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Forschung und Forschungsförderung
Trends, Ziele und Betrug ++ Uni Gießen und überall

Am Beispiel: AgroBioTechnikum ++ Warum wird gesät? ++ Forschung ist nichts als PR&Macht ++ Universitäten
Forschungsinstitute und Filz + Sicherheitsforschung ++ Links

Annette Schavan am 20. Juli 2007 in Ehingen: Es darf doch in Deutschland nicht so weit kommen, dass man einem Landwirt mehr glaubt als einem Forscher.

Beschweren können sie sich eigentlich nicht, die Firmen und ForscherInnen der Agro-Gentechnik. Obwohl kaum jemand ihre "Erfindungen" will, im Gegenteil fast alle fordern, das sie aufhören mit ihren riskanten Experimenten und sich im Wahlkampf die meisten Parteien kritisch zu dieser als "Wissenschaft" getarnten Entwicklung neuer Produkte und Profitmöglichkeiten (Patente) äußern (um gewählt zu werden), müssen sie nicht darben. Das gilt, obwohl selbst die gentechnikfreundliche Regierungs- und Lobbypropaganda gerechte Verteilung verspricht: "Es darf nie darum gehen, eine Anbauform zu bevorzugen. Alle Anbausysteme müssen ein gleichberechtigtes Existenzrecht haben." (Kommunikationskonzept der Landesregierung Sachsen-Anhalt, Entwurf 4.2.2004) Denn die Praxis sieht anders aus. Die Agro-Gentechnik wird mit staatlichen Geldern aufgepäppelt, dass es sich ForscherInnen und ihre Institute gut gehen lassen können. Ein Vergleich aus dem Jahr 2008 zeigt das sehr deutlich: 7 Mio. € erhielten damals Forschungsprojekte zum ökologischen Landbau, während 165 Mio. € allein aus dem Forschungsministerium in die Biotechnologie flossen. Gelder des Landwirtschaftsministeriums und den Forschungstopf für Energiepfanzenforschung (Biosprit vom Acker) und aus nichtstaatlichen Quellen waren hierbei noch gar nicht mitgerechnet. Bereits diese Geldmittelvergabe zeigt, wie einseitig auf die Gentechnik gesetzt wird. Diese Millionen steuert den Umbau der Landwirtschaft zu einer industriellen Proudktion. Ebenso sind die das Schmiermittel im Umbau universitärer Forschung. Agrarwissenschaften und Biologie sind an den meisten Hochschulen zu reinen Biotechnologielaboratorien und PR-Agenturen verkommen. Für die Idee einer selbstbestimmten und umweltverträglichen Bewirtschaftung von Äckern, Wiesen und Weiden sieht es düser aus.

Im Original: Fördermillionen und ihre Wirkung ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Prof. Inge Broer auf Frage des WDR in der Sendung "Immer Ärger mit Linda" (2006):
Im Moment ist es hauptsächlich Forschung in der Gentechnik, weil es dafür Geld gibt.


Aus einer Pressemittelung des BÖLW am 26.1.2009
„Zwar konnten mit im Schnitt jährlich ca. 7 Mio. € aus Mitteln des Bundesprogramms Ökologischer Landbau wichtige Praxisfragen beforscht werden“, lobte Prof. Jürgen Heß von der Universität Kassel, „aber für notwendige Grundlagenforschung und um den Ökolandbau als innovatives System für eine nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft weiterzuentwickeln, gibt es kein Geld.“ Den Mitteln für die Ökolandbauforschung stehen jährlich allein 165 Mio. € für Biotechnologieforschung durch das Bundesforschungsministerium und 26 Mio. € für die Erforschung nachwachsender Rohstoffe gegenüber: „Das ist eine eklatante Ungleichstellung der verschiedenen Ansätze innerhalb der Agrarforschung“, so Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des BÖLW. Zusätzlich wird die Agro-Gentechnik-Forschung von der Privatwirtschaft finanziert, BASF investiert jährlich allein 133 Mio. € in diesem Bereich.

Das gilt international: Rhonda Janke, Professorin für umweltverträgliche Landwirtschaft, Universität Kansas (mehr)
Nur eine verschwindend geringe Geldmenge geht an umweltverträgliche oder Biolandwirtschaft. Verglichen mit den Unmengen, die zum Beispiel in die Genforschung gesteckt wird, ist das ein winziger Betrag. Selbst wenn sich niemand in Kansas für Genweizen interessierte, würden in dem Gebäude, in dem ich arbeite, mindestens drei oder vier Leute daran arbeiten - nur weil da das Geld steckt. Irgendjemand in der Regierung glaubt, dass Genforschung wichtig ist, deshalb ist dafür Geld da.

Was nun geschieht mit diesen Forschungsmillionen? Wie sieht sie auch, die hochgelobte Freisetzungsforschung in Deutschland? Werfen wir zunächst einen Blick in den wichtigsten Freisetzungsstandort dieses Landes - und hinter seine Kulissen ...

Hinter den Kulissen der Forschungsfelder: Das Beispiel AgroBioTechnikum

Zum AgroBioTechnikum findet sich ein
Text ab Seite 12 der Broschüre "Organisierte
Unverantwortlichkeit" (Infoseite ++ PDF)

Wer von Rostock aus nach Osten fährt und dabei die hier schnurgerade verlaufende B 110 nutzt, kommt nach einigen Kilometern durch ein kleines Waldstück. Danach öffnen sich die landwirtschaftlichen Flächen, auf denen Pflanzenzüchtung Tradition hat. Hier wird seit langem vor allem mit Kartoffeln geforscht. Bedeutende Saatgutkonzerne für diese Pflanze wie Norika und eine Saatgutbank für Kartoffeln arbeiten hier. Just in diesem empfindlichen Raum entstand das zur Zeit größte Freiland-Forschungszentrum für Agrobiotechnologie - mit der Hauptforschungspflanze Kartoffel. Warum sich Saatgutbank und -firmen nicht energische wehren, um ihren Anbau nicht zu gefährden, kann nur vermutet werden - gute Gedanken kommen einem da nicht. Norika zeigt nur seine Angst vor den GentechnikgegnerInnen offen. Auf Schilder am Ackerrand wird darauf hingeweisen, dass ihre Pflanzen nicht gentechnik verändert seien - wohl damit nicht FeldbefreierInnen versehentlich das falsche Gelände attackieren. Ganz unverdient wäre es denn aber auch nicht, denn Norika sitzt genauso wie andere Kartoffelzüchter am Ort selbst in den Gremien der Einrichtung, die die Gentechnik nach Groß Lüsewitz brachte: Das AgroBioTechnikum.

Es ist der zweite "BioPark", also ein Zentrum für Firmengründdungen in der Agro-Gentechnik. Vorher schon entstanden die Firmenensembles am IPK in Gatersleben - auch dort direkt in der Nachbarschaft zu anderen Pflanzenzüchtern und einer Saatgutbank. Das schlechte Beispiel machte also Karriere. 2004/2005 war es dann östlich von Rostock so weit: Das AgroBioTechnikum wurde im Dorf Groß Lüsewitz gebaut und eingeweiht. Als Gründungsimpuls kamen Interessen aus mehreren Ecken zusammen. Den wichtigsten bildeten Inge Broer und Kerstin Schmidt. Das befreundete Tandem aus Agrobiotechnologieprofessorin der Uni Rostock und der sich mit ihrer selbstgegründeten Kleinfirma BioMath GmbH durchschlagenden Mathematikerin gründete einen gemeinnützigen Verein mit klangvollem Namen: "Verein zur Förderung innovativer und nachhaltiger Agrobiotechnologie", abgekürt FINAB e.V. Der nun stieß eine Kampagne an für die Errichtung eines Agro-Gentechnikzentrums in Mecklenburg-Vorpommern und fand Befürworter in der rot-roten (!) Landesregierung - allen voran beim immer nach PR-Effekte suchenden Landwirtschaftsminister Till Backhaus von der SPD. Zentral war "die fruchtbare und vertrauensvolle Kooperation zwischen unterschiedlichen Ministerien, Forschungseinrichtungen und Agrarbetrieben" - eine schöne Umschreibung des Agro-Gentechnikpropagandisten Thomas Deichmann für das enge Geflecht.
Dass alles dem Firmenaufbau und der Propaganda diente, räumten die MacherInnen des AgroBioTechnikums freimütig ein. Auf der Internetseite des koordinierenden Vereins FINAB57, der 1999 gegründet wurde und in der Aufbauphase des AgroBioTechnikums unter dem Vorsitz von Prof. Inge Broer (bis heute) mit; Schatzmeisterin Kerstin Schmidt (bis 2008) stand, hieß es über den Rapsversuch in den Anfangsjahren 2004 bis 2006: „Diese Freisetzung dient einerseits der Etablierung von notwendigem Know-how für die Beantragung und Durchführung von Freisetzungen am Standort Groß Lüsewitz, andererseits als politisches Signal und Präsentation des Dienstleistungsangebotes im AgroBioTechnikum. Gemeinsam mit der Universität Rostock wird an der Etablierung von Analyseverfahren zur Identifizierung und Quantifizierung von gentechnisch veränderten Pflanzen gearbeitet. Diese Verfahren sollen als Standarddienstleistungen im Zentrum angeboten werden.“ Im Klartext: Ein wissenschaftliches Ziel besteht gar nicht. Trotz dieser offen eingeräumten Ausrichtung auf Firmengründung und Werbezwecke erreichte allein dieser Versuch eine Förderung durch das Wirtschaftsministerium von Mecklenburg-Vorpommern in Höhe von 80% des Gesamtvolumens von 628.198 €. Weitere Gelder stammten aus dem BioSicherheitsprogramm und anderen Quellen. Sie gingen an verschiedene Beteiligite im AgroBioTechnikum. Mit solch hoher staatlicher Subventionierung ging es in die Vollen - und gleich auch beim Risiko, denn Raps ist die auskreuzungs- und durchwuchsintensivste Art aller bisher verwendeten transgenen Pflanzen.

Dass hier ein neuer, gut geförderter und bewachter Spielplatz für Gentechnikexperimente entstand, interessierte weitere ProtagonistInnen dieser Branche. Dazu gehörte Joachim Schiemann. Dem war bei einem Freisetzungsexperimente gerade die Versuchsleitung entzogen worden - wegen Interessenskollision, da er schließlich gleichzeitig als unabhängiger Begutachter in Genehmigungsverfahren mitwirkte. Schiemann wirkte als Gründungsmitglied am Aufbau von FINAB und Agro BioTechnikum mit. Welch Zufall, dass der ihm entzogene Versuch dann dort weiter betrieben wurde ...
Schiemann war insgesamt ein nützlicher Partner im Geflecht von Groß Lüsewitz. Denn dass er im staatlichen JKI seit 2005 selbst an Versuchen mitwirkte56, dieses JKI dann Teil des in AgroBioTechnikum wichtigsten Firmenverbundes BioOK wurde, war ebenso praktisch wie seine Mitwirkung an Genehmigungsverfahren als Stellungnahmenverfasser beim JKI und damals auch noch mit Sitz und Stimme in der europäischen Genehmigungsbehörde EFSA.

Im Original: Ziele ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
FINAB zu den Zielen des AgroBioTechnikums
In seinem Gesamtkonzept bildet das Kompetenz- und Gründerzentrum eine Einheit, die durch das synergetische Zusammenwirken der einzelnen Einheiten geprägt ist:
  • Es ist eine Einrichtung zum Transfer wissenschaftlicher Forschung in wirtschaftliche Tätigkeit, in der mit Hilfe der grünen Biotechnologie neue Verfahren, beginnend bei der Züchtung über die Landwirtschaft und Verarbeitung bis hin zum Verbraucherschutz, erforscht und entwickelt werden sollen (FINAB e.V.).
  • Es nutzt als Dienstleistungseinrichtung diese Verfahren im Auftrag anderer Wirtschaftspartner (biovativ GmbH).
  • Es stellt mit dem Technikum europaweit dringend benötigte Kapazitäten zur Verfügung, um die effektive Isolierung wertvoller Inhaltsstoffe gentechnisch oder züchterisch veränderter Organismen in mittlerem Maßstab zu entwickeln und durchzuführen.
  • Gleichzeitig bietet es als Gründerzentrum Raum und Unterstützung für die Ausgründung junger Unternehmen um eine effiziente Überführung innovativer Entwicklungen in die Praxis zu gewährleisten (BVC mbH).
  • Es ist eine Einrichtung zur Verknüpfung von Kompetenzen im Bereich der grünen Biotechnologie und zu anderen Bereichen der Biotechnologie durch FINAB und BioCon Valley.
Für die Gewährleistung der Erreichung der Ziele sorgt ein Beirat aus Landwirtschaftsministerium und Wirtschaftsministerium MV, der Gemeinde Sanitz, dem Betreiber und dem Verein FINAB.

Zur Geschichte auf www.finab.de (Eingangsseite):
Der gemeinnützige Verein FINAB e.V. wurde 1999 mit dem Ziel der Förderung der Agrobiotechnologie in MV gegründet. Wichtiger Meilenstein hierfür war die Errichtung eines Kompetenz- und Gründerzentrums für Agrobiotechnologie. Das AgroBioTechnikum Groß Lüsewitz konnte im November 2004 eröffnet werden. Zeitnah gründete FINAB Ende 2003 seine 100%ige Tochterfirma biovativ GmbH, die am 01.07.2004 ihre Geschäftstätigkeit aufnahm. FINAB und biovativ nutzen seit Beginn 2005 das AgroBioTechnikum für ihre Forschungs- bzw. Dienstleistungstätigkeiten.

Propagandist der Agro-Gentechnik fand Schiemann-Mitwirkung und Seilschaften sogar noch gut!
Aus Thomas Deichmann, "Gentechnikgegner verunglimpfen deutsche Forscher", auf: www.gruene-biotechnologie.de*
Dr. Schiemann wurde vorgeworfen, sich einem "Verein zur Förderung der AgroBiotechnologie" angeschlossen zu haben. In Wirklichkeit wurde dieser, der ED-Redaktion bekannte "Verein zur Förderung Innovativer und Nachhaltiger Agrobiotechnologie in Mecklenburg-Vorpommern" (FINAB e.V.) 1999 mit der Idee der "Vernetzung der agrarwissenschaftlichen und wirtschaftlichen Kräfte im traditionell landwirtschaftlich orientierten Nordosten Deutschlands gegründet". Der Verein erhält Unterstützung der SPD-geführten Landesregierung und genießt hohes Ansehen. Er widmet sich, eigenen Angaben zufolge, klassischen, ökologischen wie modernen biotechnologischen Verfahren in der Landwirtschaft.
*Träger: Hessen-Media, eine Einrichtung der CDU-Landesregierung von Hessen. Seit 2007 eingestellt.

Aus Thomas Deichmann: "Wer hat Angst vor Grüner Gentechnik?" (S. 78 ff.)
Bundesland Mecklenburg Vorpommern, dessen sozialdemokratischer Landwirtschaftsminister Till Backhaus die Grüne Gentechnik ebenfalls fördert und zumindest in diesem Punkt mehr mit seinen ostdeutschen Landeskollegen der Union gemein hat als mit der grünen Landwirtschaftsministerin des Bundes. Auf einer Tagung des Vereins zur Förderung Innovativer und Nachhaltiger Agrobiotechnologien (FINAB e.V.) im vergangenen Mal bezeichnete er die Verweigerungshaltung Berlins hinsichtlich der Pflanzenbiowissenschaften als "falschen Weg", der sich im globalen Welthandel ohnehin nicht einhalten ließe. Backhaus fungierte als Schirmherr der Tagung, die auf dem Gelände der Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) in Rostock abgehalten wurde. Sein Ministerium misst den Aktivitäten von FINAB e.V. große Bedeutung zu.
Der Verein wurde im April 1999 gegründet mit dem Ziel, die agrarwissenschaftlichen und wirtschaftlichen Kräfte im traditionell landwirtschaftlich orientierten Nordosten Deutschlands zu vernetzen und die Tier und Pflanzenzucht im Sinne einer naturschonenden Landwirtschaft in Mecklenburg Vorpommern zu entwickeln. Dabei werden alle verfügbaren Technologien, von der Grünen Gentechnik bis hin zum ökologischen Landbau, vorurteilsfrei einbezogen und das im Westen der Republik politisch heiß diskutierte Konzept der gleichberechtigten Koexistenz verschiedener Anbausysteme in die Praxis umgesetzt. Augenfällig ist auch in Mecklenburg Vorpommern die fruchtbare und vertrauensvolle Kooperation zwischen unterschiedlichen Ministerien, Forschungseinrichtungen und Agrarbetrieben, was maßgeblich auf das unermüdliche Engagement zweier Frauen zurückgeht: der FINAB Vorsitzenden Inge Broer, Agrarökologin an der Universität Rostock, und einer ihrer Stellvertreterinnen, Kerstin Schmidt von der BioMath GmbH in Rostock.
In Sachen Infrastruktur ist Mecklenburg Vorpommern einen Schritt weiter als Sachsen Anhalt. Bereits im März 2002 erfolgte der erste Spatenstich für ein großzügiges Kompetenzund Gründerzentrum für biogene Ressourcen in Groß Lüsewitz etwa zehn Kilometer vor Rostock. Das Kompetenzzentrum soll 30 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche umfassen, dazu werden Gewächshäuser und im angegliederten Gründerzentrum Büro und Laborgebäude errichtet. Bei der Grundsteinlegung des "Bioaktiv" getauften Projekts im September letzten Jahres überreichte Landwirtschaftsminister Backhaus einen Zuwendungsbescheld der Landesregierung über 5,34 Mio. Euro, die in den Bau des Zentrums fließen sollen.


Aus der Studie von Lorch/Then zum AgroBioTechnikum (Stand: 2008)
Auszüge aus Antje Lorch und Christoph Then (2008): "Kontrolle oder Kollaboration? Agro-Gentechnik und die Rolle der Behörden"
Ingesamt scheint in Groß Lüsewitz/Sanitz ein günstiges Klima für die Freisetzung von gv-Pflanzen zu herschen: Seit 2003 fanden hier auch Freisetzungen von gv-Raps durch die Bundesforschungsanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen Quedlingburg (jetzt Teil des JKI), von gv-Kartoffeln durch BASF und von herbizid-tolerantem Mais durch Monsanto statt.
Die Firma biovativ wiederum wurde 2003 als 100%ige Tochter des Vereins FINAB gegründet, mit der Aufgabe das Gewächshaus und die Äcker des von FINAB initiierten AgroBioTechnikum zu betreuen.
Wie bereits festgestellt, ist Kerstin Schmidt die Geschäftsführerin von biovativ. Laut Handelsregister hat die biovativ GmbH nur einen Mitarbeiter. Da Kerstin Schmidt gleichzeitig auch Geschäftsführerin von BioMath und BioOK und im Vorstand von FINAB e.V. ist - und all diese Betriebe und der Verein unter der gleichen Adresse und teilweise unter der gleichen Telefonnummer zu erreichen sind - drängt sich der Verdacht auf, dass es sich hier gar nicht um separate Einheiten handelt, sondern das Konglomerat von Firmen eher dazu dient, die kommerziellen Interessen im Umfeld des Vereins FINAB möglichst undurchsichtig zu gestalten. ...
BioOK GmbH, bei der Kerstin Schmidt ebenfalls Geschäftsführerin ist, soll zukünftig als allgemeine Dachmarke des Konglomerats, bzw. des „Wachstumskern BioOK“ aufgebaut werden: “Der Wachstumskern 'BioOK' etabliert die Ostseeküstenregion Rostock-Schwerin - insbesondere um das AgroBioTechnikum Groß Lüsewitz - als europäisches Kompetenzzentrum für die Analyse, Bewertung und Überwachung von agrobiotechnologischen Produkten und Verfahren. Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft wirken zusammen, um aus Kompetenzen und Erfahrungen in der biologischen Sicherheitsforschung neue, effektivere und kostengünstigere Analyse- und Bewertungsverfahren zu entwickeln und über die BioOK GmbH in einer One-Stop-Agency zu vermarkten.“ (Quelle)
„One-Stop-Agency“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Zulassung und das Monitoring gentechnisch veränderter Pflanzen für die Industrie vereinfacht und verbilligt werden soll. Gefördert wird dies von 2005 bis 2008 mit 4 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). FINAB ist dabei untrennbar mit einem Dienstleister verflochten, der daran interessiert sein muss, dass im Sinne seiner Auftraggeber möglichst wenig umfangreiche und daher kostengünstigeÜberwachungspläne für den Anbau von gv-Saaten entwickelt werden.
Mit Kenntnis dieses – zugegebenermaßen komplizierten - Netzwerkes um die Firmen BioOK, biovativ und Biomath, um den Verein FINAB und der Tatsache, dass ausgerechnet Joachim Schiemann (Leiter der BBA-Abteilung Gentechnik und Biologische Sicherheit und EFSA-Mitglied) 1999 zu den Gründungsmitgliedern von FINAB gehört – erscheint die Art und Weise, wie der Fragebogen für die Firma Monsanto entwickelt wurde, etwas nachvollziehbarer. ...
(S. 27 f.)
So wird die Politik zum Opfer ihrer eigenen Fehler: Sie ist umschlungen von einem fast undurchdringbaren Geflecht von Experten, Consulting-Firmen, Spezialagenturen, Arbeitsgruppen, Initiativen und den vielfältigen Aktivitäten ihrer Beamten, die gemeinsam mit der Industrie sowohl die Risikobewertung als auch die Risikokommunikation organisieren und dabei Politik und Öffentlichkeit zu ihrem Spielball machen.
Im Zentrum des Geflechts findet man dabei selten die großen Firmen selbst, sondern eher „Spezialagenturen“ mit exzellenten Kontakten zu Behörden, Politik, Medien und Konzernen. Sie arbeiten als Tarnkappenstrategen der Industrie, finanziert sowohl durch die öffentliche Hand als auch durch die Wirtschaft, sie haben Netzwerke, Seilschaften und Klüngelrunden auf allen relevanten Ebenen organisiert, die Institutionen der EUMitgliedsstaaten infiltriert und eine weitgehende Definitionsmacht errungen. ...
(S. 37)

Geschichte: Bau 2003-05. Nutzung seit 2005. Initiiert durch FINAB e.V.
Wissenschaftliche Betreuung durch biovativ GmbH. Besitzerin: Gemeinde Sanitz.
Betreiberin: BioConValley. Beirat: Landwirtschafts- und Wirtschaftsministerien Meck.-Vorpommern, Gemeinde Sanitz, BioConValley und FINAB.
Aktivitäten/Teilnahme an Forschungsprojekten: 260 ha landwirtschaftliche Nutzfläche für Freilandversuche, 1000m2 Gewächshausfläche und Lagerhalle für Saat- und Erntegut; 14 Mitarbeiter. Betreuung von Freilandversuchen mit zusätzlichen Serviceleistungen.
Sitz von verschiedenen Laboren und Betrieben. u.a. Labore von biovativ und FINAB, Firmensitz von BioConValley. 2006: Freisetzung zum Studium von Auskreuzungsraten von gv-Raps.
Teilnahme an Lobbyorganisationen: Initierung durch FINAB. Firmensitz von BioConValley.
Finanzierung: durch das Land Meck.-Vorpommern (Landwirtschafts- und Wirtschaftsministerien: 5,43 Mio. Euro), EU und BMBF. Gesamtkosten vermutlich 10 Mio. Euro.

Schaubild mit Verflechtungen der Institutionen im deutschen Gentechnikfilz (Studie von Then/Lorch, S. 32)


Aus Umweltinstitut München, "Gentechnik-Verflechtungen in Mecklenburg-Vorpommern"
Der Verein FINAB ist ein wichtiges Element des Gentechnik-Netzwerks in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Blick in die Mitgliederliste des Vereins zeigt deutlich die Verquickung zwischen Wissenschaft, staatlichen Einrichtungen und Industrie. ...
Ziel des Bündnisses BioOK ist es, führender Dienstleister für die Prüfung und Zulassung von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen in Europa zu werden. Gefördert wird das Projekt BioOK vom Bundesforschungsministerium mit über vier Millionen Euro. Frau Prof. Broer ist sowohl Gesellschafterin von BioOK als auch Gesellschaftervorsitzende der biovativ GmbH, dem kommerziellen Arm des Vereins FINAB, dessen Vorsitzende wiederum Prof. Broer ist. ...
Länderübergreifend, aber ebenfalls an die selben Personen gebunden ist auch ein für 2008 bis 2010 geplanter Freisetzungsversuch mit genmanipuliertem Weizen (siehe dazu www.umweltinstitut.org/genweizen2008) Als Projektleiterin wird im Antrag der Universität Rostock Frau Prof. Broer genannt. An der Freisetzung ist offenbar wiederum die FINAB-Tochter biovativ GmbH beteiligt. Rätselhaft ist dies insbesondere, als biovativ im Antrag der Universität überhaupt nicht genannt wird. Die biovativ GmbH ist das kommerzielle Tochterunternehmen des Gentechnik-Lobbyvereins FINAB. Vorsitzende des Vereins: Frau Prof. Broer, die auch als Gesellschafterin von biovativ fungiert. Allem Anschein dienen auch hier Projektgelder dafür, die eigene Firma mit Aufträgen zu bedienen. ...

