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Forschung und Forschungsförderung
Trends, Ziele und Betrug ++ Uni Gießen und überall

Was wird geforscht? ++ Ziele ++ Gelder ++ Uni Gießen ++ Hessen ++ Bundesweit ++ Links

Im Moment ist es hauptsächlich Forschung in der Gentechnik, weil es dafür Geld gibt.
Inge Broer, Uni Rostock/AgroBioTechnikum (2006 in der WDR-Sendung "Immer Ärger mit Linda")

Hoffentlich sind die selbsternannten Retter von Mensch und Umwelt zu Fuß nach Pillnitz gelaufen, waren mit einem Fell bekleidet und haben die 270 Bäume mit dem Faustkeil abgehakt. Das ist nämlich die Konsequenz aus Fortschrittsfeindlichkeit. Hätte die Menschheit niemals Neues gewagt, dann würden wir heute noch wie Affen auf dem Bäumen herumturnen.
Sachsens Umweltminister Frank Kupfer nach der Aktion gegen Gentech-Bäume in Dresden 2009
«Wenn wir die Forschung nicht vorantreiben und zulassen, dann werden es andere Länder tun», sagte Kupfer weiter. Wissenschaftler würden dann aus Deutschland abwandern und die Ergebnisse der Forschung müssten teuer eingekauft werden. Quelle: ddp

Die Öffentlichkeit fürchtet eine mögliche Ausbreitung der Antibiotika-Resistenzgene. Dies wird in der Wissenschaft zwar diskutiert, aber nicht als relevant angesehen. DFG-Broschüre

"Es darf doch in Deutschland nicht so weit kommen, dass man einem Landwirt mehr glaubt als einem Forscher." Annette Schavan am 20. Juli 2007 in Ehingen

"Demokratische Politik kann die Meinung der Wähler nicht ignorieren. Sie ist aber auch dafür mitverantwortlich, dass die Wähler Fakten zur Kenntnis nehmen." Nationale Wissenschaftsakad.

Einseitig, geld- und standortfixiert, unwissenschaftlich: Die Gen-Forschung

Ohne Argumente, aber einseitig die Gentechnik voraussetzend
Aus der Stellungnahme der führenden Wissenschaftsverbände und -einrichtungen zum Runden Tisch Gentechnik, 20.5.2009
Die Allianz fordert dabei mehr Rationalität in der Debatte, so dürfe die Gentechnik nicht pauschal verurteilt werden. "Die deutschen Wissenschaftsorganisationen setzen sich ausdrücklich dafür ein, nicht nur Forschung sondern auch Anwendungen der Grünen Gentechnik in Deutschland zu ermöglichen", sagt Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft und zurzeit Sprecher der Allianz. Dies schließt auch weitere Untersuchungen von Sicherheitsfragen und möglichen Risiken ein. ...
Mögliche negative Auswirkungen auf die Umwelt sind nicht durch die Methode Gentechnik bedingt ... "Wir unterstützen ausdrücklich die Haltung von Forschungsministerin Schavan zur Grünen Gentechnik und begrüßen die geplante Fortsetzung des heute gestarteten Dialogs. Das wird zu einer Versachlichung der Diskussion führen und verlässliche Rahmenbedingungen für die Forschung und wissenschaftliche Begleitung der Nutzung der Grünen Gentechnik schaffen", betont Mlynek.

Unis behaupten selbst den Unsinn vom Sieg über Hunger und Klimaveränderung durch Gentechnik
Stellungnahme der Landesrektorenkonferenz Baden-Württemberg am 20.6.2009
Die bayerischen und baden-württembergischen Universitäten unterstützen nachdrücklich die Position von Forschungsministerin Annette Schavan und den deutschen Wissenschaftsorganisationen: "Es darf keine Forschungsverbote bei der grünen Gentechnik geben" sagten die Vorstände der beiden Rektorenkonferenzen, der Karlsruher Rektor Horst Hippler und der Erlanger Rektor Karl-Dieter Grüske anlässlich eines Treffens mit Frau Ministerin Schavan am 19.06.2009 auf Schloss Reisensburg bei Ulm. Es gehe hier um die Verantwortung für die künftige Ernährung der Weltbevölkerung, die vorurteilsfrei und ohne unternehmerische Eigeninteressen betrieben werden müsse. Dies könne nur eine unabhängige Wissenschaft garantieren, die auch die Auswirkungen der Landwirtschaft auf das globale Klima berücksichtige. Dabei müsse möglichst ressourcenschonend produziert werden, um den CO2-Ausstoß zu minimieren, betonen die Universitäten. Dies sei ohne Gentechnik nicht zu leisten.

Gleichschaltung im Lehrbetrieb

Auch wenn Aussagen von Leuten wie Kogel, alle WissenschaftlerInnen seien sich einige, dass die Gentechnik umweltfreundlich, ungefährlich usw. wäre, so fällt doch auf, dass der Anteil von BefürworterInnen im Umfeld der entsprechenden Studiengänge überdurchschnittlich hoch ist. Doch: Liegt das, wie Kogel § Co. erzählen, an intensiverer fachlicher Auseinandersetzungen - oder ist es eine Folge einer einseitigen, industriefreundlichen und tendenziösen Ausrichtung der Studieninhalte? So einiges spricht für das Zweite:

Es ist folglich kein Wunder, dass viele StudentInnen eine gentechnik-befürwortende Position haben, wenn die Lehrinhalte derart einseitig bis manipuliert sind. Hinzu kommen die hohen Fördermittel für Gentechnikforschung an den Universitäten und für Gentechnikfirmen. Das führt dazu, dass studieninterne Abläufe stark auf Gentechnik ausgerichtet sind, dort besser Studienarbeiten zu erledigen sind und auch die Hoffnung auf einen späteren Arbeitsplatz wächst, wenn eine Orientierung auf die hochsubventionierte Gentechnik besteht.

Gehirnwäsche unter Decknamen "Landwirtschaft - Heute und MorGEN. Ist die grüne Gentechnik in Europa am Ende?"
An der Uni Jena wurde eine Vortragsreihe organisiert, die sich scheinbar kritisch gibt. Im Text wurde die "Versachlichung der Debatte" als Ziel angegeben. Eingeladen wurden aber nur PropagandistInnen der Gentechnik - völlig einseitig! Auszüge und die komplette ReferentInnenliste:
Die Vorträge und anschließenden Diskussionen sollen, so hoffen die Veranstalter vom CEJ, zur Versachlichung der besonders in diesem Jahr wieder leidenschaftlich geführten Debatte zwischen Befürwortern und Gegnern der grünen Gentechnik beitragen.
Prof. Dr. Klaus Dieter Jany, Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik und ehemaliger Leiter des Molekularbiologischen Zentrums der Bundesforschungsanstalt für Ernährung, Karlsruhe, wird sich mit der Frage der Sicherheit bereits auf dem Markt vorhandener gentechnisch veränderter Lebensmittel auseinandersetzen und dabei unter anderem einen Überblick über die weltweite Verwendung transgener Nutzpflanzen geben.
Prof. Dr. Inge Broer, Lehrstuhl für Agrobiotechnologie der Universität Rostock, wird im Detail erklären, wie Biosicherheitsforschung an transgenen Nutzpflanzen im Freiland erfolgt und zu welchen Resultaten diese Experimente führen.
Über welche natürlichen und effektiven Abwehrkräfte Pflanzen verfügen und wie diese für die Landwirtschaft heute und in Zukunft genutzt werden könnten, wird der Direktor der Abteilung Molekulare Phytopathologie des Max-Planck-Instituts für Züchtungsforschung, Köln, Prof. Dr. Paul Schulze-Lefert berichten.
Abgeschlossen wird die Vortragsreihe von Prof. Dr. Peter Kunzmann, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Leiter der Forschungsgruppe "Würde in der Gentechnologie" am Lehrstuhl für Angewandte Ethik. Vor dem Hintergrund der Philosophie Hans Jonas' und dessen Definition einer Verantwortungsethik des Menschen im Umgang sowohl mit der Natur als auch mit neuen Technologien, beispielsweise der Biomedizin oder grünen Gentechnik, beschäftigt sich Prof. Kunzmann mit der Frage, ob sich die Gentechnik an der Würde, dem Eigenwert oder der Integrität von Tieren und Pflanzen vergreift oder ob es Eingriffe gibt, die im Einklang mit dem Respekt vor Lebewesen stehen.

Forschung = Akzeptanzbeschaffung und WissenschaftlerInnen als PR-Agenturen
Selbstverständnis von Forschung im
Forderungspapier der führenden Forschungsakademien am 13.10.2009
In Deutschland ist noch nicht hinreichend akzeptiert, dass die Anwendung der Gentechnik in der Pflanzenzüchtung ein noch unausgeschöpftes Potential für den ökologischen Landbau, für verbesserten Umweltschutz, die Erhaltung der Artenvielfalt und die Gesundheit bietet. ...
Demokratische Politik kann die Meinung der Wähler nicht ignorieren. Sie ist aber auch dafür mitverantwortlich, dass die Wähler Fakten zur Kenntnis nehmen. ...
Es muss dem Verbraucher vermittelt werden, dass die Grüne Gentechnik nicht nur für die Herstellung von Nahrungsmitteln Anwendung findet, sondern dass sie vielfältige andere Möglichkeiten bietet, beispielsweise den ökologischen Wachstumsbereich unserer Kulturpflanzen zu erweitern und Artenvielfalt zu fördern. Wissenschaft und Politik sollten gleichermaßen bemüht sein, in einem Diskurs diese Zusammenhänge zu erklären und um Akzeptanz für eine wichtige Forschungsrichtung mit großem Zukunftspotenzial zu werben.

GenforscherInnen fordern Freibrief für Forschung und Pannen aller Art

Unglaublich dreist: ForscherInnen wollen unbeschränkt Gott spielen - Papi Staat soll für alle Panne haften!
Auszug aus einem Forderungspapier der führenden Forschungsakademien am 13.10.2009
Gentechnisch veränderte Sorten, die zur Aussaat genehmigt sind, dürfen in haftungsrechtlicher Hinsicht nicht anders behandelt werden als sonstiges Saat- und Pflanzgut.

Forschungsbetriebe als einseitige Lobbyisten

Forschung als Wegbereiter der Konzerne

Auszug aus Horst Rehberger: "Unterwegs" (2009, S. 224)
Trotz ihrer auf Rückführung von Haushaltsansätzen abzielenden Politik hat die CDU/FDP-Koalition von Sachsen-Anhalt deshalb seit 2002 die Mittel für die Förderung der wirtschaftsnahen Forschung und Entwicklung neuer Produkte und Verfahren auf Vorschlag des Wirtschaftsministers drastisch erhöht.

Universitäten forschen für Produkteinführung (gleiche Quelle, S. 227)
Im Bereich der Grünen Biotechnologie wurde ein bundesweiter Erprobungsanbau für gentechnisch verbesserten Mais (Bt-Mais) realisiert. Mit großem Erfolg. Die Federführung dafür lag beim InnoPlanta e.V. Die wissenschaftliche Betreuung bei der Landwirtschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Kaltstellen und Ausgrenzen kritischer ForscherInnen

Auszug aus Potthof/Then (2009): "risk reloaded" (S. 29)
Auch von Wissenschaftlern in Europa war in der jüngeren Vergangenheit immer wieder zu hören, dass Untersuchungen behindert werden, indem Zugang zu geeignetem Untersuchungsmaterial verweigert wird. Bei gentechnisch veränderten Pflanzen kann einerseits der Zugang zur Pflanze selbst, u. a. durch das Patentrecht, verwehrt werden. Noch schwerer zu bekommen ist für kritische Forscher jedoch oft das Vergleichsmaterial, das heißt die nicht gentechnisch veränderte Pflanze, die der transgenen Pflanze genetisch möglichst ähnlich ist. Diese sogenannten „isogenen Linien“ sind meist nicht mehr auf dem Markt erhältlich, aber für Vergleichsstudien oft unabdingbar.
Während der Zugang zu geeignetem Untersuchungsmaterial oft erschwert wird, haben viele Wissenschaftler auch dann Probleme, wenn es um die Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse geht. Erheblich behindert wurde beispielsweise die Publikation von Studien, die in den Ursprungsregionen des Mais in Mexiko Verunreinigungen mit transgenen Pflanzen nachwiesen. Bereits 2001 wurden entsprechende Befunde aus Regionen Mexikos veröffentlicht, in denen regionale Sorten vermehrt werden (Qist&Chapela, 2001) . Diese Befunde wurden von verschiedenen Seiten in Frage gestellt, doch 2008 wurden erneut Verunreinigungen gefunden. Die Zeitschrift ‘Proceedings of the National Academy of Sciences’ lehnte es ab, die neuen Ergebnisse zu veröffentlichen, weil dadurch politische Diskussionen ausgelöst werden könnten (Dalton, 2008). Alison Snow von der Universität des US-Bundesstaates Columbus berichtet in einem Beitrag für die Fachzeitschrift ‘Molecular Biology’: „Außerdem erschwerte es die politisch sensible Natur des Inhaltes den Wissenschaftlern, ihre Ergebnisse
zu veröffentlichen.“ (übersetzt durch testbiotech)
Der Fall steht für eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Publikationen, durch die regelrechte Hetzjagden auf die Autoren ausgelöst werden, weil in ihnen Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen beschrieben werden. Im September 2009 berichtete Nature beispielsweise über den Fall der Wissenschaftlerin Rosi-Marshall, die zur Zielscheibe einer Kampagne wurde, nur weil sie Auswirkungen von Bt-Pflanzen auf Wasserorganismen beschrieben hatte (Rosi-Marshall et al., 2007): „Hinter diesen Attacken stehen Wissenschaftler, die es sich zum Ziel gesetzt haben, zu verhindern, dass Publikationen, die nach ihrer Ansicht wissenschaftliche Mängel haben, wissenschaftliche Entscheidungsträger zu beeinflussen. Wenn eine Publikation erscheint, die ihnen problematisch erscheint, reagieren sie schnell, kritisieren die Arbeit in öffentlichen Foren, schreiben zurückweisende Briefe und senden diese an Politiker, Geldgeber und Herausgeber von Zeitungen.“ (Übersetzung testbiotech)

Aktuelle Trends in der Gentechnik-Forschung

Firmen

Neue Anwendungsbereiche

Verquickungen

Standorte

Förderprogramme

Die rot-grüne Bundesregierung (1998-2005) leitete die staatliche Förderung für die Gentechnik um. Um das gentechnikkritische WählerInnenspektrum zu täuschen, wurden die Millionenzahlungen an Konzerne und Forschungsinstitute als "Sicherheitsforschung" deklariert. Dazu gehörte dann auch die Methodenforschung auf dem Gengerstefeld in Gießen ...

