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Greenwashing und Versteckspiel
Konzerne und die Fassade der Kleinfirmen

BioOK ++ PPP & Co. ++ Monsanto ++ BRD-Konzerne: BASF, Bayer, KWS und mehr ++ Konkurrenz und Kooperation ++ Seilschaften ++ Links

Überall die Finger drin haben, aber nicht auffallen: Die Konzerne

Ein Abschnitt über Strategien der Konzerne
befindet sich in der Broschüre "Organisierte
Unverantwortlichkeit" auf Seite 29 (Infoseite ++ PDF)

Kennen Sie Filme oder Bücher über Monsanto? Wahrscheinlich - und vieles (nicht alles) ist durchaus empfehlenswert. Was dort beschrieben wird an brutalen Geschäftspraxen des US-Konzerns, die von Justiz und Behörden meist unterstützten Bespitzelungen und Gelderpressungen unabhängiger FarmerInnen, der Umgang mit Pestiziden und der Kampf um Patente an manipuliertem und gentechnikfreiem Leben sind eine schauerliche Geschichte dessen, was kapitalistisches Wirtschaften bedeutet: Mensch und Natur kommen darin nur als ausbeutbare Zählfaktoren vor. Doch St. Louis, der Firmensitz des Round-up- und Agent-Orange-Herstellers, ist weit weg. Wie aber sieht es in Deutschland aus? Wie kann es sein, dass wir in Buchhandlungen und Bibliotheken gleich mehrere Bücher darüber finden, wie Monsanto im Gentechnikmarkt weltweit aufräumt und Schaden anrichtet - und über BASF, Bayer und KWS kaum etwas? Liegt das nur an dem in bürgerlichen Kreisen latent und in politisch rechten Strömungen auffällig stark entwickelten Antiamerikanismus, gepaart mit einer verklärten Auffassung über die positiven europäischen Traditionen? Oder gibt es Unterschiede in den Firmenstrategien, die europäische Firmen unsichtbarer machen? Schauen wir uns die Landschaft der Genfelder betreibenden Firmen in Deutschland einmal genauer an ...

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in Ihrer Hausbank und wollen sich beraten lassen, wie Sie Ihr Geld am besten anlegen können. Es soll ja Zinsen bringen ... ach so, sie würden sowas nicht mit einer Bank zusammen tun? Das wäre ja okay, aber wahrscheinlich sind Sie da die Ausnahme. Und vielleicht gelingt es trotzdem sich in die Situation hineinzuversetzen. Also: Der 'Bänker' bietet Ihnen nun eine Aktie eines Chemiekonzerns an, sagen wir von Bayer oder BASF. Dann beginnt er in hohen Tönen zu schwärmen, dass die viel in 'grüne' Gentechnik investieren, die sich bald überall hin auskreuzen und damit dann die Patente ordentlich Geld versilbern würde. Wenn Sie einE harteR ZockerIn sind, würde Ihnen das gefallen. Sonst wohl eher nicht. Und das wissen auch die Konzerne: Mit der Agro-Gentechnik lässt sich in Deutschland und vielen anderen Ländern Europas kein positives Firmenimage aufbauen. So ist es das spezifisch Deutsche an der Agro-Gentechnik im Land, dass sich die großen Konzerne gern ein bisschen verstecken. Es soll nicht auffallen, wie weit die Konzerne schon drinstecken im weltweiten Konkurrenzkampf um Fördermittel, Pfründe, Ackerland und Patente. Ebenso soll lieber unter dem Tisch bleiben, wie eng sie mit Regierungen und Behörden verwoben sind. Und welche Finger sie in Universitäten drinhaben, in den großen Forschungsorganisationen wie Max-Planck, Fraunhofer und anderen, sowie an den Schaltstellen der Geldvergabe, z.B. er Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Denn schließlich ist es mit BASF, Bayer und KWS nicht anders wie mit Rüstungs-, Energie- Pharma-, oder Automobilkonzernen, Banken und Versicherungen. Sie alle sind personell eng verflochten mit Aufsichtsbehörden, nehmen Einfluss über Lobbygruppen und sitzen an den Tischen, wenn Gesetze geschmiedet oder der Kuchen voller Fördergelder verteilt wird. Aber das Thema ist zu umstritten. Darum ist bei der Agro-Gentechnik doch einiges anders. Die Gentechnikfirmen wissen, dass ihr Geschäft im Land nicht so beliebt ist wie der Bau von CO2-Schleudern auf vier Rädern oder neuen Fabriken. Darum setzen sie auf eine andere Strategie: Tarnung. Statt selbst zu agieren, dulden und fördern sie die Entstehung vieler Kleinstfirmen und regionaler Biotechnologieinitiativen. Hinter diesen stehen dann als Auftrag- und Geldgeber die Konzerne. Wer genau hinguckt, sieht sie auch: Wo immer die ,Kleinen' agieren - die 'Großen' sind da: Auf den Kongressen, Strategietreffen, in Vorständen und Beiräten der Lobbyverbände. Was die 'Kleinen' entwickeln oder durchsetzen, wird später den großen Konzernen dienen. Die Patente sind in der Regel gleich auf sie angemeldet.

Das Kapitel zu Firmen und Konzernen im Buch "Monsanto auf Deutsch" als PDF-Download!

Konzept zur Gehirnwäsche: Burson-Marsteller und die Nachfolger

Es ist lange her, genauer 1997, da erarbeitete die PR-Agentur Burson-Marsteller ein Konzept, mit dem im gentechnikkritischen Europa die Gentechnik propagandistisch und tatsächlich durchgesetzt werden sollte. Das Papier wimmelte von Vorschlägen zum Lügen, Verdrehen und Täuschen - ein beeindruckendes Beispiel für die Strategien der Gentechnik-Seilschaften. So sollten "positive Aussagen über Aufsichtsbehörden" nicht von den Konzernen, sondern nur von solchen "Akteuren stammen, die nicht von den Entscheidungen dieser Aufsichtsbehörden abhängig sind". InnoPlanta, WGG und andere nahmen diese Aufgabe in Deutschland seitdem wahr. Sorgen, dass dennoch die Einseitigkeit von BVL, JKI & Co. erkannt werden könnte, bestanden bei InnoPlanta 2003 trotzdem: "Auch auf dem letztjährigen Innoplanta Forum in Sachsen-Anhalt wurde betont, dass das Vertrauen in die kontrollierenden Behörden gestärkt werden müsse". Themen klauen und besetzen war eine weitere Strategie - benannt in einem Papier von EuropaBio, dem Industrieverband der Biotechnologiekonzerne (European Association for Bioindustries). Statt über "Risiko für Mensch und Umwelt" solle lieber über das "Risiko des Nicht-Handelns" geredet werden. Selbst das Wort "Koexistenz" stammte aus dieser Klamottenkiste - es sollte verschleiern, dass es um "Durchsetzung" ging. Solche Verharmlosungen und Green-washing waren und sind Konzept: "Besonders stolz sind wir in diesem Zusammenhang darauf, die mit der Ökologiebewegung assoziierte Vorsilbe „Bio“ erfolgreich gehijackt zu haben." Weitere Begriffe sollten folgen, allen voran der immer schon farblose Begriff der Nachhaltigkeit. InnoPlanta sieht GentechnikerInnen "mit der Klugheit der Natur" arbeiten.

Was Burson-Marsteller und die Gentechnikkonzerne stattdessen richtig fanden, stand deutlich im PR-Papier: "Geschichten und keine Sachfragen". Emotional sein, war Trumpf, um "Gefühle wie Hoffnung, Befriedigung, Fürsorge und Selbstwert erwecken" zu können - welch ein seltsamer Kontrast zur penetranten Behauptung, sich um Sachlichkeit zu bemühen. Der zentrale Satz lauteter: "Um die gewünschten Wirkungen hinsichtlich der öffentlichen Wahrnehmung und Meinungen zu erzeugen, müssen die Bioindustrien aufhören als ihre eigenen Fürsprecher aufzutreten." Das wirkte als Fanal. Denn wenn die Konzerne nicht selbst die Werbetrommel rühren konnten, mussten neue her - und die sprossen seitdem wie Pilze aus dem Boden: Lobbyverbände, Kleinst- und Scheinfirmen, PR-Agenturen, Universitäten und staatliche Institute sind heute überall als Werber der wenig akzeptierten Technik unterwegs. BASF, Bayer und KWS können sich zurücklehnen, zuschauen und, so hoffen sie, die Früchte ernten.

Im Original: Strategien der Kommunikation ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Strategie: Staatliche Behörden nicht direkt loben (Quelle der folgenden Zitate und mehr ...)
In Sicherheitsfragen [gibt es] keinen Ersatz für glaubwürdige Aufsichtsbehörden. Eine strategische Zielsetzung dieser Kampagne muß es daher sein, ihre Glaubwürdigkeit mit aufzubauen. ... Positive Aussagen ... [sollten] von Akteuren stammen, die nicht von den Entscheidungen dieser Aufsichtsbehörden abhängig sind. ... Positive Aussagen über Aufsichtsbehörden, die vom unteren Ende stammen (= Bioindustrien), tragen zu der glaubwürdigkeitsvernichtenden Wahrnehmung bei, diejenigen mit den größten eigenen Interessen hätten die Kontrolle über die Aufsichtsbehörden. (Burson-Marsteller Papier von 1997)
Auch auf dem letztjährigen Innoplanta Forum in Sachsen-Anhalt wurde betont, dass das Vertrauen in die kontrollierenden Behörden gestärkt werden müsse. (Innoplanta: Biotechnologie Umsetzungsstrategie des Landes Sachsen-Anhalt. Presseerklärung am 15.8.03)

Strategie: Konfliktthemen meiden
Öffentliche Fragen der Risiken für die Umwelt und Gesundheit des Menschen sind Kommunikations-Schlachtfelder für die Biotechnologie-Industrien in Europa. Als allgemeine Regel kann nicht erwartet werden, daß es der Industrie gelingt, in diesen Fragen eine erfolgreiche öffentliche Verteidigungsstellung den Kritikerstimmen gegenüber zu beziehen. (Burson-Marsteller Papier von 1997)

Strategie: Plattitüden und Emotionen ansprechen
Geschichten und keine Sachfragen: Wenn es EuropaBio gelingen soll, den Übergang zu einer effektiven öffentlichen Stimme zu vollziehen, muß eine Verlagerung von einer sachfragenorientierten Kommunikation hin zu einer auf „Geschichten“ gestützten Kommunikation stattfinden. ...
Die Gegner der Biotechnologie sind außerordentlich geschickt in der Kultivierung von Symbolen welche angetan sind, unmittelbare Gefühle von Furcht, Wut und Ressentiments zu schüren. Die Bioindustrien müssen in ähnlicher Weise antworten – mit Symbolen, die Gefühle wie Hoffnung, Befriedigung, Fürsorge und Selbstwert erwecken.
(Burson-Marsteller Papier von 1997)

Strategie: Bio- und Öko-Etiketten klauen, Umweltvorteile behaupten
Ein wirklich aggressives Kommunikationskonzept versucht selber Begriffe zu setzen und immer wieder dem Gegner Begriffe streitig zu machen und umzudeuten.
Aus einem „Risiko für Mensch und Umwelt“ wird so z.B. ein „Risiko des Nicht-Handelns“ und bei dem aktuellen Erprobungsanbau von gentechnisch veränderten Pflanzen geht es nicht um deren Durchsetzung, sondern um die friedliche „KOEXISTENZ“ verschiedener Anbauformen.
Besonders stolz sind wir in diesem Zusammenhang darauf, die mit der Ökologiebewegung assoziierte Vorsilbe „Bio“ erfolgreich gehijackt zu haben. Die verschiedenen BIO-TECH-REGIONEN Deutschlands sind also BioRegionen, und dementsprechend heißt es eben BioMitteldeutschland und nicht BioTechMitteldeutschland.
(EuropaBio)
Mit der Klugheit der Natur (Slogan von InnoPlanta, die ansonsten ja die offenbar unzulängliche Natur korrigieren wollen ...)
... zeigen sich viele Europäer im allgemeinen aufgeschlossen, wenn sie darüber informiert werden, daß die neuen Sorten den Einsatz von chemischen Spritzmitteln in der Landwirtschaft verringern können. (Burson-Marsteller Papier von 1997)
Agrar-, Ernährungs- und Lebensmittelsektoren sind Schlüsselbereiche der Wirtschaft. Bei Genius konzentrieren wir uns vor allem auf Aspekte einer nachhaltigen Nutzung von Biomasse einer integrierten Landwirtschaft. Durch diese sehen wir ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Interessen im Einklang.
(Genius)
Die weltweiten Erfahrungen aber auch die im Lande angestoßenen Projekte von Forschungseinrichtungen und Unternehmen zeigen, dass die Pflanzenbiotechnologie erhebliche Potentiale für die Landwirtschaft, die Umwelt und den Endverbraucher bietet. Ein Weg zu finden, diese Potentiale auch für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes zu nutzen, in dem ein handhabbares Nebeneinander verschiedener landwirtschaftlicher Anbauformen möglich wird, ist eines der Ziele des Erprobungsanbaus. (Kommunikationskonzept der Landesregierung Sachsen-Anhalt, Entwurf 4.2.2004)

Nicht selbst agieren, sondern andere vorschicken
Um die gewünschten Wirkungen hinsichtlich der öffentlichen Wahrnehmung und Meinungen zu erzeugen, müssen die Bioindustrien aufhören als ihre eigenen Fürsprecher aufzutreten. (Burson-Marsteller Papier von 1997)

Strategie: Spektakel und Show statt Inhalte
Eine der großen Tendenzen in Museen ist, dem ausgestellten Objekt einen Kontext zu geben. So können wir diese Schranken zwischen Wissenschaft und Kunst überwinden und viel häufiger Ausstellungen besuchen, so wie wir Kunstausstellungen wahrnehmen oder Konzerte. Wir gehen zu einer neuen Show, einer Science-Show. (Lawrence Sinbai, Wellcome Trust zit. n. Sadr-Haghighian, Natascha: „Science for Life“ – Wellcome Trust in: bürobert u.a.: geldbeatsynthetik copyshop 2 1996)

Strategie: Events mit phantasievoller Pressearbeit
Die meisten Reporter und Redakteure haben keine persönliche Agenda wenn es um die Berichterstattung über Biotechnologien und die Bioindustrien geht. Wie in allen anderen Bereichen, sind sie vornehmlich damit beschäftigt, verkaufbares Material unter einem extremen Termindruck zu produzieren. Die Faktoren Termindruck und Redaktionsschluß dominieren den Journalismus und haben einen weitreichenden Einfluß auf den tatsächlichen Inhalt der Berichterstattung.
Pressemitteilung herausgeben mit Tenor "gewaltige Resonanz auf Kongreß", ... "Kongreß verweist auf gigantisches Wachstumpotential der Biotechnologien in unserer Region" sagt Bürgermeister So-und-So, etc. (Burson-Marsteller Papier von 1997)

Die Strategie von Burson Marsteller wurde Wirklichkeit. PR-Experte Stefan Bottler beschrieb das weitere Geschehen schon ein Jahr später in der Fachzeitschrift Werben & Verkaufen (Lorch/Then, S. 7): "Die sublime Kommunikationstaktik vieler Chemie-, Biotechnik-, Nahrungsmittel- und Saatgutfirmen, alle sind in das Thema Gentechnik involviert, scheint aufzugehen. 10 Jahre lang hatten die Unternehmen auf spektakuläre Kampagnen verzichtet und statt dessen in gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Below-The-Line Maßnahmen investiert. (...) Federführend in der PR ist eine Flut von Arbeitskreisen, Initiativen und Aktionsgruppen, die einzelne Unternehmen und Verbände gegründet haben. Auch Branchenkenner haben Mühe, die Übersicht zu bewahren." Klassisches Beispiel ist die deutsche PR-Agentur Genius. Sie setzt das Konzept von Burson Marsteller praktisch 1:1 in Deutschland um und tritt dabei über etliche Lobbyverbände und Kleinstfirmen sowie indirekt durch die Zuarbeit an große Konzerne in Erscheinung. Direkte Kontakte zwischen Genius und Burson Marsteller bestehen. 2006 berichtete politikszene: "Christoph Löwer (37) wird neuer Manager für politische Öffentlichkeitsarbeit bei Burson-Marsteller in Berlin. Zuvor war der promovierte Agrarwissenschaftler bei Genius in Darmstadt." Umso unfassbarer ist, dass genau diese Agentur im Auftrag und mit Millionen der Bundesregierung die Propaganda für die staatliche und staatsgeförderte sogenannte Sicherheitsforschung steuert, u.a. als MacherInnen des dazugehörigen Internetauftritts www.biosicherheit.de. Das hatten nicht einmal Burson Marsteller zu träumen gehofft, dass die Gentechniklobby einmal die Regierungspropaganda direkt ausführen würde!

Im Original: Kritische Texte zu Burson Marsteller ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Strategie: Pro- und Contra-Debatten selbst inszenieren - als eigene Gegenseite kontrolliert auftreten
Aus einer Infoseite über Kommunikationsstrategien der Konzerne
Die interessierte Öffentlichkeit steht jeder Information, die als offensichtlich einseitige „Industriepropaganda“ daher kommt, skeptisch gegenüber. Foren, in denen die verschiedenen Pro- und Contra-Argumente scheinbar neutral verhandelt werden, können, insofern sie redaktionell im Sinne der BioTech-Befürworter gelenkt werden, ein wirksames Tool im Kampf um die öffentliche Meinung darstellen.
Beispielhaft ist hier der Webauftritt www.transgen.de, der den Erprobungsanbau von genetisch veränderten Pflanzen begleitet.
EuropaBio muß sich in die beste und zuverlässigste, langfristige Quelle von Inspiration und Informationen über Biotechnologien/Bioindustrien für Journalisten verwandeln. Mit anderen Worten, der erste, hilfreichste, prompteste Ansprechpartner für die praktische Hinführung zu interessanten Geschichten und Persönlichkeiten - ruhig mit kontroversen Elementen vermischt - ein Lieferant von Material, das Redakteure und die Leserschaft gleichermaßen zufriedenstellt und keinesfalls als Industriepropaganda angesehen wird.


Aus Lorch/Then, "Kontrolle oder Kollaboration?" (S. 6 ff.)
Im Juni 1997 trafen sich in Amsterdam der Dachverband EuropaBio und Konzerne wie Monsanto, Bayer und Syngenta (bzw. Firmen, die später Teil von Bayer und Syngenta wurden), um die Lage in Europa zu diskutieren. Schon im Vorfeld wurde die große internationale Beratungsagentur Burson-Marsteller aktiv, die häufig im Rahmen der Krisenkommunikation von Unternehmen zum Einsatz kommt. Burson-Marsteller war bereits bei der Einführung der gv-Soja von Monsanto eingeschaltet worden. ...
Burson-Marsteller legte im Januar 1997 ein umfangreiches Strategiepapier vor und beteiligte sich auch an der Durchführung des Treffens von EuropaBio in Amsterdam. Die Spuren dieses Strategiepapiers lassen sich bis heute verfolgen. So empfahl Burson-Marsteller damals, nicht so sehr über die Risiken der Gentechnik zu sprechen, sondern vielmehr Geschichten zu erzählen, in denen die möglichen Erfolge vorkommen sollten. Im Kern der Analyse von Burson-Marsteller aber stand die Aussage, dass die Industrie ihr gesamtes Auftreten verändern müsse. Nicht mehr die Industrie selbst, sondern scheinbar neutralere Institutionen sollten die Diskussion um die gv-Saaten voran tragen. ...
Die von Burson-Marsteller vorgeschlagene Strategie war von der Biotechnologie bereits wenige Jahre später mit Erfolg umgesetzt. ...
Es entsteht ein Netzwerk aus Industrieverbänden wie der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) und EuropaBio, von Lobbyverbänden wie dem Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) und dem EFB (dem Europäischen
Biotechnologie-Verband, in dem verschiedene Wissenschaftler, Gentechnikfirmen und Lobbyorganisationen Mitglied sind), von Arbeitskreisen und Consulting-Firmen. In diesem Netzwerk finden sich auch schon früh Vertreter von Behörden und Wissenschaftler von öffentlichen und staatlichen Forschungsinstituten.
...
Ausgehend von der durch Burson-Marsteller erstellten Kommunikationsstrategie (hier im Bericht in dem Kapitel zuvor „Tarnkappen-Strategie“ genannt) ist in den darauf folgenden Jahren ein Netzwerk im Bereich der Agro-Gentechnik entstanden, das aus Vertretern der Industrie, Experten der beteiligten Zulassungsbehörden sowie aus Verbänden und Institutionen besteht, die nicht immer eindeutig der Industrie zuzuordnen sind.

Doch ganz reichte das nicht. PR-Agenturen, ZuarbeiterInnen in Behörden, PR-orientierte WissenschaftlerInnen - irgendjemand musste auch die Arbeit draußen auf den Feldern und in den Gewächshäusern machen. Auch dafür fand sich eine Lösung: BioParks und Kleinfirmen säen, ernten und bewachsen, was den Großen zum Profite dient. Sie zapfen nicht nur die üblichen Quellen der Gentechnik-Forschungsmillionen an, sondern leiten vor Ort Fördermittel für Dorfgemeinschaftshäuser, Denkmalpflege oder regionales Wirtschaften unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit in ihre Kassen. Wer hinter ihre Kulissen guckt, sieht dann aber doch die großen Konzerne hinter der Fassade der Kleinfirmen. Ein solches Beispiel soll im Folgenden vorgestellt werden: Die Firma BioOK mit ihren zwei Besonderheiten. Erstens ist sie nicht nur eine Kleinfirma, sondern gleich ein Verbund mehrerer Kleinfirmen. Und zweitens ist sie Annette Schavans und war lange auch des SPD-Landwirtschaftsministers Lieblingskind. Ginge es nach den beiden, so soll BioOK sogar Weltmarktführer in Sachen Freisetzungsforschung werden. Selbst also in der Technik, die kaum jemand im Land will, soll das Land die Nr. 1 weltweit werden - die Meinung des Volkes, verkündet von denen, die für es sprechen, ist eben immer etwas anders als die Meinung der Menschen. Die fragt niemand. Schauen wir uns dieses Lieblingskind führender PolitikerInnen einmal genauer an ...

Versteckspiel am Beispiel: Der Firmenverbund BioOK

Über BioOK und die weiteren Akteure in Groß Lüsewitz
findet sich ein Text ab Seite 12 der Broschüre
"OrganisierteUnverantwortlichkeit" (Infoseite ++ PDF)

"Wir befinden uns im Jahre 2009 nach Christus. Ganz Deutschland ist von den Gentechnikgegnern besetzt ... Ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Forschern bevölkertes Dorf hört nicht auf, Widerstand zu leisten. In Groß Lüsewitz bei Rostock arbeitet eine Arbeitsgemeinschaft von Wissenschaftlern und regionalen Unternehmen in dem Projektverbund BioOK an der Standardisierung von Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Pflanzen und könnte dabei auf dem Gebiet der Sicherheitsforschung zum Weltmarktführer avancieren." So begann ein Text bei MVregio am 20.5.2009. Ernst daran war, dass mit BioOK tatsächlich ein Akteur auftritt, der mit staatlichen Erwartungen und Millionen vollgepumpt wird, um einen kleinen Star am weltweiten Horizont der Agro-Gentechnikakteure zu setzen. Dabei ist nicht einmal richtig klar, was BioOK überhaupt heißt. Vorschläge, die von BeobachterInnen des Treibens in Groß Lüsewitz und Sagerheide kamen wie "Organisierte Kriminalität" dürften kaum stimmen. So bleibt der Ursprung des Namens an dieser Stelle ungeklärt. Klar ist aber, wer zu dem Club gehört, der da als deutsches Vorzeigeprojekt aufgepäppelt werden soll. Zum einen zeigt das ein Blick in die Haushaltsbilanz 2008. Dort sind nämlich fein säuberlich alle Firmen und Personen aufgezählt, die Geld eingebracht haben in die GmbH. Und siehe da: Die Uni Rostock ist personell richtig intensiv verquickt mit der Privatfirma BioOK. Unabhängige Forschung an einer Hochschule? Hier scheint eher die gesamte Breite von Uni-DozentInnen Teil eines privatwirtschaftlichen Projektes zu sein. GmbH-Anteile halten:

BioOK ist die letzte große Schöpfung aus der Agro-Gentechnik-Gründerserie in und um Groß Lüsewitz. Startpunkte waren die Agrarfalkultät an der Uni Rostock und ihr 1999 gegründeteter Verein FINAB e.V. Von Anfang an war deutlich erkennbar: Es ging um Firmenaufbau, eine schon vor etlichen Jahren von FINAB selbst durchgeführte Freisetzung von gv-Raps diente "der Etablierung von notwendigem Know-how für die Beantragung und Durchführung von Freisetzungen am Standort Groß Lüsewitz, andererseits als politisches Signal und Präsentation des Dienstleistungsangebotes im AgroBioTechnikum. Gemeinsam mit der Universität Rostock wird an der Etablierung von Analyseverfahren zur Identifizierung und Quantifizierung von gentechnisch veränderten Pflanzen gearbeitet. Diese Verfahren sollen als Standarddienstleistungen im Zentrum angeboten werden." So ist es gekommen - allerdings nicht mehr unter der Flagge des gemeinnützigen Vereins FINAB, sondern durch dessen privatwirtschaftliche Tochterfirma biovativ und den Firmenverbund BioOK.

Im Original: Von BioOK ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der Internetseite von BioOK
BioOK offers a complete portfolio of analytical procedures for risk assessment of genetically modified plants. It is a confederation of four companies and a Steinbeis Transfer Center. In some publicly funded research projects BioOK coorporates with the University of Rostock and the Federal Research Centre for Cultivated Plants (JKI).
The network aims to establish itself as leading service provider for analysis and risk assessment of genetically modified plants in Europe, where risk assessment is a prerequisite for market placement. The partners of BioOK hold longstanding experience in essential procedures for the assessment of food, feed, as well as pharmaceutical and pesticide safety. These methods will be adopted in order to analyse environmental and food/feed risks of genetically modified plants and to develop new, simple, standardised, and fast procedures fitting the requirements of the competent authorities (CA).

Your Benefits
BioOK is a One-Stop-Agency which
- offers effective and competitive assessment based on interdisciplinary research
- is independant and neutral
- possesses high quality and certified techniques and methods which are harmonised with competent authorities
- offers a flexible and individual set of methods depending on the transgene and the customers demands

Versuch einer Übersetzung
BioOK bietet eine ganze Palette (orig.: "Portfolio") von analytischen Verfahren für die Risikobewertung genetisch modifizierter Pflanzen an. Es ist ein Bündnis von vier Gesellschaften und einem Steinbeis-Transferzentrum. In einigen öffentlich geförderten Forschungsprojekten kooperiert BioOK mit der Universität in Rostock und dem Bundesforschungszentrum für Kulturpflanzen (JKI).
Das Netzwerk hat zum Ziel, sich als Hauptdienstleister für die Analyse- und Risikobewertung genetisch modifizierter Pflanzen in Europa zu etablieren, wo Risikobewertung eine Vorbedingung für die Markteinführung ist. Die Partner von BioOK haben langwährende Erfahrung in wesentlichen Verfahren für die Bewertung von Nahrung, Futtermitteln sowie der Sicherheit von Arzneimittel und Schädlingsbekämpfungsmitteln. Diese Methoden werden genutzt, um Umwelt- und Nahrungs-/Futtermittelrisiken genetisch modifizierter Pflanzen zu analysieren und neue, einfache, standardisierte und schnelle Verfahren zu entwickeln, die die Voraussetzungen der zuständigen Behörden (CA) erfüllen.

Ihre Vorteile
BioOK ist eine Alles-in-einer-Hand-Agentur (orig.: "One-Stop-Agency"), die
- wirksame und konkurrenzfähige, auf interdisziplinarischer Forschung beruhende Bewertungen anbietet,
- ist unabhängig und neutral
- besitzt hochqualitative und zertifizierte Techniken und Methoden, die zu den zuständigen Behörden passen
- bietet ein flexibles und individuelles Set von Methoden abhängig von den transgenen Organismen und den Kundenanforderungen


Aus der Internetseite von biovativ
biovativ ist ein Partner in der BioOK GmbH, einem Verbund der ein komplettes Portfolio von Analyseverfahren für die Risikobewertung von gentechnisch veränderten Pflanzen entwickelt. BioOK ist ein Bündnis von sechs Unternehmen, einem Steinbeis-Transfer-Zentrum und der Universität Rostock.
Ziel des Bündnisses ist es, sich als führender Dienstleister für die Prüfung und Zulassung von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen (GVP) in Europa zu etablieren, wo diese durch neue Gesetzgebung nur nach umfangreicher Risikobewertung in den Verkehr gelangen bzw. als Lebens- oder Futtermittel zugelassen werden. Die Partner des Bündnisses verfügen über Analyse- und Bewertungsverfahren zur Lebens-, Futter-, Pflanzenschutzmittelsicherheit. Sie wollen im Rahmen des Bündnisses Verfahren an die Analyse der Umwelt- und Lebens- oder Futtermittelsicherheit von gentechnisch veränderten Pflanzen anpassen bzw. neue, einfache, standardisierte, schnelle sowie rechtssichere Verfahren entwickeln. 


dpa am 16.9.2008 über biovativ und Kerstin Schmidt:
Die Mathematikerin verdient ihr Geld mit dem Thema Biosicherheit.

Auf der FINAB-Internetseite wurde zu den ersten Freisetzungen das Ziel eines Firmenaufbaus selbst formuliert:
Diese Freisetzung dient einerseits der Etablierung von notwendigem Know-how für die Beantragung und Durchführung von Freisetzungen am Standort Groß Lüsewitz, andererseits als politisches Signal und Präsentation des Dienstleistungsangebotes im AgroBioTechnikum. Gemeinsam mit der Universität Rostock wird an der Etablierung von Analyseverfahren zur Identifizierung und Quantifizierung von gentechnisch veränderten Pflanzen gearbeitet. Diese Verfahren sollen als Standarddienstleistungen im Zentrum angeboten werden.