Lorch/Then vermuten in ihrer Studie zum Gentechnikfilz intransparente Geldflüsse im Lüsewitz-Rostocker Geflecht:58 „Die Firma biovativ wiederum wurde 2003 als 100%ige Tochter des Vereins FINAB gegründet mit der Aufgabe, das Gewächshaus und die Äcker des von FINAB initiierten AgroBioTechnikum zu betreuen. Wie bereits festgestellt, ist Kerstin Schmidt die Geschäftsführerin von biovativ. Laut Handelsregister hat die biovativ GmbH nur einen Mitarbeiter. Da Kerstin Schmidt gleichzeitig auch Geschäftsführerin von BioMath und BioOK und im Vorstand von FINAB e.V. ist - und all diese Betriebe und der Verein unter der gleichen Adresse und teilweise unter der gleichen Telefonnummer zu erreichen sind - drängt sich der Verdacht auf, dass es sich hier gar nicht um separate Einheiten handelt, sondern das Konglomerat von Firmen eher dazu dient, die kommerziellen Interessen im Umfeld des Vereins FINAB möglichst undurchsichtig zu gestalten.“
Wenig seriös wirkt die fachliche Qualifikation der Hauptperson: Kerstin Schmidt ist als Mathematikerin Drahtzieherin des Aufbaus von Infrastruktur und der Durchführung der Versuche an den zwei wichtigsten Freisetzungsstandorten deutscher Gentechnik - dem AgroBioTechnikum und der BioTechFarm in Üplingen (siehe S. 15).59 Für letztere buchte sie am 28.3.2007 die Internetadresse und kooperiert seit April 2008 als Geschäftsführerin mit der einflussreichen Sachsen-Anhalt-Gentechlobby um den FDP-Politiker und InnoPlanta-Chef Uwe Schrader.
Nicht wirtschaftlicher Erfolg, sondern Förderungen aus staatlicher Hand ermöglichten den Aufbau des AgroBioTechnikums. Die Gesamthöhe der öffentlichen Zuschüsse für die Errichtung der Gebäude und Infrastruktur betrug 9,1 Mio. Euro60), die meisten Mittel stammten vom Land Mecklenburg-Vorpommern. Wie gut müssen dorthin die Kontakte gewesen sein, um 2.103.459 € aus dem Topf „Zukunft für die Jugend in MV“ für Forschungsgewächshaus und Mehrzweckhalle umzuleiten?
Hinzu kamen sätndig laufende Zuschüsse. Im und um das AgroBioTechnikum entstanden etliche Firmen, viele davon mit gleichem Personal. Biovativ bietet gentechnische Arbeiten als Dienstleistung für andere an, der Verein FINAB diente lange als Antragsteller und politisches Sprachrohr. Der Zusammenschluss der wichtigsten Firmen und Institute heißt BioOK - alle drei mit Kerstin Schmidt als Geschäftsführerin. Von 2005 bis 2008 wurde der BioOK-Verbund durch das BMBF mit 4,383 Mio. € gefördert, um „neue, effektivere und kostengünstigere Analyse- und Bewertungsverfahren“ zu entwickeln. Für Projekte, Freisetzungen und Laborversuche flossen Steuergelder an Firmen und Institute des BioOK-Verbundes, die meisten der Gelder gingen an die neu geschaffenen Minifirmen um Broer62 und Schmidt.

Im Original: Geldflüsse aus staatlichen Töpfen ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Auszüge aus dem Artikel "Leere Labore "im Spiegel am 6.10.2008 mit vielen weiteren Hintergrundinformationen
2004 ging es dann auch in Mecklenburg-Vorpommern los - der Lobbyverein "zur Förderung innovativer und nachhaltiger Agrobiotechnologie" (Finab), dem Broer vorsitzt, hatte immer wieder angetrieben. Für zehn Millionen Euro wurde in Groß Lüsewitz östlich von Rostock ein Agrobiotechnikum gebaut - mit einem Schülerlabor für Gentechnik. 260 Hektar Fläche gehören zum Groß Lüsewitzer Anwesen.

Ausgewählte Investitonszuschüsse aus Landes- und Bundesprogrammen60:
  • „Zukunft für die Jugend in MV“ für Forschungsgewächshaus und Mehrzweckhalle: 2.103.459 €.
  • Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ für „Planungsleistungen Gründerzentrum für biogene Ressourcen Groß Lüsewitz“ 21.533 € und für das „Kompetenz- und Gründerzentrum Groß Lüsewitz“: 5.189.200 €.
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung: 983.498,01 € an den Verein zur Förderung innovativer und nachhaltiger Agrobiotechnologie (FINAB e.V.) zur Anschaffung von Geräten.61
Zuschusse für BioOK, aufgeschlüsselt nach EmpfängerInnen im Firmenverbund (siehe auch Abbildung rechts aus der Bundestagsdrucksache 16/6208, S. 3 f. ++ Ausschnitt größer durch Klick):
  • Entwicklung von standardisierten Analyseschemata und Zulassungsdossiers für gentechnisch veränderte Pflanzen: biovativ GmbH, 130.152 €.
  • Pflanzenspezifische Analyseschemata und Zulassungsdossiers: BioMath, 158.619 €.63
  • Optimierung von Anbauverfahren für gentechnisch veränderte Nutzpflanzen - zur Produktion von Pflanzenmaterial mit einheitlichen Inhaltsstoffen - unter Vermeidung von messbarem Pollenflug: biovativ GmbH, 207.204 €.
  • Analytischer Nachweis von Summenparametern und Einzelkomponenten, Teilprojekt 1: Uni Rostock, 677.765 €.
  • Analytischer Nachweis von Summenparametern und Einzelkomponenten, Teilprojekt 2: BIOSERV GmbH, 261.347 €.64
  • Entwicklung eines schnellen in vivo Verfahrens zur Detektion geringer Einflüsse transgenkodierter Proteine auf Mikroorganismen und Stoffflüsse im Boden, Teilprojekt 1: Uni Rostock, 270.838 €.
  • Entwicklung eines schnellen in vivo Verfahrens zur Detektion geringer Einflüsse transgenkodierter Proteine auf Mikroorganismen und Stoffflüsse im Boden, Teilprojekt 2: Steinbeis Transferzentrum, 245.461 €.
  • Entwicklung eines standardisierten Labortests für Dungkäfer zur Prüfung der Umweltverträglichkeit von verfütterten transgenen Pflanzen, BTL GmbH, 155.009 €.65
  • Entwicklung einer Methode zur Detektion des Einflusses transgener Pflanzen auf Ökosysteme auf der Basis von Veränderungen des Genoms responsiver Viren sowohl in Pflanzenmaterial als auch ihren Vektoren. Teilprojekt 1: BTL GmbH, 247.102 €.
  • Entwicklung einer Methode zur Detektion des Einflusses transgener Pflanzen auf Ökosysteme auf der Basis von Veränderungen des Genoms responsiver Viren sowohl in Pflanzenmaterial als auch ihren Vektoren. Teilprojekt 2: BAZ Quedlinburg (jetzt JKI), 238.058 €.
  • Entwicklung einer in-vitro-Methode zur Simulation von Verdauung und Resorption: Broer/Uni Rostock, 927.887 €.
  • Entwicklung von Anreicherungsverfahren und Testsystemen zum quantitativen Nachweis von Substanzen in transgenen Pflanzen: BIOSERV GmbH, 224.600 €.
  • Entwicklung von Analyseverfahren zur Toxizität von gv-Pflanzen: Primacyt GmbH, 77.110 €.
  • Entwicklung von Analyse- und Bewertungssystemen zur Ermittlung einer potenziellen Allergenität von gv-Pflanzen: BIOSERV GmbH, 414.218 €.
  • Entwicklung und Umsetzung von Modellen zur Unterstützung bei der Erstellung von Freisetzungsanträgen und Überwachungsplänen für ein anbaubegleitendes Monitoring von gv-Pflanzen: BioMath GmbH, 150.237 €.
  • Polymerenproduktion in transgenen Kartoffelknollen (2007-08). Teilprojekt 1: Broer/Uni Rostock (263.853 €), Teilprojekt 2: biovativ (94.369 €). Weitere Projektpartner: Uni Bielefeld, Eberhard-Karls-Uni Tübingen, Norika Nordring-Kartoffelzucht und VermehrungsGmbH. Gesamt: 693.783 €.66
Neben diesen Steuergeldern fließen Mittel der Gentechnikkonzerne nach Groß Lüsewitz. Die BASF engagierte sich auch direkt und schützte 2009 die Versuchsfelder durch eine beauftragte Wachfirma. Deren Bedienstete verwiesen bei Nachfrage auf die Firma BASF als Auftraggeber und verteilten deren Propaganda.


Abb.: Bundestagsdrucksache 16/6208, S. 3: Gesamtsumme und biovativ als Koordinator. Weitere

Aus einem Interview mit Inge Broer, in: Volksstimme am 4.8.2009
Volksstimme: Was haben Ihre Kartoffelversuche bisher gekostet und wer bezahlt sie ?
Broer: In die Entwicklung der Biopolymer-Kartoffel zur Biopolymerproduktion sind bisher etwa zwei Millionen Euro geflossen. Für die beiden anderen Linien waren es jeweils geringere Beträge. Die Gelder kamen zum größten Teil vom Bundesforschungsministerium, außerdem vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz.


Aus der Landtagsdrucksache 06/1673 vom 11.8.2008 (Hinweis: Die Anfrage stammte von NPD, die keine emanzipatorische Gentechnikkritik vertritt. Im folgenden wird aus der Antwort der Landesregierung zitiert, also nicht aus dem Text der NPD)
Eine finanzielle Unterstützung durch die Landesregierung erfolgte im Rahmen der Errichtung des Kompetenz- und Gründerzentrums für biogene Ressourcen Groß Lüsewitz (jetzt AgroBioTechnikum).
Die Errichtung des Teilobjektes Gründerzentrum wurde im Jahr 2002 mit einer Zuweisung an die Gemeinde Sanitz aus Kapitel 1102 Titel 883.08 des Landeshaushaltsplanes 2002/2003 in einer Höhe von 604.568 € unterstützt.
Aus dem Fonds „Zukunft für die Jugend in MV“, Kapitel 0802 Titel 883.07, wurden für das Teilprojekt Kompetenzzentrum (Forschungsgewächshaus und Mehrzweckhalle) in den Jahren 2002 - 2004 insgesamt 2.103.459 € bewilligt und ausgezahlt.
Auf der Grundlage der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ wurden die Vorhaben „Planungsleistungen Gründerzentrum für biogene Ressourcen Groß Lüsewitz“ im Jahr 2001 mit 21.533 € und „Kompetenz- und Gründerzentrum Groß Lüsewitz“ im Jahr 2002 mit 5.189.200 € gefördert.
Der Landesregierung ist darüber hinaus bekannt, dass durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Errichtung des Kompetenz- und Gründerzentrums dem Verein zur Förderung innovativer und nachhaltiger Agrobiotechnologie (FINAB e. V.) im Jahr 2001 983.498,01 € zur Anschaffung von Geräten bewilligt und ausgezahlt wurden, die jetzt im AgroBioTechnikum genutzt werden.

Und noch eine Finanzquelle sponsort das El Dorado für Gentechnikfirmen und Fördermittelempfang: Obwohl es sich wohl kaum um einen landwirtschaftlichen Berieb handelt, kassiert die FINAB-Tocher biovativ 74.166.46 € an Flächenprämien, also als allgemeine Agrarförderung.


Aus dem Register der Agrarsubventionen für 2008

Geld ist das Hauptmotiv für die Aktivitäten am AgroBioTechnikum: „Im Moment ist es hauptsächlich Forschung in der Gentechnik, weil es dafür Geld gibt“, räumte Inge Broer 2006 freimütig ein. Minister Backhaus nannte weitere Gründe: „Gute Ergebnisse in diesem Bereich sind für die Landesregierung und für mich als Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz die besten Argumente sowohl gegenüber dem Bund als auch innerhalb des Landes, mich für den Erhalt der Agrarwissenschaften in der Universität Rostock, aber auch ganz aktuell für den Erhalt zumindest eines Teils der Bundesforschungsanstalt hier in Groß Lüsewitz einzusetzen.60
Broer, Schmidt und Umfeld, ebenso aber auch Minister Backhaus träumen seit 2007 von einer großen europäischen Agentur für Biotechnologie, die der Region um Rostock den Glanz eines bedeutenden Forschungsstandortes verleihen soll: „Der Wachstumskern ,BioOK' soll sich in der Küstenregion Rostock-Schwerin - insbesondere um das AgroBioTechnikum Groß Lüsewitz - als ein europäisches Kompetenzzentrum für die Analyse, Bewertung und Überwachung von agrobiotechnologischen Produkten und Verfahren etablieren“.68

Das Wohl der Menschen vor Ort spielt in den abenteuerlichen und teuren Phantasien des Standortpokers keine Rolle. Ganz im Gegenteil: So einige Bemerkungen weckten Erinnerungen an den autoritären Bayernführer Franz-Josef Strauß, der vor vielen Jahren eine atomare Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf für durchsetzbar hielt, weil "der Standort Wackersdorf in einem Raum mit industriegewohnter Bevölkerung liegt". In einer Regierungsbroschüre zur BioRegion im Nordosten wird ähnlich argumentiert und das ablehnende Votum der Gemeinde Thulendorf schlicht übergangen mit der Behauptung: "Die Bürger Mecklenburg-Vorpommerns stehen den wachsenden Chancen und neuen Entwicklungen äußerst offen gegenüber." Das in Genehmigungsbehörde geschummelt wird und die durchwinkenden Beamten mit der Industrie verfilzt sind, wird zum Standortvorteil für Mecklenburg-Vorpommern: "Deshalb sind die Genehmigungsverfahren nach dem Gentechnikgesetz äußerst kurz."

Im Original: Bevölkerung für blöd verkauft ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Mecklenburg-Vorpommern als Gentechnik-Vorzeigeland, weil Bevölkerung hier unkritisch?
Aus: BioRegionen in Deutschland. Bundesministerium für Forschung und Bildung, Berlin 2004
BioCon Valley® ist das fruchtbare Milieu einer innovativen Biotechnologie- und Wissenskultur. Die Bürger Mecklenburg-Vorpommerns stehen den wachsenden Chancen und neuen Entwicklungen äußerst offen gegenüber. Sie begleiten sie kritisch, aber unvoreingenommen. Deshalb sind die Genehmigungsverfahren nach dem Gentechnikgesetz äußerst kurz.

Kritik an Agro-Gentechnik geht am Arsch vorbei: Universität Rostock und Biotechfirmen legen auch 2010 Felder an
Aus " Gen-Pflanzen: Forscher lassen die Proteste kalt", in: Ostseezeitung, 24.4.2010
Die Kritik an Gentechnik auf Äckern in Mecklenburg-Vorpommern wird schärfer – die Universität Rostock will aber trotzdem auch in diesem Jahr wieder Freisetzungs-Versuche starten. Nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurden den Rostocker Genforschern Genehmigungen für den Anbau von genveränderten Kartoffeln, Weizen und Petunien erteilt. ...
Die befürchtete Verbreitung von genveränderten Pflanzen ist längst Alltag, melden der Öko-Bauerverband Bioland und Greenpeace. Die Zukunft des Bio-Anbaus sei dadurch gefährdet. Bei staatlichen Kontrollen von importiertem Saatgut für den Maisanbau dieses Frühjahrs seien in sieben von 13 Bundesländern gentechnisch verunreinigte Proben festgestellt worden. Mecklenburg-Vorpommern gehört mit Niedersachsen und Sachsen-Anhalt zu den einzigen Ländern, die diese Angaben geheim halten, so Bioland-Sprecher Gerald Wehde. Warum das so ist, konnte das Schweriner Landwirtschaftsministerium gestern nicht erklären. Der zuständige Mitarbeiter sei auf Dienstreise.
Bioland wirft Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) Totschweigen vor. 2007 bauten Bauern aus MV auf 800 Hektar gentechnisch verunreinigten Raps an. Ohne es zu wissen, sie hatten das Saatgut in gutem Glauben gekauft. Auch andere Länder waren betroffen. Backhaus weigere sich, mitzuteilen, um welche Flächen es sich handelt, so Bioland. Der Öko-Verband klagte auf Bekanntgabe und gewann. Der Erfolg lässt aber auf sich warten. „Wir warten immer noch auf die Daten“, sagt der Bioland-Sprecher.

2009 erwärmte sich auch Bundesforschungsministerin Annette Schavan für den Größenwahn an Uni Rostock und AgroBioTechnikum: „In Groß Lüsewitz bei Rostock arbeitet eine Arbeitsgemeinschaft von Wissenschaftlern und regionalen Unternehmen in dem Projektverbund BioOK an der Standardisierung von Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Pflanzen und könnte dabei auf dem Gebiet der Sicherheitsforschung zum Weltmarktführer avancieren. ... Die beiden Alpha-Frauen Schawan und Broer tragen somit entscheidend dazu bei, dem strukturschwachen Agrarland Mecklenburg-Vorpommern eine neue Perspektive als Forschungsstandort zu verschaffen.69 BioOK wurde in den ersten Jahren vom BMBF zu 75% gefördert, die Folgefinanzierung betrug 50% der Kosten.
Die großen Summen an Fördergeldern für die Firmengeflechte mögen für Propaganda, beteiligte Personen und klamme Uni-Institute nütztlich gewesen sein. Dem AgroBioTechnikum selbst halten sie wenig. Schon drei Jahre nach dem Startk geriet es in eine wirtschaftliche Schieflage. Ein Großteil der Labore und Büroflächen stand 2008 leer.30 Der Träger BioCon Valley70 zog sich aus Groß Lüsewitz zurück. Daraufhin übernahm die vom Land Mecklenburg-Vorpommern getragene Landgesellschaft M-V die Trägerschaft - erneut sprang der Staat der nach Geldquellen gierenden, aber bei den meisten Menschen unerwünschten grünen Gentechnik zur Seite. Profitiert haben die Gentechnik und das Geflecht der Firmen, während für die Region keinerlei positive Impulse in Form dauerhafter Investitionen oder Arbeitsplätze heraussprangen. Gleichzeitig stieg der Druck von AktivistInnen, Umweltgruppen, AnwohnerInnen und den politischen Gremien aus der Nachbargemeinde Thulendorf, auf deren Gebiet einige der Versuchsfelder liegen. Der dortige Gemeinderat sprach sich schließlich einstimmig gegen die Versuchsfelder und für die Kündigung eines Pachtvertrages aus. AnwohnerInnen beteiligten sich 2009 an Protesten gegen die Freisetzungen, die bis an die Gärten des Ortes Sagerheide heranreichten. Weiterhin setzten sich der mecklenburg-vorpommersche SPD-Landwirtschaftsminister Backhaus und seit 2009 neu auch die Bundesforschungsministerin Annette Schavan dafür ein, die gentechnische Forschung am AgroBioTechnikum weiter auszubauen.71
Die wirtschaftlichen und politischen Probleme der Gentechnik-Seilschaften sind trotz Steuergeldern, 74.144,46 € landwirtschaftlicher Flächenpremie71 und Polizeitruppen groß. Die Gelder versickern in den dubiosen Firmengeflechten, während sich die Standorte kaum lange halten können. Broer und Schmidt baden ihre Hände aber in Unschuld: „Den Vorwurf einer Interessenkollision weisen beide von sich. Bei der Efsa hätten sie nur beratende Funktion. Sicher profitiere sie von Förderung, so Kerstin Schmidt. ,Aber daraus habe ich in den letzten drei Jahren mehr als 20 Arbeitsplätze geschaffen.' Inge Broer sagt, die entstandenen Netzwerke seien notwendig, aber ,kein Filz'. Vom Forschungsministerium gebe es nur Geld, wenn die Industrie beteiligt sei.“30 Auch der Filz im Kleinen hilft: Die Gemeinde Thulendorf wird bei ihren ablehnenden Beschlüssen vom Amt Carbäk ausgebremst. Deren Chef, Dr. Ernst Schmidt, befürwortet als SPD-Fraktionschef im Kreistag die Gentechnik. Nachdem das IPK in Gatersleben als Freisetzungsfläche verlorenging und der politische Druck auch am AgroBioTechnikum zunahm, wurde einerseits der Firmenverbund BioOK zum neuen Stern am Himmel deutscher Gentechnik. Außerdem fanden die Seiltschaften 2008 einen neuen Ort für ihre riskanten Freisetzungen. Das Stiftsgut Üplingen in der Magdeburger Börde beherbergte bereits 2009 mit 9 Versuchen die größte Zahl solcher Freisetzungen ...

Was wird geforscht? Mais, Kartoffel, Petunie und mehr am AgroBioTechnikum

Was passiert mit all dem Geld? Neben dem Aufbau von Infrastruktur sind es vor allem die Versuchsfelder. Waren die anfangs noch auf verschiedene Äcker rund um Sagerheide und im nördlichen Gemarkungsgebiet von Lüsewitz verteilt, so wurden sie aus Sicherheitsgründen immer mehr auf eine großbewachte Fläche zusammengelegt, bis ab 2010 alle Versuchsfelder am nordöstlichen Ortsrand des kleinen Dorfes Sagerheide lagen (siehe rechts die Karte der Felder: Rot unterlegt wurde der Ort Sagerheide, gelb die Ackerflächen mit dem schraffierten Versuchsgelände, grün ist Wald). Der Gemeinderat dort hatte sich zwar einstimmig gegen die Experimente ausgesprochen, aber die Meinung der Menschen vor Ort interessierte die Agro-GentechnikerInnen noch nie. So standen dort mehrere Felder mit sehr unterschiedlichen Pflanzen. "In allen Fällen geht es um Sicherheits- und Begleitforschung", verkündete die Internetseite der Betreiberfirma biovativ. Das bedeutet dreierlei. Erstens geht es um richtig viel Geld, denn die Förderungen aus dem Biosicherheitsprogramm liegen immer bei einigen Hunderttausend Euro. Da jedes Jahr mehrere Felder auf dem Versuchsgelände liegen, kommt schon ein beachtlicher Jahresetat zusammen. Zweitens sind die Felder überwiegend schlicht Betrug bzw. Unterschlagung. Denn laut biovativ sei bis auf eine Ausnahme "bei keiner dieser Pflanzen daran gedacht, sie in den nächsten Jahren als Produkte auf den Markt zu bringen." Genau das fordert die Förderrichtlinie des Programms aber: "Freisetzungsbegleitende Untersuchungen sollen sich ausschließlich auf gentechnisch veränderte Pflanzen beziehen, deren Anwendung in Deutschland erwartet wird bzw. deren Freisetzung bereits erfolgt." Drittens sind Sicherheitsversuche die riskantesten Felder in Deutschland. Die Begründung ist einfach: Hier werden bislang unbekannte Genkonstrukture in die Umwelt ausgebracht. Für diese liegen bislang keinerlei Daten über ihre Wirkung in der freien Natur vor noch sind überhaupt Nachweismethoden entwickelt worden. Während z.B. zum Bt-Mais MON810 inzwischen viele Studien vorliegen und ein einfacher Nachweis-Teststreifen für 5 € zu haben ist (was die Pflanze nicht ungefährlicher macht), so laufen viele der Biosicherheitsversuche mit mehrfach veränderten Pflanzen. So stehen auf den Versuchsfeldern am AgroBioTechnikum jedes Jahre mehrere Pflanzenarten mit sehr verschiedenen gentechnischen Veränderungen herum - z.B. über 500 veränderte, unterschiedliche Kartoffelsorten und -linien der Firma BASF. Sie verschwinden nach der Testserie meist wieder aus den Laboren. Die Entwicklung einer Nachweismethode lohnt daher nicht. Ob sie sich allerdings während bzw. nach der Freisetzungsperiode draußen in die freie Natur hinausgemogelt haben und sich dort nun munter weiter verbreiten, bleibt unbekannt. Der LL601-Reis, der es von Versuchsstandorten über die ganze Welt schaffte, wurde nur durch Zufall eines Tages entdeckt. Ob das eine oder andere Bier, das mensch trinkt, bereits die Erlanger-Gießener-Genkonstruktre enthält oder im einen oder anderen Kartoffelsack ein Rostocker oder BASF-Konstrukt enthalten ist - wir werden es voraussichtlich nie erfahren!
So oder so stand also eine bunte Vielfalt von Versuchsfelder in der Landschaft östlich von Rostock. Die folgende Tabelle zeigt eine Übersucht der Jahre 2005 bis 2008. Zu sehen sind sehr unterschiedliche Pflanzen. Kann eine Forscherin und ein kleines Firmengeflecht an so vielen Pflanzen gleichzeitig forschen? Nun - zumindest tut sie es nicht. Die Felder stehen überwiegend unberührt herum. Aussaat, Ernte, vielleicht noch eine Feldbefreiung zwischendurch - das wars. Vielmehr geschieht auf den Flächen nicht, berichteten Wachschutz und NachbarInnen übereinstimmend. Gibt es diese Versuche überhaupt? Der Verdacht bestätigt sich beim Versuch, Ergebnisse der Forschungen herauszubekommen. Es ist nämlich übliche wissenschaftliche Praxis, Forschungsergebnisse in renommierten Fachzeitschriften zu veröffentlichen, um die Erkenntnisse zugänglich zu machen und einer kritischen Analyse zu unterwerfen. Zu den Versuchen von Uni Rsotock, FINAB und anderen aber hilft das Wühlen in Magazinen, Internet oder Bibliotheken nichts: Es gibt keine Ergebnisse - außer dem für die Forschungsmittel erforderlichen Endbericht an die Mittelvergabestelle. Die gentechnische Forschung am AgroBioTechnikum ist Show und Betrug. Es gibt sie nicht. Warum aber stehen dann die Felder da? Das soll das folgende Kapitel klären ...

