von der Polizei kurzerhand verprügelt. Gegen diese Untersagung einer eigenen Versammlung klagte er vor dem Verwaltungsgericht. Die Versammlungsbehörden-Angestellte Pessel formulierte daraufhin ein beeindruckendes Märchen über die "leere Demo".
Oktober 2011: Landkreis Harz tritt aus InnoPlanta aus
Doch schauen wir zunächst einmal genauer hin: Wer ist InnoPlanta? Wo kommt der Verband her, wer ist dort aktiv und warum können die so dick auftragen?
Das Kapitel zu den Lobbyverbänden im Buch "Monsanto auf Deutsch" als PDF-Download!
InnoPlanta: Behörden, Parteien & Konzerne in einem Boot
Über InnoPlanta findet sich ein Abschnitt
auf Seite 20 der Broschüre "Organisierte
Unverantwortlichkeit" (Infoseite ++ PDF)
Es gibt viele Lobbyverbände, doch keiner ist so schillernd wie InnoPlanta. Der lauteste Marktschreier pro grüner Gentechnik ist vielleicht auch der wichtigste. Denn hier sitzen sie alle zusammen: Die Konzerne - große wie kleine -, die ForscherInnen und ParteifunktionärInnen. In Vorstand und Beirat des Vereins sitzen sie einträchtig neben Beamten aus Behörden und Fördermittelvergabestellen. Dass im Vorstand einer solchen Plattform große Konzerne und kleine Firmen sitzen, die - mit Fördermitteln vollgepumpt - in den letzten Jahren ihr Glück als GentechnikerInnen versuchten, mag wenig überraschen. Was aber machen die Geschäftsführerin der regionalen Wirtschaftsförderung, der Vize des Landesbauernverbandes, ein Mitarbeiter des zum Bundesverbraucherministerium (z.Zt. Ilse Aigner, vorher Horst Seehofer und Renate Künast) gehörenden JKI und ein Landrat im Vorstand? Als wackere Streiter pro Gentechnik bekannt sind der ehemalige Wirtschaftsminister Horst Rehberger und der ehemalige Beamte der Bundesforschungsanstalt für Lebensmittel und Ernährung, Klaus-Dieter Jany. Insgesamt vereinigt Innoplanta rund 60 Partner aus Forschung, Wirtschaft, Finanzen und Politik. Einen weiteren Sitz im Beirat hat Jens Katzek, Chef des größten Finanziers der Agro-Gentechnik in Sachsen-Anhalt namens BIO Mitteldeutschland, bei dem Schrader auch schon einmal die Geschäftsf führte (als es noch Bioregion Halle-Leipzig-Management GmbH hieß) . Genius als Mitglied von InnoPlanta übernimmt das, was sie auch für Behörden und Finanzierungsprogramme machen: Die begleitende Propaganda. Unter den weiteren Mitgliedern finden sich die großen deutschen Player Bayer, BASF und KWS, daneben die Kleinstfirmen, die am Standort Gatersleben entstanden sind. Nicht alle gibt es noch, denn wenn die Staatsförderungen mal ausbleiben, ist schnell Schluss: Mitgliedsverband NovoPlant ging pleite und verschwand. SunGene wurde zu 100 Prozent von BASF übernommen. Bleibt noch der Landesbauernverband Sachsen-Anhalt, der hier mit InnoPlanta für die technologische Begleitung des Bauernsterbens wird, und das Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK), auf dessen Gelände InnoPlanta seine Büroräume hat.87 Und der Landrat sitzt in den Gremien, denn auch der Landkreis ist Mitglied bei Innoplanta. Das ist nicht ganz ohne, denn als Vereinspflicht ist allen Mitgliedern von InnoPlanta auferlegt, für die Gentechnik einzutreten ...
Bunter Werbeverein für die Agro-Gentechnik
Lautstärke ist bei InnoPlanta Alltag, Inhaltsreichtum hingegen selten. Die konkreten Aktionen sind mitunter eher von einer mitleidserregenden Niveaulosigkeit geprägt. Als 2006 die Kampagne "Gendreck weg!" zum fröhlichen und gemeinsamen Maispflanzen-Umtreten nach Badingen (nahe dem brandenburgischen Zehdenick) einluden, mobilisierten InnoPlanta und ihr Umfeld dagegen. Die Bundes-Jungliberalen standen mit "Kein Faustrecht"-Hemden in Deutschlandfarben am Wegesrand und beeindruckten mit Wissensdefiziten. Auf Nachfrage, ob nicht der bei Genversuchsfeldern ständig angewandte Sofortvollzug eine Art juristisches Faustrecht sei, wusste sich die uniformen Staatsgläubigen nicht anders zu wehren als mit der Behauptung, in Deutschlang gäbe es keine sofortige Vollziehung im Verwaltungsrecht. Na dann ...
Mit dabei war auch InnoPlantas Arbeitskreis AGIL. Die "innovativen Landwirte" sammelten Patenschaften für die von GentechnikgegnerInnen so bedrohten Maispflanzen. Mit dabei als PatInnen waren die Bundestagsabgeordneten Christel Happach-Kasan (FDP) und die 2009 zur Staatssekretärin im Umweltministerium (!) aufgestiegene Katherina Reiche (CDU). Ebenso hielten Angehörige von Bundesfach- und -aufsichtsbehörden die symbolische schützende Hand über das künstliche Leben - nämlich der schon erwähnte Jany vom BfEL und Christian Gienapp von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Mecklenburg-Vorpommern. 
Noch tiefer nach unten ging es am 17. und 19. April 2009. InnoPlanta rief zu Demonstrationen für die Gentechnik - in Üplingen vor den Toren des Gentechnik-Streichelzoos, wo selbst der deutschlandweit verbotene Bt-Mais MON810 mit Sondergenehmigung der Bundesbehörde im 2009 wachsen und für die Gentechnik werben sollte. Der war aber noch gar nicht ausgesät, als sich Uwe Schrader, einige wenige LandwirtInnen und vor allem recht junge VersammlungsteilnehmerInnen, die nach eigenen Angaben aus der Umgebung und aus der Hooligan-Szene Helmstedts stammten und für das Schilderhalten 45 bis 75 Euro einstrichen. Die Schilder waren erkennbar einheitlich gefertigt, also keine Kreationen derer, die sie in den Üplinger Himmel streckten. "Keine Anarchie!" und "Feldzerstörer raus!" war zu lesen. Sollte da ein kultureller Bruch zu Demonstrationen vermieden werden, die diese Klientel sonst üblicherweise besuchte? InnoPlanta-Chef Uwe Schrader war selbst vor Ort (siehe Foto links) und versuchte zu verhindern, dass "DemonstrantInnen" und die am zweiten Demotag anwesenden GentechnikgegnerInnen direkt ins Gespräch kamen. Auch er passte sich dem knöcheltiefen Niveau an und sprach gegenüber seinen SchilderhalterInnen über die GentechnikgegnerInnen als "Straftäter".

Oben: Bild aus der Presse von der Demo am 17.4.2009. Unten: Demo am 19.4.2009 (Fotos: Jörg Bergstedt)


Als im Frühjahr 2010 die Verunreinigung von Saatgut immer offensichtlicher wurde, befand InnoPlanta: "Skandalös sind nicht die möglichen Spuren von gv-Mais, skandalös ist, dass es noch immer keine Saatgutschwellenwerte gibt."
Im Original: Üplinger Erklärung: Verbot der Auskreuzung ist Skandal! ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Innovative Landwirte wollen die Chancen der Pflanzenbiotechnologie nutzen, fordern eine umfassende Positivkennzeichnung und Saatgutschwellenwerte
Die jüngsten Fälle von möglichen Spuren von gentechnisch verändertem Mais in Saatgut überraschen nicht. Denn weltweit ist gv-Saatgut im Gebrauch und eine Nulltoleranz, wie sie bei Saatgut in Deutschland gilt, ist deshalb praktisch nicht möglich. Skandalös sind nicht die möglichen Spuren von gv-Mais, skandalös ist, dass es noch immer keine Saatgutschwellenwerte gibt. Um die globalen Realitäten endlich zu akzeptieren, Rechtssicherheit zu schaffen und weiteren wirtschaftlichen Schaden zu vermeiden, sind Saatgutschwellenwerte dringend erforderlich. Bis dahin müssen im behördlichen Vollzug endlich Lösungen angewendet werden, um die offensichtliche Nachweisproblematik im „Mikrospurenbereich“ praxisgerecht und dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz folgend, zu behandeln.
Die Geschichte dieser „Plattform zur Unterstützung von Landwirten, welche die Vorteile moderner Pflanzenbiotechnologie nutzen wollen“86
beginnt 1999. Ausgerechnet die rot-grüne Bundesregierung gibt Impuls und Millionen für die nach Mitte der 90er Jahre zweite Phase, die Agro-Gentechnik zwischen Wäldern und Wiesen zu verteilen - und dafür vor allem Behörden, Konzerne und Universitäten in einer Personal- und Förderpolitik mafiosen Ausmaßes praktisch gleichzuschalten. Innerhalb weniger Jahre entstand ein Geflecht, dass trotz überwältigender Ablehnung der Technik in der Bevölkerung sehr effizient die Ausbringung gentechnisch veränderter Pflanzen vorantrieb. Das freute die damaligen ProtagonistInnen in Sachsen-Anhalt - denn dorthin floss das Geld zunächst. Allen voran ein FDP-Mann, der eigentlich aus Saarbrücken stammte, aber 1990 als Wirtschaftsminister in den frisch einverleibten Osten geschickt wurde: Horst Rehberger. In seiner Biographie ließ er den Goldesel beschreiben:
Im Original: Horst Rehberger als Gründer von InnoPlanta ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus Horst Rehberger, (2009): "Unterwegs" (S. 226)
Im Jahr 1999 hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung den InnoRegio Wettbewerb ausgeschrieben. Durch ihn sollte die Clusterbildung in den neuen Bundesländern vorangetrieben werden. Was lag näher, als im Raum Nordharz/Börde ein Konzept für die Weiterentwicklung der Biotechnologie zu entwickeln, mit dem man an diesem Wettbewerb teilnehmen konnte? Das geschah unter Federführung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Aschersleben (Evelyne Nettlau) und der BioRegion Halle-Leipzig GmbH (Dr. Uwe Schrader). Als Berater wirkte auch Rehberger bei der Erstellung des Konzeptes mit. Auf seinen Vorschlag hin wurde der InnoPlanta e.V. als Netzwerk zur Förderung der grünen Biotechnologie gebildet. In ihm haben sich Wissenschaftler, Saatzüchter, Pflanzenbiotechnologie-Unternehmen, kommunale Gebietskörperschaften und nicht zuletzt Landwirte zusammengeschlossen. Der InnoPlanta e.V. im Jahr 2000 als Sieger aus dem Wettbewerb hervor. Er realisierte mit der Prämie von rund 30 Millionen Euro 38 Einzelforschungsvorhaben. Daraus entstanden eine Vielzahl von Patenten und Lizenzen in den beteiligten mittelständischen Unternehmen sowie zahlreiche Arbeitsplätze.
- Strafanzeige gegen Horst Rehberger (SR Online, 15.7.2010)
Nicht viel anders liest sich das im marktradikalen High-Tech-Jubelblatt "Novo". Deren Chefredakteur sieht die "Sonne aufgehen" angesichts der Millionenspritzen für die von ihm so geliebte Gentechnik - einer von vielen Texten, die ihm 2009 den Journalistenpreis von InnoPlanta einbrachte. Ein Hand wäscht die andere ...
Im Original: Thomas Deichmann ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Thomas Deichmann, "Im Osten geht die Sonne auf", in: NOVO Nr. 67, Nov. 2003
Von Sachsen-Anhalt unterstützt wird auch das InnoRegio-Projekt "InnoPlanta" in der Region Nordharz / Börde - ein Verein, der im Mai 2000 gegründet wurde und auf den das Land sehr stolz ist, weil er beim InnoRegio-Wettbewerb des BMBF im Herbst 2000 sogleich den ersten Platz belegte und mit 20 Mio. Euro an Fördermitteln für den Zeitraum 2001-2006 die höchste jemals vergebene Prämie im InnoRegio-Wettbewerb erhielt. "InnoPlanta" vernetzt vor allem bereits existierende Kompetenzen der Region, die beispielsweise am weltweit renommierten Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben, der Bundesanstalt für Züchtungsforschung (BAZ) mit einem Sitz in Quedlinburg, der Universität in Halle, der Hochschule Anhalt in Berburg und einer Reihe lokaler Saatzuchtunternehmen wie der ZKW Züchtungsgesellschaft mbH in Wanzleben und der Nordsaat Saatzucht GmbH in Böhnshausen angesiedelt sind. InnoPlanta koordiniert die vielfältigen Projekte der Branche - darunter Forschungen an verbesserten Spargelsorten und die Züchtung von Kulturpflanzen mit neuen Inhaltsstoffen - und bindet sie in die Biotechnologie-Strategie der Landesregierung ein. Der Verein betreut derzeit 32 Einzelprojekte mit insgesamt 83 Partnern.
Wie konnte das passieren, dass eine rot-grüne Bundesregierung eine derart hohe Menge Geld für solch einen Zweck ausgibt? Wurden sie von Schrader, Rehberger & Co. über die wahren Ziele getäuscht? Nein - ganz im Gegenteil. Ein wichtiges Konzeptpapier für die "Biotechnologieoffensive Sachen-Anhalt" redete ungewöhnlichen Klartext. Es geht um mehr Profite, Wirtschaftskraft und Fortschritt um jeden Preis. Die späteren blumigen Versprechungen vom Kampf gegen den Hunger und umweltfreundliche Landwirtschaft waren noch nicht erfunden. Das Papier kann daher als Meilenstein gelten und viele teure Studien ersetzen, die umständlich nachweisen, dass z.B. durch gentechnisch veränderte Pflanzen weniger Spritzmittel eingesetzt werden müssen. Das genaue Gegenteil ist nicht nur der Fall, sondern war immer das Ziel - denn mit dem Verkauf der Gifte lässt sich Kasse machen. Das wussten die Gentechniker von Anfang an:
Im Original: Uwe Schraders Konzept ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus: tti (Auftraggeber): "Konzeptpapier für die Biotechnologieregion Sachsen-Anhalt" (Fettdruck nicht im Original)
Der Weltmarkt für Pflanzenschutzmittel beträgt ca. 32 Mrd. $, wovon die Hälfte auf Herbizide, ein Viertel auf lnsektizide, 20% auf Fungizide und der Rest auf Nematozide etc. fällt. Biologische Pflanzenschutzmittel haben keine nennenswerte Bedeutung. Das Pflanzenschutzmittelgeschäft ist oligopolistisch strukturiert. 80% des Weltmarktes werden von 10 führenden Herstellern bedient. Das geringe Marktwachstum bei gleichzeitig hohen Entwicklungsaufwendungen führte zu einer Branchenrestrukturierung, in deren Verlauf Hoechst und Schering ihre Pflanzenschutzmittelaktivitäten 1994 in der AgrEvo zusammenschlossen. Die beiden Baseler Firmen Ciba-Geigy und Sandoz fusionierten 1996 aufgrund des Konzentrationsdruckes in der Pharmaindustrie zur Novartis, womit gleichzeitig der weltgrößte Pflanzenschutzmittelhersteller, Novartis Crop Protection AG, und der zweitgrößte Saatzüchter, Novartis Seed AG, entstanden. 1997 trennte sich das Pharmaunternehmen Eli Lilly von seinem agrochemischen Geschäft und gab es an seinen J.V.-Partner Dow Chemicals ab ( s. Tabelle "Führende Pflanzenschutzmittelhersteller").
Die Aussicht, in dem stagnierenden Pflanzenschutzmittelmarkt durch Anwendung der Pflanzenbiotechnologie Positionsverbesserungen zu erzielen, erklärt die für das Marktvolumen und die Profitabilität der Branche unerwartet hohe interne und externe F&E- Intensität. Die sich abzeichnenden Erfolge in der Einführung von transgenen Kulturpflanzen in Nordamerika, Argentinien und Brasilien haben der durch Übernahme und Fusion von Pflanzenschutzmittelherstellern erfolgten Marktkonsolidierung weiteres Momentum gegeben und zu einer regen Akquisitionstätigkeit der Unternehmen in die Biotechnologie- und Saatzuchtbranche geführt.
Eine riesige Anschubfinanzierung der Bundesregierung brachte die Agro-Gentechnik wieder ins Rollen. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Nach Jahren der Pause oder nur geheimgehaltener gv-Pflanzenaussaaten ging von den InnoPlanta-Millionen ein Impuls für neue Felder aus. Das Ende der Gentechnikfreiheit mittels Auskreuzungen rückte wieder in den Bereich des Möglichkeiten. Als "Erprobungsanbau" wurde 2004 der Wiedereinstieg getarnt. Neben Gentechnikkonzernen wie Monsanto und Pioneer, die Saatgut und finanzielle Unterstützung beisteuerten, war auch der Initiatorenverein des AgroBiotechnikums, FINAB, beteiligt. Hinzu kamen weitere Firmen: „An Kommunikationsmaßnahmen bzw. hierfür notwendigen finanziellen Mitteln beteiligten sich darüber hinaus Bayer CropScience, BASF Plant Science, Syngenta und die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie (DIB).“89 Der Werbegag zog - einige Jahre später mündete die "Erprobung" in die kommerzielle Zulassung von gv-Mais. Zwischendurch, nämlich 2007, wurden weitere Zuschüsse des BMBF eingesammelt:88
- Universität Halle für Maisversuch: 112.456 €
- IPK für 5 Versuche mit Weizen, Gerste und Rüben: 1.518.164 €
- SunGene für Raps-/Weizenversuche: 381.968 €
- Strube Saatzucht für Rübenversuche: 248.198 €
- Humboldt-Universität Berlin für Experimente an Ölpflanzen: 346.548 €
Seilschaft durch und durch ...
InnoPlanta ist durch und durch Seilschaft. Verknüpfungen gibt es zuhauf - allein Vorstand und Beirat des Vereins sind ein Sammelbecken aller Akteursgruppen. Die Internetseiten von InnoPlanta und des Green-Gate-Internetportals werden von der gleichen Person verwaltet.90 Innoplanta-Mitgründer Thomas Leimbach wurde später Präsident des Landesverwaltungsamts Sachsen-Anhalt (taz, 7.9.2010) - immerhin die Kontrollbehörde für Gentechnikversuchsfelder. Das ist von Bedeutung, denn InnoPlanta-Vorsitzender Uwe Schrader ist gleichzeitig Initiator, Ex-Geschäftsführer und heutiger "ehrenamtlicher Beirat" der BioTechFarm mit vielen solcher Felder in Üplingen. Rechnen scheint dort keine besondere Stärke zu sein, obwohl Uwe Schrader inzwischen seine Geschäftsführungsposition an Kerstin Schmidt abgegeben hat - und die ist immerhin Mathematikerin. Vielleicht sind solche Leute nötig, um eine 77-prozentige Zustimmung der Bevölkerung zur Agro-Gentechnik ausrechnen zu können. Welche Formel dabei angewendet wurde, ist eines der vielen ungelösten Rätsel. "Nur 13 Prozent waren anderer Meinung" als das Bejubeln der Agro-Gentechnik, veröffentlichten sie im April 2010 in einer Presseinformation.
Im Original: InnoPlanta-Pressemeldung vom 22.4.2010 ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Eine aktuelle, Ende März veröffentlichte Eurobarometer-Umfrage beschäftigt sich mit „Europäer, Landwirtschaft und die Gemeinsame Agrarpolitik“. Dazu wurden knapp 27.000 Bürger in allen EU-Mitgliedstaaten befragt, darunter 1522 in Deutschland. Dabei wurden sie auch um ihre Meinung zu der Aussage gebeten: „Die Europäische Union sollte seine Landwirtschaft ermutigen, die Fortschritte in der Biotechnologie für sich zu nutzen.“ EU-weit stimmten 36 Prozent dieser Aussage „vollständig“ zu, weitere 41 Prozent tendierten zu einer Zustimmung. Nur 13 Prozent waren anderer Meinung, 10 Prozent wollten sich nicht festlegen. Mit 77 Prozent an starken oder überwiegenden Zustimmungen lag Deutschland im Durchschnitt der Ergebnisse aus allen 27 Mitgliedstaaten.
- Zu Fußnoten und weiteren Quellen ++ InnoPlanta im Lexikon der Gentechnik-Seilschaften
- Biografie von Uwe Schrader auf Wikipedia ++ Lebenslauf bei der FDP-Landtagsfraktion
Und was machen Grüne, Umwelt-, Bioanbauverbände & Co.?
Die halten die Klappe. Die Auseinandersetzung mit den den Protogonisten der Agro-Gentechnik unterbleibt. Mitmischen tun sie aber dort nirgends - nur ab und zu sind sie blöd genug, sich in Propagandaveranstaltungen einbinden zu lassen. In Einzelfällen nimmt das bizarre Formen an. So besuchte die grüne Bundestagsabgeordnete Cornela Behm am 7. September 2009 ausgerechnet das Seilschaftentreffen InnoPlanta-Forum. Behm wusste, dass ein Gentechnikkritiker vom Treffen ausgeschlossen wurde. Der und andere AktivistInnen standen vor dem Tor und protestierten. Behm fuhr mit ihrem Kleinauto voller Grünen-Aufkleber wortlos durch sie hindurch und winkte bei der Abfahrt im Vorbeifahren aus dem Fenster. Während sie stundenlang tapfer als Übungspartner der Gentechniklobby zur Verfügung stand, schenkte sie dem GentechnikkritikerInnen ein kurzes Winken im Vorbeifahren. Auch das ist eine Form des politischen Statements. Im Protest vor dem Tor fanden sich 2009 und 2010 weder Grünen- noch UmweltverbandsvertreterInnen.
Im Porträt: InnoPlantachef U. Uwe Schrader
Die niedlichste Story von Uwe Schrader als Zögling des FDP-Übervaters Rehberger erzählt Letzterer selbst - etwas freundlicher als mündlich übermittelte Augenzeugenberichte, die selbst aus Kreisen der FDP für Uwe Schrader wenig vorteilhaft ausfallen. Danach soll Uwe Schrader schlicht der Kofferträger von Rehberger gewesen sein, der seinen Aufstieg genau dieser Anbiederung bei den Führungspersonen verdankt. Aber lassen wir erstmal Horst Rehberger sprechen:
Im Original: Horst Rehberger über Uwe Schrader ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Es gibt Menschen, mit denen man sich von der ersten Begegnung an versteht. Ohne zu wissen, warum. Man hat eben, so heißt es, die gleiche Wellenlänge. Uwe Schrader gehört für mich dazu. Trotz eines Altersunterschieds von 21 Jahren haben wir uns sofort verstanden. 1991 begegneten wir uns zum ersten Mal. Er war Vorsitzender des FDP-Keisverbandes Oschersleben und lud mich dorthin ein. Natürlich sagte ich zu. Inzwischen sind fast 17 Jahre ins Land gegangen. Auch in diesem Falle ist es kaum noch möglich, all die Begegnungen und politischen Veranstaltungen zu zählen, auf die wir gemeinsam zurückblicken. In den Jahren 2002 - 2006 war er als wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Magdeburger Landtag mein „Gegenpart". Wäre das schön, wenn man immer einen solchen „Gegenpart" hätte! Seit 1999 verbindet uns über die politische Leidenschaft hinaus die Leidenschaft für die Grüne Biotechnologie und die Grüne Gentechnik. ... Nach meinem Ausscheiden aus dem Ministeramt übernahm ich deshalb 2006 den Vorsitz im Beirat des InnoPlanta e.V. Gatersleben. Der Verein ist ein Netzwerk zur Förderung der Grünen Biotechnologie, in dem sich Wissenschaftler, Saatzüchter, Pflanzenbiotechnologie-Unternehmen, Landwirte und kommunale Gebietskörperschaften zusammengeschlossen haben. Er wurde 1999 auf meinen Vorschlag hin gegründet und ging ein Jahr später als Sieger aus dem InnoRegio-Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung hervor. So standen für Forschung und Entwicklung rund 30 Millionen Euro zur Verfügung. Damit hat der Verein 38 Einzelforschungsvorhaben realisiert. Heute mausert er sich zu einer gemeinsamen Plattform innovativer Landwirte aus der ganzen Bundesrepublik. Vereinsvorsitzender ist Uwe Schrader. Mit ihm bin ich inzwischen in Europa unterwegs, um auch außerhalb Deutschlands die trotz aller Widerstände rasch wachsende Zahl zukunftsorientierter Landwirte EU-weit zusammenzuführen. Die Überzeugung eint uns: Technologiefeindlichkeit, Verzagtheit und Angst dürfen auch im 21. Jahrhundert das Handeln von uns Europäern nicht bestimmen! ++ Quelle: "Unterwegs" , S. 243 f.
Uwe Schrader hat beides hinter sich: Eine Funktionärskarriere im Agro-Gentechnik-Business und eine Parteikarriere in der FDP. Zunächst studierte er nach dem Abitur von 1980 bis 1985 Biologie. Nach einem Forschungsstudium (1985–88) erlangte er seinen Doktortitel und arbeitete dann zwei Jahre als Assistent an der Universität Jena. Danach ging es dort weiter, wo Uwe Schrader auch heute wohnt und agiert: In der Börde zwischen Magdeburg und Harz, 1990–94 war er Mitarbeiter bzw. Amtsleiter im Landkreis Börde, danach fünf Jahre Referent im Wirtschaftsministerium des Landes Sachsen-Anhalt. Von 1999 bis 2002 war er Geschäftsführer der Bioregion Halle-Leipzig GmbH (Wikipedia).
Uwe Schrader trat 1990 der FDP bei und war Gründungsmitglied der Jungliberalen Aktion (JuliA) in der DDR. Er ist seit 1991 Kreisvorsitzender der FDP im Bördekreis, seit 1996 Mitglied im FDP-Landesvorstand und seit 2000 Mitglied im Kreistag des Bördekreis. Er wurde 2002 zum Abgeordneten im Landtag Sachsen-Anhalt gewählt. Er war dort in der 4. Legislaturperiode wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion und Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Er betreut als Abgeordneter den Bördekreis und Halberstadt. Bei den Wahlen zum Landtag von Sachsen-Anhalt im Jahre 2006 verfehlte Schrader knapp den Wiedereinzug über die Landesliste seiner Partei. Nach dem Rückzug von Prof. Dr. Paqué aus der Landespolitik zog Uwe Schrader zum 1. April 2008 wieder in den Landtag ein. 2011 verfehlte die FDP die 5%-Hürde, so dass auch Uwe Schrader aus dem Landtag ausschied.
