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Argumente

Aber warum?

Texte der AktivistInnen ++ Interview ++ Keine Öko-Inseln ++ Argumente ++ Stimmen gegen und pro Gentechnik? ++ Links

Ich hab's getan!

Begründungen der FeldbefreierInnen von Gießen (2006)

"Pourquoi je l'ai fait ?"
Noch ist es nicht zu spät.
Die Genmultis wollen gentechnisch veränderte Organismen durchsetzen, um Profite zu machen.
Die Bevölkerung will diese Gen-Pflanzen nicht.
Die Politik hat längst versagt.
Sie unterstützt sogar die Gentec-Mafia mit öffentlichen Geldern.
Dies lasse ich mir nicht gefallen.
Noch ist es nicht zu spät. Es ist höchste Zeit zu Handeln!
Feldbefreiungen sind keine unüberlegten Handlungen.
Sondern ein bewuster gewaltfreier Verstoß gegen Gesetze.
Ich setze mich schon seit Jahren zu Wehr als Faucheuse Volontaire (Französische FeldbefreierInnen)
Internationaler Widerstand ist notwendig, sonst wird alles verseucht.
Es handelt sich um Notwehr. Darum direct action !
Ich will das Problem an die richtigen Wurzeln packen - nicht nur die
Pflanzlichen.
Das kapitalistische System fördert menschenverachtende Technologien wie Gentec oder Atomkraft
Kapitalismus entsprechend soll bekämpft werden.
Résistance!
C., Feldbefreierin aus Frankreich

"Ich tat es",
weil publik werden muss, dass die von Profitgier getriebene Agro-Industrie im Verbund mit willfährigen Politikern und skrupellosen Wissenschaftlern, ohne Rücksicht auf den Mehrheitswillen der Bevölkerung und bei Hinnahme irreparabler Folgeschäden an Gottes Schöpfung, ihre ureigensten Interessen durchsetzen will.
K., Feldbefreier aus Baden-Württemberg

Gentechnik ist eine Technologie, die aus dem Interesse an Profit und Kontrolle heraus vorangetrieben wird. Geforscht wird an Kombinationsmöglichkeiten mit profitablen Spritzmitteln oder am sog. Terminator-Gen, das verhindert, dass LandwirtInnen das Saatgut selbst weitervermehren können. Solche Techniken dienen nicht den Menschen, sondern Konzerninteressen. Es gibt keinen Grund, die „Biosicherheit“ solcher Genmanipulationen zu erforschen, weil die ganze Technologie bei solchem Vorzeichen dem Leben und den Menschen nicht hilft. Doch obwohl das so ist, wird sie mit den Mitteln des autoritären Staats durchgesetzt: Sofortvollzug und Polizeibewachung. Wo aber das Leben und die Selbstbestimmung der Menschen unter die Interessen von Profit und Macht gestellt werden, da ist es wichtig, aufzustehen und „Nein“ zu sagen! Und nicht nur das: Auch das „Nein!“ zu einer Praxis des Lebens zu machen – einem Leben jenseits von Anpassung, Ducken und Gleichgültigkeit. Meinen Kopf und meine Hände habt Ihr noch nicht unter Kontrolle – Ihr könnt sie nur einsperren!
J., Feldbefreier aus Hessen

Wenn normalerweise rational handelnde Leute systematisch gegen die Spielregeln verstoßen und dabei ein hohes Risiko eingehen, ist das eher ein Zeichen für Systemversagen als ein Anzeichen des allgemeinen moralischen Verfalls.
Wirtschaftsjurist Marco Becht am 28.7.2008 bei Spiegel Online zum Siemens-Schmiergeld-Skandal

Rückblick auf die Feldbefreiung Pfingsten 2006

Begründungen weiterer FeldbefreierInnen und -besetzerInnen

Warum Feldbefreiung? (Interview mit dem Imker Micha Grolm)

Wir sperren ein Schaf und einen Wolf ein, und gucken mal was übrig bleibt!
Von Tierschützern, die heimlich die Käfige von Nerzen und Füchsen aus Pelztierfarmen öffnen, hat man schon gehört. Weniger bekannt ist, dass auch ganze Genfelder in Deutschland "befreit' werden. Um sich gegen die Agro-Gentechnik auf den Äckern der Republik zu wehren, wollen die Mitglieder der Bürgerinitiative Aktion Freiwillige Feldbefreiung Gendreck-weg in zwei öffentlichen Feldbefreiungen im Juni und Juli genmanipulierte Pflanzen ausrupfen. Michael Grolm, Agraringenieur und Berufsimker aus Tübingen, hat die Initiative mitgegründet.

punkt.um: Welche Ziele hat sich die Bürgerinitative Gendreck-weg gesetzt?
Michael Grolm: Keine Agro-Gentechnik in Europa und weltweit.

Und wie will die Initiative das erreichen?
Indem wir Felder von genmanipulierten Pflanzen befreien, leisten wir zivilen Ungehorsam des gewaltfreien Widerstands. Damit wollen wir die Politik zum Handeln zwingen.

Umfragen zufolge wollen 80 Prozent der Deutschen kein Genfood auf ihrem Teller. Überzeugt werden müssten also eher die Landwirte, die GVO anbauen. Halten Sie es für die geeignete Methode deren Ernte zu vernichten?
Wir sind selbst Landwirte und diskutieren auch mit den Kollegen, die manipuliertes Saatgut ausbringen. Der Agrarunternehmer, dessen Maispflanzen wir im letzten Jahr ausgerissen haben, meinte, er habe nun mal eine Genehmigung für den Anbau seiner manipulierten Pflanzen und alles andere sei nicht sein Problem. Das bedeutet, wir müssen einen anderen Weg gehen. Entscheidend ist die Politik. Wenn bei den kommenden Feldbefreiungen 500 bis 1.000 Menschen auf den Acker gehen, können die Volksvertreter den Protest der Bürgerinnen und Bürger nicht länger totschweigen.

