Schwarz-Braun Metallic
Am 25. September sollte im städtischen Jugendzentrum Jokus in Gießen (Mittelhessen) ein Black Metal-Konzert mit den Bands „Black Witchery“ (USA), „Armagedda“ (Schweden) “Manticore“ (USA) und „Avenger“ (Tschechien) stattfinden. Dieses Konzert war Teil einer Tour mit dem Titel „Marching towards christian extermination- Minitour 2002".
Zu deutsch: „Marsch zum Zwecke der christlichen Vernichtung“.
Veranstaltungsorte waren neben Gießen, Nürnberg, Berlin, Bitterfeld und auch Städte in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Österreich.
Den Tourdaten ist eine „ wichtige“ Erklärung beigefügt.
In dieser wird hervorgehoben, daß die besagte Tour keine gewöhnliche Tour sei, sondern
„ an ideological minitour with statement and purpose....“ Und weiter „ but rather a ritual with its own specific concept“....“Near two week holocoust throughout Europe!“„... Black and Death Metal united on the same anti- Christian front! Join us and watch them burn“.

Zum besseren Verständnis soll an dieser Stelle ein kurzer Überblick über die faschistischen Strukturen in der Black Metal(BM)- Szene gegeben werden, um die lokalen Ereignisse besser in den Gesamtkontext einordnen zu können:

Zu Beginn der 90er Jahre begann ein Teil der BM-Szene sich vom Satanismus abzuwenden und sich für faschistische Ideen zu begeistern. Das Pentagramm wurde gegen das Hakenkreuz eingetauscht. Der Bezug auf das Christentum (über Satan) gegen das Heidentum.
 „Demnach ist die christliche Heilslehre lediglich eine besonders perfide Waffe, um die Menschen unter das Joch der Nächstenliebe zu zwingen und sie damit ihres Wiederstandspotentials zu berauben. Um der Naturgesetzlichkeit wieder zu ihrem Recht zu verhelfen, philosophieren einige Bands über den totalen Krieg. Er sei das geeignete Mittel, das Mittelmaß zu vernichten und das Überleben der „Starken“ zu sichern.“ (aus „Unheilige Allianz“ / Analyse und Kritik /Nr.428)
Die dieser (Sub-)Szene angehörenden Bands bezeichneten ihren Musikstil fortan als „National- Socialist Black Metal“ kurz „NSBM“.  Als „Begründer“ des NSBM kann mensch Varg Vikernes und seine Band Burzum bezeichnen. Vikernes behauptet von sich ein Faschist zu sein.
Er ist Mitglied der militanten rechtsextremen Gruppe VAM (Vitt Arisk Motstand) zu deutsch „Weißer Arischer Widerstand“ und Gründer der „Allgermanischen Heidnischen Front“- ein internationaler Zusammenschluß von NSBM-Bands in fast allen Ländern Mittel- und Nordeuropas und den USA.
Viele BM-Bands bekennen sich mittlerweile offen zum Faschismus und geben ihre Bewunderung für den mittlerweile inhaftierten Burzum-Sänger (Vikernes sitzt seit 1994 eine 21-jährige Haftstrafe wegen Mordes ab) zu.
Bestes Beispiel ist die polnische Band  „Graveland“, deren Bandleader  Rob Darken sich in Interviews sowie CD-Booklets eindeutig rassistisch und antisemitisch äußert.
Aus einem Online- Interview sind folgende Zeilen entnommen:
„Ayra race wake up! The new era of paganism and darkness is coming.Graveland will show you  the way .Start the Holocaust again, kill Jews and Christians.....“
Auch in Deutschland hat der NSBM einige Anhänger, von denen „Absurd“ wohl die Bekanntesten sein dürften. Die Band erregte 1993 großes mediales Aufsehen durch den sog. „Satansmord von Sondershausen“ bei dem die Mitglieder der Band einen Mitschüler erdrosselten.
Ähnlich wie ihr großes Vorbild Vikernes entwickelten sie sich während ihrer Haftzeit zu bekennenden Neonazis. Absurds Bandchef Henrik Möbus entwickelte sich ebenfalls zu einer wichtigen Persönlichkeit in der NSBM-Szene.
Als Möbus nach sechs Jahren Jugendhaft auf Bewährung entlassen wurde, kam er sogleich wieder durch das Tragen von verfassungsfeindlichen/verbotenen Organisationen mit dem Gesetz in Konflikt.
Vor der drohenden Verhaftung floh er zunächst in die USA, wo er bei seinen Freunden von der White Aryan Nation untertauchte. Nach seiner Festnahme durch US-Behörden beantragte er politisches Asyl in den USA, das aber abgelehnt wurde. Am 29.07.2001 wurde Möbus in die Bundesrepublik abgeschoben und wartet zur Zeit auf eine neues Verfahren.
Die Flucht und Möbus´Untertauchen in den USA veranschaulicht die internationalen Kontakte, die die NSBM-Szene pflegt.
So rekrutiert sich die „Paganfront“-die größte Vereinigung von NSBM-Bands-aus Mitgliedern in den USA, Frankreich, Polen, Russland und Deutschland.
Sie kooperiert mit zahlreichen faschistischen Bands, Label und Vertrieben auch außerhalb der NSBM-Szene und betrachtet ihre Hauptaufgabe in der internationalen Verbreitung faschistischer Propaganda durch Musik.
Neben Kontakten zu den faschistischen Gesinnungsgenossen werden aber auch Kontakte zur übrigen BM- Szene gehalten, um eine möglichst große Anzahl an Publikum zu erreichen.
Blickte Mensch nun mit dem Wissen der oben genannten Informationen auf die lokalen Vorgänge, so liessen sich doch einige Rückschlüsse auf das zu erwartende Publikum und die politische Einstellung einiger Menschen im Umfeld der Konzertveranstalter ziehen.
Doch zunächst einmal die Fakten bezüglich des Jokus-Konzerts und ihrer Veranstalter:
 
