Feldbesetzungen & more
Hier sollen Aktionen aus längst vergangenen Jahren beschrieben werden. Wer noch Links hat zu Dokumentationen über Feldbefreiungen, die Anschläge der Roten Zora, Feldzerstörungen in vielen Ländern der Welt ... immer her damit!
Feldbesetzungen der 90er Jahre
Die gentechnikkritische öffentliche Meinung ist sehr stark durch die massiven Feldbesetzungen Mitte der 90er Jahre entstanden. Leider ist diese Aktionsform ganz außer Mode gekommen. Ein Bilderreigen, der zeigt, dass republikweit besetzt wurde und in Mittelhessen sogar eine Hochburg des direkten Gentechnikwiderstands in den 90ern bestand - da ist nur noch wenig von übrig ...
- Damit begannen die Freisetzungen in Deutschland: Petunien in Köln und ihre Geschichte
Die Anfänge: 1992 und 1993 in Weetze und Schmarrie


Auszüge aus dem Focus von der ersten Feldbesetzung: 1993 in Wetze (nördlich Göttingen ++ größer durch Anklicken!)

Die jahrelange Auseinandersetzung: Ab 1995 in Wölfersheim-Melbach (Wetterau)
Feldbesetzung in Wölfersheim-Melbach (gegen Genmais, Mitte der 90er Jahre, mehrere Jahre lang!)
Erdhöhle mit Lock-ons (Festkettstellen zum Räumungsschutz)
- Extra-Seite zu den Besetzungen, Zerstörungen und weiteren Aktionen rund um Melbach


Links:
Übersicht über Felder und Besetzungen im Spiegel, 19.6.1995 (S. 19, größer durch Anklicken).
Rechts: Der Stern berichtet über Besetzungen und Zerstörungen (Stern Nr. 37/1996, S. 163)
Iba (bei Bebra)

Besetzung in Bebra-Iba (1998), unten: Blockade der Zuwegung und das Camp
- Bericht der Besetzung in Iba im Greenpeace-Magazin
Im gleichen Jahr wurde das Genversuchsfeld in Obernjesa (bei Göttingen) besetzt.
Feldbesetzungen im Nordosten
- 1997 in Schönfeld (Landkreis Barnim): Presseinfo zur Ankündigung
- 1999 nochmals: ebenfalls Presseinfo
Und ein ganz neuer Versuch: 2007 in Groß Lüsewitz
- 2007: Besetzungsversuch in Groß Lüsewitz - spektakulär gescheitert, aber trotzdem viele Aktionen und am Ende eine unbemerkte Feldzerstörung ... mehr hier!
Gelungen: Feldbesetzungen 2008
- 31. März 2008: Gengerstenfeld in Gießen besetzt! ++ Extra-Seite zum Feld
- 4. April 2008: Genmaisfeld in Oberboihingen besetzt!
Feldzerstörungen

MAZ Marburg, 7.5.1997 (S. 3)
Anschläge auf Infrastruktur
Schon vor vielen Jahren kämpfte die feministische und militante Gruppe "Rote Zora" gegen die Moderne Gentechnik. Mit Brandanschlägen wurden Labore attackiert.
4. Mai 2000, Gießen: Science Live Mobil in Flammen
Bundesweit sollte ab dem Jahr 2000 ein rollendes Gentechnik-Labor für das Rumfummeln an Pflanzen-DNA werben. Es ging nicht um Aufklärung oder Pro&Contra, sondern SchülerInnen sollten einfach mal selbst Leben schaffen und an den Genen rumbasteln. Doch eine der ersten Stationen überlebte das teure Fahrzeug nicht. Am Abend des ersten Tages wurde GentechnikgegnerInnen durch die Hauschefin (Schuldirektorin der Liebigschule) das Äußern von Kritik an Gentechnik verboten. Auf einem Podium saßen ausschließlich BefürworterInnen der Gentechnik. Unbekannte fanden dagegen die richtige Sprache, nachdem Kritik und Mitreden offenbar unerwünscht waren: Das Science-Live-Mobil wurde durch einen Brandanschlag vollständig zerstört.