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Auf der Internetseite der die Versuche ausführenden Firma biovativ (Geschäftsführung: Kerstin Schmidt) heißt es:
In 2009 sind in Groß Lüsewitz mehrere Freisetzungsversuche geplant. Bei den gentechnisch veränderten Pflanzen handelt es sich um Prototypen, bei denen verschiedene Fragestellungen untersucht werden sollen. In allen Fällen geht es um Sicherheits- und Begleitforschung. Bis auf eine gentechnisch veränderte Kartoffel ist bei keiner dieser Pflanzen daran gedacht, sie in den nächsten Jahren als Produkte auf den Markt zu bringen. Einige dieser Versuche werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms "Biologische Sicherheitsforschung" gefördert.


Freisetzungsregister aller 2010 möglichen Felder (durchgestrichen: MON810, da verboten) ++ größer: Anklicke
Unten: Hinweisschild am Feld 2010 - danach sind es deutlich weniger Versuchsfelder.
1.4.2010 wurde ein weiterer Versuch mit gv-Kartoffeln genehmigt


Zu den Versuchsfeldern 2009:
2009er-Schild (von Unbekannten mit neuem Titel versehen)
Der Umgang mit Kritik

"Alles Lüge" sagte Prof. Inge Broer einem Nachbar der Versuchsfelder, der ihr die Broschüre "Organisierte Unverantwortlichkeit" entgegenstreckte. Eine Feldbesetzung wurde 2009 gerühmt, AktivistInnen mit gerichtlichen Verfügungen und Strafverfahren überzogen. Stramm an der Seite der Gentechnik-Seilschaften standen und stehen Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte in Rostock. KritikerInnen werden drangsaliert, die FeldbetreiberInnen hingegen geschont. Auch Meinungsfreiheit scheint bei den GentechnikerInnen nicht besonders geschätzt zu werden. Eine kritischer Vortrag über Seilschaften an der Universität Rostock wurde verboten. Als der dann an einen anderem Ort verlegt wurde, besuchten über 20 Studierende und Hauptamtliche der Uni den Vortrag und versuchten, diesen durch ständiges Nachfragen und Pöbeln zu verhindern - was nicht gelangt, aber den Ablauf um 1,5 Stunden verzögerte. Der Versuchsleiter des Feldes mit zur Überwinterung eingegrabenen gv-Kartoffeln, bezeichnete Biolandwirte als "Hobbybauern", StudentInnen mit abweichender Meinung mehrfach als "dreimal dumm" und beleidigte schließlich den Referenten, bei ihm seinen wohl die „Synapsen durchgebrannt“.

Im Original: Störung bei kritischem Vortrag ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Foto: Kurz vor dem Beginn - es kamen noch etliche mehr

Doch Vielfalt und Intensität des Protesten begannen schließlich doch, Wirkung zu zeigen. 2010 verabschiedet ein Parteitag der SPD in Mecklenburg-Vorpommern erstmals eine klare Position gegen die Agro-Gentechnik - und zwar gegen alle Felder. Landwirtschaftsminister Backhaus ist SPDler. Ist die Verlagerung der Aktivitäten ins sachsen-anhaltinische Üplingen auch eine Voraussicht auf das Ende der Hochburg in und um Rostock.

Im Original: Störung bei kritischem Vortrag ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der Ostseezeitung vom 26.4.2010
In der anschließenden Diskussion wurden einige Änderungen an dem vom Parteivorstand eingebrachten Leitantrag vorgenommen. ... Auch die Ablehnung des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen wurde eingefügt.

Nordkurier am 24.7.2010
Für das Gesundheitsland MV, für diesen wichtigen Agrarstandort, brauchen wir die Gentechnik eigentlich nicht. ...
Doch dann wieder da gleiche Spiel: Obwohl niemand sie braucht, sollen ihre Wirkungen erforscht werden ...
Wir haben es mit Ideologie zu tun. Die einen sagen, Gentechnik ist das heilsbringende, die anderen sagen, das ist Teufelszeug. Ich komme immer mehr zu der Erkenntnis, dass bei einem großflächigen Anbau die Frage der Koexistenz nicht zu lösen ist. Die Wahlfreiheit für Erzeuger wie Konsumenten, gentechnikfreie Produkte zu erzeugen bzw. zu konsumieren, kann somit kaum durchgesetzt werden. Aber wir müssen forschen dürfen. Denn, wie sich die Gentechnik langfristig auswirkt, da gibt es viele offene Fragen.

Warum gibt es die Versuchsfelder?
  3 Gründe, warum Millionen Euro rein- und Millionen Pollen rausgehen ...

Nur auf dem bundeseigenen Versuchsfeld in Braunschweig entsprechen die beobachteten Handlungen von WissenschaftlerInnen zumindest teilweise dem behaupteten Forschungszielen. Auf vielen anderen Äckern hingegen finden ganz andere Experimente als die im Genehmigungs- und Fördermittelantrag angegebenenern statt. Noch häufiger liegen die Felder das ganze Jahre bewacht, aber unbeachtet herum - besucht höchstens von Menschen, die geschickt und nächstens der Bewachung ein Schnippchen schlagen und dann die Versuchsflächen von ihrer gentechnisch veränderten Pflanzendecke befreien. Auf den meisten deutschen Versuchsfeldern finden kaum oder gar keine wissenschaftlichen Untersuchungen statt. Was aber sind dann die Motive, solche Felder anzulegen?

1. Felder anlegen oder Taxi fahren - ForscherInnen als OpportunistInnen des Geldes

Eines ist schon genannt: Geld. Aber es klingt noch ein wenig schöner, wenn es aus dem Mund der GentechnikerInnen selbst kommt: "Im Moment ist es hauptsächlich Forschung in der Gentechnik, weil es dafür Geld gibt", sagte Inge Broer, Uni Rostock/AgroBioTechnikum 2006 in der WDR-Sendung "Immer Ärger mit Linda". Drei Jahre später wurde sie befragt, ob sie nicht auch zu anderen Formen der Landwirtschaft forschen würde. Ja, das würde sie gern, antwortete sie 2009, doch "bis jetzt erhalten wir aber leider nur Mittel für Versuche an gentechnisch veränderten Pfanzen." Das ist Klartext - und nicht die einzige Bemerkung dieser Art. Stefan Rauschen , das Pendant von Inge Broer als Versuchsleiter an der RWTH Aachen kündigte ebenfalls 2009 zur Frage, was er ohne die Fördermittel für sein Institut machen würde, an: "ein neues Thema suchen, oder auswandern. Oder Taxi fahren."
Das zeigt deutlich, dass Forschungsfreiheit vor allem die Freiheit zur finanziellen Abhängigkeit ist. ForscherInnen der Agro-Gentechnik sind nichs als Geld-OpportunistInnen. Agrarhuren nannte mensch die früher - aber das ist eine unzulässige Beleidigung von Prostituierten, die einem Job wie andere nachgehen und Geist und Körper verkaufen wie andere als LehrerInnen, AnwältInnen, MauererInnen usw. auch. Die GeldopportunistInnen mit Professor- und Doktortitel aber bauen die Aura einer Unabhängigkeit auf. Das aber ist nichts als Lüge - auch wen Rauschen seine Abhängigkeit trotz Angst vor dem Schicksal als Taxifahrer nicht begreifen wollte, als er naiv fragte, "wie man unabhängiger sein soll, als wir? Vom Steuerzahler bezahlt, im öffentlichen Auftrag? Und wie man kritischer sein können soll, als wir?".

Falsch ist die Ansicht, dass vor allem Firmengelder die Agro-Gentechnik an Universitäten und in Forschungsinstituten schmieren. Es ist bei der Agro-Gentechnik der Staat, der Grundfinanzierungen zurückgefahren und zweckgebundene Förderprogramme ausgebaut hat. "Alle Mitglieder meiner Arbeitsgruppe, inklusive mir selbst, werden also durch Forschungsmittel finanziert, die letztlich aus dem Steueraufkommen des Bundes stammen", so Stefan Rauschen. So sind es die Regierungen selbst, die die Reste von Unabhängigkeit in der Wissenschaft zerschlagen haben, um diese dann ökonomisch zu dem zwingen zu können, was sie als nationale Standortpolitik für richtig hielten und halten. Die Gentechnikindustrie betonte im Stöhnen über zurückgehende Förderungen aus der Industrie: "Lediglich der Anteil an öffentlichen Fördermitteln ist seit vier Jahren konstant geblieben." Auf den Staat und seine Unterstützung der ansonsten offenbar nicht attraktiven Technik ist also Verlass - zum Ärger nur sehr weniger PolitikerInnen, z.B. Ulrich Kelber (SPD): "Technologieoffene Forschung kann nicht heißen, dass im Haushalt von Frau Schavan 90 Prozent der Mittel für die Lösung bestimmter Probleme in der Züchtung in die Grüne Gentechnik und keine 10 Prozent in alternative Technologien gehen."

Im Original: Jagd nach Geld statt freier Forschung ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus einem Interview mit Inge Broer, in: Volksstimme am 4.8.2009
Der Verein FINAB will sich mit der Sicherheit aller neuartigen Lösungen in der Landwirtschaft befassen. Bis jetzt erhalten wir aber leider nur Mittel für Versuche an gentechnisch veränderten Pfanzen.

Vom Öko-Interesse zur Agro-Gentechnik - das Geld macht's!
Stefan Rauschen im Interview (2009)
So besuchte ich dann entsprechend viele Veranstaltungen am Institut für Ökologie, darunter auch ein Seminar zu den "Ökologischen Aspekten der Landwirtschaft". Das war sehr interessant. Als ich mir am Ende des Semester den Schein für das Seminar abholen wollte, fragte mich der Post-Doc, ob ich nicht Interesse an einem HiWi Job hätte. Sie hatten gerade ein Projekt mit gentechnisch-verändertem Mais angefangen, und suchten nach HiWis, die Spaß an Insekten hatten. Da habe ich zugesagt und dann kam der Rest mehr oder weniger von selbst. ...
Die Forschung, die wir seit fast 10 Jahren an verschiedenen gentechnisch veränderten Pflanzen und Maissorten durchführen, wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in einem Rahmenprogramm zur Pflanzen-Biotechnologie gefördert.
Alle Mitglieder meiner Arbeitsgruppe, inklusive mir selbst, werden also durch Forschungsmittel finanziert, die letztlich aus dem Steueraufkommen des Bundes stammen. ...
Die Leute haben eine sehr romantische Vorstellung davon, wie Landwirtschaft betrieben wird, oder wenigstens betrieben werden sollte. Sie wissen relativ wenig über die wirklichen Zustände und Zusammenhänge in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion.
Sie wissen wenig über Gefahren und Risiken, die konventionellen Methoden in sich bergen. Es mangelt auch an einem wissenschaftlichen Verständnis für Umwelt und Natur. ...
Ich persönlich finde, dass es dem Ansehen des Wissenschaftsstandortes Deutschland schadet. Nützen tut das keinem. ...
Solange es eine Regierung gibt, die davon überzeugt ist, dass die Erforschung von gentechnisch veränderten Pflanzen sinnvoll und notwendig ist, solange wird meine Arbeitsgruppe und ich wohl noch eine Chance darauf haben, in unserem Themengebiet zu arbeiten. Sollten sich aber bestimmte Strömungen und Forderungen durchsetzen, sehe ich schwarz. Dann können wir uns ein neues Thema suchen, oder auswandern. Oder Taxi fahren.

Geld abgreifen ... Staatliche Förderung lässt Firmenneugründungen sprießen
Aus der Studie "Zukunftsfelder in Ostdeutschland" der Uni Rostock im Januar 2008:
Die Biotechnologie hat sich innerhalb weniger Jahre in Deutschland zu einer Boom-Branche entwickelt, was sich an der wachsenden Zahl innovativer Firmengründungen ablesen lässt. In keinem anderen europäischen Land gibt es derzeit vergleichbar viele Standorte, an denen sich Biotechnologie-Unternehmen angesiedelt haben, wie in Deutschland. Die Gründe liegen ähnlich wie in anderen europäischen Regionen u.a. in der staatlichen Förderung, mit der finanzielle Schwierigkeiten in der Anfangsphase der Unternehmen abgefangen werden können. Positiv hat sich ferner ausgewirkt, dass die Lücke zwischen wissenschaftlicher Forschung und wirtschaftlicher Anwendung spürbar verkleinert werden konnte. (vgl. BMWi 2007)

Peter Heinrich, Chef von BIO Mitteldeutschland in der Verbandszeitschrift transkript
Seit 2005 sind die privatwirtschaftlichen Investitionen in die Biotechnologie kontinuierlich gesunken. Lediglich der Anteil an öffentlichen Fördermitteln ist seit vier Jahren konstant geblieben.

Ulrich Kelber (SPD) in einer Bundestagsdebatte am 26.3.2009 zum Antrag der Grünen auf Verbot von MON810
Technologieoffene Forschung kann nicht heißen, dass im Haushalt von Frau Schavan 90 Prozent der Mittel für die Lösung bestimmter Probleme in der Züchtung in die Grüne Gentechnik und keine 10 Prozent in alternative Technologien gehen.

Aus "Leere Labore", in: Spiegel 41/2008 (S. 93 f.)
Bereits im Jahr 2000 hatte Sachsen den Fünfjahresplan „Biosaxony“ aufgelegt: Über 200 Millionen Euro an Lockmitteln stellte die Staatsregierung bereit. 2003 zog Sachsen-Anhalt mit der „Biotechnologie-Offensive“ nach und spendierte knapp 150 Millionen Euro bis 2008. „Das war damals der Trend, die Technologie war im Aufwind, es gab Hungersnöte“, sagt der heutige sachsen-anhaltische Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU). ...
Mit mehreren Millionen Euro hielt die landeseigene Investitionsbank IBG jahrelang eine Firma am Leben, die eine Antikörper produzierende Freilanderbse gegen Schweinedurchfall entwickelt hatte, die keiner haben wollte. „Geld verdienen wir mit Q-Cells“, sagt Haseloff leicht sarkastisch, einer inzwischen weltbekannten Solarfirma, die das Land mitgegründet hat.
  • Studie des Nabu zur Verwendung von Forschungsgeldern vor allem für die Gentechnik

Wie im AgroBioTechnikum läuft es vielerorts trotz der Staatsmillionen schlecht. Firmenkonkurse, Aufkäufe und Zahlungsschwierigkeiten prägen das Geschehen. Der Hunger nach immer neuen Zuschüssen wächst - und wird gestillt von Regierungen, die nach dem absurden Motto handeln, dass nach Misserfolgen trotz hoher Förderungen nur eine Konsequenz zählen muss: Noch mehr Geld: "Der Anteil des Staates an der Finanzierung von Biotech-Unternehmen hat sich in den letzten Jahren verdoppelt. Lag er 2005 noch bei ca. 8 % waren es 2009 bereits etwa 17 %." 2010 stellte eine Evaluierungsstudie des BMBF selbst fest, dass die Fördermittel in die Agro-Gentechnik weitgehend verpufften. Konsequenz: Aufstockung der Mittel! "Das Bundesforschungsministerium möchte die Forschung in der Pflanzenbiotechnologie in den nächsten Jahren mit zusätzlich 50 Millionen Euro fördern" (Quelle). Wer viel verpulvert, bekommt anschließend noch mehr.

Im Original: Trotz Millionen kein wirtschaftlicher Durchbruch ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Forschungsgelder stützen marode Technologie
Presseinformation des BÖLW am 27.4.2010
Nach einer Studie des Bundesforschungsministeriums schrumpft die Agro-Gentechnik-Industrie in Deutschland. Das Forschungsministerium nimmt dies zum Anlass, weitere Millionen in die umstrittene Technologie zu stecken, während erfolgversprechendere Ansätze für eine nachhaltige Landwirtschaft vernachlässigt werden.
Nach der Studie des BMBF, die dieser Tage veröffentlicht wurde, waren bundesweit 2009 24 Biotech-Unternehmen mit Pflanzen-Gentechnik befasst, zwei weniger als noch 2008. Die Erlöse der Unternehmen lagen 2009 bei 39 Mio €. Im Vorjahr waren es 49 Mio €. „Es ist nicht zu verstehen, weshalb das Schavan-Ministerium jetzt ankündigt, zusätzliche Millionen in den schrumpfenden Sektor der Pflanzen-Biotechnologie zu stecken“, kommentierte Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. „Dafür dann auch noch das Arbeitsplatzargument heran zu ziehen, ist absurd.“ Je nach Betrachtungsweise – ob man nur die reinen Agro-Biotechnologie-Unternehmen zählt oder zusätzlich die mit Agro-Gentechnik befassten Abteilungen großer Chemiekonzerne – sind der Agro-Gentechnik etwa 650 bis 1400 Arbeitsplätze zuzuordnen.
Der Anteil des Staates an der Finanzierung von Biotech-Unternehmen hat sich in den letzten Jahren verdoppelt. Lag er 2005 noch bei ca. 8 % waren es 2009 bereits etwa 17 %. In diesem Zeitraum haben sich die Mittel von Wagniskapitalgebern und Erlöse durch Börsengänge mehr als halbiert.
Im Gegensatz zur Agro-Gentechnik wächst die Ökologische Lebensmittelwirtschaft seit Jahren ungebrochen. Sie hat seit 2005 ihren Umsatz um 50 % auf 5,8 Mrd. € gesteigert. In den zahlreichen mittelständischen Unternehmen des Öko-Bereichs konnten weit mehr als 160.000 Arbeitsplätze aufgebaut werden. Sie sind durch die Agro-Gentechnik gefährdet, denn die beträchtlichen Folgekosten der Gentechnik bleiben durch eine fehlende Verursacherhaftung bei denen hängen, die diese Technologie nicht einsetzen.
Zahlreiche Untersuchungen, so u.a. der Weltagrarbericht und Studien der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD), sehen ökologische Anbauverfahren als Schlüsseltechnologien zur Bekämpfung des Hungers. Löwenstein fordert Ministerin Schavan auf, die Leistungen und Potenziale des Öko-Landbaus bei der Lösung der globalen Herausforderungen im Agrarbereich anzuerkennen und diesen in den Fokus der Forschungspolitik des BMBF zu rücken. Auch solle sie sich für die Umsetzung der Verursacherhaftung in der Gentechnik einsetzen, so Löwenstein.

100 Millionen Euro in die Gentechnikforschung!
Aus einem Bericht des Informationsdienst Gentechnik zum Runden Tisch am 8.6.2010
Die Ministerin setzt auf gentechnisch veränderte Pflanzen, um den Herausforderungen der Landwirtschaft zu begegnen. Trotz der bisherigen leeren Versprechungen der Gentechnik-Industrie ist Schavan davon überzeugt, das Gentechnik-Pflanzen eine Lösung für den Welthunger bieten und dem Klimawandel etwas entgegensetzen können. Das Budget für das neue Forschungsrahmenprogramm liegt bei über 100 Millionen Euro.

Informationsdienst Gentechnik zur Förderungsaufstockung wegen nachgewiesener Erfolglosigkeit:
Das Bundesforschungsministerium möchte die Forschung in der Pflanzenbiotechnologie in den nächsten Jahren mit zusätzlich 50 Millionen Euro fördern. Die Agro-Gentechnik in Deutschland soll damit weiter vorangebracht werden. Trotz der Förderung durch das Forschungsministerium schrumpft die Branche, so der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Letztes Jahr waren nur 24 Unternehmen mit Pflanzen-Gentechnik beschäftigt, weniger noch als 2008. Auch die Erlöse schrumpften von 49 Mio € auf 39 Mio €. Großzügig gerechnet sind gerade mal 2400 Arbeitsplätze der Agro-Gentechnik zuzuordnen. Doch der Staat finanziert die Unternehmen zunehmend: Während der Finanzierungsanteil des Staates an Biotech-Unternehmen 2005 noch bei 8% lag betrug er 2009 bereits 17%. Der Staat fördert damit eine Branche, die einer anderen schadet: Die ökologische Lebensmittelwirtschaft muss erhebliche Folgekosten der Agro-Gentechnik tragen, aber wächst dennoch: Seit 2005 hat sich der Umsatz um 50% gesteigert. Der Vorsitzende des BÖLW, Felix Prinz zu Löwenstein, fordert Forschungsministerin Annette Schavan auf, die Lösungsansätze des Öko-Landbaus bei den globalen Herausforderungen mehr zu honorieren. Schließlich sieht u.a. der Weltagrarbericht in ökologischen Anbauverfahren entscheidende Beiträge zur Bekämpfung des Hungers.

Die großen Förderprogramme in Deutschland, in denen ausschließlich oder hauptsächliche staatliche Gelder in die Agro-Gentechnik fließen sind das Biosicherheitsprogramm, das Programm "Genomanalyse im biologischen System Pflanze" (GABI) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit ihren Fördergeldern. Alle diese Programme überlebten die rot-grüne Regierungszeit ebenso wie CSU-Beteiligte in der Bundesregierung nichts von ihnen anrührten. Für CDU und FDP gilt das ohnehin. Sie alle akzeptierten, dass die Gelder von den Nutznießern selbst und ohne jegliche öffentliche Kontrolle Der zuständige Abteilungsleiter im BMBF, Dr. Peter Lange, räumte in einem Streitgepräch ein, noch nie eine geförderte Maßnahme überprüft zu haben. Im Lenkungsgremium des GABI-Programms sitzen mit VertreterInnen von KWS, Bayer, Max-Planck-Institut und den Leibniz-Instituten für Pflanzenbiochemie mehrheitlich die Geldempfänger - neben zwei Ministeriums- und einem DFG-VertreterIn, die ebenfalls die Gentechnik befürworten. Auch im wissenschaftlichen Beirat sind Konzerne und gentechnikanwendende Institute weitgehend unter sich.

Beispiele Fördermitteln an die großen Gentechnikorte und -seilschaften:

Damit keine Missverständnisse entstehen: Das Forschung geldabhängig und auf Geldgeber fixiert, also "gekauft" und bestechlich ist, gilt nicht nur in der Agro-Gentechnik, sondern schlicht überall. Je länger ein Forschungszweig und seine Anwendungen im Produktverkauf bestehen bzw. je größer die Verkaufserfolge werden, desto intensiver werden Filz und Steuerung über Geld. Wird ein Geschäftsbereich lukrativer, dominieren Geldgeber aus der Wirtschaft. Bei der Agro-Gentechnik ist es (noch?) der Staat, der das Anlaufen der Profitmaschine Jahr für Jahr mit Millionen schmiert.

Im Original: Gekaufte Wissenschaft überall ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Interessengeleitete Wissenschaft pro Atom
Aus "Geheime Order von ganz oben", in: FR, 10.9.2009 (S. 4)
Neue Aktenfunde erhärten den Vorwurf, dass die Bundesregierung von Helmut Kohl (CDU) die Auswahl des Standorts Gorleben für ein mögliches Atom-Endlager gegen Bedenken von Wissenschaftlern vorschnell durchgedrückt hat. Die beiden zuständigen Ministerien ließen ein Gutachten zur Gorleben-Eignung umschreiben und gaben den Experten sogar Formulierungshilfen. Das geht aus einem vom Forschungsressort verfassten Telex vom 13. Mai 1983 hervor.

Der damals agierende Forschungsminister Riesenhuber findet das alles ganz normal ...