Vorgeschichte in Giessen waren zwei Konzerte der Kulturinitiative Metalhessen (im folgenden KIM) im Jokus im Mai diesen Jahres und im Dezember des vergangenen Jahres. Bei dem Dezember Konzert trat unter anderem die Band „Irmingot“ aus Wetzlar auf. Dazu später mehr.
Bei diesen Veranstaltungen war eine auffallende Anzahl von Menschen anwesend, die mehr oder weniger deutlich ihre faschistische Gesinnung zum Ausdruck brachten. Dabei reichte die Bandbreite von mittlerweile berühmtberüchtigten Shirts diverser Bands (Burzum u.a.) bis zu Aufnähern mit Slogans wie „ SS Black Metal Reichsgau Hessen“.
Auf dem Dezember- Konzert fielen Metaler aus der Region Siegen durch Hitler- Gruß- Zeigen und durch Singen des Horst-Wessel-Liedes auf. Des weiteren wurden Flyer für einen Rudolf- Heß Gedenkmarsch verteilt.

Außerdem wurden von dem - im Rahmen des Konzerts-verkaufenden Händlern Tonträger und weitere Merchandise-Artikel von sogenannten NSBM- Bands angeboten.
Auffallend war ein Shirt der Band Burzum (s.o.) auf dessen Frontseite einen Odalsrune und der SS-Totenkopf sowie auf der Rückseite der Schriftzug „Einsatzkommando“ gedruckt ist.
Anbieter dieser Artikel ist das Label Undercover-Records aus Leun im Lahn-Dill Kreis, das auch als Promoter und Hauptveranstalter für das  Konzert am 25.9. im Jokus auftrat.
Leider beschränkt sich deren  Aktionsradius nicht nur auf den regionalen Bereich. So verkauft der Labelmacher, ein gewisser Herr Tiebel, seinen Kram, der sich  aus BM- und  NSBM Tonträgern zusammensetzt- auch auf Open Air- Festivals mit mehreren tausend Besuchern wie beispielsweise auf dem Wacken Open Air (größtes Metalfestival Europas).

Nach einem Gespräch im Vorfeld des Konzertes wurde durch die KIM erklärt, das sie, nicht Undercover-Records, das Konzert veranstalten würden. Der Betreiber von Undercover habe mit der Organisation der Konzerte der KIM nichts zu tun. Man ist verwundert, angesichts solcher Aussagen, das im Vorfeld des Konzertes ausschließlich Undercover-Records als offizieller Veranstalter auftrat. Ebenso wurde berichtet dessen Einstellung sei nicht faschistoid. Dennoch stellt sich die Frage nach der Einstellung der Betreiber dieses Labels,  bei einem Blick auf die Homepage und speziell deren Linkliste. Dort besteht ein Link zu einem Label mit dem Namen Deathstrike auf deren Seite zur Vernichtung des sog. Judeo- Christentums aufgerufen wird. Hier plädieren die Macher der Page ungeniert für eine Massenvernichtung im Stile der Nazis.
Ein weiter Link führt von der Undercover- Homepage zum Label „Old Legend Productions“ auf deren Frontpage mit der Parole „Support White Resistance“ die politische Einstellung sofort klargestellt wird. Old Legend ist ausserdem Mitglied der Pagan Front.  
Bis vor kurzem wurde das holländische „White-Power-Fanzine, The Black Death“ verlinkt.
Auf dem US-amerikanischen Label Elegy Rec., das ebenfalls mit Undercover verlinkt ist, wird die sofortige Freilassung von Henrik Möbus (Absurd) gefordert(s.o.).