Einlagen in der BioOK GmbH in € laut Haushaltsabschluss 2008
BIOSERV GmbH: 7.000,00 (23,33%)
BioMath GmbH: 5.000,00 (16,66 %)
Steinbeis Beteiligungs-Holding GmbH: 5.000,00 (16,66%)
Frau Prof. Dr. Inge Broer: 5.000,00 (16,66%)
Herr Prof. Dr. Peter Leinweber: 2.000,00 (6,67%)
Herr Dr. Andre Schlichting: 2.000,00 (6,67%)
biovativ GmbH: 2.000,00 (6,67%)
Herr Prof. Dr. Udo Kragl: 1.000,00 (3,34%)
Herr Prof. Dr. Elmar Mohr: 1.000,00 (3,34%)
Im Original: Über BioOK ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
2007: Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) träumt von Weltmarktführerschaft der Gentechnikmafia in seinem Land
Bericht auf agrarheute am 13.10.2007
"Der Wachstumskern "BioOK" soll sich in der Küstenregion Rostock-Schwerin - insbesondere um das AgroBioTechnikum Groß Lüsewitz - als ein europäisches Kompetenzzentrum für die Analyse, Bewertung und Überwachung von agrobiotechnologischen Produkten und Verfahren etablieren", sagte der Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz heute anlässlich des zweiten BioOK-Seminars in Rostock. Das Bündnis habe sich gut etabliert und wolle sich mit seinem Gesamtangebot zur Zulassung und Überwachung neuer agrobiotechnologischer Verfahren zum führenden Dienstleister in Europa entwickeln. "Die Projektpartner von BioOK entwickeln Analyse- und Bewertungsverfahren, um die vom europäischen und deutschen Gentechnikrecht vorgeschriebenen Risikoanalysen für gentechnisch veränderte Pflanzen mit hoher wissenschaftlicher Genauigkeit umzusetzen", sagte Minister Dr. Backhaus.

Bericht auf Agrarportal Mecklenburg-Vorpommern
"Für die Realisierung dieser Punkte leisten Sie mit Ihren Forschungsarbeiten einen ganz hervorragenden Beitrag", wandte sich Minister Dr. Backhaus an BioOK. Das Bündnis verfüge über ein ausgewiesenes Know-how in den Bereichen Lebens-, Arznei-, Futter- und Pflanzenschutzmittelsicherheit. "Alles in allem über beste Voraussetzungen, um relevante Probleme der Grünen Gentechnik untersuchen zu können", sagte der Minister und verlieh seinem Wunsch Ausdruck, zukünftig die Kooperation insbesondere mit der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen sowie der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock zu erweitern.


2009 ... Keine Realsatire: Inge Broer als Gentechnik-Heldin gefeiert!
Schon der Anfang des Textes wirkt wie eine Satire:
Wir befinden uns im Jahre 2009 nach Christus. Ganz Deutschland ist von den Gentechnikgegnern besetzt ...Ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Forschern bevölkertes Dorf hört nicht auf, Widerstand zu leisten. In Groß Lüsewitz bei Rostock arbeitet eine Arbeitsgemeinschaft von Wissenschaftlern und regionalen Unternehmen in dem Projektverbund BioOK an der Standardisierung von Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Pflanzen und könnte dabei auf dem Gebiet der Sicherheitsforschung zum Weltmarktführer avancieren.

Der weitere Text ist eine unglaubliche Lobeshymne ausgerechnet über eine der wichtigsten Filzpersonen in der deutschen Gentechnik. Forschungsministerin Schavan hat sie sich ausgesucht als Koryphäe. Der Firmenverbund ums AgroBioTechnikum soll zum Weltmarktführer bei Versuchen gemacht werden ... Weiterer Auszug:
Die beiden Alpha-Frauen Schawan und Broer tragen somit entscheidend dazu bei, dem strukturschwachen Agrarland Mecklenburg-Vorpommern eine neue Perspektive als Forschungsstandort zu verschaffen ... (Der ganze Text bei MVregio am 20.5.2009, Schreibfehler im Original)

PR-Unterstützung durch Papi Staat: Werbung auf dem High-Tech-Portal des BMBF:
Wer eine gentechnisch gezüchtete Pflanze auf den Markt bringen will, braucht derzeit einen langen Atem. Schließlich sind eine Vielzahl an Fragen zu klären, bevor es zur Zulassung kommt. Das Forscherbündnis BioOK an der Ostseeküste will das Prozedere  verbessern und aus einer Hand anbieten.

Aus einer dpa-Meldung vom 13.5.2009, die absurderweise von Greenpeace verbreitet wurde:
Das Verbundprojekt BioOK aus Groß Lüsewitz bei Rostock vereint mehrere Biotechnologie-Firmen mit der Universität Rostock und der Bundesanstalt für Züchtungsforschung in Quedlinburg (Sachsen- Anhalt). Ziel des Netzwerks, das seit 2005 vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, ist die Entwicklung standardisierter und nachvollziehbarer Schwellenwerte - etwa dazu, wie groß die Menge «schädlicher Stoffe» sein darf, die eine genveränderte Sorte auf dem Acker ausscheidet.
«Bei den bestehenden Verfahren werden viele Daten geliefert, die gar nicht nötig sind», erklärte Broer. Das neue «Indikatoren-Modell» verspreche dagegen als bisher einziges Projekt seiner Art in Europa passgenauere Angaben zu den Folgen menschlicher Eingriffe in das Erbgut bestimmter Nutzpflanzen. Dabei sollen Stoffwechsel-Werte von «Gen-Gewächsen» mit denjenigen herkömmlicher Pflanzen abgeglichen werden. «Man misst zum Beispiel den Stärkegehalt einer transgenen Kartoffel und setzt das dann zu sechs normalen Sorten in Bezug.»
Wenn eine antragstellende Biotech-Firma über solche Daten vor der Entscheidung der Zulassungsbehörden verfüge, gewinne das Unternehmen Klarheit über die Erfolgsaussichten und könne das eigene Budget schonen, argumentierte Broer. In Einzelfällen dürfte dies die Kosten von 20 bis 50 Millionen Euro auf 1 bis 5 Millionen Euro je Analyse drücken. Vor allem kleinere Züchter hätten neue Wettbewerbschancen, weil sich nicht länger nur Multis wie BASF oder Monsanto die nötige Begleitforschung leisten könnten. Dass auch die BioOK GmbH, zu deren Gesellschaftern sie gehört, davon profitieren soll, verhehlt die Biologin keineswegs: «Was wir hier machen, ist Auftragsforschung - gar keine Frage.» Der Öffentlichkeit werde eine verlässlichere Einstufung von Gentechnik-Risiken aber ebenfalls zugutekommen.
Im Original: Aus der Studie "Kontrolle oder Kollaboration?" ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Da Kerstin Schmidt gleichzeitig auch Geschäftsführerin von BioMath und BioOK und im Vorstand von FINAB e.V. ist - und all diese Betriebe und der Verein unter der gleichen Adresse und teilweise unter der gleichen Telefonnummer zu erreichen sind - drängt sich der Verdacht auf, dass es sich hier gar nicht um separate Einheiten handelt, sondern das Konglomerat von Firmen eher dazu dient, die kommerziellen Interessen im Umfeld des Vereins FINAB möglichst undurchsichtig zu gestalten. ...
BioOK GmbH, bei der Kerstin Schmidt ebenfalls Geschäftsführerin ist, soll zukünftig als allgemeine Dachmarke des Konglomerats, bzw. des „Wachstumskern BioOK“ aufgebaut werden:
“Der Wachstumskern 'BioOK' etabliert die Ostseeküstenregion Rostock-Schwerin - insbesondere um das AgroBioTechnikum Groß Lüsewitz - als europäisches Kompetenzzentrum für die Analyse, Bewertung und Überwachung von agrobiotechnologischen Produkten und Verfahren. Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft wirken zusammen, um aus Kompetenzen und Erfahrungen in der biologischen Sicherheitsforschung neue, effektivere und kostengünstigere Analyse- und Bewertungsverfahren zu entwickeln und über die BioOK GmbH in einer One-Stop-Agency zu vermarkten.“ (Quelle)
„One-Stop-Agency“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Zulassung und das Monitoring gentechnisch veränderter Pflanzen für die Industrie vereinfacht und verbilligt werden soll. Gefördert wird dies von 2005 bis 2008 mit 4 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).76 FINAB ist dabei untrennbar mit einem Dienstleister verflochten, der daran interessiert sein muss, dass im Sinne seiner Auftraggeber möglichst wenig umfangreiche und daher kostengünstigeÜberwachungspläne für den Anbau von gv-Saaten entwickelt werden.

BioMath GmbH
Geschichte: Gründung 1990. 2005: Mitbegründer der BioOK GmbH. Geschäftsführerin seit 1993: Kerstin Schmidt. Mitarbeiter: 6, Jahresumsatz: 200.000 Euro. Gleiche Büroadresse in Rostock und später Groß Lüsewitz wie biovativ, BioOK und FINAB. ...
Teilnahme an Lobbyorganisationen: Personelle und geteilte Büroadresse mit FINAB.
Finanzierung/Kunden (Auswahl): Monsanto Agrar, Aventis CropScience, Pioneer Hi-Bred, Syngenta Seeds, KWS; BBA (jetzt JKI); Bundesanstalt für Züchtungsforschung Quedlinburg (seit 2008 zusammen mit der BBA Teil des JKI). Uni Oldenburg, Uni Rostock.
2005 - 2008: Finanzierung durch das BMBF als einer der Partner des BioOK Verbunds: 308.856 Euro.

biovativ GmbH
Geschichte: Gründung 2003 als 100%ige Tochter von FINAB e.V. Geschäftsführerin: Kerstin Schmidt. Gleiche Büroadresse wie BioMath, BioOK und FINAB. Labor im AgroBioTechnikum wie auch FINAB. Umsatz 250.000 Euro. Seit 2005: Nutzung des AgroBioTechnikum Groß Lüsewitz. März 2005: Mitbegründung der BioOK GmbH.
Mitarbeiterzahl (Stand 2007): 1.
Aktivitäten/Teilnahme an Forschungsprojekten: seit 11/2003: Betreuung des Gewächshauses und des Freilands in dem von FINAB initiierten AgroBioTechnikum. 2004 - 2006: Projektpartner Auskreuzungsraten von gv-Mais. 2005/06: Durchführung von drei verschiedenen Freisetzungsversuchen mit gv-Kartoffeln für Uni Rostock. Cholera-Kartoffeln.
2006: Freisetzung von gv-Raps in Groß Lüsewitz. 2007/08: Entwicklung von gv-Kartoffeln.
Teilnahme an Lobbyorganisationen: 100%ige Tochter von FINAB.
Finanzierung/Kunden (Auswahl): 2005 - 2008: Finanzierung durch das BMBF als einer der Partner des BioOK Verbund: 337.356 Euro

BioOK GmbH
Geschichte: Gründung der BioOK GmbH März 2005 durch BioMath, biovativ, Broer und sechs weitere Gesellschafter, z.T. ebenfalls von der Uni Rostock. Geschäftsführerin: Kerstin Schmidt.
Finanzierung/Kunden (Auswahl): 2005 - 2008: Finanzierung durch das BMBF als einer der Partner des BioOK Verbunds.

BioOK Verbund
Geschichte: Seit 2005 Zusammenschluss von BioOK GmbH, BioMath GmbH , biovativ GmbH, BTL Bio-Test Labor GmbH Sagerheide, BIOSERV Analytik und Medizinprodukte GmbH, Primacyt Cell Culture Technology, dem Steinbeis-Transferzentrum Soil Biotechnology, der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAZ, jetzt Teil des JKI), und dem Institut für Chemie und der Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät der Uni Rostock.
Finanzierung: August 2005 - 2008: Förderung als BioOK Forschungsverbund durch das BMBF mit 4,39 Mio Euro um „neue, effektivere und kostengünstigere Analyse- und Bewertungsverfahren zu entwicklen und über die BioOK GmBH in einer One-Stop-Agency zu vermarkten: „Entwicklung von Zulassungs- und Überwachungsverfahren für gv-Nutzpflanzen“ ... (S. 49)
Wer steckt hinter BioOK?

BioOK ist ein Zusammenschluss von vier (Angabe auf www.bio-ok.com) bzw. sechs (Angabe auf www.biovativ.de) Firmen plus dem Steinbeis Transferzentrum und der Uni Rostock. Wieweit auch das Julius-Kühn-Institut zur Firma zu rechnen ist, darüber darf spekuliert werden. Denn ursprünglich war die Behörde, die auch im Genehmigungsverfahren bei Freisetzungen mit von der Partie ist, als Firmenpartner aufgelistet, verschwand aber 2010 vom Bildschirm:


Internetseite von BioOK mit den Partnern vor (links) und nach 2010 (rechts).

Doch selbst im günstigsten Fall, dass nämlich die Beteiligung einer Aufsichsbehörde beendet und nicht nur vertuscht wurde, bleibt die Zusammensetzung abenteuerlich. Da ist eine Universität Bestandteil einer Privatfirma - die Beteiligungen der DozentInnen an der GmbH bestätigen diese Verquickung ja ohnehin. Dann wird diese Privatfirma gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung - gut, da wissen all die, die den Bildungsabbau beklagen, wenigstens wo das Geld bleibt. Die dabei gezahlten Fördermittel sind beeindruckend. Von 2005 bis 2008 wurde der BioOK-Verbund durch das BMBF mit 4,383 Mio. € gefördert, um „neue, effektivere und kostengünstigere Analyse- und Bewertungsverfahren“ zu entwickeln. Für Projekte, Freisetzungen und Laborversuche flossen Steuergelder an Firmen und Institute des BioOK-Verbundes, die meisten der Gelder gingen an die Kleinfirmen im Umfeld von FINAB, Inge Broer62 und und Kerstin Schmidt Hinzu kommen Gelder für die Versuchsfelder der Universitäten und Konzerne, die vor allem der Firma biovativ Unteraufträge zur Betreuung der Felder geben.

Im Original: Geldflüsse an BioOK ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Rechts: Aus der Bundestagsdrucksache 16/6208, S. 3 f. ++ größer durch Klick)

Auszug über die Zahlungen als der Studie "Kontrolle oder Kollaboration?"
  • Entwicklung von standardisierten Analyseschemata und Zulassungsdossiers für gentechnisch veränderte Pflanzen: biovativ GmbH, 130.152 €.
  • Pflanzenspezifische Analyseschemata und Zulassungsdossiers: BioMath, 158.619 €.63
  • Optimierung von Anbauverfahren für gentechnisch veränderte Nutzpflanzen - zur Produktion von Pflanzenmaterial mit einheitlichen Inhaltsstoffen - unter Vermeidung von messbarem Pollenflug: biovativ GmbH, 207.204 €.
  • Analytischer Nachweis von Summenparametern und Einzelkomponenten, Teilprojekt 1: Uni Rostock, 677.765 €.
  • Analytischer Nachweis von Summenparametern und Einzelkomponenten, Teilprojekt 2: BIOSERV GmbH, 261.347 €.64
  • Entwicklung eines schnellen in vivo Verfahrens zur Detektion geringer Einflüsse transgenkodierter Proteine auf Mikroorganismen und Stoffflüsse im Boden, Teilprojekt 1: Uni Rostock, 270.838 €.
  • Entwicklung eines schnellen in vivo Verfahrens zur Detektion geringer Einflüsse transgenkodierter Proteine auf Mikroorganismen und Stoffflüsse im Boden, Teilprojekt 2: Steinbeis Transferzentrum, 245.461 €.
  • Entwicklung eines standardisierten Labortests für Dungkäfer zur Prüfung der Umweltverträglichkeit von verfütterten transgenen Pflanzen, BTL GmbH, 155.009 €.65
  • Entwicklung einer Methode zur Detektion des Einflusses transgener Pflanzen auf Ökosysteme auf der Basis von Veränderungen des Genoms responsiver Viren sowohl in Pflanzenmaterial als auch ihren Vektoren. Teilprojekt 1: BTL GmbH, 247.102 €.
  • Entwicklung einer Methode zur Detektion des Einflusses transgener Pflanzen auf Ökosysteme auf der Basis von Veränderungen des Genoms responsiver Viren sowohl in Pflanzenmaterial als auch ihren Vektoren. Teilprojekt 2: BAZ Quedlinburg (jetzt JKI), 238.058 €.
  • Entwicklung einer in-vitro-Methode zur Simulation von Verdauung und Resorption: Broer/Uni Rostock, 927.887 €.
  • Entwicklung von Anreicherungsverfahren und Testsystemen zum quantitativen Nachweis von Substanzen in transgenen Pflanzen: BIOSERV GmbH, 224.600 €.
  • Entwicklung von Analyseverfahren zur Toxizität von gv-Pflanzen: Primacyt GmbH, 77.110 €.
  • Entwicklung von Analyse- und Bewertungssystemen zur Ermittlung einer potenziellen Allergenität von gv-Pflanzen: BIOSERV GmbH, 414.218 €.
  • Entwicklung und Umsetzung von Modellen zur Unterstützung bei der Erstellung von Freisetzungsanträgen und Überwachungsplänen für ein anbaubegleitendes Monitoring von gv-Pflanzen: BioMath GmbH, 150.237 €.
  • Polymerenproduktion in transgenen Kartoffelknollen (2007-08). Teilprojekt 1: Broer/Uni Rostock (263.853 €), Teilprojekt 2: biovativ (94.369 €). Weitere Projektpartner: Uni Bielefeld, Eberhard-Karls-Uni Tübingen, Norika Nordring-Kartoffelzucht und VermehrungsGmbH. Gesamt: 693.783 €.66

Viel gebracht hat das viele Geld bislang nicht. Ganz im Gegenteil: "Leere Labore" überschrieb der Spiegel einen Artikel über das wirtschaftliche Desaster. Denn das einzige, was bei der Aktivität von Firmen wie BioOK herauskommt, sind zeitweise gefüllte Konten der Beteiligten und die permanente Auskreuzung gentechnisch veränderter Bestandteile in die Landschaft. Doch Produkte, die keiner will, lassen sich auch mit riesigen Staatshilfen auf Dauer nicht Gewinn bringend herstellen. "Mit der Finab und dem Agrobiotechnikum wollten Schiemann, Broer und die darin versammelten Saatgutfirmen eigentlich für eine 'New Economy' in Mecklenburg sorgen und Arbeitsplätze schaffen. Doch die Gänge im Technikum sind verwaist. Durch Sichtfenster in den Türen fällt der Blick auf leere Laborräume. Sie sind möbliert und mit allen Anschlüssen versehen, nur ohne Mieter. Der Betreiber, eine Firma namens BioConValley, spricht von Anlaufproblemen. Im Zentrum arbeiteten derzeit 35 Personen, es sei nur zu 50 Prozent ausgelastet, ein Zuschussbetrieb." Die Rettung kam wieder durch die Landesregierung und damit den Steuerzahler. Die staatliche Landgesellschaft M-V pachtete die leeren Räume an. Damit der Laden nicht bankrott geht. Sinn hatte das Ganze sonst wenig ...

BioOK: Deckmantel der Konzerne und Knotenpunkt der Seilschaften

Arbeitsort und Adresse von BioOK ist das AgroBioTechnikum am Thünenplatz 1 in Groß Lüsewitz, der zur Zeit wichtigste Freisetzungsforschungsstandort in Deutschland. Hier liegen Felder von Universitäten und Konzernen, in deren Auftrag vor allem die biovativ GmbH tätig ist. In den Laboren und Büros wird an weiteren, z.T. ebenfalls gut geförderten gv-Pflanzen experimentiert - oder zumindest so getan, als ob. Durch die vielen Unteraufträge aus verschiedenen Richtungen entstand ein Knotenpunkt der Seilschaften. Das wurde auch erkennbar, als vom 14. bis 16.5.2009 nach Rostock zur 4. EIGMO-Tagung geladen wurde. Die Lüsewitzer GentechnikprotagonistInnen und Kleinfirmen im BioOK-Verbund kümmerten sich um die Organisation vor Ort. Als Teilnehmende trafen die Konzerne Syngenta, BASF und Pioneer mit den Behördenleuten aus BVL, JKI und EFSA zusammen. Monsanto sponsorte das Treffen.132

Wer genauer erfahren will, wer hinter den kleinen Firmen steckt, die unter BioOK gelistet sind, wird manche Überraschung erleben. Zum einen sind dort immer wieder Personen zu finden, die auch an der Uni Rostock lehren - die Verquickung zwischen Forschung im staatlichen Auftrag und Forschung auf eigene Kappe ist offenbar eher der Alltag. Interessant ist aber auch ein Blick auf die sonstigen MitarbeiterInnen der Firmen. Das ist nämlich gar nicht besonders vielfältig. Ein Blick ins Impressum der Internetseiten verrät nämlich: Eine Person ist Dreh- und Angelpunkt mehrerer Firmen, die Faxnummern gleichen sich - und auch die Internetseiten sehen verräterisch ähnlich aus. Also: Klick, www.biomath.de, klick aufs Impressum und lesen ... Biomath GmbH, Thünenplatz 1 in Groß Lüsewitz, Tel. 038209-4909-0, Fax 038209-4909-18 und Geschäftsführerin ist Kerstin Schmidt. Klick, jetzt auf www.biovativ.de, klick wieder aufs Impressum und lesen ... biovativ GmbH, diesmal klein geschrieben. Ansonsten aber das Gleiche: Thünenplatz 1 in Groß Lüsewitz, Tel. 038209-4909- ... oh mal was anders ... -20, Fax aber wieder gleich 038209-4909-18 und Geschäftsführerin ist ... auch Kerstin Schmidt. Da gucken wir jetzt doch mal auf das Impressum des gesamten Firmenverbundes: Klick, klick - und welch Überraschung: Auf Englisch! BioOK GmbH, Thünenplatz 1 in Groß Lüsewitz, Tel. heißt jetzt "Phone", aber hört wieder auf die erste Nummer 038209-4909-0. Das Fax gleicht allen anderen: 4909-18. Kerstin Schmidt spielt den "business manager".


Impressum der Seiten www.biovativ.de, www.bio-ok.com (Leerzeilen entfernt) und www.biomath.de

Kann es sein, dass wir hier eine seltsame Fassade von Kleinfirmen haben, die eher Scheinfirmen sind? Wo immer dieselbe Person dahintersteht? Klar - um Fördergelder abzugreifen, sich gegenseitig Aufträge zuzuschieben und Rechnungen auszustellen, wäre so etwas sicherlich eine praktische Sache.
Bevor die Firmen am Thünenplatz 1 gelistet wurde, hatten sie eine andere Adresse: Schnickmannstraße 4 in Rostock. Eine Überprüfung vor Ort ergab ein leeres Büro mit einem bemerkenswerten Briefkasten davor (Foto rechts, größer durch Klick). Warum muss ich unwillkürlich an den Begriff "Briefkastenfirma" denken?

Wühlen wir noch ein bisschen weiter hinter den Kulissen. Dann wird schnell klar: BioOK ist kein Selbstzweck. Überall lauern die großen Konzerne hinter der Kulisse regionaler Kleinfirmen. Gehen Sie mal an die Versuchsflächen und fragen den Wachschutz, wer sie beauftragt und bezahlt. Die Antwort: BASF. Würden die Felder bewachen, die ihnen nichts einbringen? Sie können es mit Protestaktionen versuchen an den Versuchsfeldern des AgroBioTechnikums. Wenn die die Schwelle reiner Begleitfolklore überschreiten, wird sich ein Rechtsanwalt bei Ihnen melden und Sie auffordern, einen von ihm gefertigten Vertrag zu unterzeichnen. Diese sogenannte Unterlassungserklärung soll Sie zwingen, in Zukunft Ruhe zu bewahren. Wenn Sie nicht unterschreiben, geht die Angelegenheit vor Gericht - meist eine sichere Bank für die Gentechnikseilschaften. Achten Sie mal auf die Adresse des Anwaltes. Der kommt nicht aus der Region Rostock, sondern aus Düsseldorf. Wer sitzt da noch? Richtig: Monsanto. Anwalt Hartwig Stiebler ist der Anwalt, der für diese Firma arbeitet. Er vertrat die Üplinger BioTechFarm und die Lüsewitzer biovativ GmbH, beides Firmen von Kerstin Schmidt, gegenüber KritikerInnen.
Die Kleinfirmen vor Ort und ihre AkteurInnen bekommen auch die Patente nicht, die aus den Forschungen folgen. Die halten die Leute mit Titel, z.B. Inge Broer (Uni Rostock) und Karl-Heinz Kogel (Uni Gießen). Sie haben ihre Felder von biovativ betreuen lassen, die Patente aber lieber mit Bayer und BASF angemeldet. So sieht mensch hinter der Kulisse der Klein- und Scheinfirmen doch immer wieder die großen Konzerne, die den Rahm abschöpfen und sich die wichtigen Dinge zu sichern wissen. Die Kleinfirmen entfachen die Strohfeuer mit Fördermitteln, auch aus der regionalen Wirtschaftsförderung. Damit bringen sie die Pflanzen nach draußen - und verschwinden dann nach einiger Zeit wieder von der Bildfläche. Die verwertbaren Ergebnisse streichen derweil die Großen ein, die sich aber - ganz im Sinne von Burson Marsteller - nicht selber zeigen müssen.

 
Im Original: Netzwerk BioOK ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Schaubild mit Verflechtungen der Institutionen im deutschen Gentechnikfilz (Studie von Then/Lorch, S. 32, Fehler dort)


Patente von Prof. Inge Broer (Quelle: wie oben)

BioOK sollte der Leuchtturm der KIeinfirmen werden. Gelungen ist das nicht. Es wird den Lüsewitzer Firmen gehen wie den Vorgängern im ersten Biopark zur Agro-Gentechnik der Republik, damals in Gatersleben. Dort hat es Pleiten und Übernahmen gegeben. Wenn die Staatsgelder versiegen, ist Schluss. Für die Gesamtbranche hat das Ganze aber dennoch Sinn: Die Seilschaften können enger geknüpft werden, Uni-Institute und FirmeninhaberInnen können sich ein paar Jahre länger über Wasser halten und - nicht unwichtig - das Zeug kommt in die Landschaft. Denn die Herbeiführung von Auskreuzung wäre das Ende jedes Ringens um Gentechnikfreiheit. Das wissen auch die GentechnikprotagonistInnen unter dem Deckmantel der Freisetzungsforschung.

Weitere Fälle

Aus einer Podiumsdiskussion am 16.11.2011 in Erlangen bei der Preisverleihung "Land der Ideen" an FOR PLANTA (Bayrische Seilschaft und Geldquelle für Agrogentechnik): Der Züchter Martin Breun sagt Nein zur Agrogentechnik, weil die Konzerne am Ende alles aufsaugen (gleich am Anfang des Mitschnittes ++ nur der Ausschnitt)
Prof. Uwe Sonnewald, Uni Erlangen: "Die grüne Gentechnik scheint ja so direkt bei der Züchtung nicht angekommen zu sein. Jedenfalls spielte das in Ihrem Vortrag keine Rolle. Vielleicht kann ich dann gleich mal den ersten Starter geben: Sehen Sie denn eigentlich in der Grünen Gentechnik für sich ein Potential?"
Martin Breun, Saatzucht Breun GmbH: "Sie meinen für mich als Unternehmen? Da muss ich sagen: Nein! Das hat zwei Gründe. Zum einen die Kosten. Die Gentechnik, wenn man ein transgenes Produkt auf den Markt bringen will, muss man mit 15 Mio. Euro Kosten rechnen. Das Lizenzvolumen für Winterweizen in Deutschland sind 27. Mio. Euro. Das ist dann eine sehr knappe Rechnung, wenn man da wirklich die Kosten wieder reinholen will. Und das zweite ist der Endverbraucher ist unser Kunde - und der lehnt das Produkt ab am Ende. Die Technik an sich, vor der hab ich keine Angst. Ich hab Angst bei der Gentechnik vor Monsanto und vor den multinationalen Konzernen, weil die werden das Rad am Ende drehen. Und die mittelständische Züchtung, die bisher eigentlich der Landwirtschaft die Erträge hochgehalten hat, die wird aussterben. Und das Züchtersterben in Deutschland findet im Moment statt. Pro Jahr werden im Moment ein bis zwei Züchterhäuser an Konzerne verkauft."
Prof. Christian Jung, Uni Kiel, später: "Wenn wir eine offene und freie Debatte hätten und wenn eine wirkliche Wahlfreiheit bestünde - die besteht eben nicht -, dann wäre es so, dann wären solche Sorten auch hier akzeptiert."

Staat und Konzerne - gemeinsam aktiv

Ob als PR-Kampagne, Förderinstitution oder Public Private Partnership (PPP): Staat und Konzerne sind auf vielfältige Art miteinander verbandelt und aktiv.

Lokale und regionale Initiativen - und die Konzerne hinter ihnen

Was bundesweit möglich ist, klappt auch lokal: Die großen Konzerne verstecken sich hinter regionalen Initiativen, die nett klingen, aber nichts Anderes sind als ein Einfallstor für die Technik, die unbeliebt ist und deshalb getarnt ins Land, in Schulen, Parlamente, Arbeitsförderungsmaßnahmen und andere Bereiche einsickern muss.
Wenn in Hannover133 die SchülerInnen frühzeitig selbst gentechnisch manipulieren können, stehen KWS und der Fonds der chemischen Industrie dahinter. Das Projekt HannoverGen ist die wahrscheinlich umfassendste Werbekampagne für die Biotechnologie an Schulen - und als schillerndes Beispiel in anderen Städten kopiert. Chef des Ganzen ist mal wieder ein Universitätsprofessor, nämlich Hans-Jörg Jacobsen, geschäftsführender Leiter des Instituts für Pflanzengenetik der Leibniz-Universität Hannover. Der ist auch anderweitig engagiert, z.B. als Leiter der "Gesellschaft für Pflanzenbiotechnologie" und als Mitglied des deutschen Lobbyverbandes WGG und des internationalen Gegenstücks PRRI. Jacobsen trat beim InnoPlanta-Forum 2010 auf, saß in der Jury des dort verliehenen Preises und schrieb Texte zusammen mit dem Preisträger von 2009, Thomas Deichmann. Während er von anderen Sachlichkeit forderte, trat er selbst als Polemiker auf. Das Verbot des MON810-Mais fand er "absolut ungerechtfertigt", Angst vor Allergien nannte er "Mumpitz". KritikerInnen der Agro-Gentechnik kanzelte er als "Bodensatz in unserer Gesellschaft" ab und stellt schnell mal die Frage, ob nicht "der Klimawandel auch natürlichen Ursprungs sein könnte". Jabobsen ist also das klassische Beispiel des hochverflochtenen Propagandisten im Professorendesign. Der Angriff auf die Kritik gehört für Jacobsen zum Handwerk, „mit dem Ziel, dass wir die Jugend ein bisschen immunisieren gegen diese merkwürdige Propaganda“.135

Im Original: HannoverGen und sein Chef ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Über Hans-Jörg Jacobsen, in: BDP-Presseinfo am 17.6.2010 (veröffentlicht auf ProPlanta)
Wie Professor Hans-Jörg Jacobsen, Geschäftsführender Leiter des Instituts für Pflanzengenetik im Rahmen der Pressekonferenz erklärte, reift in der Gesellschaft zu langsam die Einsicht, dass in Grüner Gentechnik ein wesentlicher Schlüssel liegt, um die wachsenden Nachfrage nach Agrarprodukten zu bedienen. „Die zunehmende Weltbevölkerung, veränderte Konsumgewohnheiten und die steigende Nutzung von Biotreibstoffen verlangen nach höheren Erträgen und resistenten Sorten“, erläuterte er. Durch die insgesamt noch immer forschungsfeindliche Haltung werden aber nicht nur Arbeitsplätze gefährdet. Deutschland vergibt auch die Chance, selbst aktiv Einfluss auf moralische und grundsätzliche Forschungsfragen zu nehmen.


