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Argumente

Was die Gentechnik-BefürworterInnen sagen und was davon zu halten ist ...

Die Lügen: Hunger ++ Landwirtschaft ++ Umwelt ++ Arbeit ++ Forschung ++ Sicher ++ Sprüche ++ Die Lügner ++ Links

„Wir brauchen das Geständnis der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds, all der großen Stiftungen, und aller Regierungen, dass wir es seit 30 Jahren alle vermasselt haben, einschließlich mir während meiner Präsidentschaft. Wir haben es vermasselt. Wir lagen falsch damit zu glauben, dass Nahrung wie jedes andere Produkt im internationalen Handel ist. Und wir müssen alle zurück zu einer umweltbewussteren, nachhaltigen Form der Landwirtschaft.“ Ex-US-Präsident Bill Clinton in einer Grundsatzrede für den Welternährungstag am 23. Oktober 2008

Mon810 bringt "keinen erkennbaren Nutzen" (Ilse Aigner, Bundeslandwirtschaftsministerin)

Eine wichtige Studie zu "Die Heilsversprechen der Gentechnikindustrie - ein Realitäts-Check" von Ute Sprenger im Auftrag des BUND. Auszug:
Während die Firmen im Vordergrund eine gewaltige PR-Blase aus Heilsversprechen aufbauen, entwickeln sie im Hintergrund Pflanzen, die ihr Kerngeschäft absichern: den Absatz von Agrochemikalien. Denn alle „six gene giants“ sind ihrer Herkunft nach Chemieunternehmen, alle erwirtschaften den größten Teil ihres Umsatzes mit Pestiziden.

Lüge 1: Gentechnik hilft gegen Hunger und Armut

Pro: Auszüge aus Parteien, Konzernen und Lobbygruppen pro Gentechnik

Auszug aus der gemeinsamen Stellungnahme von DLG-Präsident Bartmer und BDP-Präsident Dr. von Kameke
Diese gezielte Behinderung des biologisch-technischen Fortschritts in der Landwirtschaft bezeichnen Bartmer und Dr. von Kameke „als verantwortungslos gerade in Zeiten weltweiter Verknappung auf den Agrarrohstoffmärkten und angesichts von Hungerrevolten an den benachteiligten Standorten dieser Welt, zudem als extrem egoistisch“. Leistungsfähige neue Sorten gehören zu den wichtigsten Instrumenten, um trotz Flächenknappheit eine dramatisch wachsende Weltbevölkerung ausreichend ernähren zu können.

Ganz ähnlich in einer gemeinsamen Presseinformation von BDP und InnoPlanta am 25.6.2008
Seit Jahren verhindern Gruppierungen gezielt den biologisch-technischen Fortschritt. Dies ist nicht nur unter forschungs- und wirtschaftlichem Gesichtspunkt verantwortungslos, sondern in Anbetracht der sich zuspitzenden Nahrungsknappheit extrem egoistisch. „Nur mit Zuhilfenahme modernster Methoden in der Pflanzenzüchtung werden wir in der Lage sein, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern und ertragreiche und an veränderte Klimabedingungen angepasste Pflanzen zu züchten“, erläutert Dr. Schmitz weiter.

Auszug aus einem Statement von Dr. Ferdinand Schmitz vom BDP auf der Eröffnung der DLG-Feldtage 2008
Wollen wir in Zukunft die Ertrags- und Leistungspotenziale unserer landwirtschaftlichen Kulturen mit gewohnter Geschwindigkeit steigern, müssen wir Züchter innovative Methoden wie die Pflanzengenomforschung, die Pflanzenbiotechnologie, die Grüne Gentechnik und Smart Breeding in Zukunft gezielt nutzen. Das setzt forschungs- und innovationsfreudige Rahmenbedingungen voraus, das setzt auch einen verantwortungsvollen Umgang aller Beteiligten mit der behutsamen Einführung einer neuen Technologie voraus. Bei einer Entwicklungszeit von bis zu 15 Jahren bis zur marktfähigen Sorte müssen wir Züchter frühzeitig die Anforderungen in der Landwirtschaft und Umwelt erkennen.
Um dieses zu erreichen, müssen die Anforderungen forschungs- und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen stimmen:

Wenn die Politik es schafft, diese Rahmenbedingungen zu schaffen, werden Züchter in der Lage sein, die genannten Herausforderungen der Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung und den Konflikt Bioenergie und Nahrungsmittelversorgung maßgeblich zu meistern. Wenn wir eine Lösung wollen, sollten wir mehr über die Chancen moderner Technologien diskutieren.

„Die Biotechindustrie erzählt Afrikanern, dass wir gv-Ernten brauchen, um die Nahrungsbedürfnisse unserer Bevölkerung anzugehen. Aber der Großteil der gv-Ernten werden an Tiere in reichen Ländern verfüttert, um schadhafte Agrotreibstoffe herzustellen, und bringen nicht einmal mehr Ertrag als herkömmliche Ernten.“ – Nnimmo Bassey, Environmental Rights Action (ERA), Nigeria (Quelle)

Tatsächlich erzählen sie das ...

Genforscher Andreas Schier (FH Nürtingen) im Interview mit Spiegel Online am 2.3.2009
Es gab und gibt keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die ein solches Verbot rechtfertigen würden. Die weltweiten Anbauzahlen gentechnisch veränderter Pflanzen steigen beständig. Die Technik hat sich längst bewährt. Angesichts der großen Herausforderungen wie Klimawandel, Ressourcenverknappung und Bevölkerungswachstum wird sie sich weiter durchsetzen.

Aus einer Presseinfo der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am 3.3.2009
Auch wegen der häufig gravierenden Nahrungsmittelknappheit in Entwicklungsländern wäre eine Ablehnung der Biotechnologie unverantwortlich.

Philip von dem Bussche, Vorstandssprecher der KWS in einer Pressemitteilung: "KWS legt Forschungsversuch auf
besetztem Feld in Northeim an" am 29.04. 2008:

Wir müssen Forschung allgemein und dazu gehört auch Forschung im Bereich Grüne Gentechnik in Deutschland betreiben können in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen wie zunehmende Nahrungsknappheit, Verknappung von Energieressourcen und des geforderten Klimaschutzes.

Auszug aus dem Göttinger Tageblatt zum Besuch von Umweltminister Gabriel bei KWS, 12.3.2009
„Wir wollen gentechnisch veränderte Pflanzenzucht auf jeden Fall zulassen“, so der Minister, „aber nicht mit Kollateralschäden in der Natur.“ Forschung in diesem Bereich sei unabdingbar. Denn den Herausforderungen, die die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung und ihr Energiehunger stelle, könne man anders kaum beikommen.

CDU-Politiker Peter Stein, in: MVticker vom 18.6.2009
Die Grüne Gentechnik kann der Schlüssel sein, um zukünftige Ernährungsengpässe der Welt zu vermeiden“, so Peter Stein abschließend: „Wir haben auch in Deutschland eine Verantwortung für in Zukunft weltweit 9 bis 10 Milliarden Menschen.

Auszüge aus der BVL-Broschüre "Die Grüne Gentechnik" (S. 8)
Es kann festgehalten werden, dass die Grüne Gentechnik das Problem von Hunger und Armut in der Welt sicher nicht allein lösen kann. Ebenso wie andere Instrumente der Landwirtschaft kann sie aber einen Beitrag zur Steigerung der weltweiten Erträge leisten.

Auszug aus Horst Rehberger: "Unterwegs" (2009, S. 228)
Die Biotechnologie-Offensive und insbesondere der Kampf für gentechnisch verbesserte Pflanzen sind noch lange nicht zu Ende. Im Gegenteil: Angesichts des dramatischen Bevölkerungswachstums der Erde von 6,6 Milliarden Menschen auf 9,2 Milliarden zur Mitte des 21. Jahrhunderts, des stark ansteigenden Bedarfs an nachwachsenden Rohstoffen sowie des durch den Klimawandel notwendig werdenden raschen Anpassungsprozesses der Kulturpflanzen an neue klimatische Rahmenbedingungen, zum Beispiel durch eine höhere Trockenheitstoleranz, wächst der Handlungsbedarf im Bereich der Grünen Gentechnik rasant.

Grußwort der sachsen-anhaltinischen Landesregierung auf dem InnoPlanta-Forum 2009 (lt. Newsletter-Sonderausgabe)
Bereits das Grußwort der Landesregierung von Sachsen-Anhalt, überbracht durch die für Gentechnik zuständige Abteilungsleiterin aus dem Landwirtschaftsministerium, Anne-Marie Keding (Frau Ministerin Wernicke musste wegen Krankheit absagen), hob die Chancen, die die Grüne Gentechnik bietet, hervor. Sie trage wesentlich dazu bei, die deutsche Ernähungs- und Landwirtschaft weltweit konkurrenzfähig zu halten.

Contra: Hunger und Armut werden durch Gentechnik eher verschärft!

Was davon zu halten ist:
Nichts. Denn Hunger ist eine Folge von Kriegen, Vertreibung, patriarchaler Unterdrückung, Umweltzerstörung, Futtermittelexporten, Nahrungsmittelanbau in Hungerländern für Überschussländer sowie von fahrlässiger oder (zur Preisstabilisierung) gezielter Vernichtung von Nahrungsmitteln. Neuerdings kommt auch die Biomasse-Produktion zur Energiegewinnung oder anderen industriellen Prozessen hinzu. Diese Gründe lassen sich durch Gentechnik nicht beseitigen.
Ohne diese Faktoren gäbe es schon jetzt doppelt soviel Nahrungsmittel wie für alle Menschen reichen würde. Hunger ist keine Katastrophe, sondern Mord. Dass Menschen nicht genug zu essen haben, ist künstlich gemacht.

Als Beleg lassen sich sogar fundamentalistisches Gentechnikbefürworter anführen, z.B. die Ex-Ökos und jetzigen Neoliberalen Miersch und Maxeiner, in der Zeitschrift Focus 6/2002:
Es wird Zeit, die Debatte um grüne Gentechnik neu zu führen. Denn bei genauerer Betrachtung ist es keinesfalls so, dass Gentechnik-Gegner die Moral für sich gepachtet haben. Nicht, weil ohne Gentechnik die Menschheit verhungern würde, wie es aus den Propagandaabteilungen der Agrokonzerne tönt. Das trifft – jedenfalls zurzeit – nicht zu, denn die Potenziale von Flächenerweiterung und konventionellen Züchtungsmethoden sind noch lange nicht ausgereizt. Aber: Ein Stopp der grünen Gentechnik würde ökologische Zukunftsoptionen blockieren.

Genetisch veränderte Pflanzen sind gefährlich und ungesund; die Biotech-Konzerne machen noch immer Versprechungen, die sie nicht halten können, während das wahre Ziel ist, ihre Machtposition bei Saatgut zu festigen um die Welt auszuhungern, schreibt Prof. Peter Saunders in einem Artikel für das Magazin ‘Science in Society’.

Zudem ein platter Fakt: Es gibt ca. doppelt soviele Nahrungsmittel auf der Erde wie für alle Menschen reichen würde. Hunger ist eine Folge von Vertreibung, Unterdrückung, Krieg usw. Lässt sich das durch Gentechnik verändern?

Auszug aus Fohrmann, Sonja: "Grüne Gentechnik - Produktionsstrategien gegen Hunger", Studienarbeit an der Uni Gießen
Trotzdem wäre theoretisch genügend Getreide zur weltweiten Bedarfsdeckung vorhanden. Dass diese jedoch praktisch nicht erreicht wird, hängt mit der schon beschriebenen Ungleichverteilung und einem anderem Problem, der Verwendung der Hälfte des geernteten Korns als Futtermittel, zusammen. Aus 100 Kalorien Getreide werden nur zehn Kalorien verwertbares Fleisch. (vgl. Immel, 2006, Wettlauf um Nahrung und Ackerflächen)

