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Gentec in GI Gerste Betrügereien 2009 Maisfeld Stadtpolitik Uni Prof. Kogel&IFZ
Argumente

Fälschungen, Betrug, Propaganda?
Das Versuchsfeld mit transgener Gerste der Uni Gießen

Behauptete Ziele ++ Tatsächliche Ziele ++ Geld ++ Verharmlosung ++ Transparenz ++ Stellungnahmen ++ Who is who? ++ Links

Ziel ist nicht die Risikoforschung, sondern die Gentechnik in den Köpfen durchzusetzen
Aus einem Interview mit Prof. Kogel (Quelle: Biosicherheitsforschung)
Die Skepsis, auf die wir treffen, ist Ausdruck eines erklärbaren, ja notwendigen Schutzmechanismus, der ja auch aus evolutionsbiologischer Sicht sinnvoll ist. Für uns Wissenschaftler heißt das: Wir müssen zeigen, dass diese Technik, die wir einführen wollen, große Vorteile hat – und dass diese Vorteile begreifbar werden. Erst dann, glaube ich, kann man die Bevölkerung wirklich überzeugen. Unsere Aufgabe ist es, stetig und mit viel Geduld Überzeugungsarbeit zu leisten.

Die Ziele des Gerstenversuchs: Täuschung und Wahrheit

Täuschung: Es ging (nur) um Sicherheitsforschung

Das Versuchsfeld mit transgener Gerste wurde als Forschungsfeld für Fragen der "Biosicherheit", d.h. der Auswirkungen auf die Umwelt, beim BVL beantragt und genehmigt. Zudem wurden entsprechende Fördermittel beantragt und ausbezahlt. Doch die Zweifel daran, ob das stimmt, sind zahlreich. Vieles deutet darauf hin, dass bei beiden Anträgen geschummelt wurde. Das Feld diente offensichtlich anderen Zielen, wurde aber als Biosicherheitsversuch deklariert, um Akzeptanz, eine einfachere Genehmigung und Fördergeldeinnahmen zu erreichen.

Behauptungen, dass es (nur) um Sicherheitsforschung ginge
Nicht nur in den Anträgen und Genehmigungen ist nur von Umweltbegleitforschung die Rede. Dieses Ziel wurde auch in Medien und gegenüber Medien ständig wiederholt.

Im Original: Darstellung in den Medien ... Diese Daten ausblenden ++ Alle Daten aus / einblenden
Aus dem Giessener Anzeiger vom 25.04.2006
Erster Freilandversuch mit transgener Gerste
Gießener Wissenschaftler werden 5000 Pflanzen auf zwölf Quadratmetern ausbringen - Deutschlandweite Premiere
GIESSEN (soh). Es ist deutschlandweit das erste Mal, dass transgene Gerste in einem Freilandversuch wissenschaftlich untersucht wird. Dabei werden in Gießen voraussichtlich am Mittwoch auf rund zwölf Quadratmetern einer insgesamt 400 Quadratmeter großen Versuchsfläche am Alten Steinbacher Weg rund 5000 Gerstenpflanzen von Wissenschaftlern des Instituts für Phytopathologie und Zoologie der Justus-Liebig-Universität (JLU) ausgebracht werden. Dieser erste Freilandanbau, der am 3. April von der zuständigen Behörde genehmigt wurde, soll die Frage klären, ob sich die gentechnisch veränderten Pflanzen negativ auf die für die Pflanzen wichtigen Bodenpilze, die Mykorrhiza auswirken, die ein essentieller Bestandteil in Ökosystemen darstellen und in beträchtlicher Weise zur Förderung der Pflanzengesundheit beitragen. Die Feldversuche seien von geringen Umfang und sorgfältig geplant, um eine Isolation der genetisch veränderten Gerste zu garantieren, versicherten Dr. Patrick Schäfer und Prof. Karl-Heinz Kogel vom Institut für Phytopathologie und Angewandter Zoologie der JLU gestern bei einer Pressekonferenz. Erste Ergebnisse erhoffe man sich nach etwa drei Monaten.
Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt "zur biologischen Sicherheit gentechnisch veränderten Getreides" (Biosafety), das rein universitären Charakter habe und nicht von der Wirtschaft unterstützt werde, wird ebenfalls im Rahmen des Biosicherheitsprogramms der Bundesregierung "Biologische Sicherheit gentechnisch veränderter Pflanzen" gefördert. Neben dem Institut für Phytopathologie und angewandter Zoologie der Universität Gießen, ist an diesem Projekt der Lehrstuhl für Biochemie an der Universität Erlangen-Nürnberg beteiligt.
Es werden zwei gentechnisch veränderte Gerstenlinien auf negative Effekte gegenüber nützlichen Bodenpilzen untersucht. Eine der beiden Gerstenlinien enthalte zusätzlich zu ihren natürlichen Genen ein eingebautes Gen, welches die Information für eine so genannte Endochitinase trage. Dabei handele es sich um ein chitin-abbauendes Enzym. Chitin ist Bestandteil von Pilzen, welche die Gerstenpflanze befallen können. Die Gerste soll dementsprechend widerstandsfähiger gegen Pilzbefall sein. Eine Wirkung gegenüber Insekten, deren Außenhaut ebenfalls teilweise aus Chitin besteht, werde ausgeschlossen, weil diese chemisch verschieden seien. Die Wirkung der Pflanzen auf nützliche Bodenpilze, wie den Mykorrhiza, die in Symbiose mit den Pflanzen leben, soll in diesem Freilandversuch untersucht werden, schilderten die beiden Wissenschaftler.
Die zweite transgene Gerstenlinie enthalte ein bakterielles Kohlenhydratabbauendes Enzym, die so genannte Beta-Glucanase. Diese Gerste besitze keine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegen Krankheitserreger, sondern sei wegen ihrer positiven Eigenschaften als Futtermittel für Hühner erzeugt worden, die normale Gerste nur schwer verdauen könnten. Der Einsatz der gentechnisch veränderten Pflanzen bewirke eine Reduzierung von Pestiziden und Arbeitskosten, sagte Kogel. Die transgenen Pflanzen würden nach Abschluss der Forschungen auf jeden Fall vernichtet werden, versicherte er.
"Die Möglichkeit der Auskreuzung ist im Falle von Gerste äußerst gering", betonte er. Zahlreiche, vorab durchgeführte Risikoabschätzungen zur Ausbreitung von Gerstenpollen hätten eine Auskreuzung - ein Kreuzen mit anderen Pflanzen - als nicht messbar bewertet. Aufgrund ihrer fehlenden Konkurrenzfähigkeit seien Wachstum und Ausbreitung der Gerste an ackerbauliche Maßnahmen gebunden, zudem sei die Gerste ein Selbstbestäuber. Es seien, so die Wissenschaftler, umfangreiche Maßnahmen ergriffen worden, um trotzdem das Risiko einer Verbreitung der Pflanzen noch weiter zu minimieren. So sei die Flora des Versuchsgeländes vor der Freisetzung auf mögliche sexuell kompatible Arten überprüft worden. Andere Getreidearten würden nicht während des Versuchszeitraum auf dem Gelände kultivier, und das Versuchsfeld wiederum werde von einem fünf Meter breiten Randstreifen mit konventioneller Gerste umfasst, der wiederum von Schwarzbrache und einem 25 Meter breitem Streifen Weißklee umschlossen sei, erläuterten die beiden Forscher.
Besorgt zeigte sich dagegen Christian Otto von der Hochschulgruppe Unigrün. "Solche Forschungen ebnen den Einstieg der Landwirtschaft in die Gentechnik", sagte er. Gerade die Argumente der Widerstandsfähigkeit gegenüber Pilzen und die damit verbundene Reduzierung von Pestiziden sei problematisch, da auch die Pilze ihrerseits Resistenzen gegenüber den gentechnisch veränderten Pflanzen bilden könnten und dieser Vorteil wieder dann nicht mehr gegeben sei.

"Einzig und allein"
Aus einer Presseinformation des Bundesforschungsministeriums zum Versuch in Gießen (auch: Gießener Allgemeine, 2.6.2006, S. 23)
"Die Arbeit der Forscher dient einzig und allein dazu, sicherheitsrelevante Fragen zu beantworten", sagte Thielen.

Aus dem Stern, 28.5.2006
Kogel will mit dem auf drei Jahre angelegten Versuch herausfinden, ob die gentechnisch veränderten Pflanzen schädliche Auswirkungen auf das Bodenleben haben. Vor allem interessiert die Forscher, ob nützliche Bodenpilze wie die praktisch überall vorkommenden Mykorrhiza verändert oder zerstört werden.

Gen-Gerstefeld unmittelbar vor der Aussaat, in: Gießener Anzeiger vom 27.3.2007
Universität sät gentechnisch veränderte Gerste aus
Kogel: Fortsetzung des im vergangenen Jahr begonnenen Versuchs - "Keine negativen Nebeneffekte für die Umwelt"
GIESSEN (tt). Neben der in Kürze von Prof. Wolfgang Friedt geplanten Aussaat von gentechnisch verändertem Mais der Firma Monsanto im Westen der Stadt, beabsichtigen Wissenschaftler um Prof. Karl-Heinz Kogel ebenfalls in wenigen Tagen einen weiteren Versuch mit genmanipuliertem Getreide auf städtischem Gebiet. Kogel, Professor für Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz an der Gießener Justus-Liebig-Universität (JLU) und zugleich Vizepräsident der Hochschule, bestätigte die Ausbringung transgener Gerste auf dem Versuchsfeld des Instituts für Phytopathologie und Angewandte Zoologie im Alten Steinbacher Weg.
Bei dem Projekt handelt es sich um die Fortsetzung des im vergangenen Jahr begonnenen auf drei Jahre angelegten Versuchs, bei dem erstmals in Deutschland gentechnisch veränderte Gerste im Freiland angebaut wird. Die Genehmigung des Forschungsprojekts geht noch auf die rot-grüne Bundesregierung zurück. "Uns interessiert die Frage, ob sich neben der verbesserten Futterqualität und der erhöhten Widerstandsfähigkeit auch unerwünschte Eigenschaften zeigen. Es geht vor allem um das Bodenleben, um schädliche Auswirkungen auf nützliche Pilze wie Mykorrhiza, die den Wurzelraum von Nutz- und Wildpflanzen besiedeln", erläuterte Kogel.
Erste Antworten auf diese Fragen liegen bereits vor. "So wissen wir mittlerweile, dass es keine negativen Nebeneffekte für die Umwelt gibt." Jedoch verlange die "gute landwirtschaftliche Praxis" eine Versuchsdauer von drei Jahren, "um die Erkenntnisse auch wissenschaftlich abzusichern". Kogel betonte, dass es sich bei dem Versuch um "intensive Forschung im Rahmen der Bio-Sicherheitsforschung" handele. Geplant sei die Ausbringung von 5000 gentechnisch veränderten Pflanzen. Erfreut zeigte sich der Wissenschaftler über die "äußerst positive" Resonanz, die er auf das Projekt vor allem in Schulen erhalten habe. "Die Akzeptanz war sehr hoch, wie aus ökologischen Gründen so eine Technik genutzt werden soll."
Mit Blick auf immer wieder geäußerte Befürchtungen, der Freisetzungsversuch könnte zu Auskreuzungen führen, sagte Kogel: "Gerste ist in diesem Zusammenhang eine sichere Pflanze, da sie zu 99 Prozent Selbstbestäuber ist. Das heißt: Der Gerstenpollen befruchtet die Narbe der eigenen Blüte. Das geschieht - zumindest bei unseren Pflanzen - bei geschlossenen Blüten, so dass es kaum zu einem Kontakt mit Insekten oder zu einer Windverbreitung des Pollens kommt."
Im vergangenen Jahr hatten so genannte Feldbefreier Teile des Versuchsfeldes im Alten Steinbacher Weg zerstört.

Auch Versuchsleiter, beteiligte Institutionen, Geldgeber usw. behaupteten ständig, es ginge um Biosicherheitsforschung.

Im Original: Eigene Zitate und Selbstdarstellung ... Diese Daten ausblenden ++ Alle Daten aus / einblenden
Weiterer Auszug von der Internetseite zur Biosicherheitsforschung
Für die Befallsstudien im Freiland wird eine Hälfte des Versuchsfeldes mit einem kommerziell erhältlichen Mykorrhizapilz behandelt. Dieser wird auf das Feld ausgebracht und in den Boden eingearbeitet. Sowohl die zwei transgenen Linien als auch die nicht-transgenen Ausgangslinien werden auf dieser Fläche ausgebracht. Auf der zweiten Versuchshälfte wird das gleiche Pflanzenmaterial ausgesät, jedoch wird kein Mykorrhizapilz ausgebracht.
Im Falle eines negativen Effekts auf Symbionten wird vermutet, dass die gentechnisch veränderten Pflanzen im Vergleich zu den nicht-transgenen Organismen mit geringerem Wachstum auf nährstoffarmen Böden reagieren. Neben der Wachstumsmessung wird auch die Wurzelbesiedlung der transgenen Linien mit Hilfe moderner Mikroskopieverfahren analysiert.

Aus einem Streitgespräch mit Prof. Dr. Uwe Sonnewald, Uni Erlangen-Nürnberg, Leiter des Lehrstuhls für Biochemie, beteiligt am Gießener Gengersteversuch (Quelle: IHK Regensburg)
In dem von der Universität Gießen koordinierten Forschungsvorhaben, an welchem auch mein Arbeitskreis beteiligt ist, geht es u.a. um Untersuchungen zur Auswirkung einer gentechnisch eingeführten Pilzresistenz auf Mycorrhizapilze. Diese Bodenpilze besiedeln die Pflanzenwurzeln und können unter bestimmten Umweltbedingungen die Mineralstoffversorgung der Pflanzen verbessern. Die eingeführte Pilzresistenz wird durch die Aktivität eines Enzyms aus Trichoderma harzianum, welches Chitin, einem Zellwandbestandteil der Pilze, abbaut, erreicht. Da Chitin nicht nur in den Zellwänden von Schadpilzen vorkommt, sondern auch in den Zellwänden der Mycorrhizapilze, soll die Wirkung der transgenen Pflanzen auf diese Pilzgruppe studiert werden. Dieses Beispiel zeigt weniger, dass die Folgen genmanipulierter Pflanzen auf die Umgebung nicht erforscht sind, sondern, dass mit großer Sorgfalt bei der Bewertung von Gen-Pflanzen vorgegangen wird.

Sonnewald war einer der beiden Versuchsleiter des Gerstenfeldes. Dieselbe Person äußert sich an anderer Stelle dann deutlich: Es geht um Markteinführung (siehe unten unter "Die tatsächlichen Versuchsziele, 1.").

Wahrheit: Die Versuchsdurchführung passte nicht zu den angegebenen Zielen

Behauptet wurden drei verschiedene Ziel. Zum einen ging es um die Auswirkungen der gentechnischen Veränderung und des dadurch durch die Pflanze produzierten Enzyms auf Pilze. Dieses Teilziel war angeblich Versuchsgegenstand der Uni Gießen (Prof. Kogel). Unterteilen ließ es sich in zwei Unterziele:

Zudem untersuchte die Uni Erlangen die sog. substanzielle Äquivalenz, d.h. die Frage, ob die Inhaltsstoffe bei gentechnisch veränderter und unveränderter Pflanze verschieden oder gleich seien.

Doch die Wirklichkeit dürfte eine andere gewesen sein. Denn im Versuchsablauf und zum Teil auch schon bei der Beantragung kam es zu mehreren Handlungen, die nicht zu diesem Ziel passen.

Der Zustand des Bodens interessierte die Forscher gar nicht
Nach Aktenlage sind Bodenqualität und eingebrachte Zusatzstoffe für die Untersuchung der Mykorrhiza und damit einen wichtigen Teil des Versuchs von zentraler Bedeutung.


Aus den Akten zum Versuch: Betriebsanweisung für die MitarbeiterInnen (1. Fassung, S. 3 und S. 4)

Doch Kogel ging Hinweisen auf Bodenverseuchung nicht nach: Am 28.3. nachmittags rief die FR in der Projektwerkstatt an. Bei der Zeitung war ein Brief eingegangen (offenbar bei anderen Zeitungen auch und beim Versuchschef Prof. Kogel), dass eine Gruppe (nannte sich, soweit der Angerufene sich an das Telefonat erinnert, "Unbekannt" oder "Unbekannte") das Genfeld verseucht habe und ein Versuch unmöglich wäre. Der FR-Redakteur meinte, das Maisfeld sei gemeint. Aus den Passagen, die er vorlas (das Schreiben ist als Ganzes noch unbekannt), schien es aber eher so, als sei das Gerste-Feld gemeint.
Der Journalist berichtete noch, dass Kogel nach Erhalt des Briefe hingegangen ist und (offenbar per flüchtigem Draufgucken) befand: Is nix. Mag sein, dass Kogel recht hat und alles ein Aprilscherz ist. Aber Kogel hat in den vergangenen 12 Monaten derart viel und vor allem mediengerecht gelogen, dass es nur so trieft. Leider hat er viele Fans. Unter anderem hat er gestern im Gießener Anzeiger (siehe oben) zu Protokoll gegeben, dass der Gengersteversuch schon das gewünschte Ergebnis (Gentechnik ist sicher) gebracht hätte. Mensch höre und staune: Der Versuch ist auf drei Jahre angelegt - Kogel verkündet schon nach dem ersten Jahr das Ergebnis, obwohl in diesem ersten Jahr das Feld auch noch zerstört wurde!!!
Wissenschaft nach Profitinteressen. Das Ergebnis steht vorher fest. Der Kogel ist einfach extrem unseriös: Bodenanalysen per Hingucken, Ergebnisse stehen vor dem Versuch fest ...

Direkt danach: Die Gerste wird ausgesät!
Links: Gießener Allgemeine zur Aussaat auf dem Gengerstefeld am 29.3.2007 (S. 25) ++ ganzer Artikel: Auf Bild klicken
Internet am 28.3.2007 abends:
Forscher säen gentechnisch veränderte Gerste aus
Die Justus-Liebig-Universität hat am Mittwoch im Alten Steinbacher Weg einen zweiten Feldversuch mit gentechnisch veränderter Gerste gestartet. Karl-Heinz Kogel, Professor für Pflanzenkrankheiten und und Pflanzenschutz, geht dabei erneut der Frage nach, ob das Getreide von geringfügigen Veränderung im Erbgut von nützlichen Bodenpilzen profitieren kann und gegen Krankheitserreger widerstandsfähiger wird. Er überprüft damit die Ergebnisse der ersten Versuchsreihe vom letzten Sommer, die größtenteils zu Ende geführt werden konnte, obwohl Gentechnikgegner ein Teil des Feldes zerstört hatten. Die Bundesregierung fördert das Projekt im Rahmen ihres Biosicherheitsprogramms. Das Gießener Stadtparlament hatte gentechnische Forschungen dieser Art im vergangenen November einstimmig gebilligt.

Im Original: Der Ablauf im Genaueren... Diese Daten ausblenden ++ Alle Daten aus / einblenden
Text "Sicherheitsforschung an Gen-Gerste: Das Ergebnis steht schon fest " und "Was wussten die Gießener Versuchsleiter" (mit Infokästen zu "Chronik des MON810-Skandals" und "Koexistenz"), in: grünes blatt 3/2007 (Bestellseite)
Nach der Aussaat: Foto vom Alten Steinbacher Weg (Fußweg) aus (größer durch Klick). Der Kern mit den gentechnisch veränderten Pflanzen ist durch Bauzäune gesichert. Seitlich (rechts) befinden sich Kameraüberwachung und Flutlicht (auch tagsüber an). Das Foto entstand bei einer Ortsbesichtigung mit einem auswärtigen Journalisten. Zu diesem Zeitpunkt waren mehrere Polizeiwagen an verschiedenen Seiten des Feldes anwesend.

Ein zweiter anonymer Brief zur Sache

Am 4.4.2007 lag mittags ein Brief im Briefkasten der Projektwerkstatt. Er sah von außen so aus:
Im Inneren befand sich ein sehr kleingedruckter Text auf zwei Seiten. Die zweite Seite war sehr schlecht lesbar, die erste ging und ist hier abgebildet.