Jabobsen bei InnoPlanta: Jurymitglied (oben) und Diskussionsteilnehmer am Forum 2010 (unten)


Jabobsen im Vortrag beim BMELV am 12.12.2001
Die Lager haben sich nichts mehr zu sagen, vor allem, weil auf der einen Seite keine neuen Argumente hinzu gekommen sind und auf der anderen Seite sich die Wissenschaft bedeutend weiterentwickelt hat. ...
Länder wie Indien, China, Ägypten oder Bangladesh, aber auch viele andere, die nicht zu den „least developed countries“ gehören, setzen voll auf diese neue Technologie. ...
Wenn man sich nämlich vor Augen führt, wer etwa in Afrika Pflanzen anbaut und die Unkräuter zupft (Frauen und Kinder), wird man rasch erkennen, daß hier durch Herbizidresistenz Freiräume entstehen, die für anderes genutzt werden können: Schule und Erschließen weiterer Erwerbsquellen etwa.

Hetzen, hetzen, hetzen - Sprachniveau des Werbers für mehr Sachlichkeit, in: Novo Argumente, 20.6.2009
Als ich den Spiegel-Artikel „Erfolg im Bionade-Biotop“ las (Nr. 25, 25.6.09), in dem die EU-Wahlerfolge der Grünen im saturierten Wohlstandsmilieu der Bundesrepublik erfreulich süffisant geschildert wurden (hohes Einkommen, Bio-Futter, Edel-SUV), war mein erster Impuls: „In dieses Land willst Du nicht zurück!“ Nun habe ich aber eine Familie, die mir lieb und teuer ist, also bleibt mir die Flucht aus guten Gründen verwehrt. Ich werde also wieder zurück kommen, aber mit der vertieften Erfahrung, dass dieser grün-alternative Mief etwas typisch Deutsches geworden ist (oder besser: deutschsprachiges, wenn man Bayern, wo es mit Söder und Seehofer besonders triefend daher kommt, aber auch Österreich und die Schweiz, dazuzählt). ...
Wer Percy Schmeiser live erlebt hat (wie ich beim Tollwood-Festival in München im Herbst 2008), kann die deutsche Begeisterung für diesen rechtskräftig in Kanada verurteilten Dieb geistigen Eigentums nur schwer nachvollziehen – jedenfalls, wenn man klaren Verstandes ist und genau hinhört. ...
Anders in Deutschland: Dort wird krampfhaft darüber gestritten, wie man durch noch restriktivere Maßnahmen den durch Energiegewinnung, Heizen oder Autofahren bedingten CO2-Ausstoß bremsen kann, ohne in Betracht zu ziehen, dass der Klimawandel auch natürlichen Ursprungs sein könnte. Besser wäre es, sich darüber im Klaren zu sein, dass der Klimawandel auch in Deutschland in absehbarer Zeit zu gravierenden Veränderungen der Agrarökosysteme führen wird (wenn sich die Klimaforscher nicht geirrt haben, aber das ist eine andere Baustelle). Auf diesen möglichen Wandel ist unsere Landwirtschaft in keiner Weise vorbereitet. Durch den rein ideologisch oder kurzsichtig wahltaktisch begründeten angestrebten Verzicht auf die Option, alle zur Problemlösung sinnvollen Technologien (einschließlich der Grünen Gentechnik) auch einsetzen zu wollen, wird in Kauf genommen, dass das Erwachen besonders schmerzhaft sein wird. ... Was fehlt, ist der Mut, nach vorne zu gehen. Wenn wir dereinst feststellen, dass die biedermeierlichen Konzepte versagt haben, fressen womöglich Claudia Roth im EU-Parlament, Jürgen Trittin als Grüßaugust der Heinrich-Böll-Stiftung und Renate Künast als Präsidentin des Bio-Siegel-Verbandes ihr üppiges Gnadenbrot. Der Rest wird die karge Suppe, die sie und andere heute anrichten, auszulöffeln haben.

Aus "Halbwahrheiten und Ängste". in: SZ, 14.4.2009
Auch der Pflanzenexperte Hans-Jörg Jacobsen von der Universität Hannover sagt: "Die Entscheidung von Frau Aigner ist aus wissenschaftlicher Sicht absolut ungerechtfertigt." Vor dem Hintergrund der anstehenden Probleme wie Klimawandel und Bevölkerungsexplosion setze diese Entscheidung ein verheerendes Signal.

Aus "Pro Gentechnik"
Gegen grüne Gentechnik gibt es viele Bedenken. Genetik-Professor Hans Jörg Jacobsen antwortet auf die Argumente der Kritiker.
Grüne Gentechnik greift ins Erbgut der Pflanzen ein. Die Folgen für Gesundheit und Umwelt sind nicht abschätzbar.
Jacobsen: Nach dem jetzigen Stand von Wissenschaft und Forschung existieren keine Risiken. Man kann nie ausschließen, dass es irgendwelche Risiken gibt. Aber die Auffassung der meisten Wissenschaftler ist, dass die Risiken der Gentechnik genauso groß oder klein sind wie die bei der konventionellen Landwirtschaft oder beim Ökolandbau.
Eine Vermischung normaler Feldpflanzen mit gentechnisch veränderten Pflanzen ist gefährlich.
Jacobsen: Nach heutiger Rechtslage kann keine Genpflanze ins Freiland gelangen, von der ein erkennbares Risiko ausgeht. Das macht diesen Vorwurf obsolet. Alle Genpflanzen werden vorher von öffentlichen Gremien überprüft. Eine Vermischung ist also gesundheitlich und für die Umwelt unbedenklich.
Durch grüne Gentechnik entstehen neue Eiweiße, die neue Allergien auslösen könnten.
Jacobsen: Das ist auch Mumpitz. Im Rahmen der Zulassung werden Genpflanzen auf neue Allergene geprüft, so dass man die Gefahr ausschließen kann. Übrigens können neue Eiweiße auch durch konventionelle Züchtung entstehen.

Aussagen von Hans-Jörg Jacobsen im Gespräch beim Zeit-Forum am 29.6.2006
Das ist ja gerade der Vorteil der Gentechnik, dass man das genau nachverfolgen kann. Wenn ich heute eine weite Kreuzung mache, mir auf molekularer Ebene ansehe, was passiert, dann ist das Genom komplett in Unordnung geraten. ...
Wir müssen sachlich bleiben. Wir können nicht Schlagzeilen produzieren, wie andere das machen. Ich habe da so eine Kollektion bizarrer Schlagzeilen: Genkartoffeln lassen das Gehirn schrumpfen. Mit solchen platten Schlagzeilen erreichen Sie die Öffentlichkeit. Eine solche Schlagzeile macht Ihnen zehn Informationsveranstaltungen kaputt. Wir gehen in Niedersachsen noch einen Schritt weiter. Wir werden auch Lehrertrainings weiter vermehrt anbieten. Das wird also auch eine Sache der Landesregierung sein, um die Lehrer als Kommunikatoren zu gewinnen, nicht um Akzeptanz zu schaffen, sondern vielleicht auch mit dem anderen Ziel, dass wir die Jugend so ein bisschen immunisieren gegen diese merkwürdige Propaganda. ...
Das kann ich in einem Gewächshaus mit tausend Quadratmeter mit transgenen Pflanzen machen und möchte eben nicht, dass irgendjemand aus Fernost kommt. Der muss ja nur ein Blatt abzwacken und kann das dann kopieren. ... Wir machen es in Polen, weil es da sehr viel günstiger ist, obwohl Polen offiziell sagt, sie lassen nichts rein. In der Forschung sind sie hochinteressiert. Das ist auch wesentlich billiger. ...


Außerdem ließ er noch die klassische Lüge von der Begrenzbarkeit bzw. hier sogar Unmöglichkeit der Auskreuzung vom Stapel, was 2006 noch fast alle WissenschaftlerInnen taten:
Wir selber arbeiten jetzt mit Pflanzen, die Selbstbefruchter sind, bei denen also das Risiko der Auskreuzung nicht gegeben ist, also mit Erbsen beispielsweise. ...
Dabei war selbst auf der Propagandaseite zur Biosicherheit zu lesen: "Erbsen sind überwiegend Selbstbefruchter und haben in Europa keine verwandten Arten. Auskreuzungen sind wenig wahrscheinlich, jedoch durch Insekten grundsätzlich nicht auszuschließen."

Sozio-ökonomische Folgen ausblenden, Märchen zu Auskreuzungskontrolle ...
Auch das Magazin Cicero (15.5.2012) bietet Jacobsen eine Plattform, Auszüge:
Frage: Inwieweit unterscheiden sich eigentlich gen- manipulierte Lebensmittel von ihren „natürlichen“ Pendants?
Eigentlich gar nicht. ...
Frage (zu EU-Regelungen): Wie stehen Sie zu der Diskussion?
Die ganze Debatte ist meines Erachtens eine politische oder sozioökonomische aber kaum eine von naturwissenschaftlicher Relevanz. Sollten sich einzelne Länder der EU für ein Anbauverbot entscheiden, hätten wir einen sehr weitreichenden Präzedenzfall, wie sich Länder ohne wissenschaftliche Begründung aus europäischen Integrationsprozessen herausziehen könnten. ...
Mit einem Anbauverbot verlässt nicht nur - wie gerade erlebt - die Industrie das Land, sondern auch die Forschung. Wir würden auf der globalen Innovationsebene enorm abfallen. ...
Herr Seralini rechnet gerne so lange Statistiken um, bis sich die von ihm erwünschte Aussage ergibt. Was Herr Seralini nicht sagt, ist, dass die gleichen BT-Toxine im Ökolandbau verwendet werden. Die Biobauern sprühen das Toxin in Form von Bakteriensporen auf die Pflanzen. ...
Eine Bestäubung kann durch Bienen stattfinden, aber auch durch Wind. Eine Auskreuzung passiert immer nur dann, wenn sie biologisch möglich ist. Pollen haben ein bestimmtes Gewicht, und können daher nur eine gewisse Strecke vom Wind getragen werden. Diese Distanz ist errechenbar. Daher müssen etwa bei der Saatgut-Produktion bestimmte Abstände eingehalten werden, um die gesetzlich vorgeschriebene Reinheit des Saatguts zu gewährleisten.
Pollen sind außerdem nur für eine befristete Zeit befruchtungsfähig. Ein Reispollen ist zum Beispiel bereits nach 15 Minuten unfruchtbar. Da kann das Pollenkorn gerne, wie von so vielen befürchtet, mit dem Saharasand dreimal um die Welt reisen, ohne irgendeine „Gefahr“ darzustellen. ...
Frage: Lohnt sich der Gang zum teuren Bioladen denn dann überhaupt noch?
Meine Familie und ich machen die ganze Nummer schon lange nicht mehr mit. Eine Metastudie von „Stiftung Warentest“ im Oktober 2010 hat unser Verhalten auch bestätigt. Die Studie hat klargestellt, dass Biolebensmittel weder qualitativ besser noch gesünder sind. Zumindest gibt es keinen Hinweis dafür.
Einige Umfragen zeigen, dass 80 Prozent der Menschen angeblich „Bio“ kaufen wollen, aber eigentlich finden sich nur rund 5,3 Prozent Bioprodukte in den Einkaufswagen, wovon das meiste auch noch importiert ist. Wie gesagt: Dass Bio gesünder und sicher ist, ist sicher ein Mythos.
  • Umweltgruppen kritisieren geplante Ausdehnung von HannoverGen auf ganz Niedersachsen (taz, 10.10.2012)

2012 wurde diskutiert, das Projekt HannoverGEN niedersachsenweit auszudehnen. Doch die Landtagswahl brachte das vorläufige Aus. Im rotgrünen Koalitionsvertrag steht: "Das Projekt HannoverGEN wird beendet." (Jammern darüber auf der Werbeplattform "Gute Gene, schlechte Gene")

Das nächste Beispiel: Beim teuren Propaganda-Fahrzeug mit dem klangvollen Namen „Science Live Mobil“ handelten - wieder einmal - Staat, Konzerne und Lobbygruppen Hand in Hand. Die offizielle Internetseite des Werbe-LKWs lag auf beim Forschungsministerium, von dort erfolgte eine Weiterleitung zur Werbeagentur Flad&Flad, die das Mobil betreute. Das Mobil entstand als Projekt der rot-grünen Bundesregierung und sollte vor allem auf Schulhöfen für die Biotechnologie werben. Es war weniger ein Informationsfahrzeug als ein rollender Experimentierkasten - voller Werbung für die in diesem Bereich tätigen Konzerne. Erfolgreich war die Mission jedoch zunächst nicht, da "das eigentliche Kernstück der Aktion, das Labor- und Ausstellungsfahrzeug 'Science live'-Mobil nach nur vier Wochen Einsatz bei einem Brandanschlag völlig zerstört wurde." Die Bayerische Staatsregierung war damals schneller und schickte schon 1997 das BioTechmobil auf die Reise, gesponsort u.a. von Monsanto, Hoechst und Novartis. Ab Frühjahr 2003 fuhr dann das „BioLab Baden-Württemberg on Tour – Forschung, Leben, Zukunft“ durchs Ländle.

Im Original: Science Live Mobil ... Diese Bilder ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Bilder des Science Live Mobils des BMBF (Kennung vorne)


Oben: Mobil auf der Fahrt bzw. aufgebaut als Informationsstand.
Unten: Zerstört am 4. Mai 2000 in Gießen (Bildquelle: Bundesministerium des Innern)

Verbreitet sind regionale Zusammenschlüsse - auch hier üblicherweise als Gemenge von Konzernen, Universitäten, Forschungsinstituten und Lobbyverbänden. Landesregierungen, größere Städte und Kommunalverbände mischen ebenso mit. Die mit Steuergeldern gefütterten regionalen Biotechnologieinitiativen werden von Ex-Konzernmanagern geführt - seien es Ex-KWSler Jens Katzek, jetzt Chef von BIO Mitteldeutschland, oder der Ex-Bayer-Manager Bernward Garthoff, bei BIO.NRW.134 Hand in Hand - wie bei der Anwendung der Gentechnik auch - versuchen die Minderheiten, ihre Vorstellungen einer biotechnisch designten Gesellschaft in die Köpfe der Mehrheit zu bringen. In der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz zur regionalen Wirtschaftsförderung mischte der langjährige Chef und heutige Aufsichtsratvorsitzende des Chemie-Giganten BASF, Jürgen Strube, von 1992 bis 1998 als Vorsitzender mit.137 Zudem übt er Einfluss über die Medienpolitik von Bertelsmann aus, denn er sitzt dort im Aufsichtsrat, im Kuratorium der Stiftung und war stellvertretender Vorsitzender des von Bertelsmann initiierten Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft.138 Ist es eigentlich Zufall, dass das Buch „Monsanto. Mit Gift und Genen“ mit seiner harten Kritik am US-Konzern ausgerechnet im mit BASF verbandelten Bertelsmann-Verlag erschien?

Steuergelder für den Aufbau der Seilschaften

Wenn die Millionen aus Staatshaushalten zu Konzernen und Kleinfirmen, Instituten und Lobbyverbänden fließen, ist oft der Auftrag zum Aufbau der Seilschaften sogar als Ziel genannt. InnoPlanta entstand aus einer Spritze von etwa 20 Millionen Euro (damals 38 Mio. DM) Bundesregierungsmitteln, bei der die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen allen Akteursgruppen ein wichtiges Ziel war. Das noch geldschwerere Programm GABI sollte dafür sorgen, "die Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu vertiefen und bereits bestehende Kontakte auszuweiten."

Im Original: Geschmierter Aufbau der Geflechte ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Genomanalyse im biologischen System Pflanze (GABI)
Aus der Selbstdarstellung des PTJ, Redakteurin: Claudia Möhring (FAZ, Beirat JKI)
Ein Anliegen von GABI ist es zudem, die Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu vertiefen und bereits bestehende Kontakte auszuweiten. ... (S. 20)

InnoPlanta
Aus Horst Rehberger, (2009): "Unterwegs" (S. 226)
Im Jahr 1999 hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung den InnoRegio Wettbewerb ausgeschrieben. Durch ihn sollte die Clusterbildung in den neuen Bundesländern vorangetrieben werden. Was lag näher, als im Raum Nordharz/Börde ein Konzept für die Weiterentwicklung der Biotechnologie zu entwickeln, mit dem man an diesem Wettbewerb teilnehmen konnte? Das geschah unter Federführung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Aschersleben (Evelyne Nettlau) und der BioRegion Halle-Leipzig GmbH (Dr. Uwe Schrader). Als Berater wirkte auch Rehberger bei der Erstellung des Konzeptes mit. Auf seinen Vorschlag hin wurde der InnoPlanta e.V. als Netzwerk zur Förderung der grünen Biotechnologie gebildet. In ihm haben sich Wissenschaftler, Saatzüchter, Pflanzenbiotechnologie-Unternehmen, kommunale Gebietskörperschaften und nicht zuletzt Landwirte zusammengeschlossen. Der InnoPlanta e.V. ging im Jahr 2000 als Sieger aus dem Wettbewerb hervor. Er realisierte mit der Prämie von rund 30 Millionen Euro 38 Einzelforschungsvorhaben. Daraus entstanden eine Vielzahl von Patenten und Lizenzen in den beteiligten mittelständischen Unternehmen sowie zahlreiche Arbeitsplätze.


Thomas Deichmann, "Im Osten geht die Sonne auf", in: NOVO Nr. 67, Nov. 2003
"InnoPlanta" vernetzt vor allem bereits existierende Kompetenzen der Region, die beispielsweise am weltweit renommierten Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben, der Bundesanstalt für Züchtungsforschung (BAZ) mit einem Sitz in Quedlinburg, der Universität in Halle, der Hochschule Anhalt in Berburg und einer Reihe lokaler Saatzuchtunternehmen wie der ZKW Züchtungsgesellschaft mbH in Wanzleben und der Nordsaat Saatzucht GmbH in Böhnshausen angesiedelt sind.

Neben Gentechnikkonzernen wie Monsanto und Pioneer, die Saatgut und finanzielle Unterstützung beisteuerten, war auch der Initiatorenverein des AgroBiotechnikums, FINAB, beteiligt. Hinzu kamen weitere Firmen:An Kommunikationsmaßnahmen bzw. hierfür notwendigen finanziellen Mitteln beteiligten sich darüber hinaus Bayer CropScience, BASF Plant Science, Syngenta und die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie (DIB)."
Gier nach Patenten

Den Profit um jeden Preis, verbunden mit der künstlichen Verknappung, findet selbst der Gentechnik-Fan Ernst-Ludwig Winnacker (in der Zeit am 12.11.2011) falsch: "Die Patentstrategien einiger Unternehmen haben zu einem beträchtlichen Vertrauensverlust und Imageschaden geführt. Grüne Gentechnik wird fälschlicherweise mit industrialisierter Landwirtschaft gleichgesetzt und als Gegensatz zu nachhaltigen Formen der Landwirtschaft gesehen. Das hätte nicht passieren dürfen."


Schaubild: Anteile der großen Firmen am Saatgut insgesamt (bei gv-Saatgut: Monsanto über 80 Prozent)

Lieblingsfeind der Deutschen: Monsanto

Monsanto über Monsanto
Monsanto ist ein weltweit führender Anbieter technologiebasierter Lösungen und landwirtschaftlicher Produkte zur Steigerung der Produktivität in der Landwirtschaft und der Lebensmittelqualität. Monsantos Ziel ist es, die Landwirtschaft dabei zu unterstützen, ihre Produktivität zu steigern und gleichzeitig natürliche Ressourcen wie Wasser und Energie einzusparen. Weitere Informationen über das Unternehmen Monsanto finden Sie unter www.monsanto.com und www.monsanto.de.

Kommen wir also zu den Großen der Branche - und fangen dort an, woran viele nur denken, wenn sie über die Agro-Gentechnik nachdenken. Denn es gibt ein Wort, das steht quasi für alles Böse der Agro-Gentechnik: Mon-san-tooooo! Die Firma ist der Lieblingsfeind vieler Gentec-KritikerInnen - die BUND-Gentechnikreferentin (immer auf der Jagd nach einfachen Slogans zur Spendenwerbung) forderte 2012 sogar eine Monsanto-Kennzeichnung. Und fraglos: Monsanto ist eine Profit- und Monopolwalze, die über Leichen geht. Agent Orange, illegale PCB-Entsorgung, Knebelverträge und Blockwartschnüffelei gegen LandwirtInnen - alles das trägt immer auch das Label des durch den Zusammenkauf vieler kleiner Firmen inzwischen bei gv-Saatgut zum Weltmarktführer aufgestiegenen Konzerns.


Es geht auch andersherum absurd: Roundup, Inbegriff des Bösen, als Naturereignis ...

Im Original: Die Firma Monsanto ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der Selbstdarstellung des Konzerns auf der deutschen Internetseite
Monsanto - innovative Produkte im Dienste der Landwirtschaft
Monsanto ist ein international tätiges Unternehmen für Agrarprodukte mit Firmensitz in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Das Unternehmen ist einer der Weltmarktführer in der Entwicklung und Herstellung von umweltverträglichen Pflanzenschutzmitteln und mithilfe moderner Biotechnologie verbesserten Saatguts. Ziel von Monsanto ist es, unter gleichzeitiger Schonung natürlicher Ressourcen, die Erträge und die Qualität der Agrarproduktion deutlich zu verbessern. Von Monsanto entwickelte Produkte werden somit eine wichtige Rolle bei der Bewältigung von globalen Herausforderungen in Bereichen wie Ernährung, nachwachsende Rohstoffe, Energie, Gesundheit und Umwelt spielen. Monsantos Kernkompetenzen liegen dabei im Bereich der Kulturpflanzen Mais, Sojabohne, Raps und Baumwolle. ...
Im Jahr 1901 gegründet blickt Monsanto auf eine inzwischen über einhundertjährige Firmengeschichte zurück. In dieser Zeit hat sich das Unternehmen vom Chemiehersteller zum Spezialisten für Agrarprodukte entwickelt. Als selbständiger, börsennotierter Agrarkonzern beschäftigt Monsanto weltweit 17.000 Mitarbeiter in über 100 Ländern. Der Umsatz lag im Jahr 2005 bei 6,3 Milliarden US-Dollar. ...
In der Pflanzenzüchtung nutzt Monsanto konsequent und mit großem Erfolg biotechnologische Methoden, um zu nachhaltigen Lösungen für den weltweit wachsenden Bedarf in den Bereichen Landwirtschaft und Ernährung beizutragen. Entsprechendes Sortenmaterial, dem in einem ersten Schritt neue Eigenschaften wie Herbizidtoleranz und/oder Insektenschutz verliehen wurden, trägt zu erheblicher Produktivitätssteigerung bei gleichzeitig nachhaltiger Entlastung der Umwelt bei. Weitere Produkte stehen zur Zulassung an und eröffnen neue Möglichkeiten für die Landwirtschaft. Diese Pflanzen werden resistent gegen Schädlinge und Viren sein. In der Forschung bzw. Entwicklung stehen auch Pflanzen, die resistent gegen Dürre sind und über eine verbesserte Nährstoffzusammensetzung verfügen, die vielen Verbrauchern zugute kommt.


Firmenübernahmen (nach Wikipedia)
1985 übernahm Monsanto den Süßstoffhersteller G. D. Searle & Company und schuf die Tochtergesellschaft NutraSweet. Das gesamte Süßstoffgeschäft wurde 2000 verkauft. Im Frühjahr 1997 wurde Calgene von Monsanto aufgekauft. Calgene war der Hersteller der Flavr-Savr-Tomate. Der Versuch, den Saatguthersteller Delta & Pine Land (D&PL) aus Mississippi für 1,8 Milliarden US-Dollar zu übernehmen, scheiterte im Jahr 1998. Am 25. Januar 2005 übernahm Monsanto den kalifornischen Produzenten von Obst- und Gemüsesaatgut Seminis für 1,4 Milliarden US-Dollar. Im Februar 2005 kündigte Monsanto die Übernahme von Emergent Genetics Inc., dem damals drittgrößten US-amerikanischen Saatguthersteller von Baumwolle mit den Marken Stoneville Pedigreed und NexGen, für 300 Millionen US-Dollar an, welche am 5. April abgeschlossen wurde. Am 15. August 2006 verkündete das Unternehmen die Unterzeichnung einer Vereinbarung zum Kauf von Delta & Pine Land (D&PL), diesmal für 1,5 Milliarden US-Dollar in bar. Im Juli 2009 übernahm Monsanto das auf gentechnisch veränderten Weizen spezialisierte Unternehmen WestBred für 45 Millionen US-Dollar.

Monsanto empört: Politiker hören aufs "Volk" (was auch immer das ist)
Aus einem Interview mit der Nordeuropachefin Ursula Lüttmer-Ouazane, in: Süddeutsche Zeitung, 10.6.2009
Das politische Umfeld hat sich in den vergangenen Jahren radikal geändert. Noch vor kurzem erlebten wir eine CSU, die stark hinter der grünen Gentechnik stand. Aber das hat sich zuletzt leider komplett gedreht.
Warum?
Man sieht doch, wie ein Herr Seehofer gestrickt ist. Er schaut auf die Stimmung im Volk.

Buchhinweis: Marie-Monique Robin, Monsanto. Mit Gift und Genen (2009, DVA in München, 463 S.)
Das Buch hat inzwischen einige Berühmtheit erlangt - zusammen mit dem gleichnamigen Film. Beides geschieht zurecht angesichts der hohen Qualität beider Recherchen und Darstellungen. Brillant stellt die Autorin dar, wie der große Konzern Monsanto seine Macht aufgebaut und dann gnadenlos ausgenutzt hat. PCB, Agent Orange und Roundup Ready ziehen sich als Produktbezeichnungen durch die Geschichten rücksichtloser Profitmache. Das Buch ist es wert, wegen seines Inhalts gelesen zu werden. Jedoch: Es bestehen Zweifel, ob es deshalb so gut geht. Einiges spricht dafür, dass in Europa der Voyeurismus über skandalöse US-Firmen weit verbreitet ist, während über die Machenschaften deutscher Firmen gerne großzügig hinweggesehen wird. Das ist nicht die Schuld von Robin und ihrer Recherche, sondern einer politischen Oberflächlichkeit, die BASF, Bayer & Co. bisher nützen. ++ Arte-Film mit gleichem Titel

Es gibt manches, was Monsanto von anderen Gentechnik-Multis unterscheidet. Eines ist das offensive Auftreten. Monsanto zeigt sein Label, während Bayer und BASF lieber ihre Pharma- oder Industrierohstoffsparte präsentieren und KWS Ökolandbaumagazinen mit Biosaatgut-Anzeigen unter die Arme greift. Das andere ist die bei diesem offenen Auftreten gezeigte Kaltschnäuzigkeit. Da wird auffällig oft Klartext geredet - etwas ungewohnt zumindest im deutschen Sprachraum, wo Vertuschung, Verharmlosung und Öko-Scheinheiligkeit den Kern der Konzernselbstdarstellung bilden. Philip Angell, Monsantos Firmensprecher, wurde in einem Artikel ("Playing God in the Garden") des New York Times Magazins vom 25. Oktober 1998 zitiert: "Monsanto sollte nicht verpflichtet sein, die Sicherheit von Biotechniknahrung zu garantieren. Unser Interesse liegt darin, soviel wie möglich davon zu verkaufen. Die Gewährleistung der Sicherheit ist Sache der FDA." Laut FAZ klagen LandwirtInnen "darüber, dass der Agrokonzern zu ruppigen Methoden greift". Und das ganz offen: "Monsanto gibt auch zu, Detektive anzuheuern und Videokameras einzusetzen, um Felder von Landwirten zu überwachen und unerlaubten Einsatz von Saatgut zu dokumentieren." Mehrfach wurde Monsanto die Fälschung von Unterlagen in Genehmigungsverfahren vorgeworfen.
Berühmt wurde Monsantos jahrelanger Justizkrieg mit dem Landwirt und Ex-Politiker Percy Schmeißer. Der versuchte beharrlich, die Geldforderungen des Konzerns loszuwerden. Zunächst waren die zuständigen Gerichte stets dem Konzern zu Diensten. Doch am Ende musste Monsanto klein beigeben, um Niederlagen zu vermeiden. (taz, 20.3.2008) Der Konzern zahlte Percy Schmeißer Schadenersatz dafür, dass seine Felder verseucht wurden.

Eine Spezialität aller Gentechnikkonzerne, auch und gerade Monsantos, ist der Kungel mit Behörden und wissenschaftlichen Einrichtungen. Sharon Long, von 2002 bis 2007 Mitglied im Vorstand von Monsanto, unterstützte Barack Obama in seinem Kampagnenteam zur US-Präsidentenwahl. In Deutschland arbeitete vor allem der Gentechnik-Abteilungsleiter im BVL, Hans-Jörg Buhk, dem Unternehmen durch MON810-freundliche Mails zu. Wie eng der Draht zwischen Behörde und Konzern ist, zeigte sich bei der zwischenzeitlichen Wiederzulassung von MON810. Am 6.12.2007 verfasste die Genehmigungsbehörde BVL die dazugehörige Bekanntmachung: "Saatgut der gentechnisch veränderten Maissorte MON810 darf in Deutschland wieder zu kommerziellen Zwecken abgegeben werden. Dies entschied das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) heute in Berlin, nachdem die Firma Monsanto als Inhaber der Inverkehrbringensgenehmigung einen vollständigen Plan zur Beobachtung der Umweltauswirkungen des Genmais-Anbaus vorgelegt hat." Die Veröffentlichung erfolgte am gleichen Tag - das "heute" in dem Text bezieht sich also auf den 6.12.2007. An diesem Tag wurde die Wiederzulassung dem Text folglich auch erst beschlossen. Seltsam, dass Monsanto alles schon vorher wusste und am 5.12.2007 in einer Pressemitteilung das Ergebnis veröffentlichte: "Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat am 05.12.2007 die volle Vertriebsfähigkeit des gentechnisch veränderten (gv) Bt-Mais MON810 von Monsanto erteilt. Die Sicherheit des Produktes ist damit erneut bekräftigt." Hellseher oder eher ein bemerkenswert guter Draht in eine Behörde, bei der die betroffene Firma schon einen Tag vorher weiß, was erst danach entschieden wird ...