Welche Bevölkerungsgruppen werden bei den Feldbefreiungen dabei sein?
Zum Großteil engagieren sich Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten oder damit zu tun haben, also Imker, Bauern oder auch Naturkosthändier. Ansonsten rekrutieren sich die Feldbefreier aus Gruppen des Anti-AKW-Widerstands, aus der Globalisierungskritik und der Friedensbewegung.

Was motiviert die Menschen dazu dem Genmais auf die Pelle rücken?
Viele Leute sammeln seit Jahren Unterschriften gegen Gentechnik und haben festgestellt, dass sich die Politiker davon nicht beeindrucken lassen. Feld­befreier sind Menschen, denen das Problem unter den Nägeln brennt und die was machen müssen. Die Agro-Gentechnik spielt mit dem Saatgut, das den Menschen auf dieser Weit Leben garantiert.
Politiker beschwören immer, dass genmanipulierte und herkömmliche Pflanzen problemlos nebeneinander existieren könnten. Aber ich habe noch niemanden gefunden, der dafür garantieren kann, dass mein Honig frei von gentechnischen Pollen ist und sein wird. Wer die Koexistenz befürwortet, handelt nach dem Motto "Wir sperren ein Schaf und einen Wolf ein, und gucken mal was davon übrig bleibt“.

Die französischen Anti-Gen-Aktivisten haben bei Feldbefreiungen ganze Äcker umgegraben.
Wenn man uns lässt, machen wir das auch.

Im Sommer vergangenen Jahres haben Mit­glieder von Gendreck-weg auf einem Feld in Strausberg bei Berlin Maispflanzen ausgerupft und vor das Brandenburger Tor gekippt. Was haben die Aktionen gebracht?
Die Aktion hat das Thema Gentechnik wieder in die Medien gebracht, davor ist das Problem lange Zeit nicht mehr in der öffentlichen Meinungsbildung aufgetaucht.
Bei der Feldbefreiung standen 300 Aktivisten 300 Polizisten mit einem Hubschrauber, Hundestaffel, Pferdestaffel und Räumpanzern gegenüber. Trotzdem hat die Polizei nicht verhindern können, dass doch einige Teilnehmer aufs Feld gekommen sind und dort Pflanzen ausgerissen haben. Dabei haben sie auf ungefähr 500 Quadratmetern die Ernte zerstört. Nicht unbedingt viel bei zehn Hektar Gesamt­flache, aber es zeigt, wie entschlossen die Feld­befreier sind.

Wie werden die Politiker reagieren?
Wahrscheinlich genauso wie beim letzten Mal. Man wird uns mangelndes Dernokratieverständnis vor­werfen und versuchen uns zu kriminalisieren.
Wegen Aufruf zur Straftat läuft gerade ein Gerichtsverfahren gegen mich als Pressesprecher und den Betreuer der Komepage von Gendreck-weg. Wir freuen uns aber schon darauf dem Gericht unsere Beweggründe näher zu bringen.

Wodurch werden sich die diesjährigen Feldbefreiungsaktionen von denen im letzten Jahr unterscheiden?
Diesmal erwarten wir nicht nur mehr, sondern auch Teilnehmer aus anderen Ländern. Für die erste Aktion am Pfingstwochenende in Süddeutschland mobilisiert das französische Agrarbündnis Faucheur volontaire d'OGM Demonstranten.
Zur zweiten Feldbefreiung in Ostdeutschland Ende Juli erwarten wir viele polnische Landwirte, die keine kontaminierten Pflanzen ernten wollen. Polen hat sich gegen Agro-Gentechnik ausgesprochen und die Bauern an der Grenze zu Deutschland sind nicht besonders gut darauf zu sprechen, dass ausgerechnet hier die meisten, teilweise bis zu 50 Hektar großen Genfelder bewirtschaftet werden.

Welchen Erfolg wünschen Sie den Feldbefreiungen im Juni und Juli?
Die Bewegung gegen Agro-Gentechnik soll stärker werden und noch viele Genfelder öffentlich befreien. Wir wollen die Politiker so stark unter Druck setzen, dass sie den Willen der Bevölkerung endlich umsetzen. Wir wollen keine Gentechnik und wir lassen nicht zu, dass man unser Saatgut verschmutzt.
[Interview: Helena Obermayr]

Brief von Erwin Chargaff an die ersten FeldbesetzerInnen (1993 in Wetze)