Ziele

Heutzutage sind Wissenschaftler Politiker, sie sind Aktienhändler, sie haben ihre eigenen Biotech-Unternehmen und sitzen nicht länger nur in ihren Laboratorien herum. In den USA sind mindestens 80 Prozent der Molekularbiologen an eigenen kommerziellen Biotech-Unternehmen beteiligt. Das ist also nicht länger ein rein akademisches Problem, und daher ist es auch nicht nur ein Problem der Medien. Die Wissenschaftler sind massiv an der sozialen und politischen Verbreitung ihrer Arbeit beteiligt.
Interview mit der amerikanischen Wissenschaftshistorikerin KAY in der taz vom 4.9.2000

Gehirnwäsche

Forscher geben offen zu, Ängste und Bedenken überwinden und die Menschen für die Gentechnik gewissen zu wollen - statt diese zu erforschen.

Zitate von Kogel ...
... in einem Interview
auf www.biosicherheit.de
Wir müssen auch die möglichen Konsequenzen und Gefahren deutlich machen, die darin liegen, wenn wir nicht handeln.
... und noch einem dort (Quelle: Biosicherheitsforschung)
Die Skepsis, auf die wir treffen, ist Ausdruck eines erklärbaren, ja notwendigen Schutzmechanismus, der ja auch aus evolutionsbiologischer Sicht sinnvoll ist. Für uns Wissenschaftler heißt das: Wir müssen zeigen, dass diese Technik, die wir einführen wollen, große Vorteile hat – und dass diese Vorteile begreifbar werden. Erst dann, glaube ich, kann man die Bevölkerung wirklich überzeugen. Unsere Aufgabe ist es, stetig und mit viel Geduld Überzeugungsarbeit zu leisten.

Genforscher Andreas Schier (FH Nürtingen) im Interview mit Spiegel Online am 2.3.2009
Die Angst vor dem Unbekannten ist ein bekanntes und auch nachvollziehbares Phänomen, vor allem, wenn diese Angst noch geschürt wird. Neutrale und sachliche Aufklärungsarbeit tut Not, das zeigt schon die Tatsache, dass immer noch fast 40 Prozent der Deutschen meinen, nur gentechnisch veränderte Tomaten hätten Gene.

Forschung ist nie neutral
Maria Weimer, Juristin am Europäischen Hochschulinstitut Florenz, im Interview mit dem Forum „bioSicherheit.de“
Frage „bioSicherheit“: „Ein anderer Vorschlag ist, bei der Zulassung von GVO nicht nur nach wissenschaftlichen Kriterien zu entscheiden, sondern auch soziökonomische Kriterien mit einzubeziehen. Besteht nicht die Gefahr, dass solche "weichen" Kriterien willkürlich angewandt werden?“
Maria Weimer: „So wie Sie die Frage formulieren, steckt dahinter die Vorstellung, dass nur das, was wissenschaftlich begründet ist, sozusagen handfest ist. Wenn etwas nach anderen Kriterien entschieden wird, dann ist es "soft" und willkürlich. Ich halte das für etwas vereinfacht. Aus der soziologischen Forschung wissen wir: Auch der wissenschaftliche Prozess ist ein sozialer Prozess. Wissenschaftliche Untersuchungen und die dabei gefundenen Ergebnisse sind nicht rein objektiv, sondern auch geprägt von Werten und Glaubenseinstellungen der Wissenschaftler und von dem Auftrag, den die Wissenschaftler von der Politik bekommen haben. Die Wissenschaft liefert keine so harte und objektive Grundlage, wie man es gerne haben möchte. … Es wäre ganz wichtig, dass man sich bei der Reform des GVO-Zulassungsverfahrens offen darüber verständigt, welche Überlegungen neben den Risiken für Umwelt und Gesundheit und ihrer wissenschaftlichen Bewertung noch in den Entscheidungsprozess einfließen dürfen. Und man müsste diese gegebenenfalls deutlich formulieren und zusätzlich für Verfahrensgarantien sorgen, damit ihre Berücksichtigung in einer transparenten Art und Weise geschieht. Das ist auch deswegen so wichtig, weil die Wissenschaft nicht alle Entscheidungen für die Gesellschaft treffen kann.“

Der Koordinator der Sicherheitsforschung und Kopf der Aachener-Biologen-Seilschaft, Ingolf Schuphan, im Dokumentionsfilm zur Biosicherheitsforschungs-Tagung 2008 über alle bisherigen Forschungsprogramme:
Ich kann summierend sagen, dass wir keine Effekte auf Nichtzielorganismen gefunden haben.

Wahr, unabhängig und die einzige Meinung überhaupt - Selbstdarstellung sogenannter ForscherInnen

Interview mit Prof. Kogel im Deutschlandfunk am 24.6.2009 auf die Frage "Sehen Sie auch Gefahren?"
Ich hab ein großes Problem in der Diskussion hier, dass es den Hörern erscheinen könnte, dass naturwissenschaftliche Ergebnisse beliebig produziert werden. Das ist nicht der Fall. Es gibt einen begutachteten Reviewprozess in naturwissenschaftlichen Veröffentlichungen - und da kommt die Wahrheit zutage in der wissenschaftlichen Community. Natürlich muss man gucken, wer die Untersuchungen macht. Kommen die Untersuchungen aus bestimmten Industriebetrieben, dann ist klar, dass man die anders einschätzen muss als sonst. Aber es gibt Hochschulforschung weltweit, die ist normalerweise nicht abhängig. Und das geht in Begutachtungsprozesse rein, die dann sozusagen die Wahrheit an den Tag bringen. ...

Kogel im Interview bei HR-Info am 23.4.2009
Wir haben eine klare Pestizidreduktion im Anbau bei gentechnischen Pflanzen ... die sind dadurch, dass weniger Pestizide eingesetzt werden müssen, im Grunde risikoärmer und sauberer für die Umwelt. Das ist unbestritten, so argumentieren ja auch im Grunde alle Wissenschaftsorganisation in Deutschland im Moment.

Gekaufte Forschung
Auszug aus einer Übersetzung aus: Scientific American August 2009 "Do Seed Companies Control GM Crop Research?"

Wissenschaftler müssen die Gentech-Konzerne um Erlaubnis fragen, bevor sie unabhängige Forschungsergebnisse über deren genetisch veränderte Pflanzen veröffentlichen wollen. Das regelt eine Verfügung der Saatgutkonzerne, die von den Forschern im Vorfeld einer Studie unterschrieben werden muss, berichtet das Wissenschaftsmagazin Scientific American in seiner August-Ausgabe. ...
Für den Kauf gentechnisch veränderten Saatguts zu Forschungszwecken mussten die Kunden schon immer eine Vereinbarung unterzeichnen, die genau festlegt, was geforscht werden darf und was nicht. Diese Vereinbarungen galten dem Schutz „des geistigen Eigentums“ eines Unternehmens, sie sollten vor allem mögliche Replikationen der veränderten Erbinformationen, also die unerlaubte Nachzucht, verhindern, so die Begründung.

Wären gern am Tisch der Mächtigen: Umwelt- und Ökolandbauverbände

Kritik an Pro-Sicherheitsforschungspositionen

Förderpogramme und Geldgeber

Nur eine verschwindend geringe Geldmenge geht an umweltverträgliche oder Biolandwirtschaft. Verglichen mit den Unmengen, die zum Beispiel in die Genforschung gesteckt wird, ist das ein winziger Betrag. Selbst wenn sich niemand in Kansas für Genweizen interessierte, würden in dem Gebäude, in dem ich arbeite, mindestens drei oder vier Leute daran arbeiten - nur weil da das Geld steckt. Irgendjemand in der Regierung glaubt, dass Genforschung wichtig ist, deshalb ist dafür Geld da.
Rhonda Janke, Professorin für umweltverträgliche Landwirtschaft, Universität Kansas (mehr)

Die Seilschaften der Gentechnik in Deutschland reichen bis in den letzten Winkel. Nirgends wird das deutlicher als dort, wo es um unabhängige Kontrolle und die Überprüfung der Sicherheit von gv-Pflanzen für Mensch und Umwelt gehen sollte. Die Kontrollbehörden und -gremien BVL, ZKBS und JKI sind durchsetzt und vielfach eingebunden in die Netzwerke der Gentechnikkonzerne und -lobbyistInnen. Gleiches gilt für die Forschung zu Sicherheitsfragen - auch sie ist Sache derer, die die Gentechnik voranbringen wollen. Hinzu kommt: Sicherheitsforschung ist ein Deckmantel für die Entwicklung neuer manipulierter Sorten und die Erprobung neuer Methoden, um die Agrogentechnik besser handhabbar zu machen. Das Label ist beliebt, weil es hier zur Zeit hohe Fördermittel gibt: Steuergelder der Menschen, die mehrheitlich gegen diese Technik sind, sie aber ohne ihr Wissen und Möglichkeiten der Gegenwehr finanzieren, weil andere Interessen mächtiger sind in diesem Land.

Geld abgreifen ... Staatliche Förderung lässt Firmenneugründungen sprießen
Auszug aus der Studie "Zukunftsfelder in Ostdeutschland" der Uni Rostock im Januar 2008:
Die Biotechnologie hat sich innerhalb weniger Jahre in Deutschland zu einer Boom-Branche entwickelt, was sich an der wachsenden Zahl innovativer Firmengründungen ablesen lässt. In keinem anderen europäischen Land gibt es derzeit vergleichbar viele Standorte, an denen sich Biotechnologie-Unternehmen angesiedelt haben, wie in Deutschland. Die Gründe liegen ähnlich wie in anderen europäischen Regionen u.a. in der staatlichen Förderung, mit der finanzielle Schwierigkeiten in der Anfangsphase der Unternehmen abgefangen werden können. Positiv hat sich ferner ausgewirkt, dass die Lücke zwischen wissenschaftlicher Forschung und wirtschaftlicher Anwendung spürbar verkleinert werden konnte. (vgl. BMWi 2007)

Auszüge aus einer Debatte am 26.3.2009 zum Antrag der Grünen auf Verbot von MON810
Ulrich Kelber (SPD): Technologieoffene Forschung kann nicht heißen, dass im Haushalt von Frau Schavan 90 Prozent der Mittel für die Lösung bestimmter Probleme in der Züchtung in die Grüne Gentechnik und keine 10 Prozent in alternative Technologien gehen.

Auszug aus "Leere Labore", in: Spiegel 41/2008 (S. 93 f.)
Bereits im Jahr 2000 hatte Sachsen den Fünfjahresplan „Biosaxony“ aufgelegt: Über 200 Millionen Euro an Lockmitteln stellte die Staatsregierung bereit. 2003 zog Sachsen-Anhalt mit der „Biotechnologie-Offensive“ nach und spendierte knapp 150 Millionen Euro bis 2008. „Das war damals der Trend, die Technologie war im Aufwind, es gab Hungersnöte“, sagt der heutige sachsen-anhaltische Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU). ...
Mit mehreren Millionen Euro hielt die landeseigene Investitionsbank IBG jahrelang eine Firma am Leben, die eine Antikörper produzierende Freilanderbse gegen Schweinedurchfall entwickelt hatte, die keiner haben wollte. „Geld verdienen wir mit Q-Cells“, sagt Haseloff leicht sarkastisch, einer inzwischen weltbekannten Solarfirma, die das Land mitgegründet hat.

Auszug aus einem Interview mit Inge Broer, in: Volksstimme am 4.8.2009
Der Verein FINAB will sich mit der Sicherheit aller neuartigen Lösungen in der Landwirtschaft befassen. Bis jetzt erhalten wir aber leider nur Mittel für Versuche an gentechnisch veränderten Pfanzen.