Im Original: Rücksichtlos und verfilzt ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus "Die Bauern und die Detektive" in: FAZ am 12.2.2009 (immerhin in einer eindeutig pro Gentechnik auftretenden Zeitung!)
Monsanto verändert nicht nur die Gene des Saatguts. Es verändert das Erbgut der Landwirtschaft. Die Bauern fühlen sich von Knebelverträgen unterdrückt, mit denen Monsanto die Einhaltung von Patenten auf sein Saatgut sicherstellen will. Sie werfen dem Unternehmen vor, eherne Traditionen auszuhebeln, weil ihnen in den Verträgen verboten wird, geerntetes Saatgut für die nächste Saison aufzubewahren, so wie dies seit Urzeiten in der Landwirtschaft üblich ist. Und sie klagen darüber, dass der Agrokonzern zu ruppigen Methoden greift, um vermeintliche Verletzungen seiner Patentrechte zu verfolgen ...
Monsanto gibt auch zu, Detektive anzuheuern und Videokameras einzusetzen, um Felder von Landwirten zu überwachen und unerlaubten Einsatz von Saatgut zu dokumentieren. ... David Runyon hat die Kontroverse über den Monsanto-Genmais in Deutschland von Indiana aus mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. „Lasst Monsanto am besten gar nicht erst nach Deutschland! Man kann bei uns sehen, dass die nur Schwierigkeiten machen.“ Nach seiner Meinung sollten die Deutschen nicht nur wegen der Geschäftspraktiken von Monsanto misstrauisch sein, sondern sich fragen, ob sie überhaupt Gentechnik wollen: „Wo ist die Notwendigkeit, an eurer Landwirtschaft etwas zu ändern?“

"Fälschte" Monsanto Daten für Zulassungen? (Aus GM-Watch)
Bei einer öffentlichen Konsultation zu Bt-Auberginen sagte der ehemalige Geschäftsführer von Monsanto India Tiruvadi Jagadisan, dass Monsanto "falsche wissenschaftliche Daten" bei den Regulierungsbehörden der Regierung einreichte, um kommerzielle Zulassungen für seine Produkte in Indien zu bekommen.

Staatsanwaltschaft greift Monsanto wegen vermutlich falscher Werbeaussagen an
Aus "Staatsanwalt zweifelt Vorzüge von Monsantos Sojabohnen an", auf: topagrar am 5.7.2010
„Wir sind besonders besorgt darüber, dass sich Farmer auf die Werbung von Monsanto verlassen haben, wonach Ertragssteigerungen von 7 % bis 11 % gegenüber den ursprünglichen Roundup-Ready-Sorten erzielt werden. Falsche Werbeaussagen verstoßen unabhängig davon, ob jemand getäuscht worden ist, als unfaire oder täuschende Handlungen in West Virginia gegen das Gesetz“, erklärte Staatsanwalt Darrel McGraw in einem Schreiben an Monsanto.

Und auch sonst nimmt es Monsanto mit Recht und Gesetz nicht so genau ... (Aus Infodienst Gentechnik)
Trotz eines örtlichen Verbots hat der weltweit größte Gentechnik-Konzern Monsanto seine gentechnisch veränderte Baumwolle Bollgard und Bollgard II in Texas verkauft. Dafür muss das Unternehmen jetzt eine saftige Geldstrafe von 2,5 Millionen Dollar zahlen. Die US-Umweltbehörde EPA verhängte damit die höchste Geldstrafe, die es wegen eines Verstoßes gegen das Gesetz zur Anwendung von Pestiziden je gegeben hat. Die Gentechnik-Baumwolle produziert ein Insektengift. In verschiedenen Bezirken in Texas ist sie verboten, weil befürchtet wird, dass sich Resistenzen gegen das Gift bei den Schädlingen herausbilden. (Meldung dazu auf TransGen am 10.7.2010)

Aus: "Die Macht von Monsanto", auf: Handelsblatt, 11.05.2013
Es ist fast bewundernswert, wie erfolgreich die Lobbyisten der großen Saatguthersteller wie Monsanto in den vergangenen Monaten gewesen sind. Sowohl in den USA als auch in Europa haben sie mit Hilfe der Politik ihre Macht ausgedehnt.
In den USA haben sie es tatsächlich geschafft, eine Provision in ein landwirtschaftliches Gesetzespaket einzubauen, wonach rechtliche Möglichkeiten, den Anbau von genetisch veränderten Saatgut zu verhindern, ein Jahr ausgeschlossen werden.

Das Obama-Kampagnenteam hat die Namen seiner fünf führenden wissenschaftlichen Berater bekannt gegeben. Zwei von ihnen sind eng mit der Biotech-Industrie verbunden: Sharon Long, Mitglied im Vorstand von Monsanto von 2002 bis 2007 und Gilbert Omenn, Vorstandsmitglied des Biotech-Unternehmens Amgen von 1987 bis heute. Mehr ... ++ Mehr über Obama, GVO und Ethanol ++ noch mehr ...

Ende 2011 entließ Monsanto überraschend den bisherigen Chef-Lobbyisten in Deutschland, Andreas Thierfelder. Spiegel-Online mutmaßte am 25.11.2011, dass der geringe politische Erfolg ausschlaggebend war: "Der US-amerikanische Agrar-Multi Monsanto hat seinen wichtigsten Strippenzieher in Deutschland vor die Tür gesetzt: Andreas Thierfelder, langjähriger Director Corporate Affairs, hat das Unternehmen nach Informationen des SPIEGEL bereits Ende August verlassen, seine Stelle wurde ersatzlos gestrichen. Thierfelder war der Chef-Lobbyist und das Sprachrohr für den umstrittenen Gentechnik-Konzern in Deutschland. Seine Entlassung sei Teil einer Umstrukturierung, hieß es beim Unternehmen. Künftig übernehme die Geschäftsführung einige der Bereiche. Als Grund für die Entlassung vermuten Branchenkenner jedoch die relative Erfolglosigkeit von Thierfelders Arbeit: Zwar ist der Chef-Lobbyist ohne Unterlass auf Podiumsdiskussionen und in den Hinterzimmern der Politik aufgetreten. Gebracht aber hat das kaum etwas, das Image von Monsanto in der Öffentlichkeit ist schlechter denn je. Selbst die Politik lässt inzwischen die Finger von gentechnik-freundlichen Entscheidungen."

Viele hassen Monsanto - Monsanto hasst KritikerInnen
Am Beispiel: Klaviatur von Greenwashing bis platten Lügens

Nicht dass Monsanto es nicht anders könnte ... Wenn nötig, kann Monsanto auch die sanfte Öko-Nummer spielen und entwickelt plötzlich nur noch "Produkte, die dem umweltpolitischen Ziel der nachhaltigen Entwicklung entsprechen". Damit leiste das Unternehmen "einen Beitrag zu einer umweltfreundlicheren Produktion von qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln und landwirtschaftlichen Rohstoffen".
Konkret wurde dass bei Rapsversuchen. Mitte der 90er Jahre begann Monsanto in Deutschland mit Rapsexperimenten. Alles sei sicher, verkündete der Konzern per Faltblatt: "Um während der Freilandversuche Auskreuzungen in anliegende herkömmliche Rapssorten zu vermeiden, wird um die Versuchsfläche ein sechs Meter breiter Mantel von herkömmlichem Raps angepflanzt. In dieser Zone werden Samen möglicher Auskreuzungen aufgefangen." Auskreuzung "wurde aber bisher in der freien Natur nicht beobachtet." Einige Jahre später hatte die Praxis dann die Lüge enttarnt. Auch Monsanto räumte das nun in der Werbung ein - und beginnt eine neue Propagandaschlacht: Raps kann auskreuzen, aber das sei erstens kontrollierbar und würde zweitens keinen Schaden anrichten ...

Im Original: Keine Auskreuzung und Ökoschäden ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus dem Faltblatt „Raps“ der Firma Monsanto (Seite 1 ++ Seite 2)
Roundup Ready-Rapssaatgut ist ebenfalls ein Ergebnis intensiver Forschung von weit über 100 Feldversuchen und 1.800 Tests auf Inhaltsstoffe. Was wurde gentechnisch bei der neuen Pflanze verändert? Die Roundup Ready-Rapssorten wurden so entwickelt, daß sie zwei zusätzliche Proteine, Eiweißbausteine, enthalten. Diese Proteine sind Bestandteile natürlicher, im Boden vorkommender Mikroorganismen und verstärken die Widerstandskraft der Pflanze gegenüber dem Pflanzenschutzmittel Roundup Ultra.
Roundup Ready-Rapssorten unterscheiden sich hinsichtlich Qualität und Inhaltsstoffen in keiner Weise von Ölen aus herkömmlichen Rapssorten. ...
Raps ist eine Nutzpflanze, die natürlich auskreuzen kann. Der biotechnologisch veränderte Winterraps, der jetzt in den Feldversuchen angepflanzt wird, könnte sich entsprechend mit anderen Rapssorten kreuzen. Da der biotechnologisch veränderte Raps die gleiche Zusammensetzung an Inhaltsstoffen hat wie herkömmlicher Raps, gehen von eventuellen Kreuzungen jedoch keinerlei Gefährdung aus. Um während der Freilandversuche Auskreuzungen in anliegende herkömmliche Rapssorten zu vermeiden, wird um die Versuchsfläche ein sechs Meter breiter Mantel von herkömmlichem Raps angepflanzt. In dieser Zone werden Samen möglicher Auskreuzungen aufgefangen. Nach diesem sechs Meter breiten Rapsstreifen wird ein weiterer Streifen von 50 Metern Breite ohne Rapsanbau angelegt. Untersuchungen haben gezeigt, daß eine Auskreuzung auf andere Rapspflanzen äußerst unwahrscheinlich ist: Schon bei einer Entfernung von 20 Metern beträgt die Auskreuzungsrate weniger als 0,2 Prozent.


Briefkopf zum folgenden Textauszug

„Neue Wege gehen: Gentechnisch veränderter Winterraps ist ebenso sicher wie herkömmlich gezüchteter Raps“ der Firma Monsanto, August 1997
Umfangreiche Analysen und strikte Kontrolluntersuchungen durch die Behörden in mehreren Ländern bestätigen die Sicherheit der neuen Rapspflanze für Mensch, Tier und Umwelt. Aufgrund des positiven Sicherheitsprofils wurde der gentechnisch veränderte Raps in Kanada bereits 1996 auf rund 30.000 Hektar kommerziell angebaut. ...
Raps ist eine weit verbreitete Kulturpflanze, die keine Tendenz zur Invasion in Ökosystemen außerhalb landwirtschaftlich genutzter Flächen aufweist. Durch die eingefügten Proteine wird der neue Raps in der freien Natur nicht konkurrenzfähiger gegenüber anderen Pflanzen. Daher besitzt er keinen Selektionsvorteil, so daß das Ökosystem nicht beeinträchtigt werden kann.
Experten bewerten das Risiko einer Auskreuzung - d.h. einer Übertragung der Herbizid-Resistenz auf andere Arten - als äußerst gering. Bei Raps gibt es wildwachsende verwandte Arten, eine Auskreuzung durch Pollenflug ist daher theoretisch möglich. Dies wurde aber bisher in der freien Natur nicht beobachtet. Nach jüngsten großflächigen Versuchen in Frankreich kamen Experten zu dem Ergebnis, daß die Wahrscheinlichkeit einer Auskreuzung im Abstand von bis zu 500 Metern bei maximal 0,01 bis 0,03 Prozent liegt. Die gekreuzten Pflanzen wären zudem nicht weiter vermehrungsfähig. Auskreuzungen zu konventionellen Raps-Pflanzen könnten zwar stattfinden, Untersuchungen haben jedoch ergeben, daß die Wahrscheinlichkeit einer solchen Merkmalsübertragung bei einer Entfernung von 20 Metern bereits weniger als 0,2 Prozent beträgt. Nachkommen dieser Kreuzungen sind nicht oder nur sehr eingeschränkt vermehrungsfähig. Selbst wenn eine Auskreuzung stattfände, würde dies das positive Sicherheitsprofil nicht einschränken, weil von diesen Pflanzen keine Gefährdung für Mensch, Tier und Umwelt ausgeht. Um im Rahmen der Freilandversuche zu gewährleisten, daß eine Auskreuzung nicht stattfindet, umgibt das Versuchsfeld eine sechs Meter breite Mantelsaat mit herkömmlichem Raps als „Pollenfänger". Darauf folgt ein 50 Meter breiter Streifen, auf dem kein Raps angebaut wird.

Rechts: Briefkopf zum folgenden Text aus der Information „Freilandversuche mit gentechnisch verändertem Winterraps“ der Firma Monsanto, August 1997
Monsanto wird im Zeitraum von 1997 bis 1999 Feldversuche mit gentechnisch verändertem Winterraps an 19 Standorten in Deutschland durchführen. Die Rapspflanzen sind mit Hilfe der Gentechnik gegen das Pflanzenschutzmittel Roundup Ultra widerstandsfähig gemacht worden. Der Anbau solcher Rapspflanzen in Kombination mit dem umweltverträglichen Mittel Roundup Ultra verbessert auf umweltfreundliche Art die Ertragssicherheit der Rapsernte und die Wirtschaftlichkeit des Rapsanbaus. ...
Das Pflanzenschutzmittel Roundup Ultra bildet zusammen mit dem Roundup ReadyTM-Winterraps ein umweltverträgliches System für den Rapsanbau. Das Mittel wirkt zuverlässig gegen viele Unkrautarten und ersetzt traditionelle Mischungen aus mehreren Herbiziden. Es gewährleistet eine effektive Unkrautkontrolle nach dem Schadschwellen-Prinzip und damit eine hohe Ertragssicherheit für den Landwirt. ...
Der herbizid-tolerante Raps verursacht weder toxische noch allergische Effekte. Er enthält die gleiche Zusammensetzung an Inhaltsstoffen wie herkömmlicher Raps.

Aus der Information „Das Unternehmen Monsanto“ der Firma Monsanto, August 1997
Bereits Anfang der achtziger Jahre erkannte Monsanto die zukünftige Bedeutung der BiotechnoIogie als wichtiges Element einer modernen, umweltgerechten Landwirtschaft. Heute ist Monsanto ein führendes Unternehmen im Bereich der Biotechnologie in der Landwirtschaft.
Ziel aller Entwicklungen ist es, einen Beitrag zu einer umweltfreundlicheren Produktion von qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln und landwirtschaftlichen Rohstoffen zu leisten.


Aus dem Unternehmergespräch „Mit Gen-Pflanzen fördern wir die nachhaltige Entwicklung“ mit Bob Shapiro, Monsanto-Chef, in: FAZ, 21.9.1997
Für Shapiro sind all dies Produkte, die dem umweltpolitischen Ziel der "nachhaltigen Entwicklung" entsprechen: Sie ermöglichen eine Steigerung der Produktion bei gleichzeitiger Entlastung der Umwelt. Skeptiker könnten sich oft nicht vorstellen, fährt Shapiro fort, daß ein gewinnorientiertes Unternehmen wie Monsanto diesem "altruistischen" Ziel diene. Doch könne ein Unternehmen langfristig eben nur dann Gewinne erzielen, wenn es Güter und Dienste anbiete, die für die Gesellschaft von Wert seien. ...
Solch ein Unternehmen lasse sich nur führen, wenn die Mitarbeiter stolz auf ihr Unternehmen seien, sich um dessen Wohlergehen kümmerten, meint Shapiro. Bei Monsanto trage dazu bei, daß die Mitarbeiter davon überzeugt seien, einer wichtigen Aufgabe - eben der „nachhaltigen Entwicklung" - zu dienen.

Aus der Information „Glossar“ der Firma Monsanto, August 1997
Roundup, Roundup Ultra
Handelsnamen von umweltverträglichen Herbiziden der Firma Monsanto mit dem Wirkstoff Glyphosat. Roundup und Roundup Ultra kontrollieren sicher ein breites Spektrum an Unkräutern und zeichnen sich durch ihre Anwenderfreundlichkeit aus.


Patrick Moore (jetzt Monsanto, früher Greenpeace!) behauptete in einem Interview, Glyphosat könne mensch trinken, brach dann aber das Interview ab, als er das vorführen sollte

Dabei weiß Monsanto selbst, dass die Agrogentechnik unnütz und unkontrollierbar ist. Die Firma schriee nämlich selbet in einem Patentantrag für eine nicht-gv-Pflanze (S. 1, deutsche Übersetzung): "Die Möglichkeiten, eine Pflanze durch gentechnische Veränderungen zu verbessern, sind gering. Dies ist einer Reihe von Ursachen geschuldet. So lassen sich die Effekte eines spezifischen Gens auf das Wachstum der Pflanze, deren Entwicklung und Reaktionen auf die Umwelt nicht genau vorhersagen. Dazu kommt die geringe Erfolgsrate bei der gentechnischen Manipulation, der Mangel an präziser Kontrolle über das Gen, sobald es in das Genom eingebaut worden ist, und andere ungewollte Effekte, die mit dem Geschehen bei der Gentransformation und dem Verfahren der Zellkultur zusammenhängen."

Es gibt also viele Gründe für einen deutlichen kritischen Blick auf den Konzern. Gefährlich ist die Anti-Monsanto-Welle aber dennoch. Denn erstens werden damit die deutschen bzw. europäischen Konzerne leicht übersehen. Und zweitens kann der Eindruck entstehen, es sei individuelles Fehlverhalten eines Konzerns, was tatsächlich nur die konsequente, bisweilen besonders rücksichtslose Ausformung dessen ist, was kapitalistische Marktwirtschaft von UnternehmerInnen fordert: Ellbogen einsetzen, Mensch und Umwelt ausbeuten, Monopole bilden, Machtmittel aneignen, Profite anhäufen. Monsanto ist nicht die Ursache des Problems, sondern nur ein besonders auffälliges Beispiel.

Im Original: Landwirtschaft und Kapitalismus ... Dieses Zitat ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Gregor Samsa, "Über die Notwendigkeit einer Wiederentdeckung", in: analyse&kritik, 20.1.2006
Die Konsequenzen agrarpolitischer Beschlüsse durch die WTO und anderer, gleichfalls auf Liberalisierung, Privatisierung und Deregulierung abzielender Vertragswerke betreffen also unmittelbar Hunderte Millionen Menschen, womöglich mehr. Dem entspricht in Europa, dass zwar die Produktion landwirtschaftlicher Rohstoffe eine ökonomisch nur noch untergeordnete Rolle spielt, dass jedoch die weiterverarbeitende Ernährungs- und Getränkeindustrie (als eine zentrale Säule des Agrobusiness) mit einem Umsatz von rund 800 Mrd. Euro und ca. vier Mio. Beschäftigten weiterhin der größte verarbeitende Sektor in der EU ist - noch vor der Automobil- und Chemieindustrie. ...
Sämtliche Phasen der Agrar-Wertschöpfungskette sind von jeweils wenigen transnationalen Konzernen bestimmt - mit katastrophalen Auswirkungen für die kleinbäuerlichen ProduzentInnen: Die Saatgutkonzerne nutzen ihre Marktmacht, um immer höhere Preise für Saatgut durchzusetzen, so wie es das ebenfalls im WTO-Rahmen abgeschlossene TRIPS-Abkommen den Saatgut-Konzernen zusätzlich ermöglicht, qua Patentrecht die Saatgut-Abhängigkeit der ProduzentInnen permanent zu vergrößern - einschließlich Biopiraterie und weiteren, meist gentechnologisch fundierten Schikanen. (vgl. ak 499) Die großen Zwischenhändler kaufen aus Kosten- und anderen Gründen (Verpackungsstandards etc.) ihre Produkte überwiegend bei GroßproduzentInnen; Kleinbauern und -bäuerinnen haben demgegenüber immer weniger Möglichkeiten, ihre Produkte überhaupt zu vermarkten. Am Ende der Wertschöpfungskette sitzen die Supermarktketten, sie zahlen den Zwischenhändlern immer weniger, was diese wiederum den ProduzentInnen vom Preis abziehen. Konsequenz hiervon ist, dass es zu einer immer stärkeren Umverteilung zwischen ProduzentInnen und den nachgelagerten Instanzen in der Agrar-Wertschöpfungskette kommt: So hat sich zwar der Kaffee-Umsatz im weltweiten Einzelhandel zwischen 1990 und 2003 verdoppelt, die Einnahmen der Kaffee produzierenden Länder hingegen halbiert.

Leider ist es weit verbreitet, immer nur auf Monsanto zu schauen und nicht auf die ökonomischen Logiken, die hinter dem Konzern wirken. Als in Gießen 2006 ein Feld mit gv-Gerste angelegt wurde, gab es von Parteien und Umweltverbänden keinen Protest, obwohl hier eine völlig neue Pflanze erstmals in Umlauf gebracht wurde. Als ein Jahr später aus den gleichen Universitätszirkeln ein MON810-Versuch begann, meldete sich hingegen sehr deutlicher Protest. Unbekannte FeldbefreierInnen waren es dann, die sowohl Mais- wie auch Gerstenfeld vorzeitig beendeten. Als 2008 dann wieder nur noch das "deutsche" Gerstenfeld ausgesät werden sollte, aber Ende März besetzt wurde, schwiegen die Umweltverbände, Kirchen und Parteien erneut, zeigten zusammenhanglos kritische Filme über Monsanto oder brachten ebensolche Flugblätter heraus. Obwohl der Konzern in Gießen gar keine Rolle spielte ...
Falsch ist auch die Annahme, Monsanto würde in den USA problemlos alle Interessen durchsetzen. Zwar sind die Behörden ähnlich verfilzt und reine Erfüllungsgehilfen der Agro-Gentechnik wie in Deutschland, aber es gibt sowohl Widerstand aus FarmerInnenkreisen wie auch juristische Niederlagen. So wurde 2010 eine gentechnisch veränderte Rübe von einem Gericht einfach verboten.

Aus "Herbe Gen-Zuckerrüben-Niederlage für Herbizid-Gigantomanen Monsanto" auf Radio Utopie
Die amerikanische Presse, unter anderem ABC News, berichtete über die Entscheidung des Bundesgerichtes in San Fransisco unter dem US-Bezirksrichter Jeffrey White, den Anbau von gentechnisch veränderten Zuckerrüben von Monsanto Co zu verbieten. Im Jahr 2009 hatte White bereits festgestellt, dass das US-Landwirtschaftministerium USDA dem Biotech-Unternehmen Monsanto den Anbau gentechnisch veränderter Zuckerrüben ohne ausreichende ökologische Studie genehmigt hatte. Da sich daran nichts Entscheidendes zur Entkräftigung geändert hat, fiel dieses Urteil folgerichtig am 13. August.

Bei allem, was sich Schlechtes über Monsanto sagen lässt - die Fixierung in Deutschland und Europa auf diese Firma bewirkt, dass andere sich ungestörtert entwickeln können. "Über Monsanto hat inzwischen jeder schon mal etwas gehört, meistens nichts Gutes. Aber wer kennt die KWS? Vorstandssprecher Philip von dem Bussche ist diese Windschattenposition sehr recht", schrieb Michael Miersch in der Welt über diese Lage, die den deutschen Konzernen nützt.

Michael Miersch (Ex-Umweltredakteur beim HR) in Welt-Online, 18.8.2008
Der größte Erfolg, den die Gentechnik-Labors der KWS bisher verzeichnen konnten, war - gemäß der Firmentradition - eine Rübe: die Roundup-Ready-Zuckerrübe. Obwohl sie erst 2007 in den Vereinigten Staaten auf dem Markt kam, wird sie dort bereits auf 250 000 Hektar angebaut. Ein stolzer Erfolg. Sie ist resistent gegen ein spezielles Unkrautvernichtungsmittel. So kann der Bauer alle konkurrierenden Wildpflanzen auf einmal abtöten, und nur die Rübe bleibt am Leben. ...
Über Monsanto hat inzwischen jeder schon mal etwas gehört, meistens nichts Gutes. Aber wer kennt die KWS? Vorstandssprecher Philip von dem Bussche ist diese Windschattenposition sehr recht. "Die Menschen sollen nicht das Gefühl kriegen, überrollt zu werden", sagt der gelernte Landwirt, dessen Familie heute noch mehrere Agrarbetriebe bewirtschaftet. "Wir führen den Dialog, aber wir werden uns unsere Forschung nicht kaputt machen lassen."

Die Felder von Monsanto in Europa ...

Laut Liste der EU-Kommission befanden oder befinden sich Monsantofelder in Rumänien, Dänemark, Deutschland, Spanien, Portugal, Frankreich und der Slowakei.

Gen-Patente: BASF und BAYER führend - nicht Monsanto!
Eine Recherche der Initiativen Kein Patent auf Leben! und Coordination gegen BAYER-Gefahren belegt, dass deutsche Unternehmen zu den weltweit führenden Anbietern der „Grünen Gentechnik“ aufgeschlossen haben. Die Gentechnik-Kritiker haben hierfür alle Zulassungs-Anträge untersucht, welche in den vergangenen zwanzig Jahren beim Europäischen Patentamt (EPA) in München eingereicht wurden.
Von den rund 2.000 Patenten, die das EPA auf transgene Pflanzen gewährt hat, besitzt der BAYER-Konzern demnach 206, unter anderem auf Mais, Weizen, Reis, Gerste, Soja, Baumwolle und sogar auf genmanipulierte Bäume. Das Leverkusener Unternehmen liegt damit auf Platz eins - noch vor Pioneer (179), BASF (144), Syngenta (135) und Monsanto (119). Was die Zahl der beantragten Patente anbelangt, befindet sich die BASF mit 1.273 auf dem zweiten Rang nach DuPont.
- Aufstellung der Patente von BAYER
- Bewilligte Patente Bayer und Syngenta
- Bewilligte Patente BASF, Pioneer, Dow und Monsanto

Deutsche Konzerne I: BASF (genauer: BASF Plant Science)

Wenn irgendwann einmal der Deutschlands-bestverflochtenes-Unternehmen-Award vergeben würde - BASF wäre einer der heißesten Anwärterinnen. Die Badische Anilin- und Sodafabrik, wie der weitgehend unbekannte, ausgeschriebene Firmenname lautet, hat ihre Fühler überall drin, wo es um Geld und Macht geht. Ein prägnantes Beispiel ist der Einfluss auf den Medienkonzern Bertelsmann und die Folgen.
Nach der Familie Mohn kommt bei Bertelsmann an erster Stelle Jürgen Strube, bis 2009 Aufsichtsratschef von BASF, dem größten Chemieunternehmen der Welt (Umsatz: ca. 58 Mrd. Euro). Strube ist einer der mächtigsten deutschen Wirtschaftslobbyisten. Ab 1995 war er Vorsitzender des Transatlantic Business Dialogue (TBAD), ab 1998 Vorsitzender des Mercosur-EU Business Forum (MEBF), 2003 wurde er für zwei Jahre Präsident der Europäischen Arbeitgebervereinigung UNICE. Neben Bertelsmann und BASF sitzt Strube gegenwärtig in weiteren Aufsichtsräten: Allianz Deutschland AG, BMW AG, Hapag-Lloyd AG, Fuchs Petrolub AG. Bereits 1998 gründete er gemeinsam mit Reinhard Mohn und Hubertus Schmoldt (IG Bergbau, Chemie, Energie) die "Initiative für Beschäftigung". Von 1998 bis 2004 fungierte der Konzernchef als stellvertretender Vorsitzender des Vorstands des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft, der Bertelsmann intensiv bei der Durchsetzung konzernkonformer Umstrukturierung im Hochschulwesen unterstützt. Ab 2000 wurde Strube von den Mohns in den Aufsichtsrat der Bertelsmann AG und das Kuratorium der Stiftung berufen. Wenn die Bertelsmann-Stiftung die Mächtigen der Welt an den Tisch holt, etwa auf dem „International Bertelsmann Forum“ oder zum „Salzburger Trilog“, dann ist Strube dabei. Er ist Kurator der Haniel-Stiftung und stellt damit eine Verbindung zu einer weiteren großen deutschen Eigentümerfamilie her, die u.a. Miteigentümerin des Handelsriesen Metro AG ist. (Quelle auf Indymedia)
In der Region Ludwigshafen sowie stark auch in der Rheinland-Pfälzischen Landespolitik ist BASF eine politische Großmacht. Die regionale Presse versucht da lieber gar nicht erst, unabhängig zu wirken. Das RheinNeckarWeb ist einfach gleich ein Joint Venture der Rheinfalz mit BASF.

Wie im Großen, so auch in der Gentechnik: BASF und Tochterfirmen (z.B. die auf dem IPK-Gelände in Gatersleben arbeitende SunGene) sind in vielen Lobbyverbänden mit dabei. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Doris Barnett arbeitete früher bei BASF, vertritt heute den Wahlkreis Ludwigshafen und war an der Gründung des Lobby-Dachverbandes FGV beteiligt. Dr. Andreas Kreimeyer (BASF) sitzt im BioÖkonomierat der Bundesregierung, der Leiter des BASF-Versuchszentrums in Limburgerhof, Jürgen Altbrod, gehört zum Beirat des staatlichen Forschungsinstituts JKI. In deren Arbeitsgruppe „Anbaubegleitendes Monitoring gentechnisch veränderter Pflanzen im Agrarökosystem“ ist die BASF vertreten, während der aktuell als vTI-Gentechnik-Versuchsleiter und in der europäischen Genehmigungsbehörde EFSA mitstimmende Christoph Tebbe früher für die BASF forschte. Wie andere Gentechnikfirmen ist BASF bei InnoPlanta und in der FNL dabei, unterstützen die Kampagne "Plants for the future" und sponsorte die Propagandaplattform TransGen.
Vernetzung entsteht zudem durch die starke Streuung der BASF-Genversuchsfelder. Nur wenige stehen auf dem eigenen Agrarzentrum südlich von Limburgerhof, die anderen auf den Flächen des AgroBioTechnikums, wo BASF den Wachschutz bestellte, und der BioTechFarm in Üplingen oder als Einzelversuchsflächen im Land verteilt. Direkte Verbindungen bestehen zu Universitäten. So hat der Gießener Professor Kogel Patente zusammen mit BASF angemeldet.