Der Text lautete (automatisch gelesen, daher voller Fehler - Hinweise auf UNLESERLICH eingefügt):
Seite 1
this is not a love song
zweite erklaerung der unbekannten zur anpflanzung genetisch manipulierter gerste in giessen
wir koennen nicht jeden lag nach giessen kornmen. aber wir wissen, was wir getan haben. auszerdem koennen wir lesen. genau das haben wir auch
gemacht. wir sind erschrocken, aber wir haben such gelernt. danke der guten sammlung von arfikeln im web. google hilft mehr zur wahrheit als saerntliche behoerden, politiker und nioechtegOn-protestgruppen in gieszen.
um was geht es?
kurze chronologie mit auszuegen aus dem internet.
im februar und maerz haben wir in mehreren vor allem naechtlichen einsaetzen zentnerweise rnaterial auf dem acker am steinbacher weg in giessen
ausgebracht. wir haben uns fuer einen stoff entschieden, der nicht jahrelang das bodenleben verseucht. aber ausreichend lange. der auszerdem nicht zu sehen ist nach der jeweiligen nacht.
kurz bevor die genpfuscher und ihre lobbyl steh dann ihre profitsaat ausbringen wollten, planten wir die verteilung
von schreiben in giessen, die darauf
hinwies, dass der versuch keinen sinn ergeben wuerde. das ist auch so, denn selbst wenn die eine andere gerste da raus kommt, sind serioese
wissenschaftliche daten, nicht mehr zu haben.
unser plan klappfe, das ist bekannt melrere zeitungcn terichteten davon, dass unser brief einging. auch im internet sind hinweise zu finden, zum bsp. dieser hier:

zitat anfang
Aktuelle Meldung vom 28.3.2007 Am 28,3. nachmittags rief die FR in der Projektwerkstatt an. Bei der Zeitung war ein Brief eingegangen (offenbar bei anderen Zeitungen auch und beim
Versuchschef Prof. Kogel), dass eine Gruppe (nannte sich, soweit der Angerufene sich an das Te4efonat erinnert, "Unbekannt" oder "Unbekannte")
das Genfeld verseucht habe und ein Versuch unfnöglich wäre. Der FR-Mensch meinte, das Maisfeld sei gemeint. Aus den Passagen, die er vorlas
(das Schreiben ist als Ganzes poch unbekannt), schien es aber eher so, als sei das Gerste-Feld gemeint. Cer Journalist berichtete noch, dass Kogel nach Erha!! des Briefe hingegangen ist und (offenbar per flüchtigem Draufgucken) befand: Is nix. Mag sein,
dass Kogel recht hat und alles ein Aprilscherz ist. Aber Kogel hat in-den vergangenen 12 Monaten derart viel und vor allem mediengerecht gelogen,
dass es nur so trieft. Leider hat er viele Fans.
... zitat ende ... 11 stammt aus: http:l/gendreck-giessen.de.vu/

das haetten wir nicht gedacht. der teure, teure versuch, bei dem der versuchschef im vergangenen jahr noch so flennte, dass die teilvernichtung fast
eine halbe millionen euro schaden verursacht haette (wie teuer musz dann das ganze sein??????), wird einfach so auf eine flaeche geknallt, wo es sein kann, dasz alles umsonst ist.

. zitate aus 2006 zum schaden anfang
Klar ist nach seinen Worten allerdings schon jetzt. daß Nachwuchsforschef nachhaltig unter dem Angriff auf ihre Arbeit leiden: Da einige

Seite 2
Forschungsergebniim nun erst verspätet vorgelegt werden können, müssen zwei Doktoranden ihre Abschtußarbeiten um ein Jahr verschieben. Dabei
hatten Mitarbeiter des Instituts vor dem Angriff vorsorglich einige Pflanzen geerntet.

... zitat ende 11 das stammt aus der frankturter allgemeinen zeitung 06.06.06)
wieso interessiert den herrn kogef die frage nicht, ob der versuch auf dem standort ueberhaupt geht? wieso interessiert das sonst niemanden? denn in
den zeitungen haben wir kaum etwas gehoert. stecken da alle unter einer decke? wenn ja, unter welcher denn eigentlich? was ist das zielt des ganzen?
sehen wir uns die lege an. kogel und seine cornpany will einen genversuch machen. er behauptet, die wirkungen seiner tollen pflanzen auf
bodenorganismen zu ueberpruefen. wenn er eine information erhaelt dass der boden chemisch veraendert worden ist, und das ist er 11!!!!, dann
interessiert es ihn nicht. die frage ist aber gar nicht so offen. im gegenteil. wir erfuhreri durch die zeitungen von der bevorstehenden saat und haben dann unsere schreiben verteilt. in den gleich« texten sagt kogel etwas was ihn entlarvt.
... zitat anfang

"Sc wissen wir mittlerweile, dass es keine negativen Nebeneffebte für die Umwelt gibt!' Jedoch verlange die "gute landwirtschaftliche Praxis" eine
Versuchsdauer von drei Jahren, "um die Erkenntnisse auch abzusichern".

zitat ende 11 aus dem giessener anzeiger und zwar am 27.03.07
das macht unserer meinung nach alles klar. da ist ein vers uch mit drei jahren. noch einem jahir weisz kogel schon,
daß gentechinik keine schaoden
erzeugt. er braucht also keine weiteren versuche. daher kann ihM auch egal sein, ob der boden verseucht ist. er
Wird ohnehin nichts mehr
untersuchen. aber die fiskante gentechnikfracht packt er in die erde, weit die versuchsbedingungen das so wollen. wahrscheinlich kriegt er sonst die
forschungsmiRionen nicht. mehr umwelt und gesundheit wird gespieft im- poker um geld.
wir glauben aber, dass es noch schlimmer ist. daszkogel nach einem jahr schon alle ergebrüsse hat, ist ja auch schon alleine ziemlich seitsarn,
denn irn ersten jahr wurde ja einiges zerstoert vom feld. zum glueck. der versuch wurde fruehzeitig abgebrochen. und trotzdem gibt es alle ergebnisse.
gerste ist recht trittempfirrdlich. die bullenverteidigung des feldes gegen die befreier hat aber das feld dicke zertrampelt. ist auf dem filim doch gut zu
sehen. trotzdem Sind alle ergebnisse schon gewonnen. als da feld kaputt ging, hat kogel auch noch anders geredet.
nochmal ein zitat anfang ...

Der genaue Schaden steht noch nicht fest. "Wir wissen bisher nur, dass Pflanzen herausgerissen worden sind"­ sagte Versuchslleiter Prof. Kad-Heinz
Kogel, Leiter des Instituts für Phytopathologie und Angewandte Zoologie der Gießener Universität. Jetzt werde es ganz kritisch, `wissenschaftliche Analysen durchzuführen'.

zitat ende ... 11 stammt aus: 03.06.06 giessener anzeiger 11
nein, mit wissenschaftlicher serlioesitaet hat das nichts zu tun vielmehr ist wahrscheinlich, dass von anfang an gar nichts untersucht worden sollte

Seite 3
sondern das ergebnis feststand. der versuch dient anderen zielen. er soll gentechnik verbreiten. er soll einfach alles mit veraenderten genen
ueberschwemmen. so wie es in den usa und in canada laengst ist. da nuetzt es nichts mehr gegen das zeug zu sein, weil es ueberali ist. eine boese
strategie, aber in diesem system erfolgreich. fuer die marktzulassung sind versuche vorgeschrieben. also musz so getan werden als finden sie statt.
das ist eher verarschung als wissenschaft. fuer geld aber machen die herren mit den tollen titeln alles. wer das wissen wollte, konnte das auch schon frueher lesen.

... zitat anfang
Ich bin sicher, dass sich künftige pilzresistente Pflanzen am Markt behaupten könnten. Insbesondere bin ich davon überzeugt, dass in den nächsten
Jahren ein Fokus der Biotechnologie auf Getreide liegen wird. Gerade unter den Aspekten der biologischen Sicherheit eignet sich Getreide besonders
(ZEILE UNLESERLICH)
(ANFANG ZEILE UNLESERLICH) vorgang um die genfelder in gieszen und einem (UNLESERLICH) teuren versuch, der einfach
auf verseuchtem boden angelejt wird. dazu haben wir nicht hinzuzufuegen. so wird es sein.

zitat anfang
Sehr, sehr seltsam ... wenn das mit dem Bekennerlnnenschreiben stimmt, so spricht alles dafür, dass Prof. Kogel ohne jegliche Überprüfung einfach
ausgesäen ließ. Der Versuch sei Millionen wert, so ließ sich aus seinen Sprüchen aus dem Jahr 2006 nach der teilweisen Feldbefreiung ablesen.
Genau diese Millionen vergräbt er nun in einer Erde, von der Unbekannte behauptet haben, dass dort ein Versuch nicht möglich sei. Bodenanalysen
konnte er in dieser Schnelligkeit gar nicht machen. Daher ist anzunehmen, dass er es riskiert, seinen Versuch ohne auswertbare Ergebnisse zu
vollziehen. Schon das macht stutzig.
Wer aber seine Äußerung vom Tag davor (siehe oben, Text vom 27.3.20o7 im Giebener Anzeiger) hinzunimmt, erkennt etwas viel dramatischeres:
Hier wird gar kein Versuch durchgeführt. Das Ganze ist nur eine Show, es ist die Simulation eines Versuchs. Wissenschaftlich gearbeitet wird gar
nicht, sondern der Versuch dient der Akzeptanzgewinnung und der Frfüllutig von Normen, die für eine Zulassung nötig sind. Gentechnik soll
durchgesetzt, nicht untersucht werden. Das ist der Auftrag an Kogel. Der Rest ist Lüge. An Ergebnissen von Forschungen war Kogel von Anfang an
gar nicht interessiert. Er betreibt keinerlei seriösen Versuch. er betreibt keinerlei Sicherheillsforschung, sondern er
betreibt vor allem gar keine l~
Forschung. Wem es gleichgültig ist, ob sein Versuch überhaupt Ergebnisse bringen kann, der braucht die Forschung nicht für ein Ergebnis. Sondern
der weiß das Ergebnis schon vorher. Aussaat und Ernte sind nur dafür da, damit möglichst viele glauben, dass ein Versuch stattgefunden hat und
dass da tolle Männer und (wahrscheinlich deutlich weniger) Frauen beteiligt waren, die dann auf Karrieresprünge hoffen dürfen, wie es Kogel schon

Seite 4
nach dem ersten Jahr gelang. Die Forschungsmillionen ffießen weiter und die Gentechnik-Industrie rebt sich die Hände, weil ja wissenschaftlich und
unabhängig bewiesen wurde, dass die Genpflanzen unproblematisch sind. Dass der Versuch im ersten Jahr teilzerstört wurde und im zweiten Jahr
möglicherweise auf einem verseuchten, unauswertbaren,31landort wuchs (falls er wächst), wird ein paar Jahre später ohnehin niemand mehr fragen.
Mit der neuen Pflanze wird dann dickes Geld verdient und in, den Zulassungsunterlagen wird stehen, dass die Pflanze unbedenklich ist. Das wurde in
Gießen am Allen Steinbacher Weg genauestens untersuchll
zitat ende ... 11 stammt aus: http:ligendreck-giessen.de.vu #
Kogel und seine conrpany lebt nicht von wissenschafflicher leistung. er recht betreiben diese leute seriese forschung. vielmehr geht es ihnen um
die eigene kanniere, um forschungsmiliionen, um konkurrenzen zwischen universitaeten. sie leten aber auch von der dummheit derer, die einfach nur
(ZEILE UNLESERLICH)
gieszen war doch nur der endguelfige
beweis. trotzdem hat niemand unser schreiben ernst genommen.
so steht jetzt ein vermeintl (UNLESERLICH) jeden Fall aber fiskanter versuch auf einem verseuchten boden. da kann nichts geforscht werden. kogel wird
aber behaupten, dass es geklappt hat. er kann den wege der totalen luege nicht mehr verlassen die frage ist aber
ob ihm endlich andere auf die
finjer schauen und dann auf die finger hauen. sonst waere es irgendwie auch gerecht, wenn im naechsten jahr noch mehr genversuche in gieszen
(UNLESERLICH)
wir bleiben dabei keine gentechnik auf die aecber. der boden am steinbacher weg ist voeilig unbrauchbar. der
versuch von kogel und company ist eine
luege, dreis! ist, wer so liiegt. dumm isl, wer sich blenden
wir wissen, was wir getan haben. wirwollen die sache ancers klaeren als letztesjahr die feldbefreier. das haben wir
auch schon geschrieben. wir 1
haetten nie gedacht, dass kogel derar1 einfach seinz luegen durchziehen kann, deshalb nielden wir uns noch mal zu wort . ob es jetzt besser ist? nun
sind wir doch skcpt;sch gewürden, ob die lage in gieszen n ichl doch so unglaublich verfilzt ist, wie es ja oefter zu lesen ist. dasz es kritischen
joumalismus ebensowenig gibt wie kritische wissenschaft und kritische politische vereine. noch wollen wir es nicht glauben. kommt es aber doch so,
dass auch dieses schreiben wieder unterdrueckt wird. dann wuenschen wir uns, wieder von einer feldbefreiung zu hoeren. hitft ja nichts.
wieder mal unbekannte. ihr kriegt uns nicht wollten wir noch sagen.

Der Vorgang zeigt: Es ging nicht ums Bodenleben. Schon kurz danach formulierten KritikerInnen den folgenden Kommentar zum Vorgang: Wenn das mit dem BekennerInnenschreiben stimmt, so spricht alles dafür, dass Prof. Kogel ohne jegliche Überprüfung einfach ausgesäen ließ. Der Versuch sei Millionen wert, so ließ sich aus seinen Sprüchen aus dem Jahr 2006 nach der teilweisen Feldbefreiung ablesen. Genau diese Millionen vergräbt er nun in einer Erde, von der Unbekannte behauptet haben, dass dort ein Versuch nicht möglich sei. Bodenanalysen konnte er in dieser Schnelligkeit gar nicht machen. Daher ist anzunehmen, dass er es riskiert, seinen Versuch ohne auswertbare Ergebnisse zu vollziehen. Schon das macht stutzig.
Wer aber seine Äußerung vom Tag davor (siehe oben, Text vom 29.3.2007 im Gießener Allgemeine) hinzunimmt, erkennt etwas viel Dramatischeres: Hier wird gar kein Versuch durchgeführt. Das Ganze ist nur eine Show, es ist die Simulation eines Versuchs. Wissenschaftlich gearbeitet wird gar nicht, sondern der Versuch dient der Akzeptanzgewinnung und der Erfüllung von Normen, die für eine Zulassung nötig sind. Gentechnik soll durchgesetzt, nicht untersucht werden. Das ist der Auftrag an Kogel. Der Rest ist Lüge. An Ergebnissen von Forschungen war Kogel von Anfang an gar nicht interessiert. Er betreibt keinerlei seriösen Versuch. er betreibt keinerlei Sicherheitsforschung, sondern er betreibt vor allem gar keine Forschung. Wem es gleichgültig ist, ob sein Versuch überhaupt Ergebnisse bringen kann, der braucht die Forschung nicht für ein Ergebnis. Sondern der weiß das Ergebnis schon vorher. Aussaat und Ernte sind nur dafür da, damit möglichst viele glauben, dass ein Versuch stattgefunden hat und dass da tolle Männer und (wahrscheinlich deutlich weniger) Frauen beteiligt waren, die dann auf Karrieresprünge hoffen dürfen, wie es Kogel schon nach dem ersten Jahr gelang. Die Forschungsmillionen fließen weiter und die Gentechnik-Industrie reibt sich die Hände, weil ja wissenschaftlich und unabhängig bewiesen wurde, dass die Genpflanzen unproblematisch sind. Dass der Versuch im ersten Jahr teilzerstört wurde und im zweiten Jahr möglicherweise auf einem verseuchten, unauswertbaren Standort wuchs (falls er wächst), wird ein paar Jahre später ohnehin niemand mehr fragen. Mit der neuen Pflanze wird dann dickes Geld verdient und in den Zulassungsunterlagen wird stehen, dass die Pflanze unbedenklich ist. Das wurde in Gießen am Alten Steinbacher Weg genauestens untersucht ...

Leserbrief dazu von Jochen Kirdorf, Wetzlar im Gießener Anzeiger, 19.4.2007
Das Ergebnis steht schon fest
Zum Gen-Gerstenversuch in Gießen:
Auf dem Gelände der Gießener Universität wurde zum zweiten Mal genetisch veränderte Gerste ausgesät. Offiziell steht der Versuch unter dem Zeichen der "Sicherheitsforschung". Gleichzeitig und vor allen Dingen ist dieses so genannte "wissenschaftliche" Projekt aber Wegbereiter für die großflächige Freisetzung genmanipulierter Gerstepflanzen. Nun erklärte Uni-Vizepräsident Prof. Kogel als verantwortlicher Versuchsleiter aber in einem Interview mit dem Anzeiger kurz vor der Aussaat, dass "die gute landwirtschaftliche Praxis" eine dreijährige Versuchsdauer erfordere. Das eigentliche Ergebnis - "dass es keine negativen Nebeneffekte für die Umwelt gibt" - stehe bereits fest. Ob die vorliegenden Feldversuche ausreichen würden, alle möglichen Umweltrisiken mit einzuschließen, sei dahingestellt. Erst der letztlich nicht mehr zu kontrollierende kommerzielle Anbau wird irgendwann zeigen, ob dem so war. Eine Forschung allerdings, bei der die Ergebnisse schon am Anfang des Tests feststehen, ist unseriös.
Schmückte sich doch gerade Kogel in der Vergangenheit mit dem Argument, mögliche Risiken müssten erforscht werden, bevor eine Zulassung für gen-veränderte Pflanzen erfolgen könne, so enthüllt er seinen eigenen mit viel Geld geförderten Gen-Gerste-Versuch nun selbst als Feigenblatt. In Wirklichkeit geht es um die Marktzulassung der Gentech-Pflanzen" und Forschungsgelder für die Uni Gießen. Hinzu kommt, dass, obwohl offenbar ein Bekennerschreiben vorlag, in dem Unbekannte die Verseuchung des Versuchsbodens bekannt gaben, alsbald, nämlich wie man hört, nach reiner Inaugenscheinnahme, verkündet wurde, dass es sich bei dem vorliegenden Schreiben um einen Bluff von Versuchsgegnern handelt. Frei nach dem Motto "weil nicht sein kann, was nicht sein darf", wurde dann direkt am darauffolgenden Tag ausgesät.
Wenn es im vorliegenden Versuch tatsächlich um mögliche Auswirkungen auf die Umwelt, konkret die Wirkung der neuen Pflanze auf Bodenpilze gegangen wäre, dann hätte Kogel eine mögliche Verseuchung des Bodens fürchten müssen. Dann nämlich wäre der Versuchsaufbau, wissenschaftlich betrachtet, zerstört. Das Endergebnis des Versuches steht ja aber bereits fest. Ich glaube, dass vollkommen richtig liegt, wer, angesichts der Umstände, Zweifel an den Aussagen des Herrn Kogel hegen mag und unabhängige Untersuchungen fordert.

