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Argumente

Presse 2006

Presseinfos von "FeldbefreierInnen" und anderen GenversuchsgegnerInnen

Presseberichte

Zum Versuch

Die Gießener Uni baut auf einem Versuchsfeld am Stadtrand genmanipulierte Gerste an. Ins Genom dieser Gerste wurde ein Gen aus einem Bakterium eingeschleust, das die Eigenschaften dieser Pflanze als Futter- und Brau-Getreide verbessern soll.
Wem nutzt so ein Versuch? Futtergetreide gibt es mehr als genug. Der Preis dafür ist so tief gefallen, daß es für die Landwirte lohnender wäre, Getreide als Brennmaterial für Heizungen und Kraftwerke zu vermarkten. Das ist kein Hirngespinst, sondern wurde in den letzten Monaten mehrmals in den Massenmedien berichtet. Als Begründung für Genmanipulationen an Lebensmitteln wird oft der Hunger in der Welt genannt. Grundfürden Hungeristaber nicht ein Mangel an Nahrungsmitteln, sondern die Armut. Weltweit ist die Landwirtschaft in der Lage, jede kaufkräftige Nachfrage mit herkömmlichen Anbaumethoden zu befriedigen.
Als Braugetreide würde die neu angebauteGerste kaumAbnehmerfinden. Eine Brauerei, die in den Ruf käme, so etwas zur Bierherstellung zu verwenden, könnte ihre Plärre gleich indenAusgußschütten und zumachen, dafür gibt es keinen Markt. Angeblich soll der Anbau der genveränderten Gerste Chemie auf dem Acker einsparen,. Daß Landwirtschaft auch ohne Giftspritze funktioniert, beweisen Bio-Bauern schon lange, dazu braucht man keine Genmanipulationen. Die einzigen Nutznießer von Genmanipulationen an Lebensmittel sind die Agrarkonzerne. Das neuartige Saatgut wird nur von ganz wenigen Herstellern produziert. Die Landwirte, die sich auf den Anbau der manipulierten Pflanzensorten einlassen, begeben sich in eine Abhängigkeit, die von diesen Konzernen gnadenlos ausgenutzt wird. Welche Gefahren birgt der Genversuch? Das kann niemand ernsthaft beantworten. Durch die Gentechnik werden Gene von Bakterien, Pflanzen und Tieren beliebig gemischt und neue Lebensformen erzeugt, die die Evolution nie hervorgebracht hätte. Welche Auswirkungen das langfristig auf des Leben auf der Erde hat ist nicht abzusehen - ein Großversuch mit unbekanntem Ausgang.
Gernot Linhart

Text oben aus: Gießener Echo, Mai 2006 (S. 2).
Abb. rechts Kommentar von Guide Tamme (Giessener Allgemeine, 29.04.06, S. 26)

Zum Widerstand
Vor dem Feldbefreiungsversuch

FR, 25.5.2006

Berichte über den Feldbefreiungsversuch

 Text in der Anti Atom Aktuell Juli 2006 (S. 58 f., vergrößern durch Klick)

Text im GID Juni/Juli 2006 (S. 27 f., vergrößern durch Klick)

Politiker-Reaktionen auf die "Feldbefreiung" (gefunden in der Presse)