Auszug aus der Presseinformation "GLOBAL 2000-Report: Vernichtende Bilanz für Gentech-Pflanzen" (12.12.2008 ++ Download der Studie: Langfassung ++ Kurzfassung (PDF)
Gentech-Pflanzen erhöhen Pestizideinsatz und leisten keinerlei Beitrag gegen Hunger und Armut!
Wien (13. Februar 2008) Gentechpflanzen haben zu einem massiven Anstieg von Pestiziden in der Landwirtschaft geführt und der Beitrag zur Armutsbekämpfung hat sich als leeres Versprechen erwiesen. Zu diesem Ergebnis kommt der neue GLOBAL 2000-Report, der heute im Friends of the Earth-Netzwerk vorgestellt wird. Die Biotech-Industrie schafft es nicht einen einzigen der lange angekündigten Vorteile von Gentech-Pflanzen zu verwirklichen. Im Gegenteil: An Stelle eines Nutzens führt diese Technologie zu einem erhöhten Pestizideinsatz und drastischen Auswirkungen für Mensch und Umwelt. "Unseren KollegInnen aus Afrika wurde versprochen, dass Gentech-Pflanzen den Hunger ihres Kontinents beseitigen werden. Doch der überwiegende Teil wird als Futtermittel oder als Agro-Treibstoff für reiche Länder verwendet. Zusätzlich hat der Anbau zu keinerlei Ertragssteigerungen, sondern zu neuen Abhängigkeiten geführt. Die Bilanz, die die Biotech-Industrie vorweisen kann ist mehr als beschämend", kritisiert Jens Karg, Gentechniksprecher der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. Es wird immer deutlicher, dass die europäische Skepsis gegenüber Gentechnik in der Landwirtschaft mehr als berechtigt ist. "Gentech-Pflanzen sind nicht die Antwort auf die Herausforderungen an die Landwirtschaft in Europa und in sogenannten Entwicklungsländern. Die Methoden der ökologischen Landwirtschaft stellen hingegen einen wirklichen Beitrag für unsere Zukunft dar. Sie sind der richtige Ansatz für lokale Ökonomien, denn sie schaffen Arbeitsplätze, gesunde Nahrungsmittel und schützen unsere Umwelt", so Karg weiter.
Der heute in Afrika, Asien, Amerika und Europa vorgestellte GLOBAL 2000-Report "Who benefits from GM-crops?" zeigt, dass Gentech-Pflanzen einen signifikanten Anstieg von Pestiziden in der Landwirtschaft mit sich bringen. Studien belegen einen 15-fachen Anstieg des Herbizides RoundUp (Glyphosat) in den USA und einen nahezu 80-prozentigen Zuwachs in Brasilien, der auf den Einsatz von Gentech-Pflanzen zurück zu führen ist.
Die im Report analysierten Studien belegen einen Anstieg von immer giftigeren Pestiziden in den USA. Eines davon ist in Europa sogar verboten. In den USA führt der starke Einsatz von Glyphosat nicht zu einem Rückgang anderer Herbizide. Von 2002 bis 2006 hat sich der Einsatz von 2,4,D - einer Komponente von Agent Orange - beim Sojaanbau mehr als verdoppelt. Die Anwendung von Atrazin, das in Europa wegen der gesundheitlichen Auswirkungen verboten ist, ist zwischen 2002 und 2005 im Maisanbau um 12 Prozent angestiegen.
Auch das Versprechen der Biotech-Industrie, den Hunger auf der Welt zu bekämpfen, wird im Report als leere Phrase entlarvt. Der überwiegende Anteil der heute weltweit angebauten Gentech-Pflanzen wird für Tierfutter produziert, um die Fleischnachfrage der Industrieländer zu decken und nicht, um den Hunger in den armen Ländern zu stillen. "Gentech-Pflanzen sind für riesige Mono-Kulturen konzipiert und leisten zur Ernährungssicherheit in klein strukturierten Landwirtschaften keinen Beitrag", so Karg abschließend.

Auszug aus "Wer die Nahrung kontrolliert ...", in: Junge Welt, 13.6.2008 (S. 10 f.)
Weltbank und IWF zwangen Malawi regelrecht, seine großen Maisvorräte zur Schuldentilgung zu verkaufen. Bereits 2001, als sich die Nahrungsmittelkrise abzeichnete, hatte das Land die Maisvorräte angelegt, um deren Folgen abzumildern. Ähnlich wie heute kauften Spekulanten die Vorräte billig auf und verkauften sie später zu hohen Preisen. Der damalige Direktor des IWF, Horst Köhler, und die Weltbank schoben sich seinerzeit gegenseitig die Schuld für den malawischen »Zwangsverkauf« zu. Während der Krise verlangten IWF und Weltbank von der malawischen Regierung die Streichung aller Subventionen für Nahrungsmittel und Landwirtschaft als Bedingung für Entwicklungs- und Hilfsprogramme mit dem Argument, der Markt solle die Nahrungsmittelpreise bestimmen.

Auszug aus einem Interview mit dem Vize-Direktor des Weltagrarrates, Dr. Hans Herren (Direktor des Millenium-Institutes in der Nähe von Washington, D.C. (USA), in: GID Juni 2008 (S. 29-32)
Es kann durchaus sein, dass die Biotechnologien in der Zukunft etwas hervorbringen, das uns weiterhilft, aber bisher ist das eben nicht der Fall. Es heißt bei uns: Man kann Potenzial nicht essen. Seit zwanzig Jahren sagen uns die Leute, es wird mit den Biotechnologien mehr produziert. Aber es wird eben nicht mehr produziert. Es wird weniger produziert, das kann in wissenschaftlichen Journalen nachgelesen werden. Ich sage nicht, dass wir Gentechnologie nicht haben sollten. Wenn es zum Beispiel diese Pflanzen geben würde, die den Stickstoff aus der Luft selber fixieren könnten, wie das bisher ja nur die Leguminosen tun, das könnte uns sicher helfen. Aber das ist kompliziert und die Entwicklung kostet - ohne dass man weiß, ob es klappt - viel Geld. Mit mehr Investitionen - sagen wir in dem selben Rahmen, was heute in der Gentechnologie ausgegeben wird - in die nachhaltige Landwirtschaft könnte man mehr und besser Nahrungsmittel produzieren.

Auszug aus "Nahrungsmittel gibt es genug“, in: Spiegel, 15/1997
Genveränderte Pflanzen sollen den Welthunger stillen. Doch die meisten Bauern in der Dritten Welt könnten solche Hochertragssorten gar nicht bezahlen.
Einst versprachen die Wahrsager des gentechnologischen Fortschritts, im Labor die Superpflanze zu schaffen: ein Gewächs, das dreimal schneller emporschießt als die besten heutigen Sorten, eines, das in der Wüste ebenso wächst wie im Sumpfgebiet und sich selbst mit Stickstoff aus der Luft versorgt.
Eine solche grüne Wunderwaffe gegen Not und Elend ist noch lange nicht in Sicht. Die Genjongleure müßten an vielen ErbgutSchrauben gleichzeitig drehen, die sie noch nicht einmal alle kennen. Dennoch versprechen die Euphoriker der Biotechnik unablässig, mit Genpflanzen den Welthunger zu stillen.
Im nächsten Jahrhundert, argumentieren die Gentech-Befürworter, werde die Erdbevölkerung auf zehn Milliarden Menschen steigen. "Ohne Gentechnik werden wir all diese Menschen nicht satt bekommen", behauptet der deutsche Forschungsminister Jürgen Rüttgers. Und Jacques Diouf, Generaldirektor der Welternährungsorganisation FAO, glaubt zuversichtlich, die Gentechnik werde eine neue "Grüne Revolution" in Gang setzen.
Aber schon die erste Grüne Revolution hatte mit einem Fehlschlag geendet. Ende der fünfziger Jahre begannen amerikanische und europäische Agrar-Missionare, die Bauern der Dritten Welt mit ertragreicheren Weizen und Reissorten zu beglücken. Durch die Anbauschlacht sollte mit Gewalt erzwungen werden, daß die erzeugten Grundnahrungsmittel endlich für alle Menschen reichen.
Innerhalb weniger Jahre verdrängten die "Hochertragssorten" in etlichen Entwicklungsländern die Vielfalt der einheimischen Traditionssorten. Die Kehrseite: Die neuen Einheitspflanzen benötigten viel mehr Bewässerung und Kunstdünger als ihre Vorgänger, auch das Saatgut war teuer. Viele Kleinbauein konnten sich das nicht leisten und gaben auf. Fast überall vergrößerten die Großbauern ihren Landbesitz.
Die Verengung auf wenige, genetisch ähnliche Sorten führte zudem dazu, daß Krankheiten und Parasiten in den entstandenen Monokulturen oft größere Schäden als vorher anrichteten. Die verheerende Folge: In Afrika beispielsweise ging der Pro-Kopf-Ertrag zurück.
Der Irrweg, so glaubt der Journalist und Gastrokritiker Gert von Paczensky, werde durch einen massenhaften Anbau von Gentech-Pflanzen noch verstärkt. "Die Rechnung für die Landwirtschaft der Dritten Welt wird wohl noch höher, wenn zu einem Saatgut nur eine bestimmte Pestizidsorte paßt dann muß der Bauer ein noch teureres Paket kaufen."
In der heutigen Welt gibt es ohnehin genug Nahrungsmittel", meint Per PinstrupAndersen, Generaldirektor des Internationalen Forschungsinstituts für Ernährungspolitik in Washington. "Wenn diese gleichmäßig verteilt wären, müßte niemand hungern."
Aber vielleicht haben die Geningenieure den Armen der Welt ja doch noch Gutes zu bieten. Die neueste Idee der Molekularbiologen: Sie wollen Früchte schaffen, die in ihren Zellen Impfstoffe produzieren.
Gearbeitet wird bereits daran, Bananen zu solchen Biofabriken umzubauen. Die Früchte sollen dann später, so die Pläne der Forscher, für billige SchluckImpfungen gegen HepatitisB oder Masern eingesetzt werden.
Solche heilsamen Gengewächse füllen zwar auch nicht die Bäuche. Aber die Hungernden wären wenigstens vor der einen oder anderen tödlichen Krankheit geschützt.

Auszug aus "China, Klima, Gentechnik - drei Irrtümer der Hungerdebatte", in: Zeit online, 17.4.2008
Die Gentechnik wird alles richten! Reine Spekulation
berichtet Christiane Grefe, Landwirtschaftsexpertin der ZEIT
Private Geldgeber engagieren sich zunehmend für die Agrarförderung. Allein die Bill&Melinda Gates Stiftung spendete 300 Millionen Dollar. Doch eine anfängliche Hoffnung scheint auch bei diesen Wohltätern verblasst zu sein: Dass die Agrar- und Gentechnologie das Zaubermittel sei, um Hunger und Armut mit höheren Erträgen zu bekämpfen. ...
Die vom Ehepaar Gates gesponserte Agricultural Alliance for Africa (AGRA) setzt daher zunächst auf konventionell gezüchtete Pflanzen und auf Strategien, die ausgelaugten afrikanischen Böden zu verbessern, Bewässerungssysteme und Märkte zu schaffen. "Afrikanische Bauern können sich auch ohne Gentechnik aus der Armut retten", sagte der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan, seit vergangenem Jahr AGRA-Präsident.
Auch Pedro Sanchez, ein Experte für Tropenlandbau an der New Yorker Columbia University, sieht "gezielte Investitionen in chemische Agrar-Inputs" als wichtigstes Element, Kleinbauern zu helfen. Das heißt, sie sollten mit Dünger und Pflanzenschutzmitteln versorgt werden.
Eric Holt-Gimenez ist aber skeptisch angesichts solcher Strategien. Der Forscher der kalifornischen Aktivistengruppe "Food First" glaubt nicht daran, dass man technokratische Lösungen von außen in die afrikanischen Gesellschaften hinein tragen sollte. Das sei wenig nachhaltig. "Wenn die Grüne Revolution in Afrika bisher gescheitert ist, wie soll dann mehr davon die Nahrungskrise lösen?" fragt er.
Holt-Giminez stellt sich eher eine große Vielfalt agroökologischer Systeme vor, die am jeweiligen Ort ganz unterschiedlich auf die Bedingungen der Landschaft, des Klimas und der Kultur reagieren. Darüber sollten die Kleinbauern alleine entscheiden können.

Auszug aus Michael Krawinkel, "Vom goldenen Reiskorn", in: taz am 25.5.2009
Wenn wir nicht methodenverliebt und mit dem vorrangigen Ziel der Förderung der Agrochemie- und Saatgutkonzerne an das Problem herangehen, geht es um Produktionssteigerung und -sicherung kleinbäuerlicher Landwirtschaft in den Entwicklungsländern selbst. Die steigende Zahl von Menschen, die in Nahrungsunsicherheit leben, zeigt, dass die bisherigen Ansätze dort komplett versagen. Verbesserung lokalen Saatguts, Verminderung der Verluste, die nach der Ernte entstehen, Verzicht auf subventionierte Agrarexporte und Förderung ländlicher Entwicklung sind echte Ansatzpunkte.
Das klingt nicht nach Innovation, aber es ist zielführend - was man von dem Missbrauch des Arguments, Grüne Gentechnik leiste einen Beitrag zur Hungerbekämpfung, nicht sagen kann. Dessen Protagonisten leisten der Entwicklung Vorschub, dass die Saatgut- und Agrochemiekonzerne des Nordens die Märkte hier und im Süden erobern und die dortige kleinbäuerliche Landwirtschaft verdrängen.

Gentechnik hilft nicht, sondern verschlimmert Armut und Hunger
Auszüge aus einem Interview mit Vandana Shiva, in: Junge Welt, 27.11.2007 (S. 8)

Der Hunger kommt in den Ländern des Südens ausgerechnet in bäuerlichen Gegenden vermehrt vor, also dort, wo Menschen Nahrungsmittel anbauen. Das ist doch absurd. Wie kann es sein, daß Bauern, die Nahrung anbauen, Hunger leiden? Sie geraten in eine Lage, die es ihnen nicht ermöglicht, ihre eigenen Nahrungsmittel für sich und ihre Familien zu behalten. Die Ursachen liegen in der Abhängigkeit von Saatgut, Düngemitteln und Pestiziden, die die Agroindustrie ihnen für teueres Geld verkauft. Dies führt nicht nur zu Hunger, sondern auch zur Zerstörung der Natur. Tausende von Bauern bringen sich selbst um, weil die Schuldenlast sie erdrückt. Ich weiß auch von einigen, die ihre Frau oder Kinder verkauft haben, andere haben eine Niere verkauft. ...
Es wird etwa behauptet, dadurch käme es zu höheren Erträgen in der Landwirtschaft. Das ist aber schlicht falsch. Gentechnisch veränderte Nutzpflanzen verbessern nirgendwo auf der Erde die Ernten der Bauern und bringen die Kleinbauern in eine wirtschaftliche Abhängigkeit von den Konzernen. Eine Greenpeace-Studie über die Landwirtschaft in Argentinien beweist sogar, daß sich die Ernteerträge durch Gentechnik verringern. Gleichzeitig steigt der Verbrauch an gefährlichen Pestiziden und teuren Düngemitteln.