BioSicherheits-Forschung

Der Text aus der Broschüre "Organisierte Unverantwortlichkeit" (Infoseite ++ PDF):
Die biologische Sicherheitsforschung ist der Schwerpunkt des Förderungsprogramms landwirtschaftlicher Gentechnik durch das BMBF. Viele Genversuche sind in den vergangenen Jahren unter dieses Dach geschlüpft, weil unter der rot-grünen Bundesregierung vor allem hier Gelder bereitgestellt wurden. Die grüne Landwirtschafts- und Verbraucherministerin Künast stimmte dem Programm zu, dessen Name die tatsächlichen Interessen besser verschleiterte. Ein Blick in den Koalitionsvertrag von 2002 zeigte schon vorher deutlich, dass es darum ging, „das Potenzial der Biotechnologie zu nutzen und die Wettbewerbsfähigkeit des Biotechnologiestandortes Deutschland zu sichern und auszubauen.“ Im Ergebnis kam es zu vielen Umdeklarationen. Auch Versuche zur Entwicklung neuer Produkte und Methoden wurden als Sicherheitsforschung bezeichnet, um Akzeptanz für die Gentechnik und Zugänge zu den Fördermitteln zu schaffen. Genaue Zahlen zu Förderhöhen sind schwierig, da in vielen Projekten die Grenze zwischen Forschung zur Sicherheit von gv-Pflanzen einerseits und der Produkt- oder sogar Methodenentwicklung andererseits fließend verläuft. 2005 bis 2008 wurden nach Angaben der Bundesregierung110 24 Forschungsprojekte mit gentechnisch veränderten Pflanzen durch 21,5 Mio. € vom BMBF und 3,7 Mio. € vom BMELV gefördert, darunter 3,3 Mio. Euro für Pflanzenentwicklung111. Weitere Daten:
Es wurden 8 Projekte zur biologischen Sicherheitsforschung gefördert mit einem Gesamtvolumen von 14.792.000 € (7 Projekte durch das BMBF; ein Projekt durch das BMELV).
Demgegenüber wurden keine Bundesmittel für Fragen zum flächendeckenden Auskreuzungsmonitoring oder zur Untersuchung der Wirkung von Gentech-Pflanzen auf Bienen sowie deren Ausbreitung durch Bienen bereitgestellt. Das zeigt, dass bestimmte Fragen ausgeklammert wurden - offensichtlich, weil es unmöglich wäre, hier durch Forschung handhabbare Grenzwerte zu liefern.
Das Projekt „Kommunikationsmanagement in der biologischen Sicherheitsforschung“ mit einem Gesamtbetrag in Höhe von 1.858.000 € wird ebenfalls aus dem Topf „Biologische Sicherheitsforschung“ finanziert. Davon gehen allein 1.230.000 € an die Firma Genius einschließlich Unteraufträge an TransGen e.V. und TÜV NORD.
Schon die Fördermittelvergabe zeigt, dass es vor allem um Propaganda geht. Teile der Förderungen gehen direkt an die dazugehörigen Internetportale. Die das Förderprogramm begleitende Webseite biosicherheit.de112 besteht seit 2001 und wird 2004 bis 2010 durch das BMBF als Kommunikationsprojekt mit 1,8 Mio. Euro gefördert.113 Auf biosicherheit.de werden vor allem Ergebnisse von BMBF-Projekten zur Gentechnikforschung und Ergebnisse des EU-Projekts BIOSAFENET (Schiemann) sowie aktuelle Nachrichten und Hintergrundberichte dargestellt. Das redaktionelle Team besteht aus Sinemus, Minol und weiteren MitarbeiterInnen der Firma Genius, Gerd Spelsberg und weiteren Personen von TransGen sowie zwei Bediensteten des TÜV NORD. Alle drei Firmen bzw. Organisationen sprechen sich mehr oder weniger offen für die Gentechnik aus und haben ein finanzielles Interesse an möglichst vielen Anwendungen der Gentechnik. So sind Genius und TÜV NORD Mitglied des Wirtschaftsverbandes BIO Deutschland.114 Der TÜV NORD bietet Serviceleistungen bei der Betreuung gentechnischer Anlagen und der Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen sowie Hilfe bei der Planung, Vermittlung und Durchführung freisetzungsbegleitender Sicherheitsforschung oder zum Monitoring an. Hier betreiben also die AnwenderInnen von Gentechnik die Vermittlung von Ergebnissen aus der Sicherheitsforschung und die Propaganda über die Sicherheit solcher Produkte.
Die Ausbildung von VersuchsleiterInnen und Beauftragten für die biologische Sicherheit übernehmen wiederum auch Firmen und Organisationen, die völlig einseitig pro Gentechnik stehen. Eine davon ist DECHEMA. Deren Vorsitzender sagte in einer Rede: „Wenn sich Politiker zu nachwachsenden Rohstoffen bekennen und gleichzeitig die Anwendung der Grünen Gentechnik blockieren, dann ist das entweder Dummheit oder Verantwortungslosigkeit. Beides ist nicht tolerabel.“ Er fügte dann über die vermeintliche „Blockade der Grünen Gentechnik“ in Deutschland an: „Länder wie China und Indien, die zusammen die halbe Weltbevölkerung stellen und diese ernähren müssen, können und werden es sich nicht leisten, fahrlässig auf die Chancen der Grünen Gentechnik zu verzichten. Verantwortung wahrnehmen hieße deshalb für uns, in der Entwicklung und Anwendung einer sicheren Grünen Gentechnik eine Vorreiterrolle zu besetzen und dieses Wissen anderen Ländern zur Verfügung zu stellen.“115
Die als Sicherheitsforschung deklarierten Versuche sind Hilfen bei der Produktentwicklung. Sie dienen also den Konzernen. So beantragte Monsanto eine Freisetzung von 2009-2012 in Üplingen und will dabei den gleichen Maishybrid MON 89034 x MON 88017 aussäen, der auch von der RWTH Aachen in einer aus dem Sicherheitsprogramm finanzierten Freisetzung (2008-2010) in Braunschweig ausgebracht wurde. Monsanto: „Im Rahmen der beantragten Freisetzung sollen die agronomischen Eigenschaften der gentechnisch veränderten Maislinien MON 89034 x MON 88017 und MON 89034 x NK603 sowie der zu Grunde liegenden Elternlinien geprüft und mit denen anderer konventioneller und gentechnisch veränderter Hybriden verglichen werden.“ Monsantos Ziel, „zulassungsrelevante Daten und Anwendungsempfehlungen zum Einsatz glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel für die Anwendung“ im Freilandversuch zu erarbeiten, verfolgen auch RWTH Aachen und vTI. Das hilft dem Konzern, bleibt aber riskant für Mensch und Umwelt, denn beim RWTH-Versuch sei „ein Eintrag von gentechnischen Veränderungen in konventionelle Sorten eine mit der Freisetzung in Kauf genommene und genehmigte Folge einer Freisetzungsgenehmigung“.116
Wie alle anderen Bundesbehörden und Vergabestellen von Fördermitteln des Bundes verweigerte auch das für die Biosicherheitsförderung zuständige Forschungszentrum Jülich rechtswidrig die Akteneinsicht nach dem Umweltinformationsgesetz.117

Betrug Biosicherheitsforschung
Biosicherheit ist das geldschwerste, staatliche Förderprogramm für grüne Gentechnik in Deutschland.1 Die Folge: Versuche, die mit Sicherheitsforschung nichts zu tun haben, werden trotzdem so deklariert. Tatsächlich wird aber an neuen Produkten oder Methoden geforscht. Das aber ist nichts Anderes als Betrug und ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Doch die RobenträgerInnen werden nicht vom Staat bezahlt, um solche Skandale aufzudecken. Bislang wurde keine Strafanzeige in diese Richtung verfolgt.
Auch von den Förderrichtlinien2 her sind die realen Versuche zur Biosicherheit gar nicht zulässig. Denn nach dem Wortlauf des Biosicherheitsprogramms dürfen nur in begründeten Ausnahmefällen Forschungen mit Pflanzen bezuschusst werden, die nicht für eine Markteinführung bestimmt sind. Am Beispiel der Versuche am AgroBioTechnikum ist aber zu sehen, dass die Ausnahme der Normalfall ist. Auszug von der Seite der versuchsdurchführenden Firma: „In 2009 sind in Groß Lüsewitz mehrere Freisetzungsversuche geplant. Bei den gentechnisch veränderten Pflanzen handelt es sich um Prototypen, bei denen verschiedene Fragestellungen untersucht werden sollen. In allen Fällen geht es um Sicherheits- und Begleitforschung. Bis auf eine gentechnisch veränderte Kartoffel ist bei keiner dieser Pflanzen daran gedacht, sie in den nächsten Jahren als Produkte auf den Markt zu bringen. Einige dieser Versuche werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms ,Biologische Sicherheitsforschung' gefördert.“3
Alle Versuche zur Biosicherheit werden von ForscherInnen durchgeführt, die vorher schon das Ergebnis kannten - nämlich dass ihre untersuchte Pflanze sicher ist. Das gilt selbst für den einzigen Versuch, bei dem überhaupt tatsächlich Umweltauswirkungen untersucht wurden: Dem Maisversuch der RWTH Aachen im Westen Braunschweigs. Versuchsleiter Stefan Rauschen sagte schon vorher: „MON810 ist wiederholt in seiner Sicherheit bewertet worden. Danach ist Pollen von MON810 im Honig genauso unbedenklich, wie der von jeder anderen zugelassenen Maissorte auch. Ich finde es in diesem Zusammenhang unredlich, davon zu sprechen, von diesem Pollen könne eine Gefahr für den Verbraucher ausgehen. Das ist abwegig.“4

Beispiel Gengerste
352.000 Euro erhielt die Justus-von-Liebig-Universität in Gießen für ein dreijähriges Freilandexperiment. Nach eigenen Angaben wollten sie „die Frage klären, ob sich die gentechnisch veränderten Pflanzen negativ auf die für die Pflanzen wichtigen Bodenpilze, die Mykorrhiza auswirken“ (Gießener Anzeiger, 25.4.2006). Doch seltsam: Das Bodenleben interessierte sie gar nicht. Stattdessen konnten KritikerInnen nachweisen, dass Versuchsleiter Prof. Kogel an ganz anderen Dingen arbeitet: „Die Ergebnisse versprechen neue Möglichkeiten der Ertragssteigerung sowie eine Verbesserung der Widerstandskraft von Nutzpflanzen.“ Das Label Sicherheitsforschung war nur vorgeschoben, um die Fördergelder zu kassieren. Ohnehin: Um die Sicherheit ihres Versuchs kümmerten sich die Forscher wenig. Der Mäuseschutz wurde ganz weggelassen - und in beiden Anbaujahren wuchs Gerste unkontrolliert außerhalb der Sicherungen. Doch all dieses hielt den Versuch nicht auf. Ab 2009 wurde er ein zweites Mal gefördert und trotz der schlechten Erfahrungen wieder genehmigt. Anzeigen gegen die Versuchsleitung wegen Fördermittelmissbrauchs und Verstößen gegen das Gentechnikgesetz wurden von Behörden und Staatsanwaltschaften nicht bearbeitet. Die Aussaat am neuen Standort erfolgte Mitte Mai - wissenschaftlich kompletter Unsinn, da 2-3 Monate nach dem üblichen Gerstenaussaattermin. 1.400 Einwendungen wurden eingereicht, darunter umfangreiche Studien. Beachtet hat das BVL keine davon. Klagen waren nicht möglich, weil ausgesät wurde, bevor mögliche KlägerInnen überhaupt den Genehmigungsbescheid erhielten. Doch das Jahr verlief dramatisch: Zweimal wurden die Anlagen zerstört - Uni Gießen und die beauftragte Firma biovativ (Geschäftsführerin: K. ZENSIERT!) säten heimlich zwei Versuchsfelder aus. Das war eine Straftat mit bis zu drei Jahren Haftandrohung. Unter dem Aktenzeichen 476 Js 15017/09 ermittelt seitdem die Staatsanwaltschaft Rostock. Die zuständigen Behörden bemühten sich jedoch nur um Vertuschung.
Die Öffentlichkeit scheuen Kogel und MitarbeiterInnen. Obwohl gesetzlich zur vollständigen Akteneinsicht verpflichtet, legte der Versuchsleiter nur eine frisierte Akte bereit. Im Strafverfahren gegen zwei Feldbefreier vermied er 2008 mit Hilfe des Gerichts den Auftritt als Zeuge. Der Richter schloss stattdessen den unbequem fragenden Angeklagten vom Prozess aus und verurteilte ihn in Abwesenheit zu einer mehrmonatigen Freiheitsstrafe. 2009 endete die zweite Instanz (www.projektwerkstatt.de/gen/prozess.htm).

Auszüge aus der Studie "Kontrolle oder Kollaboration" von Antje Lorch und Christoph Then
Biologische Sicherheitsforschung

biosicherheit.de und GMO-Compass

3,3 Mio. Euro aus Sicherheitsforschung für Pflanzenentwicklung!
Auszug aus einem Text des Informationsdienst Gentechnik vom 25.5.2009
Welche Signale die Ministerin schon in Millionenhöhe an die Forschung setzt, macht nun die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Grünen deutlich: Allein rund 5 Millionen Euro gehen an die Privatindustrie für die Entwicklung von gentechnisch veränderten Pflanzen. Unter den Empfängerfirmen ist beispielsweise BASF, die mit über einer Millionen Euro pilzresistenten Weizen entwickelt. Auch aus dem Budget der "Biologischen Sicherheitsforschung" gehen 3,3 Millionen Euro an Projekte, bei denen Gentechnik-Pflanzen entwickelt werden. Das "Kommunikationsmanagement in der biologischen Sicherheitsforschung" ist der Regierung rund 2 Millionen Euro wert. Die Grünen fordern eine unabhängige Sicherheitsforschung. "Die knappen Gelder für die wichtige Biologische Sicherheitsforschung werden an Unternehmen gezahlt, die nachweislich eng mit der Agro-Gentechnik-Lobby verbunden sind und eine Deregulierung der Schutzvorschriften bei der Agro-Gentechnik anstreben", so Ulrike Höfken, verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen.