Aus einem Interview in der FR, 10.9.2009
Frage: Herr Riesenhuber, neu aufgetauchte Akten aus dem Jahr 1983 belegen, dass Gutachten zum Atomendlager-Projekt Gorleben auf Druck der Politik geschönt werden mussten. Wie bewerten Sie das?
Ich sehe nicht, dass die Politik im Kern der Sache anders entschieden hat als die Wissenschaftler. In den Gutachten ging es darum zu klären, ob irgendetwas Wesentliches gegen die Eignung von Gorleben spricht. Die Experten haben festgestellt: Das ist nicht der Fall. Und das ist ja sogar 17 Jahre später, im Atomkonsens der Regierung Schröder, so festgestellt worden. ... In Gorleben sind bereits 1,5 Milliarden Euro investiert worden. Da ist es doch vernünftig, die gestoppte Erkundung wieder aufzunehmen, um Klarheit zu schaffen. ...
Frage: Gabriel will eine Standortsuche, wie sie heute international üblich ist, etwa auch im der Schweiz: Alle geeigneten Standorte ins Visier nehmen und den am besten geeigneten auswählen.
Das kann man nicht nachvollziehen. Stellen Sie sich vor, Sie wollen heiraten und sagen: Ich heirate nur, wenn ich die bestmögliche Frau finde. Da suchen Sie vermutlich die nächsten 50 Jahre, und dann ist das Leben vorbei. So lange kann man mit dem Endlager nicht warten.
2. Forschungsfelder als Auskreuzungsquellen

Der zweite Grund ist noch erschreckender. Forschungsfelder werden ständig direkt neben Saatgutbanken angelegt. Dort entwickeln sie ein besonders großes Risiko, einen verheerenden Schaden im bislang gentechnikfreien Saatgut anzurichten und die Debatte um die Gentechnikfreiheit zu beenden, in dem es letztere einfach nicht mehr gibt. Von bisherigen Auskreuzungsskandalen, z.B. dem LL601-Reis, der als Selbstbestäuber nur auf Versuchsfeldern angebaut wurde und dennoch weltweit im Ladenregal landete. Kann es sein, dass ForscherInnen und Konzerne Felder anlegen, um Auskreuzung zu erzeugen und so die Debatte durch die Macht des Faktischen zu gewinnen? Beweisbar ist das nicht, aber alles spricht dafür - siehe das im Kapitel zur Koexistenz.

Im Original: Saatgutbanken und Genversuchselder ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Die fünf Saatgutbanken in Deutschlan:

Neben allen fünf liegen oder lagen Felder mit gentechnik veränderten Pflanzen - genau passend zu den Pflanzenarten der Saatgutbanken. Das Risiko der Auskreuzung und der Vernichtung gentechnikfreier Saat wurde als maximal vergrößert. Kann das Zufall sein?
3. Werbung, Firmenaufbau und Standortpolitik

Bleibt ein dritter Grund, der eher platt ist: Felder dienen schlicht der Propaganda oder als Referenz- und Übungsfläche in Firmen oder Universitäten. Der seit 2009 größte Gentechnikstandort, zumindest von der Zahl der Felder her gerechnet, ist ein reiner Schaugarten und versteht sich auch als solcher. Prospekte und Internetseite laden zu Kaffeefahrten ein, "wenn Sie sich einmal 'echte' Freilandversuche anschauen wollen". Über diesen Gentechnik-Streichelzoo inmitten der empfindlichen Saatzuchtregion Börde berichtet ein gesondertes Kapitel.

Am AgroBioTechnikum geht es weniger um Öffentlichkeitsarbeit, auch wenn im Bundestagswahlkampf 2009 schon mal die FDP-Bundestagsabgeordnete Happach-Kasan einen Bus voll EinwohnerInnen aus ihrem Wahlkreis auf das Feld schleppte. Gedacht war das durchaus mal anders. Der Verein FINAB legte sein erstes Versuchsfeld mit gv-Raps an "als politisches Signal und Präsentation des Dienstleistungsangebotes". Unglaublich - eine ganze Landschaft wurde der Versuchung mit dem stark auskreuzenden Raps ausgesetzt, um ein "politisches Signal" zu setzen! Außerdem ging es um die "Etablierung von notwendigem Know-how für die Beantragung und Durchführung von Freisetzungen" - Firmenaufbau auf Kosten der Landwirtschaft zumindest einer ganzen Region.

So bleibt als Antwort auf die Frage, warum Versuchsfelder angelegt werden, überwiegend nichts als die Feststellung unfassbarer Jämmerlichkeit: Diese oft arroganten, immer aber titelbehangenen, hochausgebildeten WissenschaftlerInnen, die GentechnikritikerInnen als emotionale, unsachlich oder noch deftiger beschimpfen, sind nicht als OpportunistInnen des Geldes. Sie reden über Forschungsfreiheit und meinen die pure Ausrichtung allen Denkens und Forschens auf den schnöden Mammon? Ihre Propaganda ist die der Sicherheitsforschung, doch ihr Handel das organisierte Verseuchen der Welt mit gentechnisch veränderten Konstrukten. Welch ein Abgrund tut sich hier auf? Und er wird nicht besser beim Blick von den Feldern vor Ort, den Niederungen der praktischen Anwendung hinauf zu den großen wissenschaftlichen Debatten und Organisationen. Was dort als Wissenschaftlichkeit verkauft wird, ist meist nichts als PR für die eigene Sache, Buhlen um frisches Geld und schlichte Machtpolitik.

Kampf und Krampf: Forschung zwischen PR-Zielen und Machtpolitik

Interview mit der amerikanischen Wissenschaftshistorikerin KAY in der taz vom 4.9.2000
Heutzutage sind Wissenschaftler Politiker, sie sind Aktienhändler, sie haben ihre eigenen Biotech-Unternehmen und sitzen nicht länger nur in ihren Laboratorien herum. In den USA sind mindestens 80 Prozent der Molekularbiologen an eigenen kommerziellen Biotech-Unternehmen beteiligt. Das ist also nicht länger ein rein akademisches Problem, und daher ist es auch nicht nur ein Problem der Medien. Die Wissenschaftler sind massiv an der sozialen und politischen Verbreitung ihrer Arbeit beteiligt.

Die Agro-Gentechnik ist ein beliebtes Thema für grundsatzpolitische Aussagen über Forschung und Forschungsförderung. Da werfen sich auch die edelsten Akademien, NobelpreisträgerInnen und andere in den Ring, um ihre Sicht der Dinge darzustellen. Doch was herauskommt, ist selten Expertise, eher hingegen schlichte Forderungen nach mehr Geld und weniger öffentliche Kontrolle und ideologisch aufgeladene Polemiken. Einen Spitzenplatz nimmt dabei das Papier der Nationalen Wissenschaftsakademien ein, die am 13.10.2009 mit einem Papier in die Koalitionsverhandlungen zwischen FPD, CDU und CSU eingreifen wollen, dass jedes neoliberale Kampfpapier aus FDP-Kreisen in den Schatten stellt. Wütend wird zwar eingeräumt, dass die Akzeptanz der in ForscherInnenaugen weltrettenden Technologie sehr klein ist: "Demokratische Politik kann die Meinung der Wähler nicht ignorieren". Doch daraus abzuleiten, auf die Agro-Gentechnik zu verzichten, fällt ihnen nicht ein. Im Gegenteil - sie fordern von den PolitikerInnen die große Umerziehung. Diese seien "dafür mitverantwortlich, dass die Wähler Fakten zur Kenntnis nehmen." So "muss dem Verbraucher vermittelt werden, dass die Grüne Gentechnik ... Möglichkeiten bietet", einfach alles besser zu machen und selbst die "Artenvielfalt zu fördern". Wie das? Neue Arten aus dem Genlabor? Jeder/m einigermaßen reflektierten WissenschaftlerIn muss sich angesichts solcher Formulierung der Magen umdrehen, wie platt die hochbezahlten TitelträgerInnen hier zu plumben PropagandistInnen mutieren. Das geben sie sogar offen zu, schließlich sollte nach ihren Worten auch die "Wissenschaft ... bemüht sein, ... um Akzeptanz für eine wichtige Forschungsrichtung mit großem Zukunftspotenzial zu werben."

ForscherInnen sind also PR-Agenturen. Die Agro-Gentechnik zu erforschen, scheint da gar nicht mehr nötig. Prof. Kogel, Versuchsleiter beim umkämpften Gengerstenfeld in Gießen, beschrieb die Aufgabe von "uns Wissenschaftlern" ziemlich eindeutig: "Wir müssen zeigen, dass diese Technik, die wir einführen wollen, große Vorteile hat". Es geht also darum, ein feststehendes Ergebnis ("große Vorteile hat") beworben wird ("müssen zeigen"). Wissenschaft hat nicht die Erforschung, sondern die politische Durchsetzung ("Technik, die wir einführen wollen") zum Ziel. Obwohl das bereits unmissverständlich ist, setzt Kogel noch hinterher: "Unsere Aufgabe ist es, stetig und mit viel Geduld Überzeugungsarbeit zu leisten." Mit solchen Positionen zeigen die Agro-GentechnikerInnen zwar deutlich die aktuell vorherrschende Ausrichtung der Wissenschaft auf Standortinteressen und Geldquellen. In der wissenschaftlichen Debatte hinken sie damit aber weit hinterher. Denn als Stand der Debatte darf gelten, dass es eine interessenslose Wissenschaft nicht gibt. Dann aber müsste der Blick kritischer ausfallen - wie etwas bei Maria Weimer vom Europäischen Hochschulinstitut Florenz: "Wissenschaftliche Untersuchungen und die dabei gefundenen Ergebnisse sind nicht rein objektiv, sondern auch geprägt von Werten und Glaubenseinstellungen der Wissenschaftler und von dem Auftrag, den die Wissenschaftler von der Politik bekommen haben. Die Wissenschaft liefert keine so harte und objektive Grundlage, wie man es gerne haben möchte."

Im Original: Forschung als PR-Agenturen ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Forschung = Akzeptanzbeschaffung und WissenschaftlerInnen als PR-Agenturen
Selbstverständnis von Forschung im Forderungspapier der führenden Forschungsakademien am 13.10.2009
In Deutschland ist noch nicht hinreichend akzeptiert, dass die Anwendung der Gentechnik in der Pflanzenzüchtung ein noch unausgeschöpftes Potential für den ökologischen Landbau, für verbesserten Umweltschutz, die Erhaltung der Artenvielfalt und die Gesundheit bietet. ...
Demokratische Politik kann die Meinung der Wähler nicht ignorieren. Sie ist aber auch dafür mitverantwortlich, dass die Wähler Fakten zur Kenntnis nehmen. ...
Es muss dem Verbraucher vermittelt werden, dass die Grüne Gentechnik nicht nur für die Herstellung von Nahrungsmitteln Anwendung findet, sondern dass sie vielfältige andere Möglichkeiten bietet, beispielsweise den ökologischen Wachstumsbereich unserer Kulturpflanzen zu erweitern und Artenvielfalt zu fördern. Wissenschaft und Politik sollten gleichermaßen bemüht sein, in einem Diskurs diese Zusammenhänge zu erklären und um Akzeptanz für eine wichtige Forschungsrichtung mit großem Zukunftspotenzial zu werben.


Ohne Argumente, aber einseitig die Gentechnik voraussetzend
Aus der Stellungnahme der führenden Wissenschaftsverbände und -einrichtungen zum Runden Tisch Gentechnik, 20.5.2009
Die Allianz fordert dabei mehr Rationalität in der Debatte, so dürfe die Gentechnik nicht pauschal verurteilt werden. "Die deutschen Wissenschaftsorganisationen setzen sich ausdrücklich dafür ein, nicht nur Forschung sondern auch Anwendungen der Grünen Gentechnik in Deutschland zu ermöglichen", sagt Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft und zurzeit Sprecher der Allianz. Dies schließt auch weitere Untersuchungen von Sicherheitsfragen und möglichen Risiken ein. ...
Mögliche negative Auswirkungen auf die Umwelt sind nicht durch die Methode Gentechnik bedingt ... "Wir unterstützen ausdrücklich die Haltung von Forschungsministerin Schavan zur Grünen Gentechnik und begrüßen die geplante Fortsetzung des heute gestarteten Dialogs. Das wird zu einer Versachlichung der Diskussion führen und verlässliche Rahmenbedingungen für die Forschung und wissenschaftliche Begleitung der Nutzung der Grünen Gentechnik schaffen", betont Mlynek.


Unis behaupten selbst den Unsinn vom Sieg über Hunger und Klimaveränderung durch Gentechnik
Stellungnahme der Landesrektorenkonferenz Baden-Württemberg am 20.6.2009
Die bayerischen und baden-württembergischen Universitäten unterstützen nachdrücklich die Position von Forschungsministerin Annette Schavan und den deutschen Wissenschaftsorganisationen: "Es darf keine Forschungsverbote bei der grünen Gentechnik geben" sagten die Vorstände der beiden Rektorenkonferenzen, der Karlsruher Rektor Horst Hippler und der Erlanger Rektor Karl-Dieter Grüske anlässlich eines Treffens mit Frau Ministerin Schavan am 19.06.2009 auf Schloss Reisensburg bei Ulm. Es gehe hier um die Verantwortung für die künftige Ernährung der Weltbevölkerung, die vorurteilsfrei und ohne unternehmerische Eigeninteressen betrieben werden müsse. Dies könne nur eine unabhängige Wissenschaft garantieren, die auch die Auswirkungen der Landwirtschaft auf das globale Klima berücksichtige. Dabei müsse möglichst ressourcenschonend produziert werden, um den CO2-Ausstoß zu minimieren, betonen die Universitäten. Dies sei ohne Gentechnik nicht zu leisten.

Zitate von Kogel ...
... in einem Interview auf www.biosicherheit.de
Wir müssen auch die möglichen Konsequenzen und Gefahren deutlich machen, die darin liegen, wenn wir nicht handeln.
... und noch einem dort (Quelle: Biosicherheitsforschung)
Die Skepsis, auf die wir treffen, ist Ausdruck eines erklärbaren, ja notwendigen Schutzmechanismus, der ja auch aus evolutionsbiologischer Sicht sinnvoll ist. Für uns Wissenschaftler heißt das: Wir müssen zeigen, dass diese Technik, die wir einführen wollen, große Vorteile hat – und dass diese Vorteile begreifbar werden. Erst dann, glaube ich, kann man die Bevölkerung wirklich überzeugen. Unsere Aufgabe ist es, stetig und mit viel Geduld Überzeugungsarbeit zu leisten.

Genforscher Andreas Schier (FH Nürtingen) im Interview mit Spiegel Online am 2.3.2009
Die Angst vor dem Unbekannten ist ein bekanntes und auch nachvollziehbares Phänomen, vor allem, wenn diese Angst noch geschürt wird. Neutrale und sachliche Aufklärungsarbeit tut Not, das zeigt schon die Tatsache, dass immer noch fast 40 Prozent der Deutschen meinen, nur gentechnisch veränderte Tomaten hätten Gene.

Forschung ist nie neutral

Maria Weimer, Juristin am Europäischen Hochschulinstitut Florenz, im Interview mit dem Forum „bioSicherheit.de“
Frage „bioSicherheit“: „Ein anderer Vorschlag ist, bei der Zulassung von GVO nicht nur nach wissenschaftlichen Kriterien zu entscheiden, sondern auch soziökonomische Kriterien mit einzubeziehen. Besteht nicht die Gefahr, dass solche "weichen" Kriterien willkürlich angewandt werden?“
Maria Weimer: „So wie Sie die Frage formulieren, steckt dahinter die Vorstellung, dass nur das, was wissenschaftlich begründet ist, sozusagen handfest ist. Wenn etwas nach anderen Kriterien entschieden wird, dann ist es "soft" und willkürlich. Ich halte das für etwas vereinfacht. Aus der soziologischen Forschung wissen wir: Auch der wissenschaftliche Prozess ist ein sozialer Prozess. Wissenschaftliche Untersuchungen und die dabei gefundenen Ergebnisse sind nicht rein objektiv, sondern auch geprägt von Werten und Glaubenseinstellungen der Wissenschaftler und von dem Auftrag, den die Wissenschaftler von der Politik bekommen haben. Die Wissenschaft liefert keine so harte und objektive Grundlage, wie man es gerne haben möchte. … Es wäre ganz wichtig, dass man sich bei der Reform des GVO-Zulassungsverfahrens offen darüber verständigt, welche Überlegungen neben den Risiken für Umwelt und Gesundheit und ihrer wissenschaftlichen Bewertung noch in den Entscheidungsprozess einfließen dürfen. Und man müsste diese gegebenenfalls deutlich formulieren und zusätzlich für Verfahrensgarantien sorgen, damit ihre Berücksichtigung in einer transparenten Art und Weise geschieht. Das ist auch deswegen so wichtig, weil die Wissenschaft nicht alle Entscheidungen für die Gesellschaft treffen kann.“
Wahr = einzig zulässige Meinung ist: Gentechnik ist ungefährlich

Mit der Autorität ihrer Titel und Stellungen versuchen nun die WissenschaftlerInnen, ihre Sicht als Maß aller Dinge durchzusetzen. Auf allen Kanälen verkünden sie, dass "alle Wissenschaftsorganisation in Deutschland" die Agro-Gentechnik für sinnvoll, ja für "risikoärmer und sauberer für die Umwelt". Das hätten zahlreiche Gutachten gezeigt. Doch präzise Quellenangaben sind meist eher rar, eher bleiben nebulöse Aussagen: "Ich kann summierend sagen, dass wir keine Effekte auf Nichtzielorganismen gefunden haben." Prof. Kogel glänzte sogar in einem Interview mit der Ausführung, dass der Pollenflug von Mais keine Wirkung auf andere Pflanzen????
Die Liste wissenschaftlicher Mythen ist inzwischen lang - so lang, dass ihnen und ihrer Entzauberung eingesondertes Kapitel gewidmet ist.

Im Original: Harmlose Gentechnik ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Interview mit Prof. Kogel im Deutschlandfunk am 24.6.2009 auf die Frage "Sehen Sie auch Gefahren?"
Ich hab ein großes Problem in der Diskussion hier, dass es den Hörern erscheinen könnte, dass naturwissenschaftliche Ergebnisse beliebig produziert werden. Das ist nicht der Fall. Es gibt einen begutachteten Reviewprozess in naturwissenschaftlichen Veröffentlichungen - und da kommt die Wahrheit zutage in der wissenschaftlichen Community. Natürlich muss man gucken, wer die Untersuchungen macht. Kommen die Untersuchungen aus bestimmten Industriebetrieben, dann ist klar, dass man die anders einschätzen muss als sonst. Aber es gibt Hochschulforschung weltweit, die ist normalerweise nicht abhängig. Und das geht in Begutachtungsprozesse rein, die dann sozusagen die Wahrheit an den Tag bringen. ...

Der Koordinator der Sicherheitsforschung und Kopf der Aachener-Biologen-Seilschaft, Ingolf Schuphan, im Dokumentionsfilm zur Biosicherheitsforschungs-Tagung 2008 über alle bisherigen Forschungsprogramme:
Ich kann summierend sagen, dass wir keine Effekte auf Nichtzielorganismen gefunden haben.

Kogel im Interview bei HR-Info am 23.4.2009
Wir haben eine klare Pestizidreduktion im Anbau bei gentechnischen Pflanzen ... die sind dadurch, dass weniger Pestizide eingesetzt werden müssen, im Grunde risikoärmer und sauberer für die Umwelt. Das ist unbestritten, so argumentieren ja auch im Grunde alle Wissenschaftsorganisation in Deutschland im Moment.

Gekaufte Forschung
Aus einer Übersetzung aus: Scientific American August 2009 "Do Seed Companies Control GM Crop Research?"
Wissenschaftler müssen die Gentech-Konzerne um Erlaubnis fragen, bevor sie unabhängige Forschungsergebnisse über deren genetisch veränderte Pflanzen veröffentlichen wollen. Das regelt eine Verfügung der Saatgutkonzerne, die von den Forschern im Vorfeld einer Studie unterschrieben werden muss, berichtet das Wissenschaftsmagazin Scientific American in seiner August-Ausgabe. ...
Für den Kauf gentechnisch veränderten Saatguts zu Forschungszwecken mussten die Kunden schon immer eine Vereinbarung unterzeichnen, die genau festlegt, was geforscht werden darf und was nicht. Diese Vereinbarungen galten dem Schutz „des geistigen Eigentums“ eines Unternehmens, sie sollten vor allem mögliche Replikationen der veränderten Erbinformationen, also die unerlaubte Nachzucht, verhindern, so die Begründung.

Broers Aussagen in: Norddeutsche Neueste Nachrichten am 19.5.2009
Bei der umstrittenen Zulassung genveränderter Pflanzen für die Landwirtschaft sollte die Politik nach Ansicht der Biologin Inge Broer häufiger dem Urteil von Experten vertrauen. "Der politische Wille muss noch kommen, in der Risikobewertung mehr auf Wissenschaft statt auf politische Meinungen zu setzen", sagte die Professorin für Agrobiotechnologie der Uni Rostock.

Das Gebaren der Institute und WissenschaftlerInnen führt in einen Teufelskreis. Denn auch wenn Aussagen von Leuten wie Kogel, alle WissenschaftlerInnen würden die Gentechnik als umweltfreundlich und ungefährlich einstufen, schnell als Lüge enttarnt werden können, so fällt doch auf, dass der Anteil von BefürworterInnen im Umfeld der entsprechenden Studiengänge überdurchschnittlich hoch ist. Ist, wer die Wirkungsmechanismen der DNA und der biochemischen Codierung von Ausstattungsmerkmalen bei Tieren und Pflanzen genauer kennt, dann der Möglichkeit von Manipulationen dieser Abläufe positiver eingstellt? Oder ist die Befürwortung der Agro-Gentechnik eher eine Folge einer einseitigen, industriefreundlichen und tendenziösen Ausrichtung von Studieninhalten plus der schlichten Tatsache, dass angesichts der riesigen Fördermittel für diese Technik Studienarbeiten, -abschlüsse und spätere Jobchancen nur bekommt, wer auf dieses Thema setzt? So einiges spricht für das Zweite:

Die Steigerung ist das Kaltstellen und Ausgrenzen kritischer ForscherInnen. Immer wieder kommt es zu "Hetzjagden auf die Autoren" kritischer Studien, wie Potthof und Then 2009 berichteten. Untersuchungen würden behindert, "indem Zugang zu geeignetem Untersuchungsmaterial verweigert wird". Ebenso "haben viele Wissenschaftler auch dann Probleme, wenn es um die Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse geht".

Im Original: Ausgrenzung kritischer Forschung ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus Potthof/Then (2009): "risk reloaded" (S. 29)
Auch von Wissenschaftlern in Europa war in der jüngeren Vergangenheit immer wieder zu hören, dass Untersuchungen behindert werden, indem Zugang zu geeignetem Untersuchungsmaterial verweigert wird. Bei gentechnisch veränderten Pflanzen kann einerseits der Zugang zur Pflanze selbst, u. a. durch das Patentrecht, verwehrt werden. Noch schwerer zu bekommen ist für kritische Forscher jedoch oft das Vergleichsmaterial, das heißt die nicht gentechnisch veränderte Pflanze, die der transgenen Pflanze genetisch möglichst ähnlich ist. Diese sogenannten „isogenen Linien“ sind meist nicht mehr auf dem Markt erhältlich, aber für Vergleichsstudien oft unabdingbar.
Während der Zugang zu geeignetem Untersuchungsmaterial oft erschwert wird, haben viele Wissenschaftler auch dann Probleme, wenn es um die Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse geht. Erheblich behindert wurde beispielsweise die Publikation von Studien, die in den Ursprungsregionen des Mais in Mexiko Verunreinigungen mit transgenen Pflanzen nachwiesen. Bereits 2001 wurden entsprechende Befunde aus Regionen Mexikos veröffentlicht, in denen regionale Sorten vermehrt werden (Qist&Chapela, 2001) . Diese Befunde wurden von verschiedenen Seiten in Frage gestellt, doch 2008 wurden erneut Verunreinigungen gefunden. Die Zeitschrift ‘Proceedings of the National Academy of Sciences’ lehnte es ab, die neuen Ergebnisse zu veröffentlichen, weil dadurch politische Diskussionen ausgelöst werden könnten (Dalton, 2008). Alison Snow von der Universität des US-Bundesstaates Columbus berichtet in einem Beitrag für die Fachzeitschrift ‘Molecular Biology’: „Außerdem erschwerte es die politisch sensible Natur des Inhaltes den Wissenschaftlern, ihre Ergebnisse zu veröffentlichen.“ (übersetzt durch testbiotech)
Der Fall steht für eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Publikationen, durch die regelrechte Hetzjagden auf die Autoren ausgelöst werden, weil in ihnen Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen beschrieben werden. Im September 2009 berichtete Nature beispielsweise über den Fall der Wissenschaftlerin Rosi-Marshall, die zur Zielscheibe einer Kampagne wurde, nur weil sie Auswirkungen von Bt-Pflanzen auf Wasserorganismen beschrieben hatte (Rosi-Marshall et al., 2007): „Hinter diesen Attacken stehen Wissenschaftler, die es sich zum Ziel gesetzt haben, zu verhindern, dass Publikationen, die nach ihrer Ansicht wissenschaftliche Mängel haben, wissenschaftliche Entscheidungsträger zu beeinflussen. Wenn eine Publikation erscheint, die ihnen problematisch erscheint, reagieren sie schnell, kritisieren die Arbeit in öffentlichen Foren, schreiben zurückweisende Briefe und senden diese an Politiker, Geldgeber und Herausgeber von Zeitungen.“ (Übersetzung testbiotech)
Für ihre skrupellosen Machenschaften würden die Herren Kogel, Friedt, Hormuth und andere gern die Freiheit der Wissenschaft für sich reklamieren. Wenn es darum geht, kritische Meinungen zu unterdrücken, sieht das ganz anders aus. An Rechnern der Universität Gießen wurden in den ersten Tagen der Feldbesetzung 2008 Seiten mit kritischen Informationen zu den Gentechnikversuchen der Uni und zu den Versuchsleitern gesperrt. Wer www.gendreck-giessen.de.vu, www.gendreck-weg oder andere kritische Seiten aufrufen wollte, fand dies auf dem Bildschirm:


Mitte April erhielt ein Gentechnikkritiker ein Hausverbot für die gesamte Universität Gießen - das ist ein erheblicher Teil der Stadt Gießen (Hausverbot als PDF). In Marburg konnte in einem ähnlichen Fall ein Hausverbot durch Gerichtsentscheid aufgehoben werden ...