„Liebe Freunde!
Diese Worte, die ich selbst gerne gesprochen hätte, müssen ohne mich über den Ozean eilen, denn ich kann leider nicht persönlich anwesend sein. Dennoch will ich es nicht unterlassen, meine große Sympathhie auszudrücken für das, was ihr unternommen habt. In einer Zeit, in der unverantwortliche Mächte sich angemaßt haben, die Zukunft der Erde für Geld zu verpfänden, muss der einzelne aufstehen und seinen Protest so laut er es nur kann bekunden. Ich sage: für Geld verpfänden, denn jetzt trägt die Habgier die Maske der Wissbegierde.
Ich glaube, das ich der erste Naturforscher war, als ich vor fast 20 Jahren meine Warnung vor der damals einsetzende Molekulargenetik und Gentechnologie öffentlich aussprach. Unterdessen haben sehr viele Leute ihre Übereinstimmung mit diesem Mahnruf ausgesprochen. Ich hatte es damals gewagt, weil ich sehr gut wusste, das die Menschen immer mehr können als sie sollen, denn jeder kleine Biologe ist davon überzeugt, das er den Marschallstab des Prometheus im Tornister führt.
Was ist Natur? Jetzt muss leider die Antwort sein: Natur ist die Welt ohne den Menschen. Es war nicht immer so. Bis ins 18. Jahrhundert hinein hätte man sagen können, das der Mensch ein Teil der Natur ist bzw. sich als einen solchen betrachtete. Beginnender Industrialismus und Kapitalismus rissen ihn daraus heraus, und es begann ein Kampf der Menschheit gegen die Natur, der in unserer Zeit den bisherigen Höhepunkt erreichte. Diesen Höhepunkt erblicke ich darin, dass erst in unserer Zeit die wahrhaft irreversible Schädigung der Natur eingesetzt hat. Das ist es, was uns historisch gesehen von allen unseren Vorgängern abhebt. Die Strahlung aus den Atommülldeponien wird vielleicht die Menschheit überleben, die Freisetzung von genetisch veränderten Lebewesen kann nie mehr rückgängig gemacht werden. Vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte hat der Mensch mit plumpen Fingern und einem lügnerischen Herzen in die Schöpfung eingegriffen. Wenn die Genetiker uns versichern, dass dabei nichts passieren könne, so belügen sie sich vielleicht selbst. Sie sollten nicht erstaunt oder betrübt spielen, wenn wir ihnen keinen Glauben schenken. In denke, es war ein schwarzer Tag für uns alle, als das Patentamt in Washington genetisch veränderte Lebewesen als patentfahig erklärte. Wäre das nicht geschehen, so hätte die Industrie ihre Finger davon gelassen, denn Gentechnik ist kostspielig und hat vorläufig eigentlich zu keinen nennenswerten Erfolgen geführt. Das enorme Geschrei in den Medien darf uns nicht darüber täuschen. ...
Nur noch eins möchte ich sagen. Aus hauptsächlich kommerziellen Gründen befasst sich die Industrie jetzt besonders mit genetisch veränderten Nutz- und Genusspflanzen. Was da hemmgestümpert wird ist unbeschreiblich. Was an den Materialien neben der vorgesehenen genetischen "Verbesserung" noch alles verändert worden ist lässt sich nicht sagen. Ich Glaube, das wir darauf bestehen sollten, das in einem jeden Falle der irreversiblen Freisetzung von genetisch malträtierten Organismen die daran Beteiligten gezwungen werden müssen, einen Reservefond zu errichten, um eventuelle Beschwerden, Schädigungen und Prozesskosten gutzumachen. Die Gesetzgeber werden da noch viel zu tun haben. Wir müssen betonen, wie sehr wir in diesen Dingen noch im Dunkel tappen; besonders da Zeitmaß und Art der Schädigung überhaupt noch nicht definierbar sind.

Der Briefschreiber, Erwin Chargaff, war ein weltweit anerkannter Molekularbiologe. Er lehrte und forschte an der Columbia-Universität in New York und schrieb zahlreiche Bücher über die Anmaßung der Menschen in ihrer zivilisatorischen Verblendung.

Weitere Interviews und Gründe für Feldbefreiungen

Kathrin Henneberger, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND, zum gentechnikfreien Wochenende 2008 (Quelle)
Solange kein Verbot von Gentechnik existiert, ist es legitim, sich gegen die Aussaat von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) durch zivilen Ungehorsam zu wehren. Den Erfolg dieses zivilgesellschaftlichen Widerstands haben die jüngsten Feldbesetzungen gezeigt. Die GRÜNE JUGEND lehnt gentechnisch veränderte Organismen (GVO) für die Forst- und Landwirtschaft ab. Einmal in die Natur gelassen, ist die Gentechnik nicht rückholbar. Die effektivsten Haftungs- und Abstandsrichtlinien werden dies nicht verhindern. Mit Hilfe des Patentschutzes können internationale Saatgutfirmen, wie Monsanto die LandwirtInnen von ihnen abhängig machen und damit kontrollieren, was auf unseren Tellern landet.

Die sichere Insel der Gentechnikfreiheit gibt es nicht!

Während die Menschen hinter Gitter gesteckt werden, jagt eine schlechte Nachricht die andere. Die längst unkontrollierbar gewordenen Gentechnik erreicht immer mehr Lebensmittel und Saatguthändler. Was in Süd-, Nordamerika und Teilen von Asien schon Alltag ist, droht jetzt auch Europa: Gentechnikfreiheit wird zum Gegenstand der Geschichtsschreibung. Schuld daran ist nicht hauptsächlich, aber auch eine absurde Propaganda vieler gentechnikkritischer Verbände, mensch könne durch die Wahl der richtigen Produkte im Laden die Auskreuzung eindämmen.

Kommentar: Die Strategie der glücklichen Insel war und ist dumm!
Ob Umwelt- oder Biolandbauverbände, Grüne oder viele weitere – in der Hauptsache beschränken sich ihre Vorschläge zur Verhinderung der Agro-Gentechnik auf das richtige Kaufverhalten oder auf solche politischen Entscheidungen, die das Kaufverhalten beeinflussen. Klarer Spitzenreiter der Hitliste politischer Vorschläge: Die Kennzeichnung. Dann könne sich der Verbraucher, so die Behauptung, entscheiden, ob er/sie gentechnikfrei leben will oder nicht. Gleichzeitig ist von den genannten Verbänden und Parteien dort, wo die deutschen Genfelder des Jahres 2009 stehen, nicht oder fast nichts zu sehen.
Diese strategische Entscheidung ist fatal und ein Teil des Problems. Es wird Zeit, dass die Bio-Tomaten von den Augen fallen und die einschläfernden Illusionen der Grünen, Umwelt- und Biolandbauverbände platzen. Denn die Gentechnik ist etwas, was sich von selbst auskreuzt – und zwar unaufhaltsam überall hin, solange es die Quellen gibt. Die Ausbreitung der gentechnisch veränderten Pflanzen kann also nur verhindert werden, wenn die Quellen gestoppt werden: Die Felder mit gv-Pflanzen oder, noch einen Schritt vorher, die Labore und Firmen, die solche Pflanzen entwickeln, sowie die staatlichen Förderprogramme, deren Millionen das alles erst provozieren. Solange sie bestehen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die gv-Bestandteile in den Regalen ankommen – egal ob Supermarkt oder Bioladen. Werden Produkte gekennzeichnet, aber die Felder belassen, so ist die Kennzeichnung nicht als die Suggestion einer Wirkung, die Schaffung einer Wohlfühlzone scheinbarer Idylle. Sie mutiert zur gefährlichen Beruhigungspille und trägt dazu bei, dass die 80 Prozent GentechnikgegnerInnen ruhig und abwartend das totale Desaster, nämlich die Auskreuzung der gv-Pflanzen in alle Ecken der Welt hinnehmen.
Übrigens: Das bewusste Einkaufen beim Bauernhof, im Bioladen oder in anderer Weise politisch überlegt bleibt dennoch wichtig. Es hilft, selbstbestimmte Wirtschaftsweisen zu erhalten, Spritzmittel zu reduzieren und den Boden zu schützen. Nur gegen Gentechnik hilft es wenig.