SPD-Linke als Ober-Hetzer gegen "FeldbefreierInnen" (Aus Gießener Allgemeine, Internet 7.6.2006, siehe Bild links, vergrößern durch Anklicken):
Aufklärung verlangt: HR hatte Übergriff auf Gentechnik-Versuchsfeld angekündigt
Die militanten Gentechnik-Gegner haben am Freitag etwa ein Fünftel des Versuchsfeldes mit gentechnisch veränderter Gerste im Alten Steinbacher Weg zerstört. Damit könne das wissenschaftliche Experiment nicht in vollem Umfang zu Ende gebracht werden, sagte Prof. Karl-Heinz Kogel, Direktor des Instituts für Phytopathologie (Pflanzenkrankheiten) der Justus-Liebig-Universität und Leiter des Versuchs, am Dinestag der Allgemeinen Zeitung. Der SPD-Landtagsabgeordnete Thorsten Schäfer-Gümbel hat Aufklärung über die Umstände der militanten Übergriffe gefordert, die der Hessische Rundfunk schon zwei Tage zuvor in einem Programmhinweis angekündigt hatte. Die Frage stelle sich, »wer wen zu welchem Zeitpunkt informiert hat. Wenn die Aktion bekannt war, hätte sie verhindert werden müssen.« Ärgerlich sei zudem, »dass sich ausgerechnet ein Herr Bergstedt im HR als Repräsentant der Gentechnik-Kritiker verbreiten konnte. Entweder wusste der HR nicht, mit wem er es zu tun hat, dann ist das peinlich. Oder er hat es gewusst, dann haben wir ein ernsthaftes Problem.« Obwohl Jörg Bergstedt jenseits jeder ernst zu nehmenden Positionierung stehe, werde ihm auch noch eine Bühne für seine Polit-Spektakel gegeben.

Und weil ja der kaputte Genversuch zu Tränen rührt, trifft sich die ganze SPD-Regionalelite gleich mit dem Versuchsleiter, um dessen Image zu retten. Dabei machen die SPDlerInnen zum Teil richtig peinliche Bemerkungen, z.B. dass die Uni " keinerlei kommerzielle Interessen verfolgten" (selten so gelacht) und das Bio-Sicherheitsprogramm nur aus öffentlichen Geldern finanziert würde (was Versuchsleiter Kogel auch schon mal besser wußte). Naja - die Sozialdemokraten halt im Krisenfall immer als Rettungsring staatlicher und wirtschaftlicher Interessen ... Bericht zu dem Werbeauftritt der SPD-Größen am Genversuchsfeld im Gießener Anzeiger (19.5.2006).

Landtags-Grüne wettern gegen Genversuch und gegen "FeldbefreierInnen" (Aus Gießener Allgemeine, 16.6.2006, siehe Bild links, vergrößern durch Anklicken), Auszug:
Die Feldbefreiung am Freitag vor Pfingsten, als das Versuchsfeld teilweise zerstört wurde, lehnt der Gentechnikgegner Häusling strikt ab. Der Landtagsabgeordnete: "Das sind Aktionen von Fundamentalisten, die alle ernsthaften Kritiker der Gentechnik diskreditieren. Wir führen diese Auseinandersetzung politisch."

Zum gleichen Thema im Gießener Anzeiger, 16.6.2006 hier ..., Auszug:
Grünen-Politiker Häusling distanzierte sich ausdrücklich von der Aktion der "Feldbefreier" am Pfingstwochenende. "Das ist nicht die Form des Dialogs, die wir für akzeptabel halten", so der Landtagsabgeordnete. Vielmehr schadeten derartige Aktionen der Sache, weil damit die Gentechnik-Gegner in die Chaoten-Ecke gestellt würden.

Hinweis: Sowohl SPD wie auch Grüne lehnten vor Pfingsten einen Eilantrag der Linkspartei im Gießener Stadtparlament ab, sich mit dem Genversuch zu befassen. So sieht die Auseinandersetzung also sog. "politisch" aus. Erst nach der Aktion der "FeldbefreierInnen" sehen sie sich gezwungen, endlich auch Aussagen zu machen ...

Die Ex-SPD- und jetzige DuMont-Zeitung "Frankfurter Rundschau" zeigte recht deutlich, wieweit sie Widerständigkeit jenseits der großen und zentralen Aktionen gänzlich negiert. Die Zeitung, die auch Attac groß machte gegenüber den Basisinitiativen des Protestes und die Linkspartei-/WASG-Kader gegenüber den Straßenprotesten gegen Hartz IV schrieb am 29.7.2006 (S. 29):
Zum zweiten Mal kündigen Gentechnikgegner eine Straftat im Vorfeld an.
Die Aktionen in Gießen und Oberboihingen fanden in der zentralen FR-Redaktion und beim rechtsstaatsfetischistischen Gentechnikkritiker Stephan Boernecke gar nicht statt. Auch rund um Pfingsten, als es zu den beiden genannten angekündigten Feldbefreiungen kam, schrieb Boernecke zwar viel über Genfelder, aber nur über den kleinen Genmais-Acker in der Wetterau - Gießen und Oberboihingen erwähnte er mit keiner Silbe. Ob da eine Rolle spielte, dass der Versuchsleiter des Gießener Feldes auch ein SPD-Mann ist???