Es ist folglich kein Wunder, dass viele StudentInnen eine gentechnik-befürwortende Position haben, wenn die Lehrinhalte derart einseitig bis manipuliert sind. Hinzu kommen die hohen Fördermittel für Gentechnikforschung an den Universitäten und für Gentechnikfirmen. Das führt dazu, dass studieninterne Abläufe stark auf Gentechnik ausgerichtet sind, dort besser Studienarbeiten zu erledigen sind und auch die Hoffnung auf einen späteren Arbeitsplatz wächst, wenn eine Orientierung auf die hochsubventionierte Gentechnik besteht.

Im Original: Einseitige Lehre ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Gehirnwäsche unter Decknamen "Landwirtschaft - Heute und MorGEN. Ist die grüne Gentechnik in Europa am Ende?"
An der Uni Jena wurde eine Vortragsreihe organisiert, die sich scheinbar kritisch gibt. Im Text wurde die "Versachlichung der Debatte" als Ziel angegeben. Eingeladen wurden aber nur PropagandistInnen der Gentechnik - völlig einseitig! Auszüge und die komplette ReferentInnenliste:
Die Vorträge und anschließenden Diskussionen sollen, so hoffen die Veranstalter vom CEJ, zur Versachlichung der besonders in diesem Jahr wieder leidenschaftlich geführten Debatte zwischen Befürwortern und Gegnern der grünen Gentechnik beitragen.
Prof. Dr. Klaus Dieter Jany, Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik und ehemaliger Leiter des Molekularbiologischen Zentrums der Bundesforschungsanstalt für Ernährung, Karlsruhe, wird sich mit der Frage der Sicherheit bereits auf dem Markt vorhandener gentechnisch veränderter Lebensmittel auseinandersetzen und dabei unter anderem einen Überblick über die weltweite Verwendung transgener Nutzpflanzen geben.
Prof. Dr. Inge Broer, Lehrstuhl für Agrobiotechnologie der Universität Rostock, wird im Detail erklären, wie Biosicherheitsforschung an transgenen Nutzpflanzen im Freiland erfolgt und zu welchen Resultaten diese Experimente führen.
Über welche natürlichen und effektiven Abwehrkräfte Pflanzen verfügen und wie diese für die Landwirtschaft heute und in Zukunft genutzt werden könnten, wird der Direktor der Abteilung Molekulare Phytopathologie des Max-Planck-Instituts für Züchtungsforschung, Köln, Prof. Dr. Paul Schulze-Lefert berichten.
Abgeschlossen wird die Vortragsreihe von Prof. Dr. Peter Kunzmann, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Leiter der Forschungsgruppe "Würde in der Gentechnologie" am Lehrstuhl für Angewandte Ethik. Vor dem Hintergrund der Philosophie Hans Jonas' und dessen Definition einer Verantwortungsethik des Menschen im Umgang sowohl mit der Natur als auch mit neuen Technologien, beispielsweise der Biomedizin oder grünen Gentechnik, beschäftigt sich Prof. Kunzmann mit der Frage, ob sich die Gentechnik an der Würde, dem Eigenwert oder der Integrität von Tieren und Pflanzen vergreift oder ob es Eingriffe gibt, die im Einklang mit dem Respekt vor Lebewesen stehen.

Der Kampf um die echte, wahre und unabhängige Wissenschaft ist bizarr. Fast jedes neue Gutachten - egal von welcher Seite - erscheint geräuschvoll auf der Bühne. Begleitet ist es von einem Donnerwetter gegen die abhänigen, einseitigen oder irgendwie anders unqualifizierten WissenschaftlerInnen, die andere Meiungen vertreten. Demgegenüber ist die eigene Meinung seriös und die eigene Forschung selbstverständlich unabhängig und nur an wissenschaftlichen Kriterien ausgerichtet. Das geht in alle Richtungen.
Ein lustiges Beispiel: Stefan Rauschen gehört zu den Befürwortern der Gentechnik. Er ist einer der wenigen unter denen, die Versuchsfelder anlegen und die Förderprogramme anzapfen, der noch Aufmerksamkeit für Argumente seiner KritikerInnen hat und zuhören kann. So besuchte er Ende Juni 2010 eine sogenannte Tagung der Grünen zur Sicherheitsforschung in der Agro-Gentechnik. Denn Rauschen macht sowas. Danach schrieb er sich seinen Frust von der Seele: "Unter dem Titel 'Gen-Pflanzen: Alle sicher? – Risikoforschung und politische Verantwortung' hatte Frau Höfken nach Berlin eingeladen. Dort sollten 'unabhängige, kritische' Wissenschaftler, welche die 'Gegen-Expertise' zum Mainstream darstellen, darüber informieren, was aus ihrer Sicht in der Sicherheitsforschung gemacht werden sollte. Und sie sollten Gelegenheit bekommen, zu erklären, warum sie das derzeit nicht machen können. Die Argumentation war ein wenig so: es gibt einen Mainstream an Wissenschaftlern, der von der Industrie abhängig ist. Nur ein kleines Dorf gallischer Wissenschaftler, repräsentiert durch die eingeladenen Plenumvertreter, ist in der Lage, Widerstand zu leisten. Darf aber natürlich keine wirkliche Wissenschaft betreiben, weil sie ja von den anderen gedisst werden und keinen Zugang zu Forschungsmaterial und -geld haben. Das alles müsse sich ändern, denn schließlich sei ja allen klar, dass gentechnisch veränderte Pflanzen schrecklich gefährlich und schrecklich und gefährlich sind. Nur zeigen könnten sie das halt nicht so richtig. Und wenn sie es versuchten, dann würden sie persönlich angegriffen, ihr Ruf ruiniert und überhaupt ginge man ganz schlimm mit ihnen um." Danach beschrieb Rauschen detailliert die Inhalte eines Vortrages, um daran seine Kritik festzumachen.
Das Spannende: Rauschen hatte völlig recht. Die Tagung der Grünen war eine peinlich handverlesene Nabelschau der eng zusammenarbeitenden Apparate von Grünen, Umweltverbänden und einigen Einzelpersonen. Viele von ihnen hängen am Geldtropf der Grünen oder staatlicher Fördertöpfe. Wer von seiner wissenschaftlichen Tätigkeit lebt und für Grüne oder Greenpeace Studien schreibt, wird Ergebnisse liefern, die den AuftraggeberInnen gefallen oder zumindest ermöglichen, nochmal mit einem brauchbar dotierten Auftrag bedacht zu werden. Wissenschaft im Kapitalismus ist immer abhängig und käuflich. Unabhängigkeit ist kaum möglich und nur denkbar außerhalb ökonomischer Verwertung - also wer aus Idealismus forscht und entweder anderweitig Geld erhält oder solches nicht braucht. An dieser Stelle war die Tagung der Grünen sogar skandalös in ihrer Handverlesenheit: Da waren nicht nur keine GentechnikanwenderInnen geladen, sondern auch GentechnikkritikerInnen unerwünscht, die ohne finanzielle Interesse die Versuchsfelder in Deutschland analysieren und dortige Forschungen evaluieren. Alle ReferentInnen waren so ausgesucht, dass sie zwar grünennah waren, aber von den konkreten Feldern keine Ahnung hatten. Insofern hätte Stefan Rauschen für sein Feld in Braunschweig auch keine AnsprechpartnerInnen auf der Tagung gefunden, denn die FunktionärInnen der Grünen und der NGOs aus den Metropolbüros kennen sich da draußen an den Feldern nicht aus. Und die sich auskannten, sollten nicht kommen.
Also: Soweit hatte Rauschen recht. Die Hauptamtlichen der Grünen und Verbände sowie die ihnen zuarbeitenden WissenschaftlerInnen bilden genauso eine Seilschaft wie die BefürworterInnen der Gentechnik. Aber genau darin liegt dann auch der Denkfehler von Rauschen. Denn so, wie sich die grünen- und NGO-nahen Apparatschiks selbst bejammern und als seriös gegenüber den ForscherInnen mit anderer Meinung abgrenzen, macht es auch Rauschen: "Leider konnten, wegen der Struktur der Veranstaltung, die kritischen, unabhängigen Wissenschaftler wie ich nicht zu Wort kommen. Vielmehr war das eine Selbst-Beweihräucherung erster Kategorie der 'wahren' kritischen, unabhängigen Wissenschaftler. Eine Chance, der ganzen Schwurbelei zu widersprechen, konnte ich daher leider nicht wahrnehmen. ... Während wir uns aus der BMBF geförderten Sicherheitsforschung immer anhören müssen, wir seien ja gar nicht unabhängig und “kritisch”. Wobei ich mich immer frage, wie man unabhängiger sein soll, als wir? Vom Steuerzahler bezahlt, im öffentlichen Auftrag? Und wie man kritischer sein können soll, als wir?" Es kommen einem die Tränen über diese Elitenkriege ...

Forschungsbetriebe als Lobbyisten, PR-Agenturen und Wegbereiter der Konzerne

Die deutschen Wissenschaftsakademien, insbesondere wenn sie sich gemeinsam öffentlich äußern, treten als Sprachrohr geballter Wissenschaftskompetenz auf. Auf 13.10.2009 veröffentlichten sie ein Grundsatzpapier zur Grünen Gentechnik. Wer hier fachliche Expertise erwartete, wurde jedoch enttäuscht. Das Pamphlet forderte eine Freibrief für Forschung und Pannen aller Art. Danach sollten "gentechnisch veränderte Sorten ... in haftungsrechtlicher Hinsicht nicht anders behandelt werden als sonstiges Saat- und Pflanzgut." Verärgert zeigen sich die WissenschaftlerInnen über die Uneinsichtigkeit der Bevölkerung, die ihre Meinung einfach nicht übernehmen will. Daher fordern sie staatliche Umerziehung: "Demokratische Politik kann die Meinung der Wähler nicht ignorieren. Sie ist aber auch dafür mitverantwortlich, dass die Wähler Fakten zur Kenntnis nehmen." Ganz offen wird aus Politik und Wissenschaft die "wirtschaftsnahen Forschung und Entwicklung neuer Produkte", also die Orientierung von Wissenschaft an wirtschaftlichen Zielen gefordert. Dieser Wunsch ist längst Wirklichkeit.

Im Original: Forschung und Industrie Hand in Hand ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus Horst Rehberger: "Unterwegs" (2009, S. 224)
Trotz ihrer auf Rückführung von Haushaltsansätzen abzielenden Politik hat die CDU/FDP-Koalition von Sachsen-Anhalt deshalb seit 2002 die Mittel für die Förderung der wirtschaftsnahen Forschung und Entwicklung neuer Produkte und Verfahren auf Vorschlag des Wirtschaftsministers drastisch erhöht.
Universitäten forschen für Produkteinführung (gleiche Quelle, S. 227)
Im Bereich der Grünen Biotechnologie wurde ein bundesweiter Erprobungsanbau für gentechnisch verbesserten Mais (Bt-Mais) realisiert. Mit großem Erfolg. Die Federführung dafür lag beim InnoPlanta e.V. Die wissenschaftliche Betreuung bei der Landwirtschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Aus dem Forderungspapier der führenden Forschungsakademien am 13.10.2009
Gentechnisch veränderte Sorten, die zur Aussaat genehmigt sind, dürfen in haftungsrechtlicher Hinsicht nicht anders behandelt werden als sonstiges Saat- und Pflanzgut. ...
Demokratische Politik kann die Meinung der Wähler nicht ignorieren. Sie ist aber auch dafür mitverantwortlich, dass die Wähler Fakten zur Kenntnis nehmen.
Jammern auf hohem Niveau bei der Akademie der Wissenschaften: Fast nichts geht, doch alles klappt???
Aus "Gute und schlechte Gene" in: Tagesspiegel vom 04.11.2009
Strenge Gesetze und die Skepsis in der Bevölkerung machen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland nahezu unmöglich. Dieses aus Sicht der Pflanzenforschung ernüchternde Fazit ziehen die Autoren des zweiten Gentechnologieberichts der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Trotzdem entwickelte sich die Forschung zur grünen Gentechnik rasch weiter ...

Bleibt noch die absurdeste Begründung für deutsche Agro-Gentechnikforschung. Wenn gar nichts mehr hilft, alle Argumente widerlegt sind, aber die Ideologie zum Festhalten an der Agro-Gentechnik zwingt, dann kann vielleicht der CDU-Politiker Peter Stein ein Vorbildung sein: "Ich habe dabei überdies mehr Vertrauen in eigene Forschungsergebnisse als in fremde. " (MVticker vom 18.6.2009).

Zocken, Vertuschen, Fälschen: Die deutschen Universitäten

Hauptort wissenschaftlicher Diskursbildung und praktischer Wissenschaft sind die Hochschulen. Wer sich einen Eindruck von der Lage in den Biologien und Agrarwissenschaften - also Hauptorte agro-gentechischer Forschung und Lehre - machen will, dem sei empfohlen, doch einfach mal in so eine Universität hineinzuspazieren. Wenn sie nicht gerade als KritikerIn der Agro-Gentechnik bekannt sind, wird mensch sie nicht aufhalten. Schlendern Sie durch die Flure und schauen Sie, was Sie da so finden: Aushänge, Auslagen, Jobangebote, Lehrveranstaltungen. Das ist schon beeindruckend, wie am Beispiel des IFZ in Gießen und der dort arbeitenden Genversuchsleiter Kogel und Friedt geschildert werden soll (siehe Kapitel zum Gengerstefeld und die Internetseite zum IFZ, Friedt und Kogel).
Natürlich sind die Gießener Agro-Gentechniker kein Einzelfall. Im Gegenteil: Uni-Profs sind heute überall PR-AgentInnen und LobbyistInnen auf der Suche nach frischem Geld - ein "Kleinmanager, der seine eigene Arbeitseinheit verwaltet und sich ständig duch das Nachliefern von Drittmittelprojekten versorgt."

Aus einem Interview mit Axel Honneth, Direktor des Instituts für Sozialforschung, in: Freitag, 3.8.2007 (S. 11)
Es wird sich ein neuer Typus von Professor herausbilden: Der Kleinmanager, der seine eigene Arbeitseinheit verwaltet und sich ständig duch das Nachliefern von Drittmittelprojekten versorgt. Dieser Kleinmanager wird zu eigener, autonomer Forschung gar nicht mehr in der Lage sein, weil dazu der geregelte Rückzug aus dem administrativen Geschäft der Universtität gehört. Er wird immer mit einem Auge auf die Drittmittelchancen achten und sich selber nicht mehr die Zeit für intensive Foschung nehmen können.

Ein wichtiger Knotenpunkt der deutschen Gentechnikseilschaften ist die Biologie der RWTH Achen. An der dortigen Uni gibt gar keine landwirschaftliche Fakultät, aber dennoch prägt ein Clan von Leuten aus der RWTH das behördlich-staatliche Geschehen zur Gentechnik in Deutschland. Ziehvater ist Prof. Ingolf Schuphan, der auch wichtige staatlicheForschungsprogramme zur Gentechnik koordiniert, u.a. die Auskreuzungsforschung. Das ist schon allein fragwürdig, weil es für ihn da nichts zu forschen gibt - seine Meinung pro Gentechnik stand von Anfang an fest. Folglich ergaben alle Forschungen in diesem Bereich aus seiner Sicht auch immer das gleiche Ergebnis.

Im Original: RWTH Aachen ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus einem Interview auf www.biosicherheit.de
Schuphan: Zunächst einmal: Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass ein Monitoring eigentlich nicht nötig ist, da eben keine schädlichen Auswirkungen des Bt-Mais nachweisbar waren. ...
Wenn es Bt-Effekte auf die Agro-Biodiversität geben sollte, dann sind sie zufallsbedingt und am Rande der Nachweisgrenze.


Aus einem Interview auf www.biosicherheit.de
Ingolf Schuphan: Das in Bt-Mais produzierte Bt-Protein wirkt spezifisch gegen Schmetterlingslarven. Ausgeschaltet werden jedoch nur die Larven des Maiszünslers , da nur sie an der Maispflanze fressen. Andere Schmetterlingslarven fressen nicht an Mais. ...
Aus vielen Untersuchungen wissen wir, dass außerhalb von Maisfeldern die Konzentration von Maispollen sehr gering ist. ...
Alle nationalen und internationalen Literaturdaten belegen eindeutig, dass außerhalb von Feldern mit Bt-Mais MON810 und eines Randstreifens von höchsten zehn Metern keine Bt-MON810-Pollenkonzentrationen erreicht werden, die Schmetterlingspopulationen schädigen könnten. ...
Im Herbst, wenn sich die Kraniche vor dem Wegzug sammeln, ist es denkbar, dass einzelne Kraniche auf abgeernteten Feldern auch Maiskörner aufnehmen. Dies ist schon wegen der geringen Menge ohne Bedeutung. Außerdem ist aus Fütterungsversuchen bekannt, dass Bt-Protein keine Wirkung auf Vögel hat. ...
Unsere Forschungsergebnisse zeigen ganz klar, dass der Anbau von Bt-Mais MON810 keine nachteiligen Wirkungen auf den Naturhaushalt hat. Abstandsflächen zu Naturschutzgebieten sind nicht nötig. Die im Gentechnik-Gesetz vorgeschrieben Mindestabstände von 150 bzw. 300 Metern dienen ausschließlich dazu, Auskreuzungen in benachbarte konventionelle Maisbestände zu minimieren.

Seit 2008 führt die RWTH Aachen auf dem Gelände der Ex-FAL westlich von Braunschweig (Bundesallee, dort sitzt auch das JKI) Versuche zur Wirkung von gentechnisch verändertem Mais auf verschiedene Tiere durch. Doch das Ergebnis stand in den Köpfen offenbar schon vorher fest (siehe im Abschnitt über die Biosicherheitsforschung). Deutlich wurde die Pro-Gentechnik-Einstellung auch, als Rauschen und Schuphan vorschlugen, Äcker zur Energiegewinnung zu nutzen - und zwar auch gleich mit Gentechnik (Stefan Rauschen/ Ingolf Schuphan, 2006, "Bt-Mais in die Biogasanlage? Nach der Vergärung nur noch Spuren des transgenen Proteins vorhanden", in: Mais 33, 126-127). Rauschen räumte 2009 freimütig ein, dass es für ihn ökonomische nur die Alternative zwischen Agro-Gentechnik, Auswandern oder Jobben als Taxifahrer gäbe (siehe oben).
Aus dem Aachener Dunstkreis sind etliche Personen, meist Zögliche von Schuphan, in die Welt gezogen und haben andernorts wichtige Posten in der Agro-Gentechnik übernommen. Darunter sind Detlev Bartsch, stellvertetender Chef der Gentechnikbehörde am BVL sowie Gutachter an der EFSA, und Achim Gathmann, jetzt auch am BVL tätig. Die beiden zentralen Personen der Gerstenversuche in Gießen, Prof. Kogel und Dr. Gregor Langen, waren beide an der RWTH tätig. Neben Schuphan und Rauschen ist Rainer Fischer zentrale Person im Aachener Gentechnik-Filz.

Nicht besser: Die Uni Mainz. Zusammen mit der FDP-Stiftung führt sie eine Veranstaltung durch unter dem Titel "Grüne Gentechnik: Chance oder Risiko?". Der Mediziner Prof. Dr. Theodor Junginger lud ein, der Theologe Prof. Dr. theol. Gerhard Kruip vom Lehrstuhl für Anthropologie und Sozialethik gab als williger Moderator einer völlig einseitigen Veranstaltung einen Geruch von Scheindebatten. Doch als Diskutanten waren ausschließlich Gentechnikbefürworter und -anwender anwesend: Prof. em. Dr. rer. nat. Heinz Saedler und Dr. Stefan Marcinowski. Ersterer arbeitet als Direktor der Abteilung "Molekulare Pflanzengenetik" am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln, deren Schwerpunkte die Mechanismen der Mutationsentstehung bei Bakterien durch Insertionselemente und bei Pflanzen durch Transposons, sog. „springende Gene“, sind. Das Institut führte den ersten Freilandversuch in Deutschland mit transgenen Petunienpflanzen durch. Der zweite Diskutant ist Mitglied des Vorstands der BASF SE in Ludwigshafen und trägt die Verantwortung im Vorstand u. a . für die Bereiche Pflanzenschutz, Pflanzenbiotechnologie und Coatings. Er ist zudem - wie praktisch bei diesem Podium - Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft.

Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Das Problem sind jedoch nicht die Einzelfälle, sondern das zugrundeliegende System. Es geht um die Frage, welchen Zielen Forschung dienen soll. Viele spektakuläre Erfindungen der Vergangenheit stammen aus der Kreativität von Menschen, für ihr Leben Verbesserungen schaffen oder von ihnen erkannte oder direkt erlebte Probleme Lösungen entwickelt wollten. Erste Ideen können von anderen weiterentwickelt und stets verbessert werden, wenn keine Interessen zur wirtschaftlichen Verwertung den Zugriff auf das Erfundene verbauen. Entwicklergeist, dessen Ergebnisse danach beurteilt werden, ob sie Profit oder Macht steigern, ticken anders. Hier zählt nicht der Sinn der Erfindung für ein besseres Leben oder konkrete Menschen, sondern der Nutzen für Monopole und Profite. Das aber steht menschlichen Bedürfnissen und dem Schutz der Natur fast immer konträr entgegen, denn die Ausbeutung menschlicher Arbeits- und Kaufkraft sowie die geldsparende Ausnutzung der natürlichen Ressourcen sind die zentralen Quellen des Profits. Folglich werden Erfindungen und technischer Fortschritt, der dem Anhäufen von Kapital, im günstigsten Falle monopolisiert, und Gewinnen dient, regelmäßig Mensch und Natur schaden. Das ist kein böser Wille forschender Menschen, sondern System! EntwicklerInnen in Firmen sind dem genauso unterworfen wie die ForscherInnen an Universitäten, die durch ihre Abhängigkeit von Förder- und Firmengeldern nur noch ein Rädchen in dieser Logik sind. Da können sie von Forschungsfreiheit reden, soviel sie wollen. Diese gibt es in einer solchen Forschungslandschaft nicht. Schlimmer: Die sich als frei und unabhängige gebärdenden WissenschaftlerInnen sind nicht als willige VollstreckerInnen in der großen Maschine von Profit und Macht. Sie ahnen es - und umso deutlicher ist ihr Gezeter um die Freiheit der Forschung das sprichwörtliche Pfeifen im Walde.

Im Original: Gedanken zu emanzipatorischer Forschung ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der Internetseite zu emanzipatorischer Gentechnikkritik:
Herrschaft und Technik
Technikentwicklung und Projektrealisierung finden auch in herrschaftsfreien Zeiten statt. Sie nehmen aber eine andere Richtung, weil sie auf anderen Logiken basieren. Realisiert wird, an was Menschen interessiert sind – und zwar von sich aus, nicht aus dem Zwang zur Verwertung oder dem Willen zur Beherrschung heraus. Weil sie ihr Wissen nicht von anderen abschotten können, ist jede Erfindung oder Entwicklung potentiell für alle gut. Und weil das unmittelbar einleuchtend ist, wird auch das Interesse steigen, dass Wissen sich austauscht und verbreitet – was wiederum fördert, dass horizontale Kommunikationssysteme entstehen. Denn: Nur unter Profit- und Machtgesichtspunkten ist es vorteilhaft, wenn Wissen gehortet, patentiert oder geheimgehalten wird. Das steigert den Preis oder Herrschaftsnutzen. Wo aber die Verwertungslogik fehlt, kann einE ErfinderIn nur alles für sich behalten, Konstruktionspläne verbrennen oder was auch immer. Davon hat sie/er nichts. Ist das Wissen aber frei, wird jedeR ErfinderIn schnell Verbesserungsvorschläge erfahren und wiederum bei anderen abgucken können. Es ist besser für jede Person, wenn sich jede andere Person auch voll entfalten und maximal viele gute eigene Gedanken entwickeln kann.
Was herauskommt, wäre ein grandioser Schub an Technikentwicklung für ein besseres Leben. Und das schnelle Ende der Entwicklung von Technik für mehr Profite. Statt großen, zentralen Kraftwerken oder Windparks, die ja wegen des dann erzwungenen Stromvertriebs über den Markt vor allem aus Profitinteressen entstehen, wird es viele kleine, oft technisch sehr fortschrittliche Lösungen geben, deren Ziel es ist, dass die Menschen es gut haben: Warm in den Räumen, schlaue Geräte am Stromnetz, arbeitssparende und hoch-effiziente Entsorgung von Fäkalien und Abfällen usw. Um Totalausfälle zu vermeiden, lohnt sich ein Verbund zwischen den verschiedenen Organisationseinheiten, deren Grenzen ohnehin nicht scharf gezogen sind – warum sollte daran jemand Interesse haben?
Alles basiert in einer herrschaftsfreien Welt auf Interessen der Menschen selbst. Sie werden eine Mobilität entwickeln, die ihren Wünschen entspricht: Reisen zu können (viele Menschen haben Lust auf Mobilität, daher werden Methoden des Vorankommens entstehen), ohne Lebensqualität zu verlieren (viele Menschen werden Lust auf lärm- und gestankarmes Leben haben, Kinder und Erwachsene wollen vor der Haustür spielen, daher wird die heutige Form der mit Zwang durchgesetzten Auto-Mobilität keine Chance haben). Was wird entstehen? Schwebebahnen? Das ist schwer vorherzusagen. Wir sind von dieser Welt weit entfernt. Nur eines dürfte klar sein: Eine herrschaftsfreie Welt ist keine anti-technische Welt. Ganz im Gegenteil: Die Produktivkraft wird extrem steigen, wenn die Menschen für ein besseres Leben tätig werden. Auch wenn sie (was zu erwarten ist) viel mehr das bessere Leben auch genießen werden – sie werden viel produktiver, einfallsreicher und kommunikativer agieren. Weil es ihnen hilft! Der Egoismus in Form des Willens zu einem besseren Leben, treibt die Produktivität und den Erfindungsreichtum der Einzelnen an, führt aber ebenso zu viel Kooperation und zum Wunsch, dass sich andere auch entfalten, weil ich das von ihnen Erschaffene nutzen, kopieren oder weiterentwickeln kann.