Propaganda der sicheren Bio-Insel

Aus der Broschüre Nr. 16/1 "Gentechnik im Essen? Nein Danke!" (S.11)
Mit Bio auf der sicheren Seiten ...
Wenn Sie kein Gen-Food wollen, kaufen Sie keine Lebensmittel mit dem Hinweis "gentechnik verändert". Am sichersten sind PRodukte aus dem Ökolandbau ...

Zur Frage der Kennzeichnung

Aus der taz vom 17.1.2008
Beim Streit über die neuen Gentechnikregelungen sind die politischen Koordinaten auf den Kopf gestellt. Der Deutsche Bauernverband, Tierfutterhersteller und die Lebensmittelwirtschaft blasen zum Sturm gegen das neue Gentechnikgesetz und das neue "Ohne-Gentechnik"-Label, die unter der Regie von Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) noch diesen Monat im Bundestag verabschiedet werden sollen.

Aus Westfalen-Blatt am 12.1.2009
... wird durch das Logo »Gentechnikfrei« hinters Licht geführt. 0,9 Prozent sind eben nicht nichts. Leider ist ein Totalverbot kaum zu kontrollieren. Spätestens ab dem Punkt, von dem an genveränderte Substanzen nicht mehr nachweisbar sind, stößt sich der Absolutheitsanspruch an der Realität.

Argumente gegen Gentechnik

Allgemeine Kritik an herrschaftsförmig entwickelter Technik
Fehlende Akzeptanz

Aus "Verbraucher wollen keine Gentechnik vom Acker" in: FR, 21.2.2007
Drei Viertel der Konsumenten lehnen Gen-Lebensmittel ab / Nabu klagt gegen Freisetzungsversuch bei Berlin
Die Gentechnik auf dem Acker stößt nicht nur bei Verbrauchern weiter auf hartnäckige Ablehnung. Auch in landwirtschaftlichen Kreisen gibt es keine Akzeptanz, bestätigen jüngste Umfragen.
Frankfurt a.M. Eine neue Studie zur Gentechnik der GfK-Marktforschung vom Dezember kommt zu dem Ergebnis, dass die große Mehrheit der Verbraucher keine gentechnisch veränderten Lebensmittel essen möchte. 74,9 Prozent der Konsumenten lehnen laut der Studie "die Entwicklung und Einführung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln generell ab". Nur 6,7 Prozent befürworten diese Praktiken, 18,3 Prozent stehen dem Thema gleichgültig gegenüber.
In den einzelnen Lebensmittelbereichen fällt die Ablehnung sogar noch deutlicher aus: Zu mehr als 85 Prozent sagen die Kunden Nein zu tierischen Produkten wie Fleisch, Wurst oder Schinken, wenn sie mit Hilfe der Gentechnik hergestellt wurden. Dieses Nein bezieht sich nicht nur auf den direkten genetischen Eingriff beim Tier, sondern auch auf die Fütterung mit gentechnisch veränderten Pflanzen wie Mais, Raps oder Soja. ...
... auf die Frage, ob die Forschung zur grünen Gentechnik in Deutschland erleichtert werden sollte, was die Bundesregierung plant, antworteten 88,6 Prozent mit: "Nein, auf gar keinen Fall". Weitere sieben Prozent reagierten in abgeschwächter, aber immer noch gegen die Forschung gerichteter Form: "Nein, besser nicht". Gerade zwei Prozent befürworten eine Intensivierung der Gentechnikforschung auf deutschen Äckern.

Aus Marcus Lemke (2002): "Gentechnik - Naturschutz - Ökolandbau", Nomos in Baden-Baden (S. 17)
So wollen jüngeren europaweiten Umfragen zufolge 94,6 % der Europäer die Möglichkeit haben, selbst aussuchen zu können, ob sie gentechnisch veränderte Lebensmittel verzehren oder nicht. 70,9 % der Europäer wollen keine gentechnisch veränderten Lebensmittel ...

Genauere Aufschlüsselung der Prozentzahlen zu Ablehnung, Unsicherheit und Zustimmung zur Gentechnik
Aus einem Bericht über eine Studie in "GDI-Impuls" (Oktober 2008)

16% lehnen aus einer expliziten Werteüberzeugung heraus solche Lebensmittel ab. Diese Gruppe der "Ablehner" wird ergänzt von 30% "misstrauisch-ängstlicher" Konsumenten, die eine emotionale Ablehnung gegen Fortschrittsthemen haben, sich mit dem Thema nicht wirklich auseinandersetzen, sondern hilflos-passiv und mit Verdrängung reagieren.
Während also 46% der Konsumenten in Deutschland gentechnisch veränderte Lebensmittel kategorisch ablehnen, zerfällt die Mehrheit der potenziellen Käufer solcher Lebensmittel in drei verschiedene Gruppen: 18% "Desinteressierte" beschäftigen sich allenfalls oberflächlich mit dem Thema und halten es persönlich für bedeutungslos. Weitere 20% gehören zu den "Aufgeschlossen-Ängstlichen", sind rational positiv gegenüber der Gentechnik eingestellt, auf der emotionalen Ebene aber nicht überzeugt; sie lassen sich durch negative Meldungen in den Medien verunsichern. Zu den Befürwortern der Gentechnik, die volles Vertrauen in den Fortschritt haben und sich auf die Chancen neuer Technologien konzentrieren, gehören 16% der deutschen Konsumenten.