Auszug aus "Hungergespenst trotz Rekordernten" in Wiener Zeitung, 21.4.2008
Die hohen Lebensmittelpreise nagen an der Existenz von nahezu der Hälfte der Weltbevölkerung ...
Die erstaunliche Nachricht zuerst: Noch nie wurde so viel geerntet wie im Jahr 2007. Gegenüber dem Vorjahr bedeuteten die geschätzten 1108 Millionen Tonnen Getreide ein Plus von 4,7 Prozent. Und heuer soll die Menge noch einmal um 2,6 Prozent steigen, sagt die UNO-Behörde "Food and Agriculture Organisation" (FAO) voraus. Und doch gehen Menschen, teils spontan, teils von Gewerkschaften organisiert, auf die Straße, weil sie sich ihr Essen nicht mehr leisten können.

Beispiele:

Hunger oder Gentechnik!

Text eines Faltblattes des Gen-ethischen-Netzwerkes

"Die Hungernden sind die Nahrung der Macht" so lautete der Titel einer Broschüre aus den frühen 80er Jahren. Darin wurde die Bevölkerungs- und Entwicklungshilfepolitik der reichen Länder sehr grundlegend kritisiert. Zwanzig Jahre später bekommt dieser Titel eine erschreckende Aktualität. Die USA bietet als Hungerhilfe notleidenden südafrikanischen Ländern gentechnisch veränderten Mais an. Dieser Mais stammt aus Überschüssen der Produktion der US­Landwirtschaft und wird pur oder vermengt mit konventionellem Mais angeboten. Diese Hungerhilfe ist allerdings nicht nur in den ethischen Prinzipien der USA begründet, sie ist Teil einer weltweiten Marketingstrategie. Ziel ist, die patentgeschützten, gentechnisch veränderten Sorten auf möglichst vielen Märkten zu etablieren und sich so weitere Marktanteile des weltweiten Saatgut- und Agrochemikalienmarktes zu sichern. Dazu werden die Maiskörner so geliefert, dass sie auch ausgesät werden können. So werden einerseits die gentechnikfreien Absatzmärkte dieser Länder - zum Beispiel in der Europäischen Union - zunichte gemacht, andererseits wird ein Saatgut etabliert, das durch Patente geschützt und auf große Mengen Dünger und Pestizide angewiesen ist.

Zum Beispiel Simbabwe:
Die Regierung von Simbabwe hatte eine Hilfslieferung, die mit Gen-Mais verunreinigt ist, zunächst abgelehnt. Erst vor einem halben Jahr hatte der Landwirtschaftsminister den Import von gentechnisch verändertem Mais verboten. Begründet wurde dies mit gesundheitlichen Risiken. Nach längeren Verhandlungen wurde die Hilfe allerdings doch akzeptiert. Bedingung ist aber, dass der Mais nur in gemahlener Form in das Land geliefert wird, damit er von der Landbevölkerung nicht als Saatgut benutzt werden kann. Die Lieferung umfasst 10.000 Tonnen mit einem Gesamtwert von 300 Millionen US-Dollar. In dem südost-afrikanischen Land sind nach einer Dürre-Periode Hunderttausende Menschen von Hunger bedroht. Nach Angaben des Weiternährungsprogramms und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen könnten bis zum Ende des Jahres bis zu sechs Millionen betroffen sein.

Zum Beispiel Sambia:
Sambia hat die Lieferung von gentechnisch verändertem Mais nach anfänglichem Zögern jetzt endgültig abgelehnt. Zur Begründung waren Gefahren für die Bevölkerung angeführt worden. Wörtlich erklärte der Präsident Levy Mwanawasa, dass das sambische Volk nicht als Versuchskaninchen zur Verfügung steht. Zudem wurde deutlich, dass bis Ende Dezember noch ausreichend gentechnikfreie Nahrungsmittel verfügbar sind. Bis dahin sieht der Präsident gute Chancen, weitere Lieferungen gentechnikfreier Nahrung zu bekommen.

Zum Beispiel Malawi:
Malawi ist eines der am stärksten von Nahrungsmittelknappheit betroffenen Länder des südlichen Afrikas. Auch hier wurde nach anfänglichem Zögern die Lieferung von 73.000 t gentechnisch verändertem Mais aus den USA angenommen, allerdings ebenfalls nur in gemahlener Form.

UN-Organsiationen schwenken zunehmend pro Gentechnik um
Nicht nur die Nahrungsmittelprogramme der USA etwa im Rahmen von USAID werden zunehmend auf Gentechnik umgestellt. Massive Lobbyarbeit der Gentechnikindustrie hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass auch in UN-Organisationen mittlerweile der Glaube, der Hunger könne mittels Gentechnik bezwungen werden, eingedrungen ist. Im Jahr 2001 hatte sich zum Beispiel das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) in seinem Jahresbericht für die Nutzung der Bio- und Gentechnologie zur Bekämpfung von Hunger und Armut in den Ländern der Dritten Welt ausgesprochen. Im Juni diesen Jahres wurde Sakiko Fukuda-Parr, Direktorin des UNDP und Mitautorin des Berichtes, zu einer Tagung der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED) und Brot für die Welt eingeladen, in der sie sich einer intensiven Befragung stellen musste. Nicht die ökologischen, sondern vor allem die sozio-ökonomischen Risiken der Gentechnologie standen zur Debatte. Auf die Frage, wie Menschen in Ländern der Dritten Welt die Gentechnologie nutzen und sich gleichzeitig gegen die kommerziellen Interessen der Konzerne - etwa durch Patentierung - wehren können, wusste Fukuda-Parr keine Antwort.
In der EU wird die Vorgehensweise der USA bei der Hunger­hilfe schon lange grundsätzlich kritisiert. Nordamerika würde damit nur seine Überproduktion loswerden wollen. Von diesem Lösungsansatz sei die EU schon lange abgerückt. EuronAid (die zentrale Beschaffungsstelle für 34 nichtstaatliche Hilfsorganisationen in Europa mit Sitz in Den Haag in den Niederlanden) habe zum Beispiel in 2001 sechzig Prozent seiner Nahrungsmittel für Hilfslieferungen in den Krisengebieten oder in deren Nähe gekauft.

Bündnis gegen Gentechnik-Nahrungsmittel in Afrika
Die "Afrikanische Zivilgesellschaft (african civil society)", ein breites Bündnis aus 26 afrikanischen Ländern, hat sich vehement gegen die Hungerhilfe mit gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln gewandt. Sie lehnen rundheraus ab, Nahrungsmittel anzunehmen, die in den Ländern des reichen Nordens nicht vermarktbar sind. Sie fordern, dass die Hilfslieferungen aus Ländern stammen, die in der Nähe liegen, wie z.B. Tansania oder Uganda, die keine gentechnische Kontaminierung haben. Sie sehen in der Genetifizierung der Landwirtschaft einen neuen Versuch, die afrikanischen Länder abhängig zu machen von Importen aus den reichen Ländern.

Nachhaltige Landwirtschaft hilft besser gegen den Hunger
Zum Erhalt oder zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion in den Ländern mit Nahrungsmittelknappheit ist es erwiesenermaßen sinnvoller, nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben. Landwirtschaft, die die vorhandenen bäuerlichen Strukturen nutzt, die biologischen Ressourcen mit einbezieht und das Wissen der Bevölkerung über Klima, Boden, Nützlinge und Schädlinge bewahrt, hat langfristig bessere Erfolge als eine von außen forcierte hochtechnisierte Landwirtschaft, die viel Kapital, große Flächen, chemischen Dünger, synthetische Pestizide und gekauftes Saatgut benötigt. Es gibt zunehmend Studien, die belegen, dass nachhaltige Landwirtschaft in Kombination mit neuen Anbaumethoden bessere Erträge liefert als die Methoden der Intensivlandwirtschaft inklusive Gentechnik. Ein Beispiel hierfür liefert die "push und pull Methode". Hier werden außerhalb des Feldes Pflanzen kultiviert, die Schädlinge anlocken (pull), und innerhalb des Feldes wachsen zwischen der Saat Pflanzen, die die Schädlinge nicht mögen (push).

Grüne Revolution

Beschreibung zur Grünen Revolution unter dem Stichwort Lebensmittelversorgung, in: Microsoft Encarta
Der amerikanische Agronom (Landwirtschaftswissenschaftler) Norman E. Borlaug – er wird oft als der Gründer der so genannten grünen Revolution in der Landwirtschaft bezeichnet – entwickelte ein umfassendes Programm zur Verbesserung des Transfers. Es enthält folgende Schwerpunkte:

  1.  An Stelle von lokalen traditionellen Pflanzen- und Tierzüchtungen und Produktionstechniken sollten „als Paket” importierte neue Züchtungen und Verfahren angewandt werden.
  2. Die Forschung sollte das jeweilige „Paket” an lokal bedingte Einschränkungen anpassen, zu diesen zählen Umweltbedingungen und die soziale Situation des Landes.
  3. Die Unterstützung lokaler Behörden sollte über längere Zeiträume gesichert sein, damit man dort praktische Kenntnisse erwerben und diese an die regionalen Nahrungsmittelproduzenten und -händler vermitteln kann.
  4. Hinzu kommen begleitende Veränderungen der Infrastruktur (Regierungssystem, Gesetzgebung, Bildung, Transport, Kommunikation, Eigentumsverhältnisse). Wesentliche Ziele bestehen darin, die Versorgung mit Lebensmitteln zu sichern, den Bevölkerungszuwachs zu begrenzen und die Lebensqualität zu verbessern.

Sowohl die entwickelten als auch die unterentwickelten Länder haben Schritte unternommen, um das Borlaug-Programm umzusetzen. Gefördert durch die UN (Vereinten Nationen) wurden Organisationen gegründet, die Wege finden sollen, wie das Verhältnis von Angebot und Nachfrage ausgeglichen werden kann. Es wurden weit reichende Handlungsempfehlungen veröffentlicht, der Informationsfluss über den Einsatz technischer Möglichkeiten wurde durch den international verbesserten Kontakt von Wissenschaftlern und Studenten verbessert, und es entstanden Bildungs- und Demonstrationseinrichtungen. Die notwendigen Gelder wurden vorwiegend von den Industrienationen bereitgestellt, doch werden weitere Mittel benötigt. In all diesen Programmen war das vorherrschende Prinzip, Kenntnisse zur Verfügung zu stellen, um es jedem Land oder jeder Region zu ermöglichen, eigene, möglichst effektive Lösungen zu entwickeln. Kritiker des Borlaug-Planes verweisen u. a. darauf, dass der Import neuer Pflanzenzüchtungen zur Abhängigkeit unterentwickelter Regionen von großen Konzernen geführt hat.

Biosprit, Viehfutter und Hunger

Auszug aus "Hohe Dynamik am Weltgetreidemarkt", in: Saat-Gut! (Newsletter des Gemeinschaftsfonds Saatgetreide 2/2008)
Derzeit entfallen nur 5 Prozent des weltweit verwendeten Getreides auf die Herstellung von Biotreibstoffen. Als Futtermittel werden ungefähr 35 Prozent, als Nahrungsmittel und Saatgut 60 Prozent verwendet.

2009: IPK und Bayer gründen Joint Venture zur Entwicklung von gv-Raps. Auszug aus Agrarheute vom 18.2.2009:
Bayer CropScience und das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) haben eine Forschungsvereinbarung zur gemeinsamen Entwicklung von gentechnisch modifiziertem Hybridraps geschlossen.
Im Rahmen der Zusammenarbeit sollen in Zukunft die in Gatersleben bei Magdeburg entwickelten Innovationen in das InVigor Raps-Saatgut von Bayer CropScience eingekreuzt werden. "Wir freuen uns sehr, gemeinsam mit einem starken Partner wie dem IPK innovative Lösungen zu entwickeln, um der steigenden Nachfrage der Industrie nach Pflanzenölen begegnen zu können.

Aus einer Presseinfo der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am 3.3.2009
Die "grüne Gentechnik" ist international anerkannt; das Potential neuer Eigenschaften von biotechnologisch optimierten Organismen muss auch in Deutschland weiterhin genutzt werden können. Weltweit fehlen Agrarflächen, z.B. für den Anbau von Pflanzen für die Energieerzeugung. Deshalb müssen auf den vorhandenen Flächen hocheffektive Pflanzensorten angebaut werden können.


Grafiken zur Verwendung von Nahrungsmitteln in Deutschland (oben, größer durch Klick, Quelle) und weltweit (unten, Quelle durch Klick).