Rechts: Linkliste auf der BASF-Seite www.amflora.de - verfilzte PR-Agenturen, Lobbyverbände und Behörden auf einen Blick

Die politischen Positionen des Konzerns gleichen denen anderer Firmen. Das im Februar 2009 veröffentlichte "Positionspapier zur Grünen Gentechnik" enthält alle geläufigen Allgemeinplätze, die sich ohne Probleme widerlegen lassen.

Im Original: Personen und Firma ... Dieses Zitat ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Jürgen Strube (laut Wikipedia und gilthserano)
1985-2003: Vorstandsmitglied bei BASF, dabei ab 1990: Vorstandsvorsitzender BASF
2003-2009: Aufsichtsratsvorsitzender BASF
Neben seiner Tätigkeit für BASF war Strube auch Aufsichtsratsvorsitzender bei Fuchs Petrolub und in den Aufsichtsräten weiterer Großunternehmen vertreten: Weitere Tätigkeiten Vorstandschef Hambrecht - einfach nur asozial?
Aus der Südwestpresse am 21.6.2010
Hambrecht sagte, es gebe „kein Steuerproblem in diesem Land, sondern ein Ausgaben- und Abgabenproblem“. Seit Jahrzehnten werde zu viel ausgegeben, die Politik könne deshalb von der Wirtschaft aus der Krise lernen, dass man auf Dauer nicht mehr ausgeben könne, als man einnehme. Deutschland sei sowieso einer von lediglich vier Staaten weltweit, in denen man aufgrund der Sozialtransfers auch leben könne ohne zu arbeiten, kritisierte Hambrecht. „Irgendwann müssen wir deshalb auch alle gemeinsam aufstehen und sagen, dass wir das nicht mehr wollen.“

Rechts: Ausschnitt der Süddeutschen Zeitung, 3.7.2010

BASF über BASF
BASF Plant Science - ein Unternehmen der BASF Gruppe - ist einer der weltweit führenden Anbieter von Pflanzenbiotechnologie-Lösungen für die Landwirtschaft. Mehr als 700 Mitarbeiter unterstützen Landwirte dabei, die wachsende Nachfrage nach verbesserter landwirtschaftlicher Produktivität sowie gesünderer Ernährung für Mensch und Tier zu decken. Mit einer richtungsweisenden Plattform zur Entdeckung von Genen hat sich BASF Plant Science auf die Entwicklung von Pflanzenmerkmalen spezialisiert, die den Ertrag und die Qualität von Kulturpflanzen wie Mais, Soja und Reis erhöhen. Die Produktvermarktung erfolgt in Zusammenarbeit mit führenden Partnern aus der Saatgutindustrie. Zu den aktuellen Projekten gehören ertragreichere Feldkulturen, Futtermais mit verbesserten Nährstoffen und Ölpflanzen mit einem erhöhten Gehalt an Omega-3-Fettsäuren zur Vorbeugung von Herzkreislaufkrankheiten. Weitere Informationen über BASF Plant Science finden Sie auf www.basf.de/plantscience.

Absatztitel im "Positionspapier zur Grünen Gentechnik":
Die Grüne Gentechnik ist eine moderne und zukunftsweisende Weiterentwicklung der klassischen Pflanzenzüchtung ...
Die Grüne Gentechnik wird seit mehr als einem Jahrzehnt erfolgreich und in stetig wachsendem Maße genutzt ...
Moderne Pflanzenbiotechnologien sichern und schaffen Arbeitsplätze ...
Landwirte in Deutschland und Europa können von biotechnologischen Innovationen profitieren ...
Die Grüne Gentechnik ist eine sichere Technologie ...
Die Grüne Gentechnik leistet ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Rohstoffproduktion ...
Die Umwelt kann von der Pflanzenbiotechnologie profitieren ...
Die Wahlfreiheit für alle Verbraucher ist ein hohes Gut ...

BASF und Monsanto
Aus einer Presseinformation am 7.7.2010
Die weltweit größte Biotechnologie-Kooperation wird weiter ausgebaut. BASF und Monsanto gaben heute bekannt, dass sie die gemeinsame Entwicklung ertragreicherer und stresstoleranter Nutzpflanzen um Weizen als weitere Pflanze ausdehnen. Darüber hinaus erhöhen die Unternehmen ihre Investitionen in die Zusammenarbeit. Grund sind die erfolgreich identifizierten Ertragsgene und die kommerziellen Erwartungen. BASF und Monsanto arbeiten seit 2007 gemeinsam an Mais, Soja, Baumwolle und Raps. Ursprünglich umfasste das gemeinsame Budget ca. 1,5 Mrd. US-Dollar. Durch die neue Vereinbarung können im Laufe der Zusammenarbeit Investitionen in Höhe von über 1 Mrd. US-Dollar hinzukommen.

Die die beiden anderen deutschen Global Player der Agro-Gentechnik ist BASF an Marktanteilen und Ausbau der Einnahmemöglichkeiten interessiert. Dabei sind kurzfristige Renditeprojekte ebenso gern gesehen wie ein Ausbau der eigenen Macht durch Patente, Informationsmonopole und - im Agrarbusiness wichtig - Land. In Indien unterstützt BASF größere LandwirtInnen mit Krediten, damit diese kleinere Betriebe aufkaufen können. So schafft BASF die landwirtschaftliche Struktur, die für hohe Profite und exportorientierte Produktion von Gütern passend ist - und hat dann selbst den Daumen drauf dank Abhängigkeiten per Kreditvergabe (Quelle: "Für die indischen Sojabauern heißt der Gott BASF", in: FAZ, 24.9.2010. S. 15)

Ein merkwürdiges Verhältnis pflegt die BASF zum großen Konkurrenten Monsanto. Film und Buch „Monsanto: Mit Gift und Genen“ werfen ein seltsames Licht auf die Konkurrenzkämpfe. Denn das kritische Werk über den US-Gentechnikkonzern wurde von einem Verlag herausgegeben und beworben, in dem der wichtigste Konkurrent BASF hohen Einfluss hat: Dem Random-House (=Bertelsmann) herausgegeben. Im Aufsichtsrat der Bertelsmann AG saß BASF-Chef Jürgen Strube. Andererseits arbeiten BASF und Monsanto schon seit einigen Jahren eng zusammen und betreiben mehrere Versuchsprojekte zur Gentechnik in Deutschland: "Nach Angaben des Chemiekonzerns betrifft die Vereinbarung die weltweit wichtigsten Nutzpflanzen: Mais, Soja, Baumwolle und Raps. ... Die ersten gentechnisch veränderten Produkte aus der gemeinsamen Entwicklung sollen in der ersten Hälfte des nächsten Jahrzehnts auf dem Markt eingeführt werden." (Presseinfo BASF) Letztlich aber zeigt das nur, wie Funktionseliten in einer modernen Herrschaft agieren: Zusammen sichern sie ihre Pfründe, um die sie dann hochkonkurrent kämpfen. Insofern sind die Global Player der Branche immer Partner und Konkurrenten zur selben Zeit. Hinsichtlich der Geschäftsfelder haben Monsanto und BASF nur teilweise Überschneidungen. Der Schwerpunkt von BASF liegt sehr stark in der Produktion von gv-Pflanzen für industrielle Techniken, während Monsanto bei Futter- und Lebensmittel zu punkten versucht. Der Klassiker von BASF: Die Industriestärkekartoffel Amflora. Hunderte von Kartoffelsorten mit verschiedensten Manipulationen bringt BASF jedes Jahr in Rahmen von Freisetzungsversuchen in die Erde.

BASF profitiert von der üblichen Strategie, mit staatlichen Geldern gemästete Institute (z.B. von Universitäten, Forschungsinstituten) in kleine Firmen zu transformieren, dort Personal, Know-How und Patente zu sammeln, Kooperationen wie Joint Ventures mit Firmen zu starten und schließlich das Ganze an den Konzern zu verscherbeln. BASF besitzt die Firma SunGene (ehemals IPK in Gatersleben) und Metanomics (ehemals Max-Planck-Institut in Potsdam).

Ganz üblich ist, das sei einfach mal am Beispiel BASF erläutert, dass die BefürworterInnen der Agro-Gentechnik auch die Atomenergie lieben. Nicht alle gehen dabei so krass ab wie der InnoPlanta-Preisträger Deichmann, aber die Stringenz dieses Zusammenhangs ist schon bemerkenswert. "Wenn wir wie geplant von 2022 an kein Kernkraftwerk mehr in Betrieb haben, hat diese Republik ein Problem. Dann ist die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie nicht mehr gewährleistet", haute Vorstandschef Hambrecht am 16.8.2010 in einem Interview mit der SZ raus. Dass nach seiner Auffassung die Ablehnung der Agro-Gentechnik "mit wissenschaftlichen Fakten nicht in Einklang zu bringen ist", überrascht da ebenso wenig wie die typische Diffamierung einer Gentechnikkritik als dumm: "Bei aufgeklärten Menschen kann ich die Vorbehalte gegen die Gentechnologie nicht verstehen." Trotz dieser Eindeutigkeiten vernebeln die profitgierigen, Mensch und Umwelt dafür ausbeutenden Konzernen ihre Absichten mit schönen Worten, Preisverleihungen und allen anderen Mitteln des "green washings". BASF erhielt 2008 den deutschen Nachhaltigkeitspreis.

Der Konzern, seine Teile
Propaganda

Alles ist seicht und schön.

Aus der BASF-Schrift "Gemeinsam in eine bessere Zukunft" (S. 13)
In enger Zusammenarbeit mit einer der führenden Einzelhandelsketten Deutschlands, REWE, kümmernwir uns um optimale Anbauempfehlungen für erstklassige Erdbeeren im südspanischen Huelva.

Zuständiges Vorstandsmitglied u.a. für die Agrogentechnik war Stefan Marcinowski, ein unermüdlicher Streiter für die Gentechnik. Sein Abgang kam Ende April 2012.

Im Original: Marcinowksi zur Zukunft bei BASF ... Dieses Zitat ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus "BASF setzt auf Pflanzenschutz und Grüne Gentechnik" in: Märkische Allgemeine, 8.8.2011
BASF sieht in den kommenden Jahren sowohl im Pflanzenschutz als auch bei der grünen Gentechnik große Wachstumschancen. Im chemischen Pflanzenschutz sollen vor allem Schwellenländer den Chemiekonzern voranbringen.
"Wir erzielen heute gut 40% unseres Umsatzes im konventionellen Pflanzenschutz in Schwellenländern, also außerhalb der landwirtschaftlich hoch entwickelten Regionen Nordamerika, Westeuropa und Japan. 2015 wollen wir dort mehr als 50% des Umsatzes erzielen", kündigte Stefan Marcinowski, im BASF-Vorstand zuständig für Pflanzenschutz und Biotechnologie, im Gespräch mit Dow Jones Newswires an.
Beim Anbau genmodifizierter Produkte hat der Manager dagegen primär Nord- und Südamerika im Blick sowie ausgewählte Länder Asiens. "Dort besteht größere Bereitschaft diese Zukunftstechnologie zu akzeptieren", erklärte er. Europa spielt bei den BASF-Plänen hier nur eine untergeordnete Rolle.
Die Pflanzenschutzsparte ist der nach Umsatz kleinste Geschäftsbereich der BASF SE. 2010 steuerte sie mit 4 Mrd EUR 6,3% zu den Konzernerlösen bei. ...
Zukäufe im Pflanzenschutzgeschäft wollte der Manager nicht ausschließen. "Von unserer Strategie her würden wir das gerne machen, allerdings ist das Angebot limitiert und im Moment auch sehr teuer. Es gilt die klare Aussage, dass jede Akquisition wertsteigernd für die BASF sein muss." Das Unternehmen sei zugleich immer bestrebt, durch Lizensierungen oder Kooperationen das organisches Wachstum zu unterstützen, sagte er.
Stärkeres Wachstum als beim chemischen Pflanzenschutz erwartet Marcinowski in den kommenden Jahren im Geschäft mit genmodifiziertem Saatgut. Derzeit verdient BASF aber noch kein Geld mit der Pflanzenbiotechnologie, denn das Geschäftsfeld befindet sich noch im Aufbau. Dabei betreibt der Konzern im Unterschied zu Wettbewerbern wie Bayer, Syngenta oder Monsanto kein eigenes Saatgutgeschäft sondern vermarktet sein Wissen um die Gene in Partnerschaften, und das soll auch in Zukunft so bleiben. "Unsere Strategie setzt auf den Ausbau der Forschung, weitere Lizensierungen sowie Partnerschaften und Kooperationen. In eigenes Saatgut investieren wir nicht und planen das auch nicht für die Zukunft", sagte Marcinowski.
In den Aufbau der grünen Gentechnik hat der DAX-Konzern bereits gewaltige Summen investiert. Bisher flossen mehr als 1 Mrd EUR in die Pflanzenbiotechnologie, weitere 150 Mio EUR sollen in den kommenden Jahren jährlich dazukommen. Der Weg ist noch weit, doch es locken immense Ertragschancen. "Wir erwarten 2020 Bruttoumsätze aus unserer Pflanzenbiotechnologiepipeline von 1,9 Mrd EUR bezogen auf einen Umrechnungskurs von 1 Euro zu 1,30 Dollar", sagte Marcinowski. Dabei seien die Vertriebskosten und die Anteile der Partner allerdings noch nicht berücksichtigt. Partnerschaften unterhält BASF unter anderem mit Monsanto, KWS, der brasilianischen Embrapa und Bayer. "Die großen Kulturen wie Weizen, Mais, Soja, Reis und Raps sowie Zuckerrohr und -rübe haben wir mit unseren bestehenden Kooperationen bereits im Fokus", sagte Marcinowski. Größter Partner ist der US-Konzern Monsanto, mit dem sich BASF die Erträge 60 zu 40 teilt. Da es sich um Lizenzerlöse handelt, kann BASF aber mit einer hohen Gewinnspanne rechnen.
Mit Monsanto entwickelt BASF schwerpunktmäßig Pflanzen, die höhere Erträge liefern oder widerstandsfähiger gegen Trockenheit sind. Die wichtigsten Kulturen sind Mais und Soja. "2012 werden wir in den USA die erste Generation von Mais zur Marktreife gebracht haben, der widerstandsfähiger gegen Trockenheit ist", sagte Marcinowski. "Die Genehmigungsverfahren in den USA laufen voll im Rahmen unserer Erwartungen."
"Der trockentolerante Mais wird das erste genveränderte Produkt weltweit sein, das über diese Eigenschaft verfügt, und er wird ein wichtiger Meilenstein für uns sein", erklärte er. Einen großflächigen Anbau der Maissorte werde es aber erst geben, wenn die Importgenehmigungen für die wesentlichen Zielmärkte Europa und Asien vorlägen. Mit der Importgenehmigung für Europa rechnet Marcinowski 2013.
Beim Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen setzt BASF bei ihren mittelfristigen Erlösplanungen insbesondere auf die Regionen Nord- und Südamerika. Größere Umsätze aus Europa seien hier nicht mit einkalkuliert, sagte Marcinowski. Lediglich Lizenzerlöse aus Europa von 20 Mio bis 30 Mio EUR für die gesamte Stärkekartoffelpipeline mit der umstrittenen Stärkekartoffel Amflora seien hier berücksichtigt. Auch Asien spielt bei den Umsatz-Erwartungen nur eine untergeordnete Rolle. "Asien könnte für genmodifizierten Mais oder Soja sicher ein attraktiver Markt sein, aber unser Partner Monsanto ist dort heute noch nicht in signifikanter Weise präsent", meinte er.
Große Hoffnungen, dass in Europa künftig genmodifizierte Pflanzen großflächig angebaut werden, hat BASF offenbar nicht mehr. "Europa ist weit davon entfernt, den Widerstand gegen den Anbau von genmodifizierten Pflanzen aufzugeben. Ich habe in den letzten eineinhalb Jahren seit der Zulassung von Amflora sehr persönlich erfahren, wie stark der Widerstand ist", sagte Marcinowski. Auch aus der Politik kämen keine Signale, die eine für BASF positive Entwicklung erwarten ließen.
Nationalen Anbauzulassungen, wie von der EU geplant, steht BASF kritisch gegenüber. "Aus unserer Sicht ist das nicht der richtige Ansatz, weil dieser keine langfristige Planungssicherheit bietet und von wechselnden politischen Mehrheiten abhängig ist", sagte Marcinowski.
In Deutschland, wo der Konzern einen Großteil der Pflanzenschutz- und Saatgutforschung betreibt, setzt BASF weiter auf Dialog. Am Firmensitz im Bundesland Rheinland-Pfalz regieren mittlerweile die Grünen mit. Laut Koalitionsvertrag soll es auch in Zukunft keinen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen geben.
Die Gentechnikforschung aus Deutschland verlagern, wie etwa Bayer 2009, will BASF derzeit aber nicht. "Eines muss aber auch klar sein: Forschung ohne Anwendung ist langfristig nicht machbar. Wenn Forschung bei uns nur ohne die nötige Anwendung und ohne die Genehmigung von Freilandversuchen akzeptiert wird, dann hat auch die Forschung hierzulande keine Zukunft. Sie können das auf Dauer nicht entkoppeln," sagte der Manager. Seinen Angaben zufolge gibt BASF mittlerweile mehr als die Hälfte der Forschungsausgaben in der Pflanzenbiotechnologie außerhalb Europas aus.

Interessant ist noch der Pressesprecher der BASF-Gentechniktocherfirma Plant Science. Der heißt Thomas Deichmann und erhielt 2009 vom Lobbyverband InnoPlanta den Journalistenpreis (damals noch als NOVO-Herausgeber). Berühmt ist er für Sätze wie "Die Menschheit hat kein Recht auf einen konstanten Meeresspiegel“ (nahm er in sein Buch "Warum Angst vor grüner Gentechnik?" auf) und "Wir können unseren Kindern gerne Windräder vorenthalten, aber auf keinen Fall Kernkraftwerke." (Novo40, 5-6/1999). Kritische Informationen mag Thomas Deichmann eher nicht. Schon am 15.10.2001 wehrte er sich (damals noch NOVO-Chef) gegen die Zusendung der kritischen Zeitung "Ö-Punkte", weil "wir die Ö-Punkte nicht brauchen". Am 16.6.2002 wolte er auch kritische Pressetexte nicht mehr erhalten und schrieb an die Projektwerkstatt: "seien Sie bitte nicht so kindisch und nehmen Sie endlich novo@gmx.de aus Ihren Verteiler. Ihre Informationen sind für Novo uninteressant." Sowas scheint BASF also zu gefallen ... (mehr Zitate auf der Lobbyisten-Seite).

Die Felder von BASF in Europa und der Welt

Laut Liste der EU-Kommission befanden oder befinden sich BASF-Felder vor allem in Schweden, zudem in Belgien, Tschechien, Deutschland, Finnland, Groß Britannien, Litauen, den Niederlanden und in Irland.

Die Chemie-Konzerne BAYER und BASF beteiligten sich Ende 2012 mit millionenschweren Spenden an einer Kampagne amerikanischer Gentechnik- und Pestizid-Hersteller. Die Industrie will damit eine Initiative von Umweltverbänden zur Deklaration gentechnisch veränderter Lebensmittel stoppen.

Aus " Deutsche Gesundheits Nachrichten" am 29.3.2016
Bayer und BASF drängen auf den Gentechnik-Markt Brasilien
Die beiden deutschen Gentechnikkonzerne wollen den Umstand nutzen, dass zunehmend mehr Unkraut Resistenzen gegen Monsantos Glyphosat entwickelt hat. BASF rechnet für 2017 bereits mit einem Sprung auf bis zu zehn Prozent am Soja-Saatgutmarkt in Brasilien.

Deutsche Konzerne II: Bayer (genauer: Bayer CropScience)

Der zweite deutsche Global Player ist Bayer CropScience - die Saatgut-Konzernsparte des Leverkusener Chemiemultis. Die Sparte selbst hat schon eine illustre Vergangenheit. Der Produktionsbereich wurde immer wieder ge- und verkauft - von einem großen Unternehmen zum anderen. Und in der Hand eines der Vor-Vor-Besitzer war CropScience schon einmal in Mittelhessen aktiv. Damals hieß das Ganze noch AgrEvo, gehörte Schering und Hoechst. Später, als der Gentechnikbereich zu Aventis gehörte und dort CropScience hieß, produzierte er eine der größten Pannen der bisherigen Agro-Gentechnik - den StarLink-Mais. Der tauchte, obwohl nur als Futtermittel zugelassen, plötzlich in Backwaren auf. Die Rückrufaktion war teuer - Zeit für einen Verkauf der Sparte: An Bayer.

AgrEvo - einer der ersten in Deutschland

Es begann mit Petunien, dann kamen die Versuche von Monsanto, KWS und einer Firma namens AgrEvo. Das war ein Joint Venture von Hoechst und Schering - beides Firmen, die inzwischen längst von anderen geschluckt worden sind. Von Anfang an trat AgrEvo polemisch und mit schönen Versprechungen öffentlich auf. Der Genuss genmanipulierter Lebensmittel sei "völlig unbedenklich", wusste AgrEvo-Sprecher Waitz schon 1996. Er war gegen eine Kennzeichnung und behauptete, DNA bleibe "in der eigenen Pflanzenart". Der Einzug der Agro-Gentechnik sei ohnehin nicht mehr aufzuhalten. AgrEvo säte den gentechnisch veränderten Mais auf dem stark umkämpften Acker des damals gentechnikbefürwortenden Landwirts Gottfried Glöckner in Melbach (Wetterau). Die Türme der BesetzerInnen waren in den 90er Jahren ein wichtiges Symbol des Protestes gegen die macht- und profitbringende Technik.

Im Original: AgrEvo ... Dieses Zitat ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus einem Interview mit Dr. Gerhard Waitz von der Firma AgrEvo, in: Stern Nr. 37/1996 (S. 164)
Frage: Ist der Genuß genmanipulierter Lebensmittel gesundheitlich unbedenklich?
Völlig unbedenklich, denn außer den sowieso für Lebensmittel geltenden Vorschriften sind für gentechnisch veränderte Produkte zusätzliche Prüfverfahren festgeschrieben.
Sollen gentechnisch veränderte Lebensmittel gekennzeichnet werden?
Nicht grundsätzlich, sondern nur dann, wenn sich ihre Zusammensetzung deutlich von den traditionellen Lebensmitteln unterscheidet, wie etwa bei der haltbaren Tomate.
Besteht die Gefahr, daß sich genmanipuliertes Erbmaterial unkontrolliert ausbreitet?
Genmaterial kann sich immer ausbreiten, es bleibt aber in der eigenen Pflanzenart. Die Risiken sind bei gentechnisch veränderten Pflanzen nicht höher als bei herkömmlich gezüchteten Arten.
Ist der Einzug der Gentechnologie in der Landwirtschaft noch aufzuhalten?
Nein. In den USA werden schon jetzt auf über zwei Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Voraussichtlich 1998 wird auch in Deutschland genveränderter Mais als Nutzpflanze ausgesät.

1999 fusionierte Hoechst mit Rhône-Poulenc zu Aventis. Das neue Unternehmen führte Agrevo mit der Agro-Sparte von Rhône-Poulenc zum neuen Unternehmen Aventis CropScience zusammen und siedelte den Unternehmenssitz in Lyon an. Der Standort Berlin wurde geschlossen. Aventis war unter anderem Hersteller von Herbiziden, Insektiziden und Fungiziden. Später stieg das Unternehmen in die Biotechnologie ein. Die transgene Maissorte StarLink stammte von Aventis. Der Konzern musste hohe Schadenersatzsummen für die unzulässige Einmischung dieses gv-Maises in andere Maissorten zahlen.
2002 verkauften Aventis und Schering, die noch mit 24 Prozent an der Aventis CropScience beteiligt waren, deshalb ihr gemeinsames Unternehmen an Bayer. Aventis kehrte sich damit vom Life-Science-Konzept ab und konzentrierte sich auf die Pharmaaktivitäten. Die Aventis CropScience wurde als Bayer CropScience in den Bayer-Konzern eingegliedert. Die Produktionsanlagen der ehemaligen Agrevo im Industriepark Höchst sowie im Chemiepark Knapsack bestehen weiterhin. (Quelle: Wikipedia)


Aus der Bayer-Gartenfibel 2012: Auch Bayer setzt den Roundup-Wirkstoff Glyphosat ein!

Im Original: Bayer für Kinder: Frühe Gehirnwäsche ... Dieses Zitat ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden

Bayer-Memory für Kinder - bis zum Umdecken nur Werbung angucken (aus Bayers Mal- und Bastelbuch "Tierisch gut drauf"!)


Simple Botschaften auch in der übrigen Firmenwelt (aus Bayers Zeitung für Kinder "AgrarKIDS")

Der Firma Bayer steht mit der Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) eine Protestorganisation gegenüber, die seit vielen Jahren Aktionen organisiert und die Praxis industrieller Produktion und ellbogenförmiger Durchsetzung dokumentiert. Deremb Berichte ermöglichten einen guten Einblick auch in das Geschehen zur Agro-Gentechnik und reichten von verzweifelten Bemühungen, sich ausbreitenden gv-Raps zu bekämpfen, der versehentlichen Ausbringung verunreinigter Saat "auf 15 Feldern mit konventionellem Raps" bis zu gebrochenen Versprechungen und immer neuen Firmenübernahmen oder Joint Ventures.