Ökologische Folgen

Grundsätze der Verordnung (EG) Nr. 1829/2003
Nach der Verordnung dürfen gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel
- keine nachteiligen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier oder die Umwelt haben,
- die Verbraucher oder Benutzer nicht irreführen,
Aus dem Informationsblatt der EU "Fragen und Antworten zu den GVO-Bestimmungen der Europäischen Union" (MEMO/08/117 vom 26. März 2007)

Eine völlig neue Art von Risiko

Aus Regenbrecht, Gunther (2005): „Monitoring gentechnisch veränderter Organismen“, wvb Berlin (S. 88 f.)
Aus alledem folgt, die Vorsorgesituation der Atomtechnologie ist nicht mit der der Gentechnologie identisch. In der Gentechnik gibt es kein der Kernenergie entsprechendes Restrisiko. Gentechnologie ist durch weitreichende Erkenntnislücken bezüglich der Auswirkungen von GVO auf die Umwelt gekennzeichnet. Aufgrund der weitgehend unbekannten Synergien können zukünftige Schädigungen beim Umgang mit GVO zum gegenwärtigen Zeitpunkt (noch) nicht ausgeschlossen werden. Im Einzelfall kann es zwar vorstellbar sein, einen bestimmten schadensbegründenden Kausalverlauf auszuschließen, die Annahme einer generellen Unschädlichkeit eines gentechnischen Vorhabens, welche jeden denkbaren und auch noch undenkbaren Kausalverlauf umfasst, ist jedoch nicht möglich. Insofern ist es zumindest in diesem Zusammenhang verfehlt, von einem Restrisiko zu sprechen. Ein der Gentechnologie innewohnendes Basisrisiko besteht nach derzeitigem Stand der Wissenschaft bei jedem Vorhaben'". Dies ist auch nicht mit dem Risiko konventioneller Züchtungen zu vergleichen. Bereits aus der Andersartigkeit des Vorgangs der gentechnischen Veränderung gegenüber konventioneller Züchtung - durch gentechnische Methoden entstehen nach Ansicht der Enquete-Kommission "Chancen und Risiken der Gentechnologie" neue Möglichkeiten, durch gezielten Genaustausch über alle Artengrenzen hinweg die natürliche Evolution mit neuen Stufen der Geschwindigkeit und Direktheit zu beeinflussen - lässt sich auf die Andersartigkeit der Folgen und Risiken schließen.

Stimmen gegen die Gentechnik

Aus einem Interview mit dem Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbunds Brandenburg, in: taz, 9.8.2008
Aber als Verbraucher von Saatgut, als Landwirt, bin ich strikt gegen die Anwendung der Gentechnik.
Warum?
Weil gentechnisch veränderte Lebewesen patentiert sind und wenige Großkonzerne uns damit das bäuerliche Eigentum an Pflanzen und Tiere wegnehmen wollen. Eine Koexistenz von konventionellen und genmanipulierten Kulturpflanzen ist nicht möglich, die Hersteller weigern sich, die Haftung zu übernehmen. Und durch das Patentrecht begibt man sich in eine totale Abhängigkeit von der Industrie. ...
Gentechnik ist in Brandenburg eine Randerscheinung von Betrieben, die ihren Ackerbau nicht im Griff haben. ...
Es gibt keine Notwendigkeit, Gentechnik anzuwenden. Der Maiszünsler, vor dem uns der Genmais schützen soll, ist zwar ein neuartiger Schädling, aber Schädlingsbekämpfung beherrschen wir Landwirte schon seit 1.000 Jahren - auch ohne Gentechnik. Mit vernünftiger Fruchtfolge und intensiver Bodenbearbeitung kann der Maiszünsler auch so wirksam bekämpft werden, im Zweifelsfall spritzen wir ein Insektizid. Das ist immer noch besser, als alle Pflanzen vorbeugend zu vergiften, wie das beim Genmais der Fall ist.