Im Original: Aus einem Bericht über die Arbeit von InnoPlanta ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Zusammenfassend lässt sich die Biotechnologiepolitik (in Deutschland) beschreiben erstens als eine Förderpolitik, der es um die Entwicklung einer Schlüsseltechnologie zwecks internationaler Wettbewerbsfahigkeit und Standortsicherung der deutschen Wirtschaft geht und die sowohl von staatlichen Akteuren bewusst forciert als auch von in die Biotechnologie involvierten wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Akteuren maßgeblich strukturiert und durchgesetzt wurde und wird, und zweitens als eine Regulierungspolitik, die die rechtlichen Rahmenbedingungen der Nutzung neuer Biotechnologien etabliert und die mit der Gentechnik verbundenen Konflikte reguliert und kanalisiert. (S. 121) ...
Vor dem Hintergrund der bislang vor allem in den USA forcierten Nutzung der grünen Biotechnologie, den wahrgenommenen Perspektiven ihrer vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten (vgl. Kern 2002, Menrad et al. 1999, 2003) und den vested interests ihrer Promotoren in Agrochemie und Teilen der "Landwirtschaft" war und ist mit einer dauerhaften Be- und Verhinderung der grünen Biotechnologie nicht zu rechnen, zumindest solange es zu keinem von den Kritikern der Gentechnik befürchteten gravierenden, ihr zugerechneten Unfall kommt. Allerdings könnte die grüne Gentechnik auch, wie am Ende von Kapitel 3.1 skizziert, immer noch aus ökonomischen Gründen scheitern, etwa infolge kostentreibender Kennzeichnungs- und Trennungsvorschriften in Verbindung mit Handelskonflikten um die Zulässigkeit von Importbeschränkungen und -regelungen gentechnisch veränderter Futter- und Lebensmittel (vgl. Bemauer 2003, Paarlberg 2003, Young 2001).
Entsprechend gewannen Bemühungen, die Entwicklung und Nutzung der grünen Biotechnologie auch in Europa wieder verstärkt voranzutreiben, in den letzten Jahren zunehmend an Gewicht. So beklagte die EU-Kommission in 2003, dass die EU auf dem Feld der Biotechnologie international den Anschluss zu verlieren drohe, wobei die Lage u.a. bei der grünen Gentechnik besorgniserregend sei. Umgekehrt spielten die diversen, vor allem in den 1990er Jahren durchgeführten Diskursprojekte im Bereich der grünen Biotechnologie überwiegend eine nur symbolpolitische Rolle (Akademie für Technikfolgenabschätzung 1995, Behrens et al. 1997a, 1997b, BMVEL 2002, Daele et al. 1996, Dally 1997, Kaiser 2000, SchellISeltz 2000, JossIDurant 1995, TeknologiNaenet 1992, UK National Consensus Conference 1994, Zimmer 2002). Es ging und geht inzwischen nur mehr um die Regulierung und Standards der absehbaren Nutzung der grünen Biotechnologie, wie sie in den Auseinandersetzungen um Zulassung, Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit (in den entsprechenden EU-Verordnungen und nationalen Regelungen), Biopatente, Haftungsregelungen und Koexistenz zum Ausdruck kommen. (S. 135f.) ...
Biotechnologische Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik, die den Staat durchaus als aktiven Mitspieler im Technikgeneseprozess ausweist, konkretisiert sich in erster Linie als flankierende Unterstützung der biotechnologischen Innovations- und Kommerzialisierungsdynamik und ist integraler Bestandteil von Standortpolitik - und sie wird ... auch von den staatlichen Akteuren selbst so begriffen."
Mit Blick auf das auf die Pflanzenbiotechnologie ausgerichtete Netzwerk InnoPlanta ist dabei festzuhalten, dass regionale Technologie-Cluster zu einem wichtigen Bestandteil nationaler Innovationssysteme und zu einer wesentlichen Voraussetzung ihrer internationalen Wettbewerbsfahigkeit geworden sind. „Auf die Etablierung von Spitzenregionen orientierte staatliche Förderinitiativen haben sich zu einem wichtigen neuen Element nationaler Biotechnologiepolitiken entwickelt und maßgeblich zu ihrer Formierung und Stabilisierung beigetragen." (Dolata 2002: 248). (S. 142)
Doppelt hält besser: Uwe Schraders Zweit-Verein FGV
2010 trat dann ein neuer Lobbyverein an die Öffentlichkeit - mal wieder mit dem Vorsitzenden Schrader. Aber er war nicht allein, sondern das neue FGV wirkt geradezu wie ein Dachverband der Seilschaften.

Die Internetseite www.gruenevernunft.de wird von Klaus Minol gehalten. Der ist Hauptperson der Darmstädter Gentechnik-Seilschaften um die PR-Agentur Genius und des ISBR. Als Vorsitzender wurde Uwe Schrader gewählt!
Bild links: Ankündigung eines Treffens des FGV. Ort ist der Verband Chemischer Industrie, die Terminankündigung stammt von einer Seite der SPD-Bundestagsabgeordneten Doris Barnett. Die war auch bei Vorbereitungstreffen dabei und schrieb folgenden Bericht: "Dann gleich wieder zurück ins Büro, weil ich gegen 13:30 Uhr abgeholt werde für eine Sitzung in Frankfurt. In einem kleinen Kreis von Experten überlegen wir, wie die Diskussion um Biotechnologie, insbesondere die Grüne Gentechnik und die Nano-Technologie , so verständlich und zugänglich gemacht werden kann, dass man endlich mal sachlich und ohne Polemik das Für und Wider dieser Zukunftstechnologien besprechen kann. Ich habe große Befürchtungen, dass wir gerade dabei sind, die Spitzentechnologie –und wir sind hier weltweit führend- aus unserem Lande zu jagen. Anschließend haben alle die Gegner natürlich keine Bedenken, die Produkte bzw. Ergebnisse bei uns zuzulassen. Oder habe ich schon jemals die Aufforderung zum Verbot von Argentinischem Rindfleisch gehört, weil die Rinder dort mit genverändertem (also eiweißreichem) Sojaschrot gefüttert wurden? Na ja, manchmal denke ich, dass sich eine solche Haltung nur ein Land und eine Gesellschaft leisten kann, das im Überfluss lebt und genug Geld hat, sich alles zu leisten. Eigentlich haben wir es einfach, denn gerade in unserer Region können wir uns leicht informieren und auch mit Fachleuten diskutieren, weil die Forschungseinrichtungen ja vor unserer Haustüre liegen." Schon am 18. November 2009 liefen solch ein Treffen in Frankfurt, mit Barnett: "Am Nachmittag ging es dann nach Frankfurt zur Versammlung des 'Forums
Grüne Vernunft', das sich u.a. mit der Grünen Gentechnik
auseinandersetzt."
Die gentechnikfreundliche SPDlerin, die dem Treffen beiwohnte, stammt stammt der BASF-Stadt, hat ihren Wahlkreis dort und arbeitete früher in der Rechtsabteilung von BASF. Sie sitzt im SPD-Stadtvorstand von Ludwigshafen und im Landesvorstand, ist Naturfreunde-Landeschefin und bei der Siedlergemeinschaft BASF-Notwende. Im Bundestag sitzt das BASF-Sprachrohr im passenden Ausschuss für Wirtschaft und Technologie und ist stellvertretende Sprecherin der Arbeitsgruppe Wirtschaft & Technologie in der SPD-Bundestagsfraktion. Passend zu solchen Geflechten ist sie stellvertretende Sprecherin der "Global Panel Foundation" - die laut Wikipedia nicht viel anderes macht als Seilschaften zu organisieren: "Die Global Panel Foundation ist eine meist aus dem Hintergrund agierende internationale Gruppierung von Vertretern aus den Bereichen Public Policy, Wirtschaft und Wissenschaft. Ihr Ziel ist es, die internationale Kooperation in Hinblick auf Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse zu fördern. Hierzu organisiert sie Public Policy Luncheons und Dinners, Studentenforen und Initiativen. Zweck dieser Veranstaltungen ist es, ihren Teilnehmern einen Rahmen zu bieten, sich über Problemstellungen und Verfahrensstrategien aktueller gesellschaftlicher Fragen auszutauschen."
Im Original: Forum Grüne Vernunft ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Presseinfo "Neues Bündnis will Gegendemos pro Gentechnik organisieren", auf: topagrar, 8.7.2010 und beim ZDS am 6.7.2010
Als neuer Zusammenschluss zur Förderung der Biotechnologie in der Landwirtschaft hat sich das „Forum Grüne Vernunft“ (FGV) gegründet, um offensiv und rational über die Gentechnik im Bereich der Pflanzenzüchtung aufzuklären. „Unser Ziel ist es, das Negativimage der grünen Gentechnik mit Aktionen und sachlichen Argumenten abzubauen“, unterstrich der Vorsitzende Dr. Uwe Schrader auf der Auftakt-Pressekonferenz vergangene Woche in Berlin. Die Chancen dieser Technologie sollten auch in Deutschland genutzt werden können. Ansonsten laufe man Gefahr, den Anschluss bei dieser wichtigen Zukunftstechnologie zu verpassen.
Im Gegensatz zu anderen Initiativen will das Forum verstärkt mit Aktionen auf die Thematik aufmerksam machen. Bereits im August sei mit Aktivitäten zu rechnen. Das Forum werde Fürsprecher und Initiativen unterstützen und lokale, regionale sowie überregionale Gruppen aufbauen, kündigte Schrader an. Illegale Feldbesetzungen und Feldzerstörungen wolle man bekämpfen, dafür seien auch Gegendemos vor Ort denkbar. Das Forum Grüne Vernunft will daher insbesondere Privatpersonen als Fürsprecher und Unterstützer der Grünen Gentechnik mobilisieren.
FGV praktisch: Sprüche aus der Klamottenkiste
Deutschland und Europa laufen Gefahr, den Anschluss bei dieser wichtigen Zukunftstechnologie zu verpassen. (ZDS-News, 8.7.2010)
Zitate der Internetseite des FGV (seit Agust 2010 online)
Ziele und Aufgaben
Das Forum Grüne Vernunft wurde gegründet, um offensiv und sachlich über die Grüne Gentechnik aufzuklären. Das Forum will insbesondere Privatpersonen als Fürsprecher und Unterstützer der Grünen Gentechnik mobilisieren.
Das Forum Grüne VernunftDaten und Fakten zur Grünen Gentechnik
- organisiert Aktionen, um über die Grüne Gentechnik zu informieren
- unterstützt Fürsprecher und Initiativen der Grünen Gentechnik und wird lokale, regionale und überregionale Aktionsgruppen aufbauen
- will einem breiten Publikum Informationen zur Grünen Gentechnik zugänglich machen
- setzt sich für eine rationale Auseinandersetzung mit der Grünen Gentechnik ein und liefert stichhaltige Argumente gegen weitverbreitete, aber irreführende und wissenschaftlich nicht haltbare Aussagen gegen die Grüne Gentechnik
- wendet sich entschieden gegen illegale Feldbesetzungen und Feldzerstörungen
Mitmachen
- Der Anbau von gv-Nutzpflanzen führte von 1996 bis 2008 zu einer Erhöhung der Lebensmittelproduktion um 167 Millionen Tonnen
- Im gleichen Zeitraum konnten durch den Anbau von gv-Nutzpflanzen 356 000 Tonnen Pflanzenschutzmittel eingespart werden
- Der reduzierte Verbrauch fossiler Brennstoffe durch geringeren Maschineneinsatz beim Anbau von gv-Nutzpflanzen bewirkte allein 2008 die Einsparung von 14,4 Milliarden kg CO2
Sie sind unzufrieden mit der einseitigen Berichterstattung zur Grünen Gentechnik, die die Potenziale dieser neuen Technologie nahezu unberücksichtigt lässt? Sie wollen aktiv den Dialog zur Grünen Gentechnik mitgestalten? Sie suchen Kontakte zu Unterstützern und Aktionsforen in Ihrer Nähe?
Hier sind Sie genau richtig! Werden Sie Unterstützer des FGV und beteiligen Sie sich an der Planung, Organisation und Durchführung von Aktionen zur Gentechnik in Ihrer Region.
- Kurztext beim Informationsdienst Gentechnik
Eine der ersten Demonstrationen führte das FGV am Amtsgericht Aschersleben durch, als dort die Weizen-FeldbefreierInenn von 2008 (Aktion in Gatersleben) vor Gericht standen. Doch besonders gelungen wirkte der Auftritt nicht: "Rechts steht die Gegendemonstration, organisiert von einem Gentechnik-Lobbyverein. Missmutig machen sie Demo-Dienst nach Vorschrift. Sie sind während ihrer Arbeitszeit abgestellt, um Contras zu geben ...", schreibt der Spiegel in der Ausgabe 48/2010 (S. 154).
Als Mitglieder der FGV outen sich auf dessen Internetseite neben den bekannten Größen Uwe Schrader, Horst Rehberger und Klaus Ammann auch Kerstin Mönch vom BDP, Iris Wolf, seit 2003 Ressortleiterin für den Bereich Innovation/Technologie im Vorstandsbereich 1 Gesamtleitung/Globalisierung/Industrie der IG BCE in Hannover (und SPD-Mitglied) sowie Dr. Jürgen Cremer, Abteilungsleiter im Pflanzenschutzamt Halle für die Pflanzenschutzmittelprüfung und das Versuchswesen.
Mehr Kungelrunden von Konzernen und Genehmigungsbehörden
InnoPlanta e.V. ist nicht allein. Seine Initiative, mit dem als "Erprobungsanbau" getarnten Massenausbringen gentechnisch veränderter Maispflanzen wieder in die Fläche zu kommen, wurde von vielen Lobbyverbänden unterstützt: "Die im Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik e.V. (WGG), im Verband Deutscher Biologen und biowissenschaftlicher Fachgesellschaften e. V. (vdbiol) und in der Initiative Grüne Biotechnologie e.V. zusammengeschlossenen Wissenschaftler begrüßen den in sieben Bundesländern angelaufenen Erprobungsanbau von gentechnisch verändertem Mais." Auch damals war sichtbar, dass Argumente fehlten. Vorteile für Menschen konnten offenbar nicht benanntwerden, immer ging es nur um Hilfe "für den Wissenschaftsstandort Deutschland wertvolle Ressourcen, um sich im internationalen Kontext zu behaupten". Insgesamt ist die Zahl gentechnikfreundlicher Lobby- und Dachverbände aber sehr hoch - wenn auch nicht alle derart plakativ agieren wie InnoPlanta und sein Umfeld. Immer sind sie Schmelztiegel zwischen Konzernen, Behörden und Forschungszentren, wenn auch die Personenzusammensetzung manche Schwerpunkte setzt. So werben die landwirtschaftlichen Konzerne und Verbände im FNL für die Gentechnik - mit dem Bauernverbandspräsidenten an der Spitze! Mehr durch ForscherInnen dominiert werden WGG oder das Aachener Forum Bio- und Gentechnologie. Werfen wir ein paar Blicke in diese Konglomerate idealistischer Fortschrittsradikaler und knallharter ProfiteurInnen staatlicher Fördermittel. Fast überall kommen die konkreten Personen aus den verschiedenen Akteursgruppen der Gentechnik-Seilschaften. Durchführung, finanzielle Förderung und Kontrolle der Gentechnikanwendung sind also dort personell ein- und dieselbe Sache.
Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik (WGG)
Ein Abschnitt zum WGG befindet sich auf
Seite 20 der Broschüre "Organisierte
Unverantwortlichkeit" (Infoseite ++ PDF).
Jany - ein Name, der Spaß macht. Wo immer er auftritt, ist schnell gute Stimmung. Denn Jany nimmt kein Blatt vor den Mund. Er ist nicht unterwegs, um reich zu werden oder wenigstens, wie viele andere, mit dubiosen Förderanträgen den Kopf über Wasser zu halten. Nein: Jany ist Überzeugungstäter. Er glaubt an den Fortschritt. Als er auf einer Podiumsdiskussion Mitte der 90er Jahre an einem besetzten Feld gefragt wurde, ob er nicht eine Abnahme der Artenvielfalt angesichts des umfangreichen Einsatzes von Totalherbiziden befürchte, verneinte er fröhlich, denn die Gentechnik könne ja neue Arten erschaffen.
Jany legt nach, immer wieder strapaziert er die Toleranz seiner ZuhörerInnen oder LeserInnen, sich offensichtlichen Unsinn zu Gemüte zu führen. In einem Interview am 31.3.2010 tischte er gleich eine ganze Sammlung seiner bizarren Gedanken auf, z.B. zur Koexistenz, als dem Existenzrecht gentechnikfreier Landwirtschaft. Der sei "reiner Fundamentalismus", denn "wie überall im Leben müssen auch hier Kompromisse eingegangen werden". Argumentationsgehalt: 0. Über Antibiotika-Resistenzen geht Jany ebenso salopp hinweg. Es "konnte noch nie der horizontale Gentransfer von Antibiotika-Resistenzgene in transgenen Pflanzen durch den Verzehr der Pflanze über unsere Darmbakterien auf den Menschen oder direkt auf den Menschen festgestellt werden". Als ob es darauf ankäme. Die Resistenzen sind eine Gefahr, wenn sie auf Bakterien übertragen werden, nicht auf den Menschen. Aber auf die fachliche Qualität von Statements pro Agro-Gentechnik schauen zu wollen, stellt die falsche Frage. Agro-Gentechnik ist Ideologie. Deshalb fehlt auch in Janys Interview nicht die große Angst vor dem nationalen Niedergang: "Noch ist Deutschland in der Forschung mit an der Weltspitze, aber die Weiterentwicklung zu marktfreien Produkten erfolgt im Ausland. Wieder verliert Deutschland damit die Wertschöpfung! Deutschland leistet hier quasi Entwicklungshilfe für Amerika und China."
Im Original: Klaus-Dieter Jany ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Interview in "Die freie Welt" am 31.3.2010 (Fehler im Original)
Bei einem großflächigen Anbau von transgenen Pflanzen, wobei aus vom Auskreuzungsverhalten abhängt, wird sich der vollständige Ausschluss nicht vermeiden lassen. Aber bereits heute werden Spuren bis zu 0,9% toleriert. Wie überall im Leben müssen auch hier Kompromisse eingegangen werden und Absicherung dieses Schwellenwertes von 0,9% wäre ein solcher. Wer allerdings kompromisslos auf eine vollständigen Ausschluss beharrt, wird über kurz oder lang „verlieren“. Der reine Fundamentalismus hat noch nie zur langfristigen-nachhaltigen Durchsetzung von Zielen geführt.
Gentechnik und ökologischer Landbau sind aus wissenschaftlicher Sicht nicht grundsätzlich unvereinbar, heute verhindern weltanschauliche Ansichten und gesetzliche Vorgaben ein Zusammenwirken. Es wäre wünschenswert mit den besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen neues Saatgut auch für den ökologischen Landbau zur Lösung von Problemen (z.B. Virusresistenz, Vermeidung von Kupferspritzmitteln) zu entwickeln. ...
Ebenso konnte noch nie der horizontale Gentransfer von Antibiotika-Resistenzgene in transgenen Pflanzen durch den Verzehr der Pflanze über unsere Darmbakterien auf den Menschen oder direkt auf den Menschen festgestellt werden. ...
Noch ist Deutschland in der Forschung mit an der Weltspitze, aber die Weiterentwicklung zu marktfreien Produkten erfolgt im Ausland. Wieder verliert Deutschland damit die Wertschöpfung! Deutschland leistet hier quasi Entwicklungshilfe für Amerika und China.
Überhaupt: Das fachliche Niveau - poltern ohne Hintergrundwissen. Jany weiß auch über Bienen so richtig Bescheid. Er äußerte sich am 11.5.2007 in einem Beitrag des WGG: "In ihrer natürlichen Umgebung sammeln Bienen Nektar und Blütenpollen, die zur eigenen Ernährung und der Ernährung der Brut dienen. Maisfelder sind dabei, solange Alternativen vorhanden sind, wenig attraktive Futterquellen (Trachtpflanzen)."95
Das ist Blödsinn: Eine Untersuchung aus der Schweiz zeigt, dass Mais sogar die Hauptversorgungspflanze der Bienen für Pollen ist - wenn er blüht. Offenbar zieht der hohe Eiweißgehalt der Pollen die Bienen an, während gleichzeitig das Angebot an anderen Bienenfutterpflanzen in agroindustriell geprägten Landschaften abnimmt. Aber Jany hätte ja auch gar kein Problem mit Bt-Mais im Honig.
Am 22.5.2007 plädierte er für den Verkauf gv-Pollen verseuchten Honigs.
Können wir Janys Märchenstunden als munteren Beitrag für die blumige, aber an stichhaltigen Argumenten für die Agro-Gentechnik armen Diskussion einfach stehenlassen oder in die Sparte Belletristik einordnen? Leider nein, denn das Lachen erstarrt, wenn wir daran denken, wo Jany bis vor Kurzem gearbeitet hat - und auch damals schon seine Weisheiten verbreitete. Denn als er diese zitierten Passagen von sich gab und während er Jahr für Jahr durchs Land reiste als Protagonist der vermeintlich tollen Technik, war er Beamter einer staatlichen Behörde, die unabhängig die Qualität von Lebensmitteln prüfen sollte: Das Bundesamt für Ernährung und Lebensmittel (BfEL), später in Max-Rubner-Institut umbenannt. Ein Beamter, der Kontrollaufgaben wahrnimmt, agiert in einem Lobbyverband zum gleichen Thema? Nun, selten ist das leider nicht - eher der Alltag.
Jany ist nicht allein. Er ist Vorsitzender eines ganzen Lobbyverbandes mit dem wohlklingenden Namen "Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik". Die produzieren zwar viele Texte - vor allem Jany selbst -, aber wissenschaftliche Expertise ist eher selten. Wissenschaft ist den Augen vieler ProtagonistInnen der reinen Lehre nichts als
Werbung, die Institute längst PR-Agenturen und der Forscher ein Agent feststehender vorgefertigter Ideologie. Dem wird der WGG gerecht: "Information und Mitgestaltung der Meinungsbildung zum Thema Grüne
Gentechnik ist eines der Hauptanliegen des WGG. Der
Wissenschaftlerkreis will der Öffentlichkeit informative
Einblicke in die Grüne Gentechnik vermitteln und eine offene Diskussion
über deren Potenzial aber auch zu deren möglichen Risiken führen. Im
Jahre 1998 als ein loser Zusammenschluss von Wissenschaftlern mehrerer
Fachrichtungen gebildet, besteht der WGG seit dem Jahre 2000 als
gemeinnütziger Verein." Seit einigen Jahren hat der WGG eine umfangreiche Sammlung einseitiger Pro-Gentechnik-Texte im Internet zusammengestellt.94 Vor allem von Jany kommen Stellungnahmen, die er über den WGG verbreitet. Vieles von dem, was er darin schreibt, ist mehrfach widerlegt.
Rechts: Von wegen "Diskussion ... zu deren möglichen Risiken" - die Linkliste des WGG ist völlig einseitig
Seine Strukturen legt der WGG hingegen nicht so gerne offen. So ist der aktuelle Mitgliederbestand unbekannt. Geklärt ist: Klaus-Dieter Jany führt den Vorsitz. Weiterer Vorständler ist Andreas Schier von der FH Nürtingen, dessen Versuchsfeld 2008 durch eine Feldbesetzung verhindert wurde und der daraufhin ziemlich böse Worte gegen solche Aktionen fand. Auch das MPI ist im Vorstand vertreten. Doch wer dem Verein darüber hinaus angehört, ist unbekannt. 1998 zählten Buhk (BVL), Schiemann (BBA, jetzt JKI), Sinemus (TU Darmstadt, jetzt Genius) und Lobbyzeitschrifts-Autor91 und späterer ZKBS-Experte Gerhard Wenzel zu den Mitgliedern - neben über 20 weiteren aus Universitäten, Forschungsanstalten und dem MPI Köln. Die Zusammensetzung zeigt die immer gleichen Namen der zentralen Gentechnik-Seilschaften um Buhk, Schiemann und andere.92
Seit 2010 ist Klaus-Dieter Jany
"nur" noch Ehrenvorsitzender des WGG. Den Vorstand bilden nun:
- Prof. Dr. Andreas Schier, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen
- Prof. Dr. Hans-Jörg Jacobsen, Institut für Pflanzengenetik in Hannover
- Dipl. Ing. agr. Ursula Ross-Stitt, Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie in Golm
- Prof. Dr. med. Kurt Widhalm, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde und Leitender Oberarzt der Univ. Kinderklinik in Wien
Am 4.3.2009 griffen der WGG und über 1000 MitunterzeichnerInnen mit einem offenen Brief an die Landwirtschaftsministerin Aigner in die Debatte um ein Verbot der Grünen Gentechnik ein. Dabei lobten sie die Arbeit von ForscherInnen und Bundesinstitutionen zur Gentechnik und empfahlen der Ministerin, sich dort beraten zu lassen (Bericht auf Wissenschaftsportal am 7.4.2009). Damit aber lobten sie schlicht sich selbst. Zudem räumten sie öffentlich ein, dass die Bundeskontrollbehörden eine völlig einseitige Position hatten und haben: „Nach aktuellem Stand von Wissenschaft und Technik bergen sicherheitsbewertete und zugelassene transgene Pflanzen keine anderen Gefahren, als herkömmlich gezüchtete Pflanzen. Die Ihnen unterstellten Behörden bestätigen dies.“93 Nach zwei spektakulären Attacken auf die zentralen Genversuchs- und -werbefelder in Deutschland distanzierte sich der WGG von den Aktionen. Die Distanzierung wurde von etlichen VersuchsleiterInnen der vergangenen Jahre unterzeichnet, darunter Inge Broer (Uni Rostock), Karl-Heinz Kogel (Uni Gießen) und Angehörde der eigentlich neutralen ZKBS (Distanzierungs-Pressemitteilung im Wortlaut).
