Was die Gentechnik-BefürworterInnen versprechen und was davon zu halten ist ...
Hunger ++ Landwirtschaft ++ Umwelt ++ Fortschritt ++ Alles sicher! ++ Nur Züchtung? ++ Sprüche und Klopfer ++ Links
„Wir brauchen das Geständnis der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds, all der großen Stiftungen, und aller Regierungen, dass wir es seit 30 Jahren alle vermasselt haben, einschließlich mir während meiner Präsidentschaft. Wir haben es vermasselt. Wir lagen falsch damit zu glauben, dass Nahrung wie jedes andere Produkt im internationalen Handel ist. Und wir müssen alle zurück zu einer umweltbewussteren, nachhaltigen Form der Landwirtschaft.“ Ex-US-Präsident Bill Clinton in einer Grundsatzrede für den Welternährungstag am 23. Oktober 2008
Wer in hiesigen Gefilden der Agro-Gentechnik frönt, redet meistnicht gern über Sinn und Unsinn ihrer tollen Erfindungen und Forschungen. Viel leichter scheint es, über andere zu hetzen statt eigenes Verhalten zu begründen. Nicht immer geschieht das so primitiv wie auf der vom Chef-Lobbyisten Uwe Schrader organisierten Demonstration für die Agro-Gentechnik am 17. und 19. April 2009, als nichts zu finden war außer Schilder mit Sprüchen wie "Keine Anarchie!" und "Feldzerstörer raus!". Täglich dreschen Schrader, Jany, Happach-Kasan und die weniger lauten ProtagonistInnen der fördermittelsichernden Technik über vermeintlich aus der Urzeit stammender Angst und Technikfeindlichkeit, wähnen wie Menschheit zurück auf den Bäumen (wo sie nie herkamen) und fürchten vor allem um die Vormachtsstellung Deutschlands in der Welt. Zwischen ihrem Redeschwall an Phrasen, Ideologien und Hetze predigen sie ausgerechnet Sachlichkeit. Nur die kommt bei ihnen wenig oder meist schlicht gar nicht vor.
Gelingt es doch einmal, GentechnikbefürworterInnen dazu zu bewegen, Gründe für ihre Tatendrang pro Gentechnik zu benennen, so sind die immer selben Mythen zu hören - zum Beispiel der heldenhafte Einsatz gegen den Hunger. Doch das Gentechnik dagegen überhaupt helfen kann, ist zigmal widerlegt, und wird auch von einigen GentechnikbefürworterInnen verworfen, wenn ihnen hellen Minuten mal der Geist wichtiger ist als das Geld. Ebenso gebetsmühlenhaft vorgetragen ist die Behauptung, die konkreten Felder dienten der Sicherheitsforschung - und Deutschland müsse zum Schutze von Umwelt und Gesundheit die Techniken der anderen überprüfen, um Schaden abzuwenden. Mitmachen, um etwas abzuwenden, ist schon für sich ein seltsames Argument. Aber es stimmt auch nicht: Versuchsfelder werden in Deutschland als Sicherheitsforschung deklariert, um Fördermittel und Akzeptanz zu ergaunern. Tatsächlich ist fast alles Lüge.
Was aber könnten die GentechnikakteurInnen sonst machen bei unangenehmen Fragen - wenn nicht lügen? Eine Variante wäre Ehrlichkeit. Also etwa so wie Inge Broer 2006 im WDR. Die gab offen zu, sie mache "hauptsächlich Forschung in der Gentechnik, weil es dafür Geld gibt". Auch Stefan Rauschen, Versuchsleiter eines Feldes der RWTH Aachen, gab in einem Interview 2009 zu, dass er angesichts der hohen Fördersummen, die es für ihn als Wissenschaftler der Biologie nur für die Agro-Gentechnik gäbe, nur noch die Wahl zwischen Gentechnik und Taxifahren hätte. Doch mit solchen Aussagen wäre die öffentliche Debatte kaum zu gewinnen. So versuchen sogenannte ForscherInnen, LobbyistInnen und Pro-Gentechnik-PolitikerInnen, die Debatte mit platten Gegenangriffen abzuwenden, auf nebulöse ExpertInnendialoge über chemische Formeln zu verlagern oder über die Rettung der Welt mittels Manipulationen am Erbgut zu schwadronieren. Dann kommen sie doch wieder auf den, "die Heilsversprechen der Gentechnikindustrie", die Ute Sprenger im Auftrag des BUND als "gewaltige PR-Blase aus Heilsversprechen" bezeichnete, um zu tarnen, was sie eigentlich wollen - das "Kerngeschäft absichern: den Absatz von Agrochemikalien". Selbst Top-WissenschaftlerInnen entblöden sich nicht, diese frei in Theken- oder PR-Runden frei erfundenen Behauptungen über die Wunderwirkung der manipulierten Tiere und Pflanzen ständig neu vorzubringen. Offenbar herrscht beständige Ebbe an guten Argumenten, doch der klamme Geldtopf von Instituten und Firmen zwingt zum Fummeln an der DNA.
Da aber die mangelnde Qualität von Argumenten angesichts der Hilflosigkeit der Agro-Gentechnik-AnwenderInnen kein Grund ist, diese nicht zu benennen, lohnt es sich, Aussage für Aussage einem Realitäts-Check zuzuführen. Für alle liegen längst eindeutige Studien vor. Doch nötig sind die nicht. Denn ein Blick auf Aussagen der Gentechniklobby und -konzerne zeigt, dass sie selbst wissen und immer gewusst haben, immer wieder gezielt Lügen zu verbreiten. Raps kann gar nicht auskreuzen, Gerstenpollen gibt es in der Luft nicht, zwei Drittel der Bevölkerung sei für die Agro-Gentechnik und mehr wird behauptet, während in internen Papieren zu lesen, dass ein erhöhter Spitzmittel- und Düngereinsatz sogar das Ziel der Einführung der Gentechnik war. Eigentlich nicht überraschend, denn daran verdienen sie das richtig große Geld. Es war und ist naiv, mit denen um den richtigen Weg zu weniger Leid für Millionen von Menschen und den Schutz der Umwelt zu diskutieren, die an Hunger, Krankheit und Umweltzerstörung verdienen.
Aus der Studie von Ute Sprenger
Während die Firmen im Vordergrund eine gewaltige PR-Blase aus Heilsversprechen aufbauen, entwickeln sie im Hintergrund Pflanzen, die ihr Kerngeschäft absichern: den Absatz von Agrochemikalien. Denn alle „six gene giants“ sind ihrer Herkunft nach Chemieunternehmen, alle erwirtschaften den größten Teil ihres Umsatzes mit Pestiziden.
- Wo die GentechnikerInnen Klartext reden ...: Polemik, Lügen und Preisgabe der eigentlichen Ziele
- Zitate aus der wichtigsten Propagandabroschüre - und was davon zu halten ist
- Gentechnik-Produkte erfüllen Erwartungen nicht (Quelle: Umweltinstitut München) ++ Artikel dazu auf Telepolis (14.2.2008)
- Stellungnahme des Bundesamtes für Naturschutz zur Frage von Welternährung, Umweltschutz und Gentechnik
Lüge 1: Gentechnik hilft gegen Hunger und Armut
Fangen wir mal mit dem Argument an, was nicht nur am häufigsten genannt, sondern bei dem auch am dreistesten gelogen wird. Denn die Behauptung, Gentechnik sei ein Mittel gegen den Hunger, ist gleich doppelt falsch - die Agro-Gentechnik kann nicht gegen den Hunger helfen. Und soll es nicht. Aber der Reihe nach ...
Schauen wir zunächst einmal in die Propagandatexte, -broschüren und -internetseiten der Pro-Gentechnik-Akteure. Harmlos wirken die freundlichen Beteuerungen, dass wir mehr gegen den Hunger in der Welt tun und dazu alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden müssen. Da tauchen selbst auf offiziellen Seiten zu Regierungsprogrammen wie GABI alte Kampfbilder auf, z.B. die "Bevölkerungsexplosion" (eine Erfindung aus den Federn derer, die unerwünschte Teile der Menschheit reduzieren wollen - tatsächlich sinkt der Bevölkerungszuwachs schon seit langem, was nicht verharmlost werden soll, aber eben keine "Explosion" ist). Andere, durchaus veränderbare Praktiken der Umweltzerstörung und Ausbeutung werden wie Naturgesetze einfach hingenommen. Das liest sich denn so: "Durch die Bevölkerungsexplosion und den zunehmenden Verbrauch an Fleisch wird sich diese Situation in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Klimawandel und Extremwetter tragen Weiteres zum Problemfeld bei." Dann leitet der Text sanft über in die vermeintlich bessere Zukunft, die da heißt: Gentechnik. "Guter Rat ist nicht nur teuer, sondern dringend erforderlich. ... Heute hofft man durch eine bessere Vernetzung der Forschung, vor allem aber durch die konsequente Nutzung der durch die Molekularbiologie und Genomforschung geschaffenen Möglichkeiten, ans Ziel zu kommen." Wie schön. Agressivere Köpfe wie der Präsident der DLG (eigentlich ein Dachverband aller landwirtschaftlichen Strömungen, in denen ja nur eine kleine Minderheit, die allerdings die zentralen Apparate beherrschft, pro Gentechnik eintritt) und der Pflanzenzüchterverband BDP geißeln die Kritik an der profitablen Technik "als verantwortungslos gerade in Zeiten weltweiter Verknappung auf den Agrarrohstoffmärkten und angesichts von Hungerrevolten an den benachteiligten Standorten dieser Welt, zudem als extrem egoistisch". Der Mythos vom Hunger erfasst dabei fast die gesamte politische Spitze: "Den Herausforderungen, die die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung und ihr Energiehunger stelle, könne man anders kaum beikommen", phantasierte beispielweise Sigmar Gabriel, inzwischen Chef der SPD, anläßlich eines Besuchs beim Gentechnikkonzern KWS in Einbeck. Dessen Propaganda schien er gut gefressen zu haben - den Weltagrarbericht mit seinen präziseren Analysen und Vorschlägen hatte er offenbar nicht beachtet. Ebenso wie die CDU/CSU, deren Bundestagsfraktion wegen der "häufig gravierenden Nahrungsmittelknappheit in Entwicklungsländern" eine "eine Ablehnung der Biotechnologie" für "unverantwortlich" hält. "Wir haben auch in Deutschland eine Verantwortung für in Zukunft weltweit 9 bis 10 Milliarden Menschen", befand der CDU-Politiker Peter Stein und dachte, geschichtslos wie üblich, mal wieder daran, die Welt mit deutscher Technik zu beglücken. Dass es auch deutsche Patente, Techniken, Missionen und Missionare, Waffen, Außenhandelspolitiken und wirtschaftliche Interventionen in fernen Ländern waren, die das Elend erst erzeugt haben, kam ihm nicht in den Sinn.
Im Original: Parteien, Konzerne und Lobby pro Gentechnik ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Märchenstunde aus dem deutschen Gentechnik-Finanzierungsprogramm GABI unter dem Titel: "Die nächste Revolution":
Obwohl die Erträge weltweit angebauter Getreidepflanzen seit den 50-iger Jahren verdoppelt wurden, ist Hunger das nach wie vor dominanteste Problem. Durch die Bevölkerungsexplosion und den zunehmenden Verbrauch an Fleisch wird sich diese Situation in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Klimawandel und Extremwetter tragen Weiteres zum Problemfeld bei. Guter Rat ist nicht nur teuer, sondern dringend erforderlich.
Eine Gruppe von knapp 30 Genetikern und Pflanzenzüchtern aus 20 Forschungseinrichtungen in fünf Ländern meldet sich im Wissenschaftsmagazin „Science“ mit einer plausibel klingenden Lösung zur Reduzierung des Hungers zu Wort. Diese, so versprechen sie, kann in weniger als 20 Jahren zur Realität werden. Vorausgesetzt die Forschung wird international besser abgestimmt und mit entsprechender finanzieller Mitteln unterstützt. Dabei formulieren die Forscher keine grundsätzlich neue Idee. Bereits in den 60-iger Jahren arbeiteten Forscher in der damaligen Sowjetunion und in den USA an ähnlichen Ideen. ... Heute hofft man durch eine bessere Vernetzung der Forschung, vor allem aber durch die konsequente Nutzung der durch die Molekularbiologie und Genomforschung geschaffenen Möglichkeiten, ans Ziel zu kommen.
Aus der gemeinsamen Stellungnahme von DLG-Präsident Bartmer und BDP-Präsident Dr. von Kameke
Diese gezielte Behinderung des biologisch-technischen Fortschritts in der Landwirtschaft bezeichnen Bartmer und Dr. von Kameke „als verantwortungslos gerade in Zeiten weltweiter Verknappung auf den Agrarrohstoffmärkten und angesichts von Hungerrevolten an den benachteiligten Standorten dieser Welt, zudem als extrem egoistisch“. Leistungsfähige neue Sorten gehören zu den wichtigsten Instrumenten, um trotz Flächenknappheit eine dramatisch wachsende Weltbevölkerung ausreichend ernähren zu können.
Ganz ähnlich in einer gemeinsamen Presseinformation von BDP und InnoPlanta am 25.6.2008
Seit Jahren verhindern Gruppierungen gezielt den biologisch-technischen Fortschritt. Dies ist nicht nur unter forschungs- und wirtschaftlichem Gesichtspunkt verantwortungslos, sondern in Anbetracht der sich zuspitzenden Nahrungsknappheit extrem egoistisch. „Nur mit Zuhilfenahme modernster Methoden in der Pflanzenzüchtung werden wir in der Lage sein, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern und ertragreiche und an veränderte Klimabedingungen angepasste Pflanzen zu züchten“, erläutert Dr. Schmitz weiter.
Aus einem Statement von Dr. Ferdinand Schmitz vom BDP auf der Eröffnung der DLG-Feldtage 2008
Wollen wir in Zukunft die Ertrags- und Leistungspotenziale unserer landwirtschaftlichen Kulturen mit gewohnter Geschwindigkeit steigern, müssen wir Züchter innovative Methoden wie die Pflanzengenomforschung, die Pflanzenbiotechnologie, die Grüne Gentechnik und Smart Breeding in Zukunft gezielt nutzen. Das setzt forschungs- und innovationsfreudige Rahmenbedingungen voraus, das setzt auch einen verantwortungsvollen Umgang aller Beteiligten mit der behutsamen Einführung einer neuen Technologie voraus. Bei einer Entwicklungszeit von bis zu 15 Jahren bis zur marktfähigen Sorte müssen wir Züchter frühzeitig die Anforderungen in der Landwirtschaft und Umwelt erkennen.
Um dieses zu erreichen, müssen die Anforderungen forschungs- und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen stimmen:Wenn die Politik es schafft, diese Rahmenbedingungen zu schaffen, werden Züchter in der Lage sein, die genannten Herausforderungen der Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung und den Konflikt Bioenergie und Nahrungsmittelversorgung maßgeblich zu meistern. Wenn wir eine Lösung wollen, sollten wir mehr über die Chancen moderner Technologien diskutieren.
- Wir benötigen einen starken Schutz des geistigen Eigentums, um Anreize zu schaffen in Neuentwicklungen zu investieren. Die Entwicklung neuer, ertragsstarker Sorten kostet viel Zeit und Geld. Um die aufwändige Züchtungsarbeit überhaupt lohnend zu machen, bedarf es verlässlicher Regeln zum Schutz des geistigen Eigentums und klarer Rahmenbedingungen zur Umsetzung der Schutzrechte.
- Wir brauchen eine zweite Grüne Revolution und eine auf die Zukunft orientierte nationale Agrar- und Züchtungsforschung. Die nationale Agrar- und Züchtungsforschung ist zu einem exzellenten, wettbewerbsfähigen Forschungsstandort auszubauen. Die interdisziplinäre Vernetzung der Agrarforschung soll zügig und anwendungsorientiert Forschungsergebnisse liefern.
- Wir sind auf innovationsfreundliche Rahmenbedingungen angewiesen:
Nur mit innovationsfreundlichen gesetzlichen sowie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden die deutschen Pflanzenzüchter in der Lage sein, an der Lösung der weltweiten Probleme entscheidend mitzuwirken. Auch um die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Landwirtschaft weiter voranzutreiben, können moderne Methoden wie Smart Breeding oder die Grüne Gentechnik einen wichtigen Beitrag leisten, Züchtungsfortschritt zu erzielen.
Genforscher Andreas Schier (FH Nürtingen) im Interview mit Spiegel Online am 2.3.2009
Es gab und gibt keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die ein solches Verbot rechtfertigen würden. Die weltweiten Anbauzahlen gentechnisch veränderter Pflanzen steigen beständig. Die Technik hat sich längst bewährt. Angesichts der großen Herausforderungen wie Klimawandel, Ressourcenverknappung und Bevölkerungswachstum wird sie sich weiter durchsetzen.
Aus einer Presseinfo der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am 3.3.2009
Auch wegen der häufig gravierenden Nahrungsmittelknappheit in Entwicklungsländern wäre eine Ablehnung der Biotechnologie unverantwortlich.
Philip von dem Bussche, Vorstandssprecher der KWS in einer Pressemitteilung: "KWS legt Forschungsversuch auf besetztem Feld in Northeim an" am 29.04. 2008:
Wir müssen Forschung allgemein und dazu gehört auch Forschung im Bereich Grüne Gentechnik in Deutschland betreiben können in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen wie zunehmende Nahrungsknappheit, Verknappung von Energieressourcen und des geforderten Klimaschutzes.
Aus dem Göttinger Tageblatt zum Besuch von Umweltminister Gabriel bei KWS, 12.3.2009
„Wir wollen gentechnisch veränderte Pflanzenzucht auf jeden Fall zulassen“, so der Minister, „aber nicht mit Kollateralschäden in der Natur.“ Forschung in diesem Bereich sei unabdingbar. Denn den Herausforderungen, die die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung und ihr Energiehunger stelle, könne man anders kaum beikommen.
CDU-Politiker Peter Stein, in: MVticker vom 18.6.2009
Die Grüne Gentechnik kann der Schlüssel sein, um zukünftige Ernährungsengpässe der Welt zu vermeiden“, so Peter Stein abschließend: „Wir haben auch in Deutschland eine Verantwortung für in Zukunft weltweit 9 bis 10 Milliarden Menschen."
Auszüge aus der BVL-Broschüre "Die Grüne Gentechnik" (S. 8)
Es kann festgehalten werden, dass die Grüne Gentechnik das Problem von Hunger und Armut in der Welt sicher nicht allein lösen kann. Ebenso wie andere Instrumente der Landwirtschaft kann sie aber einen Beitrag zur Steigerung der weltweiten Erträge leisten.
Aus Horst Rehberger: "Unterwegs" (2009, S. 228)
Die Biotechnologie-Offensive und insbesondere der Kampf für gentechnisch verbesserte Pflanzen sind noch lange nicht zu Ende. Im Gegenteil: Angesichts des dramatischen Bevölkerungswachstums der Erde von 6,6 Milliarden Menschen auf 9,2 Milliarden zur Mitte des 21. Jahrhunderts, des stark ansteigenden Bedarfs an nachwachsenden Rohstoffen sowie des durch den Klimawandel notwendig werdenden raschen Anpassungsprozesses der Kulturpflanzen an neue klimatische Rahmenbedingungen, zum Beispiel durch eine höhere Trockenheitstoleranz, wächst der Handlungsbedarf im Bereich der Grünen Gentechnik rasant.
Grußwort der sachsen-anhaltinischen Landesregierung auf dem InnoPlanta-Forum 2009 (lt. Newsletter-Sonderausgabe)
Bereits das Grußwort der Landesregierung von Sachsen-Anhalt, überbracht durch die für Gentechnik zuständige Abteilungsleiterin aus dem Landwirtschaftsministerium, Anne-Marie Keding (Frau Ministerin Wernicke musste wegen Krankheit absagen), hob die Chancen, die die Grüne Gentechnik bietet, hervor. Sie trage wesentlich dazu bei, die deutsche Ernähungs- und Landwirtschaft weltweit konkurrenzfähig zu halten.
Verheerende Wirkungen der industriellen Landwirtschaft werden verschwiegen - Innovation bringt das Gute!
Aus dem Kapitel "Welternährung" im BDP-Geschäftsbericht 2008/09 (S. 7)
Nur mit innovationsfreundlichen gesetzlichen sowie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden die deutschen Pflanzenzüchter in der Lage sein, an der Lösung der weltweiten Probleme mit Hilfe der Gentechnik entscheidend mitzuwirken und international Schritt zu halten.
Die Behauptung, mit der Gentechnik "will man die Versorgung mit Nahrungsmitteln verbessern" (PTJ), ist eine doppelte Lüge - und deshalb besonders dreist. Doppelt ist sie, weil die Gentechnik erstens nicht gegen den Hunger helfen kann - und zweitens auch nicht gegen den Hunger helfen soll. Sie kann nicht gegen den Hunger helfen, weil das nur ginge, wenn Hunger etwas mit Ertragshöhen zu tun hätte, was nicht stimmt. Und sie soll nicht gegen den Hunger helfen, weil profitorientiertes Wirtschaften am Mangel verdient - ihn also niemals abschaffen will.
Lüge 1 zum Hungermythos: Mangel entsteht nicht durch zu geringe Ertragsmöglichkeiten, sondern ist Mord!
Es gibt in allen Großregionen der Welt die Möglichkeit, ausreichend Nahrungsmittel anzubauen. Fast überall geschieht das auch - und es würde überall für alle Menschen reichen, wenn dieser Nahrungsmittelanbau auch zugelassen würde und die Ernte den Menschen zur Verfügung stände, die dort leben. Genau das aber geschieht nicht. Stattdessen werden mit einem Riesenaufwand und hochvermachtet Lebensmittel ständig um die Welt geschafft (Verteilung ist ein Problem, nicht die Lösung!). Kriege, Vertreibung, patriarchaler Unterdrückung, Zerschlagung lokaler Märkte, Umweltzerstörung, Futtermittelexporte, Nahrungsmittelanbau in Hungerländern für Überschussländer und die fahrlässige sowie, zwecks Preisstabilisierung, gezielte Vernichtung von Nahrungsmitteln sind die Gründe des Hungers. In den letzten Jahren kommt massiv die Biomasse-Produktion zur Energiegewinnung oder anderen industriellen Prozessen hinzu. Ohne diese Faktoren gäbe es heute eineinhalb- bis zweimal so viele Nahrungsmittel wie für alle Menschen reichen würde. Hunger ist keine Katastrophe, sondern künstlich gemacht. Es ist, strafrechtlich betrachtet, Mord - Massenmord. Doch gegen Kriege und die anderen, sozialpolitischen Gründe kann Gentechnik nicht helfen. Im Gegenteil: Die Verknappung des Saatgutes durch gentechnische Veränderungen, Patente und Kombinationen mit Spritzmittelkauf werden einige der Gründe verschärft! Michael Krawinkel, Professorenkollege der Gentechnikprotagonsten Kogel und Friedt an der Uni Gießen, schimpft über den "Missbrauch des Arguments, Grüne Gentechnik leiste einen Beitrag zur Hungerbekämpfung." Stattdessen leisten deren Protagonisten "der Entwicklung Vorschub, dass die Saatgut- und Agrochemiekonzerne des Nordens die Märkte hier und im Süden erobern und die dortige kleinbäuerliche Landwirtschaft verdrängen."
Das alles ist lange bekannt. "In der heutigen Welt gibt es ohnehin genug Nahrungsmittel", wurde Per Pinstrup-Andersen, Generaldirektor des Internationalen Forschungsinstituts für Ernährungspolitik in Washington, schon 1997 vom Spiegel zitiert: "Wenn diese gleichmäßig verteilt wären, müsste niemand hungern." Das wissen auch die fundamentalistischen Gentechnikbefürworter, z.B. die Ex-Ökos und jetzigen Neoliberalen Miersch und Maxeiner. Sie räumen offen ein, es sei Unsinn, dass "ohne Gentechnik die Menschheit verhungern würde, wie es aus den Propagandaabteilungen der Agrokonzerne tönt. Das trifft – jedenfalls zurzeit – nicht zu, denn die Potenziale von Flächenerweiterung und konventionellen Züchtungsmethoden sind noch lange nicht ausgereizt." Das tut auch BASF-Chef Hambrecht. Er weiß, das Hunger "ein Problem der Lagerung von Ernten" ist und "der zu geringen Verfügbarkeit von Land und Wasser sowie zunehmender Trockenheit". Doch dennoch setzt er auf Landnutzung für Biomasse und Industrierohstoffe und will "die grüne Gentechnik in Deutschland weiterentwickeln".
Im Original: Kritik an Hunger-Propaganda ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Nnimmo Bassey, Environmental Rights Action (ERA), Nigeria (Quelle)
Die Biotechindustrie erzählt Afrikanern, dass wir gv-Ernten brauchen, um die Nahrungsbedürfnisse unserer Bevölkerung anzugehen. Aber der Großteil der gv-Ernten werden an Tiere in reichen Ländern verfüttert, um schadhafte Agrotreibstoffe herzustellen, und bringen nicht einmal mehr Ertrag als herkömmliche Ernten.
Aus Fohrmann, Sonja: "Grüne Gentechnik - Produktionsstrategien gegen Hunger", Studienarbeit an der Uni Gießen
Trotzdem wäre theoretisch genügend Getreide zur weltweiten Bedarfsdeckung vorhanden. Dass diese jedoch praktisch nicht erreicht wird, hängt mit der schon beschriebenen Ungleichverteilung und einem anderem Problem, der Verwendung der Hälfte des geernteten Korns als Futtermittel, zusammen. Aus 100 Kalorien Getreide werden nur zehn Kalorien verwertbares Fleisch. (vgl. Immel, 2006, Wettlauf um Nahrung und Ackerflächen)
Genetisch veränderte Pflanzen sind gefährlich und ungesund; die Biotech-Konzerne machen noch immer Versprechungen, die sie nicht halten können, während das wahre Ziel ist, ihre Machtposition bei Saatgut zu festigen um die Welt auszuhungern, schreibt Prof. Peter Saunders in einem Artikel für das Magazin ‘Science in Society’.
Aus der Presseinformation "GLOBAL 2000-Report: Vernichtende Bilanz für Gentech-Pflanzen" (12.12.2008 ++ Download der Studie: Langfassung ++ Kurzfassung (PDF)
Gentech-Pflanzen erhöhen Pestizideinsatz und leisten keinerlei Beitrag gegen Hunger und Armut!
Wien (13. Februar 2008) Gentechpflanzen haben zu einem massiven Anstieg von Pestiziden in der Landwirtschaft geführt und der Beitrag zur Armutsbekämpfung hat sich als leeres Versprechen erwiesen. Zu diesem Ergebnis kommt der neue GLOBAL 2000-Report, der heute im Friends of the Earth-Netzwerk vorgestellt wird. Die Biotech-Industrie schafft es nicht einen einzigen der lange angekündigten Vorteile von Gentech-Pflanzen zu verwirklichen. Im Gegenteil: An Stelle eines Nutzens führt diese Technologie zu einem erhöhten Pestizideinsatz und drastischen Auswirkungen für Mensch und Umwelt. "Unseren KollegInnen aus Afrika wurde versprochen, dass Gentech-Pflanzen den Hunger ihres Kontinents beseitigen werden. Doch der überwiegende Teil wird als Futtermittel oder als Agro-Treibstoff für reiche Länder verwendet. Zusätzlich hat der Anbau zu keinerlei Ertragssteigerungen, sondern zu neuen Abhängigkeiten geführt. Die Bilanz, die die Biotech-Industrie vorweisen kann ist mehr als beschämend", kritisiert Jens Karg, Gentechniksprecher der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. Es wird immer deutlicher, dass die europäische Skepsis gegenüber Gentechnik in der Landwirtschaft mehr als berechtigt ist. "Gentech-Pflanzen sind nicht die Antwort auf die Herausforderungen an die Landwirtschaft in Europa und in sogenannten Entwicklungsländern. Die Methoden der ökologischen Landwirtschaft stellen hingegen einen wirklichen Beitrag für unsere Zukunft dar. Sie sind der richtige Ansatz für lokale Ökonomien, denn sie schaffen Arbeitsplätze, gesunde Nahrungsmittel und schützen unsere Umwelt", so Karg weiter.
Der heute in Afrika, Asien, Amerika und Europa vorgestellte GLOBAL 2000-Report "Who benefits from GM-crops?" zeigt, dass Gentech-Pflanzen einen signifikanten Anstieg von Pestiziden in der Landwirtschaft mit sich bringen. Studien belegen einen 15-fachen Anstieg des Herbizides RoundUp (Glyphosat) in den USA und einen nahezu 80-prozentigen Zuwachs in Brasilien, der auf den Einsatz von Gentech-Pflanzen zurück zu führen ist.