Auszug aus der Bundestagsdrucksache 16/6208 (Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen zur Geldvergabe für Gentechnik, S. 5):
Zielsetzung der Fördermaßnahmen des BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) ist die Verwertung von Projektergebnissen. Somit gehören zu den langfristigen Zielen der Projekte auch die Produktentwicklungen für den Markt. Jedoch sind mit Ausnahme von dem Vorhaben „BioChancePLUS; Reinigung des Medikamentes rh1.3 aus transgener Gerste; Teilprojekt A“ die in den aufgeführten Projekten entwickelten, gentechnisch veränderten Pflanzen in der entwickelten Form weder für eine direkte Vermarktung vorgesehen noch geeignet. Im Rahmen der Fördermaßnahme Biologische Sicherheit und BioOK stehen Fragen zur Sicherheit gentechnisch veränderter Pflanzen im Forschungsfokus. Es werden keine gentechnisch veränderten Pflanzen entwickelt und vermarktet.

Forschungsgelder einseitig und umweltunverträglich verteilt
Auszug aus der BÖLW-Pressemitteilung vom 26.1.2009

„Zwar konnten mit im Schnitt jährlich ca. 7 Mio. € aus Mitteln des Bundesprogramms Ökologischer Landbau wichtige Praxisfragen beforscht werden“, lobte Prof. Jürgen Heß von der Universität Kassel, „aber für notwendige Grundlagenforschung und um den Ökolandbau als innovatives System für eine nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft weiterzuentwickeln, gibt es kein Geld.“ Den Mitteln für die Ökolandbauforschung stehen jährlich allein 165 Mio. € für Biotechnologieforschung durch das Bundesforschungsministerium und 26 Mio. € für die Erforschung nachwachsender Rohstoffe gegenüber: „Das ist eine eklatante Ungleichstellung der verschiedenen Ansätze innerhalb der Agrarforschung“, so Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des BÖLW.
Zusätzlich wird die Agro-Gentechnik-Forschung von der Privatwirtschaft finanziert, BASF investiert jährlich allein 133 Mio. € in diesem Bereich. „Gerade weil der Ökolandbau keine patentierbaren Produkte, hinter denen privatwirtschaftliche Interesse stehen, hervorbringt, muss der Staat hier Forschungs- und Entwicklungsvorhaben verstärkt fördern und fordern“, so Felix Prinz zu Löwenstein.

Missbrauch von Steuergeldern
Auf der Internetseite der die Versuche ausführenden Firma biovativ (Geschäftsführung: K. ZENSIERT!) heißt es:
In 2009 sind in Groß Lüsewitz mehrere Freisetzungsversuche geplant. Bei den gentechnisch veränderten Pflanzen handelt es sich um Prototypen, bei denen verschiedene Fragestellungen untersucht werden sollen. In allen Fällen geht es um Sicherheits- und Begleitforschung. Bis auf eine gentechnisch veränderte Kartoffel ist bei keiner dieser Pflanzen daran gedacht, sie in den nächsten Jahren als Produkte auf den Markt zu bringen. Einige dieser Versuche werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms "Biologische Sicherheitsforschung" gefördert.

Das aber ist gar nicht zulässig. Laut Förderrichtlinie des Programms zur biologischen Sicherheitsforschung "sollen die Arbeiten zur Erhöhung der biologischen Sicherheit gentechnisch veränderter Pflanzen (...) an Kulturpflanzen bzw. für die Anwendung vorgesehenen Pflanzen durchgeführt werden und nur in begründeten Ausnahmefällen an Modellpflanzen. Freisetzungsbegleitende Untersuchungen sollen sich ausschließlich auf gentechnisch veränderte Pflanzen beziehen, deren Anwendung in Deutschland erwartet wird bzw. deren Freisetzung bereits erfolgt."
Der Text von Biovativ aber sagt selbst, dass bis auf einen Fall die Pflanzen für eine Markteinführung gedacht sind. Hier wird also offen eingeräumt, dass Steuergelder missbraucht werden.

Bundesforschungsministerium selbst zur BioSicherheits-Forschung im Internet (Auszug):
Die Agrar- und Ernährungsforschung nimmt seit jeher einen zentralen Schwerpunkt in der Förderpolitik der Bundesregierung ein und ist als "Innovationsfeld Pflanze" in der Hightech-Strategie verankert. In Absprache mit dem BMELV konzentiert sich das BMBF neben Maßnahmen der Struktur- und Kompetenzbildung in den Agrar- und Ernährungswissenschaften auf die Förderung neuer Ansätze in der molekularbiologischen Forschung sowie deren begleitender Sicherheitsforschung. Das BMELV setzt seinen Schwerpunkt hingegen über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) auf die Themengebiete Energiepflanzen, Erforschung industrieller Werkstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sowie Nutzung von Bioenergie. Ferner setzt sich das BMELV im Rahmen der Ressortforschung, wie z. B. am Julius-Kühn-Institut oder im Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), intensiv mit den aktuellen Themen der Agrar- und Ernährungsforschung auseinander. ...
Seit Anfang der 80er Jahren werden die Forschungsarbeiten zur biologischen Sicherheit vom BMBF unterstützt. Bis heute wurden mehr als 300 Vorhaben in Höhe von 93 Millionen Euro gefördert. Die letzte Bekanntmachung erfolgte Mitte 2007 mit einem Fördervolumen von 10 Millionen Euro. Hiermit werden aktuell 29 Forschungsprojekte der biologischen Sicherheitsforschung zur Grünen Gentechnik unterstützt.


Abschlusspodium des dreijährigen EU-Sicherheitsprogramm für Gentechnik am 29.6.2009 in Berlin. Beworben wurde es unter der Werbung vom Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Doch wer das Programm anschaut, sind wieder nur Fragen erlaubt. Dass eine Quoten-GegnerInnen mit auf dem Podium sitzt, ist eher die übliche Dummheit der Umweltverbände. Aber der NABU hatte ohnehin in der Vergangenheit mit offensiven Forderung nach mehr Gentechnikforschung von sich reden gemacht ... (das Programm als PDF).

Sicherheitsforschung ist Produktentwicklung
Aus dem Diskussionspapier des BMBF (Annette Schavan) zum Runden Tisch Gentechnik (Treffen vom 22.7.2009):
Die Erweiterung des Wissens über das Verhalten gentechnisch veränderter Pflanzen unter Freilandbedingungen und die Beobachtung der Auswirkungen ihrer Anwendungen sind wichtige Beiträge zu einer verantwortlichen, am Vorsorgeprinzip orientierten Nutzung der Grünen Gentechnik. ...

Sicherheitsforschung als wichtige Finanzierungsquelle der Seilschaften und PR-Arbeit (gleiche Quelle)
Bis heute wurden mit mehr als 100 Millionen Euro über 300 Vorhaben vom BMBF im Bereich der biologischen Sicherheitsforschung gefördert. Die Auswahl der Projekte erfolgt - unter Anlegung hoher wissenschaftlicher Qualitätsstandards - durch unabhängige, renommierte nationale und internationale Experten. Insgesamt haben sich über 60 Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen beteiligt. ...
Allerdings fließen die Ergebnisse der Biologischen Sicherheitsforschung noch immer nicht ausreichend in die öffentliche Diskussion und Bewertung der Grünen Gentechnik ein. Hier müssen neue, vertrauensbildende Maßnahmen entwickelt werden.

Lug und Trug mit dem Biosicherheitsprogramm

Beschreibung auf der Seite von biovativ.de (Firma am AgroBioTechnikum)
In 2009 sind in Groß Lüsewitz mehrere Freisetzungsversuche geplant. Bei den gentechnisch veränderten Pflanzen handelt es sich um Prototypen, bei denen verschiedene Fragestellungen untersucht werden sollen. In allen Fällen geht es um Sicherheits- und Begleitforschung. Bis auf eine gentechnisch veränderte Kartoffel ist bei keiner dieser Pflanzen daran gedacht, sie in den nächsten Jahren als Produkte auf den Markt zu bringen. Einige dieser Versuche werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms "Biologische Sicherheitsforschung" gefördert.

Der Text wäre ein Fall für den Staatsanwalt. Denn nach den Förderrichtlinien zum Biosicherheitsprogramm dürfen nur in begründeten Ausnahmefällen Forschungen mit Pflanzen bezuschusst werden, die gar nicht für eine Markteinführung bestimmt werden. Hier in Groß Lüsewitz ist es aber der Normalfall. Es wird also in großem Umfang Steuergeld missbraucht. Doch die Staatsanwaltschaften sind informiert, aber gucken weg ...

Bundesregierung tut naiv ...
Auszüge aus der Bundestagsdrucksache 16/10751 vom 3.11.2008

Die Förderung erfolgt als direkte Projektförderung und nicht in Form einer Auftragsvergabe. Alle Projekte werden mit 100 Prozent der Ausgaben an nicht- industrielle Einrichtungen gefördert. Die geförderten Arbeitsgruppen beurteilen die Projekte unabhängig und sind nur der wissenschaftlichen Wahrheit verpflichtet. ...

Die Wirkung wird erzielt ... treudummer Glaube an das Gute in der Sicherheitsforschung

Ganze Tagung vereinnahmt - ohne Teilnehmende zu fragen*
Auszug aus einem Bericht der Veranstalter (Kirche) einer Tagung in Tutzing am 13.11.2009

Am Ende der Vorträge und Diskussionen standen vier Ergebnisse fest: ... Vertrauen in wissenschaftliche Forschung im Bereich der Grünen Gentechnik wird nur dann aufgebaut werden können, wenn empirische und im Besonderen auch sozial- und geisteswissenschaftliche Forschung öffentlich finanziert, ergebnisoffen betrieben und im Bereich der Risikoforschung intensiviert wird.
*Eine Nachfrage bei Teilnehmenden ergab, dass die Behauptung, diese Ergebnisse seien Konsens gewesen, falsch ist.

Auskreuzungsforschung, Grenzwerttricks

Der Text aus der Broschüre "Organisierte Unverantwortlichkeit" (Infoseite ++ PDF):
Seit Beginn der Freisetzungen nimmt das Thema Auskreuzung wichtigen Raum in der Debatte um die Gefahren der Gentechnik ein. Dabei geht es um die Frage, wieweit die gentechnischen Veränderungen sich auf gleiche Pflanzenarten ausbreiten, in die Umwelt oder in Lebensmittel gelangen oder sich auch auf andere Lebewesen übertragen könnten. Bemerkenswert spät aber wurde diese Frage auch Gegenstand von Untersuchungen. Schon allein das erregte den Verdacht, dass auch den BefürworterInnen der Gentechnik von Beginn an klar war, dass Auskreuzung stattfindet und nicht zu kontrollieren ist. Forschung hätte das nur bestätigt - da war es GentechnikbefürworterInnen offenbar lieber, gar nicht darüber zu reden. Niemand bestritt, auch Konzerne und LobbyistInnen nicht, dass die Gentechnik früher oder später überall hingelangen würde. Sie konzentrierten sich darauf, den Menschen die Angst vor dieser Ausbreitung zu nehmen.
Doch mit den aktuellen Gentechnikgesetzen wurde die Klärung der Koexistenzfrage notwendig. Im § 1 des Gentechnikgesetzes ist festgelegt, dass eine gentechnikfreie Landwirtschaft - konventionell wie biologisch - möglich bleiben muss. Nur: Wie das gelingen kann, dafür gibt es keine wissenschaftlich fundierten Vorschläge. Erfahrungen aus langjährigem Anbau in Nord- und Südamerika sowie Indien zeigen recht deutlich, dass es nicht möglich ist, die Verbreitung der gv-Pflanzen mittel- und langfristig zu begrenzen. Inzwischen geben auch deutsche Wissenschaftler offen zu, dass Gentechnik nicht kontrollierbar ist. Die Reihenfolge der Geschehnisse in Deutschland war folglich höchst seltsam: Erst wurde die Gentechnik in die Landschaft gebracht, dann wurde ein Gesetz erlassen, dass diese Gentechnik nicht überall hin auskreuzen darf. Dann erst liefen die wissenschaftlichen Untersuchungen an, ob das überhaupt geht. Alle diese Forschungen haben mindestens sechs grundsätzliche Schwächen:

