Wir feiern den 8. Mai als Tag der Befreiung vom deutschen
Faschismus. Über 40 Millionen Menschen fielen während des Dritten
Reiches dem Vernichtungswahn der Nazis und Weltherrschaftsplänen des
deutschen Kapitals zum Opfer: In Lagern oder rassistischen
Menschenversuchen zu Tode gefoltert, auf offener Straße vom
antisemitischen Bürgermob erschlagen oder durch die Truppen der
faschistischen Wehrmacht und der Waffen-SS in einem beispiellosen
Angriffskrieg, der in Osteuropa ein Vernichtungskrieg war, ermordet.
Diese Zustände fanden in Deutschland, mit Ausnahme einer Minderheit,
die im Widerstand aktiv war oder das Land verlies, nahezu vollständige
Zustimmung. Das Zusammenwirken einer völkisch-nationalistischen und
antisemitischen Ideologie, die für einen Großteil der Menschen in
Deutschland den erhofften Wunsch nach einer neuerlichen
wirtschaftlichen, kulturellen als auch die militärische
Vormachtstellung des deutschen Volkes, war Grundlage für eine Barbarei,
die in Auschwitz und der damit verbundenen einzigartigen strukturellen
Vernichtungsmaschinerie endete.
Am 8. Mai gedenken wir den Jüdinnen und Juden, Homosexuellen, den Sinti
und Roma, Menschen mit Behinderungen und den zahlreichen anderen Opfern
dieses Wahns, der in der sich konstituierenden völkischen Blut- und
Boden-Ideologie seinen konsequenten Ausdruck in der Ausrottung aller
"Nicht-Arier" fand.
Wir danken allen Antifaschistinnen und Antifaschisten dieser Erde, die
entschlossen gegen die faschistische Barbarei und den deutschen
Imperialismus gekämpft haben, viele sogar ihr Leben gelassen haben. Sie
kämpften in den Streitkräften der Anti- Hitler- Koalition, bei den
Partisanen, leisteten Widerstand in den Fabriken und Wohnsiedlungen und
selbst in den Konzentrations- und Vernichtungslagern sowie den Ghettos.
Ihr Einsatz darf niemals vergessen werden. Sie haben gezeigt, dass es
in jeder Lage möglich ist Widerstand zu leisten. Während der Widerstand
in den von den Nazis besetzten Gebieten oft von großen Teilen der
Bevölkerung unterstützt wurde, war der Widerstand in Deutschland selbst
isoliert. Daher war die Intervention und die militärische
Niederschlagung Nazideutschlands durch die Rote Armee und die
alliierten Truppen richtig und hat Europa und die Welt vor der Barbarei
gerettet.
Wir stellen fest, dass die Gründung des Staates Israel die einzig
richtige Konsequenz aus der Shoah und dem Holocaust war und ist, um
Jüdinnen und Juden Schutz zu bieten und dem Antisemitismus Grenzen zu
setzen. Auch heute besteht weiterhin die Notwendigkeit Israel aufgrund
dieser Logik und aktuellem Anstieg des Antisemitismus zu verteidigen..
THE PARTY IS OVER! Auch heute gilt: KEIN FRIEDEN MIT DEUTSCHLAND!
Wirft mensch jedoch einen Blick auf Deutschland nach dem
Nazifaschismus, bleibt die Feierlaune schnell auf der Strecke.
Rund 60 Jahre nach dem Zivilisationsbruch Auschwitz, nach der
„Tötungsmaschinerie" Deutschlands, nach der Vernichtung und Plünderung,
versuchen Menschen die Geschichte umzuschreiben. Deutsche Täter werden
als Opfer dargestellt. So spricht z.B. Jörg Friedrich, in seinem Buch
„Der Brand" bezüglich Schäden durch die alliierte Luftoffensive gegen
Nazideutschland von den Deutschen als „Ausgerottete" und bezeichnet im
gleichen Zusammenhang die Luftschutzkeller der Führertreuen als
„Krematorien". Die Ausmaße der deutschen Taten (u.a. die industrielle
Massenvernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden) werden durch ein
Zurückgreifen auf NS-spezifische Begrifflichkeiten bewusst relativiert,
verharmlost und damit gleichgesetzt. Solcher Geschichtsrevisionismus
findet heute SympathisantInnen in breiten Teilen der Bevölkerung. So
treffen sich etwa in Dresden jedes Jahr aufs Neue, am 13. Februar,
„deutsche Normalbürger" mit Neonazis (unter Führung der JLO - Junge
Landsmannschaft Ostpreussen) zum kollektiven Trauern um die „Opfer" der
alliierten Bekämpfung Nazi-Deutschlands aus der Luft.