Widersprüchliches aus der Gentechnikecke

Symptomatisch: Genug zu essen da, aber Gentechnik trotzdem nötig. Häh?
Auszüge aus einem Interview mit dem Gentechnik-Lobbyisten Klaus-Dieter Jany, in: FOCUS Nr. 12 (1995)

FOCUS: Können gentechnisch veränderte Pflanzen und Lebensmittel das Welt-Ernährungsproblem lösen?
Jany: Im Prinzip ja. Entwicklungs- und Schwellenländer werden ohne diese Technologie kaum auskommen. Schließlich sind dort die landwirtschaftlichen Produktionsbedingungen sehr ungünstig, vom Klima bis hin zu oft extrem schlechten Böden. ...
FOCUS: Ist Hunger ein Produktions- oder ein Verteilungsproblem?
Jany: Zur Zeit erzeugt die Welt genügend Nahrungsmittel. Ursachen für Hunger sind vor allem instabile politische Verhältnisse, mangelnde Bildung und das Fehlen einer geeigneten Logistik. Doch in 20 Jahren werden sich die Relationen verschoben haben. Die weltweite Produktivität hält dann mit dem Bevölkerungswachstum nicht mehr Schritt. Hier könnte die Gentechnik die Situation entschärfen.
Hinweis: Nach Berechnungen der UNO flacht sich die Bevölkerungskurve ab, d.h. das Bevölkerungswachstum verlangsamt sich und wird in einigen Jahren oder Jahrzehnten voraussichtlich enden. Daher sind die Horrorszenarien ebenso voraussichtlich Unsinn. Von Janys 20 Jahren sind 2009 bereits 14 Jahre herum. Eine Verschärfung des Hungers ist durch Kriege, Wirtschaftskrisen, Biospritproduktion und die Gentechnik selbst eingetreten ...

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Lüge 2: Gentechnik hilft den Landwirten

Pro: Gentechnik bringt höhere Ernten und Einnahmen, verringert die Arbeit

Auszüge aus der BVL-Broschüre "Die Grüne Gentechnik" (S. 15 f.)
Neue Pflanzensorten erlangen nur dann Bedeutung, wenn der erzielbare Nutzen größer als eventuelle Mehraufwendungen bei Anbau und Vermarktung ist. Die weltweite Zunahme des Anbaus dieser Pflanzen ist deshalb ein Hinweis darauf, dass diese zumindest für bestimmte Regionen ökonomische Vorteile bieten. Und kein Landwirt wird dieses Saatgut erneut kaufen, wenn er negative Erfahrungen damit gemacht hat.

Auszug aus der Broschüre "Grüne Gentechnik" der KWS Saat AG
Aufgrund der weiter bestehenden Vorbehalte in Europa erfolgt hier ein Anbau gentechnisch veränderter Sorten bisher auf lediglich rund 100.000 Hektar (2008). Damit bleiben den europäischen Landwirten und letztlich auch den Verbrauchern die Vorteile dieser neuen Technologie weitgehend vorenthalten. ...
Gentechnisch veränderte Pflanzen ermöglichen Einkommenszuwächse bei Landwirten, erlauben einen verringerten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und wirken sich somit positiv auf die Umwelt aus.

Contra: Gentechnik vernichtet lokale Ökonomien, schafft Abhängigkeiten

Auszug aus "Kein Beweis für Gentechnik-Vorteile", in: taz, 29.4.2008
Wenn Konzerne wie Monsanto, Bayer oder BASF ihr gentechnisch verändertes Saatgut verkaufen wollen, argumentieren sie vor allem mit Geld: Sie versprechen den Bauern eine höhere Produktivität und damit mehr Gewinn. Von der Industrie unabhängige Wissenschaftler aber bezweifeln die These von der Wirtschaftlichkeit transgener Pflanzen zunehmend. Nun sind auch Forscher des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) zu dem Schluss gekommen, dass ein Nutzen nicht erwiesen sei. Zuverlässige Daten fehlten, obwohl die Saaten schon seit 12 Jahren kommerziell genutzt werden.

Auszug aus "China, Klima, Gentechnik - drei Irrtümer der Hungerdebatte", in: Zeit online, 17.4.2008
Die Gentechnik wird alles richten! Reine Spekulation
berichtet Christiane Grefe, Landwirtschaftsexpertin der ZEIT
Die vom Ehepaar Gates gesponserte Agricultural Alliance for Africa (AGRA) setzt daher zunächst auf konventionell gezüchtete Pflanzen und auf Strategien, die ausgelaugten afrikanischen Böden zu verbessern, Bewässerungssysteme und Märkte zu schaffen. "Afrikanische Bauern können sich auch ohne Gentechnik aus der Armut retten", sagte der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan, seit vergangenem Jahr AGRA-Präsident.
Auch Pedro Sanchez, ein Experte für Tropenlandbau an der New Yorker Columbia University, sieht "gezielte Investitionen in chemische Agrar-Inputs" als wichtigstes Element, Kleinbauern zu helfen. Das heißt, sie sollten mit Dünger und Pflanzenschutzmitteln versorgt werden.
Eric Holt-Gimenez ist aber skeptisch angesichts solcher Strategien. Der Forscher der kalifornischen Aktivistengruppe "Food First" glaubt nicht daran, dass man technokratische Lösungen von außen in die afrikanischen Gesellschaften hinein tragen sollte. Das sei wenig nachhaltig. "Wenn die Grüne Revolution in Afrika bisher gescheitert ist, wie soll dann mehr davon die Nahrungskrise lösen?" fragt er.
Holt-Giminez stellt sich eher eine große Vielfalt agroökologischer Systeme vor, die am jeweiligen Ort ganz unterschiedlich auf die Bedingungen der Landschaft, des Klimas und der Kultur reagieren. Darüber sollten die Kleinbauern alleine entscheiden können.

Augenzeugnisse des englischen Thronfolgers, Prinz Charles, zu Vorteilen hochtechnisierter Landwirtschaft
Aus einem Interview in der Telegraph, 12.8.2008

"Look at India's Green Revolution. It worked for a short time but now the price is being paid."
"I have been to the Punjab where you have seen the disasters that have taken place as result of the over demand on irrigation because of the hybrid seeds and grains that have been produced which demand huge amounts of water."
"[The] water table has disappeared. They have huge problems with water level, with pesticide problems, and complications which are now coming home to roost."
"Look at western Australia. Huge salinisation problems. I have been there. Seen it. Some of the excessive approaches to modern forms of agriculture."

Gentechnik vernichtet Arbeitsplätze
Auszug aus einem Interview mit der ehemaligen NRW-Umweltministerin, Bärbel Höhn, in: FR, 19.8.2006, S. 12:

Die Agro-Gentechnik ist kein Innovationsmotor, sondern eine Risikotechnologie. Sie kostet Arbeitsplätze, bringt Bauern um ihre Absatzmärkte und gefährdet den boomenden Ökolandbau massiv.

Studie zu Schein-Vorteilen der Gentechnik für LandwirtInnen
Auszug aus einem Bericht über eine Studie "Failure to Yield: Evaluating the Performance of Genetically Engineered Crops"
Das Fazit: durch den Einsatz von Gentechnik gelingt es nicht, oder nur unwesentlich, gesteigerte Erträge zu erwirtschaften. Vielmehr entwickeln sich vermehrt sogenannte Superunkräuter, was wiederum zu einen höheren Einsatz von Spritzmitteln führt. Durch herkömmlich gezüchtetes Saatgut hingegen, so die Ergebnisse der Studie, konnten Ernteerträge gesteigert werden. Dies gelang durch verbesserte Anbaumethoden und die Besinnung auf traditionelle landwirtschaftliche Praxis.

Januar 2010: Selbst die Gentechnik-PR-Plattform der Bundesregierung muss Existenz von Super-Unkräutern zugeben!
Auszug aus Bericht auf der Internetseite von BioSicherheit am 11.1.2010:

Landwirte in den USA bekommen zunehmend Probleme mit Unkräutern, die gegen bestimmte Herbizide resistent geworden sind. Eine aktuelle Studie sieht den großflächigen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen als Ursache. ... Bislang treten Unkräuter, die gegen Glyphosat und weitere Herbizide resistent sind, nur punktuell auf - mit einer Ausnahme: In Missouri gibt es größere Populationen des Fuchsschwanzgewächses Amaranthus rudis, die gegen Glyphosat, ALS-Inhibitoren und eine weitere Wirkstoffgruppe resistent sind.

Gentechnik und Landwirtselend in Indien
Auszüge aus Christine Möhlhoff, "Tödliche Felder", in: FR am 22.1.2010

Baumwolle braucht große Mengen an Düngemitteln und an Pestiziden. Viele von Indiens Baumwollbauern enden in einer tödlichen Schuldenspirale. Um Saatgut, Kunstdünger und Schädlingsbekämpfungsmittel kaufen zu können, nehmen sie Kredite auf - meist bei skrupellosen Geldhaien, die astronomische Wucherzinsen fordern.
Am Ende sehen viele überschuldete Bauern keinen anderen Ausweg mehr, als sich das Leben zu nehmen, um der Schande und der Schuldenfalle zu entkommen. Jedes Jahr berichten Indiens Zeitungen über neue Selbsttötungen. Nach Angaben der Regierung sollen allein zwischen 1997 und 2007 fast 183.000 Bauern in den Freitod gegangen sein. Andere Quellen schätzen die Zahl noch höher. Die meisten schlucken Pestizide, weil ihnen anderes fehlt - ein grausamer Tod. Zurück bleiben meist hilflose Mütter mit ihren Kindern. ...
Tatsächlich beherrscht gentechnisch veränderte Baumwolle längst den Markt. Seit 2002 ist sie in Indien zugelassen, heute wächst sie auf über 66 Prozent der Anbaufläche. Fünf Millionen indische Bauern sollen 2008 bereits die Hightech-Saat ausgesät haben.
Hochaggressiv bewerben die Hersteller ihre Produkte als Wunder-Baumwolle, die nicht nur mehr Ertrag verspricht, sondern Schädlingen von alleine trotzt. Und damit den Bauern die Kosten für teure Pestizide spart.
Die Bauern tappen damit oft in eine neue Falle. Kritiker monieren, dass die vermeintliche Wunder-Saat nicht nur sechs Mal so teuer ist, sondern auch oft nicht hält, was die Anbieter versprechen. Sie ist obendrein eine Einmalsaat. Jedes Jahr müssen die Bauern also neue Saat kaufen und brauchen wieder Geld.
Dennoch sind die verzweifelten Bauern leichte Beute für die schönen Versprechungen. Auch ein Bewusstsein für die möglichen Risiken solcher Gentech-Produkte gibt es kaum. Anders als im Westen wird über gentechnisch veränderte Produkte in den Medien und in der Öffentlichkeit wenig diskutiert.

Schäden für Bienen (ImkerInnen sind auch LandwirtInnen!)

So manche Forschung entlarvt die Interessen ...

Die gesamte Industrialisierung der Landwirtschaft hat auch Probleme geschaffen ...

Auszug aus dem Positionspapier des BfN (2009), "Welternährung, Biodiversität und Gentechnik" (S. 2 f.)
Welche Auswirkungen die Intensivierung der Landwirtschaft im globalen Maßstab hat, zeigen die Folgen der „Grünen Revolution“, also des Versuchs der Armuts- und Hungerbekämpfung in Schwellen- und Entwicklungsländern seit den 1960ern durch den Einsatz damals als „modern“ geltender Landwirtschaft.
Zwar konnten Ertragssteigerungen durch die Umstellung auf Monokulturen und gezielte Kreuzungszüchtung (Hybridisierung) verschiedener Getreidearten realisiert werden. Dies führte allerdings zu einem höheren Inputbedarf an Dünger, Wasser und Pflanzenschutzmitteln. Die Zahl der angebauten Sorten ging stark zurück. So sank z.B. in Indien die Zahl der Reissorten von etwa 50.000 in den 60er Jahren auf etwa 50 gegen Ende der 90er Jahre (GÖRG 1998).
Auch aus ökologischer Sicht hatte die Grüne Revolution negative Auswirkungen. Der verbreitete Einsatz von Monokulturen weniger Sorten gefährdete die Biodiversität. Die Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten erhöhte sich drastisch. Die angewandten Methoden belasteten Natur und Umwelt und zerstörten ökologische Abläufe, die z.B. zukünftige Bodenfruchtbarkeit und nachhaltige Nahrungsproduktion garantieren. Es kam zu einem enormen Anstieg des Wasserbedarfs, so dass sich innerhalb weniger Jahre u.a. wasser- und bodenrelevante Probleme einstellten (Süßwasserverknappung, Grundwasserabsenkung, Versalzung, Wasserver-schmutzung, Erosion).
Die eingesetzten Methoden waren für Kleinbauern häufig zu teuer und zu aufwändig und deshalb war der Einsatz nur in größeren wirtschaftlichen Einheiten möglich. Zudem gerieten die Kleinbauern in eine finanzielle Abhängigkeit von multinationalen Chemie- und Agrarkonzernen.

Die Geldfrage ...

Lüge 3: Gentechnik schützt die Umwelt

Pro: Gentechnik hilft Pestizide sparen, bietet Hilfsmittel gegen Klimawandel und Bodenversalzung

Auszüge aus dem Positonspapier "Chancen der Grünen Gentechnik" des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter (BDP)
Die Gentechnik wird die klassischen Methoden der Pflanzenzüchtung nicht ersetzen können, sondern bietet ergänzend Lösungen für bestimmte Problemstellungen an. Diese nützen nicht nur der Pflanzenzüchtung sondern kommen auch Landwirten und Verbrauchern zugute. So wurden mit Hilfe der Gentechnik Pflanzen entwickelt, die resistent gegenüber bestimmten Schadinsekten oder Pflanzenkrankheiten sind. Für die Landwirte bedeutet das höhere Erträge und eine umweltschonendere Bekämpfung, der Verbraucher profitiert durch die geringere Belastung mit Pestiziden.
Weitere Einsatzmöglichkeiten der Grünen Gentechnik bestehen in der Entwicklung von Sorten, die an extreme Bedingungen wie Trockenheit oder salzige Böden angepasst sind. Dadurch werden auch ungünstigste Standorte für die Landwirtschaft erschlossen, was wiederum dazu beitragen kann, artenreiche und schützenswerte Gebiete, wie den tropischen Regenwald, zu erhalten. ...
Aus diesen Gründen fordert der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter eine sachliche und konstruktive öffentliche Diskussion über den Einsatz von Gentechnik in Pflanzenzüchtung und Landwirtschaft, bei der nicht unbegründete Ängste geschürt werden, sondern Chancen und Risiken dieser Technologie objektiv gegeneinander abgewogen werden.