Die im Report analysierten Studien belegen einen Anstieg von immer giftigeren Pestiziden in den USA. Eines davon ist in Europa sogar verboten. In den USA führt der starke Einsatz von Glyphosat nicht zu einem Rückgang anderer Herbizide. Von 2002 bis 2006 hat sich der Einsatz von 2,4,D - einer Komponente von Agent Orange - beim Sojaanbau mehr als verdoppelt. Die Anwendung von Atrazin, das in Europa wegen der gesundheitlichen Auswirkungen verboten ist, ist zwischen 2002 und 2005 im Maisanbau um 12 Prozent angestiegen.
Auch das Versprechen der Biotech-Industrie, den Hunger auf der Welt zu bekämpfen, wird im Report als leere Phrase entlarvt. Der überwiegende Anteil der heute weltweit angebauten Gentech-Pflanzen wird für Tierfutter produziert, um die Fleischnachfrage der Industrieländer zu decken und nicht, um den Hunger in den armen Ländern zu stillen. "Gentech-Pflanzen sind für riesige Mono-Kulturen konzipiert und leisten zur Ernährungssicherheit in klein strukturierten Landwirtschaften keinen Beitrag", so Karg abschließend.
Aus "Wer die Nahrung kontrolliert ...", in: Junge Welt, 13.6.2008 (S. 10 f.)
Weltbank und IWF zwangen Malawi regelrecht, seine großen Maisvorräte zur Schuldentilgung zu verkaufen. Bereits 2001, als sich die Nahrungsmittelkrise abzeichnete, hatte das Land die Maisvorräte angelegt, um deren Folgen abzumildern. Ähnlich wie heute kauften Spekulanten die Vorräte billig auf und verkauften sie später zu hohen Preisen. Der damalige Direktor des IWF, Horst Köhler, und die Weltbank schoben sich seinerzeit gegenseitig die Schuld für den malawischen »Zwangsverkauf« zu. Während der Krise verlangten IWF und Weltbank von der malawischen Regierung die Streichung aller Subventionen für Nahrungsmittel und Landwirtschaft als Bedingung für Entwicklungs- und Hilfsprogramme mit dem Argument, der Markt solle die Nahrungsmittelpreise bestimmen.
Aus einem Interview mit dem Vize-Direktor des Weltagrarrates, Dr. Hans Herren (Direktor des Millenium-Institutes in der Nähe von Washington, D.C. (USA), in: GID Juni 2008 (S. 29-32)
Es kann durchaus sein, dass die Biotechnologien in der Zukunft etwas hervorbringen, das uns weiterhilft, aber bisher ist das eben nicht der Fall. Es heißt bei uns: Man kann Potenzial nicht essen. Seit zwanzig Jahren sagen uns die Leute, es wird mit den Biotechnologien mehr produziert. Aber es wird eben nicht mehr produziert. Es wird weniger produziert, das kann in wissenschaftlichen Journalen nachgelesen werden. Ich sage nicht, dass wir Gentechnologie nicht haben sollten. Wenn es zum Beispiel diese Pflanzen geben würde, die den Stickstoff aus der Luft selber fixieren könnten, wie das bisher ja nur die Leguminosen tun, das könnte uns sicher helfen. Aber das ist kompliziert und die Entwicklung kostet - ohne dass man weiß, ob es klappt - viel Geld. Mit mehr Investitionen - sagen wir in dem selben Rahmen, was heute in der Gentechnologie ausgegeben wird - in die nachhaltige Landwirtschaft könnte man mehr und besser Nahrungsmittel produzieren.Aus "Nahrungsmittel gibt es genug“, in: Spiegel, 15/1997
- Deutsche Übersetzung des Berichts des Weltagrarrates u.a. zu Hunger und Gentechnik
- Internetseite und zusammenfassende Broschüre (deutsch) zum Weltagrarbericht
Genveränderte Pflanzen sollen den Welthunger stillen. Doch die meisten Bauern in der Dritten Welt könnten solche Hochertragssorten gar nicht bezahlen.
Einst versprachen die Wahrsager des gentechnologischen Fortschritts, im Labor die Superpflanze zu schaffen: ein Gewächs, das dreimal schneller emporschießt als die besten heutigen Sorten, eines, das in der Wüste ebenso wächst wie im Sumpfgebiet und sich selbst mit Stickstoff aus der Luft versorgt.
Eine solche grüne Wunderwaffe gegen Not und Elend ist noch lange nicht in Sicht. Die Genjongleure müßten an vielen ErbgutSchrauben gleichzeitig drehen, die sie noch nicht einmal alle kennen. Dennoch versprechen die Euphoriker der Biotechnik unablässig, mit Genpflanzen den Welthunger zu stillen.
Im nächsten Jahrhundert, argumentieren die Gentech-Befürworter, werde die Erdbevölkerung auf zehn Milliarden Menschen steigen. "Ohne Gentechnik werden wir all diese Menschen nicht satt bekommen", behauptet der deutsche Forschungsminister Jürgen Rüttgers. Und Jacques Diouf, Generaldirektor der Welternährungsorganisation FAO, glaubt zuversichtlich, die Gentechnik werde eine neue "Grüne Revolution" in Gang setzen.
Aber schon die erste Grüne Revolution hatte mit einem Fehlschlag geendet. Ende der fünfziger Jahre begannen amerikanische und europäische Agrar-Missionare, die Bauern der Dritten Welt mit ertragreicheren Weizen und Reissorten zu beglücken. Durch die Anbauschlacht sollte mit Gewalt erzwungen werden, daß die erzeugten Grundnahrungsmittel endlich für alle Menschen reichen.
Innerhalb weniger Jahre verdrängten die "Hochertragssorten" in etlichen Entwicklungsländern die Vielfalt der einheimischen Traditionssorten. Die Kehrseite: Die neuen Einheitspflanzen benötigten viel mehr Bewässerung und Kunstdünger als ihre Vorgänger, auch das Saatgut war teuer. Viele Kleinbauein konnten sich das nicht leisten und gaben auf. Fast überall vergrößerten die Großbauern ihren Landbesitz.
Die Verengung auf wenige, genetisch ähnliche Sorten führte zudem dazu, daß Krankheiten und Parasiten in den entstandenen Monokulturen oft größere Schäden als vorher anrichteten. Die verheerende Folge: In Afrika beispielsweise ging der Pro-Kopf-Ertrag zurück.
Der Irrweg, so glaubt der Journalist und Gastrokritiker Gert von Paczensky, werde durch einen massenhaften Anbau von Gentech-Pflanzen noch verstärkt. "Die Rechnung für die Landwirtschaft der Dritten Welt wird wohl noch höher, wenn zu einem Saatgut nur eine bestimmte Pestizidsorte paßt dann muß der Bauer ein noch teureres Paket kaufen."
"In der heutigen Welt gibt es ohnehin genug Nahrungsmittel", meint Per Pinstrup-Andersen, Generaldirektor des Internationalen Forschungsinstituts für Ernährungspolitik in Washington. "Wenn diese gleichmäßig verteilt wären, müßte niemand hungern."
Aber vielleicht haben die Geningenieure den Armen der Welt ja doch noch Gutes zu bieten. Die neueste Idee der Molekularbiologen: Sie wollen Früchte schaffen, die in ihren Zellen Impfstoffe produzieren.
Gearbeitet wird bereits daran, Bananen zu solchen Biofabriken umzubauen. Die Früchte sollen dann später, so die Pläne der Forscher, für billige SchluckImpfungen gegen HepatitisB oder Masern eingesetzt werden.
Solche heilsamen Gengewächse füllen zwar auch nicht die Bäuche. Aber die Hungernden wären wenigstens vor der einen oder anderen tödlichen Krankheit geschützt.
Aus "China, Klima, Gentechnik - drei Irrtümer der Hungerdebatte", in: Zeit online, 17.4.2008
Die Gentechnik wird alles richten! Reine Spekulation
berichtet Christiane Grefe, Landwirtschaftsexpertin der ZEIT
Private Geldgeber engagieren sich zunehmend für die Agrarförderung. Allein die Bill&Melinda Gates Stiftung spendete 300 Millionen Dollar. Doch eine anfängliche Hoffnung scheint auch bei diesen Wohltätern verblasst zu sein: Dass die Agrar- und Gentechnologie das Zaubermittel sei, um Hunger und Armut mit höheren Erträgen zu bekämpfen. ...
Die vom Ehepaar Gates gesponserte Agricultural Alliance for Africa (AGRA) setzt daher zunächst auf konventionell gezüchtete Pflanzen und auf Strategien, die ausgelaugten afrikanischen Böden zu verbessern, Bewässerungssysteme und Märkte zu schaffen. "Afrikanische Bauern können sich auch ohne Gentechnik aus der Armut retten", sagte der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan, seit vergangenem Jahr AGRA-Präsident.
Auch Pedro Sanchez, ein Experte für Tropenlandbau an der New Yorker Columbia University, sieht "gezielte Investitionen in chemische Agrar-Inputs" als wichtigstes Element, Kleinbauern zu helfen. Das heißt, sie sollten mit Dünger und Pflanzenschutzmitteln versorgt werden.
Eric Holt-Gimenez ist aber skeptisch angesichts solcher Strategien. Der Forscher der kalifornischen Aktivistengruppe "Food First" glaubt nicht daran, dass man technokratische Lösungen von außen in die afrikanischen Gesellschaften hinein tragen sollte. Das sei wenig nachhaltig. "Wenn die Grüne Revolution in Afrika bisher gescheitert ist, wie soll dann mehr davon die Nahrungskrise lösen?" fragt er.
Holt-Giminez stellt sich eher eine große Vielfalt agroökologischer Systeme vor, die am jeweiligen Ort ganz unterschiedlich auf die Bedingungen der Landschaft, des Klimas und der Kultur reagieren. Darüber sollten die Kleinbauern alleine entscheiden können.
Aus Michael Krawinkel, "Vom goldenen Reiskorn", in: taz am 25.5.2009
Wenn wir nicht methodenverliebt und mit dem vorrangigen Ziel der Förderung der Agrochemie- und Saatgutkonzerne an das Problem herangehen, geht es um Produktionssteigerung und -sicherung kleinbäuerlicher Landwirtschaft in den Entwicklungsländern selbst. Die steigende Zahl von Menschen, die in Nahrungsunsicherheit leben, zeigt, dass die bisherigen Ansätze dort komplett versagen. Verbesserung lokalen Saatguts, Verminderung der Verluste, die nach der Ernte entstehen, Verzicht auf subventionierte Agrarexporte und Förderung ländlicher Entwicklung sind echte Ansatzpunkte.
Das klingt nicht nach Innovation, aber es ist zielführend - was man von dem Missbrauch des Arguments, Grüne Gentechnik leiste einen Beitrag zur Hungerbekämpfung, nicht sagen kann. Dessen Protagonisten leisten der Entwicklung Vorschub, dass die Saatgut- und Agrochemiekonzerne des Nordens die Märkte hier und im Süden erobern und die dortige kleinbäuerliche Landwirtschaft verdrängen.
Gentechnik hilft nicht, sondern verschlimmert Armut und Hunger
Auszüge aus einem Interview mit Vandana Shiva, in: Junge Welt, 27.11.2007 (S. 8)
Der Hunger kommt in den Ländern des Südens ausgerechnet in bäuerlichen Gegenden vermehrt vor, also dort, wo Menschen Nahrungsmittel anbauen. Das ist doch absurd. Wie kann es sein, daß Bauern, die Nahrung anbauen, Hunger leiden? Sie geraten in eine Lage, die es ihnen nicht ermöglicht, ihre eigenen Nahrungsmittel für sich und ihre Familien zu behalten. Die Ursachen liegen in der Abhängigkeit von Saatgut, Düngemitteln und Pestiziden, die die Agroindustrie ihnen für teueres Geld verkauft. Dies führt nicht nur zu Hunger, sondern auch zur Zerstörung der Natur. Tausende von Bauern bringen sich selbst um, weil die Schuldenlast sie erdrückt. Ich weiß auch von einigen, die ihre Frau oder Kinder verkauft haben, andere haben eine Niere verkauft. ...
Es wird etwa behauptet, dadurch käme es zu höheren Erträgen in der Landwirtschaft. Das ist aber schlicht falsch. Gentechnisch veränderte Nutzpflanzen verbessern nirgendwo auf der Erde die Ernten der Bauern und bringen die Kleinbauern in eine wirtschaftliche Abhängigkeit von den Konzernen. Eine Greenpeace-Studie über die Landwirtschaft in Argentinien beweist sogar, daß sich die Ernteerträge durch Gentechnik verringern. Gleichzeitig steigt der Verbrauch an gefährlichen Pestiziden und teuren Düngemitteln.
Aus "Hungergespenst trotz Rekordernten" in Wiener Zeitung, 21.4.2008
Die hohen Lebensmittelpreise nagen an der Existenz von nahezu der Hälfte der Weltbevölkerung ...
Die erstaunliche Nachricht zuerst: Noch nie wurde so viel geerntet wie im Jahr 2007. Gegenüber dem Vorjahr bedeuteten die geschätzten 1108 Millionen Tonnen Getreide ein Plus von 4,7 Prozent. Und heuer soll die Menge noch einmal um 2,6 Prozent steigen, sagt die UNO-Behörde "Food and Agriculture Organisation" (FAO) voraus. Und doch gehen Menschen, teils spontan, teils von Gewerkschaften organisiert, auf die Straße, weil sie sich ihr Essen nicht mehr leisten können.
- Beispiel: Gensoja vertreibt Kleinbauern, Bericht "Ausverkauf an Genlobby" in: Junge Welt, 14.11.2007 (S. 9)
Im Original: Pro-Gentechnik-Leute entlarven Hungermythos ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Bauernverbandspräsident Gerhard Sonnleitner im Interview der Süddeutschen Zeitung am 22.4.2008
Das Problem ist, dass die Versorgungssicherheit nicht mehr gegeben ist, weil die Bauern aufgrund der örtlichen Verhältnisse in vielen Entwicklungsländern ökonomisch nicht überleben konnten. Verschärft wird die Dramatik dadurch, dass die vorhandene Nahrung vor Ort durch Korruption und Spekulation zurückgehalten wird. Angefangen von den großen "Heuschrecken" bis hinunter zu den Kleinen wird munter spekuliert - zum Schaden der Bevölkerung. ...
Wenn wir Versorgungsengpässe vermeiden wollen, müssen wir insgesamt die Spekulation mit Hedgefonds besser in den Griff bekommen. Diese virtuelle Welt der Spekulation schädigt die reale Welt. Das sehen wir derzeit in den Entwicklungsländern. Und wir müssen bei diesen Ländern mehr auf Good Governance setzten - das heißt, wir dürfen nur jene Länder unterstützen, die auch den Landwirten ihre Rechte geben, die sich um den ländlichen Raum kümmern.
sueddeutsche.de: Unionsfraktionschef Volker Kauder rief dazu auf, die Gentechnik zu nutzen, um die Nahrungsmittelkrise in den Griff zu bekommen.
Sonnleitner: Nein, Gentechnik löst unsere heutigen Probleme nicht.
Aus einem Interview mit Dr. Gerhard Waitz von der Firma AgrEvo, in: Stern Nr. 37/1996 (S. 164)
Frage: Läßt sich die Weltbevölkerung In zehn Jahren noch ohne Gentechnik ernähren?
Sicherlich. Aber die Gentechnik wird Menge und Qualität der Nahrungsmittel verbessern.
Michael Miersch und Dirk Maxeiner, in der Zeitschrift Focus 6/2002:
Es wird Zeit, die Debatte um grüne Gentechnik neu zu führen. Denn bei genauerer Betrachtung ist es keinesfalls so, dass Gentechnik-Gegner die Moral für sich gepachtet haben. Nicht, weil ohne Gentechnik die Menschheit verhungern würde, wie es aus den Propagandaabteilungen der Agrokonzerne tönt. Das trifft – jedenfalls zurzeit – nicht zu, denn die Potenziale von Flächenerweiterung und konventionellen Züchtungsmethoden sind noch lange nicht ausgereizt. Aber: Ein Stopp der grünen Gentechnik würde ökologische Zukunftsoptionen blockieren.
Eigentlich - aber ...: Genug zu essen da, aber Gentechnik trotzdem nötig. Häh?
Auszüge aus einem Interview mit dem Gentechnik-Lobbyisten Klaus-Dieter Jany, in: FOCUS Nr. 12 (1995)
FOCUS: Können gentechnisch veränderte Pflanzen und Lebensmittel das Welt-Ernährungsproblem lösen?
Jany: Im Prinzip ja. Entwicklungs- und Schwellenländer werden ohne diese Technologie kaum auskommen. Schließlich sind dort die landwirtschaftlichen Produktionsbedingungen sehr ungünstig, vom Klima bis hin zu oft extrem schlechten Böden. ...
FOCUS: Ist Hunger ein Produktions- oder ein Verteilungsproblem?
Jany: Zur Zeit erzeugt die Welt genügend Nahrungsmittel. Ursachen für Hunger sind vor allem instabile politische Verhältnisse, mangelnde Bildung und das Fehlen einer geeigneten Logistik. Doch in 20 Jahren werden sich die Relationen verschoben haben. Die weltweite Produktivität hält dann mit dem Bevölkerungswachstum nicht mehr Schritt. Hier könnte die Gentechnik die Situation entschärfen.
Hinweis: Nach Berechnungen der UNO flacht sich die Bevölkerungskurve ab, d.h. das Bevölkerungswachstum verlangsamt sich und wird in einigen Jahren oder Jahrzehnten voraussichtlich enden. Daher sind die Horrorszenarien ebenso voraussichtlich Unsinn. Von Janys 20 Jahren sind 2009 bereits 14 Jahre herum. Eine Verschärfung des Hungers ist durch Kriege, Wirtschaftskrisen, Biospritproduktion und die Gentechnik selbst eingetreten ...
BASF-Vorstandschef Jürgen Hambrecht am 16.8.2010 in einem Interview mit der SZ
Es ist auch ein Problem der Lagerung von Ernten. Viele Früchte oder Getreide verrotten oder verschimmeln in Asien oder Afrika wegen falscher Lagerung. Aber es ist auch ein Problem der zu geringen Verfügbarkeit von Land und Wasser sowie zunehmender Trockenheit. Deshalb wollen wir die grüne Gentechnik in Deutschland weiterentwickeln und den Landwirten weltweit zur Verfügung stellen.
Lüge 2 im Hungermythos: Gentechnik soll auch gar nicht gegen den Mangel helfen!
Wie mensch es also auch dreht und wendet: Hunger ist kein Argument für die Gentechnik. Denn "2,3 Milliarden Tonnen Getreide wurden 2008 weltweit geerntet, das ist mehr als je zuvor - auch pro Kopf der Weltbevölkerung gerechnet. Doch nur 47 % dieser Ernte dienten der menschlichen Ernährung. Der Rest war Tierfutter, Sprit, industrieller Rohstoff, Abfall" (Eingangsseite zum Weltagrarbericht). Es wäre also möglich, den Hunger schnell zu besiegen. Es ist nicht gewollt. Zum einen wollen die reichen Länder weiter den Zugriff auf Produktionsflächen und Produkte weltweit haben, um ihren Bedarf für industrielle Fleisch- und Warenproduktion zu decken. Zum anderen bringt Profit, was knapp ist. Und so arbeiteren die Gentecknikkonzerne und die mit ihnen verfilzten WissenschaftlerInnen von Beginn an vor allem zu solchen Technologien, die Gewinne erhöhen können, weil sie Mangel oder Zwänge vergrößern. Ein gutes Beispiel ist die Terminatortechnologie. Sie schien den alten Traum der professionellen Pflanzenzüchterlobby zu erfüllen, die LandwirtInnen in totale Abhängigkeit zu treiben. Schon mit Gesetzen, Lizenzen, Sortenschutz und Nachbaugebühren wurde versucht, denen, die das Land bestellen, die Eigenständigkeit zu entziehen. Sie sollten nicht mehr länger einen Teil ihrer Ernte einbehalten und diese wieder aussäen oder sogar auf eigene Faust züchten können. Nun erschien die Gentechnik als scharfe Waffe im Kampf, "neue Märkte in Ländern der Zweiten und Dritten Welt erobern" zu können (Aussage US-Landwirtschaftsministerium). Durch entsprechende Manipulation konnte das Saatgut veranlasst werden, sich nach einer Vegetationsperiode nicht mehr aussäen zu lassen - Selbstmord aus der Retorte. Doch die für alle geldquellensuchenden Unternehmen faszinierende Idee geriet in die öffentliche Kritik. Zu offensichtlich war, dass hier Hunger produziert werden sollte. Denn wenn sich LandwirtInnen jedes Jahr das teure Saatgut wieder neu kaufen mussten, ließ sich leicht vorhersehen, wo die letzten LandwirtInnen verschwinden würden: Da, wo wenig Geld vorhanden ist, d.h. wo ohnehin Hunger herrscht. Die profitable Idee erhielt einen wenig freundlichen Namen und schließlich beendete ein Moratorium die Weiterentwicklung der sogenannten Terminatortechnologie. Jedenfalls auf dem Papier. Denn tatsächlich ist sie längst wieder da - nur unter schönerem Namen und im Gewand des Öko-Apostels. Sie heißt nun "Confinement" und definiert auf auf der regierungsoffiziellen Internetseite selbst als "Möglichkeit, die Ausbreitung und damit die Auskreuzung von Transgenen zu verhindern". die Auskreuzung in der Natur beherrschen zu wollen. Dieselben Konzerne, LobbyistInnen und sogenannten WissenschaftlerInnen, die pausenlos erzählen, es Auskreuzung sei kein Problem, nutzen die Behauptung, das nicht vorhandene Problem lösen zu wollen, zu Propagandazwecken und verteilen große Geldsummen. Denn "Confinement" ist der höchstgeförderste Bereich der Biosicherheitsforschung in Deutschland. Unter der Koordinierung der Universitäten Hohenheim und München arbeiten etliche Institute und Institutionen an dieser Technologie.
Im Original: Gentechnik soll Mangel erzeugen ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Auszüge aus der Seite von BioSicherheit zu Confinement/Terminatortechnologie:
Eine Möglichkeit, die Ausbreitung und damit die Auskreuzung von Transgenen zu verhindern, ist eine gezielt hervorgerufene Samensterilität. Es gibt verschiedene molekularbiologische Konzepte, um Pflanzen zu erzeugen, die nicht oder nur nach Behandlung mit Chemikalien auskeimen. Allerdings: Diese als Terminator-Technologie bekannt gewordenen Ansätze sind umstritten. ...
Terminator soll verhindern, dass Landwirte das Saatgut der damit versehenen Pflanzen selbst vermehren, so dass sie gezwungen sind, Saatgut jedes Jahr neu zu kaufen. Nach heftigen Diskussionen haben sich zumindest einige Agro-Unternehmen verpflichtet, auf die Terminator-Technologie zu verzichten. Doch: Da sie das Auskeimen der Samen unterdrücken, können GURT-Technologien wie das Terminator-Konzept grundsätzlich auch dazu verwendet werden, um Vermehrung und Ausbreitung von gv-Pflanzen zu verhindern. ...
Würden die Pflanzen tatsächlich nur solche Letal-Gene enthalten, wäre eine Vermehrung auch für Züchter und Saatgutproduzenten unmöglich. Es sind also weitere Komponenten nötig, mit deren Hilfe die Samensterilität wieder aufgehoben werden kann. Auch dafür gibt es verschiedene Systeme. Gemeinsam ist ihnen, dass neben dem Letal-Gen weitere Genkonstrukte in eine Pflanze eingeführt werden müssen. Diese sind meist an einen Promoter gekoppelt, der durch einen chemischen Wirkstoff (Induktor) angeschaltet wird. Die so aktivierte Wirkung dieses Gens „neutralisiert“ das Letal-Gen. Ein System beruht darauf, dass das Saatgut einer gv-Pflanze nicht keimfähig ist. Der Landwirt muss zusammen mit dem Saatgut eine passende Chemikalie erwerben. Nur wenn er das Saatgut mit diesem Induktor behandelt, keimt es aus.
Auszüge aus der Bundestagsdrucksache 16/10751
![]()
![]()
![]()
Aus GM-Watch Nr. 83 (August 2010) ++ Aktionsaufruf gegen die Rückkehr des Terminators
Vier Jahre nach der Bestätigung des Moratorium für Terminator-Technologie durch die Konvention über Biologische Vielfalt (CBD) der Vereinten Nationen sind Vorschläge zur Entwicklung und Kommerzialisierung von „Genetic Use Restriction Technologies“ (GURTs) wieder auf der Agenda von politischen Entscheidungsträgern und der Biotech-Industrie.
Terminator stellt eine Bedrohung für Nahrungssouveränität und Agrobiodiversität dar: Eine Beendigung des Moratoriums wird die Kontrolle des Saatguts durch Transnationale Konzerne verstärken und die bäuerlichen Rechte zur Aufbewahrung und Aussaat geernteten Saatguts weiter beschränken. Darüber hinaus wird der Pollen von Gentech-Pflanzen mit Terminator den konventionellen und ökologischen Anbau ebenso kontaminieren wie einheimische Pflanzenarten.
Die Industrie behauptet, Terminator würde als eine vorbeugende Umweltnotwendigkeit gebraucht, um genetische Verunreinigung von Nahrungspflanzen und anderer natürlicher Lebensformen mit Gentech-DNA aus Nicht-Nahrungspflanzen einzuschränken.
Aus "Terminator-Technologie vor dem Durchbruch" (Quelle: Umweltinstitut München)
Weltweit versuchen große Agrokonzerne wie Monsanto, Bayer, Syngenta oder DuPont, das Recht auf den freien Nachbau von Saatgut zu unterminieren. Der perfideste Schachzug der Agrarmultis ist dabei der Versuch, die genetische Sterilisierung von Saatgut durchzusetzen. Die so genannte Terminator-Technologie, die auch als GURTs (genetic use restriction technolgies) bezeichnet wird, macht Pflanzen mittels eines gentechnischen Eingriffs nach einmaliger Aussaat steril, indem sie den Keimling im ausgereiften Samenkorn abtötet. ...
Im Jahr 1998 brachte die unabhängige kanadische Organisation RAFI (heute ETC Group) ans Tageslicht, dass das US-Landwirtschaftsministerium zusammen mit dem Agro-Konzern Delta & Pine Land ein Patent auf die „genetische Kontrolle der Keimung von Pflanzen“ angemeldet und bewilligt bekommen hatte. Nach Aussage von Regierungsbeamten ging es bei der Entwicklung darum, den unautorisierten Anbau von gentechnisch veränderten und damit patentgeschützten Pflanzen durch Landwirte zu verhindern. Nach Angabe eines Sprechers des US-Landwirtschaftsministeriums wollte man dadurch „den Wert patentierten Saatguts von US-Konzernen steigern und neue Märkte in Ländern der Zweiten und Dritten Welt erobern“. ...
Die Terminator-Technologie ist für die Konzerne des Agrarsektors eins von zwei zentralen Werkzeugen, ihre angeblichen „geistigen“ Eigentumsrechte an gentechnisch veränderten Pflanzen abzusichern und die Rechte der Bauern möglichst vollständig abzuschaffen. Zeitgleich mit dem Versuch, Terminator-Technologie zu legalisieren, wollen die Lobbyorganisationen der Industrie die Rechte der Bauern auf Wiederverwendung von Saatgut auf dem Rechtsweg tilgen. ...
Die Lawine massiver Kritik bewog einige große Konzerne wie AstraZeneca (heute Syngenta) und Monsanto, öffentlich zu versichern, dass sie keine Kommerzialisierung von Terminator-Technologien im Sinn hätten. So äußerte ein Sprecher von AstraZeneca im Februar 1999: „Zeneca entwickelt keine Systeme, die Bauern vom Nachbau von Saatgut abhalten würde, noch beabsichtigen wir dies in Zukunft.“ Im Oktober 1999 gab auch Monsanto in einem Brief an die Rockefeller Stiftung dem internationalen Druck nach und versicherte, der Konzern würde keine „genetischen Schutzmechanismen entwickeln, um Saatgut steril zu machen.“ Der Terminator schien, zur großen Erleichterung von Landwirten auf der ganzen Welt, besiegt. ...
Nachdem der Versuch, Terminator-Technologie als „biologischen Patentschutz“ auf den Markt zu bringen, gescheitert war, hat sich die Strategie der Industrie in der Zwischenzeit gewandelt. Terminator-Technologie soll jetzt unter dem Deckmantel des „grünen“ Terminators durchgesetzt werden. ...
Zynisch ist das Ausweichen der Konzerne auf den Bereich Umweltschutz vor allem deshalb, weil die wahren Auswirkungen einer Kommerzialisierung der Technologie verschleiert werden. Die sozialen Auswirkungen eines großflächigen Einsatzes von Terminator-Saatgut könnten verheerend sein. Zum einen verlieren Bauern durch Terminator-Pflanzen grundlegende Rechte, vor allem das Grundrecht auf Wiederverwendung von Saatgut. Speziell für die armen Landwirte in Afrika oder Asien ist jedoch der Kauf von Saatgut mit einer Verschuldungsspirale verbunden, die schon während der „grünen Revolution“ Millionen von Kleinbauern in den Ruin trieb. Die Durchsetzung von Terminator-Saatgut in diesen Ländern – und niemand wird ernsthaft bestreiten, dass die Konzerne die Macht haben, die Technologie auf den Märkten durchzusetzen – würde diese Entwicklung weiter forcieren und festschreiben.