- Belegsammlung zu Fußnoten und weiteren Quellen
Im Original: Personalia des (Ehren-)Vorsitzenden Jany, WGG im Überblick ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Prof. Dr. Klaus-Dieter Jany (1. Vorsitzender)
Nelkenstrasse 36
D-76351 Linkenheim
Prof. Dr. Klaus-Dieter Jany, geb. 1943, studierte Biologie, Chemie und Physik an der Universität Heidelberg, dort promovierte er 1972. An der Universität Stuttgart habilitierte er 1980 und erhielt die Lehrbefugnis für die Fächer Biochemie und allgemeine Biologie. Von 1986-1989 unterrichtete Prof. Jany an der Technischen Hochschule in Darmstadt. Er ist seit 1989 an der Bundesforschungsanstalt für Ernährung tätig und war dort von1992 bis Mitte des Jahres 2008 Leiter des Molekularbiologischen Zentrums (Ruhestand). Seit Sommer 2008 ist er Vorsitzender des Gremiums für Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, Enzyme, Aromastoffe und Verarbeitungshilfsstoffe (CEF) in der EFSA und zudem Vize-Präsident für Forschung und Lehre, Wadi-International-University, Syrien.
Außerdem ist Prof. Jany Mitglied verschiedener nationaler und internationaler Gremien (OECD, WHO) zur Sicherheitsbewertung neuartiger Lebensmittel und seit 2000 Vorsitzender des Vereins “Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik e.V.”
Auszug aus der Studie "Kontrolle oder Kollaboration" von Antje Lorch und Christoph Then
Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik e.V. (WGG)
- Geschichte: Gründung August 1998 u.a. durch K.D. Jany und K. Ammann
- Mitglieder: Jany (BfEL/MRI) ist 1. Vorsitzender. Es liegt keine aktuelle Mitgliederliste vor, aber 1998 zählten zu den Mitgliedern Ammann, Buhk (BVL), H.-G. Gassen (TU Darmstadt), Schiemann (BBA), Sinemus (TU Darmstadt, jetzt Genius), G. Flachowski (FAL), G. Sachse (BioAlliance), B. Stadler, G. Wenzel, W. Schuhmann sowie 20 weitere Mitglieder verschiedener Universitäten, Forschungsanstalten und dem MPI Köln.
- Finanzierung: unbekannt
- Aktivitäten: 2004: Offener Brief an Bundesregierung und Bundestag anlässlich der Neufassung des Gentechnikgesetz, um eine politische Beurteilung des Einsatz von Gentechnik zu verhindern. 2007: Offener Brief an Bundesregierung und Bundestag. Zahlreiche Texte v.a. von Jany zu zahlreichen Themengebietern der Gentechnik.
Aktivitäten
Gründung August 1998. 2004: Offener Brief an Bundesregierung und Bundestag anlässlich der Neufassung des Gentechnikgesetzes, um eine politische Beurteilung des Einsatz von Gentechnik zu verhindern. 2007: Offener Brief an Bundesregierung und Bundestag. Zahlreiche Texte v.a. von Jany zu zahlreichen Themengebieten der Gentechnik.
Die Mitgliederliste stammt aus dem Jahr 1998 - Aktuelleres ist nicht öffentlich:
- Behörden: Klaus Jany (BfEL), Vorsitzender; Joachim Schiemann (JKI), Gerhard Wenzel (ZKBS), Hans-Jörg Buhk (BVL), G. Flachowski (FAL)
- Forschung: Andreas Schier (Hochschule Nürtingen); Max-Planck-Institut
- Ca. 25 weitere Mitglieder verschiedener Universitäten, Forschungsanstalten und dem MPI Köln
- Ursula Ross-Stitt vom Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie in Golm ist Mitglied im Vorstand des Lobbyvereins Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik (WGG).
Gesprächskreis Grüne Gentechnik (GGG)
Ein Abschnitt zum GGG befindet sich auf
Seite 21 der Broschüre "Organisierte
Unverantwortlichkeit" (Infoseite ++ PDF):
Mit der marktschreierischen PR-Orientierung des Jany-geführten WGG oder der illustren Art von InnoPlanta, ihre Ideologie öffentlich kundzutun, können die meisten Lobbyverbände nicht mithalten. Für den Gesprächskreis Grüne Gentechnik gibt es sogar weder eine Webseite noch eine Mitgliederliste. Vieles beruht ausVermutungen in - unwidersprochenen - Veröffentichungen, die hier wiedergegeben werden.97 Er wurde 1997 wohl auf Initiative des Pharmaunternehmens Novartis gegründet, das damals auch noch über eine große Saatgutsparte verfügte, die später unter dem Namen Syngenta abgetrennt wurde. Kristina Sinemus (Genius) fungiert nach außen als Kontakt und organisiert den GGG. Auf der Webseite von Genius finden sich die wenigen verfügbaren Angaben zum GGG. Eine der wenigen weiteren Quellen zum GGG sind Interviews, die 1998 im Rahmen einer Forschungsstudie von den WissenschaftlerInnen Marion Dreyer und Bernhard Gill geführt wurden. Nach diesen Interviews waren auch die Vorläuferorganisationen des BVL (das Robert-Koch-Institut, RKI, und das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, BgVV) Mitglied im GGG. Als Kontaktadresse wird Kristina Sinemus genannt. "Der von Genius mitinitiierte und organisierte "Gesprächskreis Grüne Gentechnik" (GGG) ist ein Beispiel unserer erfolgreichen Netzwerk-Aktivitäten. Der GGG ist eine unabhängige Gruppe, die sich mit der Reglementierung, Verarbeitung und Vermarktung gentechnisch veränderter Pflanzen beschäftigt. Ihm gehören Vertreter aus Industrie, Handel, Verbänden, Wissenschaft und Forschung sowie freie Journalisten an." Der GGG forderte ein Zulassungssystem, das „streng nach wissenschaftlichen Kriterien ausgerichtet ist,“ und meldete sich 2004 mit einer Presseerklärung zu Feldzerstörungen zu Wort. Stellvertretend wurde dort Anton F. Böner zitiert, Präsident des Bundesverbandes des deutschen Groß- und Außenhandels (BGA). 2005 trat der GGG mit Kristina Sinemus als Mitorganisator eines InnoPlanta-Forums in Sachsen-Anhalt auf.
Im Original: GGG im Überblick ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der Studie "Kontrolle oder Kollaboration" von Antje Lorch und Christoph Then
Gesprächskreis Grüne Gentechnik (GGG)
- Geschichte: Gründung 1997 auf Initiative von Novartis. Kontakt: Sinemus/Genius. Mitglieder: Keine Angaben über Mitglieder erhältlich, aber aus einem Interview von 1998 sind folgende Mitglieder bekannt: Novartis, Genius, BIOMitteldeutschland, die grossen Vermarktungsverbände der Lebensmittelindustrie (incl. Bundesverbände der Lebensmittelindustrie, der Futtermittelindustrie, der Bauern und der Ölmühlen), die [damaligen] Haupttechnologieanbieter AgrEvo, Monsanto, Novartis sowie Nestle, der Bundesverband des deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), aber auch mehrere Behörden (RKI, BgVV)
- Finanzierung: unbekannt
- Aktivitäten: Nach eigenen Angaben, Beschäftigung „mit der Reglementierung, Verarbeitung und Vermarktung von gv-Pflanzen“. Keine allgemein zugänglichen Informationen über Aktivitäten erhältlich. 2005: Mitorganisation des InnoPlanta-Forum.
Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter
Hier geht es ums Geld. Der BDP ist Industrievereinigung und Lobbyverband derer, die Pflanzen züchten und damit möglichst viel Geld verdienen und Marktmacht erzeugen wollen.
Im Original: Selbstdarstellung des BDP ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e. V. (BDP) engagiert sich in der EU, im Bund und in den Ländern. Er bündelt die Interessen seiner 130 deutschen Mitglieder, bei denen es sich um landwirtschaftliche und gartenbauliche Züchtungs- und Handelsunternehmen handelt. Seit fast 60 Jahren ist der BDP die berufsständische Vertretung der deutschen Pflanzenzuchtunternehmen.
Als Melkkuh kommen vor allem die in Frage, die das Saatgut abnehmen oder - als Konkurrenz - auch selbst züchten könnten. Also vor allem die Bäuerinnen und Bauern des Landes. Patente, Nachbaugebühren und mehr sind die typischen Themen des Verbandes mit Sitz in Berlin.
Im Original: Kampf um Patente und Lizenzgebühren ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Die Agrarwirtschaft steht vor großen globalen Herausforderungen, zu deren Lösung die moderne und leistungsfähige Pflanzenzüchtung einen wichtigen Beitrag leisten kann. Voraussetzung hierfür ist der starke Schutz des Geistigen Eigentums, der es den Züchtungsunternehmen ermöglicht, in Forschung und Entwicklung zu investieren.
Die Struktur mit vielen leistungsfähigen Unternehmen, die ständig verbesserte Sorten entwickeln, macht Deutschland zu einer der führenden Züchtungsnationen der Welt. Dem Schutz geistigen Eigentums kommt für die Sicherung dieser Leistungsfähigkeit eine besondere Bedeutung zu. ++ Quellen: Internetseiten des BDP, Zitat 1 ++ Zitat 2
Für die Patentanmeldungen hat der BDP seinen Mitgliedern eine eigene Serviceagentur zur Seite gestellt: "Die Gesellschaft für den Erwerb und die Verwertung von Schutzrechten (GVS) unterstützt die BDP-Mitglieder in Fragen rund um den Schutz des geistigen Eigentums."
Gentechnik ist ein Thema von vielen. Im Vorstand sitzt mit Philipp von der Bussche (KWS-Vorstandschef) nur ein Vertreter eines Gentechnikkonzerns, dazu weitere aus Firmen, die auch mit gentechnisch verändertem Saatgut experimentieren oder handeln. Die politische Position hier ist aber eindeutig - obwohl es gute Gründe für konventionelle Züchter geben könnte, vor einer unkontrollierten Ausbreitung der gv-Saaten Angst zu haben. Sie haben aber im BDP kein Gewicht - wie in anderen Dach- und Lobbyverbänden auch. Der BDP sieht sich als Überbringer der guten Nachrichten vom Durchmarsch der Gentechnik, die nur durch böse FeldbefreierInnen und die faktenferne Politik in Deutschland gefährdet sei. Sonst gäbe es nur Gutes zu vermelden: "Grüne Gentechnik setzt sich weltweit durch" und "Grüne Gentechnik auch in Europa etabliert" liest sich das auf den Internetseiten des BDP.
Zudem sucht der BDP nach Wegen, die Vorgabe der Koexistenz zu umschiffen. Grenzwerte heißt das Zauberwort. Einerseits wird nach Wahlfreiheit gerufen - um die Gentechnik anwenden zu dürfen. Andererseits wird das Problem, dass bei Anwendung der Gentechnik keine Wahlfreiheit mehr existiert, mit schmutzigen Tricks gelöst. Gentechnikfrei soll sein, was nicht allzuviel Gentechnik enthält. Gentechnikfreiheit kann es nicht geben, weil sich gentechnische Veränderungen in der Natur selbständig ausbreiten - das weiß auch der BDP. Als 2010 vielfach verunreinigtes Maissaatgut auftauchte, forderten mehrere Lobbyisten auf Initiative des BDP: "Der aktuelle Fall von vermeintlichen Spuren einer gentechnischen Veränderung in konventionellem Saatgut der Firma PIONEER HI-BRED zeigt erneut, dass Schwellenwerte für Saatgut dringend erforderlich sind. Umweltverbände fordern stattdessen das Unmögliche: Wer dem Verbraucher 100%ige Reinheiten verspricht, täuscht ihn vorsätzlich." (Pressemitteilung am 11.6.2010 ++ der BDP hatte schon einige Tage vorher allein eine ähnliche Pressemeldung herausgegeben)
Keinerlei Informationen lassen sich den BDP-Internetseiten über ein Gremium entlocken, dass in den Seilschaften deutscher Gentechnik aber recht wichtig sein dürfte: Der Informationskreis Gentechnik - ein Gremium der Vernetzung mit den VersuchsbetreiberInnen und anderen AnwenderInnen, die draußen die gv-Saat in die Erde bringen. Dass er existiert, ist unstrittig:
- In einer parlamentarischen Anfrage an die Bundesregierung, was diese zum Schutze der Genversuchsfelder tue, antwortete diese am 4. Juli 2001, es bestünden "intensive Kontakte zu den versuchsdurchführenden Firmen und zu dem vom Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) initiierten 'Informationskreis Gentechnik'".
In einer Liste der Ämter und Aktivitäten der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft wird für Dr. Martin Müller aufgezählt: "Mitglied des Informationskreises Biotechnologie und Gentechnik des BDP (Bund Deutscher Pflanzenzüchter)" - Im Finanzantrag (Aufstockung 2008) der Universität Gießen an den PTJ Jülich für ihre vermeintliche Sicherheitsforschung mit transgener Gerste werden Fahrten zu dem Informationskreis des BDP in Höhe von 3.000 Euro benannt (siehe rechts).
- In einer Bundestagsdrucksache wird der Informationskreis schon im Jahr 2001 erwähnt (Nr. 14/6499). Die Frage 47 lautete: "Was unternimmt die Bundesregierung, um die deutsche Wirtschaft vor der Manipulation und Zerstörung gentechnischer Freilandversuche durch Gentechnikgegner zu schützen?". Die Antwort: "... Ferner bestehen intensive Kontakte zu den versuchsdurchführenden Firmen und zudem von Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) initiierten "Informationskreis Gentechnik."
Drei Schwerpunktthemen treiben die Lobbyisten bei der Agro-Gentechnik um. Da sind zum einen die Patente und der Schutz des vermeintlichen geistigen Eigentums der Firmen, die neue Pflanzen entwickeln - klar: Der BDP vertritt die Profitinteressen seiner Mitglieder. Das überrascht also nicht. Auch das zweite Thema passt ins Portfolio eines Interessensvertreters derer, die mit Saatgut Geld machen wollen - auch wenn es wieder die typische Situation aller Dach- und Lobbyverbände ist, dass in den Spitzen die Agro-Gentechnik einseitig befürwortet wird, während es unter den Mitgliedsfirmen etliche geben dürfte, die bei einer weiteren Auskreuzung und damit dem Wegbrechen des gentechnikfreien Saatgutmarktes in erhebliche Schwierigkeiten kommen würden. Halten sie von sich aus die Klappe oder werden sie mundtot gemacht? Jedenfalls kämpft der BDP nicht nur wie ein Löwe dafür, dass Gentechnik verwendet werden darf, sondern auch dafür, dass legalisiert wird, dass diese Gentechnik dann auch bisher gentechnikfreie Bereiche verseuchen darf. Dabei gibt der BDP offen zu, dass Koexistenz gar nicht möglich ist: "Landwirtschaft ist kein geschlossenes System!" Je mehr GVO in die Umwelt kommen, desto mehr wird auch alles andere durchmischt. Sagt der BDP! Vor zwei Jahren hätte der das noch als unsachliches Geschwätz emotionaler Technikfeinde abgetan. Doch der Erkenntnisgewinn führte beim Züchter-Bundesverband nicht zu einer Kehrtwende politischer Forderungen, sondern zum Gegenteil. Wenn ohnehin alles verseucht wird, müssen auch die Gesetze daran angepasst werden: Bitte höhere Grenzwerte, so die Forderung!
Im Original: Für Schwellenwerte, die Gentechnik ermöglichen ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus dem Faltblatt "Saatgutschwellenwerte"
Landwirtschaft ist kein geschlossenes System! Je mehr der Anbau von GVO’s in Europa und weltweit zunimmt und je intensiver der Handel mit GVO-Pflanzenmaterial betrieben wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit von Einträgen in konventionelles Saatgut. ...
Der BDP fordert die Bundesregierung auf, sich für die Festlegung praktikabler Saatgutschwellenwerte einzusetzen ...
Aus dem Kapitel "Mais" im BDP-Geschäftsbericht 2009/10 (S. 27)
Die hohe Zahl der Verdachtsfälle 2009 trotz aller Bemühungen der Unternehmen und die ständig steigenden Anbauflächen mit gentechnisch veränderten Pflanzen weltweit machen deutlich, dass eine verbindliche und pragmatische Regelung für einen Vollzugsschwellenwert für das zufällige Vorhandensein von zugelassenen bzw. sicherheitsbewerteten, aber in der EU noch nicht zugelassenen Events im Saatgut angewendet werden muss.
Auffällig wird der BDP regelmäßig mit niveaulosen Ausfällen gegenüber GentechnikgegnerInnen. ...
- Kapitel zu Gentechnik in den BDP-Geschäftsberichten 2008/09 und 2009/10
- Kerstin Mönch (BDP) wirbt für Forum Grüne Vernunft (FGV)
Der BDP ist nicht nur selbst Knoten im Geflecht der Gentechnik-Seilschaften, sondern organisiert auch neue Knoten, z.B. das Innovationsforum Pflanze - ein reiner PR-Gag, um unter klangvollem Namen mal wieder die üblichen politischen Forderungen stellen zu können.
Innovationsforum Pflanze
Maßgeblich ist der BDP, aber es ist wieder ein neues Netzwerk, das alle AkteurInnen der Agro-Gentechnik verbindet - das Innovationsforum Pflanze, das mit den "Petersberger Thesen" eine gemeinsame politische Position veröffentlichte, die erneut ganz typisch für die Lobbypositionen sind. Damit gentechnische Verseuchungen die Risikotechnik nicht aufhalten, sollen Grenzwerte her, die Hindernisse ausräumen - sagt These 10: "Produktzulassungen müssen auf wissenschaftlicher und gesetzlicher Basis erfolgen. Sie
müssen beschleunigt werden, um den Unternehmen ein schnelles ' Return on Investments'
zu ermöglichen und für Landwirtschaft und Verbraucher innovative Produkte zur Verfügung
stellen zu können. Dazu zählt auch die Festlegung praktikabler Saatgutschwellenwerte für das unbeabsichtigte Vorhandensein von GVOs in Saatgut." Das alles soll dem Profit dienen - dank Patenten: "Die rechtlichen Rahmenbedingungen für den
Schutz geistigen Eigentums müssen so ausgestaltet sein, dass sie zum einen den Zugang
zu Innovationen für darauf basierende Weiterentwicklungen ermöglichen und zum anderen
einen effektiven Schutz gewährleisten." Und wem dient das alles? Nicht der Umwelt, nicht den LandwirtInnen, sondern: Deutschland! Sagt These 11: "Diese wissensbasierte Bioökonomie wird die Agrarwirtschaft global
wettbewerbsfähiger machen, die Rohstoffbasis für die Industrie zukunftssicherer
gestalten und die Innovationskraft Deutschlands langfristig sichern."
Der illustre Kreis, der solche Thesen verfasst, ist ein weiterer Treffpunkt von
GentechnikanwenderInnen in Universitäten, MitarbeiterInnen von Behörden, VertreterInnen privater Unternehmen aus der Pflanzenzüchtung und der Lobbyverbände. Im März 2009 fanden sie sich auf dem Petersberg in Bonn zum Innovationsforum Pflanze zusammen und verabschiedeten die „Petersberger Thesen zur Zukunft der Pflanzenforschung”. Nach Darstellung in einer Pressemitteilung des Bundes Deutscher Pflanzenschützer (BDP) vom 8.4.2009, dessen VertreterInnen zu den UnterzeichnerInnen der Thesen zählen, sind die Petersberger Thesen „Richtschnur für Administration, Wissenschaft und Wirtschaft zur Zusammenführung der entsprechenden Wissenschaftsgebiete und Wirtschaftsbranchen.” Unklar bleibt, in welchem Rahmen die WissenschaftlerInnen, WirtschaftvertreterInnen und MitarbeiterInnen der Verwaltung in Bonn zusammenkamen, wer eingeladen hatte beziehungsweise wurde, und mit welcher Autorität die Unterzeichner ausgestattet waren. Anwesend waren Thomas Altmann und Andreas Graner vom IPK, ForscherInnen vom Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie, vom Forschungszentrum Jülich und von Fraunhofer-Institut, FirmenvertreterInnen von KWS, Bayer und weiteren Züchtern, Prof. Friedt, der an der Uni Gießen gv-Pflanzenversuche durchführt, Frank Ordon vom überall in den Seilschaften mitwirkenden Julius-Kühn-Institut und der Präsident des BDP, Kartz von Kameke. Bemerkenswert ist zudem, dass Begriffe wie „Grüne Gentechnik” strikt vermieden wurden.
Richtig spaßig wird es, wenn mensch sich die internen Gremien des BDP anschaut. Da gibt es sogar eine "Arbeitsgruppe Ökologischer Landbau". Laut BDP-Geschäftsbericht2009/10 (S. 47, siehe auch rechts) sitzen dort 12 Personen, alles Männer. Vorsitzender ist Dr. Reinhard von Broock aus Bergen. Da sitzt die KWS Tochter Lochow-Petkus GmbH und betreibt einen Öko-Saatguthof. Von Broock ist klarer Verfechter der Agro-Gentechnik. In einem Beitrag zum Diskurs "Grüne Gentechnik" des zuständigen Ministeriums BMELV am 7. und 8. Mai 2002 in Mayschoß schrieb er unter anderem, der Einsatz von Totalherbiziden in Verbindung mit gentechnisch veränderten Pflanzen "erlaubt die Abkehr vom 'sauberen Acker' und lässt Kräuter neben der Kulturpflanze zu". Da Züchtung nach seiner Auffassung die Biodiversität erhöhe, sieht er bei gentechnischen Methoden "keinen Hinweis darauf, wie sie den Einfluss der Züchtung auf die Biodiversität verändern könnten." Denn "an den Prinzipien der Pflanzenzüchtung ändern gentechnische Methoden nichts."
Von Broock ist nicht die einzige seltsame Person in einem Ökolandbau-Arbeitskreis. Der nächste in der Liste, Axel Altenweger, arbeitet auch bei der KWS Lochow-Petkow, ebenso Erhard Ebmeyer. Dr. Carl Bulich agiert für einen Tochterverein des BDP, nämlich die Gemeinschaft zur Förderung der privaten Pflanzenzüchtung e.V. (GFP). Das ist quasi ein PR-Verein im PR-Verein. Ebenfalls mehrfacher Funktionär im Netz des BDP ist Gisberg Gley. Er wird als Ehrenmitglied geführt und war ab 1997 Vize-Chef des BDP. Zum 65. Geburtstag bescheinigte ihm der BDP, er "setzte
sich stets leidenschaftlich für die Entwicklung und praktische Umsetzung der Biotechnologie und Gentechnik ein." Praktische Umsetzung dieser Gentechnik-Leidenschaft fand er aber nicht nur unter dem Deckmantel Öko-Landbau beim BDP, sondern "entscheidenden Einfluss übt
er als Mitglied des Genbankbeirates des Institutes für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) bei den
Weichenstellungen für den Erhalt und die Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen aus". So wird auch personell klar, warum neben diese empfindliche Stelle, wo Saatgut unverändert erhalten bleiben soll, mehrfach Genversuchsfelder gelassen wurden.
Der Rest stammt vor allem aus Saatzuchtunternehmen. Mindestens für zwei weitere (SES und Norika) lassen sich Aktivitäten auch mit der Gentechnik nachweisen.
Gesellschaft für Pflanzenzüchtung (GPZ)
Im aktuellen Vorstand (Stand: 2010) ist Prof. Dr. Chris-Carolin Schön vom Lehrstuhl für Pflanzenzüchtung der WZW Weihenstephan als Präsidentin und - wen wundert's? - ein JKI-Funktionär, bei der GPZ als geschäftsführender Vizepräsident tätig, nämlich Frank Ordon.
Weitere Vorstandsmitglieder sind Gerhard Wenzel, TU Weihenstephan (war 2008 und 2009 amtierender Vizepräsident), Prof. Dr. Christian Jung von der Universität Kiel und Dr. Erhard Ebmeyer aus Bergen-Wohlde. Damit sind etliche keine Unbekannten. ... sitzen gleichzeitig in der ZKBS, die als - eigentlich unabhängige - Fachkommission Freisetzungen von gentechnisch veränderten Pflanzen begutachtet ...
Auch unter den Ehrenmitgliedern finden sich alte bekannte: Andreas Büchting, Aufsichtsratschef von KWS, und Ulrich Wobus vom IPK in Gatersleben, der die dortigen Genversuchsfelder neben der Saatgutbank zu verantworten hatte. Noch besser die Fördermitgliederliste. Sie reicht von den großen Konzernen wie BASF Plant Science Holding GmbH, KWS Saat AG, Monsanto Agrar Deutschland GmbH, Pioneer Hi-Bred, Northern Europe GmbH und Syngenta Seeds GmbH über den Lobbyverband Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e.V. bis zu Saatzüchtern, die auch Gentechnik nicht verschmähen, wie die Friedrich Strube Saatzucht KG.
Die Liste der Arbeitsgemeinschaften fällt ebenso eindeutig aus. Wo immer Gentechnik ein Thema ist, finden sich auch deren AnwenderInnen in führenden Posten - wie etwa Prof. Friedt der Uni Gießen. Beunruhigend: Auch hier ist wieder einer der beiden Chefs der Genehmigungsbehörde BVL dabei: Detlev Bartsch (Quelle: Datenblatt zur Person bei der EFSA).

Aus der Internetseite der GPZ
Im Original: Selbstdarstellung der GPZ ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Die Gesellschaft für Pflanzenzüchtung wurde 1991 in Göttingen gegründet. Sie entstand als wissenschaftliches Forum der Pflanzenzüchtung nach der Wiedervereinigung Deutschlands aus einer Arbeitsgemeinschaft der Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften und einer entsprechenden Vereinigung in der ehem. DDR. Ihre Mitglieder sind Wissenschaftler und in wissenschaftlichen Bereichen der Züchtungsforschung und der Saatzuchtwirtschaft Tätige im deutschen Sprachraum.Die Gesellschaft für Pflanzenzüchtung veranstaltet alle zwei Jahre an wechselnden Orten einen wissenschaftlichen Fachkongress. Sie lädt in regelmäßigem Abstand zu allgemeiner Diskussion und Demonstration wissenschaftlicher Arbeiten in 19 verschiedenen Arbeitsgruppen ein. Diese Treffen sind gleichermaßen methodischen Fragen, z.B. aus Biometrie und Bio-informatik, Züchtungstheorie, Cytogenetik, Biotechnologie und Genomanalyse, Krankheitsresistenz, Leistungs- und Stressphysiologie, wie spezifischen Objektproblemen, z.B. bei Getreide, Mais, Rüben, Kartoffeln, Ölsaaten, Futterpflanzen und Gräsern, Gemüse, Zierpflanzen und Gehölzen, gewidmet. Zur Nachwuchsförderung vergibt die Gesellschaft den Kurt von Rümker-Preis; sie führt Seminare zur Schulung von Saatzuchttechnikern durch. Sie pflegt in gemeinsamen Veranstaltungen den interdisziplinären Austausch mit benachbarten Fachgesellschaften und Forschungsinstitutionen, insbesondere mit ihrer "Muttergesellschaft", der Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften, mit der sie auch gemeinsame Arbeitsgemeinschaften, wie die AG 'Sorten- und Saatgutwesen' und die AG 'Ertrags- und Streßphysiologie', verbinden.