Auszug aus der Broschüre "Grüne Gentechnik" der KWS Saat AG
Gentechnisch veränderte Pflanzen ermöglichen Einkommenszuwächse bei Landwirten, erlauben einen verringerten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und wirken sich somit positiv auf die Umwelt aus.

Sinemus/Minol, "Grüne Gentechnik - ein Beitrag zur Nachhaltigkeit?", in: mensch+umwelt spezial 2004, S. 48
Mit der Einführung von insektenresistenten B.t.-Baumwollpflanzen, also transgenen Pflanzen, die das Insektizid des Bakteriums Bacillus thuringiensis selbst produzieren, wurden insbesondere in den Entwicklungsländern große Einsparungseffekte erzielt. ... der kalifornischen Universität in Berkeley haben ergeben, dass sich beim Anbau von B.t.-Baumwolle in Indien der Verbrauch an Pflanzenschutzmitteln um teilweise 70 Prozent reduzierte (Anbausaison 2001/ 2002). Die Erträge stiegen im Durchschnitt um 80 Prozent gegenüber den Erträgen konventioneller Baumwollsorten.

Kogel im Interview bei HR-Info am 23.4.2009
Wir haben eine klare Pestizidreduktion im Anbau bei gentechnischen Pflanzen ... die sind dadurch, dass weniger Pestizide eingesetzt werden müssen, im Grunde risikoärmer und sauberer für die Umwelt. Das ist unbestritten, so argumentieren ja auch im Grunde alle Wissenschaftsorganisation in Deutschland im Moment.

Interview mit Prof. Kogel im Deutschlandfunk am 24.6.2009 auf die Frage "Sehen Sie auch Gefahren?"
Wir als Wissenschaftler sehen, dass diese Technik positive Umweltwirkung hat ... Alle Studien zeigen, wenn wir vergleichen: Gentechnik mit konventionellem Anbau, also Einsatz von Herbiziden, von Pflanzenschutzstoffen, ist diese Technik umweltfreundlicher. Und deshalb läuft auch die Diskussion um die Auskreuzung ein bisschen ins Leere. ... ich sage nur, es gibt halt diese vermuteten Umweltwirkungen nicht.

Bt in Pflanzen ist gleich Spritz-Bt ... und völlig ungefährlich
Auszüge aus der BVL-Broschüre "Die Grüne Gentechnik" (S. 14)

Dazu wurde den Pflanzen eine Erbinformation aus einem Bodenbakterium (Bacillus thuringiensis, Bt) eingebaut. Der dadurch von der gentechnisch veränderten Pflanze erzeugte Wirkstoff, der auch in zugelassenen biologischen Pflanzenschutzmitteln enthalten ist, hat dieselbe Wirkung wie das großflächig ausgebrachte Pflanzenschutzmittel. ... Gefunden wurden nachteilige Wirkungen in der Umwelt bislang allerdings nicht.

Contra: Resistenzen entstehen, Totalherbizide und die BT-Pflanzen vernichten Artenvielfalt

Baumwollschädling entwickelt Resistenzen gegen Pflanzenschutzmittel
Auszug aus einem Pressetext vom 12.2.2008

Tucson/Wien (pte/12.02.2008/13:54) - Wissenschaftler der University of Arizona in Tucson haben in einer aktuellen Freiland-Untersuchung nachgewiesen, dass der Einsatz von Gentech-Bauwolle zu Resistenzbildungen beim Baumwollkapselbohrer führt. Diese Raupe ist der Hauptschädling der Baumwollproduktion. Die Gentech-Baumwolle produziert das Toxin Bacillus-thuringensis (Bt), das eigentlich Schädlinge töten sollte. Die Studie wurde vom Entymologen Bruce Tabashnik vom College of Agriculture and Life Sciences durchgeführt.

Auszug aus Frankfurter Rundschau am 28.12.2008
Jessel hat grundsätzliche Zweifel am Nutzen der Gentechnik auf dem Acker. "Für die Verbraucher haben die bisher auf dem Markt befindlichen gentechnisch veränderten Pflanzen bislang weder die Preise gesenkt noch wurden gesündere Lebensmittel produziert." Überdies hätten "auch auch nach mehr als 15 Jahren intensiver Forschung mit Methoden der Gentechnik entwickelte stresstolerante Pflanzen sowie Pflanzen mit höheren Erträgen noch nicht bis zur Marktreife geführt".
Beate Jessel ist die Präsidentin des Bundesnaturschutzamtes.

Auszug aus Süddeutsche Zeitung am 19.3.2009
Das Bundesamt für Naturschutz betrachtet den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft als riskant.
"Schädlingsresistente Kulturen können direkte Auswirkungen auf die Natur und die Umwelt haben, wenn sie über die Schädlinge hinaus weitere Organismengruppen beeinträchtigen", hieß es in einem Bericht zu Gentechnik und Welternährung, über den am Mittwoch der Bundestags-Agrarausschuss debattierte.

Auszug aus einer Studie von Greenpeace im Jahr 2003
Der Anbau gentechnisch manipulierter Pflanzen hat in den USA zu gesteigertem Pestizideinsatz geführt. So das Ergebnis einer Studie von Dr. Charles Benbrook, ehemaliger Geschäftsführer des Landwirtschaftsausschusses der US-amerikanischen National Academy of Sciences. Herausgegeben wurde der Bericht vom Northwest Science and Environmental Policy Center.

Bericht auf ProPlanta zu "Super-Unkräutern" (15.1.2010)
Landwirte in den USA bekommen zunehmend Probleme mit Unkräutern, die gegen bestimmte Herbizide resistent geworden sind. Eine aktuelle Studie sieht den großflächigen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen als Ursache.

Zweites Contra: Totalherbizide sind besonders gefährlich ++ mehr Spritzmittel nötig und gewollt!

Auszug aus Informationsdienst Gentechnik am 14.1.2009
Rückstände auf Gentech-Pflanzen schädigen menschliche Zellen
Rückstände des Glyfosat-Herbizids "Roundup", die bei den meisten auf dem Markt befindlichen Gentech-Lebens- und Futtermitteln nachweisbar sind, können bei menschlichen Zellen schädlich und sogar tödlich wirken - selbst bei sehr niedrigen Mengen. Das ergibt eine französische Studie der Universität Caen. Damit liegt eine weitere Untersuchung zur Gefährlichkeit von Gentechnik für Mensch und Tier vor. Unter dem Handelsnamen "Roundup" vertreibt der Chemiekonzern Monsanto dieses Totalherbizid. Das französische Forscher-Team untersuchte die Wirkung von vier Herbiziden in der Zusammensetzung des Monsanto-Produkts auf unterschiedliche menschliche Zellgruppen. Trotz einer 100.000-fachen Verdünnung führte der Einsatz zu einem völligen Zellsterben in nur 24 Stunden, er blockierte die Zellatmung und verursachte DNA-Schäden.

Auszug aus "ARGENTINIEN: Kranke Dörfer - Gesundheitskrise durch herbizidintensive Sojaproduktion", in: IPS am 5.3.2009
In Argentinien ist das Leben auf dem Land eine gesundheitsgefährliche Angelegenheit geworden. Dies gilt vor allem für die Regionen, in denen das Hauptexportgut Soja in großem Stil angebaut wird. Dort fürchten sich die Menschen vor Krankheit und Tod, die die monokulturelle Landwirtschaft in Form von Pestiziden mit sich bringt. ...
Die hohe Nachfrage in Asien haben der argentinischen Sojaproduktion seit Mitte der 90er Jahre einen unerhörten Auftrieb beschert - auf Kosten der Nahrungsmittelvielfalt, der Viehzucht, der Umwelt und der menschlichen Gesundheit. Der GRR-Studie ''Stoppt das Ausräuchern' ('Paren de fumigar') zufolge werden kleine Familienbetriebe in den Sojaanbauregionen von riesigen Monokulturen umzingelt, mit Glyphosat besprüht und häufig zum Aufgeben gezwungen. Glyphosat wird unter dem Markennamen 'Roundup' vom Biotechnologiekonzern 'Monsanto' vertrieben, der das Produkt in Kombination mit seinem 'Roundup Ready'-Soja anbietet. Dem Multi zufolge ist Glyphosat bei richtiger Anwendung für die menschliche Gesundheit unbedenklich. ...
Eine Untersuchung des Garibaldi-Krankenhauses in der Stadt Rosario in der Provinz Santa Fe bringt Hoden- und Magenkrebserkrankungen in sechs Dörfern mit dem Herbizid in Verbindung. Die Krankheitsrate liegt um das Dreifache über dem nationalen Durchschnitt. Auch Leberkrebs tritt dort zehnmal häufiger auf, Bauchspeicheldrüsen- und Lungenkrebs werden doppelt so diagnostiziert.

In einem internen Papier bewirbt U. Zensiert! (Chef von InnoPlanta) die Gentechnik, weil das den Absatz von Pestizide steigere:
Der Weltmarkt für Pflanzenschutzmittel beträgt ca. 32 Mrd. $, wovon die Hälfte auf Herbizide, ein Viertel auf lnsektizide, 20% auf Fungizide und der Rest auf Nematozide etc. fällt. Biologische Pflanzenschutzmittel haben keine nennenswerte Bedeutung. Das Pflanzenschutzmittelgeschäft ist oligopolistisch strukturiert. 80% des Weltmarktes werden von 10 führenden Herstellern bedient. Das geringe Marktwachstum bei gleichzeitig hohen Entwicklungsaufwendungen führte zu einer Branchenrestrukturierung, in deren Verlauf Hoechst und Schering ihre Pflanzenschutzmittelaktivitäten 1994 in der AgrEvo zusammenschlossen. Die beiden Baseler Firmen Ciba-Geigy und Sandoz fusionierten 1996 aufgrund des Konzentrationsdruckes in der Pharmaindustrie zur Novartis, womit gleichzeitig der weltgrößte Pflanzenschutzmittelhersteller, Novartis Crop Protection AG, und der zweitgrößte Saatzüchter, Novartis Seed AG, entstanden. 1997 trennte sich das Pharmaunternehmen Eli Lilly von seinem agrochemischen Geschäft und gab es an seinen J.V.-Partner Dow Chemicals ab ( s. Tabelle "Führende Pflanzenschutzmittelhersteller").
Die Aussicht, in dem stagnierenden Pflanzenschutzmittelmarkt durch Anwendung der Pflanzenbiotechnologie Positionsverbesserungen zu erzielen, erklärt die für das Marktvolumen und die Profitabilität der Branche unerwartet hohe interne und externe F&E- Intensität. Die sich abzeichnenden Erfolge in der Einführung von transgenen Kulturpflanzen in Nordamerika, Argentinien und Brasilien haben der durch Übernahme und Fusion von Pflanzenschutzmittelherstellern erfolgten Marktkonsolidierung weiteres Momentum gegeben und zu einer regen Akquisitionstätigkeit der Unternehmen in die Biotechnologie- und Saatzuchtbranche geführt.

Gentechnik erhöht Pestizidverbrauch um 145.000 Tonnen
Resistente Unkräuter zwingen US-Farmer zu verstärktem Gift-Einsatz

Auszug aus einem Artikel über den Benbrook-Report, von: pressetext.austria

Wien (pte/18.11.2009/13:45) - Verheißungsvoll waren die Versprechen der"Grünen Gentechnologie", kaum mehr Pestizide verwenden zu müssen. Nun zeichnet ein neuer Bericht allerdings ein völlig anderes Bild. Seit dem Beginn des kommerziellen Anbaus von Gentech-Pflanzen wurden in den USA rund 145 Mio. Kilogramm mehr Pestizide ausgebracht als zuvor. Ein Grund dafür ist der rasante Anstieg an Unkräutern, die gegen die Totalherbizide immun sind. Die Studie von Charles Benbrook vom Organic Center http://www.organiccenter.org basiert auf Daten des US-Department of Agriculture.
"Die US-Gentech-Landwirte versuchen nun mit noch mehr Chemie den Unkräutern Herr zu werden", meint Global 2000-Gentechnik-Experte Werner Müller http://www.global2000.at im pressetext-Interview. "In ihrem ausweglosen Kampf greifen die Bauern zu immer brutaleren Methoden gegen Umwelt und letztlich auch den Menschen", kritisiert der Experte. So setzen sie "Uralt-Gifte" wie Paraquat und 2,4D - einen Stoff der im Vietnamkrieg als "Agent Orange" verwendet wurde - ein.