- Flyer zur Terminatortechnologie ++ Ausführliches Hintergrundpapier (www.freie-saat.de)
- Infoseite beim Gen-ethischen-Netzwerk ++ Flyer des Umweltinstituts München
Die meisten derer, die Terminatortechnologie entwickeln, schweigen betreten über das, was sie da tun. Eine der wenigen Ausnahmen ist das Internetlexikon Wikipedia, seit Einführung der totalen Kontrolle nicht nur mit wachsenen Fehlerzahlen, sondern auch immer näher am herrschenden Diskurs. Terminatoren "sind ein biologischer Mechanismus zum Schutz von geistigen Eigentumsrechten und bieten damit einen Anreiz für private Forschung und Entwicklung, was die Wohlfahrt steigert." Hunger ist Wohlfahrt für die anderen - deutlicher geht es kaum!
Biosprit und Viehfutter - zwei der Gründe für den Hunger
Wer Hunger besiegen will, muss die Gründe für den Hunger beseitigen. Neben den weiteren genannten Ursachen für Mangel- und Unterernährung spielt die zunehmende Verwendung von Nahrungsmitteln als Biomasse und Viehfutter eine große Rolle. Energiesparen, Umstellung der Energieproduktion und zumindest weniger und freilandhaltungsorientierte Tierhaltung wären folglich die passende Antwort. Doch auch hier zeigt sich: Hunger wird gemacht und ist gewollt. Sowohl der Einsatz von Nahrungsmitteln als Biomasse wie auch die Verfütterung an Tiere soll weiter ausgebaut werden. Der daraus resultierende Hunger ist kalkuliert und gewollt. Massenmord ist alltägliche Politik und Praxis.
Im Original: Nahrungsmittel als Biomasse und Viehfutter ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus "Hohe Dynamik am Weltgetreidemarkt", in: Saat-Gut! (Newsletter des Gemeinschaftsfonds Saatgetreide 2/2008)
Derzeit entfallen nur 5 Prozent des weltweit verwendeten Getreides auf die Herstellung von Biotreibstoffen. Als Futtermittel werden ungefähr 35 Prozent, als Nahrungsmittel und Saatgut 60 Prozent verwendet.
2009: IPK und Bayer gründen Joint Venture zur Entwicklung von gv-Raps. Aus Agrarheute vom 18.2.2009:
Bayer CropScience und das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) haben eine Forschungsvereinbarung zur gemeinsamen Entwicklung von gentechnisch modifiziertem Hybridraps geschlossen.
Im Rahmen der Zusammenarbeit sollen in Zukunft die in Gatersleben bei Magdeburg entwickelten Innovationen in das InVigor Raps-Saatgut von Bayer CropScience eingekreuzt werden. "Wir freuen uns sehr, gemeinsam mit einem starken Partner wie dem IPK innovative Lösungen zu entwickeln, um der steigenden Nachfrage der Industrie nach Pflanzenölen begegnen zu können.
Aus einer Presseinfo der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am 3.3.2009
Die "grüne Gentechnik" ist international anerkannt; das Potential neuer Eigenschaften von biotechnologisch optimierten Organismen muss auch in Deutschland weiterhin genutzt werden können. Weltweit fehlen Agrarflächen, z.B. für den Anbau von Pflanzen für die Energieerzeugung. Deshalb müssen auf den vorhandenen Flächen hocheffektive Pflanzensorten angebaut werden können.
Grafiken zur Verwendung von Nahrungsmitteln in Deutschland (oben, größer durch Klick, Quelle)
und weltweit (unten, Quelle durch Klick).
![]()
![]()
- Text "Nimmt uns die Getreideverbrennung das tägliche Brot?" von Meinolf G. Lindhauer (Detmold) aus Forschungsreport 2/2008
Geht der Welt das Getreide aus? „Getreide für den Tank stürzt immer mehr arme Länder in Hungersnöte“ – „Energiegewinnung treibt die Brotpreise in die Höhe“ – Solche und ähnliche Schlagzeilen beherrschten die öffentliche Wahrnehmung zum Ende des Jahres 2007 bis in den Sommer 2008. Was war geschehen? (Beitrag als PDF)- Einsatz von Lebensmitteln als Tierfutter soll sich bis 2050 verdoppeln! (top agrar am 28.5.2009)
Weitere Texte zum Hungermythos
Im Original: Faltblatt "Hunger oder Gentechnik!"... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
"Die Hungernden sind die Nahrung der Macht" so lautete der Titel einer Broschüre aus den frühen 80er Jahren. Darin wurde die Bevölkerungs- und Entwicklungshilfepolitik der reichen Länder sehr grundlegend kritisiert. Zwanzig Jahre später bekommt dieser Titel eine erschreckende Aktualität. Die USA bietet als Hungerhilfe notleidenden südafrikanischen Ländern gentechnisch veränderten Mais an. Dieser Mais stammt aus Überschüssen der Produktion der USLandwirtschaft und wird pur oder vermengt mit konventionellem Mais angeboten. Diese Hungerhilfe ist allerdings nicht nur in den ethischen Prinzipien der USA begründet, sie ist Teil einer weltweiten Marketingstrategie. Ziel ist, die patentgeschützten, gentechnisch veränderten Sorten auf möglichst vielen Märkten zu etablieren und sich so weitere Marktanteile des weltweiten Saatgut- und Agrochemikalienmarktes zu sichern. Dazu werden die Maiskörner so geliefert, dass sie auch ausgesät werden können. So werden einerseits die gentechnikfreien Absatzmärkte dieser Länder - zum Beispiel in der Europäischen Union - zunichte gemacht, andererseits wird ein Saatgut etabliert, das durch Patente geschützt und auf große Mengen Dünger und Pestizide angewiesen ist.
Zum Beispiel Simbabwe:
Die Regierung von Simbabwe hatte eine Hilfslieferung, die mit Gen-Mais verunreinigt ist, zunächst abgelehnt. Erst vor einem halben Jahr hatte der Landwirtschaftsminister den Import von gentechnisch verändertem Mais verboten. Begründet wurde dies mit gesundheitlichen Risiken. Nach längeren Verhandlungen wurde die Hilfe allerdings doch akzeptiert. Bedingung ist aber, dass der Mais nur in gemahlener Form in das Land geliefert wird, damit er von der Landbevölkerung nicht als Saatgut benutzt werden kann. Die Lieferung umfasst 10.000 Tonnen mit einem Gesamtwert von 300 Millionen US-Dollar. In dem südost-afrikanischen Land sind nach einer Dürre-Periode Hunderttausende Menschen von Hunger bedroht. Nach Angaben des Weiternährungsprogramms und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen könnten bis zum Ende des Jahres bis zu sechs Millionen betroffen sein.
Zum Beispiel Sambia:
Sambia hat die Lieferung von gentechnisch verändertem Mais nach anfänglichem Zögern jetzt endgültig abgelehnt. Zur Begründung waren Gefahren für die Bevölkerung angeführt worden. Wörtlich erklärte der Präsident Levy Mwanawasa, dass das sambische Volk nicht als Versuchskaninchen zur Verfügung steht. Zudem wurde deutlich, dass bis Ende Dezember noch ausreichend gentechnikfreie Nahrungsmittel verfügbar sind. Bis dahin sieht der Präsident gute Chancen, weitere Lieferungen gentechnikfreier Nahrung zu bekommen.
Zum Beispiel Malawi:
Malawi ist eines der am stärksten von Nahrungsmittelknappheit betroffenen Länder des südlichen Afrikas. Auch hier wurde nach anfänglichem Zögern die Lieferung von 73.000 t gentechnisch verändertem Mais aus den USA angenommen, allerdings ebenfalls nur in gemahlener Form.
UN-Organsationen schwenken zunehmend pro Gentechnik um
Nicht nur die Nahrungsmittelprogramme der USA etwa im Rahmen von USAID werden zunehmend auf Gentechnik umgestellt. Massive Lobbyarbeit der Gentechnikindustrie hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass auch in UN-Organisationen mittlerweile der Glaube, der Hunger könne mittels Gentechnik bezwungen werden, eingedrungen ist. Im Jahr 2001 hatte sich zum Beispiel das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) in seinem Jahresbericht für die Nutzung der Bio- und Gentechnologie zur Bekämpfung von Hunger und Armut in den Ländern der Dritten Welt ausgesprochen. Im Juni diesen Jahres wurde Sakiko Fukuda-Parr, Direktorin des UNDP und Mitautorin des Berichtes, zu einer Tagung der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED) und Brot für die Welt eingeladen, in der sie sich einer intensiven Befragung stellen musste. Nicht die ökologischen, sondern vor allem die sozio-ökonomischen Risiken der Gentechnologie standen zur Debatte. Auf die Frage, wie Menschen in Ländern der Dritten Welt die Gentechnologie nutzen und sich gleichzeitig gegen die kommerziellen Interessen der Konzerne - etwa durch Patentierung - wehren können, wusste Fukuda-Parr keine Antwort.
In der EU wird die Vorgehensweise der USA bei der Hungerhilfe schon lange grundsätzlich kritisiert. Nordamerika würde damit nur seine Überproduktion loswerden wollen. Von diesem Lösungsansatz sei die EU schon lange abgerückt. EuronAid (die zentrale Beschaffungsstelle für 34 nichtstaatliche Hilfsorganisationen in Europa mit Sitz in Den Haag in den Niederlanden) habe zum Beispiel in 2001 sechzig Prozent seiner Nahrungsmittel für Hilfslieferungen in den Krisengebieten oder in deren Nähe gekauft.
Bündnis gegen Gentechnik-Nahrungsmittel in Afrika
Die "Afrikanische Zivilgesellschaft (african civil society)", ein breites Bündnis aus 26 afrikanischen Ländern, hat sich vehement gegen die Hungerhilfe mit gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln gewandt. Sie lehnen rundheraus ab, Nahrungsmittel anzunehmen, die in den Ländern des reichen Nordens nicht vermarktbar sind. Sie fordern, dass die Hilfslieferungen aus Ländern stammen, die in der Nähe liegen, wie z.B. Tansania oder Uganda, die keine gentechnische Kontaminierung haben. Sie sehen in der Genetifizierung der Landwirtschaft einen neuen Versuch, die afrikanischen Länder abhängig zu machen von Importen aus den reichen Ländern.
Nachhaltige Landwirtschaft hilft besser gegen den Hunger
Zum Erhalt oder zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion in den Ländern mit Nahrungsmittelknappheit ist es erwiesenermaßen sinnvoller, nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben. Landwirtschaft, die die vorhandenen bäuerlichen Strukturen nutzt, die biologischen Ressourcen mit einbezieht und das Wissen der Bevölkerung über Klima, Boden, Nützlinge und Schädlinge bewahrt, hat langfristig bessere Erfolge als eine von außen forcierte hochtechnisierte Landwirtschaft, die viel Kapital, große Flächen, chemischen Dünger, synthetische Pestizide und gekauftes Saatgut benötigt. Es gibt zunehmend Studien, die belegen, dass nachhaltige Landwirtschaft in Kombination mit neuen Anbaumethoden bessere Erträge liefert als die Methoden der Intensivlandwirtschaft inklusive Gentechnik. Ein Beispiel hierfür liefert die "push und pull Methode". Hier werden außerhalb des Feldes Pflanzen kultiviert, die Schädlinge anlocken (pull), und innerhalb des Feldes wachsen zwischen der Saat Pflanzen, die die Schädlinge nicht mögen (push). (Quelle: Gen-ethischen-Netzwerkes)
Im Original: Grüne Revolution ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Beschreibung zur Grünen Revolution unter dem Stichwort Lebensmittelversorgung, in: Microsoft Encarta
Der amerikanische Agronom (Landwirtschaftswissenschaftler) Norman E. Borlaug – er wird oft als der Gründer der so genannten grünen Revolution in der Landwirtschaft bezeichnet – entwickelte ein umfassendes Programm zur Verbesserung des Transfers. Es enthält folgende Schwerpunkte:
- An Stelle von lokalen traditionellen Pflanzen- und Tierzüchtungen und Produktionstechniken sollten „als Paket” importierte neue Züchtungen und Verfahren angewandt werden.
- Die Forschung sollte das jeweilige „Paket” an lokal bedingte Einschränkungen anpassen, zu diesen zählen Umweltbedingungen und die soziale Situation des Landes.
- Die Unterstützung lokaler Behörden sollte über längere Zeiträume gesichert sein, damit man dort praktische Kenntnisse erwerben und diese an die regionalen Nahrungsmittelproduzenten und -händler vermitteln kann.
- Hinzu kommen begleitende Veränderungen der Infrastruktur (Regierungssystem, Gesetzgebung, Bildung, Transport, Kommunikation, Eigentumsverhältnisse). Wesentliche Ziele bestehen darin, die Versorgung mit Lebensmitteln zu sichern, den Bevölkerungszuwachs zu begrenzen und die Lebensqualität zu verbessern.
Sowohl die entwickelten als auch die unterentwickelten Länder haben Schritte unternommen, um das Borlaug-Programm umzusetzen. Gefördert durch die UN (Vereinten Nationen) wurden Organisationen gegründet, die Wege finden sollen, wie das Verhältnis von Angebot und Nachfrage ausgeglichen werden kann. Es wurden weit reichende Handlungsempfehlungen veröffentlicht, der Informationsfluss über den Einsatz technischer Möglichkeiten wurde durch den international verbesserten Kontakt von Wissenschaftlern und Studenten verbessert, und es entstanden Bildungs- und Demonstrationseinrichtungen. Die notwendigen Gelder wurden vorwiegend von den Industrienationen bereitgestellt, doch werden weitere Mittel benötigt. In all diesen Programmen war das vorherrschende Prinzip, Kenntnisse zur Verfügung zu stellen, um es jedem Land oder jeder Region zu ermöglichen, eigene, möglichst effektive Lösungen zu entwickeln. Kritiker des Borlaug-Planes verweisen u. a. darauf, dass der Import neuer Pflanzenzüchtungen zur Abhängigkeit unterentwickelter Regionen von großen Konzernen geführt hat.
Statt Gentechnik: Selbstbestimmte Landwirtschaft, Ernährungssouveränität und ökologischer Landbau
Statt vieler eigener Worte sei auf vorhandene Schriften verwiesen ...
- Weltagrarbericht mit Analysen und Vorschlägen
- Ökolandbau kann Hunger besiegen - Text "Die Zukunft ist öko" in: Junge Welt, 17.7.2008 (S. 9)
Gedankenspiel als Vergleich: Medizin und Nahrung nur noch mit großen Scheinen
In einer Gesellschaft, in der es vor allem um Profite geht, folgt auch die Gentechnik diesem Ziel. Die Technologie ist nicht nur ein unkalkulierbares Risiko, sondern wird immer öfter gezielt gegen Menschen eingesetzt. Dazu gehört die Anmeldung von Genen als Patente. Große Firmen sichern sich den Zugriff auf Tier- und Pflanzenarten, aber auch auf menschliche Gene. Gelingt es ihnen, ein Patent zu erwerben, so kontrollieren sie alle Anwendungen mit diesen Lebensformen. Patentiert werden inzwischen nicht nur gentechnische Veränderungen, sondern auch von Natur aus vorkommende Gene. Der Trick der Konzerne: Sie entwickeln Methoden, mit denen diese Gene untersucht werden könnten - und lassen sich dann alles patentieren, was dann untersucht wurde. Das aber ist dann das unveränderte Gen selbst bzw. das damit lebende Wesen. Die Folgen: Mehr Profit für den Konzern, weniger Lebensqualität für Mensch, Tier oder Pflanze. Ein Beispiel sind Gensequenzen, die Brustkrebs fördern. Die Firma Myriad Genetics hat die Untersuchungsmethode patentieren lassen. Nun verbietet die US-Firma per Gesetz allen andern Forschungslabors, solche oder ähnliche Brustkrebs-Gentests zu entwickeln. Infolge der marktbeherrschenden Stellung durch den Patentschutz hat Myriad Genetics die Preise von Tests für BRCA1- und BRCA-2-Gene erhöht, in manchen Ländern sogar um das Zwei- bis Dreifache. Das können sich viele Menschen nicht mehr leisten und es zeigt sich, was es bedeutet, wenn eine Firma im medizinischen Bereich Genpatente erhält. Den Patienten hilft das nicht, sondern schadet ihm.
Der Vergleich zwischen Medizin und Agro-Gentechnik liegt noch aus einem weiteren Grund nahe, denn einer der Bereiche ist das sogenannte "Pharming" als Verbindung von grüner und roter Gentechnik: Pflanzen werden so manipuliert, dass sie Arnzeimittel erzeugen. Auch hier gilt, dass die Wirtschaftsordnung spätestens auch gute Ideen versauen würde. Denn wo es nur um Profit geht, werden Patente, Lizenzen und ein nur auf Gewinnmaximierung und Monopolbildung ausgerichteter Umgang mit Mensch und Natur vielen sinnvollen Verwendungen im Weg stehen. Risiken und Nebenwirkungen werden im Interesse prall gefüllter Kassen in Kauf genommen - wie am Beispiel der Verbreitungs von Antibiotika-Resistenzen über gv-Pflanzen zu sehen: "Die Öffentlichkeit fürchtet eine mögliche Ausbreitung der Antibiotika-Resistenzgene. Dies wird in der Wissenschaft zwar diskutiert, aber nicht als relevant angesehen", sagt die Deutsche Forschungsgemeinschaft in ihrer Gentechnikbroschüre. Berühmtestes Beispiel ist der 'Golden Rice': Gefeiert als Allheilmittel gegen Vitamin-A-Mangel, durchgesetzt mit brutalen Methoden, bei der die ForscherInnen lässig auch über Leichen gehen würden (siehe unten).
Mehr Informationen
- Genauere Texte auf www.greenpeace.de und www.zeit-fragen.ch
- Extra-Seite zu Hunger und Gentechnik beim Infodienst Gentechnik
- Stellungnahme des Bundesamtes für Naturschutz zur Frage von Welternährung, Umweltschutz und Gentechnik
Lüge 2: Gentechnik hilft den LandwirtInnen
Beliebt sind industrielle Landwirtschaft im Allgemeinen und die Gentechnik fast nirgends. Durchgesetzt wird sie mit viel Geld, den klassischen staatsautoritären Mitteln der Landumverteilung an große Konzerne und einem hochvermachteten und gesteuerten Wirtschaftskreislauf, genannt: Markt. Dass unter dieser ökonomischen Knute die Gentechnik voranschreitet, wird von der deutschen Genehmigungsbehörde, die laut ihrem Namen eigentlich VerbraucherInnen schützen soll, als Argument für die Beliebtheit der Gentechnik verdreht: "Die weltweite Zunahme des Anbaus dieser Pflanzen ist deshalb ein Hinweis darauf, dass diese zumindest für bestimmte Regionen ökonomische Vorteile bieten. Und kein Landwirt wird dieses Saatgut erneut kaufen, wenn er negative Erfahrungen damit gemacht hat."
Im Original: Höhere Ernten und Gewinne für LandwirtInnen!? ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Auszüge aus der BVL-Broschüre "Die Grüne Gentechnik" (S. 15 f.)
Neue Pflanzensorten erlangen nur dann Bedeutung, wenn der erzielbare Nutzen größer als eventuelle Mehraufwendungen bei Anbau und Vermarktung ist. Die weltweite Zunahme des Anbaus dieser Pflanzen ist deshalb ein Hinweis darauf, dass diese zumindest für bestimmte Regionen ökonomische Vorteile bieten. Und kein Landwirt wird dieses Saatgut erneut kaufen, wenn er negative Erfahrungen damit gemacht hat.
Aus der Broschüre "Grüne Gentechnik" der KWS Saat AG
Aufgrund der weiter bestehenden Vorbehalte in Europa erfolgt hier ein Anbau gentechnisch veränderter Sorten bisher auf lediglich rund 100.000 Hektar (2008). Damit bleiben den europäischen Landwirten und letztlich auch den Verbrauchern die Vorteile dieser neuen Technologie weitgehend vorenthalten. ...
Gentechnisch veränderte Pflanzen ermöglichen Einkommenszuwächse bei Landwirten, erlauben einen verringerten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und wirken sich somit positiv auf die Umwelt aus.
- Herz-Schmerz-Artikel "Gentechnik hilft armen Bauern", in: Welt, 5.10.2009
Doch selbst in Deutschland lässt sich sehen, dass es gerade nicht die LandwirtInnen sind, die die gentechnisch veränderte Saat wollen. Bis auf wenige Bauern, die verwandtschaftlich mit Konzernen oder über Mitgliedschaften mit den Lobbyisten der Gentechnik verbunden sind (z.B. die Arbeitsgruppe AGIL innerhalb von InnoPlanta), sind die LandwirtInnen zurückhaltend oder ablehnend gegenüber dem Saatgut mit eingebautem Machtanspruch des Herstellers. Nur auf Teilflächen der Ex-DDR, wo die kapitalistische Übernahme des Jahres 1990 die bereits so vorgeformte DDR-Landwirtschaft mit ihren Großstrukturen erfreut übernommen hat, wurde und wird mehr gv-Saat angebaut. Der Grund ist einfach: Hier sind TraktorfahrerInnen Lohnabhängige - und singen des Lied, des Brot sie essen.
Die Wirklichkeit sieht anders aus: Gentechnik vernichtet lokale Ökonomien und schafft neue Abhängigkeiten. Sie "kostet Arbeitsplätze, bringt Bauern um ihre Absatzmärkte und gefährdet den boomenden Ökolandbau massiv", sagt beispielsweise die ehemalige Landwirtschaftsministerin von Nordrhein-Westfalen, Bärbel Höhn. Eine Studie zur Ertragssituation von LandwirtInnen kommt zum "Fazit: durch den Einsatz von Gentechnik gelingt es nicht, oder nur unwesentlich, gesteigerte Erträge zu erwirtschaften." Als schwerwiegendes Problem "entwickeln sich vermehrt sogenannte Superunkräuter, was wiederum zu einen höheren Einsatz von Spritzmitteln führt." Das musste im Januar 2010 selbst eine Gentechnik-PR-Plattform der Bundesregierung zugeben: "Landwirte in den USA bekommen zunehmend Probleme mit Unkräutern, die gegen bestimmte Herbizide resistent geworden sind." Als dramatisch werden die Folgen für LandwirtInnen in Indien eingeschätzt. Hohe Selbstmordquoten prägen dort das landwirtschaftliche Geschehen. Zwar sind die Ursachen allgemein den Veränderungen der Agrarstruktur und den daraus resultierenden Abhängigkeiten zu sehen. "Viele von Indiens Baumwollbauern enden in einer tödlichen Schuldenspirale. Um Saatgut, Kunstdünger und Schädlingsbekämpfungsmittel kaufen zu können, nehmen sie Kredite auf - meist bei skrupellosen Geldhaien, die astronomische Wucherzinsen fordern." Doch beherrsche "gentechnisch veränderte Baumwolle längst den Markt." Nach einem Bericht der FR am 22.1.2010 "bewerben die Hersteller ihre Produkte als Wunder-Baumwolle, die nicht nur mehr Ertrag verspricht, sondern Schädlingen von alleine trotzt. Und damit den Bauern die Kosten für teure Pestizide spart. Die Bauern tappen damit oft in eine neue Falle. Kritiker monieren, dass die vermeintliche Wunder-Saat nicht nur sechs Mal so teuer ist, sondern auch oft nicht hält, was die Anbieter versprechen. Sie ist obendrein eine Einmalsaat. Jedes Jahr müssen die Bauern also neue Saat kaufen und brauchen wieder Geld." Zynisch erklärte Gentechnikbefürworter Joachim von Braun, Generaldirektor des International Food Policy Research Institute (IFPRI) in Washington, die Konzerne kümmerten sich um die Kleinbauer nicht, "solange die Kleinbauern nicht zahlungsfähig sind". Soll es schneller geht, wird neben der ökonomischen Knute die blanke Staatsgewalt ausgepackt - oder getrickst. So wurden mehrfach Lebensmittel- und Saatgutlieferungen, als Hilfe gegen Hunger und Missernten kaschiert, mit gv-Saat verschnitten, um deren Ausbreitung zu forcieren. Ganz platt machten es die USA nach dem Angriffskrieg auf den Irak. Per Siegererlass wurde "die seit Jahrtausenden gepflegte Tradition von Nachbau und Saatguttausch de facto für illegal" erklärt.
Im Original: Gentechnik schadet LandwirtInnen ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus "Kein Beweis für Gentechnik-Vorteile", in: taz, 29.4.2008
Wenn Konzerne wie Monsanto, Bayer oder BASF ihr gentechnisch verändertes Saatgut verkaufen wollen, argumentieren sie vor allem mit Geld: Sie versprechen den Bauern eine höhere Produktivität und damit mehr Gewinn. Von der Industrie unabhängige Wissenschaftler aber bezweifeln die These von der Wirtschaftlichkeit transgener Pflanzen zunehmend. Nun sind auch Forscher des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) zu dem Schluss gekommen, dass ein Nutzen nicht erwiesen sei. Zuverlässige Daten fehlten, obwohl die Saaten schon seit 12 Jahren kommerziell genutzt werden.
Aus "China, Klima, Gentechnik - drei Irrtümer der Hungerdebatte", in: Zeit online, 17.4.2008
Die Gentechnik wird alles richten! Reine Spekulation ... berichtet Christiane Grefe, Landwirtschaftsexpertin der ZEIT
Die vom Ehepaar Gates gesponserte Agricultural Alliance for Africa (AGRA) setzt daher zunächst auf konventionell gezüchtete Pflanzen und auf Strategien, die ausgelaugten afrikanischen Böden zu verbessern, Bewässerungssysteme und Märkte zu schaffen. "Afrikanische Bauern können sich auch ohne Gentechnik aus der Armut retten", sagte der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan, seit vergangenem Jahr AGRA-Präsident.
Auch Pedro Sanchez, ein Experte für Tropenlandbau an der New Yorker Columbia University, sieht "gezielte Investitionen in chemische Agrar-Inputs" als wichtigstes Element, Kleinbauern zu helfen. Das heißt, sie sollten mit Dünger und Pflanzenschutzmitteln versorgt werden.
Eric Holt-Gimenez ist aber skeptisch angesichts solcher Strategien. Der Forscher der kalifornischen Aktivistengruppe "Food First" glaubt nicht daran, dass man technokratische Lösungen von außen in die afrikanischen Gesellschaften hinein tragen sollte. Das sei wenig nachhaltig. "Wenn die Grüne Revolution in Afrika bisher gescheitert ist, wie soll dann mehr davon die Nahrungskrise lösen?" fragt er.
Holt-Giminez stellt sich eher eine große Vielfalt agroökologischer Systeme vor, die am jeweiligen Ort ganz unterschiedlich auf die Bedingungen der Landschaft, des Klimas und der Kultur reagieren. Darüber sollten die Kleinbauern alleine entscheiden können.
Augenzeugnisse des englischen Thronfolgers, Prinz Charles, zu Vorteilen hochtechnisierter Landwirtschaft
Aus einem Interview in der Telegraph, 12.8.2008
"Look at India's Green Revolution. It worked for a short time but now the price is being paid."
"I have been to the Punjab where you have seen the disasters that have taken place as result of the over demand on irrigation because of the hybrid seeds and grains that have been produced which demand huge amounts of water."
"[The] water table has disappeared. They have huge problems with water level, with pesticide problems, and complications which are now coming home to roost."
"Look at western Australia. Huge salinisation problems. I have been there. Seen it. Some of the excessive approaches to modern forms of agriculture."
Gentechnik vernichtet Arbeitsplätze
Aus einem Interview mit der ehemaligen NRW-Umweltministerin, Bärbel Höhn, in: FR, 19.8.2006, S. 12:
Die Agro-Gentechnik ist kein Innovationsmotor, sondern eine Risikotechnologie. Sie kostet Arbeitsplätze, bringt Bauern um ihre Absatzmärkte und gefährdet den boomenden Ökolandbau massiv.
Studie zu Schein-Vorteilen der Gentechnik für LandwirtInnen
Aus einem Bericht über eine Studie "Failure to Yield: Evaluating the Performance of Genetically Engineered Crops"
Das Fazit: durch den Einsatz von Gentechnik gelingt es nicht, oder nur unwesentlich, gesteigerte Erträge zu erwirtschaften. Vielmehr entwickeln sich vermehrt sogenannte Superunkräuter, was wiederum zu einen höheren Einsatz von Spritzmitteln führt. Durch herkömmlich gezüchtetes Saatgut hingegen, so die Ergebnisse der Studie, konnten Ernteerträge gesteigert werden. Dies gelang durch verbesserte Anbaumethoden und die Besinnung auf traditionelle landwirtschaftliche Praxis.Gentechnik und Landwirtselend in Indien
- Weitere Studie zeigt, dass Gentechnik die Probleme sogar vergrößert
Auszüge aus Christine Möhlhoff, "Tödliche Felder", in: FR am 22.1.2010
Baumwolle braucht große Mengen an Düngemitteln und an Pestiziden. Viele von Indiens Baumwollbauern enden in einer tödlichen Schuldenspirale. Um Saatgut, Kunstdünger und Schädlingsbekämpfungsmittel kaufen zu können, nehmen sie Kredite auf - meist bei skrupellosen Geldhaien, die astronomische Wucherzinsen fordern.