Arbeitsgruppe "Geschichte der Pflanzenzüchtung" der GPZ
Noch ein Knotenpunkt - und wieder treffen sie aus allen Richtungen aufeinander. Eine Internetseite der GPZ informiert "... über die von einer Arbeitsgruppe (Vorsitz: Dr. E. Brecht, Bürgermeister) begonnene Erarbeitung eines Memorandums zur Errichtung eines 'Science Center Pflanze' in der Welt-Kulturerbe-Stadt Quedlinburg. Neben Vertretern der BTU Cottbus (Architektur), des IBA-Büros Dessau und der Stadt Quedlinburg gehören dieser AG aus Fachkreisen an: Prof. Wobus (IPK Gatersleben), Prof. Ordon, Prof. Schiemann, Dr. Schumann (JKI Quedlinburg), Dr. Katzek (BIO Mitteldeutschland), Prof. J. Rimpau (Rat f. nachhaltige Entwicklung Berlin), W. von Rhade (NORDSAAT Böhnshausen), Dr. Meinel (Heimburg) und Prof. W. Rimpau (Berlin)."
Über die Ziele des Science Centers heißt es bei der GPZ verschleiernd: „Es könnte ein Ort der Geschichte der wissenschaftlichen Archive und historischen Objekte, der Kommunikation über Ernährung und der Produktion von Nahrungsmitteln … sein.“ Ein Blick auf die andere Seite vermittelt aber längst Klartext. So wurden nach einer Presseinfo der Stadt Cottbus vom 13.9.2007 "20 Arbeiten zum Entwurf eines Science Centers für grüne Gentechnik in Quedlinburg" an der Uni ausgestellt. Denn "Quedlinburg braucht eine neue Perspektive, die über den nur auf die Vergangenheit fixierten Status als Welterbe-Stätte hinausgeht. Eine solche Perspektive soll ein Science Center für grüne Gentechnik in Quedlinburg bieten, dessen Gestaltung Aufgabe der Diplomanden ist. Gentechnische Veränderung von Pflanzen zur Steigerung der weltweiten Erträge bei der Produktion von Nahrungsmitteln und die Frage nach natürlichem Wachstums- oder Schrumpfungshilfen für Pflanzen sind Themen, die in der öffentlichen Diskussion stehen und einen hohen Aufklärungsbedarf haben."
Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie
Die VAAM ist ein Zusammenschluss von ca. 3000 Mitgliedern. "Die VAAM-Jahrestagung, mit ca 1200 Teilnehmern, wird immer mehr zu dem wichtigsten Treffpunkt in der Mikrobiologieszene", sagt der Verein selbst. Die großen Gentechnikkonzerne sind mit im Boot: "Die Sponsoren der VAAM-Promotionspreise sind zur Zeit: BASF, Bayer Schering, Evonik Degussa, New England Biolabs, Sanofi-Aventis", heißt es auf der vereinseigenen Internetseite. Christoph Tebbe vom staatlichen Forschungsinstitut, gleichzeitig einer der vier deutschen VertreterInnen bei der EFSA-GMO-Arbeitsgruppe, ist dort Mitglied.
Arbeitskreis Deutsche In Vitro Kulturen (ADIVK)
Dieser selten öffentlich auftretende Kreis ist nach eigener Darstellung "eine Sondergruppe im Zentralverband Gartenbau e.V." Wer in die Liste seiner Mitglieder guckt, erspäht einen ziemlich alle Teile verbindender Knoten deutscher Gentechnikseilschaften. Bundes- und Landesfachbehörden, darunter mehrfach das hochverfilzte Julius-Kühn-Institut, das IPK und etliche gentechnikbetreibende Universitätsinstitute sitzen dort neben den für Deutschland typischen Kleinfirmen, KWS und Syngenta. Die Arbeitsgruppe "In Vitro Züchtung" leitet Prof. Max-Bernhard Schröder, zudem ist er Kontaktadresse für den Förderpreis, der für In Vitro Arbeiten (= im (Reagenz-)Glas) an Pflanzen vergeben wird. Im Hauptberuf arbeitet er an der weitgehend staatlichen Forschungsanstalt Geisenheim. Schwerpunkt seiner Lehrveranstaltungen dort ist ein "Modul Biotechnologie der Pflanzen", gemeint vor allem bei Wein und in der Weinherstellung. Zudem ist er laut DENIC Halter der Internet-Propagandaseite www.gruene-biotechnlogie.de, die allerdings inzwischen offline ist.
Die Jahreshauptversammlung im September 2010 in Hannover hatte zwei Ansprechpartner, darunter der als lauter Propagandist bekannte Hannoversche Professor Jacobsen. Das Tagungsprogramm zeigte Einseitigkeit:

Aus der Tagungseinladung zur Jahrestagung der ADIVK
Gesellschaft für Pflanzenbiotechnologie
Weiter im Reigen der vielen Knotenpunkte deutscher Agro-Gentechnikseilschaften. Der als Gentechnikpropagandist rührige Prof. Jacobsen aus Hannover ist denn auch selbst Chef einer solchen Connetion im Netz der Behörden, Firmen und ForscherInnen. Der von ihm geleitete Verein heißt "Gesellschaft für Pflanzenbiotechnologie". Im Vorstand sitzen auch IPK, die Saaten-Union und einige Universitätsleute. Die Gesellschaft war an der Tagung der ADIVK beteiligt (siehe oben).
Deutsches Maiskomitee e.V. (DMK)
Mais ist dank des MON810 das zentrale Thema der Agro-Gentechnikdiskussion. Die in intensiven Plantagen angebaute Pflanze ist aber schon deutlich länger ein Symbol der Industrialisierung von Landwirtschaft. Monokulturen, Massentierhaltung, Biosprit - das und mehr ist eng mit dem Mais verbunden. Das nun soll ausgebaut werden - findet das Deutsche Maiskomitee: "Ein vollkommen neues und vielversprechendes Feld für weitere Züchtungsfortschritte liegt mit der Entwicklung und Nutzung von bio- und gentechnologischen Methoden vor uns. Diese Methoden ermöglichen sowohl neue Techniken zur Beschleunigung der Generations- bzw. Züchtungszyklen als auch die Entwicklung von neuen und bislang im Mais nicht vorhandenen zusätzlichen Eigenschaften." Das DMK, trotz erkennbarer reiner Industrielobbyarbeit gemeinnützig, will dem gv-Mais zum Durchbruch verhelfen und bemüht die gleichen Gedankengänge wie viele andere Lobbyisten auch:
- Auskreuzung ist nicht zu verhindern.
- Wir brauchen Grenzwerte, die die totale Verseuchung erlauben.
- Nur das ist Wahlfreiheit.
- Lasst uns alle sachlich sein!
Im Original: Deutsches Maiskomitee auf seinen Internetseiten ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Gentechnik als Bestandteil der Maiszüchtung
Die Anwendung der Bio- und Gentechnik in der Pflanzenzüchtung hat auch in Deutschland mittlerweile festen Fuß gefaßt. Vorbehalte und Bedenken gegen den Einsatz der Gentechnologie seitens der Öffentlichkeit sind ernst zu nehmen. Es muß jedoch verhindert werden, daß die Anwendung der Gentechnik aus ideologischen Gründen behindert wird. Der Dialog muß ehrlich und glaubwürdig geführt werden um den volkswirtschaftlichen Gesamtnutzen zu erfassen.
Durch jüngste politische Entscheidungen ist der Anbau gentechnisch veränderten Maises in Deutschland verboten worden.
Die gegenwärtige unbefriedigende Situation leidet vor allem unter dem fehlenden Rechtsrahmen zur Kennzeichnung von Lebensmittelprodukten (Novel-Food) auf der Basis von plausiblen Schwellenwerten.
Eine interessante Konstellation gibt es im Vorstand:
Per Amt gehört der Vorsitzende der Abteilung Mais im Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter auch dem Vorstand des Deutschen Maiskomitees an. Im Vorstand sitzt zudem mal wieder ein staatlicher Agrarforscher, der eigentlich unabhängig sein sollte:
Prof. Dr. Christian Gienapp, Direktor der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei des Landes Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Güstrow.
Der jährlich ausgeschriebene DMK-Förderpreis für Hochschulabsolventen und Nachwuchswissenschaftler offenbart die Orientierung auf Profitinteressen. "Ziel ist die möglichst kurzfristige praktische Umsetzbarkeit der dabei gewonnenen neuen Ergebnisse und Innovationen in einzelbetriebliche oder gesamtwirtschaftliche Nutzenvorteile."
Und immer mehr davon ...
Fast alles ist ideologisch, vieles dreist, manches klingt verzweifelt. Die Millionen für Propaganda und pseudowissenschaftliche Ergüsse erreichen die Köpfe nicht. Umfragen zur Agro-Gentechnik bleiben stabil. Die Reaktion: Felder mit autoritären Mitteln auch gegen den Willen der Bevölkerung durchsetzen und noch mehr Gehirnwäsche - denn anders lassen sich die PR-Strategien der GentechniklobbyistInnen wohl kaum bezeichnen. Es wird weitere Lobbyverbände geben - offen sichtbar oder getarnt. Es wird darauf ankommen, ihre Tricks zu durchschauen. Ihre Inhaltsleere verstecken sie hinter der Kritik an der vermeintlichen Inhaltsleere der Gentechnikkritik. Sie inszenieren sich als Gegner ideologischer Debatten und fordern eine sachliche Diskussion. So fällt nicht gleich auf, dass sie es vor allem sind, die genau so agieren. Argumente für die Agro-Gentechnik benennen sie nicht. Offenbar ist ihnen selbst klar, dass es keine gibt - außer der Macht über Land und Saatgut. Aber das werden sie so offen nicht zugeben. Es bleibt ihnen also nur die alte Kriegsstrategie: Angriff ist die beste Verteidigung.
- Belegsammlung zu Fußnoten und weiteren Quellen über Lobbyverbände
Und wieder der Blick auf die gentechnikkritikschen Parteien und Verbände:
Die sind in den meisten Lobbyverbänden nicht dabei. Nur für das Forum Bio- und Gentechnologie gilt das nicht ganz. Denn deren AkteurInnen stammen zum Teil aus der Umweltbewegung. Nur vermutet werden kann das für einige der RWTH-Leute, denn es ist kein Geheimnis, dass viele BiologInnen, die heute als WissenschaftlerInnen arbeiten, zu Zeiten studiert haben, als "Öko" angesagt war. Klar ist das aber für das TransGen-Team, z.B. Gerd Spelsberg. Deren Vergangenheit liegt in der Verbraucherinitiative. Die hat sich erst vor kurzem endgültig von dem zur Propagandaplattform mutierten Internetseite www.transgen.de losgesagt.
Lobbyismus in Dachverbänden
Auch zu Dachverbänden finden sich Infos
auf Seite 23 der Broschüre "Organisierte
Unverantwortlichkeit" (Infoseite ++ PDF):
Alles ist steigerbar. Da gibt es nicht nur Lobbyverbände, die ganz offensichtlich einseitige Positionen für die Profitgier der Konzerne vertreten - und für die sogenannte Forschung, die vor allem zur "Gentechnik, weil es dafür Geld gibt", arbeitet (Zitat Prof. Inge Broer). Es gibt auch solche Verbände, die eigentlich Dachverbände sein und verschiedene Strömungen vereinigen wollen. Vielfach decken ihre Mitglieder das gesamte Spektrum landwirtschaftlicher Tätigkeiten ab. Aber in den Verbandsspitzen dominieren die BefürworterInnen von Gentechnik und industrialisierter Landwirtschaft. Sie simulieren also eine breite Unterstützung für die Gentechnik - tatsächlich aber wäre wohl passender, von Amtsmissbrauch oder Instrumentalisierung der Mitglieder zu sprechen. Denn befragt werden die regelmäßig nicht, ihnen muss aber wiederum der Vorwurf gemacht werden, stillschweigend hinzunehmen, als Scheinlegitimation benutzt zu werden.
Eigentlich ein Dachverband ... die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG)
Schauen wir mal in die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). Die wollen, so heißt es auf der eigenen Internetseite, ein „neutrales, offenes Forum“ sein. In den Leitlinien steht es ebenso deutlich: "Die DLG ist die politisch unabhängige, neutrale Fachorganisation der Agrar- und Ernährungswirtschaft." Dort sitzen auch Ökolandbau-Verbände unter den insgesamt über 20.000 Mitgliedern. Wieviel Prozent dieser hohen Zahl mögen die Agro-Gentechnik befürworten? Gefragt hat im Verband sicherlich niemand - aber die Spitzenfunktionäre treten ungeniert pro Gentechnik auf. Die Basis hält brav die Klappe, eine typische Situation der Verbändelandschaft. Unter den Schweigern ist Dr. Theodor Seegers vom Bundesministerium für Verbraucherschutz und Landwirtschaft der öffentlich immer als gentechnikkritisch auftretenden Ilse Aigner. Kein Protest von ihm. Und auch nicht von anderen:
Scharfmacher in Sachen Gentechnik sind vor allem die DLG-Präsidenten. Neun Jahre stand KWS-Chef von der Bussche an der Spitze des sogenannten Dachverbandes. 2008 folgte ihm mit Carl-Albrecht Bartmer, "Landwirt in Löbnitz" (siehe links: DLG-Jahresbericht 2006, S. 9). Der legte gleich los. Teil der DLG-Feldtage war eine Sortendemonstration mit transgenem Mais der Firmen
Monsanto, Pioneer und KWS. DLG-Präsident
Carl-Albrecht Bartmer betonte gleich auf der Eröffnung: „Wir sind auf Fortschritt ausgerichtet und die Biotechnologie
ist eines der wichtigsten Instrumente dafür.“ (InnoPlanta-Newsletter zur Gründung von AGIL). Argumente? Auch hier Fehlanzeige ... Bartmer blieb Werber für die Agro-Gentechnik. Er befürwortete auf dem Unternehmertag am 3.9.2008 in Leipzig „die Ausschöpfung aller mobilisierbaren Potenziale auf fruchtbaren Ackerflächen.“ In der Pressemitteilung zu seiner Rede hieß es weiter: „Die Grüne Gentechnik werde vermutlich eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts sein. Sie ermögliche einen schnellen Zuchtfortschritt und sei deshalb in der Lage, die Ertragsfähigkeit von Pflanzen an die dynamisch steigende Nachfrage anzupassen, auch und gerade, wenn sich das Klima ändert.“
Auch der Verband insgesamt zeigte Flagge. Dr. Werner Mutz von der DLG nahm laut Teilnehmerliste am größten Kungeltreffen der Gentechnik-Seilschaften, dem InnoPlanta-Forum 2009 teil und warb öffentlich für die Propaganda-Internetseite TransGen (siehe unten). Die DLG ist Mitglied in einem weiteren, als Dachverband getarnten Werbeverein für Großkonzerninteressen, der FNL. Zusammen mit klar positionierten Lobby- und Industrieverbänden wie InnoPlanta, dem BDP oder den Industrieverbänden DIB und VCI stelle die DGL fest, dass "die Warenkette in Deutschland und Europa [ist] auf praktikable rechtliche Rahmenbedingungen angewiesen" sei. Und forderte: "Diese müssen sich an den weltweiten Entwicklungen der Grünen Gentechnik und am internationalen Warenhandel orientieren. ... Betriebswirtschaftliche Entscheidungen sollen von Landwirten und nicht von der Politik getroffen werden."
Im Original: Pro-Gentechnik-Postionen der DLG ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der Presseinfo zur Rede des DLG-Präsidenten Bartmer auf dem Unternehmertag am 3.9.2008 in Leipzig:
Für Bartmer liegt die Ursache für die große Ernte 2008 vor allem in den im Vergleich zum letzten Wirtschaftsjahr wesentlich besseren Witterungs- und Wachstumsbedingungen in allen bedeutenden Anbauregionen der Welt. Mit Blick auf die begrenzte Verfügbarkeit von fossilen Energieträgern und dem gleichzeitigen Anwachsen der Nachfrage nach Lebensmitteln hält er die Ausschöpfung aller mobilisierbaren Potenziale auf fruchtbaren Ackerflächen für weiterhin zwingend erforderlich. ...
Landwirtschaft braucht innovationsfreundliche Rahmenbedingungen
Die Grüne Gentechnik werde vermutlich eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts sein. Sie ermögliche einen schnellen Zuchtfortschritt und sei deshalb in der Lage, die Ertragsfähigkeit von Pflanzen an die dynamisch steigende Nachfrage anzupassen, auch und gerade, wenn sich das Klima ändert.
Aus einer gemeinsamen Presseinfo der DLG mit anderen Gentechnik-Lobbyverbänden am 18.5.2009
Die Mitglieder der Warenkette zeigen sich in dem gemeinsamen Papier besorgt über die aktuelle Entwicklung der Gentechnik-Diskussion in Deutschland und wollen Rechtssicherheit auf allen Stufen der Wertschöpfung, um den Innovationsstandort Deutschland durch eine unsachgerechte Diskussion nicht länger zu gefährden. Im Mittelpunkt der Forderungen an die Politik stehen verlässliche Rahmenbedingungen, die die Rechte auf Forschungsfreiheit in der Pflanzenzüchtung wahren, eine verantwortungsbewusste Weiterentwicklung und Anwendung der Grünen Gentechnik ermöglichen, die Rohstoffversorgung für die deutsche und europäische Veredlungs- und Ernährungswirtschaft sicherstellen und eine lückenlose Verbraucherinformation gewährleisten. ...
Der Runde Tisch muss Ausgangspunkt für eine an der Zukunft und den Potenzialen moderner Methoden ausgerichteten Debatte werden. Die Ergebnisse des Runden Tisches werden nach Ansicht der Unterzeichner Maßstab für die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland sein.
Aus dem dazugehörigen Positionspapier zum Runden Tisch
Deutschland ist Standort für Spitzenforschung in Wissenschaft und Praxis. Pflanzenforschung, auch die Grüne Gentechnik, muss für Labor, Gewächshaus und Freiland ermöglicht und gefördert werden. Die Ergebnisse der langjährigen Sicherheitsforschung müssen bei der politischen Entscheidungsfindung berücksichtigt werden. Die mutwillige und rechtswidrige Behinderung der Forschung durch kriminelle Feldzerstörungen darf nicht länger hingenommen werden.
Aus einem Interview mit DLG-Chef Bartmer in: ZEIT Nr. 18/2010
ZEIT: Bislang sind die Europäer aber trotzdem skeptisch.
Bartmer: Das ist auch verständlich, weil sie gar keine Gelegenheit haben, den Nutzen dieser Technologie kennenzulernen. Da hier sogar der Versuchsanbau – denken Sie an die vielen unrechtmäßigen Feldzerstörungen – nahezu unmöglich ist, fällt es schwer, den Nutzen überhaupt zu beweisen oder die Technologie weiterzuentwickeln. Das ist aber unverzichtbar, weil Züchtungserfahrungen aus den USA gar nicht direkt auf europäische Standorte zu übertragen sind. Wir brauchen an europäische Verhältnisse angepasste Sorten.
Aus einer Presseinfo der DLG am 15.5.2010 zu den DLG-Feldtagen
"Den großen globalen Herausforderungen kann nur eine hochproduktive Landwirtschaft begegnen, die neueste technologische Fortschritte und Methoden anwendet. Nur so ist sie in der Lage, den knappsten aller Faktoren, die fruchtbare Acker- und Grünlandfläche, effizient zu nutzen und zugleich Belastungen für die Umwelt zu minimieren." Dies erklärte der Präsident der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) Carl-Albrecht Bartmer zur Eröffnung der DLG-Feldtage am 15. Juni 2010 auf dem Rittergut Bockerode in Springe-Mittelrode bei Hannover. ...
Aufgeschlossener und gleichzeitig verantwortungsvoller Umgang mit innovativen Technologien und Methoden seien der entscheidende Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit des Pflanzenbaus und der Schlüssel zur Wohlstandssicherung, nicht nur der Landwirte, sondern zunächst für all jene, die in weniger begünstigten Regionen dieser Erde leben. Fortschritt sei nicht nur die Biotechnologie, wie die diesjährigen DLG-Feldtage mit Weiterentwicklungen im klassischen, integrierten wie ökologischen Pflanzenbau eindrucksvoll unterstreichen. Für den DLG-Präsidenten gehört zum Fortschritt auch biotechnologische Forschung. „Forschung und Nutzung dieser Technologien am Standort Deutschland muss möglich sein“, betonte Bartmer.
Auf der Seite der DLG zu den Feldtagen wird ein Themenzentrum "Grüne Gentechnik" angekündigt - organisiert vom BDP:
Themenzentrum „Grüne Gentechnik“
Einen Anbau transgener Pflanzen wird es in diesem Jahr auf den DLG-Feldtagen nicht geben. Dennoch greift der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e. V. (BDP) mit vielen Partnern aus Wissenschaft und Forschung wie auch Handel und Verbänden das Thema „Grüne Gentechnik“ auf.
Wie sich solche Neutralität in einer Podiumsdiskussion ausdrückt, zeigten die DLG-Feldtage 2010 ebenfalls. Auf dem Podium saßen drei BefürworterInnen und gleichzeitige AnwenderInnen der Agro-Gentechnik in Personen der
Hochschul-Professoren Schier (Maisversuch Oberboihingen bis 2008) und Kogel (Versuch mit transgener Gerste 2006 bis 2009) sowie Frau Dr. Duwenig (BASF) nur einem Kritiker gegenüber. Und der, nämlich Thomas
Dosch von Bioland, vertritt einen Verband mit weicher Linie: Bioland hat sich 2009 für Versuchsfelder mit Gentechnik ausgesprochen, obwohl gerade diese Quellen bisher die meisten Auskreuzungsquellen bildeten.
Politisch fordert die DLG "praktikable Grenzwerte". Fast rührend ist das Engagement zur Beibehaltung der Massentierhaltung und der Ausbeutung ferner Kontinente für die Verwendungswirtschaft in Europa: "Ohne den Import von Sojabohnen bzw. Sojaschrot kann die Produktion von Lebensmitteln tierischer Herkunft weder mengenmäßig noch preislich auf dem gegenwärtigen Niveau gehalten werden." Das aber soll passieren - und deshalb müssen Grenzwerte her, damit Soja überall verseucht werden darf: "Die in der EU angewendete Nulltoleranz für gentechnisch veränderte Soja-Sorten ohne EU-Zulassung verhindert zunehmend auch den Import von zugelassenen Sojafuttermitteln. ... Die Nulltoleranz ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht zu begründen und für ein hohes Niveau an gesundheitlichem Verbraucherschutz unnötig." Absurderweise soll diese totale Verseuchung auch noch die Wahlfreiheit garantieren: "Nur Schwellenwerte können die Wahlfreiheit zwischen kenzeichnungspflichtigen und nicht kennzeichnungspflichtigen pflanzlichen Rohstoffen ermöglichen." So verdreht die DLG die Fakten, nicht ohne am Ende das übliche Bekenntnis abzulassen: "Die DLG wird sich auch weiterhin auf fachlicher Basis mit der Grünen Gentechnik und ihren Auswirkungen befassen". Amen, möchte mensch da sagen - die immer gleiche Leier absurder Argumentationsstränge bei gleichzeitiger Beschwörung einer Sachlichkeit, die gerade die GentechnikbefürworterInnen fast immer vermissen lassen.
Eine ähnliche gedankliche Pirouette schafft die DLG hinsichtlich der Kennzeichnung "Ohne Gentechnik". Die sei nicht sinnvoll, denn es gäbe "keine Möglichkeit, die Aussage am Endprodukt per Untersuchung kontrollieren zu können". Falsch ist das nicht - aber daraus abzuleiten, alles verseuchen zu wollen und einzufordern, das auch zu dürfen, ist schon bemerkenswert.
Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL)
Ganz ähnlich zeigt sich das Bild beim Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V. (BLL). Er vereinigt Firmen der Lebensmittelverarbeitung, darunter die Bio-Kette Basic und der Gentechnikfreiheit garantierende Hersteller Milupa. Bei vielen Mitgliedsfirmen109 und -verbänden wird Gentechnik also abgelehnt, doch der Spitzenverband tritt ein für „verlässliche Rahmenbedingungen, die die Rechte auf Forschungsfreiheit in der Pflanzenzüchtung wahren, eine verantwortungsbewusste Weiterentwicklung und Anwendung der Grünen Gentechnik ermöglichen, die Rohstoffversorgung für die deutsche und europäische Veredlungs- und Ernährungswirtschaft sicherstellen und eine lückenlose Verbraucherinformation gewährleisten.“ So steht es in einem Positionspapier vom 18.5.2009 mit Forderungen an den Runden Tisch Gentechnik im Bundesforschungsministerium. Das Papier hatte auch die DLG unterzeichnet - von Neutralität also keine Spur. Vielmehr zeigt sich hier das Muster, das die ganze Gesellschaft durchzieht: 80 Prozent lehnen Gentechnik ab, aber die übrigen 20 Prozent besetzen alle wichtigen Schaltstellen in Forschung, Politik, Behörden, Interessenverbänden und Medien.
- Mit dabei laut eigenen Angaben auf EFSA-Datenblatt: Klaus-Dieter Jany vom Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik (WGG)
Mehr ...