Nur geringe Insektizid-Einsparungen bei Baumwolle und Mais
Geringe Einsparungen von Insektiziden konnten bei Baumwolle und Mais erreicht werden, bestätigt die Studie. "Doch auch hier dürfte sich das Blatt bald wenden, sobald die ersten resistenten Insekten die Maisfelder treffen", meint Müller. Kritiker hätten bereits von Beginn an angezweifelt, dass es Einsparungen im Pestizidbereich geben werde. "Außerdem befürchtete man schon damals, dass es bald resistente Unkräuter und Insekten geben wird."
"Doch der enorme Anstieg des Pestizideinsatzes in den USA überrascht selbst die Kritiker", so Müller. "Man sieht, wie verzweifelt die US-Landwirte gegen die Folgen der Gentechnik ankämpfen." Es sei davon auszugehen, dass die "grüne Gentechnik" auch in den USA bereits ihren Höhepunkt überschritten habe. "Angesichts des dramatischen Anstiegs von Problemunkräutern kehren immer mehr US-Landwirte der Gentechnik den Rücken."

Gentech-Unternehmen drängen stärker nach Europa
"Warum man in Europa immer noch auf die Einführung der Gentechnik drängt, ist angesichts dieser Zahlen völlig unverständlich", meint Müller. Europa sollte anstatt in Gentechforschung in den Biolandbau investieren, damit solche Katastrophen wie der Einsatz von Agent Orange gegen Unkräuter erspart bleibe.
"An einem vernünftigen Umgang mit der Natur wie es der Biolandbau vorzeigt, führt kein Weg vorbei. Das lehrt uns die Geschichte der Gentechnik", so Müller. "Mit der Holzhammermethode die Natur zu unterdrücken, gelingt nur wenige Jahre, danach schlägt sie umso unbarmherziger zurück."

Drittens: Mehr Düngemittel?

Interessanter Fund: Auf Seiten für Finanzspekulationen wird über höheren Düngerverbrauch durch Gentechnik spekuliert!
Auszug aus Miriam Kraus, "Gentechnologie erhöht den Bedarf an Düngemitteln" (3.6.2009)

Auch wenn ich nicht glaube, dass Europa in absehbarer Zeit auf den Gentechnik-Zug aufspringen wird, gehe ich dennoch davon aus, dass die Gentechnik, gerade für die Staaten, welche sie bereits nutzen, zu einem der wichtigsten Faktoren für die Zukunft ihrer Landwirtschaft geworden ist. Das Interessante daran ist aber...
...dass der wachsende Einsatz der Gentechnik, einen steigenden Einsatz von Düngemitteln erfordert. Denn aufgrund der genetischen Veränderung steigt der Nährstoffbedarf der Pflanze rasant, die dem Boden damit ebenso schnell verstärkt seine Nährstoffe entzieht. Diese Nährstoffe müssen dem Boden aber wieder zugefügt werden, in Form von - natürlich - Düngemitteln.

Hilft Gentechnik gegen den Klimawandel?

TECHNISCHE REPARATUR ODER FALSCHE LÖSUNG?
Die „Lösung des Klimaproblems“ wird zunehmend als Vorwand für das Zocken mit Hochrisikotechnologien benutzt, schreibt Jim Thomas in einem hervorragenden Artikel für ‚The Ecologist’. Zu den gefährlichen Technologien, denen nachgegangen wird, gehören Gentech-Pflanzen und das Sprühen von Schadstoffen in die Atmosphäre zur Änderung des Wetters. Leugner des Klimawandels begrüßen diese Ideen, so Thomas, und versuchen damit das Ausbleiben von grundsätzliches Handeln zur Reduzierung von Emissionen zu rechtfertigen.

Mehr Infos, Studien und mehr

Lüge 4: Gentechnik verbessert die Nahrungsqualität

Der ewige Fall "Golden Rice" ...

Studie zeigt, dass Versprechen auch hier nicht gehalten wurden: Infoseite ++ Studie (PDF). Auszüge:
Ähnlich verhält es sich auch mit dem PR-Projekt der Branche, dem mit Provitamin A angereicherten transgenen Reis. Auch er wird auf der Syngenta-Website gepriesen, wobei der Eindruck entstehen könnte, er sei bereits verfügbar: „Durch gentechnische Veränderung können Reissorten entwickelt werden, die nicht nur gegen Krankheiten resistent sind und ungünstigen Umweltbedingungen widerstehen, sondern auch einen höheren Nährwert haben. In Asien, wo bereits heute für zwei Milliarden Menschen 60 bis 70 Prozent der täglichen Kalorienaufnahme durch Reis gedeckt werden, muss die Reisproduktion um schätzungsweise 200 Millionen Tonnen pro Jahr gesteigert werden. Der von Syngenta mitentwickelte „Goldene Reis“ trägt zur Bekämpfung des Vitamin-A-Mangels bei, durch den in Entwicklungsländern jedes Jahr eine viertel- bis eine halbe Million Kinder erblinden."
Die Wahrheit: Es gibt den "Golden Rice" noch gar nicht - aber in den Hirngespinsten der PR-Jongleure wirkt er schon ...

KINDER WURDEN ALS GENTECH-VERSUCHSKANINCHEN MISSBRAUCHT
Die Nichtregierungsorganisation “Gentechfreies Wales“ (GM-Free Cymru) deckte auf, dass eine Forschergruppe der Tufts University in den USA Kinder in einem Versuch mit dem genetisch manipulierten “Goldenen Reis” missbraucht. Die Details können auf der Internetseite für Klinische Studien der US-Regierung eingesehen werden.
Eine klinische Studie in China wurde letzten Monat vorzeitig beendet, nachdem die Regierung herausfand,dass 24 Kinder einer Grundschule in Henyang in der Hunan Provinz zwischen 6-8 Jahren als Versuchskaninchen den Goldenen Reis testen sollten.

NEUER BERICHT ZU GOLDENEM REIS
Ein neuer Bericht für Food Watch zum Goldenem Reis-Projekt deckt die wild übertriebenen Behauptungen vom "Nutzen" des Goldenen Reis’ auf, sowie zweifelhafte Wissenschaft und technische Daten, die systematisch vor der Öffentlichkeit versteckt wurden.

Auszug aus Klaus-Dieter Jany, "Gentechnik im Agrar- und Lebensmittelbereich. Stand und Perspektiven – Ein Beitrag zur nachhaltigen Produktion von Lebensmittel" (S. 27)
Die Gentechnik wird in einigen Bereichen dazu beitragen im Rahmen nachhaltigen Wirtschaftens noch qualitativ hochwertigere und neue gesundheitsfördernde Lebensmittel herzustellen. Die landwirtschaftliche Urproduktion erfolgt hierbei unter schonenderen ökologischen Bedingungen. Gentechnisch modifizierte Lebensmittel sind nicht a priori unsicher. Sie werden aber vor ihrem Inverkehrbringen intensiv untersucht. Erhalten sie die uneingeschränkte Zulassung, kann man davon ausgehen, ein Produkt zu konsumieren, das die Gesundheit nicht negativ beeinflussen wird.
Eine gesunde und bedarfsgerechte Ernährung ist bei uns nicht abhängig von Verarbeitungsverfahren oder Gewinnung der Lebensmitteln. Mit und ohne Gentechnik kommen sichere, gesunde und qualitativ hochwertige Lebensmittel in den Handel. Das falsche Eß- und Ernährungsverhalten - zu viel und zu fett- stellt das eigentliche Risiko dar. Die Gentechnik im Lebensmittelbereich stellt keine Bedrohung für unsere Gesundheit oder Umwelt dar. Die Chancen der Gentechnik zur Abwehr von gesundheitlichen und ökologischen Risiken sollten verantwortungsvoll genutzt werden.

Auszug aus Michael Krawinkel, "Vom goldenen Reiskorn", in: taz am 25.5.2009
Als Beispiel für eine gelungene gentechnische Veränderung von Nahrungspflanzen wird immer wieder der "Golden Rice" genannt. Ich setze ihn in Gänsefüßchen, weil es sich bei dem Namen um einen bislang unbegründeten Euphemismus handelt. Die Entwicklung dieser Reissorte war eine züchtungstechnische Großtat gentechnischer Veränderung von Pflanzen; sie ist biotechnologisch beeindruckend und respektabel. Im Jahr 2000 war zwar zunächst so wenig Betakarotin, eine Vorstufe des Vitamin A, in den Körnern, dass nachgebessert werden musste, aber dann gab es den "Golden Rice 2", in dem 23-mal so viel Betakarotin vorhanden ist und in dem auf das Antibiotika-Resistenz-Gen verzichtet wurde. So weit, so gut.
Der Erfinder behauptete nun öffentlich, dass Gentechnikkritiker aus Europa die Verantwortung für Todesfälle und die Erblindung von Millionen Kindern in aller Welt zu tragen hätten. Eine These, die wissenschaftlich durch nichts belegt ist. Allerdings wurden seit 2004 und 2005 Humanstudien durchgeführt und teilweise abgeschlossen. Diese sollten nachweisen, wie gut der Körper das im "Golden Rice" vorhandene Betakarotin nutzen kann. Aber Ergebnisse zur sogenannten Bioverfügbarkeit wurden nie veröffentlicht. Selbst die Projektwebsite (www.goldenrice.org) verweist nicht auf eine entsprechende wissenschaftliche Publikation und berichtet bisher nur über die "erfolgreiche" Durchführung eines "human feeding trial" - ohne konkrete Ergebnisse zu nennen. Nun haben dreißig Wissenschaftler der Bostoner Tufts University kürzlich dagegen protestiert, dass bei diesen Studien gegen den Nürnberger Ethikcode als grundlegende Regel guter wissenschaftlicher Praxis verstoßen wurde: Kinder einer Grundschule in China wurden als Studienobjekte eingesetzt. Auf Druck der Regierung musste der Versuch abgebrochen werden.

Negative Folgen

Gentechnik macht alles teurer
Auszug aus "Die heimlichen Kosten von Genfood", in: FR, 21.3.2009 (S. 17)

Die Agro-Gentechnik macht Lebensmittel teurer: Milch, die ohne Gentechnik hergestellt wird, ist rund fünf Cent teurer als das vergleichbare konventionelle Produkt, das Kilo Schweinefleisch kostet etwa sechs Cent mehr. Für unkontaminierten Mais, wie ihn die Lebensmittelindustrie im Sinne der Verbraucher von den Lieferanten verlangt, zahlen die Mühlen bis zu zehn Prozent mehr.
Millionen von Euro geben Hersteller in der EU aus, um ihre Lebensmittel von Gen-Partikeln frei zu halten: Eine Studie, die der Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft BÖLW am Freitag in Berlin veröffentlichte, spricht von 75 Millionen Euro, die Firmen in der EU und in Japan jedes Jahr zahlen, um sich vor Kontaminationen zu schützen. ...
Stefan Rother, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Tiefkühlkostfirma Frosta, nennt die Situation "skurril": "Wir beschäftigen uns mit Abwehrmaßnahmen für Dinge, die keiner will." Denn nach wie vor wollen 70 Prozent der Verbraucher keine Gentechnik auf dem Teller, weshalb der Handel, so Rother, zurecht kritisch sei. "Die verlangen dann von uns, die gesamte Produktpalette durchzuanalysieren", denn im europäischen Lebensmittelhandel ist die Gentechnik tabu. Kosten für Labor, Personal, Zertifikate, Trennung der Warenströme: Rother scheut die Rechnung, die Mehrkosten aufs Produkt herunterzubrechen, sagt aber: "Das sind beträchtliche Summen."

Lüge 5: Gentechnik schafft Arbeitsplätze und rettet die Nation

SPD-Minister will Gentechnik nur wegen Wirtschaftswachstum, auf: topagrar am 25.5.2009
Zwar stehe außer Frage, dass dem Schutz von Mensch und Umwelt oberste Priorität eingeräumt werden müsse, sagte der Minister. Darüber hinaus dürfe man jedoch jetzt nicht Wege verbauen, aus denen in Zukunft neue Möglichkeiten für Wachstum und Beschäftigung resultieren könnten, betonte der SPD-Politiker. Vor allem in Ostdeutschland könne der Einsatz der Biotechnologie Impulse für die weitere wirtschaftliche Entwicklung geben.

Standort, Standort, Standort ... Gentechnik, Atomkraft - alles super!
Wolfgang Clement (Ex-Bundeswirtschaftsminister) in seiner Rede auf dem InnoPlanta-Forum 2009 (lt. Newsletter-Sonderausgabe)

Deutschland wird sich jedenfalls nur dann als eine der stärksten Volkswirtschaften der Welt behaupten können, wenn wir auf den zukunftsträchtigen Feldern von Wissenschaft und Wirtschaft auch künftig eine international führende Rolle einnehmen. In der Biotechnologie wie auch auf anderen Feldern von Wissenschaft, Forschung und Entwicklung - nehmen Sie nur die Atomenergie, die CO2-freie Kohleverbrennung oder, um eine ganz andere Disziplin anzusprechen, die Stammzellforschung - ist dies zur Zeit nicht gewährleistet. So setzen wir die Zukunftsfähigkeit unseres Landes auf’s Spiel! ...
Auf den Weltmärkten werden deutsche und europäische Landwirte auf etwas weitere Sicht nur bestehen können, wenn sie solchermaßen innovative Produkte und Techniken nutzen.

Gentechnik vernichtet Arbeitsplätze
Auszug aus einem Interview mit der ehemaligen NRW-Umweltministerin, Bärbel Höhn, in: FR, 19.8.2006, S. 12:

Die Agro-Gentechnik ist kein Innovationsmotor, sondern eine Risikotechnologie. Sie kostet Arbeitsplätze, bringt Bauern um ihre Absatzmärkte und gefährdet den boomenden Ökolandbau massiv.