Am Ende sehen viele überschuldete Bauern keinen anderen Ausweg mehr, als sich das Leben zu nehmen, um der Schande und der Schuldenfalle zu entkommen. Jedes Jahr berichten Indiens Zeitungen über neue Selbsttötungen. Nach Angaben der Regierung sollen allein zwischen 1997 und 2007 fast 183.000 Bauern in den Freitod gegangen sein. Andere Quellen schätzen die Zahl noch höher. Die meisten schlucken Pestizide, weil ihnen anderes fehlt - ein grausamer Tod. Zurück bleiben meist hilflose Mütter mit ihren Kindern. ...
Tatsächlich beherrscht gentechnisch veränderte Baumwolle längst den Markt. Seit 2002 ist sie in Indien zugelassen, heute wächst sie auf über 66 Prozent der Anbaufläche. Fünf Millionen indische Bauern sollen 2008 bereits die Hightech-Saat ausgesät haben.
Hochaggressiv bewerben die Hersteller ihre Produkte als Wunder-Baumwolle, die nicht nur mehr Ertrag verspricht, sondern Schädlingen von alleine trotzt. Und damit den Bauern die Kosten für teure Pestizide spart.
Die Bauern tappen damit oft in eine neue Falle. Kritiker monieren, dass die vermeintliche Wunder-Saat nicht nur sechs Mal so teuer ist, sondern auch oft nicht hält, was die Anbieter versprechen. Sie ist obendrein eine Einmalsaat. Jedes Jahr müssen die Bauern also neue Saat kaufen und brauchen wieder Geld.
Dennoch sind die verzweifelten Bauern leichte Beute für die schönen Versprechungen. Auch ein Bewusstsein für die möglichen Risiken solcher Gentech-Produkte gibt es kaum. Anders als im Westen wird über gentechnisch veränderte Produkte in den Medien und in der Öffentlichkeit wenig diskutiert.
Aus der BfN-Studie "Welternährung, Biodiversität und Gentechnik" (S. 2 f.)
Welche Auswirkungen die Intensivierung der Landwirtschaft im globalen Maßstab hat, zeigen die Folgen der „Grünen Revolution“, also des Versuchs der Armuts- und Hungerbekämpfung in Schwellen- und Entwicklungsländern seit den 1960ern durch den Einsatz damals als „modern“ geltender Landwirtschaft.
Zwar konnten Ertragssteigerungen durch die Umstellung auf Monokulturen und gezielte Kreuzungszüchtung (Hybridisierung) verschiedener Getreidearten realisiert werden. Dies führte allerdings zu einem höheren Inputbedarf an Dünger, Wasser und Pflanzenschutzmitteln. Die Zahl der angebauten Sorten ging stark zurück. So sank z.B. in Indien die Zahl der Reissorten von etwa 50.000 in den 60er Jahren auf etwa 50 gegen Ende der 90er Jahre (GÖRG 1998).
Auch aus ökologischer Sicht hatte die Grüne Revolution negative Auswirkungen. Der verbreitete Einsatz von Monokulturen weniger Sorten gefährdete die Biodiversität. Die Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten erhöhte sich drastisch. Die angewandten Methoden belasteten Natur und Umwelt und zerstörten ökologische Abläufe, die z.B. zukünftige Bodenfruchtbarkeit und nachhaltige Nahrungsproduktion garantieren. Es kam zu einem enormen Anstieg des Wasserbedarfs, so dass sich innerhalb weniger Jahre u.a. wasser- und bodenrelevante Probleme einstellten (Süßwasserverknappung, Grundwasserabsenkung, Versalzung, Wasserver-schmutzung, Erosion).
Die eingesetzten Methoden waren für Kleinbauern häufig zu teuer und zu aufwändig und deshalb war der Einsatz nur in größeren wirtschaftlichen Einheiten möglich. Zudem gerieten die Kleinbauern in eine finanzielle Abhängigkeit von multinationalen Chemie- und Agrarkonzernen.Gentechnikbefürworter Joachim von Braun, Generaldirektor des International Food Policy Research Institute (IFPRI) in Washington; in: Zeit 23/2008
- Gentechnik führt zu etlichen versteckten Kosten in Lebensmitteln und Saatgut (taz, 20.3.2009)
- Steigende Preise bei Gentechnik-Saatgut
Zeit: Wollen Sie ernsthaft behaupten, die Gentech-Konzerne kümmerten sich um die Probleme der Kleinbauern im Süden?
Von Braun: Nicht, solange die Kleinbauern nicht zahlungsfähig sind.
Auszüge aus "Patente statt Bomben: USA veranlassen Gesetz zur Kontrolle von Saatgut und Ernte im Irak" von Andreas Bauer in: Umweltnachrichten, Ausgabe 101 / Mai 2005
Nach den Plänen von US-Regierung und Agro-Industrie sollen jedoch traditionelle Sorten, freier Saatguttausch und Sortenvielfalt im Irak schon bald der Vergangenheit angehören. Ein Erlass des ehemaligen Zivilverwalters für den Irak, Paul Bremer, könnte die (Ernährungs)Souveränität des Landes so nachhaltig beeinträchtigen wie keine andere politische Intervention aus Washington. Denn dieses Gesetz, von der Besatzungsmacht erlassen und Anfang März vom irakischen Parlament ratifiziert, erklärt die seit Jahrtausenden gepflegte Tradition von Nachbau und Saatguttausch de facto für illegal und forciert das Eindringen der Saatgutkonzerne in den Irak. Als Bremer Ende Juni 2004 Bagdad verließ, hinterließ er der irakischen Übergangsregierung eine Reihe neuer Verordnungen und Gesetzesentwürfe. Unter diesen Gesetzen befindet sich der Erlass 81, der das irakische Patentrecht von 1970 ersetzt. Dieser Erlass über „Patente, Industriemuster, unveröffentlichte Informationen, integrierte Schaltkreise und Pflanzensorten“ stellt gültiges und bindendes Recht dar. ...
Erlass 81 hält fest, dass die darin enthaltenen Vorschriften von großer Bedeutung sind für den Übergang des Irak „von einer intransparenten Planwirtschaft zu einer freien Marktwirtschaft, die gekennzeichnet ist von nachhaltigem Wirtschaftswachstum durch die Errichtung eines dynamischen privatwirtschaftlichen Sektors und vom Bedarf an institutionellen und rechtlichen Reformen, die diesen Übergang wirksam werden lassen.“ Die ‚Reform’ der Landwirtschaft wird vor allem von der US Agentur für internationale Entwicklung (USAID) vorangetrieben, die seit Oktober 2003 ein ‚Landwirtschaftliches Wiederaufbau- und Entwicklungsprogramm für den Irak’ (ARDI) leitet. Ziel von ARDI ist, die Geschäftsbedingungen für Unternehmen im Agrarbereich zu verbessern und so Märkte für Agrarprodukte und entsprechende Dienstleistungen aus Übersee zu schaffen. ...
Welche Möglichkeit haben Iraks Bauern, mit dieser Situation umzugehen? Sie können zum einen versuchen, weiterhin ihr im Verlauf der jahrelangen Kriege rar gewordenes traditionelles Saatgut zu verwenden, oder sie können die teuren, „neuen“ Sorten der Konzerne Monsanto, Syngenta, Dow und Bayer auf Kredit kaufen, sich damit in die Schuldenspirale begeben, die auch Bauern in Ländern wie Indien ruiniert hat, und zusätzlich das Recht auf Nachbau verlieren. Doch auch die Bauern, die sich für die erste Option entscheiden, werden sich wie ihre Kollegen aus Kanada oder Mexiko nicht vor der Kontamination ihrer Felder durch GVO und andere geschützte Sorten der Großkonzerne schützen können.
Den Gentechnik-ProtagonistInnen sind die Probleme bekannt. Im Januar 2010 musste die Propagandaplattform zur deutschen Sicherheitsforschung selbst über "Probleme mit Unkräutern, die gegen bestimmte Herbizide resistent geworden sind" berichten. Im August 2010 wurde bekannt, dass in China eine Wanzenart die Fraßnische eines durch das BT-Toxin verdrängten anderen Insektes einnahm: "Werden künftig jedoch mehr Bt-Pflanzen angebaut, könnten sie sich - ebenso wie andere, zuvor wenig beachtete Insekten - zu einer Plage entwickeln." Die DFG fördert zwar die Gentechnik mit Millionen, weiß aber auch, dass Patente "das Saatgut verteuern und den Zugang der Landwirte zu neuen Technologien erschweren würden". Das findet die Geldvergabestelle der Bundesförderung, das PTJ in Jülich, aber ganz normal. Es fände "ein internationaler Konkurrenzkampf um die Aufklärung wirtschaftlich bedeutsamer Pflanzengenome, die patentrechtliche Absicherung der Ergebnisse und die dadurch mögliche Verbesserung der Marktposition für neue Pflanzensorten mit spezifischen Eigenschaften" statt - von Vorteilen für Umwelt oder LandwirtInnen ist da nirgends mehr die Rede. Statt nun das kritisch zu hinterfragen, will Deutschland beim ökomomischen Kampfsport einfach nur vorne dabei sein: "Um die Chancen, die sich daraus ergeben, für Deutschland intensiver nutzen zu können und einen Beitrag zur Standortsicherung zu leisten, hat das BMBF die Initiative „Genomanalyse im biologischen System Pflanze – GABI“ ins Leben gerufen." Das dafür auch Patente, die Geldquellen der Zukunft, herausspringen müssen: "Unbestritten sollte sein, dass Erfinder das Recht haben, wirtschaftlichen Nutzen aus ihrem Patent zu ziehen", forderte FDP-MdB im deutschen Bundestag.
Im Original: BefürworterInnen kennen Probleme ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Die DFG, die Agro-Gentechnik befürwortet und finanziell erheblich fördert, warnt vor Patenten (DFG-Broschüre, S. 80)
Die ärmsten Länder wären schlecht beraten, starke Patente auf Pflanzentechnologien zuzulassen, weil diese die Möglichkeit des Nachbaus unterbinden, das Saatgut verteuern und den Zugang der Landwirte zu neuen Technologien erschweren würden.
Aus Bericht auf der Internetseite von BioSicherheit am 11.1.2010:
Landwirte in den USA bekommen zunehmend Probleme mit Unkräutern, die gegen bestimmte Herbizide resistent geworden sind. Eine aktuelle Studie sieht den großflächigen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen als Ursache. ... Bislang treten Unkräuter, die gegen Glyphosat und weitere Herbizide resistent sind, nur punktuell auf - mit einer Ausnahme: In Missouri gibt es größere Populationen des Fuchsschwanzgewächses Amaranthus rudis, die gegen Glyphosat, ALS-Inhibitoren und eine weitere Wirkstoffgruppe resistent sind.
Aus "Bt-Toxin begünstig neue Schädlinge", in: Spektum der Wissenschaft, Aug. 2010
Bei bestimmten Kulturpflanzen wie Mais oder Baumwolle wurde das Bt-Gen ins Erbgut eingefügt. Der eingebaute Fraßschutz macht chemische Schädlingsbekämpfungsmittel überflüssig. Doch was das Insekt tötet, verschafft anderen einen Vorteil. Forscher ... fanden nun heraus, dass auf Feldern mit Bt-Baumwolle in China Weichwanzen, die das Gift tolerieren, den Platz der Baumwolleule einnehmen. ... Bisher galten sie in China als unbedeutende Schädlinge. Werden künftig jedoch mehr Bt-Pflanzen angebaut, könnten sie sich - ebenso wie andere, zuvor wenig beachtete Insekten - zu einer Plage entwickeln.
Auszüge aus der Selbstdarstellung des PTJ, Redakteurin: Claudia Möhring (FAZ, Beirat JKI)
Die so genannte „grüne Gentechnik“, die Anwendung der Gen-Technologie auf Pflanzen und ihre Kompartimente, birgt große Chancen – auch für die Wirtschaft. Mit ihrer Hilfe will man die Versorgung mit Nahrungsmitteln verbessern und interessante Rohstoffe für chemische Prozesse heranwachsen lassen. Längst hat freilich auch ein internationaler Konkurrenzkampf um die Aufklärung wirtschaftlich bedeutsamer Pflanzengenome, die patentrechtliche Absicherung der Ergebnisse und die dadurch mögliche Verbesserung der Marktposition für neue Pflanzensorten mit spezifischen Eigenschaften begonnen. Um die Chancen, die sich daraus ergeben, für Deutschland intensiver nutzen zu können und einen Beitrag zur Standortsicherung zu leisten, hat das BMBF die Initiative „Genomanalyse im biologischen System Pflanze – GABI“ ins Leben gerufen. ... (S. 19)
Für Patente: Mehr Geld für Saatgutkonzerne, weniger für LandwirtInnen
Auszüge aus dem Positionspapier "Patente in der Biotechnologie" des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter (BDP)
Der Patentschutz stellt eine unbedingte Voraussetzung für Innovation im Bereich der sog. grünen Biotechnologie dar. Denn durch das Patent wird forschenden Unternehmen zeitlich begrenzt das alleinige Recht zur Benutzung der eigenen Innovationen gewährt. Erst dadurch können die investierten Forschungs- und Entwicklungskosten der Unternehmen wieder eingespielt werden. Innovation im Bereich der grünen Biotechnologie trägt zu Innovation in der Pflanzenzüchtung bei.
Aus einer Bundestagsrede der FDP-Abgeordneten Happach-Kasan am 2009:
Biopatente sind eine besondere Form des Schutzes geistigen Eigentums. Sie schützen biotechnologische Erfindungen. Es ist völlig unbestritten, dass Autoren das Recht der wirtschaftlichen Verwertung ihrer schriftstellerischen Arbeit haben. Genauso unbestritten sollte sein, dass Erfinder das Recht haben, wirtschaftlichen Nutzen aus ihrem Patent zu ziehen. ...
Der Schutz von Erfindungen ist auch in der Biotechnologie ein entscheidender Motor für wissenschaftlichen Fortschritt. Voraussetzung für die Erteilung eines Patents sind die Kriterien der Neuheit der Erfindung, der Erfindungshöhe, der Reproduzierbarkeit. Nur Erfindungen nicht aber Entdeckungen werden patentiert. Die Anwendung der Vorschriften der Biopatentrichtlinie muss sicherstellen, dass Zugang zu den genetischen Ressourcen offen bleibt. Die Herausforderungen des Klimawandels, die Sicherung der Welternährung, die energetische Nutzung von Biomasse stellen hohe Anforderungen an den züchterischen Fortschritt, denen nur durch Einbeziehung biotechnologischer Züchtungsverfahren begegnet werden kann. ... Es gibt kein Patent auf Leben.
Anmerkung: Statt Argumenten stellt Happach-Kasan etwas als "unbestritten" hin. Zwar ist der Hang nach wirtschaftlicher Verwertung in dieser Gesellschaft (leider) dominant, aber dass es niemanden gibt, der das nicht gut findet, ist frei erfunden. Typischer Fall ideologischer Argumentation!
Keine Frage also: Es interessiert nur Geld und Macht. Die LandwirtInnen kommen im Weltbild der Saatgut- und Agrarkonzerne nur als Geldquelle vor, geworben über bunte Broschüren und gefesselt über Abhängigkeiten. Forschungsmillionen werden investiert, um Techniken zu entwickeln, die LandwirtInnen knechten sollen - so die oben beschriebene Terminatortechnologie. Angesichts der bereits offen sichtbaren Ziele und Praktiken der Agrarkonzerne kann nur spekuliert werden, wie hinter den verschlossenen Türen der Konzernzentralen über die geredet und gedacht wird, deren Geld den Profit bringt. Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) deutete diese Denke am 20. Juli 2007 in Ehingen an: "Es darf doch in Deutschland nicht so weit kommen, dass man einem Landwirt mehr glaubt als einem Forscher."
Schlimmer trifft es da nur noch die Sparte der Landwirtschaft, die fast immer vergessen wird: ImkerInnen, selbstverständlich auch LandwirtInnen mit ihrer Nutztierhaltung, sind in den Strategien der Konzerne schon tot oder zumindest machtlos ausgeliefert der Ausbreitung von Pestiziden und gv-Pollen. "Ob da ein bisschen was vom Bt-Mais dabei ist, ist völlig egal", zeigte Christel Happach-Kasan, FDP-Bundestagsabgeordnete ihre Missachtung vor dem Lebensmittel Honig.
- Bericht über Schäden an Bienen durch Gensoja (INKOTA-Info am 22.12.2009)
Lüge 3: Gentechnik schützt die Umwelt
Als sich der Mythos vom Kampf gegen den Hunger abnutzte, erstrahlte eine neue Werbebotschaft am Himmel der Agro-Gentechnik. Die manipulierten Pflanzen sollten plötzlich die Umwelt schützen. Seit etlichen Jahren nun ist vielerorts zu lesen, die neuen Pflanzen "erlauben einen verringerten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und wirken sich somit positiv auf die Umwelt aus" (KWS). "Eine klare Pestizidreduktion im Anbau bei gentechnischen Pflanzen" sieht Gießens Gentechnik-Professor Kogel. Das bezieht sich vor allem auf den Einsatz von Pflanzen, die per gentechnischer Manipulation ihr eigenes Bt-Pestizid produzieren. MON810 ist ein Beispiel. Für Kogel ist "diese Technik umweltfreundlicher". Kirsten Sinemus und Klaus Minol, die - vollgestopft mit Fördermillionen - im Auftrag der Bundesregierung die offizielle Propagandaseite der Sicherheitsforschung betreiben, wissen, dass "sich beim Anbau von B.t.-Baumwolle in Indien der Verbrauch an Pflanzenschutzmitteln um teilweise 70 Prozent reduzierte (Anbausaison 2001/ 2002). Die Erträge stiegen im Durchschnitt um 80 Prozent gegenüber den Erträgen konventioneller Baumwollsorten." Woher sie die Zahlen haben, blieb unbekannt. Das BVL, immerhin ja die offizielle Bundesbehörde für die Genehmigung gentechnischer Experimente verharmloste das Bt von gv-Pflanzen: "Der dadurch von der gentechnisch veränderten Pflanze erzeugte Wirkstoff, der auch in zugelassenen biologischen Pflanzenschutzmitteln enthalten ist, hat dieselbe Wirkung wie das großflächig ausgebrachte Pflanzenschutzmittel.". Deshalb sei er völlig ungefährlich. Nur stimmt das mit der Gleichheit gar nicht. "Zwischen den von Bt-Pflanzen exprimierten Bt-Toxinen und denen, die in Bt-Präparaten eingesetzt werden bestehen mehrere Unterschiede." (Diss. RWTH) Zudem werden Bt-Toxine unter anderem "durch UV-Strahlen inaktiviert" (UBA), was aber nur außerhalb der Pflanze geschehen kann. In der Pflanze existieren sie in voller Konzentration bis in den Magen derer, die den Mais fressen. Es ist bemerkenswert, wie ein Verbraucherschutzamt mit schlichten Lügen arbeitet. BVL-Vizechef ist Detlev Bartsch. Er arbeitet nebenbei als Privatdozent an der RWTH Aachen. Als solcher betreute und begutachtete er die Dissertation, die die Unterschiede von Bt im gv-Mais und als Spritzmittel untersuchte und beschrieb. Diese Doktorarbeit erschien 2006. Die Broschüre, in der das Märchen vom Bt-Toxin aufgetischt wurde, kam 2008 heraus. Sie wussten es also besser und logen absichtlich!
Große Verlierer des Anbaus von Bt-Pflanzen kann am Ende der ökologische Landbau - und zwar nicht nur wegen der Gefahr der Auskreuzung. Bt-Toxine sind als natürliche Substanz im ökologischen Landbau zugelassen. Entstehen nun durch die Agro-Gentechnik Resistenzen gegen das Bt, fehlt im Öko-Anbau ein umweltverträgliches Spritzmittel. Wer aber die Denkmuster der Agro-Gentechnik-BefürworterInnen begreift, wird kaum erwarten können, dass sie das als Hindernis werten. Eher im Gegenteil: Dem gentechnikfreien Öko-Landbau zu schaden, schafft neue Marktchancen. So wie Pharmaunternehmen an Krankheiten und nicht an wachsender Gesundheit profitieren, haben die Agrokonzerne ein wirtschaftliches Interesse am Desaster in der Landschaft!
Im Original: Pestizide sparen, gut für Klima und Boden ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus dem Positionspapier "Chancen der Grünen Gentechnik" des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter (BDP)
Die Gentechnik wird die klassischen Methoden der Pflanzenzüchtung nicht ersetzen können, sondern bietet ergänzend Lösungen für bestimmte Problemstellungen an. Diese nützen nicht nur der Pflanzenzüchtung sondern kommen auch Landwirten und Verbrauchern zugute. So wurden mit Hilfe der Gentechnik Pflanzen entwickelt, die resistent gegenüber bestimmten Schadinsekten oder Pflanzenkrankheiten sind. Für die Landwirte bedeutet das höhere Erträge und eine umweltschonendere Bekämpfung, der Verbraucher profitiert durch die geringere Belastung mit Pestiziden.
Weitere Einsatzmöglichkeiten der Grünen Gentechnik bestehen in der Entwicklung von Sorten, die an extreme Bedingungen wie Trockenheit oder salzige Böden angepasst sind. Dadurch werden auch ungünstigste Standorte für die Landwirtschaft erschlossen, was wiederum dazu beitragen kann, artenreiche und schützenswerte Gebiete, wie den tropischen Regenwald, zu erhalten. ...
Aus diesen Gründen fordert der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter eine sachliche und konstruktive öffentliche Diskussion über den Einsatz von Gentechnik in Pflanzenzüchtung und Landwirtschaft, bei der nicht unbegründete Ängste geschürt werden, sondern Chancen und Risiken dieser Technologie objektiv gegeneinander abgewogen werden.
Aus der Broschüre "Grüne Gentechnik" der KWS Saat AG
Gentechnisch veränderte Pflanzen ermöglichen Einkommenszuwächse bei Landwirten, erlauben einen verringerten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und wirken sich somit positiv auf die Umwelt aus.
"Grüne Gentechnik - ein Beitrag zur Nachhaltigkeit?", in: mensch+umwelt spezial 2004, S. 48
Mit der Einführung von insektenresistenten B.t.-Baumwollpflanzen, also transgenen Pflanzen, die das Insektizid des Bakteriums Bacillus thuringiensis selbst produzieren, wurden insbesondere in den Entwicklungsländern große Einsparungseffekte erzielt. ... der kalifornischen Universität in Berkeley haben ergeben, dass sich beim Anbau von B.t.-Baumwolle in Indien der Verbrauch an Pflanzenschutzmitteln um teilweise 70 Prozent reduzierte (Anbausaison 2001/ 2002). Die Erträge stiegen im Durchschnitt um 80 Prozent gegenüber den Erträgen konventioneller Baumwollsorten.
Kogel im Interview bei HR-Info am 23.4.2009
Wir haben eine klare Pestizidreduktion im Anbau bei gentechnischen Pflanzen ... die sind dadurch, dass weniger Pestizide eingesetzt werden müssen, im Grunde risikoärmer und sauberer für die Umwelt. Das ist unbestritten, so argumentieren ja auch im Grunde alle Wissenschaftsorganisation in Deutschland im Moment.
Interview mit Prof. Kogel im Deutschlandfunk am 24.6.2009 auf die Frage "Sehen Sie auch Gefahren?"
Wir als Wissenschaftler sehen, dass diese Technik positive Umweltwirkung hat ... Alle Studien zeigen, wenn wir vergleichen: Gentechnik mit konventionellem Anbau, also Einsatz von Herbiziden, von Pflanzenschutzstoffen, ist diese Technik umweltfreundlicher. Und deshalb läuft auch die Diskussion um die Auskreuzung ein bisschen ins Leere. ... ich sage nur, es gibt halt diese vermuteten Umweltwirkungen nicht.
Auszüge aus der BVL-Broschüre "Die Grüne Gentechnik" (erschienen 2008, S. 14)
Dazu wurde den Pflanzen eine Erbinformation aus einem Bodenbakterium (Bacillus thuringiensis, Bt) eingebaut. Der dadurch von der gentechnisch veränderten Pflanze erzeugte Wirkstoff, der auch in zugelassenen biologischen Pflanzenschutzmitteln enthalten ist, hat dieselbe Wirkung wie das großflächig ausgebrachte Pflanzenschutzmittel. ... Gefunden wurden nachteilige Wirkungen in der Umwelt bislang allerdings nicht.
Auszüge aus der Dissertation "Effekte des Anbaus von Bt-Mais auf Nichtzielarthropoden der Krautschichtfauna – Monitoringorganismen und praktikable Erfassungsmethoden" von Jörg Eckert an der RWTH Aachen (erschienen 2006)
Zwischen den von Bt-Pflanzen exprimierten Bt-Toxinen und denen, die in Bt-Präparaten eingesetzt werden bestehen mehrere Unterschiede. In Bt-Insektiziden wird eine Mischung aus Bacillus thuringiensis Sporen und Toxinkristallen angewendet. Bevor die insektizide Wirkung eintritt, ist ein biochemischer Aktivierungsprozess durch enzymatische Spaltung im Insektendarm notwendig (Moar et al. 1990, Gill et al. 1992, Kumar et al. 1996). In Bt-Pflanzen wird das Toxin direkt in seiner aktivierten Form exprimiert, dieses ist zudem etwa 4 kDa größer als das im Insektendarm aktivierte Cry1Ab aus Bt-Präparaten.
Soweit zum Bt-Toxin - schon hier zeigt sich eine brisante Mischung aus Propagandalügen und Unsicherheiten. Das aber ist noch harmlos, denn Bt-Toxine in gv-Pflanzen sind nur eine Anwendung der Agro-Gentechnik. Die zweite zur Zeit flächenmäßig wichtige ist die der Kombination von gv-Pflanzen mit Totalherbizide. Damit ist gemeint, dass eine ganz spezielle Pflanze durch die Genmanipulation so verändert wurde, dass sie einen Giftstoff, der sonst alles pflanzliche Leben tötet, überlegt. Der Agrarkonzern verkauft dann Pflanze und Spritzmittel im Kombipack - ein lukratives Geschäft. Marktführer ist Monsanto mit dem dem glyphosat-haltigen Round up. Zusammen mit der jeweiligen gv-Pflanze wird das Pakat als Roundup-Ready verkauft. Die Buchstabenkombination RR steht deshalb auch einigen Pflanzennamen vorweg. Einzig bisher vermarktetes Konkurrenzprodukt ist das glufosinat-haltige Liberty der Firma Bayer. Im Paket heißt es Liberty Link - und daher stammt auch hier das Kürzel vor dem Pflanzenproduktnamen, z.B. der berüchtigte LL601-Reis.
Die Wirkung der Anwendung von Totalherbiziden auf die Umwelt, ja erst durch die gv-Pflanzen im Ackerbau möglich, scheint noch verheerender als Bt-Toxine. Einer Studie von Carles Benbrook, einem ehemaligen Mitarbeiter des US-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums, zufolge hat sich die verwendete Gift-Menge seit der Markteinführung gentechnisch manipulierter Pflanzen um 145.000 Tonnen erhöht. Die Wirksamkeit der Substanzen, welche die Hersteller gemeinsam mit den gegen sie resistenten Ackerfrüchten vermarkten, hat über die Jahre erheblich nachgelassen, weshalb die LandwirtInnen nach den Beobachtungen des Experten zusätzlich zu anderen Mitteln greifen müssen. Im Jahr 2008 brachten sie 28 Prozent mehr Agro-Chemikalien aus als ihre nicht auf die grüne Gentechnik setzenden KollegInnen. (Quelle: Ticker, Beilage zur Stichwort Bayer 2-3/10, S. 10)
Hauptursache sind Resistenzen, die sich gegen die Totalherbizide bilden. So wurde bereits "nachgewiesen, dass der Einsatz von Gentech-Bauwolle zu Resistenzbildungen beim Baumwollkapselbohrer führt", und , Im Jahr 2010 entstanden in den USA "zunehmend Probleme mit Unkräutern, die gegen bestimmte Herbizide resistent geworden sind" Die Präsidentin des deutschen Bundesamtes für Naturschutz hegte deshalb sogar schon "grundsätzliche Zweifel am Nutzen der Gentechnik auf dem Acker". Denn: "Herbizidresistente Pflanzen wiederum können leicht selbst zu Unkräutern werden, die aufgrund ihrer Resistenz gegen Spritzmittel schwer zu bekämpfen sind. Zudem kann durch den ständigen einseitigen Einsatz des Herbizids die Entwicklung von gegen den Wirkstoff resistenten Unkräutern befördert werden. Diese so genannten „Superunkräuter“ erfordern wiederum einen erhöhten Einsatz von anderen Herbiziden. Es kann also eine Entwicklung eintreten, in der sich Resistenzen und Herbizideinsatz schrittweise gegenseitig hochschaukeln."