Auf Hinweis -an die Macher der Undercover- Homepage vor einigen Wochen- zu oben genannten Links doch mal Stellung zu beziehen, bedankten diese sich für die Information und versicherten die oben angeführten Links in naher Zukunft zu kappen. Derlei ist bis heute jedoch nicht geschehen. (Stand Oktober 2002)
Statt dessen wurde einige Wochen später sowohl der Hinweis als auch die Antwort darauf gelöscht.
In oben genannter Gesprächsrunde mit der KIM kam es zu deutlichen Meinungsverschiedenheiten über die Verantwortlichkeit von Links.
Wir sind der Meinung, Links zu faschistoiden Homepage-Anbietern unkommentiert und ohne antifaschistischen Grundkonsens herzustellen bietet diesen die Möglichkeit der Verbreitung ihrer Menschenverachtenden Ideologie. Des weiteren nutzt es nichts, vermeintlich oder aus rechtlichen Gründen jeglichen politischen  Gemeinsamkeit zu entsagen, wenn jedoch dies der Entschuldigung dienen soll, diese Links weiterbestehen zu lassen. Dies ist reine Augenwischerei.

Doch forscht Mensch weiter im Netz, tun sich immer neue Verbindungen von Undercover zur NSBM- Szene auf:   

So wird Undercover- Rec. auf der Internetseite des Hauptveranstalters der Tour, Breath of Night in einer Aufzählung mit No Coulors Rec. Aus dem sächsischen Borna genannt.
No Colours sind ein wichtige Größe im NSBM (haben u.a. Graveland und Nagaroth unter Vertrag und verkaufen unter Decknamen Absurd- Kram)
Im Rahmen einer bundesweiten Razzia in der rechtsextremistischen und satanistischen Szene hatten die LabelmacherInnen von No Colours im Oktober 1999 Besuch vom Verfassungsschutz, der bei der Durchsuchung ca. 10.000 CD´s, 800 LP´s und mehrere hundert T- Shirts mit satanistischen sowie volksverhetzenden und verfassungswidrigen Aufdrucken sicherstellte.
( Quelle „Sächsisches Staatsministerium des Inneren“)
Undercover Rec. wiederum verkauft nahezu sämtliche von No Colours veröffentlichte Tonträger.
(z.B die NSBM-Bands.:Burzum, Graveland und Nargaroth).
Das Label bietet aber auch faschistischen Metal von anderen Produzenten an, z.B.:Ewiges Reich /Christhunt Productions.
 

Doch leider beschränkten sich diese Aktivitäten dieser Zeitgenossen nicht nur auf die Konzerte im Jokus. So tauchten in den letzten Monaten immer wieder einschlägige Szenemitglieder im Scarabee auf, das als Studentenlokalität besonder Toleranz postuliert. Das mag ja auch so stimmen. Nur geht das doch ein wenig zu weit, wenn faschistoide Ideologien und Symbole im Laden toleriert werden. So wurde der Sänger der Wetzlarer BM- Band Irmingot - ehemals Waldschrat- beim Hitler- Gruß Zeigen im Scarabee beobachtet.
Dieser soll auch beim Metal- Konzert im Mai Flyer für einen Rudolf- Heß Gedenkmarsch verteilt haben. Zudem bringt er ein Fanzine mit Namen Gefjon heraus, indem  vorwiegend NSBM zu Wort kommt.( Siehe auch AIB Nr. 49)   
Astanoth, wie er sich nennt, beruft sich  in einem Interview mit dem Fanzine Blutvergießen auf die sogenannten „14 Words“ des U.S. amerikanischen Rechtsterroristem David Lane:“We must secure the existence of our people and a future for white children“ , einem eindeutiger Code der Neo-faschistischen Szene.
Das ganze Ausmaß der Machenschaften von Irmingot wird einem aber erst deutlich wenn man ihre Grußliste (Hailz) einmal etwas genauer unter die Lupe nimmt:
Dort wird z.B. die Black Metal Band „Totenburg“ gegrüßt, eine der momentan führenden NS-Black Metal Combo´s in Deutschland. Ein Konzert dieser Band zusammen mit Magog (NS-Black Metal/ Umfeld Skinheads Sächsische Schweiz) wurde am 20. Juli 2002 in Berlin vom dortigen L.K.A. gestürmt und beendet. Festgenommen wurde dort unter anderem Toni.S., einer der bundesweit aktivsten Produzenten von Rechtsrock. Außerdem stand besagter S. auf der Gehaltliste des Brandenburgischen Staatschutzes. Denen gefiel die Enttarnung ihres Agenten durch die Berliner Kollegen überhaupt nicht, was einen Disput der beiden Behörden und bundesweite Medienpräsenz des Falles zur Folge hatte.  
Zusammen mit Totenburg und Magog sollte Irmingot  zwischen dem 31.8. und 2.9.01 in Pirna auf einem Festival spielen. Angekündigt wurden auch Zarathustra die ihre Tonträger auf Undercover Rec. veröffentlichen..
Das Festival wurde von den örtlichen Behörden wegen „rechtsextremistischen Hintergrund“ abgesagt.
Weiterhin grüßen sie ihre „Kameraden“ vom Blutskampf-Fanzine, das sich für die Einheit aller Nationalistischen Subkulturen (Boneheads, Metaller, Gothics, Hooligans u.s.w)  einsetzt.
Mit dem NSBM Label Christhunt Prod. ist man auch gut Freund, diese Veröffentlichten u.a. NSBM-Bands wie Magog, Odal oder Ewiges Reich.
Der Plattenladen „Silvergate“ in Gladenbach-Weidenhausen verkauft nicht nur Tonträger von Burzum und Graveland sondern wird von der Wetzlarer-Gruppe auch „gehailt“.
Undercover Rec. und Deathstrike Rec. dürfen in dieser illustren Runde natürlich  nicht fehlen..
     