Lüge 6: Gentechnik heißt Fortschritt und Innovation

Auszüge aus dem Positionspapier "Patente in der Biotechnologie" des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter (BDP)
Der Patentschutz stellt eine unbedingte Voraussetzung für Innovation im Bereich der sog. grünen Biotechnologie dar. Denn durch das Patent wird forschenden Unternehmen zeitlich begrenzt das alleinige Recht zur Benutzung der eigenen Innovationen gewährt. Erst dadurch können die investierten Forschungs- und Entwicklungskosten der Unternehmen wieder eingespielt werden. Innovation im Bereich der grünen Biotechnologie trägt zu Innovation in der Pflanzenzüchtung bei.

Was ist davon zu halten?

Gentechnik-Forschung verbraucht riesige Geldmengen, die bei anderer Forschung fehlen
Auszug aus der Broschüre "Grüne Gentechnik" der KWS (Gentechnik-Werbung!)
Parallel zum praktischen Anbau finden weltweit bereits seit Ende der 80er Jahre zehntausende von Freilandversuchen statt, um mögliche unerwünschte Auswirkungen von gentechnisch veränderten Sorten zu untersuchen. Allein in der EU wurden dafür weit über 100 Mio. € Forschungsgelder aufgewendet.

Alternativen zur Gentechnik, die in Vergessenheit geraten

Auszug aus dem Positionspapier des BfN (2009), "Welternährung, Biodiversität und Gentechnik" (S. 6, 10 und 13)
Bt-Mais kann zwar in starken Befallsgebieten, bei denen keine wendende Bodenbearbeitung möglich ist, zu einer Reduktion des Insektizideinsatzes führen. In Deutschland werden allerdings bisher nur auf 2 % der Anbaufläche für Mais Insektizide überhaupt eingesetzt. Ein entsprechendes Fruchtfolgemanagement könnte die Schadwirkungen des Maiszünslers entscheidend und wesentlich naturverträglicher minimieren.
In diesem Zusammenhang ist oft ein Ansatz, der für die verschiedenen Regionen angepasste Lösungen entwickelt, zielführender als der Einsatz einer nicht angepassten Hochtechnologie. In Afrika z.B. ist der Befall mit Stengelbohrern ein Problem der Ertragssicherung. Dieser Schädling kann zwar grundsätzlich mit Bt-Maispflanzen bekämpft werden. Für Afrika befinden sich solche Sorten allerdings erst in der Erprobung. Die Alternative dazu soll hier kurz und beispielhaft skizziert werden: Das internationale Insekten-Forschungsinstitut ICIPE (International Centre of Insect Physiology and Ecology) schlägt eine so genannte Push-Pull-Methode vor. Zwischen die Maispflanzen wird das Bohnengewächs Desmodium angebaut. Desmodium gibt einen Duftstoff ab, der die Stengelbohrer abstößt (push). Durch den Einsatz des Napiergrases, das um die Maisfelder angebaut wird, wird der Stengelbohrer zusätzlich aus dem Mais herausgelockt (pull) und verendet auf den klebrigen Blättern. Vorteil dieser Methode ist, dass die regional vorhandenen und angepassten Maissorten weiterverwendet werden können, die Methode preiswert und einfach anzuwenden ist sowie durch die Kombination zusätzlich hochwertiges Viehfutter erzeugt werden kann. Gleichzeitig ist die Methode frei zugänglich und sofort einsetzbar (ICIPE). Ein Pestizideinsatz ist hierbei nicht erforderlich und in der Summe ist diese Alternative wesentlich zielführender als der Einsatz des GVO. ...
So konnte eine Reihe von Studien aus den letzten Jahren belegen, dass die Erträge einer ökologischen Landwirtschaft bei gutem Management nach einer fünfjährigen Umstellungsphase insgesamt denen einer konventionellen Landwirtschaft entsprechen (PRETTY et al. 2006; PIMENTEL et al. 2005); dies gilt auch für die Industrieländer. Die FAO1 erwartet nach einer Studie von BADGLEY et al. (2007) sogar, dass eine nachhaltige Produktionssteigerung durch ökologischen Landbau insbesondere in Entwicklungsländern im Durchschnitt zu höheren Erträgen von bis zu 130 % bei gleichzeitiger Ressourcenschonung führen kann und ausreichend ist, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Dies lässt sich dadurch erzielen, dass bereits wenige Verbesserungen, wie z.B. bei der Düngung, zu dramatischen Ertragssteigerungen führen. ...
Das BfN fordert, dass ... die Forschungsförderung auf Projekte konzentriert werden sollte, die auf eine naturverträgliche und nachhaltige Ertragssicherung und Ertragssteigerung auf lokaler und regionaler Ebene ausgerichtet sind. Hierbei sollten eine darauf ausgerichtete Ressourcennutzung, eine angepasste Sortenauswahl und -entwicklung, eine Weiterentwicklung traditioneller Landbauverfahren sowie die Stabilisierung einer kleinbäuerlichen Produktion im Vordergrund stehen.

Propaganda der Forschungsfreiheit

Perverse Vergleiche der FAZ am 19.4.2009 : Gentechnik verhindern ist wie der Nationalsozialismus?
Viele Länder erlebten Vandalismus, aber Deutschland sei das einzige demokratische Land, in dem Hochschulen vor den Öko-Strolchen kapitulierten, schreibt Henry Miller, amerikanischer Wissenschaftler der Denkfabrik Hoover. Er warnt, nun würden gewalttätige, technologiefeindliche Aktivisten Blut lecken und Forschungsrichtungen als "entartete Forschung" flächendeckend mobben. Miller zieht Parallelen zur "Entarteten Kunst" des Nationalsozialismus, der damals avantgardistische Künstler vertrieb. Der Vergleich ist nicht abwegig. Die Bereitschaft, so hohe ideelle Güter wie die Forschungsfreiheit dem Mob zu opfern, schockiert dann doch. Forscher berichten, dass sie inzwischen nur noch unter außergewöhnlichen Schwierigkeiten Versuchsfelder finden.

Patente sollen die ForscherInnen schützen ...

Auszug aus einer Bundestagsrede der FDP-Abgeordneten Happach-Kasan am 2009:
Biopatente sind eine besondere Form des Schutzes geistigen Eigentums. Sie schützen biotechnologische Erfindungen. Es ist völlig unbestritten, dass Autoren das Recht der wirtschaftlichen Verwertung ihrer schriftstellerischen Arbeit haben. Genauso unbestritten sollte sein, dass Erfinder das Recht haben, wirtschaftlichen Nutzen aus ihrem Patent zu ziehen. ...
Der Schutz von Erfindungen ist auch in der Biotechnologie ein entscheidender Motor für wissenschaftlichen Fortschritt. Voraussetzung für die Erteilung eines Patents sind die Kriterien der Neuheit der Erfindung, der Erfindungshöhe, der Reproduzierbarkeit. Nur Erfindungen nicht aber Entdeckungen werden patentiert. Die Anwendung der Vorschriften der Biopatentrichtlinie muss sicherstellen, dass Zugang zu den genetischen Ressourcen offen bleibt. Die Herausforderungen des Klimawandels, die Sicherung der Welternährung, die energetische Nutzung von Biomasse stellen hohe Anforderungen an den züchterischen Fortschritt, denen nur durch Einbeziehung biotechnologischer Züchtungsverfahren begegnet werden kann. ... Es gibt kein Patent auf Leben.
Anmerkung: Statt Argumenten stellt Happach-Kasan etwas als "unbestritten" hin. Zwar ist der Hang nach wirtschaftlicher Verwertung in dieser Gesellschaft (leider) dominant, aber dass es niemanden gibt, der das nicht gut findet, ist frei erfunden. Typischer Fall ideologischer Argumentation!

Lüge 7: Alles sicher - noch keine Schäden oder Unfälle

Auszüge aus der BVL-Broschüre "Die Grüne Gentechnik" (2008, Autor: Jochen Heimberg)
In der Europäischen Gemeinschaft dürfen gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel nur nach einer umfassenden Prüfung, die häufig mehrere Jahre dauert, zugelassen werden. (S. 8)
Dadurch ist mit großer Sicherheit gewährleistet, dass keine gentechnisch veränderte Pflanze und daraus hergestellten Produkte in die Umwelt oder die Lebensmittelkette gelangen, die eine Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher oder die Umwelt darstellen. ... (S. 10)
Die Menschen verzehren täglich mehr als eine Billiarde (1.000.000.000.000.000) Gene, die seit Jahrtausenden problemlos verdaut werden. Es gibt keinen triftigen Grund zu der Annahme, dass ein in der Natur vorkommendes Gen, das nicht durch klassische Züchtung, sondern mittels eines anderen Verfahrens in eine Pflanze übertragen wurde, nicht ebenso problemlos verdaut werden sollte. Darüber hinaus sind Antibiotika- Resistenzen bei Bakterien ohnehin weit verbreitet. ... (S. 10 f.)

Auszüge aus der Broschüre "Grüne Gentechnik" der KWS (Gentechnik-Werbung!)
Bis heute ist kein einziger Fall bekannt geworden, in dem Mensch, Tier oder Umwelt zu Schaden gekommen wären. ...
Fakt ist, dass P. Schmeiser die Roundup Ready Technologie unerlaubt nutzte und dafür vom höchsten kanadischen Gericht verurteilt wurde. ... Ähnlich wie der Fall Percy Schmeiser wird dieser Vorgang genutzt, um Ängste über den Einsatz gentechnisch veränderter Produkte zu schüren. Die von Pusztai aufgestellten Behauptungen haben umfassenden Überprüfungen nicht standgehalten. Eine Gefährlichkeit des gentechnisch veränderten Produktes konnte nicht nachgewiesen werden.
Quelle: http://www.transgen.de/aktuell/archiv_2002/337.doku.html

Was davon zu halten ist:
KWS macht hier genau das, was sie ihren WidersacherInnen vorwirft: Behauptungen und Interpretationen zu wissenschaftlichen Erkenntnissen hochzustilisieren. Die angegebene Quelle gibt genau nichts her zu Überprüfungen, die Pusztais Experimente widerlegt hätten. Eine rechtskräftige Verurteilung von Percy Schmeiser gibt es ebenso wenig - ganz im Gegenteil hat Monsanto inzwischen außergerichtlich einen Schadenersatzanspruch von Schmeiser anerkannt und die eigenen Klagen zurückgenommen. Die KWS agiert hier wissentlich mit Falschbehauptungen und simuliert eine brauchbare Quellenlage (zumal TransGen ohnehin keine sinnvolle Quelle wäre, handelt es sich doch um eine Propagandaseite für Gentechnik).

Lüge 8: Gentechnik ist eine Form der Züchtung

Auszüge aus der BVL-Broschüre "Die Grüne Gentechnik" (2008, Autor: Jochen Heimberg)
Die allgemeinen Ziele der Grünen Gentechnik unterscheiden sich kaum von denjenigen herkömmlicher Pflanzenzüchtung. Meist geht es um eine Verbesserung des Ertragspotentials, der Produktqualität oder einer verbesserten Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen Schädlinge, Krankheiten, Herbizide, Hitze, Trockenheit oder Kälte. ... (S. 6)

Was davon zu halten ist:
Technisch ist Gentechnik vor allem ein chemischer Prozess. Deshalb - und weil er vom Interesse her mit dem Verkauf von Agrochemikalien verbunden ist - sind es auch vor allem große Chemiefirmen, die Gentechnik als Betriebszweig aufbauen. Die oben benannten Ziele sind vor allem die aus der Industrie- und Forschungspropaganda. Tatsächlich geht es im Vordergrund um Patente, Kontrolle des Saatgutes und Veränderungen, die den Nachbau einschränken und Kombinationen mit dem lukrativen Verkauf von Agrochemikalen ermöglichen bis erzwingen.

Das wird in der benannten Broschüre sogar zugegeben, aber nicht problematisiert (S. 8)
Auch die kommerziell betriebene Pflanzenzüchtung – einschließlich jener mit Unterstützung biotechnischer Methoden – verfolgt in einer Marktwirtschaft zunächst und überwiegend das Ziel der Steigerung von Unternehmensgewinnen. Die Verfolgung gewünschter Ziele muss den Unternehmen entweder durch staatliche Anreize oder Regelungen schmackhaft gemacht werden, oder sie muss durch die öffentliche Hand selbst erfolgen.

Lüge 9: Koexistenz ist möglich

Seit ca. 2008 hat sich die Lüge aber erledigt. Auch GentechnikbefürworterInnen behaupten nicht mehr weiter, dass Koexistenz möglich sei. Ihre neue propagandische Losung: Das ist aber auch gar nicht schlimm, weil GVO ja toll seien (manche, wie Prof. Kogel, sagen sogar: Besser als konventionelle Nahrungsmittel).

Gesammelte Ergüsse

Sie inszenieren sich selbst als wissenschaftlich oder gar objektiv. Die GentechnikkritikerInnen seien nur emotional, fortschrittsfeindlich oder unwissenschaftlich. Doch wer näher hinsieht, bemerkt das Gegenteil: Es sind die BefürworterInnen der Gentechnik, die mit platten Slogans, Polemiken und unbewiesenen bis längst widerlegten Behauptungen um sich schlagen. Damit das nieman merkt, zetteln sie einen Propagandakrieg gegen die KritikerInnen der Gentechnik an, in dem sie denen vorwerfen, was sie selbst auszeichnet: Wenig Argumente, viel Polemik. Gesammelte Beispiele ...