Im Original: Resistenzbildung ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
ⱀhrt und teilweise abgeschlossBaumwollschädling entwickelt Resistenzen gegen Pflanzenschutzmittel
Aus einem Pressetext vom 12.2.2008
Tucson/Wien (pte/12.02.2008/13:54) - Wissenschaftler der University of Arizona in Tucson haben in einer aktuellen Freiland-Untersuchung nachgewiesen, dass der Einsatz von Gentech-Bauwolle zu Resistenzbildungen beim Baumwollkapselbohrer führt. Diese Raupe ist der Hauptschädling der Baumwollproduktion. Die Gentech-Baumwolle produziert das Toxin Bacillus-thuringensis (Bt), das eigentlich Schädlinge töten sollte. Die Studie wurde vom Entymologen Bruce Tabashnik vom College of Agriculture and Life Sciences durchgeführt.
Aus Frankfurter Rundschau am 28.12.2008
Jessel hat grundsätzliche Zweifel am Nutzen der Gentechnik auf dem Acker. "Für die Verbraucher haben die bisher auf dem Markt befindlichen gentechnisch veränderten Pflanzen bislang weder die Preise gesenkt noch wurden gesündere Lebensmittel produziert." Überdies hätten "auch auch nach mehr als 15 Jahren intensiver Forschung mit Methoden der Gentechnik entwickelte stresstolerante Pflanzen sowie Pflanzen mit höheren Erträgen noch nicht bis zur Marktreife geführt".
Beate Jessel ist die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN).
Süddeutsche Zeitung am 19.3.2009
Das Bundesamt für Naturschutz betrachtet den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft als riskant.
"Schädlingsresistente Kulturen können direkte Auswirkungen auf die Natur und die Umwelt haben, wenn sie über die Schädlinge hinaus weitere Organismengruppen beeinträchtigen", hieß es in einem Bericht zu Gentechnik und Welternährung, über den am Mittwoch der Bundestags-Agrarausschuss debattierte.
Aus einer Studie von Greenpeace im Jahr 2003
Der Anbau gentechnisch manipulierter Pflanzen hat in den USA zu gesteigertem Pestizideinsatz geführt. So das Ergebnis einer Studie von Dr. Charles Benbrook, ehemaliger Geschäftsführer des Landwirtschaftsausschusses der US-amerikanischen National Academy of Sciences. Herausgegeben wurde der Bericht vom Northwest Science and Environmental Policy Center.
Bericht auf ProPlanta zu "Super-Unkräutern" (15.1.2010)
Landwirte in den USA bekommen zunehmend Probleme mit Unkräutern, die gegen bestimmte Herbizide resistent geworden sind. Eine aktuelle Studie sieht den großflächigen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen als Ursache.
Aus dem Positionspapier des BfN (2009), "Welternährung, Biodiversität und Gentechnik" (S. 7 f.)
Herbizidresistente Pflanzen wiederum können leicht selbst zu Unkräutern werden, die aufgrund ihrer Resistenz gegen Spritzmittel schwer zu bekämpfen sind. Zudem kann durch den ständigen einseitigen Einsatz des Herbizids die Entwicklung von gegen den Wirkstoff resistenten Unkräutern befördert werden. Diese so genannten „Superunkräuter“ erfordern wiederum einen erhöhten Einsatz von anderen Herbiziden. Es kann also eine Entwicklung eintreten, in der sich Resistenzen und Herbizideinsatz schrittweise gegenseitig hochschaukeln. Es ist also stets auf den Gesamtkomplex möglicherweise eintretender Auswirkungen (direkte Wirkungen und Folgewirkungen), auch langfristig zu achten, um einen GV-Einsatz oder entsprechende Alternativmethoden im Hinblick auf ihre Naturverträglichkeit zu beurteilen.
Zudem sind Totalherbizide schlicht Gifte - und können damit Umwelt und Gesundheit schädigen. Für glyphosat-haltige Mittel (also z.B. Roundup) ist das inzwischen auch mehrfach nachgewiesen. Besonders gravierend wirkt sich das in Zonen aus, wo große Monokulturen vom Flugzeug aus besprüht werden und deshalb viele Menschen durch die starke Verteilung des Giftes direkt betroffen sind. Die Folge: "In Argentinien ist das Leben auf dem Land eine gesundheitsgefährliche Angelegenheit geworden."
Im Original: Gesundheitsrisiken durch Totalherbizide... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus Informationsdienst Gentechnik am 14.1.2009
Rückstände auf Gentech-Pflanzen schädigen menschliche Zellen
Rückstände des Glyfosat-Herbizids "Roundup", die bei den meisten auf dem Markt befindlichen Gentech-Lebens- und Futtermitteln nachweisbar sind, können bei menschlichen Zellen schädlich und sogar tödlich wirken - selbst bei sehr niedrigen Mengen. Das ergibt eine französische Studie der Universität Caen. Damit liegt eine weitere Untersuchung zur Gefährlichkeit von Gentechnik für Mensch und Tier vor. Unter dem Handelsnamen "Roundup" vertreibt der Chemiekonzern Monsanto dieses Totalherbizid. Das französische Forscher-Team untersuchte die Wirkung von vier Herbiziden in der Zusammensetzung des Monsanto-Produkts auf unterschiedliche menschliche Zellgruppen. Trotz einer 100.000-fachen Verdünnung führte der Einsatz zu einem völligen Zellsterben in nur 24 Stunden, er blockierte die Zellatmung und verursachte DNA-Schäden.
Aus "ARGENTINIEN: Kranke Dörfer - Gesundheitskrise durch herbizidintensive Sojaproduktion", in: IPS am 5.3.2009
In Argentinien ist das Leben auf dem Land eine gesundheitsgefährliche Angelegenheit geworden. Dies gilt vor allem für die Regionen, in denen das Hauptexportgut Soja in großem Stil angebaut wird. Dort fürchten sich die Menschen vor Krankheit und Tod, die die monokulturelle Landwirtschaft in Form von Pestiziden mit sich bringt. ...
Die hohe Nachfrage in Asien haben der argentinischen Sojaproduktion seit Mitte der 90er Jahre einen unerhörten Auftrieb beschert - auf Kosten der Nahrungsmittelvielfalt, der Viehzucht, der Umwelt und der menschlichen Gesundheit. Der GRR-Studie ''Stoppt das Ausräuchern' ('Paren de fumigar') zufolge werden kleine Familienbetriebe in den Sojaanbauregionen von riesigen Monokulturen umzingelt, mit Glyphosat besprüht und häufig zum Aufgeben gezwungen. Glyphosat wird unter dem Markennamen 'Roundup' vom Biotechnologiekonzern 'Monsanto' vertrieben, der das Produkt in Kombination mit seinem 'Roundup Ready'-Soja anbietet. Dem Multi zufolge ist Glyphosat bei richtiger Anwendung für die menschliche Gesundheit unbedenklich. ...
Eine Untersuchung des Garibaldi-Krankenhauses in der Stadt Rosario in der Provinz Santa Fe bringt Hoden- und Magenkrebserkrankungen in sechs Dörfern mit dem Herbizid in Verbindung. Die Krankheitsrate liegt um das Dreifache über dem nationalen Durchschnitt. Auch Leberkrebs tritt dort zehnmal häufiger auf, Bauchspeicheldrüsen- und Lungenkrebs werden doppelt so diagnostiziert.
Gentechnik erhöht Pestizidverbrauch um 145.000 Tonnen
Resistente Unkräuter zwingen US-Farmer zu verstärktem Gift-Einsatz
Aus einem Artikel über den Benbrook-Report, von: pressetext.austria
Wien (pte/18.11.2009/13:45) - Verheißungsvoll waren die Versprechen der"Grünen Gentechnologie", kaum mehr Pestizide verwenden zu müssen. Nun zeichnet ein neuer Bericht allerdings ein völlig anderes Bild. Seit dem Beginn des kommerziellen Anbaus von Gentech-Pflanzen wurden in den USA rund 145 Mio. Kilogramm mehr Pestizide ausgebracht als zuvor. Ein Grund dafür ist der rasante Anstieg an Unkräutern, die gegen die Totalherbizide immun sind. Die Studie von Charles Benbrook vom Organic Center http://www.organiccenter.org basiert auf Daten des US-Department of Agriculture.
"Die US-Gentech-Landwirte versuchen nun mit noch mehr Chemie den Unkräutern Herr zu werden", meint Global 2000-Gentechnik-Experte Werner Müller http://www.global2000.at im pressetext-Interview. "In ihrem ausweglosen Kampf greifen die Bauern zu immer brutaleren Methoden gegen Umwelt und letztlich auch den Menschen", kritisiert der Experte. So setzen sie "Uralt-Gifte" wie Paraquat und 2,4D - einen Stoff der im Vietnamkrieg als "Agent Orange" verwendet wurde - ein.
Nur geringe Insektizid-Einsparungen bei Baumwolle und Mais
Geringe Einsparungen von Insektiziden konnten bei Baumwolle und Mais erreicht werden, bestätigt die Studie. "Doch auch hier dürfte sich das Blatt bald wenden, sobald die ersten resistenten Insekten die Maisfelder treffen", meint Müller. Kritiker hätten bereits von Beginn an angezweifelt, dass es Einsparungen im Pestizidbereich geben werde. "Außerdem befürchtete man schon damals, dass es bald resistente Unkräuter und Insekten geben wird."
"Doch der enorme Anstieg des Pestizideinsatzes in den USA überrascht selbst die Kritiker", so Müller. "Man sieht, wie verzweifelt die US-Landwirte gegen die Folgen der Gentechnik ankämpfen." Es sei davon auszugehen, dass die "grüne Gentechnik" auch in den USA bereits ihren Höhepunkt überschritten habe. "Angesichts des dramatischen Anstiegs von Problemunkräutern kehren immer mehr US-Landwirte der Gentechnik den Rücken."
Gentech-Unternehmen drängen stärker nach Europa
"Warum man in Europa immer noch auf die Einführung der Gentechnik drängt, ist angesichts dieser Zahlen völlig unverständlich", meint Müller. Europa sollte anstatt in Gentechforschung in den Biolandbau investieren, damit solche Katastrophen wie der Einsatz von Agent Orange gegen Unkräuter erspart bleibe.
"An einem vernünftigen Umgang mit der Natur wie es der Biolandbau vorzeigt, führt kein Weg vorbei. Das lehrt uns die Geschichte der Gentechnik", so Müller. "Mit der Holzhammermethode die Natur zu unterdrücken, gelingt nur wenige Jahre, danach schlägt sie umso unbarmherziger zurück."
- Berichte über den Report: FR, 20.11.2009 ++ Agrar heute am 25.11.2009
Stört das die Agrokonzerne und Gentechnik-ProtagonistInnen? Kein Stück. Im Gegenteil. Sie verdienen an jeder weiteren Panne. Während sie in ihren bunten Prospekten den Umweltschutz als Ziel ihrer Neuschöpfungen kreieren, freuen sie sich schon auf dicke Zusatzgewinnen. Denn der erhöhte Spritzmitteleinsatz als Folge des Einsatzes von Gentechnik ist keine Panne, sondern schlicht das Ziel der ganzen Sache. Uwe Schrader, Chef des Lobbyverbandes InnoPlanta, beschrieb 1999 als Ziel der Einführung von Gentechnik im landwirtschaftlichen Bereich "die Aussicht, in dem stagnierenden Pflanzenschutzmittelmarkt durch Anwendung der Pflanzenbiotechnologie Positionsverbesserungen zu erzielen". Es bedarf keiner großen Statistiken und Studien, dass der Gifteinsatz steigt. Das war immer Ziel der Gentechnikbranche. An den Spritzmitteln ist noch mehr Kasse zu machen - darum ging es. Immer.
Im Original: Gentechnik für mehr Spritzmittelabsatz ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Gentechnik, weil das den Absatz von Pestizide steigere
Aus einem Strategiepapier zur Biotechnologieregion Sachsen-Anhalt von Uwe Schrader (Chef von InnoPlanta)
Der Weltmarkt für Pflanzenschutzmittel beträgt ca. 32 Mrd. $, wovon die Hälfte auf Herbizide, ein Viertel auf lnsektizide, 20% auf Fungizide und der Rest auf Nematozide etc. fällt. Biologische Pflanzenschutzmittel haben keine nennenswerte Bedeutung. Das Pflanzenschutzmittelgeschäft ist oligopolistisch strukturiert. 80% des Weltmarktes werden von 10 führenden Herstellern bedient. Das geringe Marktwachstum bei gleichzeitig hohen Entwicklungsaufwendungen führte zu einer Branchenrestrukturierung, in deren Verlauf Hoechst und Schering ihre Pflanzenschutzmittelaktivitäten 1994 in der AgrEvo zusammenschlossen. Die beiden Baseler Firmen Ciba-Geigy und Sandoz fusionierten 1996 aufgrund des Konzentrationsdruckes in der Pharmaindustrie zur Novartis, womit gleichzeitig der weltgrößte Pflanzenschutzmittelhersteller, Novartis Crop Protection AG, und der zweitgrößte Saatzüchter, Novartis Seed AG, entstanden. 1997 trennte sich das Pharmaunternehmen Eli Lilly von seinem agrochemischen Geschäft und gab es an seinen J.V.-Partner Dow Chemicals ab ( s. Tabelle "Führende Pflanzenschutzmittelhersteller").
Die Aussicht, in dem stagnierenden Pflanzenschutzmittelmarkt durch Anwendung der Pflanzenbiotechnologie Positionsverbesserungen zu erzielen, erklärt die für das Marktvolumen und die Profitabilität der Branche unerwartet hohe interne und externe F&E- Intensität. Die sich abzeichnenden Erfolge in der Einführung von transgenen Kulturpflanzen in Nordamerika, Argentinien und Brasilien haben der durch Übernahme und Fusion von Pflanzenschutzmittelherstellern erfolgten Marktkonsolidierung weiteres Momentum gegeben und zu einer regen Akquisitionstätigkeit der Unternehmen in die Biotechnologie- und Saatzuchtbranche geführt.
Indirekt beschreibt das auch BAYER als Ziel ...
Aus dem Interview mit Bayer-Vorstand Dr. Wolfgang Plischke, in: "research" Nr. 18 (S. 31)
... sind wir die weltweite Nummer eins im Bereich des konventionellen Pflanzenschutzes. Um diese Position zu halten und auszubauen, mssen wir Forschung und Entwicklung vorantreiben ... Entscheidend stärken wollen wir auch den Bereich Bio-Science.
Genauso sieht es auch bei den Düngemitteln aus. Ganz offen wird in Tipps für Geldanleger dafür geworben, Aktien von Düngerherstellern zu kaufen, weil "der wachsende Einsatz der Gentechnik, einen steigenden Einsatz von Düngemitteln erfordert".
Im Original: Gentechnik bringt mehr Düngerabsatz ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus Miriam Kraus, "Gentechnologie erhöht den Bedarf an Düngemitteln" (3.6.2009)
Auch wenn ich nicht glaube, dass Europa in absehbarer Zeit auf den Gentechnik-Zug aufspringen wird, gehe ich dennoch davon aus, dass die Gentechnik, gerade für die Staaten, welche sie bereits nutzen, zu einem der wichtigsten Faktoren für die Zukunft ihrer Landwirtschaft geworden ist. Das Interessante daran ist aber...
... dass der wachsende Einsatz der Gentechnik, einen steigenden Einsatz von Düngemitteln erfordert. Denn aufgrund der genetischen Veränderung steigt der Nährstoffbedarf der Pflanze rasant, die dem Boden damit ebenso schnell verstärkt seine Nährstoffe entzieht. Diese Nährstoffe müssen dem Boden aber wieder zugefügt werden, in Form von - natürlich - Düngemitteln.
In der Not kommt die Gentechnikbranche auf immer neue Ideen, ihr Produkt als Weltretter zu präsentieren. Die „Lösung des Klimaproblems“ wird zunehmend als Vorwand für das Zocken mit Hochrisikotechnologien benutzt, schreibt Jim Thomas in einem Artikel für ‚The Ecologist’. Zu den gefährlichen Technologien, denen nachgegangen wird, gehören Gentech-Pflanzen und das Sprühen von Schadstoffen in die Atmosphäre zur Änderung des Wetters. Leugner des Klimawandels begrüßen diese Ideen, so Thomas, und versuchen damit das Ausbleiben von grundsätzliches Handeln zur Reduzierung von Emissionen zu rechtfertigen. Die Gentechniklobby hingegen mutiert zu Gewinner der Umweltzerstörung. An Dürre, Überschwemmungen und mehr wird wieder nur neues Geld verdient.
- Weiteres Propagandathema zur Gentechnik: Nachhaltigkeit
- GID August 2010 zum Mythos "Klimaschutz durch Gentechnik"
Lüge 4: Gentechnik fördert Nahrungsqualität und Gesundheit
Noch eine Propagandaidee zur Weltrettung wurde in das Werbeportefolio der Agro-Gentechnik aufgenommen: Durch gezielte Manipulation könnten Pflanzen veranlasst werden, Mangelstoffe zu produzieren, die dann die Versorgung mit Vitaminen oder Mineralien verbessern helfen. Klassiker dieser Debatte ist der ewige Fall "Golden Rice", dem dauerhafteten PR-Projekt der Branche, einem mit Provitamin A angereicherten transgenen Reis. Auch er wird auf der Syngenta-Website gepriesen, wobei der Eindruck entstehen könnte, er sei bereits verfügbar: „Durch gentechnische Veränderung können Reissorten entwickelt werden, die nicht nur gegen Krankheiten resistent sind und ungünstigen Umweltbedingungen widerstehen, sondern auch einen höheren Nährwert haben. In Asien, wo bereits heute für zwei Milliarden Menschen 60 bis 70 Prozent der täglichen Kalorienaufnahme durch Reis gedeckt werden, muss die Reisproduktion um schätzungsweise 200 Millionen Tonnen pro Jahr gesteigert werden. Der von Syngenta mitentwickelte 'Goldene Reis' trägt zur Bekämpfung des Vitamin-A-Mangels bei, durch den in Entwicklungsländern jedes Jahr eine viertel- bis eine halbe Million Kinder erblinden." Doch es gibt diesen gv-Reis noch gar nicht als verfügbares Lebensmittel - aber in den Hirngespinsten der PR-Jongleure trägt er schon zur Bekämpfung von Augenkrankheiten bei (mehr in einer Studie zum Thema ++ Infoseite dazu). Ein Blick hinter die Kulissen enttarnt nicht nur Propagandalügen. Sondern zeigt, wie wichtig den GentechnikerInnen die Menschen, ihre Würde und Gesundheit tatsächlich ist. Die Nichtregierungsorganisation “Gentechfreies Wales“ (GM-Free Cymru) deckte auf, dass eine Forschergruppe der Tufts University in den USA heimlich Kinder in einem Versuch mit dem genetisch manipulierten “Goldenen Reis” missbrauchte. Die Details wurden auf der Internetseite für Klinische Studien der US-Regierung veröffentlicht. Eine klinische Studie in China musste vorzeitig beendet werden, nachdem die Regierung herausfand, dass 24 Kinder einer Grundschule in Henyang in der Hunan Provinz zwischen 6-8 Jahren als Versuchskaninchen den Goldenen Reis testen sollten. So menschenfreundlich agieren die selbsternannten Weltverbesserer also in der Praxis!
Im Original: Gentechnik und Nahrungsmittelqualität ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus Klaus-Dieter Jany, "Gentechnik im Agrar- und Lebensmittelbereich. Stand und Perspektiven – Ein Beitrag zur nachhaltigen Produktion von Lebensmittel" (S. 27)
Die Gentechnik wird in einigen Bereichen dazu beitragen im Rahmen nachhaltigen Wirtschaftens noch qualitativ hochwertigere und neue gesundheitsfördernde Lebensmittel herzustellen. Die landwirtschaftliche Urproduktion erfolgt hierbei unter schonenderen ökologischen Bedingungen. Gentechnisch modifizierte Lebensmittel sind nicht a priori unsicher. Sie werden aber vor ihrem Inverkehrbringen intensiv untersucht. Erhalten sie die uneingeschränkte Zulassung, kann man davon ausgehen, ein Produkt zu konsumieren, das die Gesundheit nicht negativ beeinflussen wird.
Eine gesunde und bedarfsgerechte Ernährung ist bei uns nicht abhängig von Verarbeitungsverfahren oder Gewinnung der Lebensmitteln. Mit und ohne Gentechnik kommen sichere, gesunde und qualitativ hochwertige Lebensmittel in den Handel. Das falsche Eß- und Ernährungsverhalten - zu viel und zu fett- stellt das eigentliche Risiko dar. Die Gentechnik im Lebensmittelbereich stellt keine Bedrohung für unsere Gesundheit oder Umwelt dar. Die Chancen der Gentechnik zur Abwehr von gesundheitlichen und ökologischen Risiken sollten verantwortungsvoll genutzt werden.
Ein neuer Bericht für Food Watch zum Goldenem Reis-Projekt deckt die wild übertriebenen Behauptungen vom "Nutzen" des Goldenen Reis’ auf, sowie zweifelhafte Wissenschaft und technische Daten, die systematisch vor der Öffentlichkeit versteckt wurden.
Aus Michael Krawinkel, "Vom goldenen Reiskorn", in: taz am 25.5.2009
Als Beispiel für eine gelungene gentechnische Veränderung von Nahrungspflanzen wird immer wieder der "Golden Rice" genannt. Ich setze ihn in Gänsefüßchen, weil es sich bei dem Namen um einen bislang unbegründeten Euphemismus handelt. Die Entwicklung dieser Reissorte war eine züchtungstechnische Großtat gentechnischer Veränderung von Pflanzen; sie ist biotechnologisch beeindruckend und respektabel. Im Jahr 2000 war zwar zunächst so wenig Betakarotin, eine Vorstufe des Vitamin A, in den Körnern, dass nachgebessert werden musste, aber dann gab es den "Golden Rice 2", in dem 23-mal so viel Betakarotin vorhanden ist und in dem auf das Antibiotika-Resistenz-Gen verzichtet wurde. So weit, so gut.
Der Erfinder behauptete nun öffentlich, dass Gentechnikkritiker aus Europa die Verantwortung für Todesfälle und die Erblindung von Millionen Kindern in aller Welt zu tragen hätten. Eine These, die wissenschaftlich durch nichts belegt ist. Allerdings wurden seit 2004 und 2005 Humanstudien durchgeführt und teilweise abgeschlossen. Diese sollten nachweisen, wie gut der Körper das im "Golden Rice" vorhandene Betakarotin nutzen kann. Aber Ergebnisse zur sogenannten Bioverfügbarkeit wurden nie veröffentlicht. Selbst die Projektwebsite (www.goldenrice.org) verweist nicht auf eine entsprechende wissenschaftliche Publikation und berichtet bisher nur über die "erfolgreiche" Durchführung eines "human feeding trial" - ohne konkrete Ergebnisse zu nennen. Nun haben dreißig Wissenschaftler der Bostoner Tufts University kürzlich dagegen protestiert, dass bei diesen Studien gegen den Nürnberger Ethikcode als grundlegende Regel guter wissenschaftlicher Praxis verstoßen wurde: Kinder einer Grundschule in China wurden als Studienobjekte eingesetzt. Auf Druck der Regierung musste der Versuch abgebrochen werden.
Gentechnik macht alles teurer
Aus "Die heimlichen Kosten von Genfood", in: FR, 21.3.2009 (S. 17)
Die Agro-Gentechnik macht Lebensmittel teurer: Milch, die ohne Gentechnik hergestellt wird, ist rund fünf Cent teurer als das vergleichbare konventionelle Produkt, das Kilo Schweinefleisch kostet etwa sechs Cent mehr. Für unkontaminierten Mais, wie ihn die Lebensmittelindustrie im Sinne der Verbraucher von den Lieferanten verlangt, zahlen die Mühlen bis zu zehn Prozent mehr.
Millionen von Euro geben Hersteller in der EU aus, um ihre Lebensmittel von Gen-Partikeln frei zu halten: Eine Studie, die der Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft BÖLW am Freitag in Berlin veröffentlichte, spricht von 75 Millionen Euro, die Firmen in der EU und in Japan jedes Jahr zahlen, um sich vor Kontaminationen zu schützen. ...
Stefan Rother, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Tiefkühlkostfirma Frosta, nennt die Situation "skurril": "Wir beschäftigen uns mit Abwehrmaßnahmen für Dinge, die keiner will." Denn nach wie vor wollen 70 Prozent der Verbraucher keine Gentechnik auf dem Teller, weshalb der Handel, so Rother, zurecht kritisch sei. "Die verlangen dann von uns, die gesamte Produktpalette durchzuanalysieren", denn im europäischen Lebensmittelhandel ist die Gentechnik tabu. Kosten für Labor, Personal, Zertifikate, Trennung der Warenströme: Rother scheut die Rechnung, die Mehrkosten aufs Produkt herunterzubrechen, sagt aber: "Das sind beträchtliche Summen."
- Bericht dazu auch in der taz, 20.3.2009
Lüge 5: Fortschritt, Arbeitsplätze und die gerettete Nation
Sind Hunger-, Öko- und andere Argumente verpufft oder widerlegt, greifen die GentechniklobbyistInnen gerne zu unwiderlegbaren, weil rein ideologischen Phrasen. Dann geht es wahlweise um die Zukunft, Arbeitsplätze oder das Wohl der Nation. Doch das Gerede von Arbeitsplätzen war immer schon mit dem Geruch neoliberaler Ideologie behaftet - wird es doch selten benutzt, weil da jemand tatsächlich bedürftigen Menschen eine Einnahmequelle verschaffen will. Meist geht es um Neuansiedlungen von Firmen, Kürzungen der Sozialhaushalte oder bessere Rahmenbedingungen für rücksichtslosen Profit. Was mit der scheinbaren Sorge um Arbeitsplätze begründet wird, ist regelmäßig das Gegenteil. Denn Investitionen in Konzernstrukturen sind meist verbunden mit Rationalisierungen oder dem Wegfall arbeitsintensiverer Werkstätten an anderen Orten.
Ungeschminkt kommt die Ideologie herüber, wenn nicht mehr arbeitssuchende Menschen als Scheinargument vorgeschoben werden, sondern gleich das Wohl der Nation, wahlweise auch einer wie auch immer abgegrenzten Heimat, mitunter verklärt als Region, oder "Ostdeutschland" beschworen wird. Wird zuwenig in "Biotechnologie ... Atomenergie ... Stammzellforschung" investiert, setzt "die Zukunftsfähigkeit unseres Landes auf’s Spiel", jedenfalls wenn es nach Wolfgang Clement geht und dieser auf dem wichtigsten Treffen der deutschen Agro-Gentechnikseilschaften spricht, dem InnoPlantaforum 2009.
Im Original: Wachstum, Standort, Deutschland ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
SPD-Minister will Gentechnik nur wegen Wirtschaftswachstum, auf: topagrar am 25.5.2009
Zwar stehe außer Frage, dass dem Schutz von Mensch und Umwelt oberste Priorität eingeräumt werden müsse, sagte der Minister. Darüber hinaus dürfe man jedoch jetzt nicht Wege verbauen, aus denen in Zukunft neue Möglichkeiten für Wachstum und Beschäftigung resultieren könnten, betonte der SPD-Politiker. Vor allem in Ostdeutschland könne der Einsatz der Biotechnologie Impulse für die weitere wirtschaftliche Entwicklung geben.
Standort, Standort, Standort ... Gentechnik, Atomkraft - alles super!
Wolfgang Clement (Ex-Bundeswirtschaftsminister) in seiner Rede auf dem InnoPlanta-Forum 2009 (lt. Newsletter-Sonderausgabe)
Deutschland wird sich jedenfalls nur dann als eine der stärksten Volkswirtschaften der Welt behaupten können, wenn wir auf den zukunftsträchtigen Feldern von Wissenschaft und Wirtschaft auch künftig eine international führende Rolle einnehmen. In der Biotechnologie wie auch auf anderen Feldern von Wissenschaft, Forschung und Entwicklung - nehmen Sie nur die Atomenergie, die CO2-freie Kohleverbrennung oder, um eine ganz andere Disziplin anzusprechen, die Stammzellforschung - ist dies zur Zeit nicht gewährleistet. So setzen wir die Zukunftsfähigkeit unseres Landes auf’s Spiel! ...
Auf den Weltmärkten werden deutsche und europäische Landwirte auf etwas weitere Sicht nur bestehen können, wenn sie solchermaßen innovative Produkte und Techniken nutzen.