AP-Meldung zum Anschlag
Gentechnik-Gegner rufen zu Anschlägen auf
Nach Brandattacke auf fahrbares Genlabor in Gießen
Gießen, 5. Mai
(AP) Nach dem Brandanschlag auf ein fahrbares Genlabor in
Gießen hat eine der Polizei bisher unbekannte Gruppe namens «Stadtpartisanen
Rhein-Main» per Fax indirekt zu weiteren Attentaten aufgerufen. Das
Schreiben ging bei einer Zeitung in Gießen ein, wo Unbekannte in der Nacht
zum Donnerstag das «Science-live Mobil» des Bundesforschungsministeriums in
Brand gesetzt und einen Sachschaden von 1,5 Millionen Mark angerichtet
hatten.
Nach Angaben eines Sprechers des «Gießener Anzeigers» riefen die
«Stadtpartisanen» in dem am Donnerstagmittag eingegangenen Fax zum
Widerstand gegen die Gentechnik auf - zunächst gegen «Symbole» wie die WTO
(Welthandelsorganisation), Parteizentralen, das Biotechnik-Mobil und die
Expo, später gegen «Herrschaftsstrukturen». Sie hätten sich aber nicht
ausdrücklich als die Brandstifter ausgegeben. Der Gießener Polizeisprecher
Sigbert Steffens erklärte, das Schreiben sei der Staatsanwaltschaft und dem
Landeskriminalamt zugeleitet worden. Dort werde die Sprache analysiert und
untersucht, ob bestimmte Passagen schon anderweitig verwendet worden seien.
Das Genlabor war vor fünf Wochen von Bundesbildungsministerin Edelgard
Bulmahn von Berlin aus für rund drei Jahre auf Deutschlandtour geschickt
worden und sollte unter anderem in Schulen und auf Messen über die
Gentechnik informieren. Der mit zwölf Laborplätzen ausgestattete Sattelzug
war in Gießen auf einem Schulhof abgestellt, wo er nachts angezündet wurde.
Stellungnahme des Verbandes der Biologen zu dem Anschlag
Brandanschlag auf Science live - Mobil
Das "Science live - Mobil" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, das am 8. April in Berlin von Frau Bulmahn der Öffentlickeit vorgestellt wurde, ist in der Nacht zum 04. Mai, in Gießen einem Brandanschlag zum Opfer gefallen. Es war dem BioTech mobil nachempfunden, das seit 3 Jahren mit Schwerpunkt in Bayern von jungen Wissenschaftlern betreut, die Durchführung gentechnischer Grundversuche für Oberstufenschüler ermöglicht und über die Grundlagen und Anwendungsfelder der Gentechnik und Biotechnologie informiert.
Es sollte zunächst Schulen in Hessen besuchen und vom 22. bis 27. Mai auf der ACHEMA in Frankfurt der Öffentlichkeit zugänglich sein. Die Schulen werden nun mit einem Ersatzprogramm versorgt und das bayerische BioTech mobil nimmt Messetermine wahr, bis ein neuer Bus vom Bmb+f beschafft und wieder ausgestattet ist. Mit der Entscheidung zur umgehenden Neubeschaffung zeigt die Bundesregierung, dass sie nicht gewillt ist, das Feld der Information über Chancen und Risiken der modernen Biotechnologie und Gentechnik einer gewaltbereiten Minderheit zu überlassen.
Der vdbiol ist dankbar für dieses klare politische Signal. Er wird den offenen und konstruktiven Dialog auf vielen Veranstaltungen zum Thema weiter befördern.
Prof. Dr. Karl Daumer, Präsident des Verbandes Deutscher Biologen
Bundesforschungsministerium: "Science live - Wissenschaft im Dialog" wird fortgesetzt
Aktionsfahrzeug fiel Brandanschlag zum Opfer – „Diskurs mehr denn je notwendig" -Politiker, Gentechnik-Institutionen und Umweltschutzorganisationen verurteilen die Tat
Berlin. - Die Informationskampagne "Science live - Wissenschaft im Dialog: Perspektiven moderner Biotechnologie und Gentechnik" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wird trotz des Brandanschlags auf das Aktionsfahrzeug "Science live-Mobil" definitiv fortgesetzt, die Sicherheitsvorkehrungen werden verstärkt. Allerdings wird ein neues Fahrzeug erst im Oktober dieses Jahres verfügbar sein. Derzeit wird zwischen dem Ministerium und dem Projektträger der Aktion "Science live" ein Übergangsprogramm abgestimmt.