Im Original: Kritische Texte zu Bayer ... Dieses Zitat ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus dem "Ticker" der Coordination gegen Bayer-Gefahren (Beilage zur Stichwort Bayer, Zeitschrift der CBG)
Im Jahre 1995 hatte die seit 2002 zu BAYER gehörende Firma PLANT GENETIC SYSTEMS in einem Freilandversuch Gentech-Rapspflanzen getestet, die gegen das Herbizid LIBERTY mit dem Wirkstoff Glufosinat oder andere Substanzen resistent sind. Nach Beendigung des Testlaufs besprühten die ForscherInnen das Feld mit Gift, pflügten es jedes Jahr um, pflanzten Weizen oder Gerste an und kappten rigoros jeden Halm, der sich wieder zeigen wollte. Aber es nützte alles nichts. WissenschaftlerInnen der schwedischen Lund-Universität und der TU Dänemark fanden 2005 noch 38 Rapspflanzen, davon 15 Glufosinat-resistente, die aller Unbill getrotzt hatten. Nach Meinung von Tina D'Hertefeldt, einer der Autorinnen der 2008 in der Zeitschrift biology letters veröffentlichen Studie, sind die Laborfrüchte unkaputtbar: Sie machen sich bis zum Ende aller Tage nicht mehr vom Acker. ... Bei BAYERs Freilandversuchen in Belgien hat sich ein "Betriebsunfall" ereignet. Auf 15 Feldern mit konventionellem Raps hat der Agroriese eine in Europa nicht zugelassene gentechnisch veränderte Sorte mit ausgesät. Fünf Prozent des Rapses ist verunreinigt. Als Ursache führt der Multi "menschliches Versagen" an. (2/2008, S. 10)
Nachdem die EU-LandwirtschaftsministerInnen sich nicht darauf einigen konnten, BAYERs Gensoja eine Importgenehmigung zu erteilen, landete die Entscheidung bei der traditionell gentechnik-freundlichen Brüsseler Kommission. Sie gab dann auch prompt grünes Licht für die gegen das Herbizid LIBERTY mit dem Wirkstoff Glufosinat resistente Sorte. Dass BAYER-Reis der gleichen Bauart vor zwei Jahren für den größten Gen-GAU der jüngeren Geschichte gesorgt hatte und sich - obwohl noch gar nicht zugelassen - in Proben von Supermarkt-Reis widerfand, hat die PolitikerInnen dabei ebenso wenig gestört wie die niedrigeren Erträge von gentechnisch manipuliertem Soja ... BAYER hat Südafrika zum Versuchsfeld für seine Gentech-Pflanzen auserkoren. ... Japan hingegen erlegt den GenköchInnen diese Einschränkungen nicht auf, und eben dort hat BAYER jetzt ein Patent zur Erzeugung von Stammzellen angemeldet, das ein weites Spektrum aufweist. (3/2008, S. 10)
Im Jahr 2004 hatte BAYER noch das Versprechen abgegeben, keine Testes mit gentechnisch veränderten Pflanzen in Indien durchzuführen. Dieses hat der Leverkusener Multi jetzt gebrochen. ... BAYER hat aus dem Akzeptanz-Problem gelernt und will nun in die Pflanzen besser vermarktbare Eigenschaften einbauen. ... (4/2008, S. 10)
USA: LL-Soja kommt ... EU: T45-Raps kommt ... Brasilien genehmigt Gen-Baumwolle ... BAYER&Co. wollen laxere Grenzwerte ... Biotech-Produkte sorgen bei BAYER CropScience bisher für zehn Prozent des Umsatzes. Die Landwirtschaftssparte des Leverkusener Multis will den Anteil jedoch erhöhen und investiert 750 Millionen Euro in entsprechende Forschungsvorhaben. (1/2009, S. 10)
Mexiko gibt der "grünen Gentechnik" grünes Licht und genehmigt Freisetzungsversuche. ... Genmais kann das Immunsystem schädigen. Zu diesem Ergebnis kam eine italienische FoscherInnen-Gruppe bei einem Fütterungsversuch. ... Der Leverkusener Multi will seinen Hybridreis, dessen sterile Samen die LandwirtInnen nicht zur Wiederaussaat verwenden können, künftig mit ertragssteigernden Genen aus dem Hause EVOGENE bestücken. (2/2009, S. 10)
Im letzten Jahr hat BAYERs Saatgut-Beizmittel PONCHO in Süddeutschland ein verheerendes Bienensterben ausgelöst (3/2009, S. 7) ... Das Pestizid Glyphosat, das in den BAYER-Mitteln GLYPHOS, KEEPER und USTINEX enthalten ist, hat es in sich. Der Wirkstoff, den der Konzern ab 2010 auch in Kombination mit seiner gentechnisch gegen die Substanz resistent gemachten "GlyTol"-Baumwolle anbieten will, kann nämlich menschliche Zellen schädigen. ... Mehr Kooperation mit Monsanto ... Der US-amerikanische Agro-Riese darf laut Vertrag BAYERs LIBERTY-Resistenzen zusätzlich zum Bt- oder Glyphosat-Gen in seine Raps- oder Soja-Kreationen einbauen und der Leverkusener Multi im Gegenzug auf MONSANTO-Entwicklungen zurückgreifen. (3/2009, S. 8) ... Barack Obama hat einige Schlüsselpositionen an Personen mit guten Kontakten zu den Gentech-Multis vergeben. ... Pestizide von BAYER und anderen Herstellern stellen eine Landplage für Bienen dar und sorgen regelmäßig für Sterbewellen. Da gilt es, sich des Wohlverhaltens der BienenzüchterInnen-Vebände zu versichern. In England tut BAYER das durch regelmäßige Spenden. So erhält die "British Bee Keepers Association" jährlich 17.000 Pfund und zeichnet die Ackergifte des Konzerns dafür im Gegenzug mit ihren Gütesiegeln aus. (2-3/2010, S. 8) ... Entgegen den Behauptungen von BAYER & Co. senkt die grüne Gentechnik den Pestizid-Verbrauch nicht. Das ergab eine Studie von Carles Benbrook, einem ehemaligen Mitarbeiter des US-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums. Benbrook zufolge hat sich die verwendete Gift-Menge seit der Markteinführung gentechnisch manipulierter Pflanzen um 145.000 Tonnen erhöht. Die Wirksamkeit der Substanzen, welche die Hersteller gemeinsam mit den gegen sie resistenten Ackerfrüchten vermarkten, hat über die Jahre erheblich nachgelassen, weshalb die LandwirtInnen nach den Beobachtungen des Experten zusätzlich zu anderen Mitteln greifen müssen. Im Jahr 2008 brachten sie 28 Prozent mehr Agro-Chemikalien aus als ihre nicht auf die grüne Gentechnik setzenden KollegInnen. ... Der Agrosprit-Boom nimmt immer mehr Ackerflächen in Anspruch und verdrängt so die Kulturpflanzen von den Feldern. BAYER profitiert seit längerem von der Situation. So bietet der Agro-Riese den Biosprit-Baronen mit dem Gentech-Raps INVIGOR maßgeschneiderte, besonders viel Öl produzierende Pflanzen an. (2-3/2010, S. 10)

Aus Hartmann, Kathrin (2009): "Ende der Märchenstunde" (S. 178)
Arme Länder, die etwa günstige Generika von Aids-, Krebs- oder Malariamedikamenten entwickeln wollen, um eben diese Krankheiten kostengünstig bekämpfen zu können, müssen mit hohen Strafen oder Verboten seitens der Pharmamultis rechnen. So verklagte der weltgrößte Chemiekonzern Bayer zusammen mit 38 anderen Pharmakonzernen im Frühjahr 2001 die südafrikanische Regierung wegen Verletzung des Patentrechts: Das Kabinett hatte 1997 ein Gesetz erlassen, das die Behandlung von Aids-Patienten mit einem solchen günstigen Generikum erlaubte. Diese Klage ließen die Konzerne allerdings fallen, weil sie einen Imageschaden durch den massiven Protest von Menschenrechtsgruppen fürchteten. Im Februar 2009 wiederum verklagte Bayer die indischen Behörden, die einem preiswerten Nachahmerprodukt des Bayer-Krebsmittels Nexavar die Zulassung erteilt hatten.
»Unsere technische und wirtschaftliche Kompetenz ist für uns mit der Verantwortung verbunden, zum Nutzen der Menschen zu arbeiten, uns sozial zu engagieren und einen nachhaltigen Beitrag für eine dauerhafte und umweltgerechte Entwicklung zu leisten. Denn Ökonomie, Ökologie und soziales Engagement sind für uns gleichrangige Ziele innerhalb unserer Unternehmenspolitik.« Das steht unter dem Stichwort »Verantwortung« auf der Bayer-Seite. Das Versprechen ist keinen Tropfen der Internettinte wert, mit der es
auf die Homepage von Bayer geschrieben ist. Denn die Liste der Vorwürfe gegen den Weltkonzern (Import von Rohstoffen aus Kriegsgebieten, Mitschuld an Kriegsverbrechen, Finanzierung von Medikamentenversuchen, Handel mit HIV-verseuchten Blutkonserven, Vertrieb gefährlicher Pflanzengifte, Ausbeutung von Arbeitern und Kinderarbeit bei Rohstofflieferanten, Umweltvergehen und Medikamentenskandale mit Todesfolge, Verstöße gegen das Kartellrecht, illegaler Anbau genmanipulierter Pflanzen und so weiter und so weiter) ist so lang, dass sie Bücher füllen könnte. Seit dreißig Jahren kämpft etwa die NGO »Coordination gegen BayerGefahren« nur gegen die Machenschaften dieses einen Konzerns.
Bayer rühmte sich 2006 dafür, in den vergangenen fünfzehn Jahren seine CO2-Emissionen freiwillig um 70 Prozent verringert zu haben. Die Coordination gegen Bayer-Gefahren fand jedoch heraus, dass diese große Zahl nur buchhalterischen Tricks geschuldet sei: Hatte Bayer im Jahr 1992 noch 83 Prozent des Energiebedarfs selbst erzeugt, so habe das Unternehmen in der Folge die Energiegewinnung auf externe Lieferanten ausgelagert. Im Unternehmensbericht habe Bayer diese einfach unterschlagen.
2007 stellte Bayer sein »Bayer Climate Program« vor - darin war dann nur noch von 36 Prozent Einsparung in fünfzehn Jahren die Rede .226 Derzeit plant Bayer zusammen mit dem Energieversorger Trianel ein überdimensioniertes Kohlekraftwerk für das Werk in Krefeld, das Jährlich 4,4 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre blasen würde.
In der CSR-Abtellung hingegen brüstet sich das Unternehmen, das 32,4 Milliarden Euro jährlich umsetzt, damit, bis 2010 eine Milliarde Euro in Klimaschutzprojekte investieren zu wollen, und macht sich angeblich für den weltweiten Zugang zu Medikamenten und für den Erhalt der Bio-Diversität stark. Das Klimaprogramm des Konzerns wurde im Juni 2009 mit dem European Risk Management Award in der Kategorie Best Environmental Initiative ausgezeichnet.
Und in Indien hat Bayer unter dem Motto »Hilfe für die Schwächsten« gleich mehrere Wohltätigkeitsprojekte laufen: »Die Initiative >Voice< widmet sich der Ausbildung von Straßenkindern, >Anand Ashram< versorgt Waisen oder ausgesetzte Kinder mit dem Nötigsten, >Mobile Creches< hält Krippenplätze für die Kinder berufstätiger Mütter aus den Slums bereit. Mit großem Einsatz unterstützte Bayer den Kampf gegen die Kinderlähmung (>Pulse Polio<). In der Nachbarschaft der Produktionsstätten in Thane initiierte Bayer zudem in Zusammenarbeit mir mehreren Schulen ein Programm zur Förderung der Naturwissenschaften. In der Region Andhra Pradesh wird mit dem Projekt >Learning for Life< Kindern der Schuleinstieg ermöglicht. « Nachweislich bis 2006 aber hatte die Bayer-Tochter Proagro geschätzt 500 Kinder auf ihren Baumwollfeldern in Indien arbeiten lassen.

Die Firmenlinie von AgrEvo über Aventis bis zu Bayer CropScience ist gespickt von Pannen. Der StarLink-Mais ist der erste berühmte Fall dieser Serie. Schlamperei und Geheimniskrämerei führen zu einer erheblichen Verunreinigung in Lebensmitteln und beim Saatgut. Der Schaden ist enorm, Aventis stößt die gv-Saatgutsparte am Ende ab. Käufer: Bayer.

Im Original: StarLink-Mais der Firma Aventis ... Dieses Zitat ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der Chronologie des StarLink-Skandals
8. August 1997: Die amerikanische Firma PGS (Plant Genetic Systems) beantragt die Registrierung des StarLink-Maises bei der EPA (amerikanische Umweltschutzbehörde).
10. April 1998: Die EPA erteilt eine vorrübergehende Genehmigung für StarLink (die inzwischen im Besitz von Aventis ist). Die Genehmigung ist ausschließlich auf die Verwendung von StarLink als Tierfutter oder für industrielle Zwecke (z.B. für die Herstellung von Alkohol) beschränkt.
17. August 1998: Die EPA gewährt PGS die Zulassung von StarLink - aber nur als Unkrautvernichtungsmittel (!), wobei die kommerzielle Nutzung des Maises ausschließlich für Tierfutter gestattet ist. Mit der Registrierung verpflichtet sich Aventis, sicherzustellen, dass bei der Produktion kein StarLink in die menschliche Nahrungskette gelangt. ...
18. September 2000: Ein Zusammenschluss von Gesundheits-, Verbraucher- und Umweltverbänden (=Genetically Engineered Food Alert) verkündet, dass in den Kraft-Tacohüllen, die unter der Marke "Taco Bell" im Handel vertrieben werden, StarLink gefunden wurde.
27. September 2000: Aventis erklärt, dass sie den Verkauf von StarLink-Saatgut einstellen werde. Zwei Tage später verkündet das amerikanische Landwirtschaftsdezernat (USDA), dass die StarLink-Bestände der Bauern zurückgekauft werden. Die Entschädigung soll von Aventis übernommen werden.
2. Oktober 2000: Eine Woche, nachdem Kraft freiwillig sein Produkt "Taco Bell" zurückruft, ordnet die zuständige Behörde für Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) einen Rückruf der Stufe "II" der Taco-Hüllen an.
11. Oktober 2000: GE Food Alert verkündet, dass auch die Tacohüllen der Safeway-Supermärkte StarLink enthalten. ...
21. Oktober 2000: Kellogg`s bestätigt Presseberichte, nach denen sie gezwungen wurden, die Produktion in ihrer Anlage in Memphis wegen des Verdachts von Kontamination durch StarLink einzustellen. ...
28. Oktober 2000: Landwirtschaftsexperten aus Iowa schätzen, dass allein in ihrem Bundesstaat mindestens 25 Millionen Tonnen Mais, nahezu die Hälfte der Gesamternte 2000, StarLink enthalten. Aventis hatte bei der Rückkaufaktion nur mit insgesamt ca. 600 Millionen Tonnen gerechnet.
30. Oktober 2000: Die EPA verkündet, dass sich 14 Personen nach dem Verzehr von Produkten, die StarLink enthalten hatten, bei den Bundesbehörden über negative Reaktionen beschwert haben.
31. Oktober 2000: Aventis gibt zu, dass bereits experimenteller Anbau von StarLink-Mais in anderen Ländern durchgeführt wurde, weigert sich aber, genauere Angaben zu machen, wo.
1. März 2001: Die USDA macht öffentlich, dass StarLink in "Nicht-StarLink"-Saatgut gefunden wurde, das für den Verkauf im Jahr 2001 bestimmt war.
21. März 2001: Aventis erklärt, dass StarLink nie wieder gänzlich aus der Nahrung verschwinden wird.
09. Juni 2001: Aventis kündigt an, dass sie Aventis CropScience verkaufen wollen.
30. Oktober 2001: Die Firma Bayer verkündet, dass sie Aventis CropScience kaufen werden. Die StarLink-Technologie und jegliche Haftung im Zusammenhang mit StarLink verbleiben bei Aventis.
10. Juni 2001: Die bolivianische Bürgerorganisation "Forum für Umwelt und Entwicklung" (FOBOMADE) veröffentlicht, dass StarLink-Mais in Lebensmittelhilfen der USA (USAID) nachgewiesen wurde.

Wikipedia zu transgenem Mais
StarLink war eine auf die USA beschränkte Bt-Mais-Variante von Aventis CropScience. Die kommerzielle Nutzung des Saatguts wurde von den US-Behörden nur mit der Auflage gestattet, dass keine für den menschlichen Verzehr bestimmten Produkte daraus entstehen dürften, da ein in StarLink eingefügtes Protein möglicherweise Allergien hervorrufen könnte. Als StarLink-Mais im Herbst 2000 dann doch in Nahrungsmitteln nachgewiesen wurde, entwickelte sich ein PR-Desaster für Aventis, das schließlich zur kompletten Einstellung des Verkaufs von StarLink-Saatgut führte. In späteren Untersuchungen konnte eine allergene Wirkung nicht bestätigt werden. (als Quelle für die letzte Aussage wird unüberprüft die Propagandaplattform TransGen angegeben).

Information auf der Einkaufsnetz-Internetseite
StarLink-Mais in den USA gerät in Nahrungsmittel
Die Befürchtung, dass die Gentechnik bei großflächigem Anbau außer Kontrolle gerät, hat sich bereits vielfach bestätigt: In den USA mussten Lebensmittel in großem Umfang aus dem Verkehr gezogen werden, weil sie möglicherweise Allergie auslösende Stoffe enthielten.
Obwohl der genmanipulierte "StarLink"-Mais nur eine beschränkte Zulassung für Tierfutter hatte, wurde er in Nahrungsmitteln gefunden. Die Firma Aventis, heute eine Bayer-Tochter, wurde nur mit der Auflage zugelassen, den Mais nicht in die menschliche Nahrung gelangen zu lassen. Dies passierte trotz spezieller Sicherheitsmaßnahmen.
Sogar Saatgut anderer Maissorten war verunreinigt. Das heißt, auch bei der Produktion von Saatgut breitete sich das "StarLink"-Gen unbemerkt aus. Aventis-Geschäftsführer John Wichtrich glaubt, das StarLink-Problem sei nie aus der Welt zu schaffen. Die Staatsgrenzen der USA waren keine Hürde für das bedenkliche Gen, es wurde sogar in Exportware für Asien gefunden.

Unter dem neuen Namen Bayer CropScience kam es 2006 zu einem ganz ähnlichen Fall, diesmal mit Reis. Hinsichtlich der Konsequenzen für die Auskreuzungs- und Koexistenzdebatte war der Ablauf noch dramatischer, denn hier handelte es sich um einen Selbstbestäuber, der nur auf Versuchsfeldern angebaut wurde. Dennoch gelangten gv-Bestandteile weltweit in Ladenregale. Der Fall des LL601-Reis ist deshalb Fallbeispiel im Kapitel zur Koexistenz(lüge).

Besonders an Bayer ist, dass der Konzern in Deutschland keine Versuchsfelder betreibt (jedenfalls keine offiziellen). Offenbar fürchtet Bayer die öffentliche Kritik und ist deshalb lieber z.B. in Nordamerika aktiv. Konkurrenzkampf bei gemeinsamer politischer Interessenvertretung ist aber auch bei Bayer prägendes Element im Verhältnis zu anderen Agrar- und Saatgutkonzernen. So könnte die Firma Nutznießer von Monsantos Problemen mit "Superunkräutern" werden, die gegen Glyphosat resistent werden und dann in den bislang totgespritzen Roundup-Ready-Äckern heranwachsen. Bayer stellt mit Liberty Link ein fast identisches Produkt und will Monsanto nun die Marktanteile in den USA abjagen (Inkota, 11.2.2010). Nachdenken darüber, ob vielleicht ein Fehler im System vorliegt, fällt wieder einmal aus. Die Konzerne verdienen auch noch am selbstproduzierten Desaster!

2013 veröffentlichte die Coordination gegen Bayer-Gefahren eine Liste, welche Konzerne wieviele Pflanzenpatente beim Europäischen Patentamt halten. Und siehe da: Bayer war auf Platz 1 (Monsanto nur auf Nr. 5).

Im Original: Geheime Partnerschaft: Uni Köln und Bayer... Dieses Zitat ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Text von Bernd Krämer aus der Coordination gegen Bayer-Gefahren vom 22.8.2011
Die Uni Köln hält einen Vertrag mit dem Pharmakonzern unter Verschluss. Dem Landesdatenschutzbeauftragten passt das nicht. Jetzt landet der Fall vor Gericht.
So viel Geheimniskrämerei ist ungewöhnlich: Erkundigt man sich beim Pharmariesen Bayer nach der Kooperation mit der Universität Köln, schweigt die Pressesprecherin sekundenlang ins Telefon, ehe sie sagt, dass sie nichts sagt. Je konkreter die Nachfragen, desto "alberner" findet sie sie. Sie muss sich erst mit dem Rektor absprechen, dann sagt sie: nichts.
Das industriekritische Bündnis "Coordination gegen Bayer-Gefahren" hat darum nun Klage auf Offenlegung des 28-seitigen Abkommens zwischen Universität und Pharmakonzern eingereicht. Es könnte ein Präzedenzfall werden, was die Zusammenarbeit von Hochschulen und Wirtschaft anbetrifft. Das Gericht hat die Universität und Bayer zu einer Stellungnahme bis Mitte Oktober aufgefordert.
Im März 2008 hatte die Kölner Universität mit dem Bayer-Konzern eine"präferierte Partnerschaft" vereinbart, wonach beide bei der Entwicklung neuer Medikamente vorrangig zusammenarbeiten. Auch ein Graduiertenkolleg für Doktoranden wurde mithilfe von Bayer eingerichtet. Der damalige Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) freute sich über eine Zusammenarbeit, die "beide Seiten stärkt": Diese Kooperation sei "die weitreichendste, die eine nordrhein-westfälische Universitätsklinik bislang eingegangen ist".
Wie weit die Zusammenarbeit konkret reicht, ist allerdings unklar. Die Universität hatte in einem Schreiben an das bayer-kritische Bündnis zwar eingeräumt, dass wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Kooperation erst nach "wechselseitiger Unterrichtung" publiziert werden. Bei der Entwicklung neuer Medikamente sehe der Vertrag eine "angemessene Vergütung" der Universität vor. "Auf die eigentlich kritischen Punkte gab es allerdings auf unsere Rückfragen keine Antwort", sagt Philipp Mimkes vom Vorstand der"Coordination gegen Bayer-Gefahren". Völlig offen bleibe etwa, wer die Verwertungsrechte an den Arzneien habe und wie die Vergütung genau geregelt sei. Mimkes Verdacht: Ein privater Pharmakonzern könnte hier eine staatliche Hochschule als billige Entwicklungsabteilung missbrauchen.

Datenschützer kann nur appellieren
Rückendeckung bekommen hat das Bündnis vom nordrhein-westfälischen Landesbeauftragten für Datenschutz, Ulrich Lepper, der Einblick in das Abkommen nehmen konnte und die Uni ebenfalls zur Veröffentlichung auffordert. Das Informationsfreiheitsgesetz des Landes NRW, über dessen Einhaltung Lepper wacht, sieht vor, dass Dokumente öffentlicher Stellen grundsätzlich zugänglich sein müssen. Die Universität beruft sich allerdings auf eine Ausnahmereglung, wonach Forschungsvorhaben nicht offengelegt werden müssen, um die Freiheit der Wissenschaft zu wahren.
"Eine Veröffentlichung von konkreten Forschungsthemen und Projekten wäre problematisch", sagt auch Lepper. Doch sei "in dem Vertrag nichts davon zu erkennen." Dieser regle vor allem Organisatorisches. "Dass die Universität hier mit der Wissenschaftsfreiheit argumentiert, überzeugt mich nicht."
Das Problem: Lepper kann allenfalls appellieren. Mimkes von den Bayer-Kritikern nennt es "unbefriedigend", dass die Landesregierung sich an Leppers Votum "nicht halten muss". Dem Bündnis bleibt daher nur der Klageweg. Für den Prozess vor dem Kölner Verwaltungsgericht haben Universität und Bayer aufgerüstet, was sich laut Mimkes darin zeigt, dass sich beide von renommierten Großkanzleien vertreten lassen. Der Bayer-Konzern wurde vom Gericht beigeladen und kann deswegen zu jedem Verfahrensschritt Stellung nehmen. "Die hängen das sehr hoch", sagt Mimkes."Wir schätzen, dass Bayer die Universität dazu drängen wird, die Sache bis zur letzten Instanz auszufechten." Von Bayer selbst heißt es dazu wenig überraschend: kein Kommentar.

Kommentar: Die Uni Köln glaubt, der Öffentlichkeit nichts schuldig zu sein: Ohne die geringste Transparenz
Die Kölner Universität schließt eine Kooperation mit dem Pharmariesen Bayer - und hält den Vertrag partout unter Verschluss. Das Erschütternde an diesem Fall ist, dass seit Jahren sämtliche Appelle an der Universität abprallen und sie es konsequent auf eine Klage hat ankommen lassen.
Diese Sturheit offenbart ein verqueres Selbstverständnis einer öffentlichen Institution, die der Öffentlichkeit nichts schuldig zu sein glaubt. Die Loyalität zu Kooperationspartnern aus der Wirtschaft wiegt offenbar höher als die gegenüber der Allgemeinheit, die die Hochschulen mit Steuergeldern finanziert. Dieses Verhalten ist grundfalsch.
Das gilt umso mehr, da die Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft seit Jahren zunehmen. Deutschlandweit gibt es beispielsweise weit über 600 sogenannter Stiftungsprofessuren, die von Unternehmen oder Verbänden auf Zeit finanziert werden. Vor zehn Jahren waren es erst halb so viele. Der Einfluss der Geldgeber auf Forschung und Lehre ist dabei mal größer, mal kleiner - nur wirklich unabhängig wird eine gesponserte Wissenschaft allen Bekenntnissen zum Trotz wohl nie sein.
Deswegen sollten zumindest die Rahmenbedingungen solcher Kooperationen einsehbar sein, ein Minimum an Transparenz, das sogar der wirtschaftsnahe Stifterverband empfiehlt. Man würde gerne von der Kölner Uni wissen: Was passiert mit Forschungsergebnissen, die nicht im Geschäftsinteresse Bayers liegen? Wer verdient wie viel an gemeinsam entwickelten Arzneien? Und wie groß ist die Gefahr, dass sich Universitätsmediziner zu sehr der Entwicklung marktgängiger, aber unnützer Medikamente widmen statt aussichtsreicher Grundlagenforschung? Die Geheimniskrämerei lässt Schlimmes vermuten.

Rechts und unten: Ein ganzer Stadtteil im Besitz des Konzerns? Titel und Seite 1 einer Broschüre aus Berlin

Versteckte Forschung und Entwicklung

Bayer tritt selbst kaum offen auf mit seiner Gentechnik in Deutschland. Neu war im Dezember 2011 die Übernahme des maroden Bioparks von Gatersleben. Der Konzern Bayer CropScience "schluckte" den katholisch erbauten Gründerorts für Gentechnik-Kleinfirmen und baut nun dort sein Weizenzuchtzentrum auf (aus: MZ, 1.12.2011).

Außerdem kooperiert Bayer mit Universitäten - und lässt sich dabei nicht gern in die Karten schauen. Denn Unis unterliegen den Gesetzen zur Offenlegung von Akten.

Aus "Streit um den Geheimvertrag", in: taz, 9.1.2012 (Infos zur Klage der CBG)
Die Uni Köln will ihren Vertrag mit dem Bayer-Konzern unter Verschluss halten. Der Fall liegt jetzt beim Verwaltungsgericht Köln. Doch dem Pharmariesen passt das nicht.
Der Pharmariese Bayer fährt schwere Geschütze auf. Das industriekritische Bündnis Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) hatte die Universität Köln vergeblich aufgefordert, ihren Kooperationsvertrag mit dem Konzern öffentlich zu machen.
Bündnis-Vorstand Philipp Mimkes reichte darum Klage beim Kölner Verwaltungsgericht ein - und berief sich dabei auf das Informationsfreiheitsgesetz des Landes NRW, das den Zugang zu Dokumenten öffentlicher Stellen regelt. Doch Bayer stellt nun die Rechtmäßigkeit dieses Verfahrens in Frage.
Der Konzern verweist auf einen Passus im Gesetz, wonach nur Privatpersonen, aber keine Vereine Anträge auf Offenlegung stellen dürften. Die Anwälte des Konzerns argumentieren nun, der Kläger Mimkes werde "lediglich vorgeschoben, um an die begehrten Informationen zu gelangen", wie es in einem Schreiben an das Gericht heißt.
Der Landesdatenschutzbeauftragte Ulrich Lepper, der die Uni ebenfalls zur Offenlegung des Vertrags aufgefordert hatte, zeigt sich über diese Logik verwundert: "Dem Informationsanspruch einer Einzelperson kann nicht entgegenstehen, dass sie in einer bestimmten Organisation tätig ist", sagte seine Sprecherin der taz.

Bayer in den Seilschaften

Natürlich ist auch Bayer in den deutschen Gentechnik-Seilschaften gut vertreten - wenn auch nicht ganz so intensiv wie die Konkurrenten KWS, Monsanto und BASF. Doch bei InnoPlanta, FNL, JKI und anderen sitzt Bayer überall da, wo BASF auch ein Pöstchen hat.

Im Original: Bayer-Kritik zensiert ... Dieses Zitat ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Wenn Staatsanwälte auftauchen ...
Aus einem Bericht über den Holzschutzmittelskandal bei der Bayer-Tochter Desowag
"Noch heute abend treffe ich in Bonn den Schäuble. Dann sind Sie erledigt!" Mit diesen Worten drohte der BAYER-Justitiar dem Staatsanwalt, als dieser beim Mutterkonzern der DESOWAG eine Hausdurchsuchung vornahm. Erledigt ist für Schöndorf bald darauf wirklich etwas: Das Beschwerdegericht untersagt ihm eine Einsicht in die sichergestellten Akten. Leichtes Spiel hatte die DESOWAG auch mit dem Bundesgesundheitsamt. Sie stellte der Behörde 240.000 Mark für eine Holzgifte-Studie zur Verfügung, die diese mit einem Tarnnamen versah, um den Industrie-Einfluss zu kaschieren. Öffentliche Aussagen zum Thema "Holzgifte" stimmte man bis ins Detail miteinander ab. Wie gefügig das BGA war, das eigentlich nur der Gesundheit der BürgerInnen verpflichtet sein sollte, dokumentieren Firmen-Unterlagen, auf denen es lapidar heißt, man müsse bei den Berliner Gesundheitsbürokraten in Sachen Lindan "die Weichen stellen".

An der Schule ...

Aus einer Mail der Coordination gegen Bayer-Gefahren am 10.9.2010 (ausführlicher Bericht hier)
100-Jahrfeier des Hildener Helmholtz-Gymnasiums: Kritische Beiträge aus Festschrift gestrichen
10. Sept. - Am morgigen Samstag findet in der Hildener Stadthalle die Jubiläumsfeier zum 100. Geburtstag des Helmholtz-Gymnasiums statt. Die Gala wird von ARD-Moderator Sven Lorig moderiert. Zu diesem Anlass erscheint auch eine etwa 100 Seiten starke Festschrift zur Geschichte der Schule. Dr. Walther Enßlin, jahrzehntelang Leiter der vielfach ausgezeichneten Chemie AG des Helmholtz-Gymnasiums, wurde gebeten, hierfür einige Beiträge zu verfassen.
Der Schulleiter Karl-Heinz Rädisch entschied jedoch, drei kritische Texte nicht in die Festschrift aufzunehmen, da er die Vertreter der Stadt nicht verärgern wolle. In den nicht gedruckten Beiträgen geht es u.a. um die Aushorchung der Schule durch den Werkschutz der Bayer AG sowie um die unrühmliche Rolle der Stadt Hilden bei der Asbestsanierung der Schule. Rädischs Vorgänger Bodo Wernicke hingegen befürwortet einen Abdruck.
Dr. Walther Enßlin: „Die Entscheidung der Schulleitung, kritische Bereiche der Schul-Geschichte in der Festschrift auszuklammern, ist enttäuschend. Mir geht es nicht um den Ruhm der Chemie-AG, sondern um die Frage, wie verantwortungsvoll mit den im Grundgesetz garantierten Gütern wie Meinungsfreiheit, Freiheit der Schule vom Druck durch Interessensvertreter und Recht auf körperliche Unversehrtheit umgegangen wird. Heutzutage geraten die Schulen immer mehr in finanzielle Abhängigkeit von Sponsoren - die Bespitzelung durch Bayer zeigt exemplarisch die hieraus erwachsenden Gefahren für die Beschäftigung mit industriekritischen Themen.“ Nach Ansicht von Enßlin wurde die Firma Bayer durch die heftige öffentliche Reaktion auf die damalige Aushorchung davon abgehalten, derartige Praktiken in anderen Schulen anzuwenden. „Wenn diese Vorgänge allerdings in Vergessenheit geraten, werden die Begehrlichkeiten von Bayer und anderen Firmen sicher wieder geweckt“, so Enßlin weiter.
Der Journalist Jürgen Streich, der in seinem Buch „Dem Gesetz zuwider“ über mehrere Hildener Umweltskandale berichtet hat, ergänzt: „Die Schüler der Chemie AG haben unter Anleitung von Dr. Enßlin engagiert und phantasievoll Aufgaben wahrgenommen, die eigentlich Aufgabe der Behörden bis hin zur Staatsanwaltschaft sind. Dies ist Erziehung und Ermutigung zu staatsbürgerlicher Verantwortung und Demokratie! Schade, dass für so etwas angeblich der Platz fehlt. Zensiert wird landauf, landab schon genug - immer weichgespültere und gleichgeschaltete Medien können wir nicht gebrauchen!“
Die Felder von Bayer in Europa und der Welt

Laut Liste der EU-Kommission befanden oder befinden sich Bayer-Felder vor allem in Spanien, zudem in Groß Britannien.

In den USA ist Bayer sehr aktiv.