Doch jenseits der Frage, ob Arbeitsplätze oder Deutschland überhaupt etwas sind, was das Leben besser macht und folglich als Argument zählen kann: Die Wahrheit sieht sowieso ganz anders aus. Denn die Agro-Gentechnik ist ein Faß ohne Boden. Sie lebt fast komplett von den Steuermillionen des Staates und verpulvert diese ziemlich wirkungslos. Nur die ständige Auskreuzung gentechnischer Konstrukte in die Landschaft ist von längerer Dauer. Ansonsten verpufft die ökonomische Wirkung schnell. Denn wo keine Nachfrage, da auch keine eigenständige Wirtschaftlichkeit.
Im Original: Pleitegeier trotz Millionensubventionen ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Gentechnik vernichtet Arbeitsplätze
Aus einem Interview mit der ehemaligen NRW-Umweltministerin, Bärbel Höhn, in: FR, 19.8.2006, S. 12:
Die Agro-Gentechnik ist kein Innovationsmotor, sondern eine Risikotechnologie. Sie kostet Arbeitsplätze, bringt Bauern um ihre Absatzmärkte und gefährdet den boomenden Ökolandbau massiv.
Aus "Leere Labore", in: Spiegel 41/2008 (S. 93 f.)
- Streit um Energiepflanzen mit Gentechnik (in: FR, 14,8.2006, S. 9)
- Interview zu gesundheitlichen Risiken der Agro-Gentechnik
- Gegenübergestellte Positionen von Kogel, Bauernverband, Brauereiwirtschaft und Greenpeace im Deutschlandfunk (2.5.2006)
Um das IPK herum setzte der langjährige sachsen-anhaltische Wirtschaftsminister Horst Rehberger (FDP) großzügig Fördergelder ein: Knapp 150 Millionen Euro machte er 2003 für die Biotech-Offensive locker, um Firmen in die Region zu holen. Die „Mitteldeutsche Zeitung“ sah die Pflanzenbiotechnologie zwischen Harz und Magdeburg auf dem Weg in die „Weltklasse“. Um diesen Mythos zu verkaufen und die Initiative zu lenken, holte Rehberger Jens Katzek. Der Biochemiker hatte beim BUND jahrelang gegen Gentechnik gekämpft, bevor er zum Saatguthersteller KWS wechselte. „Ich hab die Ideologie irgendwann mal ausgeschaltet und fand viele Antworten der Industrie überzeugend“, sagt Katzek. Sein Seitenwechsel wurde ihm hoch angerechnet: Bei der Bio Mitteldeutschland GmbH verdiente er fast so viel wie der Ministerpräsident. ...
Mit mehreren Millionen Euro hielt die landeseigene Investitionsbank IBG jahrelang eine Firma am Leben, die eine Antikörper produzierende Freilanderbse gegen Schweinedurchfall entwickelt hatte, die keiner haben wollte. "Geld verdienen wir mit Q-Cells", sagt Haseloff leicht sarkastisch, einer inzwischen weltbekannten Solarfirma, die das Land mitbegründet hat. ...
Im hinteren Teil des Gaterslebener Biotech-Zentrums ist vor gut einem Jahr ein neues Gelände eingeweiht worden. Doch in diesem „Biopark“ herrscht Leere. Erst zwei Firmennamen stehen auf dem großen Schild. „Wir hatten uns da mehr erhofft“, gibt Katzek zu. Offenbar hat hier nicht mal der Beistand von oben geholfen. An der 35-Millionen-Förderung des Bioparks hatte sich neben dem Land auch das Bistum Magdeburg über die kircheneigene Gero AG mit 3 Millionen Euro beteiligt. Die Gentechnik-Begeisterung ihres zuständigen Seelsorgers stieß vielen Gläubigern damals bitter auf. Doch der ließ sich nicht beirren und besprenkelte das Gebäude bei der Einweihung sogar mit Weihwasser.
Aus "Biopark in der Krise", in: Mitteldeutsche Zeitung, 3.7.2009
Eigentlich sollten sich hier auf rund 2600 Quadratmetern Fläche möglichst viele innovative Biotechnologie-Firmen ansiedeln und dem Land zu Fortschritt und Arbeitsplätzen verhelfen. Dafür zahlten die EU, der Bund und das Land insgesamt rund 13 Millionen Euro an Fördermitteln. Zweifel an der Seriosität des Ganzen waren nicht angebracht. Neben der zur Gemeinde gehörenden Gaterslebener Wirtschaftsförderungs GmbH (GWG) beteiligte sich auch die der schwer angeschlagenen Gero-Gruppe (...) zuzurechnende Futura GmbH mit einem Anteil von 49 Prozent als Gesellschafterin an BGI. Das war im Dezember 2003. Seitdem hat sich das Projekt in einen Flop verwandelt. Die verfügbaren Bilanzen der Parkbetreiberin BGI belegen für die vergangenen Jahre hohe Verluste. Die Verbindlichkeiten hatten sich trotz des Einsatzes erheblicher Fördergelder Anfang 2008 auf rund fünf Millionen Euro summiert. ...
In der ersten Etage sitzt eine Sekretärin. Hier arbeitet auch die ehrenamtliche Bürgermeisterin als Repräsentantin ihrer Gemeinde. Sie ist bei der Parkbetreiberin BGI angestellt und gleichzeitig noch in deren freiwillig gebildetem Aufsichtsrat. Einige Schritte weiter, auf der anderen Seite des Flures, hat BGI-Geschäftsführer Eric Schreyer sein Büro. Hier firmiert, neben den Betreibern oder Gesellschaftern praktischerweise auch die Mittelstandsberatung Eric Schreyer. Innovative Biotechnologiefirmen sind hier in diesem Gebäude nicht zu finden. ...
Mit den bereits ausgezahlten 13 Millionen Euro Fördermittel sind hier bisher 15 Arbeitsplätze entstanden. Ein Blick in die Bilanzen bestätigt den Eindruck. Zum 31. Dezember 2007 musste die Gesellschaft einen "nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag" von 1,1 Millionen Euro ausweisen. Die rechnerischeÜberschuldung, heißt es in der Bilanz, sei durch stille Reserven beseitigt. Die Verbindlichkeiten waren vom Vorjahr um rund 1,6 Millionen auf 5,29 Millionen Euro gestiegen. In dieser Bilanz steht vermerkt: "Das Unternehmen befindet sich in der Krise."
Die Lage dürfte in absehbarer Zeit kaum besser werden. Zwar will die BGI jetzt die eigene, ursprünglich knapp drei Millionen Euro teure Energiezentrale verkaufen. Dann allerdings muss die BGI Fördermittel für die Anlage in Höhe von einer Million Euro zurückzahlen. Gleichzeitig ist noch ein Rechtsstreit mit dem Land anhängig, das wegen angeblich fehlender Verwendungsnachweise rund zwei Millionen Euro Fördermittel zurückfordert.Aus der Volksstimme im Februar 2010:
- Juli 2009: GERO AG wird liquidiert
"Meyer bezifferte das aktuelle Defizit auf mehr als 40 Millionen Euro. Davon gingen laut Meyer allein 15 Millionen Euro durch defizitäre und inzwischen liquidierte Biotechnologie-Firmen verloren. Das katholische Bistum ist derzeit noch am Biopark Gatersleben, einem Vorzeigeprojekt des Landes, beteiligt. Dieser war zwischenzeitlich in Schwierigkeiten geraten, eine Insolvenz konnte letztlich jedoch verhindert werden. " Wir sind jetzt dabei, uns von dieser Beteiligung am Biopark zu trennen ", sagte Meyer. Das Bistum werde sich zudem um einen Verkauf der eigenen Biogasanlage bemühen."
Auszüge aus der Gentechnik-Werbebroschüre (transkript, S. 58) im Februar 2010:
Finanzlage schwierig
Die BIO Deutschland hieß im Dezember die Pharmicell Europe GmbH als 250. Mitglied willkommen. Der Berliner Stammzellspezialist wurde 2006 als europäische Niederlassung des koreanischen Unternehmens FCB Pharmicell Co. Ltd. gegründet. Peter Heinrich, Vorstandsvorsitzender der BIO Deutschland, freute sich sehr, das junge Kürzlich von der BIO Deutschland zusammengestellte Zahlen zeichnen ein finsteres Bild der Finanzsituation von Biotechnologie-Unternehmen in Deutschland: Bis Ende des 3. Quartals 2009 konnten insgesamt lediglich 37 Mio. Euro eingeworben werden. Das vierte Quartal überraschte hingegen mit guten Nachrichten größerer Finanzierungsrunden. Die bislang investierten Mittel 2009 belaufen sich derzeit auf 219 Mio. Euro. Diese und andere Zahlen hat BIO Deutschland im ersten Verbandsjahrbuch veröffentlicht.
„Die Gesamtfinanzlage bleibt jedoch düster“, so Peter Heinrich, Vorstandsvorsitzender der BIO Deutschland, bei der Veröffentlichung des Jahrbuches. Er fügte hinzu: „Seit 2005 sind die privatwirtschaftlichen Investitionen in die Biotechnologie kontinuierlich gesunken. Lediglich der Anteil an öffentlichen Fördermitteln ist seit vier Jahren konstant geblieben.“ ... Viola Bronsema, Geschäftsführerin der BIO Deutschland, erklärte im Zusammenhang mit der Jahrbuchveröffentlichung, dass innovative kleine und mittlere Unternehmen (die Mehrheit der 500 Biotechnologie-Firmen Deutschlands) in starkem Maße helfen, große Mengen an Eigenkapital für Innovationen zu mobilisieren – wenn die Rahmenbedingungen stimmten. Bronsema sagte: „Die Biotech-Branche benötigt dringend bessere steuerliche Rahmenbedingungen für Investitionen in Forschung und Entwicklung.“
«Wenn wir die Forschung nicht vorantreiben und zulassen, dann werden es andere Länder tun», sagte Kupfer weiter. Wissenschaftler würden dann aus Deutschland abwandern und die Ergebnisse der Forschung müssten teuer eingekauft werden. Quelle: ddp
Ganz ähnlich kreist die die Debatte um den Mythos des Fortschritts. Dabei sei gar nicht in Frage gestellt, dass der Gebrauch von Werkzeugen, die Reflexion über die Effizienz derselben und deren daraus folgende Weiterentwicklung eine typische Wesensart komplexen Denkens ist, die dem Mensch neben einigen anderen Tierarten eigen ist und daher zu seinem Leben gehört. In der Kulturgeschichte der Menschen ist die Werkzeugentwicklung zu einer ungemeinen Präzision und Fülle gekommen, die heute unser Leben prägt. Daraus zu folgern, dass jede neue Entwicklung gleich auch Fortschritt ist, stellt das Besondere der Werkzeugentwicklung in der Evolution des Lebens aber auf den Kopf. Denn die Reflexion darüber, wofür und wie ein Werkzeug einsetzbar ist, welche Folgen das haben kann und wie eine Fortentwicklung wünschenswert ist, gehört genauso zur Werkzeuginnovation wie die Erfindung selbst. GentechnikanwenderInnen und -lobbyistInnen hingegen argumentieren regelmäßig so, dass neue Technik per se ein Fortschritt ist - unabhängig von Nutzen und Kollateralschäden, die sie hinterlässt. Wer kritisch nachdenkt, zeige nur seine "Bereitschaft, so hohe ideelle Güter wie die Forschungsfreiheit dem Mob zu opfern", veröffentlichte die FAZ einen Text und zog "Parallelen zur "Entarteten Kunst" des Nationalsozialismus. ... Der Vergleich ist nicht abwegig." Derart abwegige Gedankenmodelle scheinen Hochkonjunktur zu haben in der Branche, die am Millionentropf des Staats hängt und mit politischem Widerstand kämpft. Sachsens Umweltminister Kupfer schien nach einer direkten Aktion gegen gv-Apfelbäume in seinem Zuständigkeitsgebiet völlig traumatisiert, als er stammelte, ohne den Geist, der auch die Gentechnik vorantreibt (meinte er Geld?), "dann würden wir heute noch wie Affen auf dem Bäumen herumturnen". Wäre es nicht so traurig, könnte ein befreiendes Lachen die brauchbare Antwort sein. Der Ursprung des Menschen liegt in der Savanne. Nicht auf Bäumen. Aber wer Forschungsfreiheit mit Geldscheinen verwechselt, muss das nicht wissen ...
Im Original: Gentechnik oder Steinzeit? ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Perverse Vergleiche der FAZ am 19.4.2009: Gentechnik verhindern ist wie der Nationalsozialismus?
Viele Länder erlebten Vandalismus, aber Deutschland sei das einzige demokratische Land, in dem Hochschulen vor den Öko-Strolchen kapitulierten, schreibt Henry Miller, amerikanischer Wissenschaftler der Denkfabrik Hoover. Er warnt, nun würden gewalttätige, technologiefeindliche Aktivisten Blut lecken und Forschungsrichtungen als "entartete Forschung" flächendeckend mobben. Miller zieht Parallelen zur "Entarteten Kunst" des Nationalsozialismus, der damals avantgardistische Künstler vertrieb. Der Vergleich ist nicht abwegig. Die Bereitschaft, so hohe ideelle Güter wie die Forschungsfreiheit dem Mob zu opfern, schockiert dann doch. Forscher berichten, dass sie inzwischen nur noch unter außergewöhnlichen Schwierigkeiten Versuchsfelder finden.
Sachsens Umweltminister Frank Kupfer nach der Aktion gegen Gentech-Bäume in Dresden 2009
Hoffentlich sind die selbsternannten Retter von Mensch und Umwelt zu Fuß nach Pillnitz gelaufen, waren mit einem Fell bekleidet und haben die 270 Bäume mit dem Faustkeil abgehakt. Das ist nämlich die Konsequenz aus Fortschrittsfeindlichkeit. Hätte die Menschheit niemals Neues gewagt, dann würden wir heute noch wie Affen auf dem Bäumen herumturnen.
Was nun ist von dem Fortschrittsgetöse zu halten? Philosophisch, wie schon beschrieben, nichts. Und praktisch wenig. Philosophisch ist Fortschritt etwas anderes als die blanke, unreflektierte Weiterentwicklung von Technik. Effizienteres Töten im Krieg ist schließlich auch nicht per se fortschrittlich. Das gleiche gilt für optimierte Kamera- oder Onlineüberwachung, verdichtete Akkordarbeit oder ausbruchssicherere Gefängnisse. Doch auch ganz praktisch ist die Agro-Gentechnik weit davon entfernt, Fortschritt zu bringen. Zur Zeit tut sie eher das Gegenteil. Denn wegen des ungeheuren Mittelflusses für diese Technik würgt sie andere Forschungszweige ab. An vielen landwirtschaftlichen oder Biologiefaktultäten der Universitäten wird nur noch dem schnöden Mammon in Form der Biotechnologie-Förderprogramme hinterhergehechelt. Willenlos lassen sich ganze Forschungszweige in das nationale Standortprojekt Biotechnologie-Weltführerschaft einsortieren und wirken - willige VollstreckerInnen wie eh und je - daran kritiklos mit. Angepasste, emanzipatorische, d.h. die Selbstbestimmung der AnwenderInnen fördernde Technologie werden in einem solchen Forschungsklima kaum noch entwickelt. Insofern ist die Agro-Gentechnik der Feind von Fortschritt und Technikentwicklung - ihr Siegeszug ist das Ende von Innovation und Weiterentwicklung in vielen Bereichen, deren Nutzen weitaus größer bzw. überhaupt vorhanden wäre.
Im Original: Gentechnik würgt Forschung ab ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus einer Pressemittelung des BÖLW am 26.1.2009
„Zwar konnten mit im Schnitt jährlich ca. 7 Mio. € aus Mitteln des Bundesprogramms Ökologischer Landbau wichtige Praxisfragen beforscht werden“, lobte Prof. Jürgen Heß von der Universität Kassel, „aber für notwendige Grundlagenforschung und um den Ökolandbau als innovatives System für eine nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft weiterzuentwickeln, gibt es kein Geld.“ Den Mitteln für die Ökolandbauforschung stehen jährlich allein 165 Mio. € für Biotechnologieforschung durch das Bundesforschungsministerium und 26 Mio. € für die Erforschung nachwachsender Rohstoffe gegenüber: „Das ist eine eklatante Ungleichstellung der verschiedenen Ansätze innerhalb der Agrarforschung“, so Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des BÖLW. Zusätzlich wird die Agro-Gentechnik-Forschung von der Privatwirtschaft finanziert, BASF investiert jährlich allein 133 Mio. € in diesem Bereich.
Gentechnik-Forschung verbraucht riesige Geldmengen, die bei anderer Forschung fehlen
Aus der Broschüre "Grüne Gentechnik" der KWS (Gentechnik-Werbung!)
Parallel zum praktischen Anbau finden weltweit bereits seit Ende der 80er Jahre zehntausende von Freilandversuchen statt, um mögliche unerwünschte Auswirkungen von gentechnisch veränderten Sorten zu untersuchen. Allein in der EU wurden dafür weit über 100 Mio. € Forschungsgelder aufgewendet.
Würden personelle, institutionelle und finanzielle Reserven in andere Forschungszweige gesteckt, wäre vielleicht schon viel mehr erreicht. Das musste selbst die Universität Gießen, ansonsten sehr einseitig auf die Agro-Gentechnik ausgerichtet, einmal kleinlaut zugeben: "In manchen Fällen hat die konventionelle Züchtung durchaus die Nase vorn: an der Universität Gießen wurde eine neue salzresistente Maishybridsorte gezüchtet - mit konventionellen Methoden und ohne Gentechnik" (Aus "Konventionell schlägt Gentechnik", in: Innovationsreport am 7.4.2010).
Fallbeispiel Amflora: Innovation oder olle Kamelle?
Als nach vielen Jahren politischer Debatten und Verzögerungen die BASF-Kartoffel Amflora im Frühjahr 2010 EU-weit zum Anbau zugelassen wurde, feierten GentechnikbefürworterInnen. Die Zulassung "sei ein Meilenstein für Innovationen zugunsten einer wettbewerbsfähigen
Landwirtschaft in Europa, erklärte BASF-Vorstandsmitglied Stefan
Marcinowski" (RP-Online am 2.3.2010). Die agrarpolitische Sprecherin der FDP im Europaparlament, Britta Reimers, jubelt: "Die Wissenschaftler der Kommission haben keine Sicherheitsbedenken beim
Anbau der Amflora, höchste Zeit also, die Sorte zuzulassen. Die neue
Kommission macht damit deutlich, dass sie in Zukunft auch
wissenschaftsbasierte Entscheidungen treffen möchte. Dies ist ein gutes
Signal für den Innovations- und Forschungsstandort Europa." Und fügt, immer ehrlich, hinzu, warum es ihr geht: "Die
Investitionssicherheit der Unternehmen wird verbessert."
Doch tatsächlich ist die Amflora ein so alteres Produkt, dass durch den Anbau Techniken in die Umwelt gelangen, die gar nicht mehr entwickelt werden dürften. "Gegen eine Anbauzulassung für Amflora spricht aus grüner Sicht vor allem
das EU-Recht selbst. Amflora trägt ein Gen in sich, das Organismen
gegen die Antibiotika Kanamycin und Neomycin resistent macht. Diese
Antibiotika werden laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) u.a. zur
Bekämpfung von Tuberkulose eingesetzt. Laut EU-Freisetzungs-Richtlinie
sind Gentech-Pflanzen mit Resistenz-Genen gegen Antibiotika, die
therapeutisch relevant sind, ein Auslaufmodell und dürfen inzwischen
weder vermarktet noch freigesetzt werden. Die EU-Kommission verstößt
also mit ihrer Entscheidungen gegen geltendes Gentechnikrecht." (Bundestagsfraktion B'90/Grüne am 26.3.2010) Doch die Treugläubigen der Biotechnologie beruhigen sich schnell - mit Beruhigungspillen aus den Seilschaften, die die Zulassung selbst beschlossen haben: "Antibiotikaresistenzen sind ein Problem in der Medizin. Biotechnlogische
Markergene wie bei der Amflora haben hierauf jedoch keinen Einfluss.
Wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)
feststellte, ist 'eine Übertragung eines Markergens von GV-Pflanzen auf
Bakterien [...] bisher weder unter natürlichen Bedingungen, noch im
Labor nachgewiesen worden'. Die große Gefahr, die diese Knolle in den
Augen der Gentechnikgegner darstellen soll, lässt sich also mit
wissenschaftlichen Methoden nicht belegen." (Novo-Kommentar. Novo ist die Zeitung des InnoPlanta-Preisträgers Thomas Deichmann). Wenn die EFSA etwas sagt, ist es also wahr.
Dabei gäbe es bessere Forschungsfelder der Landwirtschaft, die LandwirtInnen, VerbraucherInnen und der Umwelt mehr brächten und die Ernährungssouveränität stärken würden. Sie wären Alternativen zur Gentechnik, sind aber in der heutigen Forschungslandschaft stark in Vergessenheit geraten. Ein Positionspapier des Bundesamtes für Naturschutz plädierte für einen "Ansatz, der für die verschiedenen Regionen angepasste Lösungen entwickelt". Dort wird auch die Welternährungsorganisation zitiert: "Die FAO erwartet nach einer Studie von BADGLEY et al. (2007) sogar, dass eine nachhaltige Produktionssteigerung durch ökologischen Landbau insbesondere in Entwicklungsländern im Durchschnitt zu höheren Erträgen von bis zu 130 % bei gleichzeitiger Ressourcenschonung führen kann und ausreichend ist, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren." Den prägnantesten Text aber lieferte der Weltagrarbericht - ein starkes Plädoyer für die Entwicklung angepasster Landbaumethoden statt der Fortsetzung des Siegeszugs von Ingenieursdenken in der sozialen Organisierung der Menschen.
Im Original: Alternativen, die vergessen werden ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus dem Positionspapier des BfN (2009), "Welternährung, Biodiversität und Gentechnik" (S. 6, 10 und 13)
Bt-Mais kann zwar in starken Befallsgebieten, bei denen keine wendende Bodenbearbeitung möglich ist, zu einer Reduktion des Insektizideinsatzes führen. In Deutschland werden allerdings bisher nur auf 2 % der Anbaufläche für Mais Insektizide überhaupt eingesetzt. Ein entsprechendes Fruchtfolgemanagement könnte die Schadwirkungen des Maiszünslers entscheidend und wesentlich naturverträglicher minimieren.
In diesem Zusammenhang ist oft ein Ansatz, der für die verschiedenen Regionen angepasste Lösungen entwickelt, zielführender als der Einsatz einer nicht angepassten Hochtechnologie. In Afrika z.B. ist der Befall mit Stengelbohrern ein Problem der Ertragssicherung. Dieser Schädling kann zwar grundsätzlich mit Bt-Maispflanzen bekämpft werden. Für Afrika befinden sich solche Sorten allerdings erst in der Erprobung. Die Alternative dazu soll hier kurz und beispielhaft skizziert werden: Das internationale Insekten-Forschungsinstitut ICIPE (International Centre of Insect Physiology and Ecology) schlägt eine so genannte Push-Pull-Methode vor. Zwischen die Maispflanzen wird das Bohnengewächs Desmodium angebaut. Desmodium gibt einen Duftstoff ab, der die Stengelbohrer abstößt (push). Durch den Einsatz des Napiergrases, das um die Maisfelder angebaut wird, wird der Stengelbohrer zusätzlich aus dem Mais herausgelockt (pull) und verendet auf den klebrigen Blättern. Vorteil dieser Methode ist, dass die regional vorhandenen und angepassten Maissorten weiterverwendet werden können, die Methode preiswert und einfach anzuwenden ist sowie durch die Kombination zusätzlich hochwertiges Viehfutter erzeugt werden kann. Gleichzeitig ist die Methode frei zugänglich und sofort einsetzbar (ICIPE). Ein Pestizideinsatz ist hierbei nicht erforderlich und in der Summe ist diese Alternative wesentlich zielführender als der Einsatz des GVO. ...
So konnte eine Reihe von Studien aus den letzten Jahren belegen, dass die Erträge einer ökologischen Landwirtschaft bei gutem Management nach einer fünfjährigen Umstellungsphase insgesamt denen einer konventionellen Landwirtschaft entsprechen (PRETTY et al. 2006; PIMENTEL et al. 2005); dies gilt auch für die Industrieländer. Die FAO erwartet nach einer Studie von BADGLEY et al. (2007) sogar, dass eine nachhaltige Produktionssteigerung durch ökologischen Landbau insbesondere in Entwicklungsländern im Durchschnitt zu höheren Erträgen von bis zu 130 % bei gleichzeitiger Ressourcenschonung führen kann und ausreichend ist, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Dies lässt sich dadurch erzielen, dass bereits wenige Verbesserungen, wie z.B. bei der Düngung, zu dramatischen Ertragssteigerungen führen. ...
Das BfN fordert, dass ... die Forschungsförderung auf Projekte konzentriert werden sollte, die auf eine naturverträgliche und nachhaltige Ertragssicherung und Ertragssteigerung auf lokaler und regionaler Ebene ausgerichtet sind. Hierbei sollten eine darauf ausgerichtete Ressourcennutzung, eine angepasste Sortenauswahl und -entwicklung, eine Weiterentwicklung traditioneller Landbauverfahren sowie die Stabilisierung einer kleinbäuerlichen Produktion im Vordergrund stehen.
Aus dem Weltagrarbericht (deutsche Übersetzungen auf deutscher Internetseite, Unterseite zu Wissenschaft):
Auch Wissen ist höchst ungerecht und ineffizient über den Globus verteilt.
Auf der einen Seite steht ein Übermaß an Daten und Informationen, das den Blick auf das Wesentliche eher verstellt. Auf der anderen Seite herrscht bitterer Mangel:
An allgemeiner Bildung und landwirtschaft- licher Ausbildung, an Beraterinnen und Landwirtschaftsschulen.
Es fehlen Wissenschaftler, die sich spezifischen Problemen vor Ort widmen.
Und es fehlt an Kompetenz, das verfügbare Wissen unterschiedlicher Bereiche ergebnis- orientiert zusammen zu bringen, und da einzusetzen wo es gebraucht wird. ...
Dort, wo Wissenschaft und Forschung am dringendsten gebraucht würden, wird seit Jahrzehnten am wenigsten investiert. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft, deren Probleme sich wesentlich von denen der industriellen Landwirtschaft unterscheiden, fristet in der weltweiten wissenschaftlichen Wahrnehmung ein Schattendasein.
Der Weltagrarbericht fordert eine massive Steigerung der öffentlichen Investitionen in landwirtschaftliches Wissen und dessen Vermittlung auf allen Ebenen. ...
Weltweit konzentriert sich öffentliche Forschung und Entwicklung im Agrarbereich auf immer weniger Staaten. Unter den reichen Ländern entfielen im Jahr 2000 allein auf die USA und Japan 54 % aller öffentlichen Agrarforschungsinvestitionen, unter den Entwicklungsländern 47 % allein auf China, Indien und Brasilien.
Und auf der Unterseite zu Gentechnik:
Die Erfolge der wenigen kommerziell eingesetzten GVO sind nach wie vor umstritten. Umwelt- und Gesundheitsrisiken können weiterhin nicht seriös bewertet werden. Es fehlen bisher Ergebnisse und Konzepte einer langfristigen Sicherheitsforschung. Probleme, die sich aus der Privatisierung und Patentierung von Wissen und Saatgut ergeben, sind in der Gentechnik besonders gravierend. Der Grad ihrer Monopolisierung in den Händen weniger multinationaler Unternehmen ist beispiellos. Weil GVO besonders kapital- und forschungsintensiv sind, werden sie nach Einschätzung des Weltagrarberichtes in absehbarer Zeit für Kleinbauern in Entwicklungsländern und bei der Bekämpfung des Hungers keine besondere Rolle spielen. Aufwändige Sicherheits- und Kontrollbestimmungen, offene Fragen der Auskreuzung gentechnischer Eigenschaften sowie der Koexistenz mit gentechnikfreien Anbaumethoden, stellen gerade ärmere Staaten vor besondere Probleme.
- Extraseite zu den Seilschaften und Geldschiebereien in der Gentechnikforschung
Lüge 7: Alles unter Kontrolle - noch keine Schäden oder Unfälle
Es sei "mit großer Sicherheit gewährleistet, dass keine gentechnisch veränderte Pflanze und daraus hergestellten Produkte in die Umwelt oder die Lebensmittelkette gelangen, die eine Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher oder die Umwelt darstellen", verkündet die Verbraucherschutzbehörde BVL. "Bis heute ist kein einziger Fall bekannt geworden, in dem Mensch, Tier oder Umwelt zu Schaden gekommen wären", posaunt der Gentechnikkonzern KWS in einer Werbebroschüre heraus. Das dürfte auch nicht so einfach sein, denn was ein Schaden ist, hat bislang niemand definiert. Da die GentechnikbefürworterInnen behaupten, ihre neuen Genkonstrukte seien für ihre TrägerInnen ein Vorteil, würden sie eine Verseuchung der Umwelt mit ihren manipulierten Genen auch nicht als Schaden anerkennen. Zudem gibt es für die meisten gentechnischen Veränderungen gar keine Nachweismethoden, so dass ein Schaden auch nicht auf diese Ursache rückführbar wäre. Schließlich geben selbst die eingeschleischten GentechnikbefürworterInnen wie FDP-MdB Happach-Kasan offen zu, dass bei der Zulassung etwaige Schädigungen gar nicht untersucht werden: "Bei der Zulassung konventioneller Pflanzensorten verlangen wir überhaupt keine Fütterungsversuche. Ein Unternehmen investiert in hohem Maße und hat doch von sich aus ein Interesse, eine gesunde Sorte zu produzieren. Alles andere kann nur Misserfolg geben." Naja - und wer nicht sucht, wird auch nicht finden. Deshalb gibt es dann auch keine Schäden ...