Abgekartetes Spiel?
Aus Falk Beyer*, "Sicherheitsforschung an Gen-Gerste: Das Ergebnis steht schon fest", in: "grünes blatt" 2/2007 (S. 13)
Vor wenigen Tagen wurde auf dem Gelände der Gießener Universität zum zweiten Mal genetisch veränderte Gerste ausgesät. Laut Versuchsleiter Prof. Karl-Heinz Kogel ist ein wesentliches Ziel des gentechnischen Freilandversuchs die Untersuchung der Auswirkungen der Manipulation auf Bodenorganismen. Die jetzige Aussaat wurde vorgenommen, obwohl Kogel ein anonymes Bekennerschreiben vorlag, aus dem die Verseuchung des Standorts hervorging.
Vier Genveränderungen umfasst der in der BRD einmalige Versuch: eine erhöhte Widerstandskraft gegen Pilzbefall, Einsatzmöglichkeit als Futtergetreide, ein Resistenzgen gegen das BAYER-Pestizid Basta und ein Markergen für die gentechnischen Arbeiten. Als Vorhaben der „Sicherheitsforschung“ wird dieser Freisetzungsversuch von der Bundesregierung gefördert. Gleichzeitig ist dieses wissenschaftliche Projekt Wegbereiter für die großflächige Freisetzung genmanipulierter Gerstepflanzen. Kogel erklärte dazu in einem Interview mit der Lokalzeitung Gießener Anzeiger kurz vor der Aussaat, dass „die gute landwirtschaftliche Praxis“ eine dreijährige Versuchsdauer erfordere. Das eigentliche Ergebnis - „dass es keine negativen Nebeneffekte für die Umwelt gibt“ - stehe bereits fest.
Jochen Kirdorf, Gentech-Kritiker aus der Nähe von Gießen, sieht sich durch solche Aussagen in seinen Befürchtungen bestätigt: „Kogel enthüllt den Gen-Gerste-Versuch nun selbst als Feigenblatt. Eine Forschung, bei der die Ergebnisse schon am Anfang des Tests feststehen, ist unseriös. In Wirklichkeit geht es um die Marktzulassung der Gentech-Pflanzen“. Laut Kirdorf dürfte Kogel der Hinweis, der Boden sei durch Unbekannte verseucht worden, nicht kalt gelassen haben, wenn es tatsächlich um mögliche Auswirkungen auf die Umwelt gegangen wäre. Dann nämlich wäre der Versuchsaufbau wissenschaftlich betrachtet zerstört. Stattdessen habe er ohne weitere Untersuchungen verbreitet, dass es sich um einen Bluff von Versuchsgegnern handele und sofort ausgesät.
Vor diesem Hintergrund erregt die mehrfache Abwehr unabhängiger Medienvertreter ebenfalls Misstrauen. Beim Versuch, das Gen-Gerste-Feld zu fotografieren schritt am vergangenen Sonntag sofort die Polizei ein und verhaftete den Journalisten und die Vertreter einer lokalen Initiative, die ihm das Feld zeigen wollten. Bereits im Jahr zuvor war ein Journalist beim Filmen einer „Feldbefreiungsaktion“ des Feldes verwiesen worden. Selbst der Hessische Rundfunk wurde nach der Berichterstattung über die Kritik an dem Versuch von Politikern dafür angegriffen.

*Der Journalist wurde am 1.4.2007 auf der Straße am Feld beim Fotografieren für diesen Artikel verhaftet!

Fast jede Veränderung im Boden hätte den Versuch zum Scheitern gebracht. Obwohl Kogel das klar war, kümmerte er sich um die mögliche Einbringung von Fremdstoffen durch Dritte nicht. Neben wachstumsbeeinflussenden Stoffen (z.B. Dünger, Gifte, Salz ...) hätte auch ein Auftrag von Mykorrhiza den Versuch unauswertbar gemacht. Denn für den Versuch war eine solche Ausbringung vorgesehen - allerdings nur auf einer Teilfläche. Auszug aus dem Abschlussbericht (S. 28 = Bl. 413/535):

Laut der Internetseite zur Biosicherheitsforschung war das Bodenleben von entscheidender Bedeutung. Sollten z.B. Unbekannte Giftstoffe oder Mykorrhizapilze auf der gesamten Fläche eingebracht haben, wäre der Versuch hinfällig. Zitat auf www.biosicherheit.de: „Für die Befallsstudien im Freiland wird eine Hälfte des Versuchsfeldes mit einem kommerziell erhältlichen Mykorrhizapilz behandelt. Dieser wird auf das Feld ausgebracht und in den Boden eingearbeitet. Sowohl die zwei transgenen Linien als auch die nicht-transgenen Ausgangslinien werden auf dieser Fläche ausgebracht. Auf der zweiten Versuchshälfte wird das gleiche Pflanzenmaterial ausgesät, jedoch wird kein Mykorrhizapilz ausgebracht.
Die Anfälligkeit des Versuchs gegen Veränderungen im Boden ist auch in der Betriebsanweisung für die MitarbeiterInnen zu erkennen: „Erhöhte Stickstoffzufuhr würde die Lagerneigung der Gerste erhöhen und folglich die Versuchsdurchführung gefährden“ (siehe oben).

2008 und 2009 waren mögliche Bodenveränderungen denn auch plötzlich wichtig. Auszüge aus dem Abschlussbericht:
S. 14 = Bl. 300/521
S. 44 = Bl. 420/551
S. 53 = Bl. 438/560

Noch viel krasser: Am 29.6.2009 töteten die Versuchsdurchführenden den Gegenstand ihrer Forschung
Laut Abschlussbericht kam es im Versuchsverlauf 2009 zu einem Pilzbefall auf allen Pflanzen. Dieser wurde mit einem Breitband-Fungizid behandelt, also einem Mittel, welches alle Pilze auf den Pflanzen töten soll - und die im Boden zumindest schädigt (Abb. größer).
S. 48 = Bl. 433/555

Ein Versuch, der das Auftreten von Pilzen zum Untersuchungsgegenstand hat, entzieht mit dem Einsatz eines Total-Fungizids den eigenen Untersuchungsgegenstand. Der Einsatz des Spritzmittels im einzigen Untersuchungsjahr ist deshalb bereits für sich allein ein eindeutiger und ausreichender Beweis dafür, dass die epidemiologischen Studien nicht stattgefunden haben und das später veröffentlichte Ergebnis eine Fälschung ist.
Also doppelt: Die standardmäßig dreijährige Untersuchungszeit wurde nicht eingehalten - und im einzigen Jahr wurde der Untersuchungsgegenstand totgespritzt. Trotzdem: Im Abschlussbericht wurde ein Ergebnis präsentiert. Angesichts des Versuchsverlaufs muss es frei erfunden sein.
S. 59 = Bl. 444/566

Der extrem späte Aussaatzeitpunkt 2009 ist für Pilzstudien völlig ungeeignet
Laut Abschlussbericht wurden nur im Jahr 2009 (Gerstenfeld nahe Sagerheide am AgroBioTechnikum) Untersuchungen über den Blattbefall mit Pilzen gemacht. In diesem Jahr erfolgte die Aussaat des dann für Versuchszwecke genutzten Feldes aber am 24. oder 25. Mai, wie der Abschlussbericht zeigt:

Das ist im Vergleich zu üblichen Sommergerstezeiten ca. zwei Monate zu spät - und über einen Monat nach der empfohlenen spätesten Aussaatzeit.

Im Original: Aussaatzeitpunkt von Sommergerste ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Verspäteter Aussaatzeitpunkt macht Versuch unbrauchbar!
Aus den
Pflanzenbauliche Basisinformationen auf ProPlanta:
Sommergerste sollte im Frühjahr so früh wie möglich gesät werden. Eine verspätete Aussaat der Braugerste geht zu Lasten der TKM, des Eiweißgehaltes und des Spelzenanteils. Eine Aussaat noch vor Ende März wirkt sich dagegen positiv auf die Bestockungsneigung und Ährchendifferenzierung aus.

Anbautipps der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Wie bei allen Sommergetreidearten, muss auch bei der Sommergerste durch eine möglichst frühe Aussaat die ohnehin knappe Vegetationszeit ausgenutzt werden. Insbesondere die noch verfügbare Zeit unter Kurztagsbedingungen, also die Zeitspanne vom Saattermin bis etwa zum 20. April, sorgt für gute Bestockungs- und Bewurzelungsverhältnisse, als Voraussetzung für ausreichend hohe Bestandesdichten bei noch moderaten Aussaatstärken.

Für Pilzstudien ist der Aussaatzeitpunkt von besonderer Bedeutung, denn Pilze sind stark abhängig von Feuchtigkeit und Temperatur. Ein Versuch, der zwei Monate zu spät startet und damit die Hauptwuchszeit in den Sommer und die Phase mit den längsten Tageszeiten verlegt, ist nicht verwertbar. Dass er dennoch durchgeführt wurde, legt den Verdacht nahe, dass keine oder andere Versuchsziele bestanden.

Das Problem ist in der Biosicherheitsforschung sogar nachweislich bekannt. In der Versuchsbeschreibung eines gv-Weizenversuchs auf www.biosicherheit.de findet sich folgende Formulierung: „Der Antrag zur Genehmigung des Freisetzungsversuchs wurde beim zuständigen Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eingereicht. Bis zur geplanten Aussaat Anfang April ist jedoch nicht mit einer Entscheidung zu rechnen. Bei einer späteren Aussaat des KP-4 Weizens ist mit einer weniger feuchten Vegetationsperiode zu rechnen. Unter diesen Umständen sind keine aussagekräftigen Ergebnisse zu Pilzbefall und Resistenzverhalten des Weizens zu gewinnen.“ Für Gerste gilt das Gleiche.

Die für landwirtschaftliche Versuche nötige Dauer von drei Jahren wurde bei keiner Untersuchung erreicht
Es gab drei Teilversuche. Bei keinem wurde drei Jahre lang geforscht.

Seltsam ist vor diesem Hintergrund eine Verkürzung des Versuchs. Eigentlich war das Jahr 2010 noch für eine Freisetzung vorgesehen. Das geht sowohl aus der Eintragung im Standortregister wie auch aus dem Antrag bei der Genehmigungsbehörde hervor:

Laut Vernehmung von Kogel am 16.9.2013 am OLG Saarbrücken entnahmen Bedienstete der Firma biovativ Proben und schickten sie nach Gießen. Kogel selbst konnte sich weder richtig an den Ort (Thulendorf) noch die Firma (biovativ) noch das Forschungszentrum (AgroBioTechnikum) erinnern. Das spricht dafür, dass er mit dem Versuch kaum etwas zu tun hatte und sich auch nicht drum gekümmert hat. Der Versuch wäre im Jahr 2009 dann überwiegend eine Simulation gewesen, um Ergebnisse erfinden und somit die Gelder einstreichen zu können. Kein Wunder, dass die AnwohnerInnen nie Autos aus Gießen oder Erlangen sagen.

Sicherheitsforschung war es nicht - was aber dann? Die tatsächlichen Versuchsziele

1. Versuchsziel: Produktentwicklung

Etliche Zitate und Beobachtungen deuten darauf hin, dass es bei dem Versuch um Methoden- und Produktentwicklung ging.

Direktes Ziel der Versuche war die Messung der Ertragshöhen, der substantiellen Äquivalenz und der Widerstandsfähigkeit. Das hat mit Umweltbegleitforschung wenig zu tun, sondern dient der Überprüfung von Produktqualitäten.

Im Original: Ziel: Bessere Erträge und Verwertbarkeit ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus FAZ.net vom 7.6.2006
Ein Teil der Pflanzen trägt ein Gen in sich, das die Gerste ein bestimmtes Eiweiß produzieren läßt, welches gegen Pilzerkrankungen wirkt. Der andere Teil weist eine Erbinformation aus einem Bakterium auf, das die Qualität der Gerste als Hühnerfutter verbessern soll. Bei dem auf drei Jahre angelegten Versuch im Rahmen des Biosicherheitsprogramms des Bundes wollen die Forscher laut Kogel herausfinden, ob die genetisch veränderten Pflanzen nur unerwünschte oder auch nützliche Pilze im Boden schädigen.
Auch interessieren sie sich dafür, ob sie widerstandsfähiger sind als nicht manipulierte Gerste - falls ja, wären bei ihrer Nutzung weniger Pflanzenschutzmittel notwendig als üblich. Zu diesem Zweck vergleichen sie die Besiedlung der Wurzeln von manipulierten und herkömmlichen Pflanzen. Dazu sind nach den Worten des Institutsleiters langwierige Laborexperimente mit mikroskopischen und molekularbiologischen Verfahren notwendig.

Aus der FR vom 12.7.2006 (S. 26)
Die gentechnisch veränderte Gerste auf einem Versuchsfeld der Gießener Universität ist vorzeitig geerntet worden. Die Pflanzen seien bereits am 5. Juli noch vor dem Ausreifen der Ähren vom Feld geholt worden, teilte die Universität am Dienstag mit. Sie begründete dies damit, dass die Erfassung des Ertrags nicht mehr mit der nötigen Präzision möglich sei, weil das Feld durch Gentechnik-Gegner beschädigt worden sei.

Aus der Wetzler Neuen Zeitung
Klar sei allerdings, dass das Gesamtsystem gestört sei und damit eine Ertragserhebung keinen Sinn mehr mache.

Zudem ging es um die Verbesserung der Brau- und Futtereigenschaften.

Im Original: Brau- und Futtereigenschaften ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus taz vom 2.5.2006 (S. 8)
Die Sorte kann auch fürs Bierbrauen genutzt werden.

Internetinformationen aus dem Biosicherheitsprogramm zum Gersteversuch
Bei der Entwicklung von gentechnisch verändertem Getreide spielt Gerste nur eine untergeordnete Rolle, geforscht wird hauptsächlich an Weizen. Bislang befinden sich alle auf gentechnischem Wege erzeugten Gerstenlinien noch in der Entwicklungsphase, kommerziell angebaut wird noch keine.
Forschungs- und Entwicklungsarbeiten finden vor allem in den USA statt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Verbesserung der Futtermittel - und Braueigenschaften der Gerste. Zur Optimierung der Futterqualität werden Gene aus Bakterien in Gerste eingebracht, die das Enzym Glukanase bilden. Mit Hilfe dieses Enzyms wird das Glukan der Gerstenkörner, eine wichtige Stützsubstanz der Zellwände abgebaut. So kann Gerste auch an Tiere verfüttert werden, die aufgrund ihrer Enzymausstattung selbst nicht in der Lage sind, die langkettigen Glukane aus Gerstenzellwänden abzubauen. Hühner, die mit Gerste gefüttert werden, bleiben normalerweise kleinwüchsig und haben "klebrige" Ausscheidungen. In Versuchen mit Hühnern konnte gezeigt werden, dass die Tiere bei einer Zumischung von nur 0,02 Prozent gentechnisch veränderter Gerstenkörner die Gerste besser verdauen können.
Der gleiche Ansatz - die Übertragung von Glukanase-Genen, die Glukan abbauen - wird auch für die Verbesserung der Braueigenschaften von Gerste genutzt. Durch Übertragung eines Gens aus dem weit verbreiteten Bodenbakterium Bacillus amyloliquefaciens wurden Gerstenlinien entwickelt, die hitzestabile Glukanasen bilden. Die durch den Abbau der Glukane verbesserte Verwertung der Gerste reduziert auch die Kosten für den Brauprozess, da die Filter nicht mehr durch Glukane verstopft werden.
In den USA hat es seit 1993 53 Freisetzungen mit transgener Gerste gegeben, die meisten davon in den letzten fünf Jahren. In Europa sind dagegen bis heute lediglich fünf Freilandversuche mit Gerste durchgeführt worden. Anfang April 2006 wurde erstmalig in Deutschland die Freisetzung gentechnisch veränderter Gerste genehmigt.

Nur bei einem von zwei Versuchen geht es um Pilzresistenz
Zitate von Kogel im Deutschlandfunk, 2.5.2006:
"Es geht uns darum, die Effekte von Transgenen gegenüber Bodenorganismen zu untersuchen. Wir haben hier zwei Gerstetypen. Wir haben eine Gerste mit erhöhter Widerstandsfähigkeit gegen parasitäre Pilze, und wir haben eine Gerste, die eine verbesserte Futterqualität hat, die enthält ein Enzym Beta 1,3 und 1,4 Lukanase und verbessert dadurch die Verfütterung an Hühner zum Beispiel, hat auch bessere Brauqualität.
... Wir haben nur den normalen Trennzaun hier, wir haben keine weiteren Sicherheitsvorkehrungen. Wir hoffen einfach, dass es hier nicht zu Zerstörungen kommt, insbesondere, weil wir ja hier im Bereich Bio-Sicherheit arbeiten und weil wir auch mit der Gerste eine sehr geeignete Pflanze untersuchen. Es gibt ja keine Probleme mit Auskreuzungen, weil die Gerste zu 99 Prozent Selbstbestäuber ist. Selbst wenn es zu einer Freisetzung von Pollen kommen würde, würde der Pollen sehr schnell inaktiviert im Sonnenlicht und unter Feuchtigkeit. Und Wildgersten sind auch nicht betroffen, weil es niemals zu fruchtbaren Nachkommen kommen würde. Alle Hybride wären steril."

Aus einem Interview mit Prof. Kogel auf www.biosicherheit.de am 29.5.2006
bioSicherheit: Sie arbeiten aber noch mit einer zweiten gentechnisch veränderten Gerstenlinie, deren Widerstandsfähigkeit auf Glukanase beruht.
Karl-Heinz Kogel: Es ist bekannt, dass bestimmte Glukane in den Zellwänden fast aller Pilze vorkommen. Daher wollen wir auch bei dieser transgenen Gerstenlinie untersuchen, welchen Einfluss deren Glukanase auf Bodenpilze hat. Der Unterschied zu der ersten Gertenlinie ist, dass hier die Glukanase gewebespezifisch nur im Samen der Gerste exprimiert wird. Das bedeutet: Es kann nur dann zu Effekten auf Bodenorganismen kommen, wenn der Samen zersetzt wird.
Zudem möchte ich noch auf den zweiten Schwerpunkt unseres Forschungsprojekts hinweisen, der von Prof. Uwe Sonnewald von der Universitär Erlangen bearbeitet wird. Dort werden die beiden neuen Gerstenlinien darauf überprüft, ob in der Genexpression oder in den Inhaltsstoffen Unterschiede zu herkömmlichen Gerstensorten auftreten. Es geht darum, ob hier zwischen transgener und konventioneller Gerste substanzielle Äquivalenz besteht, sie also bis auf die neu eingeführten Merkmale gleich sind.

Es geht also sichtbar um die Verbesserung der Brau- und Futtereigenschaften. Das aber wäre Produktentwicklung - und damit die Förderung aus der Biosicherheitsforschung zweckentfremdet.

Sie würde zudem gegen die Förderrichtlinien verstoßen. Denn diese sehen vor, dass nur solche Pflanzen auf ihre Umweltwirkungen untersucht werden sollen, die für eine Markteinführung vorgesehen sind. Das kann eine Pflanze, die noch gar nicht fertig ist, nicht.

Im Original: Versuch noch im Stadium der Produktentwicklung ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der Internetseite zur Biosicherheitsforschung
Es wird noch eine Weile dauern, bis gentechnisch veränderte Gerstenlinien das Entwicklungsstadium hinter sich lassen und reif für eine Marktzulassung sind. Geforscht wird unter anderem daran, wie Gerste als Tierfutter besser verdaulich und als Rohstoff für Brauereien besser verwertbar gemacht werden kann. Ein weiteres vorrangiges Züchtungsziel ist es, Gerste vor Pilzerkrankungen zu schützen. Mit pilzresistenten Gerstenlinien beschäftigt sich nun auch die Sicherheitsforschung.

Aus der Ökotest vom 28.4.2006
Auf der Versuchsfläche wird die Auswirkung der genmanipulierten Gerste, sie soll widerstandsfähiger gegen Pilzkrankheiten sein und bessere Verarbeitungseigenschaften besitzen, auf Bodenpilze untersucht. "Die Tests als Sicherheitsforschung hinzustellen, ist eine absolute Frechheit", ärgert sich Heike Moldenhauer, Gentechnikexpertin des BUNDs. Da auf der ganzen Welt keine genmanipulierte Gerste angebaut wird "ist die Prüfung der Sicherheit absolut unnötig".
Moldenhauer sieht in dem Versuchsanbau vielmehr die reine Produktforschung. Ob die jedoch von einer Uni durchgeführt werden muss, stellt sie in Frage. "Ein Unternehmen forscht, weil es einen neuen Produktzweig erschließen und Geld verdienen will. Aber warum forscht eine Uni auf diesem Gebiet? Noch dazu mit Steuergeldern?".

