Deutschland im Jahre 2003- Antisemitismus ist wieder auf dem Vormarsch!
Redebeitrag des Antifa Café Infoladen/Giessen zum 09. November

   
Ignatz Bubis, der ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, sagte noch vor seinem Tode, dass er wünsche, nicht in Deutschland sondern in Israel begraben zu werden; so groß war seine Angst vor Schändungen jüdischer Gräber und Friedhöfe.
Wenige Wochen vor seinem Tode sagte er in einem Interview mit der Zeitung Stern, er habe immer betont, ,,dass ich ein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bin. Ich wollte diese Ausgrenzerei hier Deutsche dort Juden, weghaben. Ich habe gedacht, vielleicht schaffst du es, dass die Menschen anders übereinander denken. Aber nein, ich habe nichts bewegt.“ So lautete seine traurige Analyse zu den bestehenden Verhältnissen.

Wie recht er damit hat, sehen wir tag täglich. So werden Friedhöfe geschändet oder Mauern mit antisemitischen Parolen besprüht, wie auch hier in Gießen im Sommer letzten Jahres. Vom wem die Schmierereien kommen ist noch unklar, letztendlich auch egal – Fakt ist, dass Antisemitismus immer noch gedacht und praktiziert wird.
Die nicht enden wollenden Hasstiraden politisch und medial präsenter Personen, wie z.B. dem nicht mehr nur geistigen Tiefflieger Jürgen Möllemann oder dem Auschwitz-relativierenden Martin Walser trugen und tragen ihr übriges dazu bei, dass Antisemitismus in Deutschland wieder gesellschaftsfähig wird. Ganz besonders Neo-Nazis oder Stammtisch Rassisten nehmen  diese Rhetorik auf und setzen diese praktisch in die Tat um.
Antisemitische Graffitis und der zum Glück misslungene Sprengstoffanschlag auf die Synagoge in München sind Realität in Deutschland  und sprechen eine deutliche Sprache über die Verhältnisse in diesem Land. Verbale antisemitische Positionierungen werden (immer häufiger verständnisvoll) mit einem Augenzwinkern als dumme Streiche und beliebige Ausfälle abgetan. Der Judenhass tarnt sich heute häufig in einer Kritik an Israel und wird doch immer wieder in stereotypen Vorurteilen über „die Juden“ deutlich. Dabei geht es nur selten darum, für einen friedlichen Ausgleich im Nahost-Konflikt einzutreten, vielmehr scheint ein dringendes Bedürfnis zu bestehen., endlich einen Schlussstrich unter die deutsche Geschichte der Täter zu ziehen und die Kritik am Vorgehen der israelischen Regierung mit den Verbrechen der Nazis gleichzusetzen um die eigene Geschichte relativieren zu können.
Aktuellstes Beispiel ist die Rede des CDU-Bundestagsabgeordneten (und ex-BKA’ler) Hohmann aus Fulda.
Schändungen von jüdischen Friedhöfen sind keineswegs als singuläre Ereignisse einzuordnen, sondern sind ein Ausdruck einer antisemitischen, rassistischen Kontinuität, die sich in Deutschland immer wieder gegen vermeintliche Feindbilder austobt. Mal sind es die Ausländer und immer noch sind es die Juden. Variabel wird Menschen, die nicht in das Weltbild und die Verwertungslogik deutsch-nationaler Hobbyideologen und hauptberuflicher Volksgemeinschafler passen, der schwarze Peter zugeschoben und damit den Stiefel-Nazis auf der Strasse der Weg bereitet, den Worten auch Taten folgen zu lassen. Dabei sind die Wortführer genau wie die Täter in die Verantwortung zu nehmen. Über diese Perversität schweißt sich die nationale Einheit, das deutsche Kollektiv zusammen und so wird die rassistische und antisemitische Pogromstimmung zum klaren Statement. Es wird selbstverständlich geschwiegen oder wie im Falle Hohmann von sog. Ausfällen oder Missverständnissen geredet.  Die einen reagieren lediglich verbal und belassen es bei einer Abmahnung, die anderen sprechen trotz entschiedener Handlung, im Fall des KSK-Generals Güntzel, von Einzelfällen. Dass diese immer wieder auftauchenden Ideologien keine Einzelfälle sind, betont sogar der ARD-Moderator Wickert. Doch weiterhin gilt es in Deutschland, die eigene Gemeinschaft nicht angreifbar zu machen und die Probleme bloß nicht in der Mitte der Gesellschaft zu suchen.
Deshalb stehen wir hier einen Tag vor dem geschissträchtigen Tag des 09.11.38!  Angesichts der millionenfachen Opfer des Nazi-Wahnsinns und der antisemitischen, rassistischen Hetze in der Gegenwart.
Schaut nicht länger zu wenn Neo-Nazis und bürgerlich-rassistischer Verwertungskonsens sich tummeln!
NICHTS WIRD VERGESSEN UND NIEMAND !!!!