Im Original: Keine Gefahren, bislang nichts passiert ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der BVL-Broschüre "Die Grüne Gentechnik" (2008, Autor: Jochen Heimberg)
In der Europäischen Gemeinschaft dürfen gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel nur nach einer umfassenden Prüfung, die häufig mehrere Jahre dauert, zugelassen werden. (S. 8)
Dadurch ist mit großer Sicherheit gewährleistet, dass keine gentechnisch veränderte Pflanze und daraus hergestellten Produkte in die Umwelt oder die Lebensmittelkette gelangen, die eine Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher oder die Umwelt darstellen. ... (S. 10)
Die Menschen verzehren täglich mehr als eine Billiarde (1.000.000.000.000.000) Gene, die seit Jahrtausenden problemlos verdaut werden. Es gibt keinen triftigen Grund zu der Annahme, dass ein in der Natur vorkommendes Gen, das nicht durch klassische Züchtung, sondern mittels eines anderen Verfahrens in eine Pflanze übertragen wurde, nicht ebenso problemlos verdaut werden sollte. Darüber hinaus sind Antibiotika-Resistenzen bei Bakterien ohnehin weit verbreitet. ... (S. 10 f.)
Aus der Seite "Was ist Gen- und Biotechnik?" der Helmholtz-Gesellschaft
Daß die Wissenschaft mit der Vorhersehbarkeit des Verhaltens von GVOs noch Schwierigkeiten hat, läßt sich an zwei Beispielen gut aufzeigen. Vor einigen Jahren bereits hat das Kölner Max-Planck-Institut gentechnisch veränderte Petunien freigesetzt. Zur Überraschung aller blühten jedoch nicht 3 - 4 sondern fast die Hälfte der 30.000 Pflanzen weiß. Dies machte aus ihnen keine "Killerpflanzen" - aber es zeigte, daß die Natur der "Vorhersehbarkeit" oft genug einen Strich durch die Rechnung macht. Ein anderes Beispiel jüngeren Datums: Wissenschaftler in den USA haben das Bodenbakterium Klebsiella planticola gentechnisch so verändert, daß es Alkohol aus Biomasse synthetisiert. Bei Experimenten im Gewächshaus konnte man jedoch feststellen, daß diese Organismen gleichzeitig wichtige Bodenpilze verdrängen, die für die Nährstoffaufnahme von Pflanzen essentiell sind. Fazit: Hätte man diese GVOs freigesetzt, wäre dies mit einem erheblichen Ernteverlust verbunden gewesen.
Aus der Broschüre "Grüne Gentechnik" der KWS
Bis heute ist kein einziger Fall bekannt geworden, in dem Mensch, Tier oder Umwelt zu Schaden gekommen wären. ...
Fakt ist, dass P. Schmeiser die Roundup Ready Technologie unerlaubt nutzte und dafür vom höchsten kanadischen Gericht verurteilt wurde. ... Ähnlich wie der Fall Percy Schmeiser wird dieser Vorgang genutzt, um Ängste über den Einsatz gentechnisch veränderter Produkte zu schüren. Die von Pusztai aufgestellten Behauptungen haben umfassenden Überprüfungen nicht standgehalten. Eine Gefährlichkeit des gentechnisch veränderten Produktes konnte nicht nachgewiesen werden.
Christel Happach-Kasan (FDP-MdB) im Interview der taz, 30.8.2010
Bei der Zulassung konventioneller Pflanzensorten verlangen wir überhaupt keine Fütterungsversuche. Ein Unternehmen investiert in hohem Maße und hat doch von sich aus ein Interesse, eine gesunde Sorte zu produzieren. Alles andere kann nur Misserfolg geben.
Doch zweierlei sollte stutzig machen. Zum einen macht die KWS mit ihrer Werbung genau das, was sie ihren WidersacherInnen vorwirft: Behauptungen und Interpretationen zu wissenschaftlichen Erkenntnissen hochzustilisieren. Die angegebene Quelle gibt genau nichts her zu Überprüfungen, die Pusztais Experimente widerlegt hätten. Eine rechtskräftige Verurteilung von Percy Schmeiser gibt es ebenso wenig - ganz im Gegenteil hat Monsanto inzwischen außergerichtlich einen Schadenersatzanspruch von Schmeiser anerkannt und die eigenen Klagen zurückgenommen. Die KWS agiert hier wissentlich mit Falschbehauptungen und simuliert eine brauchbare Quellenlage (zumal TransGen ohnehin keine sinnvolle Quelle wäre, handelt es sich doch um eine Propagandaseite für Gentechnik).
Zum anderen sollten alle aktuellen Versprechungen immer im Lichte der bisherigen Weissagungen derselben Branche und Leute gesehen werden. Denn wenn heute gesagt wird "kein Schaden", dann stammt das aus denselben Köpfen, die vor zehn oder zwanzig Jahre sagten: Es gibt keine Auskreuzung. Horizontaler Gentransfer ist unmöglich oder durch Manipulation von Genen lassen sich gezielt einzelne Merkmale an- und ausschalten. Das alles ist inzwischen widerlegt. Es lohnt sich, das immer wieder vor Augen zu führen. Denn es beweist auch, dass die, die solche Behauptungen aufstellten, immer wussten, dass nicht stimmte, was sie sagten. Sie haben die Öffentlichkeit immer belogen - des schnellen Geldes und der Macht der Patente wegen. Darum hier drei Beispiele von Versprechungen, die nie stimmten und inzwischen durch die Praxis widerlegt wurden. Wer einmal lügt, dem glaubt man leider immer noch - wenn Geld und Titel vorhanden sind. Aber wer dreimal lügt?
Falsche Versprechungen I: Keine Auskreuzungen
Viele, viele Jahre hieß es: Koexistenz im möglich. Wissenschaft und Firmen suggerierten, alles im Griff zu haben. In der Propaganda wurde selbst Raps zu einer Pflanze, die gar nicht auskreuzen könne. Das alles war von Anfang an nichts als Lüge. Die, die sie streuten, wussten ganz genau, dass alles nicht stimmte. Seit ca. 2008 hat sich die Lüge aber erledigt. Denn immer häufiger wurden die Meldungen, dass die völlig kontrollierbaren gv-Produkte überall auftauchten: Mais, Raps, Reis ... Nun behaupteten auch GentechnikbefürworterInnen plötzlich nicht mehr, dass Koexistenz möglich sei. "Absurd sind auch die Abstandsregelungen für Versuchsfelder etwa von MON810, denn der Maispollen fliegt kilometerweit", lautet der legendäre Satz im Interview des Ex-DFG-Präsidenten Winnacker, der eine Art öffentlicher Dammbruch darstelle. Die neue propagandische Losung lautet nun: Auskreuzung ist nicht schlimm, weil GVO ungefährlich oder sogar besser seien als natürliche oder konventionell gezüchtete Pflanzen. Dieser ganze Ablauf und die Tragweite der Lügen sind so bedeutend, dass der Koexistenz-Lüge ein ein Extra-Kapitel gewidmet ist.
Im Original: Versprochen, gebrochen: Auskreuzung ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Falsch: Prof. Friedt behauptet 1997, Raps könne nicht auskreuzen
Aus einer „Erklärung zum Feldversuch mit gentechnisch gezüchtetem Raps auf dem Gelände des Lehr- und Versuchsbetriebes in Rauischholzhausen“ vom 18.4.1997, Autor: Prof. W. Friedt (Uni Gießen)
Bezüglich gentechnisch übertragener Herbizid-Resistenz hat zudem eine umfangreiche Diskussion zur Technologiefolgeabschätzung stattgefunden, die zu dem Ergebnis gekommen ist, daß keine Gefährdung der Bevölkerung bzw. nachhaltige Beeinträchtigung von Ökosystemen zu erwarten ist. Insbesondere kann eine Ausbreitung der neuen Eigenschaften wegen nicht gegebener Kreuzbarkeit von Raps mit Kruziferen der hiesigen Flora ausgeschlossen werden.
*Inzwischen sind ganze Kontinente durch ausgekreuzten Raps überzogen. Raps gilt als nicht eingrenzbare Pflanze. Das Märchen von der Nicht-Auskreuzung erzählen dieselben Leute heute über Mais und andere Nutzpflanzen!
Weil's so unglaublich ist, was der fachlich gut ausgebildete Professor da - wider eigenes Wissen - von sich gibt, hier das Ganze nochmal aus dem Original-Scan von damals:
![]()
Aus "Gen-Rapsfeld der Universität mutwillig zerstört", in: Gießener Allgemeine, 29.4.1994
Friedt betonte gestern noch einmal, daß aufgrund der technischen Möglichkeiten des Versuchsfeldes ein Verlust an Samenkörnern praktisch auszuschließen gewesen sei. ... Eine Gefährdung der Bevölkerung oder nachhaltige Beeinträchigiung von Ökosystemen sei bezüglich gentechnisch übertragener Herbizid-Resistenz zu keiner Zeit zu erwarten gewesen.
Monsanto behauptet das auch
Aus der Information „Neue Wege gehen: Gentechnisch veränderter Winterraps ist ebenso sicher wie herkömmlich gezüchteter Raps“ der Firma Monsanto, August 1997
Experten bewerten das Risiko einer Auskreuzung - d.h. einer Übertragung der Herbizid-Resistenz auf andere Arten - als äußerst gering. Bei Raps gibt es wildwachsende verwandte Arten, eine Auskreuzung durch Pollenflug ist daher theoretisch möglich. Dies wurde aber bisher in der freien Natur nicht beobachtet. Nach jüngsten großflächigen Versuchen in Frankreich kamen Experten zu dem Ergebnis, daß die Wahrscheinlichkeit einer Auskreuzung im Abstand von bis zu 500 Metern bei maximal 0,0 1 bis 0,03 Prozent liegen. Die gekreuzten Pflanzen wären zudem nicht weiter vermehrungsfähig. Auskreuzungen zu konventionellen Raps-Pflanzen könnten zwar stattfinden, Untersuchungen haben jedoch ergeben, daß die Wahrscheinlichkeit einer solchen Merkmalsübertragung bei einer Entfernung von 20 Metern bereits weniger als 0,2 Prozent beträgt. Nachkommen dieser Kreuzungen sind nicht oder nur sehr eingeschränkt vermehrungsfähig. Selbst wenn eine Auskreuzung stattfände, würde dies das positive Sicherheitsprofil nicht einschränken, weil von diesen Pflanzen keine Gefährdung für Mensch, Tier und Umwelt ausgeht. Um im Rahmen der Freilandversuche zu gewährleisten, daß eine Auskreuzung nicht stattfindet, umgibt das Versuchsfeld eine sechs Meter breite Mantelsaat mit herkömmlichem Raps als „Pollenfänger". Darauf folgt ein 50 Meter breiter Streifen, auf dem kein Raps angebaut wird.
Richtig: Gerade Raps ist extrem ausbreitungsintensiv und nicht zu kontrollieren
Auszüge aus dem Text "Gen-Pflanzen halten sich hartnäckig in der Umwelt", in der Pro-Gentec-Zeitung: Die Welt, 2.4.2008
Eine schwedische Studie belegt, was Kritiker schon immer befürchtet haben: Gen-Pflanzen sind kaum auszumerzen. Noch zehn Jahre nach Ende eines Freisetzungsversuchs mit gentechnisch verändertem Raps haben Forscher Abkömmlinge der Pflanzen auf der ehemaligen Anbaufläche gefunden.
Falsch: Prof. Kogel behauptet 2006, bei Gerste gäbe es keinen Pollenflug
Kogel am 25.4.2006 als O-Ton
Sicher ist dieser Versuch, weil die Gerste nicht auskreuzen kann. Es ist ein Selbstbefruchter. Die Pollenfreisetzung erfolgt bei geschlossenen Blüten, nur die eigene Pflanze wird befruchtet. Das heißt, es gibt keinen Pollenflug auf fremde Pflanzen und damit auch keine Auskreuzung. Gerste ist damit eine optimale Pflanze für die Freisetzung und biologische Sicherheitsforschung."
Pressemitteilung der Universität Gießen am 24.4.2006
Eine Auskreuzung kann schon aus biologischen Gründen ausgeschlossen werden.
Richtig: Bis "2%" Auskreuzung - bei trockener und warmer Witterung "auch höher" ... sagt sogar das BVL
Aus dem Genehmigungsbescheid des BVL (S. 15 f.)
Gerste ist ein Selbstbestäuber und kleistogam, d.h. in der Regel tritt Selbstbestäubung nach vor der Blütenöffnung ein. In gewissem Umfnag, beeinflusst vom Genotyp und den klimatischen Bedingungen zur Blütezeit, ist Fremdbefruchtung möglich. Diese wird mit meist < 2 % angegeben, bei trockener und warmer Witterung kann die Fremdbefruchtung bei manchen Genotypen auch höher sein.
Klarer Gegenbeweis: Ein Aus einen Pollenflugkalender
Falsche Versprechungen II: Kein horizontaler Gentransfer
So unerschütterlich, wie sie die Auskreuzungen leugneten, behaupteten AnwenderInnen und sogenannte ForscherInnen, dass gentechnische Veränderungen die Artgrenzen nicht überschreiten könnten. Erst in den letzten Jahren belegten Untersuchungen, dass auch das nicht stimmte. Da könnte mensch denken, die GentechnikprotagonistInnen hätten sich geirrt. Das wäre zwar schon fragwürdig genug, denn sie haben ja nie behauptet, es nicht genau zu wissen, sondern so getan, also seien sie sich sicher. Aber es ist noch schlimmer: Sie wussten es genau. Der Beweis ist erstaunlich simpel: GentechnikerInnen benutzten die Tatsache, dass es Lebewesen in der Natur gibt, die DNA-Abschnitte von anderen Arten aufnehmen und weitergeben können, für ihre Experimente. Ohne horizontalen Gentransfer hätte es die Gentechnologie vielleicht nie oder zumindest noch länger gar nicht gegeben. Doch die WissenschaftlerInnen leugneten fleißig die Existenz von horizontalem Gentransfer, während sie selbigen in ihren Laboren längst ausnutzten. Genauer: Sie nutzten das "Agrobacterium tumefaciens", welches die Bundesregierungsinfoseite zur BioSicherheit beschreibt als "Bodenbakterium, welches von Natur aus die Fähigkeit besitzt, Teile seines Erbmaterials auf Pflanzenzellen zu übertragen." Und wie selbstverständlich folgt dann: "wird deswegen in der Gentechnik als 'Werkzeug' verwendet." Bekannt ist das seit fast 30 Jahren: "Fähigkeit, DNA in pflanzliche Zellen zu übertragen ... wurde erstmals durch Jozef Schell im Jahr 1983 beschrieben." (Wikipedia)
Im Original: Versprochen, gebrochen: Horizontaler Gentransfer... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Falsch: Keine Auskreuzung über Artgrenzen hinweg möglich
Aus einem Bericht zum Petunienversuch 1990-1993 auf www.biosicherheit.de
Aus den Gentransfer-Untersuchungen lässt sich ableiten, dass unter optimierten Bedingungen ein horizontaler Gentransfer simuliert werden kann. Angesichts der dargelegten Voraussetzungen wird ein horizontaler Gentransfer aber in der natürlichen Umwelt als höchst unwahrscheinlich angesehen.
Aus einem Interview mit Dr. Gerhard Waitz von der Firma AgrEvo, in: Stern Nr. 37/1996 (S. 164)
Frage: Besteht die Gefahr, daß sich genmanipuliertes Erbmaterial unkontrolliert ausbreitet?
Genmaterial kann sich immer ausbreiten, es bleibt aber in der eigenen Pflanzenart.
Richtig: Bakterien übertragen Genkonstrukte von Art zu Art
Aus Marcus Lemke (2002): "Gentechnik - Naturschutz - Ökolandbau", Nomos in Baden-Baden (S. 27 f.)
Neben der Verwilderung und der Auskreuzung kommen noch weitere Wege der Ausbreitung transgener Erbsubstanz in der Natur in Betracht. Zu nennen ist hier zunächst das Phänomen des horizontalen Gentransfers. Dieser Begriff beschreibt die nichtsexuelle Übertragung von genetischem Material. So verfügen Mikroorganismen über verschiedene Mechanismen zur Aufnahme und Weitergabe von DNA untereinander, wodurch Gene aus abgestorbenen Pflanzenteilen in andere Organismen eingebracht werden können.
Auszüge aus der BVL-Broschüre "Die Grüne Gentechnik" (S. 12)
Der horizontale Gentransfer könnte also nicht erst durch die gentechnisch veränderte Nutzpflanze erfolgen, sondern bereits durch die ursprünglichen Träger der Gene.
Falsche Versprechung III: Die Veränderung von einem Gen erzeugt nur die eine Wirkung
Bleibt ein dritter Werbegag: Der Mythos des präzisen operativen Eingriffs in das Gen. Da stecken - wie im Mythos vom Hunger - gleich zwei Lügen drin. Die erste ist die vom präzisen Eingriff, also dass die Gentechnik überhaupt so genau das DNA-Molekül zurechtbasteln kann. Die zweite ist die, dass das etwas nützen würde. Denn präzise Wirkungen wären dadurch nur möglich, wenn die Eigenschaften eines Lebewesens berechenbar von einer identifizier- und abgrenzbaren Gensequenz gesteuert würde. So ist es aber nicht.
Tatsächlich ist die gentechnische Manipulation ein wüstes Herumstochern im Chromosomensatz mit breiter Streuung durch die spätere Selektion massenweise hergestellter, manipulierter Lebewesen kann geschaut werden, ob irgendwo die gewünschte Wirkung aufgetreten ist, um dann mit diesem Individuum weiterzuzüchten und Masse zu erzeugen. Ob dann noch weitere, unvorhersehbare Wirkungen auftreten, lässt sich zunächst nicht klar erkennen. Denn suchen kann mensch nur nach etwas, von dem vermutet wird, dass es auftreten könnte. Angesichts der komplexen Wirkungsweisen im Zellkern ist die Wissenschaft davon aber (noch?) richtig weit entfernt. Der Rest ist Propaganda.
Im Original: Versprochen, gebrochen: 1 Gen, 1 Wirkung ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Falsch: Ein Gen = eine Wirkung, daher Gentechnik gut kalkulierbar und sicher!
Aus einem Interview mit Prof. Uwe Sonnewald, Uni Erlangen (Versuchsleiter transgene Gerste, zusammen mit Prof. Kogel)
Der Einfluss der Transgene ist im Wesentlichen auf ihre unmittelbare Funktion begrenzt. Wenn ich zum Beispiel ein Gen für Fruktan-Biosynthese in Kartoffeln einbringe, dann ist es natürlich nicht verwunderlich, dass diese Kartoffeln Fruktane produzieren und sich in diesem Punkt von ihren Ausgangslinien unterscheiden. Aber darüber hinaus sind nur vernachlässigbare Unterschiede festgestellt worden. In keinem mir bekannten Fall ist eine größere Änderung in der Genexpression durch ein einzelnes Transgen hervorgerufen worden. Dagegen besteht in all den genannten Kulturpflanzen eine sehr große Variabilität zwischen den Sorten und der naheliegende Grund ist: das Züchtungsziel ist häufig Resistenz gegenüber äußeren Stressfaktoren, und daran sind viele Gene beteiligt.
Beitrag auf www.giessen-server.de am 25.4.2006 (Tag der Aussaat des Gengerstefeldes)
Prof. Kogel erklärte, dass viele Jahre darüber geforscht wurde, wie die Gerste transgen veränderbar ist. Seit einigen Jahren ist das nun möglich und man wisse genau, was mit dem Gen passiert und was dessen Funktion und wo es integriert ist. Daher seien klare Aussagen über Wirkung und Veränderung möglich.
Richtig: Die Wirkungen lassen sich überhaupt nicht vorherberechnen
Beispiel einer Forschung an gv-Weizen, wo selbst der Studenleiter zugab, vom der Wirkung überrascht worden zu sein
Aus DerStandard am 13.7.2010
Die im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms "Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen" (NFP 59) durchgeführte Studie zeigte, dass das Resistenzgen den Weizen tatsächlich widerstandsfähiger gegen Mehltau machte. Im Treibhaus führte dies dazu, dass die Gentech-Pflanzen doppelt so viel Ertrag abwarfen.
Aber im Feldversuch war das Resultat umgekehrt, wie die Forscher im Fachmagazin PLoS ONE schreiben. Die Pilzresistenz war hier zwar ebenfalls wirksam. Trotzdem war die Ernte bei drei von vier gentechnisch veränderten Weizenlinien kleiner als bei den Kontrollpflanzen. In zwei Linien betrug die Ertragseinbusse gar satte 50 Prozent.
Dass ein einziges Gen so starke Auswirkungen haben könne auf ganz andere Erscheinungsmerkmale der Pflanze, habe ihn als Evolutionsbiologen überrascht, sagte Studienleiter Bernhard Schmid auf Anfrage. Ihm seien keine wissenschaftlichen Publikationen mit solch großen Nebeneffekten bekannt.
Die Forscher schlussfolgern aber: Die Experimente zeigen laut den Forschern, dass Feldversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen wichtig sind. In der geschützten Umgebung des Gewächshauses sei es nicht immer möglich, Pflanzen zu identifizieren, die sich auch in einer natürlichen Umwelt behaupteten.
Aus einem Spiegel-Interview mit J. Craig Venter, einen radikalen Befürworter der Gentechnik, der zusammen mit seinem Team als erster das menschliche Erbgut entschlüsselte (deutscher Artikel dazu)
SPIEGEL: Wie viel würden Sie denn da über uns erfahren [wenn Sie unsere gesamte genetische Information bekommen]?
Venter: Viel weniger, als viele denken. Wir wissen doch das Genom immer noch nicht richtig zu lesen. Wozu also die ganze ethische Debatte?
SPIEGEL: Die Entschlüsselung Ihres persönlichen Genoms hat vor allem zutage gefördert, dass Ihr Ohrenschmalz eher feucht ist …
Venter: Sie sagen es. Und was sonst habe ich aus meinem Genom gelernt? Sehr wenig. Wir können bisher nicht einmal mit Sicherheit meine Augenfarbe daraus ablesen. Ist das nicht traurig? Jedermann hat erwartet, im Erbgut wundersame Ja-Nein-Antworten zu finden: "Ja, Sie werden Krebs kriegen" oder "Nein, Sie werden keinen Krebs kriegen." Aber so ist es eben nicht.
SPIEGEL: Also hat das Genomprojekt bisher wenig medizinischen Nutzen gebracht?
Venter: … der Nutzen ist fast gleich null, um es genau zu sagen.
Aus der KWS-Broschüre "Grüne Gentechnik"
Das Besondere an gentechnischen Verfahren ist, einzelne, zuvor in anderen Organismen gefundene Gene gezielt übertragen zu können. ... Gentechnische Verfahren ermöglichen ein gezieltes Vorgehen: Es wird nur das Gen für das gewünschte neue Merkmal übertragen.
Bei einem Versuch mit gentechnisch veränderten Weizen in der Schweiz zeigt sich in aller Deutlichkeit, was Kritiker von Gentechnik-Pflanzen an der Technologie bemängeln: Pflanzen sind komplexe Wesen, deren natürliche Genregualtion gestört werden kann, wenn ihr fremde Gene eingebaut werden. Bei der Studie der Universität Zürich wurde gentechnisch veränderter Weizen freigesetzt, der gegen Mehltau resistent ist. Während die Pflanze im Treibhaus widerstandsfähiger gegen Mehltau war und mehr Ertrag lieferte als die unveränderte Kontrollpflanze, kehrte sich das Bild im Freiland um: Der Ertrag der Gentechnik-Pflanzen brach teilweise um 50 Prozent ein. Der Studienleiter sagte, dass ihm kein Versuch mit derart großen Nebeneffenkten bekannt sei. (aus: Infodienst Gentechnik)
Mehr Informationen
- Lange Liste von Unvorhergesehenem und Pannen in der Genforschung und -anwendung (Quelle: Umweltinstitut München)
Lüge 8: Alles normal - Gentechnik ist auch nur Züchtung
Geht es nach der nationalen Beruhigungs- und Antragsdurchwinkbehörde BVL, so unterscheiden sich "die allgemeinen Ziele der Grünen Gentechnik ... kaum von denjenigen herkömmlicher Pflanzenzüchtung." Satirisch ließe sich eine solche Sichtweise damit kommentieren, dass wer Anträge nicht anguckt, sondern ungeprüft durchwinkt, auch nicht mitbekommt, was sich da auf den Feldern abspielt. "82 % aller gentechnisch veränderten Organismen weltweit besitzen ausschließlich ein Merkmal: Herbizid-Toleranz," zeigt die Statistik. Gleiche Ziele?
Im Original: Gentechnik ist doch nur Züchtung ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Auszüge aus der BVL-Broschüre "Die Grüne Gentechnik" (2008, Autor: Jochen Heimberg, S. 6) )
Die allgemeinen Ziele der Grünen Gentechnik unterscheiden sich kaum von denjenigen herkömmlicher Pflanzenzüchtung. Meist geht es um eine Verbesserung des Ertragspotentials, der Produktqualität oder einer verbesserten Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen Schädlinge, Krankheiten, Herbizide, Hitze, Trockenheit oder Kälte. ...
Doch auch technisch ist Gentechnik weniger Züchtung, sondern vor allem ein chemischer Prozess. Deshalb - und weil er vom Interesse her mit dem Verkauf von Agrochemikalien verbunden ist - sind es auch vor allem große Chemiefirmen, die Gentechnik als Betriebszweig aufbauen. Was die Agro-Gentechnik mit der herkömmlichen Züchtung zu tun hat, ist dass auch letztere wie alle ökomischen Vorgänge schon früh in den Strudel der totalen Verwertungsorientierung, der Profit- und Machtsteigerung geraten ist und heute nichts als Geschäftemacherei ist - auf Kosten von Mensch und Umwelt, die beiden entscheidenden Ausbeutungsfaktoren im Kapitalismus. Die Gentechnik ist eine neue Variante und Steigerung im immerwährenden Kampf um Patente, Kontrolle des Saatgutes und Manipulationen, die den Nachbau von Saat einschränken und Kombinationen mit dem lukrativen Verkauf von Agrochemikalen ermöglichen bis erzwingen. Hinzu kommen Einsatzgebiete in der biotechnischen Kriegsführung und bei der Bevölkerungskontrolle, z.B der unbemerkten Senkung von Geburtenraten auf den Kontinenten, deren Menschen die europäischen Eliten nicht so gern haben. Dabei ist Europa der am dichtesten besiedelste Kontinent mit einem unglaublichen Raubhunger auf Rohstoffe und Produkte aus aller Welt.
Im Original: Gentechnik ist Biochemie ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Das wird in der benannten Broschüre sogar zugegeben, aber nicht problematisiert (S. 8)
Auch die kommerziell betriebene Pflanzenzüchtung – einschließlich jener mit Unterstützung biotechnischer Methoden – verfolgt in einer Marktwirtschaft zunächst und überwiegend das Ziel der Steigerung von Unternehmensgewinnen. Die Verfolgung gewünschter Ziele muss den Unternehmen entweder durch staatliche Anreize oder Regelungen schmackhaft gemacht werden, oder sie muss durch die öffentliche Hand selbst erfolgen.
Aus der BDP-Pressemappe "Pflanzenbiotechnologie und ihre Anwendung in der Praxis" (S. 7)
Gentechnik ist kein Selbstzweck, sondern bezeichnet verschiedene Methoden, die in der modernen Pflanzenzüchtung heute weltweit selbstverständlich sind. Damit die Pflanzenzüchtung ihren Beitrag zu einer „nachhaltigen“ Landwirtschaft leisten kann, müssen ihr alle modernen molekularbiologischen Methoden zur Verfügung stehen.
Schwätzer, Hetzer, Bauernfänger
Sie inszenieren sich selbst als wissenschaftlich oder gar objektiv. Die GentechnikkritikerInnen seien nur emotional, fortschrittsfeindlich oder unwissenschaftlich. Doch wer näher hinsieht, bemerkt das Gegenteil: Es sind die BefürworterInnen der Gentechnik, die mit platten Slogans, Polemiken und unbewiesenen bis längst widerlegten Behauptungen um sich schlagen. Damit das niemand merkt, zetteln sie einen Propagandakrieg gegen die KritikerInnen der Gentechnik an, in dem sie denen vorwerfen, was sie selbst auszeichnet: Wenig Argumente, viel Polemik.