Ein prominentes Mitglied der JLO ist übrigens der in Giessen wohnende
Stefan Rochow, Bundesvorsitzender der NPD- Jugendorganisation Junge
Nationaldemokraten und Burschenschafter der schlagenden Verbindung
Dresdensia-Rugia.
Auch wenn der Einfluss neonazistischer Gruppierungen z.Zt. begrenzt
ist, stellen diese doch eine reale Bedrohung für die Menschen dar, die,
ob freiwillig oder nicht, nicht in deren verquertes Weltbild passen
oder nach einem Lebensentwurf fernab des deutschen Mainstream leben.
Demnach sollte es Anliegen eines jeden fortschrittlichen,
emanzipatorisch denkendem Menschen sein, sich dem Neonazismus
entsprechend entgegen zu stellen, und zwar mit allen Mitteln!
Allerdings reicht es nicht aus sich auf ein schlichtes „Nazis raus" zu
beschränken, wo doch das weitaus mächtigere Konstrukt Deutschland einen
überaus brutalen Druck auf Menschen ausübt, die etwa keinen deutschen
Pass haben und aufgrund eines rassistischen Staatsbürgerschaftsrechts
abgeschoben werden oder gar nicht erst einreisen dürfen.
Diese Zustände gilt es genauso ins Visier zu nehmen, wie eine
neuerliche antisemitische Mobilisierung. Deren Ausmaß wird bewusst,
betrachtet mensch die Umfrageergebnisse, nach denen 40% der deutschen
Angeben, Juden hätten zuviel Einfluss. Ganze 65% sehen Israel als die
größte Gefahr für den Weltfrieden an. Da wundert es auch nicht mehr,
dass 25% nicht neben einem Juden wohnen möchten. Zu beachten ist auch,
dass sich mit dem zunehmenden Antiamerikanismus eine dem
Antisemitismus, welcher die Schuld an der Ausbeutung personifizieren
und die Wut auf vermeintlich vom Kapitalismus profitierende Jüdinnen
und Juden lenken soll, strukturell ähnliche Ideologie breit macht.
Während Deutschland sein militärisches und ökonomisches Comeback auf
globaler Ebene anstrebt, richtet sich die Empörung der vermeintlich
„friedliebenden Deutschen" gegen „die Amis", während die eigene, Krieg
führende Regierung bejubelt wird.
In Zeiten der Zuspitzung kapitalistischer Widersprüche und zunehmender
imperialistischer Konkurrenz zwischen den USA und Deutschland-Europa,
in der immer mehr Menschen die sozialen Grundlagen geraubt werden,
rückt die sog. nationale Identität wieder in den Vordergrund. Das
nationale Kollektiv rückt wieder näher zusammen um Menschen, die diese
Verhältnisse nicht mittragen können oder wollen, die nicht in die
Verwertungslogik passen, enormen Repressalien auszusetzen, wie unter
anderem die neusten Änderungen und Pläne im Rahmen der „Agenda 2010"
zeigen.
Mit diesen Verhältnissen darf es keinen Frieden geben, denn unser Ziel
ist nicht weniger als eine Welt in der keine Normalität konstruiert
wird sondern alle verschieden sein können, in der sich Menschen frei
bewegen können und nicht nach ihrer Verwertbarkeit, Hautfarbe oder
sexueller Ausrichtung bewertet werden. All diesen emanzipatorischen
Entwicklungen stehen die kapitalistischen Verhältnisse und Deutschland
im Wege. Also: Weg damit!
Für eine Welt ohne Grenzen, Nationalismus und Kapitalismus!
Nein zum aktuellen deutschen Geschichtsrevisionismus!
Nein zur sog. deutschen Leitkultur oder anderem Größenwahn!
Dieser Text wird unterstützt von:
AntiFa R4 (refuse, resist, revolt-join the revolution), AntiFa-Café
Infoladen Giessen, Einzelpersonen der AG [füsele]