Rede des Bundestagsabgeordneten Dr. Wolfgang Wodarg (SPD) am 26.3.2009:
In der Entwicklungspolitik gibt es zurzeit ein sehr wichtiges Thema: dass die Agrarindustrie sich überall in der Welt Flächen kauft. Wir haben gesehen, dass in Madagaskar ein Drittel der landwirtschaftlichen Fläche von einer einzigen Firma aufgekauft wurde, die dort eine Monokultur plant. Ich habe mit einer Delegation aus Kongo-Brazzaville gesprochen, die mir berichtet hat, dass entlang der Eisenbahnlinien – das sind viele Hundert Kilometer – ein 20 Kilometer breiter Streifen aufgekauft worden ist, auf dem der Wald gelichtet und Ölpflanzen angebaut werden sollen. Auch die Paraguayer haben von ihren Konflikten berichtet. Sie haben große Sorge, weil sehr viele Menschen von ihren Ländereien vertrieben werden, die als Kleinbauern ihre Existenz durch Subsistenzwirtschaft gesichert haben und jetzt in müssen wir anschließend mit unseren Entwicklungshilfeprogrammen dafür sorgen, dass sie nicht verhungern und menschenwürdig leben können. Das sind die Folgen einer Agrarindustrie, die weltweit eine große Rolle spielt. Es ist nicht so, dass die Menschen durch das Vorgehen der Agrarindustrie mehr zu essen haben. In der Entwicklungspolitik sehen wir vielmehr das Gegenteil: Die Agrarindustrie verjagt Menschen, die vorher zu essen hatten, und sorgt dafür, dass wir hier jeden Tag billiges Fleisch auf dem Teller haben.
Das ist der Motor dieser ganzen Misere. In meinem Wahlkreis gibt es eine Wurstfabrik, die sehr fleißig und produktiv ist. Dort arbeiten Frauen bei 4 Grad an einer Wurstabfüllmaschine im Gruppenakkord; das heißt, sie passen auf, dass jede von ihnen Leistung bringt. Wenn eine Frau nicht so gute Leistung bringt, verdirbt sie den Schnitt der Gruppe. Das ist schon psychologisch ein riesiges Problem. Diese Frauen arbeiten für etwa 1 000 Euro im Monat, und sie müssen bis zu 50 Kilometer zur Arbeit fahren, und das, damit die Würstchen dieser Fabrik bei Lidl oder Aldi billiger angeboten werden können als die von der Konkurrenz. Damit die Frauen sich diese Würstchen überhaupt leisten können, müssen sie so billig sein. Das ist ein horrender Kreislauf, in dem wir da stecken, der eine Katastrophe für die Landwirtschaft und die Menschen bedeutet, nicht nur in den Entwicklungsländern, sondern auch hier bei uns. Grundsätzlich ist es doch so, dass wir, um gut leben zu können, nicht nur billige Nahrung haben möchten, sondern darüber hinausgehende Wünsche haben. Wir wollen in einer Landschaft leben, in der wir uns gerne bewegen. Wir wollen nicht in bestimmten Jahreszeiten durch große, dreieinhalb bis vier Meter hohe Maiswände fahren und die Landschaft gar nicht mehr sehen, obwohl das Land ganz flach ist. Wir wollen mobil sein in der Landschaft und einander besuchen können.
Wenn Sie sich anschauen, was in den Städten aus der Mobilität geworden ist, wenn Sie sich das Blech anschauen, das auf den Straßen steht,
weshalb die Kinder nicht mehr allein auf die Straße gehen können, dann sehen Sie, dass auch dort etwas verkehrt läuft. Wir alle wissen, dass wir eine Energiewende brauchen. Aber das gilt nicht nur für den Spritverbrauch, es gilt auch für unsere Ernährungsgewohnheiten. Daran geht kein Weg vorbei. So wie wir jetzt handeln, machen wir die Welt kaputt.
Auch wenn wir hocheffizient so weitermachen, ist das keine positive Lösung. Denn unsere Wirtschaft entwickelt sich sehr schnell und im Wettbewerb, aber leider in die falsche Richtung. Hier besteht die Möglichkeit, etwas zu ändern. Ich will Ihnen ein Erlebnis schildern, das ich gleich zu Anfang meiner parlamentarischen Laufbahn hatte und das mich damals ziemlich umgehauen hat. Ich bin auf einer parlamentarischen Konferenz im Süden Englands gewesen, einer trilateralen Konferenz, bei der – auf Initiative von Helmut Kohl, Mitterrand und Major – französische, englische und deutsche Parlamentarier versammelt waren. Wir hatten uns gemeinsam landwirtschaftliche Betriebe
angeschaut. Ich war ja die ersten Jahre im Landwirtschaftsausschuss. Anschließend haben wir sehr gut gegessen. Wir waren eingeladen, saßen an einer Tafel mit Silber, es gab rosa Vorhänge; wunderschön war das. Rechts neben mir saß ein englischer Kollege, mit dem ich mich über die Probleme der dortigen Landwirtschaft – das war noch vor der BSE-Krise – unterhalten habe. Mein Nachbar links neben mir sprach französisch. Ich dachte zunächst, er sei von der französischen Delegation. Als ich ihn fragte, woher er käme, antwortete er: aus Brüssel. Dass jemand aus Brüssel bei einer trilateralen Konferenz anwesend war, erschien mir unpassend. Also habe ich ihn gefragt, wen er vertreten würde. Er antwortete: die Firma Monsanto. Auf meine anschließende Frage, was er dann hier mache, antwortete er, dass seine Firma die ganze Veranstaltung finanziert.
Die Firma Monsanto ist vielfach überall auf der Welt zur Zahlung von Strafen in Höhe von Millionen Dollar verurteilt worden, weil sie Politiker Welt etabliert, die bewirken, dass Menschen Hunger leiden. Ich habe kein Vertrauen in diese Firma wie auch in andere große industrielle Agrarfirmen, die natürlich die Ansprüche ihrer Aktionäre befriedigen müssen und die erst an zweiter Stelle – vielleicht aus Marketinggründen – die Ökologie berücksichtigen. Ich wünsche mir, dass wir unseren Weg finden. Ich wünsche mir, dass wir eine Verbindung herstellen zwischen unseren Verbrauchsgewohnheiten und dem, was durch sie in der Welt verursacht wird. Wenn wir diesen Zusammenhang nicht sehen, dann springen wir zu kurz.
Mit meiner Fraktion bin ich dagegen, dass wir in diesem Jahr – bis zum April müssen wir darüber entscheiden – den Mais der Firma Monsanto in Deutschland ansäen lassen. Ich möchte, dass wir den Anbau verbieten, wie es in Rumänien, Frankreich, Österreich, Ungarn, Griechenland, Polen und Luxemburg der Fall ist. Wenn Sie sich die Karte ansehen, auf der dargestellt ist, wo der Mais dieses Jahr angebaut werden soll, dann können Sie erkennen, dass das nur in den östlichen Bundesländern der Fall ist. Ich habe für den Europarat einen Bericht zur Grünen Gentechnik erstellt. Gentechnisch veränderte Pflanzen werden mit Ausnahme von Spanien vorwiegend im Osten Europas angebaut. Wir haben uns also in Osteuropa vor Ort angeschaut, warum dies so ist, und festgestellt, dass die Menschen in diesen Ländern überhaupt nicht wissen, was in ihrem Land angebaut wird. Sie haben deshalb auch kein Problembewusstsein. Die großen Konzerne bestechen Politiker und schaffen dort Tatsachen. Auf diese Weise wird die Grüne Gentechnologie dort eingeführt, was bewirkt, dass gentechnisch veränderte Pflanzen überhaupt nicht mehr wegzukriegen sind. Sie sind überall. Es gibt außerdem noch Gentransfers in die Natur, die zu Verunreinigungen führen.