Im Zuge dieser eindeutigen Fakten mußte sich das Jokus von diesen zwischen undurchsichtig und eindeutig rechtsextrem schwankenden Verhältnissen distanzieren. Ansonsten bestände die Gefahr der vermeintlichen Billigung dieser Geschehnisse und Ideologien. Es wäre völlig inakzeptabel, wenn in einem städtischen Jugendzentrum Veranstaltungen stattfinden, auf denen offen zur Hetze und zur Vernichtung gegen bestimmte Ethnien und Religionen aufgerufen wird. (natürlich nicht nur dort!!!).


Die Beteiligten der KIM haben sich schließlich zu einer Distanzierung gegenüber dem Bereich des NSBM entschlossen, die da lautet, dass die Gruppe „ausdrücklich NICHT mit Rechtsradikalismus oder sonstigen radikalen Aspekten in Verbindung gebracht werden (will)“.
Das ist ebenso ein guter Anfang, wie die Überlegung bei eventuell weiteren Konzertplanungen öffentlich darauf hinzuweisen, dass rechte Ideologien und Symbole dort nichts zu suchen haben. Auch die von der KIM vorgeschlagene Handlungsweise, Händler/innen als auch Besucher/innen auf Symboliken rechter Ideologien bzw. Gruppen zu untersuchen wäre eine ernstzunehmende positive Ausrichtung- sofern diese auch konsequent durchgeführt werde. Dies würde zu einer glaubhaften Distanzierung beitragen, welche keine Probleme bei Konzertanfragen bereiten würde.
Ob dies aber auch wirklich konsequent geschieht, muss zumindest kritisch verfolgt werden, da sich die K.I.M. im besagten Text zwar einerseits von rechtem Gedankengut distanziert aber andereseits die Verbindungen zu No Colours Rec. bestreitet und die Machenschaften von Undercover Rec. verharmlost.


Bezüglich des nun im Irish Rover stattgefunden Konzertes ist folgendes zu sagen: Das Problem bestand stets in dem vermeintlichen Veranstalter Undercover Rec. (Oben ausführlich begründet) als auch in der Booking-Agentur und deren offiziell genannten Supporters.
Ebenso wie die Verantwortung über die Geschehnisse, sofern diese geduldet werden wie geschehen.

Bezüglich der BM-Szene sollten deren Mitglieder sich doch generell einmal Gedanken über die Toleranzschwelle gegenüber rechtem Gedankengut machen.
Warum werden Faschos auf BM-Konzerten toleriert und ihnen so ein Forum geboten?
Warum erfahren antifaschistische BM- Vereinigungen wie beispielsweise die Euronymus- Krieger keine größere Szene-Unterstützung oder muß Mensch mittlerweile schon von einer drohenden „rechten Übernahme“ der BM-Szene sprechen? Sollte das der Fall sein, so ist es höchste Zeit etwas zu unternehmen. Derzeit gibt es wenige antifaschistische Bereiche der BM-Szene. Da wir aber in keinster Weise eine Musikrichtung pauschalisierend verurteilen wollen, verweisen wir gerne auf die Gruppe „Metalheads against brown insanity“ unter: http://come.to/fuckfascism!!!



In diesem Sinne
AFC Giessen

FIGHT FACISM !!!!!!!