Hinzukommt die vielfältige persönliche Verstrickung der WissenschaftlerInnen in den Netzwerken der Agro-Gentechnik. So ist Hans-Jörg Jacobsen (Uni Hannover) Mitglied bei den LobbyistenWGG und PRRI, zudem sitzt er in der InnoPlanta-Jury. Karl-Heinz Kogel (Uni Gießen) beantragte aus dem Biosicherheitsfond Fahrtkosten für Besuche beim Lobbyverband BDP. Zudem hält er Patente mit BASF. Inge Broer (Uni Rostock) darf als Spitzenreiterin aller PostenjägerInnen gelten - sie sitzt bei Firmen, Lobbyverbänden und Regierungskommissionen. Prof. Dr. Andreas Schier ( Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen) ist Vorstand beim Lobbyverband WGG.

Forschungszentren, Institute und andere Seilschaften

Bleiben noch die großen Forschungsinstitute und -gemeinschaften des Landes - überwiegend mit dunkelster (Nazi-)Vergangenheit. Ihre ForscherInnen sitzen in Lobbyverbänden, kassieren Steuergelder in Millionenhöhe und haben sich immer wieder skrupellose Geschäftemacher und Vertuscher gezeigt: Deutsche Forschungsinstitute. Oft sind sie Teil der Seilschaften und geben der Gentechnik einen pseudo-wissenschaftlichen Anstrich. Durch ihre Beratungstätigkeit erscheinen Genehmigungen "neutral" geprüft. Aus der Fülle der Verstrickungen und ideologischen Äußerungen seien Beispiele herausgegriffen:

Bleibt noch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), der große Sponsor der deutschen Forschung mit nationalen Standortinteressen. Besetzt ist sie einseitig wie ZKBS und BVL. So sind auch hier Mitglieder der Senatskommission für Grundsatzfragen der Genforschung ein Spiegelbild der Gentechnikseilschaften: Prof. Dr. Christopher Baum (Medizinische Hochschule Hannover, Abteilung Experimentelle Hämatologie), Prof. Dr. Thomas Braun (Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung, Abteilung für Entwicklung und Umbau des Herzens), Prof. Dr. Bärbel Friedrich (Humboldt-Universität zu Berlin, Vorsitzende Institut für Biologie), Prof. Dr. Jörg Hinrich Hacker (Robert Koch-Institut), Prof. Dr. Christian Katzenmeier (Universität zu Köln, Institut für Medizinrecht), Prof. Dr. Klaus-Peter Koller (Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, S&MA, General Affairs, Valorisation & Innovation), Prof. Dr. Barbara Reinhold-Hurek (Universität Bremen, Laboratorium für Allgemeine Mikrobiologie), Prof. Dr. Uwe Sonnewald (Universität Erlangen-Nürnberg, Lehrstuhl für Biochemie), Prof. Dr. Klaus Tanner (Universität Heidelberg, Theologische Fakultät), Prof. Dr. Angelika Vallbracht (Universität Bremen, Zentrum für Umweltforschung und Umwelttechnologie), Prof. Dr. Eckhard Wolf (Universität München, Genzentrum-Laboratorium für molekulare Biologie) und als ständiger Gast Prof. Dr. Gerd Utermann (Institut für Medizinische Biologie und Humangenetik).

Im Original: DFG-Projekte zur Agro-Gentechnik ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der Akte der Versuchsleitung zum Gengerstenfeld bei der Uni Gießen (IPAZ)
Protokoll über das Fachgespräch "Schwellenwerte für Produkte aus gentechnisch veränderten Pflanzen" der DFG (30.+31. August in Bonn)
Mitglieder und ständige Gäste der Senatskommission: 4 Leute, davon 2 aus GI: Prof. H.G. Frede (Vors.), Prof. Kogel, 1 aus Kiel: Prof. C. Jung
Weitere Gäste: Mehrere, u.a. Buhk, Bartsch, Jany, Schiemann. Kommissionssekretariat: Dr. L. Breuer, GI.
Handschriftliche Vermerke von Prof. Kogel auf Konferenzunterlagen: "Sehr niedrige Schwellenwerte würden Forschung behindern", "Steht Aufwand für Kennzeichnung in vernünftiger Relation zum Nutzen".


Zur DFG auf "Save our Seeds" (taz-Blog)
Die DFG ist die “Selbstverwaltungseinrichtung” der Wissenschaften, die rund 2 Milliarden Euro jährlich an öffentlichen Mitteln vergibt, ein Herren-Club der alten Schule (an Frauen gehen in den “Lebenswissenschaften” Biologie, Medizin und Landwirtschaft ganze 20% in den restlichen Naturwissenschaften 7,4% der Mittel), in dessen Struktur man vergebens nach irgendeiner Beteiligung der Zivilgesellschaft an der Formulierung von Forschungszielen und Schwerpunkten sucht. Folgerichtig sucht man in ihren Förderschwerpunkten für den ohnehin sträflich unterbelichteten Landwirtschaftsbereich auch vergebens nach anderem als … Gentechnik. Methoden des ökologischen Landbaus gelten hier nach wie vor wohl als unwissenschaftlich.

Sicherheitsforschung: Versuchsfelder unter grünem Deckmantel

Über Auskreuzungs- und Sicherheitsforschung
findet sich ein Text ab Seite 24 in der Broschüre
"Organisierte Unverantwortlichkeit" (Infoseite ++ PDF)

Die biologische Sicherheitsforschung ist der Schwerpunkt des Förderungsprogramms landwirtschaftlicher Gentechnik durch das BMBF. Viele Genversuche sind in den vergangenen Jahren unter dieses Dach geschlüpft, weil unter der rot-grünen Bundesregierung vor allem hier Gelder bereitgestellt wurden. Die grüne Landwirtschafts- und Verbraucherministerin Künast stimmte dem Programm zu, dessen Name die tatsächlichen Interessen besser verschleiterte. Ein Blick in den Koalitionsvertrag von 2002 zeigte schon vorher deutlich, dass es darum ging, „das Potenzial der Biotechnologie zu nutzen und die Wettbewerbsfähigkeit des Biotechnologiestandortes Deutschland zu sichern und auszubauen.“ Im Ergebnis kam es zu vielen Umdeklarationen. Auch Versuche zur Entwicklung neuer Produkte und Methoden wurden als Sicherheitsforschung bezeichnet, um Akzeptanz für die Gentechnik und Zugänge zu den Fördermitteln zu schaffen. Genaue Zahlen zu Förderhöhen sind schwierig, da in vielen Projekten die Grenze zwischen Forschung zur Sicherheit von gv-Pflanzen einerseits und der Produkt- oder sogar Methodenentwicklung andererseits fließend verläuft. 2005 bis 2008 wurden nach Angaben der Bundesregierung110 24 Forschungsprojekte mit gentechnisch veränderten Pflanzen durch 21,5 Mio. € vom BMBF und 3,7 Mio. € vom BMELV gefördert, darunter 3,3 Mio. Euro für Pflanzenentwicklung111.

Schon in dieser Fördermittelverteilung wurde als Schwerpunkt die Propaganda erkennbar. Teile der Förderungen gingen direkt an forschungsbegleitende Internetportale. Die Webseite www.biosicherheit.de112 besteht seit 2001 und wurde 2004 bis 2010 durch das BMBF als Kommunikationsprojekt mit 1,8 Mio. Euro gefördert.113 Auf biosicherheit.de werden vor allem Ergebnisse von BMBF-Projekten zur Gentechnikforschung und Ergebnisse des EU-Projekts BIOSAFENET (Schiemann) sowie aktuelle Nachrichten und Hintergrundberichte dargestellt. Das redaktionelle Team besteht aus Sinemus, Minol und weiteren MitarbeiterInnen der Firma Genius, Gerd Spelsberg und weiteren Personen von TransGen sowie zwei Bediensteten des TÜV NORD. Alle drei Firmen bzw. Organisationen sprechen sich mehr oder weniger offen für die Gentechnik aus und haben ein finanzielles Interesse an möglichst vielen Anwendungen der Gentechnik. So sind Genius und TÜV NORD Mitglied des Wirtschaftsverbandes BIO Deutschland.114 Der TÜV NORD bietet Serviceleistungen bei der Betreuung gentechnischer Anlagen und der Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen sowie Hilfe bei der Planung, Vermittlung und Durchführung freisetzungsbegleitender Sicherheitsforschung oder zum Monitoring an. Hier betreiben also die AnwenderInnen von Gentechnik die Vermittlung von Ergebnissen aus der Sicherheitsforschung und die Propaganda über die Sicherheit solcher Produkte.
Die Ausbildung von VersuchsleiterInnen und Beauftragten für die biologische Sicherheit übernehmen wiederum auch Firmen und Organisationen, die völlig einseitig pro Gentechnik stehen. Eine davon ist DECHEMA. Deren Vorsitzender sagte in einer Rede: „Wenn sich Politiker zu nachwachsenden Rohstoffen bekennen und gleichzeitig die Anwendung der Grünen Gentechnik blockieren, dann ist das entweder Dummheit oder Verantwortungslosigkeit. Beides ist nicht tolerabel.“ Er fügte dann über die vermeintliche „Blockade der Grünen Gentechnik“ in Deutschland an: „Länder wie China und Indien, die zusammen die halbe Weltbevölkerung stellen und diese ernähren müssen, können und werden es sich nicht leisten, fahrlässig auf die Chancen der Grünen Gentechnik zu verzichten. Verantwortung wahrnehmen hieße deshalb für uns, in der Entwicklung und Anwendung einer sicheren Grünen Gentechnik eine Vorreiterrolle zu besetzen und dieses Wissen anderen Ländern zur Verfügung zu stellen.115
Die als Sicherheitsforschung deklarierten Versuche sind Hilfen bei der Produktentwicklung. Sie dienen also den Konzernen. So beantragte Monsanto eine Freisetzung von 2009-2012 in Üplingen und will dabei den gleichen Maishybrid MON 89034 x MON 88017 aussäen, der auch von der RWTH Aachen in einer aus dem Sicherheitsprogramm finanzierten Freisetzung (2008-2010) in Braunschweig ausgebracht wurde. Monsanto: „Im Rahmen der beantragten Freisetzung sollen die agronomischen Eigenschaften der gentechnisch veränderten Maislinien MON 89034 x MON 88017 und MON 89034 x NK603 sowie der zu Grunde liegenden Elternlinien geprüft und mit denen anderer konventioneller und gentechnisch veränderter Hybriden verglichen werden.“ Monsantos Ziel, „zulassungsrelevante Daten und Anwendungsempfehlungen zum Einsatz glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel für die Anwendung“ im Freilandversuch zu erarbeiten, verfolgen auch RWTH Aachen und vTI. Das hilft dem Konzern, bleibt aber riskant für Mensch und Umwelt, denn beim RWTH-Versuch sei „ein Eintrag von gentechnischen Veränderungen in konventionelle Sorten eine mit der Freisetzung in Kauf genommene und genehmigte Folge einer Freisetzungsgenehmigung“.116
Alle Versuche zur Biosicherheit werden von ForscherInnen durchgeführt, die vorher schon das Ergebnis kannten - nämlich dass ihre untersuchte Pflanze sicher ist. Das gilt auch für den Versuch, bei dem nach den Recherchen in Akten und Dokumenten sowie nach Beobachtungen vor Ort als einziges solche Forschungsarbeiten durchgeführt wurden, wie sie im Antrag zur Biosicherheit auch benannt wurden - sprich: Nicht alles Betrug war. Doch auch bei diesem Maisversuch von RWTH Aachen, vTI und weiteren Universtitäten - angelegt im Westen Braunschweigs - verkündete Versuchsleiter Stefan Rauschen schon vorher: „MON810 ist wiederholt in seiner Sicherheit bewertet worden. Danach ist Pollen von MON810 im Honig genauso unbedenklich, wie der von jeder anderen zugelassenen Maissorte auch. Ich finde es in diesem Zusammenhang unredlich, davon zu sprechen, von diesem Pollen könne eine Gefahr für den Verbraucher ausgehen. Das ist abwegig.“4 Die Einseitigkeit sogenannter Sicherheitsforschung entpuppte sich auch auf dem Abschlusspodium des dreijährigen EU-Sicherheitsprogramm für Gentechnik am 29.6.2009 in Berlin (Auszüge aus dem Programm siehe rechts). Beworben wurde es unter der Werbung vom Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Doch wer auf das Programm anschaute, erkannte schnell, dass für die TeilnehmerInnen mal wieder nur die Rolle der Fragenden übrig blieben sollte. Dass eine Quoten-GegnerInnen mit auf dem Podium saß, entsprang eher der üblichen Neigung bei Umweltverbände, bei jeder noch so sinnlosen Möglichkeit auf den Bühnen und an den Tischen der Eliten dabei sein zu wollen. Zudem hatte der NABU, dessen Gentechnikreferentin vor Ort mitdiskutierte, ohnehin immer die Notwendigkeit von Sicherheitsforschung unterstützt.
Prof. Krawinkel von der Uni Gießen war da deutlciher. Er bezeichnete die Risikoforschung in einem Vortrag am 13.7.2010 als falsche Schwerpunktsetzung in der Forschung. Für eine sichere Nahrungsmittelversorgung sei es viel effizienter, z.B. Methoden zu entwickeln, um die hohen Nachernteverluste zu minimieren. Riesige Forschungskapazitäten in die Agro-Gentechnik zu stecken, helfe nur den Konzernen, nicht aber der Ernährungssicherheit.

Im Original: Millionen für Scheinversuche ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
3,3 Mio. Euro aus Sicherheitsforschung für Pflanzenentwicklung!
Aus einem Text des Informationsdienst Gentechnik vom 25.5.2009
Welche Signale die Ministerin schon in Millionenhöhe an die Forschung setzt, macht nun die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Grünen deutlich: Allein rund 5 Millionen Euro gehen an die Privatindustrie für die Entwicklung von gentechnisch veränderten Pflanzen. Unter den Empfängerfirmen ist beispielsweise BASF, die mit über einer Millionen Euro pilzresistenten Weizen entwickelt. Auch aus dem Budget der "Biologischen Sicherheitsforschung" gehen 3,3 Millionen Euro an Projekte, bei denen Gentechnik-Pflanzen entwickelt werden. Das "Kommunikationsmanagement in der biologischen Sicherheitsforschung" ist der Regierung rund 2 Millionen Euro wert. Die Grünen fordern eine unabhängige Sicherheitsforschung. "Die knappen Gelder für die wichtige Biologische Sicherheitsforschung werden an Unternehmen gezahlt, die nachweislich eng mit der Agro-Gentechnik-Lobby verbunden sind und eine Deregulierung der Schutzvorschriften bei der Agro-Gentechnik anstreben", so Ulrike Höfken, verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen.

Aus der Bundestagsdrucksache 16/6208 (Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen zur Geldvergabe für Gentechnik, S. 5):
Zielsetzung der Fördermaßnahmen des BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) ist die Verwertung von Projektergebnissen. Somit gehören zu den langfristigen Zielen der Projekte auch die Produktentwicklungen für den Markt. Jedoch sind mit Ausnahme von dem Vorhaben „BioChancePLUS; Reinigung des Medikamentes rh1.3 aus transgener Gerste; Teilprojekt A“ die in den aufgeführten Projekten entwickelten, gentechnisch veränderten Pflanzen in der entwickelten Form weder für eine direkte Vermarktung vorgesehen noch geeignet. Im Rahmen der Fördermaßnahme Biologische Sicherheit und BioOK stehen Fragen zur Sicherheit gentechnisch veränderter Pflanzen im Forschungsfokus. Es werden keine gentechnisch veränderten Pflanzen entwickelt und vermarktet. Aus einem Schreiben von Dr. Stefan Rauschen, verantwortlicher Beteiligter an den Versuchen, am 12.3.2009
Solange gilt, was auch die EU Kommission in ihrer Rechtsauffassung ausdrückt: Honig muss in keinem Fall gekennzeichnet werden, wenn er Pollen von MON810 enthält. Ich kann verstehen, wenn Imker es grundsätzlich ablehnen, Pollen von MON810 in ihrem Honig zu haben. Ich muss aber auch feststellen, dass dies nichts mit der Sicherheit von MON810 Pollen zu tun hat, sondern ein Alleinstellungsmerkmal der Imker unter dem „gentechnikfrei"-Siegel bringen soll. MON810 ist wiederholt in seiner Sicherheit bewertet worden. Danach ist Pollen von MON810 im Honig genauso unbedenklich, wie der von jeder anderen zugelassenen Maissorte auch. Ich finde es in diesem Zusammenhang unredlich, davon zu sprechen, von diesem Pollen könne eine Gefahr für den Verbraucher ausgehen. Das ist abwegig. ...
Experimentelle Freisetzungen sind meiner Auffassung nach wichtig, denn sie liefern Grundlagen für die Sicherheitsbewertung dieser Pflanzen. Werden Feldversuche zerstört, die die möglichen Auswirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen erforschen sollen, so läuft das dem eigentlichen Ziel, die Umwelt zu schützen, direkt entgegen. Mit unserer Forschung wollen wir ja Erkenntnisse sammeln, mit denen die Umwelt vor unerwarteten negativen Auswirkungen geschützt werden kann.


Forschungsgelder einseitig und umweltunverträglich verteilt
Aus der BÖLW-Pressemitteilung vom 26.1.2009
„Zwar konnten mit im Schnitt jährlich ca. 7 Mio. € aus Mitteln des Bundesprogramms Ökologischer Landbau wichtige Praxisfragen beforscht werden“, lobte Prof. Jürgen Heß von der Universität Kassel, „aber für notwendige Grundlagenforschung und um den Ökolandbau als innovatives System für eine nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft weiterzuentwickeln, gibt es kein Geld.“ Den Mitteln für die Ökolandbauforschung stehen jährlich allein 165 Mio. € für Biotechnologieforschung durch das Bundesforschungsministerium und 26 Mio. € für die Erforschung nachwachsender Rohstoffe gegenüber: „Das ist eine eklatante Ungleichstellung der verschiedenen Ansätze innerhalb der Agrarforschung“, so Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des BÖLW.
Zusätzlich wird die Agro-Gentechnik-Forschung von der Privatwirtschaft finanziert, BASF investiert jährlich allein 133 Mio. € in diesem Bereich. „Gerade weil der Ökolandbau keine patentierbaren Produkte, hinter denen privatwirtschaftliche Interesse stehen, hervorbringt, muss der Staat hier Forschungs- und Entwicklungsvorhaben verstärkt fördern und fordern“, so Felix Prinz zu Löwenstein.


Bundesforschungsministerium selbst zur BioSicherheits-Forschung im Internet (Auszug):
Die Agrar- und Ernährungsforschung nimmt seit jeher einen zentralen Schwerpunkt in der Förderpolitik der Bundesregierung ein und ist als "Innovationsfeld Pflanze" in der Hightech-Strategie verankert. In Absprache mit dem BMELV konzentiert sich das BMBF neben Maßnahmen der Struktur- und Kompetenzbildung in den Agrar- und Ernährungswissenschaften auf die Förderung neuer Ansätze in der molekularbiologischen Forschung sowie deren begleitender Sicherheitsforschung. Das BMELV setzt seinen Schwerpunkt hingegen über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) auf die Themengebiete Energiepflanzen, Erforschung industrieller Werkstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sowie Nutzung von Bioenergie. Ferner setzt sich das BMELV im Rahmen der Ressortforschung, wie z. B. am Julius-Kühn-Institut oder im Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), intensiv mit den aktuellen Themen der Agrar- und Ernährungsforschung auseinander. ...
Seit Anfang der 80er Jahren werden die Forschungsarbeiten zur biologischen Sicherheit vom BMBF unterstützt. Bis heute wurden mehr als 300 Vorhaben in Höhe von 93 Millionen Euro gefördert. Die letzte Bekanntmachung erfolgte Mitte 2007 mit einem Fördervolumen von 10 Millionen Euro. Hiermit werden aktuell 29 Forschungsprojekte der biologischen Sicherheitsforschung zur Grünen Gentechnik unterstützt.

Sicherheitsforschung als wichtige Finanzierungsquelle der Seilschaften und PR-Arbeit
Aus dem Diskussionspapier des BMBF (Annette Schavan) zum Runden Tisch Gentechnik (Treffen vom 22.7.2009):
Bis heute wurden mit mehr als 100 Millionen Euro über 300 Vorhaben vom BMBF im Bereich der biologischen Sicherheitsforschung gefördert. Die Auswahl der Projekte erfolgt - unter Anlegung hoher wissenschaftlicher Qualitätsstandards - durch unabhängige, renommierte nationale und internationale Experten. Insgesamt haben sich über 60 Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen beteiligt. ...
Allerdings fließen die Ergebnisse der Biologischen Sicherheitsforschung noch immer nicht ausreichend in die öffentliche Diskussion und Bewertung der Grünen Gentechnik ein. Hier müssen neue, vertrauensbildende Maßnahmen entwickelt werden.

Aus "Ticker", Beilage zur Stichwort Bayer 2/09, S. 10 f.:
Fragwürdige Sicherheitsforschung

BAYER & Co. interessieren sich nicht groß für die Risiken und Nebenwirkungen der Gentechnik und scheuen die entsprechenden Investitionen. Forschungsprojekte dieser Art lassen sich sich vielmehr vom Staat finanzieren. So spendierte das Bundesforschungsministerium (BMBF) unlängst acht Millionen Euro für solche Projkete. Und wo Sicherheitsforschung draufsteht, ist oftmals etas ganz anderes drin, wie eine ANfrage der Bundestagsabgeordneten Kirsten Tackmann (Die Linke) enthüllte. "DIe kleine Anfrage hat ergeben, dass die Biosicherheitsforschung nicht hält, was sie verspricht. Einige der in der aktuell bis 2011 laufenden Förderperiode finanzierten Projekte dienen nicht dem Interesse der Allgemienheit. Nicht Umweltschutz, sondern ein 'Beitrag zur Methodenentwicklung' steht im Fokus", stellt Tackmann fest. So widmet sich beispielsweise kein einziges Forschungsvorhaben den von schon zugelassenen Gen-Pflanzen ausgehenden Gefahren. Mit Dr. Inge Broer zählt auch eine alte Bekannte BAYERs zu den NutznießerInnen der Subventionen (Ticker 2/07). Die Biologin von der Universität Rostock, die in der Vergangenheit gemeinsam mit dem Leverkusener Multi sechs Proteine und gentechnische Verfahren zum Patent anmeldete, erhielt 316.000 Euro vom BMBF. Damit will Broer die Auswirkungen von kunststoff-produzierenden Genkartoffeln auf die Umwelt erforschen.

Auszüge aus der Bundestagsdrucksache 16/10751 vom 3.11.2008
Die Förderung erfolgt als direkte Projektförderung und nicht in Form einer Auftragsvergabe. Alle Projekte werden mit 100 Prozent der Ausgaben an nicht- industrielle Einrichtungen gefördert. Die geförderten Arbeitsgruppen beurteilen die Projekte unabhängig und sind nur der wissenschaftlichen Wahrheit verpflichtet. ...

Sicherheitsforschung ist Produktentwicklung
Aus dem Diskussionspapier des BMBF (Annette Schavan) zum Runden Tisch Gentechnik (Treffen vom 22.7.2009):
Die Erweiterung des Wissens über das Verhalten gentechnisch veränderter Pflanzen unter Freilandbedingungen und die Beobachtung der Auswirkungen ihrer Anwendungen sind wichtige Beiträge zu einer verantwortlichen, am Vorsorgeprinzip orientierten Nutzung der Grünen Gentechnik. ...