Kommentar der Marktradikalen Ex-Ökos Dirk Maxeiner und Michael Miersch in: Die Welt, 2.7.2009
Gurus der Gentechnikgegner Vandana Shiva und Percy Schmeiser ... Die beiden genießen bei ihren Anhängern Kultstatus, gelten jedoch unter Wissenschaftlern als Scharlatane. Wer sich eingehender über die Inderin und den Kanadier informiert, stellt fest, dass sie in ihren eigenen Ländern ungefähr so bedeutend sind wie hierzulande der Vorsitzende des Rohkost-Vereins in Hinterpfuiteufel. Doch in Deutschland werden sie auf jedes Podium gehievt, wo sie seit Jahren die gleichen, längst widerlegten Behauptungen über Grünen Gentechnik abspulen.

Prof. Christoph Tebbe, Versuchsleiter beim Maisversuch in Braunschweig (2008 bis 2010) zu BesucherInnen einer kritischen Veranstaltungen (April 2009):
Zu einer Person, die die gesetzlich garantierte Akteneinsicht haben wollte:
"Sie verstehen die sowieso nicht"
Über den Referenten: "Der kommt gar nicht von hier"
Über vermeintliche Schäden durch FeldbesetzerInnen: "100.000 Euro" (später stand in einer Presseinformation des Betreiber: 400 Euro)

Hetzen gegen "emotionale" GegnerInnen, Werben für eigene "Sachlichkeit" ... und dann nur noch platte Sprüche
Auszüge aus NNN am 29.6.2009 über ein Gentechnik-Seminar an der Uni Rostock (Lehrstuhl von Prof. Inge Broer)

Dr. Heike Mikschofsky forscht an der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät. Am Sonnabend hat die junge Wissenschaftlerin Interessenten zu einem Workshop zur Gentechnik eingeladen. "Mein Ziel ist es, statt von einem emotionalen zu einem kritischen, aber sachlichen Diskurs anzuregen", schildert Mikschofsky ihre Beweggründe. ...
"Viele wissen gar nicht, was Gentechnik ist", sagt Mikschofsky. "Es steckt zum Beispiel ganz viel DNA in einer Banane." ... Die Gentechnik spiele heute eine zentrale Rolle. "Bei unserem Lebensstandard ist sie nicht mehr wegzudenken", sagt Mikschofsky. ... "Alle Produkte des Alltags kommen auf die eine oder andere Weise mit gentechnischen Verfahren in Berührung." Zur Frage der Gefahr sagt Mikschofsky: "Die Gentechnik ist doch nur ein Verfahren - das allein kann nicht gefährlich sein." Die Produkte, die dadurch entstehen, muss man bewerten. Sie vergleicht es mit dem Buchdruck. "Die Methode selbst ist nicht riskant, aber man kann gefährliche Bücher machen." ... Durch die Züchtung mittels Gentechnik greife man nicht anders in die Natur ein, als der Mensch es sowieso macht. ... Wer sich generell gegen diese Technologie in der Landwirtschaft entscheide, versperre sich gegen Fortschritt im Allgemeinen. "Beim Handy wusste man vorher auch nicht genau, ob es gefährlich ist oder nicht."

Statt auf Argumente einzugehen: Polemik pur
Auszug aus "Forscher aus Überzeugung", in: FR 11.7.2009 (Hessen D3)

Karl-Heinz Kogel, Genosse, Alt-68er und respektabler Vizepräsident der Gießener Universität, findet das alles so "irrational und unfassbar", dass er die Augen verdreht. "Da hat sich ein Sumpf Autonomer gebildet, die unsere Arbeit massiv bekämpfen." Mit Greenpeace mag er noch debattieren. Die "Politclownerien" von Bergstedt dagegen seien "unter aller Kritik". "Affentheater" nennt er die Aktionen, die viele Mitarbeiter des Instituts aber durchaus als "psychische Bedrohung" empfunden hätten. Dass Experimente bewusst zerstört werden, sei in der Wissenschaft nicht vorgesehen.

Bericht über ein Interview mit dem ehemaligen DFG-Boss Winnacker (top agrar am 22.7.2009)
„Auch Viren lassen sich nicht kontrollieren. Ich frage mich nur, was soll sich da ausbreiten? Die Gene sind alle aus der Natur genommen. Außerdem arbeiten Bauern jetzt schon mit genetisch verändertem Saatgut, ohne das sie gar nicht die nötige Ausbeute erzielen könnten. Wir müssen auch mit den Verbrauchern ehrlich sein: Fast jedes T-Shirt, das wir heute tragen, ist aus gentechnisch veränderter Baumwolle.“ Für den Forscher ist es daher wichtig, dem Verbraucher klar zu machen, wo die Gentechnik heute schon steht und das es kein Zurück mehr gibt.  
Für absurd hält Winnacker auch die Abstandsregeln bei GVO-Feldern. Die Maispollen würden doch kilometerweit fliegen. So wie es heute in Deutschland mit der Gesetzgebung zugehe, würden alle Forscher und Firmen abgeschreckt, „am Ende bleibe nur Monsanto übrig, und dann beschwert man sich, es gebe ein Monopol“.
Als Beispiel nennt der ehemalige Generalsekretär des Europäischen Forschungsrates noch Kanada. Dank GVO hätten die Landwirte dort 350 000 t weniger Herbizide gebraucht.

Wolfgang Clement, Festredner auf dem InnoPlanta-Forum am 7.9.2009:
Deutschland wird sich jedenfalls nur dann als eine der stärksten Volkswirtschaften der Welt behaupten können, wenn wir auf den zukunftsträchtigen Feldern von Wissenschaft und Wirtschaft auch künftig eine international führende Rolle einnehmen. In der Biotechnologie wie auch auf anderen Feldern von Wissenschaft, Forschung und Entwicklung - nehmen Sie nur die Atomenergie, die CO2-freie Kohleverbrennung oder, um eine ganz andere Disziplin anzusprechen, die Stammzellforschung - ist dies zur Zeit nicht gewährleistet.
So setzen wir die Zukunftsfähigkeit unseres Landes auf’s Spiel!

Auszüge aus "Was der Bauer nicht kennt" von Sebastian Beck in der Süddeutschen Zeitung am 30.6.2009 über eine gentechnikkritische Veranstaltung
Grusel-Show im Powerpoint-Format ...
Doch rationales Abwägen und Differenzierung spielen ohnehin keine Rolle mehr, wenn es um grüne Gentechnik geht. Wissenschaftler und die große Mehrheit der Bevölkerung stehen sich in dieser Frage unversöhnlich gegenüber: Die Diskussion sei extrem emotional und so aggressiv wie nie zuvor, sagt eine Mitarbeiterin von BASF. In den Labors des Unternehmens wurde unter anderem die Stärkekartoffel Amflora entwickelt. Selbst Umweltschützer halten ihren Anbau für ökologisch unbedenklich, behalten diese Erkenntnis aber lieber für sich. ...
"Wenn wir nicht alle Wissenschaftsorganisationen hinter uns hätten, dann wären wir absolut frustriert", beschreibt Kogel die Lage. So aber ist er trotz aller Anfeindungen optimistisch: "Die Wahrheit setzt sich immer durch." ... Die wissenschaftliche Literatur jedoch, die spreche "überwältigend eindeutig" für die Gentechnik und die Unbedenklichkeit der bisher zugelassenen Pflanzen. Das gilt nach Ansicht von Kogel auch für den BT-Mais Mon810, dessen Anbau in Deutschland jetzt untersagt wurde. Kogel hat sich die Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich durchgelesen, auf die sich Landwirtschaftsministerin Aigner bei ihrem Verbot berief: "Für das normale Ökosystem sind die Ergebnisse völlig irrelevant", fasst er sie zusammen. ... Auch Kogel sieht die gravierenden Folgen der weltweiten Landwirtschaft. Deshalb habe er schon immer für eine Synthese aus Biolandbau und Gentechnik plädiert. Das wäre ein echter Sprung nach vorne, glaubt er.

Wer lügt und betrügt da?

Konzerne

ForscherInnen auf der Jagd nach Geld, Ruhm und Standortsicherung

Gentechnikfans in Genehmigungs- und Beratungsbehörden

Lobbyverbände

Dubiose PublizistInnen und ihre Biografien

Was haben Thomas Deichmann, Michael Miersch und Dirk Maxeiner gemeinsam? Zweierlei: Sie kommen von der ursprünglich anderen Seiten zu ihren heutigen Positionen, fielen dort aber bereits auch durch verkürzte Analyse und populistische Plattheiten auf:

Dichtung und Hintergründe am Beispiel: Märchentante Nüsslein-Volhard

Aussagen in ihrem Beitrag in Zeit-Wissen 4/2009 - und was davon zu halten ist ...

"Die neue Bundesregierung muss sich klar zu gentechnisch veränderten Lebensmitteln bekennen. Sie sollte sich von Vernunft leiten lassen, nicht von Ideologie"
Wer in den Debatten die Beiträge von BefürworterInnen und KritikerInnen der Gentechnik liest, wird auf beiden Seiten differenzierte Argumente und pauschal-ideologische Beiträge finden. Argumente und gute Quellenarbeit ist aber vor allem Seiten der GentechnikbefürworterInnen sehr selten geworden. Der Text von Nüsslein-Volhard ist ein typisches Beispiel dafür.

"Um den Nahrungsbedarf einer wachsenden Weltbevölkerung zu decken, müssen wir die landwirtschaftlichen Erträge steigern."
So sieht Ideologie aus. Das scheinbare Argument suggeriert, dass Hunger eine Folge von Nahrungsmittelmengen ist. Das ist falsch. Es werden genügend Nahrungsmittel erzeugt, diese aber sind für viele Menschen in Folge von Krieg, Patriarchat, Vertreibung, Bürgerkriegen, Exporten nach Europa und andere Industrienationen sowie Verfütterung für den Fleischmarkt dort nicht mehr erreichbar. Würden überall die Menschen selbstbestimmt das Land ihrer Regionen bebauen können, gäbe es keinen Hunger.

"Entweder zerstören wir dazu Natur und machen unberührte Flächen urbar. Oder aber wir setzen die grüne Gentechnik ein, um unsere Äcker ergiebiger zu machen und weniger Pflanzenschutzmittel zu versprühen."
Auch hier fehlen alle Quellen. Mehrere Untersuchungen haben schon gezeigt, dass der Einsatz von Spritzmitteln beim Einsatz gentechnisch veränderter Sorten nach einiger Zeit wieder steigt und sogar das Vor-Gentechnik-Niveau überschreiten kann. Verheerender aber ist, dass Gentechnik die Industrialisierung der Landwirtschaft und die Mechanisierung des Landbaus fördert, d.h. im Ergebnis werden riesige Agrarflächen zunehmen. Was totalherbizid-bespritzte Riesenfelder mit Naturschutz zu tun haben sollen, erklärte Nüsslein-Volhard nicht.

"Sie schüren Ängste und behaupten, die Deutschen wollten keine Gen-Lebensmittel. Das stimmt nicht! Die Menschen wollen gesundes und preiswertes Essen, und das kann sehr gut aus gentechnisch gezüchteten Sorten produziert werden."
Es ist sinnvoll, alles mit Skepsis zu betrachten - auch Umfragen zur Akzeptanz von Gentechnik. Aber einerseits der anderen Seite ideologisches Denken vorzuwerfen und dann selbst ohne auch nur eine Quelle zu behaupten, die Menschen wollten Gentechnik, ist ein bemerkenswerter Widerspruch, der zeigt, dass hier eigene Ideologie hinter der Kritik an ideologischem Denken verschleiert wird.

"Bisher hat es keinen nachweisbaren Schaden für Mensch und Umwelt gegeben"
Seit Beginn der Gentechnik wird über gesundheitliche und ökologische Folgen gestritten. Je nachdem, für was es Fördermittel gibt oder wer den Auftrag bezahlt, kommen sehr unterschiedliche Ergebnisse heraus. Unstrittig aber ist, dass Gentechnik die Abhängigkeit von Bäuerinnen und Bauern erhöht und die Koexistenz gentechnikfreier Landwirtschaft unmöglich macht. Das ist ein Schaden für Menschen - auch wenn Nüsslein-Volhard in ihrer ideologischen Betrachtung solche Argumente nicht wahrnimmt.

"Wenn wir den Anschluss in der Pflanzenzüchtung nicht verlieren wollen, brauchen wir dringend Genehmigungsverfahren, die weniger restriktiv sind."
Die deutschen Genehmigungsbehörden sind in der Hand der GentechnikbefürworterInnen. Bislang sind 100 Prozent aller Anträge auch genehmigt worden. In den Fachkommissionen und Geldvergabestellen sitzen die BetreiberInnen der Versuchsfelder und genehmigen sich selbst ihre Anträge und Gelder. Überwachung von Gentechnik findet praktisch gar nicht statt (siehe Broschüre "Organisierte Unverantwortlichkeit").

"Und wir müssen diejenigen hart bestrafen, die in Nacht-und-Nebel-Aktionen unsere Felder verwüsten."
Der Ruf nach harter Strafe ist die Sprache der Ideologen - und so verrät sich Nüsslein-Volhard in diesem Satz gleich zweimal als solche. Das zweite ist die Formulierung "unsere Felder". Allzu deutlich wird hier die klassische Konfliktfigur aufgebaut: Das Böse bedroht uns alle. Das es vor allem um Profit und Karriere Weniger auf Kosten Vieler geht, soll so verschleiert werden.

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