Den deutschen Opfermythos im Visier !
Flugblatt der Antifa.R4 zum 60. Jahrestag der Bombardierung der Stadt Gießen
Wie auch in den Jahren zuvor, findet am 06. Dezember eine Gedenkveranstaltung zu der Bombardierung der Stadt Gießen statt. Doch dieses Jahr zum „Jubiläum“ wird alles größer, schöner und besser. Erst erschien ein Buch über den „Bombenkrieg in Giessen“ und die Giessener Tageszeitungen nehmen das Datum zum Anlass um daraus eine Reihe an Reportagen zu machen, wo schon mal gerne Zitate des Geschichtsrevisionisten Jörg Friedrich und seinem Buch „Der Brand“ genommen wird. Aber auch die Bezeichnung "Bombenkrieg" an sich spricht schon Bände. Die Bombardierung deutscher Städte wird aus dem übrigen Kriegsgeschehen einfach herausgenommen, aus jeglichem Kontext gerissen und als verbrecherisch abgeurteilt. Kein Ton ist zu hören von den Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht, den Massenmord an den europäischen Juden, den Kommunisten, Sinti und Roma, Homosexuellen und Behinderten. Kein Ton von den Gräueln, welche die SS über ganz Europa gebracht hat. Am 06. Dezember 1944, wurde Giessen zu 70% zerstört. An diesem Abend flogen 247 Flugzeuge der Royal Air Force über Giessen und warfen über 1207t (Brand-) Bomben ab1. Ziel der Bombardierung der Stadt Giessen war die (noch) intakte Infrastruktur, die den Nachschub für die Front sicherte2. Damit jeder Bewohner dieses Jahr in den Genuss, des von der Stadt gewünschten kollektiven trauern kommt, werden im gesamten Stadtgebiet von 20:03 – 20:27 Uhr (Uhrzeit des Luftangriffes) die Glocken läuten.
An keinem anderen Tag zeigen die GiessenerInnen ein solches Interesse an ihrer eigenen Historie. Die Beteiligung der GiessenerInnen an der Shoa (Holocaust), der Mordmaschinerie des NS, wird kaum so intensiv gedacht.
Fast sechzig Jahre nach der militärischen Zerschlagung des deutschen Faschismus ist es in Deutschland üblich, nur noch der „eigenen“ Toten zu gedenken. Allerdings gedenken die Deutschen nicht ihren Opfern, sondern sich selbst. Im TV laufen die Dokumentationen des Jammers rauf und runter, alle dürfen von ihrem Leid berichten. Den Höhepunkt des volksgemeinschaftlichen Wahnsinns steuerte Jörg Friedrich mit seinem Buch „Der Brand“ bei. Dort werden die Luftschutzkeller zu „Krematorien“ und „Gaskammern“ 3 und die fünfte Gruppe des britischen Bomberkommandos wird als „Einsatzgruppe“ 4 bezeichnet, anspielend auf die SS-Einsatzgruppen und ihren Massenmord an Juden in Osteuropa. Was in der gegenwärtigen Kampagne deutscher Publizisten glaubhaft gemacht werden soll, ist das Bild vom „Bombenkrieg gegen die Deutschen“, der nichts gewesen sei als sinnlos –verbrecherisches Töten. Kein Ton der Trauer oder Empörung ist von deutscher Seite zu hören, wenn sich die Tage der Bombardierung von Rotterdam, Warschau, London, Coventry und Guernica durch die deutsche Luftwaffe jähren. Auch die Tatsache, dass im 2. Weltkrieg über 50 Millionen Menschen ihr Leben gelassen haben, scheint für das deutsche Kollektiv aus halluzinierten Opfern nicht weiter von Interesse zu sein.
Auf zynische Weise wird den Alliierten vorgeworfen, mit dem so genannten „moral bombing“ den Durchhaltewillen der Deutschen zu brechen und den Krieg schnellst möglich zu beenden. Ausgeblendet werden aber hierbei die Ursachen, die die Bombardements der Deutschen Städte haben nötig werden lassen. Dass es doch letztendlich ein überwiegender Teil der Deutschen war, die „bis zum letzten Blutstropfen“ kämpfen wollten, obwohl der Ausgang des Krieges schon lange klar war, wird gerne verschwiegen.
Gegen Geschichtsrevisionismus – Nie wieder Deutschland !
1 „Giessen im Bombenkrieg“ von Peter Schlagetter –Bayertz (S.33)
2 Gießener Allgemeine vom 02. Dezember 2004 (S.25)
3 „Der Brand“ von Jörg Friedrich (S.110/336/378/388)
4 „Der Brand“ von Jörg Friedrich
(S.311)
Vi.S.d.P.: K. Mosquito, Flugstr. 31, 35390 Gießen