- Initiative Grüne Biotechnologie e.V. (vormals: Grüne Biotechnologie Rheinland-Pfalz e.V.), gefördert von der Landesregierung Hessen (Artikel über die Förderung und Pro-Gentechnikpolitik des Landes Hessen)
- Tiefer Einblick in die Strukturen der Lobbyverbände und des Filzes mit Konzernen und Behörden in der Studie "Kontrolle oder Kollaboration" von Christoph Then und Antje Lorch

Sammlung auf einer Presseinfo zur gemeinsamen Resolution von Industrie- und Lobbyverbänden zu mehr Gentechnik (Mai 2009)
- Belegsammlung zu Fußnoten und weiteren Quellen zu Lobbyverbänden
- Der Überblick: Tabelle zu den Verflechtungen konkreter Personen in der Gentechnik auf der Eingangsseite, als PDF und GIF
Ausbilder
MitarbeiterInnen von Genversuchen müssen eine Zusatzausbildung machen. Einer der Träger von Ausbildungsangeboten ist DECHEMA. Ein neutraler oder gar kritischer Ort ist das allerdings nicht ...
Im Original: Kritik an Gentechnik "nicht tolerabel" ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der Rede des DECHEMA-Vorsitzenden Dr. Alfred Oberholz am 25.11.2005
Wenn sich Politiker zu nachwachsenden Rohstoffen bekennen und gleichzeitig die Anwendung der Grünen Gentechnik blockieren, dann ist das entweder Dummheit oder Verantwortungslosigkeit. Beides ist nicht tolerabel.
Zwei Überlegungen müssen wir der Politik nahebringen. Da wird mit Recht immer wieder auf die angespannte Haushaltslage hingewiesen. Wir leisten es uns aber, mit Steuergeldern die Forschung auf dem Gebiet der Grünen Gentechnik zu fördern, doch auf die aus der Anwendung resultierenden Zuwächse des Bruttosozialproduktes, die schließlich auch zusätzliche Steuereinnahmen bewirken, verzichten wir. Schuld an dieser Misere ist auch die Zersplitterung der Zuständigkeiten auf verschiedene Ministerien, die nicht miteinander kooperieren, sondern gegeneinander konkurrieren. Wir hoffen, daß es der neuen Bundesregierung gelingt, die Kohärenz und Konsistenz politischen Handelns deutlich zu verbessern. Ein weiterer Punkt ist die abenteuerliche deutsche Selbstüberschätzung, die sich hinter der Blockade der Grünen Gentechnik verbirgt. Länder wie China und Indien, die zusammen die halbe Weltbevölkerung stellen und diese ernähren müssen, können und werden es sich nicht leisten, fahrlässig auf die Chancen der Grünen Gentechnik zu verzichten. Verantwortung wahrnehmen hieße deshalb für uns, in der Entwicklung und Anwendung einer sicheren Grünen Gentechnik eine Vorreiterrolle zu besetzen und dieses Wissen anderen Ländern zur Verfügung zu stellen. ...
Zwei besondere Stichworte habe ich erwähnt, die Weiße Biotechnologie und neue Batteriespeicher auf Basis der Nanotechnologie. In den letzten Jahren haben wir zwei Wissenschaftler mit dem DECHEMA-Preis ausgezeichnet, die genau auf diesen Gebieten tätig sind und Hervorragendes geleistet haben. Dies belegt sehr eindrucksvoll meine eingangs getroffene Feststellung, daß die DECHEMA-Preise wie Leuchttürme in der von uns mitgestalteten Forschungslandschaft stehen.
Pressemitteilung der DECHEMA zur Agro-Gentechnik am 2.9.2010 zu ihrem Grundsatzpapier
Vor der Verkündung des Urteils hat die Fachgemeinschaft Biotechnologie der DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. nun Stellung zur grünen Gentechnik bezogen. In dem veröffentlichten Papier bezeichnet sie die Grüne Biotechnologie als notwendige Antwort auf die großen Herausforderungen, denen die Menschheit derzeit gegenüber steht.
Die globalen Probleme Bevölkerungswachstum, Klimawandel und Energieknappheit bedürfen einer möglichst schnellen Lösung. Einen großen Beitrag dazu können nach Auffassung der Fachgemeinschaft speziell gezüchtete Pflanzen leisten. ... nur mit neuartigen, gentechnisch modifizierten Pflanzen wird es möglich sein, ebenso nachhaltig wie effizient zu produzieren und gleichzeitig Ressourcen zu schonen und ungünstige Anbauflächen zu nutzen.
Zur Struktur und Verflechtung der DECHEMA im Bereich Biotechnologie:
- Alle in der Biotechnologie der DECHEMA aktiven Gremien sind seit dem 31. Mai 2007 in der Fachgemeinschaft Biotechnologie zusammengeführt, der heute rund 1.800 Mitglieder angehören.
- Trotz der Orientierung auf Lobbyarbeit ist die DECHEMA als gemeinnützig anerkannt.
- Das Mitteilungsorgan der Fachgemeinschaft Biotechnologie und der Vereinigung deutscher Biotechnologie-Unternehmen ist die Zeitschrift "transkript" aus dem BIOCOM Verlag. Das heißt: DECHEMA und Konzerne geben zusammen ihre Fach- und Mitgliederzeitung heraus.
Beschreibung der Ziele und Tätigkeiten auf Wikipedia:
Die Fachgemeinschaft Biotechnologie widmet sich der Förderung von Wissenschaft und Technik auf allen Teilgebieten der Biotechnologie. Sie bietet sich als internationale Anlaufstelle für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft an und verfolgt folgende Aufgaben und Ziele:
- Förderung des Ansehens der Biotechnologie in der Öffentlichkeit durch Erarbeitung und Veröffentlichung von Positionen und Stellungnahmen auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse
- Erstellung fachspezifischer Positionspapiere mit dem Ziel der Gestaltung nationaler und europäischer Forschungsförderungsprogramme
- Innovationsförderung und Technologietransfer mit dem Ziel der Entwicklung und der Realisierung industriell nutzbarer biotechnologischer Produkte, Prozesse und Dienstleistungen
- Durchführung öffentlicher Veranstaltungen
- Etablierung einer Plattform zur Information der Fachgemeinschaftsmitglieder
- Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses
Bauernverband und Umfeld: Wenn Großagrarier für KleinbäuerInnen sprechen ...
Der Deutsche Bauernverband (DBV) ist eigentlich die Interessenvertretung aller LandwirtInnen. Zwar kann niemand als Einzelperson im DBV Mitglied sein. Doch die einzelnen LandwirtInnen sind in den Landesbauernverbänden organisiert. Diese erreichen einen sehr hohen Organisationsgrad - im Durchschnitt über 80 % aller rund 370.000 landwirtschaftlichen Betriebe, allerdings abnehmend. Hinzu kommen Fachorganisationen wie der Deutsche Imkerbund und spezielle Tierhalterzusammenschlüsse, Wein- oder Hopfenanbauverbände. Über 50 Jahre konnte der Bauernverband daher als Sprachrohr aller Bäuerinnen und Bauern, d.h. als alleinige Berufsvertretung der Landwirtschaft auftreten - wie auf seiner Internetseite auch dargestellt: "Der Deutsche Bauernverband ist die Interessenvertretung der Land- und Forstwirtschaft in ganz Deutschland. Mit dem Deutschen Bauernverband – gegründet 1948 – gibt es erstmals in der Geschichte der deutschen Landwirtschaft eine einheitliche, freie und selbstbestimmte berufsständische Interessenvertretung der Bauernfamilien." Über 90 Prozent der rund 380.000 landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland sind auf freiwilliger Basis Mitglied im Bauernverband. Doch schon lange schwelte der Streit um die Interessen von industrieller und bäuerlicher Landwirtschaft. Während die Mehrheit der Mitglieder kleine und höchstens mittelgroße Betrieben bildeten, standen an der Spitze die InhaberInnen riesiger Höfe. Die machten Politik für ihre Art der Landwirtschaft - und vor allem zusammen mit Agrarkonzernen, Raiffeisenverband und anderen. Legendär sind die Aufsichtsratsanhäufungen eines Constantin Freiherr von Heeremann, der überall unterwegs war - außer in der bäuerlichen Basis seines eigenen Verbandes. Als Opposition zu den Großagrariern entstanden zunächst nur zahlenmäßig unbedeutende Alternativen wie die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Aus den Kreisen unzufriedener MilchbäuerInnen ist dann aber ein auch zahlenmäßig ernstzunehmender Konkurrent zumindest in der Vertretung der über 100.000 MilchviehhalterInnen entstanden. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (auch bekannt unter der reichtlich unglücklichen Abkürzung BDM) sieht den Bauernverband hoffnungslos verstrickt mit den Molkereien. Während und nach spektakulären Aktionen im sogenannten "Milchstreik" kam es zu vielen Austritten aus dem DBV und zum Teil sehr zugespitzten Protestformen wie dem Haberfeldtreiben am Hof des DBV-Präsidenten.
Ein Hin und Her prägt in der Agro-Gentechnik die Bauernverbandspositionen. Grund sind nicht schwankende Meinungen, sondern genau der immerwährende Konflikt des Bauernverbandes - diesmal aber doppelt. So wie die durchschnittlichen Betriebsgrößen vom Hof zu OrtslandwirtInnen über Kreis- und Landesebene bis zur Spitze des Bauernverbandes immer mehr zunehmen, wandeln sich auch die Interessen. Während in vielen Teilen des Landes, vor allem in den ländlich strukturierten Räumen im Süden, die klassische bäuerliche Landwirtschaft dominiert, finden sich auf oberen Ebenen fast nur noch FunktionärInnen mit agrar-industriellem Background. Der Präsident schließlich ist Mitglied in einer Vielzahl von Aufsichtsräten und Vorstanden in Firmen, die mit den LandwirtInnen ökonomisch konkurrieren. Bayer, Raiffeisen & Co. wollen die Kontrolle des Saatsgutes und Nachbaugebühren, Patente und Kopplungsverträge von Saatgut mit Spritzmitteln. Das schädigt die Bauern und Bäuerinnen. So waren und sind die Spitzenleute der LandwirtInnen immer GegnerInnen oder gar TotengräberInnen der meisten ihrer eigenen Mitglieder. Sonnleitner und sein Umfeld kämpfen für die Sache der großen Konzerne und Saatguthändler - gegen die LandwirtInnen, deren Präsident er eigentlich ist. Das führt immer wieder zu Spannungen im Bauernverband, doch der interne Aufstand gegen die Chefetage fiel bislang immer aus.
Taktische Zurückhaltung bei der Agro-Gentechnik
Die Chefs wissen, das an der Basis wenig Zustimmung zur Agro-Gentechnik existiert. Auch wenn die Spitzenleute den großen Chemiemulties und Saatgutkonzernen näher stehen als den LandwirtInnen vor Ort, können sich nicht - ohne sich selbst zu gefährden - ständig Öl ins Feuer gießen. Folglich zeigt der Bauernverband gar keine klare Position zum Thema.
Dabei haben die Führungspersonen die Sache seit Langem klar.
Schon der fast 30 Jahre den Bauernverband nach Gutsherrnart führende Constantin Bonifatius Herman-Josef Antonius Maria Freiherr Heereman von Zuydtwyck zeigte, dass die Großbauern anders tickten als die Breite der Mitgliedschaft: "Gentechnisch veränderte Pflanzen können zum Nutzen von Umwelt und Mensch
werden." (in: Die Welt, 4.12.1996) Sein Nachfolger, Gerhard Sonnleitner, verhielt sich nicht anders. Aber er suchte sich mit der FNL (siehe unten) einen ungestörten Ort, um seiner Liebe zu profitträchtigen, die bäuerliche Landwirtschaft überwindenden Techniken nachgehen zu können. Im Bauernverband hingegen dominierte der heiße Brei, um den herumgeredet wurde. Am 24.10.2006 formulierte der DBV zusammen mit dem BDP: "Beide Verbände sind
sich einig, dass die Grüne Gentechnik lediglich eine zusätzliche Methode für die Entwicklung neuer
Pflanzeneigenschaften und Sorten ist." Neben der als Zusatzmethode verschleierten Befürwortung der Agro-Gentechnik zog der DBV auch die selbst von Umweltverbänden immer wieder für die Gentechnik gespielte Pro-Forschungskarte: "Die Hightech-Strategie der Bundesregierung wird ausdrücklich begrüßt." Da, unter dem Deckmantel der Wissenschaft, werden dann die harten Forderungen gestellt (Präsidiumsbeschluss am 22.5.2007): "Stärkere Verzahnung der Hochschulen mit den forschenden Unternehmen der
Agrarwirtschaft. ... Alternative organisatorische Entwicklungspfade prüfen, z.B. eigenständige
Agrarhochschulen oder (teil-)private Hochschulen in Verbindung mit der Wirtschaft". Doch auch wenn die befürwortende Position der Führungsgremien immer wieder durchschimmert, umstritten war sie immer. So blieb der Bauernverband über die Jahre hinweg "aufgrund der unveränderten Haftungsregelungen dabei, vom
Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen abzuraten." (Presseinfo vom 24.7.2007) Als sich 2003 "in Sachsen-Anhalt eine Initiative gebildet hat aus Biotechnologie- und
Pflanzenzuchtunternehmen mit der Landesregierung" (Bauernverbandserklärung am 6.11.2003 zu den Seilschaften um InnoPlanta), "um in Sachsen-Anhalt ein vorgezogenes Anbauprogramm von gentechnisch
veränderten Pflanzen (Bt-Mais) zu ermöglichen", sprach sich der Verband dagegen aus. Gleichzeitig bot er "seine Mitarbeit an, diesen Erprobungsanbau unverzüglich zu organisieren". Also pro Gentechnik, aber besser bzw. anders organisiert, damit "Emotionen abgebaut und das Nebeneinander von verschiedenen
Anbauverfahren auch auf Dauer ermöglicht werden."
In dieser Art schwankten die Statements des DBV von der Forderung nach verbesserten Regeln und mehr Erforschung der Gentechnik bis zum erkennbaren Frust über die anhaltende Ablehnung in der Bevölkerung. In einem solchen Anfall tiefster Enttäuschung über die Undurchsetzbarkeit der Agro-Gentechnik in den Köpfen der VerbraucherInnen bezog mitunter sogar Sonnleitner überraschend radikale Positionen: "Diese jahrzehntelange unsägliche Debatte über die Gentechnik muss endlich zu Ende geführt werden. Wenn sich die Gesellschaft schließlich gegen die Grüne Gentechnik entscheide, stellen wir uns diesem Votum". Dann forderte er in der Konsequenz auch ein totales Einfuhrverbot aller gv-Pflanzen und mit diesen gefütterter Tiere.
Hatte er nur eine schwache Minute? Oder wollte er als taktisches Mittel etwas Unmögliches fordern, um die Gentechnik tatsächlich zu unterstützen? Zu hören war von seinem Vorstoß nie wieder etwas, stattdessen nutzte der Bauernpräsident die erstbeste Gelegenheit, um öffentlich einzufordern, dass die Agro-Gentechnik endlich in großem Stil eingeführt werden dürfe. Diese Gelegenheit war der Skandal um die großflächige Verunreinigung von Maissaatgut im Frühjahr 2010 - mit freundlicher Unterstützung der niedersächsischen Behörden. Zunächst war der Bauernverband entsetzt. Doch dann nutzte Präsident Sonnleitner die Gunst der Stunde und sagte zur Neuen Osnabrücker Zeitung (1.7.2010): „Es muss in Deutschland ein anderer Realismus einkehren.“ Wenn es unvermeidbare technische Rest-Vermengungen mit genveränderten Pflanzen an der Nachweisgrenze gebe, müssten diese toleriert werden. Das passte zu einer Postkartenaktion (siehe Motiv rechts), die ausgerechnet der Bayrische Bauernverband angezettelt hatte und einige Proteste auslöste. Während andernorts LandwirtInnen für gv-freies Futtermittel kämpften, drückten die bayrischen Bauernfunktionäre auf die Tränendrüse und forderten ein Ende der Gentechnikfreiheit in Futtermitteln.
Wer aber freute sich nun über Sonnleitners klare Ansage pro Gentechnik? Klar, der Bundesverband Deutscher Pflanzenzücher - der im übrigen Mitglied im Deutschen Bauernverband ist. Im September 2010 legte auch der schleswig-holsteinische Bauernverbandschef nach und forderte mehr Agro-Gentechnik: "da der Welthunger mit den konventionellen Zuchtfortschritten nicht bewältigt werden könne. "
Im Original: Positionswechsel des Bauernverbandes ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Warnung vor Gentechnik
Auch der Deutsche Bauernverband bedauerte, dass mit dem verabschiedeten Gesetz „die Sicherung der Koexistenz, also das Nebeneinander mit und ohne gentechnisch veränderte Pflanzen, nicht erreicht worden sei.“ Durch die beschlossene Haftung entstehe für Landwirte, die gv-Pflanzen anbauen wollen, ein unkalkulierbares wirtschaftliches Risiko. „Der DBV muss deshalb jedem Landwirt von einem Anbau mit gentechnisch veränderten Pflanzen abraten.“ (Text auf www.biosicherheit.de am 18.6.2004)
Da Landwirte nach dieser Regelung trotz gesetzeskonformen Verhaltens einem unkalkulierbaren und nicht versicherbaren Risiko ausgesetzt sind, kann der Deutsche Bauernverband den Landwirten bei dieser Gesetzeslage nur vom GVO-Anbau abraten. (Presseinfo am 22.6.2010)
Pro Gentechnik
Man müsse nicht nur über Risiken sprechen, sondern dem Verbraucher auch aufzeigen, welche Vorteile Gentechnik haben könne und dass gesundheitliche Schäden bisher nicht belegt seien. Es sei falsch, von vornherein sich die Option zu verbauen, mit der Grünen Gentechnik Produkte zu verbessern. (Presseinfo des DBV am 14.1.2004)
Frustriertes Dann-eben-gar-nicht ...
Wenn der Kunde keine Gentechnik wünsche, würden die Bauern auch keine anwenden. (Presseinfo des DBV am 14.1.2004)
Bauernverbandspräsident Gerhard Sonnleitner im Interview der Süddeutschen Zeitung am 22.4.2008: Ich sehe Gentechnik skeptisch, weil sie der Verbraucher nicht wünscht. Wenn wir immer betonen: "Der Kunde ist König", dann müssen wir auf die Kundenwünsche eingehen.
Forderung vom Bauernverbandschef Sonnleitner, sich bei der Gentechnik so oder so zu entscheiden (Agrarportal 2010)
"Diese jahrzehntelange unsägliche Debatte über die Gentechnik muss endlich zu Ende geführt werden. Wenn sich die Gesellschaft schließlich gegen die Grüne Gentechnik entscheide, stellen wir uns diesem Votum“. Politisch müsse man dringend zu einem Ende der Diskussionen kommen. In diesem Zusammenhang forderte Sonnleitner, dass dann in aller Konsequenz an den Grenzen Europas diese Entscheidung vollzogen werde und Lebensmittel von mit GVO gefütterten Tieren an den Grenzen zurückgewiesen würden.
Das Sonnleitner die Verunreinigung von eigentlich gentechnikfreiem Saatgut für eine Brandrede pro Gentechnik nutzen würde, ließ sich erahnen. Zu eindeutig waren die zurückhaltenden Worte taktisch bestimmt oder - wider eigener Überzeugung - auf Frustration über den nicht glückenden Durchmarsch der profitablen Neuerungen gebettet. Hinter den Kulissen hatten Sonnleitner und der Bauernverband in seiner Spitze längst die Weichen gestellt. Das war manchmal nur bei genauem Hinsehen erkennbar, z.B. als der Gentechnik-Propagandist Michael Miersch (siehe unten) die DBV-Tagung zu Bio-Patenten am 26.11.2009 moderierte. Klarer zeichnete sich das Bild aber mit Blick auf die Ämter von Bauernverbandsspitzen. Sonnleitner ist Präsident des Lobbyverbandes FNL, der beherzt für die Agro-Gentechnik streitet und die großen Agrokonzerne vereinigt. Er bekleidet Ämter in mehreren Versicherungsgesellschaften, bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), im Deutschen Raiffeisenverband (DRV) und dem CSU-nahen Wirtschaftsbeirat der Union e.V. DBV-Generalsekretär Helmut Born hat Ämter bei der Deutschen Postbank, bei Versicherungen und der Warenterminbörse (WTB) Hannover. Vor allem aber sitzt er an Knotenpunkten der Gentechnikseilschaften, so im BioÖkonomierat, einem im Regierungsauftrag für die Gentechnik streitenden Gremium von Konzernen, Behörden und großen Institutionen. Ebenso mischt er als Vorsitzender des Lenkungsausschusses beim Initiativkreis Agrarforschung mit, der vom BAYER-Vorstand Dr. Scherzl geleitet wird. "Der Initiativkreis Agrar- und Ernährungsforschung führt als Gesprächsplattform alle Verbände der Land-, Agrar- und Ernährungswirtschaft und –wissenschaft zusammen und setzt sich für die Aufwertung der Agrar- und Ernährungsforschung ein." Der DBV befand, die Gründung "Diskussionsplattform zwischen Landwirtschaft, Industrie und Wissenschaft sei ... ein ... wichtiger Schritt".
Plattform für den Bauernpräsidenten: FNL
Sonnleitner ist nicht dumm. Er weiß, dass er im Bauernverband nicht zu allem seine Klappe aufreißen darf. Als Plattform für sein Werben Richtung industrieller Landwirtschaft einschließlich Agro-Gentechnik dient ihm die Fördergemeinschaft nachhaltige Landwirtschaft (FNL). Die Organisation der Fördergemeinschaft ist im Jahr 2000 aus einem
Zusammenschluss der Aktionsgemeinschaft Deutsches Fleisch (AGF) und der Fördergemeinschaft Integrierter Pflanzenbau (FIP) entstanden. Auch dort dominierten bereits die großen Agrarkonzerne und -fabriken. Für einen Verband, in dem neben dem Bauernchef Sonnleitner vor allem die großen Chemie- und Agrarkonzerne dominieren, ist schon der Name ein Versuch der Tarnung. Denn mit dabei sind die Agro- und Gentechnikkonzerne BASF, Bayer, Dow Agroscience, Monsanto, Du Pont und Syngenta sowie der deutsche Dachverband VCI, zudem die mit Agrochemikalien agierenden Bundesarbeitskreis Düngung, Bundesverband des Großhandels mit Dünge- u. Pflanzenbehandlungsmitteln, der Deutsche Raiffeisenverband und die Lobbyverbände BDP und DLG. Sie dominieren das Geschehen und setzen ihre Version von Nachhaltigkeit durch. Kernthese sei, so ist auf Wikipedia zu lesen, "dass die moderne Landwirtschaft gerade durch den Einsatz moderner industrieller Mittel eine nachhaltige Landwirtschaft ist."
Eigene argumentative Akzente setzt die FNL in der Gentechnikdebatte nicht. Wie viele GentechnikbefürworterInnen bejammerte der Lobbyverband "die emotional geführte Debatte in einigen EU-Mitgliedsländern gegen
grüne Gentechnik und Biotechnologie" als "nicht nachvollziehbar". Doch statt Argumenten bot FNL-Geschäftsführer Schenk dann nur Parolen wie "Für eine Dämonisierung der grünen Gentechnik besteht kein Anlass" und den ewigen Mythos, es "gingen viele Experten davon aus, dass sich der Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft
bei der Bekämpfung des Hungers in der Welt zu einem unverzichtbaren
Werkzeug entwickeln wird". (Presseinfo am 11.3.2009)
Am 26.5.2010 veröffentlichte die FNL auf ihrer Internetseite eine Presseinfo der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB). Sie ist die Biotechnologie-Vereinigung des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) und behauptete, es seien "mit dem Konzept der Bioökonomie aber auch völlig neue Perspektiven für die Landwirtschaft in Deutschland verbunden". Auch dort erhält die Nachhaltigkeit einen industriellen Inhalt einschließlich Energie- und Rohstoffproduktion auf dem Acker. "Damit diese Entwicklung nicht zu Lasten der Nahrungsmittelproduktion gehe, müssten aber die Ernteerträge dramatisch gesteigert werden."
- Internetseite der FNL ++ Liste derer, die hinter der FNL stehen: Die ganze Gentec-Industrie (PDF)
- Gelungen: Peinlich unkritischer Eintrag bei Wikipedia

Mit dabei in der Tarnorganisation FNL: Prof. Schmitz von der Uni Gießen (Quelle)
- Datenbank der Bauernverbandsfunktionäre und ihrer Verflechtungen mit Industrie und Lobbyisten (beim NABU)
Internationale Netzwerke
Was in Deutschland geht, funktioniert auch in anderen Ländern (siehe die Reportage "Monsanto. Mit Gift und Genen" über die Verflechtung der US-amerikanischen FDA mit Monsanto. Die FDA entspricht dem deutschen BVL. Darüber hinaus gibt es internationale Netzwerke, die Industrie, LobbyistInnen und Behördenleute zusammenbringen.
IOBC/WPRS
"Members of WPRS are individual scientists, governmental, scientific or commercial organisations from 24 countries of Europe, Mediterranean region and the Middle East", schreibt die Organisation selbst. In den Mittelpunkt stellt sie den schwammigen, auch im Namen enthaltenen Begriff der Bio-Kontrolle (biological control), darunter läuft nicht minder verschleiernde Propaganda von nachhaltigem Pestizidgebrauch und Ähnlichem. Unter den Regierungsleuten als Mitglieder findet sich z.B. Detlev Bartsch, Vize-Chef der deutschen Genehmigungsbehörde BVL. Auch das JKI ist mit Regina G. Kleespies vertreten. 2009 fand die vom IOBC veranstaltete EIGMO-Tagung in Rostock statt. Vorort-OrganisatorInnen waren Juliane und Thomas Thieme sowie Kerstin Schmidt vom AgroBioTechnikum.