Aus einer Presseerklärung des Grünen-MdL Martin Häusling am 26.4.2006
Die Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wirft der Justus-Liebig-Universität Gießen vor, Gelder aus dem Programm für Biosicherheitsforschung für den geplanten Versuch mit genmanipulierter Gerste falsch einzusetzen. "Dieses Programm wurde für die Sicherheitsforschung von genmanipulierten Pflanzen konzipiert, die bereits zugelassen sind und auf dem Markt angewendet werden. In Deutschland ist dies in erster Linie Mais: Weltweit aber gibt es zur Zeit keine einzige zugelassene gentechnisch veränderte Gerstensorte auf dem Markt. Für die Biosicherheitsforschung bei gentechnisch veränderter Gerste gibt es deshalb keinen konkreten Bedarf", so der agrarpolitische Sprecher der GRÜNEN, Martin Häusling.
Die Giessener Universität hat angekündigt, genmanipulierte Gerste auf auf dem Versuchsgelände der Stadt aussäen zu wollen. In einem Brief appellieren DIE GRÜNEN an den Präsidenten der Giessener Universität, Professor Stefan Hormuth, dass die Universität sich nicht an der Gentechnikforschung beteiligen solle . "Da kein konkreter Bedarf für die Biosicherheitsforschung bei genveränderter Gerste in der Praxisanwendung besteht, vermuten wir, dass es sich bei dem geplanten Versuch um eine Produktentwicklung für Firmen handelt. Diese sollte allerdings von den Firmen selbst finanziert werden. Wir lehnen es ab, die knappen Mittel für Versuche einzusetzen, die für die Praxis nicht relevant sind", unterstreicht die wissenschaftspolitische Sprecherin der Fraktion, Sarah Sorge.


Greenpeace: "Reine Produktionentwicklung ... Missbrauch öffentlicher Gelder"
Aus dem Deutschlandfunk am 2.5.2006
Versuchsleiter in Gießen ist Biologie-Professor Karl-Heinz Kogel: "Es geht uns darum, die Effekte von Transgenen gegenüber Bodenorganismen zu untersuchen. Wir haben hier zwei Gerstetypen. Wir haben eine Gerste mit erhöhter Widerstandsfähigkeit gegen parasitäre Pilze, und wir haben eine Gerste, die eine verbesserte Futterqualität hat, die enthält ein Enzym Beta 1,3 und 1,4 Lukanase und verbessert dadurch die Verfütterung an Hühner zum Beispiel, hat auch bessere Brauqualität."
Beim Gießener Freilandversuch handele es sich nicht um wissenschaftliche Forschung, sondern um reine Produktentwicklung und damit um Missbrauch öffentlicher Gelder, kritisiert Greenpeace die Aussaat der Gen-Gerste. Schließlich seien die Genpflanzen aus den USA und bereits acht Jahre alt. Der Gießener Professor Karl-Heinz Kogel begründet seine Versuche jedoch damit, dass in Europa andere Umweltbedingungen herrschten als in den USA: "In den USA ist diese Gerste auch schon untersucht worden, wir haben diese Gerste auch schon im Labor untersucht, haben im Prinzip keine Effekte auf nützliche Pilze gesehen, wir wollen das aber verifizieren unter Freilandbedingungen, sozusagen unter europäischen Bedingungen."

Das geben die Versuchsleiter und ihr Umfeld sogar offen zu. Und so klingt es auch in der Kooperationsvereinbarung zwischen Uni Gießen und Erlangen, benannt im Vertrag noch als Partner:

Im Original: O-Töne der Versuchsleiter und Umfeld ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Internetinformationen aus dem Biosicherheitsprogramm zum Gersteversuch
Bei der Entwicklung von gentechnisch verändertem Getreide spielt Gerste nur eine untergeordnete Rolle, geforscht wird hauptsächlich an Weizen. Bislang befinden sich alle auf gentechnischem Wege erzeugten Gerstenlinien noch in der Entwicklungsphase, kommerziell angebaut wird noch keine.

Es geht bei der Gen-Gerste um Durchsetzung im Markt und um neue Transformationstechniken!
Aus einem Streitgespräch zwischen Prof. Sonnewald und dem Chef der Lammsbräu-Brauerei (Quelle: IHK Regensburg)
Frage: Stehen wir uns wieder einmal selbst im Weg, wenn es um wirtschaftliche und wissenschaftliche Innovationen geht?
Prof. Dr.Sonnewald: Dies könnte man in der Tat so sehen. Es ist schon überraschend, dass Deutschland bei der Entwicklung von Transformationstechniken zur Erzeugung gentechnisch veränderter Pflanzen neben den USA ein führender Forschungsstandort war, dass aber die wirtschaftliche Umsetzung bis heute weitestgehend ausgeblieben ist. Gentechnisch veränderte Pflanzen werden vornehmlich außerhalb Europas eingesetzt und weisen derzeit im Wesentlichen verbesserte agronomische Eigenschaften, wie z.B. Insekten- oder Herbizidresistenzen auf. In Anbetracht der globalen Entwicklungen wäre es sicherlich an der Zeit, die Frage zu stellen, welche Risiken die Gesellschaft eingeht, wenn sie nicht die Möglichkeiten der Gentechnik für die Entwicklung leistungsstarker und den neuen Gegebenheiten angepassten Nutzpflanzen einsetzt. ...
Frage: Gegner befürchten, dass die evolutionäre Entwicklung der Gen-Pflanzen außer Kontrolle geraten könne. Befürworter dagegen verweisen auf die Möglichkeiten, die die Gentechnik bei Pflanzen biete. Wer hat die besseren Argumente?
Prof. Dr.Sonnewald: Es ist nicht zu erwarten, dass gentechnisch veränderte Pflanzen, die in der Regel nur ein oder wenige zusätzliche Gene tragen, außer Kontrolle geraten. ...
Frage: Wer profitiert am meisten von der Revolution der Evolution?
Prof. Dr.Sonnewald: Wir alle.
(vollständige Antwort!)

Kogel gibt offen zu: Es geht um die Entwicklung von Produkten!
Aus einem Interview mit Prof. Kogel (Internetseite zur Biosicherheitsforschung)
Wir haben ganz eindeutige Wirkungen von Genen gegen Fusarien und wir und andere Arbeitsgruppen haben auch schon transgene Pflanzen in den Labors, die gute Wirkung gegen die Fusariumerkrankung zeigen. Aber eh das wirklich in die agronomische Produktion geht, werden noch einige Jahre vergehen.

Aus "Militante Gentechnikgegner attackieren Gerstenfeld" von Uni-Pressesprecherin Christel Lauterbach, in: uniforum 3/2006 (S. 2)
Auf die Vorwürfe des hessischen Landtagsabgeordneten Martin Häusling, Bündnis 90/Die Grünen, dass der Versuch der Universität „sinnlos“ sei, da es keine zugelassenen Gerstenpflanzen gäbe, legt der Projektleiter Prof. Kogel Wert auf die Feststellung, dass es weltweit gesehen zahlreiche Freisetzungen von transgenen Getreidepflanzen mit steigender Tendenz zur Vorbereitung von kommerziellem Anbau gegeben hat und gibt. Nach seiner Einschätzung wird gerade der Anbau von transgenem Getreide künftig eine ganz wesentliche Rolle spielen.

Kogel: Sicherheitsforschung ist Teil der Produktentwicklung
Aus einem Interview mit Prof. Kogel von der Internetseite zu Biosicherheit
In diesem Sinn will ich auch unsere Sicherheitsforschung am Getreide als vorsorgenden Verbraucherschutz verstanden wissen, denn ob man will oder nicht, Biotechnologie ist weltweit gesehen bereits eine neue Schlüsseltechnologie auch im Bereich der modernen Landwirtschaft.

Aus der 2011 vom Hessischen Wirtschaftsministerium herausgegebenen Broschüre "Biotechnologiestandort Hessen" (S. 7)
Weit fortgeschritten ist der Einsatz im Pflanzenschutz. In der Wachsmottenlarve fanden die Forscher ein Peptid, ein kleines Proteinmolekül, welches sehr gezielt vor Pilzen schützt. Von einem solch effektiven Immunsystem galt es zu lernen: Das für die Bildung des Peptids Gallerimycin verantwortliche Gen setzten die Gießener zunächst in Tabakplanzen, später zusammen mit einem weiteren Gen aus Insekten, das für das Peptid Metchnikowin kodiert, in Gerste ein. Letzteres macht die Gerste resistent gegen Pilze, welche die Pflanze schädigen, ohne solche Pilze zu hemmen, die für die Pflanze nützlich sind.

Fazit: In der Mogelpackung Sicherheitsforschung befinden sich Produkt- und Methodenentwicklung mit kommerziellem Interesse.

Im Original: Beschreibungen der Produktentwicklungstätigkeiten ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Beschreibung der Herstellung von Gengerste durch Kogel & Co. einschließlich Freilandversuch
Aus Kogel/Jansen: "Das nationale Verbundprojekt GABI-Agrotec", in: Spiegel der Forschung Nov. 2004 (S. 84 f.)
In einem ersten Schritt werden aus Ähren, Blättern und Wurzeln der Gerste die Gene isoliert, die nach einem Befall mit Fusarium eine höhere oder niedrigere Expression zeigen als in gesunden Geweben. Um möglichst viele Gene auf einmal testen zu können, kommen dabei so genannte cDNA-Chips (macroarrays) zum Einsatz. Das Equipment und das Know-how für diese Methode ist in Gießen bereits seit einigen Jahren vorhanden. So entstanden cDNA-Chips mit bis zu 8.000 Genen. In umfangreichen Versuchen werden aus diesen Genen diejenigen selektiert, deren Expression durch den Befall mit Fusariumpilzen in den verschiedenen Pflanzenorganen verändert wird. Diese so genannten „Kandidatengene“ werden anschließend daraufhin untersucht, ob sie bei verstärkter Expression die Widerstandsfähigkeit der Pflanze gegenüber Fusarium deutlich verbessern. Da solche Tests in monokotylen Pflanzen sehr kompliziert sind, wird hier auf die Modellpflanze Arabidopsis zurückgegriffen. Der große Vorteil von Arabidopsis liegt darin, dass sich diese Pflanze leicht und sehr schnell genetisch verändern lässt. Während die Herstellung transgener Arabidopsispflanzen einige Wochen dauert, benötigt man für die stabile genetische Transformation von Getreide noch weit über ein Jahr. So können auch die Gene der Gerste in Arabidopsis leicht übertragen und zur Expression gebracht werden.
In Vorversuchen ist es uns gelungen, Arabidopsis mit den Getreidepathogenen F. graminearum und F. culmorum zu infizieren, so dass für unsere Versuche ein Arabidopsis-Fusarium Pathosystem zur Verfügung steht (Abbildung 5). Dieses soll genutzt werden, um zu überprüfen, ob Pflanzen, die eines der Kandidatengene aus Gerste tragen, weniger stark durch Fusarium befallen werden als Kontrollpflanzen. Dabei wird die Befallsstärke sowohl makroskopisch, d.h. mit bloßem Auge, als auch mikroskopisch ermittelt. Für die mikroskopischen Analysen stehen Fusariumstämme zur Verfügung, die in der Arbeitsgruppe von Prof. Schäfer am AMPIII in Hamburg mit dem gfp-Gen (GFP: green fluorescent protein) transformiert wurden. Diese Pilze leuchten grün bei Bestrahlung mit UV-Licht und können so sehr viel leichter unter dem Mikroskop untersucht werden (Abbildungen 5 und 6).
Alle Gene, die die Abwehr von Arabidopsis gegenüber Fusarium verstärken, werden anschließend stabil in Gerste und Weizen transformiert. Im Rahmen der von der DFG geförderten Forschergruppe FOR 343 („Erhöhung des Resistenzpotentials der Gerste“, www.unigiessen.de/ipaz) ist am IPAZ im Jahr 2002 eine Transformationsgruppe etabliert worden, in der stabil transformiertes Getreide hergestellt wird. Das transformierte Getreide wird dann in Infektionsversuchen auf Fusariumresistenz in Wurzeln, Blättern und Ähren untersucht. Bei positiver Evaluierung werden anschließend Freilandversuche in Kooperation mit nationalen Saatgutfirmen und internationalen Forschungsinstituten, wie dem Department of Crop and Soil Sciences (Pullman, USA) und dem Indian Agricultural Research Institute (IARI, New Delhi) erfolgen. Es besteht die große Hoffnung, dass durch die Identifizierung und gezielte Nutzung Resistenz-vermittelnder Gene in Getreide ein wichtiger Beitrag zur Lösung der Fusariumproblematik und damit zur Sicherung der Nahrungsmittelqualität unter Berücksichtigung nachhaltiger und ressourcenschonender Produktionsweisen geleistet werden kann.

Aus den Akten der Überwachungsbehörde
Mail von D. Grün an die Überwachungsbehörde RP mit von Prof. Kogel angekündigter Beschreibung:
„Verbundprojekt der JLU mit IPK Gatersleben (jetzt Friedrich-Alexander-Uni Erlangen-Nürnberg, Inst. f. Biologie, Lehrstuhl für Biochemie, Prof. Dr. U Sonnewald)“

Im Text wird nur von Pilzresistenz und verbesserten Futtereigenschaften gesprochen.
Versch. Transgene: 1. das thermostabile (1,3-1,4)-ß-Glucanase-Gen wird seit 96 an der Washington State University evaluiert, 2. das Rpg1Gen aus der Sorte Morex schützt gegen Schwarzrost, und neue transgene, resistente Linien wurden 2003 an der Uni of Minnesota, St. Pauls, MN getestet, 3. Gen für Endochitinase-Aktivität.
Der künftige Markt für diese und weitere erst zu erstellende verbesserte Pflanzen mit der transgenen Eigenschaft „Pilzresistenz“ ist deshalb so groß, weil insbesondere die Kontrolle von Wurzel- und Ährenpathogenen unter heutigen Produktionsbedingungen augrund fehlender oder unzureichender chemischer Wirkstoffe und nicht existierenden Resistenz „germplasms“ problematisch ist. Zudem werden diese Krankheiten in teilweise massivem Ausmaß durch moderne low input (Direktsaat, reduzierte Bodenbearbeitung) gefördert. Ganz gezielt könnte damit ein Einsatz der hier unter Sicherheitsaspekten bearbeiteten transgenen Pflanzen oder Pflanzen mit ähnlichen „traits“ zu einers substanziellen Lsung von schwerwiegenden Problemen des weltweiten Pflanzenschutzes auf Basis biotechnologischer Strategien beitragen.“
„Eine Evaluation der Effekte des Transgens auf die substanzielle Äquivalenz sowie auf Inhaltsstoffe und Kornqualität unter den Bedingungen des Feld- und Gewächshausanbaus (Pathogendruck und Mykorrhizierung). Dieser Teil wird in Erlangen bearbeitet.

Zudem: Nirgendwo findet sich eine Antwort und die Frage nach dem Sinn des Ganzen. Denn: Wer fordert bessere Braueigenschaften? Und wer braucht mehr Futtermittel? Schon jetzt ist der Anbau von Futtergetreibe, Soja & Co. weltweit ein Grund für den Hunger, weil in vielen Regionen kein Platz mehr für die Produktion der notwendigen Lebensmittel für Menschen bleibt.

Gerste ist ein wichtiges Lebensmittel für Menschen
Aus der Studie "Getreide und Gentechnik" (S. 68)
In vielen Ländern ist die Gerste aber auch ein unverzichtbares Grundnahrungsmittel. Sie wird in den Hochlagen Tibets und in den Trockengebieten der Mongolei angebaut. Ihre wirtschaftliche Bedeutung als Lebensmittel darf daher nicht außer Acht gelassen werden.

2. Versuchsziel: Neue gentechnische Verfahren (Methodenentwicklung)

Die Aussaat war nicht der Anfang, auch der Antrag auf Freisetzung nicht. Es ging früher los, viel früher. Denn anders als Kogel und sein Team später behaupten, wollte er mitnichten an den Auswirkungen auf nützliche Bodenpilze forschen. Das behauptete er, um an die Gelder aus dem Programm zur Sicherheitsforschung zu kommen. Tatsächlich war Kogel schon seit vielen Jahren mit der Entwicklung gentechnischer Methoden befasst. Die Gerste nutzte er als Trägerpflanze - die veränderten Pflanzen interessierten ihn sonst nicht weiter. Die Arbeiten verliefen immer mehrgleisig, um ständig zwei oder drei Fördertöpfe anzapfen zu können. So waren sie bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft angesiedelt. Unter der Projektnummer "FOR 343" findet sich ein Teilprojekt "AG Prof. Dr. K.-H. Kogel - Dr. G. Langen". Die dazugehörige Internetseite, erste Quelle zum Forschungsstrang, der 2006 dann in die Freisetzung mündete, liegt auf dem Server der Uni Gießen und wurde mit Word 97 erstellt. Lange her also. DFG und Kogel blieben sich weitere Förderzeiträume treu. 2002 wurden 2,5 Mio. bewilligt für drei weitere Jahre. 2006 erfolgte die nächste Spritze - jetzt als gänzlich neu formuliertes Projekt wurde unter Nummer "FOR 666". Die Projekte wurden ergänzt oder abgewandelt, um die neuen Geldflüsse zu legitimieren.
Parallel zapfte Kogel geschickt weitere Quellen an. 1998 wurde das große und geldschwere Förderprogramm der Bundesregierung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unter dem Namen „Genomanalyse im biologischen System Pflanze – GABI gestartet. Es ließ sich ebenso prima nutzen wie später das ebenfalls vom BMBF betriebene Biosicherheitsprogramm. Kogel und sein Team waren nicht die einzigen, die auch dort ihre Chance witterten. Der laufende Versuch wurde wieder umgeschrieben und unter der Behauptung, plötzlich Umweltauswirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen testen zu wollen, angemeldet: 352.000 € für 9,6 qm Fläche waren ein stolzer Batzen Geld, der fast vollständig in die Regelstellen des Instituts floss und dort den Weiterbetrieb sicherte.

Doch Kogels Forschungen lassen sich nicht nur in Geldanträgen und Zuschüssen nachvollziehen. Er trug seine Forschungen einschließlich Zielen und Zwischenergebnissen immer wieder in die Öffentlichkeit. Aus diesen Texten ist noch besser ersichtlich, an was hier geforscht wurde und dass es mit der angeblichen Biosicherheitsforschung nicht weit her ist. Die älteste Meldung stammt vom 12.02.1999. die Universität kündigte die "Entwicklung qualitativ neuartiger Prinzipien des Pflanzenschutzes" an. Fünf Jahre später beschrieb Kogel seine Forschung genauer, auf der letzten Seite nochmals zusammenfassend und unmissverständlich als Methoden- und Produktentwicklung. Zudem kündigte er die "Freilandversuche in Kooperation mit nationalen Saatgutfirmen" an (Spiegel der Forschung Nov. 2004, S. 85). Alle wichtigen Details entsprachen der späteren Lage am Versuchsfeld in Gießen. Es war der Versuch, der 2004 angekündigt wurde - die Sicherheitsforschung war eine Fälschung! 2005 stellt er dann Förder- und Genehmigungsanträge für sein Feld mit transgener Gerste. Doch nun soll es um ganz andere Forschungsziele gehen. Wer das glaubt, muss auch die Frage klären, wo denn die 2004 angekündigten Freisetzungen gelaufen sein sollen oder warum sie plötzlich ausfielen. Viel wahrscheinlicher ist, dass Kogel seine geplanten Forschungen durchzog, aber nach außen zwecks Ausnutzung zusätzlicher Finanzquellen einfach umdeklarierte.

Vor vielen Jahren ...
Die Projekte mit Gerste und gentechnischen Veränderungen starten (oder werden erstmals im Internet öffentlich dargestellt). Die Formulierungen beinhalten kein besonderes Interesse an irgendeiner bestimmten Pflanze, sondern allein an den angewandten Verfahren. Es entsteht der Eindruck, dass es um die Entwicklung gentechnischer Methoden geht. Dann wäre die Arbeit von Kogel und Umfeld noch deutlicher eine spezifische pro-gentechnische Arbeit: Es wird nicht nur ein Produkt entwickelt, sondern eine Methode zur Entwicklung von Produkten. Mit Sicherheitsforschung, wie das Ganze im dritten Förderstadium (ab 2005/06) dann verkauft wird, hat das nichts zu tun.