  1. Auskreuzung kann nicht verhindert werden. Untersucht wird daher nur, wie schnell und wie weit Auskreuzung stattfindet. Ziel ist die Festlegung von Grenzwerten unter denen Produkte dann als gentechnikfrei bezeichnet werden können. Es ist allen Beteiligten klar, dass die vollständige Gentechnikfreiheit im Landbau technisch nicht mehr möglich ist, wenn erst einmal gv-Pflanzen in der Umwelt sind. Daher geht es, obwohl gesetzlich vorgeschrieben, gar nicht mehr um die Koexistenz von gentechnischer und gentechnikfreier Landwirtschaft, sondern um die Festlegung und ständige Erhöhung von Grenzwerten, unterhalb derer Produkte als gentechnikfrei bezeichnet werden, obwohl sie das nicht sind. Zur Zeit liegen die Grenzwerte für gentechnikfreie konventionelle Landwirtschaft bei 0,9 Prozent. Tendenz steigend. Joachim Schiemann (JKI) forscht angeblich zu Grenzwerten, aber fordert längst höhere - ähnlich wie die Konzerne, ForscherInnen und andere Behörden. Dass Koexistenz nur mit der Grenzwertlüge möglich ist, gibt Schiemann offen zu: „Eine gentechnikfreie Produktion mit Nulltoleranz ist nicht praktikabel. Selbst bei einem völligen Verzicht wären Schwellenwerte für unbeabsichtigte Anteile von GVO in Importwaren unabdingbar. Werden geeignete Schwellenwerte vereinbart, ist eine Koexistenz möglich. Für den Saatgutbereich bedeutet das einen Schwellenwert von mindestens einem Prozent für unbeabsichtigte gv-Beimengungen.“118
  2. Untersucht wird nur die Auskreuzung durch den Wind (Pollenflug), also die passive Verbreitung der gentechnisch veränderten Pflanzen. Es gibt aber mindestens zwei weitere Wege aktiver Übertragung. Zum einen durch Insekten, vor allem Bienen. Diese fliegen aus eigener Kraft von Pflanze zu Pflanze - und zwar bereits sofort bei der ersten Blüte einer neu ausgebrachten Züchtung und über lange Distanzen (6 bis 10 Kilometer). Langfristig transportieren Insekten die Gensequenzen im Zusammenhang mit Wanderbewegungen auch über unbegrenzbar lange Wege. Zum anderen ist inzwischen gesichert, dass es einen horizontalen Gentransfer über Artgrenzen hinweg gibt. Wo diese stattfindet, ist eine Rückverfolgung nicht mehr möglich, weil es keine wissenschaftliche Arbeitshypothese gibt, wo welcher Gentransfer abläuft.
  3. Hinzu kommt die übliche Streuung durch das Versagen von Mensch oder Maschine. Viele Getreide- und Rapspflanzen an Wegrändern wuchsen aus herausfallenden Körnern von Transportwagen oder aus aufgerissenen Saatgutsäcken. Nicht zu verhindern ist die Vermischung bei Nutzung der gleichen Anhänger und Maschinen, Abfüll- und Reinigungsanlagen. Behälter können verwechselt oder falsch deklariert werden. In der recht jungen Geschichte der grünen Gentechnik ist das alles schon mehrfach passiert. Hoffnung auf Besserung besteht nicht, denn selbst bei den besser gesicherten radioaktiven Stoffen oder Massenvernichtungswaffen sind Schwund und Verwechselung alltäglich.
  4. Alle als wissenschaftliche Untersuchungen zur Auskreuzungsforschung dargestellten Feldversuche werden von genau den Seilschaften durchgeführt, die in diesem Reader bereits näher dargestellt wurden. Sie haben als PatentinhaberInnen, Dienstleister für Versuchsdurchführung oder Handelnde in Konzernen ein berufliches, politisches oder propagandistisches Interesse an Ergebnissen, die eine spätere Anwendung der Gentechnik nicht behindern. Hier findet folglich gerichtete Wissenschaft statt, die - wie üblich - bestimmte Interessen verfolgt und nicht unabhängig ist.
  5. Angesichts der auch von GentechnikbefürworterInnen erkannten grundsätzlichen Unmöglichkeit der Verhinderung von Auskreuzung in der Umwelt ist zudem als neues Argument bereits vorbereitet worden, dass diese Verhinderung allein kein einklagbares Ziel sei. Ausgerechnet das BVL stellte am 23.4.2009 vor dem Verwaltungsgericht klar, dass die Koexistenzgarantie des § 1 GentG, Satz 2 keine Rolle spiele: „Die Möglichkeit von Auskreuzungen, die auch bei Anordnung eines deutlich größeren Isolationsabstandes im Freiland nie vollständig ausgeschlossen werden könne, stehe der Erteilung der von der Beigeladenen beantragten Genehmigung nicht entgegen. Auskreuzungen seien nur dann als schädliche Einwirkungen im Sinne des § 1 Nr. 1 GentG anzusehen, wenn sie die betroffenen Pflanzen nachteilig veränderten, indem sie etwa zur Ausbildung schädlicher Eigenschaften führten, was bei den streitgegenständlichen transgenen Maispflanzen nach der Bewertung der ZKBS nicht zu erwarten sei“. Zudem könne bei konkreten Nachteilen, „vor denen allein das Gentechnikgesetz schütze“, höchstens Schadenersatz, nicht jedoch das Ende des Genversuchs verlangt werden.119 Das Gericht schloss sich dieser Auffassung an, die Koexistenzgarantie und Verursacherprinzip praktisch abschaffte.
  6. Jeder Auskreuzungsversuch hat Auskreuzung zur Folge (das ist ja im Versuch angelegt), schafft also die Gefahr, die er zu untersuchen vorgibt, selbst.

Auskreuzungsforschung dient der Produktentwicklung, weil sie keine offenen Fragen der Gentechnik untersucht oder mögliche Gefahren bei Zulassungen prüft, sondern selbst die Grundlage für die Zulassung schafft, z.B. die gesetzlichen Grenzwerte, unterhalb derer ein Futter- oder Lebensmittel als gentechnikfrei gilt - ohne es zu sein. Der oberste Kontrolleur der Gentechnik in Deutschland, BVL-Gentechnikchef Buhk, warnte folgerichtig vor „Schwellenwerten, deren Überschreitung künftig die Kennzeichnungspflicht nach Richtlinie 2001/18/EG beziehungsweise der EU-Verordnung auslösen werden.“ Solche zu niedrigen Grenzwerte hätten Folgen, die „mit erheblichem zeitlichen, administrativen und finanziellen Aufwand verbunden“ sein könnten.120
Zum Vergleich: Eine Forschung an Atomkraftwerken, ab welchem Abstand von den Kraftwerken ein Wohnhaus als strahlungsfrei bezeichnet werden darf, weil es ,nur' eine bestimmte Menge an Radioaktivität abbekommt, würden nur wenige als Sicherheitsforschung begreifen, sondern als Beitrag dazu, Atomkraftnutzung handhabbar zu machen. Sie wäre eine die Atomkraft vorantreibende Forschung. So verhält es sich auch mit der Sicherheitsforschung in der Gentechnik: Sie dient der Durchsetzung von gentechnischen Produkten auf dem Markt, weil Regeln für deren Verbreitung geschaffen werden. Die Forschung hilft dabei, solche Regeln zu finden, die den Gentechnikanbietern genügend Spielraum geben und allen anderen die Möglichkeit nehmen, eine Markteinführung zu verhindern, weil ja nun alles legal ist. Grenzwerte in Gesetzen werden an die Bedürfnisse der Konzerne angepasst, nicht umgekehrt.
Die ersten Auskreuzungsversuche mit transgenen Maissorten liefen 2005-08. Projektpartner waren u.a. die RWTH Aachen, die BBA in Braunschweig und Darmstadt (jetzt JKI) und das BioTestLabor (BTL GmbH) aus den Seilschaften am AgroBioTechnikum. Die Summe der Fördergelder betrug 3,27 Mio €.121
Im Jahr 2008 standen wichtige Felder der Auskreuzungsforschung in Rheinstetten-Forchheim (Versuch der Technischen Landeszentrale in Baden-Württemberg), in Braunschweig (RWTH Aachen) und im nahegelegenen Sickte (Versuch des JKI). Fragwürdig ist bereits, dass alle drei Versuchsbetreiber mit klaren Positionen pro Gentechnik auftreten, d.h. die Folgen- und Sicherheitsforschung an der Gentechnik wird von Instituten und Personen durchgeführt, die schon vorher wissen, dass es keine nachteiligen Wirkungen der Gentechnik gibt. 2009 sollte dann der Sickter Versuch, weil er 55.000 Euro Bewachungskosten verursachte, mit dem Forschungsfeld der RWTH Aachen auf dem Gelände der ehemaligen FAL in Braunschweig (Bundesallee) zusammengelegt werden - fiel aber dem MON810-Verbot zum Opfer.
An der Aachener Uni gibt es keine landwirtschaftliche Fakultät. Die Seilschaft aus Aachen (u.a. Ingolf Schuphan, die BVL-Vertreter Bartsch und Gathmann sowie Kogel und Gregor Langen, heute Uni Gießen) besteht aus Biologen. Sie arbeiten an verschiedenen Orten als Genforscher oder in den Genehmigungsbehörden. Bartsch führte in seiner Zeit in Aachen (1992-2000) selbst Freisetzungsversuche durch, u.a. mit gv-Zuckerrüben der Firma KWS. Schuphan, bei dem Bartsch als wissenschaftlicher Mitarbeiter diente, war Leiter verschiedener BMBF-Projekte zur Biologischen Sicherheitsforschung - obwohl er diese für überflüssig hielt: „Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass ein Monitoring eigentlich nicht nötig ist, da eben keine schädlichen Auswirkungen des Bt-Mais nachweisbar waren.“122 und „Unsere Forschungsergebnisse zeigen ganz klar, dass der Anbau von Bt-Mais MON810 keine nachteiligen Wirkungen auf den Naturhaushalt hat. Abstandsflächen zu Naturschutzgebieten sind nicht nötig.“123 Seit 2004 ist Bartsch im BVL für Koexistenz und GVO-Monitoring zuständig - der Ausführende von Freisetzungen ist nun also selbst der Kontrolleur. Auch der Ex-RWTHler Achim Gathmann arbeitet dort, eingestellt 2006.124 So kontrolliert eine Clique, die früher selbst Gentechnik angewendet hat und zudem Kontrolle für überflüssig hält. Lustlose Böcke spielen Gärtner ...

Auszug aus "Keine Garantie für gentechnik-freie Lebensmittel" auf der Internetseite der WAZ am 29.5.2009
Erst wenn bei einer Zutat, zum Beispiel Soja, mehr als 0,9 Prozent aus Genmaterial besteht, muss dies auf der Verpackung deklariert werden. Wurden Zusatzstoffe, Enzyme oder Vitamine gentechnisch erzeugt, muss dies nicht angegeben werden. Auch in der Fleischproduktion sind die Kennzeichnungspflichten locker. So gelten Tiere als gentechnikfrei gezüchtet, wenn sie in gewissen Zeiträumen vor der Schlachtung nicht mit gentechnisch veränderten Futtermitteln aufgepäppelt wurden.