Kritik von Renate Künast (die muss es wissen, sie hat als Ministerin das Biosicherheitsprogramm stark gefördert, um die deutsche Gentechnik voranzubringen), Kommentar in Financial Times Deutschland, 27.7.2009:
"Färbt uns grün!" - das war vor rund 20 Jahren der Auftrag der Agro-Gentechnikindustrie an diverse PR-Berater, um das angeschlagene Image aufzupolieren. Fortan nannten sie es "grüne" Gentechnologie - genutzt hat es der Branche wenig. ... Es geht Schavan mit ihren Runden Tischen zur Grünen Gentechnik gar nicht um eine ergebnisoffene Diskussion und die Suche nach Lösungen für globale Herausforderungen. Es geht ihr allein um die Beförderung der Agro-Gentechnik. So ließ sie beim letzten Runden Tisch in der vergangenen Woche keinen Zweifel daran, dass sie nicht nur Forschung zur Gentechnik, sondern auch deren Anwendung wolle - unabhängig von den Ergebnissen der biologischen Sicherheitsforschung.
Im Original: Aus der Lorch/Then-Studie ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Biologische Sicherheitsforschung
  • Finanzierung: Es ist schwierig genaue Zahlen zur Förderung von Biologischer Sicherheitsforschung zu finden, da in vielen Projekten die Grenze zwischen Forschung zur (grundlegenden Sicherheit) von gv-Pflanzen und einer sicheren Produktentwicklung sehr fliessend verläuft.
    Aus eine Kleinen Anfrage lassen sich jedoch andere Zahlen entnehmen: Es werden derzeit 24 Forschungsprojekte mit gentechnisch veränderten Pflanzen mit Bundesmitteln gefördert. Die Höhe der Bundesmittel für diese Projekte beträgt insgesamt rund 25,2 Mill. Euro (BMBF: 21,5 Mill. Euro; BMELV: 3,7 Mill. Euro). 2007 wurden Forschungsprojekte mit gentechnisch veränderten Pflanzen mit rund 7,8 Mill. Euro gefördert. Einige der Forschungsprojekte im Bereich der Agro-Gentechnikforschung befassen sich zwar mit Fragen zur biologischen Sicherheit, mit Fragen zur Sicherung der Koexistenz oder zum Anbau begleitenden Monitoring, aber in anderen Fällen, ist die Grenze zwischen Forschung zur Sicherheit und zur Entwicklung sicherer Produkte undeutlich.
  • Eine Auswertung der einer Kleinen Anfrage ergibt:
    1. Es werden 8 Projekte zur Biologischen Sicherheitsforschung gefördert mit einem Gesamtvolumen von 14.792.000 Euro (Förderung von 7 Projekten durch das BMBF; 1 Projekt durch das BMELV).
    2. Noch laufende Projekte zur Biologischen Sicherheitsforschung laufen 2008 aus, und es wurden keine weiteren bzw. neuen Forschungsprojekte zur Biologischen Sicherheitsforschung initiiert.
    3. Es werden keine Bundesmittel für Fragen zum flächendeckenden Auskreuzungsmonitoring zur Verfügung oder zur Untersuchung der Wirkung von Gentech-Pflanzen auf Bienen sowie deren Ausbreitung durch Bienen bereitgestellt.
    4. Das Projekt „Kommunikationsmanagement in der biologischen Sicherheitsforschung“ mit einem Gesamtbetrag in Höhe von 1.858.000 Euro wird ebenfalls aus dem Topf „Biologische Sicherheitsforschung“ finanziert. Davon gehen allein 1.230.000 Euro an die Firma Genius (und in Unteraufträgen an TransGen e.V. und TÜV Nord.
biosicherheit.de und GMO-Compass
  • biosicherheit.de: Die Webseite biosicherheit.de, bzw. ihre englische Übersetzung gmosafety.eu) besteht seit 2001 und wird z.Z. (2004-2010) durch das BMBF als Kommunikationsprojekt gefördert. Auf biosicherheit.de werden vor allem Ergebnisse von BMBF-Projekten zur Gentechnikforschung und Ergebnisse des EU-Projekts BIOSAFENET (Schiemann), sowie aktuelle Nachrichten und Hintergrundberichte dargestellt. Das redaktionelle Team besteht aus Mitarbeitern der Firma Genius, (u.a. Kristina Sinemus und Klaus Minol), TransGen (Gerd Spelsberg) und dem TÜV Nord. Alle drei Firmen bzw. Organisationen sprechen sich mehr oder weniger explizit für die Gentechnik aus. So sind z.B. Genius und TÜV Nord sind Mitglied der Lobbyorganisation Bio Deutschland. Der TÜV Nord bietet u.a. Serviceleistungen bei der Betreuung gentechnischer Anlagen und der Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen sowie Hilfe bei der Planung, Vermittlung und Durchführung freisetzungsbegleitender Sicherheitsforschung oder zum Monitoring an.
  • GMO-Compass: Die Webseite gmo-compass.org wird ebenfalls durch Genius und TransGen betreut. Die Finanzierung erfolgte 2005-06 als EU-Projekt „GMO-Compass–GMO Communication and safety evaluation platform“ mit 460.000 Euro. Nach Ablauf wurde die Finanzierung 2007 durch EuropaBio und 2007/08 durch das BMELV übernommen. Die Webseite baut v.a. auf der TransGen-Webseite auf, die seit 1997 aus verschiedenen Quellen finanziert wird (Ministerien/Behörden, Gentechnik-Industrie, InnoPlanta). Zu den Beiratsmitglieder des GMO-Compass gehören u.a. Joachim Schiemann und Vertreter von BEUC und EuropaBio.
  • Webseiten: www.biocherheit.de, www.gmo-safety.eu, www.gmo-compass.org
Betrug Biosicherheitsforschung: Gefälschte Anträge, Bewilligungen außerhalb der Förderrichtlinie

Etliche Millionen an Fördermitteln werden über das staatliche Förderprogramm zur Biosicherheit in Deutschland verteilt.1 Die Folge: VersuchsbetreiberInnen stürzen sich auf dieses frische Feld. Auch für Felder, die mit Sicherheitsforschung nichts zu tun haben, werden Anträge gestellt und die Versuche dafür umdeklariert. Tatsächlich wurde in den vergangenen Jahren auf mehreren Versuchsfeldern, die als Sicherheitsforschung angemeldet und bezuschusst wurden, tatsächlich an neuen Produkten oder Methoden geforscht. Förderanträge zu fälschen, ist Betrug und ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Gleiches gilt für bewusste falsche Angaben über Versuchsziele im Genehmigungsverfahren. Wo die realen Felder ganz anderen Zwecken dienen, waren sie von der Genehmigung nicht gedeckt und folglich illegal - ebenfalls eine Straftat, diesmal nach dem Gentechnikgesetz. Doch RobenträgerInnen werden nicht vom Staat bezahlt, um solche Skandale aufzudecken, in die die staatlichen Geldvergabestellen selbst verwickelt sind. Alle Strafanzeigen in diese Richtung wurden ohne Ermittlungen eingestellt.
Noch ein zweiter Betrug lauert hinter den meisten Versuchsfeldern. Denn von den Förderrichtlinien her waren die meisten der bisherigen Versuche zur Biosicherheit gar nicht zulässig. Nach dem Wortlaut im Biosicherheitsprogramms dürfen nur in begründeten Ausnahmefällen Forschungen mit Pflanzen bezuschusst werden, die nicht für eine Markteinführung bestimmt sind: "Freisetzungsbegleitende Untersuchungen sollen sich ausschließlich auf gentechnisch veränderte Pflanzen beziehen, deren Anwendung in Deutschland erwartet wird bzw. deren Freisetzung bereits erfolgt." Das aber ist fast nirgends der Fall. Auf der eigenen Internetseite sagt die durchführende Firma Biovativ sagt selbst: "Bis auf eine gentechnisch veränderte Kartoffel ist bei keiner dieser Pflanzen daran gedacht, sie in den nächsten Jahren als Produkte auf den Markt zu bringen." Es ist also leicht zu erkennen, dass Steuergelder zweckentfremdet ausgegeben wurden und werden. Das gilt auch für das Gießener Gengerstefeld. Auch dessen Gelder stammen aus dem Sicherheitsforschungsetat. Doch die Internetseite des BMBF sagt auch hier klar: "Eine kommerzielle Nutzung gentechnisch veränderter Gerste ist - zumindest in Europa - vorerst nicht zu erwarten."

Im Original: Förderrichtlinie und Realität ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Missbrauch von Steuergeldern
Aus Förderrichtlinien zur BioSicherheitsforschung (BMBF):
Laut Förderrichtlinie des Programms zur biologischen Sicherheitsforschung "sollen die Arbeiten zur Erhöhung der biologischen Sicherheit gentechnisch veränderter Pflanzen (...) an Kulturpflanzen bzw. für die Anwendung vorgesehenen Pflanzen durchgeführt werden und nur in begründeten Ausnahmefällen an Modellpflanzen. Freisetzungsbegleitende Untersuchungen sollen sich ausschließlich auf gentechnisch veränderte Pflanzen beziehen, deren Anwendung in Deutschland erwartet wird bzw. deren Freisetzung bereits erfolgt."

Dann ein Blick auf die Internetseite der Firma biovativ:
In 2009 sind in Groß Lüsewitz mehrere Freisetzungsversuche geplant. Bei den gentechnisch veränderten Pflanzen handelt es sich um Prototypen, bei denen verschiedene Fragestellungen untersucht werden sollen. In allen Fällen geht es um Sicherheits- und Begleitforschung. Bis auf eine gentechnisch veränderte Kartoffel ist bei keiner dieser Pflanzen daran gedacht, sie in den nächsten Jahren als Produkte auf den Markt zu bringen. Einige dieser Versuche werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms "Biologische Sicherheitsforschung" gefördert.

Gleiches mal auf der Seite des BMBF (Geldgeber) zum Versuch mit transgener Gerste:

Das Ministerium weiß also darum, dass die Versuche den Förderrichtlinien nicht entsprechen!

Sehr genau untersucht wurde das aus dem Biosicherheitsprogramm geförderte Feld mit gv-Gerste der Unis Gießen und Erlangen. 352.000 Euro erhielt die die beantragende Justus-von-Liebig-Universität für ein für drei Jahre konzipiertes Freilandexperiment. Nach eigenen Angaben wollten sie „die Frage klären, ob sich die gentechnisch veränderten Pflanzen negativ auf die für die Pflanzen wichtigen Bodenpilze, die Mykorrhiza auswirken“ (Gießener Anzeiger, 25.4.2006). Doch seltsam: Das Bodenleben interessierte sie gar nicht. Stattdessen konnten KritikerInnen nachweisen, dass Versuchsleiter Prof. Kogel an ganz anderen Dingen arbeitet: „Die Ergebnisse versprechen neue Möglichkeiten der Ertragssteigerung sowie eine Verbesserung der Widerstandskraft von Nutzpflanzen.“ Das Label Sicherheitsforschung war nur vorgeschoben, um die Fördergelder zu kassieren. Sicherheitsforschung fand nicht statt - und um Sicherheitsfragen kümmerten sich die ForscherInnen auch bei der Umsetzung ihres Versuchs wenig. Der Mäuseschutz wurde ganz weggelassen - und in beiden Anbaujahren (2008 fiel wegen einer Feldbesetzung aus) wuchs Gerste durch Schlampigkeit und Verstöße gegen die Sicherheitsauflagen unkontrolliert außerhalb der Sicherungen. Trotzdem wurde der Versuch ein zweites Mal, diesmal mit 301.000 € gefördert und neu genehmigt. Anzeigen gegen die Versuchsleitung wegen Fördermittelmissbrauchs und Verstößen gegen Sicherheitsauflagen und ein illegales Zweitfeld im Jahr 2009 wurden von Behörden und Staatsanwaltschaften ohne jegliche Prüfung verworfen.

Auskreuzungs- und Grenzwertforschung: Täuschung auf wissenschaftliche Grundlagen

Über Auskreuzungsforschung
findet sich ein Text ab Seite 25 in der Broschüre
"Organisierte Unverantwortlichkeit" (Infoseite ++ PDF)

Seit Beginn der Freisetzungen nimmt das Thema Auskreuzung wichtigen Raum in der Debatte um die Gefahren der Gentechnik ein. Dabei geht es um die Frage, wieweit die gentechnischen Veränderungen sich auf gleiche Pflanzenarten ausbreiten, in die Umwelt oder in Lebensmittel gelangen oder sich auch auf andere Lebewesen übertragen könnten. Bemerkenswert spät aber wurde diese Frage auch Gegenstand von Untersuchungen. Schon allein das erregte den Verdacht, dass auch den BefürworterInnen der Gentechnik von Beginn an klar war, dass Auskreuzung stattfindet und nicht zu kontrollieren ist. Forschung hätte das nur bestätigt - da war es GentechnikbefürworterInnen offenbar lieber, gar nicht darüber zu reden. Niemand bestritt, auch Konzerne und LobbyistInnen nicht, dass die Gentechnik früher oder später überall hingelangen würde. Sie konzentrierten sich darauf, den Menschen die Angst vor dieser Ausbreitung zu nehmen.
Doch mit den aktuellen Gentechnikgesetzen wurde die Klärung der Koexistenzfrage notwendig. Im § 1 des Gentechnikgesetzes ist festgelegt, dass eine gentechnikfreie Landwirtschaft - konventionell wie biologisch - möglich bleiben muss. Nur: Wie das gelingen kann, dafür gibt es keine wissenschaftlich fundierten Vorschläge. Erfahrungen aus langjährigem Anbau in Nord- und Südamerika sowie Indien zeigen recht deutlich, dass es nicht möglich ist, die Verbreitung der gv-Pflanzen mittel- und langfristig zu begrenzen. Inzwischen geben auch deutsche Wissenschaftler offen zu, dass Gentechnik nicht kontrollierbar ist. Die Reihenfolge der Geschehnisse in Deutschland war folglich höchst seltsam: Erst wurde die Gentechnik in die Landschaft gebracht, dann wurde ein Gesetz erlassen, dass diese Gentechnik nicht überall hin auskreuzen darf. Dann erst liefen die wissenschaftlichen Untersuchungen an, ob das überhaupt geht. Alle diese Forschungen haben mindestens sechs grundsätzliche Schwächen:

  1. Auskreuzung kann nicht verhindert werden. Untersucht wird daher nur, wie schnell und wie weit Auskreuzung stattfindet. Ziel ist die Festlegung von Grenzwerten unter denen Produkte dann als gentechnikfrei bezeichnet werden können. Es ist allen Beteiligten klar, dass die vollständige Gentechnikfreiheit im Landbau technisch nicht mehr möglich ist, wenn erst einmal gv-Pflanzen in der Umwelt sind. Daher geht es, obwohl gesetzlich vorgeschrieben, gar nicht mehr um die Koexistenz von gentechnischer und gentechnikfreier Landwirtschaft, sondern um die Festlegung und ständige Erhöhung von Grenzwerten, unterhalb derer Produkte als gentechnikfrei bezeichnet werden, obwohl sie das nicht sind. Zur Zeit liegen die Grenzwerte für gentechnikfreie konventionelle Landwirtschaft bei 0,9 Prozent. Tendenz steigend. Joachim Schiemann (JKI) forscht angeblich zu Grenzwerten, aber fordert längst höhere - ähnlich wie die Konzerne, ForscherInnen und andere Behörden. Dass Koexistenz nur mit der Grenzwertlüge möglich ist, gibt Schiemann offen zu: „Eine gentechnikfreie Produktion mit Nulltoleranz ist nicht praktikabel. Selbst bei einem völligen Verzicht wären Schwellenwerte für unbeabsichtigte Anteile von GVO in Importwaren unabdingbar. Werden geeignete Schwellenwerte vereinbart, ist eine Koexistenz möglich. Für den Saatgutbereich bedeutet das einen Schwellenwert von mindestens einem Prozent für unbeabsichtigte gv-Beimengungen.“118
  2. Untersucht wird nur die Auskreuzung durch den Wind (Pollenflug), also die passive Verbreitung der gentechnisch veränderten Pflanzen. Es gibt aber mindestens zwei weitere Wege aktiver Übertragung. Zum einen durch Insekten, vor allem Bienen. Diese fliegen aus eigener Kraft von Pflanze zu Pflanze - und zwar bereits sofort bei der ersten Blüte einer neu ausgebrachten Züchtung und über lange Distanzen (6 bis 10 Kilometer). Langfristig transportieren Insekten die Gensequenzen im Zusammenhang mit Wanderbewegungen auch über unbegrenzbar lange Wege. Zum anderen ist inzwischen gesichert, dass es einen horizontalen Gentransfer über Artgrenzen hinweg gibt. Wo diese stattfindet, ist eine Rückverfolgung nicht mehr möglich, weil es keine wissenschaftliche Arbeitshypothese gibt, wo welcher Gentransfer abläuft.
  3. Hinzu kommt die übliche Streuung durch das Versagen von Mensch oder Maschine. Viele Getreide- und Rapspflanzen an Wegrändern wuchsen aus herausfallenden Körnern von Transportwagen oder aus aufgerissenen Saatgutsäcken. Nicht zu verhindern ist die Vermischung bei Nutzung der gleichen Anhänger und Maschinen, Abfüll- und Reinigungsanlagen. Behälter können verwechselt oder falsch deklariert werden. In der recht jungen Geschichte der grünen Gentechnik ist das alles schon mehrfach passiert. Hoffnung auf Besserung besteht nicht, denn selbst bei den besser gesicherten radioaktiven Stoffen oder Massenvernichtungswaffen sind Schwund und Verwechselung alltäglich.
  4. Alle als wissenschaftliche Untersuchungen zur Auskreuzungsforschung dargestellten Feldversuche werden von genau den Seilschaften durchgeführt, die in diesem Reader bereits näher dargestellt wurden. Sie haben als PatentinhaberInnen, Dienstleister für Versuchsdurchführung oder Handelnde in Konzernen ein berufliches, politisches oder propagandistisches Interesse an Ergebnissen, die eine spätere Anwendung der Gentechnik nicht behindern. Hier findet folglich gerichtete Wissenschaft statt, die - wie üblich - bestimmte Interessen verfolgt und nicht unabhängig ist.
  5. Angesichts der auch von GentechnikbefürworterInnen erkannten grundsätzlichen Unmöglichkeit der Verhinderung von Auskreuzung in der Umwelt ist zudem als neues Argument bereits vorbereitet worden, dass diese Verhinderung allein kein einklagbares Ziel sei. Ausgerechnet das BVL stellte am 23.4.2009 vor dem Verwaltungsgericht klar, dass die Koexistenzgarantie des § 1 GentG, Satz 2 keine Rolle spiele: „Die Möglichkeit von Auskreuzungen, die auch bei Anordnung eines deutlich größeren Isolationsabstandes im Freiland nie vollständig ausgeschlossen werden könne, stehe der Erteilung der von der Beigeladenen beantragten Genehmigung nicht entgegen. Auskreuzungen seien nur dann als schädliche Einwirkungen im Sinne des § 1 Nr. 1 GentG anzusehen, wenn sie die betroffenen Pflanzen nachteilig veränderten, indem sie etwa zur Ausbildung schädlicher Eigenschaften führten, was bei den streitgegenständlichen transgenen Maispflanzen nach der Bewertung der ZKBS nicht zu erwarten sei“. Zudem könne bei konkreten Nachteilen, „vor denen allein das Gentechnikgesetz schütze“, höchstens Schadenersatz, nicht jedoch das Ende des Genversuchs verlangt werden.119 Das Gericht schloss sich dieser Auffassung an, die Koexistenzgarantie und Verursacherprinzip praktisch abschaffte.
  6. Jeder Auskreuzungsversuch hat Auskreuzung zur Folge (das ist ja im Versuch angelegt), schafft also die Gefahr, die er zu untersuchen vorgibt, selbst. Auch hier gilt wieder, dass die Sicherheitsforschung selbst besondere Gefahren schafft - je nachdem, welche Pflanzen genutzt werden. Bislang wurden vor allem die kommerziell zugelassenen Sorten wie MON810 als Forschungsgegenstand gewählt. Damit waren die Gefahren nicht größer als bei landwirtschaftlichen Flächen - aber auch nicht kleiner.

Auskreuzungsforschung dient der Produktentwicklung, weil sie keine offenen Fragen der Gentechnik untersucht oder mögliche Gefahren bei Zulassungen prüft, sondern selbst die Grundlage für die Zulassung schafft, z.B. die gesetzlichen Grenzwerte, unterhalb derer ein Futter- oder Lebensmittel als gentechnikfrei gilt - ohne es zu sein. Der oberste Kontrolleur der Gentechnik in Deutschland, BVL-Gentechnikchef Buhk, warnte folgerichtig vor „Schwellenwerten, deren Überschreitung künftig die Kennzeichnungspflicht nach Richtlinie 2001/18/EG beziehungsweise der EU-Verordnung auslösen werden.“ Solche zu niedrigen Grenzwerte hätten Folgen, die „mit erheblichem zeitlichen, administrativen und finanziellen Aufwand verbunden“ sein könnten.120
Zum Vergleich: Eine Forschung an Atomkraftwerken, ab welchem Abstand von den Kraftwerken ein Wohnhaus als strahlungsfrei bezeichnet werden darf, weil es ,nur' eine bestimmte Menge an Radioaktivität abbekommt, würden nur wenige als Sicherheitsforschung begreifen, sondern als Beitrag dazu, Atomkraftnutzung handhabbar zu machen. Sie wäre eine die Atomkraft vorantreibende Forschung. So verhält es sich auch mit der Sicherheitsforschung in der Gentechnik: Sie dient der Durchsetzung von gentechnischen Produkten auf dem Markt, weil Regeln für deren Verbreitung geschaffen werden. Die Forschung hilft dabei, solche Regeln zu finden, die den Gentechnikanbietern genügend Spielraum geben und allen anderen die Möglichkeit nehmen, eine Markteinführung zu verhindern, weil ja nun alles legal ist. Grenzwerte in Gesetzen werden an die Bedürfnisse der Konzerne angepasst, nicht umgekehrt.
Die ersten Auskreuzungsversuche mit transgenen Maissorten liefen 2005-08. Projektpartner waren u.a. die RWTH Aachen, die BBA in Braunschweig und Darmstadt (jetzt JKI) und das BioTestLabor (BTL GmbH) aus den Seilschaften am AgroBioTechnikum. Die Summe der Fördergelder betrug 3,27 Mio €.121
Im Jahr 2008 standen wichtige Felder der Auskreuzungsforschung in Rheinstetten-Forchheim (Versuch der Technischen Landeszentrale in Baden-Württemberg), in Braunschweig (RWTH Aachen) und im nahegelegenen Sickte (Versuch des JKI). Fragwürdig ist bereits, dass alle drei Versuchsbetreiber mit klaren Positionen pro Gentechnik auftreten, d.h. die Folgen- und Sicherheitsforschung an der Gentechnik wird von Instituten und Personen durchgeführt, die schon vorher wissen, dass es keine nachteiligen Wirkungen der Gentechnik gibt. 2009 sollte dann der Sickter Versuch, weil er 55.000 Euro Bewachungskosten verursachte, mit dem Forschungsfeld der RWTH Aachen auf dem Gelände der ehemaligen FAL in Braunschweig (Bundesallee) zusammengelegt werden - fiel aber dem MON810-Verbot zum Opfer.
An der Aachener Uni gibt es keine landwirtschaftliche Fakultät. Die Seilschaft aus Aachen (u.a. Ingolf Schuphan, die BVL-Vertreter Bartsch und Gathmann sowie Kogel und Gregor Langen, heute Uni Gießen) besteht aus Biologen. Sie arbeiten an verschiedenen Orten als Genforscher oder in den Genehmigungsbehörden. Bartsch führte in seiner Zeit in Aachen (1992-2000) selbst Freisetzungsversuche durch, u.a. mit gv-Zuckerrüben der Firma KWS. Schuphan, bei dem Bartsch als wissenschaftlicher Mitarbeiter diente, war Leiter verschiedener BMBF-Projekte zur Biologischen Sicherheitsforschung - obwohl er diese für überflüssig hielt: „Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass ein Monitoring eigentlich nicht nötig ist, da eben keine schädlichen Auswirkungen des Bt-Mais nachweisbar waren.“122 und „Unsere Forschungsergebnisse zeigen ganz klar, dass der Anbau von Bt-Mais MON810 keine nachteiligen Wirkungen auf den Naturhaushalt hat. Abstandsflächen zu Naturschutzgebieten sind nicht nötig.“123 Seit 2004 ist Bartsch im BVL für Koexistenz und GVO-Monitoring zuständig - der Ausführende von Freisetzungen ist nun also selbst der Kontrolleur. Auch der Ex-RWTHler Achim Gathmann arbeitet dort, eingestellt 2006.124 So kontrolliert eine Clique, die früher selbst Gentechnik angewendet hat und zudem Kontrolle für überflüssig hält. Lustlose Böcke spielen Gärtner ...