Im Original: Kogels frühere Forschungen und Vorankündigungen ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus dem Werbeblatt "Genomanalyse im biologischen System Pflanze – GABI: Den Pflanzen in die Karten geschaut"
Charakteristisch für die moderne Pflanzengenomforschung sind ständig und weltweit steigende staatliche wie private Investitionen. Gefördert wird vor allem die Weiterentwicklung von Schlüsseltechnologien. Ferner gibt es Bemühungen zur gezielten Veränderung der Gene von Nutzpflanzen sowie umfangreiche Anstrengungen zur Patentierung der Gene bzw. der von ihnen gesteuerten Prozesse. Um die sich aus dieser Entwicklung ergebenden Chancen in Deutschland intensiver zu nutzen und mit der internationalen Forschungsszene Schritt zu halten, wurde 1998 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Initiative „Genomanalyse im biologischen System Pflanze – GABI“ gestartet. Damit war Deutschland einer der weltweiten Vorreiter in der Etablierung eines nationalen Pflanzengenomforschungsprogramms. ...
Die Erkenntnisfortschritte führen zu innovativen Problemlösungen mit hohem Wertschöpfungspotential in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, Ernährung, Gesundheit, Pharmazie, Chemie und Umwelt. Die Forschungsergebnisse kommen der Pflanzenzüchtung sowie einer umweltschonenden landwirtschaftlichen Erzeugung von gesünderen Nahrungsmitteln mit verbesserten Qualitätsmerkmalen zugute. Ferner werden neuartige Lebensmittel (funktionelle Lebensmittel, Nutriceuticals) sowie die Nutzung von Pflanzen als Bioreaktoren für die Produktion von Biomolekülen insbesondere auch von medizinisch relevanten Wirkstoffen (z.B. Molecular Farming) immer mehr an Bedeutung gewinnen.


Ankündigung von Neuentwicklungen in einer Presseinformation der Justus-Liebig-Universität Gießen am 12.2.1999
DFG bewilligt interdisziplinäre Forschergruppe "Erhöhung des Resistenzpotentials der Gerste"
Das Verbundprojekt muß auch unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, daß eine Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln ohne die Entwicklung neuer alternativer Methoden der Pflanzenproduktion in Zukunft nicht gewährleistet werden kann. Trotz großartiger Erfolge der Landwirtschaft in unserem Jahrhundert, wie beispielsweise der Verdoppelung der Weizenproduktion seit den sechziger Jahren, hungern heute - nach neuesten Erhebungen der Welternährungsorganisation FAO - weltweit etwa 800 Millionen Menschen. Die Ernährungslage wird sich in Zukunft kaum entschärfen, denn die Bevölkerung wird bis zum Jahre 2050 von heute rund sechs Milliarden auf etwa zehn Milliarden Menschen anwachsen, die verfügbare Anbaufläche aber bei etwa 1,4 Milliarden Hektar konstant bleiben, wenn nicht - etwa durch Bodenerosion - sogar abnehmen. Im Kontext dieser Zahlen muß zudem bedacht werden, daß trotz intensiver Pflanzenschutzmaßnahmen jährlich noch etwa 30 % der Welternte durch Schadorganismen verlorengehen. Nach Einschätzung der meisten Fachleute kann eine ausrei-chende Versorgung mit Nahrungsmitteln nur durch eine weitere Optimierung traditioneller Verfahren des Pflanzenanbaus und die Entwicklung qualitativ neuartiger Prinzipien des Pflanzenschutzes gewährleistet werden. Der Resistenzforschung kommt in diesem Bereich eine wesentliche Bedeutung zu, da die gezielte Nutzung natürlicher Krankheitsresistenzen wesentlich zu einer nachhaltigen, umweltschonenden Landwirtschaft beitragen kann.
Umweltforum der Justus-Liebig-Universität Gießen, Sprecher: Prof. Dr. Thomas Eikmann


SAR-Forschergruppe der DFG (FOR 343), Teilprojekt "AG Prof. Dr. K.-H. Kogel - Dr. G. Langen"
Aus der noch mit Word 97 erstellten Internetseite, die das Forschungsprojekt ankündigt
Ziel des Teilprojekts ist die Charakterisierung neuer Gene, die in der Gerste bei der Ausprägung der SAR nach chemischer Aktivierung gegenüber dem Mehltaupilz beteiligt sind. Die Charakterisierung dieser Gene ist Voraussetzung für ein genaues Verständnis der SAR und damit für ihre optimierte breite Anwendung. Als weitere Konsequenz dieser Arbeit werden heute nicht verfügbare Getreide-spezifische SAR Gene bzw. Promotoren bereitgestellt, die u.a. zur Erstellung von transgenen Pflanzen mit SAR Reporterfunktion verwendet werden können.

SAR-Forschergruppe der DFG (FOR 343), Teilprojekt "AG Prof. Dr. K.-H. Kogel - Dr. M. Korell"
Aus der noch mit Word 97 erstellten Internetseite, die das Forschungsprojekt ankündigt
Ziel dieser Untersuchung ist es, an verschiedenen nahezu-isogenen Mlg-Linien durch die Darstellung differentieller Genexpression mittels der neuen Methode des mRNA-AFLPs das Transkript des Resistenzgens Mlg bzw. nach Mehltauinokulation mit einem Mlg-avirulenten Isolat Komponenten des Mlg- vermittelten Signaltransduktionswegs zu identifizieren. Anhand der isolierten Klone für diesen resistenzgenspezifischen Signaltransduktionsweg soll die auf Grund phänotypischer Daten vermutete Homologie zwischen den Mechanismen der genetischen Mlg- und der SAR untersucht werden. Die auf diese Weise identifzierten und isolierten genetischen Elemente des Mlg-Signaltransduktionsweges sollen anschließend in Expressionsstudien an chemisch aktivierten Gersten, an einer Mlg-spezifischen Doppel-Haploiden-Linienpopulation und an zuvor parallel erstellten Mlg-Mutationslinien überprüft werden. Diese Mutationslinien sollen durch klassische Mutageneseverfahren mit EMS und NaN3 an Gerstenembryonen von Mlg-resistenten Rückkreuzungslinien der isogenen Linienpaare erstellt werden und anfällige bzw. Individuen mit partieller Anfälligkeit durch Selektion isoliert werden. Die erzeugten Mutationslinien sollen zudem in Spaltungsanalysen charakterisiert werden.

Ab 2002: Nachfolge-Forschungsprojekt

Ab 2006: Das nächste Nachfolgeprojekt - unter neuem Titel
Wieder tauchen Formulierungen auf, die auf Methodenentwicklung hindeuten ... "versprechen neue Möglichkeiten der Ertragssteigerung" steht unter anderem in der Presseinformation zu den erhofften Ergebnissen.

Im Original: Kogels Forschungen und Vorankündigungen ab 2004 ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus Kogel/Jansen: "Das nationale Verbundprojekt GABI-Agrotec", in: Spiegel der Forschung Nov. 2004 (S. 78 ff.)
Sicherung des Ertrags und optimale Qualität von Lebensmitteln – das sind die Kernziele der heutigen Agrar- und Verbraucherschutzpolitik. Doch wie lassen sich diese Ziele unter Einhaltung moderner Umweltschutzbestimmungen und der Prämisse der „Nachhaltigkeit“ erreichen? Die einzig praktikable Lösung scheint in der Entwicklung von Nutzpflanzen zu liegen, die Krankheiten und ungünstigen Umwelteinflüssen trotzen. Die klassische Pflanzenzüchtung stößt hier an ihre Grenzen, da es nicht möglich ist, alle Gene, die an der Ausprägung einer solch komplexen Widerstandsfähigkeit beteiligt sind, durch Kreuzung in einer Sorte zu vereinen. Doch was tun, wenn die klassische Züchtung nicht zum Erfolg führt? Aus Sicht der Wissenschaft liegt die Antwort in der „Grünen Gentechnik“, das heißt in der gezielten Herstellung von Pflanzen, die den modernen Produktionsanforderungen, wie hohe Erträge bei reduziertem Pestizideinsatz und möglichst geringer Belastung des Ernteguts mit toxischen mikrobiellen Stoffwechselprodukten, entsprechen. Die große Herausforderung besteht heute darin, den Verbraucher über die Notwendigkeit dieser Vorgehensweise aufzuklären und so die gesellschaftliche Akzeptanz für eine neue Generation von Nutzpflanzen zu verbessern. ...
Der große Vorteil gegenüber der klassischen Züchtung besteht darin, dass Gene, die an der Ausprägung des gewünschten Merkmals beteiligt sind, gezielt in Pflanzen, z.B. Hochertragssorten, eingebracht werden können. Dabei spielt es im Prinzip keine Rolle, aus welchem Organismus diese Gene stammen. Während man in der klassischen Pflanzenzüchtung darauf angewiesen ist, dass Spender- und Empfängerpflanze sich miteinander kreuzen lassen, können in der Grünen Gentechnik auch Gene aus Bakterien oder artfremden Pflanzen in die gewünschte Zielpflanze eingebracht werden.


S. 85: Im Rahmen der von der DFG geförderten Forschergruppe FOR 343 („Erhöhung des Resistenzpotentials der Gerste“, www.unigiessen.de/ipaz) ist am IPAZ im Jahr 2002 eine Transformationsgruppe etabliert worden, in der stabil transformiertes Getreide hergestellt wird. Das transformierte Getreide wird dann in Infektionsversuchen auf Fusariumresistenz in Wurzeln, Blättern und Ähren untersucht. Bei positiver Evaluierung werden anschließend Freilandversuche in Kooperation mit nationalen Saatgutfirmen und internationalen Forschungsinstituten, wie dem Department of Crop and Soil Sciences (Pullman, USA) und dem Indian Agricultural Research Institute (IARI, New Delhi) erfolgen. Es besteht die große Hoffnung, dass durch die Identifizierung und gezielte Nutzung Resistenz-vermittelnder Gene in Getreide ein wichtiger Beitrag zur Lösung der Fusariumproblematik und damit zur Sicherung der Nahrungsmittelqualität unter Berücksichtigung nachhaltiger und ressourcenschonender Produktionsweisen geleistet werden kann.

Aus der Presseinformation der Uni Gießen zum neuen DFG-Projekt FOR 666 am 7.2.2006
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Neueinrichtung der Forschergruppe "Mechanismen der Kompatibilität" (FOR 666) an der Justus-Liebig-Universität Gießen bewilligt, die im März 2006 ihre Arbeit aufnimmt. Initiiert wurde die FOR 666 von Prof. Dr. Karl-Heinz Kogel, Interdisziplinäres Forschungszentrum (IFZ) für Umweltsicherung an der Universität Gießen, der auch Sprecher der neuen Forschergruppe ist. Beteiligt sind von Gießener Seite zudem eine Arbeitsgruppe "Biostatistik" (Prof. Dr. Wolfgang Köhler) sowie das Institut für Allgemeine Botanik (Prof. Dr. Art van Bel, Prof. Dr. Hubert Felle). Weitere Kooperationspartner sind das Max-Planck-Institut für Terrestrische Mikrobiologie in Marburg (Prof. Dr. Regine Kahmann) und Wissenschaftler des Instituts für Pflanzenzüchtung und Pflanzenschutz der Universität Halle, des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben sowie Biologen der Universität Erlangen-Nürnberg. ...
Von ihrem Projekt erhoffen sich die Forscher unter anderem einen konkreten Nutzen für die Landwirtschaft: Die Ergebnisse versprechen neue Möglichkeiten der Ertragssteigerung sowie eine Verbesserung der Widerstandskraft von Nutzpflanzen.

Dann kündigte er die "Freilandversuche in Kooperation mit nationalen Saatgutfirmen" an (Spiegel der Forschung Nov. 2004, S. 85).

Es sollte folgen: Gentechnik an Möhren*
Aus einer Internetseite des BMELV (Landwirschaftsministerium) zum Projekt "Evaluierung transgener Möhren" des FOR 343
Ziel eines DFG Forschungsprojektes (FOR 343, Koordination Prof. Dr. K. H. Kogel, Institut für Phytopathologie und Angewandte Zoologie der Justus Liebig Universität Giessen) ist es exemplarisch an der Gerste grundlegende Erkenntnisse über eine effiziente Ausnutzung des generellen Resistenzpotentials von Pflanzen gegen biotische und abiotische Stressfaktoren zu gewinnen. Zentrale Rolle spielt dabei die -Induzierte- oder -Systemisch Aktivierte Resistenz- (SAR) als potentiell neues Pflanzenschutzprinzip. (www.uni-giessen.de/DFG-SAR) Im Rahmen des Projektes wurde das BI-1 Gen als Suppressor der Nichtwirts-resistenz gegen biotrophe Erreger gefunden und im transgenen Ansatz auch bei Möhren eingesetzt, um als Zelltodinhibitor evtuell Resistenz gegen nekrotrophe perthotrophe Erreger zu erzeugen. Erste Ergebnisse lassen eine erhöhte Resistenz der transgenen Möhrenklone gegen Botrytis cinerea erkennen.Ziel des Kooperationsprojektes ist zunächst die generative Vermehrung der erstellten transgenen Möhrenklone.
*Kommentar: Dass Kogel mit Möhren weitermacht, haben wir hier seit 2007 behauptet. Im Jahr 2008 präsentierte Kogel seine Gen-Möhren auch öffentlich. Das war also gute Recherche!

Das die Methodenentwicklung zumindest ein Teil des Versuchs war, zeigte sich auch in den Ergebnissen.

Patentanmeldung nach Versuch
Am 18.2.2009 verfasste Kogel zusammen mit anderen Beteiligten ein Patent, eingereicht wie üblich mit der BASF. Es ging um Gerste und Kogel ließ sich dort jeweils eine Produktreihe und eine Methodenreihe patentieren. Das ist sicher ein Zufall und hat mit der Freisetzung der Gerste in Gießen gar nichts zu tun, denn da ging es ja nur um Sicherheitsforschung ...

Im Original: Patentanmeldung ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Übersetzung des angemeldeten Patentes vom 18.2.2009
Patentanmeldung: Neue Nukleinsäuresequenzen und ihre Verwendung im Verfahren zum Erreichen einer Pathogenresistenz in Pflanzen
Erfinder: Karl-Heinz Kogel Ralph Hückelhoven Holger Schultheiss Markus Frank
Beauftragte: BASF Plant Science GmbH ...
Die Erfindung bezieht sich auf neuartige RacB cDNA Abschnitte der Gerste und auf Expressionskassetten* und Vektoren, die diese Promotorensequenzen enthalten. Die Erfindung bezieht sich außerdem auf transgene Pflanzen, die mit diesen Expressionskassetten oder Vektoren umgewandelt werden, auf Kulturen, Teile oder transgenes Ausbreitungsmaterial, die aus ihnen gewonnen werden und auf ihrem Gebrauch für die Produktion von Nahrungsmitteln, Futtermitteln, Saatgut, pharmazeutischer Produkte oder Chemikalien. Die Erfindung bezieht außerdem auf Methoden des Erzeugens oder der Erhöhung eines Krankheitserregerwiderstands in den Pflanzen durch das Verringern der Expression des RacB Proteins oder eines Funktionsäquivalents davon. ...
32. Eine Methode des Erzeugens oder der Erhöhung der Widerstandskraft gegen einen mindestens einen Krankheitserreger in einer Pflanze, die enthält: Verringern der Menge, Tätigkeit oder Funktion des RacB Proteins in einer Pflanze oder in Gewebe, Organ, einem Teil oder einer Zelle davon ...
51. Eine Methode des Auswählens einer Pflanzenzelle mit erhöhter Widerstandskraft gegen einen Krankheitserreger ...
57. Eine rekombinante Pflanzenzelle, in der die erzeugte Menge, Tätigkeit oder Funktion des endogenen RacB Proteins durch eine stabile Umwandlung mit einer Nukleinsäure oder einer Expressionskassette, die Nukleinsäure enthält, verringert wird.


*Eine Expressionskassette besteht einem oder mehreren Genen und den Sequenzen, die ihre Expression steuern. Drei Bestandteile sind in einer Ausdruckkassette enthalten: eine Promotorensequenz, ein offener Ableseframe und ein drittens einen unveränderten Bereich. Die Kassette ist ein Teil der Vektor-DNA, die für Klonen und Veränderungen benutzt wird.

In seinem Abschlussbericht behauptet Kogel allerdings, dass keine Patente aus dem Projekt entstanden sind.

Es ist damit unklar, aus welchen Versuchsreihen das Patent stammt. Der Gesamtablauf des auf die langjährige Entwicklungsarbeit fußenden Patents ist vollständig bis auf das Ausbleiben der Ende 2004 im "Spiegel der Forschung" angekündigten Freisetzungen. Und "zufällig" liegen genau in dem Abschnitt, wo diese hineinpassen, die als Biosicherheitsforschung deklarierten und finanzierten Gerstenfelder ...
Insgesamt ergeben sich zwei denktheoretische Möglichkeiten: Entweder gab Kogel seinen 2004 benannten und in den Jahren vorher lange betriebenen und mit Millionen der DFG geförderten Plan auf und startete einen völlig neuen, mit bisherigen Forschungen zusammenhanglosen Versuch. Oder er führt den ursprünglichen Versuch durch, deklarierte ihn aber um, damit der Fördertopf der BioSicherheit für ihn nutzbar wurde. Der zweite Fall stellt den dar, der vom Beklagten als Vorwurf des Betruges beschrieben wurde. Der erste würde ebenfalls die Frage der Fördermittelveruntreuung aufwerfen – diesmal allerdings der Fördermittel der DFG.

Es widerspricht der üblichen Logik wissenschaftlicher Forschung, wenn ein Forscher so ohne Weiteres ein jahrzehntelanges und hochgefördertes Projekt einfach stoppt und etwas völlig Neues macht wegen 352.000 Euro. Schließlich sind von solchen Forschungen etliche KooperationspartnerInnen, Studienarbeiten und die wissenschaftliche Reputation (z.B. in der DFG) abhängig.

Für die Variante, dass der ursprüngliche, kommerziellen Zielen folgende Versuch durchgeführt wurde, spricht auch die Kooperationsvereinbarung zwischen den Universitäten Gießen und Erlangen. Hier werden Regelungen über Gewinne, entstehende Produkte und Patente getroffen. (siehe oben).

Neue Methoden im Laufe des Versuchs entwickelt
Im Abschlussbericht des Versuchsleiters Prof. Sonnewald wird erwähnt (Bl. 375/497):

Das verstärkt den Verdacht, dass es genau auch darum ging: Methodenentwicklung. In seiner Vernehmung am 16.9.2013 vor dem Oberlandesgericht Saarbrücken wies Sonnewald den Verdacht von sich, dass Versuch und Methodenentwicklung zusammenhingen. Sie seien zufällig vom gleichen Institut und im gleichen Zeitraum entwickelt worden ...

3. Kogel, Uni und der Standort Gießen sollen zu einem Welt-Biotechnologiezentrum werden

Aus der Presseinformation der Uni Gießen zum neuen DFG-Projekt FOR 666 am 7.2.2006
Mit der FOR 666 wird am Institut für Phytopathologie und Angewandte Zoologie der Justus-Liebig-Universität Gießen bereits die zweite DFG-Forschergruppe eingerichtet. Insgesamt arbeiten dann an der Universität Gießen fünf DFG-Forschergruppen

Aus einem Kommentar von Guido Tamme in der Gießener Allgemeinen am 29.4.2006 (S. 26)
Fortschrittlich denkt und handelt auch das Uni-Institut für Phytopathologie. Deshalb bekam es vor einiger Zeit als erste Einrichtung in Deutschland die Erlaubnis, zu Forschungs- und Versuchszwecken gentechnisch veränderte Gerste anzubauen. ...
In einer Stadt und an einer Universität, die sich gern der Bedeutung der Biotechnologie in Gießen rühmen, müsste ein solcher Versuch mit dem üblichen Sicherheitsstandard eine Selbstverständlichkeit sein. Zumal sich mittlerweile herumgesprochen hat, dass bei den meisten Deutschen regelmäßig gentechnisch veränderte Tomaten auf dem Speiseplan stehen.