Erwähnung in Gentechnik-Texten der Folgezeit

Aus Spiegel-Online, 22.6.2006
Gengegner zerstörten wiederholt die Pflanzen auf Forschungsäckern: An Pfingsten hatten selbsternannte FeldbefreierInnen ein Fünftel eines Versuchsfelds bei Gießen zerstört. Dort war genetisch veränderte Gerste angebaut worden. Einige der Aktivisten verbrachten die Feiertage in polizeilichem Gewahrsam.

Aus der taz, 12.6.2006 (S. 7)
Der österreichische Landwirtschaftsminister und EU-Ratspräsident Josef Pröll glaubt hingegen nicht, dass die angewandte Gentechnik in Europa eine "Erfolgsstory wie in Übersee" werden könne. Er stellte am Wochenende fest: "Es gibt zu viele in der Gesellschaft, bei den Konsumenten und im bäuerlichen Bereich, die Gentechnik nicht wollen."
Das zeigt sich auch in der Nähe des hessischen Gießen; dort sorgt gentechnisch veränderte Gerste für Furore: Vor zehn Tagen waren sechs Gentechnikgegner beim Versuch festgenommen worden, das Feld zu zerstören. Seitdem wird das Versuchsfeld rund um die Uhr polizeilich bewacht.
Die Gerste hatten Forscher des Instituts für Phytopathologie der Gießener Universität gepflanzt - 9,6 Quadratmeter mit 5.000 gentechnisch veränderten Pflanzen. Es ist in Deutschland das erste Mal, dass so genannte transgene Gerste im Freiland wächst. Institutsleiter Karl-Heinz Kogel erklärt: "Der Versuchsanbau ist Teil der Biosicherheitsforschung". Mitte August sollen die Pflanzen ausgegraben und ihre Wurzeln untersucht werden. Falls sie so lange stehen: Die Proteste reißen nicht ab.

Das Ende des Versuchs in der Presse

Aus der FAZ, 7.7.2006
Die genmanipulierte Gerste ist auf einem Versuchsfeld der Universität Gießen in dieser Woche vorzeitig geerntet worden. Ursprünglich hatten die Forscher um den Leiter des Instituts für Phytopathologie (Pflanzenkrankheiten), Professor Karl-Heinz Kogel, das Feld erst im August abräumen wollen. Nun haben sie aber entgegen ihrer Absicht nicht bis zur Reife der Ähren gewartet. Denn ein Fünftel der Ende April gesetzten 5000 Pflanzen war von Gentechnikgegnern am Pfingstwochenende zerstört worden. ...
Derweil wertet die Gießener Polizei, die am Pfingstwochenende noch größere Schäden an dem Versuchsfeld verhindert hatte, nach wie vor weiter die gesicherten Spuren aus. Gegen die militanten Gentechnik-Gegner wird wegen des Verdachts der der Sachbeschädigung und des Hausfriedensbruchs ermittelt, wie die Staatsanwaltschaft Gießen weiter mitteilte. Sie hatten den Übergriff zuvor im Internet angekündigt. Der mutmaßliche Rädelsführer ist polizeibekannt, da er in der Vergangenheit schon mit ähnlichen Aktionen aufgefallen war.

Presse zur weiteren rechtlichen Auseinandersetzung

Bericht zur Diskussion am 8.6.2006

Nach dem Film "We feed the world" gab es im Kino Traumstern ein sog. Publikumsgespräch. Links der Ausschnitt aus einem Bericht der Gießener Allgemeinen, 10.6.2006 (S. 37).


Presse zu weiteren Genfelder in der Region

Text zum Genversuch in Hammersbach, FR 4.5.2006 (Vergrößern durch Draufklicken)