Zu den sog. Vorteilen der Gentechnik

Jammern ohne Argumente - die Gentechnik-Seite hat wenig zu bieten ...

Aus einem Interview mit Prof. Rudi Balling, wissenschaftlicher Geschäftsführer der Helmholtz-Gesellschaft*, auf www.biosicherheit.de
Das wird nicht ohne Folgen für den Wissenschaftsstandort Deutschland bleiben, auch wenn Bundesministerin Schavan versucht, mit einem "Runden Tisch" gegenzusteuern. Pflanzenbiotechnologie ist eine Zukunftstechnologie, die viele Chancen bietet, aber selbst keine Chance bekommt. Bei vielen betroffenen Kollegen aus den Pflanzenwissenschaften herrscht Verärgerung darüber, dass durchsichtige politische Entscheidungen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu begründen versucht werden. Die Grüne Gentechnik ist viel zu wichtig, um als Wahlkampfthema verheizt zu werden.
Nach Jahren der Unsicherheit, der argumentativen Auseinandersetzung und nicht selten auch persönlicher Angriffe mischt sich Enttäuschung mit Müdigkeit. Es sind ja nicht nur Politiker und Feldbesetzer, die den Pflanzenwissenschaftlern das Leben erschweren. Die Unfähigkeit - oder Unwilligkeit? - von Hochschulverwaltungen wie 2008 in Gießen und Nürtingen-Geislingen, genehmigte Freisetzungsversuche zu unterstützen und damit die Forschungsfreiheit durchzusetzen, haben viele Kollegen tief enttäuscht. Ich kann es den Kollegen nicht verdenken, wenn sie sich nach Alternativen außerhalb Deutschlands umsehen.
*Das ist der Laden, der auch das Atommüllendlager Asse betrieb ... und damit für Skandale, Lügen und Vertuschung verantwortlich war!

Weitere kritische Stellungnahmen

Hessische Landesregierung (Juli 1995)

Aus der Schrift "Gentechnik - was ist das?"

Landwirtschaft
An allen wichtigen Grundnahrungsmitteln wie Mais, Reis oder Kartoffeln sowie an vielen Gemüse- und Obstpflanzen werden gentechnische Manipulationen versucht bzw. sind bereits vorgenommen worden. Lange Zeit warben die Befürworter der Gentechnik damit, daß der weltweite intensive Anbau transgener Kulturpflanzen die beste Möglichkeit sei, die Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrung zu gewährleisten. So auch die "Pro Gentechnik"-Initiative 1992, die eine Lockerung der Auflagen und Vorsichtsmaßnahmen bei Freisetzungen erreichen will. Schon heute zeichnet sich jedoch ab, daß sich Länder der sogenannten Dritten Welt, in denen die Versorgungslage besonders dramatisch ist, die High-Tech-Pflanzen und -tiere nicht leisten können, in Industriestaaten wird sich die - staatlich subventionierte - Überflußproduktion möglicherweise noch deutlich steigern.
Obwohl selbst Industrievertreter mittlerweile einräumen, daß die Gentechnik bei der Bekämpfung des Welthungers eine vernachlässigbare Rolle spielt, haben die großen Chemie- und Petrokonzerne viele mittelständische Saatgutunternehmen aufgekauft: Mehr als 90 % der Saatgutfirmen sind bereits in ihrer Hand. Das Marktinteresse konzentriert sich hierbei auf die Entwicklung von Kulturpflanzen, die z.B. gegen firmeneigene Pflanzen"schutz"mittel (Herbizide) resistent gemacht wurden. (Bringt der Landwirt das Totalherbizid aus, können nur die gentechnisch manipulierten Pflanzen überleben, alle anderen Pflanzen werden abgetötet. Solches Saatgut ist nur in Verbindung mit dem entsp rechenden Totalherbizid sinnvoll und wird den Bauern auch nur im Paket Saatgut/Herbizid angeboten werden.) Die von der Industrie lange gepriesenen Vorteile dieser Kombination wie verringerter Pflanzenschutzmitteleinsatz oder besserer Erosionsschutz ließen sich in aufwendigen Untersuchungen nicht bestätigen. Ökologische Probleme dagegen sind vorprogrammiert. Dazu gehören: Auswirkungen der Totalherbizide auf das Bodenleben, eine Ausbreitung der Resistenz durch Pollenflug auf nahe verwandte Wildkräuterarten oder eine Verwilderung der manipulierten Pflanzenarten. Befürchtet wird auch eine dramatische Zunahme des Artensterbens, da die Totalherbizide bei ihrem Einsatz nur manipulierte Nutzpflanzen überleben lassen. Ökologen haben errechnet, daß im Durchschnitt jede Wildpflanzenart zwölf Tierarten versorgt (Nahrungskette). Durch den intensiven Anbau herbizidresistenter Pflanzen könnten auch diese in ihrem Überleben bedroht sein. Ca. 2/3 der weltweit verwirklichten Freisetzungsversuche wurden mit herbizidresistenten Pflanzen durchgeführt. In der Bundesrepublik Deutschland wurden bislang 44 Einzel-Freisetzungsversuche genehmigt; 24 der Versuche - mit transgenen Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais - wurden bereits durchgeführt (Stand August 94).
Industrieinteressen stehen nicht nur im Vordergrund bei der gentechnischen Veränderung unserer Nahrungsmittelpflanzen. Die Landwirtschaft wird als Rohstofflieferant für die technische Verarbeitung entdeckt, da es z.B. auf Erdöl basierende Grundstoffe nur in begrenzter Menge gibt und nach Alternati­ven gesucht werden muß. 1993 wurden in Deutschland die ersten Freilandversuche mit transgenen Kartoffeln genehmigt, die als "nachwachsende Rohstoffe" einen Grundstoff z.B. für die Kunststoff- und Textilindustrie liefern sollen. In den Kartoffeln, die natürlicherweise zwei verschiedene Stärkearten produzieren, wurde die Bildung der einen Stärkeart, die für die industrielle Verwendung nicht interessant ist, durch einen gentechnischen Eingriff blockiert. Sie produzieren nur noch die für die technische Verarbeitung höherwertige Stärkeart. Die Kartoffelpflanzen sind 1993 und 1994 in Stöckheim/Niedersachsen ausgepflanzt worden. Seit 1994 testet die Firma Hoechst an fünf verschiedenen Orten in Deutschland in Freilandversuchen BASTA-resistenten Raps (BASTA = Totalherbizid). Die belgische Firma Plant Genetic Systems hat einen Antrag zur Vermarktung von Raps gestellt, der ebenso BASTA-resistent ist. Diese Pflanzen sollen zur Gewinnung von technischen Ölen dienen. Eine Zulassung für den Nahrungs- und Futtermittelsektor wurde nicht beantragt, weil die gesundheitlichen Fragen noch nicht geklärt sind. Rapshonig jedoch ist mit 10% anteilig in jeder Honigsorte. Auf diesem Weg können Pollen und Nektar der transgenen Rapspflanzen doch noch in die Nahrungskette des Menschen gelangen.
Aber nicht nur Pflanzen sind Ziel gentechnischer Eingriffe. Auch Nutztiere sollen "optimiert" werden. Moderne Fischfarmen z.B. überschwemmen mit Edelfischen wie Lachs und Forelle den Markt und haben einen deutlichen Preisverfall dieser Spezialitäten bewirkt. Hier soll eine weitere Ertragsteigerung erzwungen werden:
Von Lachsen wurde berichtet, daß sie durch den Einbau eines fremden Wachstumhormongens bis zum 37fachen des Normalgewichtes heran wachsen können; das "Kälteresistenzgen" von arktischen Flundern soll ermöglichen, daß Zuchtlachse in kälterem Wasser prächtig gedeihen.
Auch hier geht es vorrangig um Marktinteressen. Sicherheitsfragen nach ökologischen Risiken und selbst nach der Bekömmlichkeit der transgenen Fische werden nur unzureichend bearbeitet.
Nur große landwirtschaftliche Betriebe werden sich den Einsatz der High-Tech-Pflanzen und Tiere leisten können. Damit ist zu befürchten, daß diese Entwicklung zu einer weiteren Vernichtung der Existenzen bäuerlicher Familien beitragen wird.
Freisetzungen gentechnisch veränderter Organismen sind insgesamt kritisch zu hinterfragen, da dies ein unumkehrbarer Weg ist. Zeigen z.B. die manipulierten Organismen außerhalb des Labors neue Eigenschaften oder verhalten sich ganz anders als geplant - und dies geschieht sehr häufig (s. Kasten Methodisch bedingte Risiken, S. 16) -, gibt es in der Regel keine Möglichkeit, diese Lebewesen ins Labor zurückzuholen. Dies trifft auch auf Pflanzen und Tiere zu. Zudem können sie sich vermehren, sich durch Genaustausch über die Fortpflanzung verändern und z.T. auch aktiv fortbewegen. Transgene Bakterien werden mit Luft und Wasser sehr schnell über größere Entfernungen verbreitet. Trotz dieser möglichen Probleme wurde dem französischen Tabakkonzern Seita nicht nur die Genehmigung erteilt, herbizidresistente Tabakpflanzen im Freiland anzubauen; der Tabak darf auch weiterverarbeitet und vermarktet werden.