Aus der Gießener Allgemeine am 6. Juni 2006 (S. 7)
Der CDU-Kreisvorsitzende Braun schreibt, die Studie sei "sehr verantwortlich geplant" und diene einem wichtigen Erkenntnisgewinn. Die Angst vor gentechnisch veränderten Pflanzen sei bislang wissenschaftlich unbegründet. Die lebenswissenschaftlichen Fachbereiche hätten "enorme Bedeutung" für den Ruf der JLU. Schädlich wirkten dagegen "unbegründet technologiefeindliche Tendenzen in Gießen". Die Rückendeckung der Region sei auch für Freilandversuche notwendig, um ein innovationsfreundliches Klima zu dokumentieren.

Aus einem Bericht über Finanzanträge uniforum (Zeitung der Uni Gießen), 3/2009 (S. 8)
Bei einem der drei Anträge handelt es sich um ein „Zentrum für Insektenbiotechnologie“ (Sprecher: Prof. Dr. Andreas Vilcinskas, Institut für Phytopathologie und Angewandte Zoologie). Es zielt auf den Ausbau der Kooperation bestehender Arbeitsgruppen und Institutionen zum
Thema „Gelbe Biotechnologie“. Die Aufforderung zur Vollantragsstellung spielt vor allem vor dem Hintergrund der Bemühungen um die Ansiedlung eines Fraunhofer-Instituts für Bioressourcen in Gießen eine große Rolle. Die Universität Gießen besetzt damit ein ganz neues Forschungsfeld: Erstmalig soll eine operative Einheit aufgebaut werden, die sich der Entwicklung innovativer Spitzentechnologien
an den Schnittstellen zwischen der Roten, Grünen und Weißen Biotechnologie widmet.

4. Industrieinteressen und Geld?

Kogel hat für seine Versuch erhebliche Geldmittel der DFG erhalten. Hinzu kommt das Geld aus dem Biosicherheitsforschungsprogramm der Bundesregierung. Letzteres war als staatliche Quelle durch die Forschungspolitik unter der rot-grünen Regierung bedeutsam. Es besteht der Verdacht, das Prof. Kogel einen ohnehin geplanten und andere Ziele (siehe oben) verfolgenden Versuch als Biosicherheitsforschung umetikettiert hat (eventuell durch Erweiterung des Untersuchungsgegenstandes auf die Untersuchung von Bodenpilzen - jedoch gibt es Zweifel, ob das überhaupt geschieht), um an die Geldmittel zu gelangen.

Völlig unklar ist die Lage hinsichtlich der direkten Verquickung mit Industrieinteressen. Kogel hat in der Debatte ab 2006 solche Verflechtungen stets zurückgewiesen. Etliche Details weisen aber auf solche hin. Sie belegen, dass hier Methoden und Produkte entwickelt werden, die dann der Industrie dienen sollen oder werden.

5. Verbleibende Unklarheiten

Aus dem Gießener Anzeiger
Nach einem Gespräch mit dem Gießener Versuchsleiter Prof. Karl-Heinz Kogel und Uni-Präsident Prof. Stefan Hormuth stellte am Mittwoch der Landtagsabgeordnete Martin Häusling vor Journalisten fest, dass es auf wesentliche Fragen keine überzeugenden Antworten der beiden Universitätsvertreter ggeben habe. So stellt sich für den Fraktionssprecher für Landwritschaft und Verbraucherschutz weiterhin die Frage nach dem Motiv der Forschung. Für genveränderte Gerste gebe es derzeit weltweit überhaupt keinen Markt, nicht einmal in den USA. Wenn die Universität dennoch Biosicherheitsforschung betreibe, müsse man sich in der Perspektive fragen, wem dies nutzen könnte. Für Häusling sehr es sehr danach aus, dass in Gießen letztlich für Agrarkonzerne Sicherheitsforschung unter Einsatz von Steuermitteln betrieben wird.

Umgang mit Fördergeldern und anderen Geldbeträgen

Passend-Machen des Förderantrages

Im Schriftwechsel mit der Finanzierungsstelle hatte Kogel keinerlei Probleme, eine Veränderung der Zielsetzung in den Förderantrag zu formulieren. Auch das ist für ein überlegtes Forschungsprojekt zumindest fragwürdig, denn auch hier stellt sich die Frage, wie eine wissenschaftliche Planung so leicht umgeworfen werden kann. Leicht erklärbar wäre das hingegen, wenn bereits das ursprünglich im Förderantrag benannte Ziel nie das tatsächliche war – und es somit fördertaktisch einfach verändert werden konnte. Denn der eigentliche Versuch war davon ohnehin unabhängig.

"Umwidmung" von Geldern für Freisetzungen ins Gewächshaus

Mehrfach wurde Geld laut Abschlussbericht „umgewidmet“.
S. 13 = Bl. 398/520
S. 14 = Bl. 399/521
S. 17 = Bl. 402/524
S. 56 = Bl. 441/563

Außerdem von 2010 in 2009 verschoben.
S. 15 = Bl. 400/522

Der seltsame Umgang mit den Schäden durch die Feldbefreiung 2006

Zuerst: "Schwere Schäden"
Kurz nach der symbolischen (weil öffentlich angekündigten und daher schnell von der Polizei gestoppten) Beschädigung des Versuchsfeldes schrieben die Besuchsleiter von "schweren Schäden".

Aus dem Werbemagazin der hessischen Landesregierung, HessenBiotechNews 2/2006 (S. 14 f., PDF)
Leider wurden Anfang Juni Teile des Versuchsfeldes von Gentechnikgegnern zerstört, so dass nicht mehr alle geplanten Versuche durchgeführt werden können.

Feldbefreiung 2006 soll deutliche Wirkung gehabt haben
Aus FAZ.net vom 7.6.2006
Nun haben sie aber entgegen ihrer Absicht nicht bis zur Reife der Ähren gewartet. Denn ein Fünftel der Ende April gesetzten 5000 Pflanzen war von Gentechnikgegnern am Pfingstwochenende zerstört worden.
Aus diesem Grund konnten die Wissenschaftler die Versuche zum Ertrag der Gen-Gerste nicht mehr mit der notwendigen Genauigkeit abschließen, wie Kogel berichtete. Auch seien keine Studien zum Befall des Getreides mit schädlichen Pilzen an Blättern und Ähren mehr möglich. Infolge des Angriffs auf das Versuchsfeld verzögerten sich die Abschlußarbeiten von Doktoranden.

Titel der Pressemitteilung der Universität Gießen am 6.6.2006
Schwere Schäden für wissenschaftliche Untersuchung durch Feldzerstörung

Aus "Militante Gentechnikgegner attackieren Gerstenfeld" von Uni-Pressesprecherin Christel Lauterbach, in: uniforum 3/2006 (S. 2)
Schwere Schäden für die Aussagekraft der wissenschaftlichen Untersuchung seien entstanden, bedauerte der Projektleiter Prof. Dr. Karl-Heinz Kogel. Einige wichtige Fragestellungen könnten nun nicht mehr bearbeitet werden. Welche Fragestellungen überhaupt noch beantwortet werden können, das wird sich wohl erst bei der – nun vorzeitig geplanten – Ernte klären.

"Erhebliche Teile ... zerstört ... Befallsstudie ... wiederholt"
Auszug von der Internetseite zur Biosicherheitsforschung
Erhebliche Teile der Freisetzungsfläche wurden vor dem Ausreifen der Ähren zerstört. Aufgrund dieser Feldzerstörung wurde auch die Befalls-Studie durch Mykorrihza-Pilze unter Gewächshausbedingungen an transgenen und nicht-transgenen Gerstenlinien wiederholt. An diesem Probenmaterial wird zurzeit mittels quantitativer PCR untersucht, in welchen Mengen Mykorrihza-Pilze in den Wurzeln vorkommen. Diese Untersuchung wird ebenfalls an den zur Verfügung stehenden Pflanzen aus dem Freilandversuch vorgenommen.

Nach der Ernte: Nur noch Teilschäden
Doch nach der Ernte soll alles nicht so schlimm gewesen sein. Der Verdacht liegt nahe, dass hier suggeriert werden sollte, dass die Versuche doch durchführbar gewesen seien. Die Ergebnisse könnten, wie die Versuchsabläufe belegen, frei erfunden sein. Das Verharmlosen der Schäden diente dann dem Ziel, dieses zu verschleiern.

Aus der FR vom 12.7.2006 (S. 26)
Die gentechnisch veränderte Gerste auf einem Versuchsfeld der Gießener Universität ist vorzeitig geerntet worden. Die Pflanzen seien bereits am 5. Juli noch vor dem Ausreifen der Ähren vom Feld geholt worden, teilte die Universität am Dienstag mit. Sie begründete dies damit, dass die Erfassung des Ertrags nicht mehr mit der nötigen Präzision möglich sei, weil das Feld durch Gentechnik-Gegner beschädigt worden sei. Das Hauptziel des Versuchs, die Wirkungen der genmanipulierten Pflanzen auf das natürliche Bodenleben zu untersuchen, sei aber nicht gefährdet. Dazu werden die Wurzeln untersucht. Die Auswertung werde etwa drei Jahre dauern.

Aus der Wetzlarer Neuen Zeitung
Klar sei allerdings, dass das Gesamtsystem gestört sei und damit eine Ertragserhebung keinen Sinn mehr mache.

Anfang 2007 ... der Schaden hatte sich plötzlich sogar ins Nichts aufgelöst - und die drei Jahre sind auch rum!
Überraschend verkündete Kogel dann plötzlich schon nach dem ersten Jahr die Ergebnisse.

Aus: Gießener Anzeiger vom 27.3.2007
Erste Antworten auf diese Fragen liegen bereits vor. "So wissen wir mittlerweile, dass es keine negativen Nebeneffekte für die Umwelt gibt." Jedoch verlange die "gute landwirtschaftliche Praxis" eine Versuchsdauer von drei Jahren, "um die Erkenntnisse auch wissenschaftlich abzusichern". Kogel betonte, dass es sich bei dem Versuch um "intensive Forschung im Rahmen der Bio-Sicherheitsforschung" handele. Geplant sei die Ausbringung von 5000 gentechnisch veränderten Pflanzen. Erfreut zeigte sich der Wissenschaftler über die "äußerst positive" Resonanz, die er auf das Projekt vor allem in Schulen erhalten habe. "Die Akzeptanz war sehr hoch, wie aus ökologischen Gründen so eine Technik genutzt werden soll."

Standen die Ergebnisse schon vorher fest? Woher können sie sonst stammen, wenn so viel kaputt war? Wieso wird die Befallsstudie wiederholt und trotzdem liegen die Ergebnisse schon nach dem ersten Jahr vor?

Eigentlich hätten Störungen für das Bodenleben bei dem angegebenen Versuchsziel von besonderer Bedeutung sein müssen. Gerade bei Untersuchungen auf Bodenorganismen müsste der Zustand des Bodens von besonderer Bedeutung sein - sowohl die Trittschäden vom 2.6.2006 wie auch die Frage, ob Fremdstoffe eingebracht wurde.

Bei Gerste gutes Saatbett erforderlich!
Aus der Studie "Getreide und Gentechnik" (S. 62)
Das Saatbett wird für Gerste sehr sorgfältig vorbereitet.

Doch die Realität zeigte eher etwas anderes ...

Weitere Zweckentfremdung: Fahrten zu Lobbyverband BDP

Laut Abschlussbericht wurden aus dem Biosicherheitsprogramm auch Fahrten zum Lobbyverband BDP bezahlt:
S. 58 = Bl. 443/565

Vertuschte Risiken: Lügen und Täuschungen zu Auskreuzung und Gentransfer

Falschdarstellungen zu Gefahren durch Auskreuzung und Gentransfer

Täuschung: Gengerste ist sicher!
Seltsam: Das zu erforschen, war doch die (vorgeschobene) Begründung für den Versuch ...

Kogel: Keine Gefahren - steht schon vorher fest
Aus der FR, 25.4.2006 (S. 26) - also vor der ersten Aussaat
"Es gibt keine Gefahr, die von dieser Freisetzung ausgeht", betonte der Professor für Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz am Montag.

Am 25.4.2006 behauptete Prof. Kogel wahrheitswidrig, Gerste würde gar nicht auskreuzen können. Die Abschrift des Audiomitschnitts: "Dieser Versuch ist explizit ein sehr sicherer Versuch. Das ist auch beim Bescheid des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmitteltechnik ganz klar erläutert worden. Sicher ist dieser Versuch, weil die Gerste nicht auskreuzen kann. Es ist ein Selbstbefruchter. Die Pollenfreisetzung erfolgt bei geschlossenen Blüten, nur die eigene Pflanze wird befruchtet. Das heißt, es gibt keinen Pollenflug auf fremde Pflanzen und damit auch keine Auskreuzung. Gerste ist damit eine optimale Pflanze für die Freisetzung und biologische Sicherheitsforschung."

BVL: "Keine schädlichen Einflüsse auf Menschen, Tiere und die Umwelt zu erwarten"
Aus der FR, 2.5.2006 (dpa-Text)
Bei Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen seien keine schädlichen Einflüsse auf Menschen, Tiere und die Umwelt zu erwarten, so das BVL.

Täuschung: Es gibt keine Auskreuzung und keinen Gentransfer
Notlüge bei Nachfragen (entlarvt erste Täuschung): Es gibt nur einen ungefährlich kleinen Gentransfer
Wahrheit: Selbstbestäubung und Auskreuzung sind auch bei Gerste möglich - mehr als zugegeben

Einerseits Aussagen: Keine Auskreuzung, alles sicher

Auskreuzung "nicht möglich"
Aus der Gießener Allgemeine, 29.3.2007 (S. 25)
Negative Folgen für die Umwelt seien nie zu erwarten gewesen. Das gelte insbesondere für die von manchen befürchteten Auskreuzungen mit anderen Pflanzen. "Sie sind nicht möglich, weil die Gerste ein Selbstbestäuber ist. Außerdem gibt es für sie in Mitteleuropa keine Kreuzungspartner", unterstrich Kogel, der auch das Amt des Uni-Vizepräsidenten bekleidet.

Gefahren sind ausgeschlossen und sollen trotzdem minimiert werden - bitte was?
Aus einer Pressemitteilung der Universität Gießen am 24.4.2006
Der Aufbau des Feldversuchs beinhaltet trotzdem zusätzlich besondere Maßnahmen zur Minimierung des Pollenflugs und der Kreuzbestäubung. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat Anfang April die Genehmigung zur Freisetzung erteilt. ... Eine Auskreuzung kann schon aus biologischen Gründen ausgeschlossen werden.

Aus dem Stern, 28.5.2006
Dass sich die transgene Gerste über das Versuchsfeld hinaus verbreitet, halten die Wissenschaftler für ausgeschlossen. Gerste sei ein "Selbstbestäuber", das heißt, eine Pflanze werde nur von ihrem eigenen Pollen befruchtet. Dennoch sei vorsorglich ein Streifen konventioneller Gerste als "Pollenfänger" um die Versuchsparzellen gesät worden. Bis Mitte August müssen die Gießener Pflanzen durchhalten, dann werden sie aus der Erde genommen, um die Wurzeln zu untersuchen. Der Rest der Pflanzen wird vernichtet.

Aus der Gießener Allgemeine am 6. Juni 2006 (S. 7)
Dass sich die transgene Gerste über das Versuchsfeld hinaus verbreitet, halten die Forscher für ausgeschlossen; ...

Aus der Wetzlarer Neuen Zeitung
Dass sich die transgene Gerste über das Versuchsfeld hinaus verbreitet, halten die Forscher für ausgeschlossen. Gerste sei ein "Selbstbestäuber", das heißt, eine Pflanze werde nur von ihrem eigenen Pollen befruchtet.

Aus dem Gießener Allgemeine, 16.6.2006 (S. 11) ++ Scan des Textes
Dass sich die transgene Gerste über das Versuchsfeld hinaus verbreitet, halten die Wissenschaftlicher für ausgeschlossen.

Aus einem Text der Gentechnik-Lobbyistin und FDP-MdB Christel Happach-Kasan
Da Gerste ein Selbstbefruchter ist, ist selbst beim benachbarten Anbau von gentechnisch veränderter Gerste eine Vermischung mit nicht gentechnisch veränderter Gerste kaum zu erwarten. Die Gendatenbank in Gatersleben hat jahrzehntelange Erfahrung in der sortenreinen Vermehrung von Kulturpflanzensorten wie Gerste und Weizen. Bei Selbstbefruchtern wie Gerste und Weizen ist zum Erhalt der Sortenreinheit nur ein geringer Abstand erforderlich. Befürchtungen, dass beim Anbau von Weizen und Gerste die Koexistenz nicht eingehalten werden kann, sind völlig unbegründet.


Aus der Akte beim RP: Pressetext vom April 2006

Dann Aussagen, dass Gefahren "gering" seien

Wie selbstverständlich heißt es an anderen Stellen, die Gefahren oder die Auskreuzung sei "gering". Als wäre "gering" dasselbe wie "ausgeschlossen" ... so kommen als Varianten noch "nahezu völlig ausgeschlossen" und andere Wortgetüme dazu.

Aus uniforum Nr. 2/2006 (S. 6), Zeitschrift der Universität Gießen
Gerste ist ein „Selbstbestäuber“, das heißt eine Pflanze wird nur durch den eigenen Pollen befruchtet. Die Möglichkeit der Auskreuzung ist auch in einer im Auftrag der EU durchgeführten Studie als sehr gering eingestuft worden. ... Obwohl das Risiko des Pollenfluges und
damit der Ausbreitung bei Gerste schon aus biologischen Gründen nahezu völlig ausgeschlossen werden kann, ...

Aus dem Giessener Anzeiger vom 25.04.2006
"Die Möglichkeit der Auskreuzung ist im Falle von Gerste äußerst gering", betonte er. Zahlreiche, vorab durchgeführte Risikoabschätzungen zur Ausbreitung von Gerstenpollen hätten eine Auskreuzung - ein Kreuzen mit anderen Pflanzen - als nicht messbar bewertet. Aufgrund ihrer fehlenden Konkurrenzfähigkeit seien Wachstum und Ausbreitung der Gerste an ackerbauliche Maßnahmen gebunden, zudem sei die Gerste ein Selbstbestäuber. Es seien, so die Wissenschaftler, umfangreiche Maßnahmen ergriffen worden, um trotzdem das Risiko einer Verbreitung der Pflanzen noch weiter zu minimieren. So sei die Flora des Versuchsgeländes vor der Freisetzung auf mögliche sexuell kompatible Arten überprüft worden. Andere Getreidearten würden nicht während des Versuchszeitraum auf dem Gelände kultivier, und das Versuchsfeld wiederum werde von einem fünf Meter breiten Randstreifen mit konventioneller Gerste umfasst, der wiederum von Schwarzbrache und einem 25 Meter breitem Streifen Weißklee umschlossen sei, erläuterten die beiden Forscher.

Aus der Gießener Allgemeine vom 17.6.2006 (S. 28)
Die Risiken des Versuches seien äußerst begrenzt, da die angebaute Gerstensorte ein Selbstbestäuber sei und in Europa keine Wildgräser existierten, mit denen die gerste durch Kreuzung fruchtbare Nachkommen hervorbringt. Die Bestäubung findet zudem bei geschlossenen Blüten statt, so dass die Gefahr von Kreuzungen mit "normaler" Gerste kein Risiko darstelle. Dies sei z.B. bei transgenem Mais und Raps anders.