Monitoring: "Schönforschen" des Auskreuzungsdesasters

Über Monitoring und dazugehörige Forschung
findet sich ein Text ab Seite 27 in der Broschüre
"Organisierte Unverantwortlichkeit" (Infoseite ++ PDF)

Der Begriff bezeichnet das anbaubegleitende Beobachten von Umweltauswirkungen. Etwas sarkastisch kann formuliert werden: Durch Monitoring kann besser dokumentiert werden, dass alles schiefgeht. Monitoring dient nicht der Verhinderung von Auskreuzung oder von Schäden an Umwelt und Gesundheit. Als verschärfendes Problem der ohnehin mächtigen Seilschaften in der Gentechnik wurde auch das Monitoring in denselben Kreisen angesiedelt, die die zu beobachtenden gv-Pflanzen entwickeln, vertreiben, anbauen und daher ein Interesse an ihrer Verbreitung haben.
Praktische Bedeutung hatte das Monitoring von gv-Pflanzen in Deutschland bisher nur, weil es fehlte - und zwar bei der einzigen kommerziell genutzten Pflanze, dem MON810. Was folgte, war ein beeindruckendes Drama, ausgelöst durch ein Verbot aller Maissorten mit dem Genkonstrukt MON810 am 27.4.2007 - gegen den Protest ausgerechnet des Leiters der Gentechnik-Abteilung beim Bundesamt für Verbraucherschutz, Buhk.16 Dabei war das Verbot eigentlich sogar überflüssig, denn die vorläufige Genehmigung von MON810 war ohnehin im Oktober des Vorjahres abgelaufen. Ab diesem Zeitpunkt hätte ein Monitoringplan vorgelegt werden müssen. Doch Monsanto und die MON810 verwendenden Saatgutzüchter (z.B. KWS) setzten auf Schludrigkeit und Wohlwollen der Kontrollbehörden - mit Erfolg. Die teilte erst dann das Aus für den Bt-Mais mit, als alle Saaten in der Erde waren. So wuchs einen Sommer lang verbotener Mais auf Hunderten von Feldern. Gleichzeitig wurde hinter den Kulissen um eine neue Genehmigung gefeilscht. Notwendig dafür war ein Monitoringplan, denn Monsanto hatte diese Auflage nie erfüllt, die Umweltauswirkungen langfristig beobachten zu lassen. In Windeseile entstand nun dieser Plan und führte am 6.12.2008 zur Wiederzulassung von MON810. Doch der Blick hinter die Kulissen offenbarte, wie sattelfest die Seilschaften der Gentechnik hier sitzen. Der neue Plan basierte laut Monsanto auf bestehenden Überwachungssystemen z.B. bei Bienen, deren ausführende Stellen nie befragt wurden, sowie auf einem Monitoring-Entwurf aus dem Jahr 2004.125 Dessen AutorInnen bildeten eine seltsame Mischung: Drei Behördenmitarbeiter wirkten zusammen mit zwei LobbyistInnen und NutznießerInnen der Gentechnik (Kerstin Schmidt und Jörg Schmidtke aus dem Filz des AgroBioTechnikums in Groß Lüsewitz). Mit im Boot waren die Konzerne. In der Veröffentlichung bedankten sich die AutorInnen für die Unterstützung durch Bayer CropScience, KWS, Monsanto, Pioneer und Syngenta. Eine wichtige Klammer könnte Joachim Schiemann gebildet haben, denn er war als Gründungsmitglied dabei, als das AgroBioTechnikum entstand. Hier kommen erneut Kontrolltätigkeit als Behörde, eigene Versuchsaktivitäten und die Unterstützung von Lobbyarbeit und Freisetzung in einer Person zusammen.126 Auch die konkrete Ausformulierung des dann akzeptierten Monitoringplanes blieb in der „Familie“: Zunächst schlug das BVL der Firma Monsanto eine Liste mit über 30 potenziellen Beobachtungssystemen vor. Kerstin Schmidt legte daraufhin im Auftrag von Monsanto einen schriftlichen Vorschlag für die genauere Auswahl der Netzwerke vor. Der Vorschlag ihrer Firma BioMath wurde wiederum von Monsanto beim BVL eingereicht und die Behörde genehmigte diesen.127 Bei einer solchen Hintergrundabsicherung im Zusammenspiel mit einer einseitig pro Gentechnik denkenden Kontrollbehörde BVL war nicht überraschend, dass es am Ende hieß: „Der von der Firma Monsanto vorgelegte Plan zur Beobachtung der Umweltwirkungen des Genmais MON810 erfüllt die gestellten Anforderungen in vollem Umfang. Dies stellte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) heute in Berlin noch einmal klar.“128
Wie bei der Auskreuzungs- und Sicherheitsforschung auch, beginnt das Problem in den undurchdringlichen Seilschaften. In der zuständigen Arbeitsgruppe „Anbaubegleitendes Monitoring gentechnisch veränderter Pflanzen im Agrarökosystem“ sitzen wieder die gleichen SeilschafterInnen:32 Die Leitung hat Joachim Schiemann. Mit dabei auch Bartsch/BVL, Broer/Uni Rostock, Gathmann/RWTH Aachen (jetzt BVL), Schmidt/BioMath, außerdem Behördenvertreter von Landes- und Bundesfachstellen und -ministerien wie BMELV, RKI/BVL, LLG Sachsen-Anhalt, Landesamt für Verbraucherschutz und Landwirtschaft, LWK Hannover, LWK Westfalen-Lippe, LWK Rheinland, LWK Weser-Ems, LUFA Nord-West, Landespflanzenschutzamt Mecklenburg-Vorpommern, Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, Niedersächsisches Landesamt für Ökologie, UBA, Bayerisches Landesamt für Bodenkultur und Pflanzenbau, FAL, Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, Bundessortenamt und Vertreter von ZALF, BBA sowie der Universitäten Bielefeld, Göttingen und Oldenburg. Sie sitzen zusammen mit der Industrie: Bayer CropScience, Pioneer Hi-Bred, KWS Saat, Syngenta, Monsanto und der Industrieverband Agrar sind dabei, ebenso wenig fehlen Lobbygruppen wie der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter und Genius.130
Nur einmal klappte es nicht mit der Verfilzung: 2005 lehnte die damalige Landwirtschaftsministerin Renate Künast die staatliche finanzielle Unterstützung für Forschungsprojekte von Schiemann (BBA) ab, bei denen gentechnisch veränderte Pflanzen entwickelt werden sollten. Schiemann war damals gleichzeitig sowohl auf EU-Ebene als auch auf nationaler Ebene an der Bewertung von gentechnisch veränderten Pflanzen in Zulassungsverfahren beteiligt. Das Rauschen im Blätterwald war groß. Künast sei forschungsfeindlich, sie würde sogar biologische Sicherheitsforschung verhindern, so der Tenor. Die grüne Argumentation in der Bundestagsdebatte am 7. März 2005: „Es soll aber nicht so sein, dass dieselben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die produktnah forschen, nachher eine unabhängige Expertise darüber erstellen, ob diese Produkte den allgemeinen Sicherheitsstandards hinsichtlich der Verbraucherinnen und Verbraucher und der Biodiversität entsprechen.“131

Wieder da: Terminatortechnologie - im grünen Mäntelchen der Sicherheitsforschung

Mehrere Förderprojekte im Biosicherheitsprogramm laufen unter dem Begriff Confinement. Das klingt unverdächtigt, doch dahinter verbirgt sich nichts anderes als die weltweit geächtete Terminator-Technologie. Sie war schon früh entwickelt worden und sollte bewirken, dass Pflanzen sich selbst sterilisieren. Ziel war, LandwirtInnen daran zu hindern, eigenes Saatgut zu gewinnen, und stattdessen zu zwingen, immer wieder bei den großen Firmen einzukaufen. Genau das wird nun als Umweltschutz propagiert, weil das Elend der BäuerInnen ein klein wenig der Umwelt nutzen soll. Terminatorpflanzen würden sich nämlich langsamer in der Natur ausbreiten. Aber hatten die gleichen WissenschaftlerInnen nicht erklärt, dass diese Ausbreitung gar keine Gefahren beinhaltet? Logen sie dort oder erschlichen sie jetzt Gelder unter dem Vorwand, etwas verhindern zu wollen, was sie selbst unproblematisch fanden? Wie auch immer - in Deutschland wird Confinment nun mit einem hohen Anteil aus den Biosicherheitsmitteln gefördert. Damit wird die Technologie mit Hochdruck entwickelt, die - flankiert von passenden Geseten - am Ende die totale Kontrolle des Saatgutes und die Ausschaltung des selbständigen Ackerbaus bewirken wird.

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Auf der Internetseite von bioSicherheit.de, einer Seite vom Bundesministerium für Forschung und Bildung, gibt es ein Lexikon und unter Buchstaben c findet man das Stichwort Confinement. Dort steht:
... bei Pflanzen: Biologische Maßnahmen zur Begrenzung der Ausbreitungsfähigkeit von gentechnisch veränderten Pflanzen
Neben gentechnisch veränderten Pflanzen, deren landwirtschaftliche Eigenschaften (z.B. Schädlingsresistenzen) verändert wurden, sind auch transgene Pflanzen mit neuen bzw. veränderten Inhaltsstoffen in der Entwicklung. Sie liefern beispielsweise industriell nutzbare oder pharmazeutische Substanzen. Die Ausbreitungsfähigkeit dieser gentechnisch veränderten Pflanzen sollte möglichst auf ein Minimum begrenzt werden. Das kann z.B. durch eine Unterdrückung der Fortpflanzung erreicht werden (biologisches Confinement). Mit konventioneller Züchtung und mit Hilfe der Gentechnik können Pflanzen hergestellt werden,
  • die nicht mehr in der Lage sind, Pollen zu produzieren
  • die keine Blüten ausbilden
  • oder deren Samen steril sind.
Um die Ausbreitung von Transgenen zu begrenzen, wird auch an einer gentechnischen Methode gearbeitet, bei der das Erbgut der Plastiden verändert wird. Plastiden sind Einheiten in der Pflanzenzelle, die über eigene DNA verfügen. Die meisten landwirtschaftlichen Nutzpflanzen vererben die Plastiden-DNA nur mütterlicherseits, d.h. nicht über den Pollen. Bei einer gentechnischen Veränderung der Plastiden finden sich die neuen Gensequenzen wegen der besonderen Vererbung also nicht in den Pollen wieder.

Auszüge aus der Selbstdarstellung des PTJ, Redakteurin: Claudia Möhring (FAZ, Beirat JKI)
Im Schwerpunkt „Forschungsansätze für die freisetzungsbegleitende Sicherheitsforschung“ sollen Strategien zur Erhöhung der Sicherheit gentechnisch veränderter Pflanzen entwickelt werden. Dazu zählen zum Beispiel eine möglichst enge Begrenzung der zu übertragenden Gensequenzen oder Methoden, die verhindern, dass gentechnisch veränderte Pflanzen sich ausbreiten können.

Auszug aus der Bundestagsdrucksache zum Biosicherheitsprogramm 2008-2011


Weitere neue Anwendungsbereiche

Sicherheitsforschung - tatsächlich besonders riskant

Der Deckmantel der Forschung über Umweltauswirkungen verhüllt vieles, unter anderem die schlichte Tatsache, dass hier die gefährlichsten Felder stehen. Denn für die weltweite Auskreuzung reichen solch kleine Flächen aus - das hat der LL601-Skandal eindrucksvoll bewiesen. Gegenüber dem kommerziellen Anbau stehen auf den Versuchsfelder aber bedeutend mehr Pflanzenarten und -sorten mit teilweise mehreren gentechnisch veränderten Konstrukten. So hatte der Gengersteversuch 2006 bis 2009 vier Manipulationen in die Landschaft gebracht - und auf dem Kartoffelfeld der BASF 2010 am AgroBioTechnikum standen 538 verschiedene gv-Kartoffelsorten herum. Ob diese sich verbreiten oder nicht, wird mensch zudem wahrscheinlich niemals erfahren, denn für die nochspeziellen Pflanzen und Konstrukte, die bei Freisetzungen überwiegend in die Erde kommen, lohnt sich der Aufwand nicht, Nachweismethoden zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Für den MON810 gibt es inzwischen Teststäbchen zum Stückpreis von 5 €. So können Sie recht bequem testen, ob IhrE NachbarIn gv-Mais anbaut. Bei den Pflanzen der Versuchsfelder werden sie vergeblich nach Nachweisverfahren suchen. Es gibt sie nicht. Die LL601-Vermischung wurde eher zufällig entdeckt.
Also: Ob das Bier, dass Sie vielleicht heute abend stemmen, schon gv-Bestandteile hat, kann Ihnen niemand sagen. Das wird auch so bleiben, denn für die Pflanze dieser drei kläglichen Versuchsjahre wird niemand Nachweismethoden auf den Markt bringen. Die schleichende Verseuchung wird vor allem von Versuchsfeldern stammen. Auch die Saatgutverunreinigungen 2010 beim Mais stammten nach Inhalt der meisten Erklärungsversuche von Versuchsfeldern, möglicherweise aus Osteuropa. Aber sicher weiß das niemand. Wie alles in dieser Technologie.

Den ForscherInnen ist nicht nur das klar. Sie wissen auch, dass ihr Projekt Teil der Durchsetzung von Agro-Gentechnik ist. Sicherheitsforschung liefert Daten für die Zulassungsanträge der Firmen. "Sicherheitsforschung sollte für bestimmte Schutzziele wissenschaftlich fundierte 'Schwellenwerte' ermitteln, unterhalb derer mögliche negative Effekte vernachlässigbar sind oder toleriert werden können", sagen die ForscherInnen selbst - mal wieder in einem gemeinsamen Forderungspapier von Bundeskontrollbehörden und GentechnikanwenderInnen, hier Joachim Schiemann (JKI) und Inge Broer (AgroBioTechnikum) im Duett. Negativen Effekte sollen also sogar "vernachlässigbar" sein dürfen. Sicherheitsforschung will "Auswirkungen des Anbaus und der Nutzung von Pflanzen als nachwachsende Rohstoffe" prüfen und unterstützt damit diese Form der Ackernutzung. Dass Sicherheitsforschung zur Propaganda verkommt, zeigt das Papier mit Vorschlägen wie "Integration von biologischer Sicherheitsforschung im Bildungssystem" und "Schülerpraktika an den Forschungsstätten, Mitmachaktionen wie Schülerzeitungswettbewerbe zum Thema biologische Sicherheitsforschung".

Im Original: Gefährliche Sicherheitsforschung ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Auszug aus dem Standortregister zum gv-Kartoffelversuch 2010 der BASF am AgroBioTechnikum


Thesenpapier
„Biologische Sicherheitsforschung an gentechnisch veränderten Pflanzen“ von Inge Broer, AgroBioTechnikum, und Joachim Schiemann, Julius-Kühn-Institut (Oktober 2009):
Aufgabe der Sicherheitsforschung ist es, sicherheitsrelevante Fragen der Interaktion von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) mit Ziel- und Nicht-Zielorganismen sowie der Umwelt wissenschaftlich zu beantworten. ... (S. 2)
Experimentelle Freisetzungen sind für die biologische Sicherheitsforschung unverzichtbar, etwa dann, wenn Fragestellungen unter Containment-Bedingungen nicht zu beantworten sind. Wenn für einen bestimmten GVO in Labor- oder Gewächshausexperimenten nachgewiesen wurde, dass auch bei einem großflächigen Anbau keine Gefährdung zu erwarten ist, kann auf eine weitere Überprüfung im Freiland verzichtet werden;
Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zwischen Hazard – einer schädlichen Wirkung, die ein Stoff oder ein GVO etwa auf andere Organismen ausübt – und Risk – dem Produkt von Hazard und der tatsächlichen Exposition des gefährdeten Organismus unter natürlichen Bedingungen – zu unterscheiden. Für die Sicherheitsbewertung eines GVO reicht es nicht aus, in standardisierten Laborversuchen ein Gefährdungspotential (Hazard) zu bestimmen. Um einzuschätzen, ob tatsächlich ein Risiko besteht, müssen Expositionsdaten im Freiland erhoben werden, aus denen hervorgeht, ob und wie der gefährdete Organismus unter natürlichen Bedingungen mit dem zu bewertenden GVO in Kontakt kommt;
Statistik und Methodik der Versuchsdurchführung müssen der Variabilität im Freiland gerecht werden; ...
(S. 3)
Bei der Untersuchung möglicher Wirkungen eines GVO auf andere Organismen oder „die Umwelt in ihrem Wirkungsgefüge“ (§1 GenTG) sollte sich das Versuchsdesign zunächst auf den ersten Schritt einer möglichen Wirkungskette konzentrieren. Nur, wenn sich dabei Hinweise auf eine Gefährdung ergeben, sollten weitere Schritte der Wirkungskette untersucht werden;
Sicherheitsforschung sollte für bestimmte Schutzziele wissenschaftlich fundierte „Schwellenwerte“ ermitteln, unterhalb derer mögliche negative Effekte vernachlässigbar sind oder toleriert werden können; ...
Bei der Untersuchung möglicher Wirkungen eines GVO auf andere Organismen oder „die Umwelt in ihrem Wirkungsgefüge“ (§1 GenTG) sollte sich das Versuchsdesign zunächst auf den ersten Schritt einer möglichen Wirkungskette konzentrieren. Nur, wenn sich dabei Hinweise auf eine Gefährdung ergeben, sollten weitere Schritte der Wirkungskette untersucht werden;
Sicherheitsforschung sollte für bestimmte Schutzziele wissenschaftlich fundierte „Schwellenwerte“ ermitteln, unterhalb derer mögliche negative Effekte vernachlässigbar sind oder toleriert werden können; ...
(S. 4)
Auswirkungen des Anbaus und der Nutzung von Pflanzen als nachwachsende Rohstoffe oder als Produzenten von Pharmazeutika; ...
Kontinuierliche Maßnahmen zur Integration von biologischer Sicherheitsforschung im Bildungssystem:
  • Etablierung von Sommerschulen zur biologischen Sicherheitsforschung als gemeinsames Projekt mehrerer Universitäten und Forschungseinrichtungen, die sich wissenschaftlich mit der Thematik auseinandersetzen und Studenten aller biologischen und agrarwissenschaftlichen Fakultäten zur Verfügung stehen;
  • Einbeziehung dieser Sommerschulen in die Biologielehrerausbildung;
  • Etablierung eines Netzwerks von Universitäten und Forschungseinrichtungen zur Freisetzung von GVO, das von einer professionell organisierten gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit begleitet wird;
  • Etablierung der Grundlagen der biologischen Sicherheitsforschung bzw. der Technikfolgenabschätzung im Allgemeinen in den Lehrplänen der Schulen.
Zusätzliche Kommunikationsmaßnahmen für die breite Öffentlichkeit:
  • Initiierung konzertierter Öffentlichkeitsmaßnahmen des BMBF und relevanter wissenschaftlicher Einrichtungen. Ziel ist es, durch gemeinsames Auftreten das Thema Sicherheitsforschung in die Öffentlichkeit und Medien zu bringen (z.B. eine „Woche der Sicherheitsforschung“ mit Maßnahmen wie ein wissenschaftliches Symposium zu „20 Jahre biologische Sicherheitsforschung in Deutschland“ , Pressekonferenz, Ausstellungen, Journalisten- und Schülerpraktika an den Forschungsstätten, Mitmachaktionen wie Schülerzeitungswettbewerbe zum Thema biologische Sicherheitsforschung);
  • Lehrmaterialien/Filmdokumentation zur biologische Sicherheitsforschung (für Schulen und andere Bildungsträger);
  • Fortführung und Ausbau von Informationsplattformen wie bioSicherheit.de. (S. 6)

Hinter den harmlos anmutenden Begriff der Sicherheitsforschung, des Blickes auf Folgen für gentechnikfreie Landwirtschaft, Umwelt und Gesundheit steckt also nicht nur Betrug und Fälschung, sondern tatsächlich auch die gefährlichste Anwendung der Agro-Gentechnik. Der schöne Begriff dient Täuschung und Verschleierung. Die gewünschte Wirkung aber wird erzielt. Ein unfassbarer, treudummer Glaube an das Gute in der Sicherheitsforschung herrscht bei der großen Masse auch der GentechnikgegnerInnen vor - Umweltverbände, Kirchen, Grünen und selbst Biolandwirtschaftsverbände wollen davon. Grund genug, auch mal einen kritischen Blick auf die GentechnikkritikerInnen zu werden. In einem Extrakapitel.

Rechtsbruch Akteneinsicht

Damit nicht genug, der Skandal fand und findet nicht nur auf dem Acker statt, sondern auch in den beteiligten Institutionen. Denn wie alle anderen Bundesbehörden und Vergabestellen von Fördermitteln des Bundes verweigerte auch das für die Biosicherheitsförderung zuständige Forschungszentrum Jülich rechtswidrig die Akteneinsicht nach dem Umweltinformationsgesetz.117 Das PTJ ist von der Bundesregierung mit der Geldmittelvergabe, auch bei anderen Programmen wie z.B. GABI, beauftragt worden. Es ist dabei keine neutrale, sondern eine ideologisch einseitige Stell, wie die Selbstdarstellung zeigt: "Durch die Förderung der Bio- und Gentechnologie setzt die Bundesregierung Impulse für die Grundlagenforschung, für Firmengründungen und für Kompetenzbildung zugunsten der Entwicklung einer modernen und „nachhaltigen“ Biotechnologie."
Ein Akteneinsichtgesuch aus dem Jahr 2009 wurde zunächst verzögert, dann abgelehnt. In einem weiteren Antrag erfolgte ebenfalls die Absage. Der Antragsteller reichte inzwischen Klage beim Verwaltungsgericht Gießen ein (Az. ). Dem Umgang mit der Akteneinsicht durch Bundesbehörden ist eine Extra-Seite im Internet gewidmet.

Im Original: Projektträger Jülich und die Akteneinsicht ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Auszüge aus der Selbstdarstellung des PTJ, Redakteurin: Claudia Möhring (FAZ, Beirat JKI)
Darüber hinaus können die modernen Biowissenschaften helfen, landwirtschaftliche Produkte qualitativ zu verbessern und ihre Ausbeute zu erhöhen. ... (S. 17)
Durch die Förderung der Bio- und Gentechnologie setzt die Bundesregierung Impulse für die Grundlagenforschung, für Firmengründungen und für Kompetenzbildung zugunsten der Entwicklung einer modernen und „nachhaltigen“ Biotechnologie. ... (S. 18)
Die so genannte „grüne Gentechnik“, die Anwendung der Gen-Technologie auf Pflanzen und ihre Kompartimente, birgt große Chancen – auch für die Wirtschaft. Mit ihrer Hilfe will man die Versorgung mit Nahrungsmitteln verbessern und interessante Rohstoffe für chemische Prozesse heranwachsen lassen. Längst hat freilich auch ein internationaler Konkurrenzkampf um die Aufklärung wirtschaftlich bedeutsamer Pflanzengenome, die patentrechtliche Absicherung der Ergebnisse und die dadurch mögliche Verbesserung der Marktposition für neue Pflanzensorten mit spezifischen Eigenschaften begonnen. Um die Chancen, die sich daraus ergeben, für Deutschland intensiver nutzen zu können und einen Beitrag zur Standortsicherung zu leisten, hat das BMBF die Initiative „Genomanalyse im biologischen System Pflanze – GABI“ ins Leben gerufen. ... (S. 19)
Ein Anliegen von GABI ist es zudem, die Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu vertiefen und bereits bestehende Kontakte auszuweiten. ... (S. 20)
Im Schwerpunkt „Forschungsansätze für die freisetzungsbegleitende Sicherheitsforschung“ sollen Strategien zur Erhöhung der Sicherheit gentechnisch veränderter Pflanzen entwickelt werden. Dazu zählen zum Beispiel eine möglichst enge Begrenzung der zu übertragenden Gensequenzen oder Methoden, die verhindern, dass gentechnisch veränderte Pflanzen sich ausbreiten können. Forschungsbedarf besteht auch im Hinblick auf die Entwicklung und Standardisierung von Verfahren zum Nachweis übertragener Gene. Gefördert werden zudem Arbeiten an Pflanzen, deren Freisetzung in Deutschland zu erwarten ist – wie Raps, Zuckerrüben, Kartoffeln, Mais, Getreide, Weinreben, Obst und Forstgehölze. ...
Die Ergebnisse der biologischen Sicherheitsforschung sind eine wichtige Grundlage für die Tätigkeit von Genehmigungsbehörden und eine ausgewogene öffentliche Diskussion. Das Förderkonzept sieht daher auch ein Projekt
„Kommunikationsmanagement in der biologischen Sicherheitsforschung“ vor. Seine Aufgabe besteht vor allem darin, die Ergebnisse der Sicherheitsforschung bekannt zu machen und die Zugänglichkeit der Daten zu gewährleisten. Auf solcher Grundlage sollte die öffentliche Diskussion der „Grünen Gentechnik“ sachlicher zu führen sein.
(S. 35)

Begründung der Ablehnung des Akteneinsichtsgesuchs (Brief des Forschungszentrum Jülich vom 30.6.2009)

Widerspruch am 5.7.2009

Links

Zu Seilschaften und Filz in der Gentechnik