Sachlich, wissenschaftlich ...
Das typische Argumentationsmuster ist ein Zwei- oder Dreischritt. Zunächst wird die Sachlichkeit betont, dann erfolgt mitunter noch ein Übergangsgedanke, um schließlich bei krass unsachlichen Forderungen, Positionen, Hetze oder Vorschlägen zu landen. Schauen wir uns das am Beispiel dere Gentechnikfördererin und ehemalige BASF-Mitarbeiterin Doris Barnett (SPD-MdB für Wahlkreis Ludwigshafen) an. Sie behauptet innerhalb von drei Sätzen zunächst, es sei ihr "wichtig, dass das Thema Pflanzenbiotechnologie sachlich diskutiert wird." Daher
interessiere sich sich "für die Forschung auf diesem Gebiet, um möglichst viele Informationen
zu sammeln, auf deren Grundlage dann diskutiert und entschieden werden kann." Ausgerechnet dieses Streben nach Sachlichkeit und Information sei dann "der
Grund, warum ich die Patenschaft für ein Versuchsfeld der 'Amflora'-Kartoffel in Brandenburg
übernommen habe." Eine Patenschaft für gentechnisch veränderte Pflanzen (die zudem zufällig einer Firma ihres Wahlkreises gehören, bei der sie früher selbst gearbeitet hat ...) als neue Sachlichkeit? Auch der kurz darauf folgende Hinweis, "eine
Verweigerung in Deutschland oder gar Europa wird diese Technologie nicht verhindern", ist nicht gerade ein sachliches Argument, sondern eine standortpolitische Parole. Im April 2010 schaffte sie das auch im Zweischritt. Zunächst beschwerte sie sich, denn "die Art und Weise, mit der man hierzulande Stimmung macht, hat für mich wenig mit Sachlichkeit als vielmehr mit dem Spiel mit Ängsten zu tun." Und fügt direkt im Anschluss hinzu: "das ist meiner Meinung nach schädlich für den Industriestandort Deutschland."
Im Original: Fakten, Fakten, Fakten ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus dem Munde von Doris Barnett (SPD-MdB)
Denn wer so naiv ist und sagt, die Forschung dürfe und solle natürlich hierzulande erfolgen, aber die Anwendung auf keinen Fall, der glaubt auch noch an den Nikolaus! Die Forschung geht doch dahin, wo auch ihr Ergebnis angewendet werden kann! ... Mich bedrückt das, weil ich der Meinung bin, wir hier in Deutschland haben sehr gute Standards, die wir gerade auch bei diesem sensiblen Forschungsgebiet zur Anwendung bringen sollten und die wir auch weiterentwickeln können. Sind wir aber „raus aus dem Spiel“, haben wir gar nichts mehr zu sagen und müssen das akzeptieren, was in anderen Ländern Standard ist.
Aus einer Pressemitteilung von InnoPlanta über das InnoPlantaforum 2006
Was passieren würde, wenn in Deutschland und Europa auf die Gentechnik verzichtet würde, skizzierte Dr. Horst Rehberger, Beiratsvorsitzender des InnoPlanta e.V.: „Dann wird die Welt über uns und unsere Ängstlichkeit hinweggehen. Damit dies nicht passiert, sollten wir die Chancen der Gentechnik für eine innovative und wettbewerbsfähige Landwirtschaft nutzen.“
Barnett ist nicht allein - so argumentieren fast alle BefürworterInnen der Gentechnik, wenn sie Sachlichkeit fordern. Gerade die Standortpolitik ist weit verbreitet, ebenso antiamerikanische Ressentiments, Sorgen um deutsche Firmen und Arbeitsplätze oder die angebliche Forschungsfreiheit. Das alles sind politische Ideologien, aber keine Argumente. Wer in den Papieren der Gentechniklobbyisten und -konzerne wühlt, wird aber entdecken, dass die Unsachlichkeit der BefürworterInnen Absicht und gewählte Strategie ist. 1997 verfaßten die PR-Agentur Burson Marsteller für die Gentechnikkonzerne ein Strategiepapier. In dem heißt es: Wenn es Europa-Bio gelingen soll, den Übergang zu einer effektiven öffentlichen Stimme zu vollziehen, muß eine Verlagerung von einer sachfragenorientierten Kommunikation hin zu einer auf 'Geschichten' gestützten Kommunikation stattfinden." Dann folgt der praktische Vorschlag zur bevorzugten Verwendung von "Symbolen, die Gefühle wie Hoffnung, Befriedigung, Fürsorge und Selbstwert erwecken".
Ein schönes Beispiel für den Ideologiekampf unter dem Deckmantel der Sachlichkeit bietet die FDP-Bundestagsabgeordnete Judith Skudelny in einem Brief vom 31.3.2010. Wie üblich bekräftigt sie, ihre Regierung stände "für Aufklärung und Wissenschaftlichkeit und für eine Versachlichung der emotional geführten Debatte". Und dann geht es emotional und ideologisch richtig zur Sache: "Mit der fundamentalen Ablehnung einer weltweit etablierten Züchtungsmethode werden wir den zukünftigen Aufgaben nicht gerecht werden können". Selbst tausendfach widerlegte Mythen werden bemüht: "Die künftigen globalen Herausforderungen wie die Ernährung von bald neu Milliarden Menschen ... erfordern den Einsatz dieser inzwischen bewährten Züchtungsmethode".
Im Original: Dichtung und Hintergründe an Beispielen ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aussagen der Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard, in: Zeit-Wissen 4/2009 - und was davon zu halten ist ...
"Die neue Bundesregierung muss sich klar zu gentechnisch veränderten Lebensmitteln bekennen. Sie sollte sich von Vernunft leiten lassen, nicht von Ideologie"
Wer in den Debatten die Beiträge von BefürworterInnen und KritikerInnen der Gentechnik liest, wird auf beiden Seiten differenzierte Argumente und pauschal-ideologische Beiträge finden. Argumente und gute Quellenarbeit ist aber vor allem Seiten der GentechnikbefürworterInnen sehr selten geworden. Der Text von Nüsslein-Volhard ist ein typisches Beispiel dafür.
"Um den Nahrungsbedarf einer wachsenden Weltbevölkerung zu decken, müssen wir die landwirtschaftlichen Erträge steigern."
So sieht Ideologie aus. Das scheinbare Argument suggeriert, dass Hunger eine Folge von Nahrungsmittelmengen ist. Das ist falsch. Es werden genügend Nahrungsmittel erzeugt, diese aber sind für viele Menschen in Folge von Krieg, Patriarchat, Vertreibung, Bürgerkriegen, Exporten nach Europa und andere Industrienationen sowie Verfütterung für den Fleischmarkt dort nicht mehr erreichbar. Würden überall die Menschen selbstbestimmt das Land ihrer Regionen bebauen können, gäbe es keinen Hunger.
"Entweder zerstören wir dazu Natur und machen unberührte Flächen urbar. Oder aber wir setzen die grüne Gentechnik ein, um unsere Äcker ergiebiger zu machen und weniger Pflanzenschutzmittel zu versprühen."
Auch hier fehlen alle Quellen. Mehrere Untersuchungen haben schon gezeigt, dass der Einsatz von Spritzmitteln beim Einsatz gentechnisch veränderter Sorten nach einiger Zeit wieder steigt und sogar das Vor-Gentechnik-Niveau überschreiten kann. Verheerender aber ist, dass Gentechnik die Industrialisierung der Landwirtschaft und die Mechanisierung des Landbaus fördert, d.h. im Ergebnis werden riesige Agrarflächen zunehmen. Was totalherbizid-bespritzte Riesenfelder mit Naturschutz zu tun haben sollen, erklärte Nüsslein-Volhard nicht.
"Sie schüren Ängste und behaupten, die Deutschen wollten keine Gen-Lebensmittel. Das stimmt nicht! Die Menschen wollen gesundes und preiswertes Essen, und das kann sehr gut aus gentechnisch gezüchteten Sorten produziert werden."
Es ist sinnvoll, alles mit Skepsis zu betrachten - auch Umfragen zur Akzeptanz von Gentechnik. Aber einerseits der anderen Seite ideologisches Denken vorzuwerfen und dann selbst ohne auch nur eine Quelle zu behaupten, die Menschen wollten Gentechnik, ist ein bemerkenswerter Widerspruch, der zeigt, dass hier eigene Ideologie hinter der Kritik an ideologischem Denken verschleiert wird.
"Bisher hat es keinen nachweisbaren Schaden für Mensch und Umwelt gegeben"
Seit Beginn der Gentechnik wird über gesundheitliche und ökologische Folgen gestritten. Je nachdem, für was es Fördermittel gibt oder wer den Auftrag bezahlt, kommen sehr unterschiedliche Ergebnisse heraus. Unstrittig aber ist, dass Gentechnik die Abhängigkeit von Bäuerinnen und Bauern erhöht und die Koexistenz gentechnikfreier Landwirtschaft unmöglich macht. Das ist ein Schaden für Menschen - auch wenn Nüsslein-Volhard in ihrer ideologischen Betrachtung solche Argumente nicht wahrnimmt.
"Wenn wir den Anschluss in der Pflanzenzüchtung nicht verlieren wollen, brauchen wir dringend Genehmigungsverfahren, die weniger restriktiv sind."
Die deutschen Genehmigungsbehörden sind in der Hand der GentechnikbefürworterInnen. Bislang sind 100 Prozent aller Anträge auch genehmigt worden. In den Fachkommissionen und Geldvergabestellen sitzen die BetreiberInnen der Versuchsfelder und genehmigen sich selbst ihre Anträge und Gelder. Überwachung von Gentechnik findet praktisch gar nicht statt (siehe Broschüre "Organisierte Unverantwortlichkeit").
"Und wir müssen diejenigen hart bestrafen, die in Nacht-und-Nebel-Aktionen unsere Felder verwüsten."
Der Ruf nach harter Strafe ist die Sprache der Ideologen - und so verrät sich Nüsslein-Volhard in diesem Satz gleich zweimal als solche. Das zweite ist die Formulierung "unsere Felder". Allzu deutlich wird hier die klassische Konfliktfigur aufgebaut: Das Böse bedroht uns alle. Das es vor allem um Profit und Karriere Weniger auf Kosten Vieler geht, soll so verschleiert werden.
- Interview mit Pat Mooney dazu im GID Nr. 172 (Oktober 2005, S. 39 - 41)
Hetzen, hetzen, hetzen
Bleibt zu erwähnen, dass die SelbstinszeniererInnen der Sachlichkeit und Faktenorientierung auch beim Dreindreschen auf ihre KritikerInnen jedes Maß verlieren und verbohrt-ideologisch ihre Pfründe und Fördermillionen verteidigen. GentechnikkritikerInnen werden wahlweise als "Gurus", "Scharlatane" oder "Angstrompeter" (Maxeiner/Miersch) diffamiert, gedanklich in Steinzeitkostüme verpackt oder einfach als dumm hingestellt. Aktionen gegen Genversuche sind "irrational und unfassbar" oder schlicht "Affentheater" (Prof. Kogel, Gießen). Wer nicht für die Agro-Gentechnik ist, sei "Bodensatz in unserer Gesellschaft" (Prof. Jacobsen, Hannover). Endlose Ketten solcher Sätze und Wörter produziert die Phrasendreschmaschine, die WissenschaftlerInnen, Konzerne und Lobbyverbände der Agro-Gentechnik bei ihren öffentlichen Äußerungen darstellen. Um sich auf die Argumente der Kritik gar nicht einlassen zu müssen, verweigerte der Braunschweiger Versuchsleiter Tebbe den Besuch einer kritischen Veranstaltung mit dem bemerkenswerten Hinweis auf den Referenten: "Der kommt gar nicht von hier". Einsicht in seine Akten, die er entsprechend dem Umweltinformationsgesetz gewähren muss, verweigert er einer gelernten Gärtnerin rechtswidrig mit dem Hinweis: "Sie verstehen die sowieso nicht". Ein anderer spricht einer Agenda-Gruppe gleich das ganze Recht auf Meinung ab: "Ist Ihr Verein eigentlich demokratisch legitimiert?" (Prof. Jacobsen, Hannover).
In der Hitliste dümmlicher Sprüche ganz vorne liegen die immer wieder - meist quellenlos - lancierten Umfrageergebnisse, dass unter dem Menschen mit höherem Bildungsgrad die Zustimmung zur Agro-Gentechnik überwiegt und es folglich nur an guter Bildung fehle. Seltsamerweise kommen solche Sprüche genau aus den Kreisen, die den Bildungsabbau betreiben und eine breite Grundbildung durch Eliteschulen und frühe Aufteilung der Kinder nach ihrem Vermögen, vorgegeben Wissen widerstandslos zu fressen, verhindern. Doch das wirre Feuerwerk an öffentlichen Angriffen hat ohnehin wenig Zusammenhang. Im Mangel an eigenen Argumenten wird nach dem Motto 'Angriff ist die beste Verteidigung' eine reine Ideologieschlacht geliefert, während gleichzeitig Sachlichkeit gefordert wird. Aber eigentlich sei die Debatte sowie überflüssig: Das Gerede über Auskreuzung z.B. anlässlich der Verunreinigungen von Maissaatgut einschließlich Vertuschungsstrategie in niedersächsischen Behörde sei einfach nur das "Aufblasen von Nichtigkeiten" (Maxeiner/Miersch).
Im Original: Hetze gegen die KritikerInnen ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Kommentar der Marktradikalen Ex-Ökos Dirk Maxeiner und Michael Miersch in: Die Welt, 2.7.2009
Gurus der Gentechnikgegner Vandana Shiva und Percy Schmeiser ... Die beiden genießen bei ihren Anhängern Kultstatus, gelten jedoch unter Wissenschaftlern als Scharlatane. Wer sich eingehender über die Inderin und den Kanadier informiert, stellt fest, dass sie in ihren eigenen Ländern ungefähr so bedeutend sind wie hierzulande der Vorsitzende des Rohkost-Vereins in Hinterpfuiteufel. Doch in Deutschland werden sie auf jedes Podium gehievt, wo sie seit Jahren die gleichen, längst widerlegten Behauptungen über Grünen Gentechnik abspulen.
Prof. Christoph Tebbe, Versuchsleiter beim Maisversuch in Braunschweig (2008 bis 2010) zu BesucherInnen einer kritischen Veranstaltungen (April 2009):
Zu einer Person, die die gesetzlich garantierte Akteneinsicht haben wollte: "Sie verstehen die sowieso nicht"
Über den Referenten: "Der kommt gar nicht von hier"
Über vermeintliche Schäden durch FeldbesetzerInnen: "100.000 Euro" . Später stand in einer Presseinformation des Betreibers: "400 Euro"
Hetzen gegen "emotionale" GegnerInnen, Werben für eigene "Sachlichkeit" ... und dann nur noch platte Sprüche
Auszüge aus NNN am 29.6.2009 über ein Gentechnik-Seminar an der Uni Rostock (Lehrstuhl von Prof. Inge Broer)
Dr. Heike Mikschofsky forscht an der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät. Am Sonnabend hat die junge Wissenschaftlerin Interessenten zu einem Workshop zur Gentechnik eingeladen. "Mein Ziel ist es, statt von einem emotionalen zu einem kritischen, aber sachlichen Diskurs anzuregen", schildert Mikschofsky ihre Beweggründe. ...
"Viele wissen gar nicht, was Gentechnik ist", sagt Mikschofsky. "Es steckt zum Beispiel ganz viel DNA in einer Banane." ... Die Gentechnik spiele heute eine zentrale Rolle. "Bei unserem Lebensstandard ist sie nicht mehr wegzudenken", sagt Mikschofsky. ... "Alle Produkte des Alltags kommen auf die eine oder andere Weise mit gentechnischen Verfahren in Berührung." Zur Frage der Gefahr sagt Mikschofsky: "Die Gentechnik ist doch nur ein Verfahren - das allein kann nicht gefährlich sein." Die Produkte, die dadurch entstehen, muss man bewerten. Sie vergleicht es mit dem Buchdruck. "Die Methode selbst ist nicht riskant, aber man kann gefährliche Bücher machen." ... Durch die Züchtung mittels Gentechnik greife man nicht anders in die Natur ein, als der Mensch es sowieso macht. ... Wer sich generell gegen diese Technologie in der Landwirtschaft entscheide, versperre sich gegen Fortschritt im Allgemeinen. "Beim Handy wusste man vorher auch nicht genau, ob es gefährlich ist oder nicht."
Statt auf Argumente einzugehen: Polemik pur
Aus "Forscher aus Überzeugung", in: FR 11.7.2009 (Hessen D3)
Karl-Heinz Kogel, Genosse, Alt-68er und respektabler Vizepräsident der Gießener Universität, findet das alles so "irrational und unfassbar", dass er die Augen verdreht. "Da hat sich ein Sumpf Autonomer gebildet, die unsere Arbeit massiv bekämpfen." Mit Greenpeace mag er noch debattieren. Die "Politclownerien" von Bergstedt dagegen seien "unter aller Kritik". "Affentheater" nennt er die Aktionen, die viele Mitarbeiter des Instituts aber durchaus als "psychische Bedrohung" empfunden hätten. Dass Experimente bewusst zerstört werden, sei in der Wissenschaft nicht vorgesehen.
Ohne Gentechnik leben wir wie Affen auf den Bäumen! (Quelle: Kanal8)
Umweltminister Frank Kupfer dazu: „Hoffentlich sind die selbsternannten Retter von Mensch und Umwelt zu Fuß nach Pillnitz gelaufen, waren mit einem Fell bekleidet und haben die 270 Bäume mit dem Faustkeil abgehakt. Das ist nämlich die Konsequenz aus Fortschrittsfeindlichkeit. Hätte die Menschheit niemals Neues gewagt, dann würden wir heute noch wie Affen auf dem Bäumen herumturnen."
Und auf agrarheute: "Sind also als nächstes die Apotheken und Krankenhäuser dran?" fragte er provokativ.
Kleine Nachhilfe für den "Umwelt"minister: Der Mensch stammt aus den Savannen, nicht aus dem Urwald ...
Bericht über ein Interview mit dem ehemaligen DFG-Boss Winnacker (top agrar am 22.7.2009)
„Auch Viren lassen sich nicht kontrollieren. Ich frage mich nur, was soll sich da ausbreiten? Die Gene sind alle aus der Natur genommen. Außerdem arbeiten Bauern jetzt schon mit genetisch verändertem Saatgut, ohne das sie gar nicht die nötige Ausbeute erzielen könnten. Wir müssen auch mit den Verbrauchern ehrlich sein: Fast jedes T-Shirt, das wir heute tragen, ist aus gentechnisch veränderter Baumwolle.“ Für den Forscher ist es daher wichtig, dem Verbraucher klar zu machen, wo die Gentechnik heute schon steht und das es kein Zurück mehr gibt.
Für absurd hält Winnacker auch die Abstandsregeln bei GVO-Feldern. Die Maispollen würden doch kilometerweit fliegen. So wie es heute in Deutschland mit der Gesetzgebung zugehe, würden alle Forscher und Firmen abgeschreckt, „am Ende bleibe nur Monsanto übrig, und dann beschwert man sich, es gebe ein Monopol“.
Als Beispiel nennt der ehemalige Generalsekretär des Europäischen Forschungsrates noch Kanada. Dank GVO hätten die Landwirte dort 350 000 t weniger Herbizide gebraucht.
Wolfgang Clement, Festredner auf dem InnoPlanta-Forum am 7.9.2009:
Deutschland wird sich jedenfalls nur dann als eine der stärksten Volkswirtschaften der Welt behaupten können, wenn wir auf den zukunftsträchtigen Feldern von Wissenschaft und Wirtschaft auch künftig eine international führende Rolle einnehmen. In der Biotechnologie wie auch auf anderen Feldern von Wissenschaft, Forschung und Entwicklung - nehmen Sie nur die Atomenergie, die CO2-freie Kohleverbrennung oder, um eine ganz andere Disziplin anzusprechen, die Stammzellforschung - ist dies zur Zeit nicht gewährleistet. So setzen wir die Zukunftsfähigkeit unseres Landes auf’s Spiel!
Auszüge aus "Was der Bauer nicht kennt" von Sebastian Beck in der Süddeutschen Zeitung am 30.6.2009 über eine gentechnikkritische Veranstaltung
Grusel-Show im Powerpoint-Format ...
Doch rationales Abwägen und Differenzierung spielen ohnehin keine Rolle mehr, wenn es um grüne Gentechnik geht. Wissenschaftler und die große Mehrheit der Bevölkerung stehen sich in dieser Frage unversöhnlich gegenüber: Die Diskussion sei extrem emotional und so aggressiv wie nie zuvor, sagt eine Mitarbeiterin von BASF. In den Labors des Unternehmens wurde unter anderem die Stärkekartoffel Amflora entwickelt. Selbst Umweltschützer halten ihren Anbau für ökologisch unbedenklich, behalten diese Erkenntnis aber lieber für sich. ...
"Wenn wir nicht alle Wissenschaftsorganisationen hinter uns hätten, dann wären wir absolut frustriert", beschreibt Kogel die Lage. So aber ist er trotz aller Anfeindungen optimistisch: "Die Wahrheit setzt sich immer durch." ... Die wissenschaftliche Literatur jedoch, die spreche "überwältigend eindeutig" für die Gentechnik und die Unbedenklichkeit der bisher zugelassenen Pflanzen. Das gilt nach Ansicht von Kogel auch für den BT-Mais MON810, dessen Anbau in Deutschland jetzt untersagt wurde. Kogel hat sich die Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich durchgelesen, auf die sich Landwirtschaftsministerin Aigner bei ihrem Verbot berief: "Für das normale Ökosystem sind die Ergebnisse völlig irrelevant", fasst er sie zusammen. ... Auch Kogel sieht die gravierenden Folgen der weltweiten Landwirtschaft. Deshalb habe er schon immer für eine Synthese aus Biolandbau und Gentechnik plädiert. Das wäre ein echter Sprung nach vorne, glaubt er.
Gepaart mit unglaublicher Arroganz ...
Auszüge aus einer Antwort des hannoverGEN-Chefs, Prof. Jacobsen, auf einen kritischen Brief (Schreiben vom 1.2.2010)
Durch was, wenn nicht durch ein ideologisch verengtes Bestreben, "etwas Gutes tun zu wollen", ist Ihr Verein eigentlich demokratisch legitimiert? ... es scheint einen Bodensatz in unserer Gesellschaft zu geben, der Faktenresistenz für eine Tugend hält. ... Abschließend: Selbstverständlich werden wir Ihrer bizarr anmutenden Aufforderung nicht nachkommen, empfehlen Ihnen aber, mal die website ... aufzusuchen, dann können Sie noch ganz viele drollige Briefe schreiben. Mit freundlichen Grüßen, H.J. Jacobsen
Bericht darüber im Blatt des "objektivsten Journalisten Deutschlands" (InnoPlanta-Preis 2009), Thomas Deichmann
Gentechnik - erklärt für Kinder im Volksfreund am 24.2.2010
Im Genmais MON 810 zum Beispiel steckt ein künstliches Gen. Es sorgt dafür, dass der Mais ein bestimmtes Gift herstellt, das eigentlich aus einem Bakterium stammt. Es wirkt gegen den Maiszünsler. Die Raupen dieses Schmetterlings knabbern gern an Maispflanzen rum. Das schadet den Pflanzen und die Bauern können weniger Maiskolben ernten. Mit dem Genmais passiert das nicht.
Auskreuzung als "Nichtigkeit"
Ex-Öko und Jetzt-Neoliberaler Michael Miersch kommentiert in "Die Welt" (9.6.2010) die Vermischung von Mais mit gv-Mais:
Greenpeace veranstaltet großes Getöse um 0,1 Prozent Genmais, der im Saatgut einer Norddeutschen Firma enthalten ist. Die Körner wurden in mehren Bundesländern von den Landwirten ausgesät. Es sei der „größte Gentechnik-Saatgut-Skandal in Deutschland“. Das gehört zum Geschäft, wenn man durch Angstmachen Spendengelder eintreibt. Aber müssen Politiker bei dieser Show mitmachen?
„Eine ziemliche Sauerei“, sekundiert Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus, der Mais müsse vernichtet werden. Dabei weiß er genau, dass dieser Mais weder der Umwelt noch der menschlichen Gesundheit schadet und bereits von Millionen Menschen in aller Welt gegessen wird. Auch in der EU ist die betreffende Sorte schon seit dem Jahr 2004 zugelassen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stellte fest, dass es keine wissenschaftlichen Bedenken gegen die Nutzung als Lebens- und Futtermittel gibt. Nur die politische Entscheidung der Mitgliedstaaten, über die Genehmigung steht noch aus.
Die angebrachte Reaktion gegenüber den Greenpeace-Aktivisten wäre also, sie höflich zu fragen, ob sie sonst keine Sorgen haben. Wenn es der Organisation wirklich um die Umwelt ginge, gäbe es einiges für sie zu tun. Denn es gibt tatsächlich einen großen Mais-Skandal in Deutschland. Er findet vor unser aller Augen statt und hat schwerwiegende Folgen für die Natur – doch nichts mit Gentechnik zu tun.
Der Biogas-Boom hat dazu geführt, dass heute 30-mal mehr Mais Angebaut wird als vor 50 Jahren. In den großen Monokulturen kann fast nichts außer Wildschweinen leben. Die Bestände vieler Feldvögel sinken rapide. Es ist die größte und folgenreichste ökologische Veränderung der Landschaft seit Jahrzehnten. Aber die Angstrompeter haben keine Zeit für Ökologie, weil sie mit dem Aufblasen von Nichtigkeiten zu beschäftigt sind.
Bitte, liebe Greenpeace-Aktivisten, schickt die Bilder vom Verbrennen des bösen Gen-Maises den Fischern im Golf von Mexiko. Damit die auch einmal sehen, was für schreckliche Probleme Deutschland hat.
Christel Happach-Kasan (FDP-MdB) im Interview der taz, 30.8.2010
Fragen Sie mal die Leute, ob wir Dihydrogenmonoxid verbieten sollen. Dann sagen exakt die 70 Prozent, die gegen Gentechnik sind: Wir müssen Dihydrogenmonoxid verbieten. Warum? Weil kein Mensch weiß, dass Dihydrogenmonoxid Wasser ist. Das bedeutet: Wir brauchen mehr Aufklärung über die Gentechnik in der Landwirtschaft.
- Gesammelte Schmuddelkritik auf Schattenblick am 4.9.2009
- Im September 2009 betrat ein neuer Streiter für die Gentechnik die Bühne: Ex-Genosse der Bosse Wolfgang Clement
Wer lügt und betrügt da?
Alle. Die Konzerne ebenso wie die ForscherInnen, Behörden Hand in Hand mit den Lobbyverbänden. Parteien bilden Abgründe und Sümpfe ebenso wie die MacherInnen an den Hauptstandorten. Mitunter genügen auch Blicke, wer da mit wem kungelt oder wer an anderen Orten welche Positionen vertritt oder politische FreundInnen unterstützt. Beeindruckend haben z.B. Thomas Deichmann, Michael Miersch und Dirk Maxeiner, Namen dubioser PublizistInnen, gemeinsam? Einerseits agieren sie mit plattesten Veröffentlichungen. Andererseits kommen sie von der ursprünglich anderen Seite, d.h. aus ökologischen oder antikapitalistischen Strömungen und Projekten zu ihren heutigen Positionen. Miersch und Maxeiner betreiben mit Henryk M. Broder zusammen ein Internetprojekt. Letztere verteidigte Ende August 2010 den SPD-Rassisten Thilo Sarrazin, als dieser behauptete, es gäbe spezifische Juden- und Baskengene. Sein O-Ton: "Sarrazin hat Recht, man könnte ihm allenfalls vorwerfen, dass er in seiner Analyse nicht weit genug geht.“ Die Mischung ist krude, denn pro Sarrazin äußerten sich auch der CSU-Europagegner Gauweiler, Peter Sloterdijk, Ralph Giordano („Sarrazin hat vollkommen recht“), Hans-Olaf Henkel, Necla Kelek, Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) und der Chef vom Dienst beim FOCUS-Magazin, Michael Klonovsky. Letzterer pflichtet Sarrazin nicht nur bei, sondern wütet in seinem Artikel „Das Gott-Wort der Guten“ nicht weniger grausig. (Recherche: Teidelbaum, Mail vom 30.8.2010).
Links
- KWS versucht sich in Fragen und Antworten zur Gentechnik
- Studie „Die Heilsversprechen der Gentechnikindustrie - ein Realitäts-Check“ ++ Infoseite des BUND dazu
- Schönes Beispiel für das Hickhack um die Grüne Gentechnik: Wikipedia voller Streit, Unklarheiten ...
- Übersicht über Argumente der GentechnikbefürworterInnen und Gegenargumente als Tabelle
- Seite des Nabu zu 10 Mythen der Gentechnik und Gegenpositionen
- Die Gentechnik hält nicht, was sie verspricht (englisch) ++ Langfassung ++ Kurzfassung (PDF)