"Unproblematisch ... Selbstbestäuber ... nicht auskreuzen"
Aus dem Werbemagazin der hessischen Landesregierung, HessenBiotechNews 2/2006 (S. 14 f., PDF)
Gerste stellt gerade im Hinblick auf die Auskreuzung eine unproblematische Pflanze dar, da sie ein Selbstbefruchter ist und es zu keinen nennenswerten Auskreuzungen kommen kann. Nachkommen mit anderen Wildgräsern wären in jedem Fall steril, so dass auch in diesem Fall eine Verbreitung der neuen Eigenschaft ausgeschlossen ist. Die Verbreitung durch Wildtiere ist ebenfalls unterbunden, da die gesamte Versuchsfläche von einem engmaschigen Vogelnetz umgeben ist. ...
"Gerade unter den Aspekten der biologischen Sicherheit eignet sich Getreide wie Weizen und Gerste, da sie Selbstbestäuber sind und nicht auskreuzen, besonders dazu, Biotechnologie zur Verbesserung der Qualität von Ernteprodukten mit Vernunft und Augenmaß zu nutzen“, so Kogel.

Schließlich Zahlen über die (nun doch vorhandene) Auskreuzungshäufigkeit

Mitunter werden auch Zahlen genannt. Dann werden aus "Selbstbestäuber" selbst bei Kogel plötzlich ein 99%iger Selbstbestäuber. In anderen Quellen nimmt die Zahl weiter ab. Bemerkenswert: Selbst im Genehmigungsbescheid ist von 98% die Rede - als der doppelten Menge an Pollen gegenüber Kogels öffentlichen Äußerungen. Ein Gutachten an Weizen, der sich ähnlich verhält, zeigt noch aber größere Auskreuzungsraten ...

Kogels Logik: "Keine" Probleme, weil "99%" Selbstbestäuber"
Aus dem Deutschlandfunk am 2.5.2006
Ein etwa zehn Meter breiter Schutzmantel aus konventioneller Gerste wird rund um die 5000 gentechnisch veränderten Gerstepflanzen ausgesät, um deren unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern. ...
Obwohl Karl-Heinz Kogel mit seinem Gießener Gen-Experimenten offenbar den Bedarf der heimischen Bier- und Lebensmittelhersteller nicht trifft und sich neben Greenpeace auch Gießener Hochschulgruppen kritisch zu den Versuchen geäußert haben, hofft der hessische Pflanzenschutz-Forscher, dass die auf drei Jahre angelegten Freilandversuche unmittelbar neben den Uni-Gebäuden ungestört verlaufen können: "Wir haben nur den normalen Trennzaun hier, wir haben keine weiteren Sicherheitsvorkehrungen. Wir hoffen einfach, dass es hier nicht zu Zerstörungen kommt, insbesondere, weil wir ja hier im Bereich Bio-Sicherheit arbeiten und weil wir auch mit der Gerste eine sehr geeignete Pflanze untersuchen. Es gibt ja keine Probleme mit Auskreuzungen, weil die Gerste zu 99 Prozent Selbstbestäuber ist. Selbst wenn es zu einer Freisetzung von Pollen kommen würde, würde der Pollen sehr schnell inaktiviert im Sonnenlicht und unter Feuchtigkeit. Und Wildgersten sind auch nicht betroffen, weil es niemals zu fruchtbaren Nachkommen kommen würde. Alle Hybride wären steril."

"99 Prozent" Selbstbestäubung, das macht eine "sichere Pflanze"
Aus: Gießener Anzeiger vom 27.3.2007
Mit Blick auf immer wieder geäußerte Befürchtungen, der Freisetzungsversuch könnte zu Auskreuzungen führen, sagte Kogel: "Gerste ist in diesem Zusammenhang eine sichere Pflanze, da sie zu 99 Prozent Selbstbestäuber ist. Das heißt: Der Gerstenpollen befruchtet die Narbe der eigenen Blüte. Das geschieht - zumindest bei unseren Pflanzen - bei geschlossenen Blüten, so dass es kaum zu einem Kontakt mit Insekten oder zu einer Windverbreitung des Pollens kommt."
Im vergangenen Jahr hatten so genannte Feldbefreier Teile des Versuchsfeldes im Alten Steinbacher Weg zerstört.

Ähnliche Aussage in einem Interview mit Prof. Kogel auf www.biosicherheit.de am 29.5.2006
Gerste ist in diesem Zusammenhang eine "sichere" Pflanze, da sie zu 99 Prozent Selbstbestäuber ist: Der Gerstenpollen befruchtet sich selber.

Bis "2%" Auskreuzung - bei trockener und warmer Witterung "auch höher"
Aus dem Genehmigungsbescheid des BVL (S. 15 f.)
Gerste ist ein Selbstbestäuber und kleistogam, d.h. in der Regel tritt Selbstbestäubung nach vor der Blütenöffnung ein. In gewissem Umfnag, beeinflusst vom Genotyp und den klimatischen Bedingungen zur Blütezeit, ist Fremdbefruchtung möglich. Diese wird mit meist < 2 % angegeben, bei trockener und warmer Witterung kann die Fremdbefruchtung bei manchen Genotypen auch höher sein.

Pollenausbreitung also zugegeben, aber: Es gibt keine Kreuzungspartner

Kogel behauptet: Keine Auskreuzung
Aus einem Interview mit Prof. Kogel von der Internetseite zu Biosicherheit
Außerdem gibt es bei Gerste keine Kreuzungspartner in Europa, mit denen es zu fertilen Nachkommen kommen könnte. Das heißt vom Sicherheitsaspekt her sind gerade diese Getreide geeignet, um als Ergänzung zum normalen Zuchtverfahren auf biotechnologischem Weg verbesserte, d.h. z.B. den heutigen landwirtschaftlichen Produktionsverfahren angepasste oder ökologisch vorteilhafte Eigenschaften zu erzielen. ...

Aus "Militante Gentechnikgegner attackieren Gerstenfeld" von Uni-Pressesprecherin Christel Lauterbach, in: uniforum 3/2006 (S. 2)
Auch gibt es in Europa unter den Wildgräsern keine Kreuzungspartner für Gerste.

Vorsichtiger formuliert schon in Uni-Papieren selbst
Aus einem Dokument der Uni Gießen selbst (Quelle als PDF)
Die Möglichkeit der Auskreuzung ist im Falle von Gerste in einer im Auftrag der EU durchgeführten Studie als sehr gering eingestuft worden (European Environment Agency 2002, pp. 46-49). Aufgrund ihrer fehlenden Konkurrenzfähigkeit ist Wachstum und Ausbreitung der Gerste strikt an ackerbauliche Maßnahmen gebunden. Neben der Samenausbreitung ist bei Gerste auch die Pollenausbreitung stark reduziert. Gerste ist ein Selbstbestäuber mit einer Selbstbefruchtungsrate von ~99%. Neben anderen Getreide- und Wildgerstenarten sind Elymus sp. (z.B. Quecke) potenzielle Pollenempfänger. Lediglich Elymus sp. sind auf dem Versuchsfeld zu erwarten. Es ist nachgewiesen, dass durch Auskreuzung entstehende Hybride in jedem Fall steril sind, sich also in keinem Fall vermehren und ausbreiten könnten.

Nicht benannt ist die Mäusegerste, eine Wildgerstenart, die gerade auf städtischen Ruderalflächen oft vorkommt, also bei diesem innerstädtischen Standort eine Rolle spielen könnte. Es gibt auch keinerlei Hinweise, dass deren Vorkommen in der Umgebung des Versuchsfeldes je überprüft wurde.


So sieht sie aus, die Mäusegerste - eine typische Ruderalpflanze gerade auf kleinen Flächen an Straßen und Plätzen.

Blicke in die Fachliteratur
Aus dem Lexikon zu Nutzpflanzen, die benannte Wildgerste kommt typischerweise in Städten vor (Straßenränder, Ruderalflächen ...)
Vermutlich ist eine Kreuzung von Kultur-Gerste mit anderen Hordeum-Arten und Quecken-Arten (Elymus spec.) möglich, die Wahrscheinlichkeit wird aber als sehr gering angesehen. Wilde Hordeum-Arten sind z.B. die Mäuse-Gerste, die auf Schuttplätzen und an Wegrändern wächst oder die Strand-Gerste der Küstenwiesen.

"Auskreuzung ... sehr gering"
Auszug von der Internetseite zur Biosicherheitsforschung
Weizen und Gerste zeigen eine nur sehr geringe Auskreuzungswilligkeit. Als Selbstbefruchter bevorzugen sie hauptsächlich den eigenen Pollen. Eine Auskreuzung auf verwandte Wildarten erscheint bei beiden Arten als sehr gering. Vermehrungsfähige Kreuzungsnachkommen sind bisher nicht gefunden worden.

Aus einer Studie von InterNutrition - Schweizerischer Arbeitskreis für Forschung und Ernährung, Schweiz
Diverse für die Schweiz wichtige Kulturpflanzen besitzen keine verwandten Wildarten zur Auskreuzung (z.B. Mais, Kartoffel, Soja, Tomate, Zuckerrübe, Gerste, Rotklee) oder sind strenge Selbstbefruchter (Weizen, Reben).

Aus "Gen-Transfer – na und?", Zusammenstellung von Ruth Brauner aus dem Jahr 2002 (als Text im Internet)
Weizen (Triticum aestivum) ist eine typische selbstbestaeubende Pflanze. Moeglicherweise vorkommende Auskreuzung erfolgt durch Wind. (Eastham & Sweet 2002). Nach den Ergebnissen von Feldstudien mit maennlich sterilem Weizen als Empfaenger ist zu erwarten, dass in einer Entfernung zwischen 0 und 150 m von der Pollenquelle Einkreuzungsraten von bis zu 3% angenommen werden koennen. Bei selbst pollenproduzierendem Weizen ist in einer Entfernung von 0 bis 10 m von der Pollenquelle eine Einkreuzungsrate von mehr als 1% und in 10 bis 50 m von der Pollenquelle noch eine Rate von 1 bis 0,5% zu erwarten. Bei Distanzen ueber 100 m betraegt die erwartete Einkreuzungsrate unter 0,1% (Hermanowski et al. 2002).
Gerste (Hordeum vulgare) ist ebenfalls selbstbestaeubend. Moeglicherweise vorkommende Auskreuzung erfolgt ebenfalls durch Wind. Da Auskreuzungsereignisse eher selten sind, sind Isolationsabstaende von bis zu 60-m wahrscheinlich ausreichend, um den Gentransfer auf ein niedriges Niveau zu reduzieren (Eastham & Sweet 2002).

In der Studie "Bleibt in Deutschland bei zunehmendem Einsatz der Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion die Wahlfreiheit auf GVO-unbelastete Nahrung erhalten?" (2002, Forschungsinstitut für biologischen Landbau Berlin e.V. und Öko-Institut e.V. im Auftrag des BUND) wird auf Seite 22 ein Gentransfer zwischen Weizen und Gerste als möglich bezeichnet.


Aus Gesine Schütte, Susanne Stirn, Volker Beusmann (2001): "Transgene Nutzpflanzen", Birkhäuser Verlag in Basel (S. 110)
Hinweis: Dass Mais nicht winterhart sei, ist inzwischen widerlegt - durch die Bank hatte die Wissenschaft sich geirrt!

Also doch Kreuzungspartner, aber sterile Nachkommen

Aus Holger Christ/Ruth Brauner (2004): "Risiken der Nutzung der Gentechnik in der Landwirtschaft" im Auftrag der GTZ (S. 8)
Für Gerste und Hirse konnte nur der Nachweis von Hybriden erbracht werden, die jedoch nicht fortpflanzungsfähig zu sein scheinen.

Ein Blick in Untersuchungen zur Auskreuzung

Wie Gerste wird auch über Weizen gesagt, dass er Selbstbestäuber ist - sogar noch stärker. Was das in Zahlen bedeutet, belegen Studien aus den 60er und 70er Jahren. Noch in 150 Metern Entfernung wurden 2,4 % fremdbestäubter Weizen gefunden.

Weizen ist ein strenger Selbstbefruchter. Die Fremdbefruchtungsrate liegt meistt bei 1 %, kann aber je nach Sorte bis über 5 % betragen. Weizen ist anemophil, d.h. die Pollenübertragung zwischen den Pflanzen erfolgt mit Hilfe des Windes. Pollenübertragung durch Tiere (Insekten, Anhaftung an Vögel etc.) kann vernachlässigt werden. Weizenpollen gilt als relativ schwer, obwohl er deutlich kleiner ist als Maispollen. Als Selbstbefruchter produziert die Weizenähre relativ wenig Pollen, etwa 450.000 Pollenkörner pro Ähre (das entspricht etwa 1 bis 3 % der von Maisblütenständen produzierten Pollenmenge).An Weizenfeldern werden damit etwa 180 Mio. Pollen pro M2 ausgeschüttet (dabei kann es je nach Sorte große Unterschiede geben). Die Angaben zur Dauer der Befruchtungsfähigkeit variieren stark, von 5 Minuten bis zu 3 Stunden (alle Angaben aus Feil & Schmid, 2001).
Es gibt nur sehr wenige Untersuchungen zur Pollenausbreitung von Weizen. Dies liegt daran, dass bei diesem relativ strengen Selbstbefruchter bei normalen Liniensorten (Sorte, bei der das Saatgut durch Selbstbefruchtung erzeugt wird) kaum mit Einkreuzung zu rechnen ist und somit in der Regel kein Problem für die Saatgutproduktion besteht. Der Pollen von Weizen kann jedoch weite Distanzen zurücklegen- Bei Khan et al. (1973) wurden in 48 m Entfernung von der Pollenquelle noch gleich viele Pollen gefunden wie in 10 m Entfernung; der Kornansatz beim männlich sterilen Weizen betrug in 48 m Distanz noch 4 bis 8,6 %. Gorin (1968) ermittelte bei einer Entfernung von 150 m vom Pollendonor noch einen Kornansatz von 2,8 % auf den männlich sterilen Rezeptorpflanzen. Gemäß Modellrechnungen fliegt Weizenpollen etwa halb so weit wie Roggenpollen, bei welchem noch in 1.000 m Distanz erfolgreiche Befruchtung gefunden wurde. Weizenpollen kann somit große Distanzen in befruchtungsfähigem Zustand überwinden, wobei Pollen von Triticum durum (eine tetraploide Weizenart) aufgrund seines kleineren Durchmessers möglicherweise eine größere Reichweite besitzt als Pollen von T. aestivum und T. spelta (hexaploide Weizenarten) (Feil & Schmid, 2001).
Die wahrscheinliche Einkreuzungsrate ergibt sich zum einen aus dem Anteil der Selbstbefruchtung und zum anderen aus dem Verhältnis zwischen eigenem und fremdem Pollen (vorausgesetzt, der Fremdpollen ist noch vital). Weizen hat eine Fremdbefruchtungsrate von ca. 1 %, d.h. 99 % der Kompositionen werden erfolgreich von Pollen bestäubt, welcher von der eigenen Blüte freigesetzt wird, bevor diese sich überhaupt öffnet. Um den Rest der Befruchtung konkurriert der Bestandespollen und der Fremdpollen. Wenn das Verhältnis in 100 m Entfernung von der Fremdpollenquelle 100:1 ist (wahrscheinliches Szenario), ergibt sich daraus eine mögliche Einkreuzungsrate von ca. 1 % von dem oben erwähnten 1 % Fremdbefruchtung, d.h. jede 10.000ste Komposition wird von bestandesfremdem Pollen bestäubt. Das ergäbe eine Rate von 0,01 % (Feil, persönliche Mitteilung Dez. 2001).
Nachfolgend sind die Ergebnisse von drei publizierten Einkreuzungsversuchen in Tabelle 1 aufgeführt und in Abbildung 7 dargestellt. Die Untersuchung von Khan et al. (1973) umfasste drei verschiedene Jahre. Die Abbildung muss aufgrund der marginalen Datenlage als fragmentarisches, vorläufiges Ergebnis betrachtet werden.
Damit ist die vorhandene Datengrundlage zu gering, um gesicherte Isolationsabstände ableiten zu können. Aufgrund der hohen Selbstbefruchtungsrate (99 %) sind aber vermutlich bei normalen Liniensorten Isolierabstände von 10, 50 bzw. 100 m zu GVO-Beständen ausreichend, um den Anteil transgener Körner im Erntegut sicher unter 1, 0,5 bzw. 0,1 % zu reduzieren. Relativ große Isolationsabstände sind jedoch erforderlich, wenn der Rezeptorbestand wegen männlicher Sterilität nur wenig Pollen produziert (Feil & Schmid, 2001).


Quelle: "Grüne Gentechnik und ökologische Landwirtschaft", Studie des Umweltbundesamtes 01/2003 (S. 118 f.)

Aus Marcus Lemke (2002): "Gentechnik - Naturschutz - Ökolandbau", Nomos in Baden-Baden (S. 24 f.)
Eine Schweizer Forschungsgruppe hat die Kreuzungsrate zwischen Weizen und einer Gänsefußgrasart (Aegilops cylindrica)mit Hilfe von molekularen Markern bestimmt, um das Ausmaß des Genflusses zwischen Weizen und nah verwandten Wildarten ermitteln zu können. Diese Gänsefußgrasart ist diejenige in der Schweiz vorkommende Wildart, die mit Weizen am nächsten verwandt ist. Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden sowohl unter standardisierten Bedingungen im Gewächshaus als auch unter Freitandbedingungen Bestäubungsexperimente durchgeführt. Während die Bestäubungsversuche im Gewächshaus keine Hybride hervorbrachten, wurden im Freiland hingegen 85 Hybride entdeckt (insgesamt wurden 2400 Pflanzen untersucht). Die Kreuzungsrate variierte in verschiedenen Wildpopulationen zwischen 1 % und 7 %. Fünf der 85 Hybridpflanzen bildeten bei einer Rückkreuzung mit der Gänsefußgrasart insgesamt 12 keimfähige Samen. Die restlichen Hybridpflanzen waren steril. Mit Hilfe molekulargenetischen Methoden konnte der Nachweis erbracht werden, dass die rückgekreuzten pflanzen auch DNA-Abschnitte enthielten, die für Weizen typisch sind. Es fand also eine Einkreuzung von Weizengenen in das Gänsefußgras statt.

Gerste in Pollenflugkalendern!

Wenn Gerste keine Pollen aussendet, wieso steht die Pflanzen dann ein allen Pollenflugkalendern? HeuschnupflerInnen wissen, was von Kogels & Co. Lügen zu halten ist - und selbst dem Gießener Landgericht fiel das auf: "Die Behauptung der Wissenschaftler, bei Gerste gäbe es wegen der Selbstbestäubung keinen Pollenflug, stimmt bereits nach den sich aus den einbezogen Akten ergebenden Gründen nicht 100%ig und steht im unauflösbaren Widerspruch zur Warnung vor Gerstenpollen in Pollenflugkalendern für Allergiker".


Aus Süddeutscher Zeitung (oben) und von Schulferien.org (unten)

Mehr ...

Fazit: Es gibt keine Sicherheit

Aus der Ökotest vom 28.4.2006
Hinzu kommen Fragen der Sicherheit des Tests selbst. Denn jüngst sorgte ein internes Papier der EU-Kommission für Aufregung. Dort heißt es: "Es gibt keinen einheitlichen, absoluten und wissenschaftlich klaren Grenzwert mit Hilfe dessen entschieden werden könnte, ob ein Gen-Produkt sicher ist oder nicht".
Das BVL ist seiner Sache dennoch sicher und sieht in dem Forschungsprojekt der Uni Giessen keine Gefahren für Mensch, Tier und Umwelt. Dafür sorgen nach Angaben des Amts verschiedene Sicherheitsbestimmungen. Unter anderem ein Wildschutzzaun, Vogelnetze und die Einhaltung von Isolationsabständen. Zudem muss die Universität gewährleisten, dass nach Versuchsende keine genmanipulierten Pflanzen auf dem Feld zurückbleiben, sie sich mit anderen Pflanzen kreuzen oder benachbarte Felder verunreinigen.

In der Akte zum Genversuch: Kogel und Behörden viel ehrlicher!

In seinem Antrag für den Versuch klang das aber schon anders. Kogel wusste es besser: Gerste kann auskreuzen ...