Das "Science live - Mobil" war in der Nacht zum vergangenen Donnerstag, 04. Mai, in Gießen einem Brandanschlag zum Opfer gefallen. Gegen 02.30 Uhr hatte ein Zeuge entdeckt, dass das rollende Labor in Flammen stand. Noch am gleichen Tag ging bei einer Gießener Zeitung ein Bekennerschreiben ein. Für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, wurde inzwischen eine Belohnung von 5.000 Mark ausgesetzt.
"Wir werden uns auf keinen Fall von unserem Weg abbringen lassen", erklärte Eckhart Curtius, Sprecher des BMBF, bereits am Tag der Tat. Der Brandanschlag bestätige gerade die Notwendigkeit, den Dialog zwischen Forschung und Bevölkerung zu intensivieren. Die Aktion "Science live" werde auf jeden Fall fortgesetzt. "Die kriminelle Tat wird uns nicht von unserer Aufgabe abbringen können, den kritischen Dialog zum Thema Biotechnologie und Gentechnik mit den Bürgerinnen und Bürgern zu führen" bekräftigt Dr. Wolfgang Stöffler, Leiter des Referates für biologische Forschung und Technologie im BMBF. Die Mitarbeiter des Projekts "Science live" haben ebenfalls kein Verständnis für den technologiefeindlichen und undemokratischen Anschlag, zumal das Ziel von "Science live" gerade eine offene Diskussion der Chancen und Risiken der Bio- und Gentechnik auch mit den Gegnern dieser Technologien ist.
Auch Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (F.D.P.), der das "Science live-Mobil" am Vortag auf eine geplante zehnwöchige Hessen-Rundreise geschickt hatte, verurteilte die Tat als Zeichen für Ignoranz und demokratische Intoleranz. CDU-Vorsitzende Angela Merkel zeigte sich ebenfalls bestürzt. Zahlreiche Gentechnik-Institutionen und die Umweltschutzorganisation Greenpeace haben den Anschlag inzwischen ebenso verurteilt. "Das ist nicht das Mittel, das zu einem demokratischen Verfahren gehört", sagte Greenpeace-Sprecher Michael Hopf am Donnerstag in Hamburg.
Der Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik verurteilte die Tat. Sie demonstriere eine zutiefst undemokratische Einstellung, mit der eine an Fakten orientierte Diskussion in der Öffentlichkeit bewusst blockiert werde. "Eine sachliche Aufklärung und eine wissenschaftliche Auseinandersetzung gesellschaftlicher Gruppen mit der Bio- und Gentechnik soll mit Gewalt verhindert werden", heißt es in einer Presseinformation. Der Gießener F.D.P.-Kreisvorsitzende Andreas Becker bezeichnete "die extremistische Tat gewaltbereiter, rückwartsgewandter Ökonostalgiker" als "skandalöse Straftat in einem bio- und gentechnikorientierten Land."
Die Aktion "Science live: Wissenschaft im Dialog" informiert seit Anfang April auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bundesweit über Grundlagen und Anwendungsfelder der modernen Biotechnologie und Gentechnik. Kernstück der Informationskampagne ist das "Science live Mobil", ein fahrbares Genlabor, das von drei fachkundigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern begleitet wird.
Das Fahrzeug ist mit zwölf Laborarbeitsplätzen ausgestattet. Zahlreiche Poster und interessante Exponate erläutern die Grundlagen, Verfahren und Anwendungen moderner Biotechnologie und Gentechnik sowie deren Chancen und Risiken in Medizin, Land- und Ernährungswirtschaft sowie im Umweltschutz.
Die Meldung auf Nachrichtenbrettern oder als Kommentare:
Konsequenzen u.a.: Proteste auch bei weiteren Auftritten des zweiten Fahrzeugs (stammt aus Bayern, wurde nicht abgefackelt), z.B. hier ...
Einleitender Absatz in einem späteren Artikel der Jungle World zu Gentechnik
Dass die Produktion des neuen Menschen die Herstellung eines neuen Bewusstseins zur Voraussetzung hat, wurde Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn spätestens Mitte letzten Jahres klar. Damals verübten militante Gentech-Gegner in Gießen einen Brandanschlag auf das 1,5 Millionen Mark teure Science-live-Mobil des Forschungsministeriums. Der Info-Sattelschlepper mit integriertem Genlabor wurde völlig zerstört. Seine Mission, bundesweit Schulen anzufahren, um dort für Biotechnologie zu werben, war damit abrupt beendet.