Monitoring

Der Text aus der Broschüre "Organisierte Unverantwortlichkeit" (Infoseite ++ PDF):
Der Begriff bezeichnet das anbaubegleitende Beobachten von Umweltauswirkungen. Etwas sarkastisch kann formuliert werden: Durch Monitoring kann besser dokumentiert werden, dass alles schiefgeht. Monitoring dient nicht der Verhinderung von Auskreuzung oder von Schäden an Umwelt und Gesundheit. Als verschärfendes Problem der ohnehin mächtigen Seilschaften in der Gentechnik wurde auch das Monitoring in denselben Kreisen angesiedelt, die die zu beobachtenden gv-Pflanzen entwickeln, vertreiben, anbauen und daher ein Interesse an ihrer Verbreitung haben.
Praktische Bedeutung hatte das Monitoring von gv-Pflanzen in Deutschland bisher nur, weil es fehlte - und zwar bei der einzigen kommerziell genutzten Pflanze, dem MON810. Was folgte, war ein beeindruckendes Drama, ausgelöst durch ein Verbot aller Maissorten mit dem Genkonstrukt MON810 am 27.4.2007 - gegen den Protest ausgerechnet des Leiters der Gentechnik-Abteilung beim Bundesamt für Verbraucherschutz, Buhk.16 Dabei war das Verbot eigentlich sogar überflüssig, denn die vorläufige Genehmigung von MON810 war ohnehin im Oktober des Vorjahres abgelaufen. Ab diesem Zeitpunkt hätte ein Monitoringplan vorgelegt werden müssen. Doch Monsanto und die MON810 verwendenden Saatgutzüchter (z.B. KWS) setzten auf Schludrigkeit und Wohlwollen der Kontrollbehörden - mit Erfolg. Die teilte erst dann das Aus für den Bt-Mais mit, als alle Saaten in der Erde waren. So wuchs einen Sommer lang verbotener Mais auf Hunderten von Feldern. Gleichzeitig wurde hinter den Kulissen um eine neue Genehmigung gefeilscht. Notwendig dafür war ein Monitoringplan, denn Monsanto hatte diese Auflage nie erfüllt, die Umweltauswirkungen langfristig beobachten zu lassen. In Windeseile entstand nun dieser Plan und führte am 6.12.2008 zur Wiederzulassung von MON810. Doch der Blick hinter die Kulissen offenbarte, wie sattelfest die Seilschaften der Gentechnik hier sitzen. Der neue Plan basierte laut Monsanto auf bestehenden Überwachungssystemen z.B. bei Bienen, deren ausführende Stellen nie befragt wurden, sowie auf einem Monitoring-Entwurf aus dem Jahr 2004.125 Dessen AutorInnen bildeten eine seltsame Mischung: Drei Behördenmitarbeiter wirkten zusammen mit zwei LobbyistInnen und NutznießerInnen der Gentechnik (K. ZENSIERT! und Jörg Schmidtke aus dem Filz des AgroBioTechnikums in Groß Lüsewitz). Mit im Boot waren die Konzerne. In der Veröffentlichung bedankten sich die AutorInnen für die Unterstützung durch Bayer CropScience, KWS, Monsanto, Pioneer und Syngenta. Eine wichtige Klammer könnte Joachim Schiemann gebildet haben, denn er war als Gründungsmitglied dabei, als das AgroBioTechnikum entstand. Hier kommen erneut Kontrolltätigkeit als Behörde, eigene Versuchsaktivitäten und die Unterstützung von Lobbyarbeit und Freisetzung in einer Person zusammen.126 Auch die konkrete Ausformulierung des dann akzeptierten Monitoringplanes blieb in der „Familie“: Zunächst schlug das BVL der Firma Monsanto eine Liste mit über 30 potenziellen Beobachtungssystemen vor. K. ZENSIERT! legte daraufhin im Auftrag von Monsanto einen schriftlichen Vorschlag für die genauere Auswahl der Netzwerke vor. Der Vorschlag ihrer Firma BioMath wurde wiederum von Monsanto beim BVL eingereicht und die Behörde genehmigte diesen.127 Bei einer solchen Hintergrundabsicherung im Zusammenspiel mit einer einseitig pro Gentechnik denkenden Kontrollbehörde BVL war nicht überraschend, dass es am Ende hieß: „Der von der Firma Monsanto vorgelegte Plan zur Beobachtung der Umweltwirkungen des Genmais MON810 erfüllt die gestellten Anforderungen in vollem Umfang. Dies stellte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) heute in Berlin noch einmal klar.“128
Wie bei der Auskreuzungs- und Sicherheitsforschung auch, beginnt das Problem in den undurchdringlichen Seilschaften. In der zuständigen Arbeitsgruppe „Anbaubegleitendes Monitoring gentechnisch veränderter Pflanzen im Agrarökosystem“ sitzen wieder die gleichen SeilschafterInnen:32 Die Leitung hat Joachim Schiemann. Mit dabei auch Bartsch/BVL, Broer/Uni Rostock, Gathmann/RWTH Aachen (jetzt BVL), ZENSIERT!/BioMath, außerdem Behördenvertreter von Landes- und Bundesfachstellen und -ministerien wie BMELV, RKI/BVL, LLG Sachsen-Anhalt, Landesamt für Verbraucherschutz und Landwirtschaft, LWK Hannover, LWK Westfalen-Lippe, LWK Rheinland, LWK Weser-Ems, LUFA Nord-West, Landespflanzenschutzamt Mecklenburg-Vorpommern, Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, Niedersächsisches Landesamt für Ökologie, UBA, Bayerisches Landesamt für Bodenkultur und Pflanzenbau, FAL, Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, Bundessortenamt und Vertreter von ZALF, BBA sowie der Universitäten Bielefeld, Göttingen und Oldenburg. Sie sitzen zusammen mit der Industrie: Bayer CropScience, Pioneer Hi-Bred, KWS Saat, Syngenta, Monsanto und der Industrieverband Agrar sind dabei, ebenso wenig fehlen Lobbygruppen wie der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter und Genius.130
Nur einmal klappte es nicht mit der Verfilzung: 2005 lehnte die damalige Landwirtschaftsministerin Renate Künast die staatliche finanzielle Unterstützung für Forschungsprojekte von Schiemann (BBA) ab, bei denen gentechnisch veränderte Pflanzen entwickelt werden sollten. Schiemann war damals gleichzeitig sowohl auf EU-Ebene als auch auf nationaler Ebene an der Bewertung von gentechnisch veränderten Pflanzen in Zulassungsverfahren beteiligt. Das Rauschen im Blätterwald war groß. Künast sei forschungsfeindlich, sie würde sogar biologische Sicherheitsforschung verhindern, so der Tenor. Die grüne Argumentation in der Bundestagsdebatte am 7. März 2005: „Es soll aber nicht so sein, dass dieselben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die produktnah forschen, nachher eine unabhängige Expertise darüber erstellen, ob diese Produkte den allgemeinen Sicherheitsstandards hinsichtlich der Verbraucherinnen und Verbraucher und der Biodiversität entsprechen.“131

Einseitig wie ZKBS und BVL: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG

Auszug aus der Akte der Versuchsleitung zum Gengerstenfeld bei der Uni Gießen (IPAZ)
Protokoll über das Fachgespräch "Schwellenwerte für Produkte aus gentechnisch veränderten Pflanzen" der DFG (30.+31. August in Bonn)
Mitglieder und ständige Gäste der Senatskommission: 4 Leute, davon 2 aus GI: Prof. H.G. Frede (Vors.), Prof. Kogel, 1 aus Kiel: Prof. C. Jung
Weitere Gäste: Mehrere, u.a. Buhk, Bartsch, Jany, Schiemann. Kommissionssekretariat: Dr. L. Breuer, GI.
Handschriftliche Vermerke von Prof. Kogel auf Konferenzunterlagen: "Sehr niedrige Schwellenwerte würden Forschung behindern", "Steht Aufwand für Kennzeichnung in vernünftiger Relation zum Nutzen".

Zur DFG auf "Save our Seeds" (taz-Blog)
Die DFG ist die “Selbstverwaltungseinrichtung” der Wissenschaften, die rund 2 Milliarden Euro jährlich an öffentlichen Mitteln vergibt, ein Herren-Club der alten Schule (an Frauen gehen in den “Lebenswissenschaften” Biologie, Medizin und Landwirtschaft ganze 20% in den restlichen Naturwissenschaften 7,4% der Mittel), in dessen Struktur man vergebens nach irgendeiner Beteiligung der Zivilgesellschaft an der Formulierung von Forschungszielen und Schwerpunkten sucht. Folgerichtig sucht man in ihren Förderschwerpunkten für den ohnehin sträflich unterbelichteten Landwirtschaftsbereich auch vergebens nach anderem als … Gentechnik. Methoden des ökologischen Landbaus gelten hier nach wie vor wohl als unwissenschaftlich.

Mitglieder der Senatskommission für Grundsatzfragen der Genforschung:

LPG-Nachfolgefilz in Ost-Bundesländern

Gentechnik durch Filz zwischen LPG-Nachfolgeindustrie, Regierenden, Konzernen und Alt-DDR-Kadern gefördert
Auszug aus einer Mitteilung von ARE/AbL am 24.9.2008 (Langfassung als .doc)

"Nirgends haben die Führungskader der DDR die Wende so unbeschadet überstanden wie auf dem Lande. In vielen Dörfern herrschen noch immer die Chefs der alten landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften. Die kleineren Bauern wurden ausgetrickst und ausgenommen, mit Hilfe und zugunsten alter Seilschaften." - "Mitglieder der alten Bauernpartei besetzen auch heute noch Schlüsselpositionen, vor allem in den Landwirtschaftsministerien der neuen Länder. Tatkräftig haben sie mitgeholfen, dass die alten LPG-Chefs sich riesige Güter aneignen konnten: Warnungen werden ignoriert, Kritiker gefeuert." (Der Spiegel 24/1995 und 25/1995) ...
Diese Konstellationen sind auch verantwortlich dafür, dass ganze Regionen in Ostdeutschland als Experimentierfeld der Gentechnologie-Konzerne herhalten müssen und dass Agrarindustrielle auf den Standorten der ehemaligen "Kombinate Industrielle Mast" riesige Agrarfabriken aufbauen.

Geld für deutsche Gentechnik-Konzerne


Auszug aus der Bundestagsdrucksache 16/6208 (S. 6, SunGene ist eine BASF-Firma)

Geld zum Aufbau von Biotech-Seilschaften

Geldwäsche mit Fördermitteln durch dubiose Firmenkonstruktionen ...

Grüne Gentechnik: Fast alles Geld geht dorthin

Auszug aus einer Pressemittelung des BÖLW am 26.1.2009
„Zwar konnten mit im Schnitt jährlich ca. 7 Mio. € aus Mitteln des Bundesprogramms Ökologischer Landbau wichtige Praxisfragen beforscht werden“, lobte Prof. Jürgen Heß von der Universität Kassel, „aber für notwendige Grundlagenforschung und um den Ökolandbau als innovatives System für eine nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft weiterzuentwickeln, gibt es kein Geld.“ Den Mitteln für die Ökolandbauforschung stehen jährlich allein 165 Mio. € für Biotechnologieforschung durch das Bundesforschungsministerium und 26 Mio. € für die Erforschung nachwachsender Rohstoffe gegenüber: „Das ist eine eklatante Ungleichstellung der verschiedenen Ansätze innerhalb der Agrarforschung“, so Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des BÖLW.
Zusätzlich wird die Agro-Gentechnik-Forschung von der Privatwirtschaft finanziert, BASF investiert jährlich allein 133 Mio. € in diesem Bereich.

In der Regierungs- und Lobbypropaganda liest sich das ganz anders. Selbst im Förderprogramm für den Aufbau der Gentechnikindustrie in Sachsen-Anhalt heißt es verschleiernd (Kommunikationskonzept der Landesregierung Sachsen-Anhalt, Entwurf 4.2.2004):
Es darf nie darum gehen, eine Anbauform zu bevorzugen. Alle Anbausysteme müssen ein gleichberechtigtes Existenzrecht haben.

Jammern auf hohem Niveau

Akademie der Wissenschaften: Fast nichts geht, doch alles klappt???
Auszug aus "Gute und schlechte Gene" in: Tagesspiegel vom 04.11.2009

Strenge Gesetze und die Skepsis in der Bevölkerung machen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland nahezu unmöglich. Dieses aus Sicht der Pflanzenforschung ernüchternde Fazit ziehen die Autoren des zweiten Gentechnologieberichts der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Trotzdem entwickle sich die Forschung zur grünen Gentechnik rasch weiter ...

Genlabore und -felder der Uni Gießen

Auszug aus „Gen-Rapsfeld der Universtität mutwillig zerstört“, in: Gießener Allgemeine, 29.4.1997 (? Datum unleserlich)
In Rauischholzhausen hätte gentechnisch verändertes Saatgut im Vergleich zu anderen Sorten unter verschiedenen „Krankheitsüberwachungs-Regimen“ getestet werden sollen, sagte Friedt gestern. Die gentechnisch gezüchteten Hybride – die Ergebnisse von Kreuzungen – seien bereits einem Freisetzungsverfahren unterzogen worden, in dem die „Unbedenklichkeit“ gegenüber der Aussaat und dem Anbau des Materials „bereits hinreichend nachgewiesen“ worden sei. Dem von der EU genehmigten „Inverkehrbringen“ sei der Versuchsstandort gleichwohl so gewählt worden, dass ein Kontakt zu anderen Rapsfeldern „nach allgemein anerkannten Kriterien“ habe „ausgeschlossen“ werden können: als Abstand seien 1000 Meter gewählt worden, die auch für die Saatgutproduktion bei Fremdbefruchtern herangezogen werden. ...
Friedt betonte gestern noch einmal, daß aufgrund der technischen Möglichkeiten des Versuchsfeldes ein Verlust an Samenkörnern praktisch auszuschließen sei.

Auszug aus der "Erklärung zum Feldversuch mit gentechnisch gezüchtetem Raps auf dem Gelände des Lehr- und Versuchsbetriebes in Rauischholzhausen" von Prof. Wolfgang Friedt (Uni Gießen) am 18.4.1997
... wurde der Versuchsstandort so gewählt, daß ein Kontakt zu anderen RapsfeIdem nach allgemein anerkannten Kriterien ausgeschlossen werden kann. Hierbei handelt es sich um die Entfernungen, welche für die Saatgutproduktion bei Fremdbefruchtern herangezogen werden. Diese Entfernung (1000 m) ist so weit, daß eine Befruchtung mit Pollen fremder Felder und umgekehrt als ausgeschlossen gelten kann. ...
Aufgrund der technischen Möglichkeiten eines Versuchsfeldes ist es ohne weiteres möglich, einen Verlust an Samenkörnern praktisch auszuschließen. Ebenso ist die Möglichkeit gegeben, das anfallende Samenmaterial der Versuchsernte entsprechend zu entsorgen. Bezüglich gentechnisch übertragener Herbizid-Resistenz hat zudem eine umfangreiche Diskussion zur Technologiefolgeabschätzung stattgefunden, die zu dem Ergebnis gekommen ist, daß keine Gefährdung der Bevölkerung bzw. nachhaltige Beeinträchtigung von Ökosystemen zu erwarten ist. Insbesondere kann eine Ausbreitung der neuen Eigenschaften wegen nicht gegebener Kreuzbarkeit von Raps mit Kruziferen der hiesigen Flora ausgeschlossen werden. Diese Diskussion wurde unter Einbeziehung relevanter Umweltgruppen bereits geführt.

Auszug aus der "Erklärung zum Feldversuch mit gentechnisch gezüchtetem Raps auf dem Gelände des Lehr- und Versuchsbetriebes in Rauischholzhausen" von Prof. Wolfgang Friedt (Uni Gießen) am 18.4.1997
Wir sind der Meinung, daß die Durchführung eines Versuches zunächst nur von wissensorientierten Überlegungen bestimmt werden kann.