Gentechnik vernichtet Arbeitsplätze
Aus einem Interview mit der ehemaligen NRW-Umweltministerin, Bärbel Höhn, in: FR, 19.8.2006, S. 12:

Die Agro-Gentechnik ist kein Innovationsmotor, sondern eine Risikotechnologie. Sie kostet Arbeitsplätze, bringt Bauern um ihre Absatzmärkte und gefährdet den boomenden Ökolandbau massiv.

Warum direkte Aktion gegen Gentechnik?

Passen Aktion und Inhaltlichkeit zusammen?

Es gibt eine merkwürdige Zweiteilung, historisch ähnlich wie der Diskurs von Kopf und Hand, der Zweiteilung in Handwerk und Kopfarbeit. In sozialen und politischen Bewegungen ist der extrem verbreitet. Als geistige Führer treten regelmäßig akademisch orientierte Leute auf: Sie halten die Vorträge, machen ihre Studien- und wissenschaftlichen Arbeit, kassieren ReferentInnengelder, schreiben Expertisen für Politik und Medien, veröffentlichen Bücher und zitieren sich gegenseitig. Scheinbar auf der anderen Seite gibt es AktivistInnen, die sich anketten, die demonstrieren, die mit dem Strafrecht in Clinch kommen usw. Beides geht nicht, jedenfalls scheinbar. Tatsächlich aber bestärkt diese Zweiteilung zum einen den Effekt, weil sie kommunikationslose Gruppen bildet. In der Tat: Sie reden kaum oder gar nicht miteinander - die AkademikerInnen und die AktivistInnen. Das stabilisiert sich gegenseitig. Ständig erscheinen Bücher, Diplomarbeiten oder andere Ergüsse. In Medien diskutieren sich die AkademikerInnen den Mund fusselig. Aber vom Objekt ihres wissenschaftlichen Interesses (und ihrer wissenschaftlichen Karriere - die verdienen ja daran, dass es AktivistInnen gibt!) haben sie wenig Ahnung. Sie nehmen auch selten direkte Anschauung. Für ihre wissenschaftliche Karriere ist das nicht wichtig, denn keinE PrüferIn weiß das besser und kann so beurteilen, dass die wissenschaftlichen Arbeiten über soziale Bewegung meist auch nur auf den Klischees oder auf den Meinungen der Eliten dieser Bewegungen beruhen.
Ein stabiler Diskurs in all dem ist, dass beides nicht geht. Wer sich festkettet oder vor Gericht steht, ist blöd. Wer Studienarbeiten schreibt, macht keine Aktionen.

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