Deutsche Konzerne III: KWS (genauer: KWS Saat AG)

Kommen wir zum dritten großen deutschen Agro-Gentechnikkonzern. Der gibt sich gern als familiärer Betrieb - was angesichts der Umsatzzahlen und der Bedeutung im internationalen Saatgutgeschäft doch reichlich verzerrend ist.
Die Geschichte der KWS begann 1856 in Kleinwanzleben. KWS stand ursprünglich für „Kleinwanzlebener Saatzucht AG”. Im Jahr 1984 gründete der Konzern die Tochterfirma „PLANTA Angewandte Pflanzengenetik und Biotechnologie GmbH”, die sich fortan um die Gentechnik in Deutschland kümmert. Die KWS züchtet selbst an neuen Gentechnik-Konstrukten, vermarktet aber auch Gentechnik-Konstrukte von Monsanto. Sie führte schon 1993 - als einer der Ersten in Deutschland - Freilandversuche mit gv-Pflanzen durch, nämlich 1993 mit einer manipulierten Zuckerrübe. Etwas finanziell Verwertbares für die KWS entstand aus ihr nie. Die Forschungen verliefen erfolglos im Sande. Die KWS sagte, es hätte kein „Marktinteresse” gegeben - ein durchaus interessantes Eingeständnis, dass niemand die Agro-Gentechnik will!
Die KWS versucht, sich nach außen als ein relativ kleines Familienunternehmen darzustellen. In Wirklichkeit ist sie jedoch längst zu einem der größten und mächtigsten Saatgutkonzerne der Welt aufgestiegen. Noch dazu zu einem der größten Gentechnikkonzerne. Die KWS ist z.B. bei der Zuckerrübe Weltmarktführer. Die KWS hat fast 3000 Mitarbeiter weltweit, und ist ein weltweit agierender „Global Player”. Die KWS hat weltweit (in 70 Ländern) auch unzählige Tochterfirmen und Beteiligungs-Gesellschaften. Im Jahr 2007/2008 hatte die KWS Saat AG einen Umsatz von knapp 600 Millionen Euro! Gentechnisch veränderte Sorten tragen mit 22 % zum Umsatz der KWS Gruppe bei. Diese Produkte werden überwiegend in Nordamerika vertrieben. Die KWS ist ein oft unterschätzter (und von gentechnikkritischen Medien leider oft zu wenig beachteter) multinationaler Gentechnikkonzern. Man kann die KWS als deutscher Global Player mit Bayer und BASF in einem Satz nennen.

Neben der verschleiernden Propaganda, KWS sei ein mittelständisches Unternehmen, inszeniert sich der Saatgutkonzern gern auch auf ökologischem Gebiet. KWS-Betriebe sind bei Naturland zertifiziert. In der Zeitschrift "Bionachrichten" (August 2012) des Biokreis e.V. prangte auf Seite 43 eine 2/3-Seiten-Anzeige für KWS-Saatgut.

Beispiele für gv-Pflanzen der KWS
Die genmanipulierte Zuckerrübe „H7-1″, die 2010 auf einem Versuchsfeld in Wetze ausgesät wurde, ist mit einer Resistenz gegen das Unkrautvernichtungsmittel RoundUp (Hersteller Monsanto) ausgestattet (Man spricht von herbizidresistenten Zuckerrüben oder auch HR-Zuckerrüben). Damit soll es möglich werden, auch während der Vegetationsperiode der Zuckerrübe mit dem Totalherbizid RoundUp sämtliche Unkräuter zu vernichten. Diese gentechnische Veränderung wurde von Monsanto entwickelt und patentiert, die daraus gemachte gentechnisch veränderte Zuckerrübe ist eine „Gemeinschaftsarbeit“ von KWS und Monsanto. Daher müsste in Zukunft - falls es zur Markteinführung käme - jeder Landwirt für jedes Kilo Zuckerrüben-Saatgut zusätzlich Lizenzgebühren an Monsanto zahlen!
Im Jahr 2007 wurde als erste gentechnisch veränderte Zuckerrübensorte der KWS eine Roundup-tolerante Zuckerrübe auf dem US-amerikanischen Markt zum kommerziellen Anbau eingeführt. Die Roundup-Resistenz war ein patentiertes gv-Konstrukt von Monsanto. Diese Sorten erreichten im Jahr 2008 bereits 60 % des KWS-Zuckerrübenumsatzes in Nordamerika. Weitere Genehmigungen zum Anbau wurden in Kanada und Japan erteilt. Die Zulassung für den Import von aus diesen Zuckerrüben gewonnenen Produkten für eine Lebens- und Futtermittelverwendung liegt mittlerweile in elf weiteren Ländern, einschließlich der Europäischen Union, vor. Die KWS wünscht sich die Markteinführung für etwa 2015. Die aktuellen Versuchsfelder dienen diesem kommerziellen und großflächigen Anbau.
In Deutschland wurde im Jahre 2006 die KWS-Maissorte KURATUS zugelassen. Sie verfügt über Resistenz gegen den Maiszünsler. Erreicht werden konnte dieses Ziel allerdings nur mit dem gentechnisch veränderten MON810- Konstrukt von Monsanto. Dies bedeutet das KWS Lizenzgebüren an Monsanto zu zahlen hat. Der Landwirt der dieses Saatgut anbaut, bezahlt also genau wie bei der Zuckerrübe ebenfalls einen Teil des Geldes an Monsanto. Ohnehin: KWS ist einer der größten Vertreiber von Maissorten mit dem MON810-Konstrukt und anderen Bt-Pflanzen. Die Kooperation mit dem US-Konzern ist prägend für fast alles, was KWS in Sachen Gentechnik macht.

Im Original: Über die KWS Saat AG ... Dieses Zitat ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus Wikipedia zur KWS Saat AG
Das Saatzuchtunternehmen KWS wurde im Jahr 1856 in Klein Wanzleben bei Magdeburg als Rabbethge & Gieseke OHG gegründet. Der auf Zuckerrübensaatgut spezialisierte Betrieb wurde bereits 1885 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und verbreiterte 1920 sein Sortiment durch die Aufnahme der Getreide-, Futterrüben- und Kartoffelzüchtung.
Nach dem Krieg kam es 1945 zu einem Neubeginn in Einbeck, nachdem die hauseigene Saatgutbibliothek dorthin verbracht werden konnte. 1951 erfolgte die Erweiterung des Züchtungsprogramms um Mais-, Futter-, Öl- und Eiweißpflanzen, ab 1961 entstanden Tochter- und Beteiligungsgesellschaften in Europa und Übersee. Die Zusammenlegung der Getreidezüchtung Heine Peragis mit Lochow-Petkus erfolgte 1967/68, im Jahr 1972 wurde ein Labor für Zellbiologie eingerichtet und 1984 die PLANTA Angewandte Pflanzengenetik und Biotechnologie GmbH gegründet.
Im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung konnte die alte Zuchtstation in Klein Wanzleben zurückerworben und in die UNISEM in Vinnitsa (Ukraine) zurückgekehrt werden.
1999 wurde das Unternehmen in KWS SAAT AG umbenannt. ...
KWS ist mit ca. 3.200 Mitarbeitern in etwa 70 Ländern weltweit aktiv. Die KWS SAAT AG (ISIN: DE0007074007) ist seit 1954 an der Börse Hannover und seit Juni 2006 im SDAX der Frankfurter Wertpapierbörse notiert. ...
Die KWS Saat AG steht wegen ihren Aktivitäten im Bereich der Agro-Gentechnik stark in der öffentlichen Kritik. Sie führte im Jahre 1993 die ersten Freisetzungen mit gentechnisch veränderten Zuckerrüben durch. Diese Freisetzungen gehörten zu den ersten Freisetzungen von Gentechnik-Pflanzen in Deutschland überhaupt und wurden von massiven Protesten begleitet. In den vergangenen Jahren hat die KWS zahlreiche weitere Freisetzungen durchgeführt und es wurden zahlreiche gentechnische Arbeiten in den Laboren und Gewächshäusern durchgeführt. Von 2008 bis 2011 hat die KWS eine Genehmigung für die Freisetzung der gentechnisch veränderten Zuckerrübe H7-1 bekommen. In den Jahren 2008 und 2009 wurden diese Freisetzungen trotz Protesten seitens der Bevölkerung durchgeführt. In beiden Jahren kam es zu Demonstrationen, Protest-Fahrradtouren und Feldbesetzungen.
Die KWS kooperiert eng mit den multinationalen Konzernen Monsanto und BASF. Die derzeitige gentechnisch veränderte Zuckerrübe H7-1 ist eine Gemeinschaftsproduktion mit Monsanto. Sie enthält ein verändertes Gen, welches die Pflanze tolerant für das Totalherbizid Roundup macht. Das veränderte Gen sowie das Herbizid stammen von Monsanto. Die KWS hat seit Frühjahr 2010 die neue Kooperation mit BASF im Bereich Agro-Gentechnik bekannt gegeben.
  • Seite von KWS-KonzernkritikerInnen
Im Original: Texte der KWS Saat AG ... Dieses Zitat ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Auf der Internetseite der Firma:
KWS ist das unabhängige Saatgut-Unternehmen für Landwirte im 21. Jahrhundert
KWS konzentriert sich auf die Entwicklung von innovativem Saatgut für den Bedarf einer sich rasant wandelnden Gesellschaft.
KWS versteht sich als Teamplayer für den Landwirt.
KWS verpflichtet sich einer nachhaltigen Landwirtschaft.

Gentechnik-Informationsseite
auf www.kws.de
Mit Entwicklung der Gentechnik wurde eine neue Ära in der Pflanzenzüchtung eingeleitet.
Die Gentechnik bietet die Chance, die nutzbare natürliche Vielfalt entscheidend zu erweitern, indem gewünschte Leistungseigenschaften gezielt auf Pflanzen übertragen werden. Es können nicht nur die Gene einer Art, sondern auch Eigenschaften aus anderen Arten, zum Beispiel Bakterien, Pilzen und Viren genutzt werden.
In einem eigenständigen Zweig unserer Forschung arbeiten wir verantwortungsbewusst an der Weiterentwicklung und praktischen Nutzung der grünen Gentechnologie. Die Ziele sind hierbei dieselben wie bei der klassischen Züchtung.

Interessant ist, dass die KWS dann selbst die sich als neutral vermarktenden Seiten www.transgen.de und www.biosicherheit.de als einzige Links für mehr Infos benennen. Darunter wird für den Schaugarten Üplingen geworben.

Aus der Broschüre "Grüne Gentechnik"
Vorteile: Weniger Pflanzenschutzmittel, sinkende Produktionskosten, steigende Einkommen. Und: Mit gv-Pflanzen kann die Landwirtschaft dazu beitragen, der Bodenerosion vorzubeugen und die Emissionen klimarelevanter Treibhausgase zu senken. ...
Bisher haben die heute kommerziell genutzten gv-Pflanzen durchweg die Erwartungen erfüllt. Es gibt nicht den geringsten Hinweis, dass Lebens- und Futtermittel aus gv-Pflanzen weniger sicher sein könnten als herkömmliche Produkte. ...
Inzwischen ist durch viele wissenschaftliche Untersuchungen abgesichert, dass sich der Anbau von gv-Pflanzen positiv auswirkt – für die Umwelt und die Landwirte. ...
Bei KWS wird an zahlreichen Forschungsprojekten gearbeitet, die für einige der zukünftigen Herausforderungen neue Lösungsalternativen eröffnen können. Pilzresistenzen bei Zuckerrübe, Kartoffeln, Weizen ... Virusresistenz (Rizomaniaresistenz) bei Zuckerrübe ... Winterrübe – bessere Ausnutzung der Sonnenenergie ... Herbizidtolerante Zuckerrüben ... Vertrieb von Mais- und Sojasorten. KWS betreibt in Nordamerika gemeinsam mit dem französischen Züchterhaus Limagrain eine Vertriebsgesellschaft – AgReliant. Diese vermarktet zahlreiche gv-Mais- und Sojasorten mit neuen, gentechnisch eingeführten Merkmalen wie Herbizidtoleranz oder Resistenzen gegen verschiedene Schadinsekten. ...
Über 25 Prozent des Umsatzes der gesamten KWS Gruppe entfallen mittlerweile auf gentechnisch veränderte Sorten. In Nordamerika beträgt deren Umsatzanteil über 70 Prozent. ...
Europa koppelt sich zunehmend von der weltweiten Entwicklung bei der Grünen Gentechnik ab und verwehrt seinen Landwirten den Zugang zu einer Technologie, die in vielen Ländern der Welt nachweislich zu höheren Erträgen, besseren wirtschaftlichen Ergebnissen und einer nachhaltigen Landwirtschaft beigetragen hat. ...
Die moderne Pflanzenzüchtung – einschließlich gentechnischer Verfahren – nimmt eine Schlüsselrolle im 21. Jahrhundert ein. Wachsende Weltbevölkerung, knappe Ressourcen, Klimawandel – es wäre für KWS unverantwortbar, auf die Potenziale der Bio- und Gentechnologie zu verzichten, um den globalen Herausforderungen einer nachhaltigen Landwirtschaft gerecht zu werden. Neuentwickelte Sorten nutzen nicht nur Konsumenten und Umwelt, sondern verbessern auch die wirtschaftliche Situation der Landwirte – nicht zuletzt in Entwicklungs- und Schwellenländern. Um den unterschiedlichsten Anforderungen gerecht zu werden, betreibt KWS eigene Forschung und Entwicklung rund um den Erdball. Eine leistungsfähige innovative Pflanzenzüchtung muss alle wissenschaftlichen Verfahren und Technologien nutzen können. Forschungsfreiheit – die Entscheidung über die Wahl der Ziele und der dazu am besten geeigneten Mittel – ist für KWS und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit unabdingbar. KWS setzt weiterhin auf den Wissenschaftsstandort Deutschland. Dies zeigt nachdrücklich der Ausbau der Kapazitäten für Forschung und Entwicklung am Standort Einbeck. Allein im Jahr 2009 investierte KWS dafür 20 Millionen €.


Dr. Reinhard von Broock, Lochow-Petkus GmbH, Erste Diskursrunde: Erhalt der Biodiversität. 7. und 8. Mai 2002, Mayschoß (Quelle)
Wenn Züchtung einen Einfluss hat auf Biodiversität, dann wohl eher einen, der sie erweitert, mindestens stabilisiert – anders wären
keine Fortschritte möglich. Gentechnik ist in diesem Zusammenhang ein Werkzeug, mit dem es in erster Linie gelingt, Arbeiten an sehr weiten Kreuzungen zu beschleunigen, aber auch Ziele zu erreichen, die sonst nicht erreichbar wären. An den Prinzipien der Pflanzenzüchtung ändern gentechnische Methoden nichts, deswegen sehe ich keinen Hinweis darauf, wie sie den Einfluss der Züchtung auf die Biodiversität verändern könnten.


Aus einer Erklärung am 20.6.2006
Der Bt-Mais-Anbau ist sicher und ermöglicht wie andere Innovationen in der Grünen Gentechnik durch die Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln eine umweltverträgliche und für Anbauer und Verbraucher unbedenkliche Anwendung.
Wenn Landwirte privatwirtschaftlich gentechnikfreie Zonen einrichten, um ihrer persönlichen Einstellung zu folgen oder betriebswirtschaftliche Vorteile zu realisieren, so ist dieses eine uneingeschränkt zu akzeptierende Maßnahme. Wenn allerdings unseriöse Behauptungen aufgestellt und damit Ängste geschürt werden, dann ist das weder im Hinblick auf die Unversehrtheit von Mensch und Umwelt noch im Hinblick auf die volkswirtschaftliche Nutzung von Innovationen in Deutschland akzeptabel.
Pflanzenzüchtung ist ein langfristig angelegter Prozess. Wir arbeiten heute auch an Optionen, die erst in 10 – 20 Jahren genutzt werden können. Im Sinne unserer Kunden, den Landwirten und der Verbraucher werden wir deshalb verantwortungsvoll wie bisher im Rahmen der geltenden demokratischen Spielregeln unsere Arbeiten auch mit biotechnologischen Methoden fortsetzen.

Aus der Rede von Philipp von der Bussche auf dem InnoPlanta-Forum am 6.9.2010 in Üplingen (Abschrift Tonbandmitschnitt)
Natürlich müssen wir die vorhandenen Standorte effizienter nutzen. Wir müssen die Pflanzen an die Standorte anpassen ... auch hier ist darauf zu verweisen, dass ja der Gegensatz zwischen Nahrung und Energie durch Effizienz gelöst werden muss ...
Ich kann zum Wohl dieses Landes nur annehmen, dass wir dann in der Diskussion soweit sind, dass wir den Nutzen und letztlich auch die moralische Verantwortung, diese Technologie einzusetzen, dann auch durchgehend verstanden haben. ...Nicht die populäre Tagespolitik zu verfolgen, sondern die Werkstatt für die Landwirtschaft von morgen zu gestalten. Da spielt ein Standort wie Üplingen eine große Rolle, weil er für die Akzeptanz dieser Dinge beiträgt, einfach den Menschen zu zeigen: Das sind die Dinge, an denen wir arbeiten und die auch morgen den Nutzen bringen. ...
(bringt dann Beispiel über Einführung des Autos)
Wenn man draußen an der Demonstration vorbeigeht, wo sozusagen ja jeder von uns weiß, dass in 10-15 Jahren diese ganze Art der Argumentation wird sozusagen dem Gelächter der Historie unterworfen sein, aber die Selbstgerechtigkeit und die Wirksamkeit solcher Argumente bis hin zu „Gentechnik: Todesurteil!“ – das ist schon erschreckend und deswegen ist es gut, dass Einrichtungen wie hier gibt, um sich damit langfristig dann auseinanderzusetzen. ...
Man muss immer diese anderen Dinge wiederholen, z.B., dass es keine einzige wissenschaftliche fundierte Untersuchung gibt, dass irgendeine zusätzliche Gefahr oder Veränderung gegenüber konventionellen Pflanzen aus gentechnischen Ansätzen kommt. ...
Grüne Gentechnik kann erheblich zum Umweltschutz beitragen und die Forderungen der ökologischen Landwirtschaft erfüllen. Es gibt ja Visionäre – und ich würde sagen, es gibt einen guten Grund dafür zu sagen, da in 20 Jahren wahrscheinlich viele Formen sanfter Landwirtschaft oder auch des Zusammenwachsens zwischen ökologischem Landbau und dem konventionellen Landbau nur mit Hilfe der Gentechnik gelingen wird. ... Und ich stelle das einfach in den Raum, dass ich der prinzipiellen Unterlassung jede moralische Berechtigung abspreche. Ich sage, das aktive Tun, das risikobewusste Handeln und die Einführung des Fortschritts. Das ist die Verantwortung, das ist Moral – und das andere ist Unmoral. ...
... erhebliche Wohlfahrtverluste ... Forschungsunterdrückung in Deutschland ... keine akzeptablen oder überhaupt möglichen Schwellenwerte ... wir brauchen dringendst den Schwellenwert für Saatgut ...
Nur in Deutschland ist man so blöd und so wirtschaftlich vollkommen hirnrissig, ein zweifelhafter Befund von 0,03 führt tatsächlich im Juni zum Umbruch von Maisflächen. Das ist ein unglaublicher Vorgang ... (Klatschen). Wir brauchen Zulassungsverfahren auf wissenschaftlicher Basis. ...

Wie alle anderen Agrarkonzerne ist auch die KWS Saat AG intensiv in die Gentechnik-Seilschaften verstrickt. Der Konzern hat ein gv-Rübenfeld im Schaugarten von Üplingen und bewirbt diesen auf der eigenen Seite. Beim InnoPlanta-Forum 2009 waren mehrere KWS-VertreterInnen vor Ort. Eng ist der Draht zu staatlichen Stellen. Im Beirat des JKI, das bei Genehmigungsverfahren beteiligt ist, wirkt der KWS-Aufsichtsratsvorsitzende Andreas Büchting mit, ebenso ist der Konzern in der Arbeitsgruppe „Anbaubegleitendes Monitoring gentechnisch veränderter Pflanzen im Agrarökosystem“ vertreten. Einmalig ist, dass mit Dr. Anja Matzk sogar eine Konzernangestellte in der eigentlich als unabhängige ExpertInnenkommission die Versuchsfelder begutachtenden ZKBS sitzt. Aufsichtsratschef Andreas Büchting ist derweil Mitglied im BioÖkonomieRat der Bundesregierung. Der spätere Chef des sachsen-anhaltinischen Geldgebers BIO Mitteldeutschland (danach bei BASF), Jens Katzek, war vorher Pressesprecher der KWS.
Inge Broer, Gentechnikprofessorin aus Rostock und Vorsitzende des hochverflochtenen Lobbyvereins FINAB, ist nach eigenen Angaben "seit 2000 Mitglied des Kuratoriums der Kleinwanzlebener Saatzucht KWS ".

Bei der Saatgutzüchtung propagiert die KWS sehr stark Energiepflanzen. In der entsprechenden Broschüre "Energie aus Pflanzen" stellen sie die "Ganzpflanzenverwertung" in den Vordergrund. Das wäre, da auch die essbaren Teile zu Energie gewandelt werden, die deutlichste Konkurrenz zu Nahrungsmitteln.

Im Original: Energiepflanzen, auch per Gentechnik ... Dieses Zitat ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der Broschüre "Energie aus Pflanzen" von KWS
Mit den eigenen Züchtungsprogrammen für Energiepflanzen investiert die KWS zielgerichtet in zukunftsorientierte Produkte für alle wichtigen Bioenergieträger. Schwerpunkt bilden die Biogasproduktion und die Ganzpflanzenverwertung. ...
Um die notwendigen Effizienzsteigerungen für die formulierten Herausforderungen von morgen zu erzielen, ist der Methoden- und Sorten-Mix der modernen Pflanzenzüchtung in seiner gesamten Vielfalt voll auszuschöpfen.
Im Original: Sie wissen es selbst - KWSler_innen gegen Gentechnik ... Dieses Zitat ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Über Martin Leithold (KWS), in: Ostthüringische Zeitung, 29.8.2014
Martin Leithold, der das Demofeld der KWS bei Gimmel betreut, will bei den Landwirten vor allem darum werben, eher eine neue Maissorte auszuprobieren als bei der Schädlingsbekämpfung auf Pflanzenschutzmittel zu setzen. Gentechnik komme bei den Züchtungen nicht zum Einsatz, betont Leithold. Das sei beim Mais als einer der ältesten Kulturpflanzen gar nicht nötig. "Es gibt so viele Wildformen, da macht die Züchtung richtig Spaß. Wir brauchen die Gentechnik nicht", so Leithold. Er meint, auch gentechnisch veränderte Pflanzen könnten Schädlingen wie dem Maiszünsler nicht ewig trotzen.
Die Felder von KWS in Europa ...

Laut Liste der EU-Kommission befanden oder befinden sich Monsantofelder in Spanien, Deutschland und Tschechien.

Und einige mehr ...

Syngenta

Propagandalügen
Aus dem Sendeprotokoll von Report Mainz, gesendet im SWR am 8.12.2003
Bei Syngenta behauptet man dennoch, dass es kein Risiko gäbe. Man verweist auf jahrelangen Anbau in den USA und die dortigen Erfahrungen. Syngenta wirbt sogar in einem Infoblatt mit angeblichen Langzeitversuchen, die es nach unseren Recherchen nicht gab. Wir fragen nach, wo und wann denn die langjährigen Fütterungsversuche stattgefunden haben sollen.
Frage: Sie wissen genauso gut wie ich, dass es gar keine langjährigen Fütterungsversuche gegeben hat. Wie kann man denn so was behaupten?
O-Ton, Rainer Linneweber, Syngenta Deutschland: »Ja, denn es ist eben die langjährige Verfütterung in der Praxis gemeint.«
Unglaublich. Der Anbau selbst wird einfach zum Sicherheitstest erklärt. Nach dem Motto: Wird schon schief gehen. Die ent-scheidende Frage: Wie gefährlich ist Gen Mais, wie reagieren Kühe auf jahrelanges Verfüttern von Bt-Mais, bleibt unbeantwortet.

Es geht um Propaganda ...
Aus einer Stellenausschreibung bei der Firma Syngenta Seeds GmbH
Projektleiter Gentechnik Freiland ... Ihre Aufgaben: Sie verantworten die Freiland-Versuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen (GVO) in Deutschland. ... Sie arbeiten aktiv bei der Entwicklung der GVO-Strategie in Europa mit und sorgen für die erfolgreiche Umsetzung in Deutschland. ... lokal sind Sie dem Marketing NK zugeordnet.

Raiffeisen

Es war einmal eine Selbsthilfeorganisation der LandwirtInnen - und ist heute noch eine Genossenschaft (als Seitenhieb gegen alle, die glauben, die Rechtsform würde das Gute bringen): Die Raiffeisen. Doch ihr Ziel ist der Aufbau einer Agrarindustrie und die Zerschlagung der selbstbestimmten, sogenannten bäuerlichen Landwirtschaft.

Gentechnikpropaganda
Dr. Claudia Döring, Vertreterin des Deutschen Raiffeisenverbandes e.V. Berlin, hielt einen Vortrag über „Gentechnik in der Lebens- und Futtermittelwirtschaft: Rechtlicher Rahmen und aktuelle Diskussionen“. Der Vortrag bestand hauptsächlich aus Diffamierungen von Gentechnik-KritikerInnen, der Darstellung der angeblichen Schrecknisse eines gentechnikfreien Deutschlands und dem Verschweigen wichtiger Details aus der Gentechnik-Debatte. Kommentar einer Zuhörerin: "Einen derart ideologisch verbrämten und einseitig Gentechnik befürwortenden Vortrag habe ich bis dato noch nicht gehört." ++ Bericht

Arend Oetker

Wie üblich alles in einem: Hauptanteilseigner an der Gentechnikfirma KWS Saat AG, gleichzeitig in wichtigen Funktionen bei Geldgebern (DFG, Stifterverband), BeraterInnen und ForscherInnen (Max-Planck-Gesellschaft) und Lobbyverbänden.

Biografische Daten zu Arend Oetker bei: Wikipedia ++ INSM ++ Presseinfo zur Verleihung der Leibniz-Medaille ++ Konrad-Adenauer-Stiftung. Er erhielt 2007 das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland - üblich in den Eliten.
Für AnhängerInnen der Gutes-Gefühl-Ökoschiene die Info: Bionade gehört zum Oetker-Konzern.

Eine Hand wäscht die andere ... und boxt die andere: Konkurrenz und Kooperation

Dieses Kapitel der Konzerne und ihrer Tarnkappen könnte sehr lang sein. Es gibt weitere große Konzerne, die auch in den deutschen Seilschaften agieren - Syngenta zum Beispiel oder Du Pont, Pioneer und andere. Kleine Saatgutfirmen und ein buntes Umfeld an Biotechnologieunternehmen rund um die großen Konzerne komplettieren das Geschehen. Dachverbände wie die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) trommeln für mehr Wachstum durch die Gentechnik - und auch die einschlägigen Landwirtschaftskonzerne der Marke Raiffeisen wirken im großen Spiel um Marktanteile, Patente und Profite mit. Zwischen ihnen und mit anderen Akteursgruppen der deutschen Gentechnik gibt es vielfältige Beziehungen und Verflechtungen - trotz ebenso erbittert geführtem Konkurrenzkampf.
Seit den 90er Jahren kaufen sich die Gentechnikkonzerne groß - die vielen Kleinfirmen, oft aufgepäppelt mit Steuermillionen, sind die Beute der Großen. Am "erfolgreichsten" konnte sich Monsanto großkaufen. Das Gezeter über den Weltmarktführer ist aber oft blanker Neid - denn deutsche und europäische Firmen pokern überall mit. Seit langem ...

Aus einem Artikel im Manager-Magazin 4/1999
Agrevo-Chef Prante erwarb seit 1994 sieben Saatgutfirmen. Der neueste Coup war Ende Februar der Kauf der Biogentic Technologies B. V., zu der Proagro gehört, Indiens Nummer eins bei Mais und Hirse.
Das vier- oder sogar zehnfache des Umsatzes müssen die Konzerne für eine innovative Saatgutfirma ausgeben. Strategisch wichtige Betriebe sind noch teurer. Der US-Konzern Monsanto, der innerhalb von drei Jahren 8 Milliarden Dollar in Saatgut investierte, zahlte sogar das 20fache des Umsatzes, 525 Millionen Dollar, für den Getreidespezialisten PBIC und das 22,7fache, 1,02 Milliarden Dollar, für den Maisexperten Holden. Agrevo hatte für die beiden Betriebe nur 350 beziehungsweise 700 Millionen Dollar geboten - und prompt verloren.

Geld aus Staatskassen an Konzerne

Zentraler Aspekt jeder Verflechtung ist immer das Geld. Staatliche Fördermittel flossen in den vergangen Jahren nicht nur getarnt an Institute und Kleinfirmen, sondern zum Teil auch direkt an große Konzerne. Teile dieser Subventionen liefen unter dem Banner der Forschungsförderung. Andere stammten aus der Wirtschaftsförderung: "Exporterstattungen für landwirtschaftliche Produkte fließen in erster Linie an die Industrie", nicht an LandwirtInnen oder Lebensmittelverarbeitung. "Als die Bundesregierung nach wochenlangem Zögern im Juni 2009 endlich die Empfängerliste der milliardenhohen EU-Agrarsubventionen in Brüssel vorlegte, fanden sich darauf eine Menge Industrieriesen: etwa Südzucker, die Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft CMA, die deutsche Filiale des größten europäischen Geflügelkonzerns Doux, der Molkereikonzern Campina, der Schokoladenhersteller Storck oder der Fleischkonzern Tönnies, der Energiekonzern RWE, die Lufthansa ebenso wie die Großkonzerne Bayer, BASF, Merck oder Thyssen-Krupp."

Im Original: Steuergelder für die Industrie ... Dieses Zitat ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Steuergelder an Gentechnikfirmen: Bundestagsdrucksache 16/6208 (S. 6)


Aus "Millionen für die Agrarindustrie", auf: top agrar, 10.6.2009
Exporterstattungen für landwirtschaftliche Produkte fließen in erster Linie an die Industrie. Davon zeigt sich die taz in ihrer heutigen Ausgabe überrascht, war sie doch davon ausgegangen, dass die Gelder für die Bauern bestimmt sind. Einblicke gewähren hierzu zwei Listen, die das Hauptzollamt Hamburg-Jonas jetzt nach einem jahrelangen Rechtsstreit veröffentlichen musste. Damit seien jetzt die 40 Firmen bekannt, die in Deutschland während der Haushaltsjahre 2004/2005 und 2003/2004 die meisten Subventionen erhalten hätten ...

Aus Hartmann, Kathrin (2009): "Ende der Märchenstunde" (S. 178)
Und als die Bundesregierung nach wochenlangem Zögern im Juni 2009 endlich die Empfängerliste der milliardenhohen EU-Agrarsubventionen in Brüssel vorlegte, fanden sich darauf eine Menge Industrieriesen: etwa Südzucker, die Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft CMA, die deutsche Filiale des größten europäischen Geflügelkonzerns Doux, der Molkereikonzern Campina, der Schokoladenhersteller Storck oder der Fleischkonzern Tönnies, der Energiekonzern RWE, die Lufthansa ebenso wie die Großkonzerne Bayer, BASF, Merck oder Thyssen-Krupp.