Ende Februar 2009: Genlabore der Uni gehen in Flammen auf

Auszug aus den Polizeipresseinformationen vom 25.2.2009
Brand eines Gewächshauses der Justus-Liebig-Universität
Gießen: Am Mittwoch, dem 25.02.2009, gegen 1.00 Uhr, wurde Rauch aus einem Gewächshaus der Uni im Heinrich-Buff-Ring gemeldet. Bei dem Gewächshauskomplex handelt es sich um einen Bereich, in welchem auch gentechnische Versuche vorgenommen werden. Im direkten Brandbereich fanden keine gentechnischen Versuche statt. Nach ersten Ermittlungen ist der Brand durch einen technischen Defekt entstanden, ein Brandanschlag kann ausgeschlossen werden. Der Sachschaden beträgt ca. 50.000 Euro.

Zwei Tage später ging ein Brief ein, der doch darauf hindeuten könnte, dass es sich um eine Attacke von GentechnikgegnerInnen gehandelt hat. Wann der Brief eingeworfen wurde, ließ sich nicht feststellen. Scan des kleinen Zettels siehe rechts.

Gen-Gerste-Versuchsfeld im Jahr 2006 und 2007

Genmaisanbau 2007 und 2008

In Gießen am Oberen Hardthof 2007 (Versuchsstation Weilburger Grenze)

In Groß Gerau auf dem Versuchsgut der Uni Gießen 2007 und (geplant) 2008

Für 2008 auch in Rauischholzhausen geplant

Raps-Versuche seit 2001

Noch älter ...

... und noch mehr!

Versuche der Uni Gießen

Auszüge aus der Liste der vom Bund geförderten Gentechnikprojekte: Download als Antwort auf Grünen-Anfrage ++ Download vom BMBF-Server (PDF):



Eintragung zum bekannten Gengerste-Versuch (oben), dann Weizen (unten)!

Feldbefreiung am 21. April 2008: Der Weizenversuch ist gestopp!

Im gleichen Forschungsförderungsplan stehen auch konventionelle Züchtungsversuche der Uni zu Wein und Raps:

Lügen da alle?

Kogel
Wollte sich zunächst als kritischer Wissenschaftler inszenieren (mit Erfolg - Medien, Parteien ... fielen zunächst auf ihn rein). Seine Gengerste wollte er auf ihre Umweltauswirkungen untersuchen, Versuche mit Mais und Raps fand er falsch. Doch ein Jahr und ein hohes Amt (Uni-Vizepräsident) später war alles anders. Dafür bekommt Kogel einen besonderen Preis: Eine Extra-Seite über seine Lügen, Projekte und Aussagen.

Lauterbach
Im Zusammenhang mit der Kritik am Gen-Gerste-Feld behauptete Uni-Pressesprecherin Lauterbach, dass sie gegen Gentechnik sei - und deshalb für den Genversuch mit Gerste. Am 13.6.2006 dann veröffentlichte sie diese Presseinfo zur knallharten Gentechnik-Forschung des Instituts von Prof. Friedt an der Uni. Wes (Gentec-)Brot ich ess, des Lied ich sing ...


Propagandaschau der Uni Gießen am 17.2.2008 in Rauischholzhausen: Lauterbach (links) und Friedt einträchtig für Gen-Mais

Hormuth
Uni-Präsident Hormuth leugnet im Gießener Anzeiger vom 16.6.2006 die Genversuche von Prof. Friedt sogar noch nach der Presseinformation. Auszug: "Die JLU erforsche Umweltsicherheit und Biosicherheit mit den verschiedensten Methoden. Weitere Projekte mit gentechnisch veränderten Pflanzen seien ihm derzeit nicht bekannt, so Hormuth."

Friedt
Über jeden Zweifel erhaben: Er war immer für Gentechnik und ist es heute noch. Platt, alle Kritiken ignorierend. Feuer und Flamme für diese Technologie. Leitet die Maisversuche der Uni.

Friedts böser Schnitzer ...
Am 29.4.2008, nachdem auch sein letztes Feld (in Groß Gerau) durch eine Feldbesetzung verloren ging, leistete er sich einen bösen Schnitzer. Im Interview des RTL formulierter er trocken: "Hessen ist glaub ich nicht gentechnikfrei", und fügte dann an: "Es gibt einzelne Landwirte meines Wissens, die solchen Mais anbauen, so dass man in keinem Fall sagen kann, das's gentechnikfrei". So simpel die Aussage klingt - sie beinhaltet einen Hammer, denn alle Genfelder müssen angemeldet werden und für Hessen ist keines mehr angemeldet außer den durch Proteste verhinderten Versuchsfeldern (die ja auch nicht von Landwirten angelegt werden sollten). Gibt es illegale Genfelder in Hessen? Und ist ein wichtiger Uni-Professor Mitwisser von Straftaten??? Die Besetzung könnte noch einige weitere Folgen haben ... die Grüne Landtagsfraktion griff den Vorgang auf, ließ sich aber schnell wieder beruhigen.

Auszug aus einem Brief der Grünen-Landtagsabgeordneten Ursula Hammann an Umweltminister Dietzel (5.5.2008)
Sehr geehrter Herr Minister Dieztel,
anlässlich der Äußerungen von Prof. Friedt, Uni Giessen, im Fernsehsender RTL Hessen am 29. April 2008 (www.rtl-hessen.de) zum Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen auf hessischen Feldern, möchten wir Sie dringend um Aufklärung bitten.
Prof. Friedt hat im Fernsehen während eines Interviews geäußert, dass Hessens Felder in 2008 nicht frei von Gentechnik seien, da hiesige Landwirte GVO-Mais anbauen würden. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, wäre das ein klarer Verstoß gegen das geltende Gentechnikgesetz, der strafrechtlich geahndet werden muss. Der Anbau und die Freisetzung von GVO-Pflanzen müssen rechtzeitig im Standortregister angemeldet werden. Für 2008 sind außer den jetzt von der Uni Giessen zurückgezogenen Flächen keine weiteren Standorte in Hessen gemeldet. Von daher gehen wir GRÜNE weiterhin davon aus, dass Hessens Felder in 2008 frei von Gentechnik sind.
Ich möchte Sie dennoch dringend bitten die Aussagen von Prof. Friedt zu überprüfen und zu klären, ob, wo und von wem gegebenenfalls GVO-Pflanzen illegal angebaut und damit Verstöße gegen das Gentechnikgesetz vorgenommen wurden.
Bitte unterrichten Sie mich umgehend über die Ergebnisse Ihrer Recherchen und die getroffenen Konsequenzen.

Strafanzeige gegen Friedt wegen der Aussage (Presseinformation am 17.5.2008)
Gibt es illegale Gentechnikfelder?
Feldbesetzer aus Hessen kritisieren mangelnde Aufklärung – Strafanzeige erstattet

Als Ende April auch das letzte angemeldete Genversuchsfeld in Hessen durch eine Feldbesetzung gestoppt wurde, verlor einer der Versuchsleiter die Beherrschung. Am 29.4. behauptete der Gießener Universitätsprofessor Friedt, dass es „seines Wissens“ nach Landwirte gibt, „die solchen Mais anbauen“. Gemeint war der gentechnisch manipulierte Mon810-Mais. Der Satz erregte Aufsehen, denn solche Felder wären (da nicht angemeldet) illegal. Doch aufgeklärt wurde der Fall nicht. Darum haben Feldbesetzer jetzt Anzeige erstattet – gegen unbekannte Genmais-Landwirte oder gegen den Prof. Friedt. Hätte der nämlich gelogen, könnte das die Vortäuschung einer Straftat sein. Nun liegt die Angelegenheit bei der Gießener Staatsanwaltschaft.
Hintergrund der Auseinandersetzung war die Besetzung des Genmais-Versuchsfeldes der Universität Gießen in Groß Gerau (siehe www.gentech-weg.de.vu). Es war zu diesem Zeitpunkt bereits das letzte verbliebene Areal in Hessen, auf dem noch legal gentechnisch veränderte Pflanzen hätten angebaut werden können. Drei andere Flächen waren durch BürgerInnenproteste und eine Feldbesetzung bereits ausgefallen. Nun musste sich die Uni auch aus Groß Gerau zurückziehen, denn die FeldbesetzerInnen wurden schnell durch viele Menschen, Gruppen und auch Parteien aus der Region unterstützt. In dieser Situation gab der zuständige und offensichtlich enttäuschte Prof. Friedt dem RTL-Fernsehen ein Interview, in dem er wörtlich sagte: "Hessen ist glaub ich nicht gentechnikfrei". Dann fügte er an: "Es gibt einzelne Landwirte meines Wissens, die solchen Mais anbauen, so dass man in keinem Fall sagen kann, das's gentechnikfrei".
Der Satz beinhaltete einen Skandal – oder war reine Erfindung. Doch die Reaktion fiel äußerst träge aus. Außer einer Anfrage der Grünen Landtagsfraktion an den Umweltminister geschah nichts. Dieser wiederum fragte den Täter. Das ist den FeldbesetzerInnen zu wenig: „Es besteht der Verdacht, dass illegal Gentechnik auf Feldern ausgebracht wurde. Offenbar haben hier viele Angst, dass das auch herauskommt – oder dass bekannt wird, dass Gießener Professoren lügen“. Inzwischen haben sie Strafanzeige gestellt, denn der Verdacht von Straftaten bestünde unabhängig davon, ob Friedts Aussage auf Fakten basiert: „Wenn sie stimmt, so hat Prof. Friedt Wissen über Gefahren, die zudem Ordnungswidrigkeiten oder eventuell sogar Straftaten sind. Dem wäre sofort nachzugehen. Wenn sie nicht stimmt, so hat sich Prof. Friedt der Vortäuschung von Straftaten verdächtig gemacht“, steht in der Strafanzeige, die am Samstag der Staatsanwaltschaft zuging. Hoffnung auf Aufklärung von offizieller Seite aber haben die FeldbesetzerInnen kaum: „Bislang haben Justiz und andere Obrigkeiten immer zusammengehalten. Wirkungsvoll ist hingegen der Protest durch die Menschen selbst.“ Deshalb freuten sich die FeldbesetzerInnen auch über die Nachrichten aus Groß Gerau, wo sind inzwischen ein Bürgerbündnis gegen Gentechnik zusammengefunden habe.
„Aufmerksame, aktive und mutige Menschen braucht es überall!“ So rufen die FeldbesetzerInnen zu weiteren Aktionen und dazu dazu auf, Wissen über illegale Genfelder zu melden. Auf ihrer Seite www.gendreck-giessen.de.vu finden sich Kontaktadressen und ein Email-Formular.

Freiheit der Gießener Wissenschaft

Für ihre skrupellosen Machenschaften würden die Herren Kogel, Friedt, Hormuth und andere gern die Freiheit der Wissenschaft für sich reklamieren. Wenn es darum geht, kritische Meinungen zu unterdrücken, sieht das ganz anders aus. An Rechnern der Universität Gießen wurden in den ersten Tagen der Feldbesetzung 2008 Seiten mit kritischen Informationen zu den Gentechnikversuchen der Uni und zu den Versuchsleitern gesperrt. Wer diese Seite aufrufen wollte, erhielt dies:


Foto eines Bildschirms an der Uni Gießen am 2.4.2008 bei Eingabe der Internetseite www.gendreck-giessen.de.vu

Ganz ähnlich: Mitte April erhielt ein Gentechnikkritiker ein Hausverbot für die gesamte Universität Gießen - das ist ein erheblicher Teil der Stadt Gießen (Hausverbot als PDF). In Marburg konnte in einem ähnlichen Fall ein Hausverbot durch Gerichtsentscheid aufgehoben werden ...

Parallelen

Beim Gen-Gerste-Feld warnte Prof. Kogel (Versuchsleiter) vor den Chaoten, die das Feld zerstören wollten, und behauptete, eine Zerstörung würde die Forschung behindern und damit auch die Kritik an der Gentechnik erschweren (siehe Berichterstattung über die Veranstaltung am 30.5.2006 auf der Presseseite).
Was auffällt: Seine Wortwahl ist fast identisch mit der des Gentechnik-Anhängers, Prof. Friedt von der Uni Gießen (Institut für Pflanzenzüchtung). Der experimentierte mit Raps und seine Felder wurden (erfolgreich) mehrfach zerstört. Seine Kritik an den Genfeldzerstörungen liest sich wie die Reden von Prof. Kogel:

Die Verunsicherung der Verbraucher werde durch mangelnde Aufklärung und Information hervorgerufen, so die Hersteller, alles sei in Wirklichkeit viel harmloser, als es sich anhöre.
Militante Gentechnik-Gegner würden zur allgemeinen Verunsicherung zusätzlich beitragen, so Prof. Dr. Wolfgang Friedt von der Uni Gießen. Das Freiland-Versuchsfeld mit gentechnisch verändertem Raps bei Rauischholzhausen wurde bisher jedesmal vor der Blüte zerstört. Daher könne überhaupt nicht festgestellt werden, ob durch Pollenflug und Bienenbestäubung auch im natürlichen Umfeld des Versuchsfeldes Veränderungen zu beobachten wären Und ob z.B. Bestandteile im Honig nachweisbar wären.

Die GentechnikgegnerInnen argumentierten auch damals schon:

Beim Raps ist inzwischen geklärt, dass die KritikerInnen recht hatten - aber es ist zu spät. Die gentechnisch veränderten Pollen sind überall ausgekreuzt. Doch die betriebsblinden ForscherInnen wiederholen die Abläufe bei den nun beginnenen Gen-Gerste-Versuchen ...