Aus der Akte beim RP: Antrag der Uni an das BVL (18.10.2005, S. 15)


Aus der Akte beim RP: Antrag der Uni an das BVL (18.10.2005, S. 41)

Noch schlimmer: Auch horizontaler Gentransfer ist möglich


Aus der Akte beim RP: Antrag der Uni an das BVL (18.10.2005, S. 9)



Aus der Akte beim RP: Antrag der Uni an das BVL (18.10.2005, S. 26)


Aus der Akte beim RP: Antrag der Uni an das BVL (18.10.2005, S. 45)


Aus der Akte beim RP: Antrag der Uni an das BVL (18.10.2005, S. 46)


Aus den Akten: Betriebsanweisung für die MitarbeiterInnen (1. Fassung, S. 6)

Die Formulierung sind vorsichtig. Horizontaler Gentransfer ist möglich. Unwahrscheinlich ist er vor allem, weil keine pflanzlichen Bestandteile in die Nahrungskette kommen. Das war so vorgesehen - aber es gelang nicht. Die Versuchsdurchführung war äußerst schlampig, so dass ohne weiteres Bestandteile der Gerstenpflanzen, auch Körner, in die Nahrungskette gelangen konnten.

Erstens: Über Mäuse, die jederzeit in das Versuchsfeld gelangen konnten (siehe hier unter "Panne 4")

Zweitens: Über alle Tiere, auch z.B. Vögel, die nach der Ernte auf das Feld konnten. Denn in beiden Versuchsjahren standen Gerstenähren zugänglich ohne Vogelschutznetz im Freien. Anders als im Antrag behauptet, wurden nicht alle Ähren per Hand geerntet, sondern dieses erfolgte schlampig und es blieben viele Ähren stehen. Das war auf einem Pressefoto von 2006 und auf Fotos von einer unangemeldeten Feldbesichtigung am 2.9.2007 (nach der Ernte) gut zu sehen. Überall stand Gerste herum - einen Schutzzaun oder ein Vogelschutznetz aber gibt es nicht mehr (siehe hier unter "Panne 3").

Koexistenz bei Gießener Gen-Gersteversuch nicht nötig ...

Die Unmöglichkeit der Koexistenz ist im Gießener Gengersteversuch sogar anerkannt, aber als unerheblich bezeichnet. Das heißt auch: Es ist egal, ob der Versuch dem Gesetz entspricht!


Aus dem Bescheid des BVL vom 3.4.2006

Sicherheitsauflagen nicht eingehalten!

Kogel behauptet: Alle Gerstenähren werden per Hand geerntet
Presseinformation der Uni Gießen, als Kontakt ist Prof. Kogel angegeben (Quelle als PDF)
Nach Beendigung des Versuchs werden alle Gerstenähren per Hand geerntet und in geschlossenen Behältern gelagert.
Aus der FR, 25.4.2006 (S. 26) - also vor der ersten Aussaat
Nach Versuchsende würden alle Gerstenähren per Hand geerntet und in geschlossenen Behältern gelagert. Eventuelle Restbestände auf der Versuchsflächewürden mit einem Herbizid abgetötet.

Wirklichkeit:
Nach dem Ende des Versuchs 2007 konnten noch Gerstenähren auf der inzwischen ungesicherten Fläche gefunden werden.

Behauptung: Gegen Vogelfraß komplett gesichert
Aus den hessen biotech News 2/2006 (S .15)
Die Verbreitung durch Wildtiere ist ebenfalls unterbunden, da die gesamte Versuchsfläche von einem engmaschigen Vogelnetz umgeben ist.

Wirklichkeit: Im Jahr 2007 ergab des Vogelschutznetz nur ein Dach. Der Einflug seitlich war möglich.

Verschwiegen: Antibiotika in der Gerste?

Offiziell wurden immer vier vermeintlich harmlose gentechnische Veränderungen benannt. Schon das war reichlich unkritisch. Ganz verschwiegen wurde aber, dass gar keine Klarheit bestand, welche weiteren Veränderungen noch unkontrolliert in den Pflanzen waren - darunter auch eine Antibiotika-Resistenz, bei der eine Verbreitung in der Umwelt besonders gefährlich auch direkt für den Menschen werden könnte.


Aus der Akte beim RP: Antrag der Uni an das BVL (18.10.2005, S. 39)

Nur dem Regierungspräsidium (Überwachungsbehörde) fällt das auf.


Aus der Akte beim RP: Stellungnahme des RP (2.2.2006, S. 2)

Transparenz und Öffentlichkeitsarbeit

Täuschung: Kogel behauptete immer wieder, seine Versuche transparent machen zu wollen ...
Wahrheit: AnwohnerInnen einschließlich Schule usw. wurden gar nicht direkt informiert

Aus dem Stern, 28.5.2006
Auf die Proteste, die das Projekt von Anfang an begleitet haben, reagiert Kogel mit Information. Das Versuchsfeld ist gekennzeichnet, Besucher werden bereitwillig hingeführt. "Ich bin ja eigentlich kein starker Befürworter der Gentechnik", sagt Kogel.

Doch die AnwohnerInnen einschließlich der direkt am Feld gelegenene Gesamtschule Gießen-Ost wurden gar nicht informiert

Täuschung: Es wurde ein ordnungsgemäßes Verfahren mit den üblichen Beteiligungen durchgeführt
Wahrheit: Kein Erörterungstermin, keine Beschwerdemöglichkeit durch sofortige Vollziehung

Der Versuch wurde mit Sofortvollzug durchgepeitscht, d.h. Beschwerden und Klagen hatten keine aufschiebene Wirkung. Ob Gentechnik ausgebracht werden darf, wäre dann nach der Ausbringung geklärt worden ...

Aus der Genehmigungbescheid des BVL vom 3.4.2006, Az. 6786-01-0168, Seite 23)
Grundsätzliche Einwendungen gegen die Gentechnik können nicht durchgreifen, weil eine Entscheidung über die Zulassung der Gentechnik mit dem Erlass des Gentechnikgesetzes durch den Gesetzgeber gefallen ist. ...
Sofortige Vollziehung ... Bei der Abwägung der sich gegenüberstehenden Interessen ist zu berücksichtigen, dass etwaige Rechtsbehelfe mit erheblicher Wahrscheinlichkeit erfolglos bleiben werden.

Stellungnahmen zum Versuch und zum Bedarf an transgener Gerste

Aus der Infoseite der BI Zivilcourage (Text der FR)
Doch längst geht es nicht mehr um Tierfutter, bald geht es um Brot und Bier. Auf deutschen Feldern wurden in diesem Jahr gentechnisch veränderte Getreidearten ausgesät, die als Lebensmittel und Kulturgüter eine ganz hohe Bedeutung für den Menschen haben: Wissenschaftler der Uni Gießen hatten im Frühjahr Gen-Gerste gesät, Wissenschaftler des Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben in Sachen-Anhalt brachten im Herbst Winterweizen in den Boden. Die Gerste (der Versuch wurde nach einer Feldzerstörung vorzeitig abgebrochen) soll mit Hilfe des eingeschleusten Gens eines Bakteriums gegen Pilze unempfindlich gemacht werden und, in einem weiteren Versuch, für Hühner schmackhafter werden sowie die Bierherstellung verbessern.

Brauereien winken ab ...

Aus dem Manifest zur Grünen Gentechnik des Privaten Brauereien Deutschlands:




Aus dem Deutschlandfunk am 2.5.2006
Doch in Europa und speziell in Deutschland ist das Interesse an den Eigenschaften der Gen-Gerste bisher gering. Vor allem an den verbesserten Braueigenschaften, die die Gießener Genforscher versprechen, sind die heimischen Bierbrauer nicht interessiert. Axel Jürging vom Brauerbund Hessen und Rheinland-Pfalz:
"Wir können als Brauer auf so viele verschiedene Gerstensorten am Markt zurückgreifen, dass wir aus unserer Sicht keine Notwenigkeit sehen, das durch genetische Manipulationen zu ergänzen, dieses Angebot. Wir verwenden keine genetischen Rohstoffe und glauben auch nicht, dass in nächster Zeit solche Rohstoffe zum Einsatz kommen."

Brauereien warnen vor Gentech-Bier, in: Süddeutsche Zeitung vom 28.09.06. Auszüge:
Besorgt zeigten sich die drei Brauereien vor allem darüber, dass auch in Deutschland in diesem Jahr erstmals Freilandversuche mit genmanipulierter Gerste stattfinden - ein Projekt, das von der Universität Gießen geleitet und vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. Ziel dieser Versuche ist es den Wissenschaftlern zufolge zwar nur, den Einfluss von transgenen Pflanzen auf die Umwelt zu testen und nicht etwa Brauerei-Gerste zu entwickeln.
Doch für Ehrnsperger birgt schon allein der Anbau erhebliche Risiken. "Man kann nicht verhindern, dass das Erbgut durch Pollenflug auf andere Sorten übergeht. So könnte sich das genveränderte Erbmaterial überall durchsetzen." Sebastian Priller vom Augsburger Brauhauses Riegele, verwies in diesem Zusammenhang auf die jüngsten Erfahrungen mit Reis: "Plötzlich ist der Genreis da, und keiner weiß, woher er kommt." Das Beispiel zeige, dass die Kontamination anderer Flächen unvermeidlich sei.

Aus einem Streitgespräch mit Dr. Franz Ehrnsperger, Chef der Öko-Bierbrauerei Neumarkter Lammsbräu (Quelle: IHK Regensburg)
Es gibt keine Notwendigkeit hierfür! Warum etwas manipulieren, was eine einzigartige Erfolgsgeschichte darstellt? Gerste ist ein wesentlicher Rohstoff für Brot und Bier. Sowohl das deutsche Brot als auch das deutsche Bier werden weltweit für ihre Vielfalt und geschmackliche Qualität geschätzt. Beide zeichnet eine einzigartige, über 6000 Jahre währende Kulturgeschichte aus, beide begleiten die Menschheitsentwicklung von Beginn an. Und jetzt schicken sich wenige, börsennotierte und ausschließlich auf Gewinnmaximierung ausgerichtete Unternehmen an, diese wertvollen Lebensmittel unkontrolliert in ihrem Sinne zu manipulieren. Es gibt nicht den geringsten Anlass hierfür – außer Geld. Die Industrie bietet Lösungen an, für die es kein Problem gibt. ...
Nachweisbar profitieren davon nur Agrochemiefirmen und Patentinhaber. Weder die Bauern noch die Konsumenten haben einen Nutzen. Wir erleben derzeit einen beispiellosen Feldzug dieser Konzerne, die nicht nur in unverantwortlicher Weise Gene von Grundnahrungsmitteln manipulieren, sondern auch alle davon betroffenen Menschen täuschen.

Aus "Biobauern protestieren" auf neumarktonline.de
Die Gen-Versuche mit Gerste alarmieren die Biobrauer aus der Oberpfalz nun in besonderem Maße. Gerste ist neben Wasser, Hopfen und Hefe der wichtigste Rohstoff zum Bierbrauen. Dr. Franz Ehrnsperger, Inhaber der Neumarkter Lammsbräu: "Die Gentechnik gefährdet den ökologischen Landbau. Darüber hinaus sind die Risiken und langfristigen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt nicht untersucht. Und wir wissen aus den bisherigen Einsätzen von gentechnisch veränderten Pflanzen, dass Unkräuter Resistenzen bilden können und dass damit doch wieder mehr Pestizide eingesetzt werden. Schließlich lassen sich genetische Eingriffe nicht kontrollieren, die Folgen für Mensch und Natur sind nicht abschätzbar."
Bezeichnend sei der offensichtliche Widerspruch in den öffentlichen Stellungnahmen der beteiligten Institute und Behörden. Auf der einen Seite wird argumentiert, der Freilandversuch diene ausschließlich Forschungszwecken. Auf der anderen Seite wird von einer "besseren Verarbeitung des Gerstenmalz beim Brauen" gesprochen. Hier deute sich ein großflächiger Anbau transgener Gerste an. Sollte dieses Szenario Realität werden, erwartet die Neumarkter Lammsbräu nicht nur eine weitere Gefährdung der mittelständischen Brauwirtschaft, sondern auch eine Umwälzung der gesamten Landwirtschaft in Deutschland. "Über Jahrhunderte sind in Deutschland bäuerliche Strukturen gewachsen. Sie prägen unsere Kulturlandschaften von denen alle Menschen profitieren. Mit dem Einzug transgenen Getreides geraten auch unsere Bauern, so wie es in vielen anderen Ländern bereits zu beobachten ist, in die langfristige Abhängigkeit weniger Saatgut-Konzerne. Was über lange Zeit gewachsen ist, wird in kurzer Zeit zunichte gemacht."
Die Neumarkter Lammsbräu kritisiert darüber hinaus die "Politik der Verharmlosung bzw. Vertuschung, die von allen am Freilandversuch Beteiligten betrieben wird". So wird behauptet, genetisch veränderte Gerste "habe keine unerwünschten Auswirkungen auf Menschen und Umwelt". Allein der in der Geschichte der Evolution einmalige Vorgang, dass sich eine nicht von der Natur, sondern vom Menschen geschaffene neue Lebensform ausbreiten kann, stellt einen erheblichen Eingriff in die Umwelt dar. Die Folgen für den Menschen sind zum heutigen Zeitpunkt noch gar nicht abschätzbar.
Wenn darüber hinaus die ureigenste Beschreibung des ökologischen Landbaus - die Nachhaltigkeit - zur Beschreibung der möglichen positiven Auswirkungen der transgenen Gerste verwendet wird ("Die Giessener Gerste ist … besonders geeignet, um unter den Bedingungen einer nachhaltigen Bewirtschaftung … hervorragende agronomische Eigenschaften zu entfalten"), dann werde der Verbraucher "vollständig für dumm verkauft".

Aus einem Statement der Bierbrauerei Lammsbräu
Dabei schließt sich die Lammsbräu auch der Kritik der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft an. Annemarie Volling, sie koordiniert die Gentechnikfreien Regionen in Deutschland, kritisiert: "Der Freisetzungsversuch von transgener Gerste trägt weniger die Handschrift der Biosicherheitsforschung, sondern vielmehr der Produktentwicklung. Hiervon werden allein multinationale Saatgut-Konzerne profitieren."

Bitburger Brauerei gegen Gengerste (Nachricht ++ Seite bei Brauerei)
Dr. Werner Wolf, Sprecher der Geschäftsführung der Bitburger Braugruppe spricht sich gegen genmanipulierte Braugerste aus. »Für die Herstellung eines Bieres in höchster Qualität wie Bitburger Premium Pils ist gentechnisch manipulierte Braugerste absolut unnötig. Im Hinblick auf die bereits bekannten und noch unbekannten Risiken der sogenannten »Grünen Gentechnik« erteilen wir daher dem Einsatz gentechnisch veränderter Rohstoffe für die Bierherstellung eine klare Absage«. Die Bitburger Braugruppe hat bereits vor mehr als zehn Jahren in ihren Malzkontrakten den Passus integriert, dass keine gentechnisch veränderte Gerste für die Herstellung des Braumalzes verwendet werden darf.

Alles längst entschieden - die Gentechnik kommt auch ins Bier. Basta!
Aus einer Kritik der Gentechnik-Lobbyistin und FDP-MdB Christel Happach-Kasan am Manifest
Bier ist ein herausragendes Produkt der deutschen Lebensmittelwirtschaft, ein biotechnologisch hergestelltes Produkt mit langer Tradition. Fachwissen, technologische Kontrolle der Bierproduktion und die Qualität der Ausgangsprodukte haben daran einen entscheidenden Anteil. Gute Ausgangsprodukte haben ihren Preis. Der Vertragsanbau sichert die Grundlage für gutes Bier. Die Nutzung des Züchtungsfortschritts sichert die Qualität des Bieres. Dazu wird zukünftig auch die Nutzung gentechnischer Züchtungsmethoden gehören. Es wäre gut, wenn der Verband seine Mitglieder darauf vorbereiten würde.

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Kritik an den MacherInnen des Gersten-Versuchsfeldes

Antrag auf Entzug der Genehmigung wegen unseriöser Versuchsdurchführung

FeldfreierInnen beantragen Verbot des Gengerstefeldes in Gießen
Fachliche Qualifikation des Versuchsleiters entspricht nicht dem Gesetz

Wird das umstrittene Feld der Universität Gießen mit transgener Gerste verboten? Einige der FeldbefreierInnen, aus deren Kreis 2006 Teile des Feldes angegriffen wurden, haben jetzt das Bundesministerium für Verbraucherschutz und Landwirtschaft angeschrieben und das Verbot des Versuches verlangt. Als Begründung führen sie Äußerungen und Verhaltensweisen des verantwortlichen Leiters der gentechnischen Anlage, Prof. Karl-Heinz Kogel, an. Dieser hätte zum einen gegenüber der örtlichen Presse am 27. März ausgesagt, die Ergebnisse des noch zwei Jahre laufenden Versuches ständen bereits fest. Zum anderen hätte er auf eine anonyme Mitteilung, der Versuchsstandort sei unbrauchbar gemacht worden, nicht reagiert, sondern einen Tag später die gentechnisch veränderte Gerstensaat ausgebracht. „Wer so handelt, interessiert sich gar nicht für die wissenschaftlichen Ziele des des Versuches, sondern betreibt billige Lobbyarbeit für die riskante Technik“, werfen die Absender des Antrags dem inzwischen zum Uni-Vizepräsidenten aufgestiegenen Kogel vor. Sie fordern aufgrund erwiesener fachlicher Inkompetenz und fehlendem Willen zu einer seriösen Versuchsdurchführung das sofortige Verbot der Anlagen. Zudem wollen sie geprüft haben, wieweit auch die von der Uni betriebenen gentechnischen Maisfelder von Kogel beeinflusst wurden und daher aus gleichen Gründen zu untersagen sind. Da Prof. Kogel bewusst gehandelt habe, seien auch strafrechtliche Konsequenzen naheliegend. (Presseinfo zum Antrag)

Die Antwort aus dem Ministerium war erschreckend: Nachgeprüft haben die genau nichts - was die Versuchsleitung nicht selbst bekanntgibt, existiert für die Fachaufsicht auch nicht. Eine unabhängige Kontrolle ist das nicht ...


Ablehnung der Beschwerde zur Person Kogel (oben) und zur Versuchsdurchführung (unten).
Auf die konkreten Punkte geht die Behörde gar nicht ein.

Weitere Beschwerden

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Hintergründe zu den Leitern der Genehmigungsstelle

Täuschung: Die BVL ist eine neutrale Genehmigungsbehörde
Wahrheit: Die leitenden Beamten des BVL sind industrienah

Noch dubioser als die Gießener sog. Wissenschaftler-Clique um Versuchsleiter Kogel: Der Unterzeichner des Genehmigungsbescheids vom Bundesministerium, Dr. Buhk. Früher enthusiastischer Mitstreiter der großen Gentechnik-Firmen ...

Das Fernsehmagazin Report hat am 28.2.2005 die Personen in der Genehmigungsbehörde näher vorgestellt und deutlich herausgefunden, dass sie eng mit der Gentechnikindustrie verwoben sind. Alle drei überprüften Personen haben diese Verbindungen auf ihrem Personalbogen vertuscht. Von solchen Leuten werden Genversuchsfelder genehmigt. Ein Experte für Beamtenrecht hat die Lage als untragbar bezeichnet, die damals zuständige Ministerin Künast angekündigt, Konsequenzen zu prüfen. Dazu kam es nicht - die Herren der Gentechnikindustrie sind immer noch im Amt als sog. neutrale Genehmigungsbehörde. Auch der Genehmigungsbescheid für die Gengerste in Gießen trägt ihre Unterschrift.

BVL wusste schon vorher: "Keine schädlichen Einflüsse auf Menschen, Tiere und die Umwelt zu erwarten"
Aus der FR, 2.5.2006 (dpa-Text)
Bei Einhaltung der sicherheitsbestimmungen seien keine schädlichen Einflüsse auf Menschen, Tiere und die Umwelt zu erwarten, so das BVL.

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