Geld für die Großen
Aus "Das sind die größten Empfänger von EU-Agrarsubventionen", in: SZ, 26.4.2014
Fast 500 private Produzenten profitierten von mehr als 500 000 Euro Förderung. Darunter sind einige große Empfänger: Die Agrargenossenschaft Rhönperle in Thüringen erhielt mehr als drei Millionen Euro. Eine ähnlich hohe Summe kam dem Spreenhagener Vermehrungsbetrieb für Legehennen zugute, einem der großen Eierproduzenten Deutschlands. Die großen Empfänger konzentrieren sich im ländlichen Raum der neuen Bundesländer und Norddeutschlands.
Am prominentesten unter den großen Empfängern ist wohl der Zuckerhersteller Südzucker mit mehr als zwei Millionen Euro. Das Deutsche Milchkontor, der größte deutsche Molkereikonzern, erhielt mehr als 700 000 Euro.
Die direkten Zahlungen, die vor allem an Unternehmen fließen, sind ungleich verteilt, zeigen die Zahlen des Landwirtschaftsministeriums: Zwei Prozent der Betriebe bekamen 30 Prozent der Gesamtsumme, das sind mehr als 1,7 Milliarden Euro. Die große Masse der Empfänger - drei Viertel - erhielt weniger als 20 000 Euro
Auch Großkonzerne kassieren Agrarsubventionen. Das Chemieunternehmen BASF erhielt 131 557 Euro für den Gutshof "Rehhütte", der an das Agrarzentrum des Konzerns im pfälzischen Limburgerhof angegliedert ist. In dem Zentrum erforschen Chemiker gemeinsam mit Landwirten und Gärtnern Pflanzenschutzmittel, der Gutshof liefert den Forschern unter anderem Rückmeldungen über ihre Mittel aus der Praxis. BASF nutzt die Rehhütte auch als Veranstaltungsort. Die Bayer AG erhielt unter anderem für ihre Agrobusiness-Sparte Crop Sciences, die genveränderte Pflanzen entwickelt, mehr als 170 000 Euro.
RWE erhielt 425 510 Euro, Eon 101 917 Euro. Die Energiekonzerne konnten sich das Geld sichern, weil sie Raps, Getreide oder Rüben in Gebieten anbauen, in denen sie Braunkohle abgebaut haben, die so genannte Rekultivierung. Ein RWE-Sprecher betont, dass die Flächen durchgehend bewirtschaftet würden, was Voraussetzung für EU-Förderung ist. Zudem unterstütze der Konzern mit dem Geld die Feldvogelpopulation.
Auch der Panzerbauer Rheinmetall erhielt erneut Geld, mehr als 10 000 Euro. Die Summe floss für einen 50 Quadratkilometer großen Schießplatz im niedersächsischen Unterlüß, oder wie Rheinmetall es nennt: ein "Erprobungszentrum". Dort betreibt das Unternehmen Forstwirtschaft und testet Waffen, Munition und Fahrzeuge.
FirmenmanagerInnen an Schreibtischen der Ministerien

Seit 2004, also beginnend zu Zeiten der rot-grünen Bundesregierung, begann ein abenteuerlicher Personalaustausch zwischen großen Konzernen und Bundesministerien. Personen, die weiter bei Privatfirmen in Lohn und Brot standen, richteten sich ihren Schreibtisch nun in passenden Ministerien ein - und konnten so Tag für Tag in die dortigen Abläufe hineinschauen oder diese sogar beeinflussen. Bayer und BASFschickten ihre Leute ins Bundesumwelt- und ins Forschungsministerium (Bundestagsdrucksache 16/3395 vom 13.11.2006).

Im Original: Firmenbedienstete in Ministerien... Dieses Zitat ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus Kathrin Hartmann (2009): "Ende der Märchenstunde" (S. 197 f.)
Bei ihren Recherchen stießen Adamek und Otto auf einen »zeitweiligen Beamten« aus dem Hause BASF, der an der Neufassung der REACH-Verordnung (Registration, Evaluation and Authorisation of Chemicals) mitarbeitete - sowohl in der EU-Kommission als auch im Bundeswirtschaftsministerium. Gemäß der vorherigen Fassung von REACH hätten Chemiekonzerne ab einer bestimmten Jahresproduktion die sichere Verwendung von etwa 100 000 chemischen Stoffen nachweisen und mengenmäßig Chemikalien in allen Konsumprodukten angeben müssen.
»Doch der Lobby gelang es, den betroffenen Stoffkreis über die Jahre mächtig zu reduzieren und die Anforderungen an die verbliebenen Stoffe mit wenigen Ausnahmen herunterzuschrauben.« jetzt müssen bestimmte Mindestdaten nur noch bei 16 000 Stoffen vorgelegt werden.
In Deutschland war es die rot-grüne Regierung, die für die Industrie die Tore weit aufmachte. Der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) initiierte das »Personalaustauschprogramm Seitenwechsel« zusammen mit dem Personalvorstand der Deutschen Bank, Tessen von Heydebreck. Es startete im Oktober 2004. Damit Politik und Privatwirtschaft schneller zueinander fanden, durften Vertreter von Konzernen Schreibtische in Ministerien beziehen, und Bundesbeamte sollten wiederum in die Unternehmen gehen. »Die bestehenden Grenzen zwischen den Sektoren sollen abgebaut und Wissenstransfer ermöglicht werden. Wissenschaft, Wirtschaft und Politik wollen einen Mentalitätswandel einläuten. Beschäftigte sollen Prozesse und Strukturen der Gegenseite kennen lernen. So soll Verständnis für deren Belange und Interessen erhöht werden«, heißt es in der Erklärung der Bundesregierung."' Zu den Teilnehmern der Wirtschaft gehörten Großkonzerne wie unter anderem Deutsche Bank, Siemens, BASF, SAP, Lufthansa, ABB, DaimlerChrysler, Volkswagen, AOK, EADS, Deutsche BP, Bayer, Deutsche Telekom, IBM. Die Teilnahme am Programm war freiwillig - und erfreute sich großen Zulaufs vonseiten der Wirtschaft. Warum sollte gerade diese ein so großzügiges Angebot mit umfangreichen Gestaltungsmöglichkeiten ablehnen?
Elf Bundesministerien stellen seitdem zwischen drei und zwölf Monate Schreibtische und Telefone mit eigener Durchwahl für die Industriellen zur Verfügung, denn der Austausch kann, so die Bundesregierung, »nur klappen, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vollständig in das Tagesgeschäft eingebunden werden«.
Die Vertreter der Wirtschaft wurden weiter von ihrem Arbeitgeber bezahlt - für den galt das Vordringen ins Innerste des Staates als gute Investition. Der Austausch soll dem »Wissenstransfer« dienen: Die Wirtschaft möge ihr (interessengeleitetes) Wissen dem Staat übertragen, dieser wiederum seine Informationen der Wirtschaft zur Verfügung stellen, »zurn Zwecke der >Chromosomenpaarung<, der Entstehung eines großen Ganzen«.
Mehr als hundert Vertreter sitzen oder saßen seither an Schreibtischen in Bundesministerien und arbeiten an Projekten mit. Dagegen haben aber nur zwölf Bundesbeamte einen Ausflug in die Wirtschaft unternommen. Eine gesetzliche Regelung für externe Mitarbeiter oder unabhängige Kontrolle gibt es nicht, ein erster Bericht des Innenministeriums wurde erst fünf Jahre nach Programmstart vorgelegt. Zuvor existierte nur eine Studie der Hertie School of Governance, der zufolge „viele Erwartungen erfüllt wurden. Insbesondere der Wunsch, nützliche Kontakte zu knüpfen und neue Fachkompetenzen zu erwerben“.
In der Öffentlichkeit wurde der Vorgang kaum bekannt. 2007 fand die Organisation Lobbycontrol, die zur linksorientierten Bewegungsstiftung gehört, heraus, welche Unternehmens- und Verbandsvertreter in welchen Regierungsstellen saßen. So arbeiteten etwa Beschäftigte von e.on und BP im Außenministerium mit - und zwar in dem Referat, in dem über strategische Energiepolltik entschieden wird. Die Lufthansa und der Rüstungskonzern EADS schickten Fitmenangehörige ins Auswärtige Amt. Im Bundesfinanzministerium saßen Vertreter der Deutschen Bank, der Dresdner Bank, der Kreditanstalt für Wiederaufbau und der Deutschen Börse. In einem Beitrag von Ralph Hötte, Kim Otto und Markus Schmidt im ARD-Polltmagazin Monitor vom ... 2006 sagte der Verwaltungsrechtler Hans Herbert von Arnim: „Es ist für mich etwas ganz Neues und Überraschendes. Die Betreffenden sind zwar in die Ministerien eingegliedert, ihre Loyalität gehört aber denen aus der Wirtschaft, die sie bezahlen, und die tun das nicht für Gotteslohn, sondern weil sie sich davon etwas versprechen, nämlich die Förderung ihrer Interessen, die bevorzugte Information, die sie auf diese Weise bekommen. Das ist eine besonders gefährliche Form des Lobbyismus, ja es bewegt sich sogar im Dunstkreis der Korruption.“
Zwar bekam das Autorenteam den Grimme-Preis für die Aufdeckung dieses Politskandals. Einen Aufschrei in den Medien oder in der Bevölkerung gab es indes nicht. Und das, obwohl die von ihr gewählten Politiker die Demokratie untergraben und ihre Aufgabe, dem Gemeinwohl zu dienen und die Interessen des Volkes zu vertreten, zugunsten der Industrie aufgegeben haben.

Exkurs: Eigentum und Verwertungslogik
Die Benennung der Firmen und ihrer Geflechte, von Scheinfirmen und dubiosen Geschäften kratzt nur an der Oberfläche. Der Impuls, der solches Handeln antreibt, liegt tiefer und betrifft profitorientiertes Wirtschaften insgesamt. Denn dem wohnen Antriebe inne, die von Unternehmen im Konkurrenzkampf bei Strafe ihres Untergangs beachtet werden müssen: Die ständige und sofortige Verwertung aller Werte (Geld, Produktionsmittel, Arbeitskraft, Rohstoffe ...), die Bildung von Machtpositionen im Markt (Monopole, Patente ...), die Reduzierung von Kosten (Ausbeutung von Mensch und Natur) sowie die Eroberung immer neuer Geschäftsfelder. Zu letzteren gehört die Unterwerfung natürlicher Allgemeingüter unter privatwirtschaftliche Logiken, d.h. die Kauf- und Verkaufsbarkeit von Luft, Wasser, Boden oder, mit Hilfe der Gentechnik, von Leben. Diese zwanghaften Regeln kapitalistischer Wirtschaft lassen sich nicht durch Entflechtung von Firmen, Behörden und Lobbying ausschalten. Tiefergehende gesellschaftliche Veränderungen sind daher notwenig.

Jean Jacques Rousseau:
Der erste, welcher ein Stück Land umzäunte, sich in den Sinn kommen ließ zu sagen, dies ist mein, und der einfältige Leute antraf, die es ihm glaubten, der war der wahre Stifter der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viel Laster, wie viel Krieg, wie viel Mord, Elend und Gräuel hätte einer verhüten können, der die Pfähle ausgerissen, den Graben verschüttet und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: Glaubt diesem Betrüger nicht. Ihr seid verloren, wenn ihr vergesset, dass die Früchte euch allen, der Boden aber niemandem gehört.

Oft wird es so dargestellt, als wäre Monsanto was Böses und die deutsche bzw. europäische Gentechnik besser. Das ist in der Sache ohnehin Blödsinn - alle streben nach Macht und Profit. Auch die Vergangenheit ist bei vielen sehr, sehr dunkel. Ständig auf das Agent Orange von Monsanto hinzuweisen und Zyklon B der deutschen Chemiegiganten zu vergessen, ist auch eine Art von Geschichtsverzerrung.

Aber ohnehin: In vielen Bereichen prägen ohnehin Joint Ventures das Geschehen. Außerdem hocken die Konzernleute in etlichen Gremien zusammen und kungeln mit Behörden und Forschung.

BASF und Monsanto
Aus einer Presseinformation am 7.7.2010
Die weltweit größte Biotechnologie-Kooperation wird weiter ausgebaut. BASF und Monsanto gaben heute bekannt, dass sie die gemeinsame Entwicklung ertragreicherer und stresstoleranter Nutzpflanzen um Weizen als weitere Pflanze ausdehnen. Darüber hinaus erhöhen die Unternehmen ihre Investitionen in die Zusammenarbeit. Grund sind die erfolgreich identifizierten Ertragsgene und die kommerziellen Erwartungen. BASF und Monsanto arbeiten seit 2007 gemeinsam an Mais, Soja, Baumwolle und Raps. Ursprünglich umfasste das gemeinsame Budget ca. 1,5 Mrd. US-Dollar. Durch die neue Vereinbarung können im Laufe der Zusammenarbeit Investitionen in Höhe von über 1 Mrd. US-Dollar hinzukommen.

Konkurrenzkämpfe

Nicht nur in den USA haben Gen-Pflanzen aus MONSANTOs ROUND UP-Produktlinie eine marktbeherrschende Stellung inne. Mittlerweile haben sich die Unkräuter jedoch auf das gemeinsam mit den Ackerfrüchten verkaufte Herbizid Glyphosat eingestellt und vermehren sich auf den Feldern wieder kräftig. Die Folge: Die FarmerInnen müssen zusätzlich noch weitere Pestizide ausbringen. Der Leverkusener Mulit hofft jetzt davon zu profitieren, dass im Falle "ROUND UP" "die Natur zurückschlägt", wie BAYER-Forscher Hermann Stübler sich ausdrückt. Der Agro-Riese spekuliert auf eine erhöhte Nachfrage nach Produkten aus seiner LIBERTY-LINK-Serie ... (Quelle: "Ticker" (Beilage zur Stichwort Bayer 1/2010, S. 10)

Dachverband I: Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie (DIB)
Im Original: Gentechnikpropaganda vom Industriedachverband DIB ... Dieses Zitat ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Das Konzept einer biobasierten Wirtschaft eröffnet Deutschland enorme Wachs­tumschancen für die Zukunft. Deshalb hat die Bundesregierung dieses Ziel auch in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen. Ohne gentechnisch optimierte Pflanzen lässt sich diese Vision nach Auffassung der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) aber nicht realisieren. (Presseinformation am 20. Mai 2010)
Chancen für Welternährung, Gesundheits- und Rohstoffversorgung ...
Nationale Anbauverbote oder verbindliche "gentechnikfreie Zonen" verstoßen gegen Grundrechte, Europarecht und internationales Handelsrecht. Damit ist auch die Verfassungsmäßigkeit in Frage gestellt.
(aus: Botschaften und Forderungen mit Stand: 2.6.2010)

Ablehnung sozioökonomischer Kriterien bei der Zulassung von GVO (im BioTech-Brief 1/2010)
Die DIB betrachtet es jedoch als unzulässig, sozioökonomische Kriterien bei Entscheidungen zu GVO-Marktzulassungen einzubeziehen. Sozioökonomische Faktoren sind oft rein subjektiv und sehr variabel. Zuverlässige Einschätzungen sozioökonomischer Folgen wie die Veränderungen von Preis- und Marktstrukturen und der gesellschaftlichen Akzeptanz sind im Vorfeld von Markteinführungen nicht möglich.

Ähnlich wie der BDP streitet auch der DIB energisch für starke Patente - kein Wunder, denn hier ist zukünftig richtig Geld zu verdienen.

Aus "Biopatente - Anreiz und unverzichtbarer Motor für Innovation" vom 4.7.2009
Die regelmäßig wiederkehrenden Diskussionen über die Frage, ob die Biopatentrichtlinie in ihrer geltenden Fassung dem Anspruch gerecht werde, Schutzregelungen vor zu weit reichenden Patentansprüchen auf Lebewesen und biologische Züchtungsverfahren einzuziehen ist ungerechtfertigt und schadet dem Industriestandort Deutschland. Die zentralen Argumente für einen starken Patentschutz sind:
Dachverband II: BIO Mitteldeutschland

Das Typische nochmal: Standortgeprotze ohne Argumente - diesmal als Presseinformation am 23.6.2010 von BIO Mitteldeutschland. "Die Biotechnologie-Branche fordert anlässlich der heute beim Bundesverfassungsgericht begonnenen Überprüfung des deutschen Gentechnikgesetzes (GenTG) ein radikales Umdenken im Umgang mit der Pflanzenbiotechnik. 'Nur eine Innovationen fördernde und Rechtssicherheit bietende Politik wird deutschen Unternehmen, die an gentechnisch verbesserten Pflanzen arbeiten, die Möglichkeit eröffnen, am globalen Wettbewerb teilzunehmen'". Koexistenz heißt, alle geprüften gv-Pflanzen auch überall auszubringen: "BIO Deutschland setzt sich darüber hinaus für die Wahlfreiheit ein: Bereits nach wissenschaftlichen Kriterien auf ihre Sicherheit hin untersuchte neue Pflanzen und deren Produkte sollten auch allen zugänglich gemacht werden."

Dachverband III auf Europaebene: EuropaBio
Stiftungen und Netzwerke international

Netzwerke, Tarnfirmen & Co.: Unternehmen und ihr Einfluss

Filz mit Behörden und Regierungen

BERATUNGSGREMIEN DER EU-KOMMISSION BEVORZUGEN UNTERNEHMEN
Gremien die eingerichtet wurden, um die Europäische Kommission bei kontroversen Themen zu beraten, sind unausgewogen, undemokratisch und orientieren sich an Geschäftsinteressen, sagt ein neuer Bericht.

EHEMALIGES MONSANTO-VORSTANDSMITGLIED BERÄT OBAMA
Das Obama-Kampagnenteam hat die Namen seiner fünf führenden wissenschaftlichen Berater bekannt gegeben. Zwei von ihnen sind eng mit der Biotech-Industrie verbunden: Sharon Long, Mitglied im Vorstand von Monsanto von 2002 bis 2007 und Gilbert Omenn, Vorstandsmitglied des Biotech-Unternehmens Amgen von 1987 bis heute. Mehr ... ++ Mehr über Obama, GVO und Ethanol ++ noch mehr ...

 
Medien
Seitenwechsel

Der BUND musste den "Verlust" eines Experten beklagen: Jens Katzek wechselte vom BUND zur "KWS Kleinwanzlebener Saatzucht AG". Beim BUND Bundesverband hatte sich der studierte Biochemiker Katzek als Kritiker der Gentechnologie einen Namen gemacht. Bei KWS, einem der größten deutschen Saatguthersteller, ist er für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Das Unternehmen will gentechnisch veränderte Nutzpflanzen vermarkten. Danach war Katzek Geschäftsführer der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) in Frankfurt/Main - eine berufliche Veränderung aus Überzeugung? So hätte es die Gen-Lobby gerne und so stellte die Industrie den Seitenwechsel gerne dar. War Katzek bereits gezielt beim BUND eingesetzt und sein späterer Wechsel zur Industrie lange geplant? Ging es bei seinem Seitenwechsel gar nur ums Geld? Fragen, die nur Herr Katzek beantworten kann.

NGOs

Eines der krassesten Beispiel ist die Internetplattform "TransGen". Irgendwann kam die Verbraucherinitiative auf die Idee, zusammen mit Gentechnikkonzernen eine Internetplattform zu gründen. Neutral sollte sie sein. Eine Propagandaplattform verschleierter Form ist sie geworden.

Schein-Verbände und Tarnorganisationen

FINAB - Filz um Rostock und Groß Lüsewitz mit der Inge Broer. Aus einer Presseinfo des Umweltinstituts München
In Mecklenburg-Vorpommern existieren im Bereich der Agro-Gentechnik enge Verflechtungen zwischen öffentlich finanzierter Forschung, Lobbygruppen und kommerziellen Unternehmen. Das ist das Ergebnis einer Analyse, die das Umweltinstitut München veröffentlicht hat. Das Institut untersucht darin unter anderem die Rolle von Prof. Inge Broer von der Universität Rostock. ...
Dass Gen-Experimente und öffentliche Forschungsgelder auch dazu dienen, befreundete Lobbyisten zu versorgen, zeigt aktuell ein von Broer beantragter Freisetzungsversuch mit genmanipuliertem Weizen. Der Versuchsstandort auf dem Gut der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz in Üplingen (Sachsen-Anhalt) soll in einen „Gentechnik-Schaugarten“ eingegliedert werden. Dieser Schaugarten soll die Akzeptanz für genmanipulierte Pflanzen in der Bevölkerung verbessern. Den Versuch will das Unternehmen Biotech Farm durchführen. Geschäftsführerin von Biotech Farm ist Kerstin Schmidt, gleichzeitig Schatzmeisterin von FINAB (bis 2009) und Geschäftsführerin von biovativ.

Das ständige Gründen neuer Tarnorganisationen hat System ... und ist nicht nur zufällig. Auszug zur Entwicklung dieser Strategie in der Studie "Kontrolle oder Kollaboration" von Christoph Then und Antje Lorch
Burson-Marsteller legte im Januar 1997 ein umfangreiches Strategiepapier vor und beteiligte sich auch an der Durchführung des Treffens von EuropaBio in Amsterdam. Die Spuren dieses Strategiepapiers lassen sich bis heute verfolgen. So empfahl Burson-Marsteller damals, nicht so sehr über die Risiken der Gentechnik zu sprechen, sondern vielmehr Geschichten zu erzählen, in denen die möglichen Erfolge vorkommen sollten. Im Kern der Analyse von Burson-Marsteller aber stand die Aussage, dass die Industrie ihr gesamtes Auftreten verändern müsse. Nicht mehr die Industrie selbst, sondern scheinbar neutralere Institutionen sollten die Diskussion um die gv-Saaten voran tragen. Davon hinge letztlich der Erfolg der gesamten Branche ab:„Nach unserer Erfahrung liegt der Schlüssel zum Erfolg in dem Tempo und dem Maß, mit dem Mitglieder von EuropaBio die Notwendigkeit für einen neuen Ansatz akzeptieren und diesen konsequent umsetzen. Diese fundamentale Änderung besteht, darüber hinaus gehend, genau in diesem einen Punkt: Um die gewünschten Änderungen in den öffentlichen Wahrnehmungen und Meinungen zu erreichen, müssen die Biotech-Industrie aufhören zu versuchen, ihre eigenen Fürsprecher zu sein (...)“ ...
Die von Burson-Marsteller vorgeschlagene Strategie war von der Biotechnologie bereits wenige Jahre später mit Erfolg umgesetzt. So beschreibt der PR-Experte Stefan Bottler die Strategie 1998 in einem Artikel der Fachzeitschrift Werben & Verkaufen wie folgt: „Die sublime Kommunikationstaktik vieler Chemie-, Biotechnik-, Nahrungsmittel- und Saatgutfirmen, alle sind in das Thema Gentechnik involviert, scheint aufzugehen. 10 Jahre lang hatten die Unternehmen auf spektakuläre Kampagnen verzichtet und statt dessen in gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Below-The-Line Maßnahmen investiert. (...) Federführend in der PR ist eine Flut von Arbeitskreisen, Initiativen und Aktionsgruppen, die einzelne Unternehmen und Verbände gegründet haben. Auch Branchenkenner haben Mühe, die Übersicht zu bewahren. So schlossen sich innerhalb des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) rund 100 Medizin- und Biotech-Unternehmen zur deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) zusammen. Diese positioniert Bio- und Gentechnik als Zukunftswissenschaften, die am krisengebeutelten Standort Deutschland für Aufbruchsstimmung sorgen (...) Unilever, Nestlé und Spar praktizieren seit 1996 einen „Gen-Dialog“ mit Hausfrauenbund und Verbraucherinitiativen. Mit Gen-Kritikern in Verbraucherverbänden und Medien kommuniziert auch der Arbeitskreis Grüne Gentechnik, dem Biotechnologie-Unternehmen und Saatguthersteller angehören. Aus der Politik kommt massive Unterstützung (...)“
Es entsteht ein Netzwerk aus Industrieverbänden wie der deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) und EuropaBio, von Lobbyverbänden wie dem Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) und dem EFB7 (dem europäischen Biotechnologie-Verband, in dem verschiedene Wissenschaftler, Gentechnikfirmen und Lobbyorganisationen Mitglied sind), von Arbeitskreisen und Consulting-Firmen. In diesem Netzwerk finden sich auch schon früh Vertreter von Behörden und Wissenschaftler von öffentlichen und staatlichen Forschungsinstituten. Einer von ihnen ist der langjährige Leiter des Molekularbiologischen Zentrum (MBZ) der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (BfEL, jetzt MRI) in Karlsruhe, Professor Klaus Dieter Jany. Jany ist bereits seit 1989 beim MBZ tätig ist und tritt seitdem immer wieder direkt oder indirekt für den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft und Lebensmittelherstellung ein. Ebenso wie Gabriele Sachse vom PR-Büro BioAlliance verfasste er z.B. 1997 einen Beitrag auf der Webseite der durch Monsanto getragenen „Initiative Information Sojabohne“ und wandte sich u.a. gegen eine „übertriebene Kennzeichnungspflicht, etwa, wenn Gensojaerzeugnisse in anderen Lebensmitteln verarbeitet werden.“ (Anmerkung der AutorInnen: Eine Kennzeichnungspflicht, die inzwischen geltendes EU-Recht ist.) Im Zuge einer aktuellen Umstrukturierung, bei der das Bundesamt für Ernährung und Lebensmittel dem neuen Max-Rubner-Institut (MRI) zugeordnet wurde, veränderten sich auch die Zuständigkeiten für Klaus-Dieter Jany, der nach Auskunft der Pressestelle des MRI im Juni 2008 in den Ruhestand treten wird. Die Zusammenarbeit zwischen Behördenvertretern wie Jany und der Industrie wurde unter anderem für die Öffentlichkeit schon vor Jahren in Form von kleinen Publikationen sichtbar, so genannten Beiheftern, die von Consulting Firmen im Auftrag der Industrie erstellt und in den deutschen Medien breit gestreut wurden. Vor allem Personen, die auch im Umfeld des Wissenschaftlerkreises Grüne Gentechnik (WGG, s.u.) genannt werden, wie Klaus-Dieter Jany, Wolfgang Schumann, Beda Stadler und Klaus Ammann (weitere Angaben zu den genannten Personen siehe im folgenden Text) gaben in diesen Beiheftern Statements ab. Gemeinsame Herausgeber dieser Publikationen waren vor allem die Firmen Agrevo, Monsanto, Novartis, der BLL und Shandwick Deutschland GmbH. Organisiert wurden die Publikationen unter anderem von der PR-Agentur Shandwick International in Bonn. In diesen Beiheftern wurden Wissenschaftler genau so eingesetzt, wie von Burson-Marsteller empfohlen: Scheinbar unabhängige Forscher machen sich zu Advokaten der gv-Saaten.
Zu Werbebroschüren mit den Titeln „Gentechnik - was ist dran“, „Info-Spezial Grüne Gentechnik“ und „Zeitbild Medical: Gentechnik verstehen - Essen ohne Angst“ schreibt Stefan Bottler in der Fachzeitschrift Werben & Verkaufen: „Ganz pointierte Aktionen fahren Novartis, Monsanto Deutschland, die Hoechst-Tochter Agrevo und der von der Industrie getragene Bonner Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL). Sie begnügen sich nicht mit konventioneller Öffentlichkeitsarbeit, sondern nehmen einzelne Zielgruppen wie junge Frauen, Ärzte oder Lehrer ins Visier. Der August-Ausgabe von Bravo Girl lag ein Genfood-Beihefter der Vierer-Gruppe mit Preisausschreiben bei. 'Frauen sind eine ganz wichtige Entscheidergruppe beim Lebensmitteleinkauf,' sagt Helmut Wagner, Kommunikationsdirektor von Monsanto Deutschland. 'Allerdings ist ihre Skepsis gegenüber der Gentechnik besonders groß.' Weitere Beihefter für das SZ-Magazin und diverse Special interests sind in Vorbereitung. Außerdem geplant: ein Gentechnik Unterrichtsheft für Lehrer, konzipiert vom Bonner Zeitbild-Verlag.“
Ein typisches Produkt dieser Zusammenarbeit ist beispielsweise eine Broschüre mit dem Titel „Gentechnik verstehen: Essen ohne Angst“. Sie wurde vom Verlag Zeitbild in Zusammenarbeit mit der Bundesforschungsanstalt für Ernährung (BFE bzw BfEL, heute MRI) im September 1998 herausgegeben. Wissenschaftliche Berater waren Klaus- Dieter Jany und Gabriele Sachse, Gründerin der Industrie-Consulting-Firma BioAlliance, die bei der Zulassung der gv-Soja auch für Monsanto tätig war. In der Broschüre tauchen mit Klaus Ammann, Beda Stadler und Wolfgang Schuhmann auch wieder die bereits oben genannten Experten auf, die im gleichen Jahr in Zusammenhang mit der Gründung des „Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik“ (WGG) genannt wurden. Exemplarisch wird hier ein Zitat von Jany angeführt, das auf den ersten Blick Aufklärung suggeriert, aber letztlich die Darstellung der Vorteile von Gen-Food zum Ziel hat: „In der Pflanzenzüchtung versucht man, ganz gezielt Eigenschaften in unsere Nutzpflanzen einzubringen, die mit herkömmlicher Züchtung bisher nicht oder nur schwer erreicht werden: z.B. im Kampf gegen Schädlinge, zur Qualitätsverbesserung oder zur Verringerung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln. Trotzdem, viele Menschen stehen dieser Züchtungsmethode noch skeptisch gegenüber – nach dem Motto „Wer weiß, was da drin steckt?“ Dabei kann die Gentechnik auch im Lebensmittelbereich viele Vorteile bieten. In diesem Magazin wollen wir mit Fakten Antworten auf viele Fragen geben.“
Noch fragwürdiger im Hinblick auf seine Rolle als unabhängiger Vertreter einer Bundesforschungsanstalt ist eine achtseitige Anzeige in der bundesweiten Universitätszeitschrift UNICUM aus dem Jahr 1998, die unter anderem von Monsanto und dem BLL bezahlt wurde. Darin spricht sich Jany – inzwischen Vorsitzender des WGG – u.a. erneut gegen eine umfassende Kennzeichnung aus.

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Zu Seilschaften und Filz in der Gentechnik
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