Beschwerden

Hessen

Gießen und die Genbastler an den Agrar-Instituten sind die Gentech-Hauptstadt von Hessen. Das zeigt auch eine Karte, die das Regierungspräsidium in Gießen (zuständig für alle Genversuche in Hessen) auf der Internetseite bereithält (siehe rechts). Auf der Karte ist aber auch zu sehen, dass es noch etliche andere Orte gibt. Die Größe der Kreise bedeutet die Zahl der Versuche. Der große Kreis steht für "über 50".

Regierungspräsidium Gießen

Aus den Internetseiten des RP (Hauptsitz am Brandplatz in Gießen)

Das Dezernat 44 des Regierungspräsidiums Gießen, Abteilung IV Umwelt, ist hessenweit für den Vollzug des Gentechnikgesetzes sowie von EU-Verordnungen im Anwendungsbereich dieses Gesetzes zuständig. Das Dezernat führt alle Anmelde- und Genehmigungsverfahren zur Errichtung und dem Betrieb gentechnischer Anlagen und darin durchgeführter gentechnischer Arbeiten durch und bearbeitet Mitteilungen zu den zulässigen gentechnischen Arbeiten sowie zur Beschaffenheit und dem Betrieb dieser Anlagen. Des Weiteren ist das Dezernat zuständig für die Überwachung gentechnischer Anlagen und Arbeiten.
Quelle

Freisetzungen gentechnischer Organismen
Im Rahmen von Freisetzungen werden zeitlich und räumlich begrenzt Vorhaben mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in der Umwelt durchgeführt, wie z.B. der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen.
Die Genehmigung für Freisetzungsvorhaben erteilt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin. Für Freisetzungsstandorte in Hessen wird das Dezernat 44 des Regierungspräsidiums Gießen im Rahmen des Genehmigungsverfahrens beteiligt. Weitere Behörden wie bspw. die Zentrale Kommission für die Biologische Sicherheit (ZKBS), das Bundesamt für Naturschutz (BfN) oder die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) werden in die Entscheidungsfindung einbezogen.
Für Freisetzungsstandorte in Hessen übernimmt das Dezernat 44 die Überwachung der Versuche. Analog zu Inverkehr gebrachten GVO werden auch Freisetzungsstandorte in dem Standortregister des BVL der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Darüber hinaus werden Überwachungsmaßnahmen im Rahmen des Vollzugs von gentechnikrelevanten EU-Verordnungen durchgeführt.
Quelle

Marburg

In der Liste geförderter Gentechnikforschung der Bundesregierung (Download als PDF) taucht auch Marburg einmal auf:

Universitäten und Forschung bundesweit

RWTH Aachen: Schuphan, Kogel, Bartsch & Co.

Es gibt gar keine landwirschaftliche Fakultät in Aachen, aber dennoch dominiert ein Clan von Leuten der RWTH das behördlich-staatliche Geschehen zur Gentechnik in Deutschland. Ziehvater ist Prof. Ingolf Schuphan, der auch wichtige staatlicheForschungsprogramme zur Gentechnik koordiniert, u.a. die Auskreuzungsforschung. Das ist schon allein fragwürdig, weil es für ihn da nichts zu forschen gibt - seine Meinung pro Gentechnik stand von Anfang an fest. Folglich ergaben alle Forschungen in diesem Bereich aus seiner Sicht auch immer das gleiche Ergebnis.

Auszug aus einem Interview auf www.biosicherheit.de
Schuphan: Zunächst einmal: Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass ein Monitoring eigentlich nicht nötig ist, da eben keine schädlichen Auswirkungen des Bt-Mais nachweisbar waren. ...
Wenn es Bt-Effekte auf die Agro-Biodiversität geben sollte, dann sind sie zufallsbedingt und am Rande der Nachweisgrenze.

Auszug aus einem Interview auf www.biosicherheit.de
Ingolf Schuphan: Das in Bt-Mais produzierte Bt-Protein wirkt spezifisch gegen Schmetterlingslarven. Ausgeschaltet werden jedoch nur die Larven des Maiszünslers , da nur sie an der Maispflanze fressen. Andere Schmetterlingslarven fressen nicht an Mais. ...
Aus vielen Untersuchungen wissen wir, dass außerhalb von Maisfeldern die Konzentration von Maispollen sehr gering ist. ...
Alle nationalen und internationalen Literaturdaten belegen eindeutig, dass außerhalb von Feldern mit Bt-Mais MON810 und eines Randstreifens von höchsten zehn Metern keine Bt-Mon810-Pollenkonzentrationen erreicht werden, die Schmetterlingspopulationen schädigen könnten. ...
Im Herbst, wenn sich die Kraniche vor dem Wegzug sammeln, ist es denkbar, dass einzelne Kraniche auf abgeernteten Feldern auch Maiskörner aufnehmen. Dies ist schon wegen der geringen Menge ohne Bedeutung. Außerdem ist aus Fütterungsversuchen bekannt, dass Bt-Protein keine Wirkung auf Vögel hat. ...
Unsere Forschungsergebnisse zeigen ganz klar, dass der Anbau von Bt-Mais MON810 keine nachteiligen Wirkungen auf den Naturhaushalt hat. Abstandsflächen zu Naturschutzgebieten sind nicht nötig. Die im Gentechnik-Gesetz vorgeschrieben Mindestabstände von 150 bzw. 300 Metern dienen ausschließlich dazu, Auskreuzungen in benachbarte konventionelle Maisbestände zu minimieren.

Seit 2008 führt die RWTH Aachen auf dem Gelände der Ex-FAL westlich von Braunschweig (Bundesallee, dort sitzt auch das JKI) Versuche zur Wirkung von gentechnisch verändertem Mais auf verschiedene Tiere durch. Doch das Ergebnis stand in den Köpfen offenbar schon vorher fest:

Auszug aus einem Schreiben von Dr. Stefan Rauschen, verantwortlicher Beteiligter an den Versuchen, am 12.3.2009
Solange gilt, was auch die EU Kommission in ihrer Rechtsauffassung ausdrückt: Honig muss in keinem Fall gekennzeichnet werden, wenn er Pollen von MON810 enthält. Ich kann verstehen, wenn Imker es grundsätzlich ablehnen, Pollen von MON810 in ihrem Honig zu haben. Ich muss aber auch feststellen, dass dies nichts mit der Sicherheit von MON810 Pollen zu tun hat, sondern ein Alleinstellungsmerkmal der Imker unter dem „gentechnikfrei"-Siegel bringen soll. MON810 ist wiederholt in seiner Sicherheit bewertet worden. Danach ist Pollen von MON810 im Honig genauso unbedenklich, wie der von jeder anderen zugelassenen Maissorte auch. Ich finde es in diesem Zusammenhang unredlich, davon zu sprechen, von diesem Pollen könne eine Gefahr für den Verbraucher ausgehen. Das ist abwegig. ...
Experimentelle Freisetzungen sind meiner Auffassung nach wichtig, denn sie liefern Grundlagen für die Sicherheitsbewertung dieser Pflanzen. Werden Feldversuche zerstört, die die möglichen Auswirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen erforschen sollen, so läuft das dem eigentlichen Ziel, die Umwelt zu schützen, direkt entgegen. Mit unserer Forschung wollen wir ja Erkenntnisse sammeln, mit denen die Umwelt vor unerwarteten negativen Auswirkungen geschützt werden kann.

Weitere Personen aus dem Aachener Dunstkreis, meist Zögliche von Schuphan:

Verfilzte Forschungszentren

Sie sitzen in Lobbyverbänden, kassieren Steuergelder in Millionenhöhe und haben sich immer wieder skrupellose Geschäftemacher und Vertuscher gezeigt: Deutsche Forschungsinstitute und -gemeinschaften. Oft sind sie Teil der Seilschaften und geben der Gentechnik einen pseudo-wissenschaftlichen Anstrich. Durch ihre Beratungstätigkeit erscheinen Genehmigungen "neutral" geprüft.

Helmholtz: Vom Asse-Träger zur Gentechnik-PR
Als ehemaliger Träger des Skandal-Atommülllagers haben HelmholtzlerInnen Übung in Lügen, Vertuschen und Skrupellosigkeit. Wenn sie jetzt einen Aufruf zur Nutzung der Gentechnik lancieren, spricht das für sich ... Die Helmholtz-Gemeinschaft gab das Heft "mensch + umwelt spezial" zur Gentechnik raus - ein primitive Akzeptanzwerbung, in der mal wieder der BVL-Gentechnikchef Dr. Buhk mitwirkte! Das Heft mit den einzelnen Artikeln gibt es hier zum Download!

Max-Planck-Institut
Aus dem deutschen Bundertag: "Nicht kommentieren will die Regierung Äußerungen des Direktors des Max-Planck-Instituts, Professor Heinz Saedler, der in einer Anzeigenkampagne der Chemie-Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft mbH beklagte habe, dass die restriktive Genehmigungspraxis für Freisetzungsversuche das Institut daran hindern würde, gentechnisch veränderte Pflanzen zu entwickeln."

Uni Mainz mit einseitigen Veranstaltungen

Zusammen mit der FDP-Stiftung führt die Uni Mainz eine Veranstaltung durch unter dem Titel "Grüne Gentechnik: Chance oder Risiko?". Der Mediziner Prof. Dr. Theodor Junginger lädt ein, der Theologe Prof. Dr. theol. Gerhard Kruip vom Lehrstuhl für Anthropologie und Sozialethik gibt den peinlichen Moderator einer völlig einseitigen Veranstaltung, denn als Diskutanten sind ausschließlich Gentechnikbefürworter und -anwender da:

Millionenspiel im Dunkeln: Akteneinsichtsverweigerung im Forschungszentrum Jülich

Während die Landesstellen und Universitäten selbst die ganzen Akten oder Teile davon auf Antrag herausrücken und sich damit rechtmäßig verhalten, sieht die Lage auf Bundesebene katastrophal aus. Die Genehmigungsbehörde BLV musste per Gericht zur Einhaltung der Gesetze gezwungen werde, die Fachanstalten vTI und JKI wollen immer noch nichts herausrücken. Genau so verhält sich auch die Vergabestelle für die Gelder des Biosicherheitsprogrammes, das Forschungszentrum Jülich.


Begründung der Ablehnung des Akteneinsichtsgesuchs (Brief des Forschungszentrum Jülich vom 30.6.2009) ++ Widerspruch am 5.7.2009

Bei einem Gespräch mit dem BMBF-Abteilungsleiter für Lebenswissenschaften (Dr. Peter Lange) empfahl dieser, den Widerspruch erneut zu stellen, weil der erste wohl nicht ankam. Das tat der Antragsteller. Das Ergebnis wirkt wie eine Falle: Zurückgewiesen, weil verspätet.

Ist deutsche Forschung besser?

CDU-Politiker Peter Stein, in: MVticker vom 18.6.2009
Ich habe dabei überdies mehr Vertrauen in eigene Forschungsergebnisse als in fremde.

Überall anders auch: Geld, Macht und Manipulation

Interessengeleitete Wissenschaft pro Atom
Auszug aus "Geheime Order von ganz oben", in: FR, 10.9.2009 (S. 4)

Neue Aktenfunde erhärten den Vorwurf, dass die Bundesregierung von Helmut Kohl (CDU) die Auswahl des Standorts Gorleben für ein mögliches Atom-Endlager gegen Bedenken von Wissenschaftlern vorschnell durchgedrückt hat. Die beiden zuständigen Ministerien ließen ein Gutachten zur Gorleben-Eignung umschreiben und gaben den Experten sogar Formulierungshilfen. Das geht aus einem vom Forschungsressort verfassten Telex vom 13. Mai 1983 hervor.

Der damals agierende Forschungsminister Riesenhuber findet das alles ganz normal ...
Auszug aus einem Interview in der FR, 10.9.2009

Herr Riesenhuber, neu aufgetauchte Akten aus dem Jahr 1983 belegen, dass Gutachten zum Atomendlager-Projekt Gorleben auf Druck der Politik geschönt werden mussten. Wie bewerten Sie das?
Ich sehe nicht, dass die Politik im Kern der Sache anders entschieden hat als die Wissenschaftler. In den Gutachten ging es darum zu klären, ob irgendetwas Wesentliches gegen die Eignung von Gorleben spricht. Die Experten haben festgestellt: Das ist nicht der Fall. Und das ist ja sogar 17 Jahre später, im Atomkonsens der Regierung Schröder, so festgestellt worden. ...
In Gorleben sind bereits 1,5 Milliarden Euro investiert worden. Da ist es doch vernünftig, die gestoppte Erkundung wieder aufzunehmen, um Klarheit zu schaffen. ...
Gabriel will eine Standortsuche, wie sie heute international üblich ist, etwa auch im der Schweiz: Alle geeigneten Standorte ins Visier nehmen und den am besten geeigneten auswählen.
Das kann man nicht nachvollziehen. Stellen Sie sich vor, Sie wollen heiraten und sagen: Ich heirate nur, wenn ich die bestmögliche Frau finde. Da suchen Sie vermutlich die nächsten 50 Jahre, und dann ist das Leben vorbei. So lange kann man mit dem Endlager nicht warten.

Links

Zu Seilschaften und Filz in der Gentechnik