PRRI
Ganz ähnlich dem WGG, aber international, agiert das PRRI als Lobbyorganisation. Die „Public Research & Regulation Initiative“ wurde 2004 gegründet und vereint nach eigener Darstellung WissenschaftlerInnen, die so eine unabhängige Politikberatung organisieren. Doch die Zusammensetzung wirkt nicht zufällig - es sind genau die GentechnikbefürworterInnen, die in öffentlichen Stellen mit Genehmigungen und Expertisen die Gentechnik durchsetzen und Gefahren verharmlosen: Joachim Schiemann (BBA/JKI) und Hans-Jörg Buhk (BVL). Auch der Name Marc van Montagu als Präsident des europäischen Biotechnologieverbandes EFB verspricht kaum neutrale oder unabhängige Arbeit. Als Ziel nennt die Lobbygruppe: „PRRI wird weiterhin Regierungen, Organisationen und andere Betroffene über die aktuelle öffentliche Forschung in der modernen Biotechnologie informieren sowie über PRRI's Sorgen bezüglich der Entwicklung von rechtlichen Rahmenbedingungen. Wo nötig, wird PRRI weiterhin Missverständnisse und Fehlinformationen über Wissenschaft ansprechen.”98 Die umfangreichen Seilschaften und die Verankerung solcher LobbyistInnen in staatlichen Behörden führen auch hier dazu, dass die gentechnikbefürwortende Politikberatung von denen finanziert wird, die beraten werden - den staatlichen Stellen. Die PRRI wird im Rahmen des EU-Projekts „Global involvement of public research scientists in regulations of biosafety and agricultural biotechnology“ (genannt: Science4BioReg) gefördert, von 2006-09 mit einer Grundfinanzierung von 600.000 €. Hinzu kommen Gelder von Regierungen aus den USA und Kanada, industrienahen Organisationen wie der International Service for the Acquisition of Agribiotech Applications (ISAAA) und nicht zuletzt durch CropLife International und das US Grain Council, die großes wirtschaftliches Interesse an Lockerungen des Biosafety-Protokolls haben. Laut Lorch/Then100 ist das PRRI ein typisches Beispiel für die konsequente Weiterführung der „Tarnkappen-Strategie“ - mit Unterstützung deutscher RegierungsexpertInnen. Der Newcomer unter den deutschen Gentechnik-VersuchsleiterInnen fand auch schnell den Weg in die PRRI: Stefan Rauschen von der RWTH Aachen wurde 2010 auf der Mitgliederliste auf der PRRI-Internetseite geführt, kurz danach war er "Executiv Director". Auch dabei: Der HannoverGEN-Macher Prof. Jacobsen und ein MPI-Mitarbeiter. Weitere deutsche Mitglieder kommen aus den Universitäten in Berlin (HU), Tübingen und Freiburg sowie vom vTI.
Im Original: Ziele der PRRI und Daten im Überblick ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Im Jahr 2004 wurde die Public Research and Regulation Initiative (PRRI) mit dem Ziel gegründet, von staatlicher Seite geförderten Forschern im Bereich der modernen Biotechnologie ein Forum zu geben, durch das sie sich über die einschlägigen Diskussionen auf internationaler Ebene informieren und sich an diesen beteiligen können. Ein Beispiel für solche Diskussionen sind die Treffen der Mitgliedsstaaten im CPB. Das Ziel einer Teilnahme an solchen Treffen ist, die Unterhändler über die Ziele öffentlicher biotechnologischer Forschung und Fortschritte in diesem Bereich zu informieren, wissenschaftliche Expertise in die Verhandlungen einfließen zu lassen und den Unterhändlern eventuelle Bedenken der Forscher zu vermitteln. ++ (Übersetzung der Internetseite)
Aus der Studie "Kontrolle oder Kollaboration" von Antje Lorch und Christoph Then
Public Research Regulation Initiative (PRRI)
- Gründung 2004.
- Mitglieder: Stellvertretender Geschäftsführer: Piet van der Meer (TU Delft); zu den Vorstandsmitgliedern zählt unter Leitung von Marc van Montagu u.a. K. Ammann. Mitglieder sind u.a. Buhk und Schiemann.
- Aktivitäten: PRRI beschreibt sich als Forum für Wissenschaflter aus dem öffentlichen Sektor, die an internationallen Abkommen zu Gentechnik interessiert sind. Unter den Mitgliedern finden sich jedoch auch zahlreiche Wissenschaftler, die eng mit Gentechnikfirmen verbunden sind, bzw. die in Industrie-Stiftungen wie u.a. der Syngenta Foundation und dem Danforth Center arbeiten.
- Finanzierung: u.a. durch die Regierungen der USA und Canada, industrienahe Organisationen wie ISAAA, industrienahen Stiftungen wie Syngenta Foundation und Danforth Center, sowie das US Grain Council und Croplife International (dem weltweite Verband der Gentechnikindustrie). 2006-09 erfolgt Basisfinanzierung der Aktivitäten von PRRI als EU-Projekt.
- Science4BioReg: 2006-09 werden die Hauptaktivitäten des PRRI als EU-Projekt Global involvement of public research scientists in regulations of Biosafety and Agricultural Biotechnology (Science4BioReg) mit 601.500 Euro finanziert. Projektpartner sind u.a. Schiemann als Vorsitzender des Arbeitspakets EU-Richtlinien und Bestimmungen und Ammann als Koordination der wissenschaftlichen Datenbank und der Ask Force. Koordiniert wird die Arbeit des Projekt mit der eines weiteren EU-Projekts BIOSAFENET, das ebenfalls unter Leitung von Schiemann (JKI) stattfindet.
- Webseiten: www.pubresreg.org, ec.europa.eu/research/biosociety/food_quality/projects/180_en.html
Plants for the Future
Arbeitet seit 2003 an Vorbereitung und Entwurf eines Visionspapiers. Ab 2006 Durchführung der EU Technology Platform ,Plants for the Future' als Stakeholder-Forum. Mit dabei:
- Behörden: Schiemann (JKI) als Mitglied des Steering Committee, Co-Autor des Visionspapiers (2003) und Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe Horizontal Issues, Konstantin Freiherr von Teuffel (Forstl. Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg).
- Konzerne: Ralf-Michael Schmidt (BASF Plant Science), Markwart Kunz (Südzucker), Reinhard Nehls (Planta, Tochter von KWS).
- Lobbyverbände: Katzek (BIO Mitteldeutschland), Ferdinand Schmitz (BDP).
- Geldgeber: Ulrich Schurr (Forschungszentrum Jülich), Frank-Peter Wolter (Patent- und Lizenzagentur für GABI).
Seilschaften um Gentechnik-Farmen und -zentren
Lobbyarbeit machen natürlich nicht nur die Organisationen, die das zu ihrer Hauptsache erwählt haben, sondern auch die Konzerne, Forschungseinrichtungen und Kleinfirmen selbst. Ihnen sind eigene Kapitel gewidmet. Eine besondere Erwähnung verdienen vier Ort, an denen mehrere Verbände, Firmen, LobbyistInnen und mitunter auch Regierungsinstitutionen auf engstem Raum zusammen sitzen. Das fördert Begegnung, Austausch und Absprachen. Merklich. Sowohl an den drei Mehrfachstandorten deutscher Gentechnik wie auch in einer Straße in Berlin.
Gute Nachbarn: Die Mauerstraße in Berlin
Fangen wir mit Letzterer an: Die kleine Mauerstraße fällt schon ein bisschen auf in den Adressenlisten der Agro-Gentechnik. Der BioÖkonomierat sitzt hier mit der Hausnummer 79 im Haus E, weiter nördlich liegt das BVL mit den Hausnummern 39-42. Das bildet ein Grundstück mit dem zuständigen Ministerium BMELV. Das ist schön dicht - mensch trifft sich in Parkhäusern, Kantinen oder nach Vereinbarung.
Solche "Zufälligkeiten" direkter Nachbarschaft treten mehr auf. Direkt neben den Gentechnikfluren der landwirtschaftlichen Fakultät an der Uni Rostock sitzt die Abt. Pflanzenschutzdienst der LALLF, also die Kontrollbehörde des Landes Mecklenburg-Vorpommern für die Versuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen, die weniger Meter entfernt geplant werden.
Die Mehrfachstandorte deutscher Gentechnik-Experimente
In drei Regionen liegen Einrichtungen deutscher Agro-Gentechnik sehr dicht zusammen. Immer sind Versuchsfelder, Firmen und Büros sowie Behörden dabei, einmal auch mehrere Lobbyverbände. Hier wird die Agro-Gentechnik praktisch "gemacht", d.h. hier stehen die Pflanzen in der Landschaft. Hier fließen die Millionenzuschüsse staatlicher Förderprogramme in die Kassen der AnwenderInnen. Bustouren kommen zu Werbezwecken und Pollen verlassen mit oft unbekannten oder nicht nachweisbaren Genkonstrukten die Flächen. Für alle drei Mehrfachstandorte gibt es gesonderte Kapitel:
- Die Börde mit dem ersten Mehrfach-Agro-Gentechnikstandort der Republik auf dem Gelände des IPK in Gatersleben, auf dem auch InnoPlanta und FGV angesiedelt sind, dem Hauptsitz und mehreren Gentechnikabteilungen des staatlichen Julius-Kühn-Institut , einem Firmensitz der KWS Saat AG und dem schrillen Werbegarten BioTechFarm, einer Art Streichelzoo der der Agro-Gentechnik mit der höchsten Feldzahl aller Standorte in Deutschland (2009: Zehn gv-Beete)
- Die Stadt Rostock mit ihrer Uni und danebenliegenden Gentechnikbehörden sowie das AgroBioTechnikum in Groß Lüsewitz, den dortigen Tarnvereinen und Firmen (FINAB, biovativ usw.) und den zentralen Personen im deutschen Gentechnikfilz, Prof. Inge Broer und Kerstin Schmidt
- Die Bundesallee in Braunschweig als ehemalige Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) mit Instituten der bundeseigenen Forschungsanstalten JKI und vTI, die an gentechnischen Versuchen beteiligt sind, sowie einem, in manchen Jahren auch mehreren Versuchsfeldern.
PR-Maschinerie: Dubiose Publizisten pro Gentechnik
Über die PR-Agenturen informiert ein
Abschnitt in der Broschüre "Organisierte
Unverantwortlichkeit" (Infoseite ++ PDF)
Die Gentechnikseilschaften kümmern sich nicht nur um Anwendung, Kontrolle und Förderung, sondern auch um die Propaganda. Neben der üblichen Pressearbeit, Publikationen und getarnten Auftritten als scheinbar ökologisch orientierte Gruppen sind wichtige Informationsplattformen im Internet geschaffen worden. Hier arbeiten die üblichen Seilschaften zusammen.
Unmittelbar an die Öffentlichkeit wendet sich der GMO Kompass, der 2005-07 als EU-Projekt, dann von EuropaBio (2007) und dann vom BMELV (2007-08) finanziert wurde. Hauptträger des Projektes ist die Darmstädter Gentechnik-PR-Agentur Genius, die laut eigener Referenzenliste für verschiedene Ministerien, Behörden, Lobbyverbände und Firmen wie BASF, Bayer und Syngenta sowie die Gentechnik-Industrieverbände DIB und EuropaBio arbeitet.101 Weiterer Träger sind die Organisatoren der Webseite transgen.de, die ursprünglich vom aus der Ökologiebewegung stammenden NGO VerbraucherInitiative gestartet wurde, aber inzwischen vor allem von Gentechnikfirmen finanziert wird. Die ursprüngliche und weiter behauptete Nähe zu Verbraucherorganisationen gibt GMO Kompass den Anschein von Neutralität. Das redaktionelle Team ist identisch mit dem von biosicherheit.de: Kristina Sinemus und Klaus Minol von Genius sowie Gerd Spelsberg von TransGen, früher VerbraucherInitiative. Sie beschreiben sich selbst als „independent science journalists“, unabhängige WissenschaftsjournalistInnen. Eingebunden, wie üblich, sind Behörden und Konzerne: Joachim Schiemann sitzt ebenso im Beirat wie der Industrieverband EuropaBio.102 Für die PR-Arbeit zum BioSicherheitsprogramm kassiert Genius 1,23 Mio. der 1,86 Mio. Euro Gesamt-Werbekosten. Begründet wird diese hohe Summe von Seiten der Bundesregierung damit, „dass eine unabhängige Berichterstattung über die Ergebnisse der Biologischen Sicherheitsforschung gewährleistet, dass sich die Menschen in Deutschland unvoreingenommen über Chancen und Risiken der Gentechnik informieren können“.103 Ausgerechnet die, deren Behörden die rechtlich vorgeschriebene Akteneinsicht verweigern, spielen sich als Garanten unabhängiger Informationsweitergabe auf ...
Hauptträger des Projektes ist die Darmstädter Gentechnikagentur Genius. Deren MitarbeiterInnen finden sich in fast allen einschlägigen Zirkeln und Gremien, in denen Industrie und Behörden zusammenkommen. Genius ist für die Politik und die Industrie zu einem gemeinsamen Scharnier geworden. Genius wird von beiden Seiten finanziell gefördert und übernimmt für Industrie und Regierung gleichermaßen Aufgaben der Kommunikation. Wichtigste Vertreter der Firma Genius sind Sinemus und Minol, die beide auch zusammen mit Prof. Hans Günter Gassen als Buchautoren tätig sind. Eine weitere Firma, aus dem Umfeld der TU Darmstadt und des Lehrstuhls von Professor Gassen ist die Firma BioAlliance, unter Leitung von Gabriele Sachse, die schon bei der Einführung der gentechnisch veränderten Sojabohne von Monsanto mitgearbeitet hatte - damals (und auch an anderer Stelle) in Kooperation wiederum mit einem Behördenvertreter: Klaus-Dieter Jany. Der war selbst von 1986-89 in Darmstadt tätig und veröffentlichte zusammen mit Gassen wissenschaftliche Publikationen. Anschließend wechselte er an die Bundesforschungsanstalt (BfEL) in Karlsruhe.104
Das Internetprojekt TransGen war nicht von Beginn an als Propaganda für die Gentechnik gedacht, sondern ist vielmehr ein Beispiel für die Käuflichkeit und Anpassungsfähigkeit von Umwelt- und Verbraucherverbänden. Die Verbraucherinitiative hatte irgendwann die Idee, zusammen mit Gentechnikkonzernen eine Internetplattform zu gründen. Neutral sollte sie sein. Eine Propagandaplattform verschleierter Form ist sie geworden. Ein wichtiger Grund für den Wandel von einer kritischen Stimme zum Propagandaarm der Agrokonzerne war das Geld - im Rahmen von Gentechnik gibt es (neben der Pro-Gentechnik-Forschungsförderung) kaum finanzielle Quellen jenseits Konzernen und Lobbygruppen.105
Dankbar bejubeln inzwischen die Gentechnikeliten das Projekt TransGen, wie die Internetseite zeigt. Unter der Überschrift „Ich nutze transgen.de, weil ...“ äußern sie sich107 - die Liste liest sich wie ein Who-is-who der Seilschaften in Deutschland, u.a. mit den Versuchsbetreibern Broer, Karl-Heinz Kogel, Kerstin Schmidt, Ingolf Schuphan, Bartsch (BVL/EFSA) und Schiemann (JKI, EFSA) aus Bundesbehörden und den Lobbyisten Uwe Schrader (InnoPlanta), Schmitz (BDP) sowie Jens Katzek (BIO), der selbst einmal als Gentechnikkritiker startete.106 InnoPlanta-Lobbyist IPK-Macher und BioTechFarmer Uwe Schrader formuliert sein Lob eindeutig: „transgen.de kann ich nur jedem empfehlen - vor allem den Kritikern der Grünen Gentechnik.“107 Deutlicher lässt sich wohl kaum formulieren, wem TransGen nach dem Mund redet. Die TransGen-Macher verfassten die Gentechnikbroschüre des vom BMELV geförderten Informationsdienstes AID.
Konzepte zur Gehirnwäsche: Burson-Marsteller und die Nachfolger
Den großen Agrarkonzernen war klar, dass gentechnisch veränderte Organismen nicht auf große Gegenliebe stoßen würden. Also musste eine Strategie her, die die profit- und machtorientierte Technik sanft und unbemerkt ins gentechnikkritische Europa bringt. 1997 erarbeitete die PR-Agentur Burson-Marsteller ein Konzept, mit dem die Gentechnik propagandistisch und tatsächlich durchgesetzt werden sollte. Das Papier wimmelt von Vorschlägen für Lügen, Verdrehung und Täuschung - ein beeindruckendes Beispiel für die Strategien der Gentechnik-Seilschaften. Die deutsche PR-Agentur Genius beruft sich auch heute noch auf das Konzept bei ihren eigenen Aktivitäten. Das ist unfassbar, denn Genius macht im Auftrag und mit Millionen der Bundesregierung die Propaganda für die staatliche und staatsgeförderte sogenannte Sicherheitsforschung!
Im Original: Strategien der Kommunikation pro Agro-Gentechnik ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Strategie: Staatliche Behörden nicht direkt loben, wenn sie sich pro Gentechnik verhalten
In Sicherheitsfragen [gibt es] keinen Ersatz für glaubwürdige Aufsichtsbehörden. Eine strategische Zielsetzung dieser Kampagne muß es daher sein, ihre Glaubwürdigkeit mit aufzubauen. ... Positive Aussagen ... [sollten] von Akteuren stammen, die nicht von den Entscheidungen dieser Aufsichtsbehörden abhängig sind. ... Positive Aussagen über Aufsichtsbehörden, die vom unteren Ende stammen (= Bioindustrien), tragen zu der glaubwürdigkeitsvernichtenden Wahrnehmung bei, diejenigen mit den größten eigenen Interessen hätten die Kontrolle über die Aufsichtsbehörden. (Burson-Marsteller Papier von 1997, Fehler im Original)
Auch auf dem letztjährigen Innoplanta Forum in Sachsen-Anhalt wurde betont, dass das Vertrauen in die kontrollierenden Behörden gestärkt werden müsse.(Innoplanta: Biotechnologie Umsetzungsstrategie des Landes Sachsen-Anhalt. Presseerklärung am 15.8.03)
Strategie: Konfliktthemen einfach meiden
Öffentliche Fragen der Risiken für die Umwelt und Gesundheit des Menschen sind Kommunikations-Schlachtfelder für die Biotechnologie-Industrien in Europa. Als allgemeine Regel kann nicht erwartet werden, daß es der Industrie gelingt, in diesen Fragen eine erfolgreiche öffentliche Verteidigungsstellung den Kritikerstimmen gegenüber zu beziehen. (Burson-Marsteller Papier von 1997)
Strategie: Plattitüden und Emotionen ansprechen
Geschichten und keine Sachfragen: Wenn es Europa-Bio gelingen soll, den Übergang zu einer effektiven öffentlichen Stimme zu vollziehen, muß eine Verlagerung von einer sachfragenorientierten Kommunikation hin zu einer auf „Geschichten“ gestützten Kommunikation stattfinden. ...
Die Gegner der Biotechnologie sind ausserordentlich geschickt in der Kultivierung von Symbolen welche angetan sind, unmittelbare Gefühle von Furcht, Wut und Ressentiments zu schüren. Die Bioindustrien müssen in ähnlicher Weise antworten – mit Symbolen, die Gefühle wie Hoffnung, Befriedigung, Fürsorge und Selbstwert erwecken. (Burson-Marsteller Papier von 1997)
Strategie: Bio- und Öko-Etiketten klauen, Umweltvorteile behaupten
Ein wirklich aggressives Kommunikationskonzept versucht selber Begriffe zu setzen und immer wieder dem Gegner Begriffe streitig zu machen und umzudeuten. Aus einem „Risiko für Mensch und Umwelt“ wird so z.B. ein „Risiko des Nicht-Handelns“ und bei dem aktuellen Erprobungsanbau von gentechnisch veränderten Pflanzen geht es nicht um deren Durchsetzung, sondern um die friedliche „KOEXISTENZ“ verschiedener Anbauformen. Besonders stolz sind wir in diesem Zusammenhang darauf, die mit der Ökologiebewegung assozierte Vorsilbe „Bio“ erfolgreich gehijackt zu haben. Die verschiedenen BIO-TECH-REGIONEN Deutschlands sind also BioRegionen, und dementsprechen heißt es eben BioMitteldeutschland und nicht BioTechMitteldeutschland. (EuropaBio)
Mit der Klugheit der Natur (Slogan von InnoPlanta, die ansonsten ja die offenbar unzulängliche Natur korrigieren wollen ...)
... zeigen sich viele Europäer im allgemeinen aufgeschlossen, wenn sie darüber informiert werden, daß die neuen Sorten den Einsatz von chemischen Spritzmitteln in der Landwirtschaft verringern können. (Burson-Marsteller Papier von 1997)
Agrar-, Ernährungs- und Lebensmittelsektoren sind Schlüsselbereiche der Wirtschaft. Bei Genius konzentrieren wir uns vor allem auf Aspekte einer nachhaltigen Nutzung von Biomasse einer integrierten Landwirtschaft. Durch diese sehen wir ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Interessen im Einklang. (Genius)
Die weltweiten Erfahrungen aber auch die im Lande angestoßenen Projekte von Forschungseinrichtungen und Unternehmen zeigen, dass die Pflanzenbiotechnologie erhebliche Potentiale für die Landwirtschaft, die Umwelt und den Endverbraucher bietet. Ein Weg zu finden, diese Potentiale auch für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes zu nutzen, in dem ein handhabbares Nebeneinander verschiedener landwirtschaftlicher Anbauformen möglich wird, ist eines der Ziele des Erprobungsanbaus. (Kommunikationskonzept der Landesregierung Sachsen-Anhalt, Entwurf 4.2.2004)
Strategie: Spektakel und Show statt Inhalte
Eine der großen Tendenzen in Museen ist, dem ausgestellten Objekt einen Kontext zu geben. So können wir diese Schranken zwischen Wissenschaft und Kunst überwinden und viel häufiger Ausstellungen besuchen, so wie wir Kunstausstellungen wahrnehmen oder Konzerte. Wir gehen zu einer neuen Show, einer Science-Show. (Lawrence Sinbai, Wellcome Trust zit. n. Sadr-Haghighian, Natascha: „Science for Life“ – Wellcome Trust in: bürobert u.a.: geldbeatsynthetik copyshop 2 1996)
Strategie: Pro- und Contra-Debatten selbst inszenieren - als eigene Gegenseite kontrolliert auftreten
Die interessierte Öffentlichkeit steht jeder Information, die als offensichtlich einseitige „Industriepropaganda“ daher kommt, skeptisch gegenüber. Foren, in denen die verschiedenen pro und contra Argumente scheinbar neutral verhandelt werden, können insofern sie redaktionell im Sinne der BioTech-Befürworter gelenkt werden, ein wirksames Tool im Kampf um die öffentliche Meinung darstellen.
Beispielhaft ist hier der Webauftritt www.transgen.de, der den Erprobungsanbau von genetisch veränderten Pflanzen begleitet.
EuropaBio muß sich in die beste und zuverlässigste, langfristige Quelle von Inspiration und Informationen über Biotechnologien/Bioindustrien für Journalisten verwandeln. Mit anderen Worten, der erste, hilfreichste, prompteste Ansprechpartner für die praktische Hinführung zu interessanten Geschichten und Persönlichkeiten - ruhig mit kontroversen Elementen vermischt - ein Lieferant von Material, das Redakteure und die Leserschaft gleichermaßen zufriedenstellt und keinesfalls als Industriepropaganda angesehen wird. (Burson-Marsteller Papier von 1997)
Strategie: Events mit phantasievoller Pressearbeit
Die meisten Reporter und Redakteure haben keine persönliche Agenda wenn es um die Berichterstattung über Biotechnologien und die Bioindustrien geht. Wie in allen anderen Bereichen, sind sie vornehmlich damit beschäftigt, verkaufbares Material unter einem extremen Termindruck zu produzieren. Die Faktoren Termindruck und Redaktionsschluß dominieren den Journalismus und haben einen weitreichenden Einfluß auf den tatsächlichen Inhalt der Berichterstattung.
Pressemitteilung herausgeben mit Tenor "gewaltige Resonanz auf Kongreß", ... "Kongreß verweist auf gigantisches Wachstumpotential der Biotechnologien in unserer Region" sagt Bürgermeister So-und-So, etc. (Burson-Marsteller Papier von 1997)
Quelle der Zitate und mehr davon ...
TransGen
Die Schwäche der Umwelt-, Biolandbau- und Verbraucherverbände wurde schon einige Male erwähnt. Wichtige Personen wechselten die Seite und sangen dann das Lied des neuen Brotgebers. Was sie alle beweisen ist, dass sie nicht aus Überzeugung, sondern aus Verbandsinteressen agieren - oder in Umkehrung des Broer-Ausspruches, weil sie Geld dafür bekommen. Einmalig aber ist die "Karriere" des Projektes TransGen. 1997 kam die Verbraucherinitiative auf die Idee, ein Nachrichtenportal zur Agro-Gentechnik zu gründen. Neutral sollte es sein, darum waren auch Gentechnikkonzerne mit im Boot - neben Verbänden und staatlichen Förderern. Zentrale Person war Gerd Spelsberg, damals als "kompetenter Gentechnik-Kritiker" bekannt (Beschreibung auf der Rückseite zu seinem 1993 verfassten gentechnikkritischen Buch "Essen aus dem Genlabor")
Doch das gesamte Projekt mutierte schnell - und wieder war das Geld ein entscheidender Faktor unter dem Druck, Geldquellen auftun zu müssen. Immer mehr wandelte sichdas Portal zur Propagandaplattform, wenn auch in der verschleierten Form einer scheinbaren Nachrichtensammlung. Die Gentechnik-Seilschaften nutzten das: 2004 machte die Landesregierung Sachsen-Anhalt TransGen zur Informationsplattform für ihre Biotechnologieoffensive: "Die der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellten Informationen werden auf der Internet-Seite TransGen.de veröffentlicht" (Kommunikationskonzept der Landesregierung Sachsen-Anhalt, Entwurf 4.2.2004). Ganz offen lobte sie: "Die interessierte Öffentlichkeit steht jeder Information, die als offensichtlich einseitige „Industriepropaganda“ daher kommt, skeptisch gegenüber. Foren, in denen die verschiedenen pro und contra Argumente scheinbar neutral verhandelt werden, können insofern sie redaktionell im Sinne der BioTech-Befürworter gelenkt werden, ein wirksames Tool im Kampf um die öffentliche Meinung darstellen.
Beispielhaft ist hier der Webauftritt www.transgen.de, der den Erprobungsanbau von genetisch veränderten Pflanzen begleitet. (Burson-Marsteller Papier von 1997)" Seit 2009 ist TransGen beim Forum Bio- und Gentechnologie untergebracht (siehe unten), womit auch der scheinneutrale Rahmen offiziell aufgegeben wurde. Das wurde Zeit, denn längst schreckten die MacherInnen von TransGen auch vor platten Lügen nicht zurück. So fand sich lange Zeit auf der Eingangsseite von www.transgen.de als erster Eintrag: "Deutschland: 2008 wurde eine Fläche von 3180 Hektar mit Bt-Mais bewirtschaftet, eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr." Das war falsch. Die Zahl stammte aus dem Standortregister, d.h. es handelte sich um die angemeldete Fläche. Die tatsächlich bewirtschaftete Fläche war deutlich niedriger. Fast die Hälfte aller Flächen wurden nicht ausgesät. Das aber hätte sich dann schlechter angehört - und so log TransGen einfach den Erfolg der Gentechnik herbei!
Beispiel für einseitige Darstellung im Frühjahr 2008: Links unter einem Text zur Feldbesetzung in Groß Gerau - ausschließlich mit Links zu kritischen Beiträgen über Feldbesetzungen und Positionen pro Gentechnik
Im Skandal um versuchtes Maissaatgut 2010 veröffentlichte TransGen als zunächst einzige Quelle die Beruhigungspresseinfo der Verursacherfirma Pioneer (11.6.2010)
TransGen Wissenschaftskommunikation im Überblick
Aus der Studie "Kontrolle oder Kollaboration" von Antje Lorch und Christoph Then
Beschreibung: Transgen wurde 1997 durch die Verbraucher Initiative gegründet. Verantwortlicher Redakteur und Projektleiter ist Gerd Spelsberg. Z.Z. tritt TransGen als Redakteur der Webseiten/Projekte biosicherheit.de und GMO-Compass auf.
Finanzierung: Trotz scheinbarer Nähe zu Verbraucherorganisationen wird Transgen wechselnd durch eine Vielzahl von Quellen finanziert: Umwelt- und Verbraucherministerium NRW (1997), Fernuni Hagen (1997/98), Gewerkschaft NGG (1998/99), BLL (1998-2000, 2002/03, 2007), BMVEL (1999/200, 2002), UBA (2000, 2002), Industrie (Bayer CropScience, BASF, Dow Agro Sciences, Monsanto Agrar, Du Pont/Pioneer Hi-Bred, Syngenta Agro; seit 2001), FibL (2004), DIALOGIK (2004), Innoplanta (Portal Erprobungsanbau, 2004/05), EU (GMO Compass, 2005/06), EuropaBio (GMO Compass, 2007), BMELV (GMO Compass, 2007/08).
TransGen ist hochvernetzt mit den AkteurInnen der Agro-Gentechnik. Auf www.transgen.de lässt sich TransGen abfeiern von lauter Leuten, die überwiegend der Elite der Gentechnik und der mafiosen Gentechnikstrukturen in Deutschland angehören.
Im Original: TransGen damals und heute ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus Gerd Spelsberg (1993), "Essen aus dem Genlabor", Verlag Die Werkstatt in Göttingen
Bei Lebensmitteln zielt jede Genmanipulation immer auch auf eine Manipulation der Wahrnehmung - äußerlich, geschmacklich, sensorisch wird etwas vorgegaukelt, was nicht ist. Sie kaschiert genau jede Entfernung und Entfremdung von Natur, welche sie selbst auf die Spitze treibt und die der alte Traum von der künstlichen Nahrung als Triumpf der exakten Wissenschaft feiern wollte. (S. 223) ...
Forderungen ... Orientierungspunkte dafür sind etwa:
Verbotsprinzip: Alle gentechnisch hergestellten Lebensmittel, Zusatzstoffe und Enzyme - gleich ob innerhalb der EG produziert oder aus Drittländern importiert - sind ohne ausdrückliche Zulassung verboten. Wer sie dennoch in Verkehr bringen will, muß dies in einem für die Öffentlichkeit transparenten Verfahren genehmigen lassen. Der Hersteller bzw. Anwender ist dabei zum Nachweis verpflichtet, daß von seinem Produkt keinerlei Gefahren für Mensch und Umwelt ausgehen. ...
In den Entscheidungsgremien müssen Vertreter von Verbraucherorganisationen und Umweltverbänden sowie unabhängige Experten vertreten sein. ...
Bei der Zulassung derartiger Produkte ist auch zu überprüfen, welche sozioökonomischen Folgen es haben könnte, wenn sie in Verkehr gebracht werden. (S. 230f.)
Viele Jahre später: Wer Gerd Spelsbergs Schöpfung TransGen toll findet ... (Auszug aus www.transgen.de)
DIe Handschrift von Genius: GMO Kompass und www.biosicherheit de
Die Internetseiten zur BioSicherheit, TransGen und der GMO Kompass werden von derselben Person programmiert (Seite seiner Referenzen). Domaininhaber von Biosicherheit und GMO Kompass ist Genius in Darmstadt. Deren Referenzenliste zeigt: Die arbeiten für alle - Behörden, Regierungen, Konzerne, Lobbyverbände ... Im Kern aber sind sie eine Werbeagentur für die Agro-Gentechnik - und die dort Tätigen agieren als LobbyistInnen für die Agro-Gentechnik. Wenn also die Bundesregierung behauptet, mit www.biosicherheit.de eine neutrale Plattform geschaffen zu haben zur Veröffentlichung der Ergebnisse von Sicherheitsforschung, entpuppt sich das schon als Lüge angesichts der Personen und der Firma, die dafür bezahlt wird, diese Internetseite zu betreuen.
Im Original: Wer ist Genius? ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Domainabfrage bei www.denic.de
Aus "Kontrolle oder Kollaboration?" von Antje Lorch, in: GID, Juni 2008 (S. 54 ff.)
Ist es in diesem Verfahren eher die Ämterhäufung, fehlt an anderen Stellen die Transparenz, zum Beispiel bei der Firma Genius, die unter anderem im Auftrag des BMBF und zusammen mit anderen die Webseite „biosicherheit.de” betreibt. Auf dieser werden die Ergebnisse der vom BMBF finanzierten Forschungsprojekte zur Agro-Gentechnik dargestellt und kommentiert. Finanziert wird biosicherheit.de übrigens als „Risikokommunikation“ und damit als eines der Projekte zur Sicherheitsforschung von GVO. Genius tritt ansonsten in erster Linie als Beratungsagentur auf, aber die Firma ist auch Kontaktpunkt für den Gesprächskreis Grüne Gentechnik. Genius erstellt Publikationen für zahlreiche Organisationen, darunter auch für die EFSA, die Europäische Zulassungsbehörde für GVO. Vor allem die Geschäftsführerin Kristina Sinemus und der wissenschaftliche Leiter Klaus Minol werden namentlich als Partner in verschiedenen EU-Projekten genannt. Genius ist Mitglied von BIO Deutschland und von der Europäischen Föderation Biotechnologie (EFB), zwei Pro-Gentechnik-Lobby-Organisationen. Was also ist Genius? Unabhängige Journalisten, wie sie sich selbst auf der Webseite gmo-compass.org beschreiben? PR-Agentur? Vermutlich wissen die Genius-GründerInnen das selbst nicht mehr so genau: Klaus Minol (Genius GmbH) taucht auf der Anmeldeliste der internationalen Public Research and Regutalion Intiative (PRRI) zum Biosicherheits-Protokoll auf, und damit als NGO-Vertreter, einer wohlgemerkt sehr Industrie-nahen NGO. Kristina Sinemus dagegen findet sich in der Teilnahmeliste unter „Industrie“ als Vertreterin der Global Industry Coalition.
Selbstdarstellung der Netzwerkaktivitäten von Genius im Internet
Klaus Minol, einer der Macher von Genius, engagierte sich 2009 und 2010 bei der Gründung des neuen Lobbyverbandes "Forum Grüne Zukunft". Er ist Inhaber derer Internetseite (siehe Domainabfrage oben).
Genius über sich selbst: "Genius ist als Spezialagentur für Kommunikation und Wissenschaft in den Bereichen Strategieberatung, wissenschaftliche Beratung, Kommunikation und Marketing tätig. Ein besonderer fachlicher Schwerpunkt liegt in den Themenfeldern Pflanzenbiotechnologie, Agrarwirtschaft und Lebensmittelsicherheit. ...
Agrar-, Ernährungs- und Lebensmittelsektoren sind Schlüsselbereiche der Wirtschaft. Bei Genius konzentrieren wir uns vor allem auf Aspekte einer nachhaltigen Nutzung von Biomasse einer integrierten Landwirtschaft. Durch diese sehen wir ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Interessen im Einklang." Die Bundesregierung bezahlte Genius für die regierungsamtliche Agro-Gentechnik-Propaganda und stellt sie als seriöse, neutrale Organisation dar: "Die Bundesregierung
ist aber auch der Auffassung, dass eine unabhängige Berichterstattung über
die Ergebnisse der Biologischen Sicherheitsforschung gewährleistet, dass sich
die Menschen in Deutschland unvoreingenommen über Chancen und Risiken
der Gentechnik informieren können und damit in eigener Verantwortung über
ihre Akzeptanz entscheiden können." (Quelle: Bundestagsdrucksache 16/6208, S. 23) Und das läuft doch auch alles toll, finden die Regierenden: "Mit der Internetplattform www.biosicherheit.de und der englischen Fassung www.gmo-safety.eu verbindet die Bundesregierung das Ziel, eine professionelle, unabhängige Kommunikation von Ergebnissen und Hintergrundinformationen zur biologischen Sicherheitsforschung im Bereich „Grüne Gentechnik“ zu gewährleisten. Das Internetportal soll insbesondere die wissenschaftlichen Ergebnisse der vom BMBF geförderten Projekte zur biologischen Sicherheitsforschung der interessierten Öffentlichkeit in angemessener Weise zugänglich und transparent machen und damit u.a. auch zur Versachlichung der öffentlichen Diskussion auf diesem Gebiet beitragen. ...
Die Internetplattformen www.biosicherheit.de/www.gmo-safety.eu werden zu 100 Prozent aus Finanzmitteln des BMBF finanziert und von einem professionellen, unabhängigen Redaktionsteam betrieben. Die primär zu vermittelnden wissenschaftlichen Ergebnisse der biologischen Sicherheitsforschung werden in Abstimmung und nur mit Zustimmung der Wissenschaftler freigeschaltet. Die Neutralität und Sachlichkeit der Informationen ist damit gewährleistet." (Quelle: Bundestagsdrucksache 16/10751 vom 3.11.2008)

Richtig viel Kohle für die Internetangebote in die Gentechnik-Seilschaften: Bundestagsdrucksache 16/6208 (S. 22)
Aachener Connection: RWTH und das Forum Bio- und Gentechnologie als Knotenpunkte
Eine der neueren Schöpfungen kommt aus Aachen. Dort sitzen wichtige Knotenpunkte der Gentechnik-Seilschaften: Die Biologie der RWTH, Kommunikationsagenturen und Internetplattformen wie "i-bio" oder TransGen sowie die dahinterstehenden Personen, deren Weg Richtung Gentechniklobbyist mal in der aus der Umweltbewegung entstandenen Verbraucherinitiative begann. Zusammen gründeten sie einen Verein. Der ist nicht nur eingetragen, also rechtsfähig, sondern auch gemeinnützig und hat einen schönen Namen, an den sich gerne immer wieder erinnern kann, wer die Texte hier liest: Verein zur Förderung der Diskussionskultur e.V. Nähme der Verein seinen Name ernst, hätte er viel zu tun angesichts der ideologischen Kämpfe, Verweigerung von Diskussion, juristischen Kämpfen zum Verbot kritischer Veröffentlichungen und organisierter Störung gentechnikkritischer Veranstaltungen durch sogenannte ForscherInnen. Nur scheint ausgerechnet das den FördererInnen der Diskussionskultur keine Bauchschmerzen zu bereiten. Stattdessen geben sie unumwunden zu, die einseitige Öffentlichkeitsarbeit pro Gentechnik weiter ausbauen zu wollen, indem sie "unmittelbar auf Medienberichte reagieren, die Positionen der Gentechnikgegner unhinterfragt übernehmen". Ist es Zufall, dass Forum und InnoPlanta ein gleiches Hintergrundbild auf ihren Internetseiten verwendeten?

Ausschnitte aus den Internetseiten des Forums (links) und des Lobbyverbandes InnoPlanta
Im Original: Wie die Diskussionskultur gefördert werden soll ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Sind Sie auch der Meinung, ...Wir wollen
- dass die öffentliche Diskussion um die Grüne Gentechnik sich mehr an Sachinformationen orientieren sollte?
- dass eine kritische, differenzierte Auseinandersetzung die pauschale, emotional aufgeladene Ja/Nein-Diskussion ablösen sollte?
- dass wissenschaftliche Erkenntnisse und Sichtweisen mehr Gewicht erhalten sollten?
- dass es möglich sein muss, auch die potenziellen Nutzen der Grünen Gentechnik in Betracht zu ziehen und zu erforschen, ohne moralisch diskreditiert zu werden?
- Kompaktinformationen z.B. als Präsentationsvorlagen für den Schulunterricht anbieten,
- durch Anzeigenkampagnen, Flyer o. ä. Werbemittel wissenschaftlich fundierte Informationen zur Grünen Gentechnik in der öffentlichen Diskussion nach vorne bringen,
- das Informationsangebot des Internetportals transgen.de ausbauen und verbessern, die Inhalte vor allem ansprechender mit neuen visuellen Darstellungsformen präsentieren,
- Kontakte zwischen Wissenschaftlern aus den Bereichen Bio- und Gentechnologie und Multiplikatoren wie Journalisten oder Lehrer vermitteln,
- Dialog- und Diskussionsforen im Internet einrichten bzw. ausbauen, z.B. in einem Blog unmittelbar auf Medienberichte reagieren, die Positionen der Gentechnikgegner unhinterfragt übernehmen ...
Quelle: Seiten des Forums. Diese wurden 2010 leicht abgeändert.
Kampagnenverein pro Agro-Gentechnik: FINAB e.V.
FINAB - Filz in Rostock und Groß Lüsewitz mit der Gentech-Ikone Inge Broer.
In Mecklenburg-Vorpommern existieren im Bereich der Agro-Gentechnik enge Verflechtungen zwischen öffentlich finanzierter Forschung, Lobbygruppen und kommerziellen Unternehmen. Das ist das Ergebnis einer Analyse, die das Umweltinstitut München veröffentlicht hat. Das Institut untersucht darin unter anderem die Rolle von Prof. Inge Broer von der Universität Rostock. ...
Dass Gen-Experimente und öffentliche Forschungsgelder auch dazu dienen, befreundete LobbyistInnen zu versorgen, zeigt aktuell ein von Broer beantragter Freisetzungsversuch mit genmanipuliertem Weizen. Der Versuchsstandort auf dem Gut der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz in Üplingen (Sachsen-Anhalt) soll in einen „Gentechnik-Schaugarten“ eingegliedert werden. Dieser Schaugarten soll die Akzeptanz für genmanipulierte Pflanzen in der Bevölkerung verbessern. Den Versuch will das Unternehmen Biotech Farm durchführen. Geschäftsführerin von Biotech Farm ist Kerstin Schmidt, die Schatzmeisterin von FINAB und Geschäftsführerin von biovativ. (Presseinfo des Umweltinstituts München)
- Extra-Seite zum AgroBioTechnikum mit FINAB, biovativ, Inge Broer und Kerstin Schmidt
Neusprech: Wie die Seilschaften sich selbst bezeichnen
In den Kreisen der Gentechnik-Seilschaften werden die intensiven Verbindungen nicht immer verschwiegen, aber anders benannt. Die Stilblüten reichen von Kooperationen, mit denen "umfangreiche Synergien zwischen den Partnern erschlossen werden", z.B. im InnoRegio-Beitrag von InnoPlanta über den Begriff "Warenkette von der Forschung über die Züchtung bis hin zur Landwirtschaft" für die komplette Kontrolle der Lebensmittelherstellung bis zu "agrarisches Netzwerk" als Bezeichnung für die den Lobby- und Dachverband DLG.
Journalismus als Tarnung für Firmenpropaganda
Das ist schon auffällig: Unter den Journalisten, die in "Die Welt" oder andersorts ihre Gentechnikpropaganda absondern, finden sich viele, die früher einmal zu ökologischen Themen oder mit marxistischer Gesinnung unterwegs waren. Ist die Schärfe ihrer jetzigen Schreibe auch eine Art Abrechnung mit der eigenen Biografie? Andere Gründe sind nur schwer ermittelbar - denn von besonderer Sachkenntnis oder kritischer Analyse zeugen ihre Texte nicht.
Thomas Deichmann und NOVO
Thomas Deichmann (Wikipedia) war im marxistischen Lager unterwegs (Linkswende Frankfurt), sein heutiges anarchokapitalistisches Blatt "Novo" war auch damals schon die Postille der von manch anderen "Linken" als Sekte eingestuften Gruppe. Inzwischen versucht er sich mit immer neuen Büchern als Sprachrohr und Kämpfer für uneingeschränkten und unreflektierten Fortschrittsglauben. Wenn alles nur den ForscherInnen und dem freien Markt überlassen wird, wird alles gut - so sein Credo. Gründe dafür nennt er nicht. Bedenken und Hinweise auf Pannen, Pech und Pleiten des Extrem-Liberalismus wischt er meist einfach als Unsinn weg. Seine Texte haben regelmäßig gar keine Quellenangaben - manchmal steht vielsagend "eigene Recherchen" unter den Texten. Als publizistische Plattformen nutzt Deichmann neben seinem eigenem Blatt NOVO (Wikipedia) nebst dazugehöriger Internetseite die für ihre platte Fortschrittsgläubigkeit bekannten Zeitungen "Die Welt", "FAZ" und "Fokus" sowie die Gentechnikwerbeplattform www.gruene-biotechnologie.de. Träger dieser ist Hessen-Media, eine Einrichtung der CDU-Landesregierung von Hessen. In einem seiner Texte kritisierte Deichmann die Fernsehsendung Report für ihre Enthüllungen über die Konzernkontakte des BVL-Gentechnikchefs Buhk. In dem Text benannte er als wichtigstes Beispiel für eine seriöse Gentechnikforschung ausgerechnet das AgroBioTechnikum - den dubiosestes Gentechnik-Versuchsstandort der Republik.
An Informationen von denen, über die er herzieht, ist Deichmann offenbar interessiert nicht. Am 16.10.2001 verzichtete er auf ein Austauschabo mit einer damals quartalsweise erscheinenen, radikalökologischen Zeitung. Er könne "die Ö-Punkte nicht brauchen", schrieb er lapidar. Offenbar lebt es sich besser, wenn Gegenmeinungen vor der Tür bleiben.
Wer die Ergüsse von Thomas Deichmann vollständig genießen will, ist mit seinem 2009 veröffentlichten Buch : "Warum Angst vor der Grünen Gentechnik?" (Projekte-Verlag Cornelius in Halle) bestens bedient.
Deichmanns Art des Journalismus und seine Positionen zur Agro-Gentechnik sind von InnoPlanta 2009 mit einem Preis gewürdigt worden (siehe dort mit Zitaten aus dem Werk von Deichmann).
- Textübersicht zur Atomkraft und zum Klimaschutz bei Novo
- Infoblatt und viele Zitate zu Thomas Deichmann
Dirk Maxeiner, der Werdegang der Zeitschrift "natur" und frohe Botschaften
Maxeiner kommt aus Ecken, die Ökos eher ein Graus waren. Noch heute feiert er sich als Narr starker Autos - und begann seine journalistische Laufbahn bei der Motorpresse. Im Zuge der Entpolitisierung der Umweltbewegung und einer Orientierung auf Geld, reiche Klientel und profitträchtige Anlagewerte wurde Maxeiner auf wichtige Posten gespült - über die Zeitung Chancen auf den Chefredakteursposten der "natur". Die Zeitung verkam damals endgültig zum Lifestylemagazin. Werbeanzeigen für Atomkraft sind schon lange Alltag des Magazins. Für Maxeiner war das alles aber nur ein Durchgangsstadium. Seine platten Inhalte, unbegründete, aber spektakuläre Polemiken passten besser in Fokus, Welt und Bildzeitung, dazu Manager Magazin, Playboy und andere. Dort ist er heute zuhause. Seine Bücher, die von Vorneherein weitgehend auf Quellenangaben verzichten, verlegt er in renommierten Verlagen. Ebenso wurde er überschüttet mit Preisen. Die gesellschaftlichen Eliten hatten ihren Vorzeige-Öko gefunden und machten Maxeiner (zusammen mit seinem Dauerpartner Miersch) zur Speerspitze eines modernen Umweltschutzes, der die Zukunft vollständig in die Hände eines entfesselten Marktradikalismus und einer profitorientierten Forschung um jeden Preis und ohne jeden Skrupel legt.
Einen Preis für hervorragende Umweltkommunikation des Kommunikationsverbandes Bayern erhielt Maxeiner zusammen mit Michael Gleich (HR-Umweltredakteur) und Michael Miersch - ausgerechnet für das Umweltmagazin Change der Firma Hoechst. Seine Leistung war in der Tat vorbildlich - ein wichtiger Schritt auf dem Weg hin zum Greenwashing, den modernen PR-Strategien der Konzerne, die sich selbst als Vorreiter für eine ökologische Zukunft inszenierten. Menschen mit anderen Meinungen, darunter immer auch alle GentechnikkritikerInnen, beschimpfte er als solche, "die
die Zukunft als Bedrohung empfinden, und ihr im Schutz von
Verboten zu
entkommen trachten. Um ihr statisches Weltbild zu retten, wollen
sie eingrenzen
und bevormunden. Ihre Vorstellung vom Morgen hat den Charme
einer energieoptimierten
Erziehungsanstalt unter der gütigen Führung des Club of Rome." Es gibt aber keine Texte von ihm und seinen Mitstreitern, in denen überhaupt die Argumente von GentechnikkritikerInnen mal erwähnt und analysiert wurden - von eigenen Quellenangaben ganz zu schweigen. Populisten wie Maxeiner brauchen ihre Aussagen nicht zu belegen. Sie schreiben - und die deutschen Zeitungs- und Buchverlage empfangen sie mit offenen Armen. Plattheit bringt Quote.
Im Original: Dirk Maxeiner ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Gentechnik ist super
Aus "Neue Lust auf Zukunft", in: Die Welt vom 11.11.2005 (Fehler im Original)
Technologien, die von grünen Aktivisten abgelehnt werden, tragen Immer häufiger zur Lösung von Umweltproblemen bei. ...
So ist es jetzt zehn Jahre her, dass Bauern erstmals gentechnisch verändertes Saatgut ausbrachten. Heute wachsen diese verbesserten Nutzpflanzen auf riesige Flächen von Indien bis Argentinien, von Kanada bis Südafrika. Eine britische Studie nimmt dieses Jubiläum zum Anlass für eine Bilanz. Ergebnis: Es wurden über 170 000 Tonnen Pestizide eingespart, weil die Pflanzen gegenüber Schädlingen robuster sind. Außerdem fallen in der landwirtschaftlichen Produktionskette weniger Treibhausgase an. Der Effekt über zehn Jahre ist so groß als hätte man fünf Millionen Autos still gelegt. ...
Die ideologisch geprägte Umweltpolitik läuft erkennbar auf ein Dilemma zu: Die eigenen semi-religiösen Überzeugungen stehen der praktischen Lösung der beklagten Probleme immer häufiger im Wege. Die kompromisslose Ablehnung der grünen Gentechnik und der Atomenergie sind nur die auffälligsten Beispiele. Und die Verrenkungen die unternommen werden, um das eigene Weltbild zu retten, werden immer verrückter. ...
Der von den Gewerkschaften IG Bergbau, Chemie und Energie formulierten Positionen zur Grünen Gentechnik, sowie der auch von "Verdi" mitgetragene Vorstoß zur Verlängerung der Restlaufzeiten der Atomkraftwerke zeigen, dass die weltanschaulichen Fronten ins Wanken geraten. Dem Stand der Dinge nach übernimmt eine Physikerin das Kanzleramt und ein Elektrotechniker wird an der Spitze der SPD stehen. Gemeinsam haben sie die Chance die Ressorts Umwelt und Forschung, Verbraucherschutz und Landwirtschaft ideologisch zu entrümpeln und das Land wieder mit Wissenschaft und technischem Fortschritt zu versöhnen. Auch dies wäre ein Schritt um das ökonomische Jammertal zu verlassen.
Aus "Die Revolte der Realisten", in: Die Welt vom 27.05.02
Während Naturschützer und Grüne in der Bundesrepublik die Gentechnik in der Landwirtschaft verteufeln und den Ökolandbau als alleinseligmachend propagieren, fordern prominente internationale Naturschützer einen intensiveren Landbau mit Hilfe der Gentechnik. Nur so könne verhindert werden, dass künftig weitere Wildnisgebiete in Ackerflächen verwandelt werden.
Es wird unmöglich sein, die verbliebenen Wälder und Wildnisgebiete des Planeten zu bewahren, wenn die Menschen bei extensiver oder traditioneller Landwirtschaft bleiben - oder gar zu ihr zurückkehren wollten. Die Experten weisen nachdrücklich darauf hin, dass die Weltproduktion an land- und forstwirtschaftlichen Produkten zur Versorgung der wachsenden Menschheit in den nächsten 50 Jahren schlicht und einfach verdoppelt werden muss. Alle Fortschritte der Biologie, Ökologie, Chemie und Technologie müssten genutzt werden, um den Landwirten, kleinen Bauern und Selbstversorgern der Welt höhere Ernten ohne Umwandlung weiterer Flächen zu ermöglichen. ...
Anstatt die Forschung und Erprobung gentechnisch gezüchteter neuer Pflanzen zu fördern und zu gestalten, versucht man sie hierzulande im angeblichen Interesse der Verbraucher unmöglich zu machen. Die Einführung ertragreicherer und schädlingsresistenter neuer Sorten wird durch politische Schikanen und gezielte Angstkampagnen von Umweltorganisationen nicht nur in Europa, sondern auch in den Entwicklungsländern zurückgeworfen.
Gentechnikgesetz soll Gentechnik behindern - sagen Maxeiner/Miersch. Die Wirklichkeit hat sie widerlegt ...
Aus "Eiserner Verbraucherschutz", in: Die Welt vom 23.06.2004
Vor längerer Zeit hatten wir mal öffentlich vorgeschlagen, den beiden Gentechnik-Pionieren Ingo Potrykus und Peter Beyer den mit 500.000 Euro dotierten deutschen Umweltpreis zu verleihen. Ihr gentechnisch gezüchteter "Goldener Reis" ist reich an Vitamin-A. Weltweit leiden Millionen Kinder an schwerem Vitamin-A-Mangel, viele sterben daran, noch mehr bekommen massive Sehstörungen. Der Goldene Reis könnte viele von ihnen retten. ...
Mit Täuschen und Tarnen und allen parlamentarischen Tricks hat die Regierung ein Paragraphenwerk durchgepaukt, dass vordergründig den herkömmlichen Anbau schützen, tatsächlich aber die Erforschung und Anwendung der Gentechnik in Deutschland unmöglich machen soll. Was geht in den dafür Verantwortlichen grünen Beamten, Staatssekretären und Ministern vor sich? Sie sind vermutlich gut informiert und wissen ganz genau, was die Sicherheitsforschung nunmehr seit über einem Jahrzehnt zeigt: Von gentechnischen Pflanzen geht keine gesundheitliche Gefahr aus, die das Risiko herkömmlicher Neuzüchtungen übersteigen würde. Sie wissen ebenso: In Entwicklungsländern können verbesserte Pflanzen die Not der Menschen und die Zerstörung der Umwelt in vielfacher Hinsicht lindern. Sie wissen überdies: Länder wie Thailand, die auf Reisexport auch nach Deutschland angewiesen sind, werden aus Angst vor Einbussen die dringend benötigten neuen Pflanzen allenfalls zögernd anbauen.
Nicht nur mehr Gentechnik, auch Pestizide sind eine schöne Sache
Aus "Wir sind nicht eine Welt", in: Die Welt vom 27.10.2004
Afrikanische Länder brauchen wirksame und billige Pestizide um Heuschreckenplagen bekämpfen zu können. ...
In der gleichen Woche, in der WWF vor der "globalen Bedrohung" durch Chemikalien warnte, bettelten Regierungen und Hilfsorganisationen aus der afrikanischen Sahelzone um eben solche Chemikalien. Genauer gesagt: um Pestizide.
Dort wütet die größte Heuschreckenplage seit 15 Jahren, die Auswirkungen auf die Ernährung der Menschen sind nach UN-Angaben jetzt schon verheerender als die aller Kriege in Afrika. Die Heuschreckenschwärme sind bis zu 70 Kilometer lang. Millionen von Hektar wurden bereits kahl gefressen. Ein Ende ist nicht absehbar, die Frühjahrsernten in Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Marokko und Algerien gelten aufgrund der ungebremsten Fortpflanzung der Tiere bereits als verloren.
Inzwischen hat die FAO 1,2 Millionen Liter Pestizide bestellt und etwa eine Million Hektar mit Flugzeugen besprüht. Doch das ist teuer und schwierig. Am effektivsten sind die Insekten auszurotten, solange sie noch nicht fliegen können. Das wirksamste und billigste Mittel dagegen wäre das Insektizid Dieldrin gewesen.
Maxeiners wichtigster Partner war und ist Michael Miersch. Der kommt ebenfalls aus der Umweltecke, startete sogar aus eher linkem Milieu, arbeitete als Sozialarbeiter und bei der taz. Über freie Tätigkeit und Beiträge sowie dann fest Mitarbeit im Hessischen Rundfunk kam er zum Magazin Chancen und von da zum wirtschaftsnah gewordenen Blatt natur, wo er dann ein unzertrennliches Paar im Kampf gegen die "Behinderung technischen Fortschritts" und den "Ökologismus" mit Maxeiner bildete (Wikipediaeintrag). Seine Arbeiten wurden mit Preisen überhäuft, darunter auffällig viele Preise für marktwirtschaftliche (Ludwig-Erhard-Preis) und wissenschaftliche Publizistik, welche den Eindruck erwecken, eher das politische Engagement für die Befreiung von Wirtschaft und Wissenschaft aus jeglicher gesellschaftspolitischer Rückkopplung als die inhaltliche Qualität auszuzeichnen.
Im Original: Michael Miersch ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus Michael Miersch, "Hurra, wir werden die Welt retten", in: NOVO 88, Mai/Juni 2007
Ein permanenter Wettbewerb um effizientere Technik wäre die beste Antwort auf Ressourcenabhängigkeit und Klimawandel. Die Chancen dafür stünden am besten, wenn nicht nach deutscher Art von vornherein einige Technologien ideologisch ausgeschlossen würden. Atomtechnologie und Gentechnik könnten wichtige Komponenten einer grünen Zukunft sein.
Kommentar von Michael Miersch in "Die Welt" am 9.9.2010
Wir brauchen die Grüne Gentechnik: Rin in die Kartoffeln
Manchen Gentechnikgegnern ist in ihrem Kreuzzug gegen den Fortschritt jeder noch so fadenscheinige Vorwand recht. Schließlich muss die Welt vor den bösen Genen gerettet werden. Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gehört offenbar zu jener Sorte von Glaubenskriegern, die an wissenschaftlichen Fakten völlig desinteressiert sind. Zum zweiten Mal in diesem Jahr trifft er eine rein symbolische und völlig unsinnige Entscheidung, deren einziger Zweck es ist, eine weltweit angewandte nützliche Technologie aus Deutschland zu verbannen. Nur um sich selbst als eine Art "Markus Söder des Nordens" zu inszenieren, blockiert er den einzigen nach allen unsinnigen Hürden verbliebenen kommerziellen Anbau einer gentechnisch verbesserten Pflanze (die obendrein nur als Industrierohstoff dienen soll, nicht zum Essen).
Der angebliche Grund, warum die Amflora-Kartoffel nun nicht geerntet werden darf, ist eine Nachricht aus Schweden, wo auf einem Amflora-Acker 0,1 Prozent einer anderen Kartoffelsorte entdeckt worden war, die bisher nur für Feldversuche, aber noch nicht zum kommerziellen Anbau zugelassen ist. Jetzt müssen die 14 Hektar Amflora verrotten. Wie schon der Mais, in dem Anti-Gentechnik-Aktivisten im Juni 0,1 Prozent Durchmischung mit einer (in der EU zugelassenen!) gentechnisch erzeugten Sorte entdeckten. "Keiner will oder braucht Amflora", tönt Backhaus. Und verschweigt, dass die Stärkehersteller die optimierte Knolle nur deshalb scheuen, weil sie Angst vor Stimmungsmachern wie ihm haben.
So wird die nächste Technologie zu Grabe getragen, in der deutsche Wissenschaftler hervorragende Pionierarbeit leisteten. Während gleichzeitig bis zu 80 Prozent der Lebensmittel im Supermarkt mithilfe der Gentechnik erzeugt und pro EU-Bürger alljährlich 60 Kilo Gentechnik-Soja importiert werden.
In England musste im 19. Jahrhundert vor jedem Automobil ein Fußgänger laufen und zur Warnung eine rote Flagge schwenken. Die Lobby der Pferdebesitzer hatte diesen berüchtigten "Red Flag Act" durchgesetzt. Im Deutschland erzwingt die Protestindustrie einen "Red Flag Act" nach dem nächsten. Dass ein SPD-Politiker sich vor deren Karren spannen lässt, ist kläglich. Denn in der Sozialdemokratie stand die rote Fahne für etwas anderes: für Fortschritt.
Aus Dirk Maxeiner/Michael Miersch, 2001: "Das Mephisto-Prinzip", Eichborn in Frankfurt
Auch wenn es keiner hören mag: Dagobert Duck, McDonald's und Coca-Cola haben sich um die Arbeiterklasse verdient gemacht. Auf dem kapitalistischen Markt wird individuelle Besitzgier in gemeinnützige Produktivitätssteigerung und Wohlstandsmehrung umgewandelt. ... (S. 12)
Schon der zweite Weltkrieg wurde von einer entschieden antikapitalistischen Bewegung entfacht, den Nationalsozialisten. ... (S. 25)
Fazit: Der Kapitalismus hat in erheblichem Maße verwirklicht, wovon die Sozialisten träumten: Internationalismus, Frieden, Gemeineigentum an den Produktionsmitteln und Wohlstand für alle. ... (S. 26)
1999 in Seattle ... Die hauptberuflichen Bedenkenträger aus der talkenden Klasse wettern bei diesen Gelegenheiten vor jedem hingehaltenen Mikrophon gegen die bösen Globalisierer, und auf dem Buchmarkt stürmen die Antiglobalisierungskampfschriften die Beststellerlisten. Ob "Die Globalisierungsfalle" (Martin und Schumann, Deutschland), "der Terror der Ökonomie" (Forrester, Frankreich) oder "Das Ende der Arbeit" (Rifkin, USA): Ein begeistertes Publikum in Europa kauft, liest, glaubt und erschaudert vor den Grausamkeiten der Weltwirtschaft. In Entwicklungsländern sind die Auflagen nicht so hoch. Das mag daran liegen, daß die Menschen in den aufstrebenden Wirtschaften Asiens und Südamerikas den Welthandel gar nicht so übel finden. In Staaten jedoch, die von erklärten Globalisierungsgegnern regiert werden - Nordkorea und Kuba etwa - ist auch der Buchhandel nicht globalisiert. Dort müssen die Menschen nicht nur auf die Schriften von Forrester, Rifkin und Co. verzichten. ... (S. 45)
Ein bayrisches Ärztekollegium hatte beispielsweise 1832 wissenschaftlich bewiesen, daß Bahnfahren "unausweichlich zu einer Gehirnerkankung führen muß". ... Auch König Ernst August von Hannover, ein Vorfahre ds heutigen "Prügelprinzen", ballte die Faust:"Ich will nicht, daß jeder Schuster und Schneider so schnell reisen kann wie ich" ... Die hoheitliche Argumentation wurde dann eineinhalb Jahrhunderte später basisdemokratisch aufgegriffen, um die Transrapidstrecke nach Berlin erfolgreich zu verhindern. (S. 92)
Aus Dirk Maxeiner/Michael Miersch, 2002: "Die Zukunft und ihre Feinde", Eichborn in Frankfurt
Die Armen würden noch ärmer, weil sie uns noch nicht einmal mehr ihre Rohstoffe verkaufen könnten (geschweige denn technische oder finanzielle Unterstützung erwarten dürften). Ein Prozent weniger Inlandsprodukt in den Industrienationen heißt für die Entwicklungsländer 60 Milliarden Dollar Exportausfall. ... (S. 65)
Öko-Aktivisten fördern ungewollt Unterentwicklung, Armut und Krankheiten. Die Durchsetzung ihrer idologischen Prinzipien untergräbt die Fähigkeit der Menschen, gegenwärtige und künftige Probleme zu lösen ... (S. 139)
Es wird Zeit, die Debatte um die Grüne Gentechnik neu zu führen. Denn bei genauerer Betrachtung ist es keinesfalls so, dass Gentechnikgegner die Moral für sich gepachtet haben. Nicht weil ohne Gentechnik die Menschheit verhungern würde, wie es aus den Propagandaabteilungen der Agrokonzerne tönt. Das trifft - jedenfalls zur Zeit - nicht zu, denn die Potenziale von Flächenerweiterung und konventionellen Züchtungsmethoden sind noch immer nicht ausgereizt. Ein Stopp der grünen Gentechnik wäre aus anderen Gründen verantwortungslos: Er blockiert ökologische Zukunftsoptionen. Noch sind die Fortschritte der Gentechniker im Agrarbereich nicht besonders spektakulär. Aber manche Projekte, an denen Wissenschaftler derzeit arbeiten, könnten drängende Umwelt- und Menschheitsprobleme lösen. Der Goldene Reis ist nur ein Beispiel unter vielen. Dürretolerantes oder salztolerantes Getreide wären für trockene Regionen ein wahrer Segen. Eine wiederkehrende Reissorte, die wie ein Beerenstrauch jede Saison neue Früchte trägt, könnte die alljährliche Bodenbearbeitung überflüssig machen und damit Erosionsprobleme eindämmen. Ertragreichere Sorten retten Regenwälder und Savannen vor der Umwandlung in Ackerland. Denn nur, wenn auf gleicher Ackerfläche höhere Ernten erzielt werden, können die bisher ungenutzen Naturgebiete weiterhin geschont weden. Auch dies ist ein guter Grund, Kulturpflanzen gentechnisch zu verbessern ... (S. 162 f.)
Dass man in den nachholenden Nationen vollkommen andere Vorstellungen von der Zukunft hat als ökologische Oberaufseher aus Deutschland, zeigt einmal mehr Südafrika: "Ein neues Zeitalter der Kernkraft ...", verkündet die südafrikanische Industrie. ... mit den neuen Technologien wäre es später ungleich einfacher gewesen, der Anti-AKW-Bewegung und der Tschernobyl-Hysterie glaubwürdige Argumente entgegenzusetzen. ... (S. 147f.)
Neuere ökologische Erkenntnisse lassen Zweifel daran aufkommen, ob Ökolandbau in jedem Fall die bessere Alternative für Mensch und Natur darstellt. (S. 197)
Aus Dirk Maxeiner/Michael Miersch (1996): "Öko-Optimismus", Metropolitan in Düsseldorf
Auf lange Sicht macht die Konservierung nicht erneuerbarer Rohstoffe keinen rechten Sinn. (S. 313)
Für die Ansprüche kommender Generationen ist die Wachstumsfrage jedenfalls irrelevant. (S. 316)
Als im März 1989 der Tanker Exxon Valdez vor Alaska auseinanderbrach, galt dies als ökologische Mega-Katastrophe. Alle glaubten, daß sich die Natur des betroffenen Prince William Sunds nie wieder erholen würde. Doch nach nur drei Jahren waren die meisten Tiere wieder zurückgekehrt und fühlten sich wohl.
Miersch und Maxeiner in: Zeitschrift Focus 6/2002
"Noch sind die Fortschritte der Gentechnik im Agrarbereich nicht besonders spektakulär. Aber manche Projekte, an denen Wissenschaftler zurzeit arbeiten, könnten drängende Umwelt- und Menschheitsprobleme lösen. Dürretolerantes oder salztolerantes Getreide wäre für trockene Regionen ein wahrer Segen. Eine wiederkehrende Reissorte, die wie ein Beerenstrauch jede Saison neue Früchte trägt, könnte die jährliche Bodenbearbeitung überflüssig machen und damit Erosionsprobleme eindämmen. Ertragreichere Sorten retten Regenwälder und Savannen, denn ohne höhere Ernten auf gleich bleibender Fläche gerät die Natur immer stärker unter Druck. Führende Köpfe des internationalen Naturschutzes begrüßen deshalb die grüne Gentechnik. Nicht Greenpeace und Vandana Shiva, sondern Wissenschaftler wie Beyer und Potrykus haben die Moral auf ihrer Seite. Den Deutschen Umweltpreis verdienen sie für ihre Leistung allemal."
Michael Miersch in einem Interview der "Ö-Punkte", Winter 2001/02 (S. 12)
Die Voraussetzungen für effizienten und langfristigen Umweltschutz sind Wohlstand und wirtschaftliches Wachstum. Dies zeigt sich nicht nur in den alten kapitalistischen Ländern, sondern auch in den schnell aufholenden Schwellenländern. Beispielsweise schreitet in Schwellenländern die „Effizienzrevolution“ (d.h. die Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch) viel schneller voran als in Europa oder Nordamerika. ... Die Globalisierung. Sie verhilft armen Menschen zu mehr Wohlstand.
Michael Miersch, "Bin Laden ist kein Robin Hood", in: Die Welt, 9.10.2001
Die Ursachen von Hunger und Elend können beseitigt werden. Nicht durch internationale Sozialhilfeprogramme, sondern durch die Ausbreitung von Freiheit und Marktwirtschaft.
Michael Miersch in Welt-Online, 18.8.2008
Der größte Erfolg, den die Gentechnik-Labors der KWS bisher verzeichnen konnten, war - gemäß der Firmentradition - eine Rübe: die Roundup-Ready-Zuckerrübe. Obwohl sie erst 2007 in den Vereinigten Staaten auf dem Markt kam, wird sie dort bereits auf 250 000 Hektar angebaut. Ein stolzer Erfolg. Sie ist resistent gegen ein spezielles Unkrautvernichtungsmittel. So kann der Bauer alle konkurrierenden Wildpflanzen auf einmal abtöten, und nur die Rübe bleibt am Leben. ...
Über Monsanto hat inzwischen jeder schon mal etwas gehört, meistens nichts Gutes. Aber wer kennt die KWS? Vorstandssprecher Philip von dem Bussche ist diese Windschattenposition sehr recht. "Die Menschen sollen nicht das Gefühl kriegen, überrollt zu werden", sagt der gelernte Landwirt, dessen Familie heute noch mehrere Agrarbetriebe bewirtschaftet. "Wir führen den Dialog, aber wir werden uns unsere Forschung nicht kaputt machen lassen."
Hetzen, hetzen, hetzen - der journalistische Stil der Marke Maxeiner und Miersch
Kommentar der Marktradikalen Ex-Ökos Dirk Maxeiner und Michael Miersch in: Die Welt, 2.7.2009
Gurus der Gentechnikgegner Vandana Shiva und Percy Schmeiser ... Die beiden genießen bei ihren Anhängern Kultstatus, gelten jedoch unter Wissenschaftlern als Scharlatane. Wer sich eingehender über die Inderin und den Kanadier informiert, stellt fest, dass sie in ihren eigenen Ländern ungefähr so bedeutend sind wie hierzulande der Vorsitzende des Rohkost-Vereins in Hinterpfuiteufel. Doch in Deutschland werden sie auf jedes Podium gehievt, wo sie seit Jahren die gleichen, längst widerlegten Behauptungen über Grünen Gentechnik abspulen.
Aus: Die Frohe Botschaft Nr. 8, Rundbrief von Dirk Maxeiner und Michael Miersch
Maurice Strong, Vorsitzender des Umweltgipfels in Rio 1992 hat die aus seiner Sicht zwölf wichtigsten Schritte vorgeschlagen, mit denen den weltweiten Umweltproblemen am besten begegnet werden kann. Die meisten davon sprechen uns zutirefst aus dem liberalen Herzen. Zum Beispiel Vorschlag Nummer Drei: Behandelt die Erde und ihre Ressourcen als ob sie ein Unternehmen wäre.
Ausschnitte aus der Dankesrede von Michael Miersch auf dem InnoPlanta-Forum am 6.9.2010 nach Erhalt des InnoPlanta-Preises (Abschrift Tonbandmitschnitt, Originalworte in Anführungsstrichen)
Dank der Tageszeitung „Die Welt“ und TransGen, die er als solide Datenquelle selbst benutzt „gute Daten und Fakten ... eine wunderbare Institution“ ... „Raus aus der Defensive“ ... vergleicht Gentechnik mit Eisenbahn und veräppelt dann die Gegner von Stuttgart 21: „Bahnhöfe gehören jetzt auch schon den unverantwortbaren Risikotechnologien“ und vergleicht dann Notwendigkeit zu klaren Ansagen mit dem, was auch bei muslimischen Einwanderern besser nützt ... lobt von der Bussche und Marcinowski (37:16)
Die religiös anmutende Fortschrittsgläubigkeit gilt also nicht nur für die Gentechnik. Da dürfen für den Fortschritt schon mal Bomben fallen: "Doch wer Freiheit und Wandel mehr fürchtet als alles andere, dem hilft auch keine Lichterkette." (Miersch und Maxeiner in: Literarische Welt vom 26.04.2003) Dass sich verarmte Schichten überall in der Welt vor ihren autoritären Regierungen fürchten und zwangsweise ihre Phantasie einsetzen müssen, um mit alltäglichen Geschäften irgendwie das Überleben zu sichern, nennen Miersch und Maxeiner einfach mal "Kapitalismus von unten". Fazit dort: "Das Motto der kapitalistischen Graswurzel-Revolution in den Schwellen- und Entwicklungsländern könnte daher lauten: 'Freiheit kann man essen'." (Die Weltwoche Nr. 43 vom 23.10.2003)
Auf jeden Fall bleibt festzustellen: Bei Maxeiner und Miersch kann mensch Bücherberge durchlesen und Internetseiten in Massen konsumieren, ohne auf Quellenangaben oder Begründungen für die Behauptungen zu stoßen. Auch das ist ein typisches Kennzeichen. So wie etliche GentechnikforscherInnen mit ideologisiertem neu=gut und technisch=fortschrittlich ihren KritikerInnen die Wissenschaftlichkeit absprechen, so hauen Maxeiner und Miersch den GentechnikkritikerInnen immer wieder die Behauptung rein ideologischer Ablehnung um die Ohren. Aber tatsächlich sind sie, wie die Pro-Gentechnik-Wissenschaft auch, selbst die Prototypen solchen Denkens. Wer behauptet, die Kritik an der Agro-Gentechnik "sabotiere damit die Zukunft von Dritte-Welt-Ländern" (und nicht etwa Kriege, Vertreibung, Marktdiktat usw.) und "blockiere vielmehr ökologische Zukunftsoptionen", ohne auch nur ein Argument, geschweige denn eine Quelle zu nennen, ist Ideologe durch und durch. Erstaunlich ist der Erfolg solcher Phrasendrescher. Für die beiden letzten Zitate räumte ihnen die taz am 24.8.2002 Platz für einen umfangreichen Artikel ein. Ihre Bücher sind in etlichen renommierten Verlagen zu finden, die kritische Bücher seit Jahren ablehnen. Die eigene Laune rettet vielleicht, wer sich einredet, das läge nicht am Inhalt, sondern am plakativ-platten Niveau der Texte. Denn in der Literatur ist es ja oft wie in der Musik: Es verkauft sich meist nur gut, was richtig schlecht ist.
Wer mehr genießen will, findet als Internetseiten, an der Maxeiner und Miersch mit Henryk M. Broder und mehreren stark konservativ eingefärbten PolitikerInnen und PublizistInnen arbeitet, die Achse des Guten. Hier herrscht Ideologie pur. Die BetreiberInnen stellen sich auf die Seite der US-Kriegspolitik nach den Anschlägen vom 11. September 2001, um damit eine ihrer Meinung nach gegebene "deutsche und europäische Mentalität der Zurückhaltung" anzuprangern, die sie als „Gutmenschentum“ oder „Appeasement“ bezeichnen. Antifaschisten seien "80%-Kommunisten", selbstverständlich ohne jede Quellenangabe. Nach eigener Darstellung ist die politische Ausrichtung des Weblogs „liberal und prowestlich“ - und auch mit diesen Begriffen bewegen sich die Autoren ausschließlich auf einem ideologischen Parkett (Wikipedia zur Achse des Guten). Die Neue Züricher Zeitung rezensierte Werke des Maxeiner/Miersch-Partners Broder schlicht als "Kampfschriften zur Verteidigung Europas und des Westens".
- Beschimpfungstirade "Bio kann nicht böse seindes Biolandbaus", in: "Die Welt", 9.9.2011
Noch ein Fall: Edgar L. Gärtner
Wer es schafft, Texte voll triefender Ideologie zu verfassen und dabei noch der anderen Seite genau das vorzuwerfen (ohne deren Argumente überhaupt zur Kenntnis zu nehmen), ist Kandidat für den absurdesten Preis in der Agro-Gentechnik: Den Journalistenpreis des Lobbyverbandes InnoPlanta. 2009 erhielt den beim ersten Mal Thomas Deichmann, der mit unfassbaren Dummheiten wie der Absage an einen gleichbleibenden Meeresspiegel und platter Werbung für die Atomenergie in der Tageszeitung "Die Welt" und andernorts auffiel. Ein Jahr später erhielt den Preis ein sehr ähnlich schreibender Kollege, nämlich Michael Miersch. 2011 nannte ZEIT-Redakteur Andreas Senkter Feldbefreiungen "Terror" - das war den Preis wert. Und 2012? Hier kommt ein Vorschlag, der auch an die ersten beiden Preisträger anknüpft, denn die hatten noch etwas Weiteres gemeinsam - sie waren ehemals Aktivisten in linken bzw. Ökogruppen. Das würde auch auf diesen Vorschlag zutreffen: Edgar L. Gärtner. Er war Macher der "Ökologischen Briefe" (zusammen mit Ex-DKP- und -Ökotest-Chef Räuschel), dann Chefredakteur des WWF-Journals und rutschte dann (wie so viele) immer mehr in die Arme der (zahlenden) Industrie. Heute betreibt er www.gaertner-online.de, eine platt-ideologische Kampfplattform für totalen Marktliberalismus. Und hetzt gegen die GentechnikkritikerInnen. Um den schon bestehenden Reigen an Plattitüden zu erweitern, nannte er diese jetzt "kindisch" und befand, dass es "ethisch geboten" sei, die Gentechnik zu nutzen. Seine Texte veröffentlicht er gerne in "eigentümlich frei", einer rechtslastigen Zeitung, die auch ansonsten versucht, die Thesen ziemlich wirrer Leute zu verbreiten, z.B. Thilo Sarrazins.
Also: InnoPlanta-Preis 2012 für Edgar Gärtner. Er steht für alles Dumme, was diesen Preis zu einzigartig macht!
Im Original: Edgar L. Gärtner auf seiner Homepage ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Ausgewählte Gärtner-Sprüche
Wenn die Staatsquote auf zehn Prozent gesunken ist, können wir wieder über Politik reden.
Der Normalzustand der Menschheit ist vermutlich das Mittelalter. Deshalb heißt dieses auch so.
Rechts ist in Deutschland verboten. Also sind wir alle links und der Teufel freut sich.
Linke können zwar im Prinzip, wollen aber nicht klar denken.
Wie kann sich in Europa jemand für kultiviert halten, der die Grundlagen des Christentums nicht kennt?
Deutsche Solarwirtschaft: Dumme auf Dummenfang.
Was Gärtner als Links empfiehlt bzw. auf seine Seite setzt:
Leugner des Klimawandels: Hartmut Bachmann, Liberalismus-Portal.de
Rechte und Verschwörungstheoretiker: Kopp-Verlag, ef-magazin, ZeitGeist, Wahrheiten.org
Anarcho- und Turbokapitalisten: Maxeiner/Miersch, Achse des Guten, Institut für unternehmerische Freiheit, NOVOargumente
Wind- und SolarkraftgegnerInnen: Nationale Anti-EEG-Bewegung (naeb), solarkritik.de, Wind & Crime
Konservative Politik: Vera Lengsfeld, Tageszeitung DIE WELT
Links
Zu Seilschaften und Filz in der Gentechnik
- Eingangsseite ++ Behörden ++ Parteien ++ Konzerne ++ Forschung ++ NGOs, Verbände usw.
Weitere Links
- Emanzipatorische Gentechnikkritik: Gentechnik folgt den Logiken von Macht und Profit!






Beispiel für einseitige Darstellung im Frühjahr 2008: Links unter einem Text zur Feldbesetzung in Groß Gerau - ausschließlich mit Links zu kritischen Beiträgen über Feldbesetzungen und Positionen